Beiträge von Susanne68

    Und als letzter Satz wäre dabei noch zu erwähnen, das keine illegale Droge auch nur annähernd so hohe volkswirtschaftliche Kosten und so viele Todesfälle verursacht wie der gute alte Alkohol. Und wenn Du den verbieten wolltest, gäbs nen Aufstand...

    Was hat Dich da jetzt eigentlich so gefrustet, ich denke das weisst Du doch längst?

    Illegale Drogen sind schon verboten, das sagt ja das Wort. Wer will, kommt trotzdem dran, heute noch viel leichter als früher. Einfach deswegen, weil es immer mehr gibt, und es gibt deswegen immer mehr davon, weil ein Schweinegeld damit verdient wird. Übrigens grade deswegen, weils verboten ist.

    Von den illegalen Drogis, die ich kannte, wollte niemand in Therapie, ausser ein Richter hatte sie dazu verurteilt und es war die Alternative zum Knast. Ich selbst sowieso nicht, man wollte mich mal dazu zwingen und hat mich psychiatrisch begutachtet, aber ich hab mich rausgeredet.

    Man hats ja lange genug mit Verboten und Strafen probiert. Bzw. man darf sich heute immer noch nicht erwischen lassen. Auch Alkoholiker wurden schon weggesperrt. Wird trotzdem immer mehr. Also ist das jedenfalls auch nicht die Lösung.
    Der sogenannte Kampf gegen die Drogen kostet auch ein Schweinegeld, obwohl er wenig bringt. Es gibt keinen Weg, das zu verhindern.

    Es gibt Länder, wo die Todesstrafe drauf steht, und die Amis haben es mit Alkoholprohibition probiert, hat nur die Mafia, den Schmuggel und den Schwarzmarkt stark gemacht.

    Noch was. Ich denke, im weiteren Umfeld von Angsterkrankungen haben auch Leute Angst vor Abhängigkeit, genauso wie vor bestimmten Situationen, obwohl die reale Situation dem gar nicht entspricht. Zum Teil quälen sich Leute mit Trinkmengen herum, die gesundheitlich zwar vielleicht nicht völlig unbedenklich, aber trotzdem kein Grund zur Panik sind. Trotzdem ist das für diejenigen ein Problem, aber weniger ein Alkoholproblem, sondern eher eines, was in die Kategorie Phobien gehört. Krankheitsängste, soziale Ängste, etc..


    Und wenn ich nach Jellinek „suche“, habe ich dann nicht bereits eine „Problem“ ?

    dazu fällt mir noch was grundsätzliches ein.
    Ich habe ja in jüngeren Jahren ziemlich viel illegale Drogen konsumiert, und da hatte man ja, weil es gesellschaftlich im Gegensatz zu Alkohol nicht akzeptiert war, viel schneller das Etikett "rauschgiftsüchtig"..das war ja noch viel mehr stigmatisiert als Alkoholabhängigkeit, und Trinker waren/sind bis zu weit höherem Konsum akzeptiert als Drogis.
    Man ist auch nicht so wirklich reingerutscht, sondern man war ja noch viel mehr vor den Drogen gewarnt worden als vor dem Alkohol (vor dem ausserdem auch), also unwissend war ich sicherlich nicht. Und man konnte nicht einfach so nebenbei in den nächsten Laden gehen, sondern musste zumindest damals (70er und 80er Jahre) noch ziemlich viel Aufwand betrieben, um überhaupt an diese Drogen zu kommen. Es war also in jedem Fall eine ziemlich bewusste und gezielte Angelegenheit.

    Ja, und diese Drogen hatten Wirkung, ganz klar. Und auch wenn man es genossen hat, war es eindeutig die Wirkung, wegen der man das genossen hat, also das ganze Brimborium von Geschmack etc. mit dem der Alhoholgenuss verbrämt wird, fiel sowieso gleich weg. Aber ein ganz wichtiger Grund, um sich in dieser Szene zu bewegen und nicht-alkoholische Drogen zu konsumieren, war ja gerade, dass Normalbürger das fürchterlich fanden und das man auf diese Weise auch ein Stück weit rebellieren konnte. Man zeigte, dass man nicht mit spielt.

