Beiträge von Gerchla

    Hallo Stevie,

    schade, dass Du nicht standhaft bleiben konntest. Aber Du weißt ja das ein Rückfall bei dieser Krankheit durchaus passieren kann. Es ist nicht so, dass Dir da jetzt etwas total außergewöhnliches widerfahren wäre. Aber jetzt kommt es natürlich darauf an, wie Du damit umgehst. Jetzt ist erst mal Dein Kämpferherz gefragt und dann Dein Verstand.

    Ich sehe das genau wie Greenfox: Es ist für Deine Zukunft sehr wichtig zu wissen, weshalb Du wieder zur Flasche gegriffen hast. Dabei geht es aber nicht unbedingt um dem objektiven Auslöser (den scheinst Du ja zu kennen, willst Du ihn uns verraten?), sondern um die dahinter steckenden Verhaltensmuster. Wenn Du diese analysierst und verstehst kannst Du auch für die Zukunft alternative Strategien entwickeln.

    Ich habe Dich hier als ein sehr aktives und sehr interessiertes Mitglied erlebt. Kaum ein Thema an dem Du Dich nicht beteiligt hattest, kaum ein Thema, das Dich nicht interessiert hätte. Die Frage die ich mir dabei gestellt habe war, "wann nimmt sich der Stevie eigentlich mal die Zeit sich mit sich selbst zu beschäftigen?" und "wann arbeitet er den ganzen Input den er hier bekommt in Ruhe und aller Tiefe auf?". Das habe ich mir wirklich gedacht. Aber wahrscheinlich wohl deshalb, weil ich damals diesen Weg gegangen bin. Also sehr viel Zeit mit mir ganz allein (stundenlange Spaziergänge) verbracht habe. Es war für mich enorm wichtig, all diese Gefühle die hatte (und die meisten waren ja stark negativ) auch zu spüren und wahrzunehmem, sie zuzulassen. Mich nicht abzulenken und ein "Thema" (bei mir z. B. das Thema Schuld) allumfänglich durchzudenken. Um dann mit meinen Hilfen von außen über meine selbsterdachten Erkenntnisse sprechen zu können. Und sie auch ggf. korrigieren oder anpassen zu können. Das war aber natürlich kein Sprint sondern ein Langstreckenlauf und ich wollte mich damals auch nicht ständig mit neuen Theman belasten.

    Ein kluger Mensch hatte mir damals geraten, immer nur Stück für Stück oder Schritt für Schritt voran zu gehen. Und auch nciht auf die ganzen Berge an Probleme zu schauen sondern mich immer nur mit dem Problem zu beschäftigen, dass mir gerade am nähesten war. Das hat mir alles sehr geholfen. Das war ein wenig auch die Philosophie nur von Tag zu Tag zu denken. Gerade am Anfang half mir das. Später ging es dann viel leichter auch mal weiter in die Zukunfst zu blicken oder zu planen.

    Liebe Stevier, es gibt so viele Wege heraus. Meinen habe ich Dir oben ein wenig skizziert. Vielleicht wäre das ja auch einer für Dich, ich kann das nicht beurteilen. Auf jeden Fall wünsche ich Dir, dass Du Dich jetzt nicht kampflos ergiebst sondern wieder aufstehst und Deinen Weg weiter geht. Du fängst nicht von vorne an, im Gegenteil, Du geht Deinen Weg weiter und hast jetzt eine wertvolle Erfahrung mit im Gepäck!

    Alles alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Liebe Britt,

    schönes Beispiel, das mit den 130 km/h. Natürlich kann man hier versuchen am "Beziehungsohr" zu arbeiten. Um solche Aussagen nicht mehr so wahr zu nehmen oder zu interpretieren, wie man sie immer interepretiert hat.

    Andererseits: Du wirst Deinen Mann gut kennen und ich traue Dir selbstverständlich zu, dass Du ganz genau weißt, wie er es gemeint hat.

    Auf diese Bemerkung Deines Mannes würde ich so reagieren: Ich weiß das hier 130 erlaubt ist. Ich fahre aber 90, weil es mir damit besser geht

    Wäre spannend zu wissen, was darauf dann als Antwort käme.

    Ich möchte damit nicht dieses Sender-Empfänger Model zerreden oder in Frage stellen. Ich denke es kann gut funktionen, wenn man mit Menschen kommuniziert, die man nicht so gut kennt. Denn auch hier kann es ja schnell zu Missverständnissen kommen. Vor allem wenn man so "konditioniert" ist und alles sofort als Kritik an sich uns seiner Person auffasst. Was, das will ich auch sagen, ja oft auf die Lebensumstände dieser Menschen zurück zu führen ist. Weil sie vielleicht von klein auf so "erzogen" wurden alles auf sich zu beziehen, immer brav sein mussten und nur nicht die eigenen Bedürfnisse mal in den Vordergrund stellen durften.

    Meine Gedanken dazu.

    LG
    gerchla

    Hallo Schnurzelchen,

    jetzt habe ich ein wenig mehr Zeit und will mal versuchen Dir meine Gedanken mitzuteilen. Ich mach' jetzt einfach mal und beginne vielleicht damit, Dir ein wenig von mir zu erzählen, damit Du Dir ein Bild machen kannst wer Dir hier überhaupt schreibt.

    Also ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und habe mittlerweile 3 wunderbare Kinder. Zu meiner Alkoholikerzeit waren es 2, wobei es unmittelbar nach meinem Ausstieg zur Trennung von meiner Frau kam (ich trennte mich, sie hätte unserer Beziehung gerne noch eine Chance gegeben). Meine Tochter war damals im Grundschulalter, mein Großer schon in der Oberstufe des Gymnasiums. Nach meiner Scheidung (einige Jahre nach meiner Trennung) habe ich wieder geheiratet und noch eine kleine Tochter geschenkt bekommen, sie ist jetzt 3 Jahre alt und sie kennt ihren Papa glücklicherweise nur alkoholfrei.

    Wie ist das bei mir passiert? Nun, es erinnert in vielen Punkten an das was Du geschrieben hast. Mir (uns) ging es gut. Guter Job, sehr guter Job sogar, keine Krankheiten, keine Schicksalsschläge. Unsere Heirat damals war eine Liebesheirat, ich war mir sicher das diese Frau die einzige und richtige für mich ist. Und so bauten wir unser Leben auf. Dann kamen die Kinder und alles war so, wie man es sich eigentlich nur wünschen konnte. Auch die Kinder waren äußerst "wohl geraten", keine Probleme, auch in der Schule nicht.

    Warum bin ich dann also in diese Sucht hinein geschlittert? Nun, einige Zeit habe ich das mit dem Spruch "wenns dem Esel zu Wohl wird begibt er sich aufs Eis" erklärt, aber nach vielen Jahren ohne Alkohol und intensiver Aufarbeitung meiner Sucht und meiner Verhaltensweisen kann ich heute sagen, dass die Gründe natürlich viel tiefer lagen. Ich brauchte über ein Jahr (ohne Alkohol) um sie einigermaßen zu ergründen. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Im Gegensatz zu Dir war ich fast meine ganze Trinkerzeit (diese dauerte weit über 10 Jahre, eher gegen 15, wann genau es gekippt ist vermag ich nicht 100%ig zu sagen) heimlicher Trinker. Das unterscheidet mich also von Dir. Was wir aber wieder gemein haben, war der Aufbau eines Doppellebens, zumindest habe ich Dich so verstanden, dass Du zu diesem anderen Mann eine heimliche Beziehung (wie auch immer diese ausgesehen hat) aufgebaut hast. So auch ich, wobei mein Doppelleben auch viel Geld kostete, denn ich erfand z. B. Dienstreisen (die ich dann selbst bezahlte) oder verlängerte ebensolche (auch auf eigene Kosten), weil ich dann in Ruhe trinken konnte. Irgendwann waren es dann auch kurze Tagesreisen (die nie statt fanden), wo ich dann ebenfalls gefahrlos trinken konnte.

    Zuhause war mein größter Stress die Be- und Entsorgungslogistik für den Alkohol aufrecht zu erhalten. Es musste ja geheim bleiben. Wenn ich weg war, konnte ich einfach nur trinken. Selbstverständlich lief mein normales Leben nebeher ganz normal weiter. Ich hatte ja noch meinen (guten) Job und war dort auch nicht schlecht. Je länger das ganze dauerte desto schlechter wurde mein Gewissen wobei ich bemerken möchte, dass ich irgendwann so abgestumpft war, dass ich jeden Anflug von Gewissensbissen sofort mit Alkohol bekämpft habe. Auch glitt ich mehr und mehr in eine Parallelwelt ab die mir vorspielte, dass ich da schon irgendwie wieder raus kommen würde.

    Die schlimmsten Gedanken die ich hatte waren die, dass meine Familie irgendwann die Wahrheit erfahren könnte. Ich dachte, wenn sie es nicht wissen, dann tut es ihnen auch nicht weh. Weit gefehlt natürlich, denn ich nahm ja am Familienleben bestenfalls noch als Zombie teil und entfremdete mich vor allem von meiner Frau immer mehr. Diese versuchte alles um die Ehe zu retten, hatte aber keine Chance, weil sie noch nicht mal wusste, wo sie den Hebel ansetzen könnte. Und ich wollte einfach meine Ruhe, meinen Alkohol und mein Doppelleben.

    Selbst die große Liebe zu meinen Kindern, und diese spürte ich intensivst, konnte mich nicht dazu bringen reinen Tisch zu machen und mit dem Trinken aufzuhören.

    Bis der Tag x kam, ein ganz normaler Tag an dem ich abends nach Hause kam (ich glaube ich hatte damals zu diesem Zeitpunkt "nur" 4 Bier intus, war also quasi nüchtern) und meine Frau mich mit einer schlimmen Tat konfrontierte, die ich vollbracht hatte und von der sie erfahren hatte. Sowas gabs immer wieder mal und normalerweise habe ich mich da immer sehr geschickt heraus gelogen. Ich vermute, das wäre mir auch in diesem Fall gelungen. Aber als ob es einfach Klick gemacht hätte, habe ich mich sozusagen ganz spontan geoutet. In dem Wissen, dass nach diesem Outing mehrere Welten komplett in Trümmern liegen werden. Die meiner Frau, die meiner Kinder und meine eigene. Und so kam es dann auch.

    Ich zog schnell aus und durchlief meine persönliche Hölle. Vor allem die Trennung von meinen Kinder brachte mich fast um den Verstand. Dabei möchte ich betonen, dass ich der Täter war und meine Frau und Kinder sicher eine noch höllischere Hölle durchliefen als ich. Nur das sie nicht dafür konnten.

    Wenn es jemals in meinen Leben einen Grund zum Saufen gegeben hätte (heute weiß ich das es NIEMALS einen Grund gibt), dann wäre es zu dieser Zeit gewesen. Aber, wie durch ein Wunder, war ich so felsenfest davon überzeugt genau jetzt auifzuhören. Ich wollte einfach nicht mehr. Ich wollte endlich wieder leben, auch wenn ich gerade nur von Schmerz umgeben war.

    Meine erste Anlaufstelle, bereits am ersten nüchternen Abend war eine SHG der AA. Sie wurde in den nächsten Wochen meine täglichhe Anlaufstelle. Hier lernte ich sozusagen erst mal die Basics über meine Krankheit. Dann ging es weiter mit Arzt, Suchtberatung, Psychologe und am Ende war es dann ein Mönch, mit dem ich in ganz vielen Gesprächen den Weg heraus fand. Dieser Mönch half mir im Gegensatz zu den anderen Hilfen die ich hatte, mein größtes Problem zu überwiniden. Ich hatte nämlich extreme Schuldgefühle, die hätten mich fast erdrückt. Und er half mir auch dabei, die Gründe für meine Sucht zu finden, warum das alles zu so einem riesigen Berg an Lügen, Betrügen und damit auch an Problemen angewachsen war.

    Und so konnte ich mich Stück für Stück heraus arbeiten. Ich schrieb es schon, nach ca. 1 Jahr war ich mit dem Gröbsten durch, wobei ich noch längst nicht fertig war. Aber ich hatte wieder ein lebenswertes Leben zurück und konnte neu starten. Auch der Umgang mit meiner damaligen Frau und meinen Kindern war dann wieder einigermaßen geregelt, wobei sich das gergelt hier eher auf die emotionale Ebene bezieht. Ich war ja dann getrennt lebend, sah meine Kinder nur noch am Wochenende und da auch nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte. Z. B. ließ mich meine Frau niemals mit den Kindern Auto fahren (zurecht, denn sie konnte ja nicht vertrauen, dass ich nüchtern war). Aber auch meiner Frau in die Augen zu blicken, nach allem was ich ihr angetan hatte, da hatte ich schon viel dran zu arbeiten.

