Beiträge von Gerchla

    Hallo Pyrophoric,

    noch ein paar Gedanken von mir.

    Voher ne' kurze Vorstellung: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker, habe über 10 Jahre getrunken und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Zitat

    Seht ihr das auch so ?
    Aber er wollte eben nicht gänzlich auf Alkohol verzichten und sagte das immer wieder.


    Es ist vollkommen richtig, dass Du Dich nicht täuschen lässt. Aus meiner Sicht gäbe es nur eine einzige Reaktion seinerseits, die Dich dazu bringen könnte, nochmal darüber nachzudenken ob Du dieser Beziehung doch noch eine Chance geben möchtest. Nämlich, wenn er von sich aus jetzt ernsthafte Maßnahmen zur Bekämpfung seiner Sucht unternehmen würde.

    Das würde bedeuten, dass er zum Arzt geht, dass er mit diesem offen über seine Situation spricht und mit ihm zusammen einen Maßnahmenplan entwickelt. Da ginge es dann z. B. darum, wie die Entgiftung ablaufen könnte und welche Maßnahmen im Anschlauss sinnvoll wären (also z. B. Therapie (ambulant oder stationär). Gleichzeitig könnte er noch eine Suchtberatung aufsuchen, die ihm ebenfalls beim Gestalten seiner Zukunft ohne Alkohol sehr hilfreich wäre. Und natürlich könnte er flankierend auch sofort in eine Selbsthilfegruppe gehen. Ich kenne einige, bei denen alleine dieser Schritt schon ausreichte um die Sucht zu überwinden. Für viele ist es aber auch eine wichtige, eine sehr wichtige Dauerprävention.

    Würde er das tun, also so wie ich das oben skizziert habe, dann könntest Du davon ausgehen, dass er es jetzt wirklich ernst meint. Was noch lange nicht bedeutet, dass es dann auch gut geht aber es wäre ein starkes Signal, dass er da weg will. Alles andere, dieses ganze Gelabere und Gefasel "ich muss es allein schaffen bla bla bla" kannst Du komplett in die Tonne treten. Für einen Alkoholiker zählt nur das Handeln, nichts anderes. Und das dann aber auich konsequent und dauerhaft. Sonst hat er keine Chance und auch wenn er das alles tut, sind die Chancen das er es auch schafft nicht so hoch. Aber es ist wenigstens eine realistische vorhanden.

    Wie gesagt, das wäre aus meiner Sicht der einzige Grund, wo Du darüber nachdenken könntest, ihn dann bei diesem Prozess zu begleiten. Ohne dass von Deinre Seite aus dazu irgendeine "Verpflichtung" bestehen würde. Denn auch dieser Prozess kann sehr schwierig und langwierig sein. Und dieser Prozess würde auch von Dir einiges abverlangen und idealerweise würdest auch Du Dir zur Bewältigung dieses Prozesses externe Hilfe suchen. Dann da kämen dann einige große Veränderungen auf Dich zu.

    Aber, alles reine Spekulation. Denn was Du schreibst deutet darauf hin, dass nichts in diese Richtung passieren wird und dass das einzig Richtige für Dich ist, Dich um DEIN Leben zu kümmern. Und ihm seines zu lasen.

    Zitat

    Er weiß Bescheid, dass ich nicht ihn verlassen habe aber seine Sucht und den Mensch, den sie davon übrig gelassen hat (stets gereizt, gestresst, schlecht gelaunt, zickig, impulsiv) nicht mehr der, den ich kannte.


    Ich möchte Dir noch eines schreiben, auch aus eigener Erfahrung:
    Du darfst nicht davon ausgehen, dass Du den Mann zurück bekommst, den Du vor der Sucht gekannt hast oder der er vor der Sucht war. Würde er wirklich diesen Prozess des Überwindens seiner Sucht durchlaufen und erfolgreich abschließen, dann hättest Du aller Voraussicht nach einen anderen Menschen vor Dir. Einen Menschen, der eine wahnsinnig prägende Suchterfahrung hinter sich hat. Das kann gar nicht mehr der Mensch sein, der er ohne diese Erfahrung vorher gewesen ist. D. h. also, Du wirst dann auch "lernen" müssen, mit diesem "neuen" Menschen klar zu kommen. Ich möchte Dir sagen, dass ich einige Beispiele kenne, wo Beziehungen zerbrochen sind, nachdem der trinkende Partner trocken wurde (meine eigene eingeschlossen). Weil es einfach nicht mehr gepasst hat, weil in der Trinkerzeit bereits zu viel passiert war, weil der nicht trinkende Partner mit der Entwicklung des jetzt trockenen Partners nicht einverstanden war oder nicht mitgekommen ist. Es ist eben leider nicht so, dass dann er Alkohol weg ist und plötzlich ist alles wunderbar und rosarot. Es bedarf viel Arbeit von beiden Seiten um diese Beziehung dann weiter positiv führen zu können.

    ABER, und das möchte ich aus sagen, ich kenne auch einige Geschichten (und auch persönlich) und Beziehungen, die nach dem Ausstieg des trinkenden Partners aus der Sucht wieder gut und harmonisch verliefen. Alle (zumindest weiß ich das von denen mit denen ich sprechen konnte) hatten so ihre Schwierigkeiten, mussten sich anpassen, mussten miteinander "arbeiten", sich teilweise neu kennenlernen. Und haben aber heute funktionierende Beziehungen, teilweise auch sehr glückliche Beziehungen (soweit ich das beurteilen kann), weil sie die Erkenntnisse dieser schlimmen Zeit dafür nutzen es jetzt besser zu machen.

    Jetzt habe ich wieder viel zu viel geschrieben. Wenn ich ehrlich bin, dann denke ich einfach nur, dass Du gut daran tust, Dich von Deinem Mann zu lösen und Dein eigenes Leben aufzubauen. So schwer Dir das jetzt auch erst mal fallen mag. Lass ihm sein Leben, lass ihm sein Trinken, soll er trinken wenn er das möchte. Er allein entscheidet darüber. Auch wenn es schwer zu verstehen ist, aber akzeptiere, dass Du keinerlei Handhabe hast ihn vom Trinken wegzubringen, wenn er das nicht möchte. Was aber natürlich im Gegezug auch ganz klar macht, dass Du keinesfalls, also NIEMALS, in irgendeiner Form schuld an seiner Trinkerei hast, egal was sein alkoholkrankes Hirn sich ausdenkt und er Dir dann vorwirft. Er trinkt selbst, Du fessest ihn nicht und flösst ihm das Zeug ein.

    Löse Dich und pass auf, dass Du da nicht tiefer in eine Co-Abhängkeit rutscht. Du hast Dich ja schon auf den Weg gemacht und das ist auch absolut richtig. Lass Dich nicht beirren, gehe diesen Weg weiter. Dann wird auch der Tag kommen, an dem Du wieder glücklich sein kannst.

    Alles alles Gute wünsche ich Dir und dass Du Dich richtigen Entscheidungen für Dich triffst.

    LG
    gerchla

    Hallo Mami1917,

    noch ein paar Gedanken von mir zu Deinen Zeilen:

    Zitat

    Davon völlig überrumpelt habe ich erstmal sehr wenig/ selten getrunken und das Thema weggeschoben.


    Das zeigt Dir recht gut, wie mächtig diese Sucht eigentlich ist. Denn Du hättest ja auch komplett aufhören können. Ich meine, das ist ja schon ein Schuss vor dem Bug, wenn der Arzt mal schnell eine zweiwöchige stationäre Entgiftung als sinnvoll erachtet. Das heißt ja überstetzt nicht anderes als: Da ist nichts mehr mit "einfach mal ein bisl weniger trinken" sondern da liegt dann wohl eine Suchterkrankung vor. Ich kann gut nachvollziehen, dass Dich das geschockt hat. Wäre mir sicher nicht anders gegangen, hätte mir das ein Arzt am Anfang oder auch noch in der Mitte rmeiner Suchtkarriere gesagt (später war dann sogar mir klar, dass ich süchtig bin und es wäre keine Überraschung mehr gewesen).

    Trotzdem hat es nicht ausgereicht um Dich dazu zu bewegen, komplett auszusteigen. Oder auch andere Maßnahmen zu ergreifen um aus der Sucht heraus zu kommen. Du hast das getan, was ganz viele, ich möchte sagen, die meisten oder fast alle tun, wenn sie merken: da stimmt was nicht, ich glaube ich trinke zu viel. Nämlich reduzieren oder auch erst mal gar nichts mehr trinken. Nun ist das sicher erst mal nicht das schlechteste aber die Erfahrung zeigt leider auch, dass "einfach nur" nichts mehr trinken i. d. R. nicht ausreicht.

    Denn wenn man bereits süchtig ist, dann hat man diese Sucht immer im Nacken. Sie versucht ständig und immer sich in Position zu bringen. Immer wieder klopft sie an, immer wieder muss man sie dann mit Verstand bekämpfen. Und da kann man sehr viele Kämpfe gewinnen. Aber wenn man auch nur einen einzigen verliert, weil die Sucht mal wieder besonders perfide vorgegangen ist, dann hat man den ganzen Krieg verloren. Auch wenn man vorher 100 Siege eingefahren hat. Deshalb muss das Ziel immer sein nicht mehr kämpfen zu müssen. Und dieses Ziel erreicht man nicht, wenn man einfach nicht mehr trinkt. Man erreicht es, wenn man sich mit seiner Krankheit auseinander setzt, wenn man die Sucht aufarbeitet, wenn man lernt warum und wann man trinken will und was man dagegen tun kann. Wenn man lernt und erkennt, wie sinnlos Alkohol eigentlich ist und wie er einem nie zu irgendwas nütze sein kann. Dass er immer nur temporär blenden kann, das eigentliche Problem aber niemals lösen wird.

    Zitat

    Auch wenn ich die typischen Sorgen habe (was wenn mich einer kennt, wer sitzt sonst dort). Vielleicht wäre das als erster Schritt für mein Empfinden am sinnvollsten.


    Ich finde es gut, dass Du das als eine Maßnahme für Dich siehst. Das war auch meiner erster Gang, nachdem ich gerade mal 24 h ohne Alkohol war. Und es hat mir Anfangs sehr geholfen. Und was Deine Sorgen betrifft: ganz normal, dass man sich solche Gedanken macht. Aber wenn Du da etwas genauer nachdenkst: meinst Du jemand der da drinnen sitzt und Dich kennt würde mit dem Finger auf Dich zeigen? Der sitzt doch selbst da drin! Solche SHG sind meiner Erfahrung nach eine Gruppe von Menschen, die sehr verschwiegen sind, die genau wissen um was es geht, die großen Respekt vor dem anderen haben und die nicht raus gehen um zu tratschen. Ich habe das bei meiner Gruppe so erlebt und ich habe noch niemanden gesprochen, der mir erzählt hätte, dass man in seiner Gruppe irgendwas nach außen geplappert hätte. Sei unbesorgt, gehe einfach hin und finde heraus ob dieses Format etwas für Dich ist.

    Ich kanns nur nochmal sagen: Steh auf und nimm Dein Leben wieder in Deine eigenen Hände. Überlasse es nicht dem Alkohol. Er wird Dir niemals helfen, auch wenn er Dir das durch die kurzen Auszeiten die er Dir verschafft, suggeriert. Die Realität verschwindet deswegen nicht, sie wird nur kurz ausgeblendet. Aber sie ist immer da. Und die Sucht manifestiert sich nebenher immer mehr und irgendwann bist Du dann so tief drinn, dass es richtig schlimm wird. Du kannst es hier zahlreich nachlesen. Also hab keine Angst, gehe es an, in Deinem Tempo aber unbedingt konsequent.

    Und dann wirst Du hier irgendwann zu jenen gehören, die über ihr neues, schönes Leben ohne Alkohol berichten!

    LG
    gerchla

    Hallo Mami1719,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und Vater von 3 Kindern. 2 von meinen Kindern "durften" meine aktive Alkoholikerzeit und vor allem auch die Folgen nach Beendigung dieser Zeit miterleben. Ich habe weit über 10 Jahre abhängig getrunken, etwa 8 - 10 Jahre davon komplett heimlich. Also so, dass meine Familie nichts davon mitbekommen hat.

    Und weil ja nun schon eine Diskussion über genau dieses Thema - was bekommen Kinder eigentlich mit und was nicht - entstanden ist, will ich hier mal kurz meine Erfahrungen mitteilen.

    Ich kann aus meinen Erfahrungen sagen, dass ich wohl zu den eher wenigeren gehöre, die es scheinbar tatsächlich "geschafft" haben, ihre Sucht weitesgehend vor der eigenen Familie zu verheimlichen. Ich kann das deshalb so sagen, weil meine Frau mir das im Nachhinein sozusagen bestätigt hat. Sie hätte mir das niemals abgenommen (ich habe mich bei ihr geoutet als ich ausgestiegen bin), wenn ich ihr nicht gleich all meine Alkoholvorräte und Geheimverstecke gezeigt hätte. Es ist also offenbar tatsächlich möglich, unter bestimmten Voraussetzugen, diese Sucht weitesgehend geheim zu halten. Wenngleich es i. d. R. so ist, dass der Alkoholiker zwar meint keiner bekommt es mit, das Umfeld aber längst weiß, was eigentlich Sache ist. So ist es meistens, bei mir war es scheinbar anders.

