Beiträge von Susanne68

    Mal noch was, mit dem Du vielleicht mehr anfangen kannst.

    Ich hab mir damals überlegt, dass ich nicht alle Probleme aus der Welt schaffen kann. Irgendwas, was sich meiner Kontrolle entzieht, bleibt immer. Irgendwer oder irgendwas kann mich immer ent-täuschen. Was aber auch mit meinen Erwartungen zusammenhängen kann. Eine Ent-Täuschung ist eine Folge einer (Selbst-) Täuschung, man macht sich halt gerne was vor.
    Auch, wenn ich nüchtern meine Probeme anders angehen kann, wird nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Aber natürlich habe ich in 19 Jahren Trockenheit auch manches anders geregelt, als wenn ich weiter getrunken hätte. Da würde ich vermutlich sowieso nicht mehr leben.

    Aber die Entspannung und die Feierlaune, die ich mir vom Alkohol immer erwartet hatte, trat ja auch nicht mehr ein, da ich ja meistens deutlich über den Durst getrunken habe und dann zwangsläufig der Katzenjammer kam. Trinken brachte mir nichts mehr, ausser Problemen, die ich dann erst vom Trinken richtig hatte. Und das fällt ja dann schon mal weg, wenn ich ohne Rückfälle bleibe.

    Mir war dann eben klar, ich kann nicht drauf warten, bis ich alles gelöst habe, sondern ich muss mit verschiedenen Situationen einfach anders umgehen, wie bis da hin. Mein "Problemlöse- und Entspannungs" - Verhalten musste sich ändern.
    Ich kann nicht alles ändern, aber ob ich deswegen trinke, das habe ich absolut in der eigenen Hand. Und das gibt mir auch Sicherheit in punkto Angst vor Rückfällen, weil ich weiss, dass ich immer andere Möglichkeiten habe, ganz egal was kommt.

    Ich habe dann Verschiedenes gemacht, was Du hier auch an mehreren Stellen nachlesen kannst. Momentan habe ich nicht so viel Zeit und Lust, das alles noch mal im Detail zu beschreiben. Natürlich war es erst mal nicht so einfach, wie in den Laden zu gehen, um etwas zu Trinken zu kaufen. Es war schon eine Umstellung und ich musste lange daran arbeiten. Und auch bei diesen Bemühungen hätten mich Rückfälle zumindest sehr weit zurück geworfen, wenn sie es nicht unmöglich gemacht hätten.

    Mir war bei allen Schwierigkeiten (nachdem ichs geschnallt hatte) immer klar, wenn ich wieder mit dem Trinken anfange, kann es nur schlechter werden. Wie ist das bei Dir, vielleicht macht genau das den Unterschied? Was verbessert Trinken bei Dir?

    Bei mir wars halt so, dass Alkohol sehr kurzfristig meine inneren Spannungen gelindert hat, aber langfristig hat er sie vergrößert. Erst mal gings kurz besser, um danach um so schlechter zu werden. Und das "besser gehen" funktionierte immer kürzer, am Ende waren es nur noch Minuten. Vor dem ersten Drink dachte ich aber immer, "nur den einen", aber dabei bleib es halt nur in Ausnahmefällen, wenn wirklich was Dringendes anstand. War dann viel einfacher, gar nichts zu trinken, als mich mühsam zu bremsen, wenn ich mal angefangen hatte, was ich meistens ja auch gar nicht wollte. Bis zum nächsten Morgen, das nächste mal höre ich früher auf....gar nicht erst anfangen war die Lösung.

    Heute geht es mir viel besser, als zu den Zeiten, als ich noch getrunken habe. Feiern kann ich schon lange nüchtern, ohne das ich mir am nächsten Tag mühsam überlegen muss, was für Mist ich wieder gebaut habe. Und da ich nach Mitternacht immer noch weiss, was ich sage, ist es meistens sogar lustiger als früher. Probleme werfen mich schon lange nicht mehr aus der Bahn. Und mein gesamtes Lebensgefühl ist völlig anders. Saufdruck, da Du fragst, ich weiss fast nicht mehr wie sich das anfühlt, hatte ich ganz am Anfang mal aber nur sehr sporadisch, jetzt schon sehr lange nicht mehr. Was sollte ich denn auch damit? Käme aber auch bei mir sehr wahrscheinlich wieder, wenn ich es probieren und darauf anlegen würde, aber warum sollte ich das wollen?

