Beiträge von Susanne68

    Hallo Hadi,

    die Ängste, die Du vor dem Aufhören hast, hatte ich auch alle. Und es ist sicher sehr löblich, das Du dir Gedanken darüber machst. Ich glaube aber, jeder, der noch nicht wirklich spürt, wie schlecht es ihm geht, hat Schwierigkeiten, das durchzuhalten.

    Wenn es bei mir bei so einer, sorry für meine Ausdrucksweise, Hobby-Sauferei gebieben wäre, wie Du das hast, hätte ich keinerlei Anstrengung unternommen, damit aufzühören. Das, was du trinkst, galt für mich als "praktisch noch nüchtern".

    Aber falls Du mal dahin kommen solltest, so wie ich ja auch: ich hatte dann schon sehr gute Gründe, damit aufzuhören.
    Und: ich habe mir, wie viele trockene Alkoholiker, das nüchterne Leben dann schon so eingerichtet, dass ich heute sicherlich eher mehr Spaß am Leben habe als damals. Mir geht es heute besser als den meisten "Normalos". Natürlich ist es nicht immer Zuckerschlecken, aber das ist es bei Dir ja wohl auch nicht, obwohl Du trinkst.

    Also die Angst, das ewig als Verzicht zu erleben, das habe ich schon sehr lange nicht mehr. Ich habe mit nüchtern so viel Neues gechaffen, was mir Spaß macht, dass ich froh bin, das ich nicht mehr saufen muss. Geht alles, wenn man das will. Aber alles zu seiner Zeit.

    Ich konnte mir das früher auch nicht vorstellen. Und so lange du so viel Spaß am Trinken hast, kann ichs Dir auch nicht erklären. Ich meine, nur falls Du jemals von Dir aus aufhören willst, so schlimm wie Du glaubst muss das nicht sein.

    Gruß Susanne


    Ich frage mich da, ob du überhaupt eine Chance hattest nicht alkoholkrank zu werden...? Das wurde dir ja sozusagen mit in die Wiege gelegt, wenn man als Kind / Jugendlicher mit dieser Wertvorstellung aufwächst wird man sie auch nicht hinterfragen können, das ist dann wirklich die Normalität. Wie soll man da nicht in die Spuren der Eltern treten?

    so einfach ist das nicht. Ich habe - Stichwort Rebellion - überhaupt nicht gemacht, was meine Eltern mir vorgelebt haben, ausser es wurde eben durch meine eigenen Erfahrungen bestätigt, so dass ich mich selbst davon überzeugen konnte.
    Die inneren Einstellugen waren sicher subtiler, aber die wurden auch durch eigene Erfahrungen untermauert. Sicher waren auch selbsterfüllende Prophezeiungen darunter, wie woanders geschreiben, Wahrnehmung ist selektiv und wird durch das Weltbild gesteuert. Aber ich hatte trotzdem auch eine Menge zusätzliche Erfahrungen, grade weil ich ja meine Ängste gegenüber meinem Vater und meiner Mutter überwinden musste und mich von da an von Ängsten nicht mehr so sehr leiten liess und ich gleichzeitig auch nicht besonders naiv war, ich war ja selbst immer kurz davor, das Schlechteste anzunehmen und dementsprechend auf der Hut. Und eine gewisse Schläue hatte ich durchaus auch.
    Selbst meine Mutter fragt mich bis heute oft, ob ich eigentlich überhaupt keine Angst habe, wenn ich mal wieder irgendwas mache. Ich sage dann, für die anderen bin ich genauso gefährlich wie die für mich, wenn sie mich nicht kennen.

    Bei mir hat es halt auch ins System eingeschlagen. Sicher wurde es mir einfach gemacht, diese Erfahrung zu machen und niemand ist dagegen vorgegangen. Aber wenn es mir nicht gefallen hätte, hätte ich das nicht so weitergemacht. Ich hätte da nie so lange daran festgehalten, wenn es die positiven Wirkungen nicht gegeben hätte. Ich habe bis zum Schluss immer wieder nach einem bestimmten idealen Rauschzustand gesucht, den ich ja auch schon mal erlebt hatte. Insofern kann ich die Verantwortung dafür nicht so einfach an meine Eltern abgeben.

