Beiträge von Susanne68

    Hallo Rina,

    Ich danke dir für Deine Ausführungen.

    Ich verstehe dieses Bedürfnis, sich in Watte zu packen und das Gefühl, vom normalen Leben ausgeschlossen zu sein. Für mich waren Drogen und Alkohol zum Teil auch so ein Rückzugsraum und natürlich auch eine Möglichkeit, dazuzugehören.

    Trocken habe ich mir diese Möglichkeiten anders geschaffen, den inneren Rückzugsraum zum Beispiel durch Meditation. Aber da kam am Anfang auch erst mal ziemlich viel an unangenehmen Gefühlen hoch, zum Teil war das sogar daran beteiligt, das ich dann erst mal wieder so unzufrieden wurde. Ich wollte in der Meditation am Anfang am liebsten einfach weglaufen, und wenn ich dann trotzdem sitzen geblieben bin, kam die Wut hoch. Ich habe von anderen Leute aber auch schon gehört, das das am Anfang vielen Leuten so geht, das da erst mal Tränen fließen etc. Aber es hilft, wenn man dabei bleibt und durch diese Gefühle hindurch geht.
    Ich gehe auch viel raus in den Garten und die Natur, aber da hatte ich früher oft was zum Trinken oder einen Joint dabei, also das ist ein eigenes Thema.

    Bildlich gesprochen würde ich sagen, ich musste in meinem Keller erst mal aufräumen, also Gefühle die ich verdrängt hatte noch mal bewusst in die Hand nehmen. Und ich weiss nicht, ob das bei Deinem Trauma nicht zu schwierig wäre, also ich erzähle das nur, ich kann Dir da aber keine Empfehlung geben. Ich habe damit erst mal im Yoga angefangen, da hat mich das aber erst mal überrascht, da ich damit gar nicht gerechnet hatte und Yoga ist dafür vielleicht auch zu wenig geeignet, da man da nicht auf das vorbereitet wird, was da hochkommen kann, denn Normale Leute, die das machen, haben diese Schweirigkeiten vielleicht auch nicht so. Ich habe es dann aber unter Anleitung meines Therapeuten noch mal richtig gelernt, der hat mich da hindurchgeführt. Dann konnte ich es auch alleine, heute kann ich ziemlich leicht mal meditieren und das ist ziemlich entspannend.

    Wenn Du Therapie machst und zum Psychologen und in eine Gruppe gehst, wie Du schreibst, dann erzähle ich Dir wahrscheinlich auch nicht mehr viel Neues.

    Auch was Leute angeht, habe ich mir Felder gesucht, wo ich dazugehöre, ohne das ich trinken muss. Nicht nur hier, ich habe mir auch Betätigungen gesucht, wo ich halt was mache und wenn dann da Feiern sind, wo ein paar Leute was trinken, dann bin ich trotzdem dabei, das sind ja keine Besäufnisse, und wenn da neben mir jemand Wein oder Bier trinkt, dann ist mir das egal. Aber dazu musst Du wahrscheinlich auch erst den Suchtdruck überwinden.

    Jedenfalls habe ich heute oft den Spass, den ich mir vom Alkohol erhofft habe und den ich da ja schon gar nicht mehr hatte. Heute kann ich nüchtern lustiger sein als ich es betrunken wohl jemals war, wahrscheinlich bin ich auch für andere Leute angenehmer, denn wenn ich so richtig betrunken war, habe ich ja eine Menge Blödsinn erzählt, und es gibt hinterher kein böses Erwachen. Auch aus der Meditation kann ich ja einfach in den Alltag zurückkehren, ohne das ich erst wieder nüchtern werden muss, also ich geniesse das. Klar es gibt auch Leute, die mich deswegen nicht mögen, aber normalerweise mag ist selbst diese Leute ja auch nicht, das ist kaum ein Verlust für mich. Und im Zweifelsfall ist mir das auch egal, solange ich getrunken habe, habe ich auch keine Rücksicht darauf genommen, was andere von mir dachten. Und ich erzähle auch nüchtern mal Blödsinn, so bin ich halt, nur mache ich mir dafür keine Selbstvorwürfe mehr, sondern ich hake das ab.

    Ja das ist schlimm mit diesem Missbrauchserlebnis und ich wünsche Dir, das Du es irgendwann überwinden kannst (vergessen wirst Du es wahrscheinlich nie).
    Ich wünsche Dir, das Du Dich deswegen auch nicht mehr betäuben wollen musst, denn wenn Du nun am Alkohol kaputtgehen würdest, dann hätte Dein Angreifer ja noch nachträglich gewonnen.

    Das Nützen der Erfahrung ist mit Sicherheit ein guter Weg, ich bin am Anfang ja auch in Situationen gekommen, wo ich wusste, dass ich da früher auf jeden Fall getrunken habe, nicht nur wegen der Sucht, sondern weil es Situationen waren wo das gesellschaftlich für viele "dazu gehört", zum Beispiel Geburtstage und Weihnachtsfeiern in der Firma, und ich habe mir dann auch schon vorher überlegt, was ich da dann stattdessen mache. Oft ging es um Belohnungnen oder andere Dinge, bei denen ich mich dann auch ohne Alkohol wohl gefühlt und einfach was gutes genossen habe, ich hab dann zum Beispiel gerne Eis gegessen, ausserdem koche ich gerne und ich kümmere mich darum, was ich esse, das eigentlich immer, nicht nur zu Weihnachten. Und auch sonst gibts ja einige Techniken, was man in solchen Situation machen kannst, das hast Du bestimmt schon gehört. Man muss es halt machen und nicht aus Bequemlichkeit oder weil es alle machen, zum Glas greifen. Denn wie Du ja selbst schreibst, machen die Rückfälle ja nicht glücklich, also wünsche ich Dir dass Du es schaffst.


    Gruß Susanne

    Mein Partner war ja wegen seines Co-Verhaltens in Therapie.

