Beiträge von AmSee13


    Wenn Du aber eine Sozialphobie (?) hast

    Nein, eine Sozialphobie habe ich zum Glück nicht, nur das, was schwere Depressionen recht häufig so mit sich bringen. Iss halt so, kann man mit leben lernen. Unbekannte Situationen versuche ich zu entschärfen, in dem ich sie mir weniger unbekannt und etwas positiver besetzt mache.

    Hallo Susanne, Gerchla, Daun2020, Dagny und Greenfox!
    Hallo auch ihr stillen Mitleser!
    Ich bin euch, die ihr mir geschrieben habt, sehr, sehr dankbar, dass ihr euch Zeit für mich genommen habt! Der Austausch mit euch, eure Erfahrungen und Gedanken, haben mich nicht gerade wenig weitergebracht. Ich hatte mich schon früher mit diesem Thema beschäftigt, aber ich war da irgendwie nicht weitergekommen. Irgendwie hat mich das, was ich in Erfahrung gebracht hatte oder über das ich selbst so nachgedacht hatte, innerlich nicht erreicht. Ich bin mir sicher, dass diesmal auch eine Rolle spielt, ein Gegenüber wie euch zu haben.
    Ob ich schon Alkoholikerin oder „nur“ stark Gefährdete bin, spielt für mich nun kaum eine Rolle mehr. So oder so habe ich für mich erkannt, dass mein Alkoholkonsum nicht so weitergehen darf, dass ich dringend etwas ändern muss. Mir ist in dieser relativ kurzen Zeit seit meiner Anmeldung ziemlich deutlich geworden, dass ich den Alkohol in der Regel wegen seiner Wirkung getrunken habe. - Er ließ mich meine beiden schweren Krankheiten regelmäßig eine kleine Weile vergessen, er machte das Leben irgendwie leichter und unbeschwert. - Verständlich, dass ich diesen „leichten“ Weg gegangen bin. Wohin mich dieser Weg aber auf Dauer führen würde, sehe ich inzwischen ziemlich deutlich vor mir. Und deshalb ist es jetzt Zeit etwas zu ändern.
    Ob ich nie wieder Alkohol trinken werde, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu sagen, ich sehe aber nun sehr (!!!) viel deutlicher, worauf ich mich einlasse, wenn ich es tue. Im Moment ist mir jedenfalls die Lust auf Alkohol gründlich vergangen.
    Dass ich so schnell zu so wesentlichen Erkenntnissen gekommen bin, habe ich u.a. euch zu verdanken. Deshalb hier mein ausdrückliches DANKE.

    Ich habe in den letzten Tagen auch viel in den Büchern, Daniel Schreiber, „Nüchtern“ und Catherine Gray, „Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein: Frei und glücklich - ein Leben ohne Alkohol“ gelesen. Beides für mich außerordentlich hilfreiche Lektüre, Danke an Greenfox für die Literaturliste.

    Ich hab mich heute auch gegenüber meinem Doc geoutet. So sorge ich noch mehr dafür, mich nicht mehr verstecken zu können, sondern die Sache auch tatsächlich anzugehen.

    Übrigens, ich bin jetzt eine Woche lang trocken, wie man so sagt, und habe in der letzten Nacht, auch wenn ich wie üblich mehrfach wachgeworden bin, deutlich besser geschlafen als sonst. Ein erster auffälliger, motivierender Vorteil. 44.

