Beiträge von Susanne68

    Hallo Dietmar,

    Ja ich denke, ich verstehe Deine Intention schon.

    Und ich denke, so weit weg davon


    Meinem Verständnis nach geht es hier, im Angehörigenbereich, aber nicht primär darum, über die trinkenden Partner zu reden (schreiben), sondern eine Hinwendung zur eigenen Persönlichkeit und dmn eigenen Problem in Gang zu setzen.
    Die völlig Konzentration auf den trinkenden Partner, das krampfhafte Bemühen, ihn in seiner Sucht verstehen zu wollen, die gesamte Spekulation über ihn, hat ja letztlich zur eigenen, selbstständigen Problematik der Angehörigen geführt.

    bin ich nicht. Das meine ich eigentlich mit dem "sie muss was tun", denn sie hat ja auch das Problem mit der Situation (ob er auch eins hat, weiß ich nicht)...falls rübergekommen sein sollte, ich meinte, sie müsste sich primär um ihn oder die Beziehung bemühen, wenn er das nicht tut - das meinte ich nicht.

    Gruß Susanne

    Lieber Dietmar,

    Vielleicht stehe ich ja selbst auf der Leitung oder habe etwas missverstanden.

    Deswegen frage ich jetzt mal Dich, Leonie, ganz direkt:
    hast Du denn den Eindruck, dass Dein Mann mit dem Trinken aufhören möchte? Ich meine jetzt nicht, wenn Du ihm Vorwürfe machst und er Dir unter Druck irgendetwas verspricht, sondern so wirklich "auch von sich aus"?

    Zu der Art der Kommunikation noch was:
    Je klarer Du selbst weißt, wie es Dir geht, und je genauer Du weißt, was Du willst, was Du auszuhalten bereit bist und was Du eventuell auch durchziehen würdest, desto genauer kannst Du Deinem Gegenüber sagen, wie weit Du mitmachst oder eventuell auch nicht mehr. Und Klarheit in der Kommunikation, also auch selbst nicht immer wieder Rückzieher zu machen, ist in der Kommunikation mit dem Abhängigen ganz wichtig. Denn genau das, viel ankündigen und dann bei nächster Gelegenheit wieder umwerfen, kann man im Prinzip jahrzehntelang machen, ohne dass sich viel dabei ändert. Das ist ja genau die Situation, die Du mit ihm so satt hast.

    Auch der Abhängige merkt, wenn Trennungsdrohungen nur "leere Sprüche" sind, das beeindruckt ihn über kurz oder lang nicht mehr. Und Streitereien..kommen und gehen, deswegen muss man auch nichts machen.
    Dagegen habe ich schon öfter erlebt und gelesen, dass es Abhängige durchaus merken und dann auch selbst etwas ändern, wenn es der Co-Partner dann wirklich ernst meint. Ohne Garantie.

    Und dann noch was: Du schreibst, dass es Dir mit der Situation sehr schlecht geht. Hast du den Eindruck, das es Deinem Mann in dieser Situation genauso schlecht geht? Das ist wieder der Punkt: bist nur Du an Deinen Grenzen oder ist er auch schon an SEINEN Grenzen?
    Jedenfalls darfst Du Deine eigenes Leiden an der Situation schon ernst nehmen, und Du hast ja genau so ein Recht darauf, nach "Deiner Fassung" glücklich zu werden, wie Dein Mann es auch hat, nach seiner Fassung zu leben.

    Gruß Susanne

    Die Vorwürfe ändern meistens nicht viel und wenn, dann nur kurzfristig. Starker Alkoholkonsum setzt außerdem auch die Stresstoleranz herunter und die Vorwürfe sind Stress für den Trinker, also hat er zwar vielleicht ein schlechtes Gewissen, aber weil er das nüchtern kaum aushalten kann muss er dann wiederum trinken. Ein Teufelskreis.

    Das heisst aber auf der anderen Seite nicht, das Angehörige nun alles kommentarlos "schlucken" müssen. Angehörige dürfen genau so sagen, wie sie sich dabei fühlen.
    Ich denke wichtig dabei ist, bei sich selbst zu bleiben. Also nicht "Du Vollpfosten bist schon wieder besoffen", sondern eher "mir geht es schlecht damit, wenn ich Dich nur noch betrunken sehe und wir gar nichts mehr zusammen machen können. Deswegen muss ich mir nun etwas suchen, was mir hilft.
    Letztendlich kann man sich ja auch so trennen, dass der Andere nicht der Schuldige ist, sondern weil es einfach nicht mehr geht.