    Da gings eigentlich wie bei mir in der Therapie drum, das man fast nie nur Opfer ist, sondern sich auch aktiv auf die Situation einlässt. Die Verantwortung, etwas zu ändern, wenn es nicht mehr passt, liegt immer bei demjenigen, der die Änderung will. Und die wenigsten Cos sind ja angekettet, sie suchen ja selbst nach Gründen, warum sie so weitermachen, weil sie auch die Illusion haben, die Situation irgendwie unter Kontrolle zu haben.

    Der Alkoholiker ist irgendwie in die Situation reingeschlittert, Co ist in die Situation reingeschlittert. Es erfordert von beiden aktives Verhalten, um die Situation aufrecht zu erhalten (trinken bzw. um die Beziehung und gegen das trinken kämpfen), und es erfordert von beiden aktives Verhalten, die Situation zu verändern.
    Wenn halt Co der/diejenige ist, der an der Situation leidet, dann ist es auch Co, der aus der Situation rausmuss, genau so wie ein Alkoholiker, der aufhören will, sich auch selbst bewegen muss. Ist leider so. In diesem Fall hier störts den Anderen ja noch nicht, das er trinkt, also hat er auch keinen Grund aus sich heraus, warum er da was tun sollte.
    Im Prinzip gehts drum, aus der Opferrolle rauszukommen und sich selbst als Handelnden zu begreifen. "Man" ist halt nie nur armer Alki oder armer Co, sondern man hat immer auch selbst Anteile daran, das man sich in dieser situation befindet. Und ich behaupte mal - aus eigener erfahrung - das Alkohioliker unter ihren Cos ebenfalls leiden, isofern ist das ein Nullsummenspiel. Nur sagt beim Alkoholier jeder, da musst Du dich halt ändern, während Co den Leidensbonus hat - übrigens ein Krankheitsgewinn, dass man sich als guter Mensch fühlen darf - und das ist immer noch der alten Denke von Schuld und Charakterschwäche geschuldet. Es liegt wirklich jeder so, wie er sich bettet.

    Ich weiss nicht so genau.

    Hab vor langer Zeit mal den Satz gehört (von einem AA-Fossil)
    "wenn jemand auf die Schnauze fliegen will, leg ihm kein Kissen unter".

    Zum Teil denke ich, es ist bei Cos wie bei Alkoholikern, es muss erst richtig weh tun, sonst bleibt das Elend zu gemütlich. Man hälts ja grade noch aus und deswegen ändert man nichts wesentliches, dabei entgehen einem aber auch die Chancen, die so ein Aufbruch mit sich bringt.
    Ich hab zwar Mitgefühl, aber es tut mir nicht richtig leid, weil ich es als notwendigen Schritt ansehe, sonst kann sich nichts ändern.

    Guten Morgen


    Ich habe wirklich versucht, ihn einfach mal machen zu lassen, weil er ja immer noch die gleiche Ausrede parat hat, dass wenn ich mecker, er nur noch mehr trinken möchte.

    ich kenne beide Seiten, bin als Kind eines trinkfreudigen Elternpaares aufgewachsen und habe selbst lange getrunken. Meine Mutter hat gerne einen gezwitschert, aber "richtig" getrunken hat mein Vater und es kam deswegen zwischen den beiden auch oft zum Streit. Wobei sie die bürgerliche Fassade immer aufrecht erhalten konnten, aber hinter den Kulissen sah es anders aus. Ich habe Partnerschaften für den Alkohol einfach sausen lassen, trinken war mir wichtiger, und mit meinem jetzigen Partner habe mich ebenfalls ewige Zeiten drum gestritten. Als wir zusammenkamen, hatte ich eine gemässigtere Phase, aber getrunken habe ich schon vorher, nur konnte ich natürlich auch mit Problemen in der Partnerschaft, die unweigerlich kamen, nicht umgehen. Und ansonsten wie bei Deinem Mann, wegen Stress, wegen meiner Unzufriedenheit, wegen Feiern, wegen Erfolgen, wegen Niederlagen, wegen Freunden, im Urlaub, das ganze Programm.

    Wir waren auch schon mal getrennt, und das habe ich gebraucht, damit ich ungebremst genug trinken konnte, bis ich an meine eigenen Grenzen gestoßen bin. Als ich dann ganz aufgehört habe, kamen wir wieder zusammen. Aber da war ich auch erst mal mit mir selbst beschäftigt und es war gut, das mein Partner da gerade auch genug hatte und sich mehr mit seiner eigenen Coabhängigkeit beschäftigt hat als mit mir. Ich glaube wir wären sonst aus der Verstrickung nicht rausgekommen und ich hätte vielleicht auch nie das Gefühl bekommen, dass ich ja hauptsächlich wegen mir und meiner Gesundheit und meinem Leben aufhöre, es wäre immer das Gefühl geblieben ich machs wegen ihm und das hätte definitiv nicht gereicht. Bei der nächsten Beziehungskrise wäre das viel zu brüchig gewesen, und die kam so sicher wie das Amen in der Kirche, weil wir beide auf dem Zahnfleisch gingen und ziemlich unausgeglichen waren und man muss dann auch erst wieder zusammenfinden und das kann ein mühsamer Prozess sein. Nur weil dann einer das Trinken aufhört ist noch längst nicht wieder alles in Butter, viele trennen sich auch erst dann.

    Ich habe auch Trinkpausen gemacht und war deswegen überzeugt dass ich es im Griff habe. Anderseits habe ich sie auch mit gutem Grund gemacht, denn wenn Du nicht das Gefühl hast, das Du die Kontrolle sonst verlierst, brauchst Du auch keine Kontrollversuche. Also eigentlich ist man da schon mittendrin.
    Mir war aber jeder halbwegs plausible Grund recht, damit ich trinken konnte. Und das, was Du da schreibst, mit dem meckern, das war für mich ein plausibler Grund. Es gab natürlich auch tausend andere Gründe, die ich gerne genommen habe. Mehr zu trinken ist aber natürlich auch ein gutes Mittel, um den meckernden Partner, der sich über die Sauferei aufregt, zu ärgern. Man weiss, dass es den Partner ärgert, und wenn der meckert und man sich selbst ja auch darüber ärgert, das der meckert, dann säuft man halt noch einen extra, weil man ganz genau weiss das sich der Andere drüber aufregt. So war ich jedenfalls gestrickt, grade aus Trotz noch mehr getrunken.

