Beiträge von Susanne68

    Hallo,

    Du machst erst mal gar nichts falsch, sondern: gehört oft dazu.

    Relativ häufig ist, wenn auch bei weitem nicht bei Allen, dass bald nach dem Aufhören erst mal ein Zustand eintritt, denn man als Honeymoon bezeichnet, Flitterwochen. die Belastung durch den Alkohol ist erst mal weg, der Körper wird fitter, die psychische Belastung fällt scheinbar von einem ab, und man wird schon fast euphorisch. Man könnte Bäume ausreissen.
    ...
    Und dann kommt, ebenfalls bei vielen, wenn auch nicht bei allen, ein Zustand, der einer Posttraumatsichen Belastungssstörung ziemlich ähnlich ist, und wahrscheinlich ist das sogar eine posttraumatischen Belastungsstörung, denn den ganzen Prozess, wenn einem so aufgeht, was die Sucht mit einem macht und an was man da jahrelang entlanggeschrammt ist, kann man sicher ohne weiteres als Trauma auffassen.

    Schliesslich ist das für viele Betroffene eine Krankheit, an der sie sterben...oder auch elendiglich verrecken. Was Du da gestern gehen hast, ist ja noch harmlos, die beiden sind immerhin noch in der Lage, sich zu bemühen. Das ist für Viele schon jenseits von Gut und Böse und viele sind ganz einfach schon tot und können gar nichts mehr machen. Und wenn Dir das so langsam aufgeht, dass Du ja auch ein paar Jahre auf dem gleichen Gleis gefahren bist, es wahrscheinlicher war, dass Dir das Gleiche passiert, als dass und wie viel Glück Du hattest, dass Du da aussteigen konntest (und gefährdet bleibst Du ja wenn Du nicht auf Dich aufpasst), dann geht das eventuell schon ganz schön an die Substanz. Und auch das was Du schreibst, wenn Dir die verlorenen Jahre und der ganze Mist richtig aufgehen, das ist STRESS. Ausserdem hast Du auch jahrelang Raubbau an Dir selbst betrieben, über Deine (energetischen) Verhältnisse gelebt, das holt sich der Körper (und die Psyche) irgendwann wieder zurück.

    Jedenfalls, das habe ich schon oft gehört, dieses Tief nach der Anfangsphase. Eigentlich fängt da die Arbeit erst an. Das ist wie bei vielen Paaren, deswegen trifft auch der Begriff Honeymoon zu, wenn der Zustand der Verliebtheit verflogen ist, dann stellt sich erst heraus, ob man das auf eine dauerhafte Basis stellen kann. Und erst dann, nach viel längerer Zeit, geht es dann dauerhaft und in kleinen Schritten langsam aufwärts.

    Und dieser Frust darüber, dass das dann doch nicht gleich so toll bleibt, ist natürlich auch ein exzellenter Rückfallgrund, denn es kann dann ohne weiteres zwei, drei Jahre lang so erscheinen, dass es überhaupt nichts bringt, was man macht. Wozu hat man dann das Saufen aufgehört, wenn es nicht besser wird... Da ist dann wirklich Geduld und Durchhaltevermögen gefragt, denn bei fast allen, die diese Phase durchhalten, wird es am Ende eben doch besser. Und das würde man sich nehmen, wenn man im Frust zur vermeintlich einfacheren Lösung greifen würde.
    Aber das ist eben kein Fehler von Dir, sondern es ist manchmal einfach unvermeidlich, und da hilft manchmal nur runterschalten, bis die Energie wieder kommt. Überleg Dir mal, was von den Dingen, die Du unbedingt tun willst, wirklich überlebensnotwendig ist, alles andere kannst Du auf später verschieben, wenn es dann überhaupt noch wichtig ist.

    Gruß Susanne

    ..und dann auf in die nächste Runde.

    Wenn Du mich fragst, brauchst Du von ihm genauso einen Entzug wie ein Alkoholiker vom Alkohol und dann kannst Du von unten anfangen, Dich aufzubauen.
    Aber Du wirst mich wahrscheinlich nicht fragen...

