Beiträge von Susanne68

    Bei mir wars leider so, das die ersten Gruppen rein gar nichts waren. Aus der ersten wurde ich rauskomplimentiert, weil sie sowieso schon zu viele Leute - mehr als 25 - waren. In der nächsten nur Frührentner, die sich so weit kaputt gesoffen hatten, und ein Gruppenleiter der kurz danach einen Rückfall hatte, aber Predigten hielt, als ob er die Weisheit mit dem Löffel gefressen hätte. Der nächste wollte die Leute therapieren und wurde äusserst ungnädig, wenn man mal unentschuldigt fehlte (obwohl ich akut gar nichts von ihm wollte). Der bat mich dann auch, doch lieber ganz wegzubleiben, wenn ich nur unregelmässig kommen konnte oder wollte. Ich hatte dann genug davon.

    Und es war halt auf dem Kaff, wenig Auswahl. Da hatte ich bald alle durch. Erst Jahre später bin ich rein aus Interesse in der nächsten Großstadt mal in eine Gruppe eines regionalen Selbsthilfevereins, da passte es dann. Aber ich musste jeweils eine Stunde hin und zurück fahren, also das habe ich auch nur gemacht wenns mir sonst ganz langweilig war. Und selbst da habe ich mich hinterher oft noch gefragt, ob sich das nun rentiert hatte.
    Da war eine Uniklinik mit angegliederter Entgiftungsstation und offener und geschlossener Psychiatrie für Suchtkranke daneben, die sich Gruppen angucken mussten, da habe ich natürlich schon einiges mitgekriegt. Das war aber eher akademisch interessant, als dass es mir selbst wirklich weiter geholfen hätte.

    Ansonsten war ich mein halbes Leben immer wieder in einer Szene von Alkoholikern und sonstigen Süchtigen unterwegs, die zum Teil ja auch gestorben sind, als ich selbst noch lange aktiv war, da hat mich grundsätzlich schon mal wenig gewundert. Daher hatte ich die ganze Thematik von Entgiftungen und Therapien schon mehrmals gehört, bevor ich selbst meine eigene Sauferei überhaupt als Problem empfunden habe. Ich habe vor allem später aber auch eine Art Doppelleben mit einem zweiten Bekanntenkreis geführt, die damit wenig zu tun hatten.

    Ich glaube, dass man sich weniger vor den Anderen in so einer Gruppe schämt, als eher vor sich selbst, weil man es alleine nicht schafft.
    Ich war oft so, dass ich dachte, wer andere braucht, ist eigentlich gar kein vollwertiger Mensch. Und schon gar niemand, mit dem ich was zu tun haben wollte. Ich hab mich vor denen nicht geschämt, ich habe sie im Gegenteil überhaupt nicht ernst genommen. Und hatte Schwierigkeiten, mich selbst ernst zu nehmen, wenn ich andere brauchte.
    Die Einzigen, die ich da als Gesprächspartner akzeptiert und ernstgenommen habe, waren wirklich ausgebildete Leute. Und selbst bis dahin war der Weg lang. Mir war es am liebsten, wenn ich überhaupt niemanden an mich ran lassen musste.

    So nass bis halbtrocken war das bei mir eben so.

    Das Vertragen, und dass man sich dabei wohler fühlt als Andere, das wird heute auch tatsächlich teilweise der Genetik zugeschrieben.
    Und ich glaube, das erklärt im Umkehrschluss auch, warums den anderen in der Familie auch so gut geschmeckt hat, die hatten diese Gene auch. Ich sehe das nicht mal unbedingt als Problemtrinken, die Probleme kamen erst durchs Trinken.

    Ja, ich hab das Trinken auch zu Hause gelernt.

    Gleichzeitig habe ich aber auch schon sehr jung sehr viel vertragen (mir haben schon einige Leute erzählt, dass man mir nach einer großen Flasche Schnaps absolut nichts angemerkt hat, deswegen musste auch mehr rein) und ich glaube, das war mindestens genau so wichtig.
    Wenn ichs nicht so gut vertragen und auch gemocht hätte, wäre auf die Vorbildfunktion gesch.. gewesen.
    Ich habe sonst auch nichts von dem gemacht, was meine Eltern gemacht haben und gut fanden, war ja sonst eher gegen alles, das war es ziemlich sicher nicht bei mir.