    Es gibt ein Buch von dem Paartherapeuten Michael Möller "Die Wahrheit beginnt zu zweit". Da geht es ganz unabhängig vom Alkohol darum, dass Paare sehr oft einen vorwurfsvollen Kommunikationsstil pflegen "Du hast aber".." - "Aber Du auch" und das "ewige Spielchen" das man mit Vorwürfen und Gegenvorwürfen führen kann, ist wohl ziemlich verbreitet. "Kolonialisierung" ist auch so ein Konzept, das darin vorkommt, dass man dem Anderen alles mögliche unterstellt, Absichten, Gedanken, etc. und dass man überhaupt meint, man wüsste schon was der andere so meint oder man glaubt, man wüsste besser als der Andere, was gut für ihn wäre, man sich also "in seinem Kopf" bewegt. Es geht um so ganz normale, alltägliche Herabwürdigungen und Verletzungen im Beziehungsalltag, die sehr oft vorkommen, von denen die meisten Leute aber gar nichts merken..nur die resultierende schlechte Stimmung, und jeder fragt sich, woher das nun wieder kommt.Ist ganz interessant zu lesen und damit zu arbeiten.


    Ich stimme überhaupt nicht zu „dass einer von Euch beiden etwas machen muss“.
    Ihr solltet beide „etwas“ machen, und zwar jeder für sich.

    Ich spiel mal Radio Eriwan: im Prinzip "Ja"

    nur, wenn er nichts macht, was ich nach Leonies Beschreibung für eher wahrscheinlich halte, dann kann sie ja bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten, bis "beide"...
    Beide ginge ja nur, wenn er von sich aus etwas (und mit "Etwas" meine ich etwas Konkretes, wie z.b. selbst aktiv Hilfe suchen) unternehmen wollte...aber das habe ich nirgends gelesen.

    Gruß Susanne

    Gefühle muss man nicht unbedingt begründen. Aber man muss sie aushalten, wenn sich etwas ändern soll.

    Guck mal, Dein Mann: wenn er wirklich aufhören wollte, müsste er vermutlich seine eigene Gier und seinen Saufdruck aushalten, ohne Alkohol würde ihm ganz gewaltig was fehlen.

    Du müsstest Dein Mitleid und Deinen inneren Druck, ihm zu helfen, aushalten. Trotz dieses inneren Drucks nichts tun, wie Dein Mann ja mit seinen inneren Druck trotzdem nichts trinken dürfte, wenn er Erfolg haben wollte. Du müsstest auch konsequent sein.


    Aber was mir wirklich unter den Nägeln brennt...wie soll ich mich nun wirklich verhalten?! Die einen von euch sagen, nicht zu sehr unter Druck setzen, die anderen sagen wieder, ihm doch den Alkohol mehr oder weniger immer vorhalten, dass es nicht richtig ist.

    vielleicht nicht unter Druck setzen, aber direkt sagen, was Du für Konsequenzen ziehst.
    Ich habe meinem Vater z.B gesagt, dass ich nicht mit ihm rede, wenn er sichtlich angetrunken ist. Ich habe das Telefon aufgelegt oder mich auf dem Absatz umgedreht, wenn ich ihn besuchen wollte und mans ihm schon angemerkt hat.
    Ansonsten war ich aber der Meinung, das es nicht meine Sache/nicht mein Problem ist, wenn er trinkt. Ich habe mich nur geweigert, deswegen zu leiden. Soll er mit sich selbst ausmachen, wenn er das so will, (trinken), dann muss auch er mit den Konsequenzen leben.
    Das musste ich dann natürlich auch durchziehen.

    Er hat das Trinken deswegen auch nicht aufgehört, dazu kannst Du nun mal keinen zwingen, aber ich konnte mein eigenes Leben davon unbehelligt führen.

    Wie mehrmals geschrieben, Du hast es nicht in der Hand, was Dein Mann tut. Du hast es aber in der Hand, was Du tust. Ob Du Dich jetzt noch jahrelang darüber aufregst, bei ihm bleibst und vermutlich vergeblich wartest, sonst etwas unternimmst, damit es Dir besser geht..das liegt alles bei Dir.
    Es nützt meiner bescheidenen Ansicht nach auch wenig, wenn Du hier beschreibst, was er alles tut oder auch nicht. Es sucht hier definitiv keine Hilfe. Dich kann es vielleicht mal entlasten, aber schon das sehe ich kritisch, denn das hilft Dir vermutlich nur, es noch eine Weile in der Situation auszuhalten. Aber es ändert nichts.

