Beiträge von Nekobasu

    Liebe Mitleser,

    ein Update von meiner Seite.

    Ich habe meinen Ex also beim Regeln seiner administrativen Probleme unterstützt, mit dem unguten Gefühl dass ich ihm hier aus dem Gröbsten raushelfe und er dann entspannt weitermacht. Die Gefahr war reell aber ich habe mich darauf eingelassen weil ich die Alternative für meine Kinder nicht zumutbar fand.

    Das Positive daran war, dass er wieder Vertrauen zu mir gefasst hat, er konnte sich öffnen und über seine Probleme reden. Davor hatte er sich gerne eingeredet, dass ich der Feind bin und ihm Böses will. Durch die Beantragung vom Bürgergeld und die Klärung mit seiner Krankenkasse kam für ihn eine gewisse Ruhe rein: die Panik, dass er bald auf der Straße steht und nicht mehr zum Arzt kann war vorerst gebannt. Allerdings wollte er sein Alkoholproblem weiterhin alleine angehen, d.h. einfach nicht mehr trinken. Das hat er probiert, mit durchwachsenem Erfolg. Aber dadurch, dass wir wieder offen miteinander reden konnten, konnte er auch annehmen, wenn ich ihm sagte, dass das Selbstbetrug sei. Er hat mir sogar teilweise zugestimmt.

    Am Entscheidendsten ist aber, dass er jetzt wieder zu seinem Arzt gehen kann. Und der hat ihm bestätigt, wie schlecht es gesundheitlich um ihn steht. Leber ist schwer geschädigt, Milz vergrößert, alles im Argen. Das kann im schlimmsten Fall auch jederzeit das Ende bedeuten.

    Für mich war das nochmal ein Schock. Obwohl ich es wusste. Aber das nochmal so bestätigt zu bekommen ist unglaublich hart. Die Vorstellung, dass meine Kinder vielleicht noch den Verlust ihres Vaters verkraften müssen. Und er trotzdem nicht in Therapie gehen wollte.

    Und jetzt hat er sich nach dem letzten Arztgespräch doch entschieden in eine Klinik zu gehen. Angeblich hat er schon ein paar Wochen nichts getrunken (ob das so genau stimmt kann ich nicht sagen, aber eine gewisse Zeit wird es wohl gewesen sein, denn er hat sogar freiwillig gepustet wenn er mit den Kindern Auto gefahren ist und klang insgesamt deutlich klarer).

    Am Mittwoch will er jetzt konkret besprechen, wann er in die Klinik kann und welche Schritte dafür nötig sind. Er sagt, dass er seine Kinder beim Abiball sehen will, bei ihrer Hochzeit, er will seine Enkelkinder noch sehen.

    Ich kann mir kein wirkliches Aufatmen erlauben. Aber wenn er das wirklich dieses Mal durchzieht wäre ein erster wichtiger Schritt getan. Ob das rechtzeitig war wird sich noch zeigen. Meine Jüngste ist überglücklich (er hat es ihr erzählt) und ich hoffe nur, dass es bergauf geht. Dass das der Tiefpunkt war den er brauchte. Und dass sich sein Körper noch erholen kann von dieser Tortur über all die Jahre.

    Ich will nicht sagen, dass es richtig war, was ich gemacht habe. Es hätte genauso gut schiefgehen können. Drückt uns die Daumen, dass es nicht zu spät war und er die Kurve bekommt. Danke für all Eure Antworten und Gedanken hierzu.

    Eure Neko

    Danke Mojo, danke alle,

    alles sehr gute Hinweise. Ich habe mir auch selber ein Endziel gesetzt: Ich sortiere wie gesagt das Gröbste vor, kümmere mich um unmittelbare Dinge, die ihm über den Kopf wachsen (z.B. Unterstützung beim Bürgergeld-Beantragen; um ehrlich zu sein finde ich das auch extrem unübersichtlich und nicht selbsterklärend: da können wohl viele Leute Unterstützung gebrauchen. Deutsch ist nicht seine Muttersprache). Zu seinem Termin muss er selbst gehen.

