Beiträge von AmSee13

    Vor sechs Wochen ist meine Mutter gestorben und es gehört für mich zu meinem Trauerprozess und meiner Trauerarbeit, mich meiner Vergangenheit zu stellen. Manches, was ich hier im Forum lese, erinnert mich sehr an meine Kindheit und Jugend.
    Mein Vater starb, als ich 15 Jahre alt war, unter Alkohol- und Tabletteneinfluss bei einem selbstverschuldeten Autounfall.
    Seine Alkoholkrankheit hat das Leben meiner Mutter, meiner jüngeren Schwester und meines nachhaltig geprägt.

    Wenn ich hier schreibe, hoffe ich, dass andere von meinen Erfahrungen und meinem Wissen profitieren können.
    Ich kann nicht mehr arbeiten, aber ich kann noch weitergeben, was ich weiß.

    So, nun für alle, die meine Vorstellung mitverfolgen, und um weiteren Missverständnissen vorzubeugen:
    Inzwischen ist mir durch intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema klar geworden, dass ich ein Alkoholproblem habe, das ich nur in den Griff kriegen kann, indem ich den Rest meines Lebens abstinent bleibe. Dabei spielt es keine Rolle, dass ich noch nicht körperlich abhängig geworden bin. Abhängig bin ich, das ist mir nun glasklar.

    Ich habe die Alkoholkrankheit in vollem Ausmaß als Kind und Jugendliche bei meinem Vater erlebt, das hat mich für mein Leben dauerhaft geprägt.
    Vor zehn Jahren wurden bei mir mittelschwere Depressionen diagnostiziert. An dieser Krankheit arbeite ich nun schon genau so lange. Ich glaubte sie überwunden, aber dadurch, dass bei mir vor zweieinhalb Jahren MS diagnostiziert worden ist, ist die Erkrankung wieder richtig ausgebrochen. Seit 2018 bin ich berufs- und arbeitsunfähig.

    Dass ich gerade dabei bin, ein massives Problem mit Alkohol zu entwickeln, ahnte ich so nach und nach in den letzten Monaten und schließlich mehr und mehr in den letzten Wochen. Als ich mich hier angemeldet habe, war das für mich der Startschuss, mich dem Thema nun wirklich zu stellen.
    Was mich selbst sehr überrascht hat, war, dass sich im Laufe dieser ersten Woche nach meiner Anmeldung in meinem Denken und Fühlen so viel verändern hat. Was ich theoretisch vom Kopf her wusste, aber irgendwie nicht an mein Inneres herangelassen hatte, erreichte mein ganzes Denken und Fühlen. Mehr oder minder plötzlich wurde mir klar, dass ich Alkohol eigentlich nur noch wegen seiner Wirkung trank, dass es mehr wurde und mir mehr und mehr zu entgleiten begann. Und durch die Geschichten anderer wurde mir so richtig bewusst, worauf ich da so zusteuere.
    Ich habe überaus leidvoll erleben müssen, was der Alkohol bei meinem Vater angerichtet hat. Ich war also gewarnt, aber ich war doch so ganz anders als er und, solange ich jederzeit ein Glas stehen lassen konnte, war ich doch safe. Oder? Mit etwas Abstand sehe ich, wie fahrlässig dieses Denken war. Sich immer wieder einer Gefahr auszusetzen und, wenn’s dann gut gegangen ist, sagen, „Siehst du, ist ja gut gegangen.“ ist sowas von fahrlässig.
    Ich bin jetzt erst zweieinhalb Wochen abstinent, aber in mir fühlt es sich an, als ob ein Schalter umgelegt wäre. Mir ist sowas von klar, was in mir passiert, wenn ich Alkohol trinke. Ich kenne die Wirkung ziemlich gut und weiß zu gut, wie verführerisch das für mich ist. Ich könnte danach gewiss wieder aufhören zu trinken, soweit war ich noch nicht gekommen, dass ich das nicht könnte, aber warum mit dem Feuer spielen? Warum das, was mir zur Zeit sowas von glasklar ist, torpedieren?
    Ich habe im letzten Jahr Alkohol konsumiert, um meine Krankheiten eine kleine Weile vergessen zu können. Für eine kleine Weile fühlte ich mich wieder leicht und beschwingt, das Leben machte wieder Spaß, die Schmerzen waren weniger bis weg, der zuweilen unerträgliche innere Druck und die Panikanfälle wurden erträglich. Alles richtig, aber das war nicht die ganze Wahrheit. Oft trank ich zu viel und dann kippte die Stimmung. Oft war ich am Folgetag müde und erschöpft und ich habe auch den starken Verdacht, dass die Schmerzen sich verschlimmert hatten. Oft war mir peinlich, wie viel ich schon wieder getrunken hatte. Oft nahm ich mir vor, „Heute trinkst du nicht.“, und am Abend öffnete ich wieder eine Flasche Wein oder Sekt.
    Es sind erst zwei Wochen Abstinenz und doch bemerke ich schon spürbar Veränderungen, was ich auf die Abstinenz, aber auch die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema hier im Forum, mit mir selbst und die Lektüre hier empfohlener Literatur zurückführe: Ich schlafe besser und fühle mich morgens in der Regel erholt. Meine Stimmung hat sich ingesamt verbessert, ich fühle mich etwas stabiler und stärker. Ich bin konzentrierter und kann Dinge angehen, die ich sonst für unmöglich hielt oder nur mit vielen Pausen erledigen konnte.
    Ich bin überwältigt und außerordentlich dankbar für diese Erfahrung. Das macht mir Mut und spornt mich an, für immer auf Alkohol zu verzichten.
    Vorerst gilt für mich allerdings weiterhin: Heute trinke ich nicht.
    Diese Einstellung hat mir beim Rauchausstieg geholfen, sie wird mir gewiss auch in diesem Fall helfen.
    Wir lesen uns.
    AmSee

