Beiträge von - FORTUNE -

    Hallo zusammen,

    eine Zeit lang war ich nicht hier: Das hat durchaus seine Gründe, die nichts mit diesem Forum zu tun haben. Letzteres auch zur Klarstellung, da hier irgendwo (fälschlicherweise) behauptet wurde, dass es mir hier nicht gefallen würde. Im Gegenteil: Die Beiträge von AmSee und Susanne waren für mich sehr inspirierend. Das hatte ich aber auch schon gesagt und daran hat sich nicht geändert.

    Die letzten Jahre habe ich einiges getan, um mein Leben erfüllter zu gestalten. Dem Ganzen eine Richtung zu geben, die mir entspricht. Mitunter war das mit Arbeit, Loslassen und Verzicht verbunden. Es ging auch um Freiheit - also dem Gegenteil von Ohnmacht. Abhängigkeit ist ja letztlich ein Synonym für Ohnmacht. Wie ging mir das auf den Keks, als ich noch zig mal am Tag zur Zigarette greifen musste. Ich agierte eben überhaupt nicht auf Augenhöhe mit meinen "Freunden" Nikotin und Alkohol. Diese Stoffe hatten viel zu viel Macht über mein Denken, über mein Handeln, eben über mich. Stoffliche Abhängigkeiten waren allerdings nur ein einschränkender Aspekt in meinem Leben: Es ging dabei auch um Menschen, mit denen ich mich umgab. Vielleicht noch mehr um die "Spielregeln" des Miteinanders; um meinen Selbst-Wert. Und es ging um Situationen, die (scheinbar) unabänderbar waren. Es ging letztlich um Formen der Ohnmacht auf den unterschiedlichsten Ebenen, die mich, die mein Leben einschränkten. Mitunter war ich mir dessen noch nicht mal wirklich bewusst. Vielleicht ist der Begriff Ohnmacht bei einigen Dinge auch etwas zu stark gewählt; nennen wir es Situationen, die ich nicht als ausgeglichen ansah, wo die Wage eben nicht Wage-recht stand.

    Es gibt zwei Situationen in meinem Leben, die ich als sehr demütigend empfand und immer noch empfinde, wenn ich drüber nachdenke. Letzte Woche habe ich eine ganz andere "Situation", die sich für mich seit Jahren in zunehmenden Maße als unausbalanciert darstellte (hier möchte ich nicht konkreter werden), unter der ich immer wieder gelitten habe, gelöst. Im positiven Sinne für mich. "Freiheit beginnt dort, wo die Angst endet" heißt es. Zu meinem Erfolg gehörte Mut, ein klarer Kopf mit die (fast) unumstößlichen inneren Überzeugung, dass mein Weg der richtige ist. Und ein sehr langer Atem. Und: Ich habe über meine Gefühle gesprochen, über das, was das mit mir macht [Über Gefühle sprechen: Das hätte ich in meinem "alten" Leben in solchen Situationen nicht getan]. Ich gebe zu, dass ich den letzten Monaten gelegentlich am Zweifeln war. Ich freute mich zwar über mein "neues" Leben und dachte, dass sich damit einiges (natürlich nicht alles) lösen lässt, was in meinem "alten" Leben noch als unlösbar erschien. Aber bei dem Thema, von dem ich hier gerade berichte, bedurfte es wirklich vieler Anläufe, die eben bis zur letzten Woche ins Leere liefen. Jetzt hat's geklappt :)

    Sorry, AmSee, ich hatte Dein Angebot, mich in den Kreis der "Stammbelegschaft" aufzunehmen, übersehen bzw. war mitunter gar nicht da. Wenn Ihr (in unregelmäßigen Abständen) weiterhin von mir was hören mögt, würde ich mich über eine Freischaltung freuen.

    Bei mir ist das Leben bereits ein paar Monate nach meiner Entscheidung zum Verzicht auf Nikotin und Alkohol in Tat - spür- und erlebbar - besser geworden, was mich ja selbst am meisten überrascht hat. Diese 1jährige Abstinenz war für mich eigentlich eher so eine Art interne Challenge - zugegebernmaßen etwas angeschoben durch Schiss vor späterer Krankheit. Unter uns: Ich bin kein Alkoholiker, wäre aber vermutlich in wenigen Jahren einer geworden. Der Konsum ging aufwärts; ich wollte das Tal der Tränen gar nicht weiter "erforschen". Und ich hatte viel Glück: Durch meinen Wohnungswechsel und ein paar anderer guter Rahmenbedingungen konnte ich mir ständig vor Augen führen: Jetzt oder nie.

