Beiträge von Susanne68


    auch du machst immer mal wieder deutlich, dass du diesbezüglich raus bist

    sicher. ich hab ihm ja auch geschrieben, was er in dem Fall tun kann.
    Diese ganzen Foren, über die er sich beklagt, existieren ja nur, weil Betroffene ihe Sache selbst in die Hand genommen haben. Weils das bis dahin nicht gab.
    Wenns das passende Forum nicht gibt, macht man sich eins, so war das mal.
    Kommt natürlich drauf an, wie wichtig einem das ist, denn auch das ist Arbeit. Ich glaub nicht, dass ers macht.

    Ich hab auch mehrere Facetten.

    Eine davon ist, dass ich schon mehrere Leute gesehen habe, die einfach nicht zufrieden trocken werden. Und das aber trotz dem vollen Programm von Entgiftungen, Therapien und Selbsthilfe.

    Einer davon war ein ganz alter Bekannter, den ich als Freund schon mindestens 10 Jahre, bevor das bei mir mt dem Aufhören so weit war, durch diese ganzen Stationen von Geschlossener und offener Entgiftung, Reha etc besucht hatte. Durfte ja Besuch empfangen.
    Der landete im betreuten Wohnen und bekam täglich 2 Bier zugeteilt. Weil, ohne gings einfach nicht.

    Damit machte er einen ansatzweise zufriedenen Eindruck. Wobei er immer ein freundlicher Mensch war. War wohl das beste für ihn.

    Was ich damit sagen will, wenn man manchen da gar keine Alternativen mehr geben kann, dann hören sie ja trotzdem nicht auf, und Kontrolle ist da immer noch die gesündere Alternative.

    Edit: und verboten ist es auch nicht. Jeder Erwachsene Mensch darf es. Und damit habe ich in meinem Freundeskreis, wo heute keiner ein Alkoholproblem hat und mich damit nicht belangt, auch überhaupt kein Problem.

    Ich weiss, dass Du ausdrücken wolltest, dass Trinkenkönnen nicht Deine, Greenfox', Rekos...und meine Zielvorstellung beim Lesen ist.

    Ich hab es jetzt erwähnt, kann er damit machen, was er will, wenn es ihm doch nüchtern so gut geht und er trotzdem so gern eins trinken würde. Vielleicht kriegen wir dann ein Update, wie toll EIN Bier ist...einschlaf.

    Wir nehmen hier jeden wie er kommt. Mit jeder Frage zum Thema Alkohol. Nur Qualitätsempfehlungen machen wir eher nicht.


    Glaubst du, wir lesen die neuesten wissenschaftlichen Artikel, in der Hoffnung, dass wir das Trinken doch wieder irgendwann anfangen könnten? Wozu?

    Bei mir flattern ab und an wissenschaftliche Artikel zum Thema ein. Weil ich eh ein Wissenschafsfreak bin, da ist das dann dabei. Ausserdem habe ich schon einige Diskussionen mitbekommen.

    Baclofen war so eine Sau, die durchs Dorf getrieben wurde, mit der das kontrollierte Trinken möglich sein sollte. Lange nichts mehr gehört. Es gab Foren dazu, ich hab interessehalber mal mitgelesen, weil das bei uns auch immer mal wieder auftauchte.
    Meistens haben die Leute dann gesoffen UND Baclofen genommen und sich schöngeredet, wie gut das klappte.

    Vielleicht hilfts ja manchen. Mir diente es der Selbsthinterfragung, was ich täte, wenn ich wieder trinken könnte.
    Na ja, ?Überflieger..ich hab das tatsächlich so empfunden, dass die, die es nicht ganz lassen konnten, auf den billigen Plätzen sitzen. Ich in der Loge. Bisschen Arroganz darf schon sein 8)

    Ich will mal versuchen, das zu beantworten.

    1. hab ich bei mir keine Benachrichtigungen eingestellt, Du kannst ja auch von selbst aus eigenem Antrieb hier rein gucken.
    2. ist so ein Forum immer so, wie vom Betreiber ins Leben gerufen. Es sind in den allermeisten Fällen private Webseiten. Die Regeln stellt der Betreiber auf, der hier so gut wie nie anwesend ist. Und ansonsten besteht ein Forum aus den Leuten, die da schreiben. Wenn keiner schreibt, sind halt nur die paar Hansel da wie hier.
    3. es gab auf jeden Fall lange Foren zum kontrollierten Trinken, ich weiss nicht wie es heute ist. Im Zweifelsfall selbst eins aufziehen, wenn Du das unbedingt willst.