    So, das war jetzt ganz viel von mir und doch nur ein kleiner Ausschnitt meiner Geschichte.

    Nun zu Dir. Du stehst am Anfang. Bitte lass Dich nicht durch Menschen verunsichern, die Dir einreden wollen (meist nicht böse gemeint), dass es so schlimm doch gar nicht sein kann. Du allein weißt, das Du Alkoholikerin bist. Die Mengen sind übrigens auch nicht entscheidend. Entscheidend ist einfach nur, ob man ohne Alkohol klar kommt oder nicht. Und wie es einem dann damit geht.
    Was für mich ganz entscheidend war, war die Aufarbeitung meiner Sucht und meines gesamten Lebens, möchte ich mal sagen. Du hast ja vor eine ambulante Therapie zu machen und Dich um Deinen "Seelenquark" zu kümmern. Ich glaube dieser Seelenquark ist enorm wichtig. Letztlich war es bei mir dieser Mönch, ein wunderbarer und weiser Mann, der sich genau darum gekümmert hat. Natürlich hätte ich mir da gerne vom Psychologen helfen lassen wollen (darum bin ich auch hin), jedoch stimmte da unsere Chemie offenbar nicht. Aber er half mir bei anderen Dingen.
    Was mir dann auch sehr geholfen hat meinen Weg in ein trockenes und vor allem zufriedenes Leben zu gehen, waren intensive Gedanken darüber, wie ich eigentlich leben möchte, wer ich eingentlich sein möchte.

    Als ich begann mich damit auseinander zu setzen hatte ich erst mal das Gefühl oder das Bewusstsein, dass ich diese Fragen noch nie in meinem Leben so klar gestellt hatte. Irgendwie lief es halt, dieses Leben. Alles so wie es "halt" sein soll. Jetzt fragte ich mich: Wer war ich und wer möchte ich sein? Was bedeutet für mich Glück? Was für ein Mensch möchte ich sein, welche Werte sind mir wichtig? Was erwarte ich von meinem (Rest-)Leben eigentlich? Was möchte ich tun, um am Ende dann mal sagen zu können: Es war gut so wie es war?. Solche Fragen habe ich mir gestellt und sie dann auch für mich beantwortet. Und all meine Gedanken und mein Handeln darauf ausgerichtet.

    Leider, vielleicht stellt Du das bei Dir auch fest, kann man während der Trinkerheit manifestierte Verhaltens- und Denkweisen nicht so einfach ausschalten. Also auch nicht, wenn man bereits seit längerer Zeit nicht mehr trinkt. Lügen war für mich z. B. was ganz normales. Ich log ganz besonders immer dann, wenn ich mir damit vermeintlich eine unangenehme Situation ersparen konnte. Und das wollte ich dann auch tun, nachdem ich aufgehört hatte. Ganz automatisch ist das passiert. Und so gab es noch viele andere Dinge, wo ich "nasse Verhaltenweisen" an den Tag legte, obwohl ich gar nicht mehr trank. Ich habe das dann alles per "bewusstes Denken" übersteuert. Also ganz bewusst nicht gelogen. obwohl das der erste Impuls war. Bewusst positiv gedacht, auch wenn meine ersten Gedanken negativ waren, etc. Das war ein sehr langer Prozess und manchmal ertappe ich mich sogar noch heute dabei, dass ich in ein altes Denkmuster verfalle. Aber das meiste, das ich erreichen wollte, konnte ich gut umsetzen.

    So, jetzt habe ich viel geschrieben. Vielleicht sind ja ein paar Anstöße für Dich dabei, vielleicht kannst Du was für Dich heraus nehmen, für Deinen Weg. Vielleicht hast Du aber auch Fragen, dann stelle sie mir einfach. Ich antworte gerne.

    Ich frag jetzt auch noch mal was, was mir sofort spontan in den Kopf kam als ich Deinen ersten Text las: Wie geht es Dir denn mit der Trennung von Deinem Mann und vor allem von Deinen Kindern? Ich frage das deshalb, weil das für mich damals das größte Rückfallriskiko war. Weil's mir so verdammt mies damit ging, vor allem eben wegen meiner Kinder. Und da war es eben für mich ganz extrem wichtig, hier einen Weg zu finden, mit diesen Gefühlen richtig umgehen zu können. Ich glaube das war bei mir absolut zentral, hätte ich diesen Weg (besagter Mönch) nicht gefunden, ich weiß nicht wie lange es gut gegangen wäre oder ob es gut gegangen wäre.

    So, jetzt reicht's aber mal. Alles alles Gute wünsche ich Dir und viele gute "Gespräche" hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Schnurzelchen,

    erst mal: Herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich wollte jetzt einfach mal nur ganz kurz "hallo" sagen, denn ich bin heute leider sehr unter Zeitdruck und muss gleich weg. Zu Deinen Zeilen fällt mir ganz viel ein, und das werde ich Dir auch gerne in Ruhe schreiben. Dieses "vor den Trümmern seines Lebens stehen", das kommt mir verdammt bekannt vor. Und ich hatte damals auch 2 Kinder, nur dass ich männlich bin und mittlerweile ein wenig älter als Du (ich bin 50).

    Ich werd' mal schauen, dass ich Dir morgen in Ruhe schreiben kann. Jetzt lies Dich erst mal ein und ganz wichtig: Lass mal nicht den Kopf hängen. Man kann diesen Trümmerhaufen auch abtragen und, ob Du's glaubst oder nicht, sogar gestärkt aus der ganzen Geschichte heraus gehen. Aber das ist eine andere Geschichte und ein langer Weg. Ihn zu gehen ist aber das beste was man tun kann! Mehr dazu hoffentlich morgen.

    Schönen Abend und ich wünsche Dir einen guten Austausch hier bei uns im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Katja,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bn 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Ich schreibe Dir jetzt einfach mal meine Gedanken zu Deinen Zeilen:

    Zitat

    Ist es richtig, den Kontakt zu reduzieren oder besser,
    im Kontakt mit ihr zu bleiben?


    Das ist vielleicht nicht ganz so einfach zu beantworten. Wichtig ist immer, so zumindest meine Meinung, wie es Dir damit geht. Und wieviel Einfluss, also negativen Einfluss, das Trinkverhalten Deiner Schwester auf Dein Leben hat. Du solltest aufpassen, dass Du Dich nicht auch in den Strudel der Sucht Deiner Schwester ziehen lässt.

    Wie Du ja geschrieben hast, findest Du Dich hier in einigen Beiträgen wieder. Ich weiß nicht genau wie Du das gemeint hast. Meinst Du das in Bezug auf eine mögliche Co-Abhängigkeit oder einfach grundsätzlich? Ich weiß nicht ob bei Dir ein co-abhängiges Verhalten besteht oder ob Du diesbezüglich gefährdet bist. Dazu hast Du nicht genügend Details geschrieben (bitte nicht falsch verstehen, kein Vorwurf!). Ich schreibe Dir das nur, weil diese Krankheit, und das wirklich eine sehr ernste Krankheit, häufiger im Zusammenhang mit Angehörigen von Allkoholikern zu finden ist. Vielleicht hast Du Dich ja aber auch schon damit beschäftigt. Wenn nicht, würde ich Dir raten in Deinem eigenen Interesse mal ein wenig dazu zu lesen (findest Du auch im Netz einiges) und zu überprüfen, ob eine Gefahr für Dich besteht.

    Nochmal zurück zum Kontakt mit Deiner Schwester. Worüber Du Dir im Klaren sein musst ist, dass Du ihr nicht helfen kannst. Damit meine ich, dass Du sie nicht "trocken legen" kannst. Völlig unabhängig davon, ob Du Kontakt hast oder nicht. Darum eben auch mein Hinweis auf DICH zu achten. Denn hier kannst Du tätig werden. Du kannst oder solltest Dich und Dein Leben schützen. Deine Schwester ist eine erwachsene Frau, Alkohol ist völlig legal, und niemand kann ihr das Trinken verbieten. Wenn sie trinken möchte, dann kann sie das jederzeit tun. Wie ich das übrgigens auch könnte.

    Es geht also darum, dass SIE es nicht mehr will. Selbstveständlich ist es sinnvoll und gut, einen Betroffenen auf seine Sucht anzusprechen (am besten wenn sie gerade mal nüchtern ist). Und da kann man dann auch Unterstützung anbieten. Aber eben NUR für den Fall, dass der Betroffene tatsächlich ernsthaft etwas unternimmt und es nicht bei Worten ober immer wieder verschobenen Terminen belässt. Gerne wird auch versichert, das man es alleine schafft usw. Das ist alles nichts wert, ich weiß wovon ich spreche.

    Ich denke aber, diese Gespräche, dieses Thematisieren ihrer Sucht (sie also damit konfrontieren), das hast Du ja alles schon gemacht. Das schreibst Du ja. Sogar ein Arzttermin war schon vereinbart, den sie ja aber sausen hat lassen. Somit hast Du hier alles getan, was Du tun kannst und tun solltest. Der Ball liegt in ihrem Feld....

    Wenn Du jetzt Gebetsmühlenartig immer wieder mit der gleichen Laier kommst, also "Du musst was tun, Du musst zum Arzt, lass Dir helfen, etc." reibst Du Dich auf und erreichst gleichzeitig bei ihr überhaupt nichts. Außer vielleicht, dass sie irgendwann mal fürchterlich genervt von Dir ist. Wobei ich das jetzt nicht einschätzen kann, denn ich kenne ja Euer Verhältnis und ihr Verhalten im betrunkenen Zustand nicht. Zusammengefasst könnte man sagen: Viel hilft nicht viel.

    Zitat

    Ich sage ihr, sie muss sich Hilfe suchen aber offensichtlich ist der Leidensdruck doch noch nicht
    groß genug, dass sie das tun will.


    Könnte sein, dass Du damit genau den Nagel auf den Kopf getroffen hast. Wir schreiben hier manchmal davon, dass jemand noch nicht so weit ist. Es geht auch oft mal um den persönlichen Tiefpunkt, den man erreicht haben muss, bevor mal selbst bereit ist etwas gegen diese Sucht zu unternehmen. Einige von uns hatten auch eine Art "Klick"-Erlebnis und wussten plötzlich, dass sie jetzt nicht mehr wollen (dazu gehöre ich z. B.). Aber leider ist es auch so, dass eine ganz große Menge von Alkoholikern weder einen Klick hat noch den persönlichen Tiefpunkt erreicht. Viele versuchen gar nicht weg zu kommen bzw. wenn dann nur halbherzig.

    Nochmal zurück zum persönlichen Tiefpunkt. Dieser ist höchst individuell. Beim Einen reicht es schon aus, dass z. B. der Partner sagt "ich glaube Du hast da ein Problem, wie stehst Du dazu" bis hin zum Totalabsturz in die Obdalosigkeit. Manche werden wach, weil sie ihren Führerschein wegen Alkohol verlieren, andere weil der Arbeitgeber sie anspricht, und viele bleiben eben auch bis zum bitteren Ende in ihrer Sucht gefangen.

    Es könnte also sein, dass z. B. ein Kontaktabbruch Deinerseits sogar ein "Wachrüttler" für Deine Schwester wäre. Oder auch nicht, es ist nicht vorherzusagen.

    Zitat

    Was soll ich tun?


    Dir Hilfe suchen. Für DICH, nicht für Deine Schwester. Die muss das selbst machen. Du bist jetzt hier, das finde ich prima. Du kannst hier auch viele alte Beiträge lesen, viel daraus für Dich mitnehmen. Veilleicht gibt es in Deiner Nähe auch eine SHG für Anghörige, die Dir dann im realen Leben ein wenig weiter helfen können. Ob und welche Hilfe Du brauchst hängt ja auch davon ab, wie sehr Du durch die Sucht Deiner Schwester belastet bist. Wenn Du dich gut abgrenzen kannst, wenn Du gut trennen kannst und Dein eigenes Leben gut und auch zufrieden führen kannst, dann "reicht" es vielleicht, wenn Du Dich z. B. hier mit diesem Thema beschäftigst. Wenn Du aber wirklich psychisch richtig drin hängst, dann solltest Du schauen, soviel Hilfe wie möglich für Dich in Anspruch zu nehmen.