    Viele Grüße

    Hallo Susanne,
    hab gaaaaaanz lieben Dank für das, was du mir schreibst! :blumen2:
    Ich hatte heute morgen so einen schönen Text verfasst, in dem ich mich u.a. auch bei dir bedanke, aber dann habe ich hier einen Fehler gemacht, weil ich nachträglich ein Zitat einfügen wollte und mir das Ganze auf Vorschau angucken wollte, und alles war weg. :wall: Ich leg nachher nochmal los, weil mir das, was ich sagen will, wichtig ist, und es auch für ein paar der stillen Mitleser hilfreich für ihre eigene Auseinandersetzung mit dem Thema sein könnte.
    Auf das, was du mir geschrieben hast, antworte ich dann später auch ausführlicher. Eins schon mal vorweg: Du scheinst mir vom Typ her ähnlich zu sein. Das mit der Alleinunterhaltung kommt mir irgendwie bekannt vor... 8)
    Hut ab, dass du gestern so viele Kilometer geschafft hast! Davon kann ich- zumindest zur Zeit - nur träumen. Ich schaffe zur Zeit so maximal 6 Kilometer, gestern war allerdings schon die Treppe bei uns im Haus ein kleine Herausforderung... Ächz.... Wird schon, ich lass mich nicht unterkriegen. Es gibt schlechte, aber eben auch gute Tage.
    Viele Grüße und bis später.

    Hallo Cedric,
    zunächst einmal muss ich dir meinen vollen Respekt aussprechen, dass du wegen deines Kumpels Hilfe suchst.
    Was du über ihn schreibst, klingt definitiv nicht mehr harmlos.
    Du fragst, ob du ihn mal darauf ansprechen sollst. - Wenn ihr tatsächlich eine gute Bindung habt, könnte das hilfreich sein. Allerdings rate ich dir, es zu tun, wenn er gerade nüchtern ist. Unter Alkoholeinfluss sieht man nämlich die Dinge häufig etwas anders, vielleicht kennst du das auch bei dir. (?) Es mag sein, dass er abstreitet, ein Problem zu haben, und dass er‘s dir sogar übel nimmt. Für Menschen mit einem aktiven Alkoholproblem ist das leider keine Seltenheit. Andererseits aber musst du dich fragen, ob du’s für dich aushalten kannst, deinem Kumpel dabei zuzusehen, wie er sich kaputt macht.
    Wenn du ihn ansprichst, kann es sehr hilfreich sein, in Ich-Botschaften zu sprechen, wie z.B. „Ich habe beobachtet....“ , „Ich mache mir Sorgen...“. Du-Botschaften können nämlich ziemlich kontraproduktiv sein, der Angesprochene kann sich ziemlich leicht angegriffen fühlen.

    Ob es hilfreich wäre, die Eltern anzusprechen, vermag ich mit den paar Informationen nicht zu sagen. Möglicherweise würde dein Kumpel das auch als Vertrauensbruch ansehen, was eventuell nicht förderlich wäre. Es kommt möglicherweise auch darauf an, wie gut das Verhältnis zu deinem Kumpel und zu den Eltern deines Kumpels ist.

    Was du sonst tun kannst: Du könntest Kontakt zu einer psychologischen Beratungsstelle aufnehmen. Dort sitzen professionelle Berater, die dir helfen können, deinen Weg im Umgang mit dem Problem deines Kumpels zu finden. Die haben möglicherweise auch weiterführende Adressen für dich.
    Es gibt auch die Möglichkeit einer Online-Beratung bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. (bke) und dort den Bereich bke-Jugendberatung. Die ist vielleicht noch eher was für dich, da sie anonym ist. Scheu dich nicht, dir dort Hilfe zu suchen, denn dort sitzen wie gesagt professionelle Berater.

    Alles Gute dir!

    Hallo Greenfox,
    ich hab erstmal etwas gebraucht, um deine Nachricht zu verdauen. Erst als ich sie vorhin nochmals gelesen habe, verlor sie für mich etwas ihre Schärfe.
    Mit einer Selbsthilfegruppe für Alkoholiker habe ich persönlich in der Tat noch keine Erfahrung. Vor 35 Jahren war ich mal bei einem A-Anon-Meeting, weil‘s dort keins für Teens gab. Ich saß da allein mit einem ehemaligen Alkoholiker, da sonst keine Angehörigen von Alkoholikern gekommen waren. Er war sehr freundlich, aber helfen konnte er mir gar nicht. Unser Gespräch kreiste auch nur um mein Unglück. Wie ich mit der Krankheit meines Vaters umgehen könnte, also irgendeine Art Lösungsansatz gab’s für mich nicht. Vor fünf Jahren war ich mal eine Weile in einer Gruppe mit Depressiven. Da kreisten die Gespräche eigentlich nur um aktuelle Probleme, zwar wurden Lösungen angesprochen, aber diese Gruppe empfand ich größtenteils als belastend für mich. Vor zwei Jahren war ich mal in einer Gruppe für MS-Kranke. Die zog mich eher noch mehr runter, deshalb bin ich da recht bald weggeblieben.