    Also für mich habt sich das absolut gelohnt. Es ist heute schon lange keine Härte mehr, sondern Lebensgefühl und Überzeugung, aber wenn ich am Anfang nicht konsequent gegen meinen eigenen inneren Schweinehund gewesen wäre, dann wäre ich nie da hin gekommen.

    Gruß Susanne


    Susanne:


    Ist doch irrelevant, ob mir Deine Art gefällt oder nicht. Du musst mit Dir leben.


    Dann ist es ja gut, dass ich es nicht darauf anlege oder mir wichtig ist, ob Du irgendwas von mir positiv oder negativ bewertest.

    sagen wir mal so, immerhin muss ich mich nicht mit Rückfällen rumschlagen. Besser wie nix, nä?

    Und mir wars halt klar, wenn ich mir irgendwas als Grund durchgehen lasse, dann wird das nie was. So wie ich das bei Dir ja sehe. Wegen einer Enttäuschung trinken, da säufst Du halt weiter.

    Ich bewerte da bei Dir nichts und ich muss das auch nicht bewerten, denn ich muss auch nicht mit Deinen Rückfällen klar kommen. Spielt für mich ja keine Rolle, ob Du trinkst oder nicht. Vielleicht ist es für Dich ja vollkommen in Ordnung, in solchen Situationen zu trinken, das musst ja Du wissen.
    Aber offensichtlich fragst Du ja um Hilfe, hast also wohl ein Problem. Und ich kann Dir da nur insofern einen Tip geben, in dem ich sage, solange Du in irgendwas einen Grund zu Trinken siehst, wird das so weiter gehen. Was Du daraus machst, ist Deine Sache.

    Gruß Susanne

    Übrigens sorry, Britt, das ich das so gekapert habe, ich hoffe Du liest das wenigstens mit Gewinn oder es macht Dir zumindest nichts aus. Sonst musst Du es halt sagen.

    Gruß Susanne

    Normalerweise löst Angst oder Stress eine Fluchtreaktion aus. Das System wird hochgefahren, man rennt weg oder kämpft, und dann wird das System wieder runtergefahren. Das ist die normale Reaktion, auf die der Körper durch die Evolution gut eingestellt ist.

    Meistens führt ein Einzelereignis nicht zu einer PTBS, sondern erst mehrfache Erlebnisse oder eine Situation, aus der man nicht entkommt. Da sind wir bei EKA oder so. Sauferei ist für den Körper auch Dauerstress. Eine unglückliche Ehe eventuell ebenfalls, oder ein ungeliebter Job. Und Dauerstress führt eben dazu, das das System nicht mehr heruntergefahren wird, und das Cortisol, das der Körper dann dauerhaft in zu hoher Dosis ausschüttet, schädigt gewisse Bereiche des Gehirns. Und das macht dan wiederum empfindlicher für Alkohol und gewisse Drogen bzw. auch Benzos. Teufelskreise.

    Im übrigen ist das ja auch die Bedeutung von "psychosomatisch" - körperlich und geistig, mit Leib und Seele.

    Naja das gibts halt so einen Wirkungskreis zwischen Hippocampus, wo die Erinnerungen organisiert werden, Amygdala= Mandelkern= Angstzentrum und präfontalem Cortex, der bei der Verhaltenssteuerung eine große Rolle spielt, der ist bei PTBSlern gestört. Nachweislich werden auch Dopamin und Serotonin anders ausgeschüttet. Hat auch was mit der Nebennierenrinde und dem Cortisol zu tun, was bei Dauerstress ausgeschüttet wrd und Hirnzellen schädigt. Und Alkohol wirkt genau an der gleichen Stelle und verstärkt die Störungen. Betäubt das erst mal aber gleichzeitig geht dann ohne Alkohol noch weniger. Und konserviert gleichzeitig die PTBS.
    Ansonsten das warum..das wurde schlicht empirisch festgestellt. Es ist ja immer ein Problem, wie der organische Befund mit dem bewussten Erleben korreliert, warum das so ist, weiss man ja zum Teil noch gar nicht, man kann nur feststellen, das bestimmte Änderungen im organischen sich eben so auswirken. Jedenfalls werden da sicher irgendwo Synapsen auf- andere abgebaut, und das Gleichgewicht der Neurotransmitter wird auch verändert, wobei Alkohol als Wirkstoff sicher auch ein Rolle spielt, wirkt an manchen Synapsen dämpfend und an anderen enthemmend.

