Tom Paul an euren Beiträgen sieht man, wie individuell der Umgang mit Alkohol ist, wenn man erstmal in der Sucht gelandet war. Ich selber bin mir des Risikos eines Rückfalls durchaus bewusst, es bestimmt aber nicht mein Leben. Ich versuche gelegentlich zu ergründen, warum die Abstinenz für mich in relativ kurzer Zeit normal geworden ist. Selbst wenn ich die alles erklärende Ursache finden würde, so ist es meine individuelle Geschichte und nicht übertragbar auf andere. Egal, wie ihr euch motiviert, wenn euer Weg für euch funktioniert, ist er richtig.
Beiträge von Paddy
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wir triggern uns selbst, durch das was wir annehmen.
Den Verdacht habe ich auch. Was habe ich mir vor meiner Abstinenz Gedanken gemacht, was mich alles triggern könnte, gerade indem ersten Monaten wird davor gewarnt. Und was war? Nichts, egal ob Supermarkt, Getränkemarkt, Restaurant oder Weihnachten, es interessiert mich nicht, ob Alkohol verfügbar ist oder getrunken wird. Ich hoffe und bin davon überzeugt, dass da so bleibt.
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Ich wünsche euch auch schöne und besinnliche Weihnachtstage! Für mich sind es ja die ersten nüchternen Weihnachten seit x Jahren und ich habe diese Zeit noch nie so (positiv) intensiv erlebt wie dieses Mal.
P.S. Den Brauch der Wintersonnenwende ist ein schöner.
Deswegen leuchtet mein Bäumchen auch schon seit dem 21. 😊🎄
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Ich kann mir aktuell ein Leben ganz ohne Wein und Bier ehrlich gesagt überhaupt nicht vorstellen.
Hallo 4Emmi!
Das war für mich sehr lange eine regelrechte Horrovorstellung. Bis ich dann im Suff mein Auto schwer beschädigt habe, zum Glück ist keinem was passiert. Ich habe auch immer abends für mich alleine Wein und Bier getrunken, meistens bis zum Filmriss. Das erste Bier war noch „Genuss“, danach habe ich kein Ende mehr gefunden.
Ich kann dir nur schildern, wie mein weiterer Weg dann war: am nächsten Tag war ich beim Hausarzt und habe mich geoutet und meine Alkoholsucht angesprochen. Nach sechs Wochen dann qualifizierte Entgiftung im Krankenhaus. Jetzt bin ich seit knapp über zwei Monaten abstinent und fühle mich so gut wie schon lange nicht mehr. Das unvorstellbare Leben ohne Alkohol ist jetzt da, die Angst davor war unbegründet! Z.Zt. warte ich auf eine ambulante Therapie zur Festigung der Abstinenz.
Und zu deiner Frage, ob du schuchtgefährdet bist: Das allemal, frage dich lieber, ob du schon abhängig bist. Egal, ob eine genetische Veranlagung oder bedenklicher Alkoholkonsum in deiner Familie vorliegt, die Gründe für eine Sucht sind oft vielfältig und immer individuell unterschiedlich. Eine dauerhafte Abstinenz ist aber trotzdem möglich., -
Honk : ich finde den Vergleich mit den „Bürokrankheiten“ durchaus passend. Ich selbst sehe mich auch nicht mehr als Abhängiger, nachdem ich die Entgiftung hinter mir habe und keine körperlichen Entzugserscheinungen mehr habe. Was aber bleibt ist das Potential, wieder abhängig zu werden. Dieses Potential besteht aber auch bei anderen Drogen, die ich nie genommen habe wie z.B. Crack, aber ich würde mich doch nie als Crack-abstinent bezeichnen. Merkwürdig, dass bei Drogen wir Crack oder Heroin von ehemaliger Abhängigkeit gesprochen wird, bei Alkohol aber nicht. Mir fällt dabei ein älterer Herr aus meiner SHG ein, der nach jahrzehnte langer Abstinenz immer noch mit der Angst eines Rückfalls lebt. Das ist für mich keine erstrebenswerte Perspektive.