    Was könntest DU denn für DICH tun, damit Du mehr Abstand von SEINEM Problem bekommst?

    Gruß Susanne

    Hallo Leonie,

    Ich will es mal so ausdrücken:

    So, wie er immer einen Grund zum trinken finden kann, kannst Du natürlich immer einen Grund finden, mit ihm zusammen zu bleiben und das weiter mit zu machen.

    Das Ganze wird sich erst ändern, wenn eine(r) von Euch beiden wirkliche Konsequenzen zieht.
    Das muss nicht unbedingt die Trennung sein, schon wenn Du sonst etwas FÜR DICH tust, und das kann eine Selbsthilfegruppe sein (wie der Name sagt: hilft Dir selbst) kann das eventuell etwas in Bewegung bringen.

    Jedenfalls, einer von Euch beiden muss auf jeden Fall was machen, wenn sich etwas ändern soll. Und wenn Dein Mann nichts ändert, musst Du es tun. Du kannst natürlich auch noch ewig warten, bis er vielleicht mal irgenwann zur Einsicht kommt.
    Da solltest zu aber auch wissen, dass viele (die meisten) Alkoholiker nie zur Einsicht kommen oder erst nach vielen Jahren, in denen Du auch nicht jünger wirst.
    Damit machst Du dein Leben von ihm, und dem was er tut oder auch nicht, abhängig. Deine Entscheidung.

    Ach, und noch was. Ich bin mit einem trinkenden Vater aufgewachsen. Meine Eltern haben sich auch deswegen gestritten. Ich war glücklich, als sie sich endlich haben scheiden lassen. Gemeinsam waren sie unerträglich...nur als Kind kann man ja nicht gehen, im Gegensatz zu einer Ehefrau. Jedenfalls, denk mal drüber nach, ob das für Deine Kids so toll ist..und Du bist mitverantwortlich, denn Du bist erwachsen und könntest ja, wenn Du wolltest.

    Gruß Susanne

    Dein Genervtsein wird sich für ihm demnächst wieder in einen Grund zu Trinken verwandeln. Jede Wette.

    Versteh mich nicht falsch, ich gebe Dir keine Schuld an seinem Trinken, Nur, wenn er abhängig ist, dann ist ihm jeder Grund zum Trinken recht, und Du lieferst solche Gründe. Das ist übrigens auch Co-Abhängigkeit.

    Guten Morgen Leonie,

    bei solchen Beschreibungen treffen meistens nicht alle Punkte zu.

    Dein Mann beruft sich möglicherweise auch darauf, dass er nicht jeden Tag betrunken ist oder auch mal einen Tag ohne Alkohol kann, also ist er ja kein Alkoholiker. So sieht das eben für ihn aus und so will er das vermutlich auch sehen, weil er nicht aufhören will oder kann.

    Ihr eiert doch beide im Prinzip gleich herum - große Ankündigungen, denen keine Taten folgen.
    Dabei ist es doch schon lange unerträglich, wie Du schreibst. Warum suchst Du dann immer noch nach Argumenten, warum Dich das nicht betrifft? So viel Angst davor, selbst etwas zu verändern?

    Gruß Susanne


    Denn so sieht er es: als Wegnahme, als Verlust. Hinzukommt, dass der Beginn des Suchtausstiegs verdammt hart ist - Entzugserscheinungen, die ständigen geistigen und körperlichen Anreize, doch wieder zu konsumieren, das Verlangen, ja: die Gier nach dem Zeug ...

    Ja. und hier im Forum sind ja überhaupt nur Alkoholiker, die immerhin schon mal aus irgendeinem Anlass ins grübeln kamen, sonst hätten sie kaum Infos gesucht.

    Ich kannte in meinem Leben mehrere Alkoholiker, die ganz genau wussten, wohin ihre Trinkerei führt, und die sich trotzdem dafür entschieden hatten, weiter zu trinken.