    Missbrauchsopfer...unter Süchtigen gibt es eine Menge PTBS-ler, wobei das wie bei Depressionen ein Henne-Ei-Problem ist, was war zuerst da und was wird wodurch verstärkt. Und ich glaube eine Menge EKAs sind ebenfals PTBS-ler, meine Kindheit gibt da jedenfalls auch Möglichkeiten her. Und was im Suff dann so alles schief geht, kann das wieder wecken oder auch erst hervorrufen. Wie viele betrunkene Frauen wurden dann unvorsichtig oder wirken als wehrloses Opfer, mit dem mans machen kann? Oder man wacht morgens in irgendeinem Bett auf und fragt sich was eine geritten hat. Und wie viele Alkoholiker hören sich an, dass sie ein Stück Scheixxe sind, oder werden mit Hass konfrontiert usw usf. Deswegen wirken ja Vorwürfe meistens nicht, weil die jeder zur Genüge kennt. Man macht dann zu.

    Bei PTBS-lern verstärkt Stress jedenfalls nachweislich das Craving, den Suchtdruck.

    Die Wertschätzende, oder was fast das selbe ist, gewaltfreie Kommunikation ist unter anderem ein Mittel, damit PTBS-ler und andere durch Angstörungen irgendwelcher Art beeinträchtigte ihre Abwehr nicht gleich hoch fahren. Denn die Ängste sind ja zwar eingebrannt, aber sie hindern ungemein am (therapeutischen) Zugang oder vernünftigen Reden.

    Kennt jeder unerfahrene Angehörige, der einem Alkoholiker seinen Alkohol wegnehmen will, die gutgemeinte Hilfe wird zuerst als Angriff gewertet. Und das ist auch weder wertschätzend noch gewaltfei, denn oft meinen Angehörge, "die/der muss sich ändern", was sie ja selbst nicht könnten, sie stellen sich also über ihn weil ja nur der Alkoholiker ist ja so schlecht, dass er sich ändern muss, während Co Mutter sich als Mutter Therasa fühlt, also Schuldzuweisung und Anweisungen und "ich bin besser als Du" oder so was in der Art, und zweitens würdigt es auch nicht die innere Logik des Trinkers, dass für den seine Gründe durchaus plausibel aussehen, und wenns noch so daneben ist. Der hat seine Sicht und die hat genausoviel Daseinsberechtigung wie eine andere. Nur kommt er so halt nicht runter, wenn er mal aufhören will, und da muss man ja dann dran kommen. Und dazu muss er erst mal von innen aufmachen und dann sollte er die Tür halt nicht gleich wieder zu machen, wenn er dann nur Vorwürfe hört.

    Im Übrigen ist das Recht auf Selbstbestimmung natürlich oft eines, was man sich erkämpfen muss. Gegen den Willen anderer, die über einen bestimmen wollen. Oder das aus Unachtsamkeit oder eigener Interessenlage übergehen.

    Ansonsten glaube ich, dass dieses Thema um so wichtiger ist, je mehr man auf Andere angewiesen ist. Kinder Krankheit Pflege...Und es kommt darauf an, ob man dabei von "Ich und Du", "Wir" oder "Ihr" redet. Ingroup, Outgroup. Halten wir zusammen oder bist Du gefährlich? Was natürlich auch in Beziehungen ein Thema ist.