    ABER: Das bedeudet nicht, dass meine Familie deshalb nicht unter meiner Sucht gelitten hätte. Denn ich hatte natürlich alle Anzeichen, alle typischen Verhaltensweisen, alle Wesensveränderungen die so eine Sucht mit sich bringen bei mir zu verzeichnen. Meine Familie wusste "nur" nicht, dass es vom Alkohol kommt. Alleine die Tatsache, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt meiner Sucht nichts wichtiger war als der Alkohol und sich alles in meinem Leben nur um Be- und Entsorgung dieses Zeugs drehte, war enorm belastend für meine Familie. Denn ich war eigentlich nie wirklich da. Zwar körperlich, jedoch nicht geistig. Über Jahre hinweg hatte meine Frau einen Partner, der überhaupt keiner war. Und meine Kinder einen Vater, der krampfhaft versuchte eine besonders guter Vater zu sein um sein schlechtes Gewissen bezüglich seiner Sauferei unter Kontrolle zu halten.

    Ich habe mir immer gesagt: Meine Kinder bekommen nichts mit, für meine Kinder nehme ich mir immer Zeit, meine Kinder liebe ich über alles. Aber..... das war nur teilweise so. Denn die Sucht fordert einfach ihr Tribut. Und je tiefer man drin steckt, desto weniger realisiert man das. Desto mehr verabschiedet man sich in eine Scheinwelt, die überhaupt nicht existiert. Man macht sich Dinge vor, redet sich Dinge schön, und wenn es einem dann doch mal bewusst wird, dass es evtl. doch nicht so toll sein könnte, dann spült man es mit etwas Alkohol sofort weg. So jedenfalls bei mir.

    Du kannst also sicher sein, selbst wenn Deine Kinder noch ganz klein sind, selbst wenn Du Dich super im Griff hast: Deine Kinder bekommen mit, das etwas nicht stimmt. Das wusste auch meine und das haben sie mir im Nachhinein auch gesagt. Und sie machen sich genau deshalb sehr große Sorgen, sie leiden, sie wissen nicht, was eigentlich los ist. Und übrigens: nicht das Du denkst ich hätte die ganze Zeit mit meiner Frau gestritten oder so. Nein, es waren die kleinen Situationen, es waren meine geistigen Aussetzer, es war meine geistige Abwesendheit, die sie belastet haben. Sehr belastet haben.

    Zum Ende hin, dann natürlich ganz massive Erlebnisse. Lügerein von mir, die immer häufiger raus kamen. Eine Ehe, die immer mehr kaputt ging und niemand wusste so genau weshalb, etc. Aber da hast Du ja noch etwas Zeit. Kommt aber i. d. R. automatisch, wenn man weiter trinkt.

    Ich kann Dich nur dazu animieren etwas gegen Deine Sucht zu unternehmen. Sofort und gleich unter zu Hilfe nahme aller Hilfsangebote die Du finden kannst. Es wäre fatal, wenn Du diese Sucht unterschätzt, wenn Du so Dinge glauben würdest wie "da komm ich schon selbst irgendwie wieder raus". Nimm Dir alle Hilfe die Du bekommst und steh auf und kämpfe. Auch dann ist es noch schwer genug und viele scheitern, leider. Geh zum Arzt, geh zur Suchtberatung, mach mit diesen Menschen einen Plan und ordne jetzt erst mal alles dem Ziel unter vom Alkohol wegzukommen.

    Deine Kinder, Dein Mann werden Dir dankbar sein. Und am Ende auch Du selbst. Übrigens: bei allem Geheimhalten kam dann bei mir (glücklicherweise) der Tag, wo ich es meiner Frau und meinen Kindern sagen "musste" bzw. freiwillig gesagt habe. Spätestens dann zerstörst Du eine heile Welt. Bei mir war das dann ein Totalschaden. Also zieh die Reißleine solange Du noch kannst, zieh sie so früh wie möglich.

    Alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Outdoor,

    ich hab' eben den Dialog zwischen Dir und Susanne nachgelesen. Susanne hat Dir ja ganz deutlich geschrieben wie das bei ihr damals war. Welche Bedeutung der Alkohol für sie hatte. Daran siehst Du sehr gut, wie mächtig das Zeug ist, wie verdammt stark diese Sucht ist. Und wenn ich Dich so lese, dann habe ich das Gefühl, Du bist gerade dabei Dich in die Sucht Deiner Partnerin mit hinein ziehen zu lassen.

    Was ich damit sagen will: Es sollte hier eigentlich nicht darum gehen, was Du für Deine Partnerin tun könntest. Auch wenn das natürlich bei Angehörigen meist die erste und dringendste Frage ist, was ich auch nachvollziehen kann. Man will ja helfen und man versteht einfach nicht, dass der alkoholkranke Partner sich so verhält. Er/Sie müsste doch einfach weniger trinken und schon wäre alles gut....

    Nun, Du hast hier ja deutlich lesen können, dass genau das nicht funktioniert. Und dass Du da auch (fast)nichts machen kannst. Somit sollte es hier nur darum gehen, wie DU mit dieser Situation umgehen kannst. Es sollte hier darum gehen was DU für DICH tun kannst. Die Gedanken, die Du Dir um Deine Partnerin machst in allen Ehren, aber Du solltest Dir besser Gedanken um DICH und DEIN Leben machen. Für das bist Du nämlich verantwortlich. Genau wie Deine Partnerin ganz allein für ihres verantwortlich ist.

    Ich kann es deshalb nur wiederholen: Definiere DEINE Spielregeln, setze DEINE Grenzen und mache ganz deutlich, welche Konsequenzen Du bei Überschreitung dieser Grenzen ziehst (das ist zugleich aus das "wenige", was Du für sie tun kannst in der Hoffnung, das es sie erreicht). Und wenn die Grenzen von ihr überschritten werden, dann ziehe diese Konsequenzen auch, sonst wird das ganze eine lange lange Leidensgeschichte werden. Und: Wenn Du überfordert bist mit dieser Situation, was ich sehr gut verstehen könnte, dann such' Dir doch noch andere Hilfe. Über dieses Forum hinaus. Gehe doch mal zur Suchtberatung, die ist auch für Angehörige offen. Wichtig ist, dass Du bei allem was Du tust DICH im Fokus hast.

    Das wollte ich Dir noch schreiben. Meine besten Wünsche begleiten Dich.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Outdoor,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Auch wenn der Anlass sich hier anzumelden meist kein schöner ist.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr.

    Ich will Dir nur ein paar Gedanken von mir hier lassen. Ich versuche es kurz zu halten.

    So wie Du die Situation mit Deiner Partnerin beschreibst scheint eine Alkoholabhängigkeit wahrscheinlich zu sein. Darüber hinaus scheint sie noch ein gutes Stück davon entfernt zu sein, den Ernst ihrer eigenen Situation richtig zu erfassen. Alles was Du von ihr bisher erhalten hast sind Lippenbekenntnisse. Das ist für nasse Alkoholiker, die auf ihr Trinkverhalten angesprochen werden, eine recht typische Reaktion. Je nachdem wie man so gestrikt ist oder wie man gerade glaubt, dass es gut wäre zu reagieren, reagiert man eben. Das kann so sein, dass man emotional eingesteht, dass man schon zuviel trinkt um dann aber auch gleich ein paar Gründe zu liefern warum das so ist und dass man das dann schon wieder in den Griff bekommt. Andere werde aggressiv, streiten alles ab, verharmlosen extrem, ziehen vergleiche zu anderen, die ja noch viel mehr trinken, etc. Die Palette ist das sehr vielfältig.

    Ich würde in Deinem Fall auch nicht darauf vertrauen, dass Du auch nur annähernd weißt, was Deine Partnerin tatsächlich konsumiert. Du hast da ja einige Vermutungen geäußert, wie oft und wie viel sie trinkt. Vergiss es einfach. Erstens sind Alkoholiker begnadete Lügner, sie sind Meister im Tarnen und Täuschen und zweitens ist das auch überhaupt nicht wichtig. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich trank selbst um die 10 Jahre heimlich, weder meine Frau noch meine sonstige Familie wussten, warum ich mich so verändert hatte. Wichtig für Dich ist nur, dass sie trinkt und dass Du damit absolut nicht einverstanden bist.

    Und wie Du hier ja schon mitbekommen hast, kannst Du an dieser Situation nichts ändern. Deine Partnerin allein entscheidet darüber, ob sie weiter trinkt oder nicht. Du bist nur ein Statist mit einer kleinen Nebenrolle. Ob Du vielleicht doch eine wichtigere Rolle hast, wie viel Bedeutung Du für ihr Leben tatsächlich hast, das findest Du nur dann heraus, wenn Du für Dich festlegst, ab wenn für Dich das Maß voll ist.

    Und das ist dann auch erst mal das Einzige was Du tun kannst. Sie ansprechen, ihr mitteilen was DU möchtest und ab wann DU Konsequenzen ziehen wirst. Die letzte Konsequenz wäre dann eine Trennung. Es passiert durchaus, dass Alkoholiker, wenn sie sehen das der Partner tatsächlich konsequent handelt, sozuagen erst mal unter Druck beginnen etwas gegen ihre Sucht unternehmen. Das ist zwar nicht der Idealfall (denn ideal wäre es, wenn der Alkoholiker von sich aus nicht mehr trinken will - da ist die Erfolgsqute am höchsten) aber es führt manchmal trotzdem zum Ziel. Ich kenne einige Geschichten, wo Alkoholiker aus Angst den Partner zu verlieren dann doch mal eine Therapie gemacht haben. Obwohl sie das eigentlich nicht wollten. Und wo sie dann im Laufe der Therapie gemerkt haben, wie weit sie eigentlich schon waren und wie schön es doch ist, von dem Zeug weg zu kommen.

    Ich kann Dir also nur raten auf Dich zu achten. Dein eigenes Leben nicht der Sucht Deiner Partnerin unterzuordnen. Denn wenn Du das tust, wenn Du Dich nicht abgrenzt und nicht ganz klar sagst: bis hierhin und nicht weiter - dann hast Du gute Chancen an ihrer Sucht mit unter zu gehen. Das kann dann eine sehr lange Leidensgeschichte werden, beiderseits.

    Das alles bedeutet übrigens nicht, dass Du sie nicht unterstützen kannst. Aber eben nur dann, wenn sie aktiv wird. Das sähe dann aus Sicht so aus: Sie geht zum Arzt und bespricht mit ihm/ihr den Entzug, sie geht zur Suchtberatung, sie legt mit Arzt / Suchtberatung / ihr weiteres Vorgehen fest. Sie macht z. B. eine ambulante oder Sationäre Therapie und sie besucht ggf. auch eine SHG. Es gibt viele Wege, sehr viele. Und sehr unterschiedliche. Sie beginnen alle mit dem ersten Schritt und sie können nur zu einem guten Ende führen, wenn nach dem ersten Schritt die weiteren Schritte konsequent gegagen werden. Alles andere, also Lippenbekenntnisse wie "ich bekomm das in den Griff", "nächste Woche mache ich dieses oder jenes", "wenn das und das vorbei ist dann höre ich auf" etc. kannst Du getrost vergessen. Dieser Weg aus der Sucht ist so oder so schwer genug, selbst wenn der Betroffene hochmotiviert ist. Wenn er aber gar nicht will und statt dessen nur nach Ausreden sucht, dann kann man ihn auch einfach weiter trinken lassen.

    Alles Gute für Dich und natürlich auch für Deine Partnerin.

    LG
    gerchla

    Hallo Schwänchen,

    ich weiß nicht, ob Du hier jetzt noch rein schaust, Dein letzter Post kllingt so, als würdest Du Dich hier jetzt erst mal zurück ziehen und abwarten, wie es dann weitergeht, nachdem der Termin bei der Suchtberatung war.

    Leider konnte ich aus diversen Gründen nicht früher in Deinen Thread schreiben und Du hast ja auch schon ganz viele sehr wertvolle Informationen von den anderen Schreibern hier erhalten. Trotzdem möchte ich Dir jetzt, auch wenn es spät ist, noch meine Geschichte und meine Gedanken schreiben. Ich mache das auch deshalb, weil ich glaube, dass mein "Fall", also meine Alkoholikerkarriere der Deines Mannes recht ähnlich ist. Und vielleicht ist in meiner Geschichte was für Dich dabei, dass Dir hilft Dein weiteres Vorgehen sozusagen zu "koordinieren" oder zu strukturieren.

    Ich stelle mich erst mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon recht lange ohne Alkohol. Vorher trank ich weit über 10 Jahre (die genauen Jahre kann ich nicht sagen, weil ich nicht genau weiß, wann es letztlich gekippt ist) abhängig und die meiste Zeit davon auch komplett heimlich. Ich hatte zu dieser Zeit Familie, also eine Frau und zwei Kinder. Meinem Großen hat meine Trinkerei quasi über seine komplette Schulzeit begleitet, meine Tochter "durfte" diese Zeit sozusagen von Geburt an bis ins Grundschulalter miterleben. Sie war 9 Jahre als, als ich mich outete. Ihre Geburt war der Grund für meine allererste und auch längste Trinkpause. Damals schaffte ich es, fast ein Jahr lang keinen Alkohol zu trinken.

    Zu meiner Geschichte: Erst mal will ich Dir sagen, dass ich objektiv gesehen keinen Grund zum Trinken hatte. Alles prima. Ich war gesund, hatte keine schlechte Kindheit oder Jugend, hatte keine Schicksalsschläge zu verkraften, hatte eine tolle Frau, tolle Kinder, super Job, keine größeren finanziellen Probleme, ein funktionierendes soziales Umfeld etc. Ich könnte noch einiges Positives aufzählen. Es begann auch alles ganz harmlos mit dem obligatorischen Feierabendbierchen.

