Beiträge von Susanne68

    Ich weiss nicht mehr, ob ichs bei Dir geschrieben habe oder bei jemand anderem. Aber natürlich habe ich, als ich trinken wollte, und auch als ich meinetwegen wegen Sucht unter innerem Druck gehandelt habe, total mit Absicht und auch gezielt gehandelt, um zu bekommen, was ich wollte oder brauchte. War schliesslich gefühlt lebensnotwendig für mich.
    Ich war Opfer, ich war Täter.

    Und natürlich merkt man das Problem mehr, wenns weh tut. Ja, es ist hilfreich, wenn man untätig beim Leiden zugucken kann. Allerdings hab ich das auch jahrelang einfach ausgesessen. Irgendwas hatte sich dann halt geändert, dass ich wirklich selbst Angst um mich hatte.

    Und das Andere ist, dass Du die Folgen des Trinkens (im Sofa einschlafen) halt immer noch abfederst, obwohl Du so sauer bist.
    Als ich dann allein war, half mir halt auch niemand mehr, wenns mir total bescheiden ging. Ich musste mich dann selbst aufräumen, nech. Und in meinem Zustand hätte ich auch niemanden mehr gefunden, ausser vielleicht jemanden der selber einen an der Waffel hatte..nicht sehr prickelnd, die Vorstellung.

    Ich hab ja meinen Partner zum Teil schon gar nicht mehr ernst genommen, weil es ihm mit mir so schlecht ging und er trotzdem nicht weg gekommen ist. Nach dem Motto, wie blöd muss man eigentlich sein, ums mit mir noch auszuhalten. Der meint, ich soll mich ändern, dabei kann er sich selbst nicht ändern. Und glaub nicht, dass man das nicht mehr mitkriegt, an den nüchternen Tagen blickt man ja ziemlich durch und man beobachtet den Partner ja seinerseits auch.

    Hab grad erst gesehen, dass Du dazwischen geschrieben hattest und ich muss mich jetzt leider am Riemen reissen und mich meinen eigenen Dingen etwas mehr widmen.

    Liebe..hat auch was mit Altruismus zu tun.

    Ich hab mich, als mein Vater sich langsam zur hilflosen Person entwickelt hat, damit beschäftigt, was ein Betreuer für Pflichten hat. Ein Betreuer muss dann, wenn der Betreute seinen Willen nicht mehr selbst artikulieren kann, im Sinne des Betreuten handeln und das tun, was der Betreute mutmasslich wollen würde, für ihn tun. Heisst, wenn Du weisst, dass der Andere trinken will, kriegt er was zu trinken. Liebesdienst.

    Und wenn Du glaubst, Du musst den Anderen zwangsbeglücken, weil es Deiner Weltanschauung entspricht und Du Dich damit besser fühlst, dann bist Du für die Aufgabe nicht geeignet, weil Du dem anderen Deinen Willen überstülpst, und das geht bei einer hilflosen Person halt nicht. Der Unterschied ist nur der, dass sich Deine Frau noch dagegen wehren kann und das, was Du willst, sich wenigstens teilweise mit dem deckt, was sie vielleicht wollen würde, wenn sie es könnte. Was glaubst Du denn, was sie für einen Grund hätte, Dich gewinnen zu lassen? Da gehts auch um "Du oder ich" und erst wenn das durch ist, konzentriert sie sich auf sich selbst und sieht ihr Problem in aller Deutlichkeit. Bis jetzt stehst Du ja noch dazwischen. So war es jedenfalls bei mir.

    Na ja. Sehr viele Drogen, auch Heroin und Kokain, wurden mal als Arzneimittel entwickelt, Tablettenabhängigkeit ist nicht lustiger als Alkoholabhängigkeit und sehr viele Arzneimittel sind absolutes Gift, wenn Du die Dosis erhöhst, und die USA führen die Todesstrafe mit einer Injektion von Medikamenten (Mehrzahl von Medikament = Heilmittel) durch. Das mal nur zum "Sachlichen".


