Beiträge von Susanne68

    Ich bin dreimal so alt wie Du und habe logischerweise auch ein paar andere Erfahrungen.
    aber:

    Ich bin manchmal extrem direkt. Ich sage jemandem, dass er zu viel trinkt. Stimmt ja auch.
    Ich frage dann aber auch, ob jemand wirklich so leben will..und ich akzeptiere, wenn jemand nichts ändern will.

    Und wenn jemand nicht will, dann kann ich auch nichts tun. Und ich tue dann auch relativ schnell nichts mehr, merkt man ja irgendwann, bringt ja nur mich schlecht drauf.

    Schreib doch mal ganz detailiert hier auf, was passieren würde, wenn Du Dich besaufen würdest. Wie würdest Du anfangen, mit was würdest Du weiter machen, und wie würdest Du Dir vorstellen, das es morgen übermorgen weiter geht?

    Würde es Dir schmecken, würde es irgendwas an Deiner Situation verbessern, würde es irgendeinen Spass machen? Oder wärst Du dann noch fertiger? Wärst Du dem dann ausgeliefert oder nicht?
    Was ist die Fantasie, die hinter dem Saufdruck steckt? Und würdest Du da hinkommen? Selbst wenn der Zweck nur "Vergessen" und Betäuben wäre...würde es funktionieren?

    Ich frage das ganz neutral.


    Albert Einstein wird folgender Ausspruch zugeordnet (ob es stimmt, weiß man nicht so genau):

    Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

    Sollte man also nicht doch besser wissen, was man in der Vergangenheit getan hat, um es in der Zukunft anders zu machen und demzufolge ein anderes Ergebnis erwarten zu können (im besten Fall ein besseres) - und ergo NICHT wahnsinnig zu sein??

    von Einstein stammt auch das Zitat

    Zitat

    Ich denke niemals an die Zukunft. Sie kommt früh genug.

    könnte man jetzt drüber philosophieren, was das mit Vergangenheit und Zukunft zu tun hat.

    Stand heute und schon seit langer Zeit bei mir ist der, dass es ohne das Bedürfnis, etwas zu trinken, auch keinen Grund mehr gibt, sich Gedanken darüber zu machen, wie man das verhindern könnte. Denn gegensteuern muss man ja erst, wenn man dabei ist aus der Spur zu fliegen, oder aufpassen muss, dass das nicht passiert.

    Vergangenheit ist Vergangenheit. Ich werde ja auch keine 20 Jahre alt mehr. Und bei anderen emotionalen Sachen - wenn man die Liebe zum Alkohol mal mit anderen verflossenen Lieben vergleicht...die hätten auf mich ja auch keinen Reiz mehr. Obwohl ich da durchaus auch verrückt danach war. Es gibt verflossene Liebhaber, da weiss ich echt nicht mehr, was ich mal dran gefunden habe. Wenn die heute auftauchen würden, würde gar nichts passieren, vielleicht ein kurzes "Hallo". Ich meine jetzt keine Trinkversuche, wo ich das dann in der Blutbahn hätte, sondern Trinken hab ich einfach überhaupt nicht mehr in meinem Repertoire. Egal was passiert, zumindest bei allem was mir bisher passiert ist.

    Also an sich kann es nur von Vorteil sein, wenn es absolut selbstverständlich ist und der Gedanke an Alkohol in gar keiner Situation überhaupt erst auftritt. Also wenn man so im trockenen Leben angekommen ist, dass es nur noch unterhaltsam ist, dass man mal gesoffen hat.

    Man könnte jetzt mal hier unter den Langzeittrockenen fragen, also bei allen, die meinetwegen länger als 5 Jahre trocken sind, ob bei ihnen noch Situationen auftreten, wo sie wirklich drüber nachdenken, was zu trinken. Und wo sie sich wirklich überlegen müssen, was passieren könnte, um sich selbst davon abzuhalten. Ich bin da ganz bei Gerchla, wenn das immer noch eine Option wäre, zu der ich nur aus Angst vor den Erfahrungen der Vergangenheit nicht greifen würde, dann wäre ich immer gefährdet.