    Ich hatte deinen Post zu Selbsthilfegruppen gelesen und daraufhin nach Selbsthilfegruppen hier vor Ort gegoogelt, um eine zu finden, deren Programm oder Vorstellung mich am ehesten ansprechen würde. Du erzählst zum Beispiel von monologischen und dialogischen Gruppen. Ich bin zwar gläubig, aber das Programm der AA schreckt mich irgendwie ab. Das klingt so fürchterlich evangelikal und mit Evangelikalen hab ich vor vielen Jahren so meine Schwierigkeiten bekommen. Das 12 Punkte Programm schreckt mich in seiner Formulierung einfach ab. Zum Kreuzbund mag ich nicht gehen, weil ich meine Schwierigkeiten mit der katholischen Kirche hatte.

    Es geht es nicht darum, dass ich nicht zuhören will oder mich nicht „nass“ machen will. Natürlich können die Geschichten, wie einer schließlich den Weg zum Trockenwerden fand, hilfreich sein. Ich lese mich ja auch gerade durch solche Geschichten, aber... oh Mann, wie soll ich das besser ausdrücken... mich interessiert, wie man glücklich und erfolgreich ein Leben ohne Alkohol führt. Mein schlimmste Erfahrung war die Gruppe mit den Depressiven....

    Ich hatte gehofft, dass man - auch und gerade du - mir etwas die Angst nehmen könnt, zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen. Einfach so irgendwo aufschlagen, kann ich nicht. Ich hab schon eine ganze Weile schwere Depressionen und es fällt mir zum Teil schwer bis unmöglich, überhaupt das Haus zu verlassen. Wenn ich einen Termin vor mir habe, muss ich mich innerlich darauf vorbereiten und das hab ich eben auf meine Art versucht.

    Viele Grüße


    Sehe es einfach mal Sportlich.Lieber Kleine Schritte,sonst,wenn du Grosse Schritte machst kannst du eher Fallen :P

    Hallo Hans,
    hab ganz lieben Dank dafür, dass und was du mir geschrieben hast! Ich fühle mich von dir ernstgenommen und gleichzeitig neugierig gemacht auf das, was mich da so erwarten könnte. Das Serien-Beispiel finde ich gut, es hat mich Lächeln lassen, wie du das beschreibst, und es hat mir etwas Furcht genommen. Danke dir!
    Eigentlich möchte ich gar kein Hauptdarsteller sein. Das hat mit negativen Erfahrungen in Kindheit und Jugend zu tun. - Am liebsten wäre ich immer unsichtbar geblieben, denn wer nicht gesehen wird, den kann man auch nicht quälen. Gleichzeitig musste ich manchmal sichtbar werden, um andere zu beschützen, weil/ wenn das sonst niemand tat. Dass es wohltuend sein kann, auch mal Hauptdarsteller zu sein, habe ich inzwischen allerdings auch mal kennenlernen dürfen.

    Kleine Schritte. Genau, wie du sagst!

    Liebe Grüße

    Hallo Millie77,
    es ist eine knifflige und schwierige Situation ohne Zweifel und zwar für alle Beteiligten.
    Mir fällt da noch ein, dass es für dich vielleicht sinnvoll wäre, zu einer psychologischen Beratungsstelle zu gehen. Da dort professionelle Berater sind, können die dir vielleicht weitere Möglichkeiten aufzeigen. Und selbst wenn die keine weiterführenden Adressen für dich haben, können sie dir vielleicht helfen, Wie du psychisch besser mit dieser Situation umgehen kannst.