    Das auffälligste nach ein paar Monaten Abstinenz sind diese Momente des plötzlichen Glücks, diese Freude über ein Lächeln meines Gegenübers, ein leichtes Beschwingt-Sein beim flüchtigen Blick in das bunte Treiben der Stadt, Sonne auf meiner Haut ... die Deformation meines Belohnungszentrums wurde rückgängig gemacht. Seitdem bin ich auch viel näher am Wasser gebaut. Nicht in der Öffentlichkeit, aber in Momenten, wo ich bei mir bin.

    Natürlich geht's mir gelegentlich auch richtig schlecht. Mitunter ist diese Welt einfach doof. In solchen Momenten hilft es mir - wie anscheinend auch Dir - am allerwenigsten, wenn ich dann noch zwanghaft glücklich sein soll. Jeder hat ein Recht auf Unzufriedenheit und schlechte Laune. Beides lasse ich mir nicht nehmen - schon gar nicht von solch bestenfalls mittelschlauen Chaka-Schönschreiberlingen. Ich finde, dass man die gesamte Bandbreite von beschi..en bis ganz toll mitnehmen sollte. Dieses klitzekleines Maß an Weisheit habe ich durchaus: Wenn man den unteren Bereich ausgekostet hat, geht's irgendwann wieder bergauf. Glück ist halt ein Kontrasterlebnis: Ohne Tal kein Berg.

    In meinem Eingangsstatement hatte ich mal was von Säen und Ernten geschrieben. Irgendwie haftet für mich dem Drogen-getriggerte Glücksgefühl etwas Künstliches an: Da wird im Gehirn ein Dopamin-Cocktail angerührt, der letztlich keinen realen Hintergrund hat. Man lebt eben für für Minuten bis Stunden in der Alkohol-Matrix. Echtes Glück aufgrund des Erntens der eigenen Saat gibt's eben nicht umsonst, sondern nur dann, wenn man sein Leben auch lebt.

    Ich hab den nüchternen Lifestyle, wenn Du das so willst.

    Damit kann ich was anfangen: Das Wording gefällt mir.

    By the way: Ich empfinde ja den Spruch "Leben als Urlaub vom Tod" als ein durchaus inspirierendes Mindset: Das ermuntert mich gelegentlich, diese wenigen tausend Tage meines Daseins im großen und ganzen zu genießen.



    Hoffe, mich verständlich ausgedrückt zu haben.

    Ja, hast Du.

    Hallo zusammen,

    ich werde mich jetzt erstmal für ein paar Wochen aus dem Forum zurückziehen.

    Womöglich hinterlasse ich hier aber nochmal meine Spuren.

    Es war mir wirklich eine Freude, einige von Euch hier kennen lernen zu dürfen.

    Nicht falsch verstehen: Hier ist alles in meinem Sinne verlaufen;

    ich hoffe auch in Eurem.

    Herzliche Grüße

    - Fortune -

    Das mit Sex, Liebe und Urlaub habe ich deswegen gebracht, weil man vieles FÜHLEN muss. FÜHLEN lässt sich vieles aber nur im Gegensatz, wenns mal schlechter ging z.B.. Dadurch werden Dinge wertvoll. Vom Wissen allein fühle ich das nicht. Es ist ein GEFÜHL, dass ich keinen Suchtdruck habe, da ist analytisch wohl nur sehr schwer dranzukommen. Und wozu auch, funktioniert ja. [Hervorhebungen durch - Fortune -]

    Das mit dem FÜHLEN finde ich nochmal einen wichtigen Punkt. Deswegen ist es ja auch so ein schönes GEFÜHL, wenn man nach Monaten der Abstinenz die Natur mal wieder richtig spürt (Barfuß auf einer feuchten Wiese) und riecht (morgens nach einem Regenschauer im Wald bei durchbrechender Sonne). Oder den Körper beim Tanzen wieder mehr SPÜRT als nach 3 Bier. Oder das GEFÜHL beim Hören eines klassischen Konzertes in der 1. Reihe, wo der Flow der Musiker einem nicht kalt lässt ...