    Und dann kam natürlich dazu, unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen war man ja wer, wenn man saufen konnte und nicht gleich unterm Tisch lag. Die Spaßbremsen, die nichts vertragen haben, fand ich ja selbst ziemlich mickrig.
    Selbst mein Partner, der sich später fürchterlich drüber aufgeregt hat, fand es anfangs ziemlich gut, dass man mit mir so richtig einen drauf machen konnte.
    Also für mich ist die Logik ganz klar, ich hatte eben was davon, und deswegen bin ich dabei geblieben. Und obwohl ich ja schon immer auch irgendwelchen Schrott dabei gemacht habe, hat mich das die meiste Zeit nicht weiter gestört. Die Reue ging nie länger, als bis das Schlinmste überstanden war. Bis auf ganz zum Schluss. Da änderte sich das dann.


    Mir ist seit längerem bewusst, dass ich ein Problem mit Alkohol habe. Darum habe ich gestern schon auch für heute Vorgesorgt.

    ich glaube, es ging bei dem ganzen Post nur darum, dem Forum mitzuteilen, dass sie genügend zu Trinken zu Hause hat ;)


    Zieh du dir nicht den Schuh an, dass du Schuld daran seist, wenn er was trinkt.

    genau. Ich hätte sonst genau so viel getrunken. Ich hab ja akribisch geplant, wie ich möglichst ungestört und möglichst viel saufen könnte, ohne dass mich jemand abhält.

    Dass mein Partner sich da so einmischte, machte es nur hässlicher. Und für mich hatte es den Effekt, dass ich nie drüber nachgedacht habe, was dran zu ändern. Denn ich hatte ja einen Schuldigen, da musste ich über mich selbst nicht nachdenken. Ich hätte sonst vielleicht auch nichts dran geändert. Aber dann war mein Partner eines Tages so weit, dass er mir die Trennung angekündigt hat. Und erst dann habe ich angefangen, wirkich drüber nachzudenken, dass ICH ein Problem hatte. Nicht nur so eins, was ich auf die lange Bank schieben und aussitzen konnte.

    Vorher hatte das Problem doch nur mein Partner. Der hatte ein Problem mit meinem Alkoholkonsum. Ich nur ohne.

    Ich hab mich gegen meinen Partner und für den Alkohol entschieden. Bitte nicht falsch verstehen, es war schlimm, denn mein Partner ist auch meine große Liebe. Aber die Vorstellung, ohne Alkohol zu sein, war noch schlimmer als die, verlassen zu werden.

    Und dann konnte ich erst mal ungebremst saufen. Damit ging ich dann aber selbst nach einiger Zeit so auf dem Zahnfleisch, dass ich selbst vor der Entscheidung stand - totsaufen oder doch einen Versuch machen. Und erst dann, als ich wirklich aufgehört habe, fing das mit meinem Partner auch irgendwann wieder an.

    Da kannst Du mal sehen.

    Ich habe immer den ersten halben Liter Schnaps fast auf ex getrunken und dann ein Bier in die Hand genommen, damit sich mein Partner nicht über die Fahne gewundert hat.
    Und wenn er sich dann beschwert hat, war Feuer unterm Dach. Und damit ich mich richtig reinsteigern konnte, draufgeschüttet. Bis ich nur noch
    mit der Kloschüssel und dem Putzeimer gleichzeitig dasass.

    Ich war auch so gut wie nie gewalttätig, mal gegen die Tür getreten, aber ich habe so einen Scheiss erzählt, nur um ihn auch zu ärgern, bis mir mein Partner dann selbst mal ein Glas über den Schädel gezogen hat.

    Ich trinke fast 20 Jahre nichts mehr und heute liegen wir im Bett und lachen uns über den Blödsinn von damals manchmal fast kaputt. Und ich hab nen kohlschwarzen Humor...

    Das stimmt, es schreibt ja nicht nur Gerchla, wie gut er das verbergen konnte, mir hat das ja auch kaum einer aus dem Kollegenkreis geglaubt. Nach mehreren Umzügen wusste doch sowieso keiner, was ich früher schon mal alles getrieben hatte.

    In einem Bundesland, in dem Bier als Grundnahrungsmittel gilt, habe ich ja nicht mal in der gemeinsamen Mittagspause mitgetrunken. Da standen überall die Biere rum, ich hatte da in dem Moment nicht mal Appetit drauf. Ich wusste genau - habs ja probiert - dass ich nach einem Bier sowieso nur mit der Gier zu kämpfen hätte und wenn das vorbei war, hatte ich schlicht keine Lust zum Arbeiten mehr, hätte mich am liebsten irgendwo verdrückt. Ich hab ja eher über die, die bei der Arbeit schon angetrunken waren, mit abgelästert.