Zum eigentlichen Thema „Notlüge“ zwei Beispiele aus meinem Leben: Ich habe eine Privatinsolvenz hinter mir. Da bin ich nicht stolz drauf, ist nun aber so. Damit gehe ich natürlich nicht hausieren, aber wenn in einem Gespräch das Thema auf Verschuldung kommt (und ich der/dem Gesprächspartnerin vertraue) habe ich auch kein Problem damit, darüber offen zu reden. Weil ich weiß, dass zu diesem Thema vielen die nötigen Informationen fehlen und ich evtl. helfen kann. Und auch das Thema Überschuldung ist mit Stigmatisierung und Vorurteilen behaftet.
Anderes Thema: ich habe eine chronische Krankheit, Morbus Crohn. Das ist auch kein Thema fürs erste Candlelight-Dinner, aber diese Krankheit ist nun mal Teil meines Lebens. Ich bin medikamentös so gut eingestellt, dass ich praktisch keine Beschwerden habe, dadurch denke ich fast nie daran, dass ich unheilbar krank bin. Dementsprechend ist das bisher auch nie Thema auf einer Party o.ä. gewesen, und, vor allem, ich fühle mich nicht krank.
Warum sollte ich zu einem dieser Themen zu einer Notlüge oder Ausrede greifen? Notlüge bedeutet ja, dass ich ein Thema vor anderen verheimlichen will. Warum will ich das? Für mich (und zwar für mich ganz persönlich) wäre das ein Zeichen, dass ich noch etwas vor mir selbst verheimliche.
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Ich war noch in so einer Situation, habe mir aber natürlich schon Gedanken dazu gemacht. Wenn mir jemand Alkohol anbietet ist mein Plan, zu sagen: Danke, ich trinke keinen Alkohol. Bzw. bei Menschen, die mich kennen zu sagen: Ich trinke keinen Alkohol mehr. Sollte es zu Nachfragen kommen, würde ich das genau einmal zulassen mit einem freundlichen Lächeln und dem Hinweis, dass ich gute Gründe dafür habe. Punkt. Details würde ich sicher nur mit Menschen ansprechen, bei denen ich das Gefühl habe, sie wollen wirklich mehr darüber wissen und denen ich wirklich vertraue.
Wenn ich als Vegetarier sage, ich esse kein Fleisch, fragt auch keiner nach. Und wenn ich bei Alkohol sagen würde: Ich trinke keinen Alkohol, ich bin Moslem, würden das wahrscheinlich 95% der Anbietenden kommentarlos hinnehmen. Womit wir bei unser kranken "Kultur" sind, in der Alkoholkonsum als Regelfall akzeptiert ist. Deswegen würde ich auch nicht sagen: Ich darf keinen Alkohol mehr trinken. Natürlich darf ich, es ist mein gutes Recht, meine Gesundheit zu ruinieren, will ich aber nicht.
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Ich sehe es als Medikamenteneinnahme…. 🙄
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Das Risiko sollte ich nicht mehr eingehen
Ich muss auch nochmal etwas zu deiner Einstellung schreiben im Vergleich zu dem, wie ich es halte:
Alkohol ist ein Nervengift und kein Medikament. Mit dieser Äußerung verharmlost du dein Verhalten und das bringt dich nicht weiter. Das ist wahrscheinlich nichts Neues für dich, du suchst aber anscheinend nach "guten" Argumenten für moderaten Alkoholkonsum. Davon habe ich mich verabschiedet.
Und zur zweiten Formulierung: Ich hätte geschrieben "Das Risiko werde ich nicht mehr eingehen". So wie du es schreibst hältst du dir ein Hintertürchen offen. Aus "sollte nicht" kann schnell "könnte doch" werden.
Letztendlich musst du für dich entschieden, welchen Weg du gehen willst. Ich habe mich für 100% Abstinenz entschieden, ich bin noch nicht sehr lange dabei (Acht Wochen) und Alkohol kommt in meinen Gedanken noch fast täglich vor. Allerdings immer negativ, ich denke dann daran, dass ich die Abende nur in betäubten Zustand erlebt habe und schwer angeschlagen ins Bett gefallen bin, während ich jetzt Schlafen gehen, weil ich bewusst müde bin. Ich bin immer noch ein Morgenmuffel und fühle mich nach dem Aufstehen etwas schlapp, aber ich habe keinen Kater mehr. Und ich habe durchgeschlafen ohne mitten in der Nacht mit stechenden Durst aufzuwachen.
