Beiträge von Susanne68

    Ja, bis Du das Vertrauen nach Deinen Rückfallgeschichten wieder aufgebaut hast, das kann sich ziehen. Irgendwo musst Du Deine Frau da wohl auch ein Stück weit verstehen. Was Dir selbst natürlich nur teilweise hilft, aber vielleicht ein Ansporn ist.

    Mir fällt da gerade noch das mit den Krediten und den Verbindlichkeiten auf. Das ist ja eine Belastung, und so wie Du schreibst, könnte es ja auch sein, das Du Dich in Deiner bisherigen Art und Weise damit überschätzt und übernommen hast, weil Du so nur mit Alkohol funktioniert hast. Oder kriegst Du das noch irgendwie hin?

    Ich hab keine genaue Vorstellung, um welche Dimensionen das geht, Verbraucherkredite, Autokauf, Hauskauf, Aktienkauf, da gibts ja einige Möglichkeiten - die mich alle gar nichts angehen - und um ganz unterschiedliche Zeiträume und Raten, in denen man das abbezahlen muss.

    Jedenfalls deutet ja das darauf hin, das Du nicht nur mit Deiner Frau klarkommen musst. Was hast Du an dieser Ecke für realistische Möglichkeiten, die Belastung zu verringern, wenn Du nun feststellst, dass Du nicht mehr so kannst wie früher (das kommt natürlich drauf an um was es geht), ich meine, einfach nicht zahlen ist ja keine Lösung, sondern schafft nur weitere Probleme. Solltest Du Dich da vielleicht auch extern beraten lassen?


    Was denkt ihr, was passieren muss, damit sie mal wachgerüttelt wird?

    erstends mal: in Bezug auf sie bist Du hilflos. Erst mal müsste sie sich selbst helfen wollen, dann könntest du sie vielleicht unterstützen, aber nur vielleicht.
    Wenn überhaupt, dann kannst Du nur Dir selbst helfen, und wenn Du das nicht kannst, dann hast Du auf sie erst recht keinen Einfluss.

    Was passieren muss? Keiner kann hellsehen.
    Bei manchen reicht Führerschein- oder Arbeitsplatzverlust, andere versaufen Haus, Familie und jegliches soziales Leben, und die allermeisten hören gar nie auf.
    Und auch Therapien und Selbsthilfegruppen haben viel mit Rückfälligen und Leuten, die sich zu Tode saufen, zu tun, also selbst Experten können nicht mal allen helfen, die wissen, das sie ein Problem haben und die was tun müssen und wollen.

    Ich musste mich jedenfalls mehrmals fast zu Tode saufen und morgens mit unklaren Verletzungen aufwachen, wo mir klar war, das ich im Suff jegliche Kontrolle verloren hatte, der Notarzt war schon mal da, mein Partner hatte mich verlassen und ich kannte meine Kloschüssel auch sehr gut. Es war nicht Todesangst, denn das wäre mir egal gewesen,sondern die Angst, eines Morgens mit irreparablem Hirnschaden aufzuwachen und das dann womöglich noch mitzukriegen. Kommt ja vor.
    Und mir hats auch niemand angesehen und ich lebte auch nicht in der Gosse. Ich verdiene mein Geld auch mit dem Kopf. Aber ich schätzte, länger als ein halbes Jahr hätte ich nicht mehr ohne irreparable Schäden weitermachen können. Ich hatte da so ein bestimmtes Gefühl, dass es kurz vor knapp war.
    Also ich musste an meine eigenen Grenzen kommen und es musste mir beschixxener gehen, als ich mir das nüchterne Leben vorstellen konnte (was in meiner Vorstellung ein halbes Leben lang wirklich furchtbar war), damit ich den Gedanken ans aufhören fassen konnte. Ich brauchte das Gefühl, das ich alkoholtechnisch emotional nichts mehr zu verlieren hatte und durch den Versuch, aufzuhören nur noch gewinnen konnte, egal wie schwer es geworden wäre. Und dazu musste es schon sehr schlimm sein.

    Sprich das kann noch lange dauern. 10 Jahre sind da keine Zeit. Da könntest Du schon längst mit jemand Anderer Familie haben.


    Obwohl ich es ja nur gut meine und ihr helfen will, komme ich mir jetzt vor wie derjenige der ihr böses will oder wie ein Störfaktor.