    Dann kümmere ich mich um seine Krankenkasse, da die ihm aufgrund der fehlenden Zahlungen jetzt die Leistungen gestrichen hat: er kann nur in akuten Fällen zum Arzt. Er müsste aber mal dringend mit seinem Hausarzt sprechen. Fällt aber offiziell trotzdem nicht unter "akut". Wenn wir das geklärt haben (er telefoniert auch mit denen, aber lässt sich immer abwimmeln, da kann er noch ewig warten, leider ist er da nicht besonders durchsetzungsstark) muss er alleine weiter und seine Entscheidungen treffen. Das mit der Privatinsolvenz ist ein guter Hinweis, und dann kann er das tatsächlich mit der Caritas usw.

    Das sind die beiden Themen, bei denen ich vorsortiere und helfe: danach muss er alleine weiter. Denn wenn er sich dann zurücklehnt ist es genau so, wie ihr alle gesagt habt. Und ich verstehe durchaus, dass das Risiko groß ist, auch wenn er zur Zeit durchhält.

    Deswegen habe ich mir diese Grenze gesetzt, und die werde ich auch einhalten.

    Danke nochmal für Euer offenes Feedback, das ist nach wie vor sehr hilfreich.

    Neko

    Hallo Brant, hallo Bighara,

    Danke für Euer Feedback. Ihr bestätigt, was ich mich auch schon gefragt habe: ist das nachhaltig oder nur erste Hilfe und in Bezug auf das Trinken ändert sich nichts. Ich bin da innerlich drauf vorbereitet, dass es nicht dauerhaft ist. Auch wenn es gute Ansätze gibt. Wenn die Leute in seinem Umfeld schon mal mitspielen und er sich ihnen gegenüber ehrlich geöffnet hat ist das ein Schritt. Aber ob das reicht...??

    Heute habe ich mit ihm über SHG gesprochen und ihn gebeten, sich doch nochmal Termine rauszusuchen. Wollte er machen. Das wäre aus meiner Sicht einfach wichtig, dass er ehrliche Leute um sich hat die ihm auch aus Erfahrung sagen können wenn er sich selbst etwas vormacht.

    Wir werden sehen. Ich nehme die Sitation als das was sie momentan ist: nicht mehr und nicht weniger.

    Danke Euch

    Nekobasu/Ailin

    Liebe Mitleser,

    Es hat sich etwas unerwartetes getan.

    Mein Ex hat mich auf einmal um Hilfe gebeten. Es hat mich ziemlich geschockt. Er wusste offensichtlich nicht mehr weiter. Er ist ja seit letztem Sommer arbeitslos und so langsam brach vor allem finanziell alles zusammen. Er hat komplett den Überblick verloren und wusste nicht wie es weitergehen soll.

    Obwohl das erstmal gut klingt, hat das Thema zwei Seiten: das Finanziell/Administrative und die Sucht. Bei ersterem will er meine Hilfe. Beim zweiten meint er immer noch, es alleine schaffen zu können (was ich bezweifele).

    Ich helfe ihm nun, bei dem worum er mich gebeten hat. Seit Tagen sichte ich monatelang ungeöffnete Post, Mahnungen, angekündigte Zwangsvollstreckungen usw. Spreche mit der Krankenkasse, die ihm die Leistungen gekürzt hat. Unterstütze ihn dabei, Bürgergeld zu beatragen. Usw usw. Nebenher versuche ich ihm aus seinen Messi-Anfängen heraus zu helfen. Er war früher sehr ordentlich. Jetzt verlottert die Wohnung. Seine beiden Katzen tragen das ihre dazu bei.

    Wie dem auch sei, es ist schwierig aber wir arbeiten uns Schritt für Schritt durch. Alleine wäre er aufgeschmissen. Er arbeitet mit, ist auch dankbar. Seine Haltung hat sich komplett geändert. Aber natürlich bleibt die Frage: was ist mit dem Alkohol?

