Naja, ehrlich gesagt habe ich mich noch nicht intensiver mit dem Thema Alkohol auseinander gesetzt. Mich auch nicht wirklich nach meinem "warum?" gefragt, fast 32 Jahre gesoffen weil es war wie es war! Ich kenne zwar die möglichen Gründe, aber diese zu akzeptieren und zu verstehen, andere Möglichkeiten des Betäuben und Vergessen zu suchen und anzunehmen, deswegen bin ich hier bzw mache endlich eine Langzeit!
Guten Morgen und danke für die Begrüßung.
Ich glaube die Ursache liegt wie bei vielen anderen Menschen in der Kindheit. Meine persönliche Geschichte ist, ein Vater als Alkoholiker, eine Mutter die mich noch zusätzlich zu den bereits vorhandenen Kindern eigentlich nicht mehr wollte.
Eine Familie aus dem Mittelstand, die nach Aussen eine Fassade trug.
Als Kind durchlebte ich über einige Jahre sexuellen Missbrauch durch einen Jungen der ca.5 oder 6 Jahre älter war wie ich. Er prägte mich in meinem Leben mit dem "Belohnungssytem" (wie ich es nenne). Wenn ich das tat was er wollte, bekam ich das wieder was er mir vorher weg genommen hatte...
Mit 14 oder 15 erkannte ich in meinen Augen, dass der Alk ein Mittel war um in meiner eigenen Welt ein zu Hause zu haben. Irgendwie ergab es sich, dass Freunde, Bekannte und Partner auf der selben Ebene waren wie ich, denn die "Normalen" verstanden mich nicht.
Ich schlitterte in 2 Ehen die ich innerlich gar nicht wollte, aber trotzdem einging (aus der letzten sind 2 Kinder entstanden). Es waren Beziehungen mit physisch und psychischer Gewalt, Männer die ebenfalls dem Alk nicht abgeneigt waren und mir mein weniges Selbstwertgefühl noch nahmen.15 Jahre war ich mit einem Narzissten verheiratet. Egal was er mir und den Kindern antat, blieb ich bei ihm!
Ich gab mir die Schuld für alles: der nicht verschuldete Autounfall meines Bruders, dass mein Vater nach dem Verlust seines Jobs mit Ende 40.in die Hartz Schiene rutschte und nicht mehr raus kam. Meine Mutter immer unglücklicher wurde, denn wäre ich nicht noch als Nachzügler auf die Welt gekommen, dann...
Ich bin nicht auf die schiefe Bahn geraten, auch wenn es manchmal knapp war! Ich habe meine Schule zu Ende gemacht, eine abgeschlossene Lehre und habe mein ganzes Leben ausser in der Elternzeit gearbeitet. Doch egal was ich machte, es gab mir das Gefühl es langt nicht, wo war meine Belohnung?
Meine Belohnung stand überall! War frei zugänglich und döselte mir vor gebraucht zu werden. Ich trank immer, egal wann und wo. Ob vor dem Elternabend, dem Theorieunterricht in der Fahrschule, Termine beim Jugendamt, der Pflege meiner Eltern...um nur einige Beispiele zu nennen, die Liste ist verdammt lange. Ich war/ bin ein funktionierender Spiegeltrinker! Täglich ca.6 Dosen Bier oder etwa 2 Liter Rotwein. Ganz selten harte Sachen und ausser Zigaretten, keine anderen Drogen.
Trotz Frauenhaus und Scheidung, hatte ich zum Vater meiner Kinder immer noch sexuellen Kontakt. Man versuchte der Kinder wegen einen normalen Umgang zu pflegen (so ein Bullshit!!!) was natürlich nicht funktionierte, mittlerweile waren wir offiziell 3 Jahre getrennt. Anfang des Jahres trat ein Mann in mein Leben, wo ich dachte das es einen solchen Menschen für mich nicht gibt. Er tat nicht viel, ausser da zu sein und mir Kraft zu geben!
Mein Ex sah seine "Nutte" in Gefahr und spannte die Kinder immer mehr in seine kranken Wahnvorstellungen mit ein. Im März diesen Jahres begab ich mich in meine 2. Entgiftung und dachte ich wäre schon bereit für meinen Neuanfang, aber das war ich noch nicht. Der Druck von aussen wurde immer stärker, so stark das ich mir mit meinem Pensum an Bier und diesmal mit reichlich Wodka das Leben nehmen wollte. Ich hatte einfach keine Kraft mehr und ich hatte dem "neuen" Menschen in meinem Leben alles an den Kopf geschmissen was mir passiert ist. Irgendeiner musste doch die Schuld haben. Warum denn immer nur ich?
Er rief nicht wie angeraten die Polizei, so das mir der richterliche Beschluss erspart blieb. Er nahm mich mit zu sich und ich hatte 1 Woche Zeit bis hier zur Aufnahme. Die geführten Gespräche mit ihm waren fürchterlich ehrlich und es flossen viele Tränen. Wut, Hass, Scharm und keine Ahnung was noch alles, aber endlich die Einsicht das ich nicht mein ganzes Leben lang weglaufen kann vor mir selber!
Ich habe mittlerweile das Sorgerecht für meine Kinder freiwillig abgegeben, nur noch Besuch- und Umgangsrecht. Beide (15 und 12 Jahre) fahren die Schiene ihres Vaters, was ich ihnen nicht verübeln kann, denn sie kennen es nicht anders und ich war/ bin zu schwach dagegen anzukommen. Es gab schon Vorfälle die mich beschämend machen!
Mein Job ist gekündigt, meine Vermieterin weiß das ich ausziehen werde. Mein körperlicher Zustand (ich war stark unter Normalgewicht) normalisiert sich langsam und auch wenn ich weiß das ich noch einen sehr langen und schweren Weg vor mir habe, bin ich das erste Mal wirklich Stolz auf mich einen solchen Schritt gemacht zu haben!
Ich könnte noch viel mehr schreiben und weiter ins Detail gehen, mag es aber erst mal bis hier so stehen lassen. Es strengt mich sehr an, berührt mich emotional stark, dass sich gerade ein leichter Saufdruck anschleicht (hätte um diese Zeit schon mein 2.Bier offene!) Die ersten Gespräche mit dem Therapeuten hier waren sehr gut und die Ansätze dagegen anzugehen muss ich lernen anzuwenden.
32 Jahre meines Lebens nur mit Alk, die ersten 5 Wochen ohne fühlt sich beängstigend an, aber gut!
Einen angenehmen Tag gewünscht
KLF