Beiträge von Gerchla

    Hallo Ina,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Und erst mal: Herzlichen Glückwunsch zu 8 trockenen Monaten! Das ist ja schon mal eine Hausnummer!

    Ich stelle mich kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon seit vielen Jahren ohne Alkohol.

    Ich habe zwei Posts von Dir hier im Forum gelesen. Diesen hier und einen, den Du bei jemand anderen geschrieben hast. Ich würde Dir gerne ein paar Fragen stellen, auf die Du natürlich nur antwortest, wenn Du das auch möchtest:

    Du schreibst, Dir wurde der Entzug möglicherweise zu leicht gemacht, was wahrscheinlich bedeutet, dass Du das Glück hattest, dass alles recht problemlos verlaufen ist. Mir scheint, Du glaubst weniger Angst vor einem Rückfall haben zu müssen, wenn Du beim Entzug knapp dem Tod von der Schippe gesprungen wärst. Da es ja aber so einfach war, war's mit der Sucht ja vielleicht doch gar nicht so schlimm... So interpretiere ich das, ich kann mich natürlich irren.

    Für diese Gedanken ist Dein Suchthirn verantwortlich. Die Sucht will Dich ja gerne wieder für sich haben, darum ist sie ja so gefährlich. Sie sagt Dir: vielleicht bist du ja gar keine Alkoholikerin, und der Psycho-Test hat ja auch "nur" eine starke Gefährdung diagnistiziert... vielleicht ist es ja doch nicht so schlimm, vielleicht darfst Du ja mal wieder ein Glas Wein trinken....

    In dem anderen Post schreibst Du, dass Du genau solche Gedanken "ja wegschieben sollst", also die Gedanken mal wieder ein Glas trinken zu "dürfen" oder zu "können".

    Ich will Dir meine Meinung dazu schreiben. Es geht überhaupt nicht darum was Du darfst oder kannst. Oder was Du nicht darfst oder kannst. Du bist ein freier Mensch, Alkohol ist völlig legal, und Du kannst jederzeit soviel davon trinken wie Du willst. Niemand kann es Dir verbieten. Die wichtige Frage ist doch: WAS WILLST DU?

    Jetzt antwortest Du vielleicht: Naja, am liebsten halt ab und an mal ein Glas Wein trinken können... Wie das halt andere auch können oder tun, die kein Suchtproblem haben....

    Und ich frage dann: WARUM? Was gibt es Dir, wenn Du z. B. einmal in der Woche ein Glas Wein trinken "könntest"? Meinst Du, das wäre dann Dein persönliches Himmelreich? Würde Dir das all die Zufriedenheit und das Glück schenken, nachdem wir Menschen so streben? Wärst Du dann ein zufriedener Mensch, weil Du jetzt statt keinem Alkohol mal ein Glas trinken "darfst"?

    Du schriebst ja, dass man diese Gedanken wegschieben soll. NEIN, genau das nicht. Du solltest sie hinterfragen! Du solltest Dir klar darüber werden, warum Du diese Sehnsucht nach einem Glas Alkohol hast. Wieso Du gerne trinken möchtest, was Du Dir davon versprichst, was es Dir gibt. Ich halte es für eminent wichtig zu wissen, weshalb man getrunken hat. Warum man den Alkohol missbraucht hat. Das war eine meiner zentralen Aufgaben, nachdem ich zum Trinken aufgehört hatte. Wie konnte es so weit kommen? Welche Gründe hatte (und ich hatte welche, die absolut nicht offensichtlich waren aber dennoch klar vorhanden). Und was kann ich tun, um eben nicht mehr dieses Verlangen zu haben. Was muss ich in meinem Leben verändern, damit der Alkohol wirklich keine Rolle mehr spielt.

    Bei mir war das Einiges. Ich musste mich komplett "umprogrammieren", teilweise ging es dabei um Denk- und Verhaltensmuster die ich noch aus meiner Kindheit mit mir herum geschleppt hatte. Also das ist keine einfache Sache, die man mal so nebenher schnell abhakt. Aber hier trifft dann halt auch der alte Spruch wieder voll zu: einfach nur nichts mehr trinken reicht auf Dauer meist nicht aus.

    Es geht darum ein Leben zu erreichen, das man zumindest als zufrieden berachtet und wenn man es sogar als glücklich bezeichnen kann, ist das die Krönung. Erreicht man das, gibt es keinen Grund mehr sich in Alkohol flüchten zu wollen, noch nicht mal ein Gläschen. Denn wenn man Alkoholiker ist, dann war man kein Genusstrinker, die dieses eine Glas genießen und dann ist für längere Zeit wieder gut. Man war / ist als Alkoholiker ein Wirkungstrinker, immer!

    Also, das waren jetzt einfach mal meine Gedanken. Vielleicht kannst Du da was für Dich heraus ziehen. Schön, dass Du hier bist und alles Gute weiterhin für Dich. Und einen guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Hope,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und trinke jetzt schon länger keinen Alkohol mehr.

    Gut, dass Du Dein Trinkverhalten hinterfragst. Es klingt nicht gut, was Du darüber schreibst. Was ich persönlich noch als das Positivste sehe ist die Tatsache, dass Du dieses Trinkverhalten noch nicht so lange praktiziert. Es dauert oft Jahre, bis Betroffene überhaupt mal auf den Gedanken kommen es könnte etwas nicht stimmen. Vielleicht hast Du durch die Kürze Deines kritischen Trinkverhaltens noch etwas bessere Chancen schnell den Absprung zu schaffen. Was aber sicher nicht bedeutet, dass es einfach wird.

    Mir sind bei Dir, bei dem wenigen das Du geschrieben hast, gleich mal zwei Dinge durch den Kopf gegangen:

    1. Ob eine Saufkneipe wohl der richtige Arbeitsplatz für eine (angehende) Alkoholikerin ist?
    2. Ich kenne jemanden, der wegen einer Angststörung zum Schwerstalkoholiker geworden ist.

    Zu 1 kannst Du Dir wahrscheinlich die Antwort selbst geben.

    Zu 2:

    Ja ich kenne jemanden. Der hat nie Alkohol getrunken und litt unter Angststörungen. Diese müssen ziemlich heftig gewesen sein und ihn oft unvermittelt getroffen haben. So seine eigenen Erzählungen. Medikamente nahm er, jedoch halfen sie mal mehr und mal weniger gut. Irgendwann griff er mal in seine Hausbar, er konnte mir nicht mehr sagen warum eigentlich. Er sagte mir nur, dass dort seit Jahren eine Flasche Congnac stand (er trank ja kaum Alkohol) und daraus nahm er einen kräfigen Schluck.

    Seine Angst war wie weggeblasen, so seine eigene Aussage. Und er dachte: Endlich habe ich ein Mittel gegen diese sche...ß Angst. Von da an ging es steil bergab! Innerhalb kürzester Zeit, innerhalb von ein paar Monaten wurde er zum starken Alkoholiker und trank ausschließlich von Anfang an harte Sachen. Anfangs lief es trotz allem noch ganz gut, die Sache mit der Angst hatte er gut im Griff. Je länger das ganze ging, desto mehr Alkohol brauchte er dann aber (naja, eine alte Alkoholikerweisheit...). So dass er bald bei mehreren Flaschen Schnaps o. ä. angelangt war. Und dann kam auch noch die Angst zurück.

    Am Ende konnte er wegen seiner Angststörung kaum mehr das Haus verlassen. Nach eigenen Aussagen trieb ihn nur die Sucht noch raus (irgendwie musste er ja an Stoff kommen).

    Damit war er also zum Doppelverlierer geworden. Er hatte die Sucht an der Backe und seine Angstattacken waren auch wieder da, stärker als je zu vor. Alkohol und Angst aber auch Alkohol und Depressionen sind übrigens ein häufig vorkommendes Duo. Oft weiß man da dann nicht genau, was zuerst war. Erst die Depression die zum Trinken führte oder erst das Trinken was dann zur Depression führte, ähnlich bei der Angst. Fakt ist: Alkohol hilft in beiden Fällen NICHT - höchsten oberflächlich und absolut nur temporär. Auf die Länge gesehen werden die Symptome schlimmer.

    Was hat er getan?

    Er hat aufgehört mit dem Trinken (mal ganz schnell und kurz formuliert) und er ist in Therapie gegangen. Wegen der Sucht und wegen der Angst. Nachdem er trocken war, konnte seine Angststörung richtig und erfolgreich therapiert werden. Würdest Du diesen Menschen heute treffen, Du würdest niemals diese Lebensgeschichte dahinter vermuten. Er steht im Leben und ist ein fröhlicher und ausgeglichener Mensch.

    Was Angst betrifft habe ich noch weitere Erfahrungen. Meine erste Frau litt auch darunter. Sie hatte mitunter Todesangst was mich mehrmals dazu veranlasste (meist nachts) den Notarzt zu rufen. Was soll man auch anderes tun, wenn die Frau neben einem zitternd liegt und nicht mehr ansprechbar ist?
    Nach irre vielen Arztbesuchen, wo natürlich immer nur nach körperlichen Auslösern gesucht wurde, kamen wir irgendwann mal auf die Idee es mit der Psyche zu probieren.

    Der richtige Therapeut zur richtigen Zeit. Ca. 1 Jahr lang ging meine Frau regelmäßig zu diesem Menschen, dann kurz in eine Art SHG (geleitet durch diesen Menschen) um dann eines Tages vor mir zu stehen und zu sagen: Das war's, ich brauche da nicht mehr hin. Was bei mir für einen mittleren Panikausbruch sorgte, denn ich hatte wahnsinnige Angst, dass es wieder los gehen würde.

    Es ging nie wieder los (ist jetzt über 20 Jahre her) und sie hat bis heute keinerlei Angstörungen mehr gehabt.

    Also, wenn ich Dir etwas raten dürfte:

    Alkoholkonsum sofort stoppen, idealerweise mit Hilfe Deines Arztes (also kein kalter Entzug sondern ärztlich betreut), Gespräch bei der Suchtberatung, weiteres Vorgehen abstimmen, evtl. mal eine SHG besuchen (da solltest Du mit Deinen jungen 23 Jahren einfach mal schauen, ob das für Dich passt) und dann eine Strategie für Dein weiteres Leben ohne Alkohol aufsetzen.

    Gleichzeitig solltest Du auch einen Deiner möglichen Trinkgründe angehen, nämlich Deine Angststörung. Wobei ich ja nicht weiß, ob das ein Grund dafür war, dass Du getrunken hast. Könnte aber natürlich gut sein. Unabhängig davon tust Du aber gut, diese zu behandeln. Sicher hast Du diesbezüglich schon einiges unternommen, aber vielleicht kannst Du da ja mal einen Restart machen oder anders heran gehen. Wobei das sicher ein eigenes, sehr umfangreiches Thema ist.

