Beiträge von Susanne68

    So Manches, was ich gerne gemacht habe oder noch tun wollte, ist mir aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich. Große Pläne brauche ich nicht mehr zu schmieden, weil meine gesundheitliche Befindlichkeit unberechenbar ist und unter Umständen trotz Achtsamkeit und Selbstfürsorge mal wieder gar nichts oder nur herzlich wenig geht. Seit fast einer Woche herrscht bei mir mal wieder so gut wie Stillstand, das, was ich gerne tun möchte, kann ich nicht tun.


    Und trotzdem bin ich nicht unglücklich oder schwer depressiv. Im Gegenteil halte ich mich seit einer Weile für glücklicher in meinem Leben als jemals zuvor. Meine innere Haltung/ meine Perspektive hat sich geändert.

    Das kenne ich. Und ich hatte auch sehr zu kauen, als ich mich daran gewöhnen musste. Wenn ich oben das schreibe, was ich laufe ... früher bin ich mehr als doppelt so weit gekommen. Und dann haben mich mit 50 plötzlich die Rentner überholt - das war sehr gewöhnungsbedürftig. Neben den sonstigen Auswirkungen.

    Auf der anderen Seite musste ich mir sehr viel neu erarbeiten und antrainieren. Und lernte dabei die kleinen Dinge zu schätzen.

    Ich sehe das bei mir so, habe ich andernorts aber auch schon so gehört, dass ich das Leben erst so richtig schätze, seit ich es fast verloren habe. Und seitdem mir die Endlichkeit nicht nur so ein Spuch, sondern spürbar war (und ist).
    Was dazu führt, dass ich eher nach dem gucke, was ich noch habe, und weniger nach dem, was mir fehlt. Und kein falscher Ehrgeiz, zwar an die Grenzen, aber nicht unbedingt drüber. Masshalten...auch so was, was ich als Süchtige erst lernen musste. Und natürlich ist es ein Lernprozess, das kognitive Begreifen ist ja nur ein Teil davon.

    Und ich lasse auch Wut zu. Das brauchts manchmal. Wut wird als Gefühl oft negativ bewertet, aber bei nüchterner Betrachtung ist es eben ein Gefühl, das auch seinen Sinn hat. Auf den Tisch hauen, Scheisse schreien, Fluchen, Meinung sagen, sich mal durchsetzen, Streitkultur, gibt für alles gute Gründe, solange es nicht rein destruktiv wird.
    Ich weiss noch, wir haben Coabhängige Partner gefragt, ob sie es schaffen, wütend zu werden. Um An-sich-denken lernen, Wegzukommen z.B.. ist ja bei manchen schwierig.

    Auch das übrigens auch ein Teil der Serependitität, dass auch aus Wut und einem Streit was Gutes wachsen kann.

    Mir hat die wöchentliche Spritze dieses Mal mal wieder etwas mehr zugesetzt und zusätzlich plagt mich seit Montagabend auch noch Migräne… ?(

    Shit happens.

    Und gerade darum die Erinnerung, dass man eben nicht alles beeinflussen kann.

    Weil solche Konzepte wie "positives Denken" oder auch "Serependipität" oder "das Beste draus machen" von manchen Zeitgenossen auch so interpretiert werden, dass man ja selbst schuld ist, wenn man nicht immer glücklich ist. Mir wollte mit den Schmerzen mal jemand erzählen, dass das ja alles nur psychisch sei und ich mich nur ein bisschen mehr entspannen müsste, obwohl ich nach dem Kernspin kränker war, als ich mich fühlte...Esoteriker, Wunderheiler, Schuldzuweiser etc. Lange hat man ja auch von einer Krebspersönlichkeit gesprochen, was längst widerlegt ist. Autoimmunkrankheiten verführen manche Leute auch dazu, da was reinzuinterpretieren, dass man was gegen sich selbst hat.

    Es ist ja auch gar nicht so einfach, sich selbst zu mögen, wenn alles weh tut.

    Und gerade dann ist man auch anfällig dafür, die Schuld bei sich selbst zu suchen. Was aber genau das Falsche sein kann, weil man besser wohlwollend mit sich umgehen würde.

    In dem einen der verlinkten Artikel reden sie von "toxischer Positivität". Das lese ich in letzter Zeit öfter und das umschreibt in etwa, was ich meine. Zwanghaft gut drauf sein, und tatsächlich vorhandene Probleme leugen, das funktioniert eben nicht.