    Verstehe ich das richtig, dass deine Mutter auch gesetzlich die Betreuung für deinen Vater übernommen hat? Wenn das so ist, könntest du prüfen lassen - soweit ich weiß über das entsprechende Gericht - , ob sie ihrer Aufgabe überhaupt noch nachkommt bzw. nachkommen kann.

    Wenn du dich in Bezug auf deinen Vater etwas eingelesen hast, empfehle ich dir auch, dich auch in die Thematik „Alkoholismus“ einzulesen. Es ist nicht untypisch für Alkoholiker, dass sie Situationen falsch einschätzen, sich nicht helfen lassen wollen und auch aggressiv werden, wenn man sie auf ihr Problem anspricht. Vielleicht hilft dir die Lektüre, deine Mutter besser zu verstehen und dabei, mit deinen Gefühlen ihr gegenüber besser klar zu kommen.

    Ich wünsche dir viel Kraft für diese Zeit und das du für dich und deine Familie den Weg findest, mit dem du und auch deine Familie besser leben könnt.

    Viele Grüße

    Ich habe mich in den letzten Tagen sehr viel mit den Themen „Alkohol“, „Alkoholmissbrauch“ und „Alkoholismus“ beschäftigt und ich bin nach wie vor ziemlich nachdenklich.
    Ich habe hier einige Lebensgeschichten gelesen und sie berühren mich nicht wenig. Ich war noch nie dort, wo einige hier waren, aber ich erinnere mich gut, wie das bei meinem Vater war. Er dient mir immer als Warnung, aber ich war und bin doch so ganz anders als er.... Dass auch andere Wege als seiner in den Alkoholismus führen, ist mir hier bei der Lektüre deutlich geworden. Mir geht’s diesmal aber auch anders als sonst, es ist, als erreichte mich dies Thema wirklich in meinem Innern. Und mir ist klar geworden, dass, auch wenn ich noch längst nicht dort bin, wo andere hingekommen sind, ich im Begriff bin/war, so richtig abhängig zu werden. Meine Vorstellungsfrage ist damit beantwortet. Es ist an der Zeit!
    Ich trinke auch heute keinen Tropfen. Heute ist damit mein 6. Tag ohne. Ob ich Weihnachten eine Ausnahme machen werde, wird sich zeigen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Jetzt gerade, heute, ist mir das nicht wichtig. Mich interessiert eher, wie ich auf gesundem Weg das erreichen könnte, was mir sonst der Alkohol gegeben hat.
    Ich habe in einer Doku gestern gehört, dass, wer Alkohol konsumiert, am ehesten den GABA-Neurotransmitter ansprechen möchte. Was ich dazu gelesen habe, würde das jedenfalls echt gut bei mir passen. Ein Medikament oder künstliches Präparat würde ich deswegen (noch) nicht zu mir nehmen, ich traue der Pharmaindustrie nicht so recht, aber mich interessiert, wie ich diesen Neurotransmitter auf natürliche Weise ansprechen könnte.
    Ich hatte gehofft, dass einige meiner Symptome auf Entzugserscheinungen zurückzuführen wäre, sind sie aber wohl nicht. Freitagabend stand ich etwas neben mir, ich konnte mich kaum richtig auf das konzentrieren, was ich gerade tat, es fühlte sich unangenehm wattig an, gestern fühlte ich mich den ganzen Tag erschöpft, geriet bei den kleinsten Anstrengungen außer Puste und hatte Schweißausbrüche und auch heute geht’s mir nicht viel besser. Freitag war mein 4. Tag ohne Alkohol, es ist also unwahrscheinlich, dass das noch Entzugserscheinungen waren. Die Symptome sind mir nicht neu, die habe ich schon eine Weile, nun kann ich wenigstens ausschließen, dass es vom Alk kommt. Morgen mache ich mal einen Termin beim Arzt ab, um das abklären zu lassen. Jetzt kann ich ja auch hingehen, ohne mich schämen zu müssen, dass die Symptome auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen wären.