    Was ich damit sagen will, man kann wohl schon ziemlich abhängig sein und das auch wissen, und es stellt für einen selbst trotzdem nicht in jedem Fall ein Problem dar. Damit es zum Problem wird, muss zu der Abhängigkeit meiner Ansicht nach ein Änderungswunsch treten. Ich empfinde das auch bei Angehörigen oft so, das die ja das eigentliche Problem haben, weil sie es sind, die eine Änderung wollen und nicht herbeiführen können. Und ein Alkoholiker kriegt auch erst dann eine empfundens Problem, wenn er sich an seinem Trinkverhalten in irgendeiner Weise stört, das ändern will und dann erst feststellt, das das nicht so einfach geht. Ein Alkoholiker, der meint, es gibt im Grund trotzdem nichts Besseres als zu Saufen, empfindet das wohl sehr oft nicht als problematisch.

    Das nur mal meine Gedanken zu dem Wort "Problem". Ist meiner Ansicht nach ein anderes Thema als die Klassifikation.

    Ich kopiere einfach mal meinen anderen Beitrag hier rein

    Relativ offiziell und für die Behandlung entscheidend sind DSM-5 (amerikanische psychiatrische Gesellschaft) und ICD 11 (WHO)

    Wie das diskutiert wird z.b hier
    https://www.sucht.de/tl_files/pdf/v…Lindenmeyer.pdf
    Jedenfalls wird heute nicht mehr nach Jellinek, aber sehr wohl noch nach Schweregraden unterschieden, wobei wohl nicht ganz klar ist, was das für die Behandlung genau bringt. Soweit ich das gelesen habe.....


    Für mich war das beim Aufhören bzw. für meinen Entschluss zum Aufhören irrelevant. Von Jellinek habe ich erst gehört, als ich schon lange trocken war. Auch ob ich abhängig war oder nicht, war für mich nicht so wichtig. Wenn ich mich noch halbwegs wohl gefühlt hätte, ware es mir auch egal gewesen, wenn ich abhängig gewesen wäre. Diese Diagnose zwingt einen ja nicht zum Aufhören.
    Ausserdem hab ich 25 Jahre lang getrunken, und da war das sehr unterschiedlich, ich hab wahrscheinlich mal mehr, mal weniger Kriterien erfüllt und das war auf jeden Fall keine lineare Entwicklung. Im Rückblick betrachtet hätte Rauschtrinker (Gamma) wohl am besten auf meinen letzte Phase gepasst, aber diesen Begriff kannte ich nicht, solange ich noch getrunken habe. Mich hat es nur am Ende mehr gestört als früher. Und es hätte gereicht, dass ich eine Behandlung erhalten hätte, wenn ich das gewollt hätte.

    Ob Frauen grundsätzlich anders trinken, hängt möglicherweise auch davon ab, wie sie sozialisiert sind. Möglicherweise auch davon, ob sie eher dominant oder unterordnend sind, solche Dinge meine ich.

    Und dann ist natürlch noch die Frage, liebst Du Deine Frau eigentlich noch? Damit meine ich jetzt nicht Deine Wunschvorstllung, wie Du sie gerne hättest, sondern so wie sie jetzt ist, mitsamt dem Alkohol? Kannst Du Dir vorstellen, dass Du die Person innerlich von ihrer Krankheit, wenn sie süchtig ist, dann ist sie ja krank, trennen kannst oder das irgendwie akzeptieren, dass sie das dann auch nicht auf Knopfdruck ändern kann?

    Vielleicht ist das inzwischen ja ein bisschen gesackt.

    Wenn man das jetzt mal so akzeptiert wie es ist:

    Deine Frau trinkt.
    Du kannst es nicht ändern, dass sie trinkt.
    Du willst Dich auf gar keinen Fall trennen.
    Schützen wilst Du Dich eigentlich auch nicht.

    Was bleibt Dir dann wenn Du dabei nicht draufgehen willst? Da musst Du ja irgendeine Möglicheit finden, neben einer trinkenden Frau zu leben und dabei nicht stockunglücklich zu werden. Immer in der Hoffnung, dass sie es irgendwann schnallt, aber das kann ja dauern. Ina, die Dich bittet, zu bleiben, schreibt ja auch dass es Jahre dauerte. Da wird Dir natürlich auch ganz schön was abverlangt. Das ist aber natürlich Deine Entscheidung, wie weit Du das mitmachst und niemand hier ist in der Lage, für Dich zu entscheiden, was Du aushalten kannst und willst.

    Wenn Du dagegen ankämpfst, wirst Du ja immer wieder verlieren, das kennst Du ja schon.
    Eigentlich bleibt Dir ja nur, Dir daneben Möglichkeiten zu suchen, wo Du trotz der Belastung Kraft und Lebensfreude tanken kannst.