    Man muss realistisch sehen, auf was man Einfluss haben kann, wo Selbstverantwortung und eventuell Schuldgefühle eine realistische Basis haben, und wo eben nicht. Auf manches hat man Einfluss, auf Anderes nicht. Und es bringt dann auch nichts, sich immer mehr abzumühen, manchmal muss man auch loslassen.

    Ich komm dann halt gern auf das Thema dieses Forums zurück. Dafür, dass Alkohol so wirkt, dass ich süchtig werden kann, kann ich nichts. Aber dafür dass ich trinke, obwohl ich genau weiss, dass ich abstürze, sehr wohl.

    Der Alkoholismus ist die Krankheit, für die ich nichts kann, ausser, dass ich so lange gesoffen habe, bis der Alkohol mich krank gemacht hat. Und für das Andere, den Umgang damit, ob ich meine Medizin nehme, die Nüchternheit heisst, dafür kann ich sehr wohl was.
    Da redet man ja dann auch von der Kapitulation vor dem Alkohol. Den Kampf um die Kontrolle aufgeben und es einfach ganz lassen, weil man sonst verliert.

    Bei der Serependitität geht es immer noch um Zufälle. Die ich nicht erzwingen kann, sonst wärs kein Zufall. Sondern nur durch Offenheit die Anzahl der möglichen Zufälle erhöhe und damit die Wahrscheinlichkeit, auch mal zu gewinnen. Und zusätzlich auch für Dinge offen bin, die ich nicht einfach aussortiere, weil sie nicht menen vorgefassten Erwartungen, meinen Vorurteilen entsprechen.

    Und ich scheibe das deswegen so ausführlich, weil meine Erfahrung in sozialen Netzwerken zeigt, dass die allermeisten Leute bei verlinkten Artikeln nicht über die Überschrift hinauskommen. Nicht meine Privatmeinung, sondern ein gut untersuchtes Problem. Und Wahrscheinlichkeitsrechnung können auch die wenigsten alltagstauglich. Das ist auch so ein Ding, was ich nicht ändern kann.

    Mir sieht mans auch an, vor allem beim Loslaufen, wenn die Muskeln noch kalt sind und ich die Steuerung erst wieder finden muss. Ich werde hin und wieder rauf angesprochen, von wildfremden Leuten.

    Das ist aber auch gut so, falls mal Fragen kommen sollten, ob das berechtigt ist, was ich da mache. Die eben genau deswegen auch gar nicht kommen.

    Aber das Angesprochenwerden führt öfter auch zu netten und guten Gesprächen, was ich aus dem Stegreif beherrsche, seit ich in meiner wilden Jugend von Marokko bis zum Nordkap quer durch Europa per Autostop getrampt bin, da gab es auch viele interessante Unterhaltungen.

    Ausserdem kriege ich auch sonst viel positives Feedback. Selbst mein Neurologe meinte neulich, mit mir macht ihm sein Job mehr Spass, mein Physiotherapeut sehr ähnlich, und oft werde ich in der Stadt oder auch mitten in der Pampa von wildfremden Leuten angelacht und angeflirtet, wenn ich da so stillvergnügt vor mich hinwackle.

    Und es ist, das wurde mir schon öfter gesagt, weil ich so hochmotiviert bin und selbst sehr viel mache. Das begeistert meine Gegenüber, manche. Eigentlich genau das, womit ich mich auch sonst aus dem Sumpf gezogen habe, Informatiker geworden bin und das Saufen aufgehört habe. Immer, wenn ich was wirklich will, bin ich nicht aufzuhalten. Sonst wäre ich aus dem Loch, in dem ich schon mal gesessen bin, ja nie rausgekommen. Und inzwischen bin ich so.

    Gut. Lassen wir Paul das Beste draus machen. Hoffentlich hat er auch begriffen, was seine Oma da gesagt hat. Überall das Haar in der Suppe zu finden gehört wohl weniger dazu.

    Ich schreibs fast ungern, weil es so nach Großkotz klingt, aber ich habe momentan das Gefühl, tasächlich das große Los gezogen zu haben.Ich bin dauerkrank geschrieben, um zum Erhalt meiner Gesundheit genau das zu tun, was ich mein ganzes Leben lang schon am liebsten tue.