    Ich wünschte mir, hier wäre etwas mehr los. Das fehlt mir hier.

    Gestern Abend habe ich nach Selbsthilfegruppen bei mir vor Ort gegoogelt. So richtig sprach mich keine an. Das klingt interessant, was einige hier darüber erzählen, wie sie zu ihren SHGs gekommen sind, aber meine Hemmschwelle, von mir aus Kontakt aufzunehmen, ist noch riesengroß, abgesehen davon, dass zur Zeit wahrscheinlich auch bei uns keine persönlichen Treffen mehr stattfinden werden. Es gibt wohl Online-Angebote, aber irgendwie traue ich mich nicht da dran. Und dann möchte mich eigentlich auch nicht ständig mit Geschichten von Abstürzen beschäftigen, sondern ich möchte inspiriert werden, wie’s ohne Alkohol gut läuft. Ich möchte nicht ständig nach hinten sehen, sondern nach vorne.

    Bin gespannt, was ihr zu dem, was ich geschrieben habe, antwortet.

    Viele Grüße

    Hallo Millie77,
    ich kann gut nachvollziehen, wie hilflos du dich angesichts dieser Situation fühlst.
    Susanne hat dir schon ziemlich gute Tipps gegeben. Wenn man den Eindruck hat, dass eine erwachsene Person Betreuung braucht, kann man das beim Betreuungsgericht oder an den Stellen, die Susanne dir genannt hat, beantragen. Informationen findest du dazu im Netz zum Beispiel unter der Fragestellung „Betreuung beantragen“. Das Gericht wird dann prüfen, ob jemand Betreuung benötigt.
    Was du für dich selbst dabei klar machen musst, ist, dass es dein Verhältnis zu deiner Mutter sehr erschweren kann. Das kann notwendig und wichtig sein, es kann aber auch sein, dass dich das in Zukunft sehr belastet. Wäge das für dich gut ab.
    Dass die Betreuung deines Vaters sehr, sehr belastend ist und deine Mutter an ihre Grenzen gebracht hat, ist dir klar. Eigentlich bräuchte sie auch Hilfe, aber sie kann sie nicht annehmen und ihr beide könnt auch nicht darüber reden. Ist es für dich gar nicht möglich, aus ihr ihre Gedanken und Gefühle in Erfahrung zu bringen? Gibt es bei euch niemand, mit dem deine Mutter reden könnte und würde, wenn schon nicht mit dir?
    Eine Betreuung kostet Geld, wenn Geld da ist. Wenn keins da ist, werden die Kosten übernommen, vom Sozialamt soweit ich weiß.
    Eine Heimunterbringung kostet viel Geld. Auch da gilt, wenn noch Geld da ist und die Kosten für die Heimunterbringung höher sind als durch Rente und Pflegeversicherung reinkommt, dann bezahlt man das von seinem Privatvermögen.
    Was den Alkoholismus deiner Mutter betrifft, kann ich Susanne nur zustimmen. Solange deine Mutter das Problem nicht sieht und sich nicht helfen lassen will, kannst du in Bezug auf sie gar nichts machen.
    Helfen dir diese Informationen erstmal weiter?
    Ich wünsche dir viel Kraft für diese Zeit.
    Viele Grüße.

    Hallo Susanne,
    da bist du ja wieder. Auch wenn’s ein ernstes Thema ist, ich freue mich, dass du mir schreibst.


    Es gibt schon Unterschiede. Mein Vater wurde 82. Er ist auch nie ganz so abgestürzt wie ich. Bei ihm war es eher der tägliche Treibstoff.