    Gruß Susanne

    Ich habe auch gute und schlechte Tage. 6 Kilometer reichen mir oft auch absolut. Manchmal komme ich nicht mal so weit. Und Treppensteigen..übe ich gezielt, wat mutt dat mutt.
    An Anfang konnte ich nicht mal eine Kaffeetasse halten, Laufen war schon nach 5 Minuten eine Qual. War aber das Einzige, was gegen die Schmerzen half. Mein erster Neurologe meinte, ich solls besser ganz lassen und mich in den Rollstuhl setzen. Ich hab dann lieber den Neurologen gewechselt.
    Vor 2 Jahren hab ich nach dem letzen Umzug neue Ärzte gesucht und musste mich da durchchecken lassen. Ich bin heute viel fitter, als die harten Befunde vermuten lassen. Mein langjähriger Partner meint manchmal, vieles ist mir wohl auch nur dadurch gelungen, dass ich schon immer etwas eigen war und schon immer gegen den Strom geschwommen bin. Ich kenne auch (Alk-) Gruppenleiter, mit denen ich privat befreundet bin, die der Meinung sind, das ich mich auch in Punkto Alkohol wohl selbst erfolgreich therapiert habe.

    Will aber jetzt hier nicht Dein Thema kapern, schreib das nur deswegen weil auch bei mir vieles nicht selbstverständlich ist. Ich nehme es aber als Anlass zur Dankbarkeit, dass es immer noch irgend wie geht. Und ich bin ganz ehrlich auch dankbar, dass ich so bin. Und ich meine , das sind wahrscheinlich Persönlichkeitseigenschaften, die ich mir so gar nicht aussuchen konnte, sondern die mir mit auf den Weg gegeben wurden. Von wem auch immer.

    Bin gespannt was Du dann schreibst.

    Hallo,

    Mir fällt ja auch nicht immer was ein.

    Zum Trockenwerden und -bleiben habe ich keine Selbsthilfegruppen gebraucht. Bei mir gings eher drum, dass mein Freundeskreis nach mehreren Umzügen und dann auch in Folge meiner Geschichte - ich habe mich selbst von den meisten zurückgezogen, weil einerseits gerne getrunken habe, andererseits das besoffene Geschwätz aber selbst unerträglich fand - ziemlich ausgedünnt war und ich auf der Suche nach einem Bekanntenkreis war, bei dem man die Abende nüchtern verbringen konnte. Da auf dem Land, wo wir gewohnt haben (aber erst hingezogen waren), gabs nicht viel, und bei den örtlichen Vereinen war fröhlicher Umtrunk Standardprogramm, hatte ich keine Lust dazu.

    Ich bin auch nie regelmässig in eine Gruppe gegangen, meistens hatte ich das Gefühl, das bringt mir nicht viel, und irgendwann hatte ich mir das wo so eingerichtet, dass ich bei einem regionalen Selbsthilfeverein, also weder Kreuszbund noch AA, sondern "frei", lose dann aufgetaucht bin, wenn ich gerade mal Lust dazu hatte. Die haben mich dann da auch ganz gerne gesehen, weil ich lange trocken war und was erzählen konnte, aber zum Teil hatte ich da dann auch so eine Alleinunterhalterposition, die mich nur teilweise befriedigt hat. So geht es mir zum Teil auch hier, wenn ich viel schreibe, es könnten wegen mir gerne mehr Vielschreiber hier sein.
    Wenn in einer Gruppe nur zwei Vorturner sind und der Rest da sitzt wie die Ölgötzen und drauf wartet, dass ihnen was geboten wird, dann kann ich da meist drauf verzichten. Auch offline bringen ja viele das Maul nicht mal dann auf, wenn man sie fragt wie es ihnen geht. Das gehört aber wohl dazu, kann ich nicht ändern.

    Das Problem der nüchternen Zusammenkünfte habe ich anderweitig gelöst, mit Leuten, die keine Alkoholprobleme haben. Diesbezüglich bin ich in der Welt der Gesunden angekommen, und ich habe auch noch ein paar andere Interessen die ich dann dort verwirkliche. Soziale Ängste sind aber auch nicht mein Hauptproblem, wenn ich irgendwas machen will, dann kann ich das normalerweise auch tun.

    Zu diesen "Erfolgsgeschichten", nach denen Du suchst: Leute empfinden ja absolut unterschiedlich, was sie nun als erfolgreich oder inspirierend oder sonstwas empfinden. Mir für meinen Teil geht es ziemlich gut mit dem, was ich mache. Und bei allen Problemen, die ich trocken schon hatte, und die ich auch heute wegen meiner Körperbehinderung (ich hab übrigens auch u.A. eine neorodegenerative Erkrankung, aber das ist nur eine meiner beiden Hauptbaustellen, die andere ist eine Teilquerschnittslähmung) noch habe, empfand ich es trotz allem immer als Gewinn, dass ich mit dem trinken aufgehört habe. Und ich bin ziemlich zäh, trotz Gehbehinderung bin ich gestern 14 Kilometer und 500 Höhenmeter bei schönstem Sonnenschein gelaufen. Und ich laufe das nicht wegen den 14 Kilomern, sondern weils grade so schön war, dass wir halt noch nen Umweg gegangen sind. Trotzdem war ich früher - bevor ich meine Behinderung hatte - deutlich fitter und musste auch erst lernen, damit umzugehen. Aber heute kann ich das - trinkend wäre ich garantiert bedeutend selbstmitleidiger und hätte viel eher eine Opferhaltung.
    Beruflich habe ich mir mein Leben komplett selbst gestaltet, nachdem mich alles andere nicht befriedigt hat. Auch das hätte ich mit Alkohol wohl gar nicht erst versucht.
    Und ich war, als ich kurz nach dem Aufhören bei der Suchtberatung aufgeschlagen bin, auch noch in einem Zustand, wo man über Antidepressiva nachgedacht hat. Noch früher war ich eindeutig mal mehrere Jahre in einem tiefen Loch...alles weg.