    BJetzt?..war ich zwei Stunden Radfahren, esse jetzt und lege mich zum lesen auf die Terrasse. Und habe für nächste Woche 5 Tage in der Schweiz gebucht.

    Auch 22 Jahre trocken..ich hatte schon sehr viel Zeit, mr nüchtern zu überlegen, was ich vom Leben will. Einiges davon habe ich verwirklicht. Da muss nicht mehr sehr viel dran geändert werden. Ich bin glücklich verheiratet, eingermassen gut situiert, muss nichts mehr arbeiten unds kann mir jeden Morgen überlegen, worauf ich heute Lust habe. Ein paar Einschränkungen habe ich, aber das wäre Jammern auf hohem Niveau.

    Das klingt nach einem freudvollem Leben.

    Genieß es!

    - Fortune -

    Interessant fand und finde ich persönlich, was in dem Vortrag zum Anhören, „Der Untergang der Titanic“, von Prof. Lindenmeyer von der Salus-Klinik in Lindow angeführt wird. Demnach beeinflussen offenbar klare gesellschaftliche Regeln für den Konsum von Alkohol, ob es in einem Land mehr oder weniger Alkoholiker gibt. Die, die anfällig wären, eine Alkoholsucht zu entwickeln, werden trotzdem nicht süchtig, weil die Regeln das gewissermaßen verhindern.

    Hallo AmSee,

    die Vorträge von Prof. Lindenmeyer finde auch ich inspirierend. Beim Beitrag "Untergang der Titanic" wird ja unter anderem darauf verwiesen, dass Iran, Irak und Saudi Arabien Abstinenz- oder Nichttrinkerkulturen seien. Ich habe damit gestern mal meine Friseurin, eine Iranerin, konfrontiert. Sie hat nur gelacht: Das findet einfach nur hinter verschlossenen Türen - und zwar ziemlich exzessiv. Ja, der Pro-Kopf-Verbrauch ist zwar relativ niedrig, aber nur, weil große Teile der Bevölkerung vom Konsum ausgeschlossen sind, weil sie sich die Besäufnisse "hinter den Türen" einfach nicht leisten können. In dem Land gilt für die Wohl- und Machthabenden tatsächlich im wahrsten Sinne: Wasser predigen, Wein saufen.

    https://www.nzz.ch/international/…eran-ld.1406516

    Das, was ICH mir vom Alkohol versprochen habe, kriege ich vergleichsweise sogar besser ohne hin, nachhaltiger und ohne unangenehme Nebenwirkungen.

    Das freut mich für Dich. Ein tolles Beispiel - auch für andere, die vielleicht noch Zweifeln sind oder mal ins Grübeln kommen sollten -, dass man als Alkoholikerin ein erfülltes Leben führen kann. Schön, dass Du und Dein Mann ein so gutes Team mit ähnlichem Mindset seid.

    Und im Wesentlichen halte ich mich lieber an das, was ist, als an das, was sein könnte

    Sehr weise. Really.

    ------

    Da ein ödes und fades Leben nix ist, worauf freust Du Dich so richtig in den nächsten Monaten?

    Ich denke mir mal, dass ich erstmal vorrangig eine Millionären kennen lernen möchte. Wenn das nicht klappt, schreibe ich vielleicht mal ein Buch. Letzteres dann aber erst nächstes Jahr.

    ... na, maximale Gesundheit muss nicht sein, aber ein stabiles Maß an Gesundheit ist schon der Rahmen für alles.

    Vor zwei Jahren wurde ich gleich zweimal mit einem Krebsverdacht konfrontiert: Einmal davon aufgrund eines MRTs, also dem derzeit besten bildgebenden Verfahren.

    Und bis zur Darmspiegelung waren knapp drei Wochen Wartezeit angesagt; da stellt man sich interessante Fragen, z.B. Hätte ich die Situation gar nicht, wenn ich weniger/gar nicht geraucht und getrunken hätte?

    Es gibt aber auch sehr viele, die gerne trinken, aber das nicht ausufern lassen.

    Ist sicher eine nette Option, wenn sich das so ergibt.