    Gruß Susanne

    Im übrigen ist mir damals kein Licht aufgegangen. Das war wohl ein kleines Missverständnis.

    Ich bin halt gegen den Befehlston und die teilweise körperlichen Angriffe in Rebellion gegangen, sobald ich so 12, 13 war, was natürlich zu Reaktionen und mit der Zeit zur Eskalation führte, weil das natürlich nicht ging. Widerworte gegen die Eltern, Du hast sie ja wohl nicht alle...

    Gleichzeitig war ich da schon alt genug, wenn es mir schlecht ging, hiess es, trink einen, dann gehts Dir besser. "auch einen Schnaps"? Die Problemlösung überhaupt.
    Jedes Verständnis für eine Jugendliche, die so betrunken ist, dass sie nicht mehr laufen kann, war mir sicher. Das war ja schliesslich "normal in dem Alter".

    Und weil ich sie mit Saufaktionen ja gar nicht schocken konnte, bei der Rebellion, denn so waren sie ja selbst, kamen mir die Drogen grade recht. Die störten sie und ihre Wohlstandsfassade nämlich durchaus.
    Und die hatten ja auch interessante Wirkungen. Eine Win-Win Situation, damals, so, für mich, wie ich damals tickte.


    Susanne du sagst so mit 7 oder 9 ist dir ein Licht auf...dachtest du da dein Vater ist krank, abhängig, ein Trinker oder einfach nur ein jähzorniger Mensch? Also brachtest du sein Verhalten mit dem Alk oder Stoff in Verbindung damals?

    dass ich aus einer Familie stamme, in der das Trinken viel zu normal war, ist mir erst dann aufgegangen, als ich meine eigene Sucht-und Familiengeschichte für die Einzelstunden in der Suchtberatung aufschreiben musste. Also als ich bereits selbst aufgehört hatte.

    Damals hatte ich diesbezüglich null Überblick. Meine Mutter "verkaufte" es mir so, dass mein Vater sehr viel Stress und Ärger bei der Arbeit hatte, und ich ausserdem ein sehr ungezogenes Kind bin, das ihm und ihr sehr viele Schwierigkeiten macht. Und ansonsten noch die böse Welt, alles Arschlöcher, also eigentlich so die üblichen Schuldzuweisungen. Da wars ja sebstverständlich, dass er so schlechte Laune hatte.

    Und es war natürlich nicht der Alkohol, sondern mit dem Alkohol wurde das überhaupt nur erträglich. Und zwar für beide. Spruch meines Vaters, das Leben ist nur im Suff auszuhalten, meine Mutter die typische, "wer Sorgen hat, hat auch Likör". Und wenn man sich irgendwas gönnen will, dann trinkt man auch. Also im Prinzip finde ich da meine gesamte spätere Lebenseinstellung wieder.
    Und wenns mir schlecht ging, war ich sowieso selbst schuld, weil ich halt ein böses und ungezogenes Kind war. Da ich nichts anderes kannte, habe ich das auch lange geglaubt.

    Das ist nicht so auf die leichte Schulter zu nehmen, den Kinder trinkender Eltern haben sehr oft irgendwelche Schäden, entweder haben sie ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst irgendwann eine Sucht zu entwickeln, oder sie zweifeln eben wegen dieser verschobenen Wahrnehmung ein halbes Leben an sich selbst und landen irgendwann in Therapien, da gibts noch mehr Möglichkeiten. Muss nicht sein, und damit habe ich mich auch zu wenig beschäftgt, ich bin den Weg gegangen, mein Chaos Kindern gar nicht erst zuzumuten.

    Ich hab dann halt selbst eine Sucht entwickelt, was für mich tatsächlich den Vorteil hatte, dass ich das dann auch von "innen" kannte und ganz anders verstanden habe, was da abgelaufen war, als wenn ich diese Erfahrung nicht hätte.

    Gruß Susanne

    Hallo Rina,

    bei mir hat auch mein Vater mehr getrunken. Meine Mutter trank zwar auch ganz gern, aber nicht so viel und ansonsten war sie eher typisch Co und versuchte sich den Launen meines Vaters anzupassen. Sie versuchte allerdings auch, wegen meinen Fehlern bei ihm nicht in die Schusslinie zu kommen und hat mich dann nicht vor ihm beschützt, sondern eher verpetzt. Insofern war sie leider auch keine Verbündete von mir. Und sie hatte ihre eigenen Macken.