    Inzwischen habe ich gelesen, dass es körperlich eigentlich gar nicht so sehr den Unterschied macht, ob man so abstürzt wie du oder das so durchzieht, wie es dein Vater gemacht hat. Möglicherweise leidet die Psyche mehr, wenn man es so macht, wie du es getan hast.
    Auf jeden Fall ist es eine sehr traurige Geschichte, die du da erzählst. Eigentlich unfassbar, dass man sich von diesem Stoff so kaputt machen lässt. Ich kann mir die Reaktion deines Vaters auf Hilfsangebote sehr gut vorstellen. Mit dem Rauchen verhält es sich ja ähnlich. Da kriegen die Menschen COPD oder sogar Lungenkrebs und rauchen trotzdem noch weiter. Ich find’s besonders erschreckend, wenn ich vor dem Krankenhaus Gestalten mit Atemgeräten rauchen sehe.
    Ich habe in Bezug auf das Rauchen letztens bei ARTE eine sehr interessante und aufschlussreiche Doku gesehen. Wenn du sie nicht gesehen hast, findest du sie gewiss noch bei ARTE in der Mediathek.
    Übertragen lässt sich das Ganze gewiss auch auf die Alkohol-Industrie. Wenn ich bedenke, wie oft ich in Film und Fernsehen sehe, dass sich ein Bier, ein Wein oder ein „Drink“ eingeschenkt wird. Oder die schöne Werbung für Bier etc. ...

    Du siehst, ich bin ziemlich nachdenklich.

    Bewundernswert, dass du deinen Vater am Schluss betreut hast. Das war gewiss alles andere als leicht.

    Zitat

    Und jetzt sehe ich halt, das ich hier ab und an was tun kann

    Und das machst du, wie ich nicht nur bei mir bemerkt habe, ziemlich gut. Danke!

    Liebe Grüße

    Danke für deine Beileidsbekundung. Das ist sehr aufmerksam von dir!


    Mein Vater starb vor drei Jahren und er starb auch am Alkohol.

    Oh, dann hast du als Kind und Jugendliche vermutlich auch diesen ganzen Sch..... erlebt, der dich für dein Leben geprägt hat....
    Ich bin meinem Vater heute nicht mehr böse. Er tut mir leid. Er war nur 43 Jahre alt, als er starb, und davor schon eine ganze Weile todunglücklich.

    Hallo Susanne,
    hab ganz lieben Dank, dass du mir schon wieder schreibst. Das bedeutet mir viel!
    Mit Trinkertypen habe ich mich auch schon beschäftigt. Kennst du das Buch von Simon Borowiak, „Alk: Fast ein medizinisches Sachbuch“? Ein amüsantes Buch, das ich mit Lust gelesen habe, ebenso wie seinen Roman „Sucht“. Wer Borowiaks Stil mag, dem kann beide Bücher empfehlen.

    Habe ich aber auch erst Und als ich auch, so wie Du gerade, das mal von aussen betrachtet habe, ging mir auf, das mein ganzes bisheriges Leben davon bestimmt war, nur ja nie so die Kontrolle zu verlieren, dass ich mal in die Situation käme, aufhören zu müssen. Das musste unbedingt so bleiben, dass ich weiter trinken kann. Mir ging aber dann auch auf, was ich schon alles da drum rum gebaut und was ich schon geopfert hatte. Ich hab da wirklich Hirnschmalz reingesteckt, mich ungehindert besaufen zu können.

    Das kann ich völlig nachvollziehen. Ich werde mich beobachten. Immerhin bin ich aufmerksam geworden, dass ich auf keinem guten Weg gewesen bin, dass ich vor der Gefahr bislang ziemlich die Augen verschlossen habe bzw. mir die Sache schöngeredet habe. Wie ich mich kenne, bezweifle sehr, dass ich wieder da hin komme. In meinem Kopf ist ein ziemlich strenger Richter, musst du wissen, der guckt, mir, wenn er auf etwas aufmerksam geworden ist, ziemlich genau auf die Finger. (grins) Früher war das ganz schön schwer, gegen den zu bestehen, mittlerweile kenne ich mich so gut, dass ich mit ihm leben kann. Er meint‘s ja irgendwie auch gut mit mir.