    Ich habe den Eindruck dass er ernsthaft versucht nicht mehr zu trinken. Seine Peer-Group ist inzwischen komplett informiert und scheint auch mitzuziehen. Viele haben sich in den letzten Tagen sehr unterstützend gezeigt, haben ihm Hilfe angeboten, werden ihm keinen Alkohol mehr anbieten, wenn er kommt. Es gibt noch eine Person, einen älteren Mann, der ihm nach wie vor Bier anbietet, so unter dem Motto "kann doch nicht schaden". Da wird er noch schwach, will sich aber hier auch noch mehr Distanz schaffen.

    Ich habe ihm gesagt, dass er aus meiner Sicht weitere professionelle Hilfe braucht. Das versteht er, aber er will es nicht. Vielleicht kommt er noch dorthin.

    Natürlich ist meine Befürchtung, dass er nur meine Hilfe braucht, um seine Probleme mit den Behörden zu lösen und sobald er ruhig sein Bürgergeld bekommt wieder abtaucht. Mit dieser Möglichkeit habe ich mich auseinander gesetzt. Wenn dem so sein sollte hätte ich aber zumindest meine Kinder davor bewahrt ihren Vater auf die Straße abgleiten zu sehen. Ich habe auch das Gefühl. dass sich etwas in ihm getan hat. Er hat auch wieder zu anderen Menschen, die er lange gemieden hat Kontakt aufgenommen. Ich glaube, er will wirklich Veränderung. Die Frage ist nur, ob er einer der wenigen Menschen ist, die es tatsächlich alleine schaffen. Wenigstens eine SHG wäre sicher gut. Aber ich kann ihn nicht zwingen.

    Vielleicht hat jemand von Euch Gedanken hierzu.

    Ansonsten drückt uns die Daumen.

    Liebe Grüße

    Nekobasu/ Ailin

    Lieber Gerchla,

    Wie schön von Dir zu lesen, damit hätte ich nicht gerechnet. Du solltest Dir keine Gedanken machen: was Du mir damals geschrieben hast war damals wertvoll und hilfreich. Ich hatte die Wahl, meine Kinder zu einem Kontaktabbruch zu nötigen oder einen mehr oder weniger kontrollierten Kontakt zuzulassen. Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden und ich würde es heute wahrscheinlich wieder tun. Einen Kontaktabbruch zu forcieren hätte sicherlich einen ebenso großen Schaden angerichtet, denn damals wie heute lieben die Kinder ihren Vater und es gab damals nicht ausreichend Gründe um so weit zu gehen. Und wahrscheinlich auch heute noch nicht. Beide aus der Schule zu reissen, aus dem gewohnten Umfeld zu nehmen, das würde ihnen nicht helfen. In Gedanken sind sie ja noch bei ihm. Ich kann nur versuchen beiden so viel wie möglich Unterstützung zu geben, ihnen psychologische Hilfe anzubieten.

    Wir sind übrigens ein Jahr nach der Trennung umgezogen, aber im gleichen Ort. Es war sicher gut, raus aus der alten Wohnung zu kommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Bis letzten Sommer ging es auch in der Beziehung zu ihm halbwegs. Ich habe inzwischen auch einen neuen Partner, der mich sehr unterstützt und auch einen sehr guten Kontakt zu den Kindern aufgebaut hat. Meine Kleine bezeichnet ihn als ihren besten Freund. Aber er ist nicht der Papa.