    Fakt ist aber: Eine Alkoholsucht ist absolut kontraproduktiv, quasi eine Katastrophe für solche Krankheiten. D. h. Dein Ziel sollte auf jeden Fall sein, vom Alk weg zu kommen. Unabhängig davon, ob Du bereits süchtig bist oder Dich noch im Missbrauchsstadium befindest.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute. Und natürlich auch einen hilfreichen Austausch hier bei uns im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Thomas,

    wie geht es Dir denn jetzt? Ich habe damals unvernüftigerweise auch kalt entzogen, d. h. ich bin zwar noch zum Arzt, da war aber das Gröbste schon vorbei. Würde ich mit meinem heutigen Wissenstand und den Erfahrungen, die ich von anderen mittlerweile mitgeteilt bekommen habe, niemals mehr machen. Da habe ich dann doch einige Geschichten gehört wo es um Leben und Tod ging.

    Meine Erfahrungen damals waren genau die Gleichen, wie ich sie in meinen Trinkpausen auch schon hatte. Jedoch etwas ausgeprägter. Starkes Schwitzen war mit das unangenehmste. Ich hatte Nächte dabei, wo ich mich mehrmals umgezogen habe. Und dann auch Probleme mit dem Einschlafen. Wobei ich heute nicht mehr genau sagen kann, ob das nun wirklich eine körperliche Reaktion war oder eher psychisch. Ich tippe auf Letzteres denn es war ja einiges zu Verarbeiten, um nicht zu sagen: Da war ein riesen Berg an Unsicherheit, an Herausforderungen, an Problemen, etc.

    Mir halfen damals simple Hörspiele.

    Aggressiv war ich nicht, eher leicht depressiv. Was auch dazu führte, dass mir noch klarer wurde, dass ich unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen muss. Bei mir waren es vor allem die Schuldgefühle, die mich ziemlich nieder drückten.

    Wie sind denn jetzt so Deine Pläne? Wie willst Du weiter vorgehen. Den körperlichen Entzug hast Du ja jetzt bald hinter Dir, aber der ist normalerweise (also wenn nichts schief geht) eher die einfachere Übung. Jetzt geht es dann ja um die eigentliche Sucht. Da reicht es i. d. R. nicht einfach nichts mehr zu trinken. Jetzt mal völlig egal, an welchem Punkt Du bezüglich Deiner Sucht eigentlich stehst. Planst Du in eine SHG zu gehen? Suchtberatung? Wird Dich Deine Frau / Familie unterstützen und was habt Ihr da geplant?

    Bleib dran, die ersten wichtigen Schritte hast Du getan. Jetzt geht es darum die richtigen weiteren folgen zu lassen!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Thomas,

    also erst mal will Dir meine Enschätzung zu Deiner aktuellen Situation geben. Du hast ja ein klein wenig geschrieben, wie Dein Trinkverhalten aktuell ist. Ich fasse mal zusammen: wenn Du eines trinkst, kannst Du nicht aufhören, brauchst mehr - Du verheimlichst Deinen (wahren) Konsum vor Deiner Frau - Du trinkst, wenn ich das richtig interpretiere um zu entspannen oder auch um gut drau zu sein.
    Mit diesem Trinkverhalten erfüllst Du einige deutliche Merkmale für eine Alkoholsucht. Ich weiß nicht, wie Du Deine Situation selbst einschätzt. Siehst Du Dich als Alkoholiker?

    Ich reite da so darauf herum weil das hier

    Zitat

    Wenn ich es selber versuchen möchte von den Abend Bieren weg zu kommen


    im Falle einer Suchterkrankung etwas umzuformulieren wäre. Du müsstest dann das "Abend" streichen und das "Bieren" durch das Wort Alkohol ersetzen. Will sagen, solltest Du alkoholabhängig sein bleibt Dir aller Erfahrung nach nur die absolute Abstinenz. Ich weiß nicht ob Du darüber schon mal tiefer nachgedacht hast bzw. ob Du Dir das überhaupt vorstellen kannst.

    Bleibt noch die Möglichkeit, dass Du vielleicht "nur" Missbrauch betreibst und noch nicht süchtig bist. Sollte das der Fall sein, hättest Du eine Chance wieder zu einem moderaten Trinkverhalten zurück kommen. Jedoch ist auch das nicht einfach und es bedingt meiner Meinung nach auch, dass Du Deine Trinkgründe kennst (aufarbeitest) und beseitigst. Dein Hirn kennt sich ja jetzt bereits recht gut aus, was die Wirkung von Alkohol betrifft und wann man ihn gut einsetzen kann. Und das vergisst es auch nicht, so dass Du auch als Missbräuchler sehr gut aufpassen müsstest, nicht wieder zu steigern. Deshalb meine ich, dass es wichtig ist zu wissen, wieso man den Alkohol missbraucht hat und wofür. Und unbedingt Maßnahmen ergreift, die Gründe entweder zu beseitigen oder alkoholfreie Strategien zur Bewältung von z. B. Problemen zu finden bzw. zu erarbeiten.

    Da kann es dann sogar einfacher sein, einfach nichts mehr zu trinken. Was im Übrigen keinen Verlust an Lebensqualität bedeutet. Aber wenn Du mir das zu meiner Trinkerzeit gesagt hättest, hätte ich Dir erklärt, dass das unvorstellbar für mich ist.

    Gut, das war dann mal meine Vorrede. Ich halte es einfach für wichtig, dass Du Dich tiefer mit Deiner Situation und Deinem Trinkverhalten beschäftigst (falls nicht schon geschehen, scheint aber nicht so zu sein). Es ist deshalb wichtig, weil es eben nicht so einfach funktioniert mit dem Aufhören. Und weil ich selbst bei mir die Erfahrung gemacht habe, dass dieses "ich muss jetzt was unternehmen, so gehts nicht weiter " ohne das richtige "Fundament" nicht auf Dauer funktioniert.

    Deshalb würde ich Dir auch empfehlen, wenn Du wirklich Nägel mit Köpfen machen möchtest, dass Du zu Deinem Arzt gehst, mit ihm darüber sprichst. Jetzt gar nicht bezogen auf irgendwelche Medikamente, sondern grundsätzlich. Er wird Dich bei der Entgiftung begleiten, so dass Du hier bezüglich kalten Entzugs safe bist. Dann würde ich auch mal mit einer Suchberatung sprechen. Einfach mal hingehen und Deine Situation schildern. Und mal schauen, was Du an Input bekommst. Und ich würde mich auch mal nach einer realen SHG umschauen. Einfach mal checken, wo es eine in Deiner Nähe gibt und mal hingehen. Checken ob das was für Dich ist, ob das passt oder ob Du damit gar nicht zurecht kommst.

    Und dann wird eines das andere ergeben. Du wirst merken wo Du stehst, was Dir hilft und Du wirst dann sehen, wie Du ohne Alkohol klar kommst. Da Du noch eine funktionierende Beziehung zu Frau und Familie hast, kannst Du daraus viel Kraft und Unterstützung ziehen. Da sind Deine Chancen sicher besser als bei vielen anderen. Sei Dir dessen bewusst und verspiele sie nicht.

    So würde ich nach meiner heutigen Erfahrung mit Deiner Situation umgehen. Und ja, natürlich bedingt das auch ein Outing bei Deiner Frau bzw. engen Familienmitgliedern. Aber merkst was? Das ist "nur" ein Teil des Ganzen. Ein wichtiger wohlgemerkt, aber trotzdem nur ein Teil. Wenn Du süchtig sein solltest, dann wirst Du mehr unternehmen müssen, so zumindest meine Erfahrung.

    Jetzt kann es ja sein, dass Du Dir das alles so nicht vorstellen kannst... Arzt, SHG, Suchtberatung - brrrrrr geht gar nicht. Kann ich nicht, will ich nicht. Wäre jetzt nicht so ausergewöhnlich, auch wenn da niemand beißt und Du dort genau die Hilfe bekommst die Du brauchst. Dann überlege Dir, ob Du Dir nicht mal einen sehr langen Zeitraum komplett ohne Alkohol vor nimmst. Sagen wir mal ab jetzt 6 Monate. Komplett alkoholfrei. Und schaust Du mal, was da so mit Dir passiert. In der ersten Woche gehst Du damit das Risiko eines kalten Entzugs ein, darüber musst Du Dir im Klaren sein. Um das zu vermeiden bleibt aber nur der Arzt.

    Nach dieser Woche bleibt Dir dann noch die psychische, die "eigentliche" Abhängigkeit, je nachdem wo Du da eben stehst. Du wirst erleben, wie stark Dein Verlangen nach Alkohol ist. Du wirst sehen, ob es Dir ganz einfach fällt oder ob Du richtig kämpfen musst (oder abbrichst und wieder trinkst). Du wirst auch erleben, ob Du vielleicht am Anfang gar keine Probleme hast und euphorisch der Meinung bist ja vielleicht gar kein Alkoholproblem zu haben um dann doch wieder unter Druck zu geraten. All das und noch viel mehr kann Dir passieren, je nachdem wo Du eben stehst in Deiner Suchtentwicklung.
    Wenn die Gedanken an Alkohol nicht verschwinden, oder wenn Du gar dem Druck nachgiebst, dann weißt Du was die Stunde geschlagen hat. Dann gibt es keinen Plan B mehr.

    So, und natürlich ist es auch bei dieser "6-Monatsvariante" eine gute Idee sich zu outen. Und zwar einfach offen und ehrlich, ohne taktisches Geplänkel. Du allein entscheidest. wie viele Menschen bzw. welche Menschen es erfahren sollten. Deine Frau ist gesetzt, beim "Rest" kann ich das nicht einschätzen. Ich habe es damals meiner Frau, meinen Kindern, meinen Eltern und meinen Geschwistern erzählt. Und zwar nacheinander über einige Tage verteilt. Ich wäre jetzt nicht auf die Idee gekommen, irgendeine Veranstaltung wo die alle sind herzunehmen, um dort eine Verkündigung zu machen.

    Das waren bei mir ehrlich gesagt höchst schwierige und höchst emotionale Einzelgespräche, die ich (und auch Teile der Vorgenannten) heulend beendet habe. Und dann musste ich erst mal wieder zu mir finden. Vielleicht bist Du da ja entspannter. Das was ich damals zu sagen hatte, hat mein komplettes Bild, dass ich nach Außen hin hatte, pulverisiert. Vom Helden, super Papa, super Ehemann, erfolgreich im Job zum total verzweifelten Alkoholiker, der seine Fassade jetzt nicht mehr aufrecht erhalten kann (bzw. will). Ich meine, das war schon eine Nummer.