    Anderseits, wenn ich es dann wirklich mal angegangen bin, weniger zu trinken, dann ging das eine Weile gut, aber dann hat mir der Alkohol doch wieder gefehlt und ich wollte "wenigstens mal ein bisschen" - hatte mir ja selbst bewiesen, dass ich es im Griff habe und so fing es wieder an. Ich hatte dabei viele Jahre lang das Gefühl, wenn ich gar nie mehr was trinke, nicht mal ab und an richtig betrunken bin, dann fehlt mir das so sehr, dass mein Leben völlig sinnlos ist. Ich hatte auch immer wieder gemäßigtere Zeiten, aber ab und an brauchte ich das einfach, die Sau rauszulassen, ich bin sonst nicht klar gekommen. Und mit der Zeit wurde es nach den Pausen schlimmer, ich hab nachgeholt, was ich mir verkniffen hatte.
    Ich hatte das Gefühl, wenn ich ganz aufhöre, kann ich mir gleich einen Strick nehmen und mich im Dachstuhl damit aufhängen. Erst als ich dann "genug" getrunken hatte, war dieses Gefühl plötzlich weg und ich konnte mir überhaupt vorstellen, es "ohne" zu probieren.

    Da stehst Du als Partner aber auf verlorenem Posten daneben, denn bis das dann mal reicht, hatte ich ja nicht mal selbst in der Hand und bei vielen passiert das ja nie. Von aussen ging das nicht mit Liebe, nicht mit Hass und auch nicht mit Argumenten. Mein Vater hat bis zu seinem Tod nie aufgehört, meine Eltern haben sich nach 30 oder 31 Jahren Ehe scheiden lassen, weil es nicht mehr ging, für ihn machte es keinen Sinn aufzuhören und damit ist er sicher Teil der Mehrheit. Und das ist eben der wesentliche Punkt, neben so jemandem kannst Du Dein Leben komplett in die Tonne treten, da Du ja komplett auf das angewiesen bist, was sich bei dem tut und Du Dich von seiner Entwicklung völlig abhängig machst. Du bist damit auch nicht mehr freier als er. Gut, es gab trotzdem ordentlich Zugewinn und das wäre bei Euch ja vielleicht genau so, das Du ja wenigstens finanziell was mitnehmen könntest.

    Als sich mein Partner dann endlich getrennt hat, weil er es nach Jahren nicht mehr ausgehalten hat, war das für mich dann erst mal der Freifahrtschein, endlich mal wieder sturmfreie Bude, musste ich mich wenigstens gar nicht mehr beherrschen. Ich habe das gebraucht, damit ich überhaupt mal selbst merke, was los ist, und wie weit ich selbst die Kontrolle schon verloren hatte, auch ohne Druck von aussen. Oft ist es nämlich so, das Alkoholiker innerlich so mit dem Partner um den Alkoholkonsum ringen - auch unbewusst, wenn man grade nicht drüber streitet - dass sie erst mal vor dem Partner kapitulieren müssten (müssten ihm ja in seinem jahrelangen Gemecker und seiner Kritik recht geben) , bevor sie vor sich selbst zugeben können, das sie den Alkohol nicht mehr im Griff haben, ein doppelte Niederlage also, was es nicht gerade einfacher macht.

    Ich will an dieser Stelle mal kurz den Satz loswerden, dass ich mit jemandem, der vorgeblich wegen Stress trinkt, niemals ein Kind haben wollte, denn das Kind ist ja Stress pur und dass deswegen so jemand aufhört, kannst Du Dir in die Haare schmieren. Er würde er sich vielleicht bemühen, wenn Du Glück hast, aber irgendwann würde er die Zügel wieder schleifen lassen und dann wäre es noch schlimmer. Mir selbst hat es gar nicht gut getan, das mein Vater im angetrunkenen Zustand ausgerastet ist und seine Wut am mir ausgelassen hat, mir hat auch das Gejammer meiner Mutter und ihre Anklagen gegenüber meinem Vater nicht gut getan, anderseits hat sie ihn dann wieder in Schutz genommen, ich konnte das überhaupt nicht einordnen, hatte lange Angst nach Hause zu kommen und wollte nur noch weg von da. Und ich bin selbst sehr froh, dass unter meiner Sucht kein Kind leiden musste - Partner können gehen, wenn sie sich dazu durchringen, Kinder können das nicht und sind so einem Elternhaus ausgeliefert. Und ich hätte mich damals, als in im "richtigen Alter" für Kinder war, auch nicht ändern können oder wollen, im Rückblick betrachtet. Und die Welt da draussen ist heutzutage sicherlich nicht so, dass ein Kind dafür einen schlechten Start braucht.

    Gruß Susanne

    Mir fällt da noch was ein, zum Thema "Gefühle aushalten".

    Ich habe von Anfang an damit gerechnet, das es mir relativ schwer fallen würde, trocken zu werden, nach meiner Karriere.
    Ich war dann selbst erstaunt, wie leicht mir das fiel, deswegen wurde ich zuerst mal ziemlich euphorisch, hurra, es klappt. Das ging ca. ein Jahr, aber es schlichen sich dann langsam meine allgemeinen Unzufriedenheiten und der Hass auf verschiedene Dinge wieder ein und ich wurde schrittweise immer grantiger, bis ich nach 4 Jahren Trockenheit und diversen Aktionen, bei denen ich gemerkt habe, das mein Umgang mit manchen Situationen mir das Leben schwer machen, eine ambulante Psychotherapie gemacht habe.

    Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass der Anspruch, trocken immer glücklich zu sein, vielleicht zu hoch gegriffen ist. Das Leben geht weiter und hat wie bei normalen Menschen Höhen und Tiefen. Trotzdem habe ich ein völlig anderes Lebnesgefühl als früher, weil ich heute aus den Gegebenheiten das Beste für mich mache und mich nicht durchs Trinken selbst behindere. Ich stehe mir nicht mehr so sehr selbst im Weg und nüchtern habe ich das Gefühl, ich kann alles irgendwie bewältigen, während ich mich trinkend dem Leben viel mehr ausgeliefert gefühlt habe.

    Die ganze Zeit, in der mir in der trockenen Zeit das Leben schwer fiel, war ich aber zufrieden trocken, da sich bei mir die Probleme mit meinem Leben, die zum Teil aus meiner Einstellung und meinem Umgang mit "Sachzwängen", zum Teil aber auch aus ganz realen Situationen, die ich ändern und, wenn das nicht ging, auch zum Teil akzeptieren musste, resultierten, komplett entkoppelt hatten. Schlechte Tage führ(t)en bei mir nicht mehr dazu, dass ich trinken wollte, Feierlaune übrigens auch nicht, das habe ich nie in Frage gestellt und ich musste mich auch nicht dazu zwingen, nüchtern zu bleiben, der Druck oder Wunsch zum Trinken war einfach restlos weg.
    Ich weiss nicht, Trinkwunsch weggesoffen? - anders kann ich das kaum beschreiben. Ich hatte in den ganzen Jahren meiner Trockenheit noch nie das Gefühl, das es jetzt schön wäre, was zu trinken, oder dass mich das irgendwie erleichtern würde. Gerade wenns schwierig ist, bin ich oft richtiggehend dankbar, dass ich wenigstens nüchtern bin und einen klaren Kopf habe. Aber auch wenn ich schöne Dinge erlebe, geniesse ich das nüchtern heute anders. Ich weiss ja hinterher auch noch alles und werde mir nicht selbst peinlich, Genuss ohne Reue.

    Kriegst Du "Saufdruck" wenns schwierig wird, oder wie darf ich mir das vorstellen, wenn Du die Realität gerne durch einen Filter erleben möchtest?

    Du musst hier keine Fragen beantworten, ich bin einerseits zwar neugierig, anderseits haben mir die "richtigen Fragen" am Anfang sehr geholfen. Wobei die Antworten für mich selbst wichtig waren und ich auch nicht behaupten möchte, das ich hier immer die richtigen Fragen stelle, also wenn es nicht passt oder Du nicht antworten möchtest, dann lies einfach drüber.

    Gruß Susanne

    Auch von mir ein Hallo.

    Ich möchte momentan nur auf das eingehen, da dieses "Problem" ja kurz vor der Türe steht


    Oft gibt es Situationen, die mich überfordern…Weihnachten, Neujahr zum Beispiel. Emotionen aushalten…und manchmal kommt der Drang auf, in diese verschwommene Parallelwelt abtauchen zu wollen, die Realität durch einen Filter zu erfahren, sie abstumpfen zu können.

    siehst Du dich an Weihnachten rückfallgefährdet?
    Ist das eher was "altes", allgemeine Weihnachsunlust, oder ist es eher aktueller Weihnachtstress?

    Mir gehts um die Frage, ob Du das "aushalten musst", weil es alte Gefühle sind, die hochkommen, oder ob es der momentane Stress ist, den man ja auch zurückfahren kann. Ich bin Weihnachtsmuffel, ich mache an Weihnachten nicht viel, ausser faul mit meinem Partner bis Mittags im Bett zu liegen, vielleicht mal raus bei schönem Wetter, und gut essen tue ich das ganze Jahr. Hier gibts keinen Baum, keinen Weihnachsschmuck und keine Geschenke, und zwar seit 30 Jahren nicht. Ich mag das nicht und mein Partner zum Glück auch nicht. Früher hat es mich das Weihnachtsgedöns auch ziemlich genervt, heute ist es mir egal. Von daher ist das für mich eine gemütliche Zeit, da ja alle Leute mit sich selbst beschäftigt sind und niemand etwas von mir will.

    Ich hab Dir das deswegen erzählt, weil Du Dich ja vielleicht selbst unter Druck setzt, dass Weihnachten besonders toll sein soll. Nach Weihnachten steigen die Scheidungsraten, das ist nachgewiesen, weil die heile Welt auf Kommando nicht funktioniert. Also kann man die Erwartungen auch ein bisschen zurückschrauben und das Ganze etwas entspannter angehen.

    Wenns allerdigs andere Faktoren sind, dann hast Du das vielleicht weniger in der Hand. Meines Wissens haben viele Alkoholiker gerade an Weihnachten ungute Gefühle, spüren Verluste besonders deutlich. Und Sylvester mit der allgemeinen Feierlaune ist dann auch bei vielen ein Problem, wo sich manche dann ausgeschlossen fühlen, wen sie nicht mittrinken können oder wollen. Trotzdem oder gerade deswegen die Frage, da Du ja diese beiden anstehenden Ereignisse erwähnt hast, was tust Du, damit Du das gut übersteht?

    Gruß Susanne

    Noch ein Punkt.

    bei uns in der Familie hat es ja sehr viel Hass und gegenseitige Verletzungen gegeben, und ich habe als Kind ja erst mal sehr viel eingesteckt, aber beim Austeilen war ich, als ich mal größer wurde, genau so gut.

    Meine Eltern haben nach der Scheidung bis zum Tod meines Vaters nie wieder ein Wort gewechselt, meine Mutter hatte ihm bis kurz vor seinem Tod nie verziehen, ich war für jeden meiner Elternteile Kind des anderen Elternteils, war schon von daher falsch und Ziel des Hasses, benahm mich dann aber auch so, dass der Hass eine Grundlage bekam, die aus meinem eigenen Verhalten resultierte. Also ich wurde ein bösartiges Problemkind, an dem sie gewiss keine Freude hatten und irgendwie war das auch meine Rache. Zum Teil war es aber auch Selbstschutz, "Rühr mich bloß nicht an", weil mir das ja auch nicht gut tat, so wie es lief, und miese Laune und Verweigerung sind ist halt schon sehr geeignete Mittel, um sich Abstand zu verschaffen.