    Irgendwann sprach mich meine Frau mal darauf an, ob ich wirklich jeden Abend ein Bier trinken muss. Natürlich nicht, sagte ich und stellte das erst mal ein. Mit den Wochen schlich sich dieses Bier aber dann wieder ein bis sie mich irgendwann wieder darauf ansprach. Wieder stellte ich es ein und wieder schlich es sich ein. So vergingen bestimmt 2 Jahre, wo sich dieses "Spielchen" immer wieder mal wiederholte. War es Anfangs noch recht einfach auf dieses Bier zu verzichten, so wurde es im Laufe der Zeit immer anstrengender, man könnte auch sagen: es nervte ein wenig immer so aufpassen "zu müssen". Dazu kam, dass ich ab und an auch die Gelegenheit hatte, in der Arbeit mit Kollegen mal ein Bier zu trinken, nach der Arbeit vor dem Nachhausegehen.

    Und so, man glaubt es kaum, war das Feierabendbierchen immer häufiger schon das 2. Bier des Tages. Irgendwann, relativ früh in meiner Karriere, kam dann schon der Punkt, wo ich nach einer neuerlichen Ansprache meiner Frau (wobei sie immer fair und sachlich war, nie irgendwie unter der Gürtellinie) dachte: Ich lass es jetzt einfach zuhause, aber ich kann ja ab und an einfach "so", also ohne dass sie es mitbekommt, ein Bier trinken.

    Damit begann das heimliche Trinken und das war dann auch die Zeit, also in diesen Anfangsjahren, wo ich wohl am häufigsten die Lüge "ich hab nur alkoholfreies Bier getrunken" verwendet habe. Denn am Anfang war ich noch kein Profi, was das Lügen, Betrügen, Tarnen und Täuschen betraf. Und so roch sie schon das ein oder andere mal das Bier und hat mich natürlich angesprochen. Aber, oh Wunder, sie schien mir immer zu glauben was ich ihr erzählt habe.

    Wenn Du jetzt denkst, wie mies ist das denn?, dann sage ich Dir: ja, das ist ziemlich mies, jedoch Universen von dem entfernt, was ich später noch alles getrieben habe. Das war mein noch ganz harmloser Einstieg in eine Welt von Lügen, von Betrügen, vom Abgleiten in eine Parallelwelt.

    Es kam dann wie es kommen musste: Die Menge steigerte sich, wobei ich die längste Zeit meiner Alkoholikerkarriere wohl auf dem Niveau 4 - 6 Bier pro Tag verbracht habe. Das waren einige Jahre. Da war für mich auch "noch alles in Ordnung", will sagen: Ich log und betrog bereits vor mich hin, es war aber alles noch nicht so unverzeihlich schlimm (wobei das natürlich definitiv eine Definitionssache ist und ich das jetzt nur so sage, weil ich es im Vergleich zu dem sehe, was später noch folgte). Also, ich lebte und trank so vor mich hin, komplett heimlich und funktionierte. Ich versuchte natürlich mehrmal weg zu kommen. Immer heimlich denn ich trank ja heimlich und da wäre das ja schon recht praktisch gewesen. Denn: was niemand weiß macht niemand heiß. Einfach aufhören und alles wäre gut geworden.

    Tja, nur hatte ich halt keine Ahnung, was Sucht eigentlich ist und was das bedeutet. Ich scheiterte also immer, wie gesagt, die längste Phase war nach der Geburt meiner Tochter. Spätere Trinkpausen waren mal ein paar Wochen lang, meist dann aber nur noch ein paar Tage, am Ende ging gar nichts mehr.

    Aber ich hatte noch alles im Griff zu dieser Zeit. Körperlich noch ok, psychisch naja - schon eher schlecht aber noch nicht total mies, und meinen Job etc. hatte ich noch voll im Griff. Soziales Umfeld funktionierte dank meiner Frau auch noch ganz gut.

    Dann begannen aber die letzten Jahre, die Mengen steigerten sich nochmal enorm, es ging hoch auf 10 Bier, auch 12. Plus Wein, wenn das nicht reichte. Alles heimlich wohlgemerkt. Du bist da also nicht allein und selbst ich frage mich heute, wie ich das überhaupt schaffen habe können. Also das Verheimlichen. Alleine die Be- und Entsorgungslogistkik war sozusagen eine "Meisterleistung", aber natürlich auch ein Megastress.

    In diesen Jahren änderte sich alles nochmal radikal zum Schlechteren. Ich bekam massive körperliche Probleme, ich nahm zu, wurde übergewichtig, viel schlimmer noch: ich wurde zum psychischen Wrack. Und ich begann in eine Parallelwelt abzugleiten, ich begann ein richtiges Doppelleben zu führen. Ich machte Dienstreisen die es nie gab. Dort konnte ich dann in Ruhe trinken. Ich hatte ein "Zimmer" das nur ich kannte (man kann auch sagen: ein Loch) und in dem ich Trinken konnte soviel und solange ich wollte. Ich will gar nicht schreiben was ich alles getan und getrieben habe, denn das würde den Rahmen sprengen. Ich kann Dir nur sagen: Als nicht süchtiger Mensch kann man sich das alles gar nicht vorstellen. Es sprengt sozusagen jeden Horizont, nur Menschen die das selbst erlebt haben können das nachvollziehen.

    Trotz alledem war ich immer bemüht ein guter Vater zu sein und ich versuchte auch, mein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Frau durch stark gesteigertes Engagement im Haushalt und co. zu verbessen. Ich putze, waschte, kochte, bügelte, ging Einkaufen etc. wie ein verrückter und wenn ich heute zurück blicke, mit sehr wenig Effizienz. Denn einerseits brauchte ich für alles locker die doppelte oder dreifache Zeit (daran war der Alkohol schuld) und andererseits war das eigentlich gar nicht das, was meine Frau wollte oder brauchte. Sie wollte einfach eine funktionierende Beziehung, einen Mann auf Augenhöhe, kein unzuverlässiges 3. Kind. Jemanden auf den sie sich verlassen konnte und nicht jemanden, der ständig weg war (siehe besagte Dienstreisen und noch andere Lügen), der auch geistig ständig weg war (weil er ja so einen verantwortungsvollen Job hatte, haha waren natürlich auch nur die Gedanken an Alkohol). Da sie ja aber nicht wusste, warum alles so anders war, als zum Anfang unserer Ehe, versuchte sie mehr oder weniger hilflos irgendwie diese Beziehung zu retten. Dabei war sie komplett chancenlos, denn niemand kann die Alkoholsucht besiegen. Nur der Süchtige selbst. Davon war ich aber Meilenweit entfernt.

    Am Tag X, wie ich ihn nenne, war es dann soweit. Wieder mal hat sie eine meiner ganz schlimmen Lügen aufgedeckt und stellte mich am Abend, nach der Arbeit, zur Rede. Ich weiß noch, dass ich zu dieser Zeit ausnahmsweise mal noch recht nüchtern war. Ich hatte, glaube ich, nur 3 oder 4 Bier getrunken. Auch dieses Mal wäre es mir sicher wieder gelungen, mich durch noch bessere und noch ausgefeiltere Lügen aus dieser Situation heraus zumanövrieren. Aber mit einem Mal wusste ich: Und jetzt ist schluss.

    Ich wusste es mit all der Konsequenzen. Ich wusste, wenn ich es ihr jetzt sage, dann werde ich ihr anschließend auch alle meine Lügen (dazu brauchte ich dann aber Wochen, es waren viele und es war enorm emotional und belastend) beichten. Ihre Welt wird pulverisiert, ihre Zukunftsplänte werden pulverisiert und auch für meine Kinder wird eine schöne heile Welt in sich zusammen brechen. Und natürlich auch meine Welt wird sich in ein Trümmerfeld verwanden. Nichts wird jemals wieder so sein wie es war. All der Schein, alle Pläne, einfach komplett alles wird kaputt sein. Es wird nichts übrig bleiben als der Trümmerhaufen einer damals fast 20-jährigen Beziehung.

    Trotzdem wusste ich: Es ist jetzt vorbei und ich will nie mehr wieder trinken. Und es kam, wie ich mir dachte. Es zerbrach alles. Erst mal musste ich meiner Frau noch all meine Alkoholverstecke zeigen, damit sie mir überhaupt glaubte was ich ihr erzählte. Dann kamen nach und nach all die Lebenslügen dran. Heimlich aufgelöste Altervorsorgen etc. waren da noch die harmlosen Dinge.

    Tja, und dann zog ich recht schnell aus und begann vom ersten Tag an, mich um Überwindung meiner Sucht zu kümmern. Und darüber wurde MIR dann klar, dass ich mit meiner Frau nicht zuletzt aufgrund dieses Vertrauensbruches den ICH ihr angetan hatte, nicht mehr zusammen leben konnte. Und ich trennte mich von ihr. Sie hätte unserer Beziehung (unter Umständen über die Du jetzt auch nachdenkst) durchaus noch eine Chance gegeben. Ich merkte relativ schnell, dass mich eine Weiterführung dieser Beziehung daran hindern würde, mein Leben ohne Alkohol zu führen.

    Ich versuche zu verkürzen, weil ich ja ohnehin schon eine Roman geschrieben habe und ich ja auch nicht weiß, ob Du überhaupt noch liest und ob Dich das interessiert. Im Detail war das keinesfalls eine Schnellschussentscheidung. Ich verlor damit ja auch erst mal meine Kinder, meine über alles geliebten Kinder. Doch ich war mir gan klar: Wenn ich trocken werden und bleiben will, dann muss ich mich trennen. Zu viel war passiert, zu sehr hatten wir uns auch in den Jahren der Sucht auseinander gelebt. Man kann auch sagen: Sie hat sich weiter entwickelt, ich mich gleichzeitig zurück oder einfach gar nicht.

    Meine Geschichte im Schnellformat, wobei ich Dir auch sagen möchte, dass ich heute wieder verheiratet bin, noch mal Papa wurde, eine Beziehung lebe, in der Lügen absolut tabu sind (Mininotlügen oder Höflichkeitslügen mal ausgenommen ;) ) und mittlerweile eine recht gute Beziehung zu meiner ersten Frau habe. So gut, dass wir über alles miteinander reden können, dass wir gemeinsam Entscheidungen (unsere Kinder betreffend) treffen können und so gut, dass ich sie immer Unterstütze, wenn sie mal Hilfe braucht. Ich bin heute ein sehr glücklicher Mensch, aber auch ein ganz anderer als ich damals war. Und auch ein ganz anderer als ich vor meiner Sucht war.

    Auf Deine Situation übertragen:

    Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich Dir nachempfinden kann. Wie sehr ich mir Deine Gefühlswelt vorstellen kann. Vertrauen ist meiner Meinung nach der wichtigste Baustein, der wirklich elementare Baustein einer guten Beziehung. Ist das nicht mehr vorhanden, dann ist die Beziehung nichts mehr wert.
    ABER: Wenn Dein Mann wirklich kapiert was Sache ist, wenn er wirklich etwas gegen sein Sucht unternehmen möchte und es dann auch ganz konsequent tut, dann hat Eure Beziehung auch noch eine Chance. Es kann sein, dass nicht mehr so wird wie vorher. Ich möchte sogar sagen: Es wird nie mehr so werden wie vorher. Aber es kann trotzdem gut werden.

    Doch es braucht viel Zeit. Du brauchst Zeit um das zu verabeiten, um klar zu kommen, um Deine Gefühle und Emotionen zu ordnen. Aber auch er braucht Zeit um sich mit seiner neuen Situation auseinader zu setzen. Wenn er es richtig angeht, dann wird er erst mal massiv (über Wochen und Monate) mit sich selbst beschäftigt sein. Er wird erst mal mühsam lernen müssen, wie ein Leben ohne Alkohol funktioniert und er wird wahrscheinlich gleichzeitig lernen müssen, mit seiner Schuld und seinen Schuldgefühlen umzugehen. Für mich waren meine Schuldgefühle z.B. das Allerschlimmste und ich wäre fast an ihnen zerbrochen. Aber egal, jetzt geht es nicht um mich.

    Wenn Du Dir vorstellen kannst den Weg weiter mit ihm zu gehen, dann hol Dir bitte unbedingt auch für Dich Hilfe. Lass Dich begleiten während Du ihn begleitest. Nicht nur er muss lernen mit der neuen Situation umzugehen, auch Du musst es (wenn Du an der Beziehung festhalten willst). Stelle Dich auch darauf ein, dass er ein anderer sein wird, wenn er da durch ist.

    Nicht wenige Beziehungen sind zerbrochen nachdem der trinkenden Part die Sucht überwunden hatte. Denn da gibt es dann neue Herausforderungen, da steht man oft auch vor einem "neuen" Menschen, muss als komplett "unschuldiger" und nicht süchtiger Mensch plötzlich trotzdem sein eigenes Handeln in dieser "neuen" Beziehung hintgerfragen. Aber zum Glück gibt es auch viele Beispiele, wo Paare wieder richtig zueinander gefunden haben, wo nach Überwindung der Sucht wieder ein gutes und harmonisches Miteinander möglich war. Wo wieder eine glückliche Beziehung entstand. Alle die ich gespochen habe haben mir aber erzählt, dass das kein Selbstläufer war. Es ist "Arbeit", aber die lohnt sich.

    Grundvoraussetzung aber ist: Dein Mann muss es wollen! Jetzt ist er in der Pflicht, jetzt muss er ran. Nur wenn er es wirklich angeht, mit allem drum und dran (da gehört dann übrigens das Outen z. B. bei seiner Familie oder bei guten Freunden auch dazu). Wenn er hier jetzt wieder einen Rückzieher macht, Dich hin hält, Termine verstreichen lässte, das ganze bagatellsiert und halt einfach nur redet aber nicht tut, dann kannst Du das alles als eine never ending story sehen. Und das wäre sicher weder für Dich noch für Euer Kind sonderlich zielführend.