    Ich habe darüber nachgedacht auch jetzt noch den Kontakt für sie ganz abzubrechen. Aber was passiert wenn er in dieser Zeit stirbt? Meine Kleine würde sich ewig vorwerfen, ihn nicht mehr gesehen zu haben. Die Große wahrscheinlich auch. Es ist in jeder Hinsicht eine besch... Situation. Seit dem Sommer geht es steil bergab bei ihm. Gesundheitlich und auch sonst. Ich hatte mir immer wieder gesagt, dass ich mich nicht mehr in sein Leben einmische. Jetzt tue ich es doch wieder. Ich kämpfe solange es notwendig ist, denn das bin ich meinen Kindern schuldig. Sie haben ihren Mittelpunkt bei mir und sehen ihren Vater wenn sie es wollen, meistens mal einen Nachmittag, oder zum Geburtstagskaffee oder so. Dann gibt es noch mal ein paar schöne Momente, in denen wir zusammen Karten spielen. Ein kleines bisschen Normalität, wo er quasi in unserer Welt zu Gast ist. Wo er sich zusammennimmt um dann wieder in seiner Welt zu verschwinden. Wäre es besser, das gar nicht zuzulassen? Ich kann es nicht beantworten. Ich weiß nur, dass meine Kinder einen kompletten Abbruch nicht wollen würden.

    Bis letzten Sommer lief dieses parallele Leben ganz okay. Aber seitdem tickt die Uhr immer lauter...
    Eine Klinik will er nicht, er meint, dass er es alleine schaffen kann, er müsse nur wieder Arbeit finden. Wenn das nicht bald klappt ist er wahrscheinlich pleite. Vielleicht ist das der harte Aufschlag den er braucht. Oder es gibt diesen Tiefpunkt für ihn nicht.

    Hope for the best but prepare for the worst.

    Nekobasu/ Ailin

    Hallo AmSee,

    Danke, da schaue ich mal rein. Meine Tochter versteht das vom Kopf her alles sehr gut. Sie war in der Hinsicht schon immer sehr "weise", eigentlich zu weit für ihr Alter. Sie hat auch in einer Drogenberatungsstelle mit einer Psychologin genau zu diesem Thema gesprochen, und auch bei ihrer jetzigen Therapie ist das natürlich Thema. Es ist bitter, dass sie sich schon so früh mit solchen Themen auseinandersetzen muss. Aber egal was der Kopf versteht, das Herz kommt nicht hinterher.

    Ich weiß nicht warum ich das frage, aber was geht in einem Vater vor, der eigentlich weiß, welchen Schaden er anrichtet bei seinen Kindern, aber sich jeder Lösung oder Hilfestellung verschliesst? Natürlich weiß auch ich, dass man da nicht mit rational-logischen Ansätzen weiterkommt. Aber die Möglichkeit der Verdrängung ist schon unheimlich. Es geht mir dauernd im Kopf herum.

    Liebe AmSee,

    Meine Töchter wünschen sich sehr einen guten Kontakt mit ihrem Vater, vor allem die Kleine. Sie will ihren "Papa zurück" wie sie ihn von früher kannte. Durch ihre Krankheit lernt sie jetzt sich abzugrenzen. Ich habe ihr auch immer gesagt, dass sie ihren Papa immer sehen darf, aber das auf gar keinen Fall muss. Das sie sagen darf, ob ihr der Kontakt gut tut. Trotzdem hat sie immer wieder Schuldgefühle wenn sie ihn eine Weile nicht besucht hat. Ich sage ihr dann immer wieder, dass sie sich diese Auszeit nehmen darf, dass sie keine Verantwortung für ihren Papa übernehmen muss. Aber sie kommt dann immer wieder an den Punkt an dem die Sehnsucht wieder so groß ist, dass sie ihn besuchen möchte.

    Die Große ist da souveräner und sagt ihrem Vater auch klar, dass sie keinen Bock auf ihn hat wenn er sich komisch verhält usw. Trotzdem will sie schon ab und zu etwas mit ihm machen. Sie geht dann halt kurz nach der Schule bei ihm vorbei, aber übernachten tut sie kaum bei ihm. Auch das darf sie natürlich entscheiden.

    Ich versuche nur für sie da zu sein, wenn sie Gesprächsbedarf haben. Versuche ihnen immer wieder behutsam zu sagen, dass es nicht ihre Schuld/Verantwortung ist, was ihr Papa macht. Das sie ihn nicht ändern können, und das nur er selbst das tun kann.