    Ich selbst bin ja so drauf, dass ich wie erhebliche Teile der Forschung der Überzeugung bin, dass im Menschen ziemlich viel Evolution, tierische Eigenschaften und Steinzeit stecken, dass eine Menge Verhalten Automatismen und Konditionierung folgt, Sucht ist dafür ein Paradethema, Belohnungssystem, Dopaminhaushalt, Neurotransmitter, Anlage und Umwelt, uswusf, und dass zivilisatorische/humanistische Prinzipien - z.B Würde und Wertschätzung - in Krisenzeiten gerne über Bord geworfen werden. Je gestresster jemand ist und um so weniger Zeit und Lust für Überlegungen er hat, desto mehr kommt dieses "Basisverhalten" zum Vorschein...das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, leuchtet mir aber absolut ein. Natürlich auch Fürsorge, aber das kommt ja irgenwo auch aus dem Brutpflegeinstinkt, möglichst erfolgreiche Weitergabe der eigenen Gene.
    Und dazu kommt, dass kaum etwas den Menschen mehr stressen kann, als seine Beziehungen, obwohl oder gerade deswegen, weil er auf sie angewiesen ist und es evolutionär gesehen lebenswichtig ist, dass die funktionieren. Und wir ja erst "heute" in der Lage sind, in vielen Bereichen freie Entscheidungen zu treffen. Noch im Mittelalter wurden Ehen oft als reine Überlebensgemeinschaften geschlossen, natürlich war das leichter, wenn man sich mochte, aber oft gings auch nur drum, was in den Magen zu bekommen. Ich persönlich glaube nicht, dass ein paar Jahrhunderte den Menschen da so grundsätzlich ändern. Und noch heute ist "zu Hause" der riskanteste Ort für Gewalttaten, Kindesmissbrauch etc.

    Wenns bei mir mal rattert, ratterts :)

    Wenn man mal den Begriff Wertschätzung an sich nimmt, und es da um viel oder wenig geht, und damit kombiniert, dass das eine Schätzung ist, dann gehts auch um Genauigkeit. Wie sehr interessiere ich mich für den anderen, um seinen Wert (für mich oder absolut und nach welchen Kriterien, das wäre dann das nächste, was man erst mal festlegen müsste) möglichst genau zu schätzen? Wie viele Details vom Anderen will ich eigentlich wissen, um das ermessen zu können?
    Also welchen Aufwand treibe ich dafür, ist das eine umfangreiche (viel) Wertschätzung oder eine eher nebensächliche(wenig)

    Ach, mir fällt grade noch was ein. Das ganze Geld wurde deswegen erfunden, damit man ganz unterschiedliche Dinge wertmäßig zueinander in Bezug setzen kann. Hat also grundsätzlich damit zu tun, wieviele Windschweine man für 3 Scheffel Weizen kriegt. Oder wieviele Frauen für 20 Kamele.

    Und der Wert ist Verhandlungsache und unterliegt natürlich dem berühmten Gesetz von Angebot und Nachfrage. Was meiner Ansicht nach im Privaten durchaus erst mal auch gilt, wenn der Paarungs/Heiratsmarkt viel Auswahl bietet oder Mangel herrscht, Frauenüberschuss, Männerüberschuss, oder bei unterschiedlicher Attrakivität..Anziehungskraft ist da auch ein Wert, der in die Kalkulation (=Wertschätzung) einfliesst. Und auch Geld, junge Frauen, alte Männer...

    Letzlich muss man wohl selbst wissen, was man sich selbst wert ist. Und selbst das kann wechseln, je nach Zufriedenheit mit sich selbst.

    Guten Morgen,

    ich arbeite absolut wenig mit dem Begriff, aber ich versuchs mal :)

    Erst mal kann ein Wert natürlich hoch oder niedrig sein, und der wird halt geschätzt. Ist für mich nicht automatisch hoch, nur weil das Wort Wertschätzung fällt.

    Um einen Wert zu erkennen und zu schätzen, muss man wissen was ein Wert ist, würde ich sagen.

    Ich hab mal vor langer Zeit als HiWi in einem Gutachterbüro gerabeitet, da hat man Werte geschätzt. Vermögenswerte für irgendwelche Streitereien.
    Von daher kann das schon was mit Geld zu tun haben, was ist meinem Arbeitgeber meine Leistung wert?