    Vielleicht unterliegen nahezu alle Menschen auch nur der riesigen Illusion und reden sich wechselseitig ein, dass wir alle dem süßem Gesang der Sirenen folgen müssten?

    Vielleicht ist das Leben pur ja gar nicht so doof, wie's gemeinhin unterstellt wird?

    Uns hat's ja anscheinend durchaus positiv überrascht.

    Essen & Sex sind in Sachen Dopaminausschüttung chancenlos -

    zumindest dann, wenn man mit einem kurzen Leben zufrieden ist.

    Ich habe hier eine von mir eingefügte Grafik wieder entfernt (ggf. Verstoß ggü. Urheberrechten).

    Deshalb die Werte der Dopaminausschüttung [in % / Sex = 100%]

    Essen: 40%

    Alkohol: 200% (also doppelt so stark wie Sex)

    Nikotin: 210%

    Kokain: 400%

    ...

    365 Tage Abstinenz - meine Bilanz - die Sirenen - Qdysseus & Orpheus - ein Modell (auch) für Normalos?

    _________________

    Hallo zusammen,

    die letzten Tage habe ich mir in der Tat nochmal ziemlich intensiv Gedanken zum Thema "Alkohol gemach: voilá:
    (Spoiler: ich bin jetzt auch erstmal durch; für mich ist jetzt soweit gedanklich alles rund, zumindest rund genug):

    Was ich in den mittlerweile über 365 Tagen ohne Alkohol und Nikotin erleben & erspüren durfte, hätte ich nicht für möglich gehalten: Es kam besser als ich zu denken gewagt hätte. Vielleicht trifft's eine Aussage von Susanne aus Oktober 2020 ganz gut: "Und heute kann ich feiern und auch den Sonnenuntergang bei Saft genießen. Ohne drüber nachzudenken, ob ich ein Problem habe oder mir hinterher irgendwelche Selbstvorwürfe zu machen. Genuss ohne Reue. Ich bin heute gefühlsmäßig da, wo ich mit dem Trinken immer hin wollte."

    Dennoch gestaltet sich für mich eine finale Entscheidung für einen lebenslangen Verzicht auf Alkohol aktuell schwierig; deshalb habe ich ja meine Abstinenz auch "nur" um 365 Tage verlängert. Schwierig deshalb, weil ich damit eine Selbstverpflichtung für einen Verzicht ("Nicht-Dürfen") bis zum Lebensende eingehen würde. Ich weiß, es wird dann vielfach von "Nicht-mehr-Müssen" oder "Nicht-mehr-Brauchen" gesprochen. Die erstmalige bewusste Wahrnehmung, dass man als Alkoholiker Dinge nicht mehr tun muss, die man in den vergangenen Jahren quasi wie eine Marionette mit stetig ansteigender Frequenz tun musste, ist natürlich eine Erlösung. Zweifelsohne. Endlich wieder das Steuerrad in der Hand. Freiheit anstatt Sklave des Alkohols. Freiheit heißt aber auch, dass man Dinge nicht nur nicht tun muss, sondern auch tun darf. Deshalb müsste es ja richtigerweise heißen: "Nicht-mehr-Müssen + Dürfen". Das ist aber gerade keine Option, wie wir alle wissen.

    Kein Grund zur Kapitulation - ich brauche allerdings gelegentlich Bilder oder Geschichten, um eine Sache in meinen Kopf rund zu machen: Wir haben also die Sirenen, deren betörender Gesang die vorbeifahrenden Schiffer anlockt und sie, wenn sie der Verlockung erliegen, tötet. Jeder von uns kennt das klassische Beispiel für Selbstbeschränkung - nämlich in der Person von Odysseus: Er ordnete an, dass seine Mannschaft die Ohren mit geschmolzenen Wachs verschließt und ließ sich selbst an den Mast des Schiffes binden. So konnte er - durch Selbstbeschränkung - gefahrlos den Gesang der Sirenen hören und somit seiner Neugier nachkommen. Orpheus hatte hingegen eine andere Strategie gewählt: Er hat auf seinem Schiff so schöne Musik spielen lassen, dass selbst die Gesänge der Sirenen ihren Reiz verloren.