    Meine Behinderung und die beiden anderen Befunde sind sehr komfortabel. Ich merke seit meinem Krankenhausaufenthalt vor fast zwei Jahren praktisch nichts mehr davon, solange ich genügend Zeit habe, durch Wald und Wiesen zu wandern, Fahrrad zu fahren und meinen Garten zu geniessen. Der Garten ist ein Traum, Ich wandere 12 bis 15 Kilometer, fahre 100 km Fahrradtouren...also sehr behindert bin ich nicht. Grade richtig, um nicht arbeiten zu müssen, aber kein Strich mehr.

    Ich hatte mich vor nunmehr 17 Jahren schon selbstständig gemacht, damit ich mit dem Arbeiten aufhören kann, sobald das Geld reicht. Das Schlüsselerlebnis dazu war, dass ich nur noch halbtags arbeiten wollte, stattdessen aber eine Gehaltserhöhung bekam. Und mir dann die Zeit fehlte, das Geld so auszugeben, wie es mir Spass gemacht hätte. Mein damaliger Chef wollte partout nicht auf meine Anwesenheit verzichten, bis mir ein Weg einfiel, die Kündigung zu erreichen, natürlich mit Abfindung.

    Selbstständig habe ich dann nur noch so viel gearbeitet, dass ich meinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Mit Arbeit kann man sich bekanntlich den ganzen Tag versauen. (Viele machen sich ja selbstständig, um mehr zu verdienen. Das war gerade NICHT mein Motiv. Ich hatte mir halt ausgerechnet, dass bei meinem Stundensatz halbtags weit reicht. Aus Reichtum habe ich mir nie viel gemacht)

    Und jetzt muss ich gar nicht mehr. Seit zwei Jahren tue ich nichts mehr, was nach Arbeit riecht (ausser ein bisschen meine Sachen verwalten).

    Neulich wurde mir eröffnet, die Befunde geben es her, dass ich bis zum Rentenentritt bei komfortablen Bezügen nie wieder arbeiten muss. Wohl dem, also mir, der als Unternehmer freiwillig Arbeitslosenversichert war und auch was Gescheites gelernt hat, nur deswegen gibts ja auch ordentlich Krankengeld (dafür musste ich mich erst arbeitslos melden, um den Anspruch geltend zu machen, aber sie würden auch sehr leicht Jobs für mich finden, dank Qualifikation, und das will ich nicht). Für mich ist das wie ein Lottogewinn. In den Tag reinleben, ohne jeden Cent umdrehen zu müssen..das war genau das, was ich wollte.

    Und wieder werde ich einen langen Sommer geniessen und das Problem, dass ich nichts mit mir anfangen könnte, habe ich zum Glück nicht. Wandern, Reisen...und hier ein ruhiges Plätzchen zum Ankommen.

    Ich höre Freunde von mir (keine Alkoholiker, Normalverbraucher) reden, was sie vorhaben, wenn sie mal in Rente gehen..ich habe vieles davon schon gehabt.
    Da ich schon immer sehr freizeitorientiert war und mir schon immer gerne Auszeiten genommen habe, ging Einiges, aber eben nur mit der Einschränkung, dass ich irgendwann wieder Geld verdienen musste. Das ist jetzt endgültig rum und noch so rechtzeitig, dass ich mit der Zeit auch noch was anfangen kann.

    Vielleicht bin ich ja besonders gut darin, meinem Glück auf die Sprünge zu helfen..oder günstige Gelegenheiten zu ergreifen.

    Die einzige Frage, die ich mir manchmal stelle: womit habe ich das verdient? :saint:

    Passt zum Thema Serendipidität, denke ich. Ich habe gelesen, dass da auch Frustrationstoleranz sehr hilfreich ist...die habe ich seit einigen Jahren. Ich habe mich nicht runterziehen lassen. Zur Zeit bin ich praktisch wunschlos glücklich...hätte früher nie gedacht, dass ich das mal behaupten - und selbst glauben - würde.

    Das sollte hier übrigens keine Selbstbeweihräucherung darstellen - dazu gibt es genug Leute hier, die länger trocken sind als ich (Susanne beispielsweise).

