Beiträge von Gerchla

    44.
    Würde mich sehr freuen, wenn Du ab und an mal eine Wasserstandsmeldung da lässt. Ist auch immer für Neue hier ganz wertvoll, wenn sie sehen welche Wege andere gehen und wie die dann so funktionieren.

    Sollte es bei Dir irgendwie schief laufen, was ich Dir weder wünsche noch glaube, dann weißt Du ja auch wo wir sind.

    Ansonsten wünsche ich Dir eine gute Zeit und auch, dass Du viele Erfahrungen sammeln kannst. Ich glaube (warum auch immer) Du hättest das "Zeug" dazu sogar "einfach so" dauerhaft ohne Alkohol zu leben. Quasi aus Überzeugung heraus. Nur ein Gefühl von mir und im Grunde ist es auch egal, solange Du Deinen Konsum auf eine unschädliche Menge reduzierst.

    Aber vielleicht findest Du ja Freude am Leben ohne. Ich würde nicht mehr zurück wollen, auch wenn mir jemand jetzt garantieren könnte, dass wieder ganz normal trinken kann. Mir ist der Sinn wirklich abhanden gekommen.

    Also, jetzt is aber gut. Bis bald und

    LG
    gerchla

    Hallo Olli,

    ähnlich wie Greenfox ist mir Deiner erster Post auch komplett durchgerutscht. Also auch von mir ein verspätetes Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin in Deinem Alter und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Schön, dass es bei Dir so gut läuft. Ich wünsche Dir, dass es einfach so weiter geht. Bei Dir scheint es ja einfach "Klick" gemacht zu haben, das liest man immer wieder mal und bei mir war es im Grunde ja ähnlich. Wobei bei mir viele mehr oder weniger verzweifelte Versuche des Reduzierens und des Aufhörens voran gingen. Als es dann tatäschlich soweit war, war es jedoch auch völlig unerwartet.

    Jedoch "musste" ich dann erst mal richtig ran. Da gab es einiges zum Aufarbeiten und viele verschobene Probleme, die zu beheben waren. Das konnte ich alleine nicht schaffen, so dass ich einiges an Hilfe in Anspruch nahm. Dieser Prozess des Aufarbeitens war bzw. ist für mich nicht nur ein Garant für mein weiteres Leben ohne Alkohol sondern hat mich auch persönlich sehr viel weiter gebracht.

    Du scheinst da ja so ganz entspannt durchzumaschieren. Super! Ich wünsche Dir, dass es so weiter geht!

    Alles Gute weiterhin und einen guten Austausch hier im Forum!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Bennie,

    so, jetzt will ich Dir mal noch meine restlichen Gedanken schreiben.

    Zitat

    Bei mir läuten die Alarmglocken, weil ich mir am WE zwischendurch ein oder zwei „inoffizielle“ Bier genehmige, um dann mit meiner Frau noch eine Flasche Rotwein zu köpfen. Und das schlechte Gewissen, wenn ich Montag Morgens aufwache und darüber nachdenke wieviel ich über das Wochenende verteilt getrunken habe.


    Ich finde das sehr gut und wichtig, dass Du diese "inoffiziellen" Biere ernst nimmst bzw. Dir darüber Gedanken machst. Heimliches Trinken ist ein Indikator für eine Suchterkrankung. Wenn mehrere Indikatoren zusammen kommen, also z.B. noch Kontrollverlust, das Anlagen von Trinkvorräten, etc. kann man davon ausgehen, dass der Betroffene süchtig ist. Darum ist es ganz wichtig, dass Du da ganz genau hin schaust.

    Und bitte lass Dich nicht von solchen Dingen täuschen:

    Zitat

    Unter der Woche fällt mir der Verzicht jedenfalls nicht schwer. Wenn ich mir vornehme am Wochenende nichts zu trinken (was ich ehrlich gesagt sehr selten tue), fällt mir das auch nicht besonders schwer. Anfang des Jahres habe ich 4 Wochen keinen Alkohol getrunken, auch kein Problem, obwohl meine Frau auf ihr Glas Rotwein am Wochenende nicht verzichten wollte.

    Bitte nicht falsch verstehen. Es ist gut, dass es (noch) so ist, jedoch ändert das nichts daran, dass Du Dich in einer prisanten Situation befindest. Es bedeutet aber nicht, dass Du nicht schon abhängig sein könntest.. Genauso wenig kann aber sagen, dass Du bereits süchtig bist. Die ganze Geschicht ist ja oft eine Gradwanderung und es gibt eben "nur" Indikatoren die für oder gegen eine Sucht sprechen. Eine Sucht definitv zu diagnostizieren ist nicht so einfach, es sein denn der Betroffene ist schon so tief darinnen, dass es eindeutig ist. Du merkst, das alles ist nicht ganz so einfach. Bei mir war es so, dass ich in den ersten Jahren meiner Sucht solche Pausen, und noch viel längere, ebenfalls problemlos einlegen konnte. Und hätte ich es damals kapiert, wäre es mir vielleicht noch relativ leicht gefallen, da irgendwie schnell raus zu kommen. Aber mein Hirn sagte mir ja genau das, was Dir Deines im Grunde ja auch sagt: Du kannst doch problemlos pausieren, du musst keine Gespenster sehen, du musst nicht jeden Tag trinken, du siehst doch, dass du auch nur zwei oder dreimal die Woche trinken kannst und alles ist gut (solche "Experimente" machte ich nämlich auch). Und verstehst Du, sobald man sich solche Gedanken macht, sobald man sich damit intensiver auseinder setzt ist eigentlich schon klar, dass da was nicht in Ordnung sein kann.

    Ein Genusstrinker, der ab und an mal aus reinem Genuss ein Glas Wein zu passender Gelegenheit trinkt wird nie auf die Idee kommen dieses Verhalten bezüglich einer möglichen Suchterkrankung tiefer zu hinterfragen. Du aber tust das und damit ist da schon mal ein Problem vorhanden. Wie groß dieses jedoch ist, also ob schon eine Sucht vorliegt oder Du noch andere Wege als die absolute Abstinenz gehen kannst, das weiß ich nicht.

    Zitat

    Das mit dem heimlichen Trinken hat vor ca. 4 Jahren angefangen. Das war für unsere Familie und für mich eine extreme Zeit. Wir waren gerade mit unseren Zwillingen aus dem gröbsten raus, dann bekam meine Frau die Diagnose Brustkrebs. Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen und ich hatte existentielle Ängste, wie noch nie in meinem Leben. Zu dieser Zeit habe ich abends fast täglich 2-3 Bier getrunken. Ein Jahr später war die schlimmste Zeit überstanden und ich bin wieder zu meinem gewohnten Pensum zurückgekehrt.


    Erst mal: super, dass Ihr das alles gut überstanden habt! Das was Du hier erlebt hast, ist ein sehr gutes Beispiel für die große Gefahr in der man sich befindet, auch wenn man noch nicht süchtig ist sondern "nur" Missbrauch betreibt. Es ist einfach so, dass man sich der Wirkung des Alkohols bewusst ist. Man weiß genau, wie das Zeug funktioniert, was es einem "bringt". Und dadurch, das man den Alkohol ja auch als Missbräuchler über einen längeren Zeitraum regelmäßig konsumiert, manifistiert sich natürlich dieses "Wissen". Deshalb ist es auch oft so, dass Menschen, die zwar tranken, aber noch relativ moderat, bei plötzlich auftretenden großen Problemen, dann komplett in eine Sucht abgerutscht sind. Da heißt es dann: der hat zum Saufen angefangen....

    Da kenne ich tatsächlich ein paar Beispiele aus meinem Bekannten- bzw. Verwandtenkreis. Ich kenne aber z. B. niemanden, der vorher nicht (oder eben nur ganz selten) getrunken hat, der dann aufgrund eines großen Problems zum Trinker geworden wäre. So was soll es auch geben, aber die Gefahr für Menschen, die dem Alkohol bereits nahe standen (auch wenn sie noch nicht süchtig waren) halte ich für deutlich größer. Deshalb findie ich es auch für wichtig, dass Menschen die nach missbräuchlichen Verhalten zu einem normalen Trinken zurück finden, trotzdem diesen Missbrauch aufarbeiten. Also hinter die Kulissen schauen um die Meachnismen die da in Gang gekommen sind zu verstehen. Und eben auch Strategien entwickeln, die sie dann davor schützen, nicht doch bei entsprechend auftretenden schwereren Problmen (Schicksalsschlägen, Krankheit, etc.) wieder abzurutschen.

    Ein wenig kompliziert aber ich hoffe Du vestehst was ich sagen möchte. Allein schon deshalb ist ein Leben komplett ohne Alkohol eine echt gute und entspannte Sache, wenn ich das mal sagen darf.

    Zitat

    Ich habe in meinem Leben auch schon mit anderen Rauschmitteln zu tun gehabt. Ich habe 15 Jahre lang geraucht, ca. 20 Zigaretten am Tag, habe jahrelang gekifft und gelegentlich auch mal Kokain oder Speed auf Parties konsumiert. Das alles ist lange her und bis auf das Rauchen, hatte ich keine Probleme damit aufzuhören, als es für mich an der Zeit war.


    Hierzu kann ich nur sagen, dass ich mich mit Alkoholikern ausgetauscht haben, die multitox, also auch noch von unterschiedlichen anderen Drogen abhängig waren. Tatsächlich haben sie alle gesagt, dass es für sie am schwierigsten war, vom Alkohol weg zu kommen. Naja, ist halt auch ständig präsent und man bekommt das Zeug überall vorgesetzt. Was das Rauchen betrifft: Ich rauche zwar nur ab und an mal eine Zigarre (kann also keine eigene Erfahrung beisteuern) aber ich denke, diese Sucht ist nicht so einfach mit der Alkoholsucht zu vergleichen. Beim Rauchen ist dieses große Problem der dauerhaften Bewustseinsveänderung, auch der langfristigen Veränderung der Psyche, nicht so vorhanden. Damit will ich diese Sucht nicht herunter spielen, habe aber die persönliche Meinung, dass man davon leichter und auch mit weniger Aufwand bzw. Hilfe weg kommen kann.

    Zitat

    Bei dem Alkohol ist das aber irgendwie anders - er ist in unserer Gesellschaft so stark verankert. Ich habe einen Riesenrespekt vor Menschen, die es schaffen den Alkohol komplett aus ihrem Leben zu verbannen. Und ich weiss nicht, ob ich dazu schon bereit bin.


    Da hast Du es ja selbst schon gut erkannt. Dein letzter Satz spricht Bände.... Er lässt Dich nicht los, der Alkohol. Du klammerst Dich daran, kannst ihn nicht einfach ziehen lassen. Er gibt Dir offensichtlich so viel, dass Du Dir nicht vorstellen kannst auf ihn zu verzichten. Deshalb nochmal der Vorschlag, erst mal temporär zu verzichten. Ohne schon die Angst im Nacken zu haben, nie mehr wieder Alkohol trinken zu "dürfen". Was ja vielleicht bei Dir auch gar nicht der Fall sein muss. Aber wenn Du jetzt erst mal einen langen Zeitraum gar nichts trinkst, wirst Du einiges an Erfahrungen sammeln können. Erfahrungen, die Dir dann hilfreich sein werden, wenn Du irgendwann mal darüber entscheidest, wie es denn jetzt weiter geht mit oder ohne Alkohol in Deinem Leben.

    Das war's dann erst mal von mir.

    Alles Gute

    LG
    gerchla

    Hallo Claudia,

    schön, dass Du uns hier einen kurzen Einblick in Deine aktuelle Situation gibst.

    Und noch schöner, dass Du so positve Nachrichten hast 44.

    Damit motivierst Du diejenigen, die heute da stehen wo Du damals gestanden hast.

    Weiterhin alles alles Gute für Dich!

    LG
    gerchla

    Hallo bennie,

    ich will mal versuchen Deine Fragen zu beantworten:

    Zitat

    Ab wann hast Du angefangen zu reflektieren, dass dein Konsum überhand nimmt?