    Das Problem ist halt, dass Du Dir da zum Teil auch nur selbst helfen kannst - mit Hilfe von Anderen - genau so wie er - für sich - sich nur selbst helfen kann, evtl. mit Hilfe von Anderen.
    Ich persönlich würde Dir zwar schon gerne helfen, aber ich habe ja nun auch keinen Knopf hier, mit dem alles wieder gut wird, und mir fällt im Moment leider auch nichts ein, mit dem ich Dir Deine Sorgen auf die Schnelle verringern könnte.

    Du schreibst, Du warst in Therapie. Hast Du da möglicherweise noch jemanden, den Du anrufen kannst? Das wäre halt ein persönlicher Kontakt und Die würden Dich wohl auch kennen.

    Im Übrigen habe ich neulich erst gelesen, dass man bei stoffungebundenen Süchten - zu denen so eine Beziehungsabhängigkeit gehört - festgestellt hat, dass die Suchtentwicklung durch die Unsicherheit, wann man denn mal wieder sein Zuckerl kriegt, gefördert wird. Also der unberechenbare Wechsel aus Hoffen und Bangen...ganz gefährlich für Leute, die darauf anspringen.


    ich glaube dass es vielleicht auch was damit zu tun haben könnte, dass ich ihn verlieren könnte und nichts machen konnte (so wars in der Vergangenheit)

    bekanntes, gut untersuchtes Phänomen, das sich Beziehungsmuster oft wiederholen und das der "Nächste" oft erhebliche Ähnlichkeit mit dem "Letzten" hat, das man seine Familienstruktur tradiert etc. Nicht nur in Suchtfamilien wohlgemerkt, und auch nicht bei allen, aber bei einer deutlichen Mehrheit.

    Wegen dem Schreiben brauchst Du Dir nichts denken, dazu ist so ein Forum da.

    Zu dem "eigentlichen Thema" möchte ich Dir ein paar Gedanken dalassen, immer unter der Maßgabe, dass Du nichts musst und dass Du das einfach vergessen kannst, wenn es Dir nicht weiterhilft. Ratschläge von mir musst Du auch nicht befolgen, es ist nur ein Angebot.
    Und auch, ganz klar, ich kann mich irren. Ich bin nicht allwissend. Ich schreibe Dir nur, wo es bei mir beim drüberlesen "holpert".

    Also erstens komme ich nicht ganz mit, was das genau für eine Beziehung ist, wenn er in der Weltgeschichte rumgondelt und Dich grade dann mal kontakiert, wenn es ihm passt. Das liest sich so für mich, als wenn Du ihm als Seelenmülleimer jederzeit zur Verfügung stehst, aber ansonsten hast Du nicht allzuviel zu melden. Ein echter Energiefresser.

    Zweitens bringe ich den von Dir beschriebenen Gesundheitszustand nicht ganz damit zusammen, dass er gleichzeitig von Kontinent zu Kontinent reisen kann, wie es ihm gerade passt.

    Drittens würde ich es an Deiner Stelle absolut ernst nehmen, wenn er sagt, dass er keine Hilfe will. Du wirst hier im Forum an verschiedensten Stellen lesen können, dass eine Entwöhnungsbehandlung nur dann überhaupt Aussicht auf Erfolg hat, wenn sie vom Betroffen selbst gewollt wird (und selbst dann gibts noch viele Rückfälle). Er kann sich das jederzeit anders überlegen und wenn er das nur auf Druck von Dir oder seinen Eltern macht, dann sind die Erfolgssaussichten denkbar gering.