    Was jemand Anderes als schön oder gelungen empfindet - damit meine ich jetzt bewusst nicht "Leistung" - empfindet, würde Dir ja möglicherweise gar nicht gefallen. Nicht Deins, unerreichbar, gar nicht Deine Wellenlänge, etc -
    Was ich damit sagen will: was wäre denn für Dich eine solche Erfolgsgeschichte? Btw...findest Du welche, die Dich ansprechen?

    Nach was suchst Du da? Wie würde sich das für Dich anfühlen, wenn Du selbst am "Ziel" wärst?
    Vielleicht ist es Deine Aufgabe, das für Dich herauszufinden und zu verwirklichen...dann hättest Du Deine persönliche Erfolgsgeschichte wie ich auch und noch ein par andere hier.

    Im Übrigen finde ich es schon mal absolut positiv, dass Du da jetzt so nach vorne guckst.

    Gruß Susanne

    Ich habe selbst getrunken. Und Du musst Dir mal die Geschichten hier oder woanders durchlesen. Wenn ein Trinker trinken will (oder muss, weil er es braucht), dann wird ihn niemand davon abbringen oder abhalten. Das ist eine ganz allgemeine Erfahrung. Damit brauchst Du Dich gar nicht erst beschäftigen. Da redest Du gegen die Wnd. Da haben sich schon viele dran aufgearbeitet.

    Hallo Milli,

    ich habe meinen Vater bis zum Ende betreut. Er hat alleine gelebt, war dement und hat getrunken. Jedenfalls konnte er sich auch nicht mehr selbst helfen.

    Entmündigung gibt es schon lange nicht mehr, hat der Gesetzgeber abgeschafft. Es gibt nur noch Betreuung, und das heisst, als Betreuer musst Du Dir vorstellen was der Betreute gerne hätte, wenn er das noch wüsste, und das dann möglichst zu tun.

    Das geht übers Familiengericht und über den medizinischen Dienst, der wegen der Pflegestufe ja sowieso eingebunden ist.
    Die Frage ist natürlich die, ob es Deinem Vater dann wirklich besser ginge. Man würde ihn ja aus seiner gewohnten Umgebung herausreissen und ich weiss nicht, ob er nicht doch an Deiner Mutter hängt. Das kriegen Demente ja durchaus oft noch mit. Im Heim ist es oft auch nicht so toll, oder würdest Du ihn zu Dir nehmen?

    Für die Medikamentengabe könnte der Arzt Deines Vaters ein Rezept ausschreiben, dass der Pflegedienst das übernehmen soll. Das habe ich bei meinem Vater gemacht, da ich auch nicht immer da sein konnte. Die kommen dann einfach noch mal für 5 Minuten, auch mehrmals am Tag. Hat er einen Pflegedienst oder macht das Deine Mutter?

    Gruß Susanne

    Hallo AmSee,

    Es gibt schon Unterschiede. Mein Vater wurde 82. Er ist auch nie ganz so abgestürzt wie ich. Bei ihm war es eher der tägliche Treibstoff. Dafür habe ich ihn während 57 Jahren (so alt war ich bei seinem Tod) wohl keinen Tag ohne Alkohol erlebt, ausser in den letzten Tagen, als er gar nicht mehr wach wurde. Über den Tag gerechnet aber ordentliche Mengen, er fing ja zum Frühstück damit an. Und am Ende tat er fast nichts anderes mehr. Hat nie versucht aufzuhören, meine Eltern waren u.a. deswegen schon lange geschieden. Er hat jeden rausgeschmissen, der ihm helfen oder ihn sonstwie beinflussen wollte. Am Ende waren Hirn und Leber restlos hinüber. Kein schöner Anblick.
    Ich hab ihn am Schluss betreut. Wir haben unseren Frieden geschlossen, nachdem es lange sehr schweirig zwischen uns war. Das war der Grund, warum ich dann irgendwann hier aufgeschlagen bin, mein eigenes Problem hat mich da schon länger nicht mehr beschäftigt, aber da kam ich dem noch mal relativ nahe. Und jetzt sehe ich halt, das ich hier ab und an was tun kann und dass mir das auch gut tut.