    Mein Vater war von der eher gefährlichen Sorte. Wenn er da war, tat ich am besten, als ob es mich gar nicht gäbe. Nur nicht reizen, war völlig unberechenbar, wann er explodierte. Bei ihm war mit Gewalttätigkeit zu rechnen. Also wäre ich die meiste Zeit am liebsten in einem Loch verschwunden, aber manchmal suchte er auch nach mir wenn er grade einen Zorn hatte. Insgesamt war er ein ziemlich wütender und wohl auch einsamer Mensch.

    Das war in etwa so, als ich so alt war wie Deine Kinder, aber auch noch länger. In der Pubertät und im frühen Erwchsenenalter setzte er mich manchmal so unter Druck, trieb mich auch gewälttätig in die Enge, bis mir der Kragen geplatzt ist und ich ihm trotz meiner fürchterlichen Angst vor seiner Reaktion meine Meinung gesagt habe. Dann war es erst mal erst recht am kochen, trotzdem bin ich eigentlich froh, dass ich es so gemacht habe, sonst wäre ich untergegangen.

    Als ich in die Pubertät kam, entdeckten wir endlich eine gemeinsames Interesse. Meine Mutter hatte sich immer beschwert, dass er nie etwas mit mir unternahm, dass für ihn alles nur Kinderkram war. Aber von ihm standen halt noch Kletterbücher in den Regalen weil er vor der Ehe selbst gern gegangen war. Erst wollte er nicht, weil er keine Lust hatte, mit mir, aber dann hat ihn das plötzlich beeindruckt wie ich los bin. Wir sind dann oft ohne meine Mutter los. Das hat uns dann mehr verbunden, gleichzeitig haben wir uns dann aber abends auf den Hütten auch gemeinsam betrunken. Und da wurde mein Vater dann wesentlich offener, zum Teil dann eher sogar selbstmitleidig und hat sein Leid geklagt. Zu Hause hatte er kaum darüber geredet, alles in sich reingefressen und Terror verbreitet.

    Gleichzeitig kam heraus, dass er im Grunde auch total Angst davor hatte, wie ich ihn sehe. Und zu Hause wurde es dadurch nicht einfacher, da es trotzdem absolut nach seinem Kopf gehen musste, er keinerlei widerspruch duldete und er mir aber auch sagte, ich müsste meinen Kopf auch durchsetzen, nur wenn ich es gemacht habe, konnte er absolut nicht damit umgehen.

    Also man konnte es ihm eigentlich nie recht machen, so rum oder anders rum, irgendwas war immer falsch. Wie gesagt, nur in den Bergen war es anders, und gemeinsam trinken ging irgendwie auch, so lange es nicht zu viel war.

    Du fragst, was Du tun kannst? Bei uns ist das ja zumindest während meines halben Lebens miteinander schief gegangen und von daher wäre das wohl eher theoretisch, was ich dazu sagen könnte.
    Was unser Verhältnis aber irgendwann doch noch geklärt hatte war, dass er mir, als ich selbst schon mit dem trinken aufgehört hatte, bestätigt hatte, dass meine Wahrnehmungen früher richtig waren und dass es so beschissen war, wie ich es in Erinnerung hatte. Also dass ich eben nicht spinne oder mir nur was einbilde.
    Von daher kann ich mir vorstellen, dass es Deinen Kinder helfen könnte, wenn Du Dich ihnen "zeigst". Ja, Du warst so und es war soundso.
    Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit, wie von Biene im Prinzip auch schon so gesagt.

    Und ansonsten hat es mir als Kind/Jugendlicher sehr geholfen, dass ich andere Familien kannte, wo ich aus und ein gehen konnte, wenn es zu Hause nicht auszuhalten war, und wo sich mein Weltbild ein bisschen erweitert hat, so dass ich das, was zu Hause war, auch mit einer gewissen Distanz betrachten konnte.

    Gruß Susanne

    Zitat

    dass sie vielleicht auch nicht auf Alkohol in Saucen oder sonstigen Speisen achten müssen, etc.