    Das mit Odysseus fiel mir gestern beim Umrunden "meines" See ein, aber es gibt auf dieser Welt schon (fast) alles. Hier: das "Orpheus-Programm" von Michael Musalek (Ärztlicher Direktor der größten Suchtklinik Europas), dessen Ziel "ein Hinführen zu einem freudvollem Leben" ist. Die beste Möglichkeit der tödlichen Verlockung der Sirenen / des Alkohols zu entgehen, ist, etwas noch Schöneres, Reizvolleres zu schaffen. Es wird versucht, das Leben mit viel Schönem anzureichnern, so dass der Alkohol im Idealfall zum "unerwünschten Störfaktor" wird. Praktisch wird das umgesetzt, indem man etwa lernt, "seinen Körper und seine Gefühle wieder wahrzunehmen und was Genießen tatsächlich bedeutet." Ergänzen würde ich, dass im ersten Schritt dieser Schleier über allem, der so viel Schönes in uns und um uns herum verdeckt oder zumindest abdimmt, allein dadurch wegfällt, dass wir nicht mehr trinken.

    Das verstehe sogar ich. (Ich weiß: Ihr seid letztlich inhaltlich ganz ähnlich unterwegs; das Problem und die Lösung sind hier hier einfach nur etwas anders verpackt worden.)

    Wenn Ihr Michael Musalek und sein Orpheus-Programm mal kennen lernen möchtet:

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    Jetzt kann ein Normalo natürlich einwenden, dass er sich doch auch ein Mindset für ein erfülltes und freudvolles Leben erarbeiten kann und vielleicht trotzdem noch nebenher eine moderate Menge Alkohol trinken kann und sogar darf. Das stimmt wohl, aber wir Nicht-Normalos, sind quasi im positiven Sinne gezwungen, es uns so richtig gut gehen zu lassen, weil anderenfalls die Gefahr besteht, dass wir untergehen. So kann ein dezenter Zwang also durchaus auch seine Vorzüge haben. Deshalb übrigens - tätääää - mein Angebot zu einem Gedankenexperiment: Mich hat interessiert, ob Ihr mit all Eurem angeeigneten Wissen über ein abstinentes und freudvolles Leben auch dann weiterhin auf Alkohol verzichten würdet, wenn Ihr dies - wie in meinem fiktiven Gedankenexperiment - gar nicht bräuchtet oder gar müsstet. Denn, wenn die Dinge, die hier mit viel Verve angeboten werden, wirklich funktionieren, dann müssten sie ja auch in der Welt der Normalos gelten, wo eine echte Wahl besteht: Trinke ich? Oder trinke ich nicht?

    Ich finde übrigens, dass die hier angebotenen Dinge wertvoll sind und gut funktionieren - zumindest dann, wenn man sich wirklich drauf einlässt, also selbst die Entscheidung für freudvolles und erfülltes Leben trifft und in aller Konsequenz danach lebt. Aber das sagte ich ja schon eingangs.

    - Fortune -

    Hallo AmSee,

    es mag ja sein, dass Du manchmal mit passenden Wortwahl ringst; als Leser wirkt das gleichermaßen empathisch, kompetent & eloquent. Mir ist die letzten Tage bewusst geworden, in welch hoher Liga Ihr hier spielt: Da fallen mir neben Dir - und vielen weiteren hier nicht genannten - zum Beispiel "Susanne68" und "Gerchla" ein.

    Warum habe ich in den letzten Tagen zu den Themen "Alkohol" & "Nikotin" überhaupt nochmal eine interne Bilanz gezogen?

    Nun, mein mir selbst geschenktes Präsent zum Geburtstag im Juni 2022 (365 Tage Alkohol- und Nikotinabstinenz) ist vor einigen Wochen ausgelaufen. Schon vor Monaten war für mich klar: In den Zustand wie 2021 und vorher möchte ich definitiv nicht wieder zurück. Die Vorteile sind einfach zu offensichtlich. In Sachen Nikotin erlangte ich in den letzten Tagen Klarheit: Das war's und bedarf keiner neuen Fristverlängerung. Zigaretten sind passé. Das Thema beschäftigt mich auch nicht mehr. Beim Alkohol fiel mir die Entscheidung in der Tat schwieriger, aber ich habe jetzt bis mindestens Juni 2024 verlängert. Also beste Voraussetzungen für ein zauberhaftes Leben in den nächsten Monaten;-)