    Du musst Dir nur mal vorstellen, wie es für Dich wäre, wenn Dir jemand Deine über alles geliebte Freundin wegnehmen wollte, weil er meint, dass sie Dir schadet. Obwohl Du sie über alles liebst und Dir ein Leben ohne sie nicht vorstellen kannst, kommt da irgendwer und verlangt, Du sollst sie verlassen. Da würdest Du Dich möglicherweise auch dagegen sträuben, kommt drauf an, was Du für ein Typ bist.

    Ich hab die Tage schon mal bei jemandem geschrieben, Du hast keine Vorstellung, was das für eine gefühlte Zumutung ist und was Du von Deinem Partner erwartest, wenn Du denkst, er könnte wegen Dir aufhören.

    Und bei den Alkoholikern selbst wissen wir als Betroffene ganz genau, dass, wer nicht hundertprozentig hinter seinem Entschluss, aufzuhören, steht, schlechte Karten hat, oder für den Anfang wenigstens massiv hoffte, dass das bitte endlich mal vorbei wäre, und weder von dem intensiven Wunsch noch von hundertprozentigem Entschluss sehe ich bei Deiner Partnerin irgendwas.

    Gruß Susanne

    Man kann sich auch ein Alkoholproblem eingestehen und sagen, so schlecht, dass ich deswegen aufhöre - und die Anstrengungen des Aufhörens auf mich nehme - gehts mir noch lange nicht. Natürlich kann man sich auch bis zum Erbrechen und noch länger einbilden, dass mans unter Kontrolle hat. Man müsste ja nur wollen, um das zu zeigen, aber man will halt nicht, oder so.

    Und so lange Du ihr garantierst, das Du ihr hilfst, gehts ihr ja nicht schlecht. Also warum sollte sie was ändern? Und selbst wenn Du gehen solltest...das kann sie ja runterspülen.

    Also da gibts viele Möglichkeiten, und Du läufst immer hinterher. So lange, bis Du nicht mehr hinterher läufst.

    Was wir hier sagen, sind ausserdem nur Meinungen, Einschätzungen und das Teilen von Erfahrungen. Was Du daraus machst....niemand kann Dir verbieten, das alles zu verwerfen. Also müssen tust Du gar nichts. Du bist halt mit einem Problem gekommen und wolltest hören, was andere dazu sagen, deswegen bist Du trotzdem frei in Deinen Entscheidungen und musst keine Erwartungen erfüllen. Du kannst Dir nehmen, was Du brauchen kannst (musst Du aber auch nicht, kannst Dich auch da anders entscheiden), den Rest darfst Du auch vergessen. Ich denke, das ist doch gar nicht die Baustelle, um die es geht.

    Gruß Susanne


    Nur habe ich das Gefühl, dass von mir erwartet wird alles an diesem Menschen schlecht zu sehen.

    das verlangt eigentlich niemand von Dir. Alkoholikern sagt man am Anfang der Abstinenz oft, und das völlig zu recht, dass sie sich von den positiven Seiten des Alkohols verabschieden sollen, besser erst mal betrachten, was die Trinkerei alles an Negativem angerichtet hat und sich bei der Abstinenz weniger auf den Verzicht auf das Suchtmittel, sondern mehr auf die Vorteile des klaren Kopfes und der ganzen Möglichkeiten konzentrieren sollen, die das eröffnet. Das machts einfach leichter. Ich weiss auch, dass mir Drogen und Alkohol einige Erfahrungen beschert haben, die ich nicht missen möchte, aber das lässt sich mit etwas Abstand besser betrachten. Und ein Trauerprozess ist ja vielleicht auch notwendig, wenn ein geliebter Mensch stirbt, und einem gar nichts anders übrigbleibt, muss man das ja auch bewältigen und dafür guckt man sicher nicht nur die negativen Seiten an. Der Gedanke "könnt ich doch bloß" ist halt für manche gefährlich, weil man könnte ja. Ich hab bei Angehörigen auch schon oft gehört, das sie nur mal wissen wollten, wie es dem anderen geht, und dann kamen die Gefühle auch mit Macht zurück und schon wars auch wie vorher, nur noch schlimmer. Andererseits ruft "ich darf nicht" manchmal den Reiz des Verbotenen hervor. Also das muss jeder für sich selbst rausfinden. Das Ziel muss halt klar sein.


