Beiträge von Gerchla

    Hallo Chilymilly,

    also, ich kann Dir auf Deine Frage leider keine Antwort geben, die Anspruch auf absolute Richtigkeit hätte.

    Ich kann Dir nur sagen, dass uns (meiner Ex-Frau und mir) die Kinderpsychologin damals eindeutig geraten hat, die Wahrheit zu sagen. Dabei ging es nicht nur um meine Sucht sondern noch mehr um die Trennung von meiner Frau und damit war ich dann natürlich auch erst mal aus dem gewohnten Umfeld meiner Tochter weg. Allerdings war sie damals im Grundschulalter.

    In einem anderen Fall, den ich sehr gut kenne, hat sich eine junge Mama das Leben genommen. Bei ihrm Kind (im Kindergartenalter, also genau das Alter Deiner Tochter) standen dann die Hinterbliebenen vor der Frage: was sagen wir diesen Kind jetzt.

    Die Antwort des Psychologen war: sagen sie, dass die Mama tot ist und nie wieder zurück kommen wird! Und zwar genau so deutlich.

    Das ist das, was ich aus meiner Erfahrung zu Deiner Frage beisteuern kann. Wenn ich Dir was raten dürfte: Geh doch einfach mal zu einer Kinderpyschologin und frag dort mal nach. Ich erinnere mich, dass es zumindest in unserem Umkreis Beratugsstellen gab, wo man erst mal schnell und kostenlos gewisse Basisinformationen bekommt. Dort könnte Deine Frage sicher gut beantwortet werden. Wenn es darum geht, mit den Kind selbst intensiv zu arbeiten, dann ist das natürlich was anderes. Aber Dir geht es hier ja jetzt einfach mal um eine Einschätzung.

    LG
    gerchla

    Hallo chillymilly,

    willkommen zurück bei uns im Forum.

    Ein paar Gedanken von mir:

    Ich erinnere mich noch an Deine ersten Beiträge. Damals hast Du schon eine für Dich unerträgliche Situation geschildert, wo Du u. a. auch schon darüber berichtet hast, dass seitens Deiner Mama keinerlei Einsicht vorhanden ist. Wenn ich richtig rechne, müsstest Du dann zu dieser Zeit auch den Kontakt abgebrochen haben. Konsequenterweise und aus Gründen des Selbstschutzes, was ich bei dem was Du geschrieben hattest absolut nachvollziehen kann. Und so sind bis heute also 9 Monate ohne Kontakt zu Deiner Mama zusammen gekommen.

    Und jetzt schreibst Du hier wieder und beschreibst die ganze Situation im Grunde noch genauso, wie Du sie vor 9 Monaten beschrieben hast. Wahrscheinlich fährt Deine Mama auch nach wie vor betrunken Auto. Es hat sich also in den 9 Monaten überhaupt nichts geändert und auch die Tatsache, dass Du den Kontakt zu ihr abgebrochen hast, hat in ihr nichts bewirkt. Kein Einsehen, kein Nachdenken, kein Umsteuern. Nichts außer Kurznachrichten, die bei Dir so ankommen, als wollte sie Dir den schwarzen Peter zuschieben und Dir ein schlechtes Gewissen einreden, weil Du sie ja einfach sitzen lässt und Dich gar nicht mehr meldest. Und wie aus Deinem Text entnehme, gelingt ihr das auch. Auf schön subtile Weise.

    Auf die Idee, dass es an ihr liegt kommt sie nicht. Auf die Idee, dass ihr Trinken und ihre Sucht, damit also ihr eigenes Verhalten, dafür verantwortlich ist, dass Du Dich distanziert hast, kommt sie nicht. Oder sie will gar nicht darauf kommmen, weil ihr die Konsequenzen dieser Erkenntnis nicht gefallen würden.

    Du hast es also nach wie vor mit einer völlig uneinsichtigen Alkoholikerin zu tun und wenn Du jetzt wieder Kontakt aufnehmen würdest, was denkst Du, wie die ganze Geschichte dann weiter verlaufen würde? Ich denke die Beantwortung dieser Frage ist für Dich ganz wichtig. Meine Vermutung ist, dass Du ganz schnell wieder an der Stelle ankommst, weswegen Du vor 9 Monaten den Kontakt abgebrochen hast. Denn es hat sich ja nichts verändert, im Gegenteil, jetzt kann man Dir erst mal ordentlich Vorwürfe machen, weil Du so eine Rabentochter warst.

    Das weitere Umfeld Deiner Mutter ist ja leider auch alles andere als reflektiert. Deine Oma macht Dir Vorwürfe, die Tante mischt auch noch mit. Und alle schieben sie Dir die A-Karte zu. Na wunderbar. Weißt Du, Deine Oma, die ja die Mama Deiner Mama ist wenn ich das richtig lese, wird sich auch nicht eingestehen wollen, dass ihre eigene Tochter eine Alkoholikern ist. Meine Eltern ignorieren meine Alkoholsucht ebenfalls seit meinem Outing, was nun schon viele Jahre zurück liegt, stets und sehr erfolgreich. Kann man schon verstehen, ist ja nun nicht so toll, wenn die eigene Tochter, der eigene Sohn Alkoholiker ist. Da könnte man gar auf den Gedanken kommen, dass man selbst irgendwas nicht ganz richtig gemacht hat. Was ich aber jetzt Deiner Oma keinesfalls Vorwerfen möchte, denn dazu habe ich keinerlei Informationen / Wissen und es steht mir auch nicht zu. Ich wollte Dir hier nur mal so meine Gedankengänge wiedergeben.

    Und naja, was Du auch nicht vergessen darfst: Je nach Informationsstand, nach Informationswille, nach genereller Offenheit, nach Reflexionsfähigkeit und Reflexionswillen definieren die Menschen einen Alkoholiker halt auch unterschiedlich. Es sind nicht wenige, für die allein aus Unkenntnis heraus ein Alkoholiker nur jemand ist, der völlig verwahrlost auf der Parkbank übernachtet und ne Flasche Fusel im Arm hält. Jemand der noch funktioniert, der noch Job, Führerschein, etc. hat, kann dann ja logischerweise kein Alkoholiker sein. Der trinkt halt ab und an mal ein wenig zu viel, aber mein Gott, wer macht das nicht?

    Und ich denke, mit so einem Umfeld hast Du es zu tun, wobei Du selbst die Dinge ganz anders siehst. Du hast reflektiert, hast Dich informiert und hast aus dem, was Du erleben und ertragen musstest, Deine Rückschlüsse und Konsequenzen gezogen. Und ich glaube Dir, dass diese Konsequenzen für Dich ganz harte waren und sind, denn es geht ja hier um nicht weniger als um Deine Mama.

    Deshalb kann ich das hier auch sehr gut verstehen und nachvollziehen:

    Zitat

    Ich fühl mich ganz schön hilflos und allein und unter diesen ganzen Vorwürfen fang ich selbst oft an, an meiner Wahrnehmung zu zweifeln... Außerdem fehlt mir meine Mama im Moment auch sehr.


    Ja, das ist doch klar. Du hättest es ja gerne anders und Du wärst sicher bereit sofort wieder in Kontakt zu treten, wenn Du ein Signal bekämst, dass sich bei Deiner Mama bezüglich ihrer Sucht etwas zum Positiven verändert. Alles was Du tust ist Dich und Dein Leben schützen. Und dafür brauchst Du Dir keine Vorwürfe machen. Es ist schlimm genug, dass der Alkohol Dir Deine Mama weg genommen hat und sie nicht in der Lage ist, das zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen.

    Zitat

    Ich stehe nachwievor zu meiner Entscheidung und empfinde sie als das einzig Richtige, was ich "für uns" tun konnte.


    Das ist für mich der wichtigste Satz in Deinem Post. Du stehst nach wie vor dazu und Du siehst, dass es für Dich der richtige Weg ist. Und weil Du das so empfindest gehst Du diesen Weg auch konsequent weiter. Ich möchte hier nicht sagen, dass das der einzig mögliche Weg ist, aber Du hast für Dich erkannt, dass es der einzig Richtige ist. So wie Du die Situation von Dir aber beschreibst, ist es in jedem Fall für mich ein sehr logischer und nachvollziehbarer Weg.

    Ich hab ja auch einen Papa, der alkoholbedingt ab und an mal grenzwertig unterwegs ist. Der für mich eine Art persönliche Challenge darstellt und der mich ein ums andere mal vor persönlche Herausforderungen stellt. Durch seine Ignoranz meiner Situation gegenüber, viel mehr jedoch noch durch Provakationen die aus dieser Ignoranz heraus dann teilweise bewusst erfolgen. Ich möchte aber ganz deutlich sagen, dass meine Situation absolut überhaupt nicht mit der Deinigen vergleichbar ist. Also meine Situation ist hier Meilenweit von der Deinen entfernt und wir haben auch viele gute Tage zusammen, weil man Papa nicht ständig trinkt und es meist einigermaßen im Griff hat. Ich würde sagen, er betreibt sei Urzeiten Alkoholmissbrauch auf hohem Niveau, ist jedoch nie komplett in die Sucht gerutscht.

    Was ich Dir eigentlich schreiben wollte: Ich habe mir, als ich begann mich mit dieser Vater-Sohn-Beziehung tiefer auseinander zu setzen, folgende "Vorgabe" gemacht: Wenn ich heute den Anruf bekomme, dass mein Vater verstorben ist, dann möchte ich ihn in Frieden gehen lassen können und meinen Frieden mit ihm gemacht haben. Und auf diese "Vorgabe" meinerseits hin reflektiere ich immer wieder mein Verhalten ihm gegenüber. Hatten wir an Weihnachten noch einen Desput, der mich wirklich fast zur Weißglut gebracht hätte und wo ich nahe dran war richtig auszuflippen, so habe ich mich jetzt wieder geerdet und längst "die Hand gereicht". Will sagen, es ist vergessen bzw. was mich betrifft, in der entsprechenden Schublade abgelegt. Denn ich weiß, dass er mich liebt, auch wenn er das nicht so zeigen kann und auch wenn ihn ab und an mal der Alkohol richtig fiese Dinge sagen lässt.

    Aber der Unterschied zu Dir ist, dass es mich nicht oder nur temporär belastet und ich einen guten Umgang damit gefunden habe. Und eben auch nicht ständig so ist, sondern nur an wirklich schlechten Tagen. Wäre ich in Deiner Situation, würde ich sicherlich auch mich und meine Familie schützen. Vor allem auch dann, wenn die Situation derart ausweglos erscheint, wie das bei Dir der Fall zu sein scheint.

    So, viel geschrieben, vielleicht auch ein wenig wirr ab und an. Aber ich wollte Dir einfach mal meine Gedanken da lassen.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft damit Du Deinen Weg weiter konsqeunt gehen kannst.

    Alles alles Gute.

    LG
    gerchla

    Hallo Babette,

    herzliche Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Ich kann und möchte mich dem anschließen, was Susanne Dir eben geschrieben hat. Ich denke es geht für Dich jetzt erst mal darum, diese akute Situation zu lösen. Und auch ich denke aus dem was Du geschrieben hast, dass Dein Mann erst mal auf Dauer nicht vom Alkohol lassen wird. Es deutet zumindest für mich nichts darauf hin.

    Was Du also m. E. tun solltest, sind Dir die Fragen zu beantworten, die Sustanne Dir am Ende ihres Beitrags gestellt hat. Du kannst jetzt Deinem Mann aus dieser akuten Situation helfen indem Du den Notarzt rufst und dann schaust, wie er die Situation einschätzt. Auf Dauer gesehen, bleibt Dir aber nichts anderes als an Dir selbst zu arbeiten. Natürlich nur, wenn Du etwas für Dich zum Positiven verändern möchtest. D. h. Du solltest Dir überlegen, was Dir DEIN Leben eigentlich wert ist. Und ob Du Dein Leben und Dein Wohlbefinden durch die Sucht Deines Mannes (auf die Du keinerlei Einfluss oder Zugriff hast) kaputt machen lassen möchtest.

    Ich will das hier jetzt erst mal nicht ausführen, denn ich denke Du hast gerade im Moment andere, akute Probleme. Wenn Du wieder etwas Luft hast, dann lies hier doch einfach mal in den alten Beiträgen, vor allem im Angehörigenbereich. Ich denke da ist viel Wertvolles für Dich dabei.