    Ok. Ich werde mal schauen, was ich hier im öffentlichen Bereich preisgeben kann.
    Hätte nicht daran gedacht, dass das so notwendig sein könnte.
    Oder wäre es besser, meine Erstvorstellung zu löschen, damit keine Missverständnisse aufkommen?
    Grüße
    AmSee

    Hallo Britt,
    natürlich kannst du mir deine Gedanken schreiben, denn du regst mich und andere damit ja zur Selbstreflexion an.
    Ich weiß nicht, ob du meine Vorstellung im internen Bereich schon gelesen hast, so, wie du mir hier schreibst, wirkt das nicht so auf mich. Oder missverstehe ich vielleicht etwas?
    Tatsächlich hat bei mir seit meiner Selbstvorstellung am 28. Oktober eine innere Wandlung stattgefunden und ich habe das, was ich theoretisch eigentlich schon wusste, endlich auch innerlich begriffen. Natürlich hat dieser Denkprozess nicht erst vor zwei Wochen begonnen.
    Mir ist inzwischen ziemlich klar, dass ich ein Alkoholproblem habe und das Ganze nur in den Griff bekommen kann, wenn ich für den Rest meines Lebens abstinent bleibe. Damit und mit noch einigem anderen setze ich mich zur Zeit so richtig auseinander und es geht dabei ziemlich ans Eingemachte.
    Dass man, wenn man (noch) trinkt, anders tickt, anders denkt, ist mir inzwischen sehr deutlich geworden.

    Du magst meine „Suggestivfragen“ nicht, ok. Danke für deine Rückmeldung. Ich habe diese Fragen gar nicht als Suggestivfragen aufgefasst, sondern dachte, ich stärke mein Gegenüber damit. Ich will ja gerade nicht besserwisserisch rüberkommen, sondern dachte, ich bescheide meinem Gegenüber damit, wie kompetent er schon ist. Wenn meine Fragen aber so rüber kommen, lasse ich die in Zukunft bleiben.

    Ich bringe mich hier mit meinem Wissen und Erfahrungen schon jetzt ein, obwohl ich erst seit zwei Wochen dabei bin, weil ich andere auf ihrem Weg unterstützen möchte und weil mir die Auseinandersetzung mit den Fragen anderer auch für mich selbst weiterhilft. Dass ich anderen nicht wirklich helfen kann, wenn ich mich selbst nicht an das halte, was ich rate, weiß ich ziemlich gut. Das wäre echt scheinheilig. Scheinheilig bin ich wirklich nicht. Ich bin ein grundehrlicher, grundernster Mensch, der sein eigenes Reden, Handeln und Denken ständig kritisch hinterfragt. Wenn ich etwas sage oder rate, so stehe ich dazu.