    Was mir aber komisch vorkam, dass er nach drei Bier sehr betrunken wirkte,
    Ist man da schon lallend? Oder hat meint ihr, er hat sich auch noch was anderes reingepfiffen ?
    Ja, das sollte mich nicht interessieren, aber gehört das zu Aufarbeitung nicht dazu ?

    wie gesagt, ich hab auch Drogenerfahrung.
    Ich habe aber auch, als ich wusste, dass es mit meinem Partner zu Diskussionen kommen würde, die mir ja auch unangenehm waren, und ich aber trotzdem ja die Gier befriedigen musste, weil ichs anders ja nicht ausgehalten hätte, auf dem Heimweg (war eine weite Pendelstrecke, Zug und Bus, wo ich mir das erlauben konnte), oft schon mal ziemlich viel Schnaps getrunken, bevor ich überhaupt zu Hause war, und dann sofort ein Bier aufgemacht, damit ich den Geruch begründen konnte. Und da wirkte ich nach zwei Bier natürlich auch betrunken. Auch so "kurz mal verschwinden", irgendwo hin, Gartenhaus, Garage, Wasserkasten der Klospülung, Lichtschächte, hinter Aktenordnern, alles mögliche, wo man was gebunkert hat, ist eigentlich ziemlich verbreitet. Und es gibt immer Möglichkeiten, sich unbeobachtete Momente zu verschaffen, deswegen sind die ganzen Kontrollversuche, die viele Angehörige starten, auch so sinnlos.
    Der Alkoholiker will ja die ganzen Streitereien auch nicht, er ist primär auch nicht interessiert daran, dass der Haussegen schief hängt und da er den Stoff braucht, versucht ers halt so. Erst wenn es dann trotzdem kracht, artet das dann aus. Zumindest meine Erfahrung.

    Drogen können natürlich immer dabei sin, wenn er die Gelegenheit hat, nur lässt sich das aus der Ferne natürlich nicht so genau sagen.
    Und wenn die Schäden durch den Alkohol, vor allem der Leber, schon sehr groß sind, dann vertragen Alkoholiker dann auch weniger. Das ist dann aber schon ein ganz schlechtes Zeichen und das tritt auch meistens erst nach sehr langer Konsumzeit auf. Ein paar Jahre reichen da meistens nicht dafür.

    Ich schreib Dir doch noch mal. Vielleicht liest Du es noch irgendwann, vielleicht auch nicht.

    Also ich habe absolutes Verständnis dafür, dass Du wenig begeistert bist von dem, was ich Dir geschrieben habe. Ich kann mir vorstellen, wie Du mit den Nerven ziemlich runter bist, und dann komme ich und lege den Finger in die Wunde, schon klar, dass das nicht toll für Dich ist.
    Da hilft Dir sehr wahrscheinlich auch alles "will doch nur helfen" nichts. Das tut weh und da gibt es nichts zu beschönigen. Trotzdem ist das aus meiner Situation die Situation, die so schmerzlich ist, und ich benenne das nur ziemlich geradeaus. Der Überbringer schlechter Nachrichten musste schon immer aufpassen, dass er nicht geköpft wird, aber ich weiss, dass ich das aushalte.

    Mein Partner hat meine Sauferei 13 Jahre lang mitgemacht, dann hat er sich so getrennt, wie Du jetzt auch. Am Anfangs wars wohl nicht so schlimm, aber ein paar Jahre hatten wir viel Streit deswegen. Wir waren etwa ein halbes Jahr auseinander, und ich habe das gebraucht, damit ich mich so kaputt saufen konnte, dass es mir, aus mir selbst heraus und vollständig, reichen konnte.
    Als es mir gereicht hat, habe ich was gemacht. Und ich war dann so motiviert, so sehr hätte mein Partner gar nicht schieben können, wie ich dann plötzlich gezogen habe. Ich hatte die Schnauze voll bis zum Anschlag. Dazu musste es mir aber auch erst mal schlechter gehen, als ein liebender Partner das hätte mit ansehen können. Also dazu war ich wirklich besser alleine mit mir.