    Ich kann Dir nur raten, egal wie und wo Du es machst, immer ehrlich zu sein. Auch Dir selbst gegenüber. Letzteres ist entscheidend.

    LG
    gerchla

    Liebes Glühwürmchen,

    ich finde es schön und sehr gut, dass Du diese Geschichte offensichtlich schon mit etwas Abstand und gut reflektiert betrachten kannst. Selbstverständlich hat seine Frau das nicht verdient, egal was für eine Persönlichkeit sie ist. Ich meine, klar, das kann im Leben schon mal vorkommen, dass sich jemand trotz fester Partnerschaft in jemand anderen verliebt (zwischen Liebe und Sex ist hier m. E. auch strikt zu unterscheiden). Das ist für keinen der Beteiligten schön aber ja, so ist das Leben eben manchmal und die Gründe weshalb es dazu kommen kann sind vielfältig.

    ABER: In Deinem Fall liest sich das wie der Start in eine Never-Ending-Story. Und wenn tatsächlich noch eine Alkoholsucht seinerseits im Spiel sein sollte (und da deutet einiges darauf hin), dann wird es auch eine. Und ehrlich gesagt kann ich Dir auch nicht wünschen, dass sich dieser alkoholkranke Mann dann tatsächlich für Dich entscheidet. Denn dann hast DU den Alkoholiker an der Backe. Da ist ja der Untergang vorprogrammiert! Ich höre schon die Vorwürfe, wenn's mal nicht so gut läuft: "Wegen Dir habe ich meine Familie verlassen", "Wegen Dir habe ich überaupt erst saufen müssen" etc. Und wenn er nicht so ein Typ ist, dann wird er vielleicht seinen Schmerz über die verlorenen Kinder in Alkohol ertränken... Letzteres, also die verlorenen Kinder, die waren z. B. für mich auch ein ganz großes Thema.

    Selbst wenn er sich trennen sollte, sowas geht nicht spurlos vorüber. Da gibt's Narben und da hat man was zu verarbeiten, auch wenn man kein Alkoholiker ist. Wenn man aber einer ist, dann hat man ja immer einen helfenden Freund an seiner Seite: nämlich den Alkohol und der muss dann in schweren Zeiten eben noch ein bisl mehr helfen - sprich: der Konsum steigt.

    Also nein, ich kann Dir nicht wünschen, dass er sich für Dich entscheidet. Die Chance für Eure Beziehung wären meiner Meinung nach sehr gering... Ich schreib's Dir einfach mal so, auch wenn das (Dein) Herz (ich weiß es aus eigener Erfahrung) da oft was ganz anderes sagt.

    Wenn Du kannst (ihr seid ja irgendwie jobtechnisch verbunden?), dann löse Dich richtig. Sperre ihn auf Whatsapp und co. und entschwinde aus seinem Sicht- und Umfeld. Es tut doch immer wieder von neuem weh, oder nicht? Lass hier die Zeit die Wunden heilen, ich denke sie können hier bei Dir noch heilen, denn Du steckst noch nicht so tief in der Sache, Du bist jung, da sind keine gemeinsamen Kinder, usw.. Mach die Zeit zu Deinem Freund und lenk Dich ab, tu Dir Gutes und dann wirst Du früher oder später einen Haken dran machen können. Wenn er aber weiter immer wieder bei Dir auftaucht, dann wird es schwer. Weil Alkoholiker sind da halt auch schon verdammt gut, im Vorspielen wie sehr sie einen brauchen, dass sie nicht leben können ohne Dich, etc.... Ich schrieb es Dir ja bereits....

    Viel Kraft und viel Energie und triff gute Entscheidungen für DICH!

    LG
    gerchla

    Ach Glühwürmchen,

    jetzt hatte ich wirklich gehofft, Du hättest es geschafft einen Schlussstrich zu machen. Wobei ich mir schon gedacht habe, dass er so einfach nicht locker lassen wird. Ich habe da so meine eigenen Erfahrungen....
    Das sollen aber jetzt keine Vorwürfe sein. Denn ich habe meine eigene Geschichte und ich weiß, wie schwer und komplizert Beziehungen sein können.

    Ich schreib Dir jetzt mal was dazu, und zwar wieder aus eigenster Erfahrung:

    Zitat

    Ich will keine Diagnose von euch....ich möchte nur wissen, ob es das gibt, dass Alkoholiker einen so hinters Licht führen können.

    Zitat

    Hmmmm also meine Frage, kann man da so getäuscht werden oder gibt es solche Momente in denen Sie so klar sind....

    Du willst also wissen, ob Dir ein Alkoholiker vorspielen kann, dass er gar kein Alkoholproblem hat. So verstehe ich das jetzt. Erst mal darf ich Dir versichern, dass ein Alkoholiker Dir ALLES vorspielen kann. Es gibt wahrscheinlich keine besseren Lügner und Manipulatoren als Alkoholiker. Ich selbst war ein Vollprofi. Wenn ich Dir auch nur die Hälfte von dem erzählen würde, was ich alles erlogen habe, was betrogen habe usw., Du würdest Dich mit Grausen abwenden.
    Ich selbst war bestimmt 10 Jahre meiner Sucht ein heimlicher Trinker. Ich trank am Ende 10 Bier + X, täglich. Nur damit Du das mal einschätzen kannst. Aber auch vorher trank ich schon enorm. Da waren es dann halt 4, 6, 8 Bier. Oder auch mal ne Flasche Wein oder was auch immer. Trotzdem wusste NIEMAND, dass ich Alkoholiker war, Im Gegenteil: Ich hatte gar keinen Alkohol zuhause, also offiziell. Ich trank zu offiziellen Anlässen entweder gar nichts oder mal ein Bier (den Rest gab ich mir dann, wenn ich zum Auto ging, dort war nämlich im Reserveradkasten immer ein großer Vorrat). Selbst meine Frau, die neben mir im Bett lag, glaubte mir bei Outing nicht, dass ich ein Alkoholiker wäre. Ich musste ihr erst all meine Verstecke zeigen. Also den besagten Reserveradkasten bis oben hin vor mit Plastikbierflaschen, den Jetbag im Keller, voll mit Bierflaschen, die Hohlräume im Feuerholz im Garten, voll mit Wein und Bier und auch die "Reserve"Bierkästen, die ich unter Gestrüpp in einem nahegelegenen Wald versteckt hatte.

    So, liebes Glühwürmchen. Erst als ich das gezeigt hatte glaubte sie mir. Vorher lebte sie 10 Jahre neben mir, neben einem zum Schluss hin schweren Alkoholiker und hat nichts gemerkt. Also ganz stimmt das nicht: Sie merkte natürlich, dass unsere Beziehung komplett den Bach runter ging. Versuchte auch alles um diese irgendwie wieder in die Spur zu bekommen. Hatte aber keine Chance, denn ich ließ es ja nicht zu.

    Also zusammengefasst: Vertraue ruhig Deiner Intuition, vieles von dem was Du schriebst deutet zumindest auf ein Alkoholproblem hin. Falls er diese doch nicht haben sollte, hat er auf jeden Fall eine Menge anderer Probleme. Du tust gut daran, dich so oder so um Dein eigenes Leben zu kümmern. Sonst bleibst Du die Frau für den freien Timeslot, ich denke Du hast mehr verdient.
    Und: Es gibt keinen besseren Lügner als den Alkoholiker. Und im Manipulieren ist er auch ungschlagbar. Wenn Du ihm die Hälfte glaubst ist das schon die Hälfte zu viel.

    So war das bei mir damals jedenfalls. Und ich kenne einige andere, die ähnliches von sich berichten.

    LG
    gerchla

    Hallo Thomas,

    zum Thema Medikamente hast Du ja jetzt schon einiges gelesen. Ich denke der Weg zum Arzt wäre hier am sinnvollsten.

    Auch wenn ich mir jetzt nicht sicher bin, ob Du hier noch aktiv bist bzw. bleibst, weil Du womöglich nicht das als Antwort bekommen hast, was Du Dir gewünscht hast, will ich Dir ein paar Gedanken bzw. Erfahrungen von mir da lassen.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und trinke jetzt schon lange nicht mehr. Zu meiner aktiven Zeit war ich ein heimlicher Trinker. D. h. ich habe meine Sucht, auch als ich dann in den letzten Jahren wirklich ganz enorme Mengen an Alkohol konsumierte, vor allen geheim gehalten. Vor allem aber vor meiner Frau und meinen Kindern. Erstaunlicherweise ist mir das sogar äußerst erfolgreich (leider) gelungen. Denn ich wollte genau wie Du, meine heile Welt nicht verlieren bzw. noch weniger wollte ich die heile Welt meiner Familie zerstören. Was ich aber im Grunde mit jedem Tag an dem ich heimlich trank mit immer sich steigernder Intensität tat. Nur kapierte ich das leider nicht....

    Was lag da dann also näher als auch heimlich mit dem Trinken aufzuhören. Heimlich getrunken - heimlich aufgehört- alles gut! Eine echte Win-Win-Situation. Ich kann Dir nicht genau sagen, wie oft ich das probiert habe. Wie oft ich mir ganz fest gesagt habe: So geht es nicht mehr weiter! Ab jetzt trinke ich nichts mehr. Oder auch: Ab jetzt trinke ich max. 2 Bier pro Tag usw.

    Es hat NIE funktioniert. Also anfangs, als die Sucht noch nicht so manifestiert war (jedoch bereits vorhanden), da konnte ich wenigstens noch längere Trinkpausen einlegen. Einige Wochen, später wenigstens noch einige Tage. Am Ende war selbst das nicht mehr möglich. Auch reduzieren war nicht mehr möglich. So ist sie halt, die Sucht. Wenn es so einfach wäre, dann bräuchten wir kein Forum und könnten uns auch all die anderen Hilfsangebote sparen.