    Was sich natürlich auch aufs Private übertragen liesse, was bin ich meinem Partner wert? Was würde er für mich tun um mich glücklich zu machen oder auch nur um die Beziehung zu retten? Da gehts dann vielleicht weniger um Leistung, sondern um Liebe, oder auch um Verlustängste.
    Verlustangst, in dem Zusammenhang überhaupt ein guter Punkt denke ich, den wie ermisst man den Verlust? Der hat ja direkt mit dem Wert zu tun...

    Mein Wert an sich, wie will man das ermessen? Was ist ein Leben wert, wird ja auch gern diskutiert. Im Krieg eher nichts, wenns um spezielle Krankheiten geht eventuell astronomische Werte?

    Wie viel ist mir ein anderer wert? Was bin ich mir selbst wert, wie viel tue ich für mich, wo schade ich mir wider besseres Wissen, wo mache ich nichts, wo ich wüsste, was besser für mich wäre? Mach ich mich klein, mach ich mich groß?

    Ansonsten hat das vielleicht auch noch was mit "ernst nehmen", Respekt zu tun. Wobei ernst nehmen für mich was damit zu tun hätte, jemanden so zu nehmen, wie er ist, weder größer noch kleiner gemacht. Auch nicht auf ein Podest heben, sich nicht einbilden, dass man wüsste wie der zu leben hätte, sich in Bezug auf dessen Bedürfnisse geistig überlegen fühlt, sondern ihm zutraut das er genau so schlau oder auch blöd ist wie man selbst.

    "Größe" wird oft mit der Fähigkeit in Verbindung gebracht, Fehler zugeben zu können und über seinen eigenen Schatten zu springen. Weil man dadurch ja nicht an Wert verliert...

    Das war mal so mein kurzer Brainstorm, mal gucken wem noch was einfällt.

    Wie sieht es eigentlich mit Deiner Fähigkeit aus, Dir auch mal im Kleinen was Gutes zu tun? Etwas zu geniessen? Kleine Rettungsinselchen im Alltag?

    Gehst Du auch mal raus, spazieren oder Sport? Muss ja nicht gleich Leistungssport sein, locker und kurz hilft oft besser. Das wird Dir bei Depressionen vermutlich auch ein Therapeut nahe legen, da das ja ziemlich gesichert ist, dass das helfen kann. Wenn man sich aufraffen kann...aber Selbstdisziplin hast Du ja noch, so wie ich das verstehe. Und dafür brauchst Du ja erst mal nicht mal Lust.

    Hallo Charlotte,

    ich hab dem meiner Vorschreiber nicht viel hinzuzufügen. Nur das möchte ich noch sagen:

    Schaff Dir nicht selbst einen Trinkzwang, indem Du denkst, dass Du trinken musst, wenn Du jetzt irgendwas, Therapie, etc, nicht kriegst.

    Man muss nie trinken, der Alkohol überfällt einen nicht und das Glas führt sich nicht selbst zum Mund. Es gibt immer andere Möglichkeiten, und die mögen schwierig sein, aber wenn Du trinkst, dann ist der nächste Tag auch schwierig. Was hast Du fürs Trinken schon alles ausgehalten, das kannst Du fürs Trockenbleiben leicht aushalten. Und irgendwann wird es dann auch leichter, aber nur wenn Du nicht immer wieder von vorne anfangen musst.

    Und wenn Du auf etwas Anderes gerade keine Lust hast, davon geht die Welt nicht unter. Entweder es ist dann sowieso nicht so wichtig oder es läuft schon nicht davon.

    Gruß Susanne

    Guten Morgen,

    gut, dass Du was tun willst.

    ich bin allerdings vor der "harten" Sorte, kann sein, dass Dir das nicht so gut gefällt.

    Ich hab 25 Jahre zu viel Drogen und Alkohol konsumiert, meine Trinkpausen waren erklärtermassen nur Pausen, es war mir immer klar, dass ich die nur mache, um mich von meinen Exzessen zu erholen und um ein bisschen die Kontrolle nicht ganz zu verlieren, also vor allem nicht schon morgens anzufangen und nicht gezwungenermaßen jeden Tag.
    Also im Grund wolte ich mir mit den Trinkpausen die Möglichkeit erhalten, es ansonsten reinlaufen zu lassen wie es mir gerade passte.