    Bei mir war es so, dass ich keine Hilfe gesucht habe, so lange ich noch im Stadium der Kontrollversuche war. Irgendwie wusste ich auch, was die mir erzählen würden, aber da wollte ich noch gar nicht aufhören. Das habe ich im Alleingang gemacht.

    Und als ich aufhören wollte, haben mich nur noch Leute interessiert, die so wie ich auch konsequent trocken werden wollten. Kontrollierer haben mich eher gestört, waren für mich nur durch Toleranz erträglich. Brachte mir für meine Ziele überhaupt nichts, mich mit Leuten, die gerne noch eins trinken wollten, zu unterhalten.
    Mich interessiert "ein Bier", oder auch mehr, nicht. Selbst wenn ich es könnte, wäre mir das wurscht.

    Es gibt ja auch Foren, da kommst Du überhaupt erst rein, wenn Du wirklich ganz aufhören willst. Das ist hier nicht so. Mir ist das auch relativ egal, aber ich habe keine Lust, mich dann an der Diskussion zu beteiligen. Und ich bin Privatperson, ich muss niemandem helfen, wenn ich das nicht will. Ich hab ja keinen Vertrag mit Dir dass ich Dir was liefern müsste.

    Ich werde Dich an nichts hindern. Ich denke nur, wenn Du Leute für dieses Thema suchst, dann musst Du die halt finden. Hier sind sie offensichtlich nicht.

    Moin Just4Fun,

    danke erst mal für die ausführliche Antwort.
    Und schön, dass Du weiter dabei bist.

    "Popelig", laut Duden "armselig, schäbig", heisst "was erzählen die mir eigentlich für einen Schwachsinn? Da kann ich mir ja gleich in der Nase bohren"

    Mir gehts bei fehlenden Rückmeldungen einfach manchmal so, dass ich mich selbst dann manchmal frage, ob ich vollkommenen Mist schreibe, der meinem Gegenüber gar nichts bringt. Und das wäre ja sinnlose Zeitverschwendung.
    Um es mal so zu erklären, ich war lange Jahre selbstständig und habe den Kunden auch gesagt, wenn Sie uns unsere Fehler nicht nennen (die ich zweifelsohne gemacht habe), wie sollen wir dann besser werden?

    Ausserdem hab ich natürlich auch gern das Gefühl, wahrgenommen zu werden. Das ist ja hier Freizeitbeschäftigung, kriegt ja keiner was dafür.

    Abgesehen davon, ich werde 63, ich bin jetzt auch nicht grade ein Youngster. Aber IT-ler, bin diese Kommunikationsform gewohnt. Und ausserdem gewohnt, dass Nachrichten zeitnah beantwortet werden müssen, sonst kommen Rückfragen. Was natürlich "meins" ist und jemand, der nicht in diesem IT-Universum zu Hause ist, so nicht gewöhnt ist.

    Zu dem Saufverlangen, ich selbst habe das noch nie so erlebt, wie Du das beschreibst. Ich kann mich sowieso nur an zwei mal wirklichen Saufdruck erinnern, und die waren beide Male sehr schnell erledigt. Was ich bei mir aber kenne, ist, das ich manchmal "mit dem linken Fuß aufstehe", also da ist einfach irgendwas, damit wache ich in einer Stimmung auf, die den ganzen Tag beeinflusst. Das kann ich aber auch nur so hinnehmen, denn ändern kann ich es nicht.

    Ich denke bei mir, es sind Dinge, die aus dem Unterbewusstsein kommen, und das Hirn ist ein komplizierte Geschichte, noch lange nicht komplett verstanden. Muss ich damit leben. Solange nichts großes passiert, also Schäden, weiter gehts. Ausserdem hat man ja auch noch ein anders Leben, das mit dem Saufen nichts zu tun hat, beeinflusst einen ja auch.

    Drüber nachgrübeln bringt auch nicht viel. Kann ja wirklich so sein, dass Dein Hirn aus alter Gewohnheit ..und das irgendwann gar nicht mehr auftritt, wen Du dem Gedanken nicht nachgibst.

    Gruß Susanne

    Übrigens, Du hattest mal nach einem Unterschied von Zigaretten- und Alkoholentzug gefragt.

    Es gibt Leute, denen fällt das Aufhören beim einen leichter als beim anderen, und die einen hören leichter das Rauchen auf und die anderen leichter das Saufen.

    Das Rauchen aufzuhören ist mir deutlich schwerer gefallen, als mit dem Saufen aufzuhören. Aber ich habe es auch durchgezogen. Dass es mir schwerer fiel, lag wohl zum Teil dran, dass ich wirklich von morgens bis abends geraucht habe, 23 Jahre lang 50 Kippen am Tag. Dementsprechend gab es untertags auch viel mehr Momente, wo ich es gewohnt war, mir eine anzuzünden. Beim Saufen habe ich immer erst abends und nicht jeden Tag, also da gab es schon lange Zeiten ohne.