    Gruß Susanne

    Das ist interessant, was du schreibst. Ich kenne von meinem Vater, der immer heimlich angefangen hat, dass er stets die Kontrolle verloren hat. Von alleine konnte der nie aufhören, auch wenn er sich das vornahm. Ich hab ihm als Jugendliche mal bei so einem Entzug helfen wollen und wurde bitter enttäuscht. Ich dachte immer, das sei typisch für einen Alkoholiker. Er ist immer so richtig abgestürzt. Versuchte es dann mit Distra usw., aber das klappte nie.
    Für mich selbst habe ich beobachtet, dass ich mich zwar kontrollieren kann, mir das aber ebenfalls keinen Spaß macht, deshalb will ich mir ja nun auch keine wöchentliche oder monatliche Erlaubnis mehr gönnen.

    das, und die Tatsache, dass ich wirklich jederzeit Trinkpausen einlegen konnte und drei Tage in der Woche keinen Tropfen getrunken habe und auch morgens nicht weiter getrunken habe, war bei mir Bestandteil der Einbildung, dass ich kein Problem habe. Ich war auch noch nie in einer Entgiftung. Aber der Notarzt war schon mal da. Und ich habe auch sonst genügend Scheixx getrieben.

    Es gibt einen Trinkertypen, für den das charkteristisch ist. Habe ich aber auch erst realisiert, nachdem ich schon aufgehört hatte. Vorher war das auch für mich ein Rätsel. Und als ich auch, so wie Du gerade, das mal von aussen betrachtet habe, ging mir auf, das mein ganzes bisheriges Leben davon bestimmt war, nur ja nie so die Kontrolle zu verlieren, dass ich mal in die Situation käme, aufhören zu müssen. Das musste unbedingt so bleiben, dass ich weiter trinken kann. Mir ging aber dann auch auf, was ich schon alles da drum rum gebaut und was ich schon geopfert hatte. Ich hab da wirklich Hirnschmalz reingesteckt, mich ungehindert besaufen zu können.

    Herzliches Beileid wegen Deiner Mutter. Mein Vater starb vor drei Jahren und er starb auch am Alkohol.

    Gruß Susanne.

    Nach mal kurz was zu dem "wenig".

    Bei mir war es klar so, wenn es dann mal schön war, dann wollte ich weiter machen. Oft war ich aber auch nur so leicht verblödet, was mir unangenehm war. Beides Situationen, die dann nach "mehr" schreien.
    Und da der Alkohol enthemmt, die Wurschtigkeit vergrößert und die Selbstkontrolle vermindert, ist es dann nach 3 oder vier Gläsern viel egaler, ob man sich dann noch was reinkippt, als ganz am Anfang. Da siegt dann die Gier noch leichter als vor dem ersten Glas. Bei mir trat keine Sättigung mehr ein, wenn ich nen bestimmten Punkt überschritten hatte. Und bei Leuten, die weniger brauchen, oft schon nach dem ersten Schluck.

    Ich konnte bis zum Schluss nach einem oder zwei Gläsern noch aufhören, wenn irgendwas wirklich wichtig war. Also die Kontrolle konnte ich haben, wenn ich wirklich wollte. Aber Spaß hat das keinen gemacht. Und ich weiss ganz genau, von einem Glas hab ich eh nichts. Der Geschmack, wenns darum geht, ist absolut ersetzbar.


    Ich hoffe, dass ich hier im Forum richtig bin und nicht störe.

    Wenns nach mir geht, klares Nein zu der Frage, ob das stört. Von einer vernünftigen Auseinandersetzung mit dem Thema können auch Andere profitieren. Und auch bei den Leuten, bei denen es dann "klick" gemacht hat - so wie bei mir - gabs ja eine Entwicklung da hin.


    Aufgrund meiner Erkrankung hab ich zu wenig dieser Glückshormone....

    das Problem dabei ist, dass der Alkohol die Ausschüttung dieser Glückshormone erst mal fördert und damit die Empfindlichkeit der Rezeptoren herabesetzt. Und da sich der Körper an diese Krücke Alkohl gewöhnt, schüttet er ohne Alkohol dann noch weniger davon aus.

    Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Alkoholiker dann ohne ihre Droge erst mal überhaupt keine Glücksgefühle mehr empfinden können. Das regelt sich meistens erst nach einer gewissen zeit der Totalabstinenz wieder ein. Der Körper findet dann ein neues Gleichgewicht.