    Die Frage ist gar nicht so einfach. Meine erste ganz lange Trinkpause (fast ein Jahr) legte ich ein, als meine Tochter auf die Welt kam. Auch wegen ihr. Das war damals die Angst, ich könnte mich nachts aus versehen, also alkoholbedingt, auf sie rollen, wenn sie mal bei uns im Bett mit schläft. Da hatte ich wirklich eine konkrete Angst.

    Damals war mein Trinkniveau wirklich noch sehr moderat. Ich weiß es nicht mir so ganz genau, aber irgendwas zwischen 1 und 2 Bier pro Tag. Das nehme ich so als erstes bewustes Wahrnehmen eines Alkoholproblems wahr. Wobei ich damals noch nicht an Sucht oder so gedacht habe. Beendet wurde die Trinkpause durch ein Biermischgetränkt, dass mir ein Nachbar über den Zaun reichte. Von diesem Moment an gings mit schnellen Schritten wieder in Richtung alter Konsum und dann auch gleich eine Stufe höher.

    Zitat

    Als Du am Ende 10-12 Bier in dich reingeschüttet hast, wie haben dich deine Kinder wahrgenommen?


    Gute Frage. Ich trank ja heimlich und ich schaffte es tatsächlich das meiner Frau gegenüber zu verheimlichen. Ich musste sie bei meinem Outing wirklich davon überzeugen das ich Alkoholiker bin. Das tat dadurch, dass ich ihr alle meine Vorräte (Geheimvertstecke) gezeigt habe. Als sie sah, dass das Reserverad nicht mehr im Auto war und dafür in dieser Kuhle alles voll mit Plastikbierflaschen war, erfasste sie das blanke Entsetzen. Meinen Kindern wollte ich immer ein guter Papa sein und versuchte, wie ich heute weiß, mein schlechtes Gewissen durch einen ganz besonderen Fokus auf meine Kinder zu verbessern. Ich weiß heute, dass meine Tochter sehr gelitten hat, denn sie hat mich wohl mal heimlich beobachtet. Wie sie mir im Nachhinein gesagt hat. Sie war ja noch recht klein, konnte aber trotzdem zuordnen das da was schlimmes passiert. Und natürlich war meine Ehe total im Eimer, was sich nicht durch Streit etc. äußerte, sondern durch meine psychische Abwendtheit. Ich lebte in einer Parallelwelt und hielt die reale, heile Welt so gut es ging irgendwie aufrecht. Mit unserer Tochter sind wir nach meinem Outing auch zum Psychologen, aber auch deshalb, weil ich mich kurz danach von meiner Familie getrennt habe. Das war natürlich auch nochmal ein Schlag für meine Kinder, besonders für die Kleine.

    Zitat

    Wie alt waren sie da


    Die Kleine im Grundschulalter, der Große um die 16. Mein 3. Kind ist erst 3 Jahre alt und hat diesbezüglich nichts erleben müssen.

    Zitat

    Ab wann hast Du in dem letzten Stadium getrunken? Auch schon morgens?


    Also, ich war lange Jahre auf einem niedrigem Niveau aber schon süchtig unterwegs. Das war die 1 bis 2 Bier-Zeit. Die ging über Jahre. Und dann gab es langsam immer weitere Steigerungen. Ich erinnere mich, dass die 4 -6 Bier-Phase (ich nenne sie mal so) auch eine über mehrere Jahre war. Das war auch dann so die letzte Phase, wo ich noch einigermaßen "normal" unterwegs war. Da konnte ich auch mal noch Pausen einlegen, auch mal nichts trinken wenn ich z. B. krank war usw. Das war gerade noch so erträglich, wobei auch hier schon eine starke Veränderung meiner Persönlichkeit einsetzte und ich meine Lügereien langsam Fahrt aufnahmen.

    Danach ging es flott nach oben. Das erste Tabu war, dass ich begann das erste Bier schon vor 12 Uhr zu trinken. Ich koche und kochte gerne und häufig und dazu trank ich dann meist auch Alkohol. Hatte aber immer die Regel, nicht vor 12 Uhr zu trinken. Da war dann mal Zeitumstellung und 11 Uhr war quasi 12 Uhr am Vortag. Und ich weiß es noch, kurz nach 11 machte ich mir eins auf, weil "eigentlich" war ja schon kurz nach 12 (wenn die Zeitumstellung nicht gewesen wäre). Das war wie ein Dammbruch. Das tat ich dann immer häufiger und irgendwann trank ich schon auf den Weg in die Arbeit, also richtig morgens. Dieses morgendliche Trinken war sozusagen meine Endphase und "ermöglichte" es mir auch, auf so hohe Mengen an Bier zu kommen. Eineinhalb bis etwas zwei Jahre lang ging das so. Dann kam mein Ausstieg.

    Diese eineinhalb Jahre war ich quasi tot. Emotional und auch sonst. Nur noch Lug und Betrug, irgendwie durchkommen, irgendwie alles aufrecht erhalten, irgendwie funktionieren, am liebsten allein sein wollen um in Ruhe trinken zu können und komplettes Abtauchen in eine parallele Scheinwelt.

    Das mal als Antwort auf Deine Fragen. Ich habe noch ein paar Gedanken zu dem was Du geschrieben hast. Jedoch habe ich aktuell keine Zeit mehr. Ich schau mal, ob ich Dir morgen diesbezüglich noch schreiben kann.

    LG
    gerchla

    Hallo bennie,

    schön, dass Du hier Deinen eigenen Thread aufgemacht hast. Und schön auch, dass Du in dieses Forum gefunden hast und etwas gegen Deinen Alkoholkonsum unternehmen möchtest.

    Jetzt stelle ich mich erst mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker, Papa von 3 Kindern (letzteres erwähne ich extra, weil Du ja auch in dieser wunderbaren Situation bist ;) ). Ich trnke jetzt schon länger keinen Alkohol mehr und wenn die 77 hinter Deinem Nick Dein Geburtsjahr sein sollte, dann habe ich mich in einem ähnlichen Alter wie Du dazu aufgemacht, meine Sucht zu überwinden.

    Jetzt mal eine direkte Frage: Siehst Du Dich selbst als Alkoholiker? Als ich die Beschreibung Deines Trinkverhaltens gelesen habe, da habe ich darüber nachgedacht, wo Du eigentlich stehen könntest. Grundsätzlich, das hast Du vielleicht in anderen Threads hier schon gelesen, ist es nicht (oder zumindest nicht zu 100%) möglich, so aus der Hüfte heraus eine Alkoholsucht zu diagnostizieren. Schon gar nicht so aus der Ferne. Jedoch ist es oft so, dass man aufgrund der Hinweise die man von einem Betroffenen erhält, zu einer Einschätzung kommt. Manchmal sind die Hinweise auf eine Sucht so stark, dass es verwunderlich wäre, wenn der Betroffene nicht süchtig wäre. Manchmal aber kommt man auch zu dem Schluss, dass vielleicht doch "nur" ein Alkoholmissbrauch statt findet oder sagen wir mal besser: das die Hoffnung zumindest besteht, dass es sich nur um Missbrauch dreht und noch nicht um eine bereits manifestierte Sucht.

    Nun habe ich mir natürlch die Frage gestellt, wo Du da eigentlich stehen könntest. In Deinen Aussagen finden sich einige Indikatioren für eine Sucht, also z. B. heimliches Trinken aber auch der Druck trinken zu wollen (auch wenn dieser "nur" am Wochenende stark wird, das spielt keine Rolle). Andererseits kannst Du (noch) aufhören, wenn Du das Gefühl hast es ist genug, kommst ohne Not und sogar guten Mutes alkoholfrei durch die Woche, hast in dieser Zeit also keinerlei psychische Entzugserscheinungen. Körperliche hast Du auch keine, aber das kommt i. d. Regel auch immer erst "am Schluss", will sagen: Normal wird man erst mal psychisch abhängig und nach und nach bildet sich dann auch die körperliche Abhängigkeit aus.

    Ich weiß nicht, wie weit Du Dich schon eingelesen hast. Die körperliche Abhängigkeit überwindet man idealerweise im Rahmen einer Entgfitung, da ist man dann nach 5 - 10 Tagen i. d. R. durch. Was bleibt ist die psychische Abhängigkeit, ich nenne es mal die eigentliche Sucht. Dein Körper braucht das Zeug dann nicht mehr, Dein Kopf will es aber immernoch unbedingt haben.

    Ich finde es übrigens super, wie Du Dich reflektierst, wie Du Dir Gedanken über Dein Trinkverhalten machst und auch, wie Du über Deine Frau sprichst. Für mich ist das eine gute Basis um aus der ganzen Alkoholgeschichte wieder heraus kommen zu können. Dein Umfeld scheint, auf den ersten Blick, zu stimmen oder zumindest scheinst Du nicht zu trinken, weil Du Dein Umfeld nicht ertragen kannst.

    Bevor ich Dir "mal einen Vorschlag" mache, will ich Dir noch ein wenig aus meinre Geschichte erzählen.

    Ähnlich wie bei Dir, hatte ich auch als Kind ein trinkendes Umfeld um mich. Mein Vater trank und trinkt, wobei ich mir bis jetzt nicht sicher bin, ob er Alkoholiker ist oder einfach nur sein Leben lang Missbrauch betreibt (was jetzt aber auch nicht wichtig ist). Als Kind verbrachte ich viel Zeit bei meinem Opa, den ich sehr liebte, und der war auf jeden Fall Alkoholiker. Und genau wie bei Dir, durfte ich dort schon als kleines Kind "mein Bier" aus kleinen ehemaligen Senfgläsern trinken. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich als Teenager und auch als junger Erwachsener dann fast überhaupt keinen Alkohol mehr trank. Es kam dann erst wieder, als ich eine Familie gegründet hatte, so mit Mitte / Ende 20. Heute sag ich diesbezüglich: gelernt ist eben gelernt! Und so fing ist damals, ohne ersichtliche Not an, "mein" Feierabendbier zu trinken. Das ging alles schön längsam und über einen langen Zeitraum aber irgendwann trank ich dieses dann täglich. Aber wirklich nur ein Bier und nur am Wochenende, und da auch nur wenn es einen Anlass gab, mal mehr.

    Irgendwann sprach mich meine Frau mal darauf an. "Musst Du denn jeden Abend ein Bier trinken?" - Neiiiiiin, muss ich natürlich nicht! Und so trank ich eben nicht mehr jeden Abend. Aber, schon damals gefiel mir das nicht so recht..... Nachtigall ich hör dir trapsen.... So nebenher, völlig ungewollt, war's dann irgendwann wieder jeden Abend ein Bier. Wieder der Zeigefinger meiner Frau! Wieder ein Reduzieren meinerseits etc. Ich weiß nicht mehr genau wie oft das so ging, jedenfalls kam dann irgendwann der Moment, wo ich das erste heimliche Bier trank. Also das erste bewusste heimliche Bier. Da war dann (das kapierte ich aber alles erst im Nachhinein, also nachdem ich meine ganze Suchtgeschichte aufgearbeitet hatte) eine Schwelle überschritten, ein Tabu gebrochen.

    Von da an, konnte ich trinken wie ich es wollte. Und von da an steigerte sich dann auch langsam die Menge. Von heute auf morgen trank ich "offiziell" quasi gar keinen Alkohol mehr (ich konnte ja heimlich). Und ließ mich von meiner Frau dafür feiern, dass ich abends kein Bier mehr trank (ich überspitze etwas). Als ich mit dem heimlichen Trinken begann, war ich, wenn ich mich recht erinnere, auf einem Niveau von etwa 2 Bier am Tag. Ich hatte in der Arbeit Gelegenheit mit Kollegen, kurz nach Feierabend, ein schnelles Bier zu trinken und ich hatte damals schon einen kleinen, bescheidenen Vorrat im Keller, von dem meine Frau nichts wusste. Später, als ich dann schon so 3 bis 4 Bier brauchte, war mir die Heimfahrt im Zug eine willkommene Gelegenheit. Ich hatte knapp 15 Minuten zu fahren. In meiner Glanzzeit konnte ich in diesen paar Minuten 4 Bier vernichten, damals jedoch reichte eines vollkommen aus.