    Beides fehlt mir heute nicht. Aber Saufen aufzuhören war auf Dauer trotzdem die größere Umstellung, und das liegt an der Wirkung. Nach 10 Kippen habe ich zwar mein Belohnungszentrum einige Male befriedigt, aber ich habe keinen Rausch. Ich bin nach einem Tag Rauchen geistig genau so nüchtern wie morgens beim Aufstehen.

    Beim Saufen trete ich dagegen aus meinem Alltag und seinen Zwängen heraus. Ich verliere ein paar Hemmungen, es wird lockerer, vieles ist mir viel egaler als nüchtern. Wirkungen, die das Rauchen nicht hat. Genau da könnte vieleicht auch ein Ansatz sein, welche Funktion das Trinken für Dich hatte. Muss ja nicht die gleiche Funktion sein wie bei mir, aber irgendeine Funktion zur Lebensbewältigung hat das Trinken meistens.
    Ich rede dabei nicht von der Phase der vollausgebildeten Sucht, wo man keine eigene Wahl mehr hat und Hilfe braucht, sondern von den meist vielen Jahren vorher, in denen man theoretisch ja noch lange hätte aufhören können. Man zahlt ja aber viel Geld, um überhaupt abhängig zu werden..warum?

    Übrigens eine häufige Kombination, überdurchschnittlich viele Alkoholiker - im Vergleich zur Normalbevölkerung - sind gleichzeitig starke Raucher. Zum Teil liegts daran, dass beide auf ähnliche Hirnzentren wirken und man den Körper durch den Konsum dran gewöhnt hat, die körpereigenen Regulatoren viel weniger herzustellen und sie wirken dann auch schwächer, da die Droge stärker ist, als alles, was der Körper selbst macht. Und das muss sich auch erst wieder einregulieren. Das dauert Monate und ist bei manchen Drogen ganz kaputt.
    Drogen haben Gemeinsamkeiten in der Wirkung, aber eben auch Unterschiede. Geht ja auch sehr unterschiedlich lang, bis man abhängig ist. Alkohol ist da relativ langsam, Nikotin und Heroin sind schnell. Deswegen nannte man früher Alkis die Bauarbeiter unter den Süchtigen, da man erst viele Steine aufeinander setzen muss..

    Moin JustforFun,

    wie gehts heute, überstanden?

    Wir hatten Dir ja schon anfangs geschrieben, dass es Saufdruck geben kann und dass es Strategien gibt, damit umzugehen.

    Grund kann ganz simpel sein, dass Du in einem Film von früher warst, kann im Traum passieren, kann eine plötzliche, auch unbewusste Erinnerung sein, dann befindet man sich in einem Film, der in einem selbst abläuft. Die Macht der Gewohnheit und die Macht der Erinnerung.

    Bekannte Weisheit unter trockenen Alkis ist auch, dass es oft nicht ausreicht, nur mit dem Trinken aufzuhören und ansonsten nichts zu tun oder zu verändern. Oft ist der Lebensstil nicht ausgewogen oder an der inneren Lebenseinstellung muss irgendwie gefeilt werden. Eigene Überzeugungen müssen überprüft werden. Manchmal muss man auch ein paar ganz neue Dinge lernen, ich musste das.

    Ich hab mich dann auch mal gefragt, was es eigentlich ist, was ich mit dem trinken erreichen will. Besoffensein wollen ist kein Selbstzweck, sondern zumindest ich wollte damit emotional etwas erreichen, einen Zustand emotionaler Befrideigung oder auch innerer Freiheit.
    Funktionierte mit Alk halt nicht mehr so richtig, also habe ich nach anderen Möglichkeiten gesucht, diese innere Befriedigung zu erreichen. Kam aber nicht von selbst, musste ich dran arbeiten, längere Zeit. Und nur auspowern, Sport, Arbeit, reicht dazu eben oft nicht, weil ausgepowert die alten Automatismen nämlich leichter ablaufen können. Man darf gerne auch gekonnt zur Ruhe kommen können.

    Viele machen das nach dem Motto "Indianer kennt keinen Schmerz" und scheitern daran, denn der Indianer kennt den Schmerz sehr wohl. Und nicht nur Weicheier brauchen Selbstfürsorge.

    Ansonsten kenne ich Dich viel zu wenig, um Dir einen persönlichen Rat zu geben. Da musst Du in Dich gehen, was es sein könnte und ob Du was ändern musst.