    Aber ich fand, es war ein guter Anlass, um es den "Frischlingen" und den noch Schwankenden (^^ - meine natürlich diejenigen, die noch überlegen, ob sie

    wirklich "für immer" die ihren Alkoholkonsum gen Null schrauben wollen/soll(t)en und ob sie denn dann nicht furchtbar viel von ihrem "Leben" aufgeben ...)

    vor Augen zu führen, dass es sich lohnt.

    Ich bin da zur Selbstbeweihräucherung nicht so ganz geeignet.

    Ich vergesse meine "Trockengeburtstage" mit schöner Regelmässigkeit und das schon von Anfang an. Immer erst ein par Tage später, ach das war ja auch schon wieder. Ist mir aber nicht sehr wichtig. Ja, es war vor ein paar Wochen wieder so weit. Habt Ihr was davon gelesen? Nein, denke ich.

    Neulich hab ich mal drüber nachgedacht, warum ich auf meine lange Trockenheit nicht stolz bin.

    Es liegt daran, dass es ein Selbstläufer ist, (vielleicht) eine Konsequenz daraus, dass sich tatsächlich so lange gesoffen habe, bis das Aufhören schöner und leichter war, als das Weitersaufen. Und Stolz auf den für mich leichteren Weg passt nicht ganz. Stolz verbinde ich mit Anstrengung.

    Stolz im Sinne von "was geschafft" müsste ich dann wohl eher sein, wenn ich es auf mich genommen hätte, trotz der größeren Anstrengung weiterzutrinken.

    Und die Antwort auf die Frage "was tue ich für meine Trockenheit" ist "Nichts".

    Es ist nicht nötig, ich habe keinen "Durst".

    Ich lebe und hatte in meiner trockenen Zeit diverse Schwierigkeiten, habe ich ja öfter hier geschrieben. Aber aus der Erkenntnis heraus, dass mir Saufen nur weitere Probleme bereiten würde, und auch einfach aus Mangel an "Saufdruck" (sofern man das als Mangel bezeichnen will) bin ich nie auf die Idee gekommen, zum Glas zu greifen. Habe ich einfach nicht mehr im Programm.

    Ich liege öfter mal da und denke, ich hab doch ein schönes Leben. Ich liege im Bett, im Liegestuhl oder in der Wiese und denke, ich habe sicherlich nicht überdurchschnittlich viele Probleme (die ich aber hätte, wenn ich weitergesoffen hätte, da bin ich mir ziemlich sicher).

    Mir scheint oft, ich bin weniger zornig und weniger vom Leben enttäuscht als viele meiner Altersgenossen, die nie ein Alkoholproblem hatten.

    Und auch das kann man weitergeben.

    Schöne Grüße

    Susanne

    Im ersten Forum in dem ich schrieb war der Begriff "einen Thread zerschiessen" sehr

    geläufig. Er ist sehr vielsagend. Mehr gibt es da von meiner Seite dazu nicht zu sagen.

    im ersten Forum, in dem ich lange schrieb, war uns das völlig egal. Da hat jeder geschreiben, was er schreiben wollte.

    Ich wollte eigentlich das Missverständnis, das hier nach meinem Verständnis vorlag, ein wenig entzerren, weils ein bsschen nach dicker Luft roch (für mich)

    Da ich mich irren kann, hättest Du es klären können.

    Gut, was ist vielsagend? Da hab ich ja alle Möglicheiten, mir unter den vielen Interpretationmöglichkeiten rauszusuchen was ich will. Ob das in Deinem Sinn ist, musst du wissen.

    Nachdem es da jetzt offensichtlich um unterschiedliche Wahrnehmungen geht, kriegt ihr jetzt auch noch meine geliefert.

    Nach meiner Wahrnehmung gehts da um zwei kleine Missverständnisse.

    a) der unterschiedliche Zeithorizont. Brant redet von was aus der Mitte des letzten Jahrhunderts und Greenfox von 2008 (vermutlich)

    b) der Nutzen der verschiedenen Therapiemodelle. Und da bin ich tatsächlich eher bei Brant.

    Es gibt nämlich Zahlen, dass sich der Prozentsatz der erfolgreichen Aussteiger zwischen Arbeitslager (das war nämlich früher so) und ausgefeilter Therapie nur marginal unterscheiden. Die ganzen Bemühungen, die Erfolgsquoten zu steigern, sind nämlich leider lange nicht so erfolgreich wie erhofft. Deswegen ist ja auch immer wieder genügend Platz für weitere alternative Modelle. Versuch und Irrtum und Versuch und irrtum...viel anders läuft das nicht.