    Nicht nur mein Vater, der mit sich selbst darin im Reinen war, dass er sich lieber scheiden ließ, als sich von meiner Mutter sagen zu lassen, was er tun sollte.
    Ich kannte vor ca. 30 Jahren eine ganze Clique von schweren Trinkern, von denen mehrere daran gestorben sind. Von denen wussten zumindest einige, was Sache ist, einer ging immer "aufs Trockendock", um sich wieder fit machen zu lassen, damit er weiter trinken konnte. Erklärtermaßen, das sagte er schon vorher. Ein anderer, den ich besser kannte, ist morgens halt nicht mehr aufgewacht, am Erbrochenen erstickt. Darüber hat sich nicht mal wer aufgeregt, es wurde zwar darüber geredet, aber irgendwie war das wie im Krieg, man hatte sich damit abgefunden, dass es Tote gibt. Eine Zeitlang hat mich das fasziniert, weil ich mich zu solchen Leuten hingezogen gefühlt habe, ich bin da ja auch geprägt. Bei einem gipfelte das - nach einem monatelangen Krankenhausaufenthalt wegen eines promilleschweren Unfalls - in dem Satz "Meine Gesundheit ist mir egal, ich will trinken". Dementsprechend ging es auch dahin.

    Irgendwann war mir das zu "fertig" und ich habe mich aus diesem Umfeld abgeseilt, aber ich habe immer noch einen Riecher dafür, wenn etwas in der Art im Busch ist.
    Meistens halte ich mich auf Abstand, nur wie ich das wegen meinem Vater neulich beschrieben habe, ging das halt auch nicht immer. Allerdings war ich schon lange an dem Punkt angelangt, dass ich ihn einfach machen ließ, seíne Trinkerei an sich hat mich schon lange nicht mehr beschäftigt - da kam das zum tragen, und ich war ja auch mehr oder weniger gezwungen, das zu lernen


    genau so müssen auch die Angehörigen auf ihre Bedürfnisse schauen, um nicht unterzugehen.


    Für mich ging es da nur um das Thema, dass er dann im Alter halt immer hilfloser wurde und irgendwer da ja was machen musste. Ich glaube, wenn ich da noch versucht hätte, an seiner Trinkerei zu rütteln, wäre ich verzweifelt, dieser Selbstschutz hat immerhin funktioniert.

    Gruß Susanne

    Liebe Astrid,

    eine schwierige Situation, in der Du da steckst.

    Mein Vater hat sehr viel gearbeitet und auch meistens in der Freizeit getrunken, und meine Mutter hat sich auch daran gestört.

    Solche Situationen, wie Du das in diesem Zitat beschreibst, gab es bei meinen Eltern auch

    Gegenangriff kommt eigentlich nicht, er siehts ja dann auch ein, wenn ich ihm wieder mal Predige, wieviel er doch eigentlich trinkt...dann gehts ein paar Tage wieder gut...dann gehts wieder los....

    Ja mit der Kraft gehts eigentlich (noch) ganz gut, weil ich wirklich eine starke Persönlichkeit habe, aber ich muss es wirklich durchziehen, ihm immer und immer wieder sagen, dass es sch... ist und es so nicht sein kann...auch wenn es dann zum Streit kommt.

    Ich hab ja auch einfach Angst um seine Gesundheit, wenn er so weitermacht, wird er wahrscheinlich nicht sehr alt werden :-[

    als ich etwa 15 und meine Mutter ein paar Tage bei ihrer Familie war, erzählte mir mein Vater einmal , wie das aus seiner Sicht aussieht:
    "eine Menge Arbeit, das Haus muss bezahlt werden, und zu Hause sitzt mir Deine Mutter im Nacken, will mich kontrolieren und meckert herum. Das kann man doch nur im Suff ertragen."

    Merkst Du was? Für Deinen Mann sieht das möglicherweise ganz anders aus als für Dich. Das ist in Beziehungen oft so, deswegen hilft eigentlich nur reden, aber da gehören ja auch zwei dazu. Er gibt Dir vielleicht ab und zu nach, weil er seine Ruhe haben will, aber für ihn selbst sieht es womöglich längst danach aus, als ob er auch wegen Dir trinkt. Genau wegen den Predigten...das ist Stress für ihn.