    Machen wir mal ein Gedankenexperiment (nur wenn Du magst - dann aber bitte ehrlich): Stell' Dir vor, Du bist 35 JAHRE ALT mit ALL DEINEM WISSEN, was Du jetzt hast, gesegnet, aber OHNE NENNENSWERTEN ALKOHOLKONSUM und folglich OHNE SUCHTGEDÄCHTNIS: Würdest Du dann trinken? Wenn ja, dann würdest Du es vermutlich bewusster tun als Du es in Deinem "alten Leben" getan hast. Klar. Du bist ja Profi und weist besser als viele andere, was passieren würde, wenn Du dem Alkohol (wieder) zu viel Raum geben würdest. Oder würdest Du auch Deinem von Drogen verschonten Körper genauso behandeln, wie Du es aktuell tust - also nix trinken?

    Zu dem Gedankenexperiment sind bei Interesse auch andere Forenteilnehmer eingeladen.

    Herzliche Grüße

    - Fortune -

    WICHTIGER HINWEIS: IN MEINEM VORSTELLUNGSTEXT HABE ICH EINEN FAUXPAS ENTDECKT: BITTE JEWEILS 2021 DURCH 2022 ERSETZEN. DIE HIER BESCHRIEBENEN VERÄNDERUNGEN IN MEINEM LEBEN FANDEN IM LETZTEN JAHR STATT. ES IST ALSO ALLES NOCH RELATIV FRISCH.


    Hallo AmSee,

    d'accord: Mein Wording mit "deplatziert" und "peinlich" gefiel mir schon beim Schreiben nicht so wirklich. Keine gute Wortwahl. Deine Worte dazu sind viel passender und letztlich auch respektvoller gewählt. Letzteres sollten wir nie aus den Augen verlieren. Unter uns: Damals war mein neues Leben im SOBER GLOW noch taufrisch: Da hatte ich mich an oben beschriebener Nikotin-Coffein-Zucker-Alkohol-Kombination in der Tat mal ein wenig dran hochgezogen.

    Ob wir Abstinenzler Trendsetter werden, wage ich derzeit zu bezweifeln. Ich beobachte, wie gerade die nächste Generation, meine Nichten (13 und 10) an den Alkohol herangeführt werden und ihr Interesse daran entwickeln… X/

    Na ja, es gibt ja mittlerweile durchaus Bewegung in der Gesellschaft, die mittlerweile schon in Bewegungen mündet - ob das nachhaltig ist, vermag ich nicht zu beurteilen:


    SOBER GLOW - it starts with a choice.

    Der Glanz der Nüchternheit.

    Klingt doch gut.

    Hier ein Interview mit Mia von Sober Glow:

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    SOBER CURIOUS

    Nüchtern mit Neugierde

    Verzicht auf Alkohol sei eine Reise, um sich klüger, schöner, fokussierter, interessanter, "grenzenlos präsent" zu fühlen und eine "tiefe Verbindung" zu allem herzustellen.

    In Kurzform: Nüchternheit ist im Grunde der bessere Alkohol. Man kann's natürlich auch überziehen. Immerhin interessant, was Normalos zu dem Thema sagen.


    It starts with a choice.

    Das bringst auf dem Punkt.

    Eine Entscheidung zu einem erfüllten & selbsbestimmten Leben.

    - Fortune -

    Dieses Reinwerfen von Stoffen, um ein bestimmtes Gefühl anstrengungsfrei zu "produzieren", finde ich mittlerweile so richtig deplatziert, mitunter gar peinlich ...

    Ein Beispiel: Letztes Jahr war ich in Bad Salzdetfurth wandern. Nach der wirklich schönen Tour mit einigen Höhenmetern und schönen Ausblicken bin ich in ein Café und habe Kaffee und Kuchen bestellt. Dann beobachtete ich einen älteren Kurzgast: Erst die Zigarette(n), dann der Kaffee, dann das riesige Tortenstück, dann das Bier. Prost Mahlzeit - tolle Kombination, die es sonst wohl nur auf Beerdigungen gibt. Er sah auch so aus, wie er lebte: unglücklich. Mich macht gerade den Anblick von älteren Menschen, die sich alle möglichen Stoffe reinfeuern müssen, eher betroffen. Es wird dann halt für alle sichtbar und transparent, dass es diesen Menschen im Laufe seines Lebens nicht gelungen ist, ihr Leben erfüllt zu leben.

