Beiträge von AmSee13


    Manchmal denke Ich, er will es so. Das hat er auch heute am Telefon gesagt. Ich brauche also kein schlechtes Gewissen haben. Aber diese Gedanken kommen so oft.
    Dann widerrum denke ich, SO kann er es doch nicht wollen. Keiner kann soetwas wollen. Ich muss also doch irgendwie etwas machen. Aber was?

    Wenn ich Mel richtig verstanden habe, so geht es ihr darum, für sich zu klären, ob sie ihren Angehörigen einfach weitermachen lassen kann/ darf oder ob sie etwas tun muss.


    Vielleicht ist ja wirklich die Lösung für MEIN Problem, im Zusammenhang mit dem meines Angehörigen, die reine AKZEPTANZ und LOSLASSEN können.

    Inzwischen scheint sie an dem Punkt zu sein, dass sie für sich sieht, dass sie ihn möglicherweise machen lassen muss, dass sie „loslassen“ muss.


    Also kann man eigentlich nur auf sich selbst Rücksicht nehmen, denn was den Anderen angeht, ist man grundsätzlich machtlos...

    Genau darauf läuft es letztlich hinaus. Das muss man nur erstmal für sich erkennen. Co-Abhängige neigen ja so schön dazu sich aufzuopfern.

    Zitat


    Das Problem ist ja ein bisschen, weil der Angehörige sich selbst und seinem Umgang damit nicht ändern kann, versucht er den Süchtigen zu ändern. Und nicht nur aus altruistischen Gründen, sondern auch um sein eigenes Leiden an der Situation zu kurieren.

    Zitat


    Und wie beim Süchtigen muss man auch beim Angehörigen gucken, was er (eventuell gar nicht bewusst) davon hat, dass er in der für den angehörigen ebenfalls unerträglichen Situaition bleibt und nicht einfach geht.

    Da ist auf jeden Fall was dran.
    Nur, wenn man als Angehöriger oder Freund vor der Frage steht, ob man Verantwortung übernehmen muss, weil der Alkoholiker (wegen schwerer Depression) nicht mehr in der Lage ist, einen freien Willen zu bilden, dann ist man eben gefordert, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, die diese Unterscheidung treffen kann. Diese Hilfe holt sie sich nun „von einer zuständigen Person aus öffentlicher Stelle“.

    Ist der Alkoholiker in der Lage, einen freien Willen zu bilden, dann kann und sollte man sich als Angehöriger die Frage stellen, warum man in dieser unerträglichen Situation bleibt und nicht einfach geht. Das sehe ich auch so wie Susanne.
    Die Hilfe kann dann nur darin bestehen, den Kranken dahingehend zu beraten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn er das nicht will, ist man raus und man muss sich das ganze Theater auch nicht mehr antun.


    Es ist für mich auch ein grundsätzliches Gegensatzpaar, ob Hilfe wirklich Hilfe ist oder ob es eher darum geht, den anderen so zu verändern, dass er besser in mein Weltbild passt.

    Und dann stellt sich in der Tat diese Frage.

    Der erste Link enthält die rechtlichen Informationen, die mir noch gefehlt haben.
    Dass einer sich grundsätzlich zu Tode saufen darf, war mir bekannt, aber da mir die Zusammenhänge im Zusammenhang mit Depressionen ganz gut bekannt sind, konnte ich bislang die rechtliche Situation nicht zusammenbringen, denn, wenn Depression im Spiel ist, wird das, wie ja auch deutlich geworden ist, mit der Entscheidungsfähigkeit schwierig. Kann er noch einen freien Willen bilden oder kann er das nicht mehr.

    Verstehen - oder besser nachvollziehen - kann ich beide Seiten. Dass jemand, der der Sucht in Jahren bzw. Jahrzehnten trotz Therapie usw. nicht entkommen konnte, lebensmüde ist, habe ich bei meinem eigenen Vater erlebt und akzeptieren lernen müssen. Und ich kenne auch die Innensicht einer jahrzehntelangen Depression, die lebensmüde macht.

    Ich kenne aber eben auch die andere Seite, die Seite, die gezwungenermaßen zusehen muss und, weil sie der Situation so hilflos ausgeliefert ist, psychisch selbst schwer damit zu kämpfen hat.

    Die Frage ist dabei doch, auf wen man selbst in einer solchen Situation mehr Rücksicht nehmen muss.

    Ich hoffe für Mel, dass sie etwas klarer sieht, welche Möglichkeiten ihr zur Verfügung stehen, und dass sie aufgrund dieses Wissens für sich eine akzeptable Lösung ihres Problems finden kann.

    Danke für die Links, Susanne. Gewiss ist das allgemein sehr interessant.

