Ich darf jetzt meine volle Berechtigung nutzen, Menschen um Hilfe zu bitten.
Unter Gleichbetroffenen verurteilt mich niemand für meine Einschränkungen.
Es gibt keinen Grund, mich vor Ablehnung zu fürchten.
(Außer vielleicht, ein "Helfer" ist durch meine Beeinträchtigung in seinen Grenzen
herausgefordert und verliert die Fassung. Ich muss nicht nach jemandes Vorstellungen
"gesund werden". Aber in jedem Hinweis mag etwas stecken, das für mich passen kann.
Deshalb bin ich mehr aufs Prüfen aus, was in einem Hinweis an Machbarem für mich
steckt, nicht am Prüfen meiner selbst, ob ich "stark genug", "richtig genug" usw. bin,
das auch schaffen zu können.)
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Unter Gleichbetroffenen kannst Du davon ausgehen, dass auch der Helfer jemand ist, der schon mal beschädigt war und auch lernen musste - und durfte, aber es war wohl mehr Notwendigkeit als reines Vergnügen - , dass er so genügt, wie er ist. Selbst dann, wenn er jemanden verurteilt. Auch der Helfer ist nicht auf der Welt, um die Erwartungen Anderer zu erfüllen. Deswegen kannst Du verlangen, aber niemand muss Dir geben. Sondern der Helfer bringt sich als Person ein, wenn er das will und so wie er ist, und das reicht (dem anderen) oder es reicht halt nicht.
Ich z.B. (kann bei anderen anders sein, wie alles, was ich von mir schreibe) konnte es früher (ich meine, als Kind, nachdem ich aus der Niedlichkeitsphase heraus war )kaum jemandem meiner Eltern oder Lehrer recht machen, wurde oft in Grund und Boden kritisiert und habe mich schon früh in die Richtung bewegt, mich gegen Angriffe mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr zu setzen. Und mit Ideen. Mich kriegt keiner. Auch frühes, pubertäres Trinken und Drogen hatten zum Teil die Funktion, sich den Erwartungen zu entziehen, sich stark und in sich selbst geborgen zu fühlen, weil die Geborgenheit im aussen nicht wirklich tragfähig war. Aber dieses "weil" war mir da gar nicht bewusst und ist vielleicht auch nur eine nachträgliche Erklärung, jedenfalls fühlte es sich gut an, so selbstsicher und stark.
Und da ich es eh keinem recht machen konnte, habe ich eben nur noch gemacht, was ich wollte. Daraus resultiert zum Teil, dass ich für mich selbst ein großes Selbstbewusstsein habe, aber auch Andere, ohne mit der Wimper zu zucken, vor den Kopf stosse. Ausserhalb dierer Gruppierung hier bin ich ein relativ harter Knochen. Und ich genüge auch so, für mich auf jeden Fall. Mein innerer Kritiker hat mich verachtet und gehasst, so lange ich getrunken habe, und wenn ich bei Angehörigen lese, dann sehe ich durchaus, dass ich auch nicht nur eine arme Sau, sondern auch ein für andere extrem schwieriger Mensch war. Ich bin mit allen wesentlichen Leuten heute im Reinen, aber ich bin kein Engel und ich wollte das auch noch nie sein.
Alkoholiker sind ja nicht per se harmlose grenzdebile Schwächlinge, die sich nur nicht beherrschen können, sondern durchaus auch bösartig, fies, aggressiv, war ich alles. Ich hab meine Sucht auch voll manipulativ eingesetzt, um andere für meine Zwecke einzuspannen. Ein überproportionaler Teil der Gewaltverbrechen geschieht unter Alkoholeinfluss, so war ich nicht, aber ich bin auch ausgetickt. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum auf Alkoholiker Druck ausgeübt wird, weil sie eben nicht nur sich selbst schaden.
Und von wegen, ist nicht so gemeint, war besoffen...natürlich meint man das in dem Moment so und will verletzen.
Zum Teil bin ich das immer noch, weil ich so bin, mit cholerischen Neigungen (ist weniger geworden, seit ich besser schlafe), leicht bipolar. Homo Sapiens insgesamt ist eine relativ aggressive Tierart, und davon nehme ich mich nicht aus, ich hatte aber lange damit zu tun, dass ich auch ein Mensch bin, weil ich Menschen so scheixxe fand, dass ich als Mensch ja auch nur Scheixxe sein konnte. Nach langen Kämpfen mit mir selbst habe ich das akzeptiert und heute genüge ich mir so, wie ich bin. Andere können mich im Zweifelsfall dafür auch mal. Ich würde mir selbst Gewalt antun, wenn ich mich immer um des lieben Friedens willen, aus Harmoniesucht, immer beherrschen und auf Andere Rücksicht nehmen würde.
Ich sehe mich selbst vom inneren Antrieb her auch nicht als Helfer, sondern eher als jemanden, der sich selbst behauptet und seine Meinung sagt, auch sehr direkt. Wenn das jemandem hilft, ist das Zufall, scheint aber immer wieder mal der Fall zu sein. Und natürlich ticke ich, wie fast jeder Mensch, auch so, dass ich nicht nur ein völlig bedeutungsloses Etwas sein will, dem man auf der Nase herumtanzen kann, da tanze ich lieber selbst. Andere verwechseln das damit, dass man sich an mich halten kann, dabei brauche ich auch nur ein bisschen Unterhaltung und gehe ansonsten am liebsten meiner eigenen Wege. Ich weiss z.B. genau, dass ich nicht sehr gerne mit Menschen zusammenarbeite, mit Teams nur punktuell für Einzelaufgaben kann und auch gerne weiss, wo der Ausgang ist, wenn ich mich auf etwas einlasse. Ich lasse mich bis heute nicht gerne fangen und festhalten. Und trotzdem ist es so, dass einige genau das suchen, mit Anderen klappt es aber überhaupt nicht. Das ist so, wie es ist.
Wie Du siehst, hatte ich Lust, über das nachzudenken, was Du geschrieben hast. Ich ticke vermutlich völlig anders als Du, aber ich kann mir auch da etwas nehmen, was ich brauchen kann.