    Als ich mal wirklich aufhören wollte, habe ich aufgehört. Und ich weiss alles Mögliche über Sucht, aber ist denke, wen man wirklich aufhören will, dann schafft man das auch. Das Glas für den Rückfall in die Hand zu nehmen ist für mich immer Teil der Entscheidung, wieder zu trinken, auf jeden Fall steht der Wille, trocken zu bleiben in dem Fall nicht zu hundert Prozent. Warum er dann nicht steht, ist ein Thema, mit dem man sich beschäftigen kann, aber so lange man Rückfälle baut kommt man aus diesem Kreislauf nicht raus.

    Und mir ist während 19 Jahren Trockenheit schon so viel passiert, da muss Dir schon einiges einfallen, damit ich das nicht als Ausrede sehe :)

    Die Strategie gegen zu steuern ist für mich ziemlich einfach, das erste Glas stehen lassen. Wenn Du das nicht machst, und das macht man oder lässt es bleiben, kannst Du den Rest glatt vergessen.

    Gruß Susanne

    Guten Morgen Celticgirl

    OK, bisschen älter als ich erst vermutet habe, aber im Vergleich zu mir immer noch zu ziemlich jung :)

    Du musst ihn ja auch nicht verlassen, erstens entscheidest das sowieso Du selbst, und zweitens war es ein Worst-Case-Szenario. Vielleicht lässt er mit sich reden, vielleicht kannst Du Dich auch damit arrangieren. Nur zwingen kannst Du ihn halt zu nichts. Viele Angehörige leiden drunter, ob sie sich deswegen trennen oder nicht steht aber genau so in den Sternen wie die Frage, ob einer schon Grund genug sieht, um mit dem Trinken aufzuhören oder sich dabei einzuschränken.
    Als Aussenstehende kann man nur Möglichkeiten aufzählen. Und niemand, den das nicht schon beschäftigt, fragt in so einem Forum, denke ich.

    Bei der freiwilligen Feuerwehr kenne ich mehrere, die erklärtermaßen genau deswegen dort sind, weil ihre Ehefrauen dann nichts dagegen sagen können, wenn sie gemeinsam zum Saufen gehen. Weil sie haben ja dann gute Argumente.

    "Normalität", also das was Du ursprünglich gefragt hast, kommt oft aus dem Umfeld, in dem man sich bewegt. Es gibt keine festgelegte DIN-Norm, wie viel Alkohol man trinkt, nur eben diese Risikoabschätzungen und Regelungen für den Autoverkehr oder den Arbeitsplatz.

    Ansonsten ist normal, was man als normal empfindet. In einem Freundeskreis, wo viel getrunken wird, ist etwas anderes "normal", als wenn da kaum einer trinkt. Könnte ich mir jedenfalls leicht vorstellen, das da eben die freiwilige Feuerwehr bei Deinem Partner eine Rolle spielt, er das erstens vielleicht will und er zweitens vielleicht auch dazu gehören möchte.

    Gruß Susanne

    Hallo Celtic Girl

    was ist schon normal? Wenn Du die Empfehlungen für risikoarmen Konsum liest, dann darf er zwei Gläser Bier am Tag trinken, eine gute Halbe, und an zwei Tagen die Woche gar nichts. Wenn man jung ist, wie ich bei euch vermute, sieht man das sowieso anders und viel wichtiger wäre ja, was Du mit machen würdest.

    Und wenn man einen Partner hat, den man erst hinbiegen muss, damit er zu einem passt, dann wird das auf Dauer meistens sowieso nichts. Weil der nämlich so ist, wie er ist, mitsamt seinem Alkoholkonsum. Er tut ja nichts verbotenes und wenn er das so will, dann will er das eben so.
    Mehr, als ihn in einem ruhigen Moment fragen, ob er das ändern möchte, kannst Du nicht tun. Und auch dann, wenn er das behauptet, dass er aufhören möchte, müsstest Du noch aufpassen, ob er Dich nicht damit nur bei der Stange halten möchte und dann genügend Ausreden findet, um trotzdem zu trinken. Es findet sich immer ein Problem oder eine Party oder ein sonstiger Anlass, wegen dem man trinken darf oder muss, und Du wirst Dich immer wieder drüber ärgern oder mit ihm leiden, je nach dem wie Du selbst drauf bist.