    Wenn Du dazu noch Depressionen hast, ist die Versuchung groß, da nachzuhelfen. Aber auf Dauer verstärkt Alkohl die Depressionen.

    Ich will jetzt nicht sagen, das Du es nicht schaffen kannst, Dir ab und an ein Glas zu genehmigen. Auf Dauer geht es aber um mehr, als das nur "ohne" auszuhalten. Sondern dann schon darum, es gar nicht mehr zu brauchen. Schon so ähnlich wie mit dem Rauchen. Ich habe 20 Jahre 50 Kippen und mehr geraucht, und auch von einer Minute auf die Andere komplett aufgehört, weil mir runterreduzieren einfach zu anstrengend war (bei mir wars umgekehrt, ich hatte da schon die Erfahrung, mit dem Trinken aufzuhören) . Einmal durch und gut ist.

    Aber ich gehe natürlich von mir aus und Du musst das so machen wie es für Dich passt. Vielleicht merkst Du ja nach ein paar Wochen, dass dieses "ab und zu" dann doch nicht so wichtig ist. Oder Du machst es eben, das bringt Dich ja auch nicht gleich um, kannst Du immer noch gegensteuern wenn es nicht klappt. Solange Du Dir nicht zu viel vormachst..aber das kennst Du ja.

    Gruß Susanne


    Ich habe nicht zum Ausdruck bringen wollen, besser als der Penner auf der Parkbank zu sein, sondern etwas anderes. Soweit ich informiert bin, ist es dem „richtigen Alkoholiker“ schließlich egal, was er trinkt, Hauptsache es ist Alkohol. Für mich gehörte es bislang zu meinem eigenen Test oder meiner Selbsteinschätzung, dass ich, wenn ich einen Wein oder ein anderes alkoholisches Getränk nicht mag und dann lieber ganz verzichte, noch safe bin. Dass es mir also letztlich ausschließlich um den Genuss geht.

    nun ja, so weit, dass es mir egal war was ich trinke, war ich selbst auch noch nie. Man kann sich aber auch schon zu Tode trinken, so lange man noch sehr gezielt trinkt, und ich habe das mehrmals fast getan. Spätestens dann wird die Frage, ob man nun Alkoholiker ist oder nicht, absolut akademisch. Hin ist hin.

    Ich meine, ich kannte meine Kontrollverluste, deswegen war einfach immer genügend da. Ich musste nicht zu irgendwas greifen, weil sonst nichts anderes da war. Dafür hab ich schon gesorgt. Und ich hab nicht nach einer Flasche Wein aufgehört, sondern nach 2 Litern Schnaps und zum Teil noch mehr...durfte aber auch was Feines sein. Und wenn ich nicht trinken wollte, das war auch bei mir an mehreren Tagen die Woche der Fall, dann habe ich eben nicht getrunken. Auch mal Monate, wenn ich vorher entsprechend abgestürzt war. Und ich hab mir das Timing auch so ausgesucht, dass ichs mir leisten konnte, bis auf eine paar wenige Mal, wo ich fast nen Fehler gemacht hätte.

    Ein Problem hatte ich trotzdem, und aufhören kam natürlich auch für mich lange überhaupt nicht in Frage. Da wäre mein Leben gefühlt vorbei gewesen, und da war die Denke "lieber 20 Jahre weniger leben, aber dafür lustig" noch lange davor. Am Ende wars aber gar nicht mehr so lustig. Deswegen war es dann einfacher, aufzuhören, als weiter zu trinken, tat weniger weh. Wie machens andere...die saufen sich da hin. Und am Ende zwang es mich zu ein paar Änderungen, wegen denen ich jetzt deutlich glücklicher bin als zu der ganzen Zeit damals. Sonst wäre ich halt verreckt. Meine Fassade stand übrigens bis zum Schluss, also ausser meinem Partner, der es ungefiltert mit bekam, wollte es kaum jemand glauben, dass ich solche Probleme hatte. Davon sollte man sich nicht täuschen lassen.

    Du opferst ja auch schon was dafür und trinkst, obwohl Du weisst, dass Du nicht dürftest. Und Du kannst Dir nicht mal vorstellen, Weihnachten drauf zu verzichten, also ist das doch ein klares Zeichen, dass Du es brauchst. Ohne ist ja offensichtlich kein wirkliches Wohlfühlen für Dich möglich. Und mit aber auch schon fast nicht mehr, denn Du hörst ja auch nicht auf, so lange es noch schön ist.

    Offensichtlich ist es Deinem Empfinden nach eben noch nicht so schlimm, dass Du Dir vom Aufhören wirklich eine Verbesserung erhoffst. Oder Du weisst schlicht nicht, wie das geht. Wurde Dir ja auch nicht vorgelebt, mir übrigens auch nicht.