    Hallo Dagny,
    natürlich ist mir willkommen, dass du mir schreibst, und ich verstehe vollkommen, dass du mich warnen willst, damit es mir nicht ähnlich ergeht wie dir. Ich habe deine Vorstellung gelesen und ich kann gut nachvollziehen, dass du dich in dem, was ich geschrieben habe, erkennst. Mir geht es nämlich mit dem, was du über dich erzählt hast und was du hier bei mir über dich erzählst, ähnlich. Und wie ich dich lesend kennengelernt habe, wird es dir ähnlich wie mir gehen, dass es dir in gewisser Weise gut tut auf Menschen zu treffen, die Dir ähnlich sind. Du darfst mir also gerne weiter schreiben, ich werde dir gewiss auch schreiben, wenn ich etwas zu sagen habe. Ansonsten lese ich gerne bei dir, wie es dir so geht. Ich finde das beeindruckend, wie du die Sache in den Griff bekommen hast.
    Ich denke, ich bin nicht mehr an dem Punkt, an dem ich Alkohol „romantisiere“. Es hat seinen Grund, warum ich mich hier angemeldet habe. Ich sehe die Warnzeichen. Wenn ich den Alkohol wirklich noch „romantisieren“ würde, hätte ich mich hier nicht angemeldet, denn eure Antwort wäre mir klar gewesen und auch nicht willkommen gewesen. Bei meiner ersten Vorstellung ging es mir darum, mich vorzustellen. Dazu gehörte für mich auch eine Darstellung, wann ich Alkohol trinke und mit welchen Empfindungen. Ich dachte mir, dass die Chance, mir zu helfen, steigt, je genauer ich mich vorstelle.
    Auch, wenn es für manchen vielleicht missverständlich gewesen ist, letztlich hat genau diese Vorstellung zu einer für mich notwendigen Auseinandersetzung mit meinem „Problem“ geführt. Wer mir geantwortet hat, hat diesbezüglich nachgefragt, und durch das Aufschreiben, die Nachfragen und die Auseinandersetzung mit den Fragen wurde mir selbst Manches klarer. So hast du mir zum Beispiel von dir erzählt und ich erkenne mich in Manchem wieder, in Manchem zum Glück noch nicht. Was du und auch Susanne mir geschrieben habt, spricht mich an, weil ihr schreibt, wie ihr schreibt, und weil ihr mir in gewisser Weise ähnlich seid. Und es warnt mich, es ja nicht so weit kommen zu lassen. Und es tut mir irgendwie gut, dass ihr mir schreibt und euch um mich sorgt. Glaub mir, ich bin ein sehr nachdenklicher Mensch, ich reflektiere häufig, was ich tue, und hinterfrage mich. Gerade weil ich so krank bin, aber nicht im Jammern versinken will, suche ich nach neuen Wegen. Natürlich meine ich nicht den Weg, meinen Kummer im Alkohol zu ertränken, sondern nach Wegen, die mir dauerhaft gut tun.
    Ich möchte meinen Weg finden, verstehst du? Wenn das, was ich vorhabe, funktioniert, ist es doch gut für mich, und wenn es nicht funktioniert, falle ich ja nicht in ein tiefes Loch, sondern weiß, was ich zu tun habe, werde es tun und habe dann solche Vorbilder wie dich. Was ist denn so schlimm daran, es reflektiert auf einen Versuch ankommen zu lassen? Ich verstehe vor deinem eigenen Hintergrund deine Sorge, aber ich stehe in Bezug auf dieses Thema nicht mehr ganz am Anfang, glaub mir.
    Vielleicht kommt es ja auch so, dass es mir nicht mehr so wichtig ist. Ganz wie Susanne es als Möglichkeit in Aussicht gestellt hat. Möglicherweise sind die Vorteile des Verzichts in den kommenden zwei Monaten so groß, dass ich‘s lieber ganz sein lasse. Wer weiß? Heute jedenfalls trinke ich ebenfalls nicht. Aus dem Nicht-mehr-Raucher-Forum weiß ich, dass diese kleinen Schritte ggf. hilfreicher sind als der Gedanke nie mehr rauchen zu dürfen. Wer sich dann genau beobachtet, stellt nach und nach Fortschritte und Vorteile fest.
    Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn du mich bei meinem Weg begleiten könntest. Ich mag, wie du reflektierst.
    Viele Grüße