    Mit deinen Fragen habe ich kein Problem, wundere mich aber schon, wie meine Beiträge hier so bei dir ankommen konnten. Deine Fragen klingen für mich jedenfalls ziemlich aggressiv.
    Ich werde meine Beträge in Zukunft auf solche Zwischentöne mehr abklopfen und wenn dir da noch etwas auffällt, was du schief findest, nur zu, schreib mir.

    Auf deine Fragen:
    Ja, ich habe mit meinem Doc darüber gesprochen und werde es ggf. wieder tun.
    Ja, ich arbeite aktiv an meiner „Trockenarbeit“. Sehr sogar übrigens.
    Ja, klar, weiß ich, wie‘s um mein Fundament steht.
    Ja, ich möchte zu den Langzeitabstinenten gehören.

    Lass von dir hören, Britt!

    Viele Grüße und alles Gute auch für dich!

    AmSee

    Hallo Larry,
    natürlich ist das alles andere als schön, dass du heute wieder eine Panikattacke hattest.
    Dass und wie du aber diese Panikattacke durchgestanden hast, verdient wirklich Respekt.
    Mensch, so weit bist du schon, dass du das geschafft hast! Du hast deine geschäftlichen Termine bewältigt und das ohne Hilfe! Chapeau!!
    Dass du jetzt müde bist und dich solche Attacken brutal schlauchen, ist überhaupt nicht verwunderlich. Das weißt du gewiss, oder? Bei einer Panikattacke steht der ganze Körper unter enormer Anspannung, das kostet so richtig Energie. Hast du am Folgetag auch Muskelkater?
    Dass dein System in dieser Situation an das Mittel denkt, das es leider als hochwirksam und schnell wirkend kennengelernt hat, ist ebenfalls nicht verwunderlich. Das weißt du gewiss auch, oder?
    Fakt ist aber: DU hast dich durch diese Gedanken nicht verleiten lassen. Du hast die Kontrolle behalten. Glaub mir, eine deiner inneren Stimmen ist mächtig stolz auf dich und das darf sie auch sein.
    Du hast heute eine hilfreiche Coping-Strategie gehabt. Vielleicht findest du ja noch weitere gute Strategien, möglicherweise auch auf weiteren Zugangskanälen.

    Gut, dass du gleich Freitag mit deinem Therapeuten darüber sprechen kannst. Möglicherweise findet ihr zusammen auch einen Grund, warum es heute passiert ist, und du lernst, was du tun oder vermeiden musst, damit es nicht mehr soweit kommt. Haben dir vielleicht die anstehenden Termine zugesetzt? Wollte etwas in dir diese Termine nicht? - Das musst du hier übrigens nicht beantworten.

    Ich wünsche dir natürlich, dass du solche Attacken nicht mehr so häufig eintragen musst.

    Erhol dich gut!

    Ich kenne diese Zustände, die du beschreibst, selbst sehr gut. Nach allem, was ich bislang darüber weiß, und ich arbeite schon eine ganze Weile an dem Thema, bist du schon auf einem ziemlich guten Weg und auch schon recht weit gekommen.

    Dass du die Stimmen bereits identifizieren kannst und sogar immer mehr weißt, wann die jeweilige Stimme mit welcher Forderung kommt, ist schon ein Riesenfortschritt.