    Und so ging es dann dahin und ich habe tatsächlich fast meine ganze Alkoholikerkarriere heimlich trinkend verbracht. Am Ende dann Mengen, von denen man sich nicht vorstellen kann, dass man sie überhaupt verheimlichen kann. 10 - 12 Bier musste es schon sein, oft noch Wein dazu. Und das täglich, so dass mich die Entsorgungslogistik der heimlich getrunkenen Flaschen eigentlich vor das größte Problem stellte. Deshalb bin auch auch sehr sicher, dass ich recht bald auf harte Sachen umgestiegen wäre, wenn ich nicht ausgestiegen wäre.

    Was will ich Dir damit sagen: Einmal, dass die Trinkmenge nicht entscheidend ist. Ich war, das weiß ich heute, bereits mit einem bis zwei Bieren pro Tag alkoholabhängig. Dann will ich damit sagen, dass es unweigerlich zu einer Steigerung der Menge kommt, das geht über viele Jahre. Lange lange habe ich ein niedriges Niveau gehalten um dann wiederum sehr lange auf einem etwas höheren Niveau weiter zu machen, Aber auch da konnte ich wieder einige Jahre ausharren. Irgendwann brachen aber die Dämme. Oft passiert das, wenn dann mal wirkliche, echte Probleme vorhanden sind. Dann ist man sich der Wirkung des Alkohols so bewusst, dass man unweigerlich zugreift und eben auch steigert um vermeintlich unlösbares zu lösen oder unertragbares zu ertragen.

    Was passiert also da? Die Sucht nimmt sich nach und nach Deiner an. Sie übernimmt Deine "Psyche", sie beeinflusst Dein Denken, sie eliminert Deinen Willen und unmerklich verändert sich Deine Persönlichkeit, Dein Charakter. Lange war das bei mir nicht sichtbar, mir gings gut, ich funktionierte super. Aber ich war schon süchtig. Je länger es ging, je mehr es wurde, desto labiler wurde meine Psyche. Am Ende war ich nicht mehr und nicht weniger als ein Wrack, psychisch total am Boden, körperlich stark angegriffen. Und dann ist es wie ein Kreislauf. Mehr Stoff um diese Zustand ertragen zu können ist die Folge. Erst ganz spät, erkannte ich dann die körperliche Veränderung. Nahm stark zu wo ich doch immer ein Hungerhaken war. Hatte plötzlich Magen- und Darmprobleme, konnte nicht mehr auf dem Bauch liegen, weil mir das enorme Schmerzen bereitete usw. Das war quasi meine Endphase.

    Lass es nicht so weit kommen! Je früher Du etwas unternimmsts, desto mehr Leid ersparst Du Dir und vor allem auch Deiner Familie. Und ich denke auch, desto größer sind die Chancen es gut hinzubekommen und nicht est mal alles zu verlieren.

    Jetzt mal zu meinem Vorschlag:
    Ich weiß ja nicht, ob Du schon erfolglos einiges probiert hast. Und wie ernsthaft Du das dann probiert hast. Wie wäre es denn, wenn Du Dir jetzt mal vornimmst, einen längeren Zeitraum überhaupt keinen Alkohol mehr zu trinken. Sagen wir mal ein halbes Jahr. Hast Du das schon mal probiert?

    Wenn Du das versuchst, wirst Du merken, wo Du stehst. Gelingt es Dir ganz einfach, nachdem Du vielleicht das erste Wochenende noch ein wenig zu knabbern hattest oder hast Du immer wieder den Wunsch endlich wieder was zu trinken? Oder schaffst Du es schon gar nicht, überhaupt auch nur ein Wochenende ohne Alkohol durchzustehen. Je nachdem was da bei Dir passiert, kannst Du Dein weiteres Vorgehen überlegen. Wenn Du es überhaupt nicht schaffst zu verzichten, ist die Sache m. E. recht klar. Dann solltest Du auf jeden Fall überlegen, welche externen Hilfsangebote (Arzt / Suchtberatung / SHG / etc.) Du wann in Anspruch nimmst.

    Selbstveständlich ist es auch in Deiner jetzigen Situation eine sehr gute schlechte Idee, mal z. B. zur Suchtberatung zu gehen und Dir von dort eine Einschätzung Deiner Situation abzuholen. Ich weiß aber nicht, ob Du dazu bereit bist. Ich kann es nur empfehlen, denn da hast Du absolut nichts zu verlieren, Du kannst nur gewinnen.

    Sollte es Dir wider Erwarten leicht fallen zu verzichten, kannst Du abwägen wie Du weiter verfahren oder leben möchtest. Ob Du das sicher immer vorhandene Risiko eingehen möchtest, vielleicht doch irgendwie zu einem moderaten Trinkverhalten zurück zu finden (wird dann in die Hose gehen, wenn Du schon süchtig bist) oder ob Du vielleicht sogar "gefallen" daran findest, einfach dauerhaft ohne Alkohol zu leben. Was übrigens absolut keinen Verlust bedeutet. Ein alkoholfreies Leben kann auch eine Lebenseinstellung sein und aus tiefer Überzeugung heraus gelebt werden.

    Aber das geht jetzt alles vielleicht schon ein wenig zu weit. Ich hatte jetzt viele Gedanken. Vielleicht schilderst du, wenn Du Lust hast, mal Deine Gedanken dazu. Wenn ich eigene Erfahrungen habe, dann kann ich diese dann gerne mit Dir teilen.

    Interessant für mich wäre es wirklich zu wissen, wie Du Deine Situation eigentlich jetzt selbst einschätzt. Und welchen Plan Du eigentlich hast, was Du vor hast, wo Du hin möchtest? Ich habe ja jetzt die ganze Zeit nur spekuliert.

    Also, ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum. Und freue mich wieder von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Hallo Bennie,

    mir fällt einiges ein, was ich Dir gerne schreiben möchte. Aber ich möchte das nicht in diesem Thread her tun. Denn das ist ja der Thread von Bulli.

    Möchtest Du nicht vielleicht einfach einen eigenen Thread eröffnen? Du kannst ja Deinen ersten Post von hier dort hinein kopieren, er ist ja quasi Deine Vorstellung. Ich würde Dir dann gerne mal von meinen Erfahrungen schreiben, bin ebenfalls 3facher Papa und kann auch sonst ein paar Parallen feststellen. Aber ich will nicht hier in Bullis Thread schreiben.

    @Bulli
    Dir würde ich auch gerne schreiben, aber im Moment habe ich einfach nur Fragen im Kopf. Also so Fragen wie: Warum glaubst Du, dass Du Alkoholiker bist? Hast Du schon versucht aufzuhören oder zu reduzieren? Weißt Du warum Du trinkst? Hast Du schon eine Idee oder einen Plan, wie es bei Dir weiter gehen könnte? Und noch einiges mehr... Wenn Du Lust hast, dann gib uns hier doch noch einfach in bisschen mehr "Futter", damit wir Deine Situation besser einschätzen können. Dann ist es für uns auch einfacher, zu unserer eigenen Suchtgeschichte entsprechene Parallen herzustellen und wir können Dir dann von unseren Erfahrungen besser berichten.

    Weil sonst kann ich "nur" schreiben:
    Geh zum Arzt, sprich mit ihm/ihr über Deine Situation und mache dort einen Plan, wie der körperliche Entzug ablaufen kann. Besuche auch eine Suchtberatung, dort erhälst Du ebenfalls wertvolle Informationen und kannst mit Profis über Deine Situation sprechen, auch über mögliche Wege heraus (Therapien etc.), Schau Dir auch mal die SHG in Deiner Nähe an, dort erhälst Du Hilfe von Menschen die den Ausstieg bereits hinter sich haben.

    Also, das alles ist sicher für die meisten Alkoholiker, die weg von dem Zeug wollen, erst mal ein guter Weg. Aber vielleicht hast Du das ja alles schon durch? Ich weiß es nicht.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und würde mich freuen, ein wenig mehr von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Hallo Uschy,

    erst mal finde ich es sehr schön, dass weiter hier schreibst. Auch wenn heute wieder Tag 1 ist.

    Vielleicht hilft Dir hier aber ein ganz anderer Ansatz, ein Ansatz, der unsere Krankheit, die Alkoholsucht, in einem etwas "zuversichtlicheren" Licht erscheinen lässt, vergleicht man sie mit einer schlimmen körperlichen Erkrankung:

    Im Gegensatz zu einem z.B. an Krebs erkrankten Menschen, kannst Du Deine Krankheit selbst, zumindest zum Stillstand bringen. Das hast Du allein in der Hand. Jemand der z. B. an Krebs erkrankt ist, hat erst mal überhaupt nichts mehr selbst in der Hand. Es kommt erst mal darauf an, wie weit diese Krankheit bereits fort geschritten ist und dann kommt es darauf an, ob die eingesetzen Medikamente und Therapien entsprechend anschlagen. Der Patient kann zwar seines beitragen, ist aber komplett fremdbestimmt. D. h. schlägt die Chemo an, lässt sich der Krebs zurück drängen, opererieren etc. ist es gut, wenn nicht...

    Das sieht bei uns ganz anders aus. Wir haben es selbst in der Hand, wir können es alleine schaffen, müssen dabei aber nicht auf Hilfe verzichten. Das ist doch eigentlich eine sehr komfortable Situation, wenn ich das mal bewusst so provokant sagen darf. Es liegt an uns, was wir, die wir in eine Suchterkrankung gerutscht sind, aus unserem Leben machen. Wir können es beeinflussen, wir können unser Leben wieder selbst in die Hand nehmen und es dann auch zufrieden oder sogar glücklich führen. Dazu gibt es viele Beispiele hier im Forum.

    Vielleicht betrachtest Du es mal von dieser Seite. Vielleicht gibt Dir das dann etwas Kraft, Mut und Zuversicht. Das es machbar ist siehst Du ja an vielen Forumsteilnehmern hier und letztlich hast Du es ja auch selbst schon sehr lange bewiesen. Lass Dich nicht unter kriegen! Und schämen brauchst Du Dich auch nicht, denn wir wissen ja alle hier, dass es nicht einfach ist. Und wir haben hier alle so unsere Erfahrungen gemacht. Wie oft habe ich versucht aufzuhören? Und bin immer wieder gescheitert. Diese Sucht ist nichts, was man einfach mal so nebenher abhaken kann. Da kann man schon mal fallen, nur liegenbleiben sollte man nicht....

    LG
    gerchla

    Liebe Jolie,

    ich möchte kurz hierauf eingehen:

    Zitat

    vielleicht fange ich auch mal wieder mit dem


    Gib Dir mal ein bisschen Zeit! Das sagt Dir jetzt jemand, der selbst sportbegeistert ist. Ich laufe Langstrecken (Halbmarathon und Marathon) und fahre sehr viel Rad. Ich weiß also sehr gut, was Sport bewirken kann. Und er kann sehr viel Positives bewirken, nicht nur körperlich, sondern vor allem aus psychisch.

    Als ich damals aufhörte, stand das bei auch sofort im Raum, denn ich war als junger Erwachsener, vor Beginn meiner Sucht, bereits ein begeisterter Läufer gewesen. Ich wusste was mir das Laufen geben konnte. Aber ich entschied mich ganz bewusst erst mal dagegen. Ich wollte die Aufarbeitung meiner Sucht nicht sofort durch die Euphorie, die ich durch schnell einsetzende sportliche Erfolgserlebnisse gehabt hätte, verdrängen. Oder: Ich wollte nicht, dass meine Abstinenz davon abhängig ist, dass ich Sport machen kann. Ich wollte erst mal mit mir selbst klar kommen, allumfänglich sozusagen. Und dann irgendwann wieder mit dem Sport beginnen. Und so machte ich es dann auch.

    Aber ich denke, da muss man selbst seinen Weg finden. Ich habe damals täglich, so gut es ging, längere Spaziergänge gemacht und begann in die Arbeit zu laufen. Einfach nur um mich zu bewegen und allein mit mir sein zu können. Ungestört mit mir allein. Um denken zu können. Ich finde Deine Formulierung bezüglich des anstehenden Wochenendes, dass Du Dich selbst mal wieder spüren möchtest, wirklich sehr sehr schön. Es ist ganz wichtig sich selbst zu spüren. Und es ist nicht einfach, aber es ist so hilfreich, weil man dadurch auch wahr nimmt, wie es einem eigentlich geht, welche Bedürfnisse man eigentlich hat. Im Alltag geht das oft einfach unter.