Die Entscheidung 100% abstinent zu sein heißt (für mich) auch 100% konsequent zu sein. Ich akzeptiere für mich, dass ich alkoholkrank bin und das Alkohol für mich genauso gefährlich ist wie ein Nussriegel für einen Nussallergiker. Oder nur ein Fingerhut voll Nuss

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Ja, und gestern musste ich einen Fingerhut voll Alkohol zu mir nehmen,
Stand jemand mit geladener Waffe hinter dir? Wurdest du bedroht? Gar nichts musst du!
Sorry, wenn ich da so deutlich werde, aber du musst lernen "Nein" zu sagen.
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hatte ich es so gedeutet dass Du auf der Suche nach einem Psychologen, also Einzeltherapie wärest.
Das hast du richtig gedeutet
Die Einrichtung biete neben einer stationären und einer ambulanten Reha auch Einzeltherapien an. In dem Gespräch nächsten Mittwoch wird es auch darum gehen, was ich will und was für mich geeignet ist. -
ich kann dir da nur raten, gaaaanz viel Geduld und Hartnäckigkeit zu haben.
So schnell kann's gehen: gestern eine Mail an eine Therapieeinrichtung geschrieben, heute Rückruf von einem Sozialarbeiter des Hauses und nächsten Mittwoch einen Termin zum Besprechen des weiteren Vorgehens. Etwas speziell finde ich, dass der Sozialarbeiter zu mir nach Hause kommen wird, ich vermute mal, er will sich ein Bild von meiner Lebenssituation machen. Auch gut, damit habe ich kein Problem.
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Hallo Emily,
danke der Nachfrage, und ja, der Alltag ist zurück. D.h. ich arbeite wieder, immer noch durchgängig im Home Office. Das ist auch ok, ich spare einfach mindestens zwei Stunden Arbeitsweg pro Tag und die gewonnene Zeit kann ich jetzt genießen.
Ich würde gerne eine ambulante Therapie beginnen, aber es ist anscheinend unmöglich, einen Therapeuten zu finden. Dabei zu suche ich schon in einem größeren Umkreis, trotzdem gibt es kaum Rückmeldung oder fast nur Aufnahmestopps für Neupatienten. Zum Glück kann ich zweimal in der Woche zur SHG gehen, die Gruppe hilft mir sehr. Am Sonntag waren wir mit der Gruppe Essen beim Griechen und auch hier das neue Normal: Kein Ouzo danach

Und ich verspüre nach wie vor keinen Saufdruck, Situationen, vor denen ich vor der Entgiftung etwas Angst hatte, triggern mich überhaupt nicht. Manchmal frage ich mich, ob das nicht alles zu leicht geht und achte sehr darauf, nicht leichtsinnig zu werden.
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Hallo Ciara,
für mich war (und ist) es auch wichtig, die biologischen Zusammenhänge der Sucht zu verstehen. Mir hat dabei das Buch "Die Suchtlüge" von Gabi Gutzek sehr geholfen. Dort wird gut erklärt, wie unser Gehirn in der Sucht arbeitet und es wird erklärt, wie wir als Süchtige gegenansteuern können. Ich sehe diese Informationen allerdings nur als einen Baustein von vielen, um aus der Sucht zu kommen. Für mich war das Buch einfach eine gute Quelle für Hintergrundwissen, wohl wissend, dass das alleine nicht reichen wird.