    Und mir half auch morgens kein Schluck gegen den Kater, so wie Rina das neulich beschrieben hat, sondern da war der Tag auch ganz einfach gelaufen. Ich hab das ja auch probiert. Und ich hatte auch schon Jobs, wo einem die Kollegen den Prosecco zum Frühstück aufgedrängt haben und früher habe ich auch schon vormittags zugelangt. War aber nie so der Bringer für mich. Deswegen habe ich später am liebsten nur dann getrunken, wenn es wirklich auf gar nichts mehr ankam. Sprich auf dem Heimweg und zu Hause, wo ich einfach umfallen konnte. Die Gelegenheiten habe ich mir natürlich geschaffen. Aber das hat ausser meinem Partner eben auch kaum jemand mitgekriegt.

    Gruß Susanne

    Hallo Naturmädchen,

    Wie lange willst Du warten, wenn er es sich nicht eingesteht?
    Und selbst wenn er es sich eingesteht....
    Mein Vater wusste, dass er Alkoholiker ist. Sagte aber klar, dass er deswegen nicht aufhören wird. Hat nichts gesehen, wofür sich das Aufhören rentiert. Aufhören ist mit Veränderungen verbunden, auf die man Lust haben muss (ich habe selbst getrunken), da muss sich der Aufwand schon für irgendeine Hoffnung rentieren.
    Und länger leben ist kein Argument, wenn man dem nüchternen Leben dann nichts abgewinnen kann. Ich hatte auch die Denke, lieber früher sterben aber mit ein bisschen Spaß vorher.

    Ich habe meinen Vater ganz offen gefragt, ob er so leben will, und die Antwort war ein klares "Ja". Da ich selbst getrunken habe, wusste ich wie das ist, hab ihn dann einfach machen lassen, bis er dann irgendwann Pflegefall wurde. Mich hat das dann auch nicht so runtergezogen, konnte das ja nachvollziehen. Und ich habe auch nicht mit ihm zusammen gelebt, sondern da war Strecke dazwischen.

    Was machst Du, wenn Dein Mann einfach weitertrinkt, bis er stirbt?

    Vielleicht kannst Du es Dir daneben einrichten, aber die Möglichkeit, dass er nie was ändert, solltest Du auf dem Schirm haben.

    Gruß Susanne


    Sorry - ich weiß, wie schlimm diese Situation für die Angehörigen ist. Aber für die Betroffenen (zumindest für die, die raus WOLLEN aus dem Hamsterrad der Sucht) ist sie genauso schlimm ...
    Dafür möchte ich nur um ein wenig Verständnis werben.

    Dem Alkoholiker, der sich totgesoffen hat, tut nichts mehr weh. (ich hatte solche Überlegungen durchaus).
    Es sind die Angehörigen, die übrig bleiben.
    Und wenn ich mich direkt oder indirekt umgebracht hätte, hätte ich mehreren Personen absolute Tiefschläge verpasst. Ist mir aber auch erst im Nachhinein so richtig klar geworden.

    Durch die Theorie wühlen ist was Anderes als Grübeln.
    Das gehört schon zum "Tun".

    Und Wissen ist zweifelsohne Macht. Es ist auch was anderes als depressive Bauchnabelschau.

    Es kann durchaus interessant sein und damit zu den positiven Dingen gehören.
    Und wenns Dich vom trinken abhält, weil Du dann ja beschäftigt bist, ist es keine vergeudete Zeit.


    Ich bin nur irgendwie der Überzeugung, ich wäre so oder so an diesem Punkt und frage mich halt wieso. Vielleicht irre ich mich da auch.

    Grübleritis ist Teil der Depression und des Selbstzerfleischungsmodus'. Selbst wenn Du Antwort ganz genau wüsstest, hättest Du trotzdem heute Saufdruck und was Du dagegen machen könntest, wäre genau das gleiche, wie wenn Du es nicht weisst.

    Es gibt Literatur und es gibt eine Suchtforschung, die laufend Ergebnisse veröffentlicht wie was mit Anderem zusammenhängt, welche Faktoren eine Rolle spielen etc. Musst du Dich halt mal ein paar Jahre damit beschäftigen. Dann kommst Du möglicherweise drauf, was es bei Dir genau war. Aber dann brauchst Du es wahrscheinlich gar nicht mehr, denn wenn Du Dich mal so angenommen hast, wie Du bist, das spielts keine so große Rolle mehr, was Du früher mal für Fehler gemacht hast oder was sonst alles schiefgegangen ist. Du musst ja eh damit leben. Und das kannst Du dann auch.

    Ich hab mal gesoffen, na und?


    Ich frage mich echt was mich dazu treibt mich ins Jenseits schiessen zu wollen! Ich weiss nicht wieso ich das so sehr möchte...abgesehen von der Sucht die mich dazu treibt?