    Zurück zum Sport. Du trinkst aktuell deutlich weniger als Du es normalerweise gewohnt bist. Das bedeutet auch für Deinen Körper einen gewissen Stress. Da passiert gerade etwas, das er so nicht kennt. Und da reagiert er ja auch darauf, wie Du ja selbst spüren kannst. Also gib ihm hier doch erst mal Zeit, sich richtig daran zu gewöhnen. Konzentriere Dich erst mal auf Dich, auf das Spüren, das Fühlen. Wenn Du die Möglchkeit hast, kannst Du auch wie ich damals einfach erst mal längere Spaziergänge machen, raus in die Natur, bewegen, wahrnehmen, querdenken. Schau mal wie es Dir damit geht.

    Ich will nur sagen: immer schön Schritt für Schritt. Lieber ein wenig "langsamer", dafür aber absolut konsequent.

    Ich finde es wirklich sehr schön, dass Du das hier mit uns teilst. Ich wünsche Dir wirklich von Herzen, dass Du auf diese Weise immer weiter reduzieren kannst. Es ist nicht der klassische oder der "vernünftige" Weg, den Du hier gehst. Das weißt Du und es ist wichtig, dass Du absolut ehrlich zu Dir bist und sofort Konsequenzen ziehst, wenn Du merkst das Du so nicht klar kommst (z. B. wieder Richtung alte Menge trinkst). Wenn Du hier nicht aufpasst, steckst schneller wieder im Sumpf wie Du schauen kannst.

    Aber ich ich will nicht schwarz malen, ich wünsche Dir wirklich den bestmöglichen Erfolg. Sensibilsieren will ich Dich aber trotzdem. Danke für's Teilen hier, melde Dich gerne, wenn Du denkst, wir könnten Dir helfen oder auch einfach nur so.

    LG
    Gerchla

    Guten Morgen Jenny,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön das Du Dich hier öffnest, schön, dass Du etwas gegen Deinen Alkoholkonsum unternehmen möchtest.

    Ich stell mich mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, männlich, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol

    Ich habe einiges an Gedanken zu Deinem Post. Vielleicht mache ich es jetzt mal so, dass ich Dich zitiere und dann dazu direkt meine Meinung schildere. Fangen wir mal an:

    Zitat

    Das Gesüffel liegt in meiner Familie.


    Wie so oft. Auch bei meinem Vater gehörte und gehört das tägliche Bier zum ganz normalen Tagesablauf. Ich habe in meiner Kindheit auch viel Zeit bei meinem Opa verbracht, ihn würde ich mit meinem Wissen von heute auf jeden Fall als Alkoholiker bezeichnen. Bei meinem Vater bin ich mir trotz aller eigener Erfahrung nicht sicher. Er trank immer, mal richtig grenzwertig viel, mal weniger aber immer kontinuierlich. Abgestürzt jedoch ist er nie. Als Kind nimmt das wahr und empfindet es als normal.

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    meine ehemaligen Bekannten fanden es "cool", dass ich so viel vertrage.


    So ist es leider in unserer Gesellschaft. Alkohol zu trinken ist normal, keinen zu trinken ist befremdlich. Je nachdem in welchem Umfeld man sich befindet, teilweise auch in welchem Alter man ist, kann es sehr "cool" sein viel zu vertragen. Aber, so meine Erfahrung: Es ist nur so lange cool und toll, solange es nicht kippt. Denn wenn man es dann mal nicht mehr im Griff hat und wenn es sich dann mal herum gesprochen hat, dass man regelmäßig abstürzt und das Zeug braucht um überhaupt funktionieren zu können, dann kippt die Stimmung.

    Dann fangen die Leute an zu reden. Meist wird dann über einen geredet, selten mit einen. Und der Betroffene selbst, so cool die Zeit vorher ja gewesen sein mag, der steht dann da und hat die Sucht an der Backe. Und damit ist er dann erst mal allein, denn die "gehört" ihm ganz persönlich. Und nur er oder sie kann diese dann überwinden, was, wie Du hier zahlreich nachlesen kannst, alles andere als einfach ist. An diesem Punkt stehst Du jetzt.

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    Jetzt bin ich 31 und habe das alles immer noch nicht im Griff...


    Grundsätzlich ist das keine Frage des Alters. Mit 31 bist Du sogar noch sehr jung und ich kann Dir nur dazu gratulieren, dass Du Dir jetzt ernsthaft Gedanken über Dein Trinkverhalten machst und etwas verändern möchtest. Meiner Erfahrung nach beginnt das Erwachen bei vielen so um die 40. Da hat man die Hälfte seines Lebens rum und kommt ins Grübeln, ob man den Rest auch noch versaufen möchte. Ok, das ist jetzt ein wenig salopp formuliert aber es ist leider ein Merkmal der Sucht, dass sie den Süchtigen oft sehr lange vor sich her treibt, bis dieser mal zur Erkenntnis kommt, dass er etwas ändern möchte. Viele müssen die Aus- oder Nebenwirkungen der Sucht erst mal richtig negativ spüren, bevor sie zugeben können, dass da ein großes Problem vorhanden ist. Und das dauert oft viele viele Jahre. Und da es selbst nach dieser Erkenntnis nicht so einfach ist, zieht sich das oft sehr lange hin. Ganz viele, die Mehrheit, schafft den Ausstieg ja gar nicht bzw. versucht es erst gar nicht. Somit kann ich nur nochmal sagen: Super, dass Du es angehen möchtest.

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    Habs jetzt so oft versucht, weil ich das gekater einfach nicht mehr möchte, und lande doch immer wieder in einer Kneipe. Wäre ja kein Problem, wenn man nach 2,3 Bier heim geht. Aber das funktioniert einfach nicht. Mit dem ersten Schluck kippt bei mir der Hebel um und der Abend endet wie immer, total voll. Ich kann an einem Abend locker 10, 11 Vodka Bull wegtrinken, in meiner "besten" Zeit war eine Flasche Vodka und eine halbe Flasche Sekt normal.


    Das deutet für mich darauf hin, dass Du Alkoholikerin bist. Das sind klare Merkmale einer Sucht. Wenn dem so sein sollte, dann solltest Du Dir darüber im Klaren sein, dass es nur den Weg der absoluten Abstinenz für Dich gibt, wenn Du wirklich dauerhaft von dem Zeug wegkommen möchtest. Wobei ich gleich dazu sagen möchte, dass das nicht Schreckliches oder Grauenvolles ist. Im Gegenteil. Aber das kannst Du Dir vielleicht im Moment nicht so vorstellen. Hier meine Frage: siehst Du Dich selbst als Alkoholikerin? Kannst Du Dir vorstellen dauerhaft ohne Alkohol zu leben?

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    Mit ist das mittlerweile einfach nur noch peinlich, dass ich jedes mal groß ankündige dass man heute WIRKLICH nach 2 Getränken geht und ich dann wieder richtig pampig werde, weil ich es schon wieder nicht lassen kann


    Siehe oben, das spricht für Kontrollverlust = ein Merkmal für eine Suchterkrankung

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    Vor 2 Monaten habe ich es für 2 Wochen geschafft. Habe mich von heute auf Morgen im Fitnessstudio angemeldet und hatte so positive Gefühle in mir, dass ich das auf gar keinen Fall kaputt machen wollte durch Alkohol. Habe abends eine wahnsinnige Unruhe, Langeweile? Ich weiß eigentlich gar nicht was das ist, in mir, ich werde quasi in Richtung Kneipe gezogen. Aber in den 2 Wochen konnte ich das irgendwie überstehen.


    Hier hast Du sozusagen eine Trinkpause eingelegt. Wahrscheinlich dachtest Du, vielleicht ausgelöst durch irgend ein besonders peinliches oder schlimmes Erlebnis, dass es so jetzt nicht weiter gehen kann und Du jetzt mal was unternimmst. Daraus folgte diese Pause mit all den Eindrücken und Gefühlen die Du ja teilweise geschildert hast. Die Sucht war aber stärker und hat Dir vorgegauckelt, dass Du wieder trinken kannst / darfst / musst oder was auch immer sie in Deinem Hirn für Gründe gefunden hat. Ich hab das x-mal durchgemacht. Bei mir war es oft so, dass mein Suchthirn nach ein paar Wochen "gesagt" hat, dass ich ja jetzt schon sooooo lange nichts mehr getrunken habe und dass das je wohl ein Beweis dafür ist, dass ich gar kein Problem habe. Oft sagte es auch: eins kannst ja jetzt mal trinken, hast so lange nichts getrunken, musst ja nicht wieder so viel trinken wie vorher, aber eins geht doch....

    Geht nicht, ging nie oder wenn dann nur eine ganz kurze Zeit. Das waren dann die Versuche wieder die Kontrolle zu gewinnen, die man aber nicht mehr dauerhaft gewinnen kann, wenn man bereits süchtig ist. Denn wenn das so einfach wäre, wenn es z. B. einfach nur eine Sache des Willens wäre, dann dann hätten wir nicht diese Unmengen an Alkoholikern in diesem Lande. Und auch die anderen Suchterkrankungen gäbe es nicht in dieser Form.

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    Und prompt ist alles wieder beim alten.


    Eine ganz wichtige Erfahrung für Dich. Vielleicht die wichtigste, wenn es Dir ernsthaft darum geht von dem Zeug weg zu kommen. D. h. nichts anderes, als das es immer wieder so passiern wird. Außer Du trinkst überhaupt nicht mehr.

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    Was macht man da?


    Da bin ich jetzt mal ganz pragmatisch:
    1. Zum Arzt gehen, offen die Karten auf den Tisch legen und weiteres Vorgehen besprechen. Vor allem auch über den Ablauf der körperlichen Entgiftung sprechen. Ein kalter Entzug, wie Du ihn (ich übrigens auch) bei Deiner Trinkpause gemacht hast, kann so richtig in die Hose gehen. Schlimmstenfalls kann dieser sogar tödlich enden.
    2. Zur Suchtberatung gehen, schildern wie die Lage ist, ein weiteres mögliches Vorgehen besprechen
    3. Über flankierende Hilfsmaßnahmen nachdenken,welche z. B. der Besuch einer SHG sein könnte. Einfach mal schauen was es an SHG in Deiner Nähe gibt und hingehen. Kann ein Schlüssel zum Erfolg sein
    4. Je nachdem was Du an Input von den o.g. Maßnahmen bekommst, über weitere Schritte nachdenken. Ich z. B. habe mich zeitnah bei allen wichtigen Menschen geoutet (Familie, Freunde etc.) und mir damit gleich mal ein Hintertürchen verschlossen.

    Das wäre jetzt mal eine pragmatische Variante was Du erst mal tun könntest. Es könnte sein, dass Du mit Arzt und Suchtberatung zum Schluss kommst, dass Du eine ambulante oder stationäre Therapie machst und so einen relativ klassischen Weg gehst, der vielen geholfen hat. Es kann aber auch sein, dass für Dich ein anderer Weg funktioniert. Ich z. B. habe keine Therapie im klassischen Sinn gemacht, hatte jedoch einen Psychologen an der Seite und in den ersten Monaten auch eine SHG. Später dann einen Mönch (lange Geschichte) und auch einen sehr guten Freund, welche mir aus der Sucht heraus halfen. Es ist oft sehr individuell.

    Was ich Dir aus meiner Erfahrung noch sagen möchte: Es reicht nicht, einfach nur nichts mehr zu trinken. M. E. ist der Schlüssel zu einem dauerhaften und vor allem auch zufriedenen Leben ohne Alkohol immer mit einer Aufarbeitung der eigenen Suchtgeschichte verbunden. Ich weiß, dass es hierzu auch andere Meinungen gibt. Meine ist, dass es sehr wichtig ist, zu wissen, wieso man auf den Alkohol zurück gegriffen hat, welchen "Mangel" er sozusagen behoben hat. Durch seine Wirkung. Wenn man das weiß, dann kann man daran arbeiten, diesen "Mangel", auch ohne Alkohol zu beseitigen.