    Und dabei lernen, dass Du nur für Dich verantwortlich bist. Und Deine Schwester für sich.

    So, das war jetzt von mir auch ein wenig "ins Blaue" hinein geschrieben, weil ich ja Näheres über die genaue Situation Deiner Schwester und auch was Dich betrifft nicht kenne. Wenn Du möchtest, und nur dann, kannst Du uns hier auch noch ein wenig mehr darüber schreiben. Emilie hat Dir ja schon die Frage gestellt, ob Deine Schwester Familie hat. Interessant wäre es auch zu wissen, ob Du eine Ahnung hast, weshalb Deine Schwester trinkt. Also ob es einen offensichtlichen Grund dafür gibt. Und natürlich auch, wie Du in die ganze Sache involviert bist. Denn letztlich bist ja Du diejenige, die hier schreibt. Und Du suchst hier Hilfe.

    Ich nehme zwar an, Du bist zu uns gekommen um Hilfe für Deine Schwester finden. Aber genau das funktioniert leider nicht. Es geht um Hilfe für DICH. Wenn Deine Schwester hilfe haben möchte, dann kann sie hier jederzeit auch schreiben. Sie ist herzlich Willkommen.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum und hoffe sehr, dass Du viele gute Antworten auf Deine Fragen erhalten kannst.

    LG
    gerchla

    Hallo ratlos,

    wow, das ist harter Tobak was Du hier schreibst. Ich meine vor allem Deine letzten Zeilen. Du hast also Angst davor, dass er Dich oder Deine (seine) Tochter umbringt wenn Du ihn verlässt?

    Mir scheint, ansich hast Du bereits alles durch. Alle Versuche gescheitert, keine Hoffnung mehr das er zur Besinnung kommen könnte und eigentlich willst Du weg. Was das zuhause Deiner Tochter betrifft: kann ich nachempfinden weil ich selbst Kinder habe und auch ein paar Umzüge mit Kindern. Und dabei mmer der Gedanken, dass sie ja jetzt ihr gewohntes Umfeld verlassen müssen und teilweise (wenns weiter weg ging) auch ihre Freunde nicht mehr sehen. Aber im Grunde gibt es für die Kinder einen Anker im Leben, und das sind die Eltern! Sie sind die Basis allen Wohlfühlens, allen Wohlbefindens (und leider auch allen Elends). Dort werden auch die Grundsteine für ihr weiteres Leben gelegt.

    Ich weiß nicht ob die derzeitige Situation Deines Kindes eine so gute ist, wie Du vielleicht denkst. Ums mal vorsichtig zu sagen. Und der Anker scheinst auch nur Du zu sein bzw. nur Du kannst ihr Anker sein weil Dein Mann aufgrund seiner Krankheit gar nicht dazu in der Lage ist. Ich war es jedenfalls damals nicht. Obwohol ich immer "gut" und liebevoll mit meinen Kindern umgegangen bin.

    Normalerweise ist so ein Umzug dann auch für die Kinder relativ schnell "vergessen", wenn sie aus einem gefestigten heimischen Umfeld kommen und ihre sichere, liebevolle "Basis" haben. Das wäre dann Dein Job. Somit würde ich dieses Argument gegen eine Neuorientierung Deinerseits mal nicht gelten lassen.

    Was das andere Betrifft, die große Angst vor extremer Gewalt seitens Deines Mannes.... Nun, da komme ich an meine Grenzen. Ich denke, hier wäre es dringend angeraten, Dir in Deinem realen Umfeld Hilfe zu suchen. Ich denke Du brauchst Menschen mit denen Du Dich austauschen kannst, die real (also nicht virtuell im Internet) für Dich da sein können und wollen. Und die mit solchen Problematiken Erfahrung haben. Eine Selbsthilfegruppe für Angehörige wäre da sicher ein guter Ansprechpartner. Ich weiß nicht in wieweit hier auch ein Jugendamt helfen kann. Vielleicht ist ja noch jemand hier im Forum, der Dir dazu etwas mehr schreiben kann.

    Viel Kraft!

    LG
    gerchla

    Hallo ratslos,

    herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor, damit Du einschätzen kannst, wer Dir hier schreibt:

    Ich bin 50 Jahre alt, Papa von 3 Kindern, Alkoholiker und trinke jetzt schon eine längere Zeit keinen Alkohol mehr.

    Ich schreibe Dir jetzt einfach mal meine Gedanken, so wie sie mir in den Sinn kommen.

    Der Mann, den Du hier beschreibst, ist für mich ein typischer (noch) funktionierender Alkoholiker. Ich gehe mal davon aus, dass er tatsächlich Alkoholiker ist und denke das Du das alles schon über einen recht langen Zeitraum so mitmachst und er wahrscheinlich auch nicht "nur" ein oder zwei Bier pro Tag trinkt (aber selbst bei dieser Menge kann man bereits abhängig sein). Alternativ wäre es möglich, dass er (noch) nicht süchtig ist, also "nur" Missbrauch betreibt. Wobei ich jetzt auch gleich sagen will, dass das im Grunde völlig egal ist. Entscheidend ist ja: er trinkt, und zwar in einem Maße, das Dein Leben und Dein Wohlbefinden ganz erheblich beeinträchtig wird. Und er kann oder will das nicht ändern. Das ist Fakt und alles andere ist egal, für Dich zumindest.

    Als funktionierender Alkoholiker gehört er zu der weitaus größten Menge an Alkoholikern. Sie können die Fassade (nach außen ) noch einigermaßen aufrecht erhalten, haben noch Job, etc. und funktionieren eben. Obwohl sie süchtig trinken. Im Zwischenmenschlichen bzw. in der partnerschaftlichen Beziehung sieht es dann oft anders aus, wobei auch nicht jeder Partner weiß, was da eigentlch genau los ist = Stichwort: heimliches Trinken. Ich war z. B. ein Paradebeispiel für einen heimlichen Trinker, der bis zum Schluss funktioniert hat.

    Was er da tut, nämlich eine perfektionierte Ent- und Besorgungslogistik aufrecht zu erhalten, ist zwar kein heimliches Trinken (Du weißt es ja und bekommmst es mit), jedoch will er damit sicher über die wahre Menge hinweg täuschen. Du weißt letztlich nicht, ob er 4, 6, 8, oder 12 Bier getrunken hat. Damit "schützt" er sich ein wenig und ein wenig wird er sich damit auch eine gewisse Verteidigung aufbauen. Nach dem Motto: So viel trinke ich doch gar nicht...

    Aber alles egal, denn es geht hier um DICH und DEIN Leben.

    Bitte begehe nicht den Fehler zu glauben, dass Deine Tochter da unbeschadet heraus kommt. Ich schreibe Dir das so direkt und ich kann das so schreiben, weil ich genau das selbst erlebt habe. Meine Tochter habe ich über alles geliebt (das tue ich natürlich immer noch ;) ), Und niemals habe ich sie, egal wieviel ich getrunken hatte, auch nur einmal irgendwie schlecht oder aggresiv behandelt. Wir hatten eine so innige Beziehung das ich sogar sagen muss, ich habe versucht mein schlechtes Gewissen wegen der Sauferei durch besondere Ausübung meiner Vaterrolle zu kompensieren.

    Aber im Nachhinein konnte sie das alles nur mit Hilfe eines (Kinder)Psychologen überwinden und für sich verbeiten. Während ich trank, fiel nie ein Wort darüber. Nicht wie bei Deiner Tochter, dass sie mir mal gesagt hätte ich röche nach Alkohol. Nichts, es war so, als hätte sie (wie meine Frau und mein Sohn übrigens auch) nichts davon mitbekommen, dass ich heimlich trank. Trotzdem wusste sie und spürte sie, dass nichts in Ordnung war. Meine Ehe im Eimer, ihre Mama die darunter litt und der Papa, der oft isoliert vor sich hin lebte oder auf irgendwelchen Dienstreisen war. Wenn ich da war, war ich für sie immer da. Aber ich war nicht immer da, sondern schaffte mir auch viel Freiraum für den Alkohol.

    Also, begehe nicht den Fehler zu denken, Du würdest Deiner Tochter einen Gefallen tun, wenn Du bis zu ihrer Volljährigkeit "durchhälst".

    Kommen wir mal zu Deinem Mann. Tja, er ist wohl krank. Alkoholkrank. Damit leidet er unter einer Krankheit, die tatsächlichen gegeüber manch anderer schlimmen Krankheit einen kleinen Vorteil hat. Nämlich den, dass er es selbst in der Hand hat, diese Krankheit zu überwinden. Das ist etwas, wofür z. B. ein Krebspatient wahrscheinlich alles geben würde. ABER, er leidet eben auch unter einer Sucht und diese Sucht ist verdammt mächtig. Sie tut alles dafür, dass sie durch Deinen Mann nicht eliminiert wird. Es ist also so, dass nur sehr wenige Alkoholiker wirklich ernsthaft versuchen vom Alkohol dauerhauft weg zu kommen. Und von denen die es ernsthaft versuchen sind auch nicht eben viele, die es dann tatsächlich dauerhaft schaffen.

    ABER: Es geht! Jedoch liegt es ausschließlich in der Hand Deines Mannes. Wenn er es will, dann kann er es auch schaffen. Dazu kann er wirklich auch auf ein engmaschiges Netz an Hilfsangeboten zurück greifen. Wollen muss er es.

    Nun zu Dir. Du bist hier nur Statistin. Hast bestenfalls eine kleine Nebenrolle. Du hast keine Macht über seine Sucht. Du kannst ihn nicht trockenlegen. Nicht mit Drohungen, nicht mit ganz viel Liebe (nicht mal die Liebe zu meinen Kindern war stark genug um meine Sucht zu überwinden), schon gar nicht mit durchhalten oder guter Mine zum bösen Spiel.
    Was für Dich ganz entscheidend ist: Du bist für DEIN Leben verantwortlich, und, das muss ich deutlich sagen, für das Deiner Tochter. Das ist alles worauf Du Dich fokussiern solltest. Es geht um Dich und Dein Kind. Er ist ein erwachsender Mensch. Wenn er trinken will, dann soll er das tun. Du musst ihm aber dabei nicht zusehen oder begleiten. Denn das macht Dich und Dein Kind kaputt. Und zwar richtig kaputt je länger es geht und je schlimmer seine Sucht wird. Und sie wird schlimmer, das darf ich Dir versichern und das hast Du ja selbst schon erfahren dürfen.

    Also, was wäre zu tun? Je nachdem ob Du Dir überhaupt noch ein Leben mit ihm vorstellen kannst, also wenn er z. B. tatsächlich trocken werden würde (Achtung, da wäre er dann ein komplett anderer Mensch den Du erst mal kennenlernen müsstest), dann kannst Du mit ihm Reden und ihm Deine Bedinungen nennen. Lässt er sich helfen, geht er sofort zum Arzt, entgiftet und macht anschließend z. B. eine Therapie (SHG, etc.), dann könntest Du ihn dabei begleiten (wenn Du möchtest). Tut er das nicht und redet nur oder ist gar uneinsichtig und aggressiv, dann musst Du Konsequenzen ziehen.

    Sonst wirst Du kein glückliches Leben mehr erreichen können. Wahrscheinlich wäre diese Konsequenz eine Trennung, auf jeden Fall eine räumliche Trennung. Sowas ist nicht einfach, das weiß ich schon. Es hängt oft viel dran. Vielleicht steckst Du ja mal ein wenig Zeit hinein und checkst mal, was das für Dich bedeuten würde. Wo Du hin könntest, wer Dir helfen kann, wie Du dann auskommen könntest etc. Ein Plan B ist nicht verkehrt.

    Jetzt habe ich eigentlich schon viel zu viel geschrieben. Denn ich kenne Deine Situation ja gar nicht so genau. Deshalb höre ich jetzt auch mal auf. Wenn Du Fragen hast, dann stelle sie. Du erhälst hier ehrlich Antworten von Menschen, die entweder ähnliches durchmachen mussten wie Du oder die auf der anderen Seite standen, so wie ich.

    Alles alles Gute und ganz viel Kraft.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Conny,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Gut, dass Du Dich hier angemeldet hast. Gut, dass Du Dir Hilfe suchst.

