Beiträge von Susanne68

    Noch was. Nur weil Du wegen der Impfverordnung schon dran bist (ich seit Vorgestern in BW), kann das immer noch Wochen und Monate gehen, bis Du tatsächlich auch dran kommst. Es geht überall drum, wer hat Impfstoff, wer hat Termine frei, und wo sind die Leitungen laufend belegt oder der Server mal wieder abgestürzt.

    Und Du als Polizistin müsstest genau wissen, dass man die Bürger über ihre Rechte aufklären muss. Weil die nämlich nicht alles wissen können und auch nicht müssen.
    Jeder Gesetzestext ist im Internet frei verfügbar, deswegen ist noch lange nicht jeder User Juraprofessor. Und hier im Forum müsste niemand Fragen stellen, denn das steht alles schon irgendwo.
    Wenn Du Dich darüber kränkst, solltest Du mal Deine eigene Signatur lesen.

    Was Du geschafft hast? Ich weiss nicht, wie es bei Euch ist, die Bundesländer sind da auch unterschiedlich, aber bei uns muss man sich den Arsch aufreissen und stundenlang am Telefon hängen, und dann auch noch Glück haben, um einen Impftermin zu bekommen.

    Und die Info? Ich finde das eine völlig normale Frage, wenn man vom Anderen wissen will, wie das bei dem denn gegangen ist, wenn man selbst keinen bekommt. Denn der weiss ja dann vielleicht etwas, was man selbst nicht weiss.
    Hier bei uns wird da laufend drüber diskutiert. Weil es halt irgendwie auch nicht nachvollziehbar ist.

    Und es muss ja wahrscheinlich nicht jeder auf dem Schirm haben, dass Du Krebspatientin bist. Leute vergessen so was, das passiert mir mit meiner Behinderung ständig, da muss ich halt reden.
    Und mein Alltag besteht normalerweise auch nicht darin, Verordnungen auswendig zu kennen, sondern das muss ich jedesmal erst nachlesen. Oder eben fragen. Und es ist momenantan tatsächlich so, was letzte Woche galt, gibt diese Woche nicht mehr, usw. Zufälligerweise ist das bei der Impfverordnug anders, das hatte ich bis zu diesem Moment nicht auf dem Schirm. Soll ich da während jeder Unterhaltung erst mal googeln?

    Beantwortet das Deine Frage?

    Neid

    Ich war in meinem Leben schon öfter neidisch. Lange Zeit am Meisten auf Leute, die Sinn in ihrer Arbeit gesehen haben, ich war überzeugt, die tun sich leichter, jeden Tag in ihren Job zu rennen, als ich.
    Direkt danach kamen in meiner Neidskala die, die das gar nicht erst nötig hatten. Selbst bei Frührentnern dachte ich schon, die habens gut.

    Dann war ich sogar schon neidisch auf Leute, die nach mehreren Jahren immer noch behaupten konnten, dass sie ihre Trockeneit glücklich macht.

    Bei mir war die Trockenheit keine Glücksquelle mehr, als es normal wurde, nichts zu trinken. Kein morgens aufwachen, ein Glück, ich bin nüchtern, war dann irgendwan einfach ganz normal. Ich hab mich an die Nüchternheit mit der gleichen Selbstverständlichkeit gewöhnt, wie vorher ans saufen.

    Es gibt Untersuchungen mit Lottogewinnern, sehr viele sind ein Jahr nach dem Gewinn wieder in der gleichen Stimmung wie vorher, das verblasst einfach und dann kommt die Grundstimmung wieder durch. Und so ähnlich war das bei mir wohl auch. Die Unzufriedenheit mit dem Leben, die ich vorher hatte, hatte ich dann auch wieder.

    Es gab da einfach keinen Kick mehr. Die ersten Wochen, ohh super, das hast Du nüchtern überstanden, die und das und jenes, das nüchterne Leben war neu und aufregend, aber dann wurde es irgendwie leer.

    Das war sogar in meinen Trinkpausen spannender. Drei Tage saufen, auf dem Zahnfleisch daherkommen, dann aufhören, und dann wurde es zwei Tage lang immer besser. Es ist ja so schön, wenn der Schmerz wieder nachlässt. Jedesmal ein Belohnungserlebnis, geht ja immer noch. Und stolz, noch einen Tag durchhalten. Ich schaffe es. Dass ich danach wieder trinke, war eh klar, ich hatte nie etwas anders vor.
    Auch bei den längeren Trinkpausen hat mich was Ähnliches durchgetragen.

    Ich war auch so eine Art Sensation Seeker, brauchte immer was Neues, neue Besen kehren ja auch gut, und diese Saufpausen mit den Abstürzen waren da so eine Art Perpetuum mobile. Das passt auch dazu, dass mich jeder Job nach kürzester Zeit gelangweilt hat. Und dass ich jede Droge ausprobieren musste. Immer was Neues , und alles wurde langweilig. Nach drei Tagen Saufen keine Lust mehr zum Saufen, nach drei Tagen Nüchternheit keine Lust mehr zum Nüchtern bleiben.
    Es war ein permanenter Neuanfang, und jedem Anfang liegt ja auch ein Zauber inne.

    Und bei der Trockenheit gabs dann halt nach gewisser Zeit keine laufenden Neuanfänge mehr. Und damit rettete die Trockenheit mich nicht mehr vor mir selbst. Ich habe bis heute Schwierigkeiten, Disziplin aufzubringen, wenn ich keinen Leidensdruck habe und nicht mit dem Rücken zur Wand stehe. Da wurde ich nämlich früher erst richtig gut.
    Leute, die dauernd zu kämpfen haben, haben eben auch laufend Erfolgerlebnisse...oder Niederlagen, jedenfalls ist immer was los.

    An sich ist es eine gute Nachricht, dass ich nicht mehr mit dem Rücken zur Wand stehe. Aber da gibt es eben auch das Sprichwort, wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis. Wenn das Wort Wertschätzung fällt, ich habe meine eigene Trockenheit lange nicht mehr wertgeschätzt, war ein Stück zu normal. Kostete mich zu wenig, war zu billig.
    Mir wurde, wohl zum Glück, bewusst, dass darin auch eine Rückfallgefahr liegen könnte, denn danach wäre das ja plötzlich wieder wertvoll. Und Saufen aus Langeweile, gibts ja auch.

    Die letzten Jahre gelingt es mir besser, mir bewusst zu machen, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, so lange trocken zu sein, und dafür auch dankbar zu sein.
    Und jetzt geht es mir zur Abwechslung tatsächlich so, dass ich kaum mehr neidisch bin.

    Übrigens kein reiner Blödsinn, was ich erzähle. Ich bin schon mal aus einer Alkoholiker-Selbsthilfe-Gruppe rauskomplimentiert worden, weil ich keine Rückfälle hatte und damit keiner von denen war. "da kannst Du ja bei unseren Schwierigkeiten gar nicht mitreden, tschüss". Besonders demütig bin ich auch nicht, wenn ich den Alk nicht trinke, kann er mir gar nichts. Ich bin nur Realist, das reicht. Dabei dachte ich, die wollen doch da auch hin, müssten die doch eigentlich gut finden. Denn ich habe mir ja selbst geholfen, Stichwort Selbsthilfegruppe. Und gesoffen habe ich mehr als viele von denen, müsste als Legitimation ja reichen.

    Zum Teil wirst Du aber mehr dafür respektiert, wenn Du es erst im 20sten oder 50sten Anlauf schaffst, und ich glaube, viele Rückfälle geschehen auch nur, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Was bei Cos funktioniert, funktioniert in Gruppen auch, da wird sich dann mehr drum gekümmert. Das ist Krankheitsgewinn. Cos verlieren ja auch oft ihre Aufgabe, wenn der Suffkopf endlich aufhört.

    So kanns eben gehen.

    Und hier steht mit keinem Wort, dass es in allen Gruppen so ist.
    Und es steht mit keinem Wort da, dass alle sich nur mit den Schwierigkeiten beschäftigen.


    Gratuliere, da bin ich ja richtig neidisch und dann noch der gute Stoff…du bist doch noch keine 60, wie hast du das denn gemacht?“

    Jetzt stehe aber ich auf dem Schlauch.

    Das Zitierte ist für mich eine Selbstauskunft mit daran angeschlossener Frage, eine Bitte um Information. So, wie das da steht, auf jeden Fall. Derjenige wäre halt auch gerne geimpft, was ist daran nun schlimm? Ich wäre das auch gerne, aber das ist doch kein Vorwurf an Dich...Wo ist denn da der Rechtfertigungszwang? Den sehe ich nicht nixweiss0. Ich mache ja nicht Dich dafür verantwortlich, was da für Chaos herrscht.

    Und Neid heisst ja erst mal, Du bist vorn. Reine Feststellung. Bewertung nimmt jeder selbst vor. Auch Du. Was glaubst Du, wie viele hier neidisch auf die Trockenen sind? Gibts übrigens auch, das jemand deswegen schlechtes Gewissen hat, weil er es überlebt und andere nicht. Vielleicht spielt das bei Dir ja auch eine Rolle, weil Du es damit ja mal wieder nicht allen recht machst. Die hätten ja gerne die Bestätigung, wie schwierig es ist. Darf gar nicht leicht sein, aufzuhören, dann wärs nämlich keine Leistung.
    Verbrüdern tun sich ja die Leidenden, und oben wird die Luft dünn.

    Und schon sind wir wieder beim Thema :)

    Hallo,

    nur mal kurz:
    Mein Vater hat sich auch tot getrunken.
    Ich bin Einzelkind, habe selbst gesoffen, und kenne beide Seiten.
    Und ich habe nicht bei ihm gelebt, das wäre auch völlig unmöglich gewesen.

    So wie Du das schreibst, ist typisch.

    Du kannst gar nichts machen, damit er aufhört.
    Und für ihn ist es wahrscheinlich zu spät, das hätte er sich vor langer Zeit überlegen müssen, dass er da was ändern müsste.
    Dazu müsste er das aber erst mal wollen, aber er will trinken. Er muss ja auch trinken, das kann er ja gar nicht so einfach lassen.

    Es ist Tatsache, Du stellst Dich am Besten darauf ein, dass er tatsächlich daran stirbt.
    Er kann Dir nicht das geben, was Du brauchst. Weil es es nämlich selbst nicht hat.

    Sorge für Dich selbst, er wird nicht mehr für Dich sorgen.
    Und Du kannst für ihn auch nicht mehr viel tun.
    Ausser ein bisschen anwesend sein, aber nur, wenn Du das auch wirklich kannst und es Dich nicht nur fertig macht.

    Lies Dich mal durch diesen Beitrag hier durch:

    https://alkoholforum.de//index.php?topic=1800.0

    da ist alles Wesentliche gesagt.

    Viel Glück und Gruß
    Susanne

    Hallo Traumtänzerin,

    Dein Arzt meint aber vermutlich nur, dass Du nicht alleine zu Hause mit dem Alkohol aufhören sollst.
    Sondern Du brauchst wegen Deiner körperlichen Abhängigkeit eine klinische, am Besten eine qualifizierte Entgiftung, damit Du da runter kommst. Krankenhaus oder Suchtklinik.

    Wenn Du den Alkohol aus dem Körper hast, wird es Dir sehr wahrscheinlich sehr viel besser gehen. Oft wirkt das wahre Wunder.
    Und auch wenn noch was anderes sein sollte, kann man das ja auch erst, wenn Du ganz ohne Alkohol bist, feststellen und vernünfig behandeln.

    Frage ihn morgen.

    Wenn Du in so einem Forum bist, dann bist Du schon nicht mehr alleine und dann hörst Du Dir zwangsläufig Texte an. Willst Du ja möglicherweise auch.
    Manche helfen Dir, manche helfen Dir aber auch, Dich selbst zu behaupten. Denn unter Alkis gibt es überall welche, die die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben und meinen, Du müsstest das genau so tun wie sie. Und ich bin auch verhältnismäßig dominant, ich versuche aber, das mit Humor zu sehen. Manchmal ärgerts ich aber auch, wenn ich mich zu viel reinhänge und zu wenig zurück kommt. Du siehst, ich bin auch nicht perfekt. Aber heute kann ich über mich lachen.

    Bei mir war das vor 20 Jahren so, ich hab in einem Uralt-Forum zwei oder drei Fragen gestellt, mich hat aber hauptsächlich interessiert, ob man nüchtern überhaupt jemals wieder ein vollwertiger Mensch wird. Ich, ohne Alkohol, da war ja in meiner Vorstellung wie amputiert.

    Ich hab erst mal alleine zu Hause aufgehört, bin dann aber eben in die Suchtberatung. Paar Wochen lang ein oder zwei Mal die Woche.
    Und dann habe ich wieder mindestens ein Jahr ganz alleine weiter gemacht, und war erst mal rein von der Euphorie getragen, dass das klappte, und dass ich morgends anders aufgewacht bin, und noch ein paar andere ganz offensichtliche Verbesserungen.

    Ich war wirklich voll auf dem Trip, das habe ich endgültig hinter mir. Ich war glücklich. Und falsch war es nicht, ich bin ja immer noch trocken.

    Dann fing aber mein Job an, mich zu nerven. Ich war Führungskraft und kam abends nicht runter. Hab die Arbeit im Kopf mit nach Hause und ins Bett genommen. Und dann fiel mir eben ein, tja, das habe ich früher mit Alkohol geregelt. Und ich merkte, dass ich nichts anderes dafür kannte. Und das war der erste Grund, warum ich in eine Gruppe gegangen bin. Die haben mir dabei aber auch nicht geholfen, weil das lauter Rentner waren, die auch erst aufgehört hatten, als sie in Rente waren, die kannten das gar nicht, Stressjob und nüchtern. Aber ich hab dann immerhin Dampf abgelassen. Und zum Runterkommen habe ich Yoga angefangen.

    Nebenbei hab ich mich dann wieder online mit einigen AA-lern rumgestritten, die kamen auch gerne im Kommandoton, dachten auch, sie hätten das einzige wahre Rezept, und ich wollte mich nicht unterkriegen lassen, und das hat mich erstmal so richtig gefordert. Denn ich wollte unbedingt gewinnen. Die waren aber 20, 30 Jahre trocken, das hat mich schon beeindruckt, und die waren auch nicht auf der Brennsuppe daher geschwommen, aber so wie die das erzählt haben, wollte ich trotzdem nicht leben, ich musste mein Eigenes finden. Und ich habe mich umgeguckt, Bücher gelesen, auch suchtwissenschaftliche Literatur, das ist für mich zum Hobby geworden. Mach ich ja bis heute, interessiert mich einfach, ob ichs bräuchte oder auch nicht, spielt keine Rolle. Wird mir aber auch nicht schaden. Heute bin ich selbst so ein Dinosaurier.

    Insgesamt hab ich dann aber irgendwann mein ganzes Leben auf den Prüfstand gestellt, denn wenn Du mal irgendwo angefangen hast, dann kommt eine Baustelle zur nächsten. Wie bei einem Kartenhus, wenn Du eine rausziehst, bricht alles zusammen. Mir ist aufgefallen, dass ich grundsätzlich was ändern muss, weil alles, von meiner Berufswahl angefangen bis zu meinem gesamten Sozialleben, darauf aufgebaut war, das ich trinke bzw. getrunken habe. Nüchtern hat mich dann, nach dieser Anfangseuphorie, nichts mehr befriedigt, bis ich wirklich ans Eingemachte gegangen bin. Und das ging dann natürlich nicht schnell, ich hab dann erst mal eine Firma aufgebaut und hatte einen Unfall. Dauerte Jahre, bis ich mich überhaupt wieder halbwegs rühren konnte. Natürlich gab es auch da gute Tage, anders als wenn ich weiter gesoffen hätte, aber die Euphorie war komplett weg. Manchmal dachte ich, es hätte sich gar nichts verbessert. Da kannst Du nur durchhalten.

    Und so bin ich dann zu einer Gestalt geworden, wenn ich irgendwo hinkam, haben mir einige gut zugehört. Mir wurde dann auch einges angetragen, weil ich so eingeschätzt wurde. Ich war sozusagen wer. Ich fing dann selbst an, Treffen zu organisieren, Feste ohne Alkohol. Ich habe gemerkt, dass das klappt. Und damit habe ich dann wohl den Grundstein gelegt, dass ich heute auch sonstwo einfach irgend wo hin gehen und loslabern kann, und ich habe meinen Spaß dabei und Andere auch. Natürlich gibt es auch Leute, die mich nicht mögen, aber das ist mir irgendwie schietegal.

    Mir ist aber auch klar bewusst, alles, was ich heute mache, geht nur deswegen so gut, weil ich nichts mehr trinke.
    Und natürlich habe ich ein paar Schwierigkeiten, z.B Körperbehinderung, und ich werde auch nicht jünger, aber die würden vom Saufen auch nicht besser.

    Du siehst, es gibt viele Möglichkeiten. Und jeder ist anders. Wichtig ist für mich, dass ich merke, wenn es falsch läuft, ich was ändern muss. Nicht so prinzipiell, das muss unbedingt alleine oder unbedingt mit anderen gehen, sondern so, wie es gerade am Besten geht.
    Für Dich kann ganz was Anderes wichtig sein, das musst Du halt rausfinden. Meistens zeigt sich das erst, wenn man schon eine Weile, und damit meine ich Wochen, Monate, Jahre, trocken ist.

    Am Anfang bist Du ja erst mal nur damit beschäftigt, nüchtern zu werden, das reicht ja auch fürs Erste. Aber dann wird das Normalität, ist nichts Besonderes mehr. Dann siehst Du den ganzen Rest erst so richtig.

    Und wenn Du wieder säufst, bist Du sehr wahrscheinlich irgendwo falsch abgebogen. Und die meisten werden mit ihren Rückfällen nicht glücklich. Also, kann passieren, und man kann jemandem den Kopf tätscheln, Verständnis zeigen, nur mögen tut der sich sehr wahrscheinlich selbst nicht dafür. Für mich heisst das halt, das möchte ich vermeiden.

    Ich wünschs wirklich jedem, dass er das hinkriegt.


    Ich glaube dass man die Augenblicke im Leben nutzen muss. Ich meine solche Augenblicke, die sich auftun wie verborgene Türen ...

    Das kann schon sein.

    Ich sehe das halt so, wenn ich dann schon anfange, es richtig zu machen, muss ich ja nicht aus Stolz oder Scham gleich den nächsten Fehler machen, der den schönen Augenblick wieder zunichte machen könnte. Sondern ich will das ja dann auch erfolgreich nützen, wenn sich diese Gelegenheit schon bietet.
    Alkoholismus ist eine Krankheit. Und eine, die zu massiver Selbstüberschätzung und Fehleinschätzung führt. Ich war ja auch immer überzeugt, ich schaffts alleine, und wenn ich das nicht schaffe, dann hilft sowieso nichts. Kann ich also schon nachvollziehen. Aber wenn ich dabei geblieben wäre, wäre ich heute vielleicht nicht zufrieden trocken. Manchmal muss man über seinen Schatten springen.

    Wenn ich mir den Fuß brechen würde, würde ich das ja auch nicht alleine probieren. Ausser in der Wildnis, wo es nichts anderes gibt. Kann klappen, sicher, ist aber auch nicht angenehm. Ich weiss, wovon ich rede.

    Ich sags mal salopp, mein Vater ist nicht zuletzt an seinem Stolz vorzeitig gestorben. Weil er jede Hilfe verweigert hat, selbst als er schon am Verhungern war. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie es da ausgesehen hat, das wird dann sowieso offensichtlich.
    Andere holen sich keine Hilfe, weil sie sich schämen. Sieht man dann aber auch irgendwann.

    OK, das ist eine Entscheidung, die ich bei meinem Vater so auch nur akzeptieren konnte. Der hat ja auch wirklich keinen Sinn darin gesehen, mit dem trinken aufzuhören. Und das kann ich verstehen, weil ich das selbst lange so gesehen habe. Ausserdem habe ich ja auch lange nicht geglaubt, dass mir jemand helfen könnte.

    Im übrigen mag ichs auch nicht, wenn man mir sagt, was ich zu tun habe. Früher hab ich dann erst recht das Gegenteil gemacht, heute denke ich immerhin drüber nach, ob was dran sein könnte. Also nicht falsch verstehen, bitte, ich will Dir nichts vorschreiben.

    Gruß Susanne

    Guten Morgen,

    bei mir war es so, dass ich mir überlegt habe, das ich alleine oft genug auf die Schnauze geflogen war.
    Ich konnte zwar jederzeit aufhören, aber das Problem war ja, dass ich auch jedesmal wieder angefangen habe.
    Ich hatte das Bedürfnis nach irgendwelchem Input.

    Meinen eigenen Scheixx kannte ich in- und auswendig. Der reichte ja offensichtlich nicht, sonst hätte ich das ja längst hingekriegt.

    Ich hatte in Alkoholiker kein großes Vertrauen. Erstens war ist selbst eine, und zweitens kannte ich relativ viele, die große Sprüche machen konnten, aber selbst nichts auf die Reihe brachten. Und ich wusste, dass manche von denen in Gruppen waren, das hat mich nicht überzeugt.
    Ich bin dann erst viel später wegen einer relativ speziellen Frage mal in eine Gruppe gegangen, und da bin ich sozusagen hängen geblieben.

    Jedenfalls dachte ich, wenn ich was Neues hören will, dann am ehesten in der Suchtberatung.
    Und da kennen sie auch Ärzte, die sich mit der Sucht auskennen.

    Ich wollte mich zumindest mal durchchecken lassen nach dem ganzen Raubbau, den ich an mir selbst betrieben htte. Und ich wollte auch mal jemand von aussen drübergucken lassen, wie es überhaupt aussieht.
    Du kannst ja jederzeit wieder gehen, niemand dort hält Dich gegen Deinen Willen fest.

    Ich hab sogar angefangen, den Antrag für eine Langzeittherapie auf den Weg zu bringen, dann habe ich es mir aber anders überlegt, weil dabei ja auch schon mal Wochen ins Land gingen und ich der Meinung war, dass ich das auch ohne schaffe. Da waren sie zwar nicht begeistert, aber sie haben mich machen lassen. Nebenbei hab ich aber trotzdem in der Motivationsgruppe und bei einigen Einzelgesprächen einiges mitgenommen.
    Die haben mir da ausserdem nicht das Blaue vom Himmel erzählt, sondern mir vor allem Fragen gestellt, bei denen ich in mir selbst nachgucken musste. Ich musste sie aber nicht mal beantworten, wenn ich keine Lust dazu gehabt hätte. Aber weil ich ja aufhören wollte, hatte ich auch Lust, alles zu tun.
    Und ich wusste zumindest mal, an was ich mit mir bin.

    Es kann jeder das so machen, wie er will. Es muss aber auch jeder jeden Fehler selbst ausbaden und für seine Fehler selbst bezahlen. Du hörst ja nicht wegen den Leuten hier oder bei der Suchtberatung oder wegen dem Arzt auf, sondern weil es Dir selbst schlecht geht. Und wenn Du Fehler machst, landest Du eben wieder da, wo Du gerade herkommst, nur meistens noch eine Runde tiefer. Und das musst Du Dir halt überlegen, ob Du das so schaffst, wie Du denkst.

    Gruß Susanne


    Man kann den Weg aufzeigen,aber jeder einzelne muss ihn doch selber gehen,und diesen Weg finden.

    Ich kann eigentlich keine Wege aufzeigen. Ich kann Dir nämlich klar sagen, wer mir hinterher läuft, der überlebt das sehr wahrscheinlich nicht. Die meisten würden nicht so viel vertragen, schon lange vorher dran verrecken, und die meisten könnten so auch nicht aufhören. Bei mir war das Aufhören ja nicht mal geplant, kam einfach so. Was soll ich dazu dann schon sagen? Sauf mehr, bis es Dir reicht (so hab ichs ja gemacht)...und wenns Dir nicht reicht, ist es nicht mein Problem, Du stirbst dran, nicht ich.
    Und ich bin so stur, ich hab noch nie gemacht, was man mir gesagt hat. Ausser, ich habs eingesehen, dann schon. Und jetzt nüchtern hin und wieder auch, wenns zu mir passt.

    Mich hat das am Anfang sehr gewundert, wenn ich die Rückmeldung bekam, dass das jemandem hilft, was ich so bringe. Eigentlich hat mich das auch gar nicht interessiert, das war ein Nebeneffekt, wenn ich mich mit mir selbst beschäftigt habe. Aber man gewöhnt sich dran. Und vielleicht habe ich mich, weil ich ohne Therapie und Gruppe aufgehört habe, selbst mehr damit beschäftigt als viele andere, und dadurch kenne ich mich selbst gut.
    Trotzdem, mein Vater hat sich totgesoffen, und ich weiss ganz genau, dass ich niemanden trocken legen kann. Und die Zeit, als mich das belastet hat, ist lange vorbei. Mir gehts da mehr drum, mich selbst zu verstehen und Schlüsse für mein eigenes Weiterleben zu ziehen.

    Vor einiger Zeit ging es im internen Bereich des Forums hier um den Tiefpunkt und das bedingungslose Aufhören.
    Das Grundthema war erst der Tiefpunkt und der berühmte Klick, wie ich ihn erlebt habe. Und dann kamen wir zum Thema, wenn man immer auf etwas wartet, was passieren müsste, oder man sich von anderen und deren Unterstützung bzw. Wohlwollen abhängig macht, dann schafft man es vielleicht nie. Also eigentlich geht man sich, wenn man Bedingungen fürs Aufhören stellt, selbst im Weg um, schwächt seine eigene Entschlusskraft und macht sich von äusseren Umständen abhängig.

    Ich bin der Meinung, Aufhören ist eine egoistische Sache, bei der ich um mich selbst kämpfe - und von der dann aber Andere, mein Partner z.B., auch etwas haben, denn nüchtern setze ich meine Interessen vielleicht besser durch, nehme aber auch meine Verantwortung für mein Leben anders wahr. Alles, was der Nüchtenheit dient, ist bei einem Alkoholiker aus meiner Sicht erst mal gut, auch wenn es scheinbar gegen Andere gerichtet ist.

    Mit einer klaren Entscheidung komme ich leichter ans Ziel als mit halbherzigen Versuchen. Und Ausreden, Ausnahmen habe ich mir selbst nicht zugelassen. Aufhören, ohne Bedingungen zu stellen, es geht alles auch ohne Alkohol, es gibt praktisch nichts, was durch Trinken auf lange Sicht schöner oder einfacher wird. Wenn man Probleme im Zusammenhang mit Alkohol hat, Streit mit dem Partner, Arbeitsplatzprobleme, Depressionen etc., dann ist Alkohol das Problem, und das muss als allererstes gelöst werden.

    Ich mache hier daraus ein neues Thema, weil es gewünscht wurde und weil es vielleicht jemandem beim Entschluss helfen könnte.

    Vorab...der zentrale Punkt für mich war, dass es beim Aufhören nichts für mich gab, was höhere Priorität hatte, ich habe dem Aufhören alles Andere untergeordnet, weil es für mich vielleicht nur so zu schaffen war. Uns so, indem ich dann auf nichts mehr Rücksicht genommen habe, ausser darauf, ob es mir beim Trockenbleiben hilft, ging es. Damit meine ich, ich habe einige Freunde entfreundet, auf einen Karriereschritt verzichtet und mir das Denken "Trinken ist keine Option, denn das macht alles schlechter" angeeignet. Ich dürfte immer, niemand könnte es mir verbieten, aber ich will nicht, weil ich meine Erfahrungen gemacht habe.
    Und das Leben ging trotzdem weiter. Besser als vorher.

    Bei allen Schwierigkeiten, die beim Aufhören auftreten können..wenn man mal so weit ist, dass man drüber nachdenkt, dann macht einem das Trinken auch schon eine Menge Probleme. Das ist ja meistens auch nicht mehr lustig, also irgendwas muss man dann sowieso tun und dann besser das, was auch wirklich dauerhaft hilft.

    Das Ganze entstand aus einer Frage- und Antwort-Situation, und die gebe ich einfach mal so wieder, da kommt es vielleicht am deutlichsten raus.


    Fragestellerin:

    Zitat

    Liebe Susanne,

    Ich lese ja öfters deine Beiträge mit grossem Interesse... Du hast hier und in anderen Threads schon paar mal geschrieben wie du es vom süchtigen Leben in ein neues,selbstbestimmtes geschafft hast. Mich erstaunt dabei immer wieder die Leichtigkeit mit der das geschah...würdest Du von einem echten „Klick“ sprechen? Also so wie ein Aufwachen aus einer Illusion? Ich kann mir das so schwer vorstellen dass der Suchtdruck dann auch plötzlich im Nichts verschwindet...selbst bei Einsicht auf rationaler Ebene bleibt die Suchtstrucktur im Gehirn trotzdem noch bestehen? Wir sind in dieser Hinsicht einfach so unterschiedlich, es beeindruckt mich irgendwie wie das alles so plötzlich ins Rollen gebracht wurde und bei dir dann auch so offensichtlich aus der Sucht führte. Glaubst Du du bist in deiner Sucht bis zum Ende gegangen? Also mehr wäre nicht drin gelegen?

    Kein Antwort-Zwang, wenn s dich nicht langweilt schreib doch mal was da genau in deinem Inneren vorging,

    Antwort


    Fragestellerin:

    Zitat

    Danke für deine Antwort! Klar das beantwortet schon was. Ich war ja auch schon oft an dem Punkt wo ich mir dachte jetzt kannst Du nicht tiefer sinken...aber ich sank dann trotzdem noch tiefer. Als ich wirklich aufhören wollte war das dann in einem nüchternen Moment als ich 14Tage Alkfrei war da sich mein Körper so rebellierte gegen den Alk. Und das alles fand dann auf rationaler Ebene statt, also eine Anreihung von Argumenten die keinen anderen Schluss zuliess.

    Ich hab schon von anderen von einem solchen Schlüsselerlebniss gehört und dann kam es zum Umdenken. Vielleicht nimmt es mich auch so Wunder weil ich das so gerne auch hätte. Aber auslösen lässt sich sowas ja nicht bewusst...denke ich mal. Und ich bin ja auch auf einer guten Linie nur muss ich halt immer noch so oft kämpfen...

    Antwort

    Zitat

    Das interessiert jetzt mich.
    Wie definierst Du "tiefer sinken"?

    Beim Saufdruck ist es wirklich so, keiner weiss richtig, wieso der so plötzlich spurlos verschwinden kann. Aber wir nehmen es natürlich mit.
    Saufdruck ist für mich jedenfalls eine Art sehr intensiver Emotion - ich hatte ja welchen, so lange ich meine ganzen Trinkpausen gemacht habe - und ich habe hier schon mal geschrieben, dass Alk/Drogen lange so was wie meine große Liebe waren. Dafür sterben ja auch manche. Also tatsächlich wohl nichts, was man bewusst so einfach ausknipsen kann. Es ist mir halt passiert.

    Gruß Susanne

    Fragestellerin

    Zitat

    Naja wenn ich halt mal wieder irgendwo zuhause verdreckt und mit blauen Flecken aufwachte uf nicht wusste was da passiert ist. Der Kater des Jahrhunderts und in solchen Momenten dachte ich auch, du könntest auch tot sein, weisst ja nicht mal in welcher eventueller Gefahr du dich befunden hast. Oder halt ganz peinliche Aktionen von mir liess wo ich dachte schlimmer gehts nicht...es ging aber tatsächlich noch schlimmer. Diese Erlebnisse hatten keine langfristige Reaktion oder Änderung hervorgebracht,ich soff einfach weiter als wäre nichts gewesen und schaffte es sogar mir einzureden dass es sooo schlimm ja doch nicht ist ??. Das dauerte eine gefühlte Ewigkeit so...das meinte ich damit.


    Antwort

    Zitat

    Ich war da vielleicht ein bisschen schizophren. Ein Teil von mir hat einen anderen Teil beobachtet, andererseits war meine Suffpersönlichkeit von meiner Nüchternpersönlichkeit deutlich getrennt, wie ausgewechselt. Konnte ich gut ausblenden. Später ist mir gekommen, ich habe auch immer nur bis zu den ersten Getränken gedacht, wie bei Dir neulich. Ich hätte es zwar wissen können, aber dazu hätte ich erst mal drüber nachdenken müssen und das wollte ich eben nicht.

    So wie Du das gerade schreibst, fällt mir auf, dass da möglicherweise alles, diese getrennten Teile, zusammenkam und mir das so völlig bewusst wurde. Da wars vorbei mit der Liebe.

    Fragestellerin

    Zitat

    Ich war ach schizophren aber vielleicht auf einer anderen Ebene. Wenn ich paar Tage ohne Alk war, war ich extrem gesundheitsbewusst,super in die Arbeit vertieft und ziemlich gut darin andere über ihre Schwächen aufzuklären...ich war sogar ein richtiger Moralapostel vor allem zum Thema Sucht. Vielleicht war das so eine Gegenreaktion weil ich so überhaupt nicht zu meinem Problem stehen konnte. Es gibt ja die Alkoholiker die lauthals rumerzählen wie oft und wie viel sie saufen. Und als ich dann aber trank kippte ich in den Modus „alles Spiesser“, „die Langweiler mit ihrem Tee...lieber früh sterben dafür gefeiert haben „...Das war schon krass wie ich da von einem Extrem ins andere rutschte.

    Und ja der Vergleich mit der Liebe lässt sich ziehen...Sucht funktioniert irgendwo wie Liebeskummer, plötzlich sieht man nur noch die guten Seiten, sehnt sich an den Anfang der Beziehung zurück, wünscht sich in eine Zeit zurück die längst verflossen ist und nie wieder so sein wird. Ich muss mich oft dran erinnern, die guten Momente mit dem Alk sind endgültig hinüber, es wird nie wieder unbeschwerlich.

    Ich weiss nicht an was es liegt dass es einige aus dem Sumpf schaffen und andere nicht...ausser der Eigenmotivation natürlich. Vielleicht an genau diesem „Aufwachen „ wie es bei dir war, vielleicht passiert das bei einigen einfach nie und sie kehren immer wieder zur Flasche zurück. In der SHG höre ich oft von dem „Klick im Kopf“, das sagt mir einfach nichts irgendwie.

    Antwort

    ...
    ein paar Zwischenrufe, dass man das öffentlich machen müsste
    ...

    Fragestellerin

    Zitat

    Kann Greenfox nur zustimmen, der ganze Beitrag würde sich gut tun im öffentlichen Bereich! Dieses Wenn...Dann- Gedankengerüst muss man wirklich ablegen wenn es was werden soll mit der Abstinenz. Ich glaube das ist der Punkt wo viele drin gefangen bleiben, diese fadenscheinigen Gründe überleben zum Teil sehr lange.

    Aufhören ohne Wenn und Aber...das ist der Punkt.

    Am Anfang hat es mir viel geholfen, dass ich Leute gesehen habe, die schon 20, 30 Jahre trocken waren. Ich habe zwar nicht immer alles verstanden und Vieles habe ich ganz anders gesehen, als die das erzählt haben, aber alleine die Tatsache, das Andere das konnten, überzeugte mich davon, dass ich es auch kann. Und genau das möchte ich weiter geben. Es ist möglich.

    Gruß Susanne

    Wenn Du das so genau wissen willst...

    Ich hab als Kleinkind schon mal vom Kirschlikör genippt, bei uns haben alle Erwachsenen getrunken, die Gelegenheit war da, war da das erste Mal betrunken, dann durfte ich immer nippen. Ab 12 gabs nach der Schule von Mami schon mal nen regelmässigen Kirschlikör und mit 15 bin ich dann selbst aktiv zum Trinken gegangen, was ich als Beginn der 26 Jahre nehme. Und hatte an den Wochenenden schon mit 15, 16 öfter mal Filmrisse, dann gleich noch Haschisch, LSD, Kokain, Tabletten, bisschen Heroin geschnupft, alles was es so gab. Und Alk immer Beikonsum, auf Droge merkst Du das ja kaum.

    Zum Abitur schon mal 3 Monate Pause gemacht, damit ich das überhaupt schaffte. Und danach, 14, 16 Pils, damit hatte ich keine Probleme.

    Mit den harten Drogen war ich mit 24 durch und Alkohol war für mich nur Spielzeug. Und dann habe ich halt eigentlich täglich getrunken, aber nur am Wochende so richtig, hab dann mit 33 Trinkpausen angefangen, wodurch es extremer wurde, gar nicht oder 2, 3 Liter Schnaps ganz locker, bis ich mit 41 von heute auf Morgen die Schnauze voll hatte und aufgehört habe.

    Ich bin aber ein bisschen Sonderfall, weil mir das Aufhören ziemlich leicht fiel, mir reichte es einfach.
    Und Andere vertragen nicht so viel, aber der Körper steckt schon einiges weg. Ich kann mir schon vorstellen, dass Du da noch im grünen Bereich bist.

    Und natürlich waren da bei mir auch ziemlich düstere Zeiten dabei.
    So wie ich musst Du das sicher nicht machen :D

    Hallo,

    Du bist hier schon richtig.

    Ich bin 60, habe auch sehr früh angefangen, und mit 29 war ich so ähnlich auch beim Alkoholmissbrauch, noch nicht so sehr abhängig, aber auch immer gerne getrunken.

    Ich hab 26 Jahre getrunken, Trinkpausen konnte ich bis zum Schluss machen, aber wenn, dann richtig, auch sehr oft bis zum Filmriss.
    Ich bin aber auch 20 Jahre ohne inzwischen und ich habe keine alkoholbedingten gesundheitlichen Schäden davongetragen. Ich bin zwar körperbehindert, aber das kam erst später von was Anderem.

    Trinken ist nie besonders gesund, aber Panik musst Du vielleicht nicht gerade haben, vor allem nicht dann, wenn Du jetzt aufhörst. Da kann alles noch gut werden. Mach einfach das Richtige, dann brauchst Du dir darüber keine zu großen Sorgen machen. Wenn Du weitertrinkst, sieht es allerdings anders aus.

    So ähnlich haben auf jeden Fall sicher manche hier angefangen. In sehr vielen Fällen wird es eher schlimmer mit der Zeit, und der Kontrollverlust ist ein deutliches Zeichen für Suchtgefährdung. Den bringt man normalerweise auch nicht weg, weil einem das nach drei Drinks in den meisten Fällen egaler ist als vor dem ersten. Wenn dann der Durst beim Trinken kommt, so wie das bei mir ja auch war, dann findet man immer eine gute Ausrede, warum man erst morgen wieder besser aufpasst, heute wird erst mal gefeiert. Und schon bist Du wieder da, wo Du nicht hin wolltest.

    Du kannst natürlich auch so ein Ding mit Strichlisten machen, aber das ist mindestens genau so anstrengend und da musst du absolut ehrlich zu dir selbst sein. Wenn Du anfängst, dann einzelne Drinks unter den Tisch fallen zu lassen oder wenn Du anfängst, Ausreden zu finden, warum Du heute mehr als vorgenommen trinkst, dann bist Du schon wieder auf dem absteigenden Ast. Und wenn Du da nicht konsequent sein kannst, dann weisst Du auf jeden Fall, wo Du stehst, denn Trinkgründe finden ist unsere Spezialität.

    Es ist eigentlich besser aufzuhören, so lange es noch einfach ist. Wenn das Problem mal wirklich da ist, wird es immer schwieriger.

    Ich wünsche Dir einen schönen Austausch hier.

    Gruß Susanne

    In der Anfangszeit meiner Nüchternheit hatte ich aber auch mal so eine Phase, in der ich dachte, wenn ich gewusst hätte, wie einfach das Aufhören ist, hätte ich es vielleicht anders gemacht, früher aufgehört. Bei genauem Nachdenken gehts da aber nur um die Schlussphase, als ich es selbst schon wirklich schlimm fand, davor hätte ich einfach nicht aufgehört. Nützt auch nix, mir darüber heute den Kopf zu zerbrechen, es war einfach so wie es war.

    Ausserdem war ich dann mit 41 noch mal Berufsanfängerin nach meinem endlich abgeschlossenen Studium und da gab es dann im Job Leute um mich herum, die ihre Karriere relativ straight verfolgt hatten. Ich hab einiges versemmelt, weil ich lange lieber rumgehangen bin und meine Verachtung der Leistungsgesellschaft ausgelebt habe.
    Einerseits war ich ein bisschen neidisch, dass die im gleichen Alter höher auf der Leiter standen als ich. Der Gedanke, hätte ich vielleicht besser früher angefangen (und nicht so viel gesoffen und gegiftet), war schon mal da. Andererseits war mir aber auch klar, dass ich so wie die ja noch nie leben wollte und auch den Preis, den die bezahlt hatten, nicht bezahlen wollte.
    Ich wollte halt lieber reichlich verfreakt in den Tag reinleben, und das habe ich relativ lange auf meine Art auch genossen. Alles auf einmal geht halt nicht - gleichzeitig faul in der Sonne liegen und Karriere machen ist schwierig. Und meine Prioritäten liegen klar in der Sonne, die Arbeit muss sich anpassen, bis heute.

    Und einfach war das Aufhören ja auch erst dann, als ich so weit war. Ich habe auch schon mal versucht, einen absoluten Traumurlaub 5 Jahre später nochmal zu wiederholen, das war auch nicht mehr das Gleiche, klappte so nicht mehr, weil ich mich zu sehr verändert hatte. Ich schätze, beim Saufen ist es ähnlich, früher fand ich es gut, heute eben nicht mehr.

    Abgesehen davon hätte ich vieles von meiner Unangepasstheit und Verrücktheit wegen fehlender Traute ohne Saufen und ohne Drogen womöglich nie entwickelt, und das fände ich schade. Besoffen habe ich halt doch vieles gemacht, was eigenlich "nicht ging", vor allem nicht unter spiessbürgerlichen Gesichtspunkten. Aber nachdem ichs mal konnte, ging Einiges davon jetzt eben auch nüchtern. Nur meine Geschichte macht mich erst zu der, die ich bin.

    Tja, die Natur...

    Der Watzmann ist ein relativ bekannter Berg.
    Die Überschreitung seiner drei Gipfel gilt als relativ anspruchsvolle Bergtour.
    Beim ersten mal war ich 25, alleine unterwegs.

    Ich hatte 6 Bier und etwas Haschisch dabei.
    Auf jedem Gipfel zwei Bier und einen Joint.
    Und mich dann auf die Wirtschaft im Abstieg gefreut, macht ja durstig.

    So ähnlich wars öfter, später hab ich wegen dem Gewicht nur noch Schnaps mitgenommen.

    Hast Du nur auf Parties getrunken? Ich habe bei jeder Gelegenheit gesoffen.

    Ich war früher nüchtern gar nicht in der Lage, etwas zu geniessen oder Gefallen dran zu finden. Da hat mir einfach was zu meinem Glück gefehlt. Nüchterne Erlebnisfähigkeit habe ich erst entwickelt, als es anders nicht mehr ging. Früher habe ich das einfach doof gefunden, nüchtern zu sein.
    Damals hat das für mich so gepasst. Ich bereue nichts.

    Guten morgen Laila,

    Kinder von Trinkern haben relativ oft spezielle Probleme.
    Schade dass es hier grade ziemlich ruhig ist, es waren schon mehrere da.
    Es gibt Gruppen für Angehörige z. B. bei Al-Anon https://al-anon.de/ und auch bei anderen Selbsthilfeorganisationen.

    Kinder von Alkoholikern werden zu einem erheblichen Teil selbst süchtig, dass ist zum Teil Vererbung, andererseits erlerntes und abgegucktes Verhalten, andere haben andere Probleme und sind oft sehr lange in Therapie. Und das Beziehungsmuster, was man zu Hause erlernt hat, kann man in sein eigenes Leben mitnehmen, das kann einen lange belasten. Relativ oft gibt es in einer Familie mehrere Alkoholiker, bei mir in der Familie ist das auch so.

    Ich bin ja auch eins, mein Vater ist an den Folgen des Alkohols gestorben und ich bin hier aufgeschlagen, nachdem ich in bis zu seinem Tod betreut hatte. Meine Mutter hat auch gerne gesüffelt, aber nicht so extrem, die hat sich auch eher als Opfer gesehen. Meine Vater konnte beängstigend aggro sein.

    War sehr lange auch ein schwieriges Verhältnis, früher haben er und meine Mutter mich oft ziemlich niedergemacht, auch üble Schläge, Fußtritte, Beleidigungen vom Feinsten. Ich war der klassische Blitzableiter, nebenbei sollte ich natürlich trotzdem Glanzleistungen in der Schule bringen.
    Bei uns war halt gemeinsam Trinken eines der wenigen Dinge, wo wir uns verstanden haben, wo es eine Gemeinsamkeit gab. Bei mir hatte das sicher auch mit dem Suchen nach Liebe und Anerkennung zu tun, dass ich mit solcher Begeisterung mitgetrunken habe. Denn mein Vater war stolz auf mich, als ich meinen Onkel (der selbst Alkoholiker war) unter den Tisch trinken konnte, nur mal eins von vielen Beispielen, die ich nennen könnte. Beim gemeinsamen Saufen war halt endlich mal Harmonie und die Ängste, die ich vor ihm hatte, durften pausieren. Und ich der Clique konnte man ja auch beeindrucken, wenn man was vertragen hat, ein positiver Verstärker folgt auf den nächsten. Erst wenn man völlig austickt, mögen sie einen ja nicht mehr.

    Bei anderen, so wie bei Dir, die mehr nur Zuschauer und Leidtragende bei der Sauferei waren, geht das vielleicht in eine andere Richtung, das habe ich auch schon öfter gehört, dass dann jemand rigoros dagegen ist. Und dass die Beziehungen da auch oft schwierig sind.
    Wir hier sind ja auch damit aufs Maul gefallen und nun leben wir ohne Alkohol.

    Lange habe ich mich nur mit meinem Alkoholproblem beschäftigt, hatte sowieso wenig Kontakt zu meinen Eltern und da hatte ich das lange gar nicht mehr auf dem Schirm. Erst als ich dann wegen der Plflege meinem Vater näher kam, kamen wir dann zu dem Thema, dass er ja auch der volle Alki ist, sein ganzes Leben lang getrunken hat. Anders als ich, aber nie ganz nüchtern.

    Mit Angehörigengruppen kenne ich mich nicht so sehr aus. Mein Partner war in einer moderierten Angehörigengruppe bei der Suchtberatung, während ich da in einer ebenfalls betreuten Motivationsgruppe war, das war wohl schon gut. Ich habe aber auch schon öfter gehört, dass manche Leute da sogar das Leben erst wieder gelernt haben, wenns gut läuft, kann das schon sein. So Gruppen sind unterschiedlich, das muss man ein bisschen probieren. Da müssen auch die Leute passen und die Chemie stimmen.

    Ich selbst war mit längeren Unterbrechungen vielleicht 14 Jahre in Foren, und auch in realen Selbsthilfevereinen, in der Suchthilfe tätig (sagt sich so schön, ich habe auch nicht viel mehr gemacht, als zu erzählen und auszudiskutieren und auch oft mal zu streiten, aber genau das brauchen wohl viele Leute, und ansonsten ein bisschen Administrations- bzw. Vereinsarbeit). Jedenfalls habe ich schon eine Menge positives Feedback bekommen und das hat mein angeschlagenes Selbstbewusstsein mit Sicherheit auch aufpoliert, ausserdem habe ich dabei ein gutes Stück weit gelernt, mich selbst zu mögen und zu lieben, früher habe ich mich nämlich auch sehr oft selbst gehasst.
    Und so hab ich aus dem ganzen Mist halt wenigstens noch was Brauchbares gemacht. Ich bin heute meistens ziemlich glücklich mit meinem Leben, natürlich gibt es trotzdem Schwierigkeiten, die das Leben eben so mit sich bringt. Und wenn, dann ist es meistens nicht mehr so gestört, wie es lange war, "es" hat nicht mehr so viel Macht über mich. Ich rege mich auch viel schneller wieder ab als früher.

    Vielleicht schreibt Dir ja doch noch jemand, der in vergleichbarer Situation wie Du ist. Ansonsten einfach weiter gucken, es gibt sie.

    Gruß Susanne

    Laila ,

    Jetzt sind wir hier bei "unserer" Seite, der des Trinkers angelangt. Beim Trinker sieht man normalerweise ja auch das Problem, da gibts es auch genügend Hilfsangebote, wenn es jemand ernst meint. Angehörige, habe ich den Eindruck, wollen meistens nur wissen, wie sie ihren Trinker zum Aufhören bewegen können, und wenn es da keine sicheren Lösungen gibt, dann gehen sie wieder. So erlebe ich das auf jeden Fall. Wurschteln dann alleine vor sich hin oder reiben sich weiter auf in dem Versuch, es doch irgendwie gebacken zu kriegen. So denke ich mir das jedenfalls.

    Das kann schon wichtig sein, das zu verstehen, wie "die andere Seite" aussieht, damit Du da nicht ewig
    Energie und Lebenszeit in was steckst, wo Du nicht weiterkommst. So wie der Alki halt auch kapieren muss, dass es mit kontrolliertem Trinken und Trinkplänen, Trinkpausen bei den meisten einfach nicht funktioniert. Aber der Trinker kann das ja auch nicht nur mit dem Verstand lösen.

    Um nach vorne zu gucken, brauchst Du vielleicht auch eine Angehörigengruppe oder eine Therapie oder so was ähnliches, was Dich stärkt. Und wo du auch wirklich siehst, dass andere ihren Angehörigen auch nicht trocken legen können, was sie schon alles versucht haben, dass sie genau so verzweifelt sind oder waren, dass Schuldgefühle normal sind, aber ein riesiges Hindernis darstellen, dass sie aber Wege finden, ihr eigenes Leben zu leben. Dauert halt, wie "bei uns" auch. Das gibts momentan glaube ich, per Video, bis man sich wieder treffen kann, hast Du Dich da schon mal umgeguckt?

    Gruß Susanne

    Laila

    ich bin auch bei meinen Vorschreibern. Leuten, die kein Alkoholproblem haben, ist der Alkohol unter Umständen auch so wichtig, dass sie sich ihr Bier oder ihren Wein unter keinen Umständen wegnehmen lassen würden. Also, dass Trinken für sehr viele Leute Lebensqualität bedeutet und auch jedem sonstigen Hobby erst den Pfiff gibt, das ist so offensichtlich wie nur irgendwas. Jede Radtour, jede Bergtour, jeder Strandurlaub wird erst durch den Abschlussdrink so richtig schön. Für X Leute, die nicht verstehen, warum jemand trinkt.

    Bei einigen kommt halt dann die Abhängigkeit. Alkohol ist eine Droge mit Suchtpotential, das vergessen ganz viele. Und jeder glaubt erst mal, dass es ihn nicht erwischen wird. Und es kann jeden erwischen, das hängt nicht von irgendwelchen Persönlichkeitseigenschaften ab. Wenn man dann nicht mehr so einfach rauskommt, beginnt die Suche nach den Gründen, erst mal zur eigenen Rechtfertigung vor sich selbst oder wegen den bohrenden Fragen des Partners etc, später dann in der Hoffnung, da die Lösung zu finden. Und durch die Sauferei selbst wird das Leben, die Erlebnisfähigkeit, die Belastbarkeit immer schlechter und damit die Saufgründe immer mehr, nur sieht man das nicht, wenn man mitten drin steckt. Manche Leute haben auch insgesamt weniger Glück gehabt, das kommt dazu. Und Alkohol ist ein Nervengift, das einen schleichend verändert, jeder einzelne Suff (und auch jeder Rückfall) schlägt in die gleiche Kerbe. Lange hat man noch Reserven, um das auszugleichen, aber irgendwann ist halt Schluss damit.

    Wenn jemand, so wie Dein Partner, und ich auch, aus einem Elternhaus kommt, wo der Alkohol schon da zu jeder Gelegenheit dazu gehörte, und der selbst schon von Kindesbeinen an "probieren" durfte (ich war schon als Kleinkind das erste Mal betrunken, das fanden alle lustig), dann gibt es für den sowieso keine Zeit "vor" dem Alkohol, sondern der muss, wenn er aufhört, etwas entwickeln, was er vorher noch nie hatte.

    Diese Spaltung zwischen "Nüchtern ist er der beste Mensch, den ich kenne, und besoffen das größte Ar...loch", was mindestens jeder zweite Angehörige so oder ähnlich schreibt, die hört natürlich auch auf, dann ist man nüchtern der Mensch, der diese verschiedenen Seiten alle auf sich vereinigt.
    Ich habs tatsächlich auch erlebt, dass es eine Demütigung war, dass so ein Stoff solche Macht hat. Noch deutlicher war es bei diesen 10-Zentimeter-Qualmstängelchen, die lange stärker waren als ich.

    Und ein trockener Alkoholiker muss dann eben nicht aus lauter Schuldbewusstsein in Zukunft den Anderen alles recht machen, weil die ja so unter ihm gelitten haben und er sich blamiert hat.
    Sondern der kann auch sagen, ich hab trotz allem ein Anrecht, ich selbst sein zu dürfen.

    Nichts bleibt, wie es war. Leben ist Bewegung.