Beiträge von Susanne68

    Last thing I remember, I was
    Running for the door
    I had to find the passage back
    To the place I was before
    "Relax, " said the night man,
    "We are programmed to receive.
    You can check-out any time you like,
    But you can never leave!"

    Hotel California, The Eagles

    @Toni,

    wenn Du einen Vollpfosten suchst, guck einfach mal in den Spiegel.

    Du merkst es ja nicht mal, wie lächerlich Du Dich machst.

    Schätze, Deine Antwort kenn ich schon. Ob ich sie überhaupt lese, weiss ich noch nicht.

    Soll ich Dir übrigens mal sagen, wie ich mir das manchmal zurechtgelegt habe (das Nüchternbleiben)?

    Ich dachte, ich hab mich dermassen darum gerissen, mich in so eine bescheidene Lage zu bringen. Der ganze Aufwand und das Geld, um überhaupt weitersaufen zu können, und ich hab so viel ausgehalten, als ich gesoffen habe. Warum soll mich denn da so ein bisschen Druck aus den Latschen kippen? Ich hab keine Minute mehr dran verschwendet, ich bin krank, das Leben ist scheisse, ich kann nichts dafür. Nö, ich hab gesoffen, also kann ich auch aufhören.

    Viel später habe ich auch noch meine ganzen Baustellen bearbeitet. Aber erst mal nur weg vom Stoff. Weit weg.

    Beim Rauchen übriegns..da wars im Kopf ja noch deutlicher, was das für ein unnützer Scheiss ist.

    Alles Wissen hat mir nicht dagegen geholfen, dass der unmittelbare Entzug bei mir absolut fürchterlich war. Und reines Beobachten ist nun mal reines Beobachten. Dadurch hast auch Du nicht aufgehört, sondern da musstest Du beim Beobachten schon auch noch die Zigarette weglassen.
    Oder bist Du rauchend Nichtraucherin geworden?

    Für mich ist das auch OK. Ich widerspreche dem Thema, nach den Gründen zu suchen, bist ja nicht nur Du, normalerweise nie. Und ich kann das auch ganz gut.

    Aber ab und an denke ich, es ist ganz gut, mal an die Basics zu gehen, und wenn einer schon vergeblich nach den Gründen sucht, sollte er vielleicht was Anderes probieren.
    Denn an sich ist ja "nichts trinken" auch nur eine Art von "nichts tun" - etwas nicht mehr zu tun, was man bisher getan hat. Und manchmal bringt einen das weiter. So wie beim essen, nicht alles nur analysieren, sondern auch einfach mal gut schmecken lassen. Das ist eigentlich gar nicht so kompliziert.

    Ich kenne Leute, die können mit dem Begriff "Psyche" überhaupt gar nichts anfangen, und die haben ihr Leben besser im Griff als Du und ich zusammen. Ich weiss ja, wie die leben, das beobachte ich ja.

    Mir gefällt auch der Satz ganz gut, das Leben wird nach hinten verstanden und nach vorne gelebt.

    Doch, Du hast das schon beantwortet. Hab da einiges an Wiedererkennungseffekten. Vor allem so zu "früher" hin. Das ist auch tatsächlich ein Punkt, der sich erst langsam geändert hat, bzw. wo es dann auch so einen Kippunkt gab.

    Und ich glaube, das hat tatsächlich auch nur teilweise mit "mich selbst verstehen " zu tun, sondern auch damit, das ich ein paar Dinge einfach getan habe, bis ich Übung darin hatte. Heute kann ich nicht nur viel früher und friedlicher schon sagen, wanns mir reicht, ich merke auch selbst viel schneller, wenn was belastend werden würde, und ich hab auch kaum noch Angst vor Leuten.

    Im Übrigen..in der Suchtberatung wurde mir die Frage nach dem "warum" kein einziges Mal gestellt. Ich denke, das hatte seine Gründe.
    Ich dachte natürlich auch, darum gings. War aber nicht so.

    Es gibt da so nen Punkt, manche Dinge muss man nicht verstehen, die muss man aber akzeptieren.

    Das ist im zwischenmenschlichen Bereich so, man muss sich niemandem erklären, es muss einen niemanden verstehen, wenn man was will, müssen andere das akzeptieren. Solange es einen selbst betrifft auf jeden Fall.