    Beispiel: Wenn Du weißt, dass Du getrunken hast um Probleme zu verdrängen, zu vergessen, etc., dann kannst Du Möglichkeiten finden, wie Du künftig Deine Probleme angehst, ohne die verdrängen, ignorieren oder schön saufen zu wollen. Und wie Du das dann genau machen kannst, dass kannst Du z. B. mit Hilfe eines Psychologen erarbeiten, oder auch selbst, je nachdem wie das individuell eben aussieht.

    Jetzt habe ich viel geschrieben. Hatte viele Gedanken im Kopf, habe auch noch viele im Kopf, will Dich aber nicht gleich überfallen. Komm erst mal in Ruhe hier an und wenn Du Fragen hast, dann stell sie einfach. Du wirst hier sicher Antworten erhalten und unterhschiedlche Sichtweisen kennen lernen. Davon kannst Du nur profitieren.

    LG
    gerchla

    Hallo Jolie,

    ich werde Dich gerne weiter lesen und immer dann meine Gedanken hier lassen, wenn ich das Gefühl habe etwas sinnvolles sagen zu können. Du stehst jetzt bei diesem "Experiment" ganz am Anfang. Was Du so schilderst, vor allem in Bezug auf die körperlichen Nebenwirkungen, lässt darauf schließen, dass es auf jeden Fall eine ganz schlechte Idee wäre, komplett auf Alkohol zu verzichten. Du scheinst körperlich wirklich stark zu reagieren. Darum: bloß keine Experimente in diese Richtung ohne Arzt! Bitte pass' hier sehr gut auf Dich auf.

    Auch wenn Du jetzt gerade andere Probleme hast möchte ich noch was zu Deiner Anmerkung mit dem Gewicht schreiben. Das Gewicht, war das allererste, was bei mir nach dem Aufhören quasi wie im freien Fall nach unten ging. Klar, plötzlich trank ich statt 10, 12 Bier + teilweiese noch Wein nur noch Wasser. Allein diese Kalorien... Zwar bekam ich dann wieder Lust auf süße Speisen, wie Milchreis, Joghurt etc. jedoch waren das in der Menge weitaus weniger Kalorien. Gleichzeitig veränderte sich ja auch noch mein generelles Essverhalten. Das ganze würzige und fettige Zeug fiel weg.

    Also, wenn Du den Ausstieg schaffst, wirst Du dieses Problem wahrscheinlich nebenher in die Griff bekommen. Ohne großen Aufwand.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn Du uns hier immer mal berichtest wie Du zurecht kommst. Und nochmal: Pass auf Dich auf!

    LG
    gerchla

    Hallo Jolie,

    Zitat

    Noch habe ich die Hoffnung, dass wenn ich es allmählich im Alltag reduziere, der Alkohol immer weniger an Bedeutung bekommt und ich es auch ohne Alkohol schaffe, den Alltag zu meistern...


    Ich will Dir diese Hoffnung nicht nehmen. Aber oft liest man, gerade in solchen Foren, dass jemand einfach noch "eine Runde drehen muss". Was im ersten Moment etwas despektierlich klingt ist eigentlich gar nicht böse gemeint, sondern resultiert einfach aus der eigenen Erfahrung heraus.

    Deshalb sage ich: Dann probiere es einfach mal aus. Schau mal, wie es Dir damit geht. Reduziere mal Deinen üblichen Konsum, vielleicht im ersten Schritt erst mal um 50 %. Ich weiß ja nicht, wieviel Du aktuell normalerweise so trinkst. Aber nur mal als Beispiel: Wenn Du i. d. R. eine Flasche Wein am Tag trinkst, dann trinkst Du ab sofort nur noch eine Halbe. D. h. die Flasche reicht jetzt für 2 Tage. Wenn Du zwei pro Tag getrunken hast, dann nur noch eine, usw.

    Ganz wichtig: Achte genau darauf, wie es Dir damit geht. Nach einer bestimmten Zeit, z. B. einer Woche, kannst Du ja nochmal halbieren und wieder schauen, wie es Dir damit geht. Bis Du auf dem offiziell unbedenklichen Level angelangt bist. Das sind bei einer Frau 12 gr. reiner Alkohol. Ich weiß nicht, ob Du Dich schon darüber informiert hast. Als noch unbedenklich gilt, wenn Du (als Frau) nicht mehr als 12 gr. reinen Alkohols pro Tag zu Dir nimmst. Wobei gleichzeitig an zwei Tagen in der Woche gar kein Alkohol konsumiert werden darf. D. h. ein (kleines) Bier (je nach Alkoholgehalt) oder ein 1/8 Wein (je nach Gehalt) an 5 Tagen in der Woche. Das wäre ok, gilt als unbedenklich. Kannst Du Dir vorstellen, dass Du damit zufrieden leben könntest? Überlege Dir auch mal, was Du davon hast, wenn Du das tun könntest? Würde es einen großen Unterschied machen, wenn Du bei solch geringen Mengen nicht gleich ganz mit dem Trinken aufhören würdest? Blöde Fragen, gell? Ich will Dich damit nur zum Nachdenken und Reflektieren anregen, mehr nicht.

    Ich denke die ganz große Frage wird sein, ob das Reduzieren bei Dir überhaupt funktioniert (und wie lange) oder ob Dir die Sucht nicht Gründe vorgauckelt, warum Du jetzt doch mal mehr trinken darfst.... Alles eigene Erfahrung, was ich hier schreibe. Aber so ein Versuch wäre ja mal eine Idee um klarer zu sehen, oder?

    Wenn Du dann ehrlich zu und mit Dir bist, wirst Du selbst merken, was eigentlich los. Und dann stehst Du (wieder) an dem Punkt, eine Entscheidung treffen zu müssen. Aber vielleicht fällt Dir diese dann leichter. Ich kenne Alkoholiker, die mussten erst mal solche Erfahrungen machen (meistens sogar mehrmals), bis sie wirklich bereit sein konnten zu akzeptieren, dass sie tatsächlich machtlos gegenüber dieser Droge sind. Anschließend hats dann funktioniert mit dem Ausstieg.

    Bei mir z. B. war das ganz anders. Es war einfach ein "Klick", ein vorher nicht geplanter Zeitpunkt, ein Ereignis, das dazu führte, dass ich von da an nie mehr trinken wollte. Da hatte ich jahrelang vorher schon alles in Richtung reduzieren oder Trinkpausen durch. Immer erfolglos natürlich. Ich war eigentlich schon so weit, dass ich gar nicht mehr reduzieren wollte, keine Pausen mehr wollte und sie auch gar nicht mehr einhalten konnte. Ich begann schon morgens vor der Arbeit mit dem Trinken und war absolut gefühls- und perspektivlos geworden. Und dann machte es Klick und ich wusste: Jetzt ist Schluss!

    Bitte nicht täuschen lassen. Anschließend begann ich sofort ein großes Programm an Hilfsmaßnahmen anzukurbeln. Dieses Klick-Erlebnis hatte ich abends. Bereits am nächsten Abend war meine erste Gruppenstunde in meiner SHG. Kurz darauf Termin beim Arzt und der Suchthilfe. Kurz darauf vereinbarte ich auch sofort einen Termin beim Psychologen, worauf ich 7 Wochen warten musste, was ich mit quasi täglichen Besuchen meiner SHG überbrückte. Und noch vieles mehr: Outing meiner Familie gegenüber (Eltern, Geschwister, etc.) aber auch gegeüber den (verbliebenen) Freunden. Du musst wissen, ich trank komplett heimlich, so dass ich selbst meiner eigenen Frau und meinen Kindern gegenüber erst mal reinen Wein (haha) einschenken musste. Meiner Frau musste ich sogar erst mal beweisen, dass ich sie nicht an log und wirklich Alkoholiker war. Ich zeigte ihr dann all meine prall gefüllten Verstecke, im Auto, im Garten, sogar im Wald. Erst dann glaubte sie mir.

    Du siehst, Klick ist ja ganz schön, aber damit ist dann lange nicht getan. Egal wie oder wodurch man von dem Zeug weg kommt: Es klappt nur, wenn man konsequent an einem Neuaufbau des eigenen Lebens ohne Alkohol arbeitet.

    Ich brauchte etwa ein Jahr, bis ich mit dem Gröbsten durch war. Ich hatte mich mittlerweile von meiner Frau / Familie getrennt, was eine der schwierigsten, ach was schreibe ich, die schwierigste und härteste Entscheidung meines Lebens war. Ich musste neu lernen zu denken, ohne "Unterstützung" durch Alkohol zu denken. Ich musste lernen, meine nasse Denkweise zu überschreiben und auch meine nassen Reaktionen und Verhaltensweisen. Und mir natürlich auch darüber klar werden, wer ich eigentlich bin, wer ich gerne sein möchte, wie ich leben möchte, was ich noch erreichen möchte mit meinem Restleben usw. Meine ganz persönliche Challenge war das überwinden meiner Schuldgefühle, die ich durch Lug und Betrug im Laufe meiner Alkoholikerzeit aufgebaut hatte und durch das Trinken immer schon überdeckt hatte. Plus die großen Schuldgefühle, die ich durch meine Trennung, die ich selbst verantwortete, noch hinzu kamen. Nie werde ich meine tieftraurige Frau und meine tieftraurigen Kinder damals vergessen. Es war eine sehr intensive, teilweise sehr schmerzhafte aber auch spannende und absolut notwendige Zeit.

    Heute bin ich ein sehr dankbarer Mensch. Und ein sehr glücklicher noch dazu. Ich bin wieder verheiratet, habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Kindern und sogar auch zu meiner Ex-Frau. Hättest Du mir das damals gesagt, ich hätte nicht mal darüber lachen können. Ich hätte es niemals geglaubt.

    Das waren dann mal meine Gedanken.

    LG
    gerchla

    Hallo Jolie,

    herzlich willkommen hier im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, männlich, Alkoholiker und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr.

    Ich finde es prima, dass Du Dich hier im Forum öffnest. Was einen kalten Entzug betrifft scheinst Du Dich ja bereits informiert zu haben. Du weißt also, dass es im schlimmsten Fall sogar tödlich enden kann. Wobei ich hier jetzt nicht schwarz malen möchte und auch nicht den Finger erheben möchte. Ich habe ja selbst einige Trinkpausen hinter mir, wo ich auch einfach aufgehört bzw. pausiert habe. Da Du aber ja davon schreibst, dass Du deutliche körperliche Entzugserscheinungen bemerkst, möchte ich Dir einfach raten, Dich doch zu überwinden und zu einem Arzt zu gehen.

    Wenn Du diesen Schritt wirklich gehen kannst, wird Dir das auch für Deinen weiteren Ausstieg sehr helfen. Denn damit machst Du etwas ganz großes, Du öffnest Dich jemanden, sprichst über Deine Krankheit. Das kann sehr befreiend sein, mal ganz unabhängig von der medizinischen Komponente. Ich schreibe Dir das so eindringlich, weil Du ja auch ein Kind hast, also nicht nur für Dich allein die Verantwortung trägst...

    Was das Ausschleichen bzw. Reduzieren betrifft. Würdest Du das tun wollen, um z. B. bis zum Beginn einer geplanten Entgiftung runter zu kommen, dann würde ich sagen: Ja, kann man machen. Verhindert die möglichen Folgen eines kalten Entzugs und bereitet den Körper schon mal auf die Entgiftung vor. Das alles findet dann ja auch in einem zeitlch begrenzten Rahmen statt.

    So wie ich Dich aber lese, würdest Du ja gerne dauerhaft weitertrinken, nur eben stark reduziert, idealerweise irgendwann mal wieder so, wie das meisten Menschen können. Wenn mal ein Anlass ist, dann gerne was trinken und im Alltag einfach nichts. Nun, der Traum eines jeden Alkoholikers der plötzlich aufwacht und feststellt, dass er ein gewaltiges Problem hat. Würde das funktionieren, hätten die meisten hier das wahrscheinlich so gemacht. Ich vermute mal, dass es viele, vielleicht die meisten, hier probiert haben. Ich schließe mich hier ausdrücklich ein. Aber es hat nicht funktioniert.