    Ich will Alkoholkranke Menschen nicht kleinreden oder ihnen Intelligenz abstreiten. Ganz und gar nicht. Aber das sie das einfach nicht so sehen ist wohl Fakt, nicht nur meine Einbildung.

    je intelligenter und stärker sie sind, desto mehr "gute" Gründe können sie finden, warum es nur so und nicht anders geht und das Gefühl haben, dass sie das kontrollieren können. Sie können aber auch klar suizidale Tendenzen haben, was bei Alkoholikern keine Seltenheit ist, also sehenden Auges in den Abgrund gehen, was bei mir gegen Schluss öfter vorkam, als es mit Alkohol nicht mehr ging, ich aber auch nicht bereit war, es zu lassen.
    Dauert sogar manchmal länger bis zum Zusammenbruch, weil sie das Problem, was Du woanders schreibst, dass die Welt an sich auch einige Macken hat, noch viel extremer ausleben, ihren Weltschmerz in die Sucht legen und so weiter und so fort.

    Mit mir zu diskutieren konnte furchtbar sein, liegt in der Familie, kennst Du ja. Was Du da gestern bei der Gewalt gegen Männer geschrieben hast, manche Beschreibungen hätte ich 1:1 übernehmen können, allerdings hab ich keine Geschwister und meine Eltern habens irgendwann mit sich selbst nicht mehr ausgehalten, und mit den Einzelnen war ich als Einzelne, mit zwei solchen Gegnern aufgewachsen, ja gleichauf.

    Mein Partner ist ja auch gegangen, weils mit mir nicht mehr auszuhalten war, auf mehreren Ebenen, es war eine derartige Achterbahnfahrt und ich konnte innerhalb von Minuten zu allem, was ich gesagt hatte, das Gegenteil behaupten, und wieder argumentativ total ausgefeilt. Und mich natürlich auch permanent umentscheiden, weil ich mich zwischen Teufel und Beelzebub einfach nicht entscheiden konnte. Grad war die Sauferei total scheixxe, kurz darauf konnte ich mir ja auch gleich einen Strick nehmen, wenn ich nichts gekriegt hätte. War natürlich nicht immer so extrem, steigerte sich halt gegen den Schluss. Bis ich irgendwann mitten in der Nacht gemerkt habe, so geht es definitiv nicht weiter, ich wusste dann zwar trotzdem nicht, wie es weitergeht, aber ich hab mich entschlossen, was zu machen. Du bringst Dich dabei auch als der aktive Part bis ans Ende Deiner Kräfte, und dann kannst Du endlich loslassen.

    Lange hab ich natürlich selber drüber gespottet, Idiotie ist auch eine anerkannte Krankheit...
    Und dann gibts noch den Satz "es ist sehr schwer, einem intelligenten Menschen zu helfen"...die Erfahrung hab ich auch umgekehrt rum schon gemacht.

    Ich hab so ca. 8 bis 10 Jahre lang probiert, was Deine Frau da probieren möchte. Ausgangspunkt war auch die Diskussion und die Streitereien mit meinem Partner, und ich wollte zwar trinken, aber ich hatte selbst ja auch überhaupt keine Lust, völlig abzurutschen. Also ich habe selbst ewige Zeiten wirklich geglaubt, dass ich das schaffe. Ich hatte in meinen wilden Jugendzeiten auch mal ziemlich mit anderen Drogen rumgemacht, so ziemlich alles probiert, und das hatte mir eigentlich gereicht. Ich kannte aus dieser Zeit andere "Abgestürzte", die die Kurve nicht mehr gekriegt hatten, so wollte ich nicht werden.