    Und genauso ist es eigentlich beim Saufen. Ich kannte Leute, die haben sich beim Bemühen, ihre Saufgründe zu verstehen, tot gesoffen.
    Dabei muss man nur akzeptieren, dass es scheisse läuft, wenn man anfängt, und gleich das erste Glas stehen lassen. Und der Alkohol läuft niemandem nach. Wenn Du Deine Finger nicht unter Kontrolle hast, tja dann.

    Und wenn Du dann ma ne Weile aufgehört hast, kannst Du auch drüber nachdenken, wie es dazu kam. Das hat, so lange du trinkst, meist keinen großen Zweck.

    Wenn ich in mich reingranteln und vor mich hinmosern kann, gehts eigentlich, da ist das dann irgendwann einfach durch und plötzlich scheint die Sonne wieder. Das läuft aber nur im Rahmen von Selbstgesprächen, denn da kann ich auch innerlich die Sau rauslassen, und auch diesen inneren Kritiker, der alles niedermacht, zu Wort kommen lassen.

    Ich bin dann da aber "noli me tangere", rühr mich nicht an, explosiv und innerlich kurz vor dem Ausflippen. Jetzt nicht mehr so, aber früher musste ich dann oft auch erst mal stundenlang alleine durch den Wald laufen. Oder etwas in der Art. Wenn dann da irgendwie wer mit mir reden oder mich trösten wollte, früher schon meine Mutter, später mein Partner, ganz gefährliches Gelände. Und natürlich auch nach aussen, ich hatte Angst, die Fassung zu verlieren.

    Wie gehts Euch da eigentlich?


    Der Job an sich hätte es ja nicht zugelassen, dass du dir Freiräume schaffst.
    Und mit deiner damaligen Lage wäre das in der Tat sehr riskant gewesen..

    ganz genau. Und an jedem Scheisstag, an dem ich mit mir selbst beschäftigt war, vor die Leute hinstehen und die Firma vertreten. Ich hatte schon mal tagelang Alpträume, als ich schon eine Stufe tiefer vor internationales Publikum treten und vor 300 Leuten die Firmenstrategie erklären musste. Ich mit meinen damals dünnen Nerven, ne Firmenstrategie an der ich intern auch einiges auszusetzen hatte, und dann die Kunden, die auch was zu meckern hatten. Bitte vortreten, um sich die Kritik abzuholen. Und dann die Fassade aufrechterhalten. Ich bin eben nicht Onkel Donald und das ist auch gut so.

    Ich erzähl auch mal noch kurz was.

    Als ich aufgehört habe, hatte ich klar das Gefühl, bei mir gehts jetzt um Leben, geistigen Bankrott oder Tod. Ich hab extreme Mengen getrunken und das über Jahrzehnte immer wieder, und mir war klar, dass das irgendwann Folgen hat. Und es fühlte sich so an, wie wenns kurz davor wäre. Es gibt da so Anzeichen, wo man merkt, jetzt wirds komisch, das ist nicht mehr nur Besoffensein, sondern geisteskrank. Ich hatte schon Panik, was passiert, wenn ichs jetzt nicht schaffe.

    Karriere hab ich eigentlich eher immer unfreiwillig gemacht, mir lag nichts dran, nur wenn ich mal was angefangen habe, war ich meistens gut.
    Bei diesem Karriereschritt hatte ich dann zwar ein Super-Gehaltsangebot, mehr als ich je gebraucht hätte, aber die Bedingung war, ich gehöre dann der Firma. Wenn ich im Urlaub sitze (Handypflicht sowieso, wie bei allen Unersetzlichen) und dann kommt ein Anruf, dann setze ich mich ins Flugzeug und lasse den Urlaub sausen. Vertraglich festgelegt. Umsonst gibts nix.
    Und ich konnte mir ausrechnen, wie lange ich das ohne Alk und Zigaretten ertrage.

    Und ansonsten, klar, ich hab auf die harte Tour aufgehört, mir persönlich war klar, was ich zu verlieren hatte, und ich hab mich zuerst mal gegen alle, die da noch mit irgendwelchen Ausreden rumlaviert haben, klar abgegrenzt, denn das konnte ich nicht brauchen. Erst als mich das überhaupt nicht mehr gejuckt hat, bin ich etwas milder geworden.

    Mein Partner hat immer viel weniger getrunken als ich und dann ganz auffgehört, als es ihn bei mir genug angekotzt hat.