    Alles Gute und eine guten Austausch hier im Forum wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Hallo Zlatan,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Du hast ein Problem bei Dir erkannt und willst was dagegen tun. Damit bist Du schon mal weiter als die meisten Menschen, die entweder Alkohol missbrauchen oder bereits süchtig sind. Die Gründe, warum so wenige versuchen den Absprung zu schaffen, also ernsthaft versuchen den Absprung zu schaffen, kannst Du Dir vielleicht denken. Der Alkohol ist einfach was ganz normales in unserem Leben und es ist ja kaum vorstellbar, wie es ohne ihn gehen sollte. Außerdem findet man oft im eigenen Umfeld Menschen, die ähnlich trinken oder sogar deutlich mehr und so gibt's meist auch immer eine Rechtfertigung für sich selbst, warum ja alles ok ist und man ja gar kein Problem hat. Werbung und Co tun ihr übriges dazu. Die Werbung zeigt uns ja, dass es ohne Alkohol gar nicht geht und dass z. B. keine Feier gelingen kann, wenn dort nicht getrunken wird. Und letztlich sprechen ja sogar unsere Politiker bei Bier und Wein von Kultur. Von einer Bier-oder Weinkultur, die eben dieses Land oder bestimmte Regionen dieses Landes auszeichnet und prägt. Und so trinkt irgendwie eben fast jeder, und nicht wenige, wirklich nicht wenige, regelmäßig deutlich zu viel.

    Manche rutschen dann über die Jahre in eine Sucht, in der sie wiederum sehr viele Jahre mehr oder weniger unfaufällig vor sich hin leben. Die meisten Alkoholiker sind sogeanannte funktionierende Alkoholiker, die nach außen hin alles im Griff haben. Job, Freunde, Familie, etc. Es scheint alles zu passen, trotzdem sind diese Menschen i. d. R. Sklaven ihrer Sucht und bei genaurem Hinsehen ist meist vieles total kaputt (und damit meine ich jetzt keine körperlichen Probleme, die gibt's noch extra). Die wenigsten Alkoholiker sind so, wie man sie immer so vor Augen hat: also verwahrlost mit dem Fusel auf der Parkbank....

    Andere bekommen irgendwie die Kurve. Die Gründe sind vielfältig. Z. B. ein Wohnortwechsel verbunden mit neuen Freundschaften, ein Wechsel im Job, Familiengründung kombiniert mit anderen Interessen, u.v.m. Und so kommt es, dass auch manche Menschen die länger Alkohol missbrauchten (aber noch nicht süchtig waren), einfach irgendwie zurück zu einem unauffälligen Trinkverhalten finden. Meist ohne überhaupt zu merken, dass sie mal auf der Rasierklinge spaziert sind.

    Wo Du stehtst, kann ich Dir natürlich nicht sagen. Ich meine damit, ich kann Dir nicht sagen, ob Du zu denen gehörst, die "nur" Alkoholmissbrauch betreiben oder zu denen, die bereits süchtig sind. Klar ist, dass das was Du von Dir beschreibst, mit einem normalen Trinkverhalten nichts mehr zu tun hat.

    Von dem was Du schreibst, erfüllst Du einige Symptome, die für eine Sucht sprechen, also z. B. das Du keine Kontrolle mehr über die Menge hast oder auch das Du regelmäßige Filmrisse hast. Das muss aber nicht bedeuten, dass Du bereits süchtig bist. Auf jeden Fall aber, bist Du auf den besten Weg dorthin. Wenn Du nicht gegensteuerst. Aber genau das möchtest Du ja jetzt tun, was ich echt sehr gut finde.

    Ich mach mal einen Vorschlag: Schau doch jetzt erst mal, dass Du etwas zur Ruhe kommst. Versuche doch mal heraus zu finden, wo Du eigentlich genau stehst und wie wichtig der Alkohol für Dich tatsächlich ist. Da eigent sich m. E. ein kleines Experiment recht gut. Nimm Dir doch einfach mal vor, sagen wir mal, 3 Monate lang absolut überhaupt keinen Alkohol mehr zu trinken. Das mag Dir vielleicht lange erscheinen, ist aber eigentlich nur einviertel Jahr und für jemanden, der kein Alkoholproblem hat, absolut kein Problem. Es passt vielleicht nicht in Deine aktuelle Freizeitgestaltung, vielleicht auch nicht in Deinen aktuellen Freundeskreis, aber mit ein wenig Fantasie und dem entsprechenden Willen Deinerseits, müsste es Dir doch gelingen, diese 3 Monate irgendwie nach außen hin zu "argumentieren". Nur zur Info: solltes Du irgendwann denn mal wirklich süchtig sein, dann brauchst nichts mehr argumentieren, dann dann bleibt Dir nur noch die absolute Abstinenz. Oder Du säufst halt.

    Und wenn Du dieses Experiment machen solltest, dann achte doch mal genau darauf, was da dann mit Dir passiert. Ob es Dir leicht fällt zu verzichten, wie es Dir damit geht, wie oft Du daran denkst etwas trinken zu wollen usw. Gellingt es Dir recht einfach, vielleicht nach anfänglichen Umgewöhnen, auf Alkohol zu verzichten, dann kannst Du Dir überlegen, wie Du künftig damit umgehen möchtest. Ob Du wieder zum Partytrinker mutieren möchtest oder ob Du vielleicht nur ab und an mal ein oder zwei Bier zu bestimmten Anlässen (was Du ja jetzt auch kannst, wie Du geschrieben hast) trinken möchtest. Und auf Parties z. B. grundsätzlich nix trinkst. Geht auch.
    Wenn Du aber feststellst, dass Du im Laufe dieses Experiments ständig an Alkohol denkst, es Dir enorm schwer fällt zu verzichten oder Du es gar nicht schaffst zu verzichten, dann müsstest Du wohl andere Maßnahmen ergreifen. Denn dann würde einiges darauf hindeuten, dass Du süchtig bist. Und dann, tja dann..... Das kannst Du ja hier in zahlreichen Beiträgen nachlesen, was man dann so alles tun kann oder tun sollte, wenn man diese Sucht irgendwie überwinden möchte.

    Aber soweit bist Du ja (hoffentlich) noch nicht.

    Kannst Dir ja mal überlegen, ob Du so ein kleines Experiment probieren möchtest. Und ich würde mich natürlich freuen, wenn Du dann ab und an hier über Deine Erfahrungen berichten würdest. Aber das bleibt natürlich alles Dir überlassen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Femme,

    ein paar Gedanken von mir:

    Zitat


    @Rina..leider habe ich das Wochenende nicht abstinent verbracht >:(


    Das ist natürlich schade. Aber wenn Du Dich nicht aufgibst, wirst Du daraus lernen und Dich Stück für Stück weiter entwickeln.

    Zitat

    Einen Termin bei der Suchtberatung vereinbaren, das ist das erste was ich morgen mache. Und die Suche nach SHG`s.


    Und das zeigt mir, dass Du nicht aufgeben willst. Das finde ich ganz prima und das ist gut so. Denn, wie Du hier ja bestimmt auch schon in den unterschiedlichsten Lebensgeschichten nachgelesen hast, es gibt eben nicht den einen, 100% funktionierenden Weg heraus aus der Sucht. Die Wege heraus sind höchst individuell, auch wenn die genutzen Hilfsangebote bei vielen ähnlich sind. Denn bei aller Hilfe, die Du Dir auf jeden Fall suchen und dann auch annehmen solltest (wenn sie für Dich passen), bist Du es mit Deiner Persönlichkeit die den Weg heraus aus der Sucht geht. Und Du bist eben einmalig und so wird auch Weg aus der Sucht einmalig sein. Also auf keinen Fall aufgeben, wenn bei Dir etwas nicht so funktioniert was bei anderen gut geklappt hat. Von den Erfahrungen der anderen profitieren und für den eigenen Weg umsetzen!

    Zitat

    Ich merke selbst, wie schwach ich bin in Bezug auf alltägliche Probleme und Konflikte etc. Ich versuche allem was irgendwie schwierig ist aus dem Weg zu gehen...Wenn ich das endlich schaffe zu durchbrechen, dann kann ich auch den nächsten wichtigen Schritt tun... und dann hoffentlich durchhalten.

    Ich bin grundsätzlich Deiner Meinung. Was Du hier schreibst scheint bei Dir auf den ersten Blick das zu sein, was Dich in den Alkohol flüchten lässt. Also das Weglaufen vor Problmen, die Du statt sie zu akzeptieren und zu lösen mit Alkohol bekämpfst. Damit sie nicht mehr so groß, so bedrohlich erscheinen. Oder Du einfach mal nicht daran denken musst. Wenn Du es also schaffst, diesen Grund zu trinken zu beseitigen, dann würde Dir das sicher helfen, leichter auf Alkohol zu verzichten. Mal vorausgesetzt, dass das der einzige Grund ist, weshalb Du zu Alkohol greifst.

    Aus eigener Erfahrung muss ich hier aber sagen, dass mir die Lösung dieses Problem (auch ich trank u. a. um meine Probleme zu vergessen) nicht gelang, solange ich getrunken habe. Und das sehe ich jetzt schon ein wenig als schwierig an bei Deiner aktuellen Situation. M. E. könnte es Dir helfen, wenn Du erst mal, egal wie, eine etwas längere Zeit alkoholfrei lebst. Das kann ruhig die Zeit sein, in der Du eben wirklich richtig kämpfen musst, um nicht doch zu trinken. Ich glaube, viele von uns, hatten diese "Kampfzeit" am Anfang der Abstinenz. Meine Erfahrung ist, dass mit zunehmender Dauer der Abstinenz dann aber eine ganz langsame Veränderung des Bewustseins einsetzt. Und ich war dann dadurch in der Lage, ganz langsam damit zu beginnen, meine Trinkmechanismen zu analysieren und zu hinterfragen. Und konnte damit dann Strategien entwickeln, die mich davor schützen, in bestimmten Situationen auch ohne Alkohol auszuhalten. Und je länger die Zeit ohne Alkohol ging, desto besser konnte ich aushalten. So war das bei mir und ich hatte wirklich sehr viele Altlasten (bedingt durch die Sucht), die nach und nach vor meiner Türe standen und die entsorgt werden mussten.

    Das waren bei mir u. a. finanzielle Schulden, Lügen die ich noch zu beichten hatte oder neue finanzielle Engpässe die durch meine Trennung entstanden (und noch ein Haufen sehr persönlicher Baustellen9. Das alles kam in den Anfangsmonaten meiner alkoholfreien Zeit geballt auf mich zu. Ich denke nicht, dass ich all das lösen hätte können, wenn ich weiter getrunken hätte und versucht hätte, erst die Probleme zu lösen und dann mit dem Trinken aufzuhören. Insofern denke ich, versuche erst mal eine längere Zeit ohne Alkohol zu leben, und arbeite dann langsam die Gründe auf, die Dich in diese Situation gebracht haben. Genau dabei können Dir eine Therapie aber auch die Erfahrungen innerhalb einer SHG sehr helfen.

    Mir hat damals übrigens eine Denkweise sehr geholfen. Nämlich: "über diese Brücke gehe ich erst, wenn ich vor ihr stehe". Ich hatte nämlich das Problem, dass ich immer weiter in die Zukunft dachte. Also "wie soll ich das denn dann jemals hinbekommen", "nächste Woche steht ja dieses und jenes an", "spätestens nächstes Monat bin ich pleite, wenn ich nicht...." usw. Das war für mich extrem belastend und ich habe im Nachhinein dann die Erfahrung gemacht, dass ich viele anstehende Problme durch mein Denken viel größer gemacht habe, als sie dann letztlich waren. Und nicht wenige haben sich über die Zeit komplett aufgelöst.

    Zitat

    Leider habe ich privat niemanden mit dem ich darüber reden kann.


    Reden hilft enorm. Du hast uns und wenn Du eine SHG für Dich finden kannst, dann wirst Du dort auch Menschen treffen, mit denen Du reden kannst. Nicht selten entwicklen sich auch echte Freundschaften. Ich wünsche Dir, dass Du eine SHG findest, die gut zu Dir passt, wo die Menschen gut zu Dir passen.

    Alles alles Gute. Bleib dran, gib nicht auf, dann wirst Du da auch heraus kommen.

    LG
    gerchla

    Hallo Hubby45,

    ich möchte Dir mal sagen, dass ich Deinen Text sehr aufmerksam und emotional teilweise auch sehr bewegt gelesen habe. Ich wei8 natürlich, dass Dir sowas wie Mitleid nichts hilft in Deiner Situation. Und es ist auch kein Mitleid das ich beim Lesen Deines Textes emfpunden habe, sondern mehr so etwas wie ein echtes Mitgefühl. Ich kann Dir nachfühlen, wenngleich ich die ganze Sache aus der andere Perspektive, also aus der des Alkoholikers kenne.