    Was Du aber jetzt so über ihn schreibst klingt zumindest für mich nicht hoffnungslos. Es könnte sein, dass er den Gong gehört hat. In wieweit Du aber trotz seines Einsehens weiter mit ihm zusammen bleiben möchtest, dass ist allein Deine Entscheidung. Er hat's ja vergeigt, nicht Du. Vielleicht braucht es ja auch einfach erst mal Zeit, wo Du Abstand nimmst und er sich "beweist". Vielleicht ist es ihm dann möglich, wieder Vertrauen bei Dir aufzubauen. Das, so finde ich, ist eigentlich seine "Hauptaufgabe", die er aber erst richtig angehen kann, wenn seine Sucht zumindest mal grob überwunden hat. Und das braucht Zeit.

    Ich brauchte sehr lange, bis mir meine (jetzt Ex) Frau wieder vertrauen konnte. Zumindest in den Belangen, die wir dann noch miteinander zu klären, besprechen, etc hatten. Ich durfte z. B. auch sehr lange nicht mit meiner Tocher Auto fahren. Denn sie konnte ja nicht sicher sein, dass ich nüchtern war. Obwohl ich ja wusste, dass ich nichts mehr trank. Und so Geschichten wie Alkotester etc..... Naja, davon halte ich nicht so viel. Vielleicht ne gute Sache, wenn es darum geht den aktuellen Ist-Zustand (nüchtern oder nicht) zu ermitteln (also z. B. ob jemand beim Losfahren Null Promille hat). Wenn er jedoch dann um die Ecke ist und sich ein Bier öffnet, dann nützt der beste Tester nix. Und irgendwie ist das auf die Länge gesehen ja auch keine Basis für ein vertrauensvolles Zusammenleben, oder?

    Ohje, viel geschrieben.... Aber ich wollte einfach. Alles Gute Dir /Euch. Ich hoffe und wünsche Euch, dass Eure Beziehung eine Chance hat und dass er jetzt die richtigen Entscheidungen trifft. Und natürlich auch, dass Du die für Dich und Dein Kind richtigen Entscheidungen triffst. Alles alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Ina,

    ich finde es wirklich gut, dass Du Dir solche Gedanken machst. Das zeigt, wie bewusst Dir Deine Krankheit ist und wie erst Du sie nimmst.

    Meine Gedanken dazu:

    Erst mal kannst nur Du allein einschätzen, wo Du eigentlch genau stehst und wie gefestigt Du bereits bist. Wenn Du schon allein bei dem Gedanken daran, dass jemand aus dieser Wandergruppe am Abend ein Bier trinken könnte und Dich in geselliger Runde dazu auffordert, doch eines mitzutrinken in Panik versetzt, dann solltest Du es vielleicht lassen. Wenn Du aber ganz klar bist und genau weißt, dass Du niemals, also unter keinen Umständen, Alkohol trinken wirst,Hallo Ina,

    ich finde es wirklich gut, dass Du Dir solche Gedanken machst. Das zeigt, wie bewusst Dir Deine Krankheit ist und wie erst Du sie nimmst.

    Meine Gedanken dazu:

    Erst mal kannst nur Du allein einschätzen, wo Du eigentlch genau stehst und wie gefestigt Du bereits bist. Wenn Du schon allein bei dem Gedanken daran, dass jemand aus dieser Wandergruppe am Abend ein Bier trinken könnte und Dich in geselliger Runde dazu auffordert, doch eines mitzutrinken in Panik versetzt, dann solltest Du es vielleicht lassen. Wenn Du aber ganz klar bist und genau weißt, dass Du niemals, also unter keinen Umständen, Alkohol trinken wirst, dann steht diesem Urlaub nichts im Wege.

    Im Grunde denke ich, machst Du Dir wahrscheinlich zu viele Gedanken. Deine Angst wird ja sein, dass Du in einen trinkfreudigen Waderkreis gerätst und man Dich immer wieder dazu animiert, doch mitzutrinken. Und wo dann Dein NEIN, nicht akzeptiert wird und immer wieder nachgebohrt wird. Ich weiß nicht, ob das der Realität entspricht oder ob diese Gedanken einfach nur die am schlimmsten anzunehmende Situation abbilden. Aber sehr gut, dass Du sie Dir machst. Nichts ist schlimmer, als unvorbereitet in eine gefährliche Situation zu geraten.

    Wenn Du also ganz klar bist, Dir sicher bist, dass Dir Deine dann steht diesem Urlaub nichts im Wege. Ich habe mir am Anfang immer eine Strategie zurecht gelegt, also wie ich z. B. reagiere wenn ich auf einer Feier, wo ich wusste das definitiv Alkohol angeboten wird, bedrängt werden sollte etwas mitzutrinken. Ich muss Dir ganz ehrlich sagen, dass ich fast nie mehr sagen musste als "Nein danke" older "nein, ich trinke keinen Alkohol". Ich erinnere mich an eine Situation, wo mich jemand (der mich kannte) gefragt hat, warum ich denn nichts (mehr) trinke. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich mit meinem Leben an einem Punkt angekommen war, wo ich ein paar Entscheidungen treffen musste. Das ich sozusagen eine Lebenskrise hatte und dass eine dieser Entscheidungen ist, dass ich keinen Alkohol mehr trinke. Also so sagte ich das sinngemäß. Darauf hin kam Verständnis und keinerlei Nachfrage mehr.

    Wie gesagt, es ist gut, wenn Du Dir eine Strategie zurecht legst und vorbereitet bist. Aber wenn Du bereits gefestigt bist, wenn Du Dich eigentlich gewappnet und sicher fühlst, dann sehe ich keinen Grund auf diesen Urlaub zu verzichten. Zumal dieser Urlaub ja ein komplett neues Format für Dich ist. Wäre es ein Urlaub, denn Du früher schon immer gemacht hast und wo Du immer getrunken hast und wo der Alkohol einfach zum Urlaubserlebnis gehörte, dann sähe das vielleicht etwas anders aus.

    Hab nen schönen Urlaub! Genieße ihn ohne Deine Achtsamkeit dabei zu verlieren. Du wirst gestärkt aus dieser Situation hervor gehen.

    LG
    gerchla

    Im Grunde denke ich, machst Du Dir wahrscheinlich zu viele Gedanken. Deine Angst wird ja sein, dass Du in einen trinkfreudigen Waderkreis gerätst und man Dich immer wieder dazu animiert, doch mitzutrinken. Und wo dann Dein NEIN, nicht akzeptiert wird und immer wieder nachgebohrt wird. Ich weiß nicht, ob das der Realität entspricht oder ob diese Gedanken einfach nur die am schlimmsten anzunehmende Situation abbilden. Aber sehr gut, dass Du sie Dir machst. Nichts ist schlimmer, als unvorbereitet in eine gefährliche Situation zu geraten.

    Wenn Du also ganz klar bist, Dir sicher bist, dass Dir Deine

    Hallo Diliv,

    auch von mir noch ein herzliches Willkommen hier im Forum.

    Ich bin Alkoholiker, 50 Jahre alt und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol. Vorher trank ich über 10 Jahre abhängig, die meiste Zeit davon heimlich. Ich war damals verheiratet und hatte damals 2 Kinder die zu dieser Zeit natürlich Teil unserer Familie waren. Obwohol ich zum Ende meiner Alkoholikerkarriere ganz erhebliche Mengen Alkohol zu mir nahm (unter 10 Bier pro Tag gings fast nie) konnte ich meinen Konsum bis zum Schluss geheim halten. Ich war dann derjenige der sich geoutet hat und ich musste meiner Frau auch erst meine Alkoholverstecke zeigen, bevor sie mir wirklich glaubte, dass ich Alkoholiker bin.

    Ich schreibe Dir das so ausführlich, weil ich Dir damit zeigen will, dass Alkoholiker wahre Meister sind im Lügen, im Betrügen, im Tarnen und Verheimlichen. Du kannst also bei einem trinkenden (nassen) Alkoholiker niemals sicher sein, ob das alles stimmt was er Dir da gerade so erzählt. Es kann die Wahrheit sein, es kann komplett erfunden sein.... Leider ist das so.

    Sehr schade, dass Dein Freund trotz mehrer Maßnahmen offenbar nicht in der Lage ist auf das Zeug zu verzichten. Noch nicht mal sein drohender Tod, der ihn bei einer bereits diagnostizierten Leberzirrhose Child C auf jeden Fall droht und den er natürlich durch weiteren Konsum extrem beschleunigt, kann ihn davon abhalten. Ich denke darüber solltest Du Dir intensive Gedanken machen. Und zwar darüber, was das für Dich bedeutet.

    Du denkst ja offenbar noch darüber nach, ob Du ihn heiraten sollst oder nicht. Meiner Meinung nach, ist das wichtigste für eine gute und funktionierende Beziehung das gegenseitige Vertrauen. Du solltest Dir also die Frage stellen, ob Du ihm vertrauen kannst. Vielleicht auch die Frage, ob Du ihm jemals wieder vertrauen kannst. Ich meine, wenn er Dir jetzt mal z. B. 2 abstinente Jahre als "Vorlage" geliefert hätte und ihr dann heiraten wollen würdet, dann kann man vielleicht schon sagen: Na, er ist jetzt schon seit 2 Jahren trocken, ich kann ihm wieder vertrauen. Aber bei Euch scheint das ja ein ständigs auf und ab gewesen zu sein.

    Schaue ich auf mich selbst, so bin ich meiner jetzigen Frau sehr dankbar, dass sie mir einen Vertrauensvorschuss gewährt hat. Ich habe ihr von Anfang an meine Geschichte erzählt und sie wusste somit worauf sie sich einlässt. Sie wusste es auch deshalb ganz genau, weil sie in ihrer Kindheilt selbst intensiv mit diesem Thema konfrontiert wurde. Aber sie sagte mir auch von Anfang an ganz klar: Wenn Du wieder trinkst bin ich sofort weg. Klare Ansage und ich hatte niemals einen Zweifel daran, dass sie das auch umsetzen würde.

    Du hast ja auch bereits gedroht. Oder sagen wir mal besser: Konsequenzen angekündigt. Das ist etwas, was ich für durchaus wichtig und auch für fair halte. Der andere weiß dann ganz genau was Sache ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang nur, dass diese Konsequenzen dann auch umgesetzt werden. Wenn Du also sagst, Du gehst wenn er wieder trinkt, dann sollte Du auch gehen. Ansonsten nutzt sich das ganze recht schnell ab und er wird Dir nicht mehr glauben. Und letztlich solltest Du diese Konsequenzen auch deshalb umsetzen um Dich selbst zu schützen. Das ist der eigentliche Punkt. Ansonsten verlängerst Du nämlich nur DEIN Leiden. Bei ihm kannst Du nichts ändern. Wenn er trotz dieser Diagnose und all dem was er bereits gemacht hat nicht mit den Trinken aufhören will oder kann, dann kannst Du nur auf Dich schauen. Was anderes bleibt Dir gar nicht übrig.

    Nochmal zur Diagnose: Dadurch das er weiter trinkt macht er ja nichts anderes als beschleunigten Selbstmord. Im Grunde betreibt ja jeder Alkoholiker eine Art von Selbstmord. Mit dieser Diagnose aber weiter zu trinken hat ja nochmal eine ganz andere Qualität. Ist vielleicht ein wenig so, als ob sich ein Diabetiker nur noch mit zuckerhaltigen Süßspeisen ernähren würde. Child C bedeutet ja, dass er den höchsten Schweregrad hat. Die 1- Jahresüberlebensrate liegt unter 50 %.

    Was Du also gerade machst ist so eine Art Sterbebegleitung, wenn man es mal hart formuliert. Für ihn gibt und gäbe es also nur Eines. Keinen Tropfen mehr und hoffen dadurch sein Leben zu verlängern. Zwar ist Leberzirrhose nicht heilbar, wenn man jedoch entsprechend lebt können sich Teile der Leber durchaus erholen und man kann damit leben. Wie das in diesem fortgeschrittenen Stadium allerding ist, das weiß ich nicht. Aber er hatte ja Gespräche mit den Ärzten und da er ja weiter trinkt, ist es eigentlich auch egal.

    Klingt alles sehr hart, ist aber genau das, was sich aufgrund Deiner Zeilen als Schlussfolgerung ergibt. Er hat eigentlich keine Alternativen. Aufhören oder sterben. Und Du hast genau zwei Alternativen: Ihn weiter auf seinem Weg begleiten, wie auch immer dieser aussehen mag oder Deinen eigenen Weg gehen. Das könnte bei Dir so aussehen, dass Du nochmal klar formulierst, unter welchen Bedingungen Du bereit bist, den Weg weiter mit ihm zu gehen und wann der Punkt erreicht ist, ab dem Du Deinen eigenen Weg gehst. Da braucht es dann auch keine "Spielchen" mit Alkotester und co. Wenn er wieder oder weiter trinkt bist Du weg. Nichts anderes würde ich an Deiner Stelle als richtig erachten. Einfach um Dich und Dein Leben selbst zu schützen und zu verhindern, dass Du mit ihm zusammen das ganze Elend des Endstadiums eines uneinsichtigen Alkoholikers miterleben musst. Und wenn er weiter trinkt, dann wirst Du das sicher merken, so wie Du das bisher ja auch immer gemerkt hast. Im Grunde brauchst Du ihn dazu in kein Röhrchen blasen lassen.