    Selbstmitleid, was Du nun für eine arme Sa.. bist, die sich am liebsten von der Brücke stürzen will, wird Dir dabei wohl nicht wirklich helfen, glaube ich. Klar, darfst Du realistisch sehen, dass das eine sehr bescheidene und verfahrene Situation ist, aber wenn Du selbst in das verfällst, was man Opferhaltung nennt, bringt Dich das ja vermutlich auch nicht weiter, denke ich zumindest. Also wenn Du bei dem einen Punkt nichts erreichen kannst, wo kannst Du dann was erreichen? Es gibt da jetzt halt nicht die einfache Ideallösung, irgendwie musst Du aus der Situaiton ja dann auch das Bestmöglche machen.

    Ich wünsch Dir was, aber mehr als Denkanstösse kann nicht Dir leider auch nicht geben. Wäre ja ganz nett, wenn man eine Lösung anbieten könnte, mit der sich alle auf Anhieb wohl fühlen, aber das geht leider nicht. Es kann auch sicher keiner Entscheidungen für Dich und Dein Leben treffen, das kann Dir niemand abnehmen. So wie man niemandem das Trinken verbieten kann, kann Dir ausserdem natürlich auch keiner Vorschriften machen, Du musst jetzt dies oder das tun. Also bitte nicht missverstehen.

    Alles Gute.

    Gruß Susanne

    Komplexes Thema. Das berührt ja auch die Frage, inwieweit Verhalten überhaupt frei oder determiniert ist, die Frage wie frei der Wille überhaupt ist, auf welchen Hirnstukturen und bewussten und unbewussten Faktoren das Verhalten beruht und wie weit man das überhaupt ändern kann und noch so ein paar Punkte. Mir fallen zum Beispiel auf Anhieb schon eine ganze Reihe möglicher Motive für dieses Vermeidungsverhalten ein. Und es gehören ja grundsätzlich mindestens zwei Seiten zu einer Interaktion und die andere Seite, die Alkoholiker, sind auch nicht alle gleich, da gibts erhebliche Unterschiede. Und ich denke, je nach dem, hat man nicht nur dieses eine Verhalten als Option, sondern hat auch andere Verhaltensweisen für genau die selbe Situation gelernt auf die man alternativ zugreifen kann, bzw. kann man lernen, nur ist es mühsam sich im entscheidenden Moment darauf zu besinnen, das wird aber durch Anwendung und Übung besser, meistens jedenfalls.

    Keine Ahnung, da Coabhängigkeit ja so ein unklares und nicht monitortes Konzept ist, gibt es ja auch keine sicheren Zahlen wo man empirisch sagen könnte, es erwischt soundsoviel Prozent wie beim Alkohol ja auch (und was je nach Betrachtungsweise ja auch noch unterschiedlich ist), auch wenn wir vielleicht gar nicht so genau wissen, warum das so ist. Und zwangsläufig würde ja irgendwie heissen, es erwischt bei bestimmten Voraussetzungen alle..

    Ich glaube, das führt mir jetzt zu weit, bis ich da alles aufgeschrieben hätte, was mir dazu einfällt.

    Konfliktvermeidungsstrategien zeichnen im übrigen auch viele Alkoholiker aus. Alles was unter heimlich trinken, Scham, Selbstlügen, Beschwichtigungen, falsche Versprechungen, auch Manipulationen läuft, fällt in diese Kategorie und dient dazu, offene Konflikte zu vermeiden und die heile Welt, in dem Fall des Alkoholikers, zu bewahren.
    Sind mit Sicherheit viele familäre Kommunikationsmuster drunter, die Suchtfamilien besonders auszeichen und es begünstigen, dass sowohl die Wahrscheinlichkeit, als Abkömmling einer solchen Famile selbst abhängig zu werden, als auch die, sich entsprechende Partner zu suchen, steigt. Aber wie immer sind es halt nur Wahrscheinlichkeiten, erwischt einen nicht zwangsläufig. Es gehört immer auch eigenes Verhalten dazu, auch bei einer Disposition muss man ja z.B zusätzlich trinken, damit das ausbricht, wenn Du verstehst, was ich meine.

    Coabhängigkeit hat mehrere Seiten.

    Ursprünglich bezeichnet man mit Coabhängkeit ein Verhalten, das den Abhängigen darin unterstützt, weiter zu trinken, und damit seine Sucht eher verlängert als abkürzt.

