Beiträge von AmSee13

    Ich bin ziemlich nachdenklich geworden und ich versuche zur Zeit mir bewusst zu machen, was da in mir geschieht, wenn ich Alkohol trinke. Ich schreibe das hier für mich auf, vielleicht hilft mir und anderen das ja.
    Ich wende das Wissen und die Fragen an, das/ die mir in Bezug auf das Rauchen weitergeholfen haben.
    Ich weiß eigentlich, dass Alkohol ein Suchtstoff ist. Vielleicht nicht so schlimm wie Nikotin, aber spielt das letztlich eine Rolle? - In meinem Fall möglicherweise nicht, weil ich wahrscheinlich zu denen gehöre, die anfällig für Suchtmittel sind. Alkohol sorgte dafür, dass ich (besser) funktionierte, länger arbeiten konnte, mich für eine kleine Weile besser fühlen konnte, entspannter, das Leben leichter empfinden konnte usw.
    Mir ist bekannt, dass Alkohol ziemlich schnell auf die Biochemie des Gehirns einwirkt und das Belohnungszentrum anspricht, dass er viel schneller als das wirkt, was auf natürlichen Weg die Ausschüttung des Belohnungshormons Dopamin bewirkt. Und mir ist bekannt, dass, wenn mein Gehirn diese Wirkung und den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und „Wohlbefinden“ erst einmal kennengelernt und gelernt hat, dass es eine so eine bequeme Abkürzung gibt, es kein Zurück mehr gibt. Bei Zigaretten habe ich diesen fatalen Zusammenhang jedenfalls ziemlich deutlich kennengelernt.

    Zu welchen Gelegenheiten trinke ich? - Das habe ich bei meiner ersten Vorstellung geschrieben. Wenn ich ehrlich bin, habe ich zu diesen Gelegenheiten den Alkohol weniger aus Genuss, sondern vielmehr wegen seiner Wirkung getrunken. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, gehen bei mir alle Warnsignale an.
    Wie habe ich mich vor, während und nach dem Trinken gefühlt? - Vor dem Trinken hat‘s mir gewissermaßen Schwung bzw. Energie gegeben, Vorfreude. Während des Trinkens ging’s mir anfangs gut, ich fühlte mich beschwingt, aber das änderte sich von Glas zu Glas, die Energie nahm immer mehr ab. Nach dem Trinken ärgerte ich mich häufig über die Menge und schämte mich teils sogar. Manchmal fühlte ich mich am Folgetag kaputt und müde.
    Schmeckt der Alkohol wirklich?- Da ich wählerisch bin, anfangs ja. Wenn’s mehrere Gläser geworden sind, geht’s nicht mehr so sehr um den Geschmack. Nur das erste Glas schmeckt wirklich.
    Wie schnell ist ein Glas geleert? - Ehrlich gesagt, viiiieeel zu schnell. In der Regel brauche im Anschluss gleich noch ein zweites oder sogar drittes Glas.
    Wie fühlt es sich an, wenn die Flasche leer wird und ich eine neue kaufen muss? - Es fühlt sich nicht gut an. Zum einen schäme ich mich, weil sichtbar wird, wieviel ich getrunken habe, zum andere sorge ich mich, weil der „Spaß“ nun zuende ist bzw. sein sollte. Manchmal fange ich dann noch eine zweite Flasche an.
    Wegen Vorratsbeschaffung hatte ich selten Probleme, ich war eigentlich nie besorgt, keinen Nachschub bekommen zu können. Manches Mal hab ich extra keinen Alkohol mehr gekauft und das ging in der Regel ganz gut.

    Sehr ich mir das Ganze jetzt mal so mit einer gewissen Distanz an, wird mir gruselig.....

    Ganz und gar möchte ich den Alkohol noch nicht lassen. Ich möchte ausprobieren, ob ich noch zu einem „normalen“ - was ist schon normal? - Trinkverhalten zurückfinden kann. Sollte das nicht mehr möglich sein, weiß ich, was die Stunde geschlagen hat und den notwendigen Weg gehen.

