Mal noch was, mit dem Du vielleicht mehr anfangen kannst.
Ich hab mir damals überlegt, dass ich nicht alle Probleme aus der Welt schaffen kann. Irgendwas, was sich meiner Kontrolle entzieht, bleibt immer. Irgendwer oder irgendwas kann mich immer ent-täuschen. Was aber auch mit meinen Erwartungen zusammenhängen kann. Eine Ent-Täuschung ist eine Folge einer (Selbst-) Täuschung, man macht sich halt gerne was vor.
Auch, wenn ich nüchtern meine Probeme anders angehen kann, wird nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Aber natürlich habe ich in 19 Jahren Trockenheit auch manches anders geregelt, als wenn ich weiter getrunken hätte. Da würde ich vermutlich sowieso nicht mehr leben.
Aber die Entspannung und die Feierlaune, die ich mir vom Alkohol immer erwartet hatte, trat ja auch nicht mehr ein, da ich ja meistens deutlich über den Durst getrunken habe und dann zwangsläufig der Katzenjammer kam. Trinken brachte mir nichts mehr, ausser Problemen, die ich dann erst vom Trinken richtig hatte. Und das fällt ja dann schon mal weg, wenn ich ohne Rückfälle bleibe.
Mir war dann eben klar, ich kann nicht drauf warten, bis ich alles gelöst habe, sondern ich muss mit verschiedenen Situationen einfach anders umgehen, wie bis da hin. Mein "Problemlöse- und Entspannungs" - Verhalten musste sich ändern.
Ich kann nicht alles ändern, aber ob ich deswegen trinke, das habe ich absolut in der eigenen Hand. Und das gibt mir auch Sicherheit in punkto Angst vor Rückfällen, weil ich weiss, dass ich immer andere Möglichkeiten habe, ganz egal was kommt.
Ich habe dann Verschiedenes gemacht, was Du hier auch an mehreren Stellen nachlesen kannst. Momentan habe ich nicht so viel Zeit und Lust, das alles noch mal im Detail zu beschreiben. Natürlich war es erst mal nicht so einfach, wie in den Laden zu gehen, um etwas zu Trinken zu kaufen. Es war schon eine Umstellung und ich musste lange daran arbeiten. Und auch bei diesen Bemühungen hätten mich Rückfälle zumindest sehr weit zurück geworfen, wenn sie es nicht unmöglich gemacht hätten.
Mir war bei allen Schwierigkeiten (nachdem ichs geschnallt hatte) immer klar, wenn ich wieder mit dem Trinken anfange, kann es nur schlechter werden. Wie ist das bei Dir, vielleicht macht genau das den Unterschied? Was verbessert Trinken bei Dir?
Bei mir wars halt so, dass Alkohol sehr kurzfristig meine inneren Spannungen gelindert hat, aber langfristig hat er sie vergrößert. Erst mal gings kurz besser, um danach um so schlechter zu werden. Und das "besser gehen" funktionierte immer kürzer, am Ende waren es nur noch Minuten. Vor dem ersten Drink dachte ich aber immer, "nur den einen", aber dabei bleib es halt nur in Ausnahmefällen, wenn wirklich was Dringendes anstand. War dann viel einfacher, gar nichts zu trinken, als mich mühsam zu bremsen, wenn ich mal angefangen hatte, was ich meistens ja auch gar nicht wollte. Bis zum nächsten Morgen, das nächste mal höre ich früher auf....gar nicht erst anfangen war die Lösung.
Heute geht es mir viel besser, als zu den Zeiten, als ich noch getrunken habe. Feiern kann ich schon lange nüchtern, ohne das ich mir am nächsten Tag mühsam überlegen muss, was für Mist ich wieder gebaut habe. Und da ich nach Mitternacht immer noch weiss, was ich sage, ist es meistens sogar lustiger als früher. Probleme werfen mich schon lange nicht mehr aus der Bahn. Und mein gesamtes Lebensgefühl ist völlig anders. Saufdruck, da Du fragst, ich weiss fast nicht mehr wie sich das anfühlt, hatte ich ganz am Anfang mal aber nur sehr sporadisch, jetzt schon sehr lange nicht mehr. Was sollte ich denn auch damit? Käme aber auch bei mir sehr wahrscheinlich wieder, wenn ich es probieren und darauf anlegen würde, aber warum sollte ich das wollen?
Also für mich habt sich das absolut gelohnt. Es ist heute schon lange keine Härte mehr, sondern Lebensgefühl und Überzeugung, aber wenn ich am Anfang nicht konsequent gegen meinen eigenen inneren Schweinehund gewesen wäre, dann wäre ich nie da hin gekommen.
Gruß Susanne