    Dazu gehört nicht nur eine große Hilfs- und Aufopferungsbereitschaft, die es dem Anhängigen ermöglicht, weiterzutrinken, da coabhängiges Verhalten die unangenehmen Folgen des Trinkens abmildert (Co lässt den Alkoholiker nicht in seiner eigenen Scheixxe gar werden, sondern versucht, ihm seine Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Damit merkt er aber gar nicht mehr, wie sehr er sich selbst damit schadet.).

    Es gehört auch das harte und erbitterte Ringen mit dem Abhängigen um den Substanzkonsum dazu, da es den Abhängigen dazu verleitet, den Blick nicht auf sich selbst gerichtet zu halten, sondern den Coabhängigen für sein Trinkverhalten verantwortlich zu machen (Du bist schuld, das ich trinke, Dir kann ichs eh nie recht machen, Du hasst mich etc. ) und da hat es mit Duldsamkeit und Nettigkeit zum Teil gar nichts mehr zu tun, aber durchaus auch mit mangelnder Konsequenz.

    Was Coabhängigkeit zum Teil genau so auszeichnet wie Abhängigkeit sind unter anderem so Faktoren, dass man mit dem Kopf nicht bei seinen tieferen Bedürfnissen ist, selbstzerstörerisch handelt und das man nicht macht, was man will, sondern sich von seinen Gefühlsimpulsen überwältigen lässt. Und diese Gefühle sind bei diesem Ringen um die Sucht natürlich auch manipulierbar, man sagt zwar immer Alkoholikern nach, sie seien so manipulativ, Cos können das aber genau so.

    Als eigenständiges Krankheitbild ist es zumindest sehr umstritten. Bei diesem CRAFT-Konzept habe ich mehrmals gelesen, dass man davon weg will, weil es dafür verschiedene gute Gründe gibt. Und wie Leute da reinkommen, dafür gibt es sicherlich auch sehr unterschiedliche Gründe, einerseits die Hilfsbereitschaft und die scheinbare Hilflosigkeit des Trinkers, gewisse Wertvorstellungen, gelernt am Beispiel in der Familie etc.

    Ich muss gerade mal weg. Schreibt sicher noch jemand was dazu.


    Zitat von: Hubby45 am 17. Dezember 2019, 11:04:56

    Sie ist jetzt schon frustriert das ihre Beteuerungen bei mir auf Misstrauen stoßen aber ich
    habe ihr schon gesagt das das auf der Tatsache beruht das sich die letzten 3 Jahre ja auch
    nichts geändert hat.


    Vermutlich erlebt sie ihre Machtlosigkeit (über den Konsum) noch nicht so deutlich, wie Du
    Deine eigene (über ihre Sucht) bereits erkennst:

    das halte ich für Spekulation. Es gibt eine Menge Leute, die ihren Alkolkonsum überhaupt nicht schlimm finden. Das Bedürfnis, Macht darüber zu haben, entwickelt sich ja erst, wenn ein Problem daraus entsteht, das man gerne loswerden oder unter Kontrolle bringen möchte. So lange Du es sowieso laufen lässt, brauchst Du keine Macht.

    Vielleicht glaubt sie in dem Moment ihre Beteuerungen selbst. Oder sie versucht einfach, Dich damit abzuwimmeln, damit sie ihre Ruhe hat und weitermachen kann, ohne dass Du Konsequenzen draus ziehst.
    Wenn man schon bei der Wahrheit sind, dann bringt es auch nicht viel, hinter dem Verhalten des Trinkers reine Machtlosigkeit oder Hilflosigkeit zu vermuten, es ist auch Wurschtigkeit, Berechnung und volle Absicht hinter dem, was Trinker tun. Bei mir war das mit Sicherheit nicht die reine Harmlosigkeit, bei der ein im Grunde harmloser Mensch nicht anders handeln kann, ich hatte schon auch massive Interessen, zu deren Durchsetzung ich auch gezielt manipuliert und gelogen habe und das liest Du ja auch überall, das das typisches Alkoholikerverhalten ist. Aber nicht nur Alkoholikerverhalten, das ist Beziehungspolitik, das findet überall statt, wo man jemanden dazu bingen will, etwas zu tun, was der nicht will, wenn Überzeugungsarbeit nicht hilft, probiert man es mit Druck oder hintenrum...so wie das hier halt beiderseits stattfindet. Womit wir bei der Verstrickung wären.

    Das Problem in solchen Beziehungen ist halt, Du möchtest Dein Bedürfnis bei ihr anmelden, und sie möchte ihr Bedüfnis bei Dir anmelden. Du akzeptierst ihres nicht, sie akzeptiert Deines nicht.
    Dein Wunsch nach einer nüchternen Partnerin steht ihrem Wunsch, zu trinken, gleichberechtigt gegenüber.