    Dass wir dann viel später wieder zusammengefunden haben und ich meinen Vater betreut habe und mit meiner Mutter heute gut auskomme und jeder den Anderen sein lässt wie er/sie ist, hatte auch sehr viel mit gegenseitigem Verzeihen zu tun, und damit auch, dass ich akzeptiert habe, dass ich das Kind meiner Eltern bin, von denen ich sehr viele Eigenschaften übernommen habe, für die ich mich auch gehasst hatte, so lange ich meine Eltern gehasst hatte. Ich musste mich ja von meinem ungeliebten Elternhaus distanzieren, aber die ererbten Eigenschaften trug ich aber in mir und wurde sie ja nicht los.
    Und das hat auch mit Selbstliebe zu tun, indem ich dieses Verhältnis bereinigen konnte, kam ich auch besser mit mir ins Reine. Ich hatte aber zuvor schon meine Eltern praktisch gezwungen, das sie mich nehmen mussten, wie ich bin, weil ich sonst den Kontakt gar nicht wieder aufgenommen hätte. Sie mussten mir also auch entgegenkommen, das war keine einseitige Sache. Das ist aber auch ein Punkt, wo ich mich halt ganz in Ordnung finde, ich vertrete einerseits meine Interessen, und komme mit meinem Gegenüber dann trotzdem wieder zusammen, wenn es beiden Seiten wichtig ist. Wenn ich meinem sterbenden Vater nicht geholfen hätte, weil ich noch Rechnungen von früher offen gehabt hätte, wäre ich mir selbst wesentlich weniger sympathisch gewesen.

    Bei mir war es so, dass, als ich schon trocken war, ich ein Tier hatte, das sehr krank war und das ich gesund gepflegt habe. Ich habe dieses Tier geliebt und ich habe so ziemlich alles getan, um dieses Tier wieder auf die Beine zu bringen, was mir auch gelang - mithilfe des Tierarztes natürlich, aber die tägliche Pflege machte ich.

    Ich habe keine Kinder und ich wollte auch noch nie welche, vermisse sie daher auch nicht, aber ich glaube, wenn "es" trotz Verhütung passiert wäre, hätte ich es akzeptiert und wenn dieses Kind zufällig behindert gewesen wäre, dann hätte ich mich darum genauso gekümmert wie um dieses Tier.

    Diese Überlegungen bzw eigentlich eher Erlebnisse und Vorstellungen haben mich darauf gebracht, dass ich mit mir selbst doch eigentlich genauso pfleglich umgehen könnte, wie ich es mit dem geliebten Tier gemacht habe. Das Tier kann ja nicht reden, ein kleines Kind auch nicht, aber es sendet Signale aus, an denen Du merkst ob es sich wohlfühlt oder nicht. Und wenn Du es liebst, versuchst Du, Dich so zu verhalten, dass es sich wohl fühlt, und genau diese Sensibilität kannst Du auch für Dich selbst entwickeln.

    Ich bin früher, vor allem zu den Höhepunkten meiner Suchtkarriere, absolut rücksichtslos mit mir selbst umgegangen, habe die Signale meines Körpers ignoriert, Raubbau an mir selbst betrieben, es war mir oft ziemlich egal, ob es mir schlecht ging, ich war knallhart zu mir, wer abends saufen kann, kann morgends auch aufstehen. Wenn ich mir ein Ziel gesetzt hatte, habe ich mich, bildlich gesprochen, zum Teil mit der Peitsche hinter mir selbst stehend, da hin getrieben. Das hat mir beim Trockenwerden geholfen, weil ich etwas ausgehalten habe und nicht gleich in Tränen ausgebrochen bin, aber es machte mich halt nicht glücklich. Die weicheren Seiten musste ich erst entdecken.

    Das mit der Selbstliebe fing an, indem ich mich als Mensch mit Macken akzeptiert habe. Genauso wie das Tier, das hatte auch Macken, da fiel mir das doch auch leicht. Früher mochte ich mich nur, wenn ich irgendwo sehr gut war, das ist aber letzlich nichts anderes als der Erziehungsstil der Eltern internalisiert, Zucker wenn Du gut bist, Peitsche wenn Du versagst (und ich habe ja tatsächlich auch noch ordentlich Schläge bekommen)..bei mir in der ganzen Familie zog sich das teilweise bis heute durch, dass man "Versager" verachtet und ich dachte zwar, dass ich mich davon abgegrenzt hätte, aber mir selbst gegenüber sah ich das unbewusst genau so. Ich , Alkoholiker, Versager, Du bügelst das gefälligst wieder gerade. Das hat mit Selbstliebe absolut nichts zu tun. Mit Selbstliebe hat es aber zu tun, wenn ich dann mit meinem süchtigen Anteil innerlich darüber verhandle, dass es mir auf Dauer gesehen ja auch viel besser geht, wenn ich das lasse, das mache ich dann unzweifelhaft für mich und nicht, um mich irgendwo oder irgendwem zu "beweisen".

    Ein Teil meiner Selbstliebe fing an, als mir mein Therapeut plausibel machte, das ich mir viele der Verhaltensweisen, die ich an mir selbst hasste und mit denen ich mir schadete, zu einer Zeit in meinem Leben angeeignet hatte, in der ich diese Verhaltensweisen zum Überleben brauchte und ich es vielleicht auch nicht besser wusste. Das waren also einmal Verhaltensweisen, die sogar zum damaligen Zeitpunkt gut und geeignet waren, nur jetzt waren sie halt nicht mehr angemessen. Also einerseits war es das zunehmene Verständnis für mich und anderseits die Denke "Nobody is perfekt, also warum soll ich es denn sein?", die mir halfen, mich selbst besser zu akzeptieren.