    Wirklich weniger trinken könnte er wegen diesen Vorhaltungen auf Dauer sowieso wohl nur, wenn er noch nicht abhängig wäre. Es gibt so Vieltrinker, die gerne trinken, aber es nicht brauchen, die können weniger trinken, wenn sie wollen oder müssen. Ob Dein Mann dazugehört, weiß nur er selbst.
    Wenn er abhängig ist, braucht er den Alkohol ja. Dann muss er das, was er wegen Dir irgendwo weg läßt, wahrscheinlich woanders nachholen. Wie Du hier bei den Angehörigen und auch bei den Alkoholikern oft lesen kannst, trinkt er dann halt irgendwann heimlich, wenn Du ihm zu sehr im Nacken sitzt. Das könnte auf jeden Fall passieren.

    Wenn Du hier die Beiträge bei den Alkoholikern mal durchliest, dann dauert es bei den meisten wohl selbst sehr lange, bis sie sich sicher sind, dass sie Alkoholiker sind. Und diejenigen, die es dann irgendwann einmal schaffen, damit aufzuhören, müssen sich wohl selbst sehr viel darum kümmern. Es wäre keine Sucht, wenn es so einfach wäre, damit aufzuhören, deswegen steht wohl auch überall, dass der Betroffene selbst aufhören wollen muss.

    Ich weiß nicht, was ich Dir raten könnte. Vielleicht wäre es am Besten, Du liest Dir hier Geschichten von anderen Angehörigen durch, damit Du überhaupt mal eine Vorstellung davon bekommst, was alles auf Dich zukommen kann.

    Gruß Susanne

    Ich fand die Fragen auch nicht blöd, sonst hätte ich nicht geantwortet. Ich hätte mir nur manche Mühe sparen können, wenn Du Dich klarer ausgedrückt hättest. Das ist jetzt aber auch egal, ich hätte ja nicht antworten müssen.

    Geht es darum, dass Dich Deine Mutter mit ihrer Art oder ihren Sprüchen zu leicht treffen kann? Dass Du die Auswirkungen ihres Alkoholismus, Lügen, vertuschen (oder sonstige Macken) zu persönlich nimmst? Manchmal wissen Eltern auch ganz gut, wie sie ihre Kinder klein halten können, selbst im Erwachsenenalter.
    Gehts in die Richtung?

    Für die Pflegeleistungen oder ein Betreuungsverfahren ist es sogar um so besser, je schlimmer es aussieht. Da bloß drauf achten, dass alles auf den Tisch kommt. Es ist nämlich leider gerade so, dass Betroffene da möglichst gut aussehen möchten, und damit gibt es aber weniger Leistungen.
    Und da kommt es natürlich auch darauf an, was Deine Mutter tatsächlich alles nicht mehr kann. Wie Dietmar schon geschrieben hat, ist Verwahrlosung oder Hilfeverweigerung alleine kein Grund. Wenn sie noch könnte, wenn sie wollte, und Du das nur machst, weil Dein Umfeld das erwartet, ist das etwas anders, als wenn sie wirklich hilfflos ist. Aus der Ferne (für mich) nicht zu beurteilen.

    Bei mir ist die Familie teilweise auch in sich zerstritten, Mutter und Vater geschieden, und seine Geschwister gehen sich teilweise aus dem Weg.
    Und natürlich gab es da auch gegenseitig Vorwürfe, wer wann irgendwo zu wenig oder das Falsche gemacht hat.

    Irgendwo schietegal. Kann man sowieso nicht ändern und ich bin auch hart im Nehmen. Und bei mir ging es, nachdem ich mich viele Jahre aus dem Leben meines Vaters herausgehalten hatte (und er sich aus meinem, wir wollten das so) und ich mich dann doch kümmern musste, nicht darum, weil das für Andere aussieht. "Dargestellt" habe ich das überhaupt nicht, sondern direkt erzählt wie es aussieht. Was Anderes hilft auch nicht viel, wenn man das regeln muss.

    Ich habe meinem Vater da geholfen, wo ich etwas machen konnte. Damit hatte ich genug zu tun. Ich hatte keine Zeit, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir eigentlich egal sein konnten. Andere zerreissen sich das Maul sowieso, wenn sie wollen, egal was Du machst, und manchen kann man es nie recht machen, also kannst Du es gleich so machen wie es für Dich am besten geht.