    Trotzdem habe ich es natürlich versucht, sogar mehrmals. Weil ich es nicht wahr haben wollte, weil ich mir absolut nicht vorstellen konnte ganz ohne Alkohol zu leben. Letztlich zog sich das dann quer durch meine Alkoholikerkarriere, richtige Trinkpausen wechselten dann mal mit reduziertem Trinken um dann aber oft innerhalb weniger Wochen, später Tage, wieder ad acta gelegt zu werden. Da musste dann mein Wille, mein Wunsch doch wieder normal trinken zu können, der Macht dieser Sucht weichen.

    M. E. ist es so: Wenn Du Alkoholikerin bist, also bereits süchtig, bleibt Dir nur die absolute Abstinenz. Kontrolliertes Trinken wird Dir dann nur mit Mühe und nur zeitlich begrenzt möglich sein, wenn überhaupt. Das war meine Erfahrung und das haben mir viele andere Alkoholiker so berichtet. Solltest Du "nur" Alkoholmissbrauch betrieben haben, also die Schwelle zur Sucht noch nicht überschritten haben, kann es möglich sein wieder zu einem moderaten Trinkverhalten zurück zu kommen. Jedoch ist auch das nicht ganz so einfach.

    Wo Du aktuell stehst kann ich Dir nicht beantworten. Da Du aber ja bereits körperliche Symptome zeigst und auch die Art, wie Du hier über Dich und den Alkohol schreibst, würde ich eher annehmen, dass Du Alkoholikerin bist.

    Meine Erfahrung: Um die Sucht zu übewinden, muss man sehr viel verändern ob das so stimmt weiß ich nicht.


    Manche sagen, man muss sein komplettes Leben verändern, ob das pauschal so stimmt weiß ich nicht. Von mir kann ich sagen, dass ich zumindest fast mein ganzes Leben verändert habe. Einzig mein Job blieb nach meinem Ausstieg von meiner "alten Welt" übrig. Bei anderen widerum kann gerade der Job das sein, was eine der Ursachen für missbräuchlichen Alkoholkonsum ist. Jedoch ist es eben nicht so einfach und man muss genau hinschauen. Pauschal zu sagen was richtig und was falsch ist, halte ich aus meiner Sicht nicht für sinnvoll.

    Selbstverständlich gibt es aus der Erfahrung vieler trockener Alkoholiker heraus einige Grundregeln, die für die meisten Betroffenen sinnvoll sind und eine wichtige Basis für ein Leben ohne Alkohol darstellen. Keinen Alkohol mehr im Haus zu haben, z. B., sich einen "Notfallkoffer" bereit zu stellen, wenn die Sucht mal wieder anklopft, z. B., und einiges mehr. Dazu findest Du hier im Forum viele Informationen.

    Um es jedoch dauerhaft schaffen zu können und auch so, dass es Dir richtig gut damit geht, wirst Du. m. E. ergründen müssen, warum Du trinkst. Warum Du das Zeug brauchst. Und das nicht nur oberflächlich (also z. B. damit ich locker werde) sondern eben viel tiefer. Warum Du glaubst all das nicht auch ohne Alkohol errreichen / erleben / fühlen etc. zu können. Das steckt in der Regel sehr tief. Ich hatte z. B. von außen betrachtet überhaupt gar keinen Grund mit dem Trinken zu beginnen. Und das meine ich so, wie ich es schreibe. Als ich mit der Aufarbeitung meiner Sucht begann, stand ich erst mal da und dachte: Ja wieso denn eigentlich? Ich hatte doch alles was sich brauche. Familie, Gesundheit, Geld, Job, Anerkennung usw. WIESO also? Warum konnte ich rechtzeitig aufhören, es nicht erkennen uns sehen? Tja, dauerte dann ein weinig, lag tief vergraben, aber ich grub es aus.

    Das war für mich elementar um zu erkennen, dass ich den Alkohol für absolut nichts mehr brauche (außer vielleicht zum Reinigen von Glasflächen) und ihn auch übehaupt nicht vermissen muss.

    So, lange Rede von mir. Eines nach dem anderen, Schritt für Schritt, das ist das allerwichtigste bei der Sache. Wenn Du das jetzt angehen möchtest, dann tu es Deinem Tempe, Schritt für Schritt, aber, das ist ganz wichtig, tue es konsequent. Und wenn ich eines sagen darf: Lass Dir helfen bzw. hol Dir Hilfe! Lass Dich beraten, sprich mit dem Arzt. Vielleicht findest Du eine Möglichkeit doch eine SHG zu besuchen, einfach erst mal nur um zu sehen, ob Dir dieses "Format" hilft. Wenn ja, kannst Du hier vielleicht auch eine Lösung finden. Vielleicht ein netter Partner einers Gruppenmitglieds der in dieser Zeit Deinen Sohn betreut, was auch immer. Oft öffnen sich einfach Türen, wenn man sie selbst nicht von vornherein verschließt.

    Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Uschy,

    herzlichen Glückwunsch zu Deinem Entschluss und herzlich Willkommen hier im Forum.

    Bezüglich der Gefahren eines kalten Entzugs sage ich jetzt mal nichts mehr, haben ja meine Vorschreiber schon getan.

    Kurze Vorstellung meinerseits: 50 Jahre, männlich, Alkoholiker und jetzt schon lange ohne Alkohol lebend.

    Deine Geschichte, also die Tatsache dass Du bereits 13 Jahre trocken warst, zeigt mir, wie gefährlich unsere Krankheit ist. Und wie wachsam wir sein müssen. Ich habe darüber schon mit mehreren Alkoholikern gesprochen, die ebenfalls nach Jahren rückfällig wurden. Die Gründe dafür, die sie genannt haben, fand ich teilweise sehr (ich sag mal) erstaunlich.

    Darf ich Fragen wieso Du damals wieder mit dem Trinken angefangen hast? Das hat nichts mit Neugier zu tun, sondern ich würde es gern wissen um für mich selbst daraus evtl. Konsequenzen schließen zu können.

    Zitat

    Hat einzelnen von euch das Forum und der Austausch untereinander den Weg in die Trockenheit gebracht?


    Als ich hier, ich glaube 2015, ankam, war ich schon längere Zeit trocken. Ich habe hier aber schon einige Forumsteilnehmer "getroffen", die ganz verzweifelt angekommen sind und dann über die Zeit immer stabiler in ihrer Abstinenz wurden. Einige sind auch noch da und schreiben ab und an, andere haben sich zurück gezogen. Viele haben auch darüber berichtet, was sie im realen Leben noch an Maßnahmen ergriffen haben und wie ihnen das geholfen hat. Ich persönlich bin der Meinung, dass man hier im Forum sehr viele Anregungen finden kann, Du kannst hier unterschiedlichste Lebensgeschichten nachlesen und Du findest auch Geschichten über die unterschiedlichen Wege aus der Sucht.

    Gehen musst Du diesen Weg dann selbst, aber eben nicht allein. Du kannst uns hier im Forum ansprechen, Du kannst aber Dir aber auch jederzeit Hilfe in der realen Welt suchen. Ich glaube, es kann manchmal sehr wichtig sein, diese zu haben. Z. B. eine SHG, eine reale. Das war z. B. bei mir der erste Gang, da war ich gerade mal 24 h Stunden ohne Alkohol und hatte schon meine erste Gruppensitzung bei den AA. War für mich damals wie eine Art Lebensversicherung und ich habe dort ganz viel gelernt, wovon ich teilweise bis heute profitiere. Irgendwann merkte ich dann, dass ich mich in dieser Struktur nicht mehr wohl fühlte und so habe ich andere Dinge gemacht. U. A. bin ich dann irgendwann mal hier gelandet. Aber da gab und gibt es noch viele andere Geschichten, die mein abstinentes Leben begleiten.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum. Drücke Dir die Daumen, dass Du der Sucht widerstehen kannst und erneut in ein Leben ohne Alkohol findest.

    LG
    gerchla

    Liebe Nicole,

    Dein letzter Post in diesem Thread war am 24. Januar dieses Jahres. Wie war denn die Zeit für Dich seit diesem Post? Irgendwas wirklich positives bezogen auf die Sucht Deines Mannes? Irgendwas, wo Du wirklich ernsthaft Hoffnung hast haben können, dass er die Kurve bekommt. Gab es in irgendeiner Form eine ernzunehmende Veränderung Deines Mannes, die darauf hätte schließen lassen, dass er wirklich dauerhaft versucht mit dem Trinken aufzuhören. Außer kurze Pausen, außer Lippenbekenntnisse. Wenn ja, dann stehst Du spätestens jetzt wieder am Anfang. Wenn nein, dann stehst Du da, wo Du am 24.1. auch gestanden warst. Und so wird es immer weiter gehen und nur Du allein kannst das für Dich ändern.

    Ich schrieb Dir am 24. Januar folgendes:

    Zitat

    Zu Dir möchte ich im übertragenen Sinne sagen: Erst wenn Du akzeptierst, dass die Alkoholsucht Deines Mannes stärker ist als Du, dass Du vor seiner Sucht kapitulieren musst, dass Du Dir absolut im Klaren sein musst, dass Du keine Kontrolle über seine Sucht hast und niemals haben wirst, dann hast Du eine Chance wieder in Dein eigenes Leben zurück zu finden. Und dann kannst und wirst Du die richtigen Entscheidungen für Dich treffen können.

    Nichts anderes kann ich Dir heute auch schreiben. Hol Dir Hilfe, aber für DICH, nicht für Deinen Mann. Der kann sich nur selbst helfen bzw. selbst Hilfe holen. Wenn er das möchte. Du hängst hier m. E. ganz tief in einer Co-Abhängigkeit. Und das ist keine Lapalie, sondern eine schlimme und ernstzunehmende Krankheit.

    Ich wünsche Dir die Weitsicht das für Dich zu erkennen, damit Du die richtigen Schlüsse daraus ziehen kannst.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Giwdul,

    dazu möchte ich was sagen:

    Zitat

    Die Tatsache, dass ich nach ein paar Bier (fast) auf jeden Fall noch ein paar mehr trinke, lässt mich leider zweifeln, ob ich es wirklich schaffe wieder gemäßigt zu trinken :/


    Also ich würde das ganze jetzt erst mal langsam, aber absolut konsequent angehen. Mit langsam meine ich: eines nach dem anderen. Für Dich geht es jetzt erst mal darum, in ein Leben ohne Alkohol hinein zu finden und eine gewisse Alltagsroutine zu entwicklen. Also ein Leben ohne Alkohol, mit dem Du gut zurecht kommst. Dazu kannst Du Dich verschiedener Hilfsmittel bedienen, z. B. dieses Forum hier, z. B. Gespräche mit Menschen die was davon verstehen (wie Suchtberater), z. B. regelmäßige Besuche in einer realen SHG, etc.

    Und je länger Du komplett ohne Alkohol lebst, desto mehr wirst Du merken was das mit Dir macht. Ich denke das was Du da dann erlebst, spürst, wahr nimmst, wird entscheidend für Dich sein. Solltest Du es gar nicht durchhalten und wieder trinken müssen, dann ist der Fall ohnehin ziemlich klar. Wenn Du es jetzt mal längere Zeit, nehmen wir einfach mal ein halbes Jahr, durchhälst, dann kann ich Dir nur raten, genau darauf zu achten, was Deine Gedanken in dieser Zeit "gemacht" haben. Wie präsent der Alkohol in Deinem Hirn war, auch wenn Du ihn nicht getrunken hast.

    Warum schreibe ich das? Eigene Erfahrung, die ich Dir gerne schildern möchte:

    Relativ am Anfang meiner Sucht, ich schätze mal da war ich bei höchstens 2 bis maximal ab und an 3 Bier pro Tag, kam meine Tochter zur Welt. Da ich wusste, dass sie sicher öfter mal bei uns im Bett, in der Mitte, mit schlafen wird, hatte ich wahnsinnige Angst, ich könnte mich im alkoholisierten Zustand mal auf sie drehen und es könnte schlimmes passieren. Also beschloss ich, ihr zuliebe und um das zu verhindern, erst mal komplett auf Alkohol zu verzichten. Was mir auch relativ einfach gelang. Körperlich hatte ich absolut überhaupt keine Probleme. Meine Motivatoin war sehr hoch und so war ich nach ein bis zwei Wochen ohne schon recht gut in der Spur.