    Ich hätte gar nicht wegen ihm aufhören können, denn erstens konnte er mir nicht das geben, was mir die Sauferei gegeben hatte, und zweitens wäre ich nicht nüchtern geblieben, wenn ich dann wegen jedem Konflikt, den wir beim Zusammenraufen hatten, wieder gesoffen hätte. Das Trockenwerden- und bleiben ist meine persönliche Angelegenheit, nach wie vor. Mein Partner hält sich da raus und musste sich selbst damit beschäftigen, wie er wiederum das lassen konnte. "Kümmern" war nämlich seine "Sucht". Positive Eigenschaft, wenn mans auch lassen knn, sobald es zu viel ist, schlechte Eigenschaft, wenn man es selbst braucht, um sich gut zu fühlen, und den anderen ohne Rücksicht auf Verluste beglücken muss.

    Und wir sind nach 19 Jahren meiner Trockenheit immer noch zusammen, inzwischen insgesamt fast 32 Jahre. Muss also wohl auch was haben und ich hab anscheinend ja auch noch ein paar andere Seiten als die, die Dir gerade nicht so gefallen, sonst hätte er mir meine Ausflippereien ja wohl auch kaum verziehen. Genau so wenig wie ich ihm seine Übergriffigkeiten. Man lernt halt nie aus.

    Wenn ich weiter gesoffen hätte, dann hätte das auch einen hohen Preis gekostet, das darfst Du mir glauben. Trotzdem wäre es definitiv nicht mehr gegangen, und was war auch klar. Wir hatten uns sogar drüber unterhalten, das er sich in seinem eigenem Interesse besser trennt, denn mir war zeitenweise völlig klar, dass ich einfach nicht aufhören konnte, und trotzdem habe ich gesehen, wie es ihm damit geht. Ja, das war auch eine extrem verfahrene Situation. Und es gab hinterher auch eine Menge Scherben aufzuräumen, es war sehr viel Arbeit, und das hätten wir sicher auch nicht auf uns genommen, wenn uns das alles egal gewesen wäre. Und wiederum, wenn ich nicht aus mir selbst heraus trocken gewesen wäre, hätte ich das nicht durchgehalten, sondern auch aus Frust, weil wir ja dann noch genügend Schwierigkeiten hatten, bei aller Liebe, doch wieder angefangen.

    Du schreibst, er weiss nicht, was er von Dir erwartet, wenn er meint, Du sollst ihn machen lassen. Ich sage, aber Du weisst auch nicht, was Du von ihm erwartest, wenn Du denkst, er könnte doch wegen Dir aufhören. Du hast keine Ahnung, was das Trinken aufhören für ein gefühlter Verlust sein kann, da muss man erst mal dazu kommen, dass man das aushalten kann und will, und dazu muss es meistens schon ziemlich schlimm sein, so schlimm wie bei einer großen Liebe..denn das ist es in gewisser Weise. Und ich wlll das sicher nicht schön reden, sonst hätte ich ja nicht aufgehört und würde das heute leben.

    Ich schreibe Dir das aus zwei Gründen.
    Erstens, um Dir zu verdeutlichen, das ich Deine Situation durchaus nachvollziehen kann.
    Und zweitens, um auch was zu der Möglichkeit zu sagen, dass er vielleicht doch noch aufwacht.

    Also bei mir war das "aufhören wollen" dann jedenfalls so deutlich, dass da keine Fragen mehr offen blieben. Denn ich war mit mir selbst dann genau so direkt und geradeaus wie es hier manchmal auffällt, da gabs überhaupt keine Zweifel mehr dran, das ich dass ernst meine. Ich habe mich dann ziemlich schonungslos selbst betrachtet, in aller Hässlichkeit. Aber ich kenne die Motivation zum Trinken natürlich schon noch und weiss, wie das für mich ausgesen hatte, habe für meine damalige Situation also durchaus Verständnis und es war auch nicht alles nur bescheiden, genauso so gut wie ich heute froh bin das ich das nicht mehr brauche, und mein Blickwinkel hat sich sehr gewandelt, aber früher habe ich das eben so gesehen, wie ich das damals gesehen habe, da beisst die Maus keinen Faden ab.
    Ich war dann allerdings auch zu meinem Partner sehr direkt, das musste er auch aushalten und er hat es ausgehalten. Was anderes wäre nicht gegangen. Und ich musste und muss einige Sachen mit mir selbst ausmachen, das heisst ich brauche auch meine Freiräume um das zu tun, abgesehen davon bin ich wirklich manchmal gerne alleine unterwegs. Er natürlich auch.
    So lange es damit nicht so weit ist, gibts deinen Ex aber nur mit Alkohol, es gibt nicht entweder die eine Seite oder die andere, und ich musste die Seiten, die ich früher nur alkoholisiert ausgelebt hatte, aber auch irgendwie in mein nüchternes Leben integrieren. Das heisst, ich habe jetzt nüchtern auch Seiten, die man von mir früher eher im betrunken Zustand kannte, z.B eben das, das ich kein Blatt vor den Mund nehme, und ich habe natürlich auch nüchtern manchmal Schei..tage, an denen ich relativ ungeniessbar bin. Das kann man heute halt nicht mehr nur auf den Suff schieben.