    Was diese Phasen betrifft, an denen es dir dann auch körperlich schlecht geht, die kenne ich auch. Positiv darfst du schon mal betrachten, dass diese „nur“ drei Tage andauern. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass das eine Besserung bei dir ist. Ich kenne ebenfalls solche Phasen. Mir hilft dann Rückzug und möglichst das zu tun, was ich gerade brauche. Meine beiden Hunde sind mir da eine ganz besondere Hilfe.
    Du schreibst von diesen Panikmomenten. Definitiv hast du da ein paar sehr gute Coping-Strategien. Dass sich der Gedanke an Alkohol aufdrängt, ist bei deiner Geschichte nicht verwunderlich. Du kennst dich schon mit biochemischen Prozessen im Gehirn aus? Dein Therapeut wird dir gewiss versichert haben, dass es auf Dauer leichter wird, wenn du stur dabei bleibst, nicht Alkohol zu trinken. Du bemerkst ja auch schon, dass die Abstände größer werden.
    Hast du dich schon mal mit Zugangskanälen und Anspannung beschäftigt? Je höher die Anspannung, desto mehr Zugangskanäle schließen sich. Ich habe für solche Fälle sogenannte Skills kennengelernt und eine Skillskette erstellt. Laub in die Hand zu nehmen und dergleichen sind solche Skills.
    Dass du in solchen Phasen das Gefühl hast, am Anfang zu stehen, kenne ich auch. Das scheint sozusagen normal zu sein. Ich rufe mir in solchen Fällen in Erinnerung, dass ich nicht am Anfang stehe und dass diese Phase immer wieder vorbei geht. Das tut sie nämlich immer und umso leichter, je weniger ich mich unter Druck setze.
    Dass du PMR nutzt, ist prima. Wenn’s jetzt noch unter Anleitung besser geht, gut, es gibt auch Anleitungen im Netz. Mit Übung wirst du es immer besser hinbekommen und irgendwann auch gut allein.

    Empfehlen kann ich dir sonst noch, dich in Dankbarkeit zu üben. Gemäß Gehirnforschung reicht es sogar schon, sich nur darum zu bemühen, etwas zu finden. Überlege dir am Ende eines Tages oder zwischendurch immer wieder, wofür du dankbar sein könntest. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass das echt gut funktioniert und auch durch dunklere Phasen hindurch trägt.

    Viele Grüße

    Hallo Larry,
    du schreibst,


    Ich kann sehr streng mit mir sein

    Das kenne ich selbst nur zu gut. Inzwischen nenne ich die Stimme in mir „der innere Kritiker“.
    Hast du dich schon mal mit der psychologischen Theorie, die dahinter steht, beschäftigt? Mein „Innerer Kritiker“ war riiiiieeesig, ziemlich laut, immer vor mir da und nie mit dem zufrieden, was ich leistete. Und ich HABE geleistet und wie. Ich war stets bemüht, alles hundertprozentig zu machen. Ich war Perfektionist. Es hat meinem Kritiker nie gereicht, der fand immer was zu meckern. Und irgendwann war ich dann am Ende.
    Ich bin dann in eine Klinik gegangen, in eine offene Station für an Depressionen Erkrankte.
    Ein Suchtproblem hatte ich damals zum Glück noch nicht.
    Dort hat man uns übrigens stets dazu angehalten, das Wort „müssen“ aus unserem Vokabular zu streichen und durch „dürfen“ zu ersetzen. Das klang am Anfang reichlich merkwürdig und mehr als einmal haben wir uns darüber lustig gemacht, aber nach und nach habe ich begriffen, was dahinter steht. Heute benutze ich das Wort „müssen“ sehr viel seltener und bewusst und das entlastet mich spürbar.
    Das „gut zu sich sein“ habe ich auch erst lernen und lange üben müssen. Ich kann dir aber Mut machen, dass es leichter wird, je länger du das übst. Und ich versichere dir, dass das gut und richtig ist und du das „darfst“. ;)

    Zitat


    In der Klinik sagte meine Therapeutin immer: und dann fühlen Sie mal in sich hinein - und ich dachte: Was soll der Quatsch? Was soll ich denn da fühlen... Jetzt mit der Zeit fühle ich tatsächlich Dinge und zwar ganz bewusst. Darüber bin ich glücklich.

    Das kommt mir seeehr bekannt vor!

    Ich bin auch ein viel grübelnder Mensch, bin es fast schon immer gewesen. Hast du schon Tricks oder Übungen gelernt, wie du das durchbrechen kannst?
    Du weißt, dass man sich durch dieses Grübeln in eine Abwärtsspirale bewegen kann? Hast du Achtsamkeits-Training gemacht?