    So wie ich das verstehe, sollte ja auch Deine Frau in erster Linie wegen Dir aufhören, denn wenn man sie fragen würde, dann wäre das ja wahrscheinlich nicht ihr dringenster Wunsch. Ich habe nach Deiner Schilderung den Eindruck, das sie sich ja bestenfalls notgedrungen drauf einlassen würde, um dem Ärger mit Dir aus dem Weg zu gehen, aber wenn sie sich frei entscheiden könnte, würde das ja wahrscheinlich anders aussehen und sie weiter trinken. Ich schreib das ohne den Anspruch, dass ich recht behalte, ist nur mein Eindruck.

    Das Problem auf dass ich dabei anspreche ist, dass man auch als Betroffener, also als Trinker, sehr genaue Antennen dafür hat, dass hinter dem, was einem als Hilfe angeboten bzw. ehrlicherweise untergeschoben wird, oft die Interessen des Helfenden stecken, vor allem wenn man um diese Hilfe gar nicht gebeten hat.
    Wie Du selbst schon geschrieben hast, kannst Du es ihr ja nicht vorschreiben und es ist ihr Leben. Dass sie es wegen Dir macht, kannst Du auch kaum verlangen, wenn Deine eigenen Interessen dabei auch so offensichtlich sind, da ist die Hilfestellung ja nicht viel mehr als Dein erweiterter Egoismus, Du willst eben die Frau zurückhaben, die Du kanntest. Ob sie die auch wieder werden will, scheint dabei erst mal zweitrangig und steht aber sowieso auf einem anderen Blatt, denn da ist sie nun mal vorne.

    Die ziemlich einzige Möglichkeit ist, dass Du eine Möglichkeit findest, es ihr schmackhaft zu machen, warum sie wegen sich selbst aufhören sollte. Ob sie es dann deswegen macht, bleibt damit aber immer noch ihre Entscheidung und ob sie Deine Gründe so gut findet wie Du selbst, und ob sie es auch könnte, wenn sie denn mal wirklich wollte, bleibt abzuwarten. Die andere Möglickkeit ist die, dass Du ihr sagst, dass Du mit einer Trinkerin nicht zusammenleben wirst, aber sobald Du das dreimal gesagt hast, ohne das deswegen wirklich was passiert, weiss sie , was sie davon zu halten hat: lass ihn reden, der beruhigt sich auch wieder. Schafft er doch eh nicht, zu gehen. Kein Grund, sich deswegen zu ändern, kann man aussitzen. Da hilft dann wirklich nur Konsequenz und keine Drohungen, denn auch das merkt jeder Trinker.

    Ich finde das gut das Du das gelesen hast, wenn auch aus egoistischen Gründen, denn es erspart mir, eine Menge, die ich bereits woanders geschrieben habe, nochmal zu schreiben, ausserdem siehst Du da auch, das es um generelle Abläufe und nicht um individuelle Bösartigkeiten oder Unfähigkeiten geht.
    Mein Partner hat sich Hilfe geholt und es mir gesagt. Wenn auch woanders als hier, denn als ich aufgehört habe, gab es die meisten Internetforen zu dem Thema noch nicht oder nur in Anfängen, schon ein bisschen länger her.

    Das war einerseits erleichternd. Es bekam so was akzeptierendes, als mein Partner mir gesagt hat, das er begriffen hat, das er mir nicht helfen kann - ich hatte übrigens nie um Hilfe gebeten, er hat sich ja über meine Sauferei aufgeregt, nicht ich. Ausserdem entliess es mich ein bisschen aus der Arschlochrolle, denn nachdem er ja immer vom mir verlangt hatte, das ich mich ändern soll und so weiter, konnte ich plötzlich sagen, da siehst Du mal wie das ist, gucken wir mal, wie leicht es Dir fällt, Dich und Deine Situation zu ändern. Es kam halt ziemlich schnell raus, dass das Problem, das mein Partner mit der Situation hatte, auch nicht kleiner war als meins. Ist halt immer einfach, wenn der Andere scheinbar der Schuldige ist und sich ändern müsste, so war dann halt im Raum, dass er das akzeptieren muss.