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Moin,
Ich wundere mich gerade, wie sehr ich die Abstinenz anscheinend verinnerlicht habe. Ich habe mir gerade zwei leckere Tortenstückchen geholt und wie selbstverständlich gefragt, ob da Alkohol drin ist. Die Verkäuferin hat entspannt geantwortet, also alles ganz normal 😊
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So, Entgiftung ist beendet, ich bin wieder zu Hause. Das war eine eindrucksvolle Zeit,ich habe dort einige sehr nette Leidensgenossen kennen gelernt, aber ich bin auch froh, wieder dauerhaft zu Hause zu sein. Was ich auch in Erinnerung halten werde sind die Patienten, die durch den Alkohol körperlich und psychisch schwer angeschlagen sind. Als abschreckendere Beispiel. Ich werde mich morgen für den Rest der Woche krankschreiben lassen und beabsichtige dann nächste Woche wieder zu arbeiten, also zurück in den alten und gleichzeitig neuen Alltag 🙂
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Moin,
Ich bin selber auch privat versichert, zahle aber als Angestellter „normal“ meine RV-Beiträge. Deswegen wird eine Reha auch von der RV übernommen. Ob das eine Privatklinik einschließt wage ich zu bezweifeln.
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Moin TGVD,
Offensichtlich reagiert dein Korper schon, wenn auch „nur“ an den Laborwerten ersichtlich. Ich war auch lange Zeit „nur“ psychisch abhängig, die körperliche Abhängigkeit kam dann ganz schleichend. Ich bin erst seit 17 Tagen abstinent und noch in der qualifizierten Entgiftung, ich merke aber jetzt schon, dass es mir in vieler Hinsicht besser geht.
ich weiß nicht, wie das Arbeitsklima bei dir ist, aber ich habe einige Kollegen in mein Suchtproblem eingeweiht. Und: nein, das war nicht peinlich. Ein Cocktailkurs wäre für mich ein NoGo und das würden meine Kollegen auch verstehen.Edit: Ich war als erste Anlaufstation beim Hausarzt. Alles weitere kannst du dort besprechen.
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Ich bin seit gestern für das WE wieder zu Hause und ich habe letzte Nacht das erste Mal seit langen durchgeschlafen 🕺 Es ist ein gutes Gefühl, abends nüchtern ins Bett zugehen und morgens mit klarem Kopf aufzuwachen! Ich war gestern noch einkaufen und fand es fürchterlich, wie im Supermarkt Spirituosen im Sonderangebot beworben werden, hat mich andererseits aber irgendwie nicht interessiert.
Und ich kann wieder „Kleinigkeiten“ genießen wie den schönen, klaren Herbstmorgen mit seinen bunten Farben. Ich merke, dass es mir körperlich besser geht, wenn auch nur langsam. Ich habe ein Poster mit einem Banxty an der Wand hängen, dort sehe ich:There is always hope
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Stimmt,einige kommen nur wegen Bett und Essen, lassen sich „Trockenschleudern“ und gehen dann wieder. Ich habe am 11. einen Termin bei sozialpsychiatrischen Dienst, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ich bin erstmal für alles offen und ich habe vor, ab übernächster Woche wieder zu arbeiten, wer weiß, wann eine Reha losgehen könnte. Aktuell habe ich den Eindruck, dass ich den weiteren Weg auch ohne Reha schaffe, nicht alleine, aber mit SHG und Rückhalt aus der Familie. Aber das werde ich nächste Woche auch nochmal mit der Psychologin besprechen.
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Ein langweiliger Feiertag geht zu Ende, heute war einfach nichts los. Ein kleiner Spaziergang im Wald, das hat gut getan. Morgen Mittag geht’s dann bis Sonntag wieder nach Hause, ich freue mich schon darauf. Und dann noch drei Tage, dann hat mich der Alltag wieder. Wenn ich sehe, was für Gestalten hier die letzten Tage angekommen sind weiß ich, dass ich auf dem einzig richtigen Weg bin.
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Moin Paul, ja, ich gehe da relativ entspannt ran, vergesse aber nicht den Ernst der ganzen Sache. Ich bin zum Glück in einer SHG, in der es recht locker zugeht, das hilft mir sehr. Ich vergesse auch nicht, dass ich hier im KH in einer Blase lebe und dass der Alltag wieder herausfordernd wird. Das kann ich nur bedingt andern und muss lernen, damit umzugehen. Wird schon 🙂