    Viertens, was er Dir erzählt, wenn Du ihn unter Druck setzt, wenn er womöglich noch unter Alkoholeinfluss steht, das kannst Du getrost in die Tonne treten. Entweder er weiss es hinterher sowieso nicht mehr, oder er ist froh, dass er Dich erst mal beruhigt hat und er in Ruhe weiter trinken kann. Auf das, was er Dir erzählt, weil Du es gerne hören möchtest, kannst Du Dich überhaupt nicht verlassen. Da zählen nur Taten, und zwar keine angekündigten, sondern vollzogene. Eine Enttäuschung ist immer eine Folge einer Täuschung, und zwar in diesem Fall auch einer Selbst-Täuschung, denn Du WILLST es ja glauben.

    Fünftens, wenn Du ihn anschreist, kannst Du darauf warten, dass er Dir die Schuld dafür in die Schuhe schiebt, dass er trinkt. Dann solltest Du daran denken: Er hat schon vorher getrunken und Du hast ihm die Flasche nicht an den Hals gehalten.

    Sechstens hast Du den üblichen Scheixx am Hals, mit dem sich Angehörige von Abhängigen rumschlagen, also nimms nicht persönlich, sondern akzeptiere, das Du auch nicht mehr machen kannst als alle Anderen. Das haben schon so viele vergeblich probiert, einen Alkoholiker zum Aufgeben zu bewegen, damit bist Du nicht alleine. Es ist auch nicht Dein Fehler und Du hast keine Schuld.
    Da Du ihm aber durch ungeeignete Kommunikation (Vorwürfe, Anschreien) die Trinkgründe noch liefern könntest und Du das mit Sicherheit nicht willst, würde ich Dir dringend empfehlen, Deine Verstrickung in seine Sucht zu lösen, das steigert sich nämlich gegenseitig immer mehr.

    Und wenn Du das alleine nicht schaffst, dann wäre mein persönlicher Rat, eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen. Da gibt es oft professionell geführte Angehörigengruppen, da findest Du Erfahrungsaustausch und auch ganz konkrete Informationen, wie sich das System aus Abhängigen und Angehörigen im Laufe der Zeit entwickeln kann und wie Du überhaupt gegensteuern kannst, dass Du am Ende nicht noch kaputter bist als er. Und ansonsten findest Du auch hier im Forum unter "Angehörige" so Einiges.

    Habe fertig.
    Gruß Susanne

    Hallo,

    also nach meiner Erfahrung kann man jemandem mit sanftem, aber bestimmten Druck zum Arzt bringen oder man kann den Notarzt rufen.
    Dann ist man aber darauf angewiesen, dass der Betroffene "mit spielt". Denn er kann dem Arzt sagen, dass er keine Hilfe will und dann darf ihn der Arzt nicht behandeln. Bei tatsächlicher Selbstgefährdung gäbe es zwar noch die Möglichkeit der Zwangseinweisung, aber wenn er schlau ist, wird er auch da bald wieder entlassen.

    Scheint ja für ihn ein lustiges Spielchen zu sein, das er da mit Dir spielt. Hast Du wenigstens auch Deinen Spaß? Auch wenn sich das für Dich zynisch anhört, ich würde ihn da gnadenlos beim Wort nehmen. Wenn er das zum Lachen findet, würde ich lachen.

    Gruß Susanne

    Die Augen öffnen könntest Du nur, wenn Du etwas findest, was ihn davon überzeugt, dass ein Leben ohne Alkohol für ihn ganz persönlich schöner und sinnvoller ist, als das Leben mit Alkohol. Das dürfte etwa so einfach sein, wie wenn ich versuchen würde, Dich zur Trennung von ihm zu bewegen.
    Ein großer Teil der Alkoholiker, die ich kennengelernt hatte, wussten ganz genau, was sie machen und dass sie sich zugrunderichten. Sie haben sich nur von der Nüchternheit auch kein besseres Leben erhofft und da hat mancher für den Glauben, dass er saufend ein schöneres Leben führt, gerne ein paar Jahre seines Lebens geopfert.

    Tja nun, bin raus.

    Öhm.

    mein Vater hat getrunken, bis er daran gestorben ist.
    Meine Eltern haben sich nach 31(!) Jahren scheiden lassen. Trotz Haus, blablabla. Wenn es schlimm genug ist, geht es. Wenns nicht geht, ist es noch nicht schlimm genug, meine Sicht darauf.