    Und damit kurz zu Dir. Mir fällt auf, dass Du auf die ganzen Vorschläge, die Dir gemacht wurden, gar nicht eingehst.
    Du pflegst oder versorgst Deine Mutter, weil sie das nicht mehr alleine kann. Oder könnte sie das noch, wenn Du nichts mehr machst, und Du machst das eher aus schlechtem Gewissen, weil Du es nicht mit ansehen kannst, oder aus Liebe? Das ist wegen der Definition der Bedürftigkeit wichtig.

    Wenn man sein Leben nicht mehr selbst regeln kann, weil man dement ist (oder aus anderen Gründen), dann ist das ein Grund, Leistungen aus der Pflegeversicherung zu erhalten. Damit kann man einen ambulanten Pflegedienst holen, der zumindest die Medikamentengabe übernimmt.

    Der Pflegedienst kann Dich auch sonst entlasten, damit Du überhaupt mal Luft hast und über Maßnahmen, wie sie Dietmar gestern beschrieben hat, überhaupt nachdenken kannst.

    Deswegen habe ich den Hinweis auf die Pflegestützpunkte gebracht.
    Du kannst aber auch selbst bei der Pflegeversicherung (die sie haben muss, wenn sie krankenversichert ist) Deiner Mutter anrufen und die schicken Dir einen Antrag oder machen das formlos. Jedenfalls kommt dann der Medizinische Dienst und begutachtet Deine Mutter. Es gibt zwar auch eine vorübergehende Begutachtung nach Aktenlage, aber das gibt es nur wenn Deine Mutter beispielsweise momentan sonst gar keine Betreuung hätte - Du bist ja da.

    Da geht es um eine Menge Geld. Mein Vater bekam aufgrund seiner Hilflosigkeit und seiner Orientierungslosigkeit fast den höchsten Pflegegrad, das waren beinahe 1.800 Euro im Monat, die ich für den Pflegedienst verwenden konnte. Da kann man dann schon was machen. Wie viel das bei Deiner Mutter wäre, kann ich natürlich nicht sagen, aber ohne Begutachtung guckst Du jedenfalls in die Röhre und machst die Dinge alleine. Deine Entscheidung.

    Lass Dir nicht zu viel Zeit und halte Dich nicht lange mit Nebenbaustellen auf. Das wird alles immer schlimmer, ich denke das weißt Du ja selbst von Deinem Vater, und diese ganzen Verfahren dauern, bis sie durch sind. Ich musste auf den Medizinischen Dienst für die Begutachtung meines Vaters 6 Wochen warten, und ein Betreuungsverfahren dauert bei uns hier ca. 4 bis 6 Monate, wie man mir hier beim Betreuungsgericht gesagt hat (bei uns kam es es nicht dazu, weil abzusehen war, das mein Vater gar nicht mehr so lange lebt). So lange musst Du dann sowieso auf eine Entscheidung warten. Das ist lange, wenn die Zeit davonläuft. Und das Pflegeleistungen kriegst Du (bzw Deine Mutter) natürlich auch erst ab Antragstellung.

    Es kommt der Zeitpunkt, an dem Du das alleine einfach nicht mehr schaffst und je eher Du Dich um Hilfe bemüht hast, desto leichter ist es (es reicht Dir trotzdem, glaubs mir) und wie das dann nach außen aussieht, ist das allerkleinste Problem dabei.

    Vielleicht hast Du auch Glück, dass er jetzt im Krankenhaus "zu sich kommt", weil er mit dem Bein ja sicher für eine Weile aus dem Verkehr gezogen wird und die ihn ja vielleicht auch ausnüchtern. Vielleicht reden auch die Ärzte mit ihm. Mit viel Glück merkt er da ja, was los ist, wenn es ihm nicht sowieso schon egal ist.

    Liebe Ellen,

    mein Vater und ich sind einige Jahre älter als Du. Aber mein Vater hat in seinen letzten Lebensjahren praktisch auch nur noch getrunken und jede Hilfe abgelehnt. Getrunken hat er auch schon immer, aber solange er gearbeitet hat, hat er funktioniert. Ein bisschen schwierig war er auch schon immer und auf Kontakt hat er noch nie viel Wert gelegt bzw., wollte er einfach nicht.
    Am Ende war es ähnlich schlimm wie bei Dir, von daher kann ich das nachvollziehen. In der Wohnung sah es aus, ich musste ihn auch irgendwann ins Krankenhaus bringen, als er nicht mehr laufen konnte, und da war es natürlich auch Thema, dass er Alkoholiker ist.