    Und noch eins. Die Fortführung einer Beziehung macht aus meiner Sicht nur dann Sinn, wenn man sich das auch vorstellen kann. Sprich, wenn nicht bereits zu viel Porzellan zerbrochen wurde, wenn nicht bereits zu viel Vertrauen missbraucht wurde. Ob das bei Euch der Fall ist kannst nur Du allein entscheiden. Wichtig ist, dass Du Dir vorstellen kannst ihm irgendwann mal wieder voll und ganz vertrauen zu können. Ist das nicht der Fall, wird es eine schwierige Beziehung werden, selbst dann, wenn er tatsächlich nicht mehr trinken sollte. Denn auf Misstrauen kann man m. E. keine Beziehung aufbauen.

    So, das waren meine Gedanken zu Deinen Zeilen. Ich wünsche Dir und auch Deinem Freund nur das allerbeste. Ich wünsche ihm, dass er da raus kommt und noch mehr wünsche ich aber Dir, dass Du einen Weg findest, in dem Du DICH in den Mittelpunkt stellst und die richtigen Entscheidungen für DICH triffst.

    LG
    gerchla

    Hallo Schwachestarke,

    herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol. Davor trank ich über 10 Jahre heimlich. Ich funktionierte sehr lange sehr gut, die letzten Jahre meiner Sucht wurden dann zur Hölle, denn es ging bei stetig steigendem Konsum sowohl psyschisch als auch körperliche rapide Berg ab.

    Du hast ja nun schon eine Menge sehr gute Beiträge erhalten. Im Grunde kann ich Dir gar nichts Neues mehr schreiben. Ein paar Gedanken oder Anregungen möchte ich Dir trotzdem da lassen.

    Zitat

    Wenn ich nun daran denke, dass ich süchtig bin und wenn ich aufhören würde, NIE wieder ein Glas Alkohol trinken dürfte, dann versetzt mich das in ein Gefühl absoluter Ablehnung.


    Ich kann mich hier noch gut an mich selbst erinnern. So als ob es gestern gewesen wäre.Unvorstellbar, NIE wieder Alkohol! Wie soll man da denn die vielen Situationen überstehen, zu denen Alkohol einfach dazu gehört. Wo er sozusagen nicht wegzudenken ist? Wie soll denn das gehen? Diese Gedanken waren für mich damals immer wieder Gründe, geplante Trinkpausen (die ich aber nicht als Pausen sah sondern als den Zeitpunkt von dem an sich alles ändern wird - was leider nie funktionierte) zu verschieben. Man kann ja nicht mit dem Trinken aufhören, wenn in 2 Wochen ein Geburtstag ansteht. Es reniert sich doch nicht jetzt mit dem Trinken aufzuhören, wenn in 4 Wochen Weihnachten ist und danach ja gleich Silvester folgt. Und überhaupt, wie soll man seinen Freunden sagen das man sie liebt wenn man dabei nichts trinken darf? Utopisch. Und all diese Gedanken obwohl ich ja die meiste Zeit heimlich trank und diese Anlässe gar nicht brauchte.

    Ja, ich kenne diese Gedanken. Auf den Gedanken, dass all diese Gedanken durch die Sucht erzeugt werden bin ich nicht gekommen. Ich kam auch nicht auf den Gedanken, dass ich damit ja der Sklave dieses Zellgifts geworden bin. Wobei, Du sprichst ja nicht von Zellgift sondern vom "guten Wein". Nun Alkohol ist, egal in welchen Mengen, nichts anderes als Zellgift. Und er hat keinerlei positive Wirkungen. Alle entsprechenden Studien, dass geringe Mengen an Alkohol positive Auswirkungen hätten (Herzinfarkt vorbeugen, leben verlängern, etc.) sind entweder widerlegt oder relativiert. Und auch die gemeinhin als unbedenklich geltende Menge von 12 gramm Alkohol bei Frauen bzw. 24 Gramm bei Männern pro Tag mit 2 Tagen komplett ohne Alkohol sind bei Experten mehr als umstritten. Viele halten diese Mengen für zu hoch und grundsätzlich sind sich alle einig, dass Alkohol egal in welcher Menge ein Zellgift ist. Also im Grunde nix mit "gutes Glas Wein".

    Nunja, ich will damit natürlich ein wenig provozieren, denn sicher ist es für einen Genusstrinker kein Problem, ab und an mal diese gute Glas Wein zum Essen zu trinken. Und es sei ihm oder ihr auch von Herzen gegönnt.

    Du bist ja aber vom Genusstrinker meilenweit entfernt. Mit der geschilderten Menge die Du trinkst betreibst zu zumindest einen ordentlichen Missbrauch, wenn Du nicht bereits süchtig bist. Was, wie Du hier ja schon gelesen hast, nicht so einfach zu bestimmen ist. Ich kann es jedenfalls nicht.

    Wenn ich heute zurück blicke, dann frage ich mich manchmal, warum ich mich denn so an das Zeug geklammert habe und warum ich nicht viel früher den Ausstieg geschafft habe. Hier bin ich wahrscheinlich nicht mit Dir zu vergleichen, denn ich trank nie "ein gutes Glas Wein". Ich trank, weil die Wirkung brauchte. Nur deshalb. Und ich konnte nicht reduzieren oder aufhören, weil ich die Wirkung brauchte. Nicht weils mir so toll geschmeckt hätte. Natürlich gab es z. B. Wein, den ich besonders mochte. War dieser aber nicht zu haben, trank ich eben irgend einen anderen. Wobei ich das meiste an Alkohol via Bier zu mir nahm. Aber auch hier gab es welches, das mir besser schmeckte als andere. Was aber nicht entscheidend war. Irgendwann brauchte ich meine 10 Bier und es war völlig egal, welches Bier das war. Hauptsache Wirkung.

    Ich denke, wenn Du ehrlich zu Dir selbst bist, wirst Du Dir eingestehen müssen, dass Du auch nur wegen der Wirkung trinkst. Warum sonst solltest Du eine Flasche Sekt trinken? Warum sonst solltest Du Dir ein Forum suchen und Dich hier darüber austauschen? Warum sonst denkst Du überhaupt über Deinen Konsum nach, wenn Du nicht eigentlich schon weißt, dass Du nicht mehr so trinken KANNST wie Du eigentlich möchtest? Mit Deinen Gedanken an das gute Glas Wein versuchst Du Dich selbst zu betrügen. Aber, Du kannst es ja versuchen. Susanne hat es Dir ja schon geschrieben: Probiers einfach. Reduzieren, besser noch, nimm ein einem Programm für kontrolliertes Trinken teil und schau' was passiert. Mach das und stell Dir dabei mal die Frage, warum Du soviel Aufwand dafür betreibst, nur dafür, dass Du ab und an mal Dein gutes Glas Wein trinken kannst.

    Zitat

    Ich genieße es sehr und es ist mir wichtig, im Restaurant oder bei einem guten Essen auch Wein zu konsumieren. Das gehört für mich einfach dazu!


    Für mich gehört das überhaupt nicht mehr dazu und seit ich nicht mehr trinke, nehme ich zwei Dinge bewusst wahr:

    1. Wie viele Menschen da draußen ein Alkoholproblem haben und es z. B. hinter solchen Aussagen wie diese hier von Dir getätigte, verstecken oder es damit rechtfertigen und
    2. Wie viele Menschen auch komplett ohne Alkohol leben, oder nur alle Schaltjahre mal geringste Mengen trinken und erst überhaupt gar nicht auf die Idee kommen, Alkohol würde zu irgendwas in irgend einer Form dazu gehören. Ich musste feststellen, dass das gar nicht wenige sind und dass das immer mehr werden. Etwas, dass ich zu meiner Trinkerzeit für gar nicht möglich gehalten hätte, das jetzt aber ganz normal für mich ist. Übrigens: Wir nichttrinker haben auch tierisch viel Spaß ohne Alkohol! Auch unvorstellbar in meinem früheren Leben.

    Zitat

    Auf jeder Feier zur Begrüßung gibt es ein Glas Sekt oder ein Bier… Zu jedem guten Essen gibt es Alkohol…


    Auch wieder so ne Sache. Wenn Du ein stark trinkendes Umfeld, sagen wir mal ein Problemumfeld hast, dann mag das so zutreffen. Wenn Du ein normales Umfeld hat, dann wird man Dir Alkohol sicher anbieten, denn unsere Gesellschaft ist ja Alkoholgetrimmt. ABER: Du kannst dann problemlos ablehnen. Ein "normales" Umfeld wird das i. d. R. sogar kommentarlos akzeptieren. Klar, wenn Du als Trinkerin bekannt warst, musst Du schon mal mit einer Nachfrage rechnen. Ein "ich trinke keinen Alkohol mehr" sollte aber ausreichend sein. Und wenn Deine Bekannten etc. das ein paar mal gehört haben, werden sie Dir von vorne herein keinen Alkohol mehr anbieten. So waren meine Erfahrungen. Heute weiß jeder, dass ich keinen Alkohol trinke. Das ist ganz normal, niemand schaut mich schief an. Von einigen weiß ich, dass sie mich sogar "beneiden". Denn sie würden auch gerne weniger trinken, schaffen es aber nicht. Und ich musste niemanden die Story vom Alkoholiker aufs Auge drücken. Ich sagte manchmal, dass ich an einen Wendepunkt war und mir Gedanken über mein zukünftiges Leben gemacht habe. Und dass ich bei diesen Gedanken festgestellt habe, dass der Alkohol nicht gut für mich ist und er mir bei der Erfüllung meiner noch anstehenden Wünsche und Ziele nicht helfen kann. Ich habe niemals Ablehnung erfahren, nur Zustimmung. Das ich tatsächlich Alkoholiker bin wissen nur die wichtigen Menschen in meinem Leben. Familie, also Geschwister, meine Frau, meine Kinder und meine wirklich guten Freunde.

    Zitat

    Einem Plan oder eine Taktik, wie ich im Alltag auf den Alkohol verzichten kann, aber dennoch am Wochenende ein oder zwei Gläschen zu trinken…


    Wie gesagt, ausprobieren. Es gibt Programme dazu. Und versuche Dir mal die Frage zu beantworten, was Dir ein oder zwei Gläser Alkohol eigentlich geben, dass Du dafür so viel Energie aufbringen möchtest. Ich meine, sollte es Dir problemlos gelingen, so nebenbei sozusagen, dann ist ja alles prima. Dann hast Du auch kein Problem und trinkst halt ab und an mal ein Glas wie das Millionen tuen und können. Wenn Du aber ständig kämpfen musst, eigentlich gerne mehr hättest es aber durch eiserene Diszipin verhinderst, dann darfst Dich schon mal fragen, warum Du das machst. Denn wenn Du mal richtig aufgehört hast mit dem Trinken und zu einem zufriedenen Leben ohne das Zeug gefunden hast, dann wirst Du nichts mehr vermissen. Und Dich wahrscheinlich fragen, warum das Zeug so einen Stellenwert bei Dir hatte. Das heraus zu finden, es den Grund warum Du das Zeug eigentlich so unbedingt weiter trinken möchtest, könnte Dir auch helfen, darauf zu verzichten. Und ich meine damit den ehrlichen, den wahren Grund. Nicht weils so toll schmeckt oder weil's dazu gehört oder weil's überall angeboten wird. Das sind keine Gründe, sondern nur selbstgezimmerte Begründungen.

    Alles Gute und viel Erfolg wünsche ich Dir. Das kommt von Herzen!

    LG
    gerchla

    Hallo Anno,

    danke Dir für Deine weiteren Erläuterungen Deiner Situation und Deiner Motivation.

    Einfach wieder meine Gedanken:

    Zitat

    Vollmitglied wäre ganz nett, da ich in der Regel meine Texte nochmal überarbeiten muss


    Bevor Du auf "Schreiben" klickst kannst Du auf jeden Fall nochmal über die "Vorschau" Deine Fehler korrigieren. Ich weiß, da bleiben dann manchmal doch noch welche übrig, die man dann erst bemerkt wenn man schon abgeschickt hat. Aber, ehrlich gesagt, hier geht es um viel wichtigeres als um korrekte Rechtschreibung oder Grammatik. Und selbst wenns mal ein wenig wirr ist nimmt das hier niemand krumm. Was die Vollmitgliedschaft betrifft: Darum kümmert sich der Admin meines Wissens. Und der wir wohl erst mal ein wenig schauen, was Du hier so "treibst", ob Du dabei bleibst oder nicht. Denke ich mir, wissen tue ich es nicht. Ich wurde nach ein paar Wochen einfach freigeschalten.

    Zitat


    Momentan habe ich wie die letzten 10 Jahre auch prinzipiell keinen grund nicht zu trinken, ich bin vom Leben entwöhnt.


    Als ich noch trank,wäre ich da sicher voll bei Dir gewesen. Heute, mit dem Wissen und dem Blick zurück kann ich nur sagen: Es gibt überhaupt keinen Grund Alkohol zu trinken, denn er hilft niemals dauerhaft und schafft, wenn man ihn längere Zeit missbraucht, nur zusätzliche Probleme. Die vermeintlichen Gründe die man hat oder von denen man glaubt sie wären der Grund um trinken zu müssen, die sollte man, wenn irgend geht, abstellen. Und sollten diese Auslöser nicht zu beseitigen sein (was nicht selten der Fall ist), dann sollte man lernen, wie man damit ohne Alkohol klar kommt. Sprich: Strategien entwickeln wie man bestimmte Situationen / Problemen / Verhaltensmustern / etc. ohne Alkohol begegnen kann. Das war bei mir der längste Prozess im Rahmen meiner Suchtaufarbeitung. Ich brauchte etwa ein Jahr, bis ich mit dem Gröbsten durch war, "arbeite" aber noch heute immer wieder daran. Wobei arbeiten das falsche Wort ist. Ich möchte eher sagen ich gestalte mein Leben jeden Tag ganz bewusst. Eine Folge oder Konsequenz aus der Aufarbeitung und etwas, wofür ich dieser Sucht fast schon dankbar bin.