    Ich hatte da aber längst die Flucht ergriffen. Und ich kann Dir im Nachhinein nicht sagen, was damals schlimmer FÜR MICH war. Mein trinkender Vater oder das Gejammer meiner Mutter, wie schlimm es ihr mit ihm geht, und dem ja auch nie Konsequenzen folgten. Ich habe jahrelang den Kontakt zu beiden abgebrochen, ich konnte es nicht mehr hören.

    Ich kenne Paare, die trotz Suchtproblematik zusammengeblieben sind - und die auch glücklich wurden. Da haben aber überall BEIDE sehr viel an sich gearbeitet.

    Wenn Du hier Erfahrungen von anderen Angehörigen haben willst, musst Du Dir ja nur mal die Mühe machen, zu lesen. Steht ja alles da. So wie ich das sehe, schlagen hier in erster Linie Angehörige auf, die selbst nicht mehr weiterwissen. Oder solche, die dann wirklich ernsthaft etwas unternommen haben.

    Ich will Dir nichts erzählen, es ist Dein Leben, und wie man sich bettet, so liegt man.

    Gruß Susanne

    Das Thema Schuldgefühle betrifft auch die bekannte Themen "Gesunder Egoismus" und "Nein"-sagen.

    Bei mir liegt heute morgen im Email-Postfach eine Anfrage nach Ideen und Durchführung eines ehrenamtlichen Workshops. Ist natürlich aus einem Verteiler, geht an verschiedene Leute.
    Mir würde zwar vielleicht etwas einfallen, ich bekäme Anerkennung und manche wären mir vielleicht auch dankbar. Aber ich habe wenig Zeit, müsste mir das freischaufeln und außerdem habe ich gerade keine Lust. Ich kann und will mich nicht um Alles kümmern. Bin ich deswegen jetzt ein schlechter Mensch und muss mich schuldig fühlen?

    Aber tatsächlich ist es ein Thema, wo ich mich auch erst einmal frage, ob mir was einfällt, ob ich in der "Pflicht" wäre, das mich "packt". Also so ein alter psychologischer Mechanismus, Verantwortung zu übernehmen, sich zuständig zu fühlen, andere glücklich machen zu wollen, - auch wenn es dem, was ich gerade vorhatte, widerspricht (sonst: gerne) - , sich schuldig zu fühlen, wenn man das ablehnt, den gibt es auch bei mir. Ich bin ihm nur nicht mehr hilflos ausgeliefert.

    Mir ist da noch was eingefallen.

    Früher bekam ich oft die Rückmeldung, dass ich mich zu sehr rechtfertige für das, was ich mache oder will. Da hatte ich wohl auch Schuldgefühle, wenn auch mehr unbewusst. Ich hatte auch ziemlich Angst vor Ablehnung. War sicherlich zum Teil berechtigt, denn wenn ich zu Hause nicht so war, wie meine Eltern das gewünscht haben, dann wurde ich ja tatsächlich ganz offen abgelehnt, als Idiotin und schlimmes Kind beschimpft und auch körperlich bestraft. Meine Wahrnehmung war also durchaus richtig, nur war ich dann auch im Umgang mit anderen in verschiedenster Weise unbeholfen und tappte in alle mögliche Fettnäpfchen. Zeitenweise hatte ich schon das Gefühl, dass ich nur alles falsch machte. Insofern hatten Schuldgefühle auch eine gewisse Berechtigung, denn es war ja ich, die das so gemacht hat.