    Es gibt Validierungen von Psychotherapien allgemein. Und da stellt sich oft heraus, es kommt gar nicht so sehr arauf an, was genau man macht, Sondern wie gut man sich darauf einlassen kann. Und wie intensiv man sich selbst damit beschäftigt. Das scheint der Erfolgspunkt überhaupt zu sein.

    Ich war eh in keiner Alkoholtherapie, und solche wie mich gibt es auch nicht wenige.


    Die Welt verändert sich und infolge des Computers sogar drastisch. Wer heutzutage Hilfe bei einem Alkoholproblem im Internet sucht landet vllt nicht mehr bei den ganzen Foren, die sich einst aus den beliebten Homepages entwickelten. Was sich da jetzt herauskristallisiert hat und wohl in den folgenden Jahren weiterentwickelt ist glaube ich heute sogar nicht absehbar.

    Ich bin Informatiker, arbeite allerdings nicht mehr.
    Allerdings verfolge ich auch da die Entwicklungen.

    Vielleicht heute schon, und in absehbarer Zukunft auf jeden Fall, wird es möglich sein, den perfekten Chatbot für Alkoholiker zu schaffen. Den perfekten Trockenen oder auch Therapeuten, der auf jede Frage quasi ideal reagiert. Und im Rahmen dessen, was man über Sucht und ihre Behandlungsmöglichkeiten weiss, immer die richtige Antwort präsentiert.
    Der wird nicht die Geduld verlieren, immer wissen, wie er Empathie ausdrücken muss, usw.

    Wenn man sich damit beschäftigt, den offenen KI-Schnittstellen entsprechende Fragen zu stellen, kann man sich leicht vorstellen, wie das aussehen könnte.

    Machen muss mans dann immer noch selbst...

    Ich bin 63, schwer gehbehindert.
    Ab und an tanze ich dazu

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    55 und altersdepressiv...wie geht das?

    Du fängst als Junger Wilder an und willst alles Anders machen.

    Abhängigkeit ist für Dich das Gegenteil von Unabhängigkeit. Freiheit das Gegenteil von Unfreihet.
    Bis hierhin hat Dich der Alkohol bestimmt, jetzt bist Du frei und kannst endlich machen, was Du willst.

    Regeln? Sind was für Schwächlinge. Gruppen? Bist Bu ein Schaf, ein Herdentier?

    Du hast Erfolg auf Deinem Weg. Es macht Dir Spaß, Du lebst. Plötzlch bist Du Mittelpunkt einer Gruppe.

    Und irgendwann bist Du das Establishment, das von den jungen Wilden bekämpft und vom Thron geholt wird.

    Fragt mal die Rolling Stones ;D


    Kann sie auch kaum sein, ich meine, wenn wir es faktisch sehen, reden 2 gegen 1. Und meine Art des Umganges ist unkonventionell, aber, weiterhin bis heute, erfolgreich.

    das ist aus zwei Gründen nicht ganz richtig.

    Denn erstens sind wir nicht gegen Dich..ich zumindest.

    Und zweitens waren auch unsere Wege sehr unterschiedlich. Meiner so unkonventionell wie nur irgendeiner.
    Und da solltest Du Dich nicht davon täuschen lassen, dass ich mal in der Suchtberatung war. Ansonsten hab ich so ziemlich alles getan, was man eigentlich bleiben lassen sollte.


    Belassen wir es dabei, im Endeffekt ist das Ziel wichtig, und das ist für alle das selbe. Und für das erreichen des Zieles gibt es mehrerer Wege, keiner davon ist der Königsweg.

    Da bin ich absolut Deiner Meinung.

    Im Grund bin ich der Ansicht, das Leben ohne Alkohol muss mehr Freude machen als das Leben mit Alkohol (wozu auch gehört, das Saufen keine Probleme löst, aber auch die ganzen schönen Dinge, die man nüchtern besser geniessen kann), dann bleibt man ganz von alleine trocken.

    Ich bin 22 Jahre trocken und sicher nicht hier, weil ich Hilfe brauche, sondern wegen der manchmal spannenden Unterhaltung.