    Da ich aber nach meinem Ausstieg glücklicherweise wieder ein gutes Verhältnis zu meiner jetzt Ex-Frau aufbauen konnte, habe ich sehr viel davon mitbekommen, was ich auf der anderen Seite eigentlich angerichtet hatte. Es ist jetzt nicht so, dass wir sehr häufig über diese schlimme Zeit sprechen, denn wir sind ja getrennt und jeder von uns hat sich mittlerweile ein neues Leben aufgebaut. Aber ab und an kommt man doch ins Reden so wurde und wird mir immer wieder mal bewusst, was man als Alkoholiker seiner Familie, seinem Partner eigentlich zumutet oder antut. Sicher gibt es auch hier unterschiedliche schwere Grade oder Ausprägungen, ich hab' leider richtig hingelangt.

    Und deshalb bewegen mich die Geschichten von Angehörigen hier im Forum meist immer sehr stark.

    Da Du ja geschrieben hast, dass Du sie nicht "aufgeben" willst, dass Du kämpfen möchtest um Eure Beziehung, möchte ich Dich jetzt erst mal noch auf das CRAFT-Programm hinweisen. Vielleicht googelst Du das einfach mal, dann wirst Du einiges an Informationen finden. Es geht dabei im weitesten Sinne um ein Kommunikationstraining für Anghörige von nicht krankheitseinsichtigen und nicht behandlungsbereiten Suchtkranken. Vielleicht hilft Dir das ja weiter. Ich meine, es loht sich so lange zu kämpfen, so lange man selbst nicht in Gefahr gerät, mit der Sucht des Partner unter zu gehen. Und so lange man sich vortellen kann, mit diesem Partner nach Beendigung dessen Sucht sein weiteres Leben gemeinsam zu verbringen. Ich habe in mehreren Gesprächen aber auch die Erfahrung gemacht oder mitgeteilt bekommen, dass oft ein Punkt erreicht wurde, wo derart viel Porzelan zerschlagen wurde, dass ein gemeinsames Leben auch nach Überwindung der Sucht nicht mehr möglich schien oder möglich war. Wenn eine Beziehung einmal zu kaputt ist, wenn es nicht mehr möglich ist wieder Vertrauen aufzubauen, dann muss man sich gut überlegen, ob man an dieser Beziehung fest halten will.

    Bei Dir scheint mir hier aber noch alles möglich zu sein, wobei nur Du selbst das Beurteilen kannst und Deine Frau muss das dann natürlich auch wollen. Bei mir war es so, dass ich derjenige war, der sich getrennt hat nachdem er trocken wurde.

    Lass mich mal noch ein paar Gedanken los werden:

    Zitat

    In diesem Thema werde ich wirklich zum "Feind" und das Gefühl das in ihren Augen zu sehen ist schrecklich.


    Dafür verantwortlich ist ihre Sucht und die damit einhergehende Veränderung ihrer Denkweise, ihres Wesens. Du willst ihr das wegnehmen was sie ganz dringend braucht bzw. haben möchte. Du willst ihr, bitte entschuldige wenn ich das jetzt so deutlich sage, das Liebste nehmen, das sie im Moment besitzt. Ein Leben ohne dieses "Liebste" kann sie sich gerade nicht vorstellen.

    Zitat

    Ich kann also rein gar nichts tun. Kann nur daneben stehen und zuschauen.


    Hm ja, das stimmt schon. Aber nur wenn Du es auf die Hilfe für Deine Frau beziehst. Denn da bist Du tatsächlich ziemlich machtlos (schau mal ob das CRAFT-Programm Dir ein paar Hebel bietet, ich weiß es nicht). Aber trotzdem kannst Du natürlich etwas tun. Aber eben "nur" für Dich. Ich weiß, dass hast Du hier schon 100x gelesen und wahrscheinlich auch gesagt bekommen. Aber das ist eben das, was Du wirklich selbst in der Hand hast. Dich und Deinen Umgang mit dieser Situation. Du entscheidest, wie weit Du diesen Weg (noch) gehen willst oder wann Du dann einen anderen Weg einschlägst. Und bitte nicht falsch verstehen: das dieses "anderen Weg einschlagen (also z. B. Trennung)" alles andere als einfach und locker ist, dessen bin ich mir schon bewusst. Leider ist aber nicht selten so, dass Angehörige am Ende nur dadurch etwas für sich positiv verändern können.

    Zitat

    Und wenn ich alleine mit mir selbst bin dann glaube ich das wirklich.....ich würde ALLES tun. Aber in diesem Fall ist das einfach nicht genug. Weil sie mir nicht erlaubt etwas zu tun.


    Siehst Du, das ist genau der Punkt. Es geht nicht darum, dass Du irgendwas für sie tust. Du würdest sie auf Händen tragen und wie Du ja selbst schreibst, alles für sie tun. Es geht darum, dass sie trinken WILL oder muss. Das sie da nicht heraus kommt und Du von außen nicht hinein. Ein Merkmal dieser schrecklichen Sucht. Leider.

    Zitat

    Was kann ich denn mehr tun? Und ich war naiv genug zu denken "andere haben das vor Dir durchgemacht, da muß es doch ne Lösung zu geben". DAS war mein Fehler.


    Naja, das haben andere vor Dir natürlich auch durchgemacht. Und wenn Du Dir all die Geschichten hier im Forum durchliest, dann weißt Du auch, wie sie aus dieser Situation heraus gekommen sind. Du weißt wie lange manche darin gefangen waren, immer wieder gehofft haben und sich am Ende dann doch getrennt haben. Du kannst auch die Geschichten jener finden, bei denen es nicht zur Trennung kam, die wieder zueinander gefunden haben. All das gibt es hier in teils sehr alten Beiträgen zu finden und zu lesen. Und dabei wirst Du aber feststellen, des jede Geschichte eine ganz individuelle ist. Und das man eben nicht automatisch sagen kann: Trenn Dich, trenn Dich nicht, mach dieses, tue jenes, etc. Bspl.: Du könntest Dich trennen, weil Du gelesen hast, dass bei jemand anderen der Partner dann ganz plötzlich wach gerüttelt wurde und sie heute glücklich und zufrieden ohne Alkohol leben. Es könnte aber gut sein, dass bei Dir genau das nicht passiert, sondern dass sich Deine Frau freut und denkt: endlich kann ich in Ruhe weiter trinken oder jetzt trinke ich erst recht, weil jetzt hat es eh keinen Sinn mehr.

    Verstehst Du was ich sagen möchte. Darum auch immer der Hinweis, dass es letztllich um Dich und Dein Leben geht. NUR das hast Du in der Hand. Alles was Du entscheidest, wie Du Dich entscheidest, solltest Du m.E. DEINEN Bedürfnissen unter ordnen. Damit eben Du nicht auch durch die Sucht, die eigentlich die Deiner Frau ist, zugrunde gehst.

    Zitat

    Es sieht ganz so aus als ob meine Frau wirklich versucht etwas zu ändern.


    Das ist ja grundsätzlich schön. Aber sei mir bitte nicht böse, wenn ich Dir aus meiner eigenen Erfahrung heraus sagen, dass das was Du im Anschluss geschrieben hast, nicht gut klingt. Es klingt nicht danach, dass Deine Frau ihrer Sucht wirklich einhalt gebieten möchte. Es klingt danach, dass sie versucht, es Dir irgendwie Recht zu machen und weniger zu trinken. Es mag sicher Ausnahmen geben, aber i. d. R. wird sie das dauerhaft nicht schaffen, wenn sie bereits Alkoholikerin ist. Und darauf deutet alles hin was ich bisher so gelesen habe. Somit passiert da jetzt wohl nichts anderes, als der weitere Versuch, das ganze irgendwie hinaus zu schieben, in den Griff zu bekommen, Dir zu zeigen, dass da gar kein so großes Problem vorhanden ist. Und bestimmt will sie sich das auch selbst zeigen.

    Was angesagt wäre, wäre eigentlich ein Gang zum Arzt mit anschließender Entgiftung, ein Gang zur Suchtberatung um dann gemeinsam zu überlegen, wie es ohne Alkohol weiter gehen könnte. Das ganze noch kombiniert mit z. B. dem Besuch einer SHG und dann würden die Chancen das sich was tut sicher deutlich steigen.

    Tut mir leid, ich will Dir nicht zu nahe treten. Ich denke nur an all meine Versuche, weniger zu trinken etc. Es ging halt einfach nicht auf Dauer. Wie gesagt, es mag einige wenige Ausnahmen geben.... aber darauf würde ich niemals hoffen.

    Zitat

    Hat das alles überhaupt von vornerein einen Sinn oder sollte man sofort aufgeben sobald sich Zeichen zeigen um das ganze Leid zu ersparen?


    Tja, genau das ist die Frage. Und nur Du kannst Dir eine Antwort geben. Deine Zeilen anschließend zeigen mir, dass Du ganz weit davon weg bist zu verstehen, wie man eigentlich in so eine Sucht rutschen kann. Ehrlich gesagt war das für mich dann, als ich trocken war, auch die große Frage: Wie um Himmels Willen konnte ich da überhaupt so tief hinein rutschen.

    Nun, mir wurde bei der Aufarbeitung meiner Sucht erst mal deutlich, dass ich eine psychische Erkrankung hatte bzw. habe. Ich bin alkoholsüchtig. Und mir wurde auch klar, dass es zumindest bei mir, psychische Auslöser waren, die dazu führten, dass ich begann Alkohol zu missbrauchen. Es waren teils auch angelernte Verhaltmuster oder besser nicht erlernte Verhaltenweisen aus meiner Kindheit, die dazu mit beigetragen haben. Es ist leider oft nicht so banal, wie man das vielleicht von außen auf den ersten Blick sehen mag. Es wird auch bei Deiner Frau etwas geben, dass sie in diese Sucht getrieben hat, auch wenn Du oder sogar sie, zunächst keine Aulöser sehen kann. Ich sah auch keine, denn ich hatte wirklich alles was man gemeinhin für ein glückliches Leben braucht. Trotzdem.....

    Insofern kann ich sagen, dass es für nichtsüchtige und nicht suchtanfällige Menschen sicher schwer oder teilweise auch gar nicht nachvollziehbar ist, wie man da hinein rutschen kann. Andererseits würde Dir dieses Wissen aber auch nicht viel bringen, denn es würde Deine Frau ja nicht heraus helfen.

    Zitat

    Öfter hatte ich in letzter Zeit dieses Bild vor Augen.


    Der Text, den Du dieser Überschrift hast folgen lassen, ist mit das beste, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Auch wenn er sehr traurig ist. Du beschreibst die Situation in der Du steckst unglaublich treffend und emotional. Ich weiß, auch das hilft Dir nicht wenn ich Dir das schreibe. Aber das wollte ich Dir noch sagen. Der Text hat mich sehr bewegt.

    Viel Kraft und ich wünsche Dir, dass Du die richtigen Entscheidungen für Dich treffen kannst.

    LG
    gerchla

    Hallo Kasimir,

    oh wie schön. Danke für die kurze Wasserstandsmeldung. Ich denke damit motivierst Du sicher viele hier, die noch ganz am Anfang stehen.

    Alles alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

    Hallo Femme,

    willkommen zurück. Schön, dass Du Dich wieder hier meldest und dass weiter Du etwas gegen Deine Sucht unternimmst.

    Im Grunde hast Du doch jetzt das getan, was man gemeinhin einem Süchtigen rät, wenn er vor hat etwas gegen seine Sucht zu unternehmen. Du bist zum Arzt gegangen, hast dort offen gesprochen nehme ich an und Du warst auch bei der Suchtberatung und hast dort auch offen gesprochen. Insofern könntest Du jetzt schon auch darauf vertrauen, dass Du jetzt Deinen Plan nicht mehr zu trinken in die Tat umsetzen kannst. Wenn Du jetzt weiter trinkst, weil Du Angst hast es passiert doch was, dann kannst Du das ja theoretisch bis an Dein Lebensende so weiter machen und kommst nie weg von dem Zeug.

    Oder aber, Du entziehst stationär, also komplett unter Aufsicht. Wie auch immer, wenn Du jetzt wirklich was tun willst, dann müsstest Du eben auch beginnen. Sonst geht es ja einfach so weiter.