    Anderseits war es aber auch mein Freifahrtschein zu noch unkontrollierterem Trinken, als das mal raus war, hast Du möglicheweise gelesen und ich brauchte das. Bis dahin hatte ich immerhin noch versucht, mich am Riemen zu reissen, weil ich ihn ja eigentlich mit meiner Sauferei nicht ärgern wollte, sondern das auch für mich eine volkommen bescheuerte Situation war. Nur im Streit hab ich dan aus Trotz noch extra einen draufgekippt, aber im Prinzip war es halt mein Lebenselixier, was ich mir nicht nehmen lassen wollte und ohne das ich nicht lebensfähig war.

    Bei uns war das allerdings möglicherweise anders als bei Euch, denn mein Partner und ich lernten uns als Studenten kennen, und schon bevor wir zusammenkamen, waren wir öfter mal auf Kneipentour und da war ich ja auch oft genug betrunken. Und als er sich dann später beschwerte, hatte ich das berechtigte Argument, das er schliesslich wusste, worauf er sich einlässt, ich war schon vorher so und habe nicht eingesehen, warum ich mich da plötzlich ändern soll, weil ihm das nicht mehr passt. Ich wusste im Prinzip schon lange vorher, das ich nicht ohne Alkohol und gewisse Drogen will und möglicherweise auch nicht kann, mich persönlich hat das aber auch überhaupt nicht interessiert, ob ich das brauche, weil ich ja gar nicht aufhören wollte. Und eigentlich wollte ich Beziehungen vermeiden, wo diese Diskussion aufkommt, deswegen hab ich mich überhaupt nur auf jemanden eingelassen, bei dem ich daon ausgegangen bin, dass ich mich da nicht ändern müsste. Von mir hatten ja auch schon frühere Partner verlangt, das ich weniger trinke, hab ich dankend abgelehnt.
    Bei uns war es aber auch so, dass wir dann halt doch schon länger beisammen waren, als es kritisch wurde, und da hörst Du halt nicht bei der ersten Schwierigkeit auf. Aber bevor das für beide absolut unerträglich wird....

    Gruß Susanne

    Hallo Hubby,

    ich habe gerade leider sehr wenig Zeit, sonst würde ich Dir vielleicht mehr schreiben.
    So empfehle ich Dir, hier erst mal im Angehörigenbereich zu lesen, es sind viele vergleichbare Geschichten, da bist Du dann vielleicht schon schlauer.

    Ich selbst bin Angehörige (mein Vater hat sich praktisch zu Tode getrunken), habe aber auch 25 Jahre selbst getrunken und ich habe mir da nur wenig rein reden lassen. Mit meinem Partner einige Jahre Machtkämpfe darum geführt, auch den einen oder anderen Kompromiss eingegangen, aber ich habe es mir nicht nehmen lassen bis ich selbst die Schnauze voll hatte. Wir waren zwischenzeitlich mal getrennt und kamen wieder zusammen, nachdem ich aufgehört hatte.

    In der Mehrzahl der Fälle stehen Angehörige wohl nur vor der Alternative, machtlos daneben zu stehen oder sich zu trennen, manchmal hilft es, dem Trinkenden die Pistole auf die Brust zu setzen, manchmal hilft auch die Trennung, um die/denjenigen zu "wecken", aber oft hilft halt auch gar nichts.
    Für Angehörige die sich nicht trennen wollen gibt es inzwischen das CRAFT-Programm, ich weiss allerdings nicht, wo das momentan überall angeboten wird und ich habe auch noch keine Zahlen über die Erfolgsquoten gelesen, vielleicht liest Du das selbst mal durch z.B. hier hinter den Links
    http://www.kreuzbund-dv-mainz.de/Aktuelles%20un…hstechniken.pdf
    https://www.suchtmagazin.ch/tl_files/templ…ld/text1-12.pdf
    http://www.cra-kongress.de/uploads/media/…en_Training.pdf
    .. es geht da auch drum, den trinkenden Angehörigen zu einer Behandlung zu motivieren und sich in den Fällen, wo das eben nicht gellngt, selbst vor Schaden zu schützen.

    Gruß Susanne

    Und was glaubst Du, wie lange Du als Alkoholiker trocken bleibst, wenn Du so viel auf die Meinung anderer gibst?
    Meine Eltern fanden es beide nicht gut, das ich nichts mehr getrunken habe. Meine Mutter, die sich jahrelang drüber aufgeregt hatte, wie oft ich total betrunken war, meinte dann plötzlich, das ich deswegen doch nicht gleich ganz hätte aufhören müssen und hat mir noch jahrelang was angeboten, bis sie das dann irgendwann verstanden hat. Noch heute nehme ich den Uso beim Griechen für sie an, weil wenigstens sie ihn dann trinken will, und mich juckts nicht. Und mein Vater war ja sowieso der Meinung, dass das ein trostloses Leben ist, was ich da ohne Akohol führe.
    Da muss man durch und ab und an einfach hart bleiben.