    Ging in etwa so, drei Tage jede Woche ganz nüchtern, untertags höchstens mal im Urlaub, aber auch nur in Ausnahmefällen. Das Problem war von Anfang an, dasss ich zumindest manchmal nach einigen Drinks Durst auf mehr bekam, und dann gab es kein Halten mehr. Über die Jahre entwickelte sich das dann so, dass ich in den vereinbarten Trinkzeiten praktisch alles nachgeholt habe, was ich mir zwischendrin verkniffen hatte. Auch das Suchtnormalität. Und am Schluss war es dann so, das ich mich deswegen auch nicht mehr rumstreiten wollte, dann hab ich meinem Partner vorgespielt, dass ich Bier trinke, die Flaschen aber mit Schnaps aufgefüllt. Überhaupt Schnaps, ging schneller, ich musste weniger Flüssigkeit in mich reinschütten, nahm weniger Platz weg. Und Medizin war das in gewisser Weise schon, denn wenn ich damals aufgehört hätte, hätte mich das in Verzweiflung gestürzt. Es ist schon so wie Gerchla das beschreibt, es fühlte sich wie eine extreme Verliebtheit an, ohne die man nicht leben kann.
    Am Ende habe ich die Pausen ausgedehnt, Zeiten eingebaut, wo ich wirklich noch stärker reduziert habe, um wieder "vernünftiger" zu trinken, aber ganz ohne? Unvorstellbar. Und die Abstürze wurden noch schlimmer.

    Und dabei habe ich die ganze Zeit funktioniert, hab mich beruflich verbessert, bekam beste Zeugnisse. Und auch das keine Ausnahme. Wäre aber wohl nicht mehr lange gut gegangen. Ob es schlimmer geworden wäre, wenn ich die Pausen nicht gemacht hätte? Ich habe so immerhin manchmal nüchtern schöne Tage gehabt und wusste, das gibt es, hatte auch kaum körperlichen Entzug und der Körper konnte sich zwischendrin erholen. Und ich glaube, ich habe während dieser Versuche schon die Erfahrungen gemacht, die andere dann erst mit ihren Rückfällen machen - ich wollte damals ja nicht aufhören. Mit meinem Partner habe ich mich wieder zusammengerauft, es läuft heute besser als je zuvor, wobei das auch keineswegs von selbst kam, und im Nachhinein war es eine wichtige Erfahrung, was man aber wohl auch nur so sehen kann, wenn man glücklich wieder rausgekommen ist.

    Hätte ich die Pausen nicht gemacht, wäre ich vielleicht früher am Ende gewesen. Hätte, hätte, Fahrradkette, im Nachhinein hatte ich nur den Versuch den ich hatte.

    Es gibt heute Selbsthilfegruppen für Reduzierung und kontrolliertes Trinken, werden professionell und von großen Selbsthilfeorganisationen angeboten, man möchte damit mehr Leute für eine Behandlung erreichen. Da wird mit Trinktagebüchern gearbeitet, und wenn jemand das dann nicht einhalten kann, wird sehr schnell auf Abstinenz abgezielt. Geht aber logischerweise auch nur bei denen, die dann auch ehrlich sind und natürlich auch wollen.

    Gruß Susanne

    Hallo,

    ich kann jetzt an Deiner Situation nichts ändern, zu Craft hab ich Dir auch schon Links geschickt (hast Du sie mal gelesen?), also habe ich gesagt, was mir dazu eingefallen ist.


    Wahrscheinlich hast Du Deine Posts nicht in der Art gemeint aber die posts kommen irgendwie so rüber als wolltest Du Alkoholismus und das selbstzerstörerische Verhalten "verteidigen" und mich und meinen Egoismus als Problem hinstellen.

    Ich kenne die Situation halt extrem gut. Und mein Partner hat es bei mir mit allen Mitteln probiert. Nicht nur mit Liebe, sondern auch mit massiven Streitereien. Das ist die nächste Illusion, zu glauben, sie ändert sich, weil Du das ansprichst. Damit kannst Du nur bei Dir selbst den Druck verringern.

    Anderseits hab ich auch schon geschrieben, dass ich mit meinem Vater im Prinzip das selbe erlebt habe, der liess auch niemanden an sich ran.
    Und man kann sich nun mal dafür entscheiden, so zu leben. Keiner verbietets einem.

    Wenn ich das verteidigen wollte, hätte ich nicht vor fast 19 Jahren damit aufgehört. Ich bin nur im Laufe der Zeit und nicht nur wegen meinen eigenen, sondern auch wegen meinen Erfahrungen in der Suchtberatung sehr pragmatisch geworden - für manche vielleicht zu pragmatisch - und nehme Sucht halt wie sie ist. Sie existiert für mich, und ich nehme das so hin. Wenn mich das jedesmal stark mitnehmen würde, wenn ich nichts machen kann, dann würde das ja nur mir schaden, aber an der Situation nichts ändern.