    Ich würde, glaube ich, dann hellhörig werden, wenn ich unter einer Auswahl sonst - für mich - geschmacklich mehr oder weniger gleichwertiger Speisen diejenige mit der Rotweinsoße nehmen würde, WEIL Rotwein drin ist. Ich nehme sie aber TROTZ Rotwein und nur in absoluten Ausnahmefällen.
    Normalerweise vermeide ich den Alkohol auch, kochen tue ich damit nie, ich mache halt mit ähnlichen Überlegungen wie Du, Gerchla, da alle Jahr oder so mal eine Ausnahme, wenn sich das dann so ergibt. Horche in mich rein, ob ich eine Rückfallgefahr am Horizont sehe, und dann, die Menge merke ich ja gar nicht.

    Ich bin da erst mal mehr oder weniger naiv reingetappt, weil ich mich anfangs kaum damit beschäftigt habe. Und ich habe dann gemerkt, das ich nichts merke, noch bevor ich lange darüber nachgedacht hatte. Das wäre für mich reines Kopfkino, wenn ich da jetzt damit anfangen würde.

    Alkoholfreies Bier interessiert mich schon alleine deswegen nicht, weil ich das noch nie mochte. Wenn ichs mir recht überlege, hat mir nichts davon wirklich geschmeckt. Oder so minimal, dass ichs leicht ersetzen konnte.

    Gruß Susanne

    Hallo Britt,

    Hoffentlich wars kein Alptraum :D

    Spontan musste ich erst mal lachen, als ich das gelesen habe, und man könnte sich da sicher kreativ betätigen.
    Trotzdem wäre das, glaube ich, nichts für mich :)...zu kapriziöses Publikum 8)

    Gruß Susanne

    Hallo Schnisskettchen,

    schön, dass Du geantwortet hast. Ich wünsche Dir, dass das alles so klappt wie Du das möchtest. Sieht ja ganz gut aus, so wie Du das schreibst.

    Zitat

    Geht's du in eine SHG oder machst du sonst irgendetwas zur Unterstützung deiner Abstinenz?

    Meine Abstinenz läuft schon lange ziemlich von selbst, ich musste wenig damit kämpfen, nachdem es geschnackelt hatte. Von daher mache ich eher nichts dafür. Meine ganz normales Leben ist halt giftfrei, und ich halte mich bei Laune.
    Ab und zu bin ich halt in Situationen, wo ich mehr drüber nachdenke, oder ich helfe Anderen und denke da auch drüber nach. Und ich beschäftige mich mit ein bisschen Fachwissen, weil es mich auch selbst interessiert.

    Das ist, wenn ichs mir recht überlege, auch das was ich eigentlich rüberbringen will, dass man ganz normal, und ohne sich besonders einzuschränken, leben kann, auch wenn man das mal "hatte". Ich wünsche es jedem, dass er das nicht als Verzicht erlebt und sich damit nicht plagen muss, sondern sich einfach befreit fühlt.

    Gruß Susanne

    Du findest diese Begriffe also blöd, weil sie nicht in der Leitlinie stehen?
    OK. Jedem seine Meinung.

    Ich sag nur mal MEiNE Meinung dazu, die darfst Du gerne auch blöd finden, damit lebe ich dann.

    A) wird die S3-Leitlinie für alkoholbezogene Störungen momentan überarbeitet und es kann gut sein, dass das kontrollierte Trinken dann als zusätzlich mögliches Therapieziel definiert wird. Und das weiss ich nicht nur von Google, sondern auch von diversen Gruppenleitern.
    2022 soll das neue ICD 11 das bisherige ICD 10 ablösen, also da ist momentan nichts in Stein gemeisselt.

    B) machen wir hier im Forum keine Behandlungsverträge und vereinbaren keine Therapieziele, sondern geben bestenfalls niedrigstschweilige Hilfe zur Selbsthilfe. Hier kann jeder kommen und gehen, wie es ihm beliebt, hier gibts keine Erfolgskontrolle und die meisten, die hier aufschlagen, wissen wahrscheinlich noch nicht mal genau ob sie überhaupt aufhören und dafür auch was tun wollen.

    Ich selbst mache das nach bestem Wissen und Gewissen, aber absolut freiwillig, ich kriege kein Geld dafür und habe keine vertraglichen Verpflichtungen, die ich erfüllen muss - im Gegensatz zu den Kliniken - und sobald ich keine Lust mehr dazu habe oder mir jemand deswegen zu blöd kommt, höre ich sofort damit auf.

