Also, erheitert hat mich das Video jetzt nicht so recht, aber ein gewisses Schmunzeln hat‘s mir schon entlockt.
Und es hat mich ein kleines Bisschen nachdenklich gemacht. Ich hab‘s zweifellos nicht so getrieben, aber ein gewisses Denken kam mir nicht so ganz unbekannt vor…. Bin irgendwie ziemlich froh und erleichtert, diesem Denken entkommen zu sein….
Das Lachen kommt bei mir spontan, wenn ich den Witz erst erklären muss, ist es keiner mehr.
Bei mir war es so, so lange ich uneingeschränkt Drogen konsumieren oder Saufen wollte, war ich mir mir selbst durchaus im Reinen. Mir hat es auch lange nichts ausgemacht, abgefuckt rumzulaufen, weil Spiesser bei uns einfach ein Schimpfwort war. Das Verbotene, das Bürgerschreckhafte, hatte ja erst mal was von einem Gegenentwurf. Das ging ja nur schief, weil mich der Gegenentwurf selbst ruinierte.
Und es waren lustige Situationen dabei, auch wenn einem heute vielleicht das Grausen kommen würde. Sie waren teilweise lustig genug, dass sich auch andere gern daran erinnert haben. Zu dem damaligen "heute"-Zeitpunkt war die Welt für mich nicht immer aber durchaus auch öfter in Ordnung.
Der Bruch kam im Grund ja erst, weil ich meine sonstigen Lebensvorstellungen irgendwann aufgrund beruflicher Fortschritte geändert hatte und das dann nicht mehr dazu passte, immer nur gegen alles zu sein.
Und es war auch nicht die Schuiblade "Alkoholiker" oder "polytox", sondern das unmittelbar schlechte Erleben, das ich in der Form tatsächlich nur hatte, wenn ich gesoffen habe. Der Gegensatz zu den drei Tagen Nüchternheit jede Woche war einfach nicht mehr wegzuleugnen. Das unterscheidet meine Konsumform aber vermutlich auch sehr von Spiegeltrinkern, bei denen jeder Tag mehr oder weniger gleich wie der andere ist. Ich hatte Kontrastprogramm, schon 10 Jahre lang, eigentlich schon alle Rückfälle ausprobiert, bevor ich überhaupt aufhören wollte.
Und was dazukommt, ich hatte bis auf die letzten paar Wochen immer noch das Gefühl, das ich saufe, weil ich saufen will, nicht weil ich saufen muss. Und natürlich das Glück, dass es mir tatsächlich, und mehr, als ich beschreiben kann, tatsächlich gereicht hat, ich war wie vollkommen überfressen.
Der Klick bei mir war nur teilweise eine Kopfgeschichte, es war auch ein echtes Gefühl, ein AHA-Erlebnis, das mir den Saufdruck total genommen hat. Faktisch habe ich aber nur eine meiner vielen Trinkpausen von drei auf viele Tage ausgedehnt, und ich konnte das, weil ich damit Übung hatte.
Musste dabei an einen lateinischen Spruch denken, der hier zwar nicht so richtig zutrifft, weil es um Erwachsene und nicht um Kinder geht, aber vielleicht ist nachvollziehbar, warum mir in diesem Zusammenhang dieser Spruch eingefallen ist. … Wann beginnen wir eigentlich wirklich, „Erwachsene“ zu sein?
Sunt pueri pueri, pueri puerilia tractant. - etwas freier übersetzt: Kinder sind Kinder und Kinder machen Blödsinn.
ich hab mich bis heute noch nie damit beschäftigt, erwachsen sein zu wollen. Ich wollte 18 werden, damit mir meine Eltern nichts mehr vorschreiben konnten, ansonsten hätte es gerne so bleiben können. Darüber hinaus handle ich ziemlich hedonistisch und auch egoistisch, ich denke durchaus über die Konsequenzen meines Handelns nach, aber ich mache eigentlich nichts, weil "man es so macht". Meine stärkste Triebkraft ist immer noch, wie ich bei dem fühle, was ich mache.
Als ich mit dem Saufen aufgehört hab, hatte ich sogar das Gefühl, ich brauch den Alkohol auch deswegen, weil ich im Normalleben schon zu erwachsen und kontrolliert bin, mir das aber gar nicht entspricht und ich das auch nicht sein will. Ich wollte es lernen, auch nüchtern wieder unernster und kindischer zu werden. Für mich war klar, ich lebe im Suff einen Teil von mir aus, den ich mich nüchtern nicht traue, weil ich nüchtern auch so ein komisches Selbstbild hatte, wie so ne Führungskraft und ein intelligenter Mensch zu sein hätte.
Und bei aller Gifterei etc..ich hab damals einige Sachen gemacht, wenn ich die nicht gemacht hätte, dann würde ich es heute bereuen, weil ich das heute wegen meinen körperlichen Einschränkungen nicht mehr machen könnte. Manches kannst Du einfach nur tun, wenn du kaum Angst vor dem Sterben hast. Und bei mir ist das alles auch nahtlos mit Bergsteigen und ein paar anderen Dingen verwoben, selbst meinen heutigen Partner habe ich mit diesen damaligen Zuständen kennen gelernt, also ich hab ja definitiv auch gelebt in dieser Zet.
Und die Zeit zum Alterwerden vergeht von selbst, darum muss ich mich nicht bemühen.
Das glaube ich nicht. Ich denke, dass es eine Vielzahl von Gründen gibt, warum der/ die eine es packt und warum der/ die andere eben leider nicht.
Ich schreib nur von manchen, nicht von allen. Ich hatte nicht mal hier jemanden im Kopf dabei.
Und für diese manche, von denen ich schreibe, ist es einer aus der Vielzahl von Gründen.
Ich hab hier oben grad was von der Übersättigung geschrieben, die ich hatte. Die hatte ich bei meinen Trinkpausen noch nicht, grade bei der längsten habe ich schon Wochen vorher geplant, wie ich mich richtig besaufen kann, ohne dass ich Autofahren muss oder mir jemand dazwischen kommt, der sich drüber aufregt oder mich gar dran hindern könnte. Schon allein deswegen war ich ja so kontroliert, dass ich mir, wenn ich dabei war, wirklich so richtig die Birne absaufen konnte.
Da hatte ich definitiv noch nicht genug gesoffen, um zu dem Entschluss zu kommen, damit aufzuhören. Vor allem, das auch zu spüren, jetzt hast Du wirklich alles mitgenommen, was Dir diese Droge geben konnte, jetzt brauchst Du nichts mehr davon.
Und wir hatte es hier schon mal davon, das ist nicht nur meine Spezialität, sondern diese Form von Klick, bei der auch kein Suchtdruck mehr aufkommt, die Spontanremission sozusagen, die kommt grade bei so Extremtrinkern gelegenlich vor. Ich kenn ein paar davon.
Ein anderer Grund, der öfter vorkommt, ist dass Leute eigentlich weiter trinken wollen, weil sie halt immer noch gerne trinken. Was in meinem heutigen Normatrinkerbekanntenkreis eine Selbstverständlichkeit ist, kaum ein "Normaltrinker" würde freiwillig aufhören.
Aber aufgrund äusserer Umstände, weil es irgendein Problem gib, fänden es trotzdem dann eben - manche - besser wenn sie aufhören würden, aber ohne innere Überzeugung. Sei es wegen Druck oder weil Alkoholiker halt kein Kompliment ist, oder irgendwas Anderes. Weil man hat immer noch gerne trinkt, aber sich schämt, weil man wegen dem Kontrollverlust auch gegen aussen auffallen könnte, oder vor sich selbst.
Das ist der Punkt, die mögen die Wirkung des Alkohoils zum Teil noch und kämpfen zwar dagegen an, aber sie sind nicht da, dass sie wirklich aus Lust am Aufhören aufhören. Sie haben noch nicht genug.
Gruß Susanne