    Außer meinen Eltern denkt niemand er sei Alkoholiker.

    das ist aber auch wirklich ein schwieriges Thema. Von aussen kann das nämlich gar niemand so genau sagen, ob er das wirklich braucht und ob er Alkoholiker im Krankheitsinn ist. Bevor er nicht sagt, ich will aufhören, aber ich kann nicht, oder eindeutige Entzugserscheinungen hat, ist das nicht eindeutig feststellbar. Dazu müsste er aber erst mal wollen und seine Machtlosigeit aussprechen. Nur weil Du das nicht nachvollziehen kannst und etwas Anderes willst, hat das ja alleine noch nichts zu sagen. Ich kann jemandem, der den ganzen Urlaub lang am Strand liegen will, auch nicht erklären warum ich gerne in den Bergen rumrenne. Könnten ja auch einfach Geschmacksunterschiede sein, und Risiken geht man für andere Interessen auch ein (denke an diverse Sportarten z.B. oder die nicht ganz ungefährliche Fahrt mit dem Auto in den Urlaub), ist also auch kein eindeutiges Kriterium.
    Die Bezeichnung "Alkoholiker" ist in vielen Kreisen immer noch eine Beleidigung, das lässt fast niemand gerne auf sich sitzen. Und auch Krankheit ist eigentlich kein Kompliment, frag mal Firmen wie scharf sie auf Kranke sind. Eigentlich kein Wunder, dass man sich dagegen wehrt.

    Für Dich dürfte es doch aber eigentlich gar keinen Unterschied machen, ob er so viel trinkt, weil er muss, weil er Alkoholiker ist, oder ob er das "nur" macht, weil er im Grunde einfach Bock darauf hat. Oder sehe ich das falsch? Ob er das jetzt macht, weil er das normal findet, und sich wegen Dir nur nicht ändern will, oder ob er das macht weil es für ihn nicht anders geht, kommt doch für Dich aufs selbe raus. Für Dich trinkt er zu viel, mehr als Du bei Deinem Partner haben willst, und das reicht doch, oder nicht? Warum er das macht ist doch dabei relativ egal. Es kommt auf das an, was hinten für Dich rauskommt, und das gefällt Dir nicht.

    In die Auseinandersetzungen mit Anderen, und wenns die engste Verwandschaft ist, würde ich mich dabei gar nicht so sehr verstricken, wen geht das denn etwas an? Du bist doch auch erwachsen, das braucht Dir doch niemand zu erlauben. Deine Ehe ist ja immerhin ein Punkt, der erst mal nur Dich und Deinen Mann was angeht. Du musst Dich Da auch nicht rechtfertigen, es gibt ja keine Pflicht, verheiratet zu bleiben, wenn das nicht mehr geht. Oder ist das wegen Deinem schlechten Gewissen, das Du von Anderen praktisch die Erlaubnis dazu haben möchtest? Und wenn sie dann halt Anderer Meinung sind, dann sind sie das halt, oder hast Du Schwierigketen, da bei Deinem Standpunkt zu bleiben?

    Gruß Susanne


    Hab ich mich vertippt ? Ich habe auch Gefühle für ihn aber ich nur weil man jmd liebt, heißt das für mich nicht, dass man deswegen automatisch zusammenbleiben muss. Vielleicht weckt es ihn auf.. aber ich weiß auch nicht, ob das richtig ist wenn er wegen uns jetzt sich Hilfe holt ? SOLLTE ER DAS NICHT FÜR MICH TUN SONDERN FÜR SICH? daher habe ich nur Gesagt ich kann nicht mehr mit ihm zusammen sein, ohne Forderung, dass er jetzt irgendwas tun soll. IST DAS SCHLAU ?

    was ihn angeht, ist es eigentlich vollkommen egal, was Du tust. Es ist noch viel egaler, als Du Dir das vorstellst. Wenn seine Sucht läuft, dann bekommt sie eine Eigendynamik, da gibt es kein richtig oder falsch mehr, vielleicht gehts ein bisschen schneller oder langsamer, aber es läuft bis ihm ein Licht auf geht. Und das kannst Du nicht anzünden, mit nichts. Entweder er schnallts oder er schnallts nicht, das kann morgen oder in 30 Jahren oder auch nie sein. Er muss selbst wissen, ob ihm das gut tut, schliesslich ist er erwachsen, gegen seine von Dir angeführten Probleme wird es kaum helfen, aber das kann Dir auch egal sein.

