Familiäre Themen waren nur eine Idee, in welche Richtung man denken könnte, kann natürlich auch anders sein.
Irgendwie erinnert mich das an den "Zwischenzustand", den ich im Alter um die 30 hatte.
Ich komme selbst aus einer trinkenden Familie (vor einem halben Jahr habe ich mich hier angemeldet, nachdem ich meinen Vater, der sein Leben lang getrunken hat und der an den Folgen des Alkohols starb, beim Sterben begleitet hatte, ich selbst bin knapp 60 und habe mit 41 aufgehört)
Nach einer ziemlich wilden Jugend ebenfalls mit allen möglichen Drogen, aber auch Komasaufen, geriet ich mit etwa 25 Jahren in ruhigeres Fahrwasser, trank relativ gemäßigt. Bei mir waren so 3 Bier relativ normal, auf Feiern auch mal mehr aber eher selten.
Ich habe da auch nicht jeden Tag getrunken, ich hatte Alkoholiker im Freundeskreis, die ich auch mal in der Therapie besucht habe, wo man sich schon auch drüber unterhalten hat, dass alkoholfreie Tage wichtig sind, ich war natürlich auch nicht scharf drauf, so zu enden wie meine Bekannten, und für meine Partnerschaft und mein eigenes Leben war es auch besser, also waren es dann so etwa 4 Tage die Woche, an denen ich getrunken habe, und ich habe das auch sehr lange so durchgehalten.
Im Laufe der Jahre und in Kombination mit beruflichen Stress wurden dann die Gegensätze zwischen den nüchternen Tagen und meiner wöchentlichen Trinkphase extremer, und so ab 35 hatte ich dann regelmäßige Abstürze, hörte aber trotzdem auch immer wieder auf. Das zog sich dann, mit immer schwierigeren Kontrollversuchen und zunehmenden Filmrissen, bis zu meinem 41. Lebensjahr hin, bis ich dann die Schnauze endgültig voll hatte.
Dass Du zur Entspannung trinkst, hört sich für mich selbstverständlich nicht seltsam an. Ich habe auch getrunken, weil ich dachte, trinken macht das Leben schön bzw gibt ihm überhaupt erst Sinn. Außerdem war es meine einzige Methode, zu entspannen, von längeren Urlauben abgesehen, die ich nicht so oft haben konnte wie ich sie gerne gehabt hätte, um wirklich mal runterzukommen...aber der Urlaub war selbstverständlich auch nur wirklich schön, wenn es ab und an was zu trinken gab, also die Entspannung brauchte auch Alkohol um zu entspannen.
Da könnte ich jetzt viel dazu schreiben, angefangen von "zu Hause so gelernt".
Der wesentliche Punkt, auf den ich raus will, ist allerdings die Frage, wie viel angehende Selbstlüge da schon dabei ist. Denn wie Du beschreibst, wie Dich Dein Alkoholkonsum beschäftigt, hat das ja nichts entspannendes mehr, sondern wird schon schön langsam zum Stressfaktor.
Und ich kenne es von mir nur zu gut, wie lange man die Augen vor der Tatsache verschließen kann, dass das, was man sich einbildet (Trinken macht das Leben schöner) mit meiner Trinkrealität (wöchentlicher Entzug, schlaflose Nächte, Schwitzen, Trockenkot+en, permanente Selbstkontrollversuche, eigenes Versagen und Selbsthass, Beziehungsprobleme und dergleichen mehr) schon lange nichts mehr zu tun hatte,. Trinken machte mein Leben ganz klar nicht mehr schöner. Das fiel mir aber erst bei diesem kleinen Klick auf, bei dem es geschnackelt hat.
Also, Fazit.
Du trinkst zur Entspannung.
Findest Du es wirklich entspannend, was Du hier eingangs geschrieben hast?
Gruß Susanne