    Und ich bezweifle sehr stark, ob Richtliniensprache für so ein Forum oder überhaupt für Gruppen das Richtige ist, um absoluten Anfängern bei dem Thema bei der Erkenntnis ihrer Problematik zu helfen. Und ich bin nun mal definitiv nicht dran gebunden.

    Damit ist das für mich so weit fertig.

    Hallo Britt,

    zu Kliniken gebe ich keinerlei Empfehlungen, weil ich mich da überhaupt nicht auskenne und eigentlich gar keine Meinung dazu habe. Alles, was ich darüber weiss ist, was mir andere Leute erzählt haben und was Google findet. Wenn jemand was behauptet, gucke ich halt manchmal nach, was ich sonst noch dazu finde. Und ich kenne auch ziemlich viele Erzählungen, aber es ist mir im Grund ja auch irgendwie egal, es betrifft mich nicht persönlich.

    Also zu dem, was Du in bezug auf Therapie findest, kann ich nur sagen, Du wirst Deine Gründe haben. Ich selber habe einen Antrag auf Langzeit zwar noch gestellt, aber vor der Kostenzusage bereits wieder zurückgezogen, was nichts mit den Therapiemöglichkeiten zu tun hatte, so weit war ich noch gar nicht, sondern weil sich etwas Anderes auftat. Nicht meine Baustelle.

    Meine Rückfrage bezog sich auf das, was Du an den Begriffen "kontrolliertes Trinken" und "funktionierender Alkoholiker" nach Deiner Aussage blöd findest, denn mein Interpretationsversuch hat Dir ja offensichtlich nicht ganz gefallen und ich kanns aber nicht nachvollziehen, was Du eigentlich meinst. Und ich verwende diese Begriffe aber und ich weiss, was ich darunter verstehe, das sind kurze Begriffe für die man sonst lange Erklärungen schreiben müsste, bei dem ders kennt. Den ganzen Menschen umschreibe ich, weil das ja auch irgendwie fiel, ja auch mit dem Begriff alkoholkranker Mensch nicht, denn das ist ja auch nur ein Teilaspekt. Ich bin ja auch noch irgendewo unterwegs, wo das überhaupt gar niemanden interessiert und wo völlig andere meiner Eigenschaften interessant sind.

    War eigentlich nur eine Frage, was Du damit sagen wolltest, weils mich interessiert. Haben diese Begriffe irgendwelche Auswirkungen auf Dich? Was Du natürlich nicht beantworten musst, denn Du musst ja so wenig wie ich. Und ob das mit der Therapieform damit überhaupt was zu tun hat oder ob das nur meine persönliche Interpretation war, wie solche Begriffe überhaupt zustande kommen könnten und sich vielleicht historisch so entwickelt haben, das weiss ich ja selber nicht.

    Gruß Susanne

    Egal, ich hätte auch andere gefunden.

    Wenn Du das so siehst, siehst Du das so. Ich hab jedenfalls kein Problem mit den Begriffen.
    Sind für mich nur Beschreibungen im Rückblick. Als ich noch getrunken habe, sah das für mich im jeweiligen "Jetzt" sowieso anders aus. Da habe ich solchen Begriffen gar nicht gedacht.

    Vielleicht magst Du trotzdem erzählen, was Dich daran momentan so stört.

    Ja.

    Trotzdem ist, wer seinen Job noch macht - auch die Hausfrau - funktionierend.
    Und ich hab nicht nur nach innen funktioniert, sondern mir in der Endzeit meiner Suchtkarriere noch die Beurteilungen (von aussen) erarbeitet, mit denen ich, frisch trocken, dann als Führungskraft eingestiegen bin. Mit diesen Zeugnissen aus meiner "Endzeit" wurde mir gesagt, das ich mich zu bilig verkaufe. Wenn das nicht funktioniert hat, was dann?

    Ich glaube es geht da eher drum, wen man wegen seiner Trinkerei und den Fehlern, die er deswegen macht, dann wirklich schon sanktionieren und unter Zwang setzen kann, sich irgendwie anzupassen. Und das geht bei einem "funktionierenden" eben nicht.