    Ja, und ich kann mir vorstellen, dass Dir das nichts bringt. Mehr hab ich leider nicht. Und Mitleid würde es vielleicht auch nicht ändern, ich kann mir aber vorstellen, wie es Dir geht.

    Gruß Susanne

    Weiss ich nicht so genau, was wirklich besser ist, oder ob es überhaupt so oder anders besser ist. Hauptsache, man schafft es überhaupt irgendwie.

    Bei mir wars ja dann so, dass ich als nächstes richtig euphorisch wurde, weil es so unerwarteterweise gut ging, war wie ein Lottogewinn, mit nichts gerechnet und trotzdem gewonnen, ich war trocken fast wie betrunken, aber so ging das ja auch bei mir nicht weiter. Irgendwann nach einem guten Jahr war ich dann wieder absolut unzufrieden und wusste nicht mehr weiter, nur brauchte ich da den Alkohol schon nicht mehr. Ich habe dann auch gesehen, dass mir der Alkohol dabei gar nicht geholfen hätte, und zwar nicht nur vom Kopf her, sondern auch gefühlt. Ich habe dann angefangen, wieder an meinem Leben rumzubasteln, mich beruflich noch zwei mal verändert bis es dann endlich einigermaßen passte. Trotzdem war es deswegen nicht immer einfach.

    Steht ja hier irgendwo, und irgendwann, nachdem ich diese Phasen durch hatte, wurde ich so was wie realistisch, ich hab dann gesehen, dass das Leben einfach weiter geht, und dass ich weder immer guter Laune noch immer schlechter Laune bin, sondern dass es so kommt wie es kommt.


    Nach dem Bezahlen fuhr ich heim und bin dann noch schnell einkaufen gegangen. Beim Einkaufen dann wieder der Gedanke "Ja eigentlich nimmst ja jetzt ein Bier mit", hab was mitgenommen (gebe ich auch ehrlich zu) aber es steht im Schrank. Ich will einfach nicht "Angst" davor haben, ich kann nicht davon ausgehen, dass ich es jetzt komplett verdränge und ignoriere. Ein komisches Gefühl, aber ich dachte mir so, dass ich das jetzt irgendwie zur Sicherheit mitnehmen muss, kann man so gar nicht beschreiben.

    es werden Dir vielleicht einige schreiben, dass Du Dir einen alkoholfreien Haushalt schaffen sollst, weil der Griff dann etwas schwieriger wird, aber ich kann das sehr gut nachvollziehen. So wie ich ticke, hätte mich der Gedanke, wo ich noch was herkriegen würde, wenn ich es nicht aushalte, mehr beschäftigt wenn ich über die möglichen Schliessungszeiten der Geschäfte nachgedacht hätte, ich wohnte damals noch auf dem Dorf, aber mir war sowieso kein Weg zu weit, wenn die Gier groß genug war.

    Am Besten passt Du einfach erst mal auf ob Dich das beschäftigt, ich habs ziemlich schnell vergessen als ich die Entscheidung nichts mehr zu trinken erst mal gefällt hatte, aber bei Anderen kreisen dann die Gedanken drum.


    Und ich hätte wirklich geglaubt, so nach 7 Monaten ist das schlimmste vorbei, aber solche Momente gibt es immer noch, eben Festtage...Viele sagen, nach einem Jahr Abstinenz tut sich was, da hat man alle Situationen durch: Geburtstage, Muttertage, Urlaub, Weihnachten, Neu-Jahr, Karneval...Kann mir gut vorstellen, dass da was dran ist.