    Wünsch Dir was.

    Das Problem mit der Verantwortung ist ja das, die könnte man nur übernehmen, wenn man auch Weisungen erteilen könnte, an die du dann gebunden wärst. Und wenn ich Dir was falsches befehlen würde, dann wäre das mein Fehler.

    Wenn Du erst drei Jahre alt wärst, ginge das vielleicht. Sofern Dein Trotzkopf das zulassen würde.

    Aber so, wo das jeder halten kann wie der auf dem Dach, und auch keinerlei Kontrolle möglich ist, wie das in geschlssenen Therapien möglich ist, ist das prinzipiell nicht möglich.
    Wir haben ja auch keinen Vertrag mit gegenseitigen Rechten und Verpflichtungen hier.

    Und da möchte ich Dich mal hören, mein lieber NieTho, wenn ich Dir Befehle geben würde.

    Alles was hier geht, ist Erfahrungsaustausch und ein paar Tipps, und was da jeder draus macht entzieht sich jeglicher Kontrolle. Und ist jedem seine eigene Sache.

    Immerhin kriegst Du hier umsonst Antworten, wenn Du frägst.

    Wenn Du allerdings nur um Dich schlägst und alles erst mal verändern willst, was Andere schon lange vor Dir gemacht haben, wirst Du wohl nicht sehr weit kommen.

    Mein letztes Wort, wenn sich da bei Dir nichts ändert.

    Bestätigt das nicht nur, sondern, ganz ehrlich, ist auch ein absolut Unding. Auf menschlicher, sozialen Ebene. Und übrigens auch höchst gefährlich, wenn jemand gerade am kippen ist, würde so eine Aussage direkt dazu führen können, Suchtdruck auszulösen, und zwar nicht zu knapp.

    Und vielleicht Susanne, als "alte Häsin" hier, solltest Du für Dich mal gucken, ob Du dir in deinen Aussagen nicht zuviel rausnimmst. Wir reden hier nicht über Kuchenrezepte, es geht um Menschen. Lass Dir das mal mitgeben ;)

    auf sozialer Ebene bewegst Du Dich im Internet, wo Dich niemand kennt und wo auch niemand was mitkriegt, was bei Dir zu Hause ist.
    Ja, und mein Herz ist nicht groß genug, um mehr als 5 oder 10 Freundschaften zu pflegen, und die habe ich bereits.
    Wir unterhalten uns hier im Rahmen der Selbsthilfe, auf deutsch, jeder hilft sich selbst, und wenn Dir das nicht reicht, gibt es genügend offizielle Hilfsangebote. Von Leuten, die dafür bezahlt werden, ich werde es nicht. Ich kann mich umdrehen und gehen, ich bin Privatperson.

    Und auch im wahren Leben ist es so, dass verfassungsgemäß jeder nach seiner Fassung glücklich werden soll und darf und du bist ja über 18. Also ist niemand für Dich verantwortlich, nur Du. Aber Du darfst es, glaub mir. Ich halte Dich nicht davon ab.

    Ich ziehe mir den Schuh nicht an, dass ich für Deine Trockenheit oder Deinen staubigen Kehricht verantwortlich wäre, sorry. Ich habe mir meine eigene hart erarbeitet. Und gegen genügend Widerstände.

    Und wenn jemand diese Aussagen zum Anlass nimmt, zu kippen, dann kippt er sich das immer noch selbst. Ja glaubst Du denn im Ernst, dass mich alle mit Samthanschuhen angefasst haben? ich bin mal aus ner Selbsthilfegruppe raus, da mussetn sie den Türrahmen neu einzementieren, so sauer war ich. Ja, und was wäre passiert, wenn ich deswegen zum Glas gegriffen hätte ? Dann hätte ICH das Problem gehabt, und NUR ich. Aber genau das "härtet".

    Und ich bin wie ich bin, glaubst Du ich ändere mich wegen jedem dahergelaufenen? Das hört sich unfreundlich an, aber dann wäre ich ja nur ein Fähnchen im Winde und das würde mich selbst gefährden. Denn andre wollen dann ja, das ich mitttrinke und was weiss noch alles. Deswegen mache ich das so, wie ich will, und damit genau so wie Du.

