Ich danke euch, Gerchla, Greenfox und Daun2020 für eure Beiträge.
Ihr habt alles dazu gesagt, ich habe dem nichts hinzuzufügen.
Mir geht’s im Moment nicht gut. Gefahr, dass ich zu Alkohol greife, besteht nicht, ich bezweifle, dass ich je wieder einen Tropfen anrühren möchte. Dafür ist zu viel passiert.
Die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema, auch und besonders mit den Problemen der Angehörigen hat alte Wunden aufgerissen. Ich wollte das so, habe mich dem gestellt und ich denke, es war jetzt, nach dem Tod meiner Mutter, auch an der Zeit dafür, aber es bringt eben auch die alten Gefühle wieder hoch: Hilflosigkeit, Ohnmacht, Enttäuschung, Wut, Verzweiflung, Scham.
Mein Vater starb, als ich 15 Jahre alt war, aber was war bis dahin alles Schlimmes passiert: Als ich sechs war, bekam ich seinen ersten Selbstmordversuch mit, meine Tante brachte sich mit dieser Methode zwei Jahre später erfolgreich um. Meine Mutter wurde von meinem Vater unter Alkoholeinfluss mehrfach bedroht, körperlich attackiert. Wir verloren unser Zuhause. Wir zogen oft um. Wir hatten oft Existenznöte. Ich fand keine Freunde mehr, seit ich sieben war. Außenseiter/ Mobbingopfer während meiner Schulzeit. Verantwortung für Vater und Mutter. Vater sucht Hilfe bei mir. Mutter sucht Hilfe bei mir. Wechselnde Koalitionen. Manipulation. Und so weiter.
Ich bin dem Ganzen entkommen, habe Abitur gemacht, studiert, mir ein gutes Leben aufgebaut. Doch die Vergangenheit hat mich eingeholt, schon vor Jahren. Ich bin zuletzt auf die Verführung des Alkohols - kann man das so schreiben? (Kopf kratz) - hereingefallen. Seine wundersame Wirkung kommt ja auch so leicht und harmlos daher, wenn man in einer Umgebung lebt, in der Alkohol trinken kein Problem ist, sondern „nur“ der Feierlaune, Entspannung, dem Wochenendfeeling und und und dient. Ich habe die Gefahr nicht sehen wollen. Darin bin ich so vielen Alkoholikern ähnlich. Zu meinem Glück ist in meinem Leben nicht alles schief gelaufen und ich habe zur rechten Zeit die richtigen Leute getroffen oder die richtigen Entscheidungen gefällt und ich habe hilfreiches Handwerkszeug auf den Weg mitbekommen.
Wenn ich anderen hier geschrieben habe, diente das zum einen dazu, ihnen bei der Findung ihrer eigenen Lösung behilflich zu sein, zum anderen aber half es aber auch mir selbst. Durch die Auseinandersetzung mit den Problemen anderer wurden mir zugleich meine eigenen Sorgen, Gedanken, Probleme bewusster und die praktische Anwendung meines Wissens und meiner Erfahrung half mir, diese ggf. zu strukturieren und zu priorisieren.
Diese intensive Auseinandersetzung hat mich aber auch empfindlich gemacht und ich habe zur Zeit nicht die innere Balance, um mit Kritik umgehen zu können. Deshalb lege ich nun eine Pause ein, um mich wieder zu erholen.