    Die Kontrollversuche, die Du da jetzt vorhast, habe ich jahrelang gemacht. Hätte ich mir schenken können, meine Abstürze wurden schlimmer, ich hab mit verstärkten Kontrollversuchen gegengehalten, usw. aber ich konnte halt auch nicht anders. Aber immerhin habe ich dabei schon mal gemerkt, dass Nüchtern gar nicht so schlimm ist. Ausserdem trainiert es die Willenskraft, was man dann durchaus brauchen kann, wenn es mal so weit sein sollte, dass es einem wirklich reicht. Ein paar verrecken halt auf diesem Weg, aber Schwund gibt es bekanntlich immer. Und man kann den Willen natürlich auch dazu verwenden, trotz besseren Wissens weiter zu trinken.

    Und heute kann ich feiern und auch den Sonnenuntergng bei Saft geniessen. Ohne drüber nachzudenken, ob ich ein Problem habe oder mir hinterher irgendwelche Selbstvorwürfe zu machen. Genuss ohne Reue. Ich bin heute gefühlsmäßig da, wo ich mit dem Trinken immer hin wollte. Nur bin ich schon lange nüchtern.
    Und Du musst natürlich selbst wissen, was Du willst, und was Du machst, kann Dir keiner sagen oder vorschreiben. Wenn Du Fehler machst, zahlst Du halt. Es wird sich zeigen.

    Viel Glück und Gruß
    Susanne

    Ums antriggerns geht nicht, jedenfalls nicht bei mir.

    Ich hab aber schon die Erfahrung gemacht, dass man bei Leuten, die noch so viel Positives am Trinken finden wie Du, gegen Wände redet. Die hören sowieso nicht auf. Also wozu sollte man sich dann drum bemühen? So langweilig ist mir nun mal nicht.

    Ausserdem war ich früher ja auch so. Da half alles Reden nichts, so lange ich nicht selbst absolut genug davon hatte. Das ist also kein Vorwurf, sondern ich denke das wird momentan einfach nichts.


    Ich trinke gerne einen Wein oder Sekt beim Kochen, dann macht die Kunst einfach mehr Freude. - Ich koche gerne und betrachte richtiges Kochen als Kunst.

    dazu kann ich nur sagen, gut kochen kann man auch, ohne dabei zu trinken. Das ist rein Deine Entscheidung, dass Du das eben so willst. Hat mit "geht nicht anders" absolut nichts zu tun.
    Ich hab da in meiner nüchternen Zeit schon ganze Veranstaltungen gemacht, und ich weiss natürlich wie viele Leute dabei gerne trinken.

    Ich muss Dir aber leider sagen, wer gerne trinken will, darf das von mir aus gerne tun. Ich denke, das musst Du wohl mit deinem Mann ausmachen. So wie Du das trinken hier anpreist, werde ich sicher keine Anstrengungen unternehmen, Dich vom Gegenteil zu überzeugen.

    Hallo Dagny,

    bitte, gern geschehen.

    Und ich möchte Dir auch für das ausführliche Feedback ausdrücklich danken.


    jetzt muss ich nur meine Richtung erkennen…

    Ich war relativ ziellos, ich wusste erst mal nur, wovon ich weg wollte, aber wo ich dafür dann hin will, das fehlte mir ein wenig. Mir ist das erst aufgefallen, nachdem der Alkohol nicht mehr meine Hauptaufgabe war und das schon etwas leichter ging...eben das, was dann ohne Alkohol heraus kam.
    So lange ich getrunken habe, war ich darauf geeicht, das Geld muss stimmen, dann kriege ich den Rest schon irgendwie hin, aber nüchtern habe ich halt festgestellt, dass mir das nicht reicht. Mir fehlte auch so was wie der Sinn und ich weiss nicht wie ich das ausdrücken soll, irgendwas spirituelles, fürs Karma, obwohl ich ganz klar eigentlich nichts mit Esoterik am Hut habe. Aber da fehlte einfach was.