    Generell haben Drogen eben diese negative Dynamik: Während es bei fast allen Dingen im Leben, z.B. beim Erlernen einer Sprache, im Laufe der Zeit immer mehr Freude bereitet, es zu tun, und man einfach immer besser darin wird, ist es beim Drogenkonsum exakt umgekehrt: Es bereitet immer weniger Freude, irgendwann sogar Leid. Keine Entwicklung nach vorne, sondern rückwärts.

    Inzwischen ist Zigarettenrauchen mindestens uncool, wenn nicht gar schon stigmatisiert. Da ist im letzten Jahrzehnt eine Menge passiert, wobei dieser negative Touch alleine mich nicht zum Nichtraucher gemacht hätte. Beim Nicht-Alkohol-Trinken markieren Menschen wie wir die gesellschaftliche Speerspitze; wir sind die Vorreiter und Trendsetter: In 10 Jahren ist unsere Richtung die Angesagte. Wir machen heute bereits das einzig Richtige; die Schafe um uns herum haben es einfach nur noch nicht bemerkt. Deren Problem. Punkt.

    Hallo AmSee (seit über einem Jahr wohne ich übrigens direkt AM SEE),

    Danke für Deine netten Worte zur Begrüßung. Ich hatte die letzten Tage natürlich bei Euch im Forum vorab ein wenig gestöbert. Kompliment: Hier finden sich wirklich viele wertvolle Gedanken, die sicherlich mit viel Herzblut niedergeschrieben wurden.

    Viele Grüße an alle, die hier lesen.

    - Fortune -

    Hallo zusammen,

    ich, 58, starte mit der Euch sicherlich bestens bekannten Abwandlung des Ikea-Slogans, die aber meines Erachtens eines gut zum Ausdruck bringt: Unser aller Leben ist endlich. Es ist deshalb geradezu eine Verpflichtung, in den wenigen tausend Tagen unseres Dasein, unser Leben (erfüllt) zu leben. Alkohol und Nikotin sind für mich diesbezüglich keine guten Unterstützer (mehr).

    Ein Blick zurück: Vor zwei Jahren trank ich eigentlich jeden Tag. Keine extremen Mengen, aber eben regelmäßig - und mit einer nicht zu leugnenden Dynamik in den letzten Jahren. Gleiches beim Rauchen: Zuletzt war es so circa eine Schachtel pro Tag. Gerade beim Rauchen verspürte ich einen enormen in der Intensität stetig steigenden Suchtdruck. Ich wurde zum ausschließlichen Erfüllungsgehilfen meiner Nikotin-Sucht. Beim Alkohol gab's diesen besagten Suchtdruck nicht im gleichen Maße, aber er machte es sich trotzdem in nahezu allen Lebensbereiche von mir bequem und war ein gern gesehener Gast.

    Nach mehreren halbherzigen Versuchen, mich vom Nikotin zu verabschieden, habe ich in der ersten Jahreshälfte 2021 meinen Konsum beider Drogen deutlich eingeschränkt: Beim Trinken gab's viele trinkfreie Tage, und wenn ich trank, dann geringere Mengen als vormals. Geraucht habe ich zu dem Zeitpunkt nur noch Vormittags und beschränkte mich auf 4 bis 5 Zigaretten pro Tag. Die Bilanz nach ein paar Monaten: Anstrengend und bringt nix. Blöder geht's ja eigentlich nicht. Bringt nix im Sinne von: Ich hab' beim besten Willen keine wirklich überzeugenden Vorteile feststellen können, während die damit verbundenen Einschränkungen für mich nahezu täglich spürbar waren. Ergo: Gescheitert. Ich habe mir dann zum Geburtstag ein Jahr Gesundheit geschenkt: Keine Zigaretten und kein Alkohol in den nächsten 365 Tagen. Das war einer meiner besten Entscheidungen meines Lebens. Nach circa 2 Wochen hat alles viel intensiver gerochen und geschmeckt. Das erinnerte mich an meine Kindheit: Der typisch salzig-markante Duft an der Nordseeküste sowie der Duft von österreichischen Wäldern kam mir wieder in Erinnerung. Keine Game-Changer, aber immerhin. Nach circa 6 Wochen schlief ich von einem Tag auf dem anderen plötzlich viel tiefer. Das setzte sich fort und hält bis heute an. Es war und ist ein tolles Gefühl. Nach circa 2 Monaten gab's wiederum ein Novum: Ich empfand beim Wandern so was wie spontanes Glück. Kann ich tatsächlich nicht besser beschreiben: Diese schöne Gefühl rauschte einfach durch meinen Körper. Gefühle - auch ausgelöst von vermeintlichen Nebensächlichkeiten - sind auf einmal wieder da. Das war ein Game Changer - zweifelsohne.