    Und manchmal braucht man auch die Erfahrung, dass der Saufdruck auch wieder geht und nicht ewig anhält, auch wenn man ihm NICHT nachgibt. Stärkt das Selbstbewusstsein, dass man damit umgehen kann. Wird mit der Zeit weniger, wenn mans durchhält. Sollte aber kein ewiger Kampf werden, denn sonst wird man irgendwann verlieren.

    Gruß Susanne

    Aber ehrlich gesagt schätze ich Dich nach dem Lesen Deines Themas so ein, dass Du Dich lieber erst in die Scheisse setzt und hinterher drüber nachdenkst.

    Es würde mich nicht wundern, wenn Du erst nach Deiner nächsten Trinkepisode überhaupt wieder hier rein guckst.

    Macht nix, ist ja nicht mein Problem, sondern Deins. Nur ist helfenwollen da natürlich sinnlos.
    Du hast jede Gelegenheit, mich zu widerlegen. Aber nur durch Taten.


    weil es mir total gut geht (Blutdruck/Puls wieder ok, fühle mich fitter und ausgeschlafen usw.) aber was ich immer noch nicht verstehe ist, das man das Gehirn nach einiger Zeit Abstinenz nicht wieder "resetten" und auf "0" setzen kann. Könnte man das mit Hypnose nicht hinbekommen?

    kennst Du den Masochistenwitz?

    Rennt jemand immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand. Bumm zack, jeder denkt sich, spinnt der?

    Fragt ihn einer: warum machst Du das denn?

    Antwort: es ist SOOO schön, wenn der Schmerz wieder nachlässt.

    Ich hatte eine mehrmonatige Anfangseuphorie, nachdem ich aufgehört hatte. Unter Anderem der simple Gegensatz dazu, dass es vorher so bescheiden war.

    Es hat mich durch die ersten Monate getragen und über die ersten Klippen hinweggebracht. Ausserdem, nicht zu unterschätzen, ich habe gesehen, dass ein Leben ohne Alkohol schön sein kann.

    Aber kein Glück hält ewig, es nutzt sich ab. Das erkläre ich nicht, dazu gibts Fachliteratur, und wenns Dich interessiert, hast Du die Gelegenheit, es zu lesen, ohne dass ich meine Zeit für Erklärungen aufwenden muss.

    Jedenfalls kehrte irgendwann der normale dröge Alltag ein und der Stress, mit dem ich nicht anders umzugehen wusste bis dahin, ausser zu trinken. Der Honeymoon war vorbei, aber ich wollte weiter trocken bleiben. Und da fing die Arbeit erst an.


    Mh schade, die Threads ersticken im Keim.
    Ich werd den hier immer mal wieder weiterführen.
    Habe den Eindruck, dass viele hier ihre erste Not abladen und dann nach ein paar Tagen oder Wochen wieder im Nirvana des Trinkens verschwinden.
    Schade, denke, man kann hier auch schreiben, wenn man es nicht packt.

    bei vielen wird das sicher so sein, dass sie weitertrinken.
    Viele unterschätzen definitiv auch, dass man sich damit beschäftigen müsste, denn es ist ja schon eine Änderung.
    Und weitertrinken ist dann schon der Weg des geringsten Widerstands.

    Ausserdem, Alkoholismus ist auch für Alkis eher bääh, da beschäftigt man sich lieber nicht damit.
    Ich dachte am Anfang auch, das hake ich jetzt kurz und gründlich ab, und dann vergesse ich das.
    Zu meinem eigenen Glück bin ich aber geistig so flexibel, dass ich meine Meinung auch mal auf den Prüfstand stelle, wenns besser für mich ist ist.

    Für mich ist es ein interessantes Thema, bei allen Schwierigkeiten ja auch ein Selbsterfahrungstrip. Ohne meine Vorgeschichte wäre ich nicht der Mensch, der ich bin, und ich bin sehr gerne der Mensch, der ich bin. Und mit sehr vielen Erkenntnissen verbunden, die sich auch anderweitig gut nützen lassen. Ausserdem, die ganzen Psychodramen, andere gucken dafür Fernsehserien.

    Bei einigen wird es aber wohl auch so sein wie bei vielen Gruppen, passt nicht alles für alle. Gilt ja auch hier, suche so lange, bis Du das für Dich geeignete findest.

    Black

    Ich will noch eins dalassen.

    ich rede schon ziemlich lange mit Leuten, die sich mit dem Aufhören beschäftigen.

    Und in der ganzen Zeit ist mir noch niemand begegnet, der mit Rückfällen glücklich wurde.
    Mir wurde schon vorgeworfen, dass ich zu viel Druck mache und das Aufhören doch so furchtbar schwer ist und ich doch gar kein Verständnis dafür habe. Wenn Du mal drüber nachdenkst, macht sich aber jeder das Leben selbst schwer, der dem Suchtdruck nachgibt. Und das habe ich vor allem auf mich selbst angewandt.