    Ausserdem, wenn er noch ein Weilchen trinkt, dann wird er vom Trinken selbst weitere Probleme bekommen, wegen denen er dann, na was wohl, weitertrinken kann und muss, wenn es nicht sowieso schon so weit ist. Warum er mal angefangen hat, spielt dann überhaupt keine Rolle mehr, es reicht dann dass er vom Trinken schon genug Probleme hat. Dazu gehört dann beispielsweise auch, dass Trinken die Stresstoleranz senkt (das ist messbar), also je mehr er trinkt, desto getresser ist er dann am nächsten Tag, und dann trinkt er wieder wegen Stress. Ich kenne das Spiel ja. Es gibt noch mehr so Faktoren, wegen denen er dann immer weiter trinken muss, weil ihn der Alkohol so schädigt, dass er ihn braucht, um diese Schäden (vordergründig und kurzfristig) zu kompensieren, das ist ein Teufelskreis. Dass ihm ohne Alkohol dann nichts mehr Spass macht, gehört auch dazu, dazu gibt es zwar eine genetische Disposition und Traumata in der Kindheit machen dafür auch anfälliger (lässt sich ebenfalls messen), insofern stimmt das schon, aber dass er deswegen trinkt hilft ihm gar nichts, er müsste vielmehr genau deswegen eigentlich aufhören, macht er aber nicht, so lange das mit dem Trinken für ihn und aus seiner Sicht von innen heraus noch scheinbar funktioniert.

    Und es spielt auch keine Rolle, ob Du da dabei bist oder auch nicht. Das spielt nur für Dich eine Rolle. Für Dich macht es einen Unterschied, ob Du noch Jahre neben einem Trinker lebst oder nicht.
    Ich hab mich auch mal von jemandem getrennt, den ich extrem geliebt habe, aber so wie der drauf war, war es einfach nur unvernünftig, mit dem zusammen zu bleiben. Da bin ich alleine noch besser klar gekommen, bei allen Schweirigkeiten die ich hatte. Und irgendwann ist das durch mit der Liebe, das geht auch wieder weg. So hart sich das anhört, ich brauchte dann zwar erst mal meine Ruhe, aber es war definitiv besser so und vom Kopf her ist das sowieso nicht zu erklären, warum ich mich in den überhaupt verliebt hatte, das passte eigentlich gar nicht.
    Und bei Dir ist da ja nicht viel anders, denn Dein Mann stellt sich, was Freunde und Trinken angeht, doch ganz offensichtlich ein ganz anderes Leben vor als Du. Ist sein gutes Recht, denn es ist sein Leben, damit kann er machen, was er will, aber als Partner für dich passt er so halt nicht.

    Gruß Susanne


    Habt ihr Euch als Angehöriger dann auch von Freunden, die so drauf sind zurückgezogen?

    von solchen Freunden habe ich mich sogar schon zurückgezogen, so lange ich noch selbst getrunken habe. Ich hatte mal 10 Jahre, wo ich täglich in der Kneipe oder auf Festen war, aber das war bestimmt schon 12 oder 13 Jahre vor dem Ende meiner eigenen Trinkkarriere zu Ende, weil mich das Geschwätz ja schon selbst gelangweilt hat. War auch mehr zu Schul-und Studiums-Zeiten, wo das ja auch üblicher ist, gemeinsam abzuhängen.
    Klar dass ich auch später noch getrunken habe, wenn ich unter Leuten war, aber ich habe mich dann viel mehr ins Privatleben zurückgezogen und ich kannte auch Leute, die viel weniger getrunken haben. Was das angeht, war es für mich auch nicht so ein Bruch mit der Vergangenheit, als ich aufgehört habe, die meisten meiner Bekannten wussten gar nicht, dass ich so viel trinke, weil ich das ja meistens erst nach Feierabend zu Hause gemacht habe. Und es hat auch tatsächlich keiner gemerkt ausser meinem Parter, war also sicher nicht so wie oft geschreiben, das es sowieso schon alle wissen und man das nur zu verbergen sucht. Ich habe gar nicht versucht das zu verbergen, ich habe nur wohl wirklich nicht so ausgesehen, wie man sich einen Alkoholiker vorstellt.

    Gruß Susanne