    Ein weiterer Teil fing mit dieser Behinderung an. Ich musste mich ja damit abfinden, dass ich manches, was ich gerne gemacht habe, nicht mehr machen konnte, ausserdem hatte ich die ersten beiden Jahre massive Schmerzen, Muskelkrämpfe und schlaflose Nächte, zum Teil habe ich das bis heute, habe mich nur dran gewöhnt. Also es ist halt auch ein Mangel, wenn auch ein anderer, den Du vor dem Spiegel siehst, und mich hat es auch verletzt, dass mich, die ja früher sportlich fit war, plötzlich jeder Rentner überholen konnte. Die Kombination Schlafmangel, Schmerzen und narzisstische Verletzung hat mich da schon mal ziemlich angekratzt, ich hatte zu tun, das in mein leben zu integrieren und mich wieder "Du bist in Ordnung" zu fühlen.
    Da habe ich mir die Frage gestellt, ob ich mich bis an mein Lebensende darüber grämen und unglücklich sein will, oder ob ich mich nicht lieber darum kümmere, trotzdem mit meinem Leben zufrieden zu sein und das Beste daraus zu machen, was natürlich erforderte, das ich eine Menge gelesen, mich mit Fachleuten unterhalten und dann letztlich mein eigener Experte geworden bin. Und ich mache alles - für mich - was mir dabei helfen kann, ein möglichst erfreuliches und befriedigendes Leben zu führen und meine Gesundheit, so lange wie nur möglich, in einem möglichst guten Zustand zu erhalten. Und ich kümmere mich auch um meine Interessen. Das ist zumindest mal Ausdruck meiner Selbstliebe, den Begriff selbst kann ich so wenig wirklich in Worte fassen wie den Begriff Liebe an sich, das ist für mich ein Gefühl, das ich nur umschreiben kann.

    Moin,

    ja das mit der Motivation und Inspiration....

    Ich habe mindestens 25 Jahre sehr viel getrunken, auch andere Drogen genommen damit es besser knallt, aber da ich sehr früh angefangen habe, war ich erst 41 als ich aufgehört habe und bin jetzt über 18 Jahre trocken, nüchtern, clean, wie auch immer Du das bezeichnen willst.

    Aufhören (Trinkpausen) konnte ich immer, aber dann fehlte mir mit schöner Regelmässigkeit nach ein paar Tagen was, nämlich das Abschiessen und das Rauschgefühl. Ich war gerne "breit", so gerne dass es mir wie "der Sinn des Lebens" erschien, und ich wusste sonst auch nicht, wie ich abends runter kommen und auftanken (passendes Wort in diesem Zusammenhang) soll. Abgesehen kannte ich kaum was Anderes, da es schon meine Eltern so gemacht haben und es auch mein sonstiger Freundes- und Bekanntenkreis so oder ähnlich gemacht hat. Bei mir wars halt ein bisschen extremer als bei vielen, die das bis an ihr Lebensende so machen, deswegen bin ich an meine Grenzen gestoßen und heute bin ich glücklich darüber, obwohl ich lange keine Lust hatte, es bleiben zu lassen.

    So lange das "gewirkt" hat, hatte ich keine Motivation, die Sauferei bleiben zu lassen. Ich wollte zwar nicht abstürzen wie ..Alkis.., die ich kannte, fühlte mich auch nicht als solcher weil ich es ja auch bleiben lassen konnte, konnte mir aber gar nicht vorstellen, dass ein Leben ohne Saufen etc. überhaupt Spaß machen konnte. Von daher, wozu aufhören, wenns nüchtern eh mindestens genauso beschi..en ist..., lange Jahre meine Denke.

    Das änderte sich bei mir erst, als das Trinken nicht mehr funktionierte, d.h. es stellte sich beim Saufen fast gar kein gutes Gefühl mehr ein, die ersten 10 Minuten Anfluten gingen zwar meist noch ganz gut aber das Betrunken sein selbst fand ich dann genau so unbefriedigend wie vorher den nüchternen Zustand. Ich hab dann meistens weiter gesoffen, so lange es halt ging und bis ich komatös ins Bett gefallen bin, aber im Prinzip hatte ich nichts mehr davon und morgens musste ich mich dann mühselig wieder in Form bringen, was öfter mal bis Mittag dauerte. Bis ich das gesehen habe, das Saufen mein Leben NICHT schöner macht und dass ich auch zwei Bier nicht geniessen kann, sondern da der Durst erst richtig kommt und ich immer volle Kanne brauchte, dauerte..ein paar Jahre.

    Also die Motivation war bei mir die, das es mir vom Trinken schlecht ging und es nüchtern auch schon nicht mehr schlechter war, da habe ich es sozusagen mal "ganz ohne" probiert. Ich hatte ja trinkmässig nichts mehr zu verlieren, da mich das Trinken auch nicht glücklich gemacht hat. Bei genauer Betrachtung gings mir nach meinen Räuschen sogar ausgesprochen schlecht, das konnte das bisschen Vorfreude bei den ersten Schlucken schon längst nicht mehr ausgleichen, das wollte ich ja nur lange nicht wahr haben.
    Aber wie das weitergehen sollte, wusste ich da auch nicht, ich kannte ja kein Leben dauerhaft ohne Rausch. Ich bin dann erst mal zur Suchtberatung, um mich darüber zu informieren, wie ich verhindern kann, dass ich jedesmal wieder anfange (aufhören war ja nicht das Problem..).
    Ich habe mit größten Schwierigkeiten gerechnet, aber zum Glück relativ schnell festgestellt, dass ich dem nüchternen Leben auch etwas abgewinnen kann. Ich dachte dann auch relativ schnell, das ichs hinter mir habe und habe erst mal nichts weiter gemacht, weder Therapie noch Gruppe. Erst nach einiger Zeit (Jahr++) stiess ich dann auf ein paar Schwierigkeiten, wo mir bewusst wurde, dass ich zur Lösung solcher Situationen nicht viel mehr wusste, als mir mal wieder die Kante zu geben, und da ich das nicht mehr wollte, musste ich was Anderes finden.