    Und letztendlich ging das bei mir/bei uns wohl alles nur, weil wir die Trennung zum damaligen Zeitpunt als gegeben hingenommen haben. Das war sicherlich auch nicht lustig, aber nur so kam die Enwicklung überhaupt erst wieder in Gang. Und es hätte auch anders ausgehen können, also es war wohl auch sehr viel Glück dabei.

    Das wars dann von meiner Seite, und ich wünsche Dir wirklich alles Gute.
    Susanne


    Ich weiß nicht was Dein Problem ist, aber ich finde das traurig.
    Ich wünsche Dir trotzdem alles Gute und wenn Du so freundlich bist, kommentiere meine Beiträge nicht mehr. Danke !

    ich nehme nicht unbedingt an, dass ich mit Deiner Situation ein größeres Problem habe als Du selbst.
    Und ich hab ja für mich selbst auch schon einige Problemchen gelöst, könnte also vielleicht noch was dazu sagen. Wenn Du das nicht willst, muss ichs Dir aber auch nicht aufdrängen.

    Ich kanns also auch gerne bleiben lassen. Kostet ja nur meine Zeit und mein spontaner Gedanke ist "Wunderbar, muss ich mir darum keine Gedanken mehr machen. Mich hats hier in letzter Zeit manchmal auch etwas angestrengt, passt mir ganz gut gerade etwas kürzer zu treten."

    Also alles gut.
    Gruß Susanne

    Tut mir ja leid, das mir Deine Beschreibung Eurer traumhaften Beziehung und seiner bemitleidenswerten Geschichte nur ein mildes Lächeln entlockt.
    Denn was handfestes unternommen hat er ja nicht. Es war nur billiges Gerede. Entweder er hatte keine Einsicht, fand das also nicht so schlimm, denn einen gebrochenen Fuß hätte er wahrscheilich auch nicht selbst behandelt, oder es war ihm weniger wichtig als die Beziehung, sonst hätte er ja nur irgendwo hinzugehen brauchen, wo er Hilfe gefunden hätte.
    Tut mir leid, das beeindruckt mich wenig.

    Ich gehöre auch zu denen, die sich mit dem Rauchstopp etwas über ein jahr Zeit genommen haben, trotzdem war meine Laune dann ziemlich im Keller.


    Der Schalter in meinem Kopf steht noch falsch und die Überzeugung, dass ich den Alkohol nicht brauche, ist noch nicht ausgeprägt. Mit dem Rauchen habe ich auch nicht aufgehört, weil ich nicht anders konnte.

    Momentan reicht es offensichtlich, um wieder eine Woche ohne Rückfall zu sein. Und nüchtern kommst Du vermutlich eher zu der Einsicht, was Dir fehlt, als bei einer Schnapsidee. Wie es Dir geht, wenn Du trinkst, hast Du ja deutlich geschrieben, und das wirst Du ja kaum brauchen.

    Das "abartig finden" hätte ich damals als Vorwurf verstanden, den ich zu gegebener Zeit heimgezahlt hätte. Und "Sorgen machen" als Versuch, mich in eine Richtung zu manipulieren, in die ich nicht wollte.

    Wofür ich allerdings durchaus Verständnis hatte, wenn sich jemand von mir trennen wollte. Da hatte ich wenigstens meine Ruhe. Und mit Drink, aber ohne Beziehung, war für mich damals immer noch besser als mit Beziehung, aber ohne Drink.

    Man soll nicht immer von Sich auf Andere schliessen. Deine Partnerin kann anders ticken als ich, aber auch anders als Du. Du wirst ja sehen, was passiert.