    Für mich ist eine ganz wichtige Voraussetzung es überhaupt schaffen zu können, dass man sich zu seiner Krankheit bekennt. Natürlich einmal sich selbst gegenüber (ja, ich BIN Alkoholiker) aber auch seinem engsten Umfeld gegenüber. Denn damit schließt man sich Hintertürchen. Ich konnte ja locker wieder anfangen, es änderte sich ja nicht. Da war keine Frau oder kein Kind das irgendwas zu mir gesagt hätte. Kein Kind, dass gesagt hätte "Papa, Du wolltest doch nicht mehr trinken". Denn wenns mal raus ist, dann steht man ja auch "unter Beobachtung". Sich outen bedeutet nicht, dass man Hinz und Kunz auf die Nase binden muss, dass man Alkoholiker ist. Aber wenigstens den Leuten, deren Vertrauen man genießt. Vertrauen, gegenseitiges Vertrauen, ist der Schlüssel zu einer funktionierenden Beziehung. Denk doch einfach mal darüber nach...

    Ansonsten wünsche ich Dir nur das Beste. Ich spare mir jetzt erst mal weitere Worte, denn ich weiß nicht, ob ich Dich überhaupt erreichen kann. Solltest Du Interesse an einerer weiteren Konversation haben, dann freue ich mich und Du kannst ja einfach schreiben was Dich gerade umtreibt.

    LG
    gerchla

    Liebe Kaaat,

    es ist wirklich so. Es war seine Entscheidung, genau wie es meine war. Es ist auch egal, was er Dir möglicherweise im betrunkenen Zustand diesbezüglich an den Kopf geworfen hat. Da fallen ja schnell mal so Sätze wie "ich sauf ja nur wegen Dir/Euch" oder "anders würde ich das Leben mit Euch ja gar nicht aushalten" usw.

    Ich weiß nicht, wie das bei Dir wir, vermute aber aufgrund Deiner Zeilen, dass etwas in diese Richtung gefallen sein könnte. Vergiss das, Du brauchst das nicht anzunehmen. Das hat der Alkohol aus Deinem Papa gemacht. Die vielen Jahre der Sucht haben ihn verändert. Seinen Charakter, sein Denken. Und so kommen dann solche oder andere, teils noch verletzendere, Aussagen zustande.

    Aber es ist einfach nur so: Er war ein erwachsener Mann und für sein Leben selbst verantwortlich. Wie Du und ich auch. Und ich bin mir sicher, dass ihm niemand mit vorgehaltener Pistole den Alkohol eingeflößt hat. D. h. er hat sich selbst dafür entschieden, warum auch immer das so war. Er hätte so viel Hilfe haben können, denn wir haben in diesem Land ein gut vernetztes Hilfangebot für alkoholkranke Menschen. Aber man kann leider niemanden zur Annahme von Hilfe zwingen, zumindest nicht dauerhaft. Und genau darauf kommt es eben bei dieser Sucht an. Es geht um langfristige Therapien um diese Sucht überhaupt zum Stillstand bringen zu können und um überhaupt eine Chance dazu zu haben, brauchts idealerweise eine hohe Selbstmotivation, sprich: Der Alkoholiker muss selbst weg wollen von dem Zeug, nicht gezwungenermaßen und auch nicht irgendjemand zu Liebe.

    Dein Papa hat sich für den Alkohol entschieden. Deine Rolle ist dabei die einer leidenden Tochter, die völlig hilflos war, denn es lag nicht in Deiner Hand und schon gar nicht in Deiner Verantwortung.

    Ich schreibe Dir das aus vollster Überzeugung und aus meinen eigenen Erfahrungen heraus.

    Alles alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Kaaat,

    vorab möchte ich Dir mein Beileid zum Tod Deines Vater ausdrücken. Und Dir sagen, dass es mir wirklich leid tut, dass ich Dir nicht schon früher geantwortet habe. Ich hoffe Du bist noch hier und liest noch im Forum. Keine Ahnung warum ich Deinen Thread erst jetzt entdeckt habe. Muss mir durchgerutscht sein.

    Ich stelle mich ganz kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    So, jetzt will ich mal auf Deine Fragen eingehen, und zwar nur aus meiner eigenen Sichtweise, aus meinen eigenen Erfahrungen heraus. Will damit sagen, dass jemand anderer vielleicht andere Erfahrungen gemacht hat, meist jedoch ähneln sie die "Berichte" von uns Alkoholikern aber schon ziemlich:

    Zitat

    hattet ihr während der Alkoholabhängigkeit ein "glückliches Leben"?


    Also, da muss ich klar NEIN sagen. Wobei ich hier ganz genau unterscheiden muss, um welche meiner Suchtphasen es eigentlich geht. Ich war ja z. B. sehr lange mit ein- oder zwei Bier täglich unterwegs. Das war meine Anfangsphase, also bereits süchtig wie ich heute weiß, aber bei recht geringen Konsum. In diesen Jahren war ich zumindest nicht primär wegen des Alkohols weniger glücklich. Zwar gab es schon in dieser Zeit erste Differenzen mit meiner Frau wegen des Alkohols, jedoch belastet das mein Leben (noch) nicht so stark. Ich war also glücklich oder unglücklich aus Gründen, die bei anderen, nicht Alkoholikern, auch zu finden sind.

    Als es dann mehr wurde und als ich dann begann heimlich zu trinken änderte sich das. Ich nehme jetzt mal meine längste Phase, da trank ich irgendwas zwischen 4 und 6 Bier pro Tag, komplett heimlich. Da funktionierte ich noch prima, hatte auch keine körperlichen Symptome und mein Umfeld war noch weitestgehend intakt. Bereits zu dieser Zeit kann ich keinesfalls mehr davon sprechen, dass ich glücklich gewesen wäre. Mein größtes Glück war bereits zu dieser Zeit, wenn ich in aller Ruhe trinken konnte. Ohne die Angst, dass ich auffliegen könnte. Meine positivsten Phasen in dieser Zeit waren die, wo ich es schaffte Trinkpausen einzulegen und die Hoffnung hegte, ich könnte doch nicht süchtig sein.

    Tja und dann die Endphase, irgendwas um die 10 Bier + X und schon morgens beginnend. Ich glaube da brauch ich nicht weiter drüber schreiben. Ich war todunglücklich und lebte ferngesteuert vom Alkohol.

    Zitat

    Ich meine, habt ihr trotz der Sucht Glück empfunden?


    Glück ist ein großes Wort. Und unterliegt sehr indivudellen Bedingungen. Was für den einen Glück bedeutet, ist für einen anderen etwas ganz normales oder nichts besonderes. Es ist also aus meiner Sicht schwierig das zu verallgemeinern. Jedoch kann ich für mich sagen, dass ich zu jeder Phase meiner Sucht "Glücksmomente" hatte. Mit einem glücklichen oder auch nur zufriedenen Leben hat das aber rein gar nichts zu tun. Je weiter die Sucht fortgeschritten war, desto mehr war der Alkohol selbst für diese Momente verantwortlich. Wobei das Elend nach diesen Momenten dann auch immer schlimmer wurde.

    Zitat

    Habt ihr die Menschen um euch herum geliebt, auch wenn ihr gemeine Dinge gesagt habt?


    Also ich war auch im Suff niemand, der gemeine Dinge gesagt hat. Jedenfalls nicht bewusst. Ich wurde nicht ausfällig, hab meine Frau und Kinder nicht beschimpft oder so. Aber die Sache mit der Liebe.... Ich sag's mal so: Ich dachte, ich wüsste was Liebe ist und ich dachte, ich würde lieben. Heute weiß ich aber, dass ich keine Ahnung von Liebe hatte. Was ich jedoch als Ausnahme sehen möchte, war die Liebe zu meinen Kindern: Ich liebte sie über alles, wirklich, und davon bin ich nach wie vor überzeugt, dass dieses Gefühl wirklich Liebe war, trotz Suff. Jedoch war diese Liebe trotzdem nicht stark genug um mich dazu zu bewegen mit dem Trinken aufzuhören. Aber wiederum stark genug, mich nicht von meiner Frau zu trennen weil ich mir nicht vorstellen konnte, ohne meine Kinder leben zu können. Die Trennung von meiner Frau fand dann nach meinem Ausstieg statt und war deshalb notwendig, weil ich mir sicher war (bin), dass ich anderfalls nicht trocken hätte bleiben können. Randnotitz: Das hatte aber nichts damit zu tun, dass meine Frau eine böse Frau, Furie oder sonst was gewesen wäre. Im Gegenteil. Es hat einfach schon länger nicht mehr gepasst und meine Sucht hatte auch mich und meinen Charatkter enorm verändert. Sie hat sich weiter entwickelt, ich mich zurück.

    Zitat

    Wusstet ihr, dass ihr ein Problem habt?


    Klar wusste ich es. Und zwar schon relativ früh. Schon in den noch "schönen" Phasen meiner Sucht. Nur war mir anfangs die Dimension meines Problems nicht bewusst. Und mir war auch nicht bewusst, in welche brutale Abwärtsspirale diese Sucht führt. Die letzten Jahre, also die ganz schlimmen, waren dann eher von Kapitulation geprägt. Wollte ich früher immer wieder mal wenigstgens versuchen weniger zu trinken oder aufzuhören, so war mir das dann zum Ende hin völlig egal. Ich wollte dann einfach trinken und ich sah einfach keine Perspektive mehr. Ich habe nicht mal mehr versucht irgendwas zu unternehmen, mal weniger zu trinken oder so. Mir war es dann eigentlich egal, und dass, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt auch schon ziemliche körperliche Probleme hatte.

    Zitat

    Wenn ihr im Krankenhaus oder der Intensivstation wart, hattet ihr Angst?


    Kann ich nicht mitreden, denn ich war dort nicht. Jedoch machte es mir schon Angst, wenn ich mich auf den Bauch legte und dann diesen ganz erheblichen Schmerz spürte. Oder wenn mein Magen schmerzte, ich nur noch Durchfall hatte, ständig geschwollene Lymphknoten hatte etc. Aber ich trank trotzdem ganz "normal" weiter.

    Zitat

    Wenn ihr Alkohol versteckt habt, habt ihr euch geschämt Oder war es eine alltägliche Normalität?


    Diese Frage stellst Du hier dem Richtigen. Mein ganzes Alkoholikerleben war genau darauf ausgerichtet. Anschaffen, verstecken, trinken und entsorgen. Bei geringen Mengen funktioniert das ja noch ganz geschmeidig, wenn du aber jeden Tag 10 oder mehr Flaschen Bier trinkst und diese dann auch irgendwie verstecken aber auch entsorgen musst, dann wird das zu einer der Hauptaufgaben. Ein ganz enormer Stressfaktor, vor allem deshalb, weil ich tags darauf manchmal nicht mehr wusste, wo ich das Zeug versteckt hatte. Also dann die leeren Flaschen, die letzten 3 oder 4 Bier.... Und wenn meine Frau diese gefunden hätte (hat sie auch ab und an mal), tja dann war ja wieder kreatives Lügen gefordert. Was auch wieder mega gestresst hat.