    Was ich dann statt Trinken gemacht habe - ich musste die Zeit ja irgendwie füllen und ich musste mir auch andere Methoden suchen, um abends runterzukommen - hat mich auch mehr befriedigt und ich war morgens nicht mehr so kaputt, so das ich es ziemlich schnell nicht mehr als Verzicht, sondern als Gewinn gesehen habe, nichts mehr zu trinken und das auch nicht mehr zu brauchen.

    Ich hatte in den 18 Jahren meines nüchternen Lebens auch schwierige Phasen, vor allem nach ca. 2 bis 4 Jahren war ich mal sehr unzufrieden mit meinem Leben, aber da mir völlig klar war, dass ich daran durch Trinken nichts verbessern würde, habe ich ein paar andere Dinge geändert. Abschiessen funktionierte nicht mehr, das wusste ich und ich wollte es auch nicht mehr, ich hab dann halt in den erst mal saueren Apfel gebissen und mein Leben noch mal ziemlich umgebaut. Hat sich für mich aber gelohnt und ich habs auch noch nie bereut, das ich mit dem Saufen aufgehört habe.

    Du fragst nach der Motivation. Ich denke, die muss aus Dir kommen und irgendeinen Grund wirst Du ja wohl haben, dass Du Dich hier angemeldet hast und Dein süchtiges Verhalten ändern möchtest. Jedenfalls, wenn Du nicht weisst, warum Du aufhören möchtest, dann kann ich Dir das auch nicht sagen. Mein Vater hat mir erklärt, dass es sich für ihn nicht rentiert, aufzuhören, er hat weitergetrunken bis er an den Folgen gestorben ist. Ich habe das akzeptiert, weil es ja sein Leben war und ich es auch nicht ändern konnte bzw. wollte. Mir war auch klar, dass man den Aufwand des Aufhörens, der bei den meisten Leuten ja doch eine erhebliche Anstrengung bedeutet und Umdenken erfordert, ja auch nicht auf sich nimmt, wenn man keinen Sinn darin sieht.
    Und so ist es natürlich bei dir auch, ist ja Deine Sache und nicht meine, wie und warum Du das machst. Ich lebe auch damit, wenn Du weitertrinkst, die Frage ist ja wie Du damit lebst. Und auch wie sich Dein Leben langfristig mit oder ohne trinken gestalten wird und was davon Dir lieber ist.

    Heute ist es bei mir jedenfalls so, das mir der Suff wie die Billigvariante eines schönen Lebens aussieht, eine Krücke, die man halt benutzt, weil man nix gescheites gelernt hat (damit meine ich nicht beruflich, sondern wie man wirklich genießt ohne etwas zu tun was man hinterher bereut), der Weg des geringsten Widerstands mit dem man zwar so ziemlich jeden Schrott eine Weile aushalten kann, der einen durch die Bequemlichkeit aber dran hindert, die wesentlichen Teile, die einen unzufrieden machen, wirklich zu ändern oder zumindest seine Einstellungen dazu.

    Ich lass das mal so stehen, vielleicht kannst Du was damit anfangen, vielleicht auch nicht.

    Ich kenne auch Leute, die Sport eher süchtig betreiben. Ich kannte auch schon mal einen Marathonläufer, der in relativ jungem Alter tot umfiel, weil das Herz durch zu viel Training so vergrößert war, dass es im Ruhezustand eines Tags einfach ausgesetzt hat (kommt bei Sportlern überdurchschnittlich häufig vor, habe ich anschliessend gelesen).

    Auch beim Sport gibts ein gesundes Mitelmaß, darüber schadet es mehr als es nützt. Lese ich in letzter Zeit immer öfter und das Thema kommt anscheidend deswegen auf, weil sich immer mehr Leute überanstrengen.
    Ich selbst "muss" auch relativ viel machen, ein bis zwei Stunden laufen oder Übungen täglich, da ich behindert bin und mir Bewegung dabei hilft, nicht weiter abzubauen. "Muss" in Anführungszeichen, weil ich das Glück habe, dass es mir sehr viel Spaß macht, mich draußen zu bewegen. Aber ich muss auch aufpasen, dass es nicht zu viel des Guten wird, weil es dann ins Gegenteil umschlägt und mir nicht mehr hilft, sondern schadet. Mir sagts der Körper, wenn ich zu viel gemacht habe, und das lässt sich wegen des Charakters meiner Behinderung auch nicht mehr raustrainieren, wobei ich trotzdem wahrscheinlich fitter bin als die meisten Leute meines Alters, die sich viel weniger bewegen.


    Aus dem Alter, wo ich mich durchs Leben treiben musste und mich über Leistung definiert habe, bin ich zum Glück raus. Ich möchte irgendwo hin laufen können, wo es mir gefällt, und weit genug weg, damit nicht jeder Idi da hinkommt, wo ich mich in die Sonne lege, aber das reicht dann auch.

    Du solltest hier besser keinen Schwachsinn schreiben.
    Ein Krampfanfall kann so plötzlich und unerwartet kommen, das Du Dir die Zunge abgebissen hast, bevor Du Dir den Telefonhörer genommen hast.
    Ich kenne so einen Fall, wo sich jemand die Zunge abgebissen hat, und einen weisteren, wo jemand mit dem Kopf durch eine Glasplatte schlug. Der laberte zwei Minuten vorher auch noch, dass nichts passiert.

    Ja, ich habe auch Trinkpausen gemacht, wie ich lustig war und ich habe auch aufgehört, ohne zum Arzt zu geben (erst hinterher und mir ist nichts passiert), aber wir sind hier in einem öffentlichen Forum und da sollte man keine Ratschläge geben, die bei manchen Leuten zu Problemen führen können.

    Bei Distra ist die aktuelle Empfehlung eindeutig, dass Ärzte es nicht mehr zum ambulanten Entzug verschreiben sollen, weil es selbst ein sehr stark abhängig machenendes Mittel ist und weil viele dann selbst mit Distra Missbrauch betreiben und der Erfolg sehr fraglich ist.