    Ich meine, die Verstrickung ist ja meistens gegenseitig. So wie Du wolltest, dass er mit dem trinken aufhört, wollte wohl er, das Du sein Trinken akzeptierst.
    Beides irgendwie mit der gleichen Berechtigung, denn Trinken ist ja nicht verboten und es gibt auch keine moralische Verpflichtung, damit aufzuhören. Was hätte er für einen Grund gehabt, das zu lassen, ausser das Du es nicht wolltest?

    Das Grundproblem ist meiner Ansicht beiderseits, dass man den Partner schlecht so lassen kann, wie er ist, weil er damit den eigenen Vorstellungen im Wege steht. Und weil man sich nicht trennen will - Liebe und Träume, die da dran hängen - , beginnt die gegenseitige Manipulation, um den Partner irgendwie dort hin zu kriegen, wo man ihn haben will. Und das ist oft eine absolut beidseitige Angelegenheit.
    Ich habe zu meinem Partner oft gesagt, dass er eigentlich wohl jemand Anderen lieber gehabt hätte, aber weil er sich in mich verliebt hatte, versuchte er, mich dazu "hin zu biegen". Und umgekehrt natürlich auch, ich habe ja schon vor der Beziehung getrunken und wollte auch einfach, dass er das akzeptiert. Das gehörte für mich zu den Dingen, die ich nicht ändern wollte. Und bei den Streitereien wurde es halt hässlich.
    Heute haben wir die Vereinbarung, wenn ich wieder anfange, dann ist halt Schluss. Ich hätte selbst keine Lust mehr auf dieses Hin und Her, ich bräuchte da sicher keine "Chancen", sondern das könnte ich mir vorher überlegen. Ich habe damit sogar schon mal gedroht (knochentrocken), wenns mir zu viel wurde. Ich weiss genau, dass das meinerseits natürlich auch ein Druckmittel ist, ob ich deswegen wirklich anfangen würde, glaube ich nicht, aber ich habe ihn damit schon mal auf Abstand gebracht. Das musste sich auch erst einspielen.

    Ich persönlich schätze, das was Du da erlebst sind einfach noch die Nachwehen einer Trennung. Verständlich, dass Du Dir das zu erklären versuchst, aber wer weiss denn heute schon, wie Du das selbst in zwei Jahren siehst. Dann sieht das vielleicht einfach so aus, dass es nicht gepasst hat, aber trotzdem nur ein Lebensabschnitt war. Vielleicht siehst Du dann, das ihre nie hättet glücklich werden können, auch wenn er mit dem trinken aufgehört hätte. Könnte ja immerhin sein. Und wahrscheinlich ist es besser so gekommen, bevor ihr Kinder zusamen hattet, da muss man ja viel mehr auseinander dividieren.

    Ich glaube, nicht nur bei Alkoholikern sind es auch die "kleinen" Macken, die die Liebe mit der Zeit zermürben. Ich hab mal wo gelesen, nicht zugeschraubte Zahnpastatuben gehören zu den häufigsten Scheidungsgründen. So kleine tägliche Nervereien halt, die einem das Gegenüber langsam unsympathischer machen. Ich denke, auch das, was hier von Co-Seite über die Verflossenen geschrieben wird, ist ja nicht gerade besonders freundlich. Verständlich, sicher, aber halt auch Teil dessen, dass man sich besser trennt.
    Wie dem auch sei, ich bin ja noch mit meinem Partner zusammen und kann daher nicht wirklich mitreden. Als es bei uns wegen meiner Trinkerei kritisch wurde, war das nicht nur wegen der Trinkerei, ich selbst war auch kurz davor mich zu trennen, weil für mich diese ganzen "Beurteilungen" und auch das Übergriffige selbst (dass mein Partner sich einbildete, er wüsste besser als ich, was für mich gut wäre, und daraus ableitete, das er mir sagen dürfte, was ich zu tun hätte), ebenfalls "No go" waren, und ich habe auch nüchtern noch so manchen Streit vom Zaun gebrochen, weil ers nicht lassen konnte. Wir haben uns ja nicht viel geschenkt, beide ausgeteilt und eingesteckt, was andererseits aber vielleicht auch die Voraussetzung dafür war, dass es weiter gehen konnte. Ich glaube ein Problem ist auch die Einseitigkeit.