    Zitat

    Nehme es auch alles ein kleines bisschen auf die Leichte Schulter da ein offizieller Peak wohl sicher noch nicht erfolgt ist.


    Das ist natürlich Deine Sache. Ich kann nur von mir sagen, dass alle Versuche irgendwie aufzuhören solange scheiterten, solange ich nicht ganz klar wusste, dass es jetzt vorbei sein MUSS und ich nicht mehr trinken WILL. Und ALLES dafür bereit bin zu tun. Vorher war ich ein ganz schlauer und dachte, ich könnte ja einfach heimlich aufhören, weil ich ja heimlich getrunken hatte. So würde auch nie jemand etwas erfahren. WIN-WIN-Situation. Ich wäre raus, meine Familie und Co. würden nicht weiter damit belastet. Aber es handelt sich halt leider um eine Sucht. Und die ist mächtiger als man sich vorstellen kann. D. h., wenn man es mal selbst durchgemacht hat, dann weiß man wovon man spricht. Und diese Menschen triffst Du hier.

    Zum Peak noch: Ansich spricht man meist vom persönlichen Tiefpunkt. Es gibt die Theorie, dass der Trinker diesen erreicht haben muss, bevor er überhaupt eine Chance hat, diese Sucht zu überwinden. Aber es ist eben der PERSÖNLICHE Tiefpunkt. Das kann beim einen der Verlust des Führerscheins sein, beim anderen der Job der weg ist und beim nächsten eine Diagnose vom Arzt. Und, wenn man ehrlich ist, die meisten scheinen diesen erst gar nicht zu erreichen, denn es sind ja nur wenige, die überhaupt ernsthaft versuchen von dem Zeug weg zu kommen. Die meisten trinken bis zum bitteren Ende, wobei viele davon die meiste Zeit funktionieren. Der Großteil der Alkoholiker sind ja funktionierende Alkoholiker, die wenigsten sind so, wie viele denken das sie wären: Also irgendwelche total herunter gekommene Penner, die mit der Pulle in der Hand durch die Gegend laufen. Nein, die meisten können die Fassade bis zum Schluss aufrecht erhalten. Jedoch: zu welchem Preis?

    Zitat

    Damals als ich endlich mal wieder ein Mädchen kennen gelernt habe, war es problemlos möglich meine 3Bier wegzulassen und ordentlich Sport zu machen, jedoch war ich Psychisch nicht wirklich auf der höhe, mir fehlte vom Selbstwertgefühl her der Elan, der Biss.
    Ich war zu "Langweilig" zu "leise" zu "erschöpft"..... Emotional, da ich mir jeden Tag seit jahren alles mögliche gefallen lassen musste.


    Hm, da brauchts wohl einen Psychologen, könnte ich mir vorstellen. Ich denke da hast Du eine psychische Baustelle... Die Du ohne Alkohol bearbeiten musst. Und ich denke: Das wäre Dein Schlüssel für ein alkoholfreies Leben.

    Zitat

    Ich möchte Primär vermeiden damit ich Körperlich oder Psychisch an den Punkt komme wo ich dann nicht mehr aufhören kann.


    Und Du bist Dir sicher, dass diesen Punkt nicht schon längst erreicht hast? Nur ne Frage, mehr nicht.

    Körperlich scheinst Du ja noch keine Probleme zu haben. Aber die körperliche Abhängigkeit erfolgt i. d. R. ja oft erst weit nach der Psychischen. Und die Psychische ist ja die eigentliche Sucht. Selbst wenn Du körperlich abhängig bist, ist das nach einer Entgiftung in 7 - 10 Tagen Geschichte. Die Psychische bleibt Dir aber. Sie ist die eigentliche Herausforderung.

    Probiers aus. Wenn Du glaubst, dass Du noch nicht süchtig bist, dann mach' doch mal dieses kleine Experiment. Nimm Dir doch mal halbes Jahr, ab sofort, vor, wo Du komplett auf jeden Tropfen Alkohol verzichtest. Wenn Dir das problemlos gelingt, dann kannst mal darüber nachdenken, wie Du anschließend weiter mit Alkohol umgehen möchtest. Wenn Du aber scheiterst, ständigen Druck verspürst, mies drauf bist und eigentlich trinken willst oder es erst gar nicht durchhälst, dann brauchst wirklich einen guten Plan. Wenn Du dauerhaft von dem Zeug loskommen willst. Ich wünsche Dir, dass Du es ohne Problme schaffst und zurück in ein Leben mit sehr moderatem Alkoholkonsum findest. Ich gebe aber auch zu: Deine Zeile lassen mich eher skeptisch denken...

    Alles Gute!

    LG
    gerchla

    Hallo Anno,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich mach' mal ne' schnelle Kurzvorstellung: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol. Vorher trank ich über 10 Jahre abhängig. Wieviele Jahre es genau waren, kann ich gar nicht sicher sagen, denn ich weiß ehrlich gesagt nicht, wann genau es bei mir von Missbrauch in Sucht wechselte. Was ich aber weiß ist, dass ich bereits mit recht geringen Kosum abhängig getrunken habe. Das weiß ich deshalb, weil mir Trinkpausen, die ich damals noch häufiger und auch länger einlegte, nie leicht fielen. Meine Gedanken drehten sich in diesen Pausen häufig und immer wieder um Alkohol und das bereits bei einem regemäßigem Konsum von "nur" 1 - 2 Bier pro Tag. Ach und noch was: Ich trank fast meine ganze Alkoholikerkarriere über heimlich. Obwohl ich Familie hatte (2 Kinder).

    So, das nur mal so als Einstieg und damit Du Dir ein Bild machen kannst.

    Und jetzt will ich Dir mal ganz offen einfach nur meine Gedanken zu dem schreiben, was ich von Dir gelesen habe:

    Mit 6 - 7 Bier pro Tag bist Du ganz "gut" unterwegs. Was ich damit sagen will ist, dass das schon eine nicht unerhebliche Menge ist und das schon darauf hindeutet, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Du Alkoholiker bist. Natürlich ist, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, die Trinkmenge nicht immer ein Indiz dafür ob man süchtig ist oder nicht, doch kann man bei Dir in jedem Fall sagen, dass diese Menge über einen längeren Zeitraum als sehr kritisch zu betrachten ist.

    Ich war mit dieser Menge (also die von Dir genannten 6 - 7 Bier) relativ lange "unterwegs". Das war so meine Obergrenze in der ich noch ganz gut funktionierte. Am "besten" lief es für mich in meiner 3 - 4 Bier pro Tag Phase, die ich auch ein paar Jahre beibehalten konnte. Ehe es dann nach oben ging. 5, 6 oder 7 Bier hatte ich dann ebenfalls relativ lange, wobei ich da, wenn ich mich recht erinnere, bereits erste körperliche Veränderungen wahr nahm. Erst mal nicht in Form von irgenwelchen Schmerzen sondern in Form von Gewichtszunahme. Als ich dann irgendwann mal bei so 8 Bier im Schnitt angekommen war, schien sich relativ schnell relativ viel zu verändern. Natürlich ins Negative. Da begannen dann die letzten 2 - 3 Jahre meiner Sucht. Da begann ich dann bereits morgens zu trinken (was ich die Jahre vorher niemals gemacht hätte) und ich war dann ganz schnell bei 10 Bier und mehr. Dann kam auch oft noch Wein dazu, so dass 10 Bier und ne Flasche Wein eher die Regel waren als die Ausnahme. Und damit begannen dann bei mir auch die körperlichen Probleme. Magen, Leber und ein immer höheres Gewicht.

    Ich schreibe Dir das einfach nur, damit Du einen Eindruck davon bekommst wie sich das bei mir so entwickelt hat. Du hast ja bereits geschrieben, dass jeder den Alkohol anders verträgt und anders verarbeitet und damit hast Du sicher Recht. Was die Erfahrung aber auch zeigt ist, dass der Krankheitsverlauf sich bei vielen Alkoholikern schon ähnelt. D. h. der Suchtverlauf hat i. d. R. bestimmte Merkmale die bei den meisten gleich sind, wobei es immer Ausnahmen gibt. Du hast ja bereits einen typischen Suchtverlauf hinter Dir, zumindest wenn man sich ansieht, wie Du langsam die Menge gesteigert hast. Das "Phänomen", dass Du keinen Kater mehr hast, wie Du ihn vorher klassischweise gekannt hast, ist übrigens auch ein typisches Anzeichen dafür, dass Du schon recht weit bist.....

    Ich hatte in den letzten Jahren meiner Sucht keine Kater mehr. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Schlimmstenfalls war es so, dass ich grundsätzlich völlig antriebslos, platt und gerädert war. Und wenn ich mal noch mehr getrunken hatte, als ich im Normalfall tat, dann war ich morgens vielleicht einfach noch ein wenig platter. Aber mit Kater hatte das nichts zu tun und es hielt mich auch keinesfalls davon ab, mein normals Pensum weiter zu trinken.

    Alles in Allem, so denke ich jedenfalls, bist Du schon ganz schön tief drin in der Geschichte. Was für mich im Umkehrschluss bedeutet, dass Du da so einfach nicht heraus kommen wirst. Und was nun aber wiederum nicht bedeutet, dass Du da nicht heraus kommen kannst. Aber meiner Meinung nach braucht es dafür einen guten Plan. Weißt Du, hier schreiben manchmal Menschen, die seit ein paar Monaten zu viel trinken und die dann nicht sicher sind, ob sie bereits abhängig sind und die dann Hilfe suchen, was sie da jetzt tun können.

    Da schreibe ich dann oft, dass sie doch einfach mal versuchen sollen, ein paar Monate keinen Tropfen Alkohol zu trinken und dass sie sich dann selbst beobachten sollen. Wie es ihnen damit geht, wie schwer es ihnen fällt usw.

    In Deinem Fall, so jedenfall meine Meinung, reicht das nicht (mehr) aus. Wenn ich Dir etwas raten dürfte, dann wäre das: 1. Arztbesuch und ein offenes Gespräch mit dem selbigen 2. Entgiftung auf Basis des Arztgesprächs, 3. Termin bei der Suchtberatung, 4. Die gesammelten Erfahrungen von 1 - 3 nutzen um einen Plan für ein weiteres Vorgehen zu machen. Flankierend könnte noch der Besuch einer realen Selbsthilfegruppe sehr sinnvoll sein.

    Jetzt weiß ich natürlich nicht, was Du davon hälst. Ob Du Dir das überhaupt vorstellen kannst. Ich kann Dir nur von mir sagen, dass ich nicht geschafft habe ohne Hilfe mit dem Trinken aufzuhören. Du darfst mir glauben, dass ich mehrfach versucht habe. Außer mehr oder weniger langen Trinkpausen kam dabei nichts heraus. Erst als ich dann wirklich bereit war ALLES für ein Leben ohne Alkohol zu tun, hat es funktioniert. Ich ging bereits einen Tag nach dem letzten Bier in eine SHG, ich machte leider den Fehler erst nach etwa einer Woche zum Arzt zu gehen (was bedeutet, dass ich kalt entzogen habe und das hätte ordenlich schief gehen können), aber ich ging zu Arzt. Ich ging zur Suchtberatung und ich hätte anschließend alles getan, was notwendig gewesen wäre um abstinent zu bleiben. Ich war also auch bereit eine Therapie (stationär, ambulant, völlig egal) anzutreten. Bei mir lief es dann aber auf eine psychologische Behandlung hinaus und ich merkte auch sehr schnell, dass ich trotz einem riesen Haufen alkoholbedingter Folgeprobleme, sehr stabil war. Zumindest was den Verzicht auf Alkohol betraf. Und so habe ich dann relativ schnell damit beginnen können, meine Sucht aufzuarbeiten und habe mir dazu unterschiedliche Hilfsangebote gesucht. Und keines davon war sinnlos, auch wenn welche dabei waren, die sich mir in diesem Moment (noch) nicht erschlossen haben.

    So war das bei mir. Du musst für Dich selbst entscheiden.

    Und ohne Dir zu nahe treten zu wollen möchte ich noch eines schreiben:

    Aus Deinen Zeilen meine ich heraus zu lesen, dass Du den Alkohol dafür missbraucht hast, um bestimmte Verhaltenweisen Deinerseits zu verändern. Und Du schreibst ja auch, dass Du Dich dabei quasi psychisch erholt hast. D. h. der Alkohol scheint mit seiner Wirkung das bei Dir erreicht zu haben, was Du erwartet oder gehofft hast. Lockerer, entspannter, Du nanntest es gleichgültier. Nicht mehr so viel denken, die Dinge nicht mehr so ernst nehmen, etc. Ich kenne das durchaus auch von mir. Ich soff meine Probleme (von denen ich die meisten ohne Alkohol gar nicht gehabt hätte) einfach weg (dumm, dass das nur temporär möglich war).

    Was ich sagen will: Dein "Ursprungsproblem", oder ich sage mal Trinkgrund", das bleibt Dir ja erst mal. Auch wenn Du nicht mehr trinkst. Nur das jetzt natürlich die betäubende Wirkung des Alkohol fehlen wird. Und so glaube ich, dass Du da auch ran musst. Das ist zumindest meine Meinung. Dieses "Ursprungsproblem", dass Du ja als verträumte Tiefgründigkeit, als schüchterner und unkonzentrierter Mensch "bezeichnest" (so lese ich es, ich kann mich irren), das wirst Du angehen müssen. Was aber nur erfolgversprechend passieren kann, wenn Du alkoholfrei bist. So dass es genau richtig ist, dass Du jetzt zuerst diesen Schritt machst.

