Hallo Dagny,
natürlich ist mir willkommen, dass du mir schreibst, und ich verstehe vollkommen, dass du mich warnen willst, damit es mir nicht ähnlich ergeht wie dir. Ich habe deine Vorstellung gelesen und ich kann gut nachvollziehen, dass du dich in dem, was ich geschrieben habe, erkennst. Mir geht es nämlich mit dem, was du über dich erzählt hast und was du hier bei mir über dich erzählst, ähnlich. Und wie ich dich lesend kennengelernt habe, wird es dir ähnlich wie mir gehen, dass es dir in gewisser Weise gut tut auf Menschen zu treffen, die Dir ähnlich sind. Du darfst mir also gerne weiter schreiben, ich werde dir gewiss auch schreiben, wenn ich etwas zu sagen habe. Ansonsten lese ich gerne bei dir, wie es dir so geht. Ich finde das beeindruckend, wie du die Sache in den Griff bekommen hast.
Ich denke, ich bin nicht mehr an dem Punkt, an dem ich Alkohol „romantisiere“. Es hat seinen Grund, warum ich mich hier angemeldet habe. Ich sehe die Warnzeichen. Wenn ich den Alkohol wirklich noch „romantisieren“ würde, hätte ich mich hier nicht angemeldet, denn eure Antwort wäre mir klar gewesen und auch nicht willkommen gewesen. Bei meiner ersten Vorstellung ging es mir darum, mich vorzustellen. Dazu gehörte für mich auch eine Darstellung, wann ich Alkohol trinke und mit welchen Empfindungen. Ich dachte mir, dass die Chance, mir zu helfen, steigt, je genauer ich mich vorstelle.
Auch, wenn es für manchen vielleicht missverständlich gewesen ist, letztlich hat genau diese Vorstellung zu einer für mich notwendigen Auseinandersetzung mit meinem „Problem“ geführt. Wer mir geantwortet hat, hat diesbezüglich nachgefragt, und durch das Aufschreiben, die Nachfragen und die Auseinandersetzung mit den Fragen wurde mir selbst Manches klarer. So hast du mir zum Beispiel von dir erzählt und ich erkenne mich in Manchem wieder, in Manchem zum Glück noch nicht. Was du und auch Susanne mir geschrieben habt, spricht mich an, weil ihr schreibt, wie ihr schreibt, und weil ihr mir in gewisser Weise ähnlich seid. Und es warnt mich, es ja nicht so weit kommen zu lassen. Und es tut mir irgendwie gut, dass ihr mir schreibt und euch um mich sorgt. Glaub mir, ich bin ein sehr nachdenklicher Mensch, ich reflektiere häufig, was ich tue, und hinterfrage mich. Gerade weil ich so krank bin, aber nicht im Jammern versinken will, suche ich nach neuen Wegen. Natürlich meine ich nicht den Weg, meinen Kummer im Alkohol zu ertränken, sondern nach Wegen, die mir dauerhaft gut tun.
Ich möchte meinen Weg finden, verstehst du? Wenn das, was ich vorhabe, funktioniert, ist es doch gut für mich, und wenn es nicht funktioniert, falle ich ja nicht in ein tiefes Loch, sondern weiß, was ich zu tun habe, werde es tun und habe dann solche Vorbilder wie dich. Was ist denn so schlimm daran, es reflektiert auf einen Versuch ankommen zu lassen? Ich verstehe vor deinem eigenen Hintergrund deine Sorge, aber ich stehe in Bezug auf dieses Thema nicht mehr ganz am Anfang, glaub mir.
Vielleicht kommt es ja auch so, dass es mir nicht mehr so wichtig ist. Ganz wie Susanne es als Möglichkeit in Aussicht gestellt hat. Möglicherweise sind die Vorteile des Verzichts in den kommenden zwei Monaten so groß, dass ich‘s lieber ganz sein lasse. Wer weiß? Heute jedenfalls trinke ich ebenfalls nicht. Aus dem Nicht-mehr-Raucher-Forum weiß ich, dass diese kleinen Schritte ggf. hilfreicher sind als der Gedanke nie mehr rauchen zu dürfen. Wer sich dann genau beobachtet, stellt nach und nach Fortschritte und Vorteile fest.
Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn du mich bei meinem Weg begleiten könntest. Ich mag, wie du reflektierst.
Viele Grüße