    Mir hat der Austausch mit anderen hier sehr geholfen. Es ist manchmal überaus hilfreich, die Dinge eben nicht mit sich selber auszumachen.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Larry,
    ich habe gerade deinen Beitrag gelesen und möchte nicht ohne eine Antwort vorbeigehen.
    Herzlich Willkommen hier im öffentlichen Bereich! :welcome:
    Ich bin beeindruckt von deiner Vorstellung. Du wirkst sehr reflektiert und das, was du über deinen jetzigen Zustand schreibst, klingt hoffnungsvoll.
    In Manchem, sowohl Negativem als auch Positivem, erkenne ich mich gut wieder.
    Nur ganz kurz zu mir: Ich bin w, 48 Jahre alt, glücklich verheiratet, kenne aber leider Depressionen ziemlich gut und arbeite seit vielen Jahren daran, diese Krankheit zu bewältigen.

    Ich bin gespannt, mehr von dir zu lesen, und wünsche dir viel Erfolg auf deinem weiteren Weg.
    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Jana,
    ich sehe das wie Rina und Gerchla. Meine eigenen (leidvollen) Erfahrungen bestätigen das, was sie dir geschrieben haben.

    Ich kann dir nur noch dringend raten, dich mit jemandem, dem du vertraust, über das Thema auszutauschen und alle möglichen Seiten zu durchdenken.
    Nimm in diesen Austausch auch alles mit hinein, was du hier erfahren hast.
    Was vor dir liegt, ist ein Entscheidungsprozess. Es ist völlig verständlich, dass dir dieser schwer fällt, aber es ist wichtig, dass du dich dem stellst.

    Für meine Mutter, meine kleine Schwester und mich wäre es damals besser gewesen, wenn meine Mutter solche Ratgeber wie hier gehabt hätte, sie mehr an ihre eigene und die Zukunft ihrer Kinder gedacht und entsprechenden Mut und Entschlossenheit gezeigt hätte.

    Wenn’s gut für euch läuft, kriegt dein Mann die Kurve. Die Chancen dafür steigen, wenn du deine Konsequenzen ziehst. Diese solltest du aber unbedingt nicht halbherzig angehen.

    LG
    AmSee

    Hallo Jana,
    du hättest kein neues Thema aufmachen müssen. Was du wissen möchtest, passt auch unter das alte Thema und gehört m.E. dorthin.

    Natürlich musst du deine Ehe „nicht sofort wegschmeißen“. Gerchla, meine ich, hat dir schon was dazu geschrieben. Auch etwas dazu, was funktioniert bzw. nicht funktioniert.

    Überlege dir mal, was deinen Mann wirklich unter Druck setzen könnte.

    Die Sache ist die, das funktioniert nur, wenn du bereit bist, das wirklich durchzuziehen.
    Wenn du tatsächlich an dem Punkt bist, kannst du anfangen den Druck zu erhöhen, indem du mit ihm sprichst, wenn er denn mal nüchtern ist. Gespräche, wenn er alkoholisiert ist, gehen mit Sicherheit schief. Und wenn du dann mit ihm sprichst, formuliere Ich-Botschaften.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Orangina!


    Ich wollte dir noch sagen,dass ich mit den Klassifikationen nichts anfangen kann..siehe Alpha Beta Trinker etc.
    Es reicht mir zu wissen,was mein Problem ist.

    Das kann ich gut nachvollziehen. Mir fällt es auch schwer, mich ganz einer dieser Kategorien zuzuordnen. Ich fand ganz lustig und passend, was Simon Borowiak in seinem Buch „Alk“ dazu geschrieben hat: "Ich persönlich mag Jellinek nicht. Er nervt mich. Während meines ersten Besuches bei einer Suchtberaterin wurde mir der Jellinek vorgelegt und die obligatorische Frage gestellt: »Wo würden Sie sich einordnen?« Meine Antwort lautete: »Ja, nirgends! Bzw. überall ein bisschen! Diese Unschärfe! Z. B. der Quartalssäufer (meine Wenigkeit): Nach Jellinek bin ich Epsilon-Trinker. Episodischer Trinker. Okay. Aber ich bin auch Problemtrinker. Und manchmal süchtiger Trinker. Und bisweilen auch Gelegenheitstrinker ohne Kontrollverlust und/ oder Entzugserscheinungen. Ja, was denn nun, Herr Jellinek? Alpha, beta, pi mal Daumen? Bin ich überhaupt Alkoholiker? Oder nicht vielleicht doch eher Missbraucher bzw. schädlich Gebraucher?« Diese differenzierten Überlegungen kamen nicht gut an. Die Suchtberaterin verzog wissend das Beamtengesicht und bescheinigte mir kurz und bündig »mangelnde Krankheitseinsicht«."