    Was ich damit sagen will, das gehört nur dazu, dass es keinerlei Grund zum Saufen gibt, ausser man entscheidet sich dazu. Keiner hält Dir das Glas hin, keiner schüttet es Dir in den Hals.

    Und warum brauchst Du, ausgerechnet Du, der ja nur ein drittel Problem hat, kein Alkoholiker ist, dem es absolut supertoll geht, der nur ab und an eine über den Durst getrunken hat, überhaupt so viel Hilfe? Bist Du hier der Schnupfenpatient in der Notaufnahme? Oder hast Du ein echtes Problem, das das so dringend bei Dir ist?

    Eijeijei......kühle dich mal ab.

    warum? Kannst Du so was nur schreiben, wenn Du Dich aufregst?

    Danke der Nachfrage, mir gehts bestens.
    Denk dran, Du siehst mich ja nicht, und ich sehe wahrscheinklich nicht so aus, wie Du es Dir vorstellst.

    Mach einfach weiter und komm selbst wieder runter, wie wäre das?


    Nein, mache ich auch nicht. Ich habe eher das Gefühl, dass es mir angelastet wird, das es mir ziemlich gut geht. Bzw. nicht anerkannt wird, dass es mir nicht schlecht genug geht, kann das sein? Ich sehe das nicht als mein Problem, sondern in dem Falle als Deines. Von meiner persönlichen Befindlichkeit, bzw. wie es mir ging, vorallem mental, hast Du überhaubt keine Ahnung, sprichst es mir gleichzeitig auch ab. Das ist schon ziemlich anmaßend.

    und wo genau nimmst Du das in MEINEM Fall her? Ich hab das aus Deiner Reaktion auf das Parallelforum so interpretiert, dass Du Dich da so gesehen fühlst.

    In meinem Fall ist da so, ich mache Dir keinerlei Vorschriften, was Du zu tun und zu lassen hast. Ich äussere meine Meinung, teile meine Beobachtungen und sonst nichts. Das beinhaltet für mich aber in der Konsequenz aber auch, dass es mir vollkommen egal ist, ob Du himmelhoch jauchzend Deine Nüchternheit feierst oder ob Du Dich zu Tode trinkst. Aus Höflichkeit gonn ich es Dir halt, aber was gehst Du mich denn an? In zwei Wochen habe ich Dich vergessen.

    DU musst doch mit Dir auskommen, nicht ich.

    Warum sollte mich das interessieren? Habe ich von Dir verlangt, das Du aufhörst? Hörst Du wegen mir auf? Bringt mir das irgendwas, dass Du aufhörst?

    Ist ja schön, dass Du Dich nicht aufregst. Weitermachen ;D

    Abend NieTho,

    Du bist jetzt vielleicht ein bisschen untergegangen hier. in der Hitze der Diskussionen sind Deine positiven Erlebnisse ein wenig untergegangen. Aber Du hattest sie ja, freu Dich dran.

    Eins geht halt nicht: anonym bleiben wollen und sich schämen, real irgendwo aufzutauchen und dann beurteilen wollen, wie es überall abgeht.
    Du schliesst halt auch von Deiner einen Erfahrung auf alle.

    Nur mal zur Suchtberatung.
    Das ist denen ihr Job, die sehen täglich Leute wie Dich. Wovor hast Du Angst oder ist es Bequemlichkeit oder brauchst Du es nicht? Auch in den realen Gruppen laufen überall Leute rum, die nur erst mal reinschnuppern und sich orientieren wollen. Nicht in allen, aber in vielen.

    Ich hab auch schlechte Erfahrungen gemacht, aber auch gute. Da muss man drüber.

    Du musst Dich ja nicht beschweren, dass Du noch nicht so tief gesunken bist, sei doch froh drum. Du must ja nicht unbedingt mithalten, im Wettlauf nach unten vorn dran zu sein :o.
    Es ist überhaupt so, auch in Gruppen, das macht jeder erst mal für sich selbst. Naja und Kritik aushalten musst Du ja nüchtern vielleicht auch sonstwo, sieh es als Gelassenheitsübung.