    Und natürlich hat all das Trinken, all das heimliche Trinken ein permanentes schlechtes Gewissen erzeugt und klar habe ich mich geschämt. Und trotzdem war es Normalität. Je nach Alkohollevel variierte der Grad des Schämens. Da half es dann nur, erst mal ein paar Bier zu trinken und das wieder zu verdrängen...

    Liebe Kaaat, jetzt hast Du Antworten. Ich weiß aber nicht ob und wie Dir diese helfen sollen. Wenn ich Dir etwas raten dürfte, dann das, dass Du diese psychische Belastung, unter der Du durch das Trinkverhalten Deines Papas leidest (ich gehe mal davon aus, dass es so ist, Du Dir vielleicht sogar Vorwürfe machst) aufarbeitest. Idealerweise mit professioneller Hilfe. Öffne Dich diesbezüglich einem Arzt gegenüber, ein guter Psychologe kann Dir hier sicher helfen. Vielleicht auch eine SHG, eine reale, für Angehörige. Ich weiß, dass Kinder von Alkoholikern enormes zu Verarbeiten haben. Wir sind damals mit unserer Tochter auch zum Psychologen. Mach das nicht mit Dir selbst aus, öffne Dich und arbeite es auf. Und, was ganz wichtig ist: Du hast für nichts eine Verantwortung. Dein Papa war für sein Leben ganz allein verantwortlich. Er allein hatte es in der Hand, niemand sonst. So wie ich eben auch. Ich konnte glücklicherweise die Notbremse ziehen, bei vielen ist der Alkohol leider stärker.

    Bitte entschuldige nochmal die späte Reaktion auf Deinen Post. Ich hoffe Du bist noch da. Alles alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Glühwürmchen,

    auch wenn es Dir jetzt weh tut aber ich bin ziemlich sicher, dass Du richtig gehandelt hast. All die Analysen Deiner und seiner Situation in dieser Geschichte finde ich sehr reflektiert und sehr treffend. Nun kannst Du wieder glücklich werden, auch wenn Du Dir das im Moment vielleicht noch nicht richtig vorstellen kannst.

    Und er kann das tun was er für richtig hält.

    Ich wünsche Dir für Deine Zukunft alles Gute!

    LG
    Gerchla

    Hallo Cr33pz,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Familienvater (3 Kinder), Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Zu Deiner Geschichte:

    Ich möchte Dir vorab mal eine Frage stellen, die Du natürlich nur dann beantwortest, wenn Du das auch möchtest:

    Kannst Du Dir vorstellen weiterhin mit ihm zusammen zu leben? Wäre oder ist es Dein Ziel weiterhin mit ihm zu leben oder möchtest Du ihn am liebsten verlassen und mit den Kindern Dein eigenes Leben führen?

    Ich frage das nicht einfach so. Ich frage Dich das, weil ich glaube, dass Deine Antwort einen Hinweis darauf geben kann, wieviel Porzelan in Eurer Beziehung bereits zerbrochen ist. Manchmal loht es sich für eine Beziehung zu kämpfen. Aber nur dann, wenn diese auch noch ein Perspektive hat. Bei Dir könnte diese so aussehen, dass er von sich aus bereit wäre, einen Entzug zu machen und anschließend in eine Therapie (o. ä.) geht. Um zurück in ein Leben ohne Alkohol zu finden. Wenn er das von sich aus tun würde, wenn er das wollen würde, dann könntest Du darüber nachdenken, ob Du ihn bei diesem Prozess unterstützend begleitest.

    Solltest Du aber feststellen, dass schon so viel passiert ist, dass Du das gar nicht mehr möchtest, dass Du Dir nicht vorstellen kannst ihm jemals wieder zu vertrauen, dann solltest Du darüber nachdenken, wie eine Trennung ablaufen könnte.

    Das ist auch alles reine Theorie, denn es würde ja voraussetzen, dass er bereit ist etwas gegen sein Sucht zu unternehmen. Du wirst selbst einschätzen können, ob er dazu bereit sein könnte. Ich kann das nicht abschätzen, würde aber nur von dem Gelesenen davon ausgehen, dass er keinesfalls aufhören möchte. Wahrscheinlich ist er der Meinung er hat gar kein Problem oder ihr seid sein Problem oder was auch immer er sich in seinem Hirn gerade so zurecht legt. Hast Du ihn den schon mal ganz direkt auf sein Trinkverhalten angesprochen? Hast Du schon mal mit ihm darüber gesprochen, dass Du das so nicht mehr möchtest? Hast Du ihm schon mal ganz klar gesagt, was Du von ihm erwartest und welche Konsequenzen Du ziehen wirst, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt? Wenn ja, wie hat er reagiert?

    Wenn er weiter trinkt und weiter trinken will, dann bleibt Dir nichts anderes als Dich schleunigst um Dich und vor allem auch um Deine Kinder zu kümmern. Du kannst ihm dann nicht helfen, das kann er nur selbst. So schwer und so unmöglich es Dir auch erscheinen mag: Wenn er weiter trinken will, dann kannst Du nur Dein eigenes Leben verändern. Auch wenn Du vielleicht jetzt gerade eine Menge an Hürden siehst, die Dir das unmöglich erscheinen lassen. Aber wenn er weiter trinkt und Du weiter bei ihm bleibst, wird es immer schlimmer werden. Für Dich und vor allem auch für Deine Kinder. Das sagt Dir jemand der selbst viele Jahre getrunken hat und selbst Kinder hat.

    Du schreibst ja auch von Co-Abhängigkeit! Ich finde es echt gut, dass Du Dich damit beschäftigst. Denn das ist eine echt heftige und ernstzunehmende Krankheit. Ob Du darunter leidest weiß ich nicht, zumindest schreibst Du nichts darüber, dass Du ihn gerne vom Alkohol weg bringen möchtest, dass Du für ihn lügst (um seine Sucht zu vertuschen), dass Du ihm seinen Stoff auch notfalls besorgst usw. Das alles sind z. B. Anzeichen von Co-Abhängigkeit.

    Ich lese aus Deinen Zeilen eher eine Angst, eine große Angst vor den Zeiten wo er getrunken hat und dem was darauf für Dich folgt. Vielleicht magst Du einfach noch ein wenig mehr erzählen, dann können wir Deine Situation noch ein wenig besser einschätzen, auch bezüglich einer Co-Abhängigkeit. Wie mir aber bereits jetzt schon scheint, gibt es für Dich/Euch (also auch Deine Kinder) nicht viele Alternativen. Es geht vielleicht mehr darum, wie Du diesen Weg heraus richtig angehen kannst und wo Du auch im realen Leben die richtige Unterstützung finden kannst.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier.

    LG
    gerchla

    Hallo Glühwürmchen,

    Zitat

    Gestern war er wieder zurück und prompt bot er mir an ihn um 22 Uhr im Hotel zu besuchen...vorher nicht, da Anruf bei seiner Frau...mal ist es ein Anruf/ dann die Kinder/ der Job/ ein Kollege gibt was aus/ Sachen die nachgearbeitet werden müssen aber immer der Zeitraum 20:45-21-45 in dem ich Aufschlagen darf.

    Schau, und genau deshalb solltest Du Dich unbedingt um Dein Leben kümmern. Ganz unabhängig davon. ob er Alkoholiker ist oder nicht. Er gibt Dir einen klar definierten Slot in seinem Leben. In diesem Fall der von Dir angegebene Zeitraum. Bist Du Dir nicht mehr wert als ein Timeslot im Leben eines Mannes, der auch schon klar gesagt hat (wenn ich das richtig gelesen habe), dass er sich nie ganz für Dich entscheiden wird? Du solltest Dir keine Gedanken mehr darüber machen, ob Du es Dir vielleicht nur einbilden könntest, dass er ein Alkoholproblem hat. Es ist völlig unwichtig.

    Er ist ein verheirateter Familienvater der Dich per Slot in sein Hotelzimmer bestellt. Ums mal provokant auszudrücken. Ich finde: das ist keine Perspektive für eine junge Frau. Und: solche Erfahrungen können auch dazu beitragen, Dein eigenes Leben auf Dauer enorm zu belasten. Auch ganz ohne Alkoholsucht des anderen. Du spielst hier die 2., 3. oder 4. Geige. Vorher kommen erst mal alle anderen, irgendwann dann Du. Ob dabei nun der Alkohol ein Rolle spielt oder nicht ist eigentlich nebensächlich.

    In dieser Art von Beziehung ist für Dich nichts zu gewinnen. Du kannst und wirst nur verlieren. Darum löse Dich, auch wenn es schwer ist. Lass ihn los, von mir aus: lass ihn in Liebe los aber lass ihn los.

    Und dann wirst Du auch neu beginnen können.

    LG
    gerchla

    Hallo Glühwürmchen,

    von mir noch ein verspätetes herzliches Willkommen hier im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Da hat sich Dein (ex?)Freund ja ein ganz schönes Doppelleben aufgebaut. Einerseits die Familie, wo er wahrscheinlich den lieben und verantwortungsbewussten Familienpapa gibt und andererseits Dich, wo er.... ja was eigentlich? Vielleicht einen Menschen gefunden hat, mit dem er das teilen kann was er mit seiner Frau nicht teilen kann?

    Zitat

    Ich glaube er trägt eine sehr traurige und schwierige Geschichte mit sich. Schade, dass ich die Illusion aufgeben muss, ich wäre sehr gerne für diesen Mann mehr als nur die „Geliebte“...

    Ich kann nicht beurteilen, was Du für ihn warst oder bist. Vielleicht warst oder bist Du für ihn viel mehr als nur eine Geliebte, vielleicht bist Du der Mensch, den er sich immer gewünscht hat, als Partnerin. Vielleicht ist es aber auch sein Alkoholkonsum, der dieses Denken ihn ihm überhaupt erst möglich gemacht hat oder es in einer Weise verstärkt, die mit Realtität nichts mehr zu tun hat. Vielleicht wüsste er erst wenn er seine Familie verlassen würde, ob seine Gedanken und Gefühle die richtigen waren. Nun, eigentlch ist das egal, denn er trifft ja keine Entscheidung, er lässt Dich am langen Arm verhungern und bekämpft sein Leiden (das ich ihm durchaus als "echt" zugestehe) mit Alkohol.

    Davon hast Du nichts, außer das Du ebenfalls leiden musst. Ich möchte hier noch betonen: Ich will hier nicht urteilen, nur meine Meinung sagen, denn ich kenne mich aus eigener Erfahrung mit Doppelleben sehr gut aus, leider.