    – ALK: Fast ein medizinisches Sachbuch - jetzt aktualisiert! von Simon Borowiak

    Andererseits wiederum hat mir diese Einteilung geholfen, mir darüber klar zu werden, dass ich ein Problem habe bzw. dabei bin, ein ernsthaftes Problem zu entwickeln.

    Zitat

    Ich habe immer gern wegen der Wirkung getrunken und vor allem zur Entspannung, zum Bewältigen von Schwierigkeiten, zum Musikhören...und die Liste könnte ich ewig weiterführen.

    Das kommt mir, wie du gewiss weißt, weil du‘s bei mir gelesen hast, sehr bekannt vor.
    Und darin liegt ja schon das Problem. Mein Arzt hat mich schon früher mal deswegen gewarnt, aber ich hab das verdrängt bzw. nicht an mich herangelassen. Inzwischen sehe ich ein, welche enorme Gefahr dieses Alkohol-wegen-seiner-Wirkung-trinken für mich hat.

    Zitat


    Über eines aber stolpere ich immer wieder und das ist die Bezeichnung " ich bin Alkoholiker"...
    Alkoholiker ist jemand,der aktuell trinkt,aber nicht jemand, der seit Jahren nicht mehr trinkt.
    Durch diese Bezeichnung reduziert man sich auf ein Problem.
    Der Mensch an sich wird dadurch weiterhin krank gehalten.

    Ich kann deine Schwierigkeit nachvollziehen, aber Alkoholismus ist nun einmal eine Krankheit, die man, wenn sie einen einmal erwischt hat, nie wieder ungeschehen machen kann. Wie du bei nicht wenigen hier nachlesen kannst, können sie auch nach Jahren der Abstinenz von sich nicht sicher sagen, dass sie ungefährdet ein Glas Alkohol trinken könnten. Wer sich von sich sagt „Ich bin Alkoholiker.“ gesteht sich ein, dass er die Alkoholkrankheit hat. Meiner Ansicht nach gehört angesichts dessen, was in unserer Gesellschaft doch so normal ist, viel Mut dazu, sich als Alkoholiker zu outen. Mut gegenüber den anderen, aber auch Mut gegenüber sich selbst.
    Du sprichst das Rauchen an. Nach meiner Beobachtung passt der Vergleich nicht so recht und zwar aus verschiedenen Gründen, die ich jetzt aber nicht alle aufzählen möchte.
    Achte mal darauf, wie oft in Fernsehsendungen, im Film, bei gesellschaftlichen Ereignissen Alkohol konsumiert wird. Es scheint die Norm zu sein, bei allen möglichen Gelegenheiten Alkohol zu konsumieren. Ein Alkoholiker darf das nicht mehr, weil das für ihn (und seine Lieben) üble Konsequenzen hätte. Er gehört somit nicht mehr dazu und das für immer. Sich das selbst und anderen mit der Bezeichnung „Ich bin Alkoholiker.“ klarzumachen, ist in dem Zusammenhang ein mutiges Bekenntnis.
    Man muss es ja nicht unbedingt jedem auf die Nase bin, wenn man nicht will. Es haftet dieser Bezeichnung hier in Deutschland ja leider noch ein gewisses Stigma an. Ich für meinen Teil werde in Zukunft nur sagen, „Danke, ich trinke nicht.“ und vielleicht dazu noch „Ich muss Medikamente nehmen, die sich überhaupt nicht mit Alkohol vertragen.“, was bei mir im Übrigen auch tatsächlich der Fall ist. So dürfte ich schnell Ruhe haben.

    Zitat


    Aber schlimm finde ich ,wenn man sich ein Leben lang als Alkoholiker bezeichnen muss und sich damit seine Krankheit dauernd vor Augen hält, obwohl man seit Jahren abstinent ist.
    Da vermittelt man sich selbst doch ein ganz falsches Bild.

