Ich hab so ca. 8 bis 10 Jahre lang probiert, was Deine Frau da probieren möchte. Ausgangspunkt war auch die Diskussion und die Streitereien mit meinem Partner, und ich wollte zwar trinken, aber ich hatte selbst ja auch überhaupt keine Lust, völlig abzurutschen. Also ich habe selbst ewige Zeiten wirklich geglaubt, dass ich das schaffe. Ich hatte in meinen wilden Jugendzeiten auch mal ziemlich mit anderen Drogen rumgemacht, so ziemlich alles probiert, und das hatte mir eigentlich gereicht. Ich kannte aus dieser Zeit andere "Abgestürzte", die die Kurve nicht mehr gekriegt hatten, so wollte ich nicht werden.
Ging in etwa so, drei Tage jede Woche ganz nüchtern, untertags höchstens mal im Urlaub, aber auch nur in Ausnahmefällen. Das Problem war von Anfang an, dasss ich zumindest manchmal nach einigen Drinks Durst auf mehr bekam, und dann gab es kein Halten mehr. Über die Jahre entwickelte sich das dann so, dass ich in den vereinbarten Trinkzeiten praktisch alles nachgeholt habe, was ich mir zwischendrin verkniffen hatte. Auch das Suchtnormalität. Und am Schluss war es dann so, das ich mich deswegen auch nicht mehr rumstreiten wollte, dann hab ich meinem Partner vorgespielt, dass ich Bier trinke, die Flaschen aber mit Schnaps aufgefüllt. Überhaupt Schnaps, ging schneller, ich musste weniger Flüssigkeit in mich reinschütten, nahm weniger Platz weg. Und Medizin war das in gewisser Weise schon, denn wenn ich damals aufgehört hätte, hätte mich das in Verzweiflung gestürzt. Es ist schon so wie Gerchla das beschreibt, es fühlte sich wie eine extreme Verliebtheit an, ohne die man nicht leben kann.
Am Ende habe ich die Pausen ausgedehnt, Zeiten eingebaut, wo ich wirklich noch stärker reduziert habe, um wieder "vernünftiger" zu trinken, aber ganz ohne? Unvorstellbar. Und die Abstürze wurden noch schlimmer.
Und dabei habe ich die ganze Zeit funktioniert, hab mich beruflich verbessert, bekam beste Zeugnisse. Und auch das keine Ausnahme. Wäre aber wohl nicht mehr lange gut gegangen. Ob es schlimmer geworden wäre, wenn ich die Pausen nicht gemacht hätte? Ich habe so immerhin manchmal nüchtern schöne Tage gehabt und wusste, das gibt es, hatte auch kaum körperlichen Entzug und der Körper konnte sich zwischendrin erholen. Und ich glaube, ich habe während dieser Versuche schon die Erfahrungen gemacht, die andere dann erst mit ihren Rückfällen machen - ich wollte damals ja nicht aufhören. Mit meinem Partner habe ich mich wieder zusammengerauft, es läuft heute besser als je zuvor, wobei das auch keineswegs von selbst kam, und im Nachhinein war es eine wichtige Erfahrung, was man aber wohl auch nur so sehen kann, wenn man glücklich wieder rausgekommen ist.
Hätte ich die Pausen nicht gemacht, wäre ich vielleicht früher am Ende gewesen. Hätte, hätte, Fahrradkette, im Nachhinein hatte ich nur den Versuch den ich hatte.
Es gibt heute Selbsthilfegruppen für Reduzierung und kontrolliertes Trinken, werden professionell und von großen Selbsthilfeorganisationen angeboten, man möchte damit mehr Leute für eine Behandlung erreichen. Da wird mit Trinktagebüchern gearbeitet, und wenn jemand das dann nicht einhalten kann, wird sehr schnell auf Abstinenz abgezielt. Geht aber logischerweise auch nur bei denen, die dann auch ehrlich sind und natürlich auch wollen.
Gruß Susanne