    Das finde ich interessant. Ich wollte ganz am Anfang zuerst mal nur für ein Jahr aufhören, damit ich genau das, was Du schreibst auch einmal durch habe, und dann wollte ich mich noch mal entscheiden, ob ich das wirklich besser fand, als weiter zu trinken.
    Dabei habe ich nach den Erfahrungen mit meinen Trinkpausen nicht mehr geglaubt, dass ich auf Dauer weniger trinken würde, ich war nur sehr im Zweifel, ob mir ein nüchternes Leben jemals wirklich Spaß machen würde, und "kampftrocken" vor mich hinvegetieren wollte ich nicht für den Rest meines Lebens, dann lieber noch mal volle Kanne..
    Und ich hab ja schon mal geschrieben, es war bei mir genau umgekehrt, ich dachte es wird furchtbar, ich hab mit 5 Jahren gerechnet, die ich zu kämpfen hätte, und dafür brauchte ich natürlich schon erst mal den Versuch, ob sich das überhaupt lohnt.
    Ich habe so sehr damit gerechnet, dass es total beschi..en wird, dass dann alles, was nicht ganz so schlimm war, schon positiv war. Und vieles ging ja auch ziemlich gut, schon allein das morgendliche Aufwachen und noch mehr. Nach 4 Wochen war ich überzeugt, dass ich nie wieder anfange.


    Risu und Susanne : Ich stimme mit euch überein was den Inhalt des zitierten Beitrags betrifft, bin aber zum Schluss gekommen, dass der wahrscheinlich unter nicht so guten Voraussetzungen entstanden ist...

    Ich stimme dem Beitrag von Risu und auch Deinem zu, bei mir gings erst mal nur drum, dass ich den Begriff Sucht auf meine Weise erläutert habe. Die meisten Leute die so drauf sind, katapultieren sich erfahrungsgemäss selbst raus, da muss ich sicher nicht nachhelfen. Es ist nur das, was ich aus Erfahrung vermute, ich lass mich aber auch gern vom Gegenteil überzeugen.

    Da die Wissenschaft die positiven Wirkungen des Alkohols zunehmend kassiert hat und es keinen risikofreien Konsum mehr gibt, es bleibt immer ein Gift, kann ich mir genausogut vorstellen, das Abstinenz auf jeden Fall gesellschaftsfähig bleibt. Man kann damit ja nichts falsch machen. Warum sollte die Suchthilfe also davon abrücken, dass es unter allen Möglichkeiten die Beste ist und für diejenigen, die das wollen, sowieso? Das Andere ist eher ein Zusatz, kein Ersatz.

    Gruß Susanne

    https://www.metal-hammer.de/judas-priest-r…rocken-1407197/
    Gib ihm

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    Ich heisse auch nicht Susanne68...und ich schreib Dir mal als ehemalige Hochkonsumentin. Die letzten 10 Jahre meiner "Karriere" auch nur abends, nicht jeden Tag, aber 5,6 Bier wären für mich noch harmlos gewesen. Wenn es dabei geblieben wäre, hätte ich wahrscheinlich nicht groß drüber nachgedacht.

    Checken wir mal kurz ein paar Fakten.

    1100 Flaschen auf 720 Tage, nicht ganz zwei Flaschen am Tag..mit den Pausen und weil Du vermutlich auch in der Kneipe warst mehr an den Tagen wo Du trinkst. Sagst Du ja auch.
    4 bis 6 Bier, also 2 bis drei Liter, im Schnitt 5 Vol%, pi mal Daumen 70 bis 100 Gramm reiner Alkohol. Risikolosen Konsum gibts nicht mehr nach neueren Erkenntnissen, und als tolerierbar gilt etwa ein Drittel dessen, was Du dann trinkst. Danach steigen die Risiken für diverse Erkrankungen deutlich, vor allem da Du ja noch ein paar Lebensjährchen vor Dir hast, wollen wir mal hoffen. Risiko heisst aber trotzdem nicht, dass zwingend was passiert, und ausserdem könnte Dein Konsum ja auch noch steigen.

    Also so weit könnte man noch sagen, so was wie Du machen das tausende und werden 80 und älter dabei.

    Die Schwierigkeit sehe ich darin, das Dich das offensichtlich beschäftigt und auch stört, und dass du trotzdem nicht einfach sagen kannst, dann lass ichs halt, nervt mehr als dass es Spass macht. Ich würde mal sagen, Du hast zumindest psychischen Entzug, bist folglich vielleicht psychisch abhängig und hast Dir damit bereits den Teil eingefangen, der einen am längsten beschäftigt. Körperlich bräuchtest Du ja nur entgiften und gut wäre es, und wenn Dein Konsum so stimmt wie Du schreibst bist Du sicherlich öfter auf 0,0. Wobei ich nicht weiss ob und was Du Dir dabei vormachst, ich will Dir aber auch nichts unterstellen. Also nehmen wir das mal so.