    Ansonsten habe ich das Gefühl, dass Du von zahlreichen Ängsten geplagt wirst und dass in der Auflösung dieser Ängste möglicherweise auch der Schlüssel für ein zufriedenes und damit dann auch alkoholfreies weiteres Leben liegen könnte. Hast Du denn mit der Ärztin über Deine Ängste und Sorgen gesprochen? Hast Du das bei Der Suchtberatung angesprochen?

    Ich weiß jetzt nicht genau, ob es sich bei diesen Ängsten um die "normalen" Begleiterscheinungen handelt, die man hat, wenn man vor so einer großen Veränderung steht oder ob es z. B. bei den Sozialen Ängsten mehr um eine Sozialphobie oder etwas in diese Richtung geht.

    Was mich betrifft, so hatte ich selbstverständlich auch Ängste. Ich glaube das ist ein Stück weit normal. Ich hatte mir zwar mangels tieferen Wissens keine großen Gedanken wegen des Entzugs gemacht bzw. dachte, wenn ich was merke kann ich ja reagieren. Dafür gab's aber natürlich einen Haufen anderer Ängste oder vielleicht auch "nur" Sorgen. Erst mal die große Angst, meine Familie könnte daran zugrunde gehen, wenn sie erfährt, dass ich über 10 Jahre heimlich getrunken hatte und jetzt Alkoholiker bin. Als das dann raus war, die Angst, dass mich meine Schuldgefühle wieder zum Trinken treiben könnten. Dann die Angst, dass ich meine damalige desaströse finanzielle Situation nicht mehr in den Griff bekommen werde. Die Angst, dass ich vielleicht den Job (den ich sehr gerne ausübe) wechseln muss, weil ich dort häufiger mal mit anderen Menschen unterwegs bin, auch reise etc. und es dort immer mal Anlässe zum Trinken gibt. Und ich es nicht schaffe, eben nicht zu trinken.

    Also da waren schon viele Ängste da, auch noch anderer Art. Aber eben alles so Geschichten die ich eben deshalb hatte, weil da ja in ein ganz neues Leben ohne Betäubung gestartet bin. Und damit dann natürlich auch unsicher war, denn vorher lebte ich ja quasi in einer Parallelwelt, von der ich dachte sie wäre real, wenn ich genug Intus hatte. Jetzt wusste ich plötzlich, dass alles was ich in dieser Parallelwelt ge- und erdacht hatte, zu fast 100% Schwachsinn war und die Realität eine ganz andere war.

    Wichtig war in diesem Zusammenhang für mich sicherlich, dass mich keine dieser Gedanken, dieser Ängste, jemals daran haben zweifeln lassen, dass es eine Alternative zu einem alkoholfreien Leben geben könnte. Als ich dann endlich soweit war und aussteigen wollte, da wollte ich das dann auch unbedingt und kompromisslos. Trotz der ganzen schlimmen Szenarien, die ich mir teilweise in meinem Kopf so ausmalte.

    Ich habe mir dann diesbezüglich aber eben auch Hilfe geholt. Professionelle psychologische Hilfe einerseits und Hilfe durch andere Menschen. Ein guter Freund hat mir hier z. B. durch seinen Pragmatismus sehr geholfen. Und so konnte ich dann nach und nach meine Denkweise verändern und statt der Ängste mehr und mehr die Chancen erkennen. Das war bei mir etwas, was in den ersten Monaten ohne Alkohol so nach und nach einsetzte. Das dauert dann schon einen Moment aber ich denke, das ist ja auch ganz normal.

    Insofern, wenn ich etwas raten dürfte, versuche Deine Sorgen und Ängste mit anderen Menschen zu teilen. Sprich: hol Dir hier Hilfe. Du kannst Du grundsätzlich sehr gut gebrauchen, denn so ein Ausstieg aus der Sucht ist jetzt nichts, was man mal so nebenher aus der Hüfte heraus bewältigt. So zumindest meine Erfahrungen.

    Und eines noch:Ja, es war nicht einfach und ja, ich hatte auch eine längere Phase, wo gefühlt durch meine ganz private Hölle gegangen bin. Aber ich kann Dir auch sagen, dass sich KEINE meiner Ängste bewahrheitet haben. Nicht eine. Was jetzt bestimmt keinen Anspruch auf Verallgemeinerung hat, aber ich denke halt: Wenn man Ängste hat soll man sich ihnen stellen und nicht davon laufen. Denn dann ist man immer nur auf der Flucht.

    Alles Gute, viel Kraft und wenn Du Fragen hast, dann immer raus damit.

    LG
    gerchla

    Hallo Franzi,

    herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Bei mir ist es jetzt schon länger her aber ich stand auch mal an den Punkt an dem Du jetzt gerade stehst. Es war für mich der Moment, wo ich wusste, dass jetzt Schluss ist und das jetzt auch Schluss sein muss, wenn ich mein Leben zurück haben möchte. Anderfalls, das war mir auch klar, würde ich mein Leben über kurz oder lang verlieren.

    Wenn ich heute auf diesen Tag, diesen Moment zurück blicke, dann kann ich sagen, dass ich ziemlich viel richtig gemacht habe. Also so, wie es für mich richtig war. Eines jedoch habe ich damals ganz sicher falsch gemacht. Ich bin nämlich nicht sofort zum Arzt gegangen sondern tat dies erst mehrere Tage nachdem ich aufgehört hatte. Ich hatte das große Glück, dass sich meine körperlichen Entzugserscheinungen einigermaßen in Grenzen hielten. Ich erinnere mich an Schwitzen, ich erinnere mich, dass ich sehr schlecht (ein-)schlafen konnte. Und sehr unruhig war. Ansonsten kam ich da gut durch, was aber eben auch schief gehen hätte können.

    Wenn es Dir irgend möglich ist, dann geh bitte zum Arzt, am besten sofort. Sprich mit ihm oder ihr über Deine Situation und lass Dich beim körperlichen Entzug ärztlich begleiten. Denn Du schreibst ja selbst, dass Du die körperliche Abhängigkeit spürst und leider kann ein kalter Entzug in schlimmen Fällen sogar zum Tode führen. Bitte unterschätze diese Gefahr nicht. Wenn Du es nicht "schaffst" Dich beim Arzt zu öffnen, dann versuche wenigstens jemanden in Deiner Nähe zu haben, der Notfalls eingreifen, sprich Hilfe holen kann.

    Aber vielleicht hast Du ja eh vor zum Arzt zu gehen, weil Du ja schreibst, dass Du Dir Hilfe holst.

    Ansonsten ging es für mich ganz am Anfang erst mal nur darum ohne Alkohol klar zu kommen. Die ersten Tage, die ersten Wochen. Für mich war es damals Gold wert, dass ich vom ersten Tag ohne Alkohol in eine Selbsthilfegruppe gegangen bin. Bei uns gab es glücklicherweise ein sehr gutes Angebot und so konnte ich die erste Zeit fast täglich in meine Gruppe gehen. Was mir sehr half und wo ich sehr viel über diese Krankeit lernen konnte. Ansonsten war ich auch bei der Suchtberatung, was ich Dir auch nur ans Herz legen kann und hatte dann auch einen Psychologen. Letzteres ergab sich dann auch durch Gespräche, z. B. mit Arzt aber dann auch durch eigene Impulse. Ich merkte recht schnell, was mich bezüglich meiner Sucht besonders beschäftigt / belastet und was dann auch eine Gefahr für meine Abstinenz darstellte. Und ich wusste auch, dass ich manche Dinge einfach nicht alleine lösen können würde. Aber das ist ja bei jedem anders denn jeder hat ja eine andere, eine eigene Geschichte.

    Also, ich wünsche Dir auf jeden Fall alles alles Gute, hol Dir alle Hilfe die Du bekommen kannst und mach Dich dann auf den Weg.In Deinem Tempo, aber konsequent und Schritt für Schritt. Dann kannst Du da auch raus kommen, wie Du ja an den Beiträgen anderer hier im Forum auch nachlesen kannst. Wenn Du Fragen hast, dann immer raus damit.

    LG
    Gerchla

    Hallo Stiklein,

    herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Gut, dass Du Dich mit Deinem Trinkverhalten beschäftigst. 4 -6 Bier ist jetzt nicht gerade wenig. In dieser Phase ware viele Jahre lang. Im Unterschied zu Dir trank ich diese Menge aber täglich weil ich sie auch brauchte. Natürlich legte ich während dieser Zeit immer wieder mal Trinkpausen ein, ein paar Tage, was mir auch (noch) gelang. Diese waren aber immer fest geplant und ich bin sie dann mit festem Willen angegangen. Meist mit dem Vorsatz erst mal gar nichts mehr zu trinken, also für längere Zeit meine ich. Und genau das funktionierte dann bei mir aber nicht (mehr). Ich musste meist nach ein paar Tagen wieder trinken, wobei mir diese paar Tage ohne Alkohol dann trotzdem immer als gutes Alibi herhielten um weiter trinken zu kiönnen. Denn, ich hatte ja "bewiesen", dass ich auch mal ohne kann. Also kann ich ja kein Problem haben...

    Bei DIr sieht es ja etwas anders aus, wobei ich damit nicht sagen möchte, dass Du kein Problem hast. Die Frage ist nur, welches Du genau hast. Das kann ich Dir leider nicht sagen. Ich kann Dir nicht sagen, ob Du bereits süchtig bist oder ob Du "nur" Missbrauch betreibst. Deshalb finde ich den Vorschlag von Susanne ganz prima. Nämlich dass Du einfach mal einen kleinen Selbsttest durchführst und ab sofort einfach mal für längere Zeit auf Alkohol verzichtest.

    Da kannst Du Dir ruhig auch mal ein paar Monate vornehmen, wo Du mal konsequent und ganz bewusst keinen Tropfen Alkohol trinkst. Und dann schau mal, wie es Dir damit geht, was da mit Dir passiert. Es kann sein, dass Du "einfach nur" diese Gewohnheit durchbrechen musst, und dass Du dann wieder in die Spur kommst. Also hin zu einem unkritischen oder tolerierbaren Konsum. Vielleicht machst Du Dir bei der Gelegenheit auch mal Gedanken darüber, warum Du ohne Alkohol offenbar nicht mit Dir allein sein kannst. Müsste ja auch irgendwelche Gründe haben. Finde und beseitige sie und dann solltest Du auch keinen Alkohol mehr trinken müssen wenn Du alleine bist. Also, wenn Du nicht bereits süchtig sein solltest. Aber das würdest oder wirst Du bei diesem kleinen Experiment ganz gut herausfinden können.

    Denn wenn es Dir problemlos gelingt zu verzichten, Du vielleicht nur am Anfang ein wenig "irritiert" bist und Dich ein wenig umgewöhnen musst und ansonsten alles gut läuft, dann sind die Chancen gut, dass Du da gut raus kommst und Deine (alkoholische) Zukunft selbstbestimmt gestalten kannst. Wenn Du aber scheitern solltest, d. h. wenn der Druck zu trinken so groß ist, dass Du ihm nachgeben musst, dann deutet einiges darauf hin, dass Du ein größeres Problem hast. Wo Du dann auch anders heran gehen müsstest, solltest Du etwas ändern wollen.

    Alles Gute und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Alles gut Susanne. Es ist bei mir so, dass ich grundsätzlich nicht darüber diskutiere, ob jemand anderer oder ich jetzt Recht oder Unrecht hat. Denn das kostet mich viel Zeit und, wie ich früher oft feststellen musste, auch viel Energie. Und ich bin auch kein Mensch (mehr), der jetzt unbedingt immer Recht haben muss oder will.
    Ich nehme das was Du geschrieben hast (und auch was andere hier schreiben und was nicht meiner Meinung oder meinem Wissenstand entspricht) immer gerne zur Kenntnis und auch immer zum Anlass, mich künftig genauer und tiefer damit zu beschäftigen. Hab auch schon jemanden im Kopf, mit dem ich über das Thema mal in Ruhe sprechen kann. Und je nachdem wie diese Recherchen dann ausfallen bin ich bei künftigen Aussagen meinerseits auch gerne Bereit, meine Meinung zu ändern oder anzupassen.

    LG
    gerchla

    Zitat

    Man kann dieses "Verlangen" durch diesen Stoff auch wieder verlernen. Nämlich durch andere Formen von "Befriedigung". Natur, Lesen, gutes Essen etc. Sehe ich genauso.