    Ich konnte bis zum Schluss nach einem oder zwei Gläsern noch aufhören, wenn irgendwas wirklich wichtig war. Also die Kontrolle konnte ich haben, wenn ich wirklich wollte. Aber Spaß hat das keinen gemacht.

    Das ist interessant, was du schreibst. Ich kenne von meinem Vater, der immer heimlich angefangen hat, dass er stets die Kontrolle verloren hat. Von alleine konnte der nie aufhören, auch wenn er sich das vornahm. Ich hab ihm als Jugendliche mal bei so einem Entzug helfen wollen und wurde bitter enttäuscht. Ich dachte immer, das sei typisch für einen Alkoholiker. Er ist immer so richtig abgestürzt. Versuchte es dann mit Distra usw., aber das klappte nie.
    Für mich selbst habe ich beobachtet, dass ich mich zwar kontrollieren kann, mir das aber ebenfalls keinen Spaß macht, deshalb will ich mir ja nun auch keine wöchentliche oder monatliche Erlaubnis mehr gönnen.


    das Problem dabei ist, dass der Alkohol die Ausschüttung dieser Glückshormone erst mal fördert und damit die Empfindlichkeit der Rezeptoren herabesetzt. Und da sich der Körper an diese Krücke Alkohl gewöhnt, schüttet er ohne Alkohol dann noch weniger davon aus.

    Stimmt, da hast hast Recht. Das hab ich irgendwie vor mir selbst irgendwie ausgeblendet.

    Zitat


    Wenn Du dazu noch Depressionen hast, ist die Versuchung groß, da nachzuhelfen. Aber auf Dauer verstärkt Alkohl die Depressionen.

    Auch damit hast du Recht. Ich hab das irgendwie nicht wahrhaben wollen. Die Depression begleitet mich jetzt schon ein Jahrzehnt und durch die MS ist sie verstärkt zurückgekommen und lässt mich nicht mehr los. Wenn ich Alkohol trinke, kann ich für eine kleine Weile beide Krankheiten vergessen. Es geht mir besser, alles geht irgendwie leichter. Ich kann Dinge tun, die ich sonst nicht mehr kann.
    Durch den Verzicht auf Alkohol erhoffe ich mir aber auf Dauer eine Verbesserung der Depression. Ich hab mich gestern diesbezüglich etwas eingelesen.
    Es ist merkwürdig, wie’s manchmal kommt. Manches ist mir vom Verstand her schon eine Weile bekannt, aber es ist trotzdem irgendwie nicht wirklich bei mir angekommen. Das fühlt sich diesmal anders an.
    Ich hoffe auch, dass die MS Symptome wieder weniger deutlich auftreten. Im Moment sind die täglich sehr präsent. Bislang hatte ich nur einen Zusammenhang mit Stress vermutet. Ich habe nämlich vor etwa einem Monat meine Mutter beerdigen müssen. Möglicherweise liegt das verstärkte Auftreten der MS-Symptome nicht nur am Stress, ich verspüre zusätzlich auch noch Alkohol-Entzugserscheinungen. Denkbar wäre das auch schon bei der Menge, die ich so konsumiert habe.
    Das motiviert mich, auf Alkohol zu verzichten.

    Zitat


    Auf Dauer geht es aber um mehr, als das nur "ohne" auszuhalten. Sondern dann schon darum, es gar nicht mehr zu brauchen.

    Da stimme ich dir vollkommen zu.

    Zitat


    Solange Du Dir nicht zu viel vormachst..aber das kennst Du ja.

    Danke dir! Ich fühle mich von dir verstanden. Das tut gut. :)

    Liebe Grüße