    Irgendwann verlor ich diese Angst vor Ablehnung und die - Gegenstück - Such(t)e nach Anerkennung zunehmend, ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs gänzlich ungeniert, weil ich immer mehr gemerkt habe, dass ich die meisten Leute gar nicht wirklich brauche und dass es mich auch nicht umbringt, wenn eine Beziehung auseinander geht. Vielleicht ganz wichtig war, dass ich eine Beziehung, die mir einmal sehr wichtig war, selbst beendet habe, als ich mich mit Umständen konfrontiert sah, die ich nicht mittragen wollte. Es war potthässlich und es hat mir gut getan. Ich traute mich dann bei späteren Beziehungen immer mehr, Forderungen zu stellen und einfach zu verlangen, dass meine Bedürfnisse auch zum Zuge kommen. Ich hatte aber auch selbst handfeste Probleme mit mir, mein Leben war lange eine Dauerkrise, ich hatte extreme innere Widersprüche und auch extreme Verhältensweisen, bin aber trotzdem immer irgendwie durchgekommen.

    Das ist alles lange her und es ging natürlich alles nicht so einfach geradeaus. Hatte Stolperstellen, musste Niederlagen einstecken, habe mich über mich selbst geärgert. Wobei ich den Ärger als die etwas gesündere und handlungsbereitere Variante von eher depressiven Schuldgefühlen sehe, die ich eher als passiv und hilflos erlebt habe. Fehler gemacht, auch mal die Falschen niedergebügelt, Freunde verloren, viel an mir selbst gearbeitet, auch mit therapeutischer Hilfe und Coaching. Ich war viele Jahre am Kämpfen, bis ich dann auch mit mir selbst einverstanden war. Seit mindestens 30 Jahren streite ich mich auch, wenn gestritten werden muss, und meistens endet das damit, das beide Seiten auf ihre Weise recht haben. Ich habe da inzwischen wenig Schuldgefühle, Streit muss aus meiner Sicht manchmal einfach sein. Mit Leuten, die nicht streiten können oder prinzipiell nicht wollen, habe ich selbst ein Problem, da ich da ja auch nicht so sein kann, wie ich bin, und auf Dauer verbiegen ist ja auch für mich nichts. Da brauche ich dann einfach die passenden Leute, zum Glück gibt es die. Im Geschäftsbereich, der für mich auch sehr wichtig ist, bin ich inzwischen einigermassen professionell im Umgang, da lasse ich manches auch mal an mir abprallen.

    Wenn ich das gerade so schreibe, fällt mir auf, dass ich die letzten ca. 10 Jahre mit mir und meinem Leben doch recht zufrieden bin. Ich muss es nicht jedem recht machen, muss auch nicht von jedem anerkannt werden, habe aber irgendwie auch gelernt, mit Anderen auszukommen, ohne mich selbst aufzugeben. Was die Eigenschaften an mir angeht, die mich selbst gestört haben: Einiges habe ich bearbeitet und bewältigt, und Anderes habe ich als "Teil von mir" akzeptiert, ich bin so und dazu fühle ich mich genau so berechtigt wie ich Anderen zugestehe, dass sie so sind wie sie sind. Das betrifft auch Fehler, die ich mache, wenn nichts wirklich Schlimmes dabei passiert, dann verzeihe ich das Anderen und mir selbst auch. Ich muss auf meine Weise nicht mehr perfekt sein, Leben ist auch Flexibilität und spielerische Improvisation für mich. Den Satz "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" interpretiere ich so, dass es ja nur für alle Beteiligten von Vorteil sein kann, wenn man sich selbst liebt - denn mehr kriegen die Anderen ja auch nicht.

    Gruß Susanne

    Liebe Biene,

    obwohl auch mein Vater getrunken hat und ich deswegen faktisch wohl als EKA durchgehen kann, fiel mir bis jetzt nichts ein, was ich Dir schreiben könnte.
    Jetzt ist es mir jedoch gerade wie Schuppen von den Augen gefallen.


    Und fühle mich wider besseren Wissens "schuldig", weil ich so behandelt wurde.
    Es MUSS doch an mir liegen, dass ich so wenig wertgeschätzt wurde.
    Und ich bin noch nach der Trennung in der untergeordneten Position (gefühlt), weil ich nicht wertvoll genug bin, so angenommen und auf Augenhöhe behandelt zu werden, wie ich es mir wünsche.