    Glaubst Du, Du könntest das mal für einen oder zwei Monate ganz - und zwar wirklich ganz - lassen, das wäre ein überschaubarer Zeitraum und zumindest die momentane Gewohnheit wäre erst mal durchbrochen. Und ich denke, einige Deiner Erscheinungen müssten sich auch nach einiger Zeit legen, und dann könntest Du immer noch entscheiden, wie es weiter gehen soll, und ob Du dann überhaupt wieder anfangen willst.

    Ansonsten..genug trinken, ohne Alkohol, das fehlt nämlich oft auch wenn ich Deinen warmen Laden lese, und wenn Du nach der Pause bald wieder so weit wärst, damit rechnen das Du Dir ganz ohne vielleicht leichter tätest.

    Gruß Susanne

    Doch noch was.

    Abstinenz funktioniert natürlich, wenn mans schafft, damit ist man ohne Zweifel weg vom Problem.

    Aber man muss ja auch mal gucken, wie das überhaupt entstanden ist. Erst gabs die Abstinenzbewegungen, bevor es Therapierfahrungen und die AA überhaupt gab. Zuerst war das ein moralisches Ziel, was mit medizinischer Notwendigkeit nichts zu tun hatte, und was aber in die Schritte einfloss, die einen besseren Menschen schaffen sollten. Und es ist einerseits sicher ein großes Verdienst der AA, dass sie sich so sehr um die Anerkennung des Alkoholismus als Krankheit bemüht haben. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass deren Glaubenssätze und deren Menschenbild auch in die Entwicklung der Therapien eingeflossen sind, und auch das Konzept der lebenslangen Krankheit ist ein AA-Konzept, das natürlich von Anderen auch übernommen wurde, nur ist das trotzdem nur ein Modell, wie sehr vieles, was in der Psychologie und Medizin als Wahrheit angesehen wird, nur ein Modell ist. Ein Versuch, die Wirklichkeit zu erklären, um auf sie zu reagieren, zum Teil der damaligen Zeit geschuldet. Und natürlich hat so ein Modell auch ein gewisses Beharrungsvermögen, wenn es mal etabliert ist und zum Weltbild einer ganzen Psychologen- und Süchtigengeneration gehört. Nur ob es deswegen wirklich hundertprozentig stimmt?

    Momentan wird zum Beispiel die Krebsfrüherkennung zum Teil wieder zurückgenommen, weil die daraus resultierenen Behandlungen mehr Schaden und Leiden verursacht haben, als der betreffende Krebs überhaupt angerichtet hätte (ich rede nicht von Brustkrebs). Also da ist nichts in Stein gemeisselt.

    Ich kenne mehrere. Einer z.B., der das volle Programm von Entgiftungen und Langzeittherapie hinter sich hatte und mehrere Jahre trocken war, fing eines Tages an, jeden Tag zum Mittagessen ein Glas Wein zu trinken. Ging lange gut. Irgendwann im Urlaub hat er gemerkt, dass er anfängt, sich schon frühmorgens drauf zu freuen, und da hatte er Bedenken, wie es weitergeht, und einfach wieder aufgehört.

    Und natürlich ist der aber aus der Gruppe raus, weil er keine Diskussionen darüber haben wollte. Und logischerweise gabs dann in der Gruppe trotzdem niemand, bei dem das klappte, weil derjenige ja nicht mehr da war.
    Wüsste noch mehr so Beispiele. Das dumme für solche Leute ist halt manchmal, dass sie dann in keine Gruppe mehr gehen können, ohne sich jedesmal einen Text anzuhören. Denn die Hundertprozentigen stehen ja zusammen und drängen die Anderen, bewusst oder unbewusst, raus. Und damit steigt wahrscheinlich auch das Risiko, dass diejenigen irgendwann wieder ganz versacken. Wenn das als normaler angesehen wird, kann man halt trotzdem hingehen und kann sich wohl fühlen, hat Kontakt, Beratung und das Ganze.