    Ich stelle mich nur kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker, Papa von 3 Kindern und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Wir haben es hier nicht so oft, dass sich Eltern alkoholkranker oder gefährdeter Kinder melden und schreiben. Meist ist es umgekehrt und die Kinder berichten hier über ihre Erfahrungen mit alkoholkranken Eltern. Es fällt mir jetzt nicht ganz leicht Dir zu schreiben. Denn ich habe keine Erfahrungen bezüglich alkoholkranker Kinder und dem Umgang damit als Elternteil. Also weder persönlich (glücklicherweise) aber auch nicht aus meinem näheren Umfeld. Immer dann, wenn hier Kinder über ihre trinkenden Eltern schreiben kann ich meine Sichtweise, also die Sicht der "anderen Seite", die Sicht des Alkoholikers, einbringen. Und das werde ich jetzt auch bei Dir mal machen. Ich schreibe Dir einfach mal meine Gedanken zu dem was Du geschrieben hast.

    Was Du von Deiner Tochter berichtest, deutet wenigstens auf ein ernsthaftes Alkoholproblem hin. Ob sie bereits süchtig ist, kann man nicht so einfach bestimmen. Ich weiß nicht, ob Du Dich mit der Thematik Alkoholsucht schon tiefer beschäftigt hast. Der Übergang zwischen Missbrauch und Sucht verläuft fließend und am Ende ist dann einfach nur entscheidend, ob der Betroffene auf Alkohol verzichten kann oder nicht. Oder auch ob er / sie in der Lage ist, moderat und kontrolliert zu trinken, ohne das nach dem ersten Bier oder Wein dann zwangsläufig weitere folgen müssen. Das nennt man dann Kontrollverlust und das ist eines der Merkmale für eine Suchterkrankung.

    Der "Zustand" in dem sich Deine Tochter nach einem Absturz befindet, also dieses weinerliche, dieses hilfbedürftige und ja, ich möchte auch sagen, dieses Selbstmittleid ist jetzt nicht so selten bei Alkoholikern. Auch eine gewisse Geringschätzung sich selbst gegenüber. Denn letztlich schämt man sich ja dafür, dass man es mal wieder nicht geschafft hat dem Alkohol zu widerstehen. Und wenn es dann auch noch ein kapitaler Absturz war, ist die Scham umso größer. Je länger das alles andauert, desto mehr sieht man sich auch als Versager. Andere können ja mit Alkohol umgehem, man selbst jedoch kann nicht mehr aufhören, wenn man erst mal ein Glas getrunken hat.

    Meist ist es so, und ich denke das wird auch bei Deiner Tochter der Fall sein, dass man sich fest vornimmt, dieses mal nicht zu trinken oder auf jeden Fall nicht zu viel und dann funktioniert es eben wieder nicht. Und das bedeutet dann: wieder versagt. Am Ende ist dann vom Selbstwertgefühl nicht mehr allzuviel übrig wobei es nicht wenige Alkoholiker gibt, die das dann (bei entsprechenden Level) mit Arroganz und Überheblichkeit überspielen. Wie überhaupt Alkoholiker meist eine Rolle spielen, denn wie es innen wirklich aussieht (i. d. R. ein Trümmerhaufen) wissen nur sie selbst. Können es aber nicht ertragen und trinken deshalb noch mehr.

    Wie gesagt, wo Deine Tochter genau steht, ich weiß es nicht. Das ein großes Problem vorhanden ist, ist klar. Was wäre aus ihrer Sicht, also aus der Sicht Deiner Tochter zu tun? Wahrscheinlich müsste sie ihr Leben komplett umkrempeln. Du schreibst ja, dass sie bereits eine Verhaltenstherapie gemacht hat bzw. macht. Da hat sie also schon ein Problem erkannt und auch gehandelt. Auch war sie bereits bei der Suchtberatung, worauf dann die 3 Monate Abstinenz folgten. Die aber offenbar nicht ausreichten um ihr die Vorzüge eines Lebens ohne Alkohol so schmackhaft zu machen, dass sie weiter dran gebleiben wäre. Das steckt also ziemlich tief.

    Alles was ich hier schreibe sind nur Gedanken, ohne irgendeinen Anspruch auf Richtigkeit. Du wirst das vielleicht alles besser einschätzen können. Aber nehmen wir mal ihren Job. Musikbranche, Festivals.... Phuuuu, für einen jungen Menschen mit Alkoholproblem nicht ganz einfach. Es gibt leider ein paar Berufe (oder eher das Umfeld dieser Berufe), die es einem gefährdeten Menschen nicht leicht machen vom Alkohol weg zu bleiben. Ich kenne auch nicht wenige Fälle, wo Menschen ihren Beruf oder wenigstens den Arbeitsplatz gewechselt haben um dauerhaft vom Alkohol weg zu kommen.

    Ich weiß, all das ist nicht einfach und ich rede mich leicht. Und vielleicht liege ich auch komplett falsch.

    Aber kommen wir jetzt mal zu Dir! Du schreibst ja hier, nicht Deine Tochter. Sie macht ja bereits etwas, wenn es derzeit auch nicht ganz so gut zu funktionieren scheint. Du jedoch hängst da voll mit drin. Na klar, Du bist die Mama, und vielleicht fühlst Du Dich sogar mit verantwortlich, stellst Dir die Frage: "Wieso?" Und willst sie natürlich nicht hängen lassen, wer könnte das nicht verstehen.

    Aber, es ist leider so, dass nur der Betroffene selbst diese Krankheit überwinden kann. Nur der Alkoholiker selbst hat es in der Hand ob er seine Sucht zum Stillstand bringt oder nicht. Die meisten versuchen erst gar nicht etwas zu unternehmen (dazu gehört Deine Tochter glücklicherweise nicht), wenige versuchen es und noch weniger schaffen es dauerhaft. Weil es eben nicht reicht, mal was zu unternehmen und einfach mal längere Zeit nichts zu trinken. Entscheidend ist es aus meiner Sicht, aufzuarbeiten weshalb man trinkt und sein Umfeld so umzugestalten, dass es möglichst wenige Triggerpunkte gibt. Ist man mal mehrere Jahre gefestigt trocken, ändert sich vieles. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man dann wieder viel entspannter auch mit Alkohol, also den früheren Triggermomenten, umgehen kann. Aber dahin ist es ein weiter Weg.

    Du bist also im Grunde genommen raus! Ansich ist es sogar so, dass Du ihr durch Deine Hilfe, Dein "Verwöhnen" und "Aufpeppeln", also durch Dein Kümmern, einen Bärendienst erweist. Denn sie sollte für das was sie da fabriziert auch selbst gerade stehen. Man spricht ja auch davon, dass Co-Abhängige (und ehrlich, da bist Du schon gefährdet) die Sucht der Betroffenen durch ihre Führsorge verlängern. Denn der Süchtige kann es sich da dann ja "bequem" machen. Da ist dann ja immer jemand, der die ganz harten Abstürze abfedert, der für einen da ist wenn man Mist gebaut hat, der vielleicht auch mal ein paar Aufgaben übernimmt, die man (absturzbedingt) gerade selbst nicht übernehmen kann. Das ist schlecht, sehr schlecht.

    Bitte, nicht falsch verstehen: Ich weiß, es ist Deine Tochter und ich weiß nicht was ich da tun würde. Aber es ist so, wie ich es Dir geschrieben habe. Du solltest Dich um DEIN Leben kümmern. Selbst eine SHG besuchen, für Angehörige. Vielleicht auch selbst mal mit der Suchtberatung sprechen (für Dich), falls Du das nicht schon getan hast. Die Verantwortung für das Leben Deiner Tochter solltest Du in ihren Händen lassen. Da kannst und sollst für sie da sein, wenn sie ernsthaft an sich arbeitet. Da kannst Du helfen, einfach da sein, z. B. für Gespräche. Aber nicht für die Beseitigung alkoholbedingter Abstürze. Das muss sie selbst auslöffeln.

    Schweres Thema. Fällt mir sehr schwer hier meine Gedanken zu ordnen.

    Ich lasse es jetzt mal dabei. Und hoffe und wünsche Dir, dass Du hier noch Antwort von jemanden bekommst, der vielleicht mehr Erfahrung diesbezüglich hat.

    Alles Gute und viel Kraft.

    LG
    gerchla

    Hallo usagi,

    herzliche Willkommen bei uns im Forum. Ich will Dich jetzt erst mal einfach nur hier begrüßen.

    Ich selbst bin Alkoholikier, 50 Jahre alt und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol. Ich habe selbst 3 Kinder und weiß, was man als Alkoholiker seinen Kindern und auch seinem Partner antut.

    Lies Dich mal in Ruhe hier ein. Ich will Dich jetzt nicht gleich mit allen möglichen Gedanken von mir überfallen. Du findest hier auch in den älteren Beiträgen sicher etwas, das Deiner Situation nahe kommt. Und ich bin sicher, dass Dir auch andere Angehörige hier bald schreiben werden.

    Was Du immer wieder lesen wirst: Kümmere Dich um Dein Leben, schütze Dein Leben! Das ist auch das, was ich Dir, als jemand der auf der anderen Seite stand, von Herzen raten kann. Und ich weiß natürlich auch, dass das nicht so einfach ist. Denn ein Vater bleibt ein Vater. Deshalb möchte ich Dich ermutigen, Dir möglichst viel Hilfe zu suchen. Jetzt bist Du hier bei uns, das ist super. Aber auch in der realen Welt gibt es viele Hilfsangebote, nicht nur für Alkoholiker sondern auch für Angehörige. Und Du kannst auch zur Suchtberatung gehen, schau Dich auch mal um, ob Du in Deiner Nähe eine SHG für Angehörige findest. Vielleicht kann Dir auch ein Psychologe helfen, der sich mit dieser schwierigen Situation auskennt. Machs nicht allein mit Dir aus. Wichtig ist, so finde ich, dass Du Deinen Frieden finden kannst oder schließen kannst. Und zwar so, dass Du Deinen Vater auch im Falle des Falles, also im Falle seines Todes, gehen lassen kannst, ohne dass Du dann mit einem psychischen Loch zurück bleibst. Und Dir Vorwürfe wegen irgendwas machst, auch wenn diese wahrscheinlich komplett unberechtigt wären. Vestehst Du was ich sagen will?

    Aber ich gehe schon viel zu weit. Erst mal nochmal: Herzlich Willkommen und komm erst mal in Ruhe hier an.

    Viele Kraft und einen guten Austausch wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

    Hallo Frank,

    vielen Dank, dass Du so detailliert auf meine Fragen eingegangen bist. Jetzt sehe ich klarer und natürlich ist diese Gruppe dann auch der richtige Ort für Dich. So wie Du schreibst ist das "Deine" Gruppe und Du fühlst Dich dort auch richtig wohl und kommst mit den Menschen dort auch wunderbar zurecht.

    Es könnte also sein, dass dieses "vielleicht ja doch kein Alkoholiker" etwas ist, dass grundsätzlich in Dir schlummert und das durch gar nicht bös gemeinte Bemerkungen dann noch stärker in Dein Bewusstsein gespült wurde. Deshalb denke ich, und so siehst Du es ja auch, dass es sehr gut ist, dass Du Dich so intensiv damit beschäftigst. Ich weiß ja nicht, wie Eure Gruppentreffen so ablaufen bzw. organisiert sind aber vielleicht kannst Du das ja mal für einen Themenabend vorschlagen. Also jetzt nicht so, dass Du damit irgend einem Gruppenmitglied ein falsches Verhalten vorwerfen möchtest (was Du ja auch nicht tust) sondern als generelles Thema. Bestimmt spannend zu hören, was die anderen dazu sagen, ob sie selbst auch solche Erfahrungen gemacht haben etc.

    Dazu möchte ich Dir kurz von mir erzählen. Obgleich ich ganz fest der Überzeugung bin, dass ich Alkoholiker bin, gibt es doch dann und wann mal so Gedankenanflüge. Teilweise tatsächlich auch ausgelöst von Diskussionen hier im Forum, wo ich ja auch oft meine Weisheiten zum besten gebe. Wo dann mal so ein Gedanke aufblitzt "ob du wirklich Alkoholiker bist wüsstest du eigentlich ja erst wenn du wieder etwas trinken würdest". Das sind nur Gedankenanflüge, die ich für mich auch nicht als unmittelbar gefährlich einordne. Denn ich empfinde bei diesen Gedanken keinerlei Wunsch wieder etwas trinken zu wolllen. Es ist mehr eine analytische, wissenschaftliche Frage, die sich mir hier auftut. Häufig bei Diskussionen wo darum geht, ob jetzt jemand schon Alkoholiker ist oder noch Missbraucht betreibt.