    Und ich weiß auch, dass so ein Doppelleben mit das Schlimmste ist, was man tun kann. Wenn das ganze dann noch in eine Alkoholsucht führt (oder auch durch eine Sucht befördert wird), dann gibt es bei der ganzen Geschichte nur Verlierer. NUR.

    Da wären zunächst mal seine Frau und Kinder, dann natürlich Du, die ja auch nur ein kleines "Stückchen" von ihm hat und dazu noch ein alkoholsüchtiges. Und dann natürlich auch er selbst. Er lebt eigentlich nicht mehr richtig sondern ist nur damit beschäftigt seine beiden Leben zu organisieren. Einerseits seiner Familie gerecht zu werden, andererseits aber auch Dir, denn ich nehme dann schon mal an, dass Du ihm wichtig bist. So, und wenn er dazu nun noch den Alkohol als Hilfsmittel einsetzt, um z. B. mit seinen Schuldgefühlen klar zu kommen, um z. B. einfach mal an nichts mehr denken zu müssen, um z. B. überhaupt mit der ganzen verfahrenen Situation überhaupt irgendwie klar zu kommen, dann ist die Katastrophe vorprogrammiert. Sowas kann man durchaus viele Jahre durchziehen, irgendwann jedoch fällt das Kartenhaus zusammen. Unweigerlich. Spätestens dann, wenn seine Sucht so stark ist, dass er die Kontrolle über seine Lügenkonstruktionen verliert.

    Nun, da Du ja hier schreibst und nicht er will ich auch Dir und nicht ihm meine Meinung dazu mitteilen. Dir möchte ich sagen: Völlig egal ob er schon süchtig ist oder noch nur Missbrauch betreibt: kläre die Situation und kümmere Dich um Dich und Dein Leben. Wenn ich Dich richtig gelesen habe, dann bist Du da ja bereits dabei. So ganz kannst Du es aber noch nicht vollendet haben, denn sonst würdest Du hier nicht schreiben. Du solltest aus dieser Geschichte jetzt raus sein, er muss sich um sein Leben selbst kümmern. Gerade in Eurer besonderes Situation kann ich Dir nur empfehlen, Dich hier komplett zurück zu ziehen. Und auch definitiv, egal was von seiner Seite noch kommen sollte.

    Du schreibst ja, dass Du ihn liebst. Und wenn dem so ist, wird Dir das sicher nicht leicht fallen. Aber es wird das beste sein, für Dich und wahrscheinlich auch für ihn, denn Du nimmst ihm dann den Druck, denn sein Doppelleben ganz sicher in ihm erzeugt hat. Vielleicht hat er ohne diesen Druck die Chance, wieder zu einem moderaten Trinkverhalten zurück zu finden. Das wäre dann möglich, wenn er noch nicht süchtig sein sollte. Aber, das alles ist natürlich reine Spekulation von mir. Ich bin aber überzeugt davon, dass Du ihm und auch Dir selbst eim meisten hilfst, wenn Du künftig Dein eigenes Leben lebst und ihm seines lässt.

    Alles alles Gute für Deine Zukunft wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Weißt Du Thomas, ich kenne ja diese Gedanken. Ich hatte die ja auch.... Wenn xy vorbei ist dann, wenn der blablabla geschafft ist, dann, nur noch am Silvester aber danach dann....

    Mach Nägel mit Köpfen. Schließe Deine Hintertürchen, lass Dir keine offen. D. h. öffne Dich, geh zum Arzt und oute Dich auch gegenüber Deinem engsten Umfeld. Du musst es nicht gleich jeden auf die Nase binden. Viele können damit nicht umgehen. Aber die, die Dir wichtig sind, die sollten es wissen. Deine Frau z. B., vielleicht enge Freude, Eltern, Geschwister etc.

    Und dann gehe es an. Es sind leider nur rund 10 % der Süchtigen die es überhaupt versuchen von dem Zeug weg zu kommen. Da solltest Du unbeding dazu gehören. Schau mal, Du hast ja auch nach eigenen Angaben noch eine funktionierende Beziehung, wunderbare Kinder... Glaube mir, das fährst Du an die Wand, wenn Du nichts unternimmst. Ich hab's an die Wand gefahren und ich kenne wirklich noch einige andere, die es ebenfalls getan haben. Lass es soweit nicht kommen.

    Mach Dir noch keine Gedanken darüber, ob Du NIE wieder trinken darfst. Gehe es erst mal an, sammle Erfahrungen mit einem Leben ohne Alk. Und dann schau weiter. Wenn Du es wirklich ernst meinst, dann wird sich ein Weg aufzeigen. Leider ist diese Sucht so verdammt mächtig darum kann ich Dir nur ans Herz legen: Machs nicht allein, hol Dir Hilfe. Hier bei uns im Forum ist schon mal super. Aber da gibt es noch so viel mehr. Hol sie Dir und nimm sie an. Du kannst absolut nichts verlieren, nur gewinnen.

    Wenn Du Bock hast, dann schreib hier. Es gibt wahnsinnig viel über diese Krankheit zu lernen. Wir haben hier alle ganz viel Erfahrung damit, leider. Frag was Du wissen möchtest, schreibe über das was Dich umtreibt, über Deine Ängste und wir (ich) schreiben Dir, wie das bei uns war, was wir getan haben etc. Das kann Dir nur helfen.

    Schmeiß Dein Leben nicht weg sondern hol es Dir zurück. Du kannst hier einige Geschichten lesen, nimm sie als Motivation für Dich.

    Ok, ich lass es jetzt mal. Wenn Du irgendwas auf dem Herzen hast kannst Du jederzeit hier schreiben. Ich drück Dir die Daumen.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Thomas,

    herzliche Willkommen hier bei uns im Forum. Schön, dass Du Dich mit Deinen Trinkgewohnheioten auseinander setzt. So wie ich das bei Dir lese, scheinst Du bereits recht weit zu sein, was den Weg in die Sucht betrifft. Aber vielleicht schreibe ich Dir jetzt einfach mal meine Gedanken der Reihe nach.

    Davor stelle ich mich kurz vor: ich bin 50 Jahre als, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol. Ich bin geschieden und wieder verheiratet (meine erste Frau hat leider meine Trinkerzeit miterleben dürfen) und habe aus erster Ehe 2 Kinder und nun noch ein weiteres wunderbares Kind. Ich kenne Deine Situation von dieser Seite also schon mal sehr gut.

    Zitat

    einen Top Job aber täglich nach getaner Arbeit trinke ich mind 5 Bier nicht alleine aber es findet sich immer Jemand


    Den super Job hatte ich auch. Überhaupt hatte ich von außen drauf gesehen absolut überhaupt keinen Grund mit dem Trinken anzufangen. Und nachdem ich aufgehört hatte hat es auch ein paar Monate der Aufarbeitung gebraucht um überhaupt mal heraus zu finden, warum ich eigentlich getrunken habe. Schon klar, irgendwann war die Sucht dafür verantwortlich aber es gibt zumindest meiner Meinung nach, immer Gründe, warum man überhaupt soweit kommt. Warum der Alkohol für was auch immer missbraucht wird. Ich halte es für absolut unverzichtbar nach dem Ausstieg sich genau damit zu beschäftigen. Zumindest für mich war das ein Garant für mein weiteres trockenes Leben. Aber jetzt erst mal langsam. Soweit bist Du ja noch lange nicht und damit kannst Du Dich dann beschäftigen, wenn es soweit ist.
    Und, es ist eigentlich egal ob Du immer nur in Gesellschaft trinkst oder heimlich still und leise (so war das bei mir). 5 Bier sind 5 Bier und entscheidend dabei ist auch, dass Du nicht darauf verzichten kannst. Bzw. dann ganz bewusst eine Trinkpause einlegen musst, wo Du wahrscheinlich aber auch an das Zeug denkst. Du schreibst ja auch, wenn Du eines trinkst werden es immer mehr. Kontrollverlust also. Das sind deutliche Anzeichen für eine Sucht.

    Zitat

    mindestens schnelle 5 Bier zu trinken


    Auch ein wunderbares Anzeichen für eine Sucht. Ich hatte etwa 15 Minuten mit dem Zug bis nach Hause. In meinen Glanzeiten schaffte ich es, in dieser Zeit 4 Bier in mich hinein zu schütten. Oft waren das die ersten 4 des Tage, also in der Zeit, als ich noch nicht bereits morgens mit dem Trinken angefangen hatte.

    Zitat

    Ja der Grund bei mir ist sich gut locker und entspannt zu fühlen i


    Das ist der "oberflächliche" Grund und es ist schon mal ganz gut, dass Du das bereits weißt. Stellt sich die Frage, warum Du es auf anderen Wege nicht schaffst. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir hier sagen, dass diese Dinge sehr sehr tief stecken können. Sie aufzuarbeiten ist äußerst berfreiend. Aber wie oben schon geschrieben: Alles zu seiner Zeit.

    Zitat

    ich weiß nicht ob ich kontrolliertes trinken jemals noch schaffen kann


    Wenn Du bereits süchtig bist, wirst Du es nie mehr können. Ist eigentlich ganz einfach. Wenn nicht, dann kann es funktionieren, wobei Du immer gefährdet bleiben wirst. Wo Du stehst kann ich Dir nicht sagen, das kann wahrscheinlich niemand 100%ig sagen. Das Wenige was Du aber über Dich und Dein Trinkverhalten berichtet hast, deutet für mich bereits auf eine Sucht hin.
    Stellt sich dann auch noch die Frage, was Du davon hast, wenn Du ein Bier am Tag trinken "könntest". Diese Frage solltest Du Dir vielleicht auch mal in Ruhe beantworten.

    Zitat

    findet sich immer Jemand wie soll ich es am besten angehen Vielen Dank für eure Hilfe lg Thomas


    Tja, wie wäre es denn mit dem klassischen Weg? Der bei vielen auch zum Erfolg führt: Geh zum Arzt, sprich mit ihm/ihr und mach einen Plan für die Entgiftung. Gehe zur Suchtberatung uns sprich über das mögliche weitere Vorgehen. Und je nachdem was ihr dort bequatscht kann es dann weiter gehen, mit oder ohne Therapie, wenn mit dann entweder stationär oder ambulant. Parallel schaust Du Dich mal nach einer realen SHG um, nicht wenige haben es "nur" durch die regelmäßigen Besuche dort geschaft vom Alkohol weg zu kommen, auch ohne Therapie.

    Also, wie Dein Weg sein kann, das musst Du selbst heraus finden. Nur: Du musst halt machen! Alleine diese Formulierung hier:

    Zitat

    da ich demnächst unbedingt mit dem Trinken aufhören möchte

    hat mir erst mal die Falten auf die Stirn getrieben. Demnächst also.... na dann, schau mer mal, wird schon werden, irgendwann - verstehst Du was ich sagen will? Ich will Dich keinesfalls angreifen, Dein Leben, Deine Entscheidung. Ich kann Dir einfach nur aus eigener Erfahrung sagen: Das einzige was zählt ist handeln, sofort handeln.

    Alles Gute und einen guten und hilfreichen Austausch hier im Forum wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo kurminusch,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Wenn Du möchtest, dann mach doch einfach Dein eigenes Thema auf, z. B. im Vorstellungsbereich oder bei den Anghörigen (ich lese heraus das Du Angehörige bist und selbst nicht trinkst). Wenn Du uns dort ein wenig über Dich erzählen magst, warum Du hier bist und was Dich beschäftigt, dann können wir Dir vielleicht noch ein wenig mehr Anregungen oder auch Hilfe geben. Aber das ist natürlich Deine Entscheidung in wieweit Du Dich hier äußern bzw. öffnen möchtest. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Austausch sehr hilfreich und auch heilend sein kann.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute, in welcher Situation Du Dich auch immer gerade befinden magst. Und würde mich freuen, ein wenig mehr von Dir zu lesen. Bis vielleicht bald und

    LG
    gerchla

    Liebe Britt,

    also ich bin ja kein Traumdeuter. Aber in diesen Traum würde ich Folgendes hinein interpretieren:

    Du oder Dein Unterbewusstsein beschäftigt sich mit der Möglichkeit einer Trennung von Deinem Mann. Möglicherweise weißt Du oder Dein Unterbewusstsein auch, dass es ein (oder sogar DER) Weg wäre, um zu einem wirklich zufriedenen, selbstbestimmten Leben zu finden. Was Du eigentlich ja auch möchtest. Gleichzeitig hast Du (oder Dein Unterbewusstsein ;) ) große Angst vor diesem Schritt. Die Angst es nicht zu schaffen, die Angst dann ganz allein zu sein, die allumfassende Angst, dann wieder zur Flasche zu greifen.

    Ich denke, "mehr" ist das nicht, mal so ganz pragmatisch gesehen. Du verarbeitest in Deinen Träumen das, was Dich wirklich bewegt. Und das scheint ein Thema zu sein, dass Dich eben sehr beschäftigt. Ich würde daraus keinesfalls den Schluss ziehen, dass Du wieder trinken wirst, wenn Du Dich trennen solltest. Hier werden (meiner völlig laienhaften Meinung nach) einfach "nur" Deine Ängste in Form eines Traumes verarbeitet.

    Ich hatte übrigens auch schon Träume, wo ich wieder getrunken habe. Kam nicht oft vor und ist lange her. Ich glaube mich daran zu erinnern, dass ich hier dann aufgewacht bin und mir dachte: Gott sei Dank ist es nicht so. Auf die Idee, dass das irgendwie ein Zeichen sein könnte, dass ich jetzt irgendwann oder in einer bestimmten Situation wieder mit dem Trinken beginnen werde bin ich aber nicht gekommen. Bei mir ist es auch so, dass ich mich nur sehr sehr selten an einen Traum erinnern kann. Das muss dann schon ein Pfund gewesen sein, damit ich mich noch erinnere. Neulich hat mich meine Frau mal verlassen, weil ich ihr zu langweilig geworden bin. Daran konnte ich mich auch erinnern und ich war ganz schön benommen. Und hab ihr das dann auch gleich erzählt. Und natürlich haben wir dann auch einen möglichen Grund für diesen Traum gefunden, einen Auslöser der dann auch ganz klar war. Aber die Konsequenz aus diesem Traum, die war von meinem Unterbewusstsein erdacht, hatte nichts mit der Realität zu tun.

    Das waren meine Gedanken dazu.

    Alles alles Gute, liebe Britt.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Linda,

    herzlich Willkommen hier im Forum, auch wenn der Anlass Deines Hierseins, wie bei den meisten die neu ankommen, kein schöner ist.

    Ich stelle mich kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt und Alkoholiker. Ich war verheiratet, habe aus dieser Ehe 2 Kinder und habe mich getrennt, kurz nachdem ich trocken wurde. Heute bin ich wieder verheiratet und habe noch ein weiteres Kind. Ich lebe jetzt schon lange ohne Alkohol und kann mich als glücklichen Menschen bezeichnen.

    Nur mal so, damit Du grob weißt, wer Dir hier schreibt.

    Ich habe einiges an Gedanken zu dem, was Du über Dein Leben berichtest. Erst mal will ich zwei Dinge aus Deinem Thread zitieren, nämlich:
    Zitat

    An sich verstehen wir uns super. Nur wenn er zuviel getrunken hat, wird er zum absoluten Arschloch.


    Zitat

    So geht das jetzt seit 2 Jahren. Er schießt sich nicht nur einmal im Monat ab, sondern jedes wochenende. Unter der Woche trinkt er auch fast jeden Abend 3-4 bier und ist davon schon angetrunken.

    Ok, da habe ich mir gedacht: Ähm. eigentlich verstehen sie sich super, prima. Nur wenn er getrunken hat, dann is nicht so toll, hm naja. Aber eigentlich ist er ja dauert mehr oder weniger besoffen, zumindest aber angetrunken, Deiner eigenen Aussage nach. Und das seit 2 Jahren. Wann also versteht Ihr Euch eigentlich super? Ab und zu mal? Wenn bei ihm grad mal so rein passt? Vielleicht magst Du mal darüber nachdenken.

    Zitat

    und mir Sachen an den Kopf geknallt hat wie "Halt die Fresse, Fick dich, Verpiss dich", obwohl ich garnichts gemacht habe.

    Da habe ich mir die Frage gestellt, wie viel Du Dir eigentlich selbst wert bist. Vielleicht magst Du auch darüber mal nachdenken. Mir würde meine Partnerin soetwas nur einmal sagen, sicher kein zweites Mal mehr.

    So, damit aber erst mal genug der Anregungen zum Nachdenken. Ich möchte Dir nämlich auch sagen, dass ich Dir hier keinesfalls irgendwelche Vorwürfe machen möchte. Ich möchte sinngemäß auch nicht sowas wie "wie kann man nur so blöd sein und bei so jemanden bleiben" als Botschaft für Dich rüber bringen. Ich weiß nämlich auch, weil ich das selbst meisterlich beherrscht habe, wie manipulativ Alkoholiker ein können und wie gut sie oft in der Lage sind, ihre (teils co-abhängigen) Partner irgendwie bei der Stange zu halten. Da wird gelogen was das Zeug hält, da gibt es Liebessschwüre, die so unglaublich echt und intensiv sind, dass es gar nicht sein kann, dass das alles nur bla bla ist. Selbstverständlich ist der Alkoholiker auch in der Lage, sich und seine Situation zu tiefst zu bedauern, heulen gehört selbstveständlich auch bei Männern zum ganz normalen Programm, ebenso wie bitteres Bereuen dessen, was man im Suff wieder alles gesagt oder angestellt hat.

    Du kennst das ja und ich kenne das auch. Nur von der anderen Seite, von der Seite des Alkoholikers. Was passiert da also dann, wirst Du Dich vielleicht fragen. Oder: Meint er wirklich was er sagt, wenn er mir z.B. seine Liebe schwört, davon spricht, dass er mich braucht, etc.?

    Nun, aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass es schon sein kann, dass er es in dem Moment wo er es sagt, auch so meint. Das ist im Übrigen auch eine Voraussetzung dafür, dass "man", also der Alkoholiker, es so überzeugend herüber bringen kann. Das trifft übrigens auch auf Lügen zu. Ich habe soviel gelogen, dass ich irgendwann selbst nicht mehr wusste was eigentlich stimmt und was nicht. Vielleicht verstehst Du es besser, wenn ich Dir sage, dass ein Alkoholiker irgendwann auch mal beginnt in "seiner eigenen Welt" zu leben. Nach dem Motto: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Nur leider entspricht diese Welt nicht im geringsten der Realität und hat nur einen Fokus, nämlich den Alkohol. Dieser dominiert wirklich alles. Du, das muss ich Dir leider so deutlich sagen, spielst dabei bestenfalls die zweite Geige.

    Für einen Alkoholiker geht es nur darum, seine Sucht befriedigen zu können. Mir ging es lange nur darum, mein Leben irgendwie so aufrecht erhalten zu können, wie es eben war. Ich wollte meine Kinder nicht verlieren, ich wollte meine Ruhe haben, ich wollte trinken können. Also habe ich mir das zu zugezimmert, wie ich glaubte das es passt. Ich trank heimlich, wenn es ärger gab versuchte ich diesen irgendwie zu schlichten um Ruhe zu haben und am wichtigsten war es mir, die Zeit zum Trinken irgendwie heraus zu schlagen. Dafür habe ich tagelange Dienstreisen gemacht, die es gar nicht gab, hatte Abendtermine die nie stattgefunden haben, um nur mal die harmloseren Dinge zu nennen. Ich war nicht so unterwegs wie Dein Freund, ich wäre nie auf die Idee gekommen meiner Frau solche Dinge an den Kopf zu werfen wie es bei Dir tut. Hätte ich das nämlich getan, da bin ich sicher, hätte sie ihre Sachen gepackt. Aber ich wollte ja meine sicherere, kleine, Alkiwelt behalten....

    Du lässt Dir das alles gefallen und er weiß das. Wenn mal eng für ihn wird, kennt der die Knöpfe die er bei Dir drehen muss, damit Du wieder in die Spur kommst. Diese Knöpfe kannte ich bei meiner Frau übrigens auch, wenngleich es bei mir von der Art her ganz anders war. Im Grunde jedoch, ist es immer das Gleiche!

    So, und was kannst Du damit jetzt eigentlich anfangen? Nix, erst mal. Denn das eigentlich wichtige kommt jetzt. Greenfox hat es Dir ja schon deutlich, in wenigen Sätzen, geschrieben:

    Du kannst hier nichts tun! Genau das ist die zentrale Botschaft, die Dir ein Alkoholiker, der die Sucht überwunden hat immer so sagen wird. Als Partner hat man nicht viele Optionen. Wenn man glaubt, dass der andere eine Sucht entwickelt haben könnte, dann kann und soll man ihn natürlich ansprechen. Das kann was bewirken, meist aber nicht. Über dieses Stadium bist Du, seid Ihr, längst hinaus. Ihr steckt ja längst mitten drin, ganz tief im Alkoholsumpf. Also, wie könnte es dann funktionieren?

    NUR wenn er von sich aus etwas gegen seine Sucht unternehmen würde. Nur dann. Wenn er zum Arzt geht, eine Entgiftung macht, anschließend eine Therapie durchläuft, NUR dann könntest Du einen Gedanken daran verschwenden, ob Du ihn auf diesem Weg begleiten möchtest. Selbst dieser Weg wäre dann aber ein richtig schwieriger, denn Dein Partner würde sich auf diesem Weg sehr verändern. Und es wäre auch längst nicht sicher, dass er ihn erfolgreich zu Ende gehen könnte. Nicht wenige scheitern auch.

    Du müsstest Dir also die Frage stellen, ob Du Dir das antun möchtest. Ob Du Deine Lebenszeit weiterhin mit seiner Sucht verschwenden möchtest in dem Wissen, dass Du auch nach Entgiftung und Therapie nicht sicher sein kannst, wie es eigentlich weiter geht. Nun verstehe mich bitte nicht falsch: Es gibt glücklicherweise auch Beispiele, wo das alles gut ausgegangen ist und wo sich Partner wirklich wieder gefunden haben und dann anschließend wirklich ein neues Leben begonnen haben. Aber oft eben auch nicht und in meinem Fall war es sogar so, dass ich mich getrennt habe, nachdem ich trocken wurde, nicht meine Frau.

    Aber, das ist ja alles rein spekulativ, denn es gibt ja überhaupt keine Anzeichen, dass Dein Freund auch nur ansatzweise den Ausstieg aus der Sucht möchte. Auf Lippenbekenntnisse kannst Du übrigens pfeifen. Du kannst Jahre an seiner Seite damit verbringen, Dir immer wieder anzuhören, dass er dann und dann aufhört oder wieder weniger trinken wird. Allein die Tat zählt. Reden ist in diesem Fall absolut überhaupt nichts wert.

    Wenn ich Dir etwas raten dürfte, würde ich Dir folgendes raten: Such Dir unbedingt auch Hilfe in der realen Welt. Sprich mit Menschen darüber, die Ähnliches erlebt haben, z. B. in einer SHG für Angehörige. Besuche auch mal eine Suchtberatung und informiere Dich von dieser Seite aus. Lass um Himmels Willen den Gedanken fahren, dass Du irgendwas für ihn tun könntest oder gar müsstest, weil Du ihn ja so toll liebst. Du liebst jemanden, den Du gar nicht kennst, wenn ich Dir das mal so deutlich sagen darf. Denn Du kennst nur den Menschen, dessen Wesen komplett vom Alkohol dominiert wird. Und zwar auch, wenn er mal ein paar Tage nüchtern sein sollte. Was da eigentlich dahinter stecken könnte oder steckt, das ist komplett verschüttet und Du weißt auch nicht, ob das dann das wäre, was Du eigentlich möchtest.

    Alles sehr abstrakt was ich Dir hier schreibe. Vielleicht regt es Dich zum Nachdenken an. Ich wünsche es Dir! Du läufst ganz große Gefahr selbst sehr krank zu werden, in eine Co-Abhängigkeit zu rutschen, wenn Du nicht schon darin steckst. Damit ist nicht zu spaßen, denn am Ende würdest Du zusammen mit dem Alkoholiker unter gehen. Lass das nicht zu! Lebe Dein Leben und kümmere Dich nur um Dich. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Selbstliebe. Wenn Du Dich selbst liebst wirst Du niemals zulassen, dass man Dich so behandelt und dass Dein Leben derart verschwendet wird.

    Ok, ich hör jetzt auf. Alles Gute wünsche ich Dir und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo tamira,

    ein verspätetes herzliches Willkommen hier im Forum von mir.

    Ich stelle mich kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Meine Gedanken zu Deiner Geschichte:

    Erst mal will ich Dir sagen, dass ich verstehen kann, dass Du ziemlich durcheiander bist. Menschen, die selbst diese Sucht nicht kennen und (glücklicherweise) nicht erlebt haben, können gar keine Ahnung davon haben, was da eigentlch ab geht.
    Gleichzeitig will ich Dir sagen, dass das Verhalten Deines Freundes ein ganz typisches ist. Er verhält sich genau so, wie es viele Alkoholiker in einer bestimmten Phase ihrer Sucht tun. Es ist also eigentlich gar nichts besonderes, was Du da erlebst und gleichzeitig ist es für Dich aber unfassbar, weil Du eben von normalen Maßstäben ausgehst.

    Ich sag mal so: Wer Dein Freund eigentlich ist, war oder sein könnte, das weißt Du gar nicht. Du hast ihn trinkend kennen gelernt und während Eurer ganzen Beziehung hat er immer getrunken. Damit meine ich nicht, dass er dauerbetrunken war (vielleicht auch das), sondern dass er (aller Voraussicht nacht) die ganze Zeit über ein nasser (also trinkender) Alkoholiker war und ist. D. h. also, Dein Frreund hatte während Eurer ganzen Beziehung imme jemanden an seiner Seite der deutlich wichtiger war als Du, nämlich der Alkohol.

    Das kannst Du jetzt glauben oder auch nicht, ich kann Dir aber aus ganz persönlicher eigener Erfahrung sagen, dass es so ist. Ist man süchtig, gibt es nichts wichtigeres als den Stoff, in diesem Fall den Alkohol. Alles andere kommt danach. Wenn man gut drauf ist, dann hat man auch "Zeit" um sich mal ein wenig um die "anderen Dinge" zu kümmern, also z.B. um Dich. Da ist dann auch mal Zeit für Zärtlichkeiten, ein wenig Liebesschwüre absetzten und mal ein bisschen sagen, wie wertvoll und wichtig einem der andere eigentlich ist. Das kann dann aber sehr schnell umschlagen und dann ist der andere der Hauptgrund dafür, dass man trinken muss. Oder er wird einfach ignoriert, mit Missachtung gestraft und ini den schlimmeren Fällen bleibt es nicht bei psychischer Gewalt sondern es kommt sogar noch pysische hinzu.

    Warum ist das so? Weil ein alkohol kranker Mensch ausschließlich von seiner Sucht dominiert wird. Um diese Sucht zu befriedigen tut er alles. Lügen und Betrügen gehört zum Standard. Himmerhochjauchzend und tiefbetrübt wechseln stündlich, wenn es ein muss auch mitnütlch. Wenn es der Sucht dient, kann der Alkoholiker Dir herzzerreißend sein Liebe schwören oder aber Dich dermaßen abkanzeln, das Du denkst Du wärst der letzte Dreck auf dieser Welt. Das alles kann ein Alkoholer, wechselweise und noch viel mehr.

    Nun will ich damit nicht sagen, dass es bei allen Alkholikern immer genau so abläuft, denn es ist sicher auch eine Frage des grundsätzlichen Charakters eines Menschen. Du darft aber davon ausgehen, dass eine langjährige Alkoholsucht stark dazu beiträgt, die Charakterzüge eines Menschen elementar zu beeinflussen, oft eben auch negative Züge zu verstärken (Stichwort: Enthemmung). Gleichzeitig entschwindet der Süchtige, je länger die Sucht andauert, in eine Scheinwelt die nur für ihn Sinn macht. Auch ich lebte in so einer Welt. Dabei war die Realtität eine komplett andere und erst lange nach meinem Ausstieg begann überhaupt mal zu kapieren, was ich mit diesem "Abtauchen" in diese Welt für einen Schaden bei meinem Umfeld angerichtet habe. Denn dieses Umfeld (ähnlich wie bei Dir) hat überhaupt nicht vestanden, was da gerade passiert.

    Zusammenfassend: Du kannst einem Alkoholiker leider nichts glauben, auch wenn er das was er sagt in dem Moment wo er es sagt vielleicht sogar so meint. Es kann 5 Minuten später wieder ganz anders sein. Du kannst meiner festen Überzeugnung nach keine auch nur ansatzweise glückliche Beziehung mit einem nassen Alkoholiker führen und, jetzt das wichtigste: Du kannst egal mit wie viel Liebe und Einsatz, einen Alkoholiker nicht trocken legen.

    Und nur darum geht es jetzt bei Dir. Du musst Dir darüber im klaren sein, dass Du nicht für seine Sucht verantwortlich bist. Und auch daraüber, dass Du nichts für ihn tun kannst. Er allein kann seine Sucht stoppen, wenn er das will. Darum solltest Du unbedingt auf Dich achten und Dich schützen. Tust Du das nicht, wirst Du mit ihm unter gehen, läufst Gefahr selbst schwer krank zu werden (Co-Abhängigkeit).

    Was also tun?
    Grenzen setzen und Konsequenzen ankündigen, die bei überschreiten dieser Grenzen seinerseits dann auch eingehalten werden. Und sei Dir auch darüber im Klaren, dass Du den eigentlichen Menschen, der in Deinem suchtkranken Freund steckt, gar nicht kennst. Oft glauben Angehörige, wenn er/sie nur mit dem Trinken aufhört, dann wird alles gut. Das ist aber nicht so, denn wenn es jamand wirklich schafft von dem Zeug weg zu kommen, dann ist er ein anderer Mensch. D. h. heißt nicht, dass er plötzlich komplett andere Charaktereigenschaften hat, aber es ist auf jeden Fall ein ganz anderes Bewusstsein vorhanden und das bedeutet nicht automatisch, dass dann alles prima läuft. Auch darüber solltest Du Dir im Klaren sein.

    Ich würde mir an Deiner Stelle mal überlegen, was Du eigentlich noch so vom Leben erwartest. Und welche Rolle dabei ein uneinsichtiger, trinkender Partner spielt. Und ob Du Deine Ziele mit so jemanden erreichen kannst. Vielleicht kommst Du damit ein Stück weiter.

    Das waren jetzt erst mal meine Gedanken. Vielleicht hast Du ja Lust, Dich noch mehr und ein wenig tiefer diesbezüglich auszutauschen. Ich werde hier ab und an mal reinschauen.

    Alles Gute und viel Kraft wünsche ich Dir.

    LG
    Gerchla

    @chancemaker

    ich finde das was Du hier geschrieben hast einfach wunderbar. Man spürt förmlich wie überzeugt Du bist von Deinem Leben ohne Alkohol. Ich empfinde Deine Zeilen als enorm wertvoll, weil einfach ganz viel Authenzität darin steckt. Vieles von dem was Du schreibst empfinde ich ganz genau so. Danke für diese diese Gedanken von Dir!

    LG
    gerchla