    Meine Frage an Dich, Pyrophric:
    Wie wäre es, wenn es ein anderes Zerwürfnis wäre, eine Freundin, die Dein Partner nicht aufgeben will, oder Du willst Kinder, er nicht, also etwas Anderes, wo Unvereinbarkeit herrscht. Wäre das dann nicht einfach nur eine zerrüttete Beziehung oder unterschiedliche Lebensvorstellungen, wo man besser getrennte Wege geht? Das kommt ja schliesslich vor. Und auch da kommt es zu gegenseitigen Verletzungen und dem berühmten Rosenkrieg. Würdest Du Dir da auch so viele Gedanken drüber machen, was Dein Ex in Zukunft tut?

    Gut, dass es so gelaufen ist.

    Ich kenne das jedenfalls. Mir wurde zu Hause als Kind ja auch gerne mal gesagt, ich wüsste ja noch gar nicht, was Probleme sind. Freu Dich aufs Erwachsenwerden, da kriegst Du dann richtige...das war das, was bei mir ankam. Wenn Du mal groß bist, dann hast Du auch große Probleme, und dann wirst Du endlich auch ernst genommen. Ich fands nicht so erstrebenswert, bekam sie aber trotzdem.

    Und als ich mit dem trinken aufgehört hatte, mein Vater aber gerne mit mir getrunken hätte, da nannte er meine Ablehnung "Feigheit vor dem Feind"...kannst Du Dir sicher auch vorstellen. Erzählte mir bis kurz vor seinem Tod, wenn er grade entsprechend drauf war, was ich doch für eine arme Sau sei, so ohne Alkohol...daran habe ich aber auch gemerkt, dass ich wirklich drüber stand.

    Die Abstinenzentscheidung war fast wie eine zweite Abnabelung von meiner Herkunftsfamilie - und meinen übernommenen Anteilen, die erste war reine Rebellion, aber mit Selbstschädigung gekoppelt, und bei der zweiten gings dann drum, dass ich wirklich mache, was mir gut tut.

    Und dieses "was aushalten" kann man ja auch für sich selbst nutzen, in dem Sinne, dass man auch bei Abstinenzschwierigkeiten oder beim "dicke Bretter bohren", also dieser Arbeit an sich selbst und dem, was man sonst noch wirklich ändern möchte, durchhalten kann und nicht jedem innerem oder äusseren Druck und schlechten Gefühl gleich nachgeben muss. Es ist ja nicht unbedingt nur schlecht, wenn man es richtig interpretiert. Und damit bin ich dabei, das es nicht nur um Abnabelung und innerer Abgrenzung von den eigenen Schwächen geht, sondern auch darum, sich damit auszusöhnen, denn es bleibt einem trotzdem, ich habe auch noch Anteile, die ich übernommen habe, und wo ich zum Teil meine eigenen Eltern in mir erkenne, nur läuft das heute ganz anders, da ich das nicht mehr aus Kindsicht sehe und mich dagegen wehren muss, sondern das einfach Teile von mir sind, mit denen ich ja auch was machen kann. Aus einer anderen Warte betrachten, anders bewerten, die Sichtweise ändern. Kann sein, das sie das in Deiner Therapie auch machen, ich hatte das in anderem Zusammenhang schon mal.

    Gruß Susanne

    Ich habe heute Morgen mit Absicht erst mal die Böse gespielt und Dir die volle Breitseite gegeben, ich hoffe, es war nicht zu schlimm. Ich hatte mir überlegt, ob ich es abschicke.

    Manche Leute brauchen genau das und das sagen sie einem zum Teil Jahre später, bei Anderen liegt man damit völlig daneben. Man weiss es vorher nicht so genau.
    Verständnis und nett sein hilft bei vielen aber auch nicht, oft hilft ja überhaupt nichts. Also wie mans macht, kann es verkehrt sein, und irren ist menschlich. Und wir haben es hier leider mit einem nicht immer nur netten Thema zu tun, sondern mit einem, mit dem man sich und Andere sehr erfolgreich ins Unglück stürzen kann, was aber nach erfolgreicher Überwindung aber auch fast ein Gewinn sein kann, weil man seine Bedürfnisse dann ja viel besser kennt als vorher.