    Bei meinem Vater war es klar, dass er nicht aufhören wollte und da war es einfach ganz klar, dass es keinen Sinn macht, ihn zwangsweise "trocken zu legen". Er hätte nichts davon gehabt. Sehr viel trinken konnte er schon nicht mehr, da er bereits stark abgebaut hatte, da hat man ihm halt auch im Krankhaus Bier und Wein hingestellt, damit er halbwegs zufrieden war. In seinem Fall wäre es sogar möglich gewesen, ihn vom trinken abzuhalten, weil er sich selbst nichts mehr besorgen konnte, aber er wäre nur unglücklich dabei geworden.

    Sein Leben kannst Du nicht ändern, wenn er es nicht will. Ich habe mich lange mit dem Thema beschäftigt und ich habe keine Idee, wie Du ihn dazu bringen könntest, aufzuhören. Es gibt viele Angehörige, die Jahrzehnte ihres Lebens für diesen Versuch opfern, und das Einzige, was dabei herauskommt ist, dass sie mit den Bach hinuntergehen. Und auch Experten, Ärzte, Psychologen, Therapien können keinen Abhängigen gegen seinen Willen davon abbringen, weil der Abhängige das wollen und aktiv mitarbeiten müsste, auch wenn es schwierig wird, und Alkohol gibt es ja überall.
    Wenn er keine Lust hat, hat er keine Lust, es ist leider so banal wie es sich anhört.

    Du kannst nur Dein eigenes Leben ändern, indem Du die Verantwortung für ihn nicht mehr übernimmst und indem Du auch die Verstrickung zwischen Euren Leben so weit als möglich auflöst und Dich mehr darum kümmerst, dass es Dir gut geht, statt Dir immer Sorgen um ihn zu machen. Wenn er keinen Kontakt sucht, dann ist es ja vielleicht auch ein Zeichen, dass er das gar nicht will, also "musst" du ja auch gar nicht. Oder wünscht er sich das - dann müsste er aber auch mal, meinst Du nicht? Ansonsten müssen Eltern erwachsener Kinder ja nicht machen, was die Kinder wollen, genau so wenig wie umgekehrt, und trinken ist nicht verboten, also da hast Du gar keine Chance..

    Das ist jetzt einfach so dahin geschrieben und ich weiß natürlich auch, dass einen das oft mehr beschäftigt, als einem lieb ist. Es dauert seine Zeit, das hinter sich zu lassen. Ich dachte immer, man denkt, der Alkoholiker müsste doch einfach aufhören, aber sich selbst kann man ja auch kaum ändern. Vielleicht würde Dir eine Angehörigengruppe helfen?

    Gruß Susanne

    Hallo Tanja,

    aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass es wahrscheinlich nicht einfach wird. Da kannst Du Dich darauf einstellen.

    Bei mir war es der Vater, der getrunken hat. Nach dem Tod seiner letzten Lebensgefährtin hat er alleine in seinem Haus gewohnt und erfolgreich alle Leute, die sich irgendwie kümmern wollten, abgewiesen. Er hat sich auch nie in die Karten schauen lassen, wie es ihm ging.
    Ich wohne in einer anderen Stadt, der Kontakt war viele Jahre eher selten und Geschwister habe ich keine.
    Irgendwann ging es halt nicht mehr, weil er irgendwann aufgefallen ist. Er saß betrunken im Auto, das Haus verwahrloste immer mehr. Dass er stinkt, war mir schon länger aufgefallen, aber mehr als fragen, ob er was braucht, konnte ich ja auch nicht machen. Dann haben seine Nachbarn seinen Bruder angerufen, sein Bruder mich ob ich mich mal kümmern könnte. Mit anderen hat er schon gar nicht mehr geredet.

    Ich habe mit ihm geredet (das war viel schwieriger als es sich anhört), ob er wenigstens mal eine Putzfrau ins Haus lassen würde. Irgendwann hat er eingewilligt. Zuerst habe ich mich dann an die Katholische der Caritas in seiner Stadt gewendet, und die sind dann auch mal hingefahren, aber er hat sie gar nicht erst hereingelassen. Vielleicht konnte er sich auch gar nicht mehr an das Gespräch mit mir erinnern.
    Damit war das erst mal erledigt, aber damit wurde natürlich nichts besser.