    Jedenfalls habe ich ja erst mal nur so nebenbei, beim Yoga, das ich zum abends Runterkommen angefangen habe, aber später dann im Rahmen dieser Therapie, das Meditieren gelernt, richtig mit Anleitung. Da gehts dann unter Anderem drum, und das erfordert ziemliche Übung, das normale Gedankenkarussell zu stoppen, das Ego, das eher nach aussen und auf Kontrolle gerichtet ist, und sich nur mal, ohne zu bewerten, anzugucken, was tief in einem selbst drin steckt und was dann hochkommt, wenn man innerlich mal "leise" ist und nicht immer alles gleich bewerten, regeln und änden möchte, sondern nur mal dem Gefühl nachspürt.
    Das kann einem dabei helfen, den Kompass zu eichen. Es ist nicht jedermanns Sache, ich hatte Anfangs wegen meiner Ungeduld große Schwierigkeiten damit, aber wie immer...dranbleiben. Es gibt Untersuchungen, dass das die Fähigkeit für rationale - vernünftige -Entscheidungen verbessert und gleichzeitig auch den inneren Stress reduziert.

    Früher dachte ich immer, sowas ist nur für Softies, aber das kann schon ziemlich ans Eingemachte gehen..und hilft dadurch, sich selbst zu entdecken. Und damit seinen Weg zu erkennen, und auch das, was einem wirklich wichtig ist. Es ist nicht jedermanns Sache, aber das wollte ich Dir noch dalassen.

    Alles Gute erst mal.

    Gruß Susanne.


    andere, für die diese 4 oder 5 Bier nur die Flüssigkeit zum Runterspülen der zwei Flaschen Vodka sind.

    logisch. Schnaps enthält zu wenig Wasser, und Wasser braucht der Körper. Andererseits haut das Bier - und selbst der Wein - viel zu langsam rein...ich hab tatsächlich so empfunden. Wenn ich zu wenig Flüssigkeit, also H2O, hatte, wars halt auch nix.

    Ich glaube es gibt emotional tatsächlich Unterschiede zwischen Spiegeltrinkern und "Anflutern". Hat aber nichts damit zu tun, das ich jemandes Problem kleinreden möchte.

    Hallo Dagny,

    lächerlich finde ich die Menge nicht, weil ich ja heutzutage ganz genau weiss, was Alkohol alles anrichtet. Nur wäre bei mir da wahrscheinlich der Leidensdruck nie so groß geworden, dass ich da was dran geändert hätte. Deswegen staune ich da immer wieder drüber..ich war wohl schon auch sehr dickfellig und beratungsresistent :D.

    Ansonsten verstehe ich Dich, glaube ich, recht gut. Ich wollte ja auch nicht aufhören und dann mein Leben lang Verzicht üben, sondern es sollte irgendwann genau so selbstverständlich werden, nichts zu trinken, wie ich früher immer getrunken habe. Also es sollte für mich normal werden, nüchtern zu bleiben, ja und glücklicher wollte ich auch werden. Man hofft ja wohl immer, dass es besser wird, wenn man etwas mit solcher Anstrengung ändert. Das passt ja auch nicht damit zusammen, dass man immer unzufrieden und am kämpfen wäre, hätte sich dann auch für mich nicht rentiert.

    Du fragst, wie das Andere machen. Ich bin sehr lange trocken und ich mache heute fast nichts mehr...hier schreiben, da bleibe ich ein bisschen dran, und ich versuche zu vermeiden, dass ich denke, das mir nie wieder was passieren kann. Wobei ich denke, dazu müsste ich zuallererst überhaupt mal wieder Lust zum trinken haben, und das hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Aber ich kenne natürlich auch solche 20-Jahre-Fälle und möchte das nicht nachmachen.

    Obwohl ich mir heute keine Situation mehr vorstellen könnte, in der ich wieder anfangen würde, kann ich natürlich nicht hellsehen und weiss nicht, wie ich in zwei oder fünf Jahren denken werde. Und ich habe ja auch mal (mit dem aufhören) angefangen und da war das noch nicht ganz so einfach.
    Ganz am Anfang wurde ich davon getragen, dass ich getrunken hatte, bis es mir wirklich schlecht ging, und dann hatte ich so die Schnauze voll davon, dass ich erst mal jeden Tag froh war, an dem ich ohne nächtliche Schweissausbrüche und morgendliches Kotzen aufgewacht bin. Ich hab es auch genossen, dass ich mich nicht erst mühsam daran erinnern musste, was ich wieder alles für Schwachsinn erzählt und wie sehr ich mich mit meinem Partner rumgestritten hatte. Und insgesamt war ich auch körperlich ein bisschen fitter.