    Ich hoffe, dass ich hier im Forum richtig bin und nicht störe. Ich habe mich gestern hier durch einige Threads durchgelesen und dabei verschiedene Positionen kennengelernt. Es liegt mir fern, jemanden, der abhängig ist, zu triggern. Ich möchte offen sein für Möglichkeiten und ich möchte mit dem, was mich beschäftigt, nicht mehr allein sein. Ich möchte mich mit Menschen, die für dieses Thema sensibilisiert sind austauschen. Mit meinem Mann habe ich gestern über das, was mich bewegt, gesprochen, hab ihm auch gezeigt, was ich geschrieben habe, aber er kann mir an dieser Stelle nicht so recht weiterhelfen.
    Wer das hier so liest, mag denken, dass die Lösung doch klar auf der Hand liegt: Nie wieder Alkohol. Doch da bin ich einfach noch nicht. Ich kenne in meinem Umfeld kaum jemand, der gar keinen Alkohol mehr trinkt. Ich kenne das so - und sehe es doch auch ständig im Fernsehen - und ich finde es schön, zu einem guten Essen einen guten Wein oder ein gutes Bier zu trinken. Ich werde das einschränken, definitiv, es soll nur noch gewisse, seltene Ausnahmen geben. Für alle anderen Situationen - Stress-, Entspannungs-, Belohnungs- oder Motivations-Situation - werde ich mir Alternativen ausdenken und mir angewöhnen müssen. Da ich mich hier geöffnet habe, sehe ich mich gewissermaßen verpflichtet, mich dran zu halten. Das ist meine Sicherheitsmaßnahme.
    Viele Grüße

    Hallo Susanne,
    hab vielen Dank, dass du dir so viel Zeit für mich genommen hast. Ich verstehe sehr gut, was du mir sagen willst, und was du geschrieben hast, macht mich nachdenklich. Ich bin längst noch nicht an solchen Punkt gelangt, an den du vor Jahren gelangt bist, aber da will ich ja auch niemals hin. Deine Geschichte warnt mich aber und das ist gut so.
    Du hast Recht, dass ich selbst wissen muss, was ich will und was ich mache. Und mir ist sehr bewusst, dass ich bezahle, wenn ich Fehler mache.
    Ich bin von der Raucherei schließlich dadurch weggekommen, dass ich mich immer wieder genau beobachtet habe und in mich hineingehorcht habe. Manches war mir zwar vom Verstand her klar, aber ich hatte meine Gefühle und mein Belohnungszentrum unterschätzt. Bei den ersten Aufhörversuchen hörte ich mehr oder minder aus Vernunftgründen auf, glaubte aber, etwas zu verlieren. Ich scheiterte dann in gewissen Situationen, weil da der innere Druck, die Situation zu bewältigen und dabei funktionieren zu müssen, unerträglich war. Heute brauche ich keine Zigarette mehr, will nicht mehr rauchen und kann fast nicht mehr nachvollziehen, wie ich mir das antun konnte.


    Und heute kann ich feiern und auch den Sonnenuntergng bei Saft geniessen. Ohne drüber nachzudenken, ob ich ein Problem habe oder mir hinterher irgendwelche Selbstvorwürfe zu machen. Genuss ohne Reue. Ich bin heute gefühlsmäßig da, wo ich mit dem Trinken immer hin wollte. Nur bin ich schon lange nüchtern.


    Das hört sich unglaublich gut an! Das ergänzt mit dem, was ich an Vorteilen gelesen habe, wenn ich auf Alkohol verzichte, klingt sehr verlockend.