    Trotzdem, und das ist im Nachhinein für meine Suchtgeschichte sehr bedeutend, hatte ich den Alkohol bei allen Situationen im Kopf. Ständig dachte ich darüber nach, wie viele Wochen oder Monate ich jetzt schon ncihts mehr trank (nicht ohne Stolz), ständig dachte ich aber auch, dass es ja schon schön wäre, wenn ich endlich mal wieder was trinken könnte.

    Diese Trinkpause hat fast ein Jahr angedauert! Ein läpisches Biermischgetränk, das mir ein Nachbar spontan über den Gartenzaun gereicht hat, beendete diese Pause. Ich trank es und ich war binnen weniger Wochen auf meinem alten Niveau bzw. bald dann auch darüber.

    Was ich auch noch dazu sagen möchte: Ich hatte damals nicht das Bewusstsein, wie Du es bereits hast. Ja, ich wusste schon, dass 2 Bier JEDEN Abend (plus mal mehr, wenn irgend ein besonderer Anlass war), nicht so ganz normal waren. Und ich wusste ja auch, dass ich dadurch immer so eine "schöne Bettschwere" bekam. Was ja der Grund für meine Angst bezüglcih meiner Tochter war. Und ja, meine Frau fing auch schon an, mich häufiger mal zu fragen, ob ich wirklich jeden Abend ein Bier trinken muss (u. a. weil sie der Geruch störte).

    Das ich jedoch Alkoholiker sein könnte, also bereits so weit, dass es kein Zurück mehr gibt, das wäre mir nie in den Sinn gekommen. Da habe ich dann schon noch etliche Jahre gebraucht bis ich das mal ansatzweise in Erwägung ziehen konnte.

    Zitat

    Zugegebenermaßen ein bisschen tiefschürfend, aber ich denke du verstehst was ich meine...


    Ich denke ich verstehe was Du meinst. Jedoch könnte es auch Dein freier Wille sein keinen Alkohol trinken zu wollen, aus Überzeugung. Ich habe mir mal die Frage gestellt, wie ich heute reagieren würde, wenn heute jemand eine Pille erfinden würde, die einen Alkoholiker heilen würde. Also, Pille geschluckt und das Suchtgedächtnis wird gelöscht. Und man könnte sozusagen komplett neue beginnen, wie jeder nicht süchtige auch. Was wäre also, wenn ich diese Pille bekäme und schlucken würde. Würde ich dann ab und an mal wieder ein Glas Wein / Bier / etc. trinken? Meine Antwort: Nein! Und da bin ich mir wirklich sehr sicher. Denn für mich hat sich der Sinn des Alkohol-Trinkens wirklich komplett aufgelöst. Ich kann und konnte mein Leben so gestalten, dass Alkohol darin in keiner Lebenssituation eine Rolle spielt. Ich vermisse nichts, absolut nichts, obwohl ich selbstverständlich auch positive Erinnerungen an Alkohol habe. Und davon nicht wenige. Ich kann aber heute genau diese positiven Gefühle auf andere Weise "erzeugen" und dann sind sie noch besser, weil sie echt sind! Vielleicht auch ein wenig tiefschürfend, aber ich denke Du wirst es verstehen.

    Bis bald

    LG
    gerchla

    Hallo Giwdul,

    schön von Dir zu lesen. Du hast es also durchgezogen und bist zur Suchtberatung. Super! Du glaubst gar nicht, wie viele Alkoholiker alleine diesen Schritt schon nicht gehen können, aus diversen Gründen. Oftmals aus Scham.

    Was der Berater Dir da erzählt hat ist auch in etwas das, was ich "von Dir" denke. Ich meine, ich kann das natürlich allumfänglich nachvollziehen, dass Du ein kontrolliertes, ein ganz normales Trinkverhalten einer absoluten Abstinenz vorziehst. Das kann ich wirklich komplett nachvollziehen. Wobei ich Dir auch sagen kann, dass es, wenn man mal in so einer komplett alkoholfreien Welt lebt (und vor allem zufrieden darin lebt), es überhaupt gar keinen Grund mehr gibt, Alkohol trinken zu wollen oder gar zu müssen. Aber das ist ein anderes Thema.

    Die Sache ist eigentlich ganz einfach, also theoretisch, und kann in einem Satz zusammen gefasst werden:

    Wenn Du bereits alkoholabhängig bist, dann wirst Du (mit allergrößter Wahrscheinlichkeit) nie mehr kontrolliert bzw. moderat trinken können!

    Jetzt füge ich noch hinzu: auf Dauer! Es kann Dir einige Zeit gelingen, mit mehr oder weniger Kraftaufwand. Auf Dauer wirst Du aber höchstwahrscheinlich wieder auf Dein altes Trinkverhalten zurück fallen und, so war es bei mir immer, wahrscheinlich sogar steigern. So, als müsstest Du nachholen was Du verpasst hast.

    Solltest Du jedoch noch nicht abhängig sein, also nur Missbrauch betrieben haben, dann hast Du eine Chance zurück zu finden. Es kann Dir nur niemand mit Gewissheit sagen, wo Du genau stehst. Dein Berater konnte das auch nicht, wenngleich er ja eher skeptisch zu sein scheint. Er wird seine Gründe haben....

    In jedem Fall bist Du sehr gut beraten, auch wenn Du dann in ein Programm für KT einsteigen möchtest, erst mal einen langen Zeitraum gar nichts zu trinken. Vielleicht findest Du da ja sogar heraus, dass ein Leben ohne Alkohol eine Lebensphilosophie sein kann, die man durchaus selbstbewusst vertreten kann. Gerade in einem neunen Umfeld, wo andere Deine Trinkgewohnheiten nicht kennen, wäre das eine große Chance.

    Aber gut, Deine Entscheidung. Auf jeden Fall bin ich der Meinung, dass ein KT, falls es Dir noch möglich sein sollte, auch nur dann dauerhaft funktioniert, wenn Du Deine psychische Baustelle aufarbeitest. Denn Dein Hirn hat schon reichlich Erfahrung mit der Wirkung von Alkohol und diese Erfahrung wird immer eine Bedrohung für Dich bleiben, auch wenn Du jetzt noch nicht süchtig sein solltest. Ich meine also, Du solltest Dich egal ob Du nun total abstinent oder kontrolliert trinkend weiter machst, unbedingt darum kümmern. Und ich glaube dazu braucht es wahrscheinlich mehr als nur die Ablenkung durch ein neues Umfeld. Aber auch das liegt natürlich in Deiner Hand.

    Alles Gute weiterhin und ich freue mich weiter von Dir zu lesen.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Giwdul,

    also erst mal: super, dass Du zur Suchtberatung gehst. Bin gespannt was Du berichten wirst!

    Auf kalten Entzug will ich jetzt nicht weiter eingehen, was Du hier tust liegt ja in Deiner Verantwortung.

    Ich will Dir jetzt einfach mal ein paar Gedanken von mir da lassen, die ich jetzt auch aufgrund Deines letzten Postes habe:

    Du bist in diese Sucht, vielleicht ist es auch noch "nur" Missbrauch, recht klassisch hinein geschlittert. Eine Trennung, die Du nicht verarbeitet hast. Die vermeintlichen Gründe, weshalb jemand da hinein rutscht sind ja vielfältig: Schickalsschläge, Angstzustände, Minderwertigkeitskomplexe, etc..Letztlich geht es dabei ja immer darum, sich der Wirkung des Alkohol zu bedienen. In Deinem Fall ging es ums Betäuben, ums Vergessen. Bei andere wollen locker werden, enthemmen, sich euphorisch fühlen usw. Ich finde, dass Du schon sehr reflektiert bist und Dir schon viele Gedanken über das "warum" gemacht hast. Wenn man das "warum" kennt, hat man schon mal einen kleinen Vorteil. Jetzt nicht unbedingt bezogen auf die ersten Tage und Wochen nach dem letzten Schluck Alkohol, denn in dieser Zeit geht es m. E. oft erst mal "nur" darum es durchzuhalten nicht wieder mit dem Trinken anzufangen.

    Für die Zeit danach jedoch ist es sehr hilfreich zu wissen, wieso man eigentlch da hinein gerutscht ist. Ich bin jemand, der ein Verfechter für die Aufarbeitung der eigenen Sucht ist. Für mich war das der Schlüssel für eine dauerhafte Abstinenz. Und bei mir war es, im Gegensatz zu Dir, absolut nicht nachvollziehbar, wieso ich so tief in die Sucht gerutscht bin. Ich hatte alles, was man sich gemeinhin so wünschen konnte. Tolle Frau, tolle Kinder, super Job mit viel Anerkennung, keine Krankheiten, keine Schicksalsschläge, keine finanziellen Sorgen usw. Wieso um alles in der Welt bin ich so tief in diese Sucht gerutscht? Für mich war klar: Nur wenn ich weiß was da passiert ist, werde ich in Zukunft Strategien finden können, die mich in die Lage versetzen dauerhaft auf Alkohol verzichten zu können.

    Ich darf Dir sagen, dass ich etwa ein Jahr ohne Alkohol gebraucht habe, bis ich hier mit dem Gröbsten einigermaßen durch war. Aber selbst heute noch, und jetzt sind schon einige Jahre ins Land gezogen, entdecke ich immer wieder mal was "Neues", bekomme ich immer wieder mal kleine "Flashbacks", die mir dann Verhaltensweisen von damals erklären. Das ist jetzt schwer zu beschreiben bzw. zu formulieren.

    Was ich Dir damit sagen möchte: Jetzt geht es erst mal darum, in einen abstinenten Alltag zu finden. Du stehst jetzt ganz am Anfang aber Du hast schon Großes vollbracht, denn Du hast diesen Anfang gemacht! Viele kommen gar nicht soweit. Da heißt es jetzt erst mal dran zu bleiben, Strategien entwickeln, wie Du mit dem plötzlich auftretenden Wunsch trinken zu wollen umgehst bzw. vermeiden kannst, dass Du wieder zur Flasche greifst. Je länger Du ohne Alkohol lebst, desto mehr wirst Du dann merken, dass sich einiges bei Dir verändert. Bei mir war das erst mal ganz stark eine körperliche Veränderung. Schon nach ein paar Tagen hatte ich richtig an Gewicht verloren und ich fühlte mich so fit wie seit Jahren nicht mehr. Psychisch jedoch, ging es mir permanent schlecht und sogar immer schlechter.

    Bei Dir kann das ganz anders sein, Du hast eine ganz andere Geschichte im Hintergrund.

    Aber Du hast genau wie ich und wie alle anderen mit Alkoholproblemen, zumindest meiner Meinung nach, ein psychisches Problem. Dieses ist oder war dafür verantwortlich, dass Du zum Alkohol gegriffen hast und das dann dauerhaft so durchgezogen hast. Und auf die Länge gesehen, sollte genau dieses psychische Problem erkannt und aufgearbeitet werden. Behandelt werden, wenn Du so willst. Ich bin der Meinung, dass das der Schlüssel für eine dauerhafte Abstinenz ist oder auch, solltest Du noch nicht süchtig sein, der Schlüssel um irgendwann zu einem ganz normalen Trinkverhalten zurück finden zu können.

    Was habe ich damals getan? Ich ging zum Psychologen um mir helfen zu lassen. Ich hatte einen sehr sehr guten Freund, mit dem ich intensive Gespräche geführt habe. Viele Gespräche! Und am meisten halft mir dann tatsächlich ein Mönch (eine lange und verrückte Geschichte), mit dem ich mich über Monate regelmäßig traf und der mir durch seine Weisheit aus der Sucht heraus geholfen hat. Hatte übrigens nichts mit Religion zu tun.... Wobei ich auch jemanden kenne, der durch Religiösität aus der Sucht heraus kam. Tja, die Wege sind vielfältig und höchst individuell.

    Gut, dabei will ichs mal belassen. Für Dich geht's jetzt erst mal darum, in ein Leben ohne Alkohol hinein zu finden und erst mal nichts mehr zu trinken. Alles andere dann zu seiner Zeit und, ganz wichtig, in Deinem Tempo.