    Ich sehe das anders, denn selbst wenn ein Alkoholiker jahrzehntelang abstinent war, kann es sein, dass er total abstürzt, wenn er wieder Alkohol trinkt.
    Wie gesagt, man gesteht sich selbst ein, dass man eine Krankheit hat.
    Ich weiß aber auch aus eigener Erfahrung, dass, wer jahrelang erfolgreich abstinent ist, nicht mehr oft betont, dass er Alkoholiker ist, außer in SHG oder hier im Forum, weil für ihn oder sie Alkohol nicht mehr wichtig ist.
    Und außerdem: Niemand zwingt dich, dich als Alkoholikerin zu bezeichnen.


    Zitat


    Und ich bin jetzt wieder seit 1 Woche Nichttrinkerin und mir geht es sehr gut damit und ich will es bleiben.


    Und das ist doch prima!

    Ich bin an dem Punkt, dass ich mich sehr mit dem Gedanken anfreunde, nie wieder Alkohol zu trinken, und dieser Gedanke schreckt mich immer weniger, je mehr ich mich mit der Materie und mir selbst beschäftige.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg, bis....


    Ich frage mich echt was mich dazu treibt mich ins Jenseits schiessen zu wollen! Ich weiss nicht wieso ich das so sehr möchte...abgesehen von der Sucht die mich dazu treibt? Es war bei mir halt sofort so, ich liebte es auf Anhieb mich aus der Realität hissen zu können, ich war nie in der Illusion des Genusstrinkens. Was zum Teufel stimmt nicht mit mir? Es gibt sowas wie einen Überlebensinstinkt, gibt es etwas wie den Selbstzerstörungswunsch?

    Ich war bezüglich Alkohol noch nicht an der Stelle, an die du gekommen bist, aber ich kenne diese Sehnsucht, von der du sprichst, ziemlich gut.
    Ich rate dir, sehr vorsichtig, mit dieser Selbstzerfleischungskritik - „Was stimmt nicht mit mir?“ zu sein. Solche Kritik zieht dich nur weiter runter.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der innere Druck unerträglich sein kann. Besonders, wenn er etwas länger anhält, wünscht man sich alles, damit das endlich aufhört. Ich hab mir so oft gewünscht, dass endlich alles vorbei ist. Nicht selten befand ich mich auf dem, was wir unter den Depressiven, die ich kenne, „die Autobahn“ nennen. Wenn du merkst, dass du dort bist, solltest du so schnell wie möglich die nächste Ausfahrt nehmen. Ich habe in solchen Fällen mein Netzwerk kontaktiert. Es ist ja so, dass du völlig anders darüber denkst, wenn’s dir wieder gut geht.
    Mit deiner Kritik an Dir selbst, ziehst du dich runter und die Spirale geht immer weiter abwärts. Da kommt auch Wut auf dich selbst hoch und der Wunsch, dich selbst zu bestrafen.
    Wie gesagt, man sieht das alles anders, wenn’s einem wieder gut geht. Und ich bin sicher, du weißt das auch.

    Fragst du dich, ob du keinen Überlebensinstinkt hast? - Doch, hast du, denn du hast dich hier geöffnet. Du schreibst hier und suchst dir Hilfe. DAS ist Überlebensinstinkt.

    Versuche mal, dich dir gegenüber so zu verhalten, wie du dich deiner besten Freundin oder deinem besten Freund gegenüber verhalten würdest, wenn’s ihm so schlecht ginge, wie dir. Was würdest du ihm sagen, was raten?

    Dass du deinen Therapeuten nicht treffen kannst, ist nicht gut, aber vielleicht fallen dir ja Möglichkeiten ein, wie du für dich sorgen könntest.
    Gewiss wirst du, wenn du das jetzt hinkriegst, gestärkt daraus hervorgehen.

    Schreib weiter, wenn dir etwas einfällt.