    Trotz der EKA-Gemeinsamkeit bin dennoch ein völlig anderer Mensch als Du und habe ganz andere Erfahrungen gemacht.

    Heute ist mir aufgefallen, dass das vielleicht daran liegen könnte, dass Dein Vater


    ein lieber, eher stiller, zurückhaltender Mensch.


    war


    Ich habe weder körperliche Gewalt noch verbale Aggression erlebt.

    Mein Vater war weder still noch zurückhaltend, und er war sowohl körperlich wie verbal aggressiv.
    Als ich ein Kind war, wäre es wohl auch gewünscht gewesen, dass ich nicht störe und lautlos funktioniere. So lange ich noch richtig Angst hatte, hat das auch geklappt, aber irgendwann war meine Wut größer als meine Angst.
    Danach hat das bei mir nicht mehr geklappt, auch weil ich einige Eigenschaften meines Vaters geerbt/übernommen hatte.

    Ich habe auch ein paar Macken, und auch bei mir sagen Leute, dass das mit meiner Familiengeschichte kaum anders sein kann, aber wie sich das auswirkt, ist ganz anders.

    Und das ist der Punkt, auf den ich kommen wollte: kann es nicht sein, dass Du einfach Persönlichkeitseigenschaften Deines Vaters geerbt oder übernommen hast? Bist du vielleicht auch lieb, still, zurückhaltend, nur ohne Alkohol?

    Gruß Susanne

    Hallo Steinbock,

    ich habe leider den Sinn Deiner Anmeldung nicht ganz verstanden.

    Dein Mann ändert sich eh nicht und Du hast Dich damit abgefunden. Es nervt Dich allerdings so, dass Du weißt, dass Du Dich trennen müsstest. Machst Du aber nicht, denn...

    Du schreibst, Du kannst (und willst) nichts ändern, weil Ihr im Haus Deines Mannes wohnt, Du Deiner Mutter eine weiteren Umzug nicht zumuten willst und noch ein halbes Dutzend weitere Gründe.

    Ein Anwalt ist Dir zu teuer und zu Suchtberatung oder Selbsthilfegruppe kannst (willst?) Du Dich nicht überwinden. Du hättest gerne weitere Vorschläge, aber leider, leider, kommen die nicht.

    Tja, und nun? Wo soll das Wunder herkommen, wenn alle Beteiligten weiter machen wie bisher? Einer säuft, eine jammert, und wenn sie nicht gestorben sind, dann tun sie das noch heute...hast Du das geschrieben, damit wir was zu lesen haben oder hattest Du noch andere Gründe?
    Ich würde mal behaupten, wenn es Dir zu schwierig ist, Dich mit Anderen von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten, kann Dein Leidensdruck noch nicht so besonders groß sein. So lange die Fassade noch das Wichtigste im Leben ist und ja keiner mitkriegen soll, wie es dahinter aussieht, hältst Du es ja noch aus. Egal, wie Du Deine Situation bewertest, unter dem Strich reicht es noch nicht, dass Du Dich überwindest. Bei einem Beinbruch würdest Du wahrscheinlich nicht so lange zögern, einen Profi zu holen, also kann es ja nicht so schlimm wie ein Beinbruch sein, wenn man das mal ganz nüchtern betrachtet. Das dauert noch ein bisschen.

    Gruß Susanne

    Ich kenne übrigens Paare, die trotz Suchtproblematik zusammengeblieben und miteinander glücklich sind.
    Da haben aber überall beide an sich gearbeitet.
    Ich persönlich kenne kein Paar, das glücklich ist, wo nur der Alkoholiker/Süchtige aufgehört hat und der Angehörige / (meist) Ehefrau hat nichts gemacht.

    Gruß Susanne

    So wie ich das beim Kreuzbund (und wo anders) lese, muss man sich für CRAFT ja als Angehörige schulen lassen. Ich kenne mich damit nicht aus, aber was ich gelesen habe, scheint es ja recht anspruchsvoll und auch anstrengend zu sein.