    Ich weiss nicht genau, wie es heute ist, zu lange nicht damit beschäftigt, aber bis vor nicht allzulanger Zeit bekamen Alkoholiker im Rentenalter keine Therapie mehr bezahlt, weil man da die Arbeitsfähigkeit (das Funktionieren) nicht mehr wiederherstellen musste und das war schliesslich das Therapieziel, da gings nicht drum, jemanden glücklich zu machen. Das war höchstens Nebeneffekt. Wenn Du nicht mehr funktionieren musst, kannst Du gucken wo Du bleibst.

    Und zumindest das Angebot für Senioren hat sich kaum verbessert, wie es mit der Rechtslage gerade ist, weiss ich jetzt nicht. Also der Grundgedanke gilt wohl immer noch.

    Ja, in Obelix auf Kreuzfahrt nahm er einen tiefen Schluck und wurde darauf hin zu Stein und im weiteren Verlauf zum kleinen Kind.

    Ich hab normalerweise gar keine Lust, die Frage nach dem "warum" überhaupt aufkommen zu lassen. Und dass ich nicht darf, würde schlicht nicht stimmen. Mir wäre das immer noch egal, was dann passiert, wenn es mich überzeugen würde.


    Und mit Trinkenden meine ich jetzt aber RICHTIG Trinkende. Sie hat kein Problem bei einer Feier, wo es auch feuchtfröhlich wird, dabei zu sein. OHNE selbst zu trinken.

    hab ich auch nicht. Hier ist normalerweise (dieses Jahr fällt aus) im Sommer Stadtfest. Da gibts alles Mögliche von Umzügen über Festplatz bis Rockkonzerten und die Kneipen haben verlängert auf. Und da ich ja wieder in die Stadt zurückgegangen bin, in der ich in der Schule war, kenne ich da natürlich einige Leute. Und ich bin von Umzug bis Rockkonzert überall als Zuschauer dabei.

    Früher, noch im Gymnasium, war ich da selbst meist so besoffen, dass ich ausser unserem Stammbierkeller, in dem wir uns eigentlich die ganze Zeit aufgehalten haben, und dem danebenliegenden Gebüsch zum zwischendrin ein bisschen abliegen nicht sehr viel mitgekriegt habe.

    Und heute kann ich ja um die Häuser ziehen und bin nicht um 10 schon fertig :D...aber einige Andere. Die Besoffenen interessieren mich eigentlich nicht so, aber manche meiner früheren Bekannten haben dann auch reichlich getankt und labern mich dann voll. Ich hab das Glück, das ich nüchtern mindestens so gut blödeln kann wie früher betrunken, und ich sage dann einfach ja, ja, irgendeinen Spruch dazwischen dass alle lachen und alle sind glücklich. Ansosonsten ist halt Sommernacht, Sound, Altstadt, Feste, gucken, ich mag das. Ich amüsiere mich persönlich besser als früher.

    Ich kenne einen seit über 20 Jahren trockenen Alkoholiker, der ist 60 Jahre alt wie ich und hat eine Hard-Rock-Kneipe. Und das dazu passende Publikum. Der ist während seiner Zeit als Wirt trocken geworden.

    Gruß Susanne

    Mei, ich war in 19 Jahren Trockenheit nach Maßgabe mancher 120-prozentiger schon mindestens 10 Mal rückfällig.

    Einfach, weil ich manchmal bewusst was bestelle, wo Alkohol drin ist. Nicht viel, aber immerhin. Grade am Wochende wieder mal, auf der Speisekarte eines Restaurants war ausgerechnet das, was mich von der sonstigen Zusammenstellung her am meisten anlachte, mit "kräftiger Rotweinsoße"
    Mir ist es auch schon passiert, dass ich, obwohl ich direkt gefragt habe, einen Nachtisch bekam, der deutlich angereichert war. Das ist den Leuten gar nicht bewusst, dass das Alkohol ist. Und der Nachtisch war aber eine lokale Spezialität, total lecker. Ich hab in gegessen. Merkte sogar eine Spur Wirkung, war mir aber eher unangenehm, ging auch nur ein paar Minuten, so viel wars ja nicht. Aber ich habs auch nicht vermisst, als es vobei war.
    Und ich esse so viel Obst und trinke Fruchtsäfte, die nachgewiesenermaßen kleine Alkoholmengen enthalten, aber das habe ich ja noch nie wegen der Rauschwirkung konsumiert. Wäre wohl auch schwierig.