    Was ich damit eigentlich sagen will: Es wird nicht reichen, einfach nur nichts mehr zu trinken. Ich denke Du wirst da tiefer einsteigen müssen und wirst Dich auch einen längeren Weg machen müssen. Der sich aber mit Sicherheit lohnen wird. Davon bin ich überzeugt.

    So, genug geschrieben für den Anfang. Ich möchte Dich bitten, meine Gedanken einfach als solche zu sehen und nicht mehr. Sie haben keinen Anspruch auf Richtigkeit, sie spiegeln einfach meine Meinung zu dem wider was ich von Dir gelesen habe. Und ich will damit nur Denkanstösse liefern. Ob etwas daraus machst oder was Du daraus machst ist allein Deine Sache.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall nur das Beste und natürlich einen guten und hilfreichen Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Zitat

    Vielleicht nützt es was. Ich versuche ihr das Gute aufzuzeigen, wofür es sich lohnt.


    Gemeinhin weist man (ich mach das auch meist) ja immer darauf hin, dass es falsch ist einen uneinsichtigen Trinker bekehren zu wollen und dass man damit nur seine Zeit verschwendet, weil man ihn nicht erreichen kann. Das stimmt in der Regel auch aber es gibt m. E. eben auch noch die andere Seite, dieich besonders bei Eltern-Kind-Beziehungen sehe. Denn wenn es mal vorbei ist, sprich wenn Mama oder Papa z. B. aufgrund der Sucht, verstorben ist, dann hat man keine Gelegenheit mehr das zu sagen was man gerne gesagt hätte und keine Gelegenheit mehr das zu tun, was man gerne getan hätte (oder von dem man glaubte es tun zu müssen). Dann muss man selbst mit diesem Ist-Zustand leben, so lange man eben lebt....

    Deshalb halte ich es immer für sehr wichtig, dass man mit seinen Eltern im Reinen ist. Was aber nicht unbedingt gleichzusetzen damit ist, dass alles gut sein muss. Man sollte nur im Reinen mit dem sein, was man getan, gesagt oder nicht getan und nicht gesagt hat. Ich habe hier z. B. meinen Vater als denjenigen, bei dem ich genau das zu praktizieren versuche.

    Insofern kann es also sein, dass Du das alles jetzt auch ein Stück weit für Dich tust. Und wenn dem so ist, dann ist es auch gut, dass Du es tust. Wichtig ist eben aus meiner Sicht "nur", dass Du Grenzen definierst, diese dann auch erkennst und sie keinesfalls überschreitest. Dass Du eben weißt, wann es gut ist, wann der Punkt erreicht ist, wo Du selbst klar sagst: Bis hierhin und nicht weiter. Und Dich dann eben ggf. wieder zurück ziehst und DEIN Leben weiter lebst. Ohne das Du dann belastet bist, denn Du hast ja alles getan, was Dir wichtig war. Das ist alles nicht einfach.

    LG
    gerchla

    Liebe chillymilly,

    ich möchte es erst mal als positiv bewerten, dass Du wieder einen Zugang zu Deiner Mama gefunden hast. Möglicherweise ist dieser Zugang nur temporär und sie wird, wenn Deine Reaktionen nicht so kommen wie sie es sich wünscht, diesen Zugang wieder verschließen. Und ja, es ist nur ein ganz kleiner Zugang und sie ist weit davon entfernt eine wirkliche Einsicht für ihre Krankheit und ihre Situation und auch für Dich zu haben. Dennoch, für Dich, für Dein Seelenheil (wenn ich diesen alten Begriff mal verwenden darf) kann das alles (diese Gespräche) sehr wertvoll sein. Denn Du hast hier einen sehr großen Schritt auf sie zu gemacht, Du hast die Hand ausgestreckt und Du würdest, da bin ich ganz sicher, noch viel mehr für sie tun, wenn sie nur bereit wäre ebenfalls ernsthaft an sich zu arbeiten.

    Aber eines möchte ich Dir auch unbedingt sagen. Bitte achte unbedingt darauf, dass Du dich selbst nicht überforderst. Super, dass Du bereits einen Termin bei der Suchtberatung für Dich ausgemacht hat. Der aber leider ja erst nach dem 2. Gespräch stattfinden wird. Achte auf Dich und distanziere Dich notfalls. Deine Mama rennt weg, wenn sie mit Deinen Fragen überfordert ist. Ich denke auch Du hast das Recht, notfalls das Gespräch abzubrechen, zu beenden oder auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben. Wenn es Dich psychisch überfordert. Ich weiß nicht, was Deine Mama Dir alles erzählt, ich könnte mir aber vorstellen, das da Dinge dabei sind, die man als Tochter nicht unbedingt hören möchte. Und die einen, wenn man sie hört, vielleicht selbst sehr belasten. Deshalb: bitte achte auch unbedingt auf Dich. Du bist ihre Tochter, Du bist aber nicht ihre Psychologin.

    Ich möchte Dir noch meine Meinung zu ein paar Sachen schreiben:

    Zitat

    Sie brach regelrecht unter ihrer Jahrzehnte lang angestauten Last zusammen, weinte nur. Erzählte 1000 schlimme Dinge aus ihrer Vergangenheit und war völlig aufgelöst.


    Darum mein "achte auf Dich" und "Du bist nicht ihre Psychologin"-Anmerkung. Was nicht heißt, dass Du Dir das nicht anhören sollst (wenn Du es verarbeiten kannst). Lösen sollte sie all das aber mit HIilfe von Menschen, die etwas davon verstehen. Und ich denke das sollte hier auch Dein Standpunkt sein.

    Zitat


    In ihr steckt so viel Selbstmitleid und Enttäuschung über ihr ganzes Leben, das kann man schon als ausgewachsene Depression bezeichnen denke ich


    Das ist gar nicht untypisch für alkoholkranke Menschen. Aus der Sucht heraus entwickelen sich nicht selten depressive Verstimmunen aber auch "richtige" Depressionen. Manchmal ist es auch umgekehrt und Menschen rutschen über eine Depression in die Sucht, weil sie den Alkohol als Stimmungsaufheller missbrauchen. Bei den meisten Geschichten die ich kenne, wo also Menschen eine Depression (oder depressive Phasen) in der Sucht entwicklt haben, sind diese nach Überwindung der Sucht "von selbst" verschwunden.
    Und was das Selbstmitleid betrifft: Ja, darin sind Alkoholiker auch Meister. Denn das dient ja dann auch wunderbar als Grund dafür, warum man trinken muss. Und naja, dadurch dass sich ja die Psyche und das eigene Wahrnehmen durch die Sucht verändert, glaubt man das alles ja auch.

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    Ich weiß nicht recht, wie ich mit diesen Unwahrheiten umgehen soll. Wenn ich ihr zu verstehen gebe, dass ich ihr nicht glauben kann, wird sie abblocken und nicht weiterreden. Andererseits hilft es auch nicht, wenn ich ihr ihre verfälschte Realität bestätige.


    Das ist wirklich nicht einfach und hier wäre eigentlich ein Psychologe gefragt. Ich meine, Du solltest auf jeden Fall versuchen immer sachlich zu bleiben. Ggf. auch gezielte, aber nicht wertende Nachfragen stellen. Es wird darauf hinaus laufen, dass Du viele Dinge dann einfache "stehen lassen" musst, wenn Du nicht in die von Dir angedeutete Gefahr geraten willst. Also das sie einfach dicht macht. Andererseits ist das wieder genau das, was ich mit "achte auf Dich" gemeint habe. Sowas ist wirklich nicht einfach, kann extrem belastend sein und ist eigentlich was für einen Profi. Denn Du wirst Deine Mama nicht therapieren können, das ist auch überhaupt nicht Deine Aufgabe. So bist Du jetzt hier also im Spagat zwischen Tochter die helfen will und betroffene Tochter, die sich unbedingt schützen muss. Nicht einfach und ich kann Dir auch keine Lösung sagen. Außer meinen "Ideen" die ich Dir schon genannt habe.

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    Darauf sagte sie, dass sie schon in Betreuung sei, hat das Thema aber sofort wieder abgebrochen, als ich wissen wollte, wo wie warum... Ich hoffe, dass ich darauf vielleicht noch eine Anwort bekomme.


    Das kann alles und nichts bedeuten. Ich würde eher an nichts glauben wollen. Denn wenn sie wirklich ernsthaft in Betreuung wäre, also in psychologischer Betreuung, dann hätte sie keinen Grund hier so zu reagieren. Es sei denn, sie macht das erst ganz kurz und hat noch nicht verstanden, dass sie eine Krankheit hat wofür sie sich nicht zu schämen braucht.

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    Gibt es irgendwelche Tipps/Dinge die ich beachten kann, um einigermaßen ruhig im Gesrpäch zu bleiben ohne dass sie ständig die Flucht ergreift?


    Tja, außer meinen persönlichen Anmerkungen von oben, die keinerlei Anspruch auf "Wirksamkeit" haben, kann ich Dir hier leider nichts sagen. Da bräuchte es jetzt jemanden, der damit richtig Erfahrung hat. Ich halte das alles aber eben gerade aufgrund Deiner persönlichen und damit auch sehr emotionalen Nähe für sehr schwierig. Sachlich bleiben, sachlich nachfragen, keine Vorwürfe machen wird sicherlich hilflreich sein. Die Frage ist eben, was die Antworten Deiner Mama mit Dir machen....

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    Jedoch kann ich nicht einschätzen, ob sie an diese verschobene Wirklichkeit auch selbst glaubt, oder ob sie insgeheim weiß, dass es nicht stimmen kann.


    Ich kann ich Dir noch sagen, wie das bei mir war. Ich bin, je länger meine Sucht andauerte, mehr und mehr in eine Parallelwelt abgetriftet. Diese war zwar mit der normalen Welt verknüpft, hatte jedoch andere Wertevorstellungen, andere Moralvorstellungen und ganz andere Regeln im Bezug auf Gut und Böse. Schwer zu erklären. Jedenfalls habe ich Dinge geglaubt, wirklich richtig geblaubt, wo ein anderen die Hände über den Kopf zusammen geschlagen hätte. Weil ich sie auch glauben wollte. Das machte mich auch zu einem exzellenten Lügner und Betrüger. Denn wenn man seine Lügen selbst glaubt, dann kann man nahezu perfekt lügen. Und da das normale Umfeld sich gar nicht vorstellen kann, dass man das alles erlügen und erfinden kann, hat es mir vertrauenvoll geglaubt. Verrückt aber es war so. Aber eines möchte ich auch noch sagen: Selbstverständlich hatte ich immer wieder Momente, wo mir klar wurde, was ich da eingentlich tue. Und diese Momente endeten dann entweder darin, dass ich eine Trinkpause einlegte (weil es ja so nicht weitergehen könnte und ich etwas ändern wollte / was mir aber am Ende meiner Suchtzeit gar nicht mehr gelang) oder, dass ich sofort zur Flasche griff um diese Gedanken zu verdrängen, weil ich sie nicht ertragen konnte (was besonders in den letzten Jahren meiner Sucht der Normalfall war).

    Zitat

    Ich möchte ihr das Gefühl geben, dass ich für sie da bin.


    Das ist schön. Aber ich meine, dass ist unbedingt damit zu verknüpfen, dass sie Einsichtig ist und etwas gegen ihre Sucht unternimmt. Ansonsten wirst Du ganz schnell wieder da sein, wo Du bereits warst. Du wirst nicht weiter kommen mit ihr, wenn sie uneinsichtig der Meinung ist kein Problem zu haben. Da kannst Du dann mehr oder weniger co-abhängig neben ihr her feudeln und ihr beim Trinken und immer weiter abgleiten zuschauen. Helfen kannst Du ihr damit nicht und ganz nebenbei geht Dein eigenes Leben dabei auch noch kaputt. Darum pass hier bloß auf was Du machst und auch was Du sagst. Für sie da sein ist gut. Aber nur wenn sie da raus kommen möchte und bereit ist, die ersten Schritte selbst zu gehen. Alles andere wird eine unendliche Geschichte werden.... Leider....

    Zitat

    Vielleicht wird es beim zweiten Gespräch etwas besser. Ich geb ihr Zeit und bleibe ruhig.


    Dafür wünsche ich Dir alles alles Gute. Kraft, Geschick und das Du sie irgendwie erreichen kannst. Auf die möglichen Gefahren für Dich bin ich schon eingegangen so dass ich jetzt nicht mehr zu sagen haben. Meine besten Wünsche begleiten Dich!

    LG
    gerchla

    Schade das Du weg willst. Wenn das Forum nicht zu Dir passt ist das natürlich ok. Ich hab aber das Gefühl dass es Dir sehr schlecht geht. Und Du da nicht so einfach heraus kommen wirst. Schade dass Dich die Menschen hier, von denen meisten eine schlimme Suchtgeschichte hinter sich haben, nicht erreichen konnten.

    Ich wünsche Dir alles alles Gute!

    LG gerchla

    Hallo sannie,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön, dass Du etwas gegen Deine Sucht unternehmen willst.