    Mir sind aber schon ziemlich viele Trockene begegnet, für die das Aufhören im Nachhinein eine der besten, wenn nicht die beste Entscheidung ihres Lebens überhaupt war. Für mich auch.

    Wenn Du an der Stelle bist, an der Du bist, wirst Du vermutlich nie wieder unbeschwert trinken. Selbstvorwürfe werden immer dabei sein. Und der Verlust der Selbstachtung wird zunehmen.

    Gruß Susanne. Hier heute Sonne, ich unterwegs.


    Ob aus dem „erstmal“ ein „für immer“ wird, dafür kann ich die Hand jetzt noch nicht ins Feuer legen.

    musst Du ja nicht. Ich hab mir am Anfang auch gesagt, es muss ja schon lebensgefühlmässig was bringen. Ich werde nicht trocken, weil Säufer unanständig ist. Ich hab mir aber auch gesagt, es läuft ja nicht weg, kann ich ja jederzeit wieder damit anfangen. Ich habe mir das Trinken nie verboten.
    Ergänzung: ich wollte aber ein Jahr schaffen, damit ich so weit weg bin, dass ich das überhaupt halbwegs rational und nicht nur suchtgetrieben entscheiden kann. Und nach einem Jahr sind auch praktisch alle "Anlässe" einmal durch, da weisst Du dann schon wie Du damit umgehen willst.

    Mir wurde dann aber bald auch klar, dass es um meine gesamte Sicht auf mein Leben geht dass es eine Lebenseinstellung ist, ob mit oder ohne Drogen - wozu Alk ja eindeutig gehört. Grade deswegen, weil ja auch meine Eltern gern getrunken haben, ich sehr früh damit in Kontakt kam und es wenig erwachsene Erfahrung ohne die Krücken gab. Ich meine, selbst wenn Du Pausen machst und nur am Wochende trinkst, weisst Du, wo Du Dein momentanes Druckventil hast. Ich jedenfalls musste da im Lauf der trockenen Jahre noch einiges dazulernen.

    Partner, meiner trinkt auch nicht. Kann ich keine persönlichen Erfahrungen dazu beitragen. Im Unterforum Angehörige findest Du aber vielleicht was, wir haben hier schon sehr verschiedene Themen besprochen. Das folgt aber meist auch einem bestimmten Muster. Fast kein Trinker hört wegen einem Partner auf. Und gemeinsam habe ich schon einige scheitern sehen. Erst muss das jeder für sich klar haben. Und da ich Deinem Schreiben entnehme, dass seine Einsicht noch ein paar Jahre auf sich warten lässt, kannst Du Dich damit abfinden oder auf Abstand gehen. Jedenfalls wird er Dir das aufhören und neue Denkstrukturen kaum leichter machen.

    Das geht mir interessanterweise ganz ähnlich und dieser Gedanke ist mir sogar in den vergangenen Monaten immer mal wieder durch den Kopf gegangen.

    mir geht es ab und an so, dass ich merke, dass ich Persönlichkeitseigenschaften habe, nennen wir es Macken, bei denen ich mir früher nicht anderes als durch ein Besäufnis zu helfen wusste. Meine Persönlichkeit hat sich durch die Trockenheit nur teilweise geändert. Eh kaum davon zu unterscheiden, was sich durch die lange Zeit sowieso geändert hätte. Nur wenn ich weitergesoffen hätte, würde es mir heute bedeutend schlechter gehen, wenn ich überhaupt noch leben würde. Was mir dann aber auch egal sein könnte, denn ein Scheixxleben muss man ja nicht durch gesundheitsbewusstes Verhalten verlängern.

    Einiges hab ich trocken natürlich anders verarbeitet. Wenn man dem Hirn den eingefahrenen Weg versperrt, lernt es neue Dinge.
    Und natürlich hab ich die paar Krankheiten wie oben erwähnt.
    Trotzdem bin ich heute mit meinem Leben insgesamt zufrieden, und das war ich früher nicht. Früher war ich eher auf dem Trip, das Leben ist wie eine Hühnerleiter, kurz, steil, und beschissen. Ich hab ja nicht nur die paar Probleme, sondern auch eine Menge Spass und Freude. Und viel weniger Anlass, mich selbst nicht zu mögen. Wenn das jetzt so bleibt, wie es ist, die nächsten 20 Jahre, dann ist das für mich so OK. Und das hätte ich saufend sicher nicht so gesagt.