    Woanders hätte ich jetzt eine Diskussion, wie viel Risiko ich eingehen will und ob ich probieren will, obs nicht doch mal wieder ginge. Ob ich mich da dran taste. Ich hatte schon solche Diskussionen. Die Diskussion mag auch ganz nützlich sein, um das Bewusstsein dafür zu schärfen und in sich reinzuhorchen, wie es wirklich aussieht. Das ist bei mir aber definitv nicht so und das weiss ich. Mir macht das keine Probleme. Restrisiko..daheim im Bett sterben die Leute.
    Andererseits weiss ich natürlich schon, dass das manche dann absolut triggern würde. Und ich müsste auch gegensteurrn, wenn das bei mir so wäre. Wurde ich dann aber auch machen.

    Ich meine, ich hatte mal ein Problem, das ich loswerden wollte. Das bin ich los geworden und bislang kam es nicht wieder. Darum gehts doch, nicht um die hundertprozentige Einhaltung bestimmter Regeln.

    Gruß Susanne

    Obelix quengelt immer rum, dass er nicht darf.

    Und den Eindruck erwecken, dass man nicht darf, erweckt in manchen Leuten das Bedürfnis, einem ein bisschen unterstützend unter die Arme zu greifen, dass man sich eins doch erlauben könnte.

    Jeder, wie ers mag....

    Vorab: das ist keine Rechtsberatung. Darf ich nicht. Suchtberatungsstellen an Deinem Wohnort sollten da aber jemanden wissen, der weiterhelfen kann. In der Entzugsklinik kann Dir vielleicht auch jemand verbindliches sagen.

    Ich selbst hatte das Glück, dass ein Projekt abgeschlossen war und ich dann erst mal was Neues finden musste. Was aber kein Problem war, denn in meiner Branche waren die Headhunter unterwegs. Ich musste sie nur ein bisschen bremsen.
    Jetzt bin ich schon lange selbstständig.

    Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit, man kann dafür nicht gekündigt werden, bevor nicht bestimmte Dinge vorgefallen sind (weitertrinken trotz Therapie und Abmahnung, grobe Verfehlungen, in der Richtung). Es besteht halt Mitwirkungspflicht zur Heilung, aber auch erst wenn es bekannt wurde. Und auf der Krankmeldung steht das nicht.
    Während der Krankmeldung kannst Du meines Wissens nicht gekündigt werden, hinterher sieht es allerdings anders aus. Aber Therapie dient ja auch der Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit, das hängt ein bisschen davon ab wie Dein Arbeitgeber gestrickt ist. Viele unterstützen das sogar, aber nicht alle.

    Gilt auch für Langzeittherapie.

    Manchmal ist es besser, es offen zu legen, vor allem wenns Gerüchte gibt. An sich bleibt das aber jedem selbst überlassen, wie er das macht.

    Und wenn er das als betriebsbedingte Kündigung laufen lassen kann, was ja momentan recht einfach ist, sieht das vielleicht noch mal anders aus. Grade deswegen würde ich mir da wirklich Rechtsberatung holen. Ich weiss aus Erfahrung, dass viel machbar ist, auf das man selbst gar nicht kommt. Aber das gibts natürlich auch für Arbeitgeber, die jemanden los werden wollen.

    Da ist mal noch ein Satz speziell für unsereins


    Quelle https://www.haufe.de/personal/haufe…3_HI521566.html

    Vor eineinhalb Jahren waren wir ausserhalb der Saison auf Kreta in ein paar abgelegeneren Dörfern.
    Da wurde es relativ familiär und zweimal waren die Wirte in ihrer Gastfreundschaft fast persönlich beleidigt, als wir die Getränke abgelehnt haben..
    Das wollte ich nicht, weil wir sonst sehr gut behandelt wurden.

    Zweimal, in zwei verschiedenen Dörfern, wurde dann daraus Gespräche, wie viel zu viel dort in manchen Dörfern gesoffen wird. Im Verborgenen, von Leuten die gar nicht in der Öffentlichkeit erscheinen, abseits des Tourismus. Aber auch die eine Wirtin selbst, und ihr Mann.

    Wir bekamen dann Mokka, und meistens noch was extra für die gute Unterhaltung.