    Der Artikel unter dem zweiten Link bestätigt das, was ich meine. Es muss geprüft werden, ob jemand „noch einen freien Willen bilden“ kann. Ein Angehöriger kann das nicht, nur, wie oben zusammengefasst, ein Richter nach fachärztlicher Begutachtung.

    Dass das eine knifflige Angelegenheit ist, steht außer Frage. Und der zweite Artikel unterstreicht letztlich, wie knifflig.
    In diesem speziellen Fall geht es darum, dass Mel eine Lösung findet, mit der sie besser leben kann. Sie hat ja deutlich gemacht, wie sehr sie diese Situation „psychisch-mental in die Knie zwingt“.


    Bleibt noch zu ergänzen, dass es bei uns erlaubt ist, sich tot zu saufen. Und dass z.B. Verwahrlosung kein Grund ist, jemanden zwangszubeglücken. Dazu gibts Urteile.
    Wenn einer noch halbwegs glaubhaft machen kann, dass er noch weiss, was er sagt, ist da das Ende der Fahnenstange erreicht.

    Gut, dass du das einbringst!
    Diese rechtliche Seite ist mir nicht so bekannt. Hast du da eine Seite oder Infos, die du mir ggf. als PN zukommen lassen könntest?

    das entscheidet sowieso nur ein Richter nach ärztlicher Begutachtung, niemals ein Angehöriger. Ein Angehöriger oder sonst Nahestehnder ist viel zu sehr mitbetroffen, um vernünftig und objektiv zu entscheiden.


    So ist es. Das habe ich weiter oben gemeint.

    Zitat


    Und die Zwangseinweisung ist natürlich auch zwiespältig. Viele kommen danach nie wieder auf die Beine (kenne selbst solche Leute), da kannst Du Dich dann auch fragen, was derjenige unterm Strich dann davon hatte.


    So kann es sein. Kenne ich auch.

    Zitat


    Das Einzige ist, dass man sich selbst von der Verantwortung für die Situation entlastet.


    DAS ist der entscheidende Punkt für den Angehörigen.

    Wenn ich dir in diese schweren Zeit ein paar Denkanstöße geben konnte, die dir weiterhelfen, freut mich das natürlich.
    Gut, wenn du für dich eine Lösung gefunden hast, die zu dir passt.


    Bei meiner wichtigsten Frage darüber, wie ich ihm am besten helfen und unterstützen kann, ohne dass Er sein 'letztes Hemd' lässt, ist mir am wichtigsten dass ich seinen Willen nicht 'breche'.

    Das mit dem „Trick“, der Zwangseinweisung, ist ein sehr schwieriger Balanceakt. „Bricht“ man damit den Willen des anderen? Ich denke, ich weiß, was du damit meinst, und ich finde es auch richtig, wenn du dir darüber Gedanken machst, was für ihn nun wichtig und richtig ist, Stichwort „Akzeptanz“ und „Loslassen“.
    Ich habe diese Möglichkeit besonders im Zusammenhang mit schwerer Depression und Suizidalität kennengelernt. Wer unter in einer Phase schwerer Depressionen leidet, trägt sich oft mit Selbstmordgedanken. Hört diese Phase wieder auf, sind diese Gedanken wieder weg. Daraus folgt, dass so jemand nicht ganz Herr seiner Entscheidungen ist, der Hilfe braucht. Nun fühlen sich diese Phasen sehr real an und so, als ob sie schon immer da waren und niemals mehr aufhören und man hat den sehnlichsten Wunsch, dass das dieses unerträgliche Leiden endlich aufhört. Der Tod scheint eine Erlösung zu sein und der letzte Rest von Selbstbestimmung, wo man doch sonst jegliche Kontrolle über sein Leben verloren hat. Wie gesagt, hört diese Phase auf, so sind diese Selbstmordgedanken wieder weg. Daraus folgt, dass so jemand professionelle Hilfe braucht, u.U. gegen seinen Willen.
    Und dann kommst du oder ein anderer Angehöriger oder ein Freund oder sonst jemand ins Spiel. Ich hab das am eigenen Leib erlebt. Da sagt dir ein Freund, deine Mutter, dein Vater oder einfach nur ein Bekannter, dass er sterben will. Was macht das jetzt mit DIR? Kannst du das einfach so zulassen, dass er oder sie sich umbringt? Kannst du das vor dir selbst verantworten oder wirst du dir womöglich ein Leben lang schwere Selbstvorwürfe machen? - Das ist das, was ich meine, wenn ich sage, dass du dich selbst schützen musst. Wenn du dann die Polizei rufst oder den Arzt, mit dem Ziel, dass dein Angehöriger erstmal aus dem Verkehr gezogen wird, schützt du dich selbst und womöglich deinen Angehörigen.
    „Brichst“ du damit seinen Willen? - Meine Mutter war sehr wütend auf meine Schwester und mich, dass wir sie auf die Geschlossene haben einweisen lassen. Auch für uns war das sehr, sehr schwer. In ihrem Fall war das aber gut und richtig, denn sie fing sich wieder.
    Bei einem Bekannten hat jemand anderes, der sich mit diesen Dingen auskennt, mir diese Entscheidung abgenommen. Wenn der Bekannte sich umgebracht hatte - und er hatte sich nur mir anvertraut und ich glaubte, sein Vertrauen nicht brechen zu dürfen - , hätte ich gewiss sehr darunter leiden müssen.