    Langer Rede, kurzer Sinn: falls Du Dich von mir geschädigt oder beleidigt fühlst, entschuldige ich mich in aller Form, und ansonsten wünsche ich Dir, dass Du hier was für Dich mitnehmen kannst.

    Gruß Susanne

    Bla bla bla. Das ist das übliche Geschwätz von Leuten, die noch nicht begriffen haben, was Kinder schon im Kleinkindalter alles mitkriegen und die noch hoffen, dass es bei ihnen noch nicht ganz so schlimm ist.

    Ich meine, es sind ja nicht meine Kinder, und ich kenne Dich tatsächlich nicht und es kann mir völig egal sein, was Du mit Deinem und dem Leben Deiner Kinder machst.
    Aber so, wie Du schon anfängst, wirst Du es eher nicht schaffen. Schwach anfangen, stark nachlassen. Und das ist sicher nicht mein Problem, sondern Deins, und ich werde Dich auch nicht davon überzeugen, was besser wäre, sondern das musst Du schon selbst tun.

    Ja, und sicher bist Du ein Individuum, aber die Sauferei hat in ein paar Gesetzmäßigkeiten, so wie Grippe auch nicht bei jedem gleich läuft, aber man trotzdem Gemeinsamkeiten feststellen kann, und Leute, die schon damit zögern, sich Hilfe zu holen, halten die Schwierigkeiten mit dem Aufhören sehr oft erst recht nicht aus.

    Wenn Du alleine rauskämst, wärst Du nicht hier, behaupte ich mal. Und nicht nur wegen Deinen Kindern, sondern auch wegen Dir selbst wäre es doch besser, wenn da jetzt nicht eine jahrelange Leidensgeschichte draus würde, sondern wenn es halt einmal vielleicht weh täte und Du über Deinen Schatten springen müsstest, aber dann wäre das wenigstens einigermaßen solide, oder findest Du das nicht auch?

    Und eine Suchtberatung schaltet nicht gleich das Jugendamt ein, schon gleich gar nicht, wenn Du wirkliche Bemühungen zeigst. Aber dafür musst Du natürlich schon was tun und nicht nur reden, was Du gerne tätest.


    Meine Kinder sind mein Leben und ich habe sie noch nie in Gefahr gebracht.

    wenn Du weitertrinkst, dann bringst Du Deine Kinder auf jeden Fall in Gefahr, denn Kinder suchtkranker Eltern haben nachgewiesenermaßen ein deutlich erhöhtes Risiko für diverse Probleme in ihrem späteren Leben. Also einen guten Start verschaffst Du ihnen damit jedenfalls nicht.

    Und im Gegensatz zu Dir können sie es sich nicht aussuchen, ob ihnen jemand hilft, oder ob sie noch ein bisschen Mimose spielen, weil ihnen ihre Ängste und die Fassade noch wichtiger sind.

    Sorry, dass ich da so hart bin, ich bin in einem trinkenden Elternhaus aufgewachsen, und ich hab meine Mutter schon mal gefragt, warum sie eigentlich unbedingt Kinder haben musste, wenn sie mit ihrem eigenen Leben schon nicht klarkommt. Schon mal drüber nachgedacht, was Du ihnen damit mitgibst, wenn Du Dich von Deinen Ängsten steuern lässt und ihnen vorlebst, dass man ohne Alkohol nicht leben kann?


    Angst.. Wie die anderen denken weiß ich nicht. Kommt schon darauf an wie du im Leben stehst. Ob du nichts mehr zu verlieren hast und Co.
    Ob dein Job dadurch gefährdet ist. usw.

    ich war im Laufe der Zeit in mehreren Gruppen. Meist wars gemischt, ein paar Teilnehmer hatten ziemlich viel zu verlieren, Ärzte, Rechtsanwälte, und andere weniger.
    Wegen mir musst Du ja nicht, ich habe auch erst mal ohne Gruppe aufgehört und war lange alleine unterwegs, aber ich habe immerhin aufgehört. Angst hatte ich keine, konnte mir nur nicht richtig vorstellen, dass mir das was bringt. War immer mehr ein Mensch, die Dinge mit mir selbst auszumachen, und ich hatte halt auch falsche Vorstellungen, dass da nur Rückfällige und halb Vertrocknete sitzen. Was haben wir gelacht.