    Oder musst Du Dampf ablassen und kämpfst selbst noch mit der Akzeptanz Deiner Situation? Ärgerst Dich, dass es Dir die Welt da draussen nicht leichter macht? Da muss Dir nicht mal direkt so bewusst sein. Natürlich wärs einfacher, wenn alle "Hurrah" schreien würden, wenn einer aufhört. Aber die Welt ist kein Wunschkonzert, sagte mir einer.
    Ne Möglichkeit wäre natürlich noch, dass auch Dir nur Dinge wirklich wertvoll sind, die Du alleine kannst. Wo einem Hilfe gefühlt was wegnehmen würde. Ich kenne das.

    Ansonsten gönne ich Dir von ganzem Herzen Deinen Höhenflug. Ich war auch euphorisch und finde nichts schlechtes dran.
    Und ich hatte auch sonst Gemeinsamkewiten, bin mit dem Rad 17 km übers Feld zur Arbeit. Es war genau dieselbe Jahreszeit, in der ich aufgehört habe, und ich habe es genossen.

    Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne....

    Da noch was


    ICH hab da dummerweise noch ein weiteres Handicap:
    Wegrennen bzw. mich körperlich richtig verausgaben, was ich früher tatsächlich gemacht habe, geht bei MIR leider nicht mehr. Die dafür nötigen Kräfte in den Beinen und, selbst wenn ich einen Rollstuhl hätte und nicht auf die Beine zurückgreifen müsste, in den Armen, hat mir dummerweise die MS genommen. Uups. :grins:

    Im Ernst, ich nehm das mit Humor.
    MEIN Problem müssen wir hier nicht lösen. Ich hab da definitiv nicht Leidensdruck und inzwischen einen Weg gefunden, der für MICH ok ist.

    Falls du aber ne zündende, praktikable Idee haben solltest, was ich im Fall einer erneuten Extremsituation tun könnte, nur heraus damit. Ich bin ganz Ohr. :welcome:

    ich hab mal die Beobachtung gemacht, dass ich nach zu großer Verausgabung sogar reizbarer bin als völlig ausgeruht.
    Und es war ein Riesenproblem, als ich mich wegen den Krämpfen gar nicht mehr ausruhen konnte.
    Jedenfalls musste das Ausagieren auch gut dosiert sein. Ist übrigens nachgewiesen, zu viel sollte es nicht sein. Z.B. gegen Depressionen, wo man sich ja auch bewegen soll. 20 Minuten helfen, 2 Stunden machen es (oft)schlimmer. Da muss man zumindest Pausen machen. Weil man die Energie ja auch noch für was Anderes braucht.

    Und ich kann das auch nicht wirklich lösen, denn die Kippe musst ja Du stecken lassen. Da bin ich ja gar nicht dabei, wenn das passiert.
    Und ich weiss natürlich auch, dass ich wieder angefangen habe, bevor ich meine Wohnung zerlegt habe, also was ich da für Prioritäten hatte.

    Ich kann Dir aber sagen, schon mein Vater hatte es von sich gesagt, und ich sage es von mir: es war nicht Selbstliebe. Sondern der reine Hass auf mich selbst und dass mich diese winzigen Stängel so im Griff hatten, dass ich ja offensichtich schwächer war als dieses Ding. Die pfleglichen Dinge waren erfolglos durch. Ich hab mich streng erzogen.
    Selbsthass mag enttäuschte Selbstliebe sein, aber es ist auch wieder eine Dissoziation: DU Arschloch rauchst immer noch. DU Raucher in mir. Und um mich zu mögen, musste ich den loswerden. Aber dieser kognitive Überhang half mir da gar nicht. Nur erst mal innere Arschtritte. Und ich war sicher, das geht keine 40 Jahre so, die ich noch leben wollte.

    Ich hab, häha, übrigers auch beim Alk, mit mir selbst geredet, da würde ich von jedem anderen eine Beleidigungsklage kriegen. Aber mit mir darf ich ja reden wie ich will. Und ich hab da trotzdem noch den Punkt, das es mir langfristig ja guttut, also cum grano sale.

    Ich weiss gar nicht, ob Du so brutal zu Dir überhaupt sein willst. Bei mir heiligt der Zweck manchmal die Mittel.

    Und was mir definitiv geholfen hat, nicht mehr anzufangen, war genau das, dass es mir so schwerfiel und dass ich das auf gar keinen Fall noch mal machen wollte. Das hat mich später in ein zwei kritischen Situationen absolut davon abgehalten.

    Vielleicht fällt Dir das Aufhören zu leicht?