    Oft schreibe ich dann bei solchen Diskussionen (die häufig von Angehörigen gestartet werden), dass es doch ansich völlig egal ist, ob man Alkoholiker ist oder "nur" Missbräuchler. Denn der Wunsch ist ja immer, dass der Alkohol aus dem Leben verschwindet. Klar, wenn er in moderaten Mengen vorhanden wäre, wäre er kein Problem. Aber wenn das offenbar nicht funktioniert, muss er eben ganz weg. Und ob derjenige dann irgendwann mal wieder was trinken könnte oder nicht, welchen "Status" er jetzt genau hat, ist doch eigentlich völlig irrelevant. Zmal ich der Überzeugung bin, dass auch ein Missbräuchler der zurück zu einem moderaten Trinkverhalten gefunden hat, sein Leben lang extrem auf "Hab Acht" sein muss. Denn er hat ja den Alkohol schon mal für seine Zwecke missbraucht und gelernt ist halt gelernt. So jedenfalls meine Meinung.

    Wenn mich heute jemand fragt, warum ich denn keinen Alkohol trinke, sage ich meist: das ist eine Lebenseinstellung von mir, was im übrigen mittlerweile auch nicht gelogen ist. Ich ergänze dazu manchmal, so wie das eben bei einem Vegetarier oder einem Veganer auch der Fall ist. Ich habe diese Lebenseinstellung mittlerweise so verinnerlicht und fühle mich mit ihr so wohl, dass mich die wenigen Situationen, in denen es mal "ganz praktisch" wäre, wenn ich ein Glas trinken könnte, nicht weiter belasten.

    Tatsächlich meine ich mit "ganz praktisch" Situationen, bei denen man davon ausgehen kann, dass irgend jemand nervig nachfragt, warum ich denn z. B. nicht mit Sekt anstoße (sowas erlebe ich ab und an im geschäftlichen Umfeld). Würde ich es tun und auch nur daran nippen, gäbe es keine Diskussion. Lass ich mir stattdessen jedoch Wasser ins Sektglas kippen muss ich mich rechtfertigen. Manchmal nervt das wobei es 1. ja sehr selten vor kommt und ich 2. ja meine Lebenseinstellung anbringe. Und dann ist dieses Thema IMMER erledigt. Aber das sind wirklich die einzigen Situationen, wo es mal ganz "praktisch" wäre kein Alkoholiker zu sein. Das alles ist ja auch irgendwie ein gesellschaftliches Problem, also dass man sich nicht dafür rechfertigen muss, weshalb man Alkohol trinkt sondern dafür das man keinen trinkt. Gedanken wieder trinken zu können, um irgend ein Gefühl, eine Emotion, eine bestimmte Wirkung wieder einmal erleben zu können, habe ich überhaupt nicht. Solche Gedanken jedoch, so glaube ich jedenfalls, sind diejenigen, die sehr gefährlich werden können.

    Alles Gute weiterhin und bis bald mal

    LG
    gerchla

    Hallo Frank

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alte, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Das ist jetzt nicht das erste mal, dass ich sowas höre bzw. lese. Also das jemand, der sich selbst als Alkoholiker sieht von anderen als nicht richtig zugehörig angesehen wird. Weil er eben nicht ganz unten war, nicht verzweifelt alle Therapieangebote durchgemacht hat oder weil er z. B. noch nie einen Rückfall erlitten hat. Da frage ich mich dann schon: Wie bescheuert ist das denn eigentlich? Wollen wir jetzt ein Bewertungssystem einrichten, was man alles erlebt haben muss um als wirklich echter, richtiger Paradealkoholiker zu gelten?

    Was ich aber als viel schlimmer emfpinde: Es ist gefährlich. Wie Du ja selbst schreibst treibt Dich dieser Gedanke ja um. Der Gedanke, dass Du ja kein Alkoholiker sein könntest und dass Du vielleicht "nur" Missbrauch betrieben hast. Und vielleicht, ja vielleicht ginge ja dann da doch mal wieder....

    Tja, als komplett Außenstehender würde ich sagen: Diese Gruppe ist gefährlich für Dich. Oder vielleicht auch nur einzelne Personen in dieser Gruppe. Denn wenn diese Gedanken, ausgelöst durch Äußerungen in Deiner SHG, dazu führen, dass Du es tatsächlich mal "testest", dann war's das. Absolut kontraproduktiv, mal ganz pragmatisch gesagt. Gehts gut, wirst Du wieder Alkohol trinken. Bliebe dann abzuwarten, ob Du dauerhauft moderat trinken kannst / willst. Warum solltest Du das tun, wo Du doch jetzt ohne prima klar kommst? Geht's schief, wirst Du schnell noch tiefer drin hängen als vor Deinem Ausstieg. In beiden Fällen wärst Du erst mal weg von der Gruppe wobei Du Dich bei letzterem Szenario irgendwann mal wieder zurück melden könntest. Dann sicher als ganz richtiger Alkoholiker. Wobei, das wäre nur dann der Fall, wenn Du den Ausstieg auch ein zweites mal hinbekommen würdest.

    Also, ehrlich. Brauchst Du Diese Gruppe? Würdest Du Dich ohne sie als gefährdet bezeichnen? Ist es Dir vielleicht möglich Dich mit einzelnen Mitgliedern dieser Gruppe zu treffen, also nur diejenigen, die Dich nicht durch solche Aussagen in Gefahr bringen? Oder gibt es evtl. alternative Gruppen in Deiner Umgebung? Oder vielleicht macht es auch Sinn, einfach mal Tacheles zu reden. Zu erklären, dass diese Äußerungen für Dich gefährlich sind. Das die Leute dort wissen, dass sie Dir damit keinen Gefallen tun?

    Zum Thema ansich, also ob Du bei diesen Mengen und diesem Trinkverhalten (welches Du grob beschrieben hast) schon Alkoholiker warst oder nicht: Ich habe jahrelang auf niedrigem Niveau (1 - 2 Bier pro Tag) getrunken. Konnte auch noch problemlos pausieren etc. und war trotzdem bereits süchtig. Damals war mir das nicht bewusst, nach meiner Aufarbeitung wurde das jedoch ganz klar. Ich war bereits süchtig und es hätte auch damals nur eine einzige Option für mich gegeben: Keinen Tropfen Alkohol mehr zu trinken, sonst nichts. Stattdessen legte ich damals eine Trinkpause von fast einem Jahr ein und ein simples Biermischgetränk brachte mich innerhalb weniger Tage wieder an die Flasche. Von da an ging es dann steil bergab.

    Lass Dich nicht aus der Bahn werfen. Vertraue auf Dich und Deine eigenen Empfindungen.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Thomas,

    wenn man, wie ich z. B., täglich um die 10 Bier getrunken hat, dann hat das Aufhören mit dem Alkoholtrinken natürlich zur Folge, dass man sich Gedanken um die künftige Flüssigkeitsaufnahme machen muss. Denn man (Du) wirst ja den Alkohol nicht 1:1 z. B. mit Wasser ersetzen. Aber es ist ja auch so, dass man am Anfang mit ganz viel anderen Dingen beschäftigt ist. Das Hirn ist ja voll mit allen möglichen Gedanken uns so trinkt man halt, wenn man durst verspürt und freut sich darüber, dass man nachts nicht mehr dauernd auf die Toilette rennen muss.

    Ich kann Dir nur sagen, was ich damals gemacht habe. Also einmal habe ich für mich festgelegt, und zwar ganz bewusst, dass mein künftiges "Basisgetränk" Wasser sein wird. Mit Kohlensäure. Diesbezüglich habe ich dann sogar, um die mir am wohlsten schmeckende Markte zu finden, sogar eine größere Wasserverkostung vorgenommen. D. h. ich in in den Getränkemarkt und habe mir von allen möglichen Wasserflaschen jeweils eine gekauft und dann verkostet. Seither trinke ich eine bestimmte Wassermarkte und das ist mein Hauptgetränk zum Durstlöschen.

    Was ich aber auch von Anfang an gleich gemacht habe, war eine Art "Teekur". Ich habe mich diesbezüglich sogar mit dem Arzt beraten. Einerseits hatte ich das Bedürfnis, vor allem abends, irgend ein Ritual zu installieren, dass das normal übliche Biertrinken ersetzt. Ich denke Du verstehst was ich meine. Sozusagen etwas zu trinken, auf das mich "freue". Andererseits hatte ich damals alkoholbedingt ziemliches Übergewicht und wollte auch entschlacken. So begann ich in den ersten Wochen mit Brennnesseltee. Kannenweise. Da ich nicht sicher war, ob größere Mengen unbedenklich getrunken werden dürfen habe ich das mit dem Arzt geklärt.

    Das hat mir sehr gut getan. Wennlgeich ich dann, wie gewohnt eigentlich, nachts wieder auf die Toilette musste. Aber ich merkte wie gut mir dieser Tee tat. Später bin ich dann auf andere Teesorten (Früchte z. B.) umgestiegen und es wurde auch weniger. Durch dieses "Trinkritual" hatte ich immer geügend Flüssigkeit, denn ich trank dann den ganzen Abend Tee und tagsüber ganz normal Wasser. Irgendwann hat sich das dann gegeben. Damals war das für mich aber wirklich ideal. Einerseits habe ich das Bier auch rituell nicht vermisst, andereseits habe ich rasant abgenommen und mein körperliches Wohlbefinden ist ebenso rasant gestiegen. Psychisch half er mir natürlich nicht ;)

    Das nur mal einfach so. Vielleicht wirst Du ja auch zum Teetrinker....

    LG
    gerchla

    Liebe Lalelu,

    Zitat

    Sorry für die Rechtschreibung und so... Aber ist nicht so einfach wenn einem die Tränen laufen.

    Fühl Dich mal virtuell von mir umarmt. Es ist einfach fürchterlich was diese Krankheit in den Familien anrichtet. Ich es wird Dich nicht trösten aber Du bist damit ja bei weitem nicht allein. So viele Angehörige sind von der Sucht ihrer Partner massiv betroffen, nur die meisten kehren es eben unter den Teppich, halten es aus oder versuchen gar es noch zu vertuschen.

    Ich will mal versuchen auch Deine Zeilen einzugehen, Stück für Stück:

    Zitat

    Ich kann mir noch gar nicht so recht vor Augen führen das er wirklich Alkoholiker ist und nicht nur Missbrauch betreibt.


    Naja, was soll ich da jetzt sagen? Eine eindeutige Diagnose wirst Du wohl von niemanden bekommen. Aber alles was Du schreibst deutet eindeutig auf eine Sucht hin. Ich denke nicht, dass ein Suchtberater oder ein Arzt da eine wesentlich andere Einschätzung dieser Situation hätte. Und unterm Strich würde das für Dich doch auch gar keinen Unterschied machen, oder? Also letztlich geht es doch darum, dass er sein Trinkverhalten ändert. Ob Alkoholiker oder nur Missbräuchler ist doch völlig egal. Er muss es ändern und er muss es ändern wollen. Alles andere hilft Dir keinen Zentimeter weiter. Somit verabschiede Dich doch mal von Alkoholiker oder doch noch nicht, es hat keine Bedeutung für Deine aktuelle Situation.

    Zitat


    Ich stelle mir gerade die Frage was ich schlimmes in meinem Leben getan habe um immer wieder mit was neuem belastet zu werden


    Das ist doch nicht Deine Schuld, dass er trinkt. Das einzige was Du Dir evtl. mal vorwerfen lassen muss oder vielleicht dann auch selbst vorwirfst wäre, dass Du das Spiel zu lange mitgemacht hast

    Besonders hierauf bezogen:

    Zitat

    bzw au h mein Sohn schützen.


    Was Du mit Deinem Leben machst ist ja Deine Sache. Aber Du hast ja auch die Verantwortung für Deinen Sohn. Ich bin selbst mehrfacher Papa, ich hab da schon Ahnung. Und ich bin auch Alkoholiker und ich weiß, was ich meinen Kindern angetan habe. Heute würde ich mir wünschen, meine Frau hätte meine Sucht ganz früh mitbekommen und dann die Kinder gepackt und ab. Dann hätte sie sich aber vor allem auch die Kinder viel ersparen können. Das ich damals von meiner Seite her (also als nasser Alkoholiker) etwas unternehme war natürlich nicht im Bereich meines eingeschränkten Vorstellungsvermögens.

    Zitat

    Meine Frage nun. Ich würde ihm das gerne nochmal nüchtern sagen bzw schreiben da bei dem Thema es immer bei Gesprächen in Streit ausartet und schreiben komischerweise besser klappt.