    Na ja, es waren zugegebenermaßen glückliche Rahmenbedingungen im Spiel: 2021 bin ich in eine neue Wohnung gezogen, die in einer zauberhaften Umgebung liegt. Da macht schon jeder Spaziergang/Wanderung einfach Spaß. Ich hatte letztlich in mehrerlei Hinsicht einen Neustart (und etwas Fortune): Zu dem Zeitpunkt habe ich vieles vom Kopf auf die Füße gestellt. Manifestiert hat sich das allein schon auf materieller Ebene dadurch, dass nahezu kein Möbelstück den Umzug überlebt hat.

    Was ich gelernt habe: Nicht mehr trinken heißt eben nicht nur, nicht mehr zu trinken. Nicht mehr rauchen heißt eben nicht nur, nicht mehr zu rauchen. Das Ganze hat mich natürlich durchgeschüttelt, es gab auch Zweifel. Keine Frage. Vor einigen Wochen habe ich übrigens "Einfach nüchtern" von Annie Grace gelesen. Klasse Buch, klasse Autorin. Die Quintessenz war für mich, dass wir so, wie wir sind, "vollständig" sind; es bedarf keiner Drogen, die man täglich einwerfen muss, um sein Leben (erfüllt) zu leben - im Gegenteil. Besonders deutlich wird das beim typischen Zigarettenkonsum: Die ersten zwei oder drei Zigaretten "erzeugen" vielleicht noch sowas wie ein Glücksgefühl (richtiger: bilden dieses nach), aber die 14. Zigarette um 15:30 Uhr wurde zumindest von mir nur noch geraucht, um dem elenden Verlangen nach Nikotin nachzukommen. Vermeidung von Unglück ist eben was ganz anderes als Glück. (Zu Beginn der Abstinenz habe ich mir deshalb stets die Situation um 20:30 Uhr vorgestellt). Noch was anderes: "Erst wird gesät - anschließend wird geerntet." Klingt ähnlich banal wie mein abgewandelter Ikea-Slogan zu Beginn, aber auch hier gab's (für mich) eine Botschaft: Glück auf Knopfdruck gibt's nun mal nicht (dauerhaft); es bedarf schon einer Anstrengung - eben des Aktes des Aussäens -, um (später) die Ernte einzufahren zu können. Alkohol & Nikotin versprechen eine sofortige anstrengungsfreie Ernte, können aber dieses Versprechen letztlich nicht (dauerhaft) einhalten. Wir leben halt nicht im Paradies. Leider? Zum Glück?

    Letztens habe ich mir mal die hypothetische Frage gestellt, ob ich mein damaliges Leben mit Nikotin & Alkohol gerne ungeschehen machen würde, wenn ich es denn könnte. Beim Alkohol ist meine Antwort: Nö. Ich schrieb eingangs, dass der Alkohol ein "gern gesehener Gast" in meinem Lebens war. Das trifft's nicht wirklich: Er war ein guter Freund, ich mochte ihn und er hat mir so manch schöne Stunde mit mir selbst und mit zusammen mit anderen beschert, die ich ehrlich gesagt auch gar nicht missen möchte. Beim Nikotin sieht's anders aus. Da dürfte auch gerne jede stinkende Zigarette rückwirkend aus meinem Mund verband werden.

    Hier also ein (kleiner) Einblick in mein Leben: Ich staunte mitunter selber als sich so nach und nach viele Puzzle-Stückchen ineinander schoben, ohne dass ich behaupten möchte, dass nunmehr ein Gesamtbild vor mir läge. Dazu sind mein Respekt vor beiden Drogen und die Einsicht in meine Fehlbarkeit viel zu groß.

    Genießt den Sommer

    - Fortune -