    Alles Gute und ich freue mich wieder von Dir zu lesen. Ach übrigens, was meine Herkunft betrifft: Bingo!

    LG
    gerchla

    Hallo liebe djane88,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Hier schreibt Dir ein Alkoholiker, 50 Jahre alt, der jetzt schon lange nicht mehr trinkt.

    Irgendwie ist mir Dein Thread durchgerutscht, sonst hätte ich Dir noch gestern geantwortet. Ich habe mir jetzt überlegt, was ich Dir überhaupt schreiben kann. Wie es in Worte fassen kann, dass das was ich Dir sagen will auch bei Dir ankommt. Also, ich versuch's jetzt einfach mal.

    Tja, also. Scheint so, also so aus der Ferne und auf den ersten Blick, dass Dein Freund ein großes Alkoholproblem hat bzw. Alkoholiker ist. So wie ich auch, nur dass er nass ist, d. h. aktuell trinkt. Damit kannst Du diesen Menschen nicht mehr mit herkömmlichen Maßstäben messen. Er tickt nicht mehr so, wie Du das kennst, wie man das von Menschen kennt, die kein Alkoholproblem haben. Ich will Dir mal kurz schildern was für einen nassen Alkoholiker wichtig ist:

    ALKOHOL

    Das war's dann eigentlich auch schon. Nur darum dreht sich sein Leben, drehte sich auch mein Leben. Ich darf Dir aus meiner eigenen Geschichte heraus sagen, dass Alkoholiker die besten Lügner, Betrüger und Manipulatoren sind, die Du auf dieser Welt finden wirst. Ein Alkoholiker hat i. d. R. alles drauf: die besten und glaubwürdigsten Liebesschwüre ebenso wie die atemberaubendsten Ausreden. Er beherrscht das weinerliche Zusammenbrechen und in Selbstmittleid versinken ebenso perfekt wie das eiskalte Abtropfen lassen. Oft kann er das sogar innerhalb weniger Minuten switchen. Was ich sagen möchte: Der größte Fehler den Du machen kannst, ist einem nassen Alkoholiker irgendwas zu glauben. Was jetzt aber nicht bedeutet, dass er immer nur lügt. Das Problem ist leider nur, dass man es eben nicht unterscheiden kann, also Wahrheit oder Lüge?

    Das was ich bei Dir hier gelesen habe ist alles ganz typisch. Wenns passt bist Du recht, wenn er seine Ruhe haben will, dann lässt er Dich einfach fallen. Für Dich ist das alles höchst verwirrend, Du wirst permanent verletzt und Du weißt überhaupt nicht mehr, was eigentlich los ist, was Du eigentlich tun kannst. Wenn er Dich dann noch anfleht ihm doch zu helfen, dann trifft Dich das wahrscheinlich noch vollends mitten ins Herz.

    Tja, als Alkoholiker, der das alles mal selbst so "praktiziert" hat, kann ich Dir nur sagen: DU KANNST IHM NICHT HELFEN! Nur er alleine kann sich helfen. Wenn er etwas ändern möchte, dann gibt es in diesem Lande zahlreiche und sehr gute Angebote. Er muss sie nur wahr nehmen. Solange der das nicht tut und statt dessen irgendwelche Geschichten erzählt, wird auch nichts passieren. Du liebst ihn, zeigst sogar Verständis für seine Sucht, die arme Mama stirbt (stimmt das wirklich?), der arme Junge hat damit zu kämpfen und säuft deshalb, kann man ja verstehen, gell?. Wie machen das denn dann all die anderen Menschen, die vielen Menschen die auch Schicksalsschläge zu verarbeiten haben? Klar, ein Teil säuft (was aber auch nichts hilft) aber der weitaus größte Teil geht ganz anders damit um. Ohne Alkohol. Was ich damit sagen möchte: Einen Grund zum Saufen wird sich immer finden lassen. Und ein Alkoholiker wird auch immer einen finden, das ist überhaupt kein Problem.

    Deshalb, auch wenn es Dir verdammt schwer fallen wird: Lass ihm sein Leben. Wenn er trinken will, dann soll er trinken. Das ist völlig legitim und seine Entscheidung. Genau wie er auch jederzeit damit aufhören könnte, wenn er es nur wirklich wollte. Für Dich kann es nur eines geben, nämlich Dich selbst und Deine Bedürfnisse. Du solltest nur auf Dich schauen, auf Dein Leben, auf das was Du möchtest und was Dir gut tut. Wenn Du weiterhin an einen nassen Alkoholiker klebst, dann wirst Du nur Leid erfahren und schlimmstenfalls selbst sehr krank werden. Stichwort hier: Co-Abhängigkeit!

    Liebe djane, Du musst hier verdammt aufpassen. Bei aller Liebe ist es manchmal besser in Liebe los zu lassen.

    Sollte er, nachdem Du Dein Leben wieder in die eigenen Hände genommen hast, tatsächlich merken wie sehr Du ihm doch fehlst und wie sehr er Dich doch liebt, dann bleibt es ihm ja offen, seiner Sucht den Kampf anzusagen. Und sollte er das dann auch wirklich tun, so richtig meine ich, mit Entzug, Therapie und allem was man so tun kann, dann könntest Du ja mal überlegen, wie Du damit dann umgehst, ob Du ihn dann (ABER NUR DANN) dabei begleiten möchtest.

    Findest Du nicht, dass ihm seine Liebe zur soviel Wert sein sollte? So viel, dass er etwas gegen seine Sucht unternimmt, dass er trocken werden will, wenn schon nicht für sich, dann wenigstens aus Liebe zu Dir? Was zugegebener Maßen auch nicht Ideal für ihn ist, denn die besten Chancen hat man eindeutig, wenn man für sich selbst mir dem Trinken aufhören möchte. Aber egal, wenn die Liebe ach so groß ist, dann sollte er doch was tun, oder? Und nicht nur ankündigen, Liebessschwüre absetzen und versuchen Dich zu manipulieren und gleichzeitig einfach weiter trinken.

    So, da war ich recht deutlich. Aber ich habe mich auch ziemlich aufgeregt über das was ich bei Dir gelesen habe. Bitte achte auf Dich, Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben! Lebe Dein Leben, hol es Dir zurück.

    LG
    gerchla

    Hallo Giwdul,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön, dass Du Dich hier angemeldet hast und etwas gegen Dein Alkoholproblem unternehmen möchtest.

    Bei Deinem Nick musste ich sofort an eine Comic-Serie denken, die ich früher immer gelesen habe. Da gab's auch solche Namen..... ;)

    Ich stell mich mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol. Als ich so alt war wie Du, begann ich langsam in die Sucht hinein zu rutschen, wobei mir das damals überhaupt nicht bewusst war. Etwa in diesem Alter begann ich regelmäßig abends meine Feierabenbierchen zu trinken. Viel weniger als Du jetzt trinkst aber eben regelmäßig. Und so weiß ich heute, dass ich schon damals, also im zarten Alter um die 30, zwar auf niedrigen Niveau jedoch bereits abhängig getrunken habe.

    Insofern finde ich es mal ganz toll, dass Du jetzt schon so weit bist und die Gefahr erkennst, in der Du Dich aktuell befindest.

    Wenn Du mich jetzt fragen würdest: Gerchla, was soll ich tun? Was sollten meine nächsten Schritte sein?

    Ich würde Dir folgendes antworten: Mach doch einfach mal Nägel mit Köpfen. Geh einfach mal zum Arzt und schildere ihm Deine Situation. Mach' mit ihm einen Plan, wie der Entzug verlaufen könnte. Sei nicht so "dumm" und entziehe einfach kalt, ohne Dich vorher mit einem Arzt zu beraten. Suche parallel dazu mal eine Suchberatung auf, schildere dort auch ganz offen was Dich so umtreibt. Überlege mit den Menschen dort zusammen, was Deine nächsten Schritte sein könnten.
    Und dann: vielleicht schaust Du auch mal, ob Du eine für Dich passende reale SHG findest. Einfach mal was ausprobieren, mal eine aussuchen und hingehen. Wirst nicht gebissen, schlimmstenfalls stellst Du fest, dass Du Dich nicht wohl fühlst und gehst halt wieder. Wenn Du in einer größeren Stadt lebst, wirst Du die Wahl zwischen mehreren Gruppen haben, probiere dann einfach mal eine andere aus.

    So, und was, wenn Du nun das alles liest und die Hände über dem Kopf zusammen schlägst und sagst: NIEMALS, ich kann doch nicht zum Arzt, auch nicht zur Suchberatung, ich schäme mich viel zu viel. Und in eine SHG kann ich schon gar nicht, könnte ich ja jemanden treffen...

    Tja dann, dann würde ich sagen: Grundsätzlich sehe ich die größte Gefahr jetzt am Anfang in einem kalten Entzug. Auch wenn Du denken solltest, dass Du körperlich nicht abhängig bist, ist es ein sehr riskantes Spiel das Du meiner Meinung nach nicht spielen solltest. Darum meine ich, dass Du wenigstens den Entzug ärztlich begleiten lassen solltest.

    Ansonsten denke ich, wirst Du recht schnell merken, wo Du eigentlich stehst. Damit meine ich, dass Du sehen wirst, wie schwer es Dir fällt auf Alkohol zu verzichten. Der körperliche Entzug sollte nach einer Woche bis 10 Tage größtenteils überstanden sein. Vielleicht macht Dir das ja auch keine Probleme, das wirst Du merken. Aber die eigentliche Abhängigkeit ensteht ja durch die Psyche. D. h. die psychische Abhängigkeit ist diejenige, die Dir auf die Länge gesehen möglicherweise große Schwierigkeiten bescheren könnte. Wenn Du süchtig bist, wird die Sucht nichts unversucht lassen um Dich wieder zum Trinken zu motivieren.

    Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass ich in meiner Trinkerkarriere mehrmals an so einem Punkt war wie Du jetzt. Und ich habs, anfangs aus Unswissen, später aus Unvernuft, auch einfach immer selbst probiert. D. h. ich habe mir fest vorgenommen, dass es so jetzt nicht weiter gehen kann. Dass ich jetzt etwas unternehmen werde, dass ich jetzt nicht mehr trinken werde. Und das habe ich dann auch gemacht. Hat am Anfang meiner Sucht noch recht gut und teils auch sehr lange funktioniert und wurde dann mit andauernder Sucht immer schwieriger, kürzer und seltener. D. h. die Trinkpausen, nichts anderes war es ja was ich da dann immer mal für ein paar Wochen oder Tage eingelegt hatte, wurden immer weniger und kürzer. Die letzten Jahre konnte ich dann überhaupt nicht mehr verzichten und es war ein riesen Erfolg für mich, wenn ich mal "nur" 4 oder 5 Bier am Tag getrunken habe.

    Richtig aussteigen konnte ich erst, als ich wirklich bereit war alles dafür zu tun. Deshalb auch Anfangs mein Ratschlag, wie Du am besten an die Sache heran gehen könntest. Mit Arzt, Suchthilfe, etc. Als ich diesen Weg ging hat es auch funktioniert - da war es aber trotzdem noch ein ganz langer und ganz steiniger. Nun kann man aber, so meine Überzeugung, nicht von sich auf andere schließen. Bei der Alkoholsucht sieht es zwar immer so aus, als wäre das alles irgendwie gleich oder sehr ähnlich. Bei genauerem Betrachten ist diese Krankheit aber sehr individuell, genau wie die Wege aus ihr heraus. Deshalb denke ich, Du wirst Deinen Weg selbst finden müssen.

    Und dabei wünsche ich Dir alles Gute und viel Glück. Und ich wünsche Dir natürlich auch einen guten Austausch hier im Forum und darf Dir versichern, dass der Weg den Du jetzt eingeschlagen hast, absolut der Richtige ist. Denn wenn Du weiter trinkst, auch wenn Du noch nicht süchtig sein solltest, wirst Du über kurz oder lang die ganze Macht dieser Krankheit spüren. Und die ist wirklich verheerend. Drum: zieh lieber jetzt die Reißleine und freu Dich anschließend auf wunderbare Jahre ohne Suff.

    LG
    gerchla