    Also unbeding. Diskussionen (normal ist es eher Streit) mit einem Alkoholiker sind sinnfrei wenn er seinen Pegel hat. D. h. was auch immer Du im als Bedingungen / Konsequenzen zu sagen hast, dass solltest Du in einem ruhigen Gespräch tun, wenn er nüchtern ist. Also wahrscheinlich morgens nach einem Tag wo er vielleicht nicht am Abend vorher einen Ultrasaufanfall hatte sondern "ganz normal" betrunken ins Bett ist. Deine Alternative mit dem Brief finde ich auch eine gute Variante, das erstlesen seinerseits sollte aber in nüchternen Zustand stattfinden. D. h. den müsstest Du ihm dann auch morgens geben und ihn bitten ihn gleich zu lesen.
    Klar muss sein, egal wie Du es machst, dass es das letzte mal ist, wo Du das machst. Entweder er "liefert" dann, oder Du ziehst die angekündigten Konsequenzen. Tust Du das nicht, dann hast Du verloren. Denn dann merkt er, dass Du nicht stark genug bist und er wird auf Dich pfeifen. Denn er wird sich denken, dass Du sowieso nie den letzen Schritt wagen wirst. So ist das leider....

    Zitat

    Was kann ich denn verlangen?!?
    Ja ich möchte das er nicht mehr trinkt. Das ist klar das es Bedingung ist.
    Aber kann ich sonst noch was tun?


    Die zentrale Aussage ist doch: Du möchtest das er nicht mehr trinkt.

    Ich persönlich finde, Du kannst da ruhig konkret werden. Z. B. das Du möchtest, dass er sich in ärztliche Behandlung begibt und zusammen mit Arzt und Suchtberatung das weitere Vorgehen bespricht. Tut er es nicht und trinkt weiter, dann war's das. Weißt Du, ein nasser Alkoholiker braucht deutliche Ansagen. Streicheln hilft meist nicht weiter, Verständnis schon gar nicht. Und wie schon gesagt:Stell Dich darauf ein, dass er nicht einsichtig sein wird, dass er Deine Bedingungen nicht akzeptieren wird.

    Und passe unbedingt auf, dass Du Dich auf irgendwelche Kompromisse einlässt. Nächste Woche gehe ich.... Wenn das oder das vorbei ist, dann.... Ich schaff es auch alleine, ab jetzt trinke ich nichts mehr.... blablabla. Normalerweise weiß ein nasser Alkoholiker sehr gut, welche Knöpfe er bei seinem Partner drücken muss, um ihn wieder eine Zeit lang bei der Stange zu halten. Pass hier auf, besonders weil Du bei Dir ja ein Helfersyndrom siehst.

    Zitat

    Zum Thema Co abhängig würde ich mich sehr gerne noch informieren denn das bin ich 100% oder ich habe das helfer symdrom.


    Bitte unbedingt machen und sehr ernst nehmen. Du findest dazu auch hier im Forum einiges an Beispielen und vielleicht schreibt Dir ja noch eine Betroffene/Betroffener direkt. Damit ist nicht zu spaßen und diese Abhängigkeit sorgt oft dafür, dass Angehörige einen jahrelangen (auch jahrzehntelangen) Leidensweg durchlelben bevor sie sich lösen können (oder sie gehen mit dem Alki unter).

    Bitte informiere Dich diesbezüglich doch auch mal, ob es in Deiner Nähe nicht eine SHG für Angehörige gibt. Da kannst Du sehr viel Hilfe bekommen, die kennen sich dort nämlich bestens aus, weil sie alles selbst betroffen sind.

    Zitat

    Ich mache mir Gedanken darüber wenn ich ihn verlasse wie er das alles schaffen soll. Das er dann mehr trinken kann... Aber auch über andere Sachen. Wie das finanziell alles klappen soll ( da wir auch Sachen zusqmmen gekauft haben die wir noch abzahlen) aber auch was ist wenn er Suizid begeht. Da er mir mal gesagt hatte wenn ich ihn verlasse dann hat er kein sinn mehr im leben und es wurde ihm dann alles genommen so das er sich umbringt.
    Ja er setzt mich damit sehr unter druck. Auch wenn er es nur einmal sagte und es schon lange her ist sitzt es noch immer in meinem Kopf. Meine Therapeutin sagte au h dazu das ist nicht mein Problem ich soll dann einen Krankenwagen oder die Polizei rufen wenn ich mir sorgen mache... Dann gebe ich die Verantwortung ab.

    Was soll ich sagen. Sie hat Recht, Deine Therapeutin. Auch wenn das verdammt hart ist und für Dich nicht so einfach umsetzbar ist. Die Keule mit der Selbstmorddrohung ist, so finde ich, so ziemlich das mieseste und fieseste was jemand machen kann. Ein Alkoholiker schreckt vor so einer Aussage nicht zurück, wenn er glaubt damit das zu erreichen was er möchte. Ob er es tatsächlch umsetzen würde steht auf einem anderen Blatt. Aber das kann ich in Deinem Fall gar nicht beurteilen. In der Regel begeht der Alkoholiker Selbstmord durch langsames Totsaufen.

    Zitat

    Ist es naiv von mir nun die nächste Zeit abwarten zu wollen ob er noch trinkt oder alleine aufhört?


    Ehrlich gesagt: ja ich denke es wäre naiv. Besser wäre wohl, die Zeit zu nutzen um Dir einen Plan zu machen, wie Dein neues Leben funktionieren kann, wenn Du Deine Konsequenzen ziehen solltest. Nutze die Zeit um Fragen zu klären, z. B. Fragen finanzieller Art. Kümmere Dich darum, wo Du z. B. wohnen könntest, wie Du Deinen Alltag dann organisiern könntest. Da gehen dann ja wahrscheinlich auch noch ein paar Tage dahin in denen er ja mit dem Aufhören beginnen könnte. Aber warte um Himmels Willen nicht einfach so vor Dich hin, es könnte sein dass Du dann irgendwann aufwachst und feststellst, dass schon wieder viele sinnlose Monate vergangen sind und nichts passiert ist.

    Zitat

    Ich muss ehrlich sagen ich glaube nicht dran das er es schafft aber ich hoffe.


    Die Hoffung stirbt bekanntlich zuletzt. Und wie schon geschrieben, sollte er wirklich ernsthaft etwas unternehmen, was auch Substanz hat, dann kannst Du umdenken. Das kannst Du aber vielleicht sogar besser, wenn Du nicht in seinem unmittelbaren Umfeld bist. Denn selbst wenn er nicht mehr trinken sollte, bedeutet das noch lange nicht, dass Eure Beziehung damit automatisch wieder funktioniert. Es gibt genügend Beispiele, wo sich Paare getrennt haben trotz oder obwohl der Partner trocken wurde. Denn er wird dann ein anderer Mensch sein, einer den Du so noch nicht kennst und auch Du wirst Dich extrem umstellen müssen. Auch darüber kannst Du einiges nachlesen.

    Zitat

    Wenn ich mich für eine Trennung entscheide, gibt es da dann auch irgendwelche Organisationen oder so die einem helfen?


    Ich hoffe, dass Du hier noch jemanden findest, der Dir hierzu kompetente Auskunft geben kann. In jedem Fall kannst Du auch zur Suchtberatung gehen und Dich mal diesbezüglich informieren. Und wie schon gesagt, die Leute in den SHG haben sicher viel Wissen darüber.

    Zitat

    Ich habe ja nunmal schlechte voraussetzungen, warte auf EU rente Bescheid bekomme solange Alg1, habe ein schwerbehindertes und pflegebedürftigen Sohn und einen Hund. Geschweige denn das ich was Möbel angeht auch komplett bei 0 anfangen muss.

    Es sind so viele Gedanken und Sorgen momentan.


    Vermeintliche Gründe, weshalb Du Dich nicht trennen kannst wirst Du immer finden und die wird es wohl auch immer geben. Oft sind es genau die finanziellen Aspekte. Ich möchte das auch nicht vom Tisch wischen, denn ich denke, dass diese Gedanken extrem belastend sind. Aber die Alternative ist eben, dass Du und Dein Kind an seiner Seite mit unter gehen. Und ich finde, dass ist die schlechtere Alternative. Somit geht es darum Wege zu finden und ich glaube daran, dass es diese auch gibt. Ich hoffe sehr, dass Du Dich diesbezüglich mit anderen Betroffenen vernetzt (vernetzen kannst).

    Meine Gedanken zu Deinen Zeilen. Ich fühle wirklich mit Dir. Und wünsche Dir gute Gedanken und noch viele hilfreiche Kommentare hier. Ganz viel Kraft und

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Lalelu,

    schade, dass Du wieder hier schreiben musst.

    Wir haben Dir ja bei Deinem ersten Thread hier schon reletiv viel über diese Krankheit geschrieben. Und welche Möglichkeiten man als Angehöriger hat hier irgendwie einzugreifen. Du hattest dann ja die Hoffnung, es könnte besser werden und diese Hoffnung war ja grundsätzlich erst mal nicht unberchtigt. Schließlich hatte er sich ja nach Eurem Gespräch sehr einsichtig gezeigt,was nicht unbedingt selbstverständlich ist.

    Ich schrieb Dir damals das hier:

    Zitat

    Es kommt jetzt schlicht darauf an was nun folgt. Wenn er alkoholabhängig ist, dann wird es ihm (auf diese Weise) nicht gelingen längere Zeit auf Alkohol zu verzichten. Dann werden es vielleicht wieder ein paar Tage ohne sein und er wird wieder anfangen und Dir aber erklären, dass er ja jetzt soooo lange nichts getrunken hat. Es bräuchte dann also schon etwas mehr von ihm, also z. B. das er mal zum Arzt geht und sein Problem bespricht, dass er mal zur Suchtberatung geht um dort einen weiteren Weg für ihn abzusprechen, dass er mal eine SHG besucht um zu schauen, ob das vielleicht die richtige Hilfe für ihn sein könnte.

    Leider ist also das eingetreten, was halt immer passiert, wenn jemand wirklich Alkoholiker ist und einfach mal eine Trinkpause einlegt ohne weitere Maßnahmen zu ergreifen. Das einzig Positive, auch wenn das vielleicht ein wenig sarkastisch klingen mag, ist, dass Du Dir jetzt sicher sein kannst, dass er tatsächlich alkoholkrank ist. Dieses Wissen halte ist für Deine weiteren Schritte sehr wichtig.

    Du brauchst jetzt nicht mehr darauf hoffen, dass er vielleicht nur missbrauch betreibt, dass er vielleicht irgendwann "von selbst" wieder in die Spur kommt. Das wird in aller Regel nicht passieren. Die Regel ist jetzt, dass sich die Sucht weiter manifestieren wird und dann wahrscheinlich nach und nach immer schlimmer wird. Das betrifft dann voraussichtlich auch sein Verhalten gegenüber Dir und Eurem Kind, dass eigentlich genau das Gegenteil bräuchte, nämlich sehr viel Liebe und Zuneigung auch vom ihm. Euer Kind hatte ja keinen einfachen Start ins Leben. Aber Liebe und Zuneigung kann er als Alkoholiker nicht geben, insofern sieht es hier sehr düster aus. Wie es überhaupt sehr düster aussieht was generell eine Beziehung mit einen nassen Alkoholiker betrifft.

    Zitat

    Mir fehlt nur langsam die Kraft und ich habe keine Lust das der Alkohol alles zerstört.


    Das kann ich gut verstehen. Ich bin ja selbst Alkoholiker und weiß was ich alles angerichtet habe. Man könnte jetzt auch sagen "das war der Alkohol" aber das war schon ich. Denn niemand hat mich zum Trinken gezwungen, ich trank ja weil ich das wollte. Somit bin ich auch verantwortlich, Krankeit hin, Krankheit her. So sehe ich das übrigens auch bei Deinem Mann. Er zerstört Eure Beziehung weil er nicht gegen seine Sucht unternimmt. Und er ALLEIN hat es in der Hand. Du musst verstehen, dass DU hier nichts ausrichten kannst.

    Er entscheidet darüber, ob er Maßnahmen ergreift und in Therapie geht oder ob er weiter trinkt. Du bist nur Nebendarstellerin in einem ganz miesen Film.

    Zitat

    Was kann ich noch machen um ihn wach zu bekommen.

    Vielleicht könnte es helfen, wenn Du das hier durchziehst:

    Zitat

    Ich bin sogar am überlegen ob ich mit meinem Sohn vorübergehend ausziehen soll.