    Wie eingangs gesagt, der „Trick“ ist ein schwieriger Balanceakt. Wenn du angesichts der Situation deines Angehörigen „akzeptieren“ und „loslassen“ kannst und dabei mit dir selbst im Reinen bist, ist das in Ordnung. Wenn du aber für dich selbst Gefahr läufst, die Verantwortung nicht tragen zu können - denn es ist auch eine Verantwortung, die du da trägst -, dann musst du diese Verantwortung abgeben.

    Ansonsten kann ich dir nur raten, dich da so weit wie möglich rauszuziehen. Und wenn du wieder den Notarzt rufst, weil du ihn rechtzeitig gefunden hast, und sie ihn wegen Eigengefährdung mitnehmen wollen, nicht mehr dazwischen zu gehen. Er hat seine Wahl getroffen, soll er damit leben...

    Die Sinne eines „nassen“ Alkoholikers sind total vernebelt. Alkoholiker ticken irgendwie anders als „normale“ Menschen oder „trockene“ Alkoholiker. Wenn du hier im Forum etwas mitliest, stößt du öfter auf dieses Phänomen. Was auch immer da genau im Gehirn geschieht, es führt dazu, dass Alkoholiker die Wirklichkeit anders wahrnehmen und sich auch gänzlich anders verhalten, als sie dies in trockenem Zustand tun würden. Wenn ein Alkoholiker dann tatsächlich trocken wird, dauert es lange, teils mehrere Monate, bis er geistig wieder richtig klar wird. (Es sei denn, er hat sich das Gehirn tatsächlich kaputt gesoffen. Was aber bei deinem Angehörigen noch nicht der Fall zu sein scheint. Ob er tatsächlich schon durch Demenz wesensverändert ist, kann nur ein Fachmann klären.)
    Alkoholismus ist eine schlimme Sucht, warum ihr manchereiner nicht entkommt oder sogar nach Jahren, in denen er völlig abstinent gelebt hat, plötzlich wieder anfängt und sich dann zu Tode säuft, lässt sich nicht erklären, es passiert leider.
    Ich kann nachvollziehen, warum dein Angehöriger lebensmüde ist, denn er ist in all den Jahren seiner Sucht nicht entkommen. Die Sucht macht innerlich total kaputt. Mein Vater war 43 Jahre alt, als er durch einen selbstverschuldeten Unfall starb, aber er fühlte sich in den Monaten davor wie über 80. Er hatte es immer wieder versucht, der Sucht zu entkommen, hatte mehrere Entzüge und Langzeittherapien, aber rutschte immer wieder in die Sucht und war selbst todunglücklich darüber.
    Das Ganze als Angehöriger auszuhalten ist die Hölle und ich kann sehr gut nachvollziehen, dass dich das jetzt „psychisch-mental in die Knie zwingt“. Wir taten damals, was wir nur konnten. Meine Mutter hat dieses Leben an der Seite ihres alkoholkranken Mannes letztlich psychisch zerbrochen. Ich selbst habe psychische Schäden davongetragen, unter denen ich noch heute leide.

    Für dich besteht nun die Schwierigkeit u.a. darin, zu unterscheiden, ob er noch entscheidungsfähig ist oder nicht mehr. Und DAS ist gar nicht so einfach. Zwar sind einem Alkoholiker die Sinne benebelt, aber, solange dein Angehöriger einfach nur so trinkt, wird ihn die Polizei oder der Notarzt nicht mitnehmen. Wenn er aber krampft, bewusstlos wird oder deutlich ist, dass er sich umzubringen versucht, dann erst kannst du gewissermaßen handeln, dann ist er klar nicht mehr entscheidungsfähig. Wenn er „nur“ krampft o.ä. kommt er ins Krankenhaus und wird dort lediglich medizinisch überwacht. - Das klingt jetzt so harmlos, aber tatsächlich kann das lebensgefährlich sein. - Der „Trick“ ist tatsächlich, wenn sie ihn wegen Eigengefährdung zwangsweise mitnehmen.
    Er wird dir das mit Sicherheit sehr, sehr übelnehmen und Dinge sagen, wie „Du bist ab sofort für mich gestorben.“. Das muss dir klar sein und du wirst es aushalten müssen.
    Ich rate dir aber dazu, weil du dich selbst schützen musst. Du sprachst ja selbst die Schuldgefühle an und wie es dir derzeit geht. Die Frage ist, was schlimmer für dich ist: Seinen Zustand weiter auszuhalten und das, was das mit dir macht, oder zu versuchen, einer Situation, die für dich nicht mehr auszuhalten ist, zu entkommen und das Letzte zu tun, was du noch tun kannst, nachdem du alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hast.
    Bei dem Hin- und Her, das du mit ihm erlebst, Stichwort „Patientenverfügung“, siehst du, wie hin- und hergerissen er selbst ist. Vielleicht ist ihm noch zu helfen.
    Es kann aber auch sein, dass du ihm nicht helfen kannst, dass alles nichts hilft.
    Stoff solltest du ihm definitiv nicht besorgen, auch wenn die Gefahr, dass er krampft usw. und an den Folgen eines kalten Entzuges stirbt, besteht. Du wirst das mit dir selbst auch nicht vereinbaren können und es wird ihm auch nicht helfen, der Sucht zu entkommen. Wenn er Stoff braucht, muss er sich selber kümmern, so grausam das auch ist.
    Wenn er dich täglich anruft, könntest du ihm immer wieder raten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ansonsten ist es wichtig für dich, dich abzugrenzen. Hast du dich schon mal über Co-Abhängigkeit informiert?

    Es ist sehr, sehr wichtig, dass du dich um dich kümmerst. Wenn du in Therapie warst, hast du möglicherweise die Idee der „Achtsamkeit“ kennengelernt. Übe dich darin, immer und immer wieder. Ich habe zum Beispiel das Meditieren und - erst vor Kurzem - Yoga für mich entdeckt. Es hilft mir, im Hier und Jetzt und bei mir zu bleiben. Und es hilft mir beim Wahrnehmen und Annehmen meiner Gefühle. Nicht immer, aber immer wieder.
    Gut, dass du das mit der Selbsthilfegruppe in Angriff nehmen willst!

    Schreibe hier weiter, was du denkst. Vielleicht tut dir das gut und es klärt sich auch beim Schreiben einiges für dich.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Mel,
    ich habe deinen Post zwar gestern schon gelesen, aber ich habe etwas Zeit zum Nachdenken gebraucht, um Dir angemessen antworten zu können.

    Ich selbst bin w, 48 Jahre alt und ich habe manches von dem, was du geschrieben hast, vor mehr als dreißig Jahren mit meinem Vater erlebt. Manches kenne ich aus eigener Erfahrung, manches habe ich mir im Laufe der Zeit angelesen.
    Alkoholismus ist eine ziemlich tückische Krankheit, die nicht nur den Trinker, sondern auch seine Angehörigen sehr trifft.
    Du durchlebst zur Zeit eine enorme psychische Belastung. Vor eine Weile hast du dir schon einmal psychologische Hilfe geholt, weil du erkannt hast, dass du Unterstützung bei der Verarbeitung brauchst. Wäre das für dich jetzt nicht wieder eine Option? Bei den Fragen und Gedanken, die dich bewegen, könnte dir eine professionelle Begleitung sicherlich gut weiterhelfen. Es geht ja nicht nur um Wissen bei diesem Thema, um etwas, dass du mit deinem Verstand fassen kannst, sondern um die Gefühlsebene, die seelisch-psychische Ebene.

    Du bist offensichtlich auch schon bei öffentlichen Beratungsstellen gewesen und hast dir dort Rat und Hilfe geholt und du hast auch schon mit nahen Bekannten gesprochen. Den Rat, den sie dir gegeben haben, gebe ich dir ebenfalls.

    Du schreibst, dass du dir so häufig selbst ein schlechtes Gewissen machst, weil du denkst, du lässt einen wichtigen Menschen im Stich. Und du hast Angst davor, dass du dir evtl. Vorwürfe machst.
    Wenn ich das richtig sehe, hast du bereits sehr Vieles gemacht. Du hast viel mit deinem Angehörigen gesprochen, du hast mit nahen Bekannten gesprochen und bist bei einer öffentlichen Beratungsstelle gewesen. Du hast mehrfach den Rettungsdienst gerufen.
    Was könntest du tatsächlich jetzt noch tun?
    Alkoholismus ist eine sehr tückