Beiträge von Susanne68

    Hm, ichso, ist stell zwar fest, das Du da wohl angepisst bist, aber ich kanns nicht so ganz nachvollziehen.

    Trockengeburtstage sind mir persönlich völlig schnuppe, selbst mein 20ster ist mir erst ein oder zwei Wochen später eingefallen. Ich habs aber auch nur registriert, ach da war ja mal was, eigentlich wars mir egal. Wenn ich meine Trockenzeit erwähne, dann in erster Line, um zu untermauern, dass ich keine Anfängerin bin. Und wenn ich mal Bilanz ziehe, dann in erster Linie für mich selbst.

    Dir hab ich nur auf Deinen ausdrücklichen Wunsch hin geantwortet, sonst hätte ich das auch übergangen. Im Grund kann ich nichts damit anfangen. Für mich ist das kein Wettstreit, wer am längsten undsoweiter. Und ich hab ganz sicher nicht damit aufgehört, um mir dafür gratulieren zu lassen, sondern ausschliesslich nur wegen meinen ganz persönlichen Befinden. Von der Logik her würde ich persönlich mich eher fragen, was das Andere überhaupt angeht. Und Alkoholiker sind nicht automatisch meine Freunde, mit vielen verbindet mich ausser der ehemaligen Sauferei überhaupt nichts.

    Und hier sind wir nach meinem Verständnis doch sowieso nur noch ein kleines Häuflein. Wenn nicht immer wieder was käme, dann würde ich manchmal denken, man kann hier ja eigentlich auch zu machen. Schon öfter das Gefühl gehabt, der Letzte macht das Licht aus. Erwartungen habe ich da momentan gar keine mehr. So lange wir uns noch unterhalten, ist gut, wenn nicht, dann werd ich auch aufhören. Wegen dem Alkohol brauche ich das hier nicht. Das ist bei mir ein Selbstläufer, das weiss ich. Es sind halt noch ein paar Leute da, mit denen ich ganz gut auskomme, aber wenn da eine nach der anderen ginge, was sollte ich dann noch hier?

    Machs gut.
    Gruß Susanne

    Wenn wirs uns schon lustig machen. Kein Lied.

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    Zu einem lachenden, kleinen, dicklichen, alten Faltenkaktus mit großem Herzen ist mir nicht direkt was eingefallen.

    Und ich liege sowieso daneben.

    Aber ich gehe das Risiko ein

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    Noch ein letztes vorerst.

    Ich hab eine sehr direkte Sprache, ich bin absolut undiplomatisch und ich halte nichts davon, um den heissen Brei herumzureden.

    Ich glaube, ich habe noch niemanden kennen gelernt, der noch trinken wollte, noch viel positives dran gefunden hat, und der dann dauerhaft stabil und zufrieden trocken geworden wäre. Zufrieden trocken heisst für mich, mit der Entscheidung nicht hadern, es uneingeschränkt gut finden, dass man sich so entschieden hat. Andere Lebensbaustellen können einem dann aber auch erst so richtig bewusst werden, also zufrieden trocken heisst nicht zwangsläufig dauergrinsen.

    In praktisch allen, die "eigentlich" noch gerne trinken würden, nagt das dann, und das Unterbewusste, aus dem dieses Bedürfnis, zu trinken, kommt, schafft dann plausible Gründe, die einem vormachen "ach eins geht doch". Oder man lässt irgendwie Probleme so lange anwachsen, achtet nicht auf sich, löst es nicht, bis der einzig möglich erscheinende Ausweg mal wieder ein gescheites Trinkgelage ist. Es gibt noch mehr solche Mechanismen.
    Und dann hängt man wieder drin, es ist nicht nur Gewohnheit, das Belohnungszentrum im Hirn weiss auch, dass es der Weg des geringsten Widerstands ist. Du musst nichts tun, Du musst Dir nur was besorgen und es trinken. Keine langen Entspannungsübungen und den ganzen Kram.

    Überleg Dir genau, wie positiv das für Dich noch ist. Wenn es sehr positiv ist, dann trink weiter, bis es Dir reicht. Das ist so meine ganz bescheidene Meinung.

    Das Ganze spielt vor allem am Anfang des Aufhörens eine Rolle. Das erste Jahr ist meist das schwerste, ein paar Dinge brauchen länger, wenn Du dein ganzes leben umstellst. Später fragst Du Dich möglicherweise wie ich irgendwann mal, was Du da überhaupt dran gefunden hast. Das wird so selbstverständlich, wie wenn Du nie was Anderes getan hättest.

    Die meisten Leute trinken wohl, weil sie irgendwas davon haben. Genuss, Entspannung, Geselligkeit, es funktioniert ja auch, so lange es nicht zum Problem wird. Zum empfundenen Problem, meine ich. Das reine Risiko ist für mich nicht so entscheidend, ich gehe auch andere Risiken ein, so lange ich gefühlt etwas davon habe. Spass in den Bergen z.B, um nur ein Beispiel zu nennen.

    Wenn ich jetzt Deins so lese, ist das ein bisschen viel Quälerei für ein bisschen wenig Gewinn oder Genuss. Rein von aussen betrachtet und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ich Dich praktisch nicht kenne, ausser von Deinem Geschriebenen hier.

    Ich kann das natürlich schon irgendwie nachvollziehen. Ich dachte, wenn ich gar nie mehr besoffen sein kann, dann kann ich mich ja gleich umbringen. Für mich hing ein grosser Teil des "Sinn des Lebens" am Trinken. Trotzdem wollte ich davon nicht abhängig, keine Alkoholikerin sein. Und irgendwann habe ich gemerkt, das, was ich vom Alkohol will, das kriege ich nicht vom Alkohol. Ich habs dafür dann nüchtern gekriegt. Weil es einfach viel einfacher war, dann überhaupt nichts mehr zu trinken, als das irgendwie zu bremsen.

    Und das ganze Kopfkino, was ich hatte, und was Du hier auch so ähnlich schilderst, ist ja das Gegenteil von Genuss, zumindest für mich. Bei mir allerdings auch die "Trinkresultate". Also das, was ich mir vorgemacht hatte, das es irgendwie Spass macht, das war bei mir längst Essig, ich wollte es nur nicht wahr haben. Wie wäre bei Dir die Bilanz - für Dich?

    Hallo Susi,

    ich schleiche hier so um den heissen Brei, irgendwas kitzelt mich bei Deinen Beiträgen aber ich weiss nicht genau was.

    Also auf der einen Seite gibt es laut WHO praktisch keinen risikofreien Alkoholkonsum, jedes einzelne Glas ist eigentlich zu viel.
    Auf der anderen Seite kenne ich relativ viele "Normal-Genusstrinker", die sich keinerlei Kopf darum machen, ausser darum, dass es gut sein muss, und von denen relativ viele 1 bis 2 Flaschen Wein am Abend locker trinken. Also eigentlich im Schnitt wohl mehr als Du, und anscheidend bereitet ihnen das keine Probleme. Und ich kenne nicht wenige, die mit diesem Konsum über 80 geworden sind, also eine durchschnittliche Lebenserwartung haben.
    Und ich, die alte Säuferin, musste schmunzeln, dass Du 2 Wochen für eine Flasche Wodka brauchtest, ich brauchte 3 davon am Abend. Nicht jeden Abend, aber wenn ich getrunken, ehrlicherweise gesoffen habe, das heisst so drei mal die Woche..

    Wo Du Dich da dazwischen findest, kann ich Dir nicht sagen, das musst du selbst herausfinden.

    Auf der anderen Seite ist aus deinem Schreiben aber ja klar ersichtlich, das Du Dich wohl irgendwie quälst. Allerdings möchte ich Dir die Rückmeldung geben, dass sich das für mich fast wie ein Art Kontrollzwang liest und weniger wie ein reines Alkoholproblem, was Du da schilderst. Aber das ist nur eine Meinung und keine Empfehlung oder sonstwas.

    Für mich gibt es kein "man muss aufhören". Mein Leben ist meins, wenn ich entscheide, dass ich lieber saufe und dafür etwas kürzer lebe, dann ist das eben so.

    Ich hatte aber eines Tages die Schnauze voll und habe aufgehört, weil ich das eben so wollte. Ich hatte auch Angst davor, dass vor dem Tod erst mal die Verblödung kommt, ausserdem waren die Abende über der Kloschüssel auch nicht so prickelnd, also es gab schon gute Gründe dafür, dass ich das wollte, aber es war eine freie Entscheidung, dass ich aufgehört habe. Niemand hätte mich dazu zwingen, nicht mal sonderlich beeinflussen können. Andererseits habe ich aber auch niemanden gefragt, ob ich aufhören darf. Ich bin da egozentrisch, das gemeinschaftliche ist mir persönlich ziemlich fremd, danach richte ich mich eben wenig. Auch wenn ich den Drink ablehne, folglich. Mir kann das manchmal ziemlich egal sein, was andere über mich denken.

    Ich möchte Dir jetzt nur mal die Frage stellen, was würdest Du tun, wenn Du einfach tun würdest, was Du willst. Also ohne das Du Dich zu irgednwas zwingst, ohne Dich streng zu disziplinieren und ohne Dich zu verbiegen. Nach was ist Dir da vor Deinem inneren Auge? Trinken oder nicht trinken?

    Gruß Susanne


    Susanne, du hast mich oft auf die Palme gebracht, aber auch du meinst es gut, hast nur ne etwas andere Art.

    ich sage, was ich denke. Ob ich es gut meine, lassen wir mal dahingestellt. Ich hab ne ganze Menge von diesem sogenannten "gesunden Egoismus".

    Für mich heisst Selbsthilfe in erster Linie, dass sich jeder selbst hilft. Unter Verwendung des Erfahrungsaustauschs und eventuell anderer Blickwinkel. Einen anderen Blick auf die Dinge habe ich sicher manchmal.

    Und Wut - oder auf die Palme bringen - rührt das Denken manchmal kräftig durch. Und mir selbst ging es früher oft so, das ich genau das - bei allem Verständnis auch - gebraucht habe. Vor allem, wenn mein eigenes Denken nicht zur Lösung führte. Mir haben schon auch einige Leute Dinge gesagt, die mir nicht gefallen haben. Sie haben mich aber öfter mal zur Selbstreflektion gebracht. Deswegen muss ich ja trotzdem nicht tun, was mir jemand sagt, wenn es passt, passt es, wenn nicht, dann nicht. Das kann ich ja dann entscheiden. Zum Teil hat es mir sogar geholfen, wenn mir jemand schaden wollte, weil ich mich dann auf die Hinterfüße stellen musste.

    Es kommt drauf an was hinten raus kommt, sagte mal jemand. Wenn es Dir jetzt besser geht und Du Deinen Weg gehen kannst, dann hast Du meinen Segen.

    Gruß Susanne


    Sowas wie : Ich mag nicht, wenn du dich in mein Leben einmischst oder: wenn du mit mir weiterhin Kontakt haben willst, dann...
    Meinst du so etwas ? Nein, das habe ich ihr noch nie gesagt.

    Das hab ich irgendwann mal gesagt, als sie überraschend eines Tages in meine Studentenbude kam und ungefragt das Aufräumen anfing. Da hab ich sie rausgeschmissen. Schon ein paar Jahrzehnte her.

    Zuletzt - vor 10 Jahren - hab ihr gesagt, dass ich über 50 bin und es völlig ausgeschlossen ist, dass ich mir von ihr sagen lasse, wie ich zu sein habe. Ich machs nicht, fertig.
    Ihr Argument war lebenslang, dass sie sich nicht ändern will und kann (der Supersatz: eine Mutter bleibt immer eine Mutter, als Argument, dass man nicht von seinen Kindern lassen kann, Besitzdenken. MEIN Kind. Auch das ist Narzissmus, die Kinder als Verlängerung des eigenen Ego, samt der Enttäuschung, das die dann trotzdem "eigen" werden)...das hab ich ihr dann halt aufs Brot geschmiert. Weil ich genau an dem Punkt nämlich ganz genau so bin wie sie. Genau so stur, genau so hart, genau so unwillig. Und komisch, da werde ich ganz leise.

    Ich hab nicht argumentiert, sondern ihr in der Sache keine Chance gelassen. Ansonsten gibt es zwischen uns eine Menge Unterschiede, wir haben uns drauf geeinigt, dass das eben so ist. Fast wie unter Erwachsenen, nicht wahr?
    Wir haben uns auch darauf geeinigt, dass in der Regel ich anrufe, wenn es für mich passt. Es kommt zwar vor, dass es was Wichtiges gibt, das ist schon OK, wenn sie da anruft. Aber wir reden auch kaum mehr über "weltanschauliche Dinge", weil wir uns beide auch gar nicht mehr streiten wollen.

    Ja, und ich habe es verziehen. Ich habs auch meinem Vater verziehen. Und letztlich war das gut für mich. Ich bin auch mit mir im Reinen.

    Gruß Susanne

    Das machts ja so schwierig. Es kann einerseits nur dahingesagt sein, es kann ein gezieltes Druckmittel sein, es kann aber auch sein, dass Dein Gegenüber tatsächlich so verzweifelt ist, dass es den Worten auch Taten folgen lassen würde.

    Und oft ist es auch noch eine Mischung aus allem. Ich kenn das Spielchen auch aus der Innenperspektive. Manchmal wusste ich selbst nicht mehr, ob ich leben oder sterben wollte. Und das ging mir auch so, wenns niemanden gab, mit dem ich das Spielchen spielen wollte.


    Hat man mit zunehmendem Alter und Erfahrung nicht dennoch irgendwann irgendwie heraus, wie ernst gewisse Drohungen oder Warnungen zu nehmen sind?

    ja, sicher hat man das raus. Wie gesagt, bei meiner Mutter kannst Du damit rechnen, dass sie ihre Drohungen wahr macht. Bei meiner Mutter kommt es nur in Ausnahmesituationen vor, dass das "nur" Sprüche sind. Wie man an Putin sieht, gibts ja auch Leute, bei denen das nicht nur Sprüche sind. Und auch die Verletzungen Anderer sind da nicht nur gefühlt. Da gibts Tote. Meine Mutter ist letzendlich genau so berechnend wie Politik. Und sie meinte meinen Rausschmiss erst mal genau so ernst wie die Scheidung von meinem Vater.

    Selbst die Selbstmorddrohungen. Es gibt Leute, die das wahr machen.
    Trotz aller ihre Härte nimmt meine Mutter auch Antidepressiva wegen ihren Lebens- und Zukunftsängsten, und für sie ist es, wie für mich im Übrigen auch, klar, dass Sterbehilfe eine ganz normale Option ist, wenn es sonst keinen Spass mehr macht. Sie hatte zwei Brüder (meine Onkel), die sich früh tot gesoffen haben. Ganz banal, ganz hässlich. Also warum hätte ich jemals glauben sollen, dass das nur so dahingesagt wäre?

    Ja, noch zu der Frage mit dem Ernst nehmen.

    Vor meinen beiden Eltern hatte auch eine ganze Menge Erwachsene Angst, weil die beide ihre Drohungen durchaus auch ausgeführt haben. Ich hab das mit den Prügeln ja auch ganz real erlebt. Mein Vater aber auch als Vorgesetzter zu seinen Kollegen. Aber auch Rechtsstreitigkeiten mit Handwerkern am Haus, da kannte meine Mutter keine Gnade. Und sie ist so ein Mensch, sie findet jeden Fehler.
    Das musste man ernst nehmen. Der Scheidungskrieg, den sie geführt haben, ganz real, vom Feinsten. Also das war jetzt nicht nur, um kleine Kinder zu erschrecken.


    Bei den Kalibern, die deine Mutter gebracht hat, Susanne: Wusstest du, ob es nur so die üblichen, aus Verletzt-Sein und in verletzender Absicht ausgesprochenen Sprüche sind, die aber nicht umgesetzt werden, oder ob es in vollem Ernst und Ausmaß abgegebene Warnungen waren?

    als das anfing, war ich ein Kind. 5, 6 Jahre oder so. Und ohne Geschwister, mit denen ich hätte drüber reden können.
    Ich hab das durchaus erst mal auf mich bezogen, dass ich so furchtbar war. Die Distanz hatte ich da noch gar nicht, das anders zu sehen. Oder kritisch zu reflektieren, kam erst viel später. Und natürlich hats mich lange trotzdem getroffen, es sollte mich ja auch treffen.
    Meine Mutter, wenn sie was durchsetzen will, hat auch ihre Methoden. Da muss man erst dahinter steigen. Die ist ja nicht blöder als ich.
    Und sie konnte, als ich Anfang 20 war, auch durchaus plausibel machen, dass sie vom Leben nichts mehr hat. Da kam mehreres zusammen, was ihr durchaus Grund zur Verzweiflung gab. Aber ich ging halt auch auf dem Zahnfleisch.

    Mein Vater war anders keine Spur besser. "Arschloch" war auch so eine normale Anrede. Ich war das gewohnt.

    Und es war nicht so abgeklärt, wie ich das heute erzähle. Ich hab dazugelernt, sag ich mal.


    Für mich stellt sich beim Lesen die Frage, ob es nicht noch eine Möglichkeit dazwischen gibt.

    Geht jetzt zwar nicht an mich, aber kommt aufs Gegenüber auch an.

    Meine Mutter kam auch manchmal mit den ganz großen Kalibern.

    Als ich ca. 20, 25 war
    "wenn Du nicht mehr nach Hause ziehst, bringe ich mich um"
    "wenn Du weiter machst, was Du willst, bist Du nicht mehr meine Tochter"

    und vor 10 Jahren "Wenn Du Dich nicht änderst, will ich Dich nie nehr sehen"

    Und natürlich die ganze andere Palette, die Orangina auch angerissen hat.

    Aussagen meiner Mutter an mich. Ging nur nach hinten los. Ich schlage sie mit ihren eigenen Waffen.


    P.S. Schuldzuschreibungen "Du bist blöd, weil du so denkst, oder du bist unerfahren , weil du so denkst, oder du hast doch keine Ahnung , weil du so denkst" sind für mich krasse Beispiele.
    Genau diese sind es, die ich mit meinen Beispielen meinte und ich gehe davon aus, dass ich frei davon bin. Sonst hätte ich ja den Anspruch auf alleinige Weisheit und das habe ich nicht.

    und da bin ich jetzt genau an dem Punkt, ob Du daran etwas ändern möchtest.

    Du (oder reden wir mal nur von mir) kannst das verlangen und durchsetzen, dass sie nicht so mit Dir redet.
    Dass sie das ändert, darauf würde ich nicht warten. Ich würde ihr nur sagen, wenn sie mit mir reden will, dann in einem anderen Ton. Sonst lasse ich das, was sie will, an mir abtropfen. Und dann wird eben nicht mehr geredet.

    Pech, wenn ich das Gespräch selbst brauche. Damit weiss mein/Dein Gegenüber, dass es nichts ändern muss. Weil Du redest ja trotzdem. Weil Du diskutieren willst. Weils für Dich da noch was zu holen gibt oder weil Du Rechnungen offen hast, dabei ist das der Hebel, mit dem Du manipuliert wirst. Und sie wehrt sich auch dagegen, von Dir geändert zu werden, und fühlt sich vermutlich in ihrer Meinung auch nicht akzeptiert. Ein Wort gibt dann das andere, Du greifst sie auch an und schon steckst Du wieder was ein. So kenne ich das von mir.

    Ich bin so gestrickt, ich gehe das Risiko ein, dass es dann eben zum endgültigen Bruch kommt. Kann mein Gegenüber ja genau so entscheiden.
    Aber grade das "wir sind so, wie wir sind" öffnet dann die für mich Möglichkeit der Frage "ist das wirklich so schlimm, dass wir uns deswegen das ganze Leben lang gegenseitig Vorwürfe machen müssen?"..und gegenseitig ist es.

    Für mich gehts da um die Wertigkeit. Irgendwann ist es sowieso vorbei, weil Eltern normalerweise vor ihren Kindern sterben. Ist das dann der Endzustand, mit dem ich übrig bleiben will? Wegen solchen Kinkerlitzchen? Sorry...meins.

    Gruß Susanne


    Und generell hab ich ein Problem damit,wenn andere Meinungen und andere Haltungen nicht akzeptiert werden.

    ich hab mich früher für eine Pazifistitin und sehr weltläufig und tolerant gehalten. Bis ich zu dem Schluss gekommen bin, dass ich gegenüber mancher Form der Intoleranz selbst ganz genau so intolerant bin.
    Ich versteh Dich durchaus, aber rein sachlich ist das, was Du von Dir beschreibst, auch eine Form der Intoleranz. Nur eben die, bei der man sich moralisch überlegen fühlt.

    Es ist manchmal schwierig, sich selbst dazu zu bekennen, dass man auch nicht alles tolerieren möchte uns nicht mal drum rum kommt, sich auch schuldig zu machen.

    Denn bei voller Toleranz Deinerseits müsstest Du diese Intoleranz anderer ja auch als deren Meinung akzeptieren.

    Na ja, Montagmorgen, vielleicht bin ich noch nicht ganz wach ;D

    Gruß Susanne

    Ich lebe jeden Tag. Ich habe schon gelebt, und wenn es vorbei ist, dann ist es vorbei.

    Mir hilft, glaube ich, mein Zynismus. Ich bin sowieso mehr oder weniger davon überzeugt, das die Menschheit in sehr schwierige Zeiten hineinläuft. Irgendwie ist das, was gerade passiert, Teil dessen, mit dem ich sowieso rechne..und weswegen ich mal wieder froh bin, das ich keine Kinder habe. Und wenn sich die Menschheit ausrottet, dann ist das eben so. Ich finde den Gedanken nicht so besonders schlimm.

    Ausserdem hilft mir reden. Es gibt nicht nur schlechte Möglichkeiten, es gibt auch Gute. Mit der Welt, so wie sie bis jetzt lief, war ich auch nicht einverstanden. Es gibt zumindest die Möglichkeit, dass sich nun manches ändert, was man bisher aus Bequemlichkeit nicht geändert hat.
    Trotzdem haben wir uns gestern aber auch darüber unterhalten, was denn passieren würde, wenn nun eine Interkontinentalrakete in Berlin oder Ramstein einschlägt.

    Ausserdem bin ich gestern zufällig auf einen Artikel gestossen, der mir wieder vor Augen geführt hat, dass schlimmste Kriegsssituationen in anderen Gegenden der Welt (Syrien, Zaire, Tigray, Mexiko) schon seit Jahren Normalität sind und jetzt schreien wir nur so rum, weil es uns auch mal treffen könnte. Jeder ist sich selbst der Nächste. Ich hab aber noch nie so ans Gute im Menschen geglaubt, dass mich das nun sonderlich schocken würde.


    Hast du den Eindruck, dass ich nur jammern und nichts aktiv tun will ?

    Liebe Orangina,

    Ich war mir nicht sicher, was Deine Intention dabei ist, es hier zu schreiben, und deswegen habe ich gefragt.
    Ganz allgemein unabhängig von Dir gibts das ja, dass jemand sich nur mal was von der Seele erzählen will, ohne Konsequenzen zu ziehen. Die Möglichkeit gibts ja. Ich wusste es einfach nicht.

    Ausserdem hatte ich es wohl fälschlicherweise so verstanden, dass Ihr praktisch täglich telefoniert.

    Meine Mutter ist auch dafür bekannt, dass sie immer recht hat. Das haben schon ihre eigenen Schwestern erzählt.. Das kommt immer wieder irgendwo auf den Tisch, wenn ich mit Leuten zu tun habe, die sie kennen. Deswegen traue ich da auch meiner Wahrnehmung. Denn die wollte sie mir ja auch absprechen. Früher.

    Bei mir funktionierte das dadurch, dass ich ihr etwas explizit verweigert habe und sie sich dann überlegen musste, wie sie damit umgeht. Und es ging um nichts Geringeres, als darum, ob sie mich während ihres Lebens noch mal sieht oder eben nicht. Ich hab dann eben die Konsequenzen draus gezogen, dass sie mich nicht erträgt (das war genau ihre Aussage) und bin einfach mal wieder drei Jahre komplett weg geblieben. Das war natürlich nicht das, was sie wollte, denn sie wollte ja eigentlich auch, dass ich mich nun wegen ihr ändere. Unser altes, wohlbekanntes Spiel. Und ich wollte aber auch so, wie ich bin, akzeptiert werden. Ich hab nicht nachgegeben.

    Da wars ihr dann doch lieber, meinen Standpunkt zu akzeptieren. Ich akzeptiere ihren Standpunkt auch, nur halte ich mich eben nicht daran. Sie musste sich deswegen nicht als Mensch ändern, nur mache ich eben auch, was ich will.

    Einer meiner ganz wichtigen Punkte in meinem Leben war, dass ich erst gegen meine Eltern rebelliert habe und alles Mögliche an ihnen kritisiert und abgelehnt habe. Macht kaputt, was euch kaputt macht (Ton Steine Scherben). Und dann, als ich aber weg davon war, habe ich an mir selbst beobachtet, das ich ganz viele ihrer Eigenschaften, leider auch diejenigen, die ich nicht so mochte (zum Beispiel die Explosivität und die Rechthaberei) ganz genau so selbst habe. Gelernt ist gelernt, die Genetik spielt vielleicht auch ein Rolle. Lässt sich dann aber auch dazu verwenden, Gleiches mit Gleichem zu erwidern. Liebesentzug kann ich auch.

    Und ich habe zur Zeit auch mehr mit ihr zu tun, weil ich sie auch nicht mehr so kann und ich sie einmal im Monat ins Krankenhaus begleite. So ein entspanntes Verhältnis wie jetzt hatten wir in meinem ganzen Leben noch nicht, jedenfalls meiner Erinnerung nach. Vielleicht wirds ja bei Dir auch noch.

    Gruß Susanne

    Liebe Orangina,

    zur Weltgeschichte: kann ich nichts Sinnvolles beitragen, die hören sowieso nicht auf mich. Und die dreimillionste Expertin...bringt nix.
    Ich erwarte das Schlimmste und hoffe das Beste.

    Bin an dem mit Deiner Mutter hängen geblieben. Schon allein, wie oft ihr telefoniert, das ist für mich gefühlt ein ausserordentlich enges Verhältnis. Das könnte so bei mir auf Dauer gar nicht funktionieren, es würde mir die Luft abdrücken und dann werde ich explosiv oder völlig ungeniessbar. Damit regelt sich das dann auch, und ich sehe das so pragmatisch, dass mein Unbewusstes schon weiss was gut für mich ist.

    Du schreibst, Du hast Dich gut geschlagen. Einerseits Glückwunsch, aber andererseits..ich muss mich ja nur gut schlagen, wenn ich in einem Kampf bin. Vielleicht spielt Deine Mutter Putin und marschiert bei Dir ein, aber irgendwie hab ich das Gefühl, Du lässt Dich ja auch darauf ein. Ansonsten muss man ja nicht ans Telefon gehen oder es geht der Anrufbeantworter dran etc.

    Da komme ich jetzt an meine Grenze, ich kenne Dich dazu viel zu wenig. Ist das mit Deiner Mutter ein Problem, das Du wirklich lösen willst oder willst Du nur mal, sozusagen, Druck ablassen? Oft ist es ja so, das man ein bisschen jammert, aber das, was man tun müsste, ums wirklich zu ändern tut man nicht, aus x-beliebigen Gründen. Man hat sich vielleicht auch abgefunden, aber man merkts trotzdem. Wie groß ist da dein Leidensdruck, wo stehst Du? Das ist eben das, was ich nicht weiss, und wo ich jetzt nicht weiss, ob ich da was dazu sagen soll oder nicht.

    Gruß Susanne