    Eine Garantie hast Du aber nicht. Oft entscheiden sich die Alkoholiker bei Trennung zum Weitersaufen. Manchmal jedoch rettet es auch Beziehungen. Weil der Alkoholiker durch ein derart einscheidendes Erlebnis wach gerüttelt wird und ernsthaft etwas unternimmt. In jedem Fall ist es für Dich so oder so eine gute Option. Denn wenn Du diese Beziehung so weiter führst, wird sie Dich und Dein Kind mit in den Abgrund reißen. Das solltest Du nicht zulassen und Du solltest es auch nicht hinauszögern. Besonders Euer Kind wird unter dieser Situation extrem leiden und kann auch schnell psychischen Schaden nehmen.

    Zitat

    Aber ich glaube dann trinkt er noch mehr.


    Das soll übrigens nicht Dein Problem sein. Wenn er dann noch mehr trinkt, dann ist das SEINE Entscheidung. Vielleicht möchtest Du Dich auch noch ein wenig über Co-Abhängigkeit informieren? Einiges was Du so schreibst deutet darauf hin, dass Du hier gefährdet sein könntest. Und das ist leider keine Lapalie, sondern ebenfalls eine sehr ernste Krankheit.

    Ach, und was Dein Rauchen betrifft. Klar, dass er diesen Joker zieht. Ja, das Rauchen ist auch enie Sucht und auch sehr gesundheitsgefährdend. ABER: Es verändert nicht die Psyche, nicht den Charakter und das Wesen eines Menschen, in dem Maße wie das der Alkohol tut. Das Schlimme am Alkohol ist, dass er das Wesen des Menschen extrem verändert. Kurzfristig durch die berauschende Wirkung (darum wird er ja so gerne getrunken), aber eben auch langfristig durch Veränderungen im Gehirn. Da vergleicht er Äpfel mit Wassermelonen, wobei Du Dir sparen kannst mit ihm darüber zu diskutieren. Mit einem nassen Alkoholiker kann man nämlich nicht diskutieren.

    Ich kann Dir nur raten ganz klare Grenzen zu setzen, Deine Bedinungen bekannt zu geben und Regeln aufzustellen. Und wenn er darauf nicht eingeht oder sie bricht, dann musst Du aber auch Konsequenzen ziehen. Also ihn z. B. verlassen. Nur so kannst Du Dein eigenes Leben und das Deines Kindes schützen.

    Für den Fall, dass er dann tatsächlich ernsthaft etwas gegen seine Sucht unternimmt und z. B. in Therapie geht, kannst Du jederzeit nochmal neu denken. Vorher aber nicht.

    Alles alles Gute für Dich und Dein Kind!

    LG
    gerchla

    Hallo Kassiopeia,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Ich möchte Dir einfach ein paar Gedanken zu Deinen Zeilen von mir da lassen:

    Du schreibst ja von einer Wut, die Du spürst, weil Dein Freund Dich bzw. Deine Ängste und Sorgen so einfach ignoriert. Erst mal möchte ich Dir sagen, dass Dein Freund wahrscheinlich ein schwer kranker Mensch ist. So wie Du das beschreibst könnte er unter Alkoholsucht leiden. Ich kann das natürlich nicht abschließend und mit absoluter Richtigkeit bestimmen, jedoch deutet wohl Vieles darauf hin.

    Damit leidet er unter einer unheilbaren Krankheit. Was ihm aber selbstverständlich bleibt ist die Möglichkeit, diese Krankheit zum Stillstand zu bringen. Jetzt wäre aber eine Sucht keine Sucht, wenn das dann so einfach möglich wäre. Du merkst schon, es ist alles etwas komplizierter. Im Gegensatz zu den unheilbaren Krankheiten die zwangsläufig zum Tode führen hat er (wie alle Alkoholiker) es selbst in der Hand, dieses zu verhindern. Er kann dafür sorgen, dass seine Krankheit nicht zum bitteren Ende führt, wenn er das möchte. Tut er nichts, wird er über kurz oder lang daran zugrunde gehen. Aber das ist auch das. wovor Du so Angst hast, und was durchaus berechtigt ist.

    Aus meinen Zeilen kannst Du heraus lesen, dass ich immer von ihm, also Deinem Freund schreibe. Du kommst darin bisher gar nicht vor. Aus gutem Grunde, denn Du hast mit seiner Sucht nichts zu tun. Weder bist Du schuld das er trinkt noch kannst Du irgendwas dazu beitragen, dass er nicht mehr trinkt. Wenn Du Dich mit dieser Krankheit noch nicht so intensiv beschäftigt haben solltest, dann wird Dir das jetzt vielleicht ein wenig "komisch" vorkommen, was ich Dir da so schreibe. Aber genau so ist es. Du bist hier erst mal raus.

    Wie Du im übrigen überhaupt raus bist. Denn Du wirst ja schon bemerkt haben, dass es in seinem Leben etwas deutlch wichtigeres gibt als Dich. Nämlich den (seinen) Alkohol. Aus den wenigen Zeilen die Du geschrieben hast lese ich heraus, dass der Alkohol bei ihm längst die wichtigste Postion eingenommen hat. Er trinkt weil er trinken möchte. Niemand kann ihm das verbieten. Er ist ein erwachsener Mensch, Alkohol ist völlig legal und alles andere ist dann erst mal egal. So funktioniert die Sucht.

    Wie kann dann also Deine Zukunft, Eure Zukunft überhaupt aussehen? Also, Du hast das Thema Alkohol ja schon thematisiert, Du kannst es nochmal tun und dann deutliche Konsequenzen ankündigen, für den Fall, dass er auf Deine Wünsche keine Rücksicht nimmt. Und Du solltest Dich darauf einstellen, dass Du diese Konsequenzen dann auch wirklich ziehst, wenn er sich nicht an Deine Regeln hält.

    Sollte er tatsächlich ins Nachdenken kommen, tatsächlich etwas gegen seine Sucht unternehmen wollen, dann kannst Du das von außen erst mal beobachten. Das würde bedeuten, dass er zum Arzt geht, dass er entgiftet, dass er anschließend Maßnahmen ergreift um dauerhaft trocken bleiben zu können (also z. B. eine Therapie macht, SHG besucht, etc.). Würde er das tun (nur darüber reden oder es ankündigen hilft übrigens nicht weiter), dann könntest Du Dir überlegen, ob Du ihn dabei unterstützen möchtest.

    Wenn er jedoch auf Deine Wünsche pfeift, Deine Ängste ignoriert und Deine Regeln bricht, dann solltest Du Deine Koffer packen (oder er seine). Grundsätzlich bleibt dem Angehörigen eines Trinkers oder einer Trinkerin nichts anderes übrig, als auf sich selbst zu achten. Auf die Sucht des Partners (der Eltern, etc.) hat man keinen Einfluss (siehe meine Zeilen oben). Auf sein eigenes Leben jedoch schon. Und auf das was man akzeptiert und was nicht auch.

    Dazu möchte ich Dich zitieren:

    Zitat

    Es macht mich wirklich oft wütend das er sich kaputt macht und von mir erwartet das ich still daneben stehen soll.

    Du entscheidest ob Du (still oder überhaupt) daneben stehst und zu schaust, wie er sein Leben weg wirft. Ob er das erwartet oder nicht ist völlig irrelevant. DU bist diejenige, die das mit sich machen lässt. Du musst für Dich entscheiden, was Du Dir wert bist. Ob Du Dein Leben an der Seite eines uneinsichtigen Trinkers verbringen möchtest, der Dich und Deine Wünsche ignoriert und nichts dafür tut, seine Sucht zu bekämpfen oder ob Du Dein Leben selbst in die Hand nimmst um wieder glücklich sein zu können. Es liegt nur an Dir.... So wie es nur an ihm liegt, was er aus seinem Leben macht.... Und das erste das Du verstehen musst ist, dass Du keinen Einfluss auf seine Krankheit hast. Das ist ganz wichtig. Erst wenn Du das verstehst kannst Du Dich lösen. Und Du darfst auch nicht glauben, dass man mit genug Liebe, Geduld und Leidensfähigkeit irgendwas bewirken könnte. Nein, kann man nicht. Er allein hat es in der Hand.

    Und solltest Du Dich in letzter Konsequenz tatsächlich von ihm trennen wollen, spätestens dann wirst Du merken, ob seine Liebe zu Dir wenigstens so groß ist, dass er zumindest Dir zu liebe versucht mit dem Trinken aufzuhören. Ist nicht ideal, weil es dann ja "erzwungen" wäre, aber kann manchmal als Start gar nicht so schlecht sein. In den meisten Fällen, zumindest diejenigen die ich kenne, hat sich der Trinker jedoch für den Alkohol entschieden. Was nochmal bestätigt, wie wichtig es für Angehörige ist, sich um sein eigenes Leben zu kümmern und nicht um das des Trinkers.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir. Und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Ina,

    Zitat

    Aber Gerchla, mal ehrlich, Du kennst meinen Therapeuten, oder


    Na klar, wir sprechen uns immer ab ;)

    Jetzt aber im Ernst. Ich schreibe immer nur über das, was ich selbst erlebt habe. Inkl. der Gefühle die dazu gehören. Und manchmal auch über das, was mir gute Bekannte (Alkoholiker) über ihre Erfahrungen berichtet haben. Das sag ich dann aber dazu. Du kannst also sicher sein, dass alles „echt“ ist, was Du hier liest.

    Und wir erreichen Eich deshalb so gut, weil wir das was Du erlebst, eben zumindest zum Teil auch erlebt haben. Und verbinden die Erfahrungen die wir mit dieser Krankheit gemacht haben.

    Ich verabschiede mich jetzt mal in eine kleine Schreibpause. Freu mich aber darauf, danach von Dir zu lesen, wie Du Deinen Weg weiter konsequent ohne Alkohol gegangen bist 44.

    LG
    Gerchla

    Hallo Ina,

    das ist doch alles wunderschön was Du uns hier berichtest!

    Häng Dich doch nicht so ran an "Alkoholiker oder nicht". Du schreibst ja sogar, dass es Dir gut geht, auch in Gesellschaft, wenn Du ohne Alkohol bleibst. Du bist jetzt noch in der Phase, wo Du Deinen Nicht-Konsum zu rechtfertigen versuchst ("er bekommt mir momentan nicht"). Sei doch einfach mal selbstbewust und sage: Ich trinke keinen Alkohol mehr! Punkt.

    Das mache ich z. B., das klingt dann so: Nein Danke, ich trinke schon seit vielen Jahren keinen Alkohol mehr - und glaube mir, kaum einer "wagt" es nach dem warum zu fragen. Wenn jemand fragt, dem es nichts angeht das ich Alkholiker bin, dann sage ich: Das ist eine Lebenseinstellung von mir.

    Schau mal, Dir geht es gut. Du hast, so denke ich mir, einen wunderbaren Partner, der Dich dabei unterstützt, der sogar auf Alkohol verzichtet (was, wie Risu schrieb, für Nichtalkoholiker kein großes Ding ist) und Du hast damit allerbeste Voraussetzungen ganz entspannt ein Leben ohne Alkohol führen zu können. Aus eigener Überzeugung heraus. Man sowas auch machen, wenn man kein Alkoholiker ist, das nur mal nebenbei bemerkt. Da fallen mir ganz spontan sogar 2 Leute in meinem Umfeld ein, die sicher keine Alkoholiker sind und trotzdem zu 100% auf das Zeug verzichten. Deren Lebenseinstellung sozusagen.

    Also ich finde Deine Ausgangssituation einfacfh großartig. Zerrede sie Dir doch nicht selbst in dem Du soviel darüber nachdenkst, ob Du was trinken darfst oder nicht. Gehe Deinen Weg ohne Alkohol konsequent weiter, dann wird sicher noch der ein oder andere erhellende Moment für Dich kommen. Lass das auf Dich zukommen, aber trinke keinen Alkohol mehr. Wozu auch, Dir geht es wunderbar ohne und das Risiko einzugehen, dass es schief geht und Du dann irgendwann vor den AA stehst und sagst "hier habt ihr mich wieder, mit Absturz und jetzt bin ich eine richtige Alkoholikerin" ist groß.

    Also Lebe doch einfach dieses wunderbare Leben ohne das Zeug. Es geht, wir zeigen es Dir ja hier und von uns gibt's noch viel viel mehr. Und ganz wichtig: Es geht ohne irgendwelche Einschränkungen, ohne das man irgendwas an Lebensqualität verliert etc. Mach ein abstinentes Leben zu Deiner Lebenseinstellung, so wie es Vegetarier oder Veganer doch auch tun. Die "dürften" ja auch Fleisch essen, tun es aber nicht!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Ina,

    Zitat

    Leider bin ich dort als "Erfolg versprechend" entlassen, kann mich aber in schwierigen Situationen noch mal melden.