    Trotzdem ist es ein herzzerreissender Drahtseilakt für die Kinder.

    Ich denke, dass ich von mir sagen kann, dass ich stark bin für sie. Und gleichzeitig gut für mich sorge. Ich gehe zum Sport, treffe mich mit Freunden. Und ich spreche offen über Probleme, hole mir Hilfe, war selber zur Kur und zwischenzeitlich bei einer Therapie. Sie müssen mich nicht trösten und ich denke, sie wissen, dass ich unser Leben ganz gut auf die Reihe bekomme. Ich gebe auch mal zu, wenn es mir nicht so gut geht, aber ich lasse sie immer wissen, dass ich das hinbekomme. Um mich müssen sie sich keine Sorgen machen. Aber trotzdem fehlt ihnen ihr Papa und das Gefühl, dass sie ihm nicht wichtig genug sind, dass er etwas ändert für sie ist sicherlich unterschwellig immer da.

    Nekobasu

    Hallo AmSee,

    Danke für Deine Antwort. Mein alter Nickname war Ailin.

    Ein wenig Mut macht mir Deine Geschichte schon. Du hast recht, meine Tochter ist in Behandlung, hat Menschen die sie ernst nehmen und stützen. Ich versuche immer für sie stark zu sein, würde sie nie mit meinen Problemen und Gedanken belasten. Ich weiß, dass ich stark sein muss für sie, denn sie hat starke Tendenzen dazu sich für andere verantwortlich zu fühlen, vor allem für ihren Vater (was wahrscheinlich der Grund für ihre Erkrankung war und was ich leider auch nicht verhindern konnte, trotz vieler Gespräche).

    Ich glaube auch, dass sie bereits eine dunkle Vorahnung hat dass es schlecht ausgehen könnte. Ich sitze mit dem Dilemma, dass ich ihr ermöglichen möchte so viel wie möglich schöne Momente mit ihrem Vater zu erleben. Ich lade ihn dazu regelmäßig zu uns ein damit die Mädchen in einem geschützten Raum mit ihm Zeit verbringen können (seine Wohnung zieht sie eher runter, viele schlechte Erinnerungen, sie gehen nur wenn es sich nicht anders machen lässt) Beide versuchen Grenzen zu setzen, sich von ihm abzugrenzen, was auch wichtig ist. Wenn er zu uns kommt klappt es manchmal, dass sie entspannt was mit ihm machen können. Allerdings will er das eigentlich nicht. Ich glaube zum einen, dass es ihm wehtut zu sehen, was er quasi "verpasst". Außerdem beschämt es ihn wahrscheinlich mit mir dort zu sein. Wenn er einsichtig ist gibt er zu dass ich wirklich für ihn da bin wenn er es braucht und im ehrlich Hilfe anbiete. Aber es gibt auch Tage wie heute, in denen er mich quasi dämonisiert. Wahrscheinlich macht er das um seine Ruhe zu haben, und sein Leben so weiter führen zu können wie es gerade ist.

    Ich gehe ihm natürlich oft wahnsinnig auf die Nerven, weil ich nicht locker lasse. Ich spreche ihn immer wieder darauf an, was er vorhat, sage ihm ehrlich, wie es den Kindern geht usw. Das will er natürlich nicht hören, er findet das übergriffig und das ist es wahrscheinlich auch.

    Ich hatte mir nach der Trennung geschworen ihn in Ruhe zu lassen, mich nicht zu kümmern. Das würde wunderbar klappen wenn ich alleine wäre. Aber wegen der Kinder kann ich ihn nicht einfach fallen lassen. Alleine schon deswegen, weil er ja auch das Sorgerecht hat. Wenn ich etwas für die Kinder entscheiden oder beantragen will brauche ich ihn immer. Wenn er dann in seinem Chaos wichtige Dokumente nicht beisteuern kann stehe ich auf dem Schlauch. Dann pushe ich und helfe ich bis er es auf die Reihe bekommt.