    Ob ich in Bezug auf Alkohol auch schon da angekommen bin, wo ich mit der Raucherei war, weiß ich nicht. Was ich so bisher an mir beobachtet und mit den Erfahrung anderer, die tatsächlich schon richtig abhängig waren, verglichen habe, bin ich noch nicht so weit. Mir ist aber sehr bewusst, dass ich in der letzten Zeit auf Messers Schneide balanciere. DAS ist definitiv nicht gut und so darf es gar keinen Fall weiter gehen.
    Das Buch von Schreiber sagt mir sehr zu und spricht mich an. Solche Literatur ist sehr hilfreich für mich. Ich kenne sowas auch in Bezug auf das Rauchen, aber dies ist noch besser.
    Wie ich‘s beim Rauchen gemacht hab, werde ich es auch mit dem Alkoholkonsum machen.
    Was ich ausprobieren möchte, ist zwar eine Art kontrolliertes Trinken, aber nicht so eines, wo ich mir regelmäßig gewisse Tage die Woche oder einmal im Monat einen Abend mit Wein gönne. Ich bezweifle, dass sowas bei mir gut gehen könnte. Aus der Erfahrung als Exraucher weiß ich, dass das nicht funktioniert, denn die EINE oder die zwei, die man sich einräumt, gewinnen eine viel zu große Bedeutung und es bleibt nie auf Dauer bei der einen. Rückzuck ist man (=ich) wieder voll drauf.
    Ich werde mich beobachten und in mich hineinhorchen. Kochwein wird’s nicht mehr geben und ich werde auch in den Pausen bei der Gartenarbeit nicht mehr Alkohol trinken. Da muss ich Alternativen finden, denn das, was ich getan habe, ist zu gefährlich. Ich weiß doch eigentlich um die Wirkung solcher Stoffe wie Alkohol und Nikotin auf die Biochemie im Gehirn. Wie kann ich nur so unvorsichtig sein? - Ja, ich weiß es, es ist die Sehnsucht, sich besser zu fühlen, zufrieden und glücklich zu sein. Aufgrund meiner Erkrankung hab ich zu wenig dieser Glückshormone....
    Was ich mir erlauben möchte, ist, an bestimmten, seltenen Gelegenheiten, wie z.B. Weihnachten, Alkohol trinken zu dürfen. Ob das gut geht, wird sich zeigen. Ich glaube für mich, dass es schon mal ein Fortschritt für mich ist, für mich anerkannt zu haben, dass mein bisheriger Konsum sehr problematisch ist, ich nicht mehr leugne, ein Problem zu haben, und mich hier angemeldet habe. Ich weiß nicht, ob das hier ähnlich läuft, wie in dem Forum für Nicht-mehr-Raucher, da ist nämlich echt was los und ich bin virtuell vielen Menschen begegnet, die mir wichtig geworden sind, die mich weiter gebracht haben und denen ich eine Hilfe sein konnte.
    Ich habe jedenfalls vor, hier zu berichten, wie‘s bei mir läuft. Heute jedenfalls trinke ich auch nicht. So hoffe ich es Schritt für Schritt zu schaffen, in der Regel abstinent und damit zufrieden zu sein.


    Bei mir war das auch so,ich konnte Wochenlang nichts Trinken ,aber wenn es dann losging konnte ich nicht aufhören,und ich bin auch davon überzeugt,wenn ich jetzt wieder ein Glas Trinke sitzt mir schon das Teufelchen im Nacken und macht solange rum bis nichts mehr in der Flasche ist,deshalb fange ich erst gar nicht mehr mit einem Versuch an.


    Hallo Daun 2020,
    Danke, dass du mir geschrieben hast. Ich habe von einigen gelesen, dass es ihnen so ähnlich ergangen ist, wie dir. Mir ist das meines Wissens so noch nicht passiert. Ich will das aber definitiv bei meinem nächsten Alkoholkonsum beobachten. Wenn’s so kommt, dass ich die Tage danach das Bedürfnis verspüre, meine Ausnahme auszuweiten, weiß ich, was die Stunde geschlagen hat. Bislang ist es so gewesen, dass ich nach dem ersten Glas noch mindestens ein zweites und ein drittes wollte, dass dann aber irgendwann der Punkt kam, an dem‘s mir gereicht hat, ich also gewissermaßen satt war.
    Ich werde jedenfalls die Augen offen halten, wie’s mir mit meinem Plan ergeht.
    Interessant und reizvoll wird für mich auf jeden Fall, welche Vorteile die rigorose Einschränkung der Alkoholkonsum für mich haben wird.