    Zitat

    aber forciert wurde der Gedanke bei den AAs, da hieß es, ich sei kein richtiger Alkoholker weil ich keine Abstürze etc. zu verzeichnen habe.

    warum vertraust nicht einfach mal auf Dich! Lass doch mal die anderen denken was sie wollen. Ich kann mich nur wiederholen: Entscheidend ist nur was Du WILLST. Ich finde Camina hat es sehr gut auf den Punkt gebracht. Man kann diese Krankheit zuverlässig nur selbst diagnistizieren. Es gibt eben keine ganz klare Grenze, die man überschritten haben muss um ein "richtiger" Alkoholiker zu sein. Es gibt eben "nur" die vielen Anzeichen, die, wenn man sie erfüllt, dafür sprechen, dass man einer ist.

    Doch das alles ist nicht entscheidend aus meiner Sicht. Du hast doch selbst erleben dürfen, was der Alkohol mit Dir gemacht hat. Du wirst gute Gründe gehabt haben, weshalb Du gesagt hast: Jetzt ist schluss. Du weißt doch selbst, warum und zu welchen Anlässen Du ihn konsumiert hast und was Dir das dann unter dem Strich gebracht hat. Und jetzt lässt Du Dich verunsichern, weil "Erfolg versprechend" entlassen wurdest (darüber könntest Du Dich alternativ auch freuen) oder weil die AA (was ich ehrlich gesagt nicht richtig nachvollziehen kann) meinen, Du wärst keine richtige Alkoholikerin. DU weißt doch, dass Du ein großes Problem mit Alkohol hast. Sonst würdest Du diesen ganzen Aufwand doch gar nicht erst betreiben, oder? Vertraue doch mal auf Dich.

    Die Sucht ist es, die Dir diese Gedanken einflüstert. Da gibt es ja auch andere Beispiele. Der Alkoholiker, der zum Arzt geht um seine Werte checken zu lassen um dann ein super Ergebnis zu bekommen. Alles im grünen Bereich, das kommt trotz Sucht oder Missbrauch nicht so selten vor. Und was macht dann das Suchthirn daraus? Alles bestens, dann kann ich ja kein Alki sein. Genau das passiert in Deinen Gedanken gerade.

    Ich wiederhole mich, aber beschäftige Dich doch lieber mal damit, warum Du so nach einen Gläschen Wein gierst. Ein Glas, einmal die Woche, von mir aus zweimal die Woche. Was ist daran besser als ohne Alkohol zu leben? Und Du weißt doch auch, dass Du, wenn Du Dir die Menge gibst, die Du eigentlich brauchst um Wirkung zu spüren, sofort wieder da hinkommst, wo Du vor Deinem Ausstieg warst. Also gib dem Alkohol doch nicht diesem Raum in Deinem Leben. Er ist doch im Grunde zu nichts zu gebrauchen, außer vielleicht zum Konservieren von Medikamenten, zum Reinigen, etc. Aber doch nicht zum Trinken.

    Versuche die positiven Assoziazionen die Du im Kopf hast, das Positive das Dir der Alkohol gegeben hat, genau zu analysieren. Und überlege Dir dann, was nötig ist, diese Gefühle ohne Alkohol zu erreichen. Ich habe es so gemacht und es ist mir wirklich in allen Punkten gelungen. Ein wichtiger Punkt bei mir war z. B. "das mit mir und meinen Gedanken allein sein können". Einen Sonnenuntergang am Meer beispielsweise, oder auch gute Musik entspannt am Abend, ohne Alkohol genießen zu können. Aber mit dem gleichen Gefühl und ohne etwas zu vermissen. Da brauchts schon ein wenig Beschäftigung mit sich selbst. Aber ich habe hier die Erfahrung gemacht, dass das unheimlich erfüllend sein kann. Anfangs musste ich es regelrecht "trainieren", aber das kann man auch lernen.

    Ich wei8 nicht genau, wie ich Dir das jetzt beschreiben könnte. Ich hoffe einfach mal, dass Du verstehtst was ich meine.

    Eben nicht darüber nachdenken, ob Du Alkoholikerin bist oder nicht, ob Du vielleicht nicht doch ein Glas trinken könntest oder nicht, sondern Dir grundsätzlich darüber klar werden, dass kein (geistig) gesunder, kein ausgeglichener und mit sich selbst im reinen befindlicher Mensch Alkohol braucht. Auch nicht in geringsten Mengen. Ein Nichtsüchtiger KANN zwar ab und an mal was trinken, er bräuchte es aber nicht und er giert auch nicht danach. Ein Süchtiger trockener läuft allerhöchte Gefahr rückfällig zu werden wenn er es tut aber erreicht er den o. g. Zustand, dann hat er gar kein Verlangen mehr danach.

    Ok, das ist das was ich Dir noch schreiben wollte.

    Alles Gute weiterhin und verabschiede Dich mal davon, dass Du unbedingt einen Rückfall bauen musst um eine richtige Alkoholiker zu sein. Man kann auch wunderbar ein Alkoholiker sein ohne Rückfall und Absturz.

    LG
    gerchla

    Hallo Thomas,

    ähm, ich möchte Dir mal ganz kurz ein paar Zeilen da lassen.

    Also erst mal: Ich habe Dir eben geantwortet, in Deinem anderen Thread.

    Ich weiß nicht mehr, ob ich mich Dir ordentlich vorgestellt habe, nehme aber Deine Anrede "Liebe Gerchla" zum Anlass, es hier jetzt nochmal zu tun:

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker (männlich ;D ), 3-facher Papa und lebe jetzt schon viele Jahre ohne Alkohol. Meine erste Ehe zerbrach nachdem ich trocken wurde (ich trennte mich) und heute bin ich wieder verheiratet und bezeichne mich als sehr glücklichen Menschen.

    Und noch was:

    Es ist schön, dass Du so viel Wert auf meine Meinung legst. Und ich schreibe Dir und auch allen anderen hier sehr gerne. Ich tue das, weil ich einfach sehr dankbar bin, dass ich diese Krankheit zum Stillstand bringen durfte und dass ich heute so ein Leben führen kann. Ich möchte deshalb meine Erfahrungen teilen, in dem Wunsch, dass andere etwas für sich mitnehmen können. Und wenn es nur winzigste Kleinigkeiten sind. Alles was anderen dabei hilft deren Sucht zu überwinden ist für mich mehr als positiv. Meist erfahre ich (und auch die anderen Schreiber) es gar nicht, was aber völlig egal ist. Es geht mir darum, anderen die Möglichkeit zu bieten etwas für sich mitzunehmen, wenn es für sie passt, wenn sie dazu bereit sind.

    ABER: Ich bin hier nicht ständig unterwegs und ich lege durchaus auch mal längere Schreibpausen ein. Die nächste folgt in Kürze. Denn ich habe auch noch andere Prioritäten in meinem Leben, eine ganz hohe davon ist z. B. meine Familie.

    Das wollte ich Dir nur schreiben, weil Du so dringlich auf eine Antwort von mir gewartet hast. Es hätte also auch gut sein können, dass Du darauf noch viel länger hättest warten müssen, denn in meinen Pausen lese ich oft noch nicht mal im Forum mit.

    Lieber Thomas, ich wünsche Dir nur das Allerbeste! Bleib dran und finde Deinen Weg. Du bist ja schon losgelaufen. Jetzt gehe konsequent weiter, in Deinem Tempo aber immer vorwärts, Schritt für Schritt. Dann wirst Du diese Sucht auch überwinden können!

    LG
    gerchla

    Hallo Thomas,

    das ist nicht so einfach etwas zu raten. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Krankheit sehr indivduell ist. Sowohl was den Weg hinein in die Sucht betrifft aber auch was den Weg wieder heraus betrifft. Wobei es deutlich leichter ist süchtig zu werden, als diese Krankheit dann wieder zum Stillstand zu bringen.

    Ich kann Dir sagen, wie ich das gemacht habe:
    Bereits 24 h nach meinem letzten Bier war bereits mein erster Besuch in einer SHG. Von da an besuchte ich diese Gruppe erst mal fast täglich, ich hatte aber auch das Glück, dass es dieses Angebot täglich gab (was wohl an der Größe meiner Heimatstadt liegt, am Lande ist das oft "nur" einmal in der Woche). Diese SHG-Besuche waren erst mal mein Anker. Dort lernte ich erst mal die Basics, konnte mich mit anderen austauschen und war für 2 - 3 Stunden "aufgehoben".
    Gleichzeitig legte ich los und informierte mich, was ich sonst noch so machen könnte. Suchtberatung und Arzt waren da dann ganz wichtige Adressen. Da ich merkte, dass ich psychisch sehr belastet war, vor allem wegen schwerer Schuldgefühle, habe ich auch relativ bald einen Termin beim Psychologen vereinbart, hatte jedoch 7 Wochen Wartezeit.
    Diese "überbrückte" ich mit SHG aber auch mit sehr vielen langen Spaziergängen in der Natur. Ich dachte extrem viel nach und nahm mir auch die Zeit dafür. Dieses Denken war nicht immer einfach oder besser: es war fast immer sehr schwer und belastend, drehte sich doch alles immer wieder um Sucht, Trennung und den Verlust meiner Kinder durch diese Trennung. Plus eine ganze Menge an Sorgen und Problemen, die sich während meiner Suchtzeit angehäuft hatten (inkl. finanzieller Schwierigkeiten). ABER: es war absolut notwendig, diese Gedanken zu denken und die Gefühle zu zulassen und nicht etwa zu verdrängen!

    Dann der langersehnte Psycho-Termin, der für mich völlig enttäuschend verlief. Am Boden zerstört musste ich mir irgendwas einfallen lassen. Dieser Arzt konnte mir jedenfalls nicht helfen. Also habe ich nachgedacht, mir überlegt wer oder was mir helfen könnten, wem ich mich gerne anvertrauen möchte etc. Heraus kam dabei ein Mönch, der in einem Kloster in einiger Entfernung von mir lebte. Das ist eine andere, eine lange Geschichte. Aber ich ging zu ihm und es folgten sehr viele weitere Treffen mit intensiven Gesprächen (hatte nichts mit Glauben und Religion zu tun, möchte ich noch dazu sagen). Dieser Mensch hat mir heraus geholfen aus meinem Loch, mehr noch, er gab mir das Rüst-Zeug für einen Neustart. Ein wunderbarer und sehr kluger Mann, genau das, was ich in diesem Moment gebraucht habe. Von da an ging es richtig Berg auf, schritt für Schritt. Ich erfur durch ihn, wie ich meine Sucht und meine Schuld richtig aufarbeiten konnte, wie ich auch die Gründe für mein Trinken überhaupt erst mal heraus finden konnte, welche Rückschlüsse ich dann daraus für meine Zukunft ohne Alkohol schließen konnte.

    Und so tat ich es dann auch. Dazu benötigte ich etwa 1 Jahr. Dann war ich mit dem Gröbsten soweit durch. Du siehst also, da hast Du noch etwas Zeit...

    Was nun für Dich das Richtige ist, das musst Du selbst heraus finden. Vielleicht gehst Du zur Suchtberatung und die erarbeiten etwas mit Dir. Vielleicht bist Du in einer professionellen Therapie richtig aufgehoben (die hätte ich selbstverständlich auch gemacht, wenn es hätte sein sollen, ich hatte keinerlei "das mache ich nicht" Gedanken). Vielleicht hilft Dir aber auch die SHG derart, dass das völlig ausreichend ist. Das musst Du selbst heraus finden, spüren sozusagen... Es geht darum, dass Du ohne Alkohol zufrieden lebst, idealerweise glücklich. Das ist der beste Garant dafür, dass Du das Zeug nicht vermisst. Aber es ist eben auch wichtig zu wissen, was Dir der Alkohol gegeben hat, warum Du da hinein gerutscht bist. Denn dann kannst Du diese Gründe, die oft gar nicht offensichtlich sind sondern ganz tief sitzen können, beseitigen bzw. andere Strategien für den Umgang mit ihnen finden als zu trinken.

    Also, bleib dran. Und hetze nicht in die Trockenheit, sondern gehe Dein Tempo, aber bleib dabei Konsequent und gehe Schritt für Schritt.

    LG
    gerchla