    Dass Du zu ihm hältst und alles mit ihm durchstehen wirst, ist schon mal die beste Voraussetzung dafür, dass er nichts ändern wird, denn damit hast Du schon mal Dein einziges wirkliches Druckmittel versenkt.

    "Ihm die Trinkerei mal schnell abgewöhnen" zeugt höchstens von "Keine Ahnung, aber davon recht viel". Wie viele Raucher kennst Du, die einfach mal aufhören, weil mans ihnen sagt?
    Das ganze Forum hier ist voll mit den Erfahrungen, dass Trinker nur aufhören, wenn sie das wirklich wollen. Und erstens dauert das meistens sehr lange, bis sie das wirklich wollen, und dann ist es noch lange nicht sicher, ob sie das dann überhaupt können.

    Und Du stehst machtlos daneben, glaubs mir. Wenn das nicht von ihm aus kommt und er selbst wegen seinen Schwierigkeiten nicht Anderes unternimmt, als deswegen zu trinken - was ich im Übrigen bezweifle, denn Spaß macht es ihm sicherlich auch - dann kannst Du Dir die Zunge wund reden. Und wenn Du zu ihm hältst, wunderbar, dann hat er es dabei auch noch gemütlich. Wenn Du moserst.. das kann man runterspülen.

    Mich wollten früher viele Leute retten, sind alle durch die Bank gescheitert. Wenn sie zu nervig werden, kann man sie wechseln. Erst als es mal mir selbst so richtig schlecht ging, und zwar wegen der Sauferei, hab ich dann die Lust dran verloren. Was andere dazu sagen, das hat man vergessen, so bald der Durst kommt.

    Les Dich hier mal durch den Angehörigenbereich und versau Dir nicht Dein eigenes Leben damit. Nach einem halben Jahr kann man noch leicht gehen.

    Gruß Susanne

    Guten Morgen,

    Kindern geht es in der Situation meistens nicht so gut. Deswegen ist es auch für sie mit das beste, was Du tun konntest, dass Du Dich getennt hast. Ändern hättest Du ja eh nichts können.

    Jetzt wärs halt vermutlich irgendwie wichtig, dass Du Deinen Kindern begreiflich machen könntest, dass ihr Vater eine Krankheit hat, und die Ängste solltest Du wohl ernst nehmen. Ich hatte auch sehr viel Angst vor den Ausbrüchen meines Vaters, der auch getrunken hat. Das war nicht so toll.

    Bevor ich nun selbst einen langen Text schreibe, hier ein Artikel, den ich vor ein paar Tagen zufällig gelesen habe.
    Von einem Sohn eines Alkoholikers im Rückblick.

    Da steht ziemlich viel drin, auch über den Umgang damit. Natürlich ist es bei jedem ein bisschen anders.

    https://www.bento.de/gefuehle/alkoh…7e-e227396b3cfa

    Gruß Susanne


    glaube für eine Therapie ist mein Fall Jetzt noch nicht dramatisch genug oder ? (Wusste jetzt nicht wie ich das beschreiben soll)

    ich würde das an Deiner Stelle mal nicht unterschätzen, weil Dir im Zustand des Kontrollverlusts alles Mögliche passieren könnte, was Du eben nicht unter Kontrolle hast. Nicht gerade unwahrscheinlich, dass Du an einem Unfall oder einer massiven Alkoholvergiftung, die jederzeit tödlich sein könnte, schon mal knapp vorbeigeschrappt bist. Könnte auf jeden Fall jederzeit passieren, und wie willst Du das in Zukunft verhindern, wenn Du nicht aufhören kannst?

    Das heisst jetzt nicht unbedingt, dass Du eine Therapie brauchst, wenn Du es auch anders schaffst, aber ernst nehmen solltest Du das schon. Und Krankheitswert hat das ziemlich schnell, wenn Du dafür Hilfe brauchst.