    Nun ja, wenn ich mal spekulieren darf, das könnte was mit Deinem Trauma zu tun haben. Dieses Ausgeliefert sein könnte das durchaus triggern. Ich hoffe ich bin nicht zu übergriffig.

    Selbstvernichtung als Mittel, einen letzten Rest von Selbstbestimmung zu bewahren und der Situation zu entkommen. Und sei es durch den Hinterausgang. Also tot.

    Nicht das, was Du bewusst willst, aber Fluchtreflex. Nichts, was Du Dir vorwerfen müsstest. Nur musst Du halt anders handeln, als Dir dieser Teil von Dir das vormachen wiil.

    Und natürlich ist das jetzt eher bildlich gesprochen. Details können natürlich anders sein.

    Mit kleinen Schritten kommt man auch voran.

    Ich schätze, dieser Druck wird irgendwann vorbei gehen.
    Bis dahin musst Du durchhalten, und sei es mit diesen Möglichkeiten, die Du da jetzt probierst.

    Es ist ja nicht wichtig, ob das nun vergnügungssteuerpflichtig ist. Kein Mensch verlangt von Dir, dass das im Moment Spaß macht.
    Aber wenn Du das durchhältst, dann hast Du was geschafft, und sehr wahrscheinlich auch ein ganz anderes (besseres) Gefühl dafür, dass Du solche Situationen meistern und kontrollieren kannst.

    Gibs ihm, dem Druck. Du bist stärker.


    Verstehe aber auch, man kann nicht und sollte man nicht das ganze leben in Angst verbringen "was wenn dies passiert" und so was ...Aber Augen offen haben schon :).

    Ich will hier nichts verallgemeinern, sondern nur mal von mir selbst reden.

    Ich muss nicht immer die Augen offenhalten, sondern ich darf das ruhig auch entspannt angehen und auch mal schlafen.
    Ich weiss ganz genau, dass ich nichts mehr trinken will und ich mache mir auch nichts vor.
    Bei mir hat das schon so funktioniert, das ich sofort aufgewacht bin und auch die Augen geöffnet habe, als ich bei einer bestimmten Gelegenheit gemerkt habe, dass das gerade anfängt, mich zu beschäftigen. Und nur dann, wenn mich das beschäftigt, muss ich auch die Augen offenhalten.

    Bei mir z.B war es nur, dass mich die Gespräche über den Wein anderer Leute am Tisch plötzlich mehr beschäftigt haben als sonst. Da dachte ich mir, das sollte ich wieder ändern. Sobald mich das irgendwie emotional tangiert und mir das nicht völlig egal ist, was Andere trinken.

    Ich habe mir dann einen passenden Ausgleich geaschaffen und damit war das Thema wieder erledigt. Und der Ausgleich kann z.B. ganz einfach schreiben hier sein, denn da hast Du das Thema im Kopf.

    Gruß Susanne

    Guten Morgen Rina,

    bei mir grade nicht wegen Corona, aber ich kenne das natürlich auch, dass gerade mal überhaupt nichts funktioniert. So richtige Sch...-Tage.
    Es gibt eine Übung, das ist nachgewisen, dass die bei vielen funktioniert - Teil der experimentellen Psychologie.

    11 Minuten, ein überschaubarer Zeitraum.

    4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden ausatmen. Sonst nichts. Du kannst rumsitzen, wie Du magst, und es ist relativ egal, über was Du gerade nachdenkst, nur dieser Atemrythmus sollte wirklich eingehalten werden.

    Dabei sinkt nachweislich die Aktivität der Amygdala und der präfontale Cortex übernimmt mehr die Kontrolle. Die Begriffe kennst Du vermutlich aus Deiner Traumatherapie, es sind Hirnregionen. Salopp gesagt, werden die Gefühle dabei heruntergedämpft und der Verstand übernimmt mehr die Kontrolle.

    Einfach mal ausprobieren. Ich bin bei so was immer dabei.

    Ansonsten..hast Du Erfahrung mit Körperscan? Bei der Atemübung innerlich jedes Körperteil durchgehen, angefangen von jedem einzelnen Zeh, Oberseite, Unterseite, bis Du beim Kopf angelangt bist. Gaumen, Zunge, Nase, Augen, Kopfhaut, Nacken. Kannst Du auch mal probieren.

    11 Minuten - mindestens. Die meisten sind zu ungeduldig und hören zu früh auf. 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus.

    Und das Ganze fängst Du am besten natürlich schon an, bevor die helle Panik ausgebrochen ist. Also schon wenn Du merkst, dass es sich anbahnt. Später gehts auch noch, wird dann aber schwieriger.

    Gruß Susanne