    Viele Grüße

    Hallo Gerchla,
    hab vielen Dank für deine Antwort! Du bringst mich damit tatsächlich schon ein Stückchen weiter.
    Du vermutest ganz recht, dass ich den einen oder anderen Selbsttest gemacht habe. Bislang kam dabei immer „Riskanter Alkoholkonsum“ heraus. Inzwischen mache ich mir jedoch Sorgen, zu weit gegangen zu sein.
    Was du zum Alkoholiker aus gehobenen Kreisen schreibst, kann ich nachvollziehen, und denke ähnlich. Wenn’s erst so weit gekommen ist, dass jemand tatsächlich abhängig geworden ist, macht es keinen Unterschied mehr und der Alkoholiker aus gehobenen Kreisen unterscheidet sich nicht großartig vom Penner auf der Parkbank. Ersterer leistet sich eben nur die teurere Version des Fusels.
    Ich habe nicht zum Ausdruck bringen wollen, besser als der Penner auf der Parkbank zu sein, sondern etwas anderes. Soweit ich informiert bin, ist es dem „richtigen Alkoholiker“ schließlich egal, was er trinkt, Hauptsache es ist Alkohol. Für mich gehörte es bislang zu meinem eigenen Test oder meiner Selbsteinschätzung, dass ich, wenn ich einen Wein oder ein anderes alkoholisches Getränk nicht mag und dann lieber ganz verzichte, noch safe bin. Dass es mir also letztlich ausschließlich um den Genuss geht.
    Ich habe mir gerade eben das Buch von Daniel Schreiber, „Nüchtern“ als EBook runtergeladen. Der Anfang gefällt mir ziemlich gut und ich fühle mich davon sehr angesprochen. Da, wo er hingelangt ist, bin ich noch lange nicht, aber ich erkenne mich in Teilen wieder. Irgendwie, ich kann’s nicht erklären, empfinde ich es jetzt schon als heilsam das zu lesen. Es macht mir nicht Angst, im Gegenteil, es macht mir Mut.
    Der Deal mit mir selbst, den du vorschlägst, klingt vernünftig. Ich weiß, dass ich eine ganze Weile ohne Alkohol auskommen kann, wenn das für mich irgendwie stimmig ist. Der Sprung, Weihnachten und Silvester auf Alkohol zu verzichten, ist mir jetzt noch zu hart, obwohl ich um die Gefahr weiß. Ich werde das beobachten. Was Schreiber über seinen Misserfolg mit dem kontrollierten Trinken schreibt, könnte mir auch passieren, wenn auch nicht in DEM Ausmaß.
    Jetzt erstmal schließe ich mit mir folgenden Deal, denn alles andere ist für den Anfang zu groß. Auch heute - gestern habe ich auch schon nichts angerührt - trinke ich keinen Alkohol.
    Ich weiß gut, was du damit meinst, wenn ich mich unter welchem Vorwand auch immer, nicht an meinen Vorsatz halte und doch zur Flasche greife. Ja, wenn das passiert, weiß ich tatsächlich, was die Stunde geschlagen hat. Ich kenne das Suchtteufelchen, den Selbstbetrug und die Argumente recht gut aus anderen Zusammenhängen.

    Nochmals, danke dir, dass du mir geschrieben hast. Bis...

    Ich weiß, wie das beim Nicht-mehr-Rauchen-Wollen läuft, nur ist das, was ich da gelernt habe, nicht so auf meine Sache mit dem Alkohol übertragbar. Rauchen werde ich gewiss mir mehr, da scheint der Schalter nun endgültig umgelegt, aber nie mehr Alkohol trinken?

    Das kann ich aus meiner Zeit und Tätigkeit im Forum für Nichtraucher nachvollziehen.
    Ich hab mich hier aber angemeldet, weil ich Hilfe suche.
    Geht es denn anderen Aufhörwilligen nicht ähnlich wie mir? Muss ich denn erst richtig abstürzen, um Hilfe zu bekommen?
    Es einfach so für immer sein zu lassen, kriege ich nicht hin. Das hab ich schon versucht.
    Wie machen das denn andere?

    Hallo Susanne,
    natürlich hast du Recht, dass man = auch ich ohne Alkohol richtig gut kochen kann.

    So wie Du das trinken hier anpreist, werde ich sicher keine Anstrengungen unternehmen, Dich vom Gegenteil zu überzeugen.

    Vielleicht habe ich mich nicht gut genug ausgedrückt. So ist es, wie ich das Trinken empfinde und das macht es mir ja gerade so schwer, es sein zu lassen, obwohl ich um die Gefahr weiß, obwohl ich vielleicht wirklich schon ein Problem damit habe. Dass Alkohol gefährlich ist, weiß ich ja nur zu gut.