    Also, wenn Du das jetzt so meinst, dass man das Verlangen, also den Wunsch Alkohol trinken zu wollen um eben ein bestimmtes Gefühl zu haben oder einen bestimmten Zustand zu erreichen, durch andere Formen von Befriedigung überwinden kann, dann bin ich bei Dir. Und das ist ja genau das, was Alkoholiker u. a. auch lernen, wenn sie sich z. B. in eine Therapie begeben. Wobei es nicht immer so einfach ist, dass man sich einfach mal ein nettes Hobby sucht um dann seinem Leben ohne Alkohol einen Sinn zu geben. I. d. R. steckt so eine Sucht sehr tief und hat oft mehrere Ursachen. Was noch dazu kommt ist, dass Süchtige häufig im Laufe ihrer Sucht (besonders wenn diese lange angedauert hat) einiges an Erfahrungen und auch Schuld auf sich geladen haben. Oft schleppen Alkoholiker einen Haufen von (alkoholbedingten) Altlasten mit sich herum.

    Auch hier muss man erst mal lernen, wie man damit umgeht. Denn am einfachsten ist es ja immer, diese ganzen Gedanken / Schuldgefühle / Probleme / etc. einfach wegzusaufen. Wenn man so will, hatte ich unmittelbar nach meinem Ausstieg zum ersten und einzige Mal einen richtigen Grund zum Saufen. Ich stand nämlich vor den Trümmern meines Lebens, verursacht durch die Sucht und war plötzlich nüchtern und hab' das alles so richtig live mitbekommmen. Da war jetzt ein wenig Ironie dabei, denn einen wirklichen Grund zum Saufen gibt es nicht. Schon gar nicht, wenn man suchtig ist oder in Gefahr ist es zu werden.

    Wenn Du mit dem "Verlernen des Verlangens" jedoch meinen solltest, dass man als Süchtiger irgendwann mal wieder Alkohol trinken kann, wenn man sich nur genug anderweitige Ablenkung, Befriedigung, etc. geschaffen hat, dann irrst Du leider. Denn dann passiert genau das, was einigen langzeittrockenen Alkoholikern leider tatsächlich passiert: Sie werden auch nach zig Jahren ohne Alkohol rückfällig. Und zwar nicht in der Form, dass sie dann einmal die Woche ein Glas guten Weines trinken sondern in der Form, dass sie innerhalb kurzer Zeit wieder da sind wo sie einmal aufgehört haben. Wir haben einige Beispiele hier im Forum. Hier sind auch Menschen, die nach über 20 Jahren wieder mit dem Trinken begannen und erst mal nicht mehr zurück zur Abstinenz finden konnten. Ich habe mehrere Menschen mit solchen Erfahrungen schon gefragt, warum sie denn nach so langer Zeit meinten, sie könnten oder müssten mal wieder was trinken. Die Antwort war eigentlich immer, dass sie dachten, dass sie nach so langer Zeit doch bestimmt mal wieder was trinken könnten. Einer sagte mir, er zweifelte plötzlich (nach über 10 Jahren ohne Alkohol) daran, dass er wirklich Alkoholiker sei und meinte, er hätte vielleicht ja doch "nur" Missbrauch betrieben. Tja, waren auch welche dabei, die es dann erst mal ein paar Wochen geschafft haben, ganz normal und moderat zu trinken. Was dann aber wiederum ihre Meinung bestärkte die Sucht wäre überwunden und was dann wiederum dazu führte, dass sich die Menge steigerte. Und ehe sie sich versahen, war alles wieder so wie vorher und bei tatsächlich allen die ich sprach, im Anschluss noch schlimmer als vorher. Und der erneute Ausstieg (alle die ich sprach sind heute trocken) war keinesfalls einfacher als beim ersten Mal.

    Es ist einfach so, wie es die Suchtmediziner eben auch sagen: Einmal süchtig, immer süchtig. Bist Du süchtig geht es darum, ein Leben ohne Alkohol zu erlernen. Und zwar ein Leben, dass einem dann auch lebenswert erscheint, denn das ist für Alkoholiker ohne Alkohol oft nicht vorstellbar. Darüber hinaus gilt es noch einen ganzen Packen anderer, meist psychischer Probleme und auch Verhaltensmuster aufzuarbeiten um dann eben genau das zu erreichen, was Du geschrieben hast: nämlich den Wegfall des Verlangens nach Alkohol.

    LG
    gerchla

    Hallo Minza,

    ich hoffe Du bist mir nicht böse, wenn ich in Deinem Thread jetzt mal ganz explizit auf ein paar Dinge eingehe, die Katharina hier geschrieben hat. Mach ich normalerweise nicht, hier drückt es mich jetzt aber schon aus meinen Erfahrungen zu berichten.

    @ Katharina

    Zitat

    Nein, in meinem Psychologie- Kurs habe ich, als es um das Thema "Alkohol" ging, mit ICD- 10, Fallbeispielen, Klausur und diesem ganzen Zauber, gelernt, dass daraufhin gearbeitet wird, in einer erfolgreichen Alkohol- orientierten Therapie, kontrolliert trinken zu lernen.


    Mit Zauber hat das meiner Meinung nach nichts zu tun. Kontrolliertes Trinken lässt sich auch ganz schnell entzaubern, denn hier gibt es meiner Meinung (und auch Erfahrung) nach keine zwei Wahrheiten. Es ist einfach so: Wenn jemand "nur" Alkoholmissbrauch betreibt, dann ist das Erlernen des kontrollierten Trinkens, idealerweise mit Anleitung bzw. betreut, sicher eine gute Möglichkeit zu einem moderaten oder "normalen" Trinkverhalten zurück zu finden. Wenngleich natürlich so jemand immer mit dem Bewusstsein leben sollte, dass er mehr gefährdet ist in eine Sucht abzurutschen als jemand der schon immer ganz unbedenklich getrunken hat. Denn das Hirn auch desjenigen der Missbrauch betrieben hat, weiß um die Wirkung des Alkohols und wann man ihn gut einsetzen kann.

    Jemand der bereits süchtig ist, wird über kontrolliertes Trinken nicht zu einem normalen Trinkverhalten zurück finden. Bestenfalls kann er das mit viel Mühe mal eine bestimmte Zeit lang durchhalten, jedoch wird er auf die Länge gesehen scheitern. Ich habe diesbezüglich mit mehreren Betroffenen gesprochen, ich kenne auch jemanden, der nach 10 Jahren ohne Alkohol der Meinung war, er könnte doch wieder kontrolliert mit dem Trinken beginnen. Ganze 2 Jahre hat er das dann auch irgendwie geschafft. Nach eigenen Aussagen mit steigender Gier endlich wieder mehr haben zu wollen bis sein Wille dann gänzlich zusammen brach und er wieder ganz tief in seine Sucht abglitt.

    Zitat

    Dh. wenn man Alkohol mag, sollte man erstens das Umfeld beachten, in welchem man Alkohol zu sich nimmt, zweitens die Art und die Menge des Alkohols beachten.


    Diese Aussage verstehe ich überhaupt nicht. Ein Alkoholiker trinkt weil er trinken muss. Ein gut betuchter Alkoholiker, der in einem elitären Umfeld lebt, säuft ggf. elitär. Er würde aber notfalls auch in die billigste Spelunke gehen, wenn er anderweitig nicht an Stoff kommen könnte. Oder warum glaubst Du gibt es Alkoholiker, die sich im allerschlimmsten Fall sogar (lebensgefährlich) Rasierwasser in die Gurgel schütten, wenn sonst nix zu greifen ist? Und was die Menge betrifft, die man zu beachten hat. Naja, ich meine, alles nettes bla bla aber wenn ich mal Alki bin, dann bin ich eben Alki. Und genau deshalb habe ich ja keine Kontrolle mehr. Denn hätte ich sie, dann wäre ich eben kein Alkoholiker, dann könnte ich nach dem ersten Glas Schluss machen.

    Bei all dem Gerede über kontrolliertes Trinken möchte ich darauf hinweisen, was eine unbedenkliche Menge Alkohol eigentlich ist: Nämlich für eine Frau sind das 12 gr. reinen Alkohols pro Tag, was in etwa einem kleinen Bier (o,33 l) oder 1/8 Wein (je nach Alkoholgehalt) entspricht. Und dann müssen aber pro Woche noch 2 komplett alkoholfreie Tage eingehalten werden. Das ist unbedenklicher Konsum. Sollte man also vorhaben, sich diesen Mengen zu nähern, dann darf man gerne auch darüber nachdenken, ob man nicht gleich ganz aufhört.

    Übrigens ist dieses "gleich ganz aufhören" ab und an ein positiver Nebeneffekt, der durch kontrolliertes Trinken (unter Anleitung) bei manchen passiert. Andererseits ist die Diskussion über kontrolliertes Trinken für jene sehr gefährlich, die bereits Alkoholiker sind, bereits abstinent leben, und denken, es könnte ja vielleicht doch gelingen (sie meine Zeilen weiter oben).

    Zitat

    Man kann sich nicht zu schütten mit einem Wein, der 30- 80 Euro gekostet hat.


    Selbstverständlich kann man das! Wie kommst Du denn darauf das man das nicht kann? Ich kenne einen Alkoholiker in den USA, dessen Stammwein 99 Dollar pro Flasche kostet. Er trinkt quasi nichts anderes, ich habe früher mit ihm gesoffen und konnte nach der ersten Flasche den exquisten Geschmack nicht mehr finden. Denn letztlich geht es dem Alkoholiker ausschließlich um die Wirkung. Und wenn er genug Kohle hat, dann halt "mit Stil". Aber wenn er keine hat, dann säuft er auch den Wein aus dem Tetrapack, so sieht es einfach mal aus. Du kannst Dir also teure Weine kaufen und dann immer nur ein Glas trinken. Wenn Dir das gelingt, und zwar auf Dauer, nicht nur ein paar Wochen oder Monate, dann bist keine Alkoholikerin. Wenn Du aber eine bist, dann machst Du das nur solange Du es Dir leisten kannst. Und steigst anschließend auf das Zeug um, dass Du Dir leisten kannst.

    Das wäre ja schon, wenn das funktionieren würde. Da würde ich allen Alkoholikern sagen: Hey, kauft Euch nur noch exklusiven, teuren Stoff, denn dann werdet ihr euch nicht zuschütten. Und schon hätten wir dieses riesige Alkoholproblem, das dieses Land hier hat, mit einfachsten Mitteln gelöst. Müsste ja eigentlich auch in den nordischen Ländern funktionieren, denn da kostet sogar der billig Fusel ein Schweinegeld. Aber trotzdem gibt's dort oben auch genügend Alkoholiker. Der Vorteil ist "nur", dass der teure Alkohol den Einstieg in die Sucht ziemlich teuer macht und damit erschwert. Aber wer mal süchtig ist, der trinkt, denn sonst wäre er nicht süchtig.

    Zitat

    Es ist und bleibt ein Genussmittel.


    Alkohol ist zuallerst mal ein Zellgift. Und zwar ganz egal in welcher Menge. Ansich sollte man Alkohol nur zum Reinigen und Konservieren her nehmen, keinesfalls aber zum Trinken. Ich habe ja schon geschrieben, welche Mengen als unbedenklich gelten, wobei er auch in diesen ganz geringen Mengen ein Zellgift bleibt.
    So schaut es erst mal aus. Aber ich will ja nicht päpstlicher sein als der Papst. Selbstverständlich ist Alkohol für all jene, die mit ihm umgehen können, durchaus ein Genussmittel. Ein reiner Genusstrinker, der ab und an mal, weil es gut passt, ein Glas Bier oder Rotwein zum Essen trinkt, wird aber auch nie ein Alkoholproblem entwickeln. Das passiert "nur" dann, wenn man ihn seiner Wirkung wegen konsumiert. Und klar gibt es auch jene, denen er gleichzeitig schmeckt und die ihn aber trotzdem primär wegen der Wirkung konsumieren. Da heißt es dann oft: naja, er schmeckt mir halt.... Nun, die Sucht findet immer viele Gründe, weshalb man trinkt und weshalb das ja eigentlich gar nicht so schlimm ist und warum das ja eigentlich normal ist.

    Zitat

    Man muss nur wissen, wann man eine Grenze ziehen muss (!!!!)


    Na wunderbar! Dann ist doch alles gut. Mensch, warum hat mir denn damals niemand gesagt, dass ich nur wissen mus, wann ich eine Grenze ziehen muss? Merkst was? Alles was Du schreibst trifft zu, aber nur dann, wenn man (noch) kein Suchtproblem hat. Ist man süchtig, ist es VORBEI!!!!