    Nee, er war zu sehr Kümmerer und zu sehr frustriert, er hatte, als ich aufgehört hatte, mich schon beim Alkohol mein Ding machen lassen, aber insgesamt war ich zu umsorgt, ich konnte das auch noch nie ab, wenn sich jemand Sorgen um mich gemacht hat, und intellektuell war das schon beiderseits klar, aber Aktion und Reaktion sind eben noch mal was Anderes. Das Problem war, er hat absolut darunter gelitten, wenn es mir schlecht ging, und mich damit unter Druck gesetzt, ich war dann auch wieder sauer usw usf.

    Er hat das Bier so ganz langsam den ganzen Tag über geschlürft. Immer so schlückchenweise. Ich hab selbst gestaunt, wie man so langsam trinken kann. Aber da war der geistige Abbau auch schon dabei. Jedenfalls wird da der Pegel nur noch langsam abgebaut, und der Spiegel muss auch nicht mehr so hoch sein, mein Vater war ja eher so ein Ganztagstrinker sein Leben lang.
    Und er war Haut und Knochen.

    Jetzt sag ich auch noch was.

    Mein Vater vertrug kurz vor seinem Ende auch nur noch zwei Bier. Das war die kaputte Leber, da brach das Alkoholabbausystem zusammen. Dann verträgst Du nicht mehr.

    Diesen Spruch habe ich gehasst wie die Pest. Denn er erlöste mich nicht davon, ein Mensch zu sein. Wo ich Katzen doch viel lieber mochte.

    Ich glaube, jetzt geh ich mal ;)

    Hallo Orangina,

    Ich hab das bei mir ja mal mit dem bedingungslosen Aufhören geschrieben, wo Du mir dann auch geantwortet hattest, also ich sehe das ganz genau so wie Reko oder Camina, das muss dann Priorität haben. Ich hätte und habe für die Abstinenz auf Verschiedenes verzichtet, unter Anderem auf einen Karriereschritt, verschiedene Freundschaften habe ich dafür auch aufgegeben, aber man gewinnt ja auch was dafür, u.A. Selbstachtung und Wohlbefinden, wenns gut geht. Und ich hätte mich wohl auch von meinem Partner getrennt, wenn das nicht anders gegangen wäre. Co-Abhängigkeit heisst in der Grundbedeutung, ein Verhalten, dass die Sucht des Gegenübers im systemischen Rahmen unterstützt und dazu beiträgt, sie am Laufen zu halten, und wenn mein Partner das beibehalten hätte, hatte ich da auch klare Prioritäten. Das hat so wenig wie Sucht mit Schuld zu tun, aber wie eine Beziehung läuft, ist schon ein ziemlich großer Faktor. Familien können die Hölle auf Erden sein, ich habe gute Gründe, warum ich nie eine wollte.

    Also ich habe das in der Dringlichkeitsliste auch an die oberste Stelle gesetzt.

    Dann gibts da noch so Dinge, die nennen sich Selbstwirksamkeitserwartung und selbsterfüllende Prophezeiungen. Wenn ich glaube, dass ich etwas nicht schaffe, dann erhöht das die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es auch wirklich so kommt, und ich eben z.B rückfällig werde. Dagegen, wenn ich überzeugt davon bin, dass es für mich unter gar keinen Umständen einen Grund geben wird, zu trinken, dann schaffe ich das leichter.

    Zwischen Vorsicht und Angst ist ein Unterschied. Angst als Warnsignal ist in Ordnung. Aber Ängste, Lebensängste, Versagensängste, usw., sind oft auch Gründe, wieder mit dem Trinken anzufangen. Die Angst vor Rückfällen kann der zufriedenen Trockenheit im Wege stehen, man kann sich evtl. nicht richtig entspannen, weil man immer auf der Hut ist. Entspannung und - nüchtern - geniessen können sind aber wichtig. Ansonsten schafft man sich wieder die Gründe, wegen denen ein Drink dann eben doch attraktiv wäre.