    Hallo zusammen,
    ich bin Ende 40, lebe in einer sehr guten und glücklichen Partnerschaft mit einem Partner, der sehr wenig bis gar nicht trinkt, und ich befürchte seit geraumer Zeit, ein Alkoholproblem zu haben. Ich trinke nicht regelmäßig, aber doch mehrmals in der Woche und dann häufig bis etwa eine Flasche Sekt oder Wein. Ich nehme mir nie vor, dass es so viel wird, aber kontrolliertes Trinken, d.h. nur ein Glas, funktioniert nicht. Auf das erste folgt recht schnell ein zweites und dann ... Spätestens nach einer Flasche ist dann aber Schluss, mehr mag ich dann einfach nicht mehr. Ich trinke gerne einen Wein oder Sekt beim Kochen, dann macht die Kunst einfach mehr Freude. - Ich koche gerne und betrachte richtiges Kochen als Kunst. - Ich trinke am Nachmittag, wenn ich im Garten arbeite und Pause mache, gerne mal ein Sektchen oder Bierchen. Ich trinke am Abend vor dem Fernseher oder beim Lesen ein Weinchen. Ich trinke gerne einen guten Wein zu einem guten Essen. Im Sommer trinke ich auf der Terrasse gerne einen „Sundowner“. Ich trinke nicht jeden Wein oder jedes Bier, bei harten Sachen bin ich ganz vorsichtig. Ich bin nämlich vorgeschädigt. Meine Eltern waren beide Alkoholiker, meine Mutter hat zwar vor meiner Geburt für immer mit dem Trinken aufgehört, aber mein Vater hatte regelmäßig Rückfälle, die unsere Familie regelmäßig aus der Bahn warfen, und bei ihm jedes Mal mit professionellem Entzug in einer Klinik endeten. Mein Vater starb dann, als ich 15 war, bei einem Autounfall unter Alkohol- und Tabletteneinfluss. Die Sucht meines Vaters mitzuerleben war grauenvoll.
    Eigentlich sollte ich gar keinen Alkohol trinken, denn ich nehme ein Antidepressivum. Ich kann seit zwei Jahren keiner regelmäßigen Tätigkeit mehr nachgehen, weil ich MS und schwere Depressionen habe, die mich regelmäßig lähmen. Jeder Tag ist anders und ich weiß nie, ob der nächste Tag ein guter oder ein schlechter Tag wird. Ich bin aufgrund der Hilfe eines sehr guten Arztes psychisch stabil, habe meinen Weg gefunden, mit meinem beiden schweren Krankheiten umzugehen, und lebe so von Tag zu Tag.
    Sorge macht mir, ein Alkoholproblem entwickelt zu haben, denn gemäß gewisser Checklisten ist mein Verhalten auffällig. Abgesehen davon, dass ich wegen des Medikaments eigentlich gar keinen Alkohol trinken sollte, ist da eben, dass ich zwar tagelang problemlos keinen Alkohol trinken kann, aber dann, wenn ich dann Alkohol trinke, es einfach nicht bei einem Glas belassen kann, sondern es bis zu einer ganzen Flasche wird. Angst macht mir, nie wieder Alkohol trinken zu dürfen, denn ich liebe und genieße einen richtig guten Wein und es gibt so viele Situationen, die mit einem Glas Bier oder Sekt oder Wein oder ... einfach so richtig schön rund sind. Ich weiß aber auch, wie eine Sucht bzw. ein Suchtgedächtnis funktioniert. Ich war Raucher und hab mehrere Aufhörversuche hinter mir. Inzwischen scheint da der Schalter umgelegt zu sein, denn ich spüre überhaupt kein Bedürfnis mehr zu rauchen. Und geschmeckt, sowie früher, haben mir die Zigaretten bei meinem letzten Rückfall überhaupt nicht mehr und ich konnte der Raucherei gar nicht mehr das abgewinnen, was ich dem früher abgewonnen habe. Ich vermisse sie überhaupt nicht mehr, die Zigarette. Das aber kann ich mir bei Wein, Bier usw. überhaupt nicht vorstellen, denn anders als eine Zigarette schmeckt mir auch nach längerer Abstinenz der erste Schluck besonders gut.
    Eine Selbsthilfegruppe vor Ort möchte ich nicht aufsuchen. Mein Partner befürchtet, dass ich gefährdet bin. Wir haben schon darüber gesprochen, aber ich hasse es, wenn ich mich auf meinen Konsum anspricht und mich bevormundet. Ich möchte es erst einmal hier in der virtuellen Anonymität versuchen. Beim Rauchentzug hat mir auch ein sehr gutes Forum geholfen.
    Ich bin gespannt, wem ich hier so begegne und ob ihr mir weiterhelfen könnt.
    Viele Grüße