    Zitat

    Ziel sollte meiner Meinung sein, die innere Selbstkontrolle zu finden und sich nicht zu verlieren.


    Da stimme ich ganz mit Dir überein. Wobei ein Alkoholiker seine innere Selbstkontrolle nur durch eine dauerhafte und konsequente Abstinenz finden kann. Und abstinent bleiben muss um sie nicht wieder zu verlieren. Alles andere funktioniert nicht, wenngleich viele Alkoholiker, die sich auf den Weg machen um etwas gegen ihre Sucht zu unternehmen, erst mal denken, bei ihnen würde es auch anders funktionionieren. Meine Erfahrung, was Du denkst bleibt Dir überlassen.

    LG
    gerchla

    Hallo Brittany,

    Zitat

    Das war dann leider für mich grünes Licht weiter zu trinken.

    Das ist so ein Klassiker. Die Werte passen ja, dann kannst ja so schlimm nicht sein. Alternativ, das hatte ich häufiger, trinkt man auch wieder (oder besser weiter) mit gutem Gewissen, wenn es mal geschafft hat ein paar Wochen oder paar Tage ganz zu verzichten. Dann meint man: Na, ich kann ja auch ohne. Also kanns ja so schlimm nicht sein...

    Aber natürlich ist das alles Quatsch. Meine längste Trinkpause betrug z. B. fast ein Jahr. Es genügte ein Biermischgetränk um mich innerhalb ganz weniger Tage wieder auf die Spur zu bringen. Letztlich ist eben genau das die Sucht. Sie steuert das Denken des Betroffenen und tut wirklich alles dafür, dass er/sie bei der Stange bleibt. Und das ist Dir auch passiert.

    Danke für Deinen kleinen Einblick in Deinen Trinkalltag. Du hast also noch nicht diverse Versuche des Aufhörens hinter Dir, hast noch nicht alles Mögliche erfolglos probiert.

    Was also jetzt tun? Vielleicht kannst Du Dich ja damit anfreunden, mal den "ganz klassischen" Weg zu versuchen. Es ist der Weg, den viele erfolgreich gehen, der für viele genau der Richtige ist.

    Er beginnt mit einem Besuch beim Arzt. Schenk ihm / ihr reinen Wein ein ;D - Berate Dich mit dem Arzt, wie Du weiter vorgehen könntest, wie der körperliche Entzug am besten angegangen werden kann. Was Du gerade machst ist kalt entziehen. Das ist nicht ganz ungefährlich, ich denke aber das Du das weißt.
    Dann würde ich in jedem Fall auch eine Suchtberatung aufsuchen. Auch dort mal ganz offen sprechen und mal sehen, was die dort für Informationen für Dich haben. Wenn Du beides tust, wird sich wahrscheinlich auch heraus kristallisieren, wie Dein weiterer Weg aussehen könnte. Also ob für Dich z. B. eine stationäre oder ambulante Therapie in Frage kommt oder ob Du auf andere Art weiter kommst.

    Nicht zu vergessen sind hierbei auch die Selbsthilfegruppen. Übeleg doch mal, ob Du nicht mal eine aufsuchen möchtest. Ich selbst war bereits an meinem ersten nüchternen Abend in einer SHG. Sie wurde dann in den ersten Wochen und Monaten ein richtiger Anker in meinem Leben und besuchte sie einige Zeit nahezu täglich (wobei ich das Glück hatte, dass es so ein dichtes Angebot gab, oft sind die Treffen nur wöchentlich). Ich kenne auch Alkoholiker, die nur über die Besuche von SHG dauerhaft trocken wurden, ohne andere Hilfsangebote. Man muss selbst heraus finden, ob das zu einem passt oder auch welche Art der SHG zu einem passt.

    Und dann hast Du ja noch uns hier.

    Natürlich gibt's noch ein paar mehr Dinge, die sinnvoll wären. Z. B. das Outing gegenüber bestimmten Menschen. Ich möchte jetzt keinesfalls raten jedem zu erzählen das man Alkoholiker ist, das kann sogar ein großer Fehler sein. Aber meist gibt es bestimmte Menschen, die man auf jeden Fall informieren sollte. Bei mir waren das meine Frau, meine Kinder, meine Eltern und meine Geschwister. Und der Rest an guten Freunden, der mir geblieben war. Das war natürlich alles andere als einfach, aber es war ein wichtiger Schritt. Auch mir selbst gegenüber damit nochmals definitiv zuzugeben, dass ich Alkoholiker bin und auch dazu stehe und jetzt auch etwas dagegen unternehme.

    Das soll's jetzt erst mal von mir gewesen sein. Wie denkst Du denn darüber? Willst Du Dich öffnen? Willst Du zum Arzt etc. gehen? Ich kann es Dir nur empfehlen. Meine Versuche "selbst" aufzuhören sind alle gescheitert. Ich dachte ja ich bin ein ganz Schlauer, denn ich dachte: "weil du ja heimlich getrunken hast kannst du auch heimlich aufhören und dann wird nie jemand etwas davon erfahren" - eine echte win-win-Situation also. Aber da spielt die Sucht leider nicht mit, denn man lässt sich ja immer das Hintertürchen auf doch wieder trinken zu können, weil's ja eh keiner weiß.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Brittany,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Schön, dass Du etwas gegen Deine Sucht unternehmen möchtest. Du findest hier viele Menschen, denen es ähnlich erging wie Dir und die sich irgendwann auch mal auf den Weg in ein neue, ein alkoholfreies Leben gemacht haben. Wir sind hier bunt gemischt, da sind Menschen dabei, die schon viele Jahre ohne Alkohol leben, andere wiederum die erst ganz kurz aufgehört haben und Menschen wie Du, die noch trinken aber aufhören möchten. Jeder hat seine individuellen Erfahrungen gemacht und kann Dir hier darüber erzählen.

    Viele Geschichten sind auch schon mehrfach erzählt und Du kannst sie in den alten Beiträgen nachlesen.

    Was uns hier immer sehr hilft ist, wenn wir etwas mehr über die jeweilige Person wissen. Ein wenig von der Lebens- oder Suchtgeschichte erfahren, damit wir uns ein Bild machen können, damit wir auch mit unserer eigenen Geschichte vergleichen können. So kommt dann ein Dialog zustande und davon kannst Du dann profitieren.

    Also, wenn Du möchtest, dann schreib doch einfach noch ein bisl mehr von Dir. Wie ist denn Dein Trinkverhalten aktuell? Hast Du Dir im realen Leben schon Hilfe gesucht, warst Du schon beim Arzt, bei der Suchtberatung, etc? Kannst Du Dir überhaupt vorstellen dorthin zu gehen? Was interessiert Dich, wie können wir Dir helfen? Wenn Du Fragen hast, dann einfach raus damit.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir und einen guten und hilfreichen Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen P.,

    ich will gleich mal auf Deine Fragen eingehen und Dir noch ein paar Dinge aus meiner Geschichte erzählen.

    Zitat

    hm... aus welchem Grund hast Du Dich damals von der Familie getrennt?


    Ganz pragmatisch könnte ich jetzt sagen: Als ich einige Zeit nüchtern war stellte ich mit Schrecken fest, dass ich meine Frau nicht (mehr) liebte. Aber so "einfach" war's dann doch nicht. Über die Jahre des heimlichen Trinkens hat unsere Ehe stark gelitten. Meine Frau versuchte wirklich alles um irgendwie an mich heran zu kommen, hatte jedoch keine Chance. So lebten wir uns natürlich nach und nach immer mehr auseinander. Tiefe Liebe empfand ich dagegen immer für meine Kinder, in jeder Phase meiner Sucht. Sie waren eigentlich diejenigen, die in meinem Leben die wichtigste Rolle spielten. Trotzdem war diese Liebe nicht stark geung mich von der Sucht weg zu bringen.

    Als ich dann aber weg kam, blieb natürlich die Liebe zu meinen Kindern und meiner Frau gegenüber ein wahnsinniges Schuldgefühl. Denn ich hatte in dieser Zeit nicht nur heimlich getrunken sondern noch einen riesen Haufen anderer schlimme Dinge getrieben, die ich ihr nun aber alle beichtete. Das musste sein, denn dieses Mal war's mir wirklich ernst. Somit sah ich keine Basis mehr für ein gemeinsames Leben an ihrer Seite (sie wäre dazu durchaus bereit gewesen), ich fühlte mich ihr gegenüber nur schuldig, klein und konnte mir auch nicht vorstellen innerhalb dieser Beziehung dauerhaft alkoholfrei zu bleiben. Letzteres war dann für mich der entscheidende Punkt. Denn eines wusste ich zu diesem Zeitpunkt ganz genau: Ich will nie mehr trinken und ALLES dafür tun. Also, es ist schwer zu erklären, aber ganz grob kannst Du das jetzt vielleicht ein wenig nachvollziehen. Und ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung für mich und auch für sie und unsere Kinder war. Auch wenn es sich anfangs ganz anders angefühlt hat...

    Zitat

    ch habe diesen Punkt noch überhaupt nicht bedacht, sondern in erster Linie meine Optionen.


    Also, es ist gar nicht so selten, dass sich Paare trennen, nachdem der trinkende Teil trocken wurde. Natürlich gibt es glücklicherweise auch Gegenbeispiele, wo beide anschließend zu einem harmonischen gemeinsamen Leben zurück fangen, was ich Dir/Euch von Herzen wünsche. Es halt so, dass ein Trinker wenn er trocken wird, sich natürlich verändert. Wie er sich ja auch verändert hat durch die Sucht. Nun möchte ich nicht so weit gehen zu sagen, dass dann da zwangsläufig ein absolut komplett neuer Mensch vor einem steht, aber doch ein ziemlich veränderter. Deshalb ist es auch oft ratsam, dass sich beide Partner, also auch der nicht trinkende, der somit ja eigentlich gar kein akutes Problem hat, in Therapie begibt bzw. sich in irgend einer Form bei diesem Prozess begleiten lässt. Einfach auch um zu verstehen, was da jetzt beim anderen gerade passiert und wie man damit umgehen kann. Denn nicht nur der Trinker muss sein Leben verändern, sondern auch der Partner.

    Noch krasser ist das ganze, wenn der nicht trinkende Partner in einer Co-Abhängigkeit steckt, was jetzt auch nicht so selten der Fall ist. Das sehe ich bei Dir aber aufgrund dessen was ich bisher gelesen habe eher nicht. In solchen Fällen ist dann ja so, dass der Partner sozusagen sein "Betreuungsobjekt" verliert, ums mal salopp auszudrücken. Co-Abhängigkeit ist ja ebenfalls eine psychische Erkrankung die auch nicht einfach zu behandeln ist.

    Zitat

    Wie ist das mit der körperlichen Abhängigkeit genau?


    Naja, es ist ja oft so, dass Menschen (die nicht so viel Ahnung von der Sucht haben) denken, wenn man mal diese körperlichen Symptome überwunden hat, dann ist das Gröbste überstanden. Du hast schon einige Symptome einer körperlichen Abhängigkeit genannt. Also starkes Schwitzen und Zittern sind ganz klassische. Das kann sich aber noch deutlich steigern. Du hast ja sicher schon von den "weißen Mäusen" gehört, die Menschen plötzlich sehen. Letztlich geht es um Delir, um Krampfanfälle und all das kann in schlimmen Fällen auch zum Tode führen. Deshalb ist es auch immer ratsam niemals ohne ärztliche Begleitung zu entziehen. Der Arzt kann dann entscheiden, ob man zuhause (z. B. auch mit Hilfe von Medikamenten) oder in einer Klinik unter ständiger Aufsicht entziehen sollte.

    Bei Deiner Frau scheinen ja nun keine Symptome vorhanden zu sein. Was aber eben nicht bedeutet, dass sie deshalb ein kleineres Problem hat. Denn die körperliche Abhängigkeit folgt in aller Regel erst deutlich nach der psychischen. Wobei es meines Wissens jetzt keine Rechenformel dazu gibt, wie lange und wieviel jemand trinken muss, bis er körperlich abhänig wird bzw. wie schnell er dann körperlich abhängig wird. Im übrigen gibt es das für die eigentliche Sucht, also die psychische Abhängigkeit auch nicht. Es gibt ja auch Menschen, die trinken jahrelang täglich eine große Menge Alkohol und sind trotzdem nicht süchtig, sie betreiben "lediglich" Missbrauch. Andere wiederum trinken ein paar Monate regelmäßig zu viel und sind bereits abhängig.