    Alkoholiker merken oft schon gar nicht mehr, was sie mit sich anstellen und denken sich gerne, dass sie das schon hinbiegen, aber wenn das, was Du schreibst, wirklich funktionieren würde, dann wärtst Du nicht wegen Deinem Problem hier, sondern hättest es längst hinter Dir. Offensichlich hast Du aber so wenig Ahnung, dass Du selbst "Inspiration" benötigst, also halte Dich vielleicht erst mal mit Ratschlägen zurück.

    Zum Teil komme ich mit diesem Tiermodell schon klar, weil Tiere mit fast gleicher Wahrscheinlichkeit von Drogen und Alkohol abhängig werden wie Menschen, wenn sie die freie Auswahl haben. Das finde ich deswegen interessant, weil es da um die Frage geht, wieviel Anteil das Suchtmittel selbst an der Abhängigkeitsentwicklung hat. Ist ja schon ewig eine Streitfrage, ob jeder abhängig würde, wenn er nur genug konsumieren würde, und warum unterschiedliche Drogen unterschiedliches Suchtpotential haben, was ja über die individuellen Umstände, unter denen jemand abhängig wird, hinausgeht.
    Ich denke, der Punkt ist die Annahme, dass Tiere, da sie nicht über die Folgen nachdenken, weitermachen, so lange sie Stoff kriegen. Der Aufschub der Belohnung, der zu dem Gedanken führt, dass es mir morgen besser geht, wenn ich heute nichts trinke, ist Tieren nicht möglich. Und das ähnelt schon ziemlich den Verhalten, wie ich es beschrieben habe, wenn der Trinkimpuls mächtig ist, denkt man über die Folgen nicht nach oder schiebt sie beiseite - das ist auch mangelnde Impulskontrolle.

    Guten Morgen,

    mein Vater war auch ein Alkoholiker, der jede Hilfe verweigert hat.

    Es ist hart für Dich, aber Du hast überhaupt keine Möglichkeit, ihn dazu zu zwingen. Es ist nämlich nicht verboten, was er macht, und Du hast kein Recht, über sein Leben zu bestimmen.

    Es klingt vermutlich unmöglich für Dich, aber am Besten fährst Du drei Wochen in Urlaub, lässt ihn in seinem Elend sitzen bis er selbst mit den Nerven so am Ende ist, dass er bereit ist, das er sich vielleicht doch noch darauf einlässt. Ich habe das so gemacht, bis mein Vater fast verhungert war, und selbst dann war es noch schwierig, ihn zu überzeugen.

    Sorry, dass ich das so schreibe, aber auch jeder Arzt wird Dir sagen, er ist nicht entmündigt, und wenn er so leben will, dann muss er ihn auch wieder gehen lassen.

    Gruß Susanne

    Du kannst Dir ja mal ausrechnen, wie viel Schnaps 8 bis 14 Dosen Bier am Tag entsprechen. Da kommts überhaupt nicht drauf an ob das Bier oder Schnaps ist, da ist die reine Alkoholmenge entscheidend. Was Du beschreibst sind jedenfalls astreine Entzugserscheinungen. Je jünger dass man anfängt, desto größer ist halt die Wahrscheinlichkeit, abhängig zu werden, und wenn Du beizeiten angefangen hast (Du warst ja noch nicht erwachsen) , dann bist Du halt Hochrisikogruppe. Wobei Risiko ja nicht heisst, dass allen was passiert, aber Dir gehts ja schon schlecht, also es passiert Dir halt schon.
    Entzugserscheinungen kriegen im Übrigen schon Neugeborene, wenn die Mutter während der Schwangerschaft gesoffen hat, also das geht in jedem Alter.

    Ich denke, der Brechreiz zeigt schon ne Schädigung an, die über die ausreichende Kalorienzufuhr rausgeht. Alkis, die nichts mehr essen können, haben meistens schon ein größeres Problem.

    Hoher Alkoholkonsum führt auch zu Magengeschwüren und Bauchspeicheldrüsenentzündungen. Das würde jedenfalls passen. Müsste aber ein Arzt abklären.

    "Das bißchen, was ich esse, kann ich auch trinken"---alter Alkoholikerwitz.

    Ja, das ist normal. Aber nur bei ziemlich kaputten Leuten.

    Ich selbst war nie so weit, aber ich kannte ein paar Leute, bei denen das so war. Die meisten sind längst getorben oder haben längere Psychiatrie- und Krankenhausaufenthalte hinter sich und bleibende Schäden davongetragen. Mangelerscheinungen durch fehlenes Essen verschlimmern die Nerven-und Zellgiftwirkung des Alkohols. Wenn Du mit 21 schon so weit bist, hast Du gute Aussichten, dass Du mit 25 oder 30 ein Wrack bist, wenn Du so weiter machst.

    Was machst Du jetzt mit diesem Wissen?

    Ich sehe, dass Du immer wieder eingeloggt bist.

    Mein Vater ist an den Folgen des Trinkens gestorben, aber da ich selbst auch lange getrunken habe, wusste ich, wie das läuft und ich wusste dass er nicht aufhört. Da mich auch niemand zum Aufhören zwingen konnte bis ich selbst genug hatte, habe ich das akzeptiert.

    Du machst Dir vielleicht Hoffnung, dass er durch Kontaktabbruch aufhört? Das war bei uns ziemlich egal. Wir haben jahrelang nicht geredet und jeder hat sein eigenes Leben geführt wie er Lust hatte.

    Wie geht es Dir?

    An sich heisst es ja, das endet bei allen im chronischen Zustand des Spiegeltrinkens. Bei mir fehlte auch nicht mehr viel, das ich die Pausen hätte nicht mehr machen können. Interessanterweise kenne ich aber auch ehemalige Spiegeltrinker, die nach einer Therapie dann Quartalstrinker wurden...die genehmigen sich alle paar Monate ein paar Wochen Trinken, gehen dann immer wieder in die Entgiftung und haben sich damit eingerichtet. Wie das dann auf Dauer weitergeht, keine Ahnung, ist ja auch nicht mein Problem.