    Moin,

    wenn Du hier schon länger liest, muss ich ja wahrscheinlich nicht viel von mir erzählen.
    Und dass der rege Austausch hier mangels Schreibern eher nicht stattfindet, dürfte Dir auch klar sein.
    Es ist ja eher so, dass ein paar Langzeittrockene wie ich den Frischlingen irgendwas erzählen, was ich persönlich als suboptimal empfinde. Denn ich fände es auch besser, wenn mehr Erfahrungsaustausch zwischen Leuten stattfände, die sich in vergleichbarer Situation befinden. Für mich spielt das Denken an Alkohol im Alltag schon lange keine Rolle mehr, deswegen bezweifle ich selbst oft, ob ich überhaupt noch verstehe, was Leute umtreibt, die sich aktuell mit dem Thema "Aufhören, weniger trinken etc" befassen.

    Ich hab auch eine Drogenvergangenheit. Die einzige Droge, vor der ich Respekt hatte, war Heroin, trotzdem hab ichs mehrmals ausprobiert, da ich unbedingt wissen wollte, wie es wirkt. Alle anderen Drogen habe ich genommen, wie sie verfügbar waren, und ich habe mich aktiv daran beteiligt, dass sie verfügbar waren, war also so viel Akteur wie Konsument. Insofern haben wir da eine Gemeinsamkeit, wie mans nimmt. Und ich hab damit auch mit 24 aufgehört, mit den harten Sachen.

    Ich hab eine chronische Neurologische Erkarankung, hatte nach mehrjähriger Trockenheit einen Unfall mit lebenslangen Folgen, der mit meiner Giftvergangenheit gar nichts zu tun hat, und ich bin seit fast einem Jahr dauerkrankgeschrieben, das sind Dinge, die passieren, PunktausEnde.

    Du willst Dich austauschen, aber ich sehe nicht, was Du brauchst. Der Ansatzpunkt, den ich sehe, ist dieser Satz


    Ich glaube, dass das auch für mich eine Option ist, auch wenn ich weiß, dass das zurecht kritisch gesehen wird.

    Zum kontrollierten trinken: an sich ist mir das egal, bei mir bringen sich die Weihnachsgäste den Wein und den Schnaps selbst mit, mich störts nicht. Kann jeder machen wie er will.

    Aber vielleicht willst Du ja eine Einschätzung des Risikos. Ich glaube aber, dass Du es selbst kennst.
    Ich selbst habe, nachdem ich aufgehört habe, gelesen, dass man das, wie ich getrunken habe, einen "Trinkplan" nennt, und dass einen Trinkplan nur Leute haben, die sich schon unter Kontrolle haben müssen. Weil sie, wenn sie es einfach laufen lassen würden, auf jeden Fall sehr viel mehr trinken würden mit Allem, was dann passieren kann - aber nicht muss. Irgendwo hab ich mal gelesen, trinken ist das, womit man sich am allerwahrscheinlichesten von allen Fehlern, die man machen kann, unglücklich macht, mindestens zwei Drittel aller Trinker sind mit dem Leben unzufrieden. Da gibts Kohortenuntersuchungen über Jahrzehnte mit sehr vielen Teilnehmern.

    Bevor ich den Trinkplan hatte, habe ich jahrelang täglich getrunken, der Trinkplan war erst mal ein Entgegenkommen gegenüber meinem Partner, und dann hab ich auch gesehen, dass ich meinen Konsum besser ein bisschen bremse, wenn ich nicht komplett abstürzen will. Aber Aufhören kam auch nicht in Frage, denn ab und an wollte ich eben besoffen sein, und zwar richtig. Wenig trinken fand ich immer langweilig.

    Bei mir lief der Trinkplan so ab: ich erlaube mir an 4 Tagen die Woche, zu trinken. Ich trinke nie tagsüber, sondern immer nur abends, und ich bin drei Tage am Stück nüchtern, damit der Alkoholspiegel garantiert auf null kommt.
    Ansonsten habe ich mir keine Beschränkungen auferlegt, was die Menge anging, da es mir keinen Spass machte, aufzuhören, wenn ich weitersaufen wollte.
    Meistens lief es so, am ersten und zweiten Trinktag reichte es mir nach gewisser Zeit, spätestens am vierten Tag habe ich aber gesoffen, was das Zeug hielt. Und ich gelte zwar auch als hochintelligent, aber ich habe die Intelligenz auch genutzt, um mich möglichst ausgefeilt abzuschiessen, was bei mir hiess, den Körper zu überlisten, damit er nicht aussteigt, bevor ich meinen Zielrausch erreicht hatte. Ich weiss noch genau, ich wollte nach Möglichkeit maximal besoffen sein, einen psychopathologischen Ausnahmezustand erreichen( tatsächlich der Begriff, mit dem ich operiert habe), deswegen habe ich auch Hochleistungsgras angebaut, weil Alkohol allein gar nicht ausreichte, um den Zustand zu erreichen. Und das, obwohl ich dann fast nur noch Schnaps getrunken habe, irgendwann wollte der Körper nicht mehr, und der Geist wollte noch. Also Saufen ohne Kiffen gabs gar nicht. Und gekifft habe ich auch ohne Alkohol.

    Das habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, ca. 8 Jahre so gemacht. Nach einem größeren Absturz hab ich mir geschworen, nur noch wenig zu trinken. Meine Situation war da auch die, dass ich mit 40 endlich ein Studium abschliessen wollte, und gesehen habe, dass sich das mit meiner Sauferei beisst. Also erst mal, längere Zeit, nur einmal im Monat, und da maximal zwei Bier. Knapp ein Jahr so durchgezogen. Das ging, fiel mir nicht mal besonders schwer, und ich fühlte mich gut und war mit mir selbst im Reinen. Ich habs im Griff. Ganz aufhören müssen doch nur Schwächlinge.

    Heute sehe ich das so, ich habe es derartig gebraucht, dass ich unbedingt verhindern musste, dass ich es ganz lassen muss. Und dafür habe ich mir alle möglichen Strategien erdacht, damit ich trotz problematischem Konsum weitertrinken konnte. Heute stört es mich viel mehr, wenn mein Wohlbefinden derartig von einer Substanz abhängt, wenn ich das nicht selbst kann, aus innerer Fähigkeit mich ins Gleichgewicht zu bringen, ausser da, wo es sich wegen Krankheit gar nicht vermeiden lasst. Und dafür ist Alkohol in der Regel das falsche Mittel.

    Dann kam mehrmonatiger Prüfungsstress. Ich: wenn ich die ersten wichtigen Prüfungen habe, dann darf ich aber mal wieder. Habs mir richtig ausgemalt. Hatte ich mir ja auch durch den Verzicht verdient. Lange Rede, kurzer Sinn, nach drei Wochen hätte ich mich in den Arsch gebissen, wenn ich dazu beweglich genug gewesen wäre. Ich konnte zwar wieder den Rhythmus 3 Tage zu 4 Tage beibehalten, aber meine Besäufnisse waren schlimmer als je zuvor. Ich kam in gar keinen befriedigenden Zustand mehr, nur so lange das Anfluten anhielt (die Steigerung des Blutalkohols)), hatte ich die Illusion, dass es irgendwie steigerungsfähig wäre, aber es gab kein Wohlfühlplateau mehr. Ich kam nicht mehr an das dran, was ich wollte. Und ich vertrug auch immer weniger. Und ich hatte Angst um mich selbst. Dann hatte ich eines Tages die Schnauze absolut voll.

    Wenn Du jetzt von mir hören willst, was Du tun sollst: ich seh das so, jeder hat ein Leben, und das ist, abgesehen von äusseren Zwängen, der Einsatz und das Spielzeug. Mit seinem Leben kann jeder machen, was er will. Jeder kann tun, was er will, so lange er bereit ist, die Konsequenzen dafür zu tragen.

    Mir würde es halt nichts mehr bringen, zu trinken, Dir bringt es offensichtlich was. Das ist der Stand der Dinge.
    Ich könnte möglicherweise auch wieder nur ab und an trinken, mit dem heutigen Wissen würde ich dann noch ein bisschen besser aufpassen. Nur, wenn ich mich selbst frage, kommt nur die innere Gegenfrage: wozu, was soll das bringen? Und es wäre mit ein paar Schwierigkeiten verbunden, auch wenn ich es vielleicht schaffen würde, die durch den möglichen Gewinn nicht aufgewogen werden würden.

    Übrigens, alle Tests und Gespräche mit der dafür qualifizierten Psychologin meiner Suchtberatungsstelle ergaben immer, dass ich mich erst im Bereich des Missbrauchs und des riskanten Konsums bewegt habe, noch keine voll entwickelte chronische Alkoholerkrankung hatte. Trotzdem war ich psychisch so abhängig wie irgendwer, da ich keinerlei Vorstellung davon hatte, wie ein zufriedenes Leben ohne Alkohol aussehen könnte.
    Besoffensein war mein Ventil für alles, was mich sonst ärgerte, stresste, aber auch um überhaupt richtig Spass zu empfinden, ohne Suff fehlte mir einfach sehr viel. Und das mit dem zufriedenen Leben ist immer noch Baustelle, da ich ohne Betäubung ja noch viel deutlicher merke, wo es mich drückt. Nur sehe ich das heute als Herausforderung, und nicht als Grund mich abzuschiessen. Aus Erfahrung weiss ich, das mich trinken nicht zufrieden macht.

    Ich sag Dir nicht, was Du machen sollst, da mir das egal ist. In 10 Jahren habe ich Dich vergessen, aber Du guckst Dich dann immer noch im Spiegel an.
    Und vor allem kann ich nicht hellsehen, ich könnte Dir bestenfalls Wahrscheinlichkeiten nennen, wie das weitergehen kann. Neulich hab ich ein Interview mit einem Leiter einer Suchtklinik gesehen, der fogendes sinngemäß sagte: 10 Prozent schaffen es, abstinent zu werden, der Rest probiert das kontrollierte Trinken. Davon wiederum schaffen das kontrollierte Trinken einige, die anderen wissen dann, dass sie es nicht schaffen, kontrolliert zu trinken. Und mit viel Glück unternehmen von denen, die nicht kontrolliert trinken können, einige dann einen Versuch, ganz aufzuhören. Der Rest trinkt bis 6 feet under, bei vielen wird es hässlch, bei einigen bleibt es unspektakülär.

    Gruß Susanne

    Und mit der Zeit und etwas Glück kanns dann halt so werden, dass Du da sozusagen Deinen nüchternen Stammtisch hast. Ersatz für die Kneipe, wo keiner trinkt, kann manchmal angenehm sein. Ausserdem sind die Themen oft nicht so flach und smalltalkartig, wenns gut geht, was mich bei anderen Unterhaltungen oft stört. Eventuell sogar freundschaftliche Beziehungen. Dann gehst Du da nicht mehr hin, weil Du es zum Trockenbleiben brauchst, sondern weil Du Dich gerne unterhältst. Was im Übrigen auch eine Lebensveränderung sein kann, denn ich neige dazu, mich einzugraben. Und indirekt hilft das vielleicht sogar, aber das läuft dann so nebenbei.

    Sehr individuell.

    Ich sah im ersten Jahr meiner Trockenheit überhaupt keinen Grund, in eine Gruppe zu gehen. Dann nach längerer Trockenheit hats mich mal interessiert und ich hab ein bisschen rumprobiert. Aber selten öfter als ein mal im Monat. Ich dachte mal, da gibts welche, von deren Erfahrung ich vielleicht profitieren könnte, meistens war das eher enttäuschend. Fast alles wusste ich sowieso schon. Aber immerhin ab und zu unterhaltsam. Ich hab dann eher aus der Auseinandersetzung, aus dem Streiten was gelernt, weil mir emotional aufgeladene Situationen vor Augen führten, wie ich selbst ticke. Und im Streit sagen einem Leute auch manchmal Dinge, die sie sonst aus Höflichkeit oder aus Angst lieber verschweigen. Das kann die Selbsterkenntnis fördern.

    Relativ am Anfang war ich eine Zeit lang in der Suchtberatung und da 8 Mal in einer Motivationsgruppe, das gehörte da dazu. Das war eine betreute Gruppe und es gab da auch ordentlich Info. Aber da hatte ich schon den Eindruck, dass ich da am meisten von allen Anwesenden motiviert war aufzuhören, die meisten waren schon längere Zeit am Rumeiern mit vielen Versuchen, Therapiewiederholer, Unentschlossene, Leute die angeblich gar kein Problem hatten, auch Leute die offensichtlich gar nicht verstanden, worum es ging (nach einer Entgiftung sofort selbstverständlich wieder angefangen, jetzt isser ja geheilt, das lässt er sich nicht nehmen) - mir war nicht ersichtlich, was mir das bringen soll, mit solchen Leuten in einer Gruppe zu sitzen. Ausser den abschreckenden Beispielen, aber das brauchte ich nicht, mir hat es mit mir selbst gereicht.

    Was erhoffst Du Dir denn von den vielen Besuchen?


    Würdet ihr den Betroffenen bei Verdacht ansprechen bzw. würdet ihr euch bei einem bestätigten Verdacht an die Führungskraft (oder den Betriebsarzt) wenden?
    Kann ich als Kollege überhaupt "helfen"?

    ich hab einen einzigen Fall mitgekriegt, da war meine Führungskraft der Chef selbst. Und der interessierte sich in erster Linie dafür, wie den Betreffenden "Nassen" kündigen konnte, obwohl das bei Kranken ja nicht so einfach möglich ist. Aber da gibts schon Möglichkeiten.
    Ich habs dem Betroffenen auch gesagt, dass er auf der Abschussliste stand, kannst Dir ja denken, dass er trotzdem mit Fahne weiter rumstand.
    Betriebsarzt gab es in den Firmen, in denen ich war, nirgends.

    Gruß Susanne