    Ich bin nicht co-abhängig in dem Sinne, dass ich sein Alkohol-System am Laufen halte. Ich bin eher der Stachel in seinem Fleisch, eine Rolle, die ich schon lange nicht mehr will. Aber ich kann den Gedanken nicht abschütteln dass er irgendwann von der Bildfläche verschwindet und meine Kinder mich zum einen fragen, ob ich nicht hätte mehr tun können bzw. von ihrem schlechten Gewissen erdrückt werden. Das Gefühl haben sie heute schon: sie müssten sich doch öfter mit dem Papa treffen, ihn besuchen, auch wenn sie danach immer fix und fertig sind.

    Danke für Eure Sicht der Dinge, vielleicht hilft mir das bei meinem Tunnelblick auf die Situation.

    Nekobasu/ Ailin

    Liebes Forum,

    ich war vor einigen Jahren schon mal hier. Damals hatte ich gerade die Trennung von meinem Ex-Mann hinter mir. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir erst sein Alkoholproblem bewusst (er hatte das offensichtlich jahrelang sehr gut versteckt). Damals hat mir der Austausch mit Gerchla und vielen anderen sehr weitergeholfen. Jetzt bin ich wieder hier (neuer Name, da ich meine alten Zugangsdaten nicht finden konnte).

    Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht warum. Ich habe inzwischen viel gelernt, weiß, dass außer ihm selbst ihm niemand helfen kann. Vielleicht muss ich mich einfach mal hier meine Angst und Frustration rauslassen. Bei Leuten die das nachvollziehen können.

    Wir sind 6 Jahre weiter und ich habe Angst, dass er immer näher an den Abrgund kommt. Letztes Jahr hat er seinen Job verloren und es nicht geschafft etwas neues zu finden. Nur "Watte im Kopf" sagt er selbst. Wir reden regelmäßig wegen der Kinder. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich da bin, wenn er Hilfe braucht. Die Tür steht auf, er muss nur durchgehen. Aber er geht nicht. Das muss ich aushalten, obwohl es mir wegen der Kinder so unendlich schwer fällt.

    Meine Jüngste ist seit einem Jahr in Therapie wegen Depressionen. Sie ist noch keine 14 Jahre alt. Sie war in der Klinik wegen aktuer Suizidgedanken. Und natürlich hat sein Verhalten die letzten Jahre einen großen Anteil daran. Er weiß das natürlich, ist sicherlich auch betroffen, aber ändern tut er nichts. Es tut mir so unglaublich weh zu sehen, wie er seine Tochter immer wieder mit runterzieht. Der Alkohol offensichtlich stärker ist als seine Liebe zu den Kindern.

    Ich sage ihnen natürlich, dass ihr Papa sie trotz allem liebt, dass er krank ist usw. Ich versuche den Kontakt zu ermöglichen ohne ihn in seiner Sucht zu unterstützen.

    Irgendwo ist da ein ein winzigkleiner Funken Hoffnung dass er irgendwann wirklich sieht, was er dort anrichtet und den Schalter umlegt. Aber ich muss mir auch eingestehen, dass seine Chancen wahrscheinlich schlecht stehen. Er hat sein Support-System von "Freunden", die entweder selber Alkoholiker sind oder die die Einstellung haben, dass "man doch mal ein Bier trinken kann".

    Sein Arzt hat ihm wohl vor einem Jahr gesagt, dass er ihm "in 2 Jahren Blümchen" schickt, wenn er nicht aufhört. Wenn er tatsächlich nicht mehr lange durchhält sehe ich schwarz für meine Jüngste. Er wird sie direkt mit sich in den Abgrund ziehen. Meine Große hält sich noch wacker, aber was das wirklich mit ihr macht kann ich gar nicht erahnen.

    Danke fürs Zuhören

    Nekobasu