    Das macht die ganze Geschichte ja so verdammt gefährlich.

    Zitat

    Sie hat mich in auch in dem Glauben mit der Stoffwechselerkrankung gelassen, indem sie kein Wort über den Wein verloren hat - aber den trank sie täglich, und viel davon.


    Weißt Du, ich habe mich im nachhinein immer gefragt, wie meine Frau nicht merken konnte, dass ich trank. Zum Ende hin trank ich ja mindestens 10 Bier am Tag und das reichte meist gar nicht aus. Es kam oft noch Wein obendrauf. Ich muss also gestunken haben wie eine Suffkneipe. Man sagt ja immer, jeder wüsste längst das man trinkt nur man selbst meint das es keiner mitbekommt. Aber das war bei mir wirklich nicht der Fall und ich musste meine Frau bei meinem Outing erst davon überzeugen, dass ich wirklich Alkoholiker war, Indem ich ihr all meine geheimen Alkoholverstecke in Haus, Garten, Auto und sogar der näheren nachberschaftlichen Umgebung gezeigt habe. Alle prall gefüllt mit Bier und Wein.

    Klar, man ist als Alki ein super Blender und Täuscher, man ist ein begnadeter Lügner, ein super Betrüger. Und man hat so seine "Tricks". Die letzten Jahre z. B. schliefen meine Frau und ich größtenteils getrennt, es lief ja auch "nicht mehr so gut". Was für mich natürlch super war, denn dann konnte ich in meinem Zimmer ungestört vor mich hinstinken. Dann wird man auch ein Meister im Bezug auf die Beschaffungs- und Entsorgungslogistik. Du kannst Dir vorstellen, dass all meine Bier- und Weinflaschen ja besorgt und entsorgt werden mussten. Heimlich, wohlgemerkt! Ich gebe zu, dass das zum Ende hin mit der größte Stress am Trinken war. Aber ich bekam es bis zum Schluss hin, ohne dass jemand etwas merkte. Längst trank ich das billig Bier aus Plastikflaschen, allein schon deshalb weil diese nicht klirrten, wenn ich sie in meinem Rucksack stopfte oder wenn sie im Reserveradkasten des Autos transportiert wurden (blöd wäre es gewesen, wenn ich tatsächlich mal ne Reifenpanne gehabt hätte, das Reserverad hatte ich aus Platzgründen natürlich "entsorgt"). Du merkst, es gibt nichts was es nicht und es ist unglaublich wie "kreativ" Alkoholiker werden können, wenn es ums trinken geht.

    Zitat

    Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob man von so einer Art "Schweregrad" sprechen kann, und ob sich das auf die Chancen auswirkt, davon weg zu kommen. Wie siehst Du das?


    Diese Frage kann ich gar nicht so einfach beantworten. Grundsätzlich denke ich: je früher weg von dem Zeug, desto besser. Die Praxis lehrt aber, dass viele Alkoholiker genau das nicht schaffen. Eben weil scheinbar der Leidensdruck noch nicht groß genug ist. Man spricht hier auch davon, dass ein Alkoholiker erst seinen "persönlichen Tiefpunkt" erreicht haben muss, bevor er es wirklich schaffen kann. Nun, wie der Name schon sagt, ist dieser Tiefpunkt ein sehr persönlicher. Beim einen "reicht" der Verlust des Führerscheins, beim anderen die Tatsache, dass er im Job darauf angesprochen wurde und wieder andere mussen erst Familie und ihr gesamtes Umfeld verlieren.

    Leider ist es auch so, dass die meisten Alkoholiker diesen Tiefpunkt überhaupt nicht erreichen oder er sie nicht dazu bringt mit dem Trinken aufzuhören. Das muss man leider auch als Realität so anerkennen. Denn es sind die deutlch wenigeren von den Süchtigen, die es überhaupt versuchen von dem Zeug weg zu kommen, also ernsthaft versuchen meine ich, nicht nur mal eine Trinkpause einlegen. Und von denen die es versuchen, sind es ja auch nicht so viele, die es dann dauerhauft schafften. Hier gibt ja auch eine hohe Rückfallquote. Somit ist es meiner Meinung nach so, dass dieser persönliche Tiefpunkt sicher ein wichtiger Auslöser sein kann von der Sucht weg zu wollen, jedoch kein Garant dafür es auch zu schaffen.

    Übrigens gibt es auch einige, bei denen es einfach "Klick" gemacht hat. Zumindest beschreiben diese Menschen es so. Sie wussten plötzlich: Jetzt will ich nicht mehr, oft auch ohne dass ein akut negatives Erlebnis unmittelbar vorher als Auslöser gelten kann. So war es dann letztlich auch bei mir, nachdem ich vorher über Jahre hinweg immer wieder versucht hatte, irgendwie aufzuhören.

    Es geht also darum, dass der Trinker es von sich aus möchte! Dass er erkennt, dass ein Leben ohne Alkohol ein besseres ist. Das er den Sinn seines Lebens erkennt und weiß, dass ihn der Alkohol beim Erreichen seiner Ziele niemals eine Hilfe sein kann sondern immer das Gegenteil. Natürlich geht es ganz am Anfang erst mal einfach nur darum nicht mehr zu trinken. Dabei ist es oft auch hilfreich, wenn man sich all die negativen Erlebnisse mit Alkohol vor Augen hält, immer und immer wieder. Sich immer wieder aufzeigt, was passieren würde, wenn man wieder zur Flasche greift usw. Auf die Länge hin gesehen, wenn man denn eine zufriedene Abstinent erreichen möchte, brauchts dann aber m. E. nach mehr. Eben das Bewusstsein, wie überflüssig und sinnfrei Alkohol für ein zufriedenes Leben eigentlich ist. Und dann will man ihn gar nicht mehr trinken und man vermisst ihn auch nicht mehr. Meine Erfahrung.

    Zitat

    die Art, wie im Elternhaus mit Problemen umgegangen wurde - nämlich: nicht, nur irgendwie übertünchen, bevor das noch jemand mitbekommt,


    Tja, da könnte ich jetzt fast sagen: Bingo - genau so war es bei mir auch. Das war einer der von mir "entdeckten" Gründe, weshalb ich zum Alkohol griff. In meiner Familie gab es keine Probleme, besser: es hatte keine zu geben. So kannte ich das von Klein auf. Es wurde weder über Probleme noch über Gefühle diskutiert. Alles was nicht real greifbar war (wie z. B. Gefühle, psychische Probleme, etc.) existierte auch nicht bzw. wurde nur mit Unverständnis zur Kenntnis genommen. Ich habe nicht gelernt Probleme als solche zu akzeptieren und diese dann auch entsprechend zu behandeln und zu lösen. Sie wurden weg geschoben, ignoriert oder klein geredet. Und wurden dann langsam (weil ungelöst) immer größer und größer. Aber der Alkohol half dann natürlich ganz prima, sie wieder klein und lächerlich erscheinen zu lassen. Zumindest temporär.....

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    Vielleicht bin ich da auch gar nicht der Richtige, um das herauszufinden, sondern ein Psychologe, oder auch ein anderer, Außenstehender


    Hierzu habe ich eine ganz persönliche Meinung, die aber natürlich kein Anrecht auf Richtigkeit hat. Ich bin immer der Meinung gewesen, dass meine Frau nicht gleichzeitig meine Psychologin sein kann. Auch nicht sein darf, denn das ist auch ihr gegenüber nicht fair und es kann schnell überfordern. Selbstverständlich kennt meine Frau meine Geschichte, sie weiß um meine Sucht genau Bescheid und wir sprechen immer wieder mal über dieses Thema. Als ich sie kennenlernte war ich noch mit vielen Baustellen beschäftigt. Vor allem meine Schuld belastete mich enorm. Ich hätte mir nie vorstellen können, ihr das alles "reinzudrücken". Ich dachte mir immer: Es hat schon seine Berechtigung, dass es da Menschen gibt, die psychologie studiert haben und das alles richtig gelernt haben und täglich damit Erfahrungen sammeln. So sehe ich das auch heute noch.

    Wobei ich heute auch sage: Ein guter Freund, kann ebenfalls ein wunderbarer Ansprechpartner sein, so erlebte ich es jedenfalls. Und bei mir war es ja dann letztlich ein Mönch, der mir wirklich am allermeisten bei meinem Weg zurück ins Leben geholfen hat. Aber es waren eben immer außenstehende Menschen gewesen. Aber eben auch solche, denen ich vertrauen konnte, denen ich mich öffnen konnte. Und das ist halt die Herausforderung, so denke ich. Also diese Menschen finden. Eben den richtigen Psychologen z. B. Meiner war damals auch nicht der Richtige, deshalb suchte ich ja weiter und traf auf diesen Mönch.

    Also, Du merkst sicher: einen Königsweg gibt es nicht und ehrlich gesagt: Eigentlich müsste das alles hier Deine Frau lesen. Für sie wären das alles wichtige und vielleicht hilfreiche Information. Dir können sie sicher helfen, als nicht Süchtiger das alles ein wenig besser zu verstehen oder nachvollziehen zu können. Aber letztlich liegt alles allein in den Händen Deiner Frau. zumindest was die Überwindung ihrer Sucht betrifft. Du selbst hast hier nur eine Nebenrolle, kannst Unterstützen wenn Du das möchtest und musst gleichzeitig aber höllisch aufpassen, dass Du Dein eigenes Leben nicht durch die Sucht Deiner Frau zu stark negativ beeinflussen lässt. Was natürlich alles andere als einfach ist, das ist mir schon klar. Aber letztlich kannst Du nur auf Dich schauen und Dinge für Dich verändern. Während Deine Frau ihr Leben verändern kann, wenn sie es denn möchte. Denn wenn sie weiter trinken will, dann wirst Du machtlos sein und kannst nur Deine Konsequenzen ziehen.

    Alles alles Gute und bis bald mal.

    LG
    gerchla

    Hallo Thomas,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr.

    Habe ich das jetzt richtig verstanden: Du trinkst seit 2015 (in etwa) einmal in der Woche, immer freitags, 1-2 Piccolo und sonst überhaupt nichts?

    Phuuuu, das machst Du dann ja jetzt schon seit 4 Jahren so. Keine Steigerung? Keine Ausnahmen wo's doch mal mehr wurde? Kein Verlangen, nach den Piccolos gleich noch ne ganze Flasche Sekt folgen zu lassen?

    Die Fragen mögen Dir blöd erscheinen aber das was Du da über Dein Trinkverhalten schreibst, ist für mich nicht alltäglich. Würde man jetzt mal ganz neutral, ohne Deine Suchtgeschichte, darauf blicken, dann stellt das ja ein gänzlich unkritisches Trinkverhalten dar. Das einzige was spontan kritisch erscheint, ist die Tatsache, dass Du es heimlich machst, also Deiner Frau verheimlichst. Heimliches Trinken ist, wie wir ja wissen, ein Indikator für ein Suchtproblem. Wobei das Verheimlichen in Deinem Falle aus der Angst heraus zu kommen scheint, dass Deine Frau wiederum in die Angst verfallen könnte, Du hingest erneut an der Flasche.

    Lieg ich da richtig oder total falsch?

    Selbstveständlich, da gibt es nichts zu diskutieren, wäre es für Dich allerbesten, einfach auf diese zwei Piccolo zu verzichten und überhaupt gar keinen Alkohol mehr zu trinken. Warum Dir das nicht gelingt, kann ich Dir natürlich nicht beantworten. Denn wenn Du das seit Jahren machst und seit Jahren "nur" diesen kurzen "Flash" hast aber nicht nach einem längeren, häufigeren oder gar dauerhaften "Flash" gierst, dann lässt mich das schon einigermaßen ratlos zurück. Und Dich ja scheinbar auch. Denn ob Du jetzt diese 5 Minuten einmal die Woche hast oder nicht, im Grunde ist das doch völlig egal.

    Frage ist also: Was bringt Dir das? Und warum hast Du nach 4 Wochen ohne den freitäglichen Piccolo derartige Entzugsgedanken....?

    Also, meine Gedanken dazu:

    Das könnte eine hochgefährliche Geschichte für Dich sein. Zwar funktioniert es ja jetzt schon sehr lange so und das Niveau ist ja absolut im unkritischen Bereich. Jedoch sieht es ein wenig so aus, als würde sich da die Sucht auf niedrigster Flamme nebenher am Köcheln halten. Was Du ja aber auch so zu erkennen scheinst. Und die Sucht wartet wohl einfach nur ganz geduldig darauf, mal wieder richtig zuschlagen zu können. Sie wartet einfach darauf, dass sich bei Dir irgendwas tut. Da ist vieles denkbar, eine Reihe von schlechten Nachrichten die Dich ereilen, vielleicht mal größeren Ärger mit Deiner Frau, vielleicht gesundheitliche Probleme die Dich aus der Bahn werfen, etc. Die Sucht steht bereit, denn sie war / ist ja immer da und hat ihre kleinen Freitagstermine bei Dir.

