Ich habe mich in den letzten Tagen sehr viel mit den Themen „Alkohol“, „Alkoholmissbrauch“ und „Alkoholismus“ beschäftigt und ich bin nach wie vor ziemlich nachdenklich.
Ich habe hier einige Lebensgeschichten gelesen und sie berühren mich nicht wenig. Ich war noch nie dort, wo einige hier waren, aber ich erinnere mich gut, wie das bei meinem Vater war. Er dient mir immer als Warnung, aber ich war und bin doch so ganz anders als er.... Dass auch andere Wege als seiner in den Alkoholismus führen, ist mir hier bei der Lektüre deutlich geworden. Mir geht’s diesmal aber auch anders als sonst, es ist, als erreichte mich dies Thema wirklich in meinem Innern. Und mir ist klar geworden, dass, auch wenn ich noch längst nicht dort bin, wo andere hingekommen sind, ich im Begriff bin/war, so richtig abhängig zu werden. Meine Vorstellungsfrage ist damit beantwortet. Es ist an der Zeit!
Ich trinke auch heute keinen Tropfen. Heute ist damit mein 6. Tag ohne. Ob ich Weihnachten eine Ausnahme machen werde, wird sich zeigen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Jetzt gerade, heute, ist mir das nicht wichtig. Mich interessiert eher, wie ich auf gesundem Weg das erreichen könnte, was mir sonst der Alkohol gegeben hat.
Ich habe in einer Doku gestern gehört, dass, wer Alkohol konsumiert, am ehesten den GABA-Neurotransmitter ansprechen möchte. Was ich dazu gelesen habe, würde das jedenfalls echt gut bei mir passen. Ein Medikament oder künstliches Präparat würde ich deswegen (noch) nicht zu mir nehmen, ich traue der Pharmaindustrie nicht so recht, aber mich interessiert, wie ich diesen Neurotransmitter auf natürliche Weise ansprechen könnte.
Ich hatte gehofft, dass einige meiner Symptome auf Entzugserscheinungen zurückzuführen wäre, sind sie aber wohl nicht. Freitagabend stand ich etwas neben mir, ich konnte mich kaum richtig auf das konzentrieren, was ich gerade tat, es fühlte sich unangenehm wattig an, gestern fühlte ich mich den ganzen Tag erschöpft, geriet bei den kleinsten Anstrengungen außer Puste und hatte Schweißausbrüche und auch heute geht’s mir nicht viel besser. Freitag war mein 4. Tag ohne Alkohol, es ist also unwahrscheinlich, dass das noch Entzugserscheinungen waren. Die Symptome sind mir nicht neu, die habe ich schon eine Weile, nun kann ich wenigstens ausschließen, dass es vom Alk kommt. Morgen mache ich mal einen Termin beim Arzt ab, um das abklären zu lassen. Jetzt kann ich ja auch hingehen, ohne mich schämen zu müssen, dass die Symptome auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen wären.
Ich wünschte mir, hier wäre etwas mehr los. Das fehlt mir hier.
Gestern Abend habe ich nach Selbsthilfegruppen bei mir vor Ort gegoogelt. So richtig sprach mich keine an. Das klingt interessant, was einige hier darüber erzählen, wie sie zu ihren SHGs gekommen sind, aber meine Hemmschwelle, von mir aus Kontakt aufzunehmen, ist noch riesengroß, abgesehen davon, dass zur Zeit wahrscheinlich auch bei uns keine persönlichen Treffen mehr stattfinden werden. Es gibt wohl Online-Angebote, aber irgendwie traue ich mich nicht da dran. Und dann möchte mich eigentlich auch nicht ständig mit Geschichten von Abstürzen beschäftigen, sondern ich möchte inspiriert werden, wie’s ohne Alkohol gut läuft. Ich möchte nicht ständig nach hinten sehen, sondern nach vorne.
Bin gespannt, was ihr zu dem, was ich geschrieben habe, antwortet.
Viele Grüße