    Ich stelle mich mal kurz vor: Ich bin mänlich, 50 Jahre alt und Alkoholiker. Ich lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

    Was Du so von Dir beschrieben hast deutet für mich schon darauf hin, dass Du sehr wahrscheinlich bereits süchtig bist. Ob man süchtig ist oder nicht (also "nur" Missbrauch betreibt) hat nichts damit zu tun, welche Art von Alkohol man trinkt. Wenn Du also schreibst, dass Du "nur" Bier oder Wein getrunken hast, dann ist eine Feststellung aber deshalb nicht unbedingt ein Vorteil. Zumindest bezogen auf die Herausforderungen, die für Dich jetzt beim geplanten Suchtausstieg zu bewältigen sind.

    Auch die Menge oder ob Du nur abends getrunken hast, hat für die Feststellung ob Du süchtig bist keine größere Bedeutung. Süchtig ist man eben, wenn man ohne Alkohol nicht mehr Leben kann. Wenn man ihn braucht, ihn trinken muss und wenn der Verzicht auf Alkohol entweder gar nicht mehr oder nur mit großen Kraftaufwand möglich ist. Salopp (oder ironisch) könnte man den bekannten Spruch zitieren:"Ich habe kein Problem mit Alkohol sondern nur ohne"

    Nochmal zur Menge: Natürlich ist es immer besser, wenn die Menge geringer ist. Allein bezogen auf die körperlichen Auswirkungen, die Du ja bereits in Form von Leberproblemen spürst. Aber man kann auch bei relativ geringen Mengen bereits abhängig trinken. Und wenn der Zug mal abgefahren ist, dann ist er halt abgefahren und dann stellt sich i. d. R. eine Steigerung der Menge "von selbst" ein.

    Ich denke aber mal, das Du Dich da schon schlau gemacht hast und das kleine Einmaleins der Alkoholsucht sozusagen schon gelernt hast. Wenn nicht, hier im Forum findest Du viele Informationen (auch Literaturtipps), neben den Lebensgeschichten der Betroffenen. Lies Dich einfach mal in Ruhe ein.

    Was hast Du denn jetzt weiter vor? Hast Du einen Plan, wie Du den Übergang in ein Leben ohne Alkohol gestalten bzw. erreichen möchtest? Was ich sagen will: die Erfahrung zeigt, dass es i. d. R. nicht reicht, einfach "nur" auf Alkohol zu verzichten. Wenn Du dauerhaft ohne Alkohol leben möchtest, was bei einem süchtigen Menschen sicher der beste Weg und bei den meisten auch der einzige funktionierende Weg ist, dann wirst Du Dich mit Deiner Krankheit beschäftigen müssen. In welcher Tiefe und Detailfülle das passieren muss, ist eine individuelle Geschichte. D. h. ich denke Du musst heraus finden, welcher Weg für Dich der Richtige ist. Und ich kann Dir aus eigener Erfahrung nur raten, Dir für diesen Weg möglichst viel an Hilfe zur Seite zu holen.

    Lieber erst mal mehr Hilfe als weniger. Denn wenn bestimmte Hilfsangebote Dich nicht weiterbringen oder "nicht Dein Ding" sind, dann wirst Du das heraus finden und kannst es ja lassen. Ich spreche hier also von so Dingen wie:

    Mit dem Arzt reden, weiteres Vorgehen besprechen. Eine Suchthilfe aufsuchen und auch dort über Hilfsmöglichkeiten / weiteres Vorgehen sprechen. Mal eine SHG besuchen und schauen, ob das zu Dir passt. Austausch mit anderen Betroffen kann höchst wertvoll sein. Wir machen hier im Forum ja nichts anderes, nur eben auf virtueller Ebene. Vielleicht auch einen Psychologen mit einschalten, je nachdem was bei Dir so "im Hintergrund" schlummert. Etc.

    Ich habe viel probiert und einiges war "nur" temporär gut für mich und später dann nicht mehr so zielführend. Und so ist das bei jedem anders. Aber grundsätzlich kann ich Dir nur raten, Dir möglichst viel anzusehen und auszuprobieren. Wo Du dann auch Deine Fragen los werden kannst, Wo Du auch bei z. B. akuten Druck Menschen hast, mit denen Du Dich sofort austauschen kannst.

    Also, jetzt komme erst mal hier an. Wenn Du Fragen hast, dann immer gerne. Ansonsten wünsche ich Dir einen guten Start in ein neues Leben und einen guten Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

    Hallo Ina,

    wie schön so Positives von Dir zu hören. Ich freue mich sehr.

    Dazu noch meine Gedanken:

    Zitat

    In meiner SHG sind zwei Leute rückfällig geworden und das macht mich sehr betroffen. Zumal das nach langer Trockenheit passiert ist.
    Scheinbar muss man auch nach vielen Jahren immer noch "auf der Hut" sein, auch wenn ich mir das nicht vorstellen kann.


    Ich werde auch immer nachdenklich, wenn höre oder lese, dass jemand nach vielen Jahren rückfällig wurde. Eine Zeit lang dachte ich immer, es bedarf eben ständiger Wachsamkeit und man müsste eben immer auf der Hut sein, um nicht in Gefahr zu geraten doch wieder zu trinken. Also wahrscheinlich ähnlich, wie Du das auch gemeint hast.

    Heute sage ich, dass ich mir natürlich immer darüber im Klaren sein muss, dass ich Alkoholiker bin. Aber eigentlich ist das für mich gar nicht so wichtig. Denn ich denke, meine Aufgabe ist es mein Leben und auch mich selbst so zu gestalten, dass ich damit zufrieden bin. Im Idealfall auch glücklich, wobei Glück ja eine individuelle Wahrnehmung ist und für jeden etwas anderes bedeuten kann. Denn ich weiß ja, warum ich getrunken habe und wofür ich den Alkohol missbraucht habe. Ich weiß ja, was mir der Alkohol sozusagen "kompensieren" sollte. Und all das, wofür ich damals meinte der Alkohol könnte mir helfen, erreiche ich heute durch eine bewusste und achtsame Lebensweise. Achtsam in diesem Fall aber nicht bezogen auf Alkohol sondern auf mich selbst. Es geht mir also im weitesten Sinn darum, mit mir selbst und mit meinem Umfeld im Reinen zu sein.

    Selbstverständlich gibt es immer wieder mal "Einschläge", Ereignisse oder auch Phasen, wo es mal nicht so toll läuft, Ganz normal, wie das bei jedem so ist. Ich hatte auch Ereignisse, die richtig schlimm waren, die mir früher sicher als wunderbarer Trinkgrund gedient hätten. Aber durch eine veränderte grundsätzliche Denk- und damit auch Handlungsweise, kann ich auch Krisen gut überstehen ohne das der Alkohol überhaupt auch nur Ansatzweise als Lösung meiner Probleme in meinen Hirn auftaucht.

    Insofern kann ich sagen, dass ich die Erfahrung gemacht habe und sozusagen noch täglich mache, dass die Gestaltung meines Lebens und Arbeit ein meiner persönlichen Entwicklung die beste Prävention vor dummen Gedanken ist. Denn warum sollte ich auf den Gedanken kommen wieder zu trinken, wenn ich mit mir im Reinen bin und nichts (elementares) vermisse?

    Alles Gute Dir weiterhin! Toll, dass Du jetzt ein neues, alkoholfreies Leben hast!

    LG
    gerchla

    Ich habe hier im Forum und auf anderen Kanälen von Menschen gelesen, die sagen, dass sie sich über ihre Trinkgründe keine Gedanken gemacht haben. Ich kenne auch persönlich Menschen, sogar im engeren Umfeld, die sich keine Gedanken über ihre Trinkgründe gemacht haben oder machen wollten. Und ich spreche jetzt von Menschen, die entweder von sich sagen, dass sie schon länger ohne Alkohol leben oder von Menschen, von denen ich durch persönlichen Kontakt weiß, dass sie schon länger ohne Alkohol leben. Und weil sich das jetzt so ließt, als wäre ich nur von solchen Menschen umgeben und es gäbe gar keine anderen, möchte ich noch dazu sagen, dass der Großteil derer die ich kenne (teils nicht persönlich sondern "nur" virtuell), sich recht intensiv mit ihrer Sucht und auch den Trinkgründen außeinander gesetzt hat. Soweit ich das überhaupt beurteilen kann.

    Ich kenne z. B. jemanden gut und persönlich, der noch heute (ist jetzt, glaube ich fast 15 Jahre trocken) fest der Meinung ist, dass er zurecht getrunken hat. Weil sein Leben anders nämlich gar nicht zu ertragen gewesen wäre. Denn da waren ja dieser und jener, der ihm übel mitgestpielt hat und dann noch der Druck durch xy, etc. Dieser Mensch hat also vereinfacht gesagt noch nicht mal das Bewusstsein, dass seine Trinkerei (unter der u. a. nicht wenige Angehörige litten) falsch, oder sagen mir mal, zumindest für sein Umfeld (Kinder, Partner, etc.) nicht besonders lustig war und es besser gewesen wäre, es wäre nie zur Sucht gekommen. Das fehlt dort m. E. wirklich, ich habe mit dieser Person zahlreiche Gespräche geführt und denke, dass ich das beurteilen kann. Und trotzdem ist dieser Mensch 100%ig seit fast 15 Jahren trocken. Auslöser war eine schwere Sturzverletzung im Suff und der anschließende Schwur nicht mehr zu trinken. Punkt. Mehr nicht. Sowas gibts. Keine Therapie, keine SHG, kein Psychologe, keine Suchtberatung. Nichts. Einfach nur diese Verletzung und der Schwur nie mehr zu trinken.

    Was ich damit sagen will. Es gibt nichts was es nicht gibt. Einige sagen ja auch, es reicht ihnen vollkommen aus, sich an die negativen Erfahrugen mit Alkohol zu erinnern um abstinent zu bleiben. Sie sehen keinen Sinn darin zu hinterfragen, wieso sie getrunken haben. Es war halt so und jetzt ist es aber glücklicherweise anders und sie wollen nie mehr dort landen, wo sie mal waren.

    Ich bin bei Susanne, wenn sie sagt, dass ja irgendwann die Gründe, weshalb man vermehrt zur Flasche gegriffen hat nicht mehr relevant sind. Sie sind eben dann nicht mehr relevant, wenn süchtig ist und wegen der Sucht trinkt. Selbst wenn sich diese Gründe dann in Luft auflösen sollten (an solche Situationen erinnere ich mich in meiner Suchtzeit auch) wird man weiter trinken. Und sich ggf. dann halt "neue" Gründe suchen. Eben dieses klassische "ich trinke weil" - es heute zu warm, zu kalt, zu windig, einfach alles sche...e, mein Hund mich nicht mehr liebt, etc.

    Ich hatte einige Situationen, wo ich mir als bereits süchtiger Mensch vorgenommen hatte, wenn dieses oder jenes Problem überstanden ist, dann gehe ich es an, dann höre ich auf. Ich habe es nie geschafft, denn ich war eben süchtig.

    Und trotzdem bin ich ein Verfechter für die "Finde Deine Trinkgründe"-Variante. Denn ich denke, wenn die Sucht dann tatsächlich mal überwunden / zum Stillstand gebracht ist, können diese Gründe wieder hochrelevant werden. Um einen Wiedereinstieg in die Sucht zu vermeiden / verhindern. Ich schreibe das alles immer nur aus meiner eigenen Sicht, meinem eigenen Erleben heraus. Bei anderen mag das anders sein, wird es sogar ziemlich sicher anders sein.

    Durch das Aufarbeiten und das Ergründen des wieso, weshalb, warum habe ich soviel über mich selbst und über mein bisheriges Leben erfahren und gelernt wie nie zuvor. Ich habe dabei auch erfahren, dass es nicht den einen Grund gab. Ich habe aber gleichzeitig "erarbeitet", dass es bei mir einige besonders wichtige Faktoren gab, die mich in den Alkohol flüchten ließen. Ich konnte Muster erkennen, erlernte (falsche) Muster aber auch nicht erlernte Kompetenzen im persönlichen/zwischenmenschlichen Bereich. Dadurch, dass mir das bewusst wurde, konnte ich genau daran arbeiten, wiederum ganz bewusst daran arbeiten. So konnte ich mich verändern, mein Verhalten, meine Denkweise. Bei mir war es so, dass dadurch der Alkohol immer mehr an Bedeutung verlor.

    Bei mir waren nur ganz am Anfang die Gedanken bezüglich der erlebten negativen Auswirkungen des Alkohols stark präsent. Da war natürlich dieses: Ich möchte nie mehr so tief sinken, ich möchte nie mehr derart am Boden sein. Das war anfangs ein Schutz vor "dummen Gedanken", wobei sich das bei mir einigermaßen in Grenzen hielt. Und je länger ich mich dann mit den Gründen, meinem Leben, meinen Zielen, etc. beschäftig habe, desto weniger "wichtig" waren die Gedanken an die negativen Seiten des Alkohols. Denn mir wurde mehr und mehr klar, dass er mir beim Erreichen meiner Ziele nie, also zu keiner Zeit, helfen kann. Er hat für mich überhaupt keinen Nutzen. Und was meine ehemals "wichtigen" Trinkgründe betraf: die kannte ich ja und da hatte ich längst ganz bewusste Gegenstrategien, also eine veränderte Verhaltensweise, erlernt.

    Es ist ein wenig schwer zu beschreiben, aber ich denke Ihr wisst was ich meine.

    Also jedem das Seine. Ich für mich kann nur positiv über Aufarbeiten und Gründe finden berichten und bin deshalb auch der Meinung, dass es ein guter Weg ist. Wobei es dann letztlich jeder selbst wissen muss. Denn wie wir ja wissen: Viele Wege führen zum Ziel, welcher es dann für einen persönlich aber letztlich ist, muss man selbst heraus finden. Manchmal auch durch try and error.

    LG
    gerchla