    Soll ich einfach mal zur drobs gehen ,können die mir wohl Wege aufzeigen wie ich es schaffen kann ?

    genau wegen dem oben Geschriebenen ist das eine sehr gute Idee. Das oder allgemeine Suchtberatung, Diakonie, Caritas, wo man mir Dir zusammen herausarbeiten wird, was für Dich das Beste wäre. Oft - so kenne ich es - läuft das dann so, dass man ein paar Wochen in eine moderierte Motivationsgruppe geht, dazu ein paar Einzelgespräche hat, und nach ein paar Wochen kennt man Dich , und Du Dich selbst, dann schon genauer und weiss dann auch, ob du auch bei einer ambulanten Therapie nüchtern bleiben kannst und wie es Dir dann überhaupt damit geht.
    Ich hab dann zum Beispiel ohne Therapie weitergemacht, mir gings erst mal ziemlich gut, obwohl ich über 25 Jahre mit Drogen und Alkohol rumgemacht habe, ausserdem auch aus einem trinkfreudigen Elternhaus stamme, also eigentlich das volle Programm, nur hatte ich wirklich so die Schnauze voll davon...aber ich hab auf Dauer gesehen dann noch andere Sachen gemacht, aber das hat ja alles erst mal Zeit, denn wenn Du nüchtern bist, läuft das ja nicht mehr davon.
    Unabdingbar dafür ist allerdings, das Du Dir nichts vormachst, wenn Du das eben nicht schaffst oder auf Schwierigkeien stößt, dann darfst Du Dich nicht schämen, denn alles ist besser als weitertrinken.

    Gruß Susanne

    Sagen wir mal so, Du machst es Dir auf Dauer einfacher, wenn Du das Problem grundsätzlich angehst und nicht nur an den Symptomen ein bisschen rumdoktorst.

    Für mich war es definitiv einfacher, gar nichts zu trinken, als nur ein bisschen. Da hin musste ich erst kommen und es war ein weiter Weg, aber dann wars eigentlich einfacher, nichts mehr zu trinken, als mit dem ganzen Elend, was Du in Ansätzen ja selbst beschreibst, weiter zu leben.

    Ich hab mir 5 Jahre gegeben, dann wollte ich damit durch sein, bei der Rechnung, dass ich noch 40 Jahre zu leben hatte, für mich ein lohnendes Geschäft. Ich hab das Trinken dann gleich hundertpro gelassen, nie einen Rückfall gebaut, nachdem ich mal ernstlich aufhören wollte, trotzdem stand ich über kurz oder lang natürlich vor diversen Schwierigkeiten, die sich ohne Alkohol aber trotzdem ale besser bewältigen liessen, als wenn ich weiter getrunken hätte.

    Und natürlich verbesserte sich manches schnell, schon die ganzen Katastrophen, die ich auf die eine oder andere Weise auch zur Genüge kenne, fielen ja dann ersatzlos weg. Alles weitere war dann schon Jammern auf höherem Niveau.

    Was Freunde oder Geselligkeit angeht: einerseits habe ich mir die Freunde danach ausgesucht, dass die auch getrunken haben. Es gibt definitiv viele Leute, die wenig oder nichts trinken, nur wollte ich die damals gar nicht sehen, die haben mich überhaupt nicht interessiert. Das haben schon viele festgestellt.
    Das andere ist, dass man sich natürlich trotzdem mit solchen Leuten treffen kann, aber dafür muss man dahin kommen, dass einem der Alkohol selbst dann ziemlich wurscht ist. Wenn ich da Apfelschorle trinken kann, ohne neidisch zu werden, dann kann ich mich auch weiter mit den "alten" Leuten treffen. Auch da kann man hinkommen, wenns einems selbst richtig gereicht hat, auch wenn das nicht alle schaffen. Nüchtern stellt man dann halt oft auch fest, wie langweilig das im Grund ist, was da so im Suff passiert und geredet wird.

    Ersatz zu schaffen ist aber mit Arbeit verbunden, man muss seine Komfortzone vielleicht ein bisschen verlassen, den Arsch hochkriegen, umdenken. Da muss man dann halt selbst wissen, was einem wichtiger ist, und was man dabei verpasst.