    Das ist keine Kritik, denn wenn man vom Süchtigen verlangt, dass er auf Therapie geht, setzt man ja auch voraus, dass er sich anstrengt.
    Ich will nur darauf hinweisen, dass es wohl keine einfachen Lösungen gibt.


    Eine SHG ja ich glaube die Idee ist nicht schlecht ich weiß nur nicht ob ich mich überwinden kann. Das zu wissen und online zu schreiben ist nochmal was anderes als es sich vor realen Personen einzugestehen.

    sich selbst zu überwinden, da erst mal hinzugehen, wäre dafür wohl Grundvoraussetzung.

    Gruß Susanne

    Kann ich Dir natürlich auch nicht sagen, ob das die Lösung ist. Weiß ich nicht, ganz neutral, musst Du abwarten. Beobachten, wie gut das nun klappt.

    Im ersten Beitrag nanntest Du "eine Woche nichts trinken" schon "Klassiker". Denke Du solltest schon genau hinsehen, ob sich da FÜR DICH wirklich was ändert. Kann sein, kann auch nicht sein. Und wenn es nicht klappt, möglicherweise auch ernst nehmen, dass er das eventuell nicht mehr so unter Kontrolle hat, dass er Abmachungen einhalten kann.

    Ist auch für Dich vielleicht leichter, das anzusprechen, wenn Du schon mal auf Betriebstemperatur bist.

    Scherz beiseite, Du fragst, und ich kann Dir ja auch nur erzählen, was aus meiner Sicht helfen würde und Du kannst davon nehmen, was Du möchtest.


    Wollte wissen, wie ich mich verhalten könnte bzw wie ich es schaffe mich zum einen abzugrenzen von dem Problem es aber trotzdem bsw mit einem Gespräch, o. S. Kläre..

    wenn er nüchtern ist, sachlich erklären, was Du machst und warum Du es machst. Also praktisch das Gegenteil von dem, sich im Affekt, wenn er mal wieder etc, anzubrüllen. Möglichst ohne Vorwürfe und Schuldzuweisungen, weil da kocht es gleich hoch und führt nur zur Abwehr.

    Ich hatte da ein paar Beiträge vorher das Buch "Die Wahrheit beginnt zu zweit" erwähnt (einfach mal im Netz suchen, gibs bei...). Thema sind u.A. Gesprächsformen, bei denen man sich etwas sagen kann, ohne dass es eskaliert. Alles Andere als leicht, das dann auch zu machen, aber das Buch insgesamt ist sehr erhellend, was Kommunikationsformen in Beziehungen angeht, und rentiert sich meiner Ansicht nach auf jeden Fall, wenn man verstehen will, was Da passiert. Und für mich persönlich ist Verstehen die Basis jeder bewussten Veränderung.

    Gruß Susanne


    Ich habe mich früher auch manchmal darüber echauffiert, warum jemand etwas anders sieht als ich - habe mich aber eines Besseren belehren lassen (müssen). U.a. auch hier im Forum. Man wird eben alt wie eine Kuh ...
    Wenn ich heute merke, jemand sieht das Rot partout als Grün - dann klinke ich mich aus.

    meinst Du mich mit "auch" echauffiert?

    dann siehst Du wohl rot, wo ich grün sehe. Ich empfinde mich nicht als echauffiert. Nicht mal besonders emotional involviert. Bislang denke ich, reden wir halt drüber. Dass ichs nicht ändern kann und gegen den Willen des Gesprächspartners erst recht nicht, ist mir sowieso klar. Aber wenn Du das so siehst, dann siehst Du das so. Ist ja auch OK.

    An sich ist "sacken lassen" aber sicher nicht verkehrt. Bei mir ist halt der Punkt, mir gehts nicht schlecht mit der Diskussion, deswegen usw usf. etcpp...aber Du hast vielleicht recht.

    Gruß Susanne