    Wahrscheinlich nichts besonders spannendes was ich Dir da jetzt geschrieben haben. Das werden auch Deine Gedanken sein, sonst wärst Du ja nicht hier. Was tun, das ist die Frage.

    Ich würde Dir raten, offen mit Deiner Frau darüber zu sprechen. Gleich mal als ersten Schritt. Und ihr auch sagen, dass Du diesen einen (zwei) Piccolo nicht mehr trinken möchtest. Ich würde auch bei dieser geringen Menge das gleiche "Programm" durchziehen, dass ich bei der 10 oder 100 fachen Menge als angeraten empfinden würde. Denn es ist ja so: Nicht die Menge entscheidet ob man süchtig ist, sondern die Tatsache ob man trinken muss oder nicht. Und Du scheinst trinken zu müssen und hälst es nicht länger als 4 Wochen ohne aus.

    Also das ist für mich wirklich nicht alltäglich was Du schreibst. Aber ich finde es sehr gut, dass Du das ernst nimmst und etwas dagegen unternehmen möchtest. Vielleicht klappt es ja, wenn Du wirklich alle Register ziehst, so wie es eben bei 2 Flaschen Sekt pro Tag auch der Fall wäre. Und, vielleicht versuchst Du auch mal zu ergründen, warum Du die Leere spürst, diese Interessenlosigkeit, wie Du es selbst beschreibst. Darin könnte grundsätzlich ein Schlüssel für Dich liegen. Denn das scheinst Du ja dann durch Alkohol ändern zu wollen. Vielleicht ist da etwas grundsätzliches, dass an Deinem Leben für Dich nicht so richtig stimmt. Das Du dann aus dem durch die Sucht erlerntem Wissen mit Alkohol zu kompensieren versuchst. Wobei dann aber Dein Wille und Dein Verstand dafür sorgt, dass Du nach 2 Piccolo schluss machst und sozusagen über die Sucht siegt. Aber wie gesagt, damit köchelt sie eben so vor sich hin, die Sucht....

    Es müsste der Grund weg, weswegen Du meinst diese zwei Piccolo trinken zu müssen. Wenn Du den findest, ihn beseitigst oder Dir anderweitig "ein gutes Gefühl" verschaffen lernst, dann werden diese Piccolos Geschichte sein. Für mich waren damals die Beantwortung ganz grundsätzlich Fragen sehr wichtig. Das waren Fragen wie: wer bin ich und wer möchte ich eigentlich sein? Was erwarte ich (noch) von mir und meinem Leben? Was für ein Mensch möchte ich sein? Was ist der Sinn meines Lebens bzw. welchen Sinn möchte ich meinem Leben geben? Und: Was ist für mich eigentlich Glück? Wie muss mein Leben aussehen, dass ich sagen kann, ich führe ein glückliches Leben?

    Bei der Beantwortung dieser Fragen (und noch einiger mehr) wurde mir die Bedeutungslosigkeit des Alkohols immer wieder und immer deutlicher bewusst. Das war natürlich ein Prozess und es hat gedauert und ich habe mein "Ziele" auch immer wieder korrigiert. Aber alleine das darüber nachdenken, über solche Fragen, haben mir bewusst gemacht, dass mir bei keinem dieser Ziele der Alkohol in irgendeiner Form helfen kann, dass er mich im Gegenteil daran hindert sie zu erreichen. Dass er einfach nicht wichtig ist in meinem Leben. Und dann war jeglicher Wunsch Alkohol trinken zu wollen weg. Wirklich weg, auch in Ausnahmesituationen oder in Situationen, bei denen ich positive Erinnerungen bezüglich Alkohol habe ( die gibt es nämlich auch und gar nicht so wenige).

    Also, das waren jetzt mal meine Gedanken. Vielleicht ist was für Dich dabei.

    Allles Gute und ich wünsche Dir, dass Du einen Weg finden wirst.

    LG
    gerchla

    Hallo P.,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor, damit Du einen kleinen Eindruck davon bekommst, wer Dir hier schreibt:

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol. Davor trank ich weit über 10 Jahre abhängig. Die meiste Zeit davon trank ich heimlich und ich habe bis zum Ende funktioniert. Irgendwann war dann der Tag X erreicht und ich wusste plötzlich: Ich will nicht mehr. Ich outete mich meiner Frau und Familie gegenüber und habe seit diesem Moment keinen Tropfen Alkohol mehr zu mir genommen. Nebenbei erwähnt trennte ich mich kurz nach meinem Ausstieg von meiner Frau. Das war eine der schwersten, wohl aber auch wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben und es dauerte für mich sehr lange, bis ich meine Suchtgeschichte und vor allem auch die viele Schuld die ich in dieser Zeit auf mich geladen hatte, einigermaßen verbeitet hatte. Bleibt noch zu erwähnen, dass ich (damals) 2 Kinder hatte, was diese Trennung und die Folgen noch schwieriger für mich machte. Abrundend möchte ich Dir noch sagen, dass ich heute wieder verheiratet bin, ein weiteres wunderbares Kind habe (jetzt sind es also 3) und ein sehr glücklicher Mensch bin. Was ich damals eigentlich für absolut unmöglich gehalten habe (also jemals wieder ein glücklicher Mensch zu werden).

    So, das nur mal so als ganz grober Überblick für Dich.

    Meine Gedanken zu dem was Du geschrieben hast:

    Ich lese Dich als sehr reflektiert. Und als jemanden, der eine gute Erfahrung mit der menschlichen Psyche hat. Deine Einschätzung bezüglich der Sucht, also deren Macht, teile ich voll und ganz. Ein starker Wille ist gut und auch ein gute Voraussetzung zum Überwinden dieser Sucht, er reicht aber allein leider bei weitem nicht aus. Im Umkehrschluss wären ja dann all die vielen Süchtigen alles nur "willensschwache" Charaktere, die sich einfach hängen lassen. Wobei ich weiß, dass das in Teilen der Gesellschaft durchaus so gesehen wird. Diese Menschen haben aber keine Ahnung was diese psychische Erkrankung, eine Suchterkrankung, überhaupt bedeutet.

    Auf Deine Geschichte bezogen möchte ich sagen, dass ich denke, Du (ihr) habt gute Voraussetzungen es da heraus zu schaffen. Ich denke mal, Deine Frau ist ähnlich weit in ihrer Denkweise wie Du, denn sie teilt ja die Erfahrungen die Du hast mit Dir, also eben auch bezogen auf Eure Kinder. Auch sie wird wissen, dass sie ihre Sucht nicht einfach nur mit dem Willen besiegen kann. Damit weiß sie dann auch, dass "einfach nur nichts mehr trinken" auf Dauer nicht aussreichen wird.

    Erst mal nicht mehr trinken und hierfür vielleicht auch kämpfen zu müssen ist absolut ok, es ist der Beginn, den jeder Süchtige machen muss. Wenn die körperliche Abhängigkeit noch keine Rolle spielt, umso besser, wobei Du ja schon ganz richtig geschrieben hast, dass diese dann am Ende eher das kleinere Problem darstellt.

    Bleibt also die Psyche. Und da bin ich dann wieder bei meinem "Lieblingsthema", nämlich das Finden des Grundes weshalb man trinkt. Für mich war es damals von elementarer Bedeutung heraus zu finden, warum ich so in diese Sucht hinein rutschen konnte. Ich hatte nämlich objektiv gesehen absolut überhaupt keinen Grund mit dem Trinken zu beginnen. Ich meine, Du schreibst es von Deiner Seite her ja auch. Ihr habt ein gutes Leben, auch wenn ihr gemeinsm viel durchmachen musstet, was auch aber auch zusammen geschweißt hat. Wichtig ist, dass Eure Kinder ein normales Leben führen können, ihr seid ein gutes Team, ihr könntet also durchaus glücklich sein.

    Nun, bei mir war das so: Kindheit, Jugend, Schule, Ausbildung, Job, Karriere, alles bestens. Familie, alles bestens. Eine wunderbare Frau und wunderbare Kinder. Keine Krankheiten, keine Schicksalsschläge, kein finanziellen Probleme, weit und breit nichts wo man sagen könnte: "er wusste sich nicht anders zu helfen als zur Flasche zu greifen". Noch nicht mal ein saufendes Umfeld, das mich da schleichend mit hinein gezogen haben könnte, kann ich vorweisen. Trotzdem trank ich am Schluss die letzten 2 Jahre 10 - 12 Bier + ne Flasche Wein täglich, oder sogar manchmal noch mehr.

    Warum? Sicher war es am Ende dann die Sucht, die den Alkohol und auch immer mehr davon verlangte. Irgendwann war der eigentliche Grund dann nicht mehr entscheidend, denn ich hatte mir durch meine Sauferei so viele Probleme ans Bein getrunken, dass ich diese ohne Alkohol gar nicht mehr ertragen hätte. Aber hinein gerutscht bin ich eben ohne sichtbare Probleme. Warum?

    Darum ging es mir dann und ich fand diese Gründe dann auch. Dauerte ein Weilchen, also etwas ein Jahr bis ich so mit dem Gröbsten durch war. Auch weil ich anfangs immer nur "oberflächliche" Gründe finden konnte oder vielleicht sogar vorschob. Also die vielen Probleme, mein Doppelleben, der Stress der mir das alles bereitete etc. Was ich nicht sofort verstand, war, dass diese Dinge ja "nur" durch die Sucht selbst entstanden waren, es jedoch eben auch Gründe geben musste, warum ich ursprünglich überhaupt den Alkohol missbrauchte. Diese Gründe lagen dann viel tiefer, in meiner Kindheit. Die zu finden dauerte dann schon etwas aber hier entdeckte ich dann eben Verhaltensmuster, die ich schon immer hatte. Und die mich letztlich auch trinken ließen. Ich hatte übrigens immer Hilfe. Ganz am Anfang eine SHG, die ersten Monate. Dann ein Psychologe und am meisten half mir ein Mönch, eine Zufallsbekanntschaft, der sich bereit erklärt hatte, mich auf meinem Weg heraus aus der Sucht zu begleiten. Was im Übrigen nicht mit dem Glauben zu tun hatte, denn ich war zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich gläubig.

    Du merkst vielleicht, das war dann eher ein nicht so ganz konventioneller Weg, den ich da gegangen bin. Aber das war mir egal, denn ich wollte es schaffen und ich war bereit jedwede Hilfe anzunehmen. Und dieser Mönch z. B. erreichte mich (im Gegensatz zum Psychologen) menschlich voll und ganz und ich konnte ihm vertrauen und mit ihm zusammen meine ganzen "Baustellen" abarbeiten.

    Ich denke also, manchmal ist es auch ein wenig Glück ob man die richtigen Hilfsangebote, die richtigen Menschen findet und damit dann heraus kommt. Ich denke nämlich nicht, dass die vielen Alkoholiker die Scheitern und dann weiter trinken, weniger Willen gehabt haben als z. B. ich. Vielleicht hatten sie einfach nur weniger Glück, ich weiß es nicht.

    Insofern denke ich, dass es auch bei Deiner Frau irgendetwas geben muss, was sie in den Alkohol flüchten lässt. Vielleicht ist es jetzt die Sucht, weil diese sich längst manifestiert hat und eben ihren Tribut verlangt. Aber es müsste Gründe geben, weshalb sie sich ursprünglich der Wirkung des Alkohols bedient hat. Wenn sie diese finden kann, die wahren Gründe, nicht die oberflächlichen, dann kann sie Strategien entwickeln, die den Alkohol langfristig für sie absolut überflüssig machen. Ohne dass sie dann noch kämpfen muss sondern aus tiefer eigener Überzeugung heraus. So war es jedenfalls bei mir.

    Ich weiß nicht ob Dir mein Geschreibsel hier jetzt irgendwelche Denkanstösse liefert. Ich kann und will hier nur von meinen eigenen Erfahrungen schreiben und kann auch keine "so klappts bestimmt"-Tipps geben.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier um Forum und Deiner Frau, dass sie ihre Sucht überwinden kann. Alles alles Gute für Euch.

    LG
    gerchla