    So lange das noch eine Leistung war, nichts zu trinken, hat es mich auch irgendwie zufrieden gemacht, dass ich das geschafft habe. Aber das verblasste dann relativ schnell und darunter kam der Mensch zum Vorschein, der ich ohne Alkohol war. Und dieser Mensch hatte einige Baustellen.
    Zum Beispiel konnte ich nur schlecht mit starken Gefühlen wie Stress, Ärger oder auch Freude umgehen, ohne dabei zur Flasche zu greifen. Ich musste es immer irgendwie toppen oder auch runterdämpfen, ja nachdem wie angenehm oder unangenehm es war, ich konnte es jedenfalls nicht so nehmen wie es war. Ausserdem war ich auch, wenn auch ohne Saufdruck, ein Mensch, der oft scheinbar grundlos völlig unzufrieden war, und das konnte ich auch nicht durch äussere Verbesserungen wie anderen Job etc. ändern. Ich hab einiges an Änderungen probiert, aber ich selbst blieb trotzdem mehr oder weniger gleich. Lange änderte sich daran scheinbar wenig. Es steckte in mir, ich war einfach so oder auch nur über die Jahre so geworden. Da sind auch Ansätze einer gewissen Depressivität dabei, bei mir ist halt nicht immer alles Sonnenschein.

    Zum Teil musste ich mich damit abfinden, dass ich so bin, also ich musste meine Frustrationsttoleranz und meine Fähigkeit, mich selbst auszuhalten, verbessern. Damit habe ich zum Teil dann aber auch wieder eigene Fehler besser vermieden, über die ich mich nachträglich wieder geärgert hätte. Ich habe aber auch jahrelang damit gekämpft, nicht so launisch und emotional zu reagieren, weil ich ja auch gesehen habe, was dabei rauskommt.
    Und mir war auch klar, dass ich natürlich auch gucken muss, was mich dazu bringen könnte, wieder zu trinken. Dazu habe ich mir angeguckt, was ich vom Trinken erwartet habe...also, wenn ich Saufdruck habe, was erwarte ich für eine Gefühlsveränderung, wenn ich mir was reinkippe? Diese Vorfreude, die ich da hatte...worauf? Und dann die Überlegung, kann ich das auch anders haben oder was kann ich sonst tun, damit ich das bekomme, was ich möchte?
    Nebenbei beschäftige ich mich auch sehr gerne mit dem Thema, was einem tatsächlich gut tut, ob das nun gutes Essen, Bewegung im Freien oder sonstige Genüsse sind. Und zwischenmenschliche Beziehungen, die ich in meinen Trinkerzeiten stark vernachlässigt hatte. Und zwar ohne mich dabei unter Druck zu setzen, wie toll ich sein muss, kein Freizeitstress um was zu beweisen, sondern so dass ich mich dabei wohl fühle.

    Im Laufe der Jahre bin ich realistischer geworden, was ich überhaupt erreichen kann. Irgendwann nach 4 Jahren Trockenheit bin ich zu dem Schluss gekommen, das ich doch noch eine Theapie mache, da gings dann aber schon nicht mehr um Alkohol, sondern eben um diese allegemeine Unzufriedenheit, die ich mit mir rumgetragen habe. Den Anspruch, immer glücklich zu werden, habe ich lange auf de Seite geschoben, da ich mich damit nur unter Druck gesetzt habe, das war für mich unter den damaligen Umständen nicht erreichbar. Ich habe auch gesehen, dass ich mit einem Dauergrinsen eigentlich gar nicht herumlaufen möchte.

    Andererseits bin ich heute schwerbehindert (nicht wegen dem Alkohol), war während meiner Trockenheit jahrelang Schmerzpatient, spüre das jeden Tag und es gibt heute einige "normale" Leute, also nicht-Süchtige, die mich schon dafür bewundern, dass ich mir davon die Laune nicht verderben lasse. Erst neulich habe ich zu jemandem gesagt, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie so zufrieden und gut gelaunt war.
    Und das wäre ich natürlich nicht mehr, wenn ich wieder trinken würde, davon bin ich absolut überzeugt. Also auch ohne, dass ich jetzt ganz genau sagen könnte, was es nun war, hat sich bei mir definitiv sehr viel verbessert. Und ich denke, das hat viel damit zu tun, das ich "dran geblieben" bin und mich auch regelmässig damit beschäftige, was man zu seiner eigenen Zufriedenheit und zum eigenen Glück tun kann, und dann man eben nicht nur Opfer der Umstände ist, sondern auch sehr viel selbst dazu beiträgt. Ich sehe auch, wie gut es mir im Vergleich zu manch Anderem geht. Und heute bin ich, obwohl ich mir das schon abgeschminkt hatte, schon ziemlich nahe dran am Glück.

    Es ist schwierig zu beschreiben, was ich alles schon gemacht habe, ging ja auch über Jahre, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. An sich kann ich nur empfehlen, dran zu bleiben, aufmerksam zu bleiben, und das zu ändern, was man ändern muss und kann, und sich ansonsten in Gelassenheit zu üben. Das Leben ist zu kurz, um sich über Dinge zu ärgern, die man nicht ändern kann.

    Gruß Susanne