    Ich erspare Dir weitere Details, aber mit einem Alkoholiker, der sich nicht helfen lassen will und langsam wegen Alter und Demenz immer hilfloser und gleichzeitig starrsinniger wird, macht wohl jeder Angehörige so seine Erfahrungen.

    Ein Vierteljahr später ist er in seiner Wohnung so gestürzt, dass er nicht mehr laufen konnte. 4 Wochen lang hat er jeden Besuch verboten und jede Hilfe rigoros verweigert, bis einfach gar nichts mehr ging. Er hatte nichts mehr zu essen, die sanitären Einrichtungen funktionierten nicht mehr, ja, und der Alkohol war ihm auch ausgegangen. Erst da brachte ich ihn dazu, mit mir zum Arzt zu gehen.

    Damit nahmen dann die Dinge endlich ihren Lauf. Er musste ins Krankenhaus, ich konnte endlich die Putzfrau holen und mich auch sonst ums Haus kümmern und vor allem, auch in Deinem Fall ganz wichtig:

    Ich lernte in der Sozialstation und im Krankenhaus Leute kennen, die mir weiterhelfen konnten. Ich war da ja da ziemlich unbedarft. Aber weil das ja die meisten Angehörigen erst mal sind, gibt es inzwischen fast überall Pflegestützpunkte, die dazu da sind, die Leute umfassend zu beraten. So wie Du das beschreibst, könnte Deine Mutter vielleicht längst einen Anspruch auf einen Pflegegrad haben, aber das kann ich natürlich nicht beurteilen und ich darf auch keine Rechtsberatung machen.

    Hier ist mal ein link, der Dir weiterhelfen könnte:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Pflegest%C3%BCtzpunkt

    Gruß Susanne

    Hab noch was vergessen, kann wohl nicht nachbessern.

    Ich habe das ja nur als zusätzliche Möglichkeit genannt, als weiteren Vorteil von Gruppen. Das war kein Widerspruch zu dem, was vorher geschrieben war. An sich ist es auch nur so was, was auf dem Tisch liegt und was man sich nehmen KANN (nicht MUSS).

    Ich habe nicht geschrieben, dass es immer so funktioniert. Außerdem behaupte ich auch nicht, dass es auf Anhieb funktioniert.

    Aber ich bin sicherlich nicht die Einzige, die lange genug allein mit ihren Problemen rumgewurschtelt hat und dann, als sie sich endlich irgendwo Hilfe gesucht hat, zumindest wusste:
    so wie ich es bisher gemacht habe, funktioniert es nicht. Ich bin irgendwo auf dem Holzweg, deswegen suche ich mir ja Hilfe. Also gucken wir mal bei anderen, was funktioniert hat und was nicht. Und da können schon ein paar Groschen fallen, dass man bislang an einigen Stellen gegen Windmühlen gekämpft hat, eben bei Punkten, die man nicht ändern kann, weil sie z.B. zur Erkrankung dazugehören. Das realisiert man ja gar nicht, so lange man die Fehler nur immer bei sich selbst oder irgendwelchen Umständen sucht.
    Das gilt meiner Ansicht nach für Versuche, den Partner zu drehen, nicht viel anders, als als Abhängiger unbedingt kontroliert trinken zu wollen.

    Liebe Chillymilly,


    Euren Erfahrungen zu Folge, muss man also wahrscheinlich direkt beobachtet haben, wie derjenige trinkt und danach in ein Auto steigt und losfährt. Und selbst dann ist es noch fraglich, ob die Polizei reagiert (wie in deinem Fall Susanne68).

    ich glaube schon, dass sie gekommen wären, wenn ich gesagt hätte dass er jetzt gerade losfahren will (so ähnlich wie von Dietmar geschrieben).
    Aber wenn ich sage, passen sie mal auf, morgen fährt er wahrscheinlich betrunken, was sollen sie da machen? Sie können ja keinen Streifenwagen vor die Tür stellen, bis er - vielleicht - mal betrunken losfährt, und sie können auch nicht in der ganzen Stadt Verkehrskontrollen deswegen machen, um ihn zu finden. Das ist ja auch eine Kosten- und Personalfrage.

    Mir hat der Polizist erklärt, sie müssen ihn am Steuer mit Alkohol erwischen. Reine Aussage, dass jemand mal betrunken gefahren ist, hat keine Beweiskraft und wird von keinem Gericht anerkannt.

    Gruß Susanne