    Dann noch ein letztes Wort zu dem, wie man nach einem Rückfall wieder die Kurve kriegt. Ich war bei einigen Diskussionen dabei, wo Leute das akribisch durchdacht haben, was sie im Fall eines Rückfalls machen. Da hiess es dann immer, sofort wieder in die Gruppe oder in die Entgiftung. Aber erstens hat das kaum einer gemacht, wenn es so weit war, denn da hat fast jeder erst mal den Durst gestillt, wenn er mal angefangen hatte, und zweitens konnte man richtiggehned beobachten, was Rina schreibt, das jeder Rückfall das Selbstbewusstsein noch weiter in den Keller drückt.
    Und Rina ist da richtig gut, die fragt nämlich vorher, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, und wo man wirklich noch was machen kann. Hinterher kannst Du nur Scherben aufräumen. Trotzdem ist es klar, dass manche das brauchen, weil sie einfach noch nicht so weit sind. Aber nach meiner Beobachtung ist das immer sehr schwierig.

    Und selbst wenn so ein Plan dann funktioniert, ist das für mich im Grunde nicht viel Anderes, als kontrolliertes Trinken auf neue Art zu versuchen, ein Plan, wie man das nächste Mal mit seiner Sauferei umgeht. Und wenn dieser Plan zu schön ist - manche fühlen sich in der Entgiftung ziemlich wohl, das ist kein Witz - , dann ist das auch eine Hintertür. Jedenfalls hab ich dann ja was, wo ichs mir erlauben könnte, denn ich bilde mir dann ja ein, dass ich auch weiss, wie ich dann damit umgehen werde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dann gleich aufhören würde, da sprechen meine eigenen Erfahrungen mit den Kontrollversuchen einfach dagegen.
    Das kam für mich nie in Frage. Ganz oder gar nicht. Wenn ich wirklich nicht mehr trinken will, brauche ich keine Absicherung für Rückfälle. Da hab ich mich lieber davon abschrecken lassen, wie scheixxe das wäre.
    Und da ich ja rückfalllfrei bin, werde ich da auch nichts dran ändern. Mein Weg funktioniert für mich.

    Gruß Susanne


    Die Situationen, auf die Susanne und Rekonvaleszent sich beziehen müssten meines Erachtens die sein, wenn man sich noch nicht darüber im Klaren ist, Alkoholiker zu sein und sich folglich noch selbst täuscht. Wenn man es einmal begriffen hat, glaube ich nicht, dass man sich noch derart belügen oder sich etwas vormachen kann. Dann kann es doch eigentlich nur daran liegen, dass man nicht verzichten will.

    da ich selbst noch nie einen Rückfall hatte, hab ich da keine eigenen Erfahrungen. Aber viele Gespräche.

    Ursprünglich bin ich mal davon ausgegangen, wenn jemand 10 Entgiftungen und eine Langzeittherapie hinter sich hat, dann weiss er, was er tut und was ihn erwartet, wenn er wieder anfängt. Demensprechend, wenn das Gejammer kam, dass einer schon wieder drin hängt, was willst Du Vollpfosten, bist doch selbst schuld. Kannst Dich ja mit nichts mehr rausreden. Sehenden Auges in den Untergang.

    Zum Teil ist das wohl auch so. Manche machen ja auch nur Schadensbegrenzung, gehen auch aufs Trockendock, um sich aufpäppeln zu lassen, damit sie das Trinken überhaupt wieder körperlich vertragen. Kannte ich einige.

    Dann habe ich aber irgendwann begriffen, dass es eben Bestandteil dieser geistig-körperlich-seelischen Krankheit ist, dass es Leute gibt, die das auch nach 10 Jahren Nüchternheit noch glauben, dass sie irgendwann wieder trinken können. Und dass man das bei Saufdruck vor sich selbst perfekt verbergen kann, wo das hinführt. Das ist krank im Sinne des Wortes. Mir haben Leute glaubhaft versichert, dass sie das nicht gemerkt haben.

    Ich hatte selbst mal eine Phase, wo ich gemerkt habe, dass ich mich dem Trinken geistig wieder annähere. Und das fing nicht mit "Durst" an, sondern damit, das ich mich aufgeregt habe, dass alle trinken. Da dran merkte ich, dass es etwas mit mir macht. Und da fings auch langsam an..nach einem Drink konnte ich früher ja auch aufhören, also könnte ich das jetzt ja wohl auch. Aber dass es dabei eben nicht bleiben würde, fiel mir dann doch rechtzeitig noch ein. Wenn ich aber mehr Druck, Lust oder Bedürfnis verspürt hätte, hätte ich mir die Argumente zurechtgebogen.

    Gruß Susanne