    Ich wünsche dir Kraft und gute Einfälle!
    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Jana,
    herzlich Willkommen hier im Forum!
    Ich bin w, Ende 40, selbst zwar nicht mit einem Alkoholiker zusammen und auch nie gewesen, aber mein Vater war Alkoholiker, ich kenne die Folgen für die eigene Psyche und ich habe sehr deutlich miterlebt, was der Alkoholismus meines Vaters und alles, was damit zusammenhing, mit meiner Mutter gemacht hat.
    Deine Situation ist alles andere als leicht, und das noch zusätzlich, weil ihr auch noch zwei kleine Kinder habt.
    Du hast dir viel gefallen lassen und sehr viel Verständnis und Geduld aufgebracht. Inzwischen fühlst du aber, dass das Ganze über deine Kräfte geht.
    Du fragst, was du tun kannst.
    Vielleicht kann ich dir helfen, die Frage schon mal ein wenig für dich selbst zu beantworten:
    Stell dir vor, das Ganze geht noch jahrelang so weiter. Was wird das mit dir, was wird es mit deinen Kindern machen?
    Was müsstest du tun, um das Problem zu verschlimmern?

    Warum ich dir diese Fragen stelle, kann ich dir später erklären, wenn das dann noch notwendig ist. Vielleicht spürst du aber auch, was diese Fragen in dir auslösen, und dass in ihnen deine Lösung versteckt liegt.

    Mach dir klar, dass du in erster Linie die Verantwortung für dich und für deine Kinder trägst.
    Übernimmt er Verantwortung für dich und die Kinder? Er ist ebenfalls erwachsen und steht in der Verantwortung.

    Aktive Alkoholiker denken und ticken irgendwie anders, sie kommen erst so richtig zur Besinnung, wenn sie ihre Krankheit angegangen und eine Weile nüchtern geblieben sind. Das erklärt auch, warum er ausflippt, wenn du ihn, sei es auch noch so lieb und freundlich, auf sein Problem ansprichst, wenn er gerade wieder drauf ist.
    Ich sage dir das nicht gern, weil‘s dir sehr weh tun wird, aber solange auf seiner Seite kein Verständnis da ist, dass er ein Problem hat und dass etwas ändern muss und von sich aus ändern will, beißt du bei einem aktiven Alkoholiker auf Granit. Und er hat deutlich gemacht, dass er keine Therapie will. Was sagt das über ihn und seine Erkrankung aus?

    Ahnst du, was das für dich bedeutet?
    Es könnte definitiv hilfreich für dich sein, Kontakt mit einer Suchtberatung aufzunehmen und bei dir vor Ort Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern aufzunehmen.
    Hast du ein soziales Netz, das dich auffangen kann? Hast du jemanden zum Reden?
    Und schließlich: Lies dich hier im Forum durch die Themen anderer Angehöriger. Du wirst dort ähnliche Fälle wie deinen finden und möglicherweise Gedanken und Impulse, die dir weiterhelfen können.

    Ich wünsche dir Kraft für die schwere Zeit, durch die du und deine Kinder gehen müsst.
    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Micha,
    herzlich Willkommen hier im Forum.
    Gut ist, dass du für dich erkannt hast, eine Krankheit zu haben und, wie du sagst, offen damit umgehst.
    Mir ist allerdings (noch) nicht ganz klar, was du hier eigentlich suchst.
    Du erzählst zwar sehr in einem sehr groben Überblick, dass du schon einiges hinter dir hast. Doch liest sich das nicht so, als ob da ein Umdenken stattgefunden hätte, denn du trinkst weiterhin. Du scheinst es mit kontrolliertem Trinken nach 17 Uhr zu versuchen, aber ohne rechten Erfolg.
    Wie wäre es, wenn du dich mal etwas näher vorstellst und deine Fragen und Gedanken zu diesem Thema nennst.
    So jedenfalls wird sich hier kaum jemand eingeladen fühlen, sich mit dir auszutauschen.
    Empfehlen kann ich dir sonst nur, dich hier ein wenig einzulesen. Vielleicht beantwortet dir das so schon ein paar Fragen oder gibt dir Denkanstöße.

    Grüße
    AmSee


    Mein großer Wunsch ist ein selbstbestimmtes Leben zu führen!!!


    Das ist ein gutes Ziel!

    Zitat


    Also ich meine ich habe mich oft geschämt oder auch oft gefragt ob es jemand merkt das er trinkt.

    Das kenne ich....

    [quote]
    Selbsthilfe Gruppen habe ich tatsächlich schon kontaktiert und am Montag kann ich dahin.