Bei mir ist die Familie teilweise auch in sich zerstritten, Mutter und Vater geschieden, und seine Geschwister gehen sich teilweise aus dem Weg.
Und natürlich gab es da auch gegenseitig Vorwürfe, wer wann irgendwo zu wenig oder das Falsche gemacht hat.
Irgendwo schietegal. Kann man sowieso nicht ändern und ich bin auch hart im Nehmen. Und bei mir ging es, nachdem ich mich viele Jahre aus dem Leben meines Vaters herausgehalten hatte (und er sich aus meinem, wir wollten das so) und ich mich dann doch kümmern musste, nicht darum, weil das für Andere aussieht. "Dargestellt" habe ich das überhaupt nicht, sondern direkt erzählt wie es aussieht. Was Anderes hilft auch nicht viel, wenn man das regeln muss.
Ich habe meinem Vater da geholfen, wo ich etwas machen konnte. Damit hatte ich genug zu tun. Ich hatte keine Zeit, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir eigentlich egal sein konnten. Andere zerreissen sich das Maul sowieso, wenn sie wollen, egal was Du machst, und manchen kann man es nie recht machen, also kannst Du es gleich so machen wie es für Dich am besten geht.
Und damit kurz zu Dir. Mir fällt auf, dass Du auf die ganzen Vorschläge, die Dir gemacht wurden, gar nicht eingehst.
Du pflegst oder versorgst Deine Mutter, weil sie das nicht mehr alleine kann. Oder könnte sie das noch, wenn Du nichts mehr machst, und Du machst das eher aus schlechtem Gewissen, weil Du es nicht mit ansehen kannst, oder aus Liebe? Das ist wegen der Definition der Bedürftigkeit wichtig.
Wenn man sein Leben nicht mehr selbst regeln kann, weil man dement ist (oder aus anderen Gründen), dann ist das ein Grund, Leistungen aus der Pflegeversicherung zu erhalten. Damit kann man einen ambulanten Pflegedienst holen, der zumindest die Medikamentengabe übernimmt.
Der Pflegedienst kann Dich auch sonst entlasten, damit Du überhaupt mal Luft hast und über Maßnahmen, wie sie Dietmar gestern beschrieben hat, überhaupt nachdenken kannst.
Deswegen habe ich den Hinweis auf die Pflegestützpunkte gebracht.
Du kannst aber auch selbst bei der Pflegeversicherung (die sie haben muss, wenn sie krankenversichert ist) Deiner Mutter anrufen und die schicken Dir einen Antrag oder machen das formlos. Jedenfalls kommt dann der Medizinische Dienst und begutachtet Deine Mutter. Es gibt zwar auch eine vorübergehende Begutachtung nach Aktenlage, aber das gibt es nur wenn Deine Mutter beispielsweise momentan sonst gar keine Betreuung hätte - Du bist ja da.
Da geht es um eine Menge Geld. Mein Vater bekam aufgrund seiner Hilflosigkeit und seiner Orientierungslosigkeit fast den höchsten Pflegegrad, das waren beinahe 1.800 Euro im Monat, die ich für den Pflegedienst verwenden konnte. Da kann man dann schon was machen. Wie viel das bei Deiner Mutter wäre, kann ich natürlich nicht sagen, aber ohne Begutachtung guckst Du jedenfalls in die Röhre und machst die Dinge alleine. Deine Entscheidung.
Lass Dir nicht zu viel Zeit und halte Dich nicht lange mit Nebenbaustellen auf. Das wird alles immer schlimmer, ich denke das weißt Du ja selbst von Deinem Vater, und diese ganzen Verfahren dauern, bis sie durch sind. Ich musste auf den Medizinischen Dienst für die Begutachtung meines Vaters 6 Wochen warten, und ein Betreuungsverfahren dauert bei uns hier ca. 4 bis 6 Monate, wie man mir hier beim Betreuungsgericht gesagt hat (bei uns kam es es nicht dazu, weil abzusehen war, das mein Vater gar nicht mehr so lange lebt). So lange musst Du dann sowieso auf eine Entscheidung warten. Das ist lange, wenn die Zeit davonläuft. Und das Pflegeleistungen kriegst Du (bzw Deine Mutter) natürlich auch erst ab Antragstellung.
Es kommt der Zeitpunkt, an dem Du das alleine einfach nicht mehr schaffst und je eher Du Dich um Hilfe bemüht hast, desto leichter ist es (es reicht Dir trotzdem, glaubs mir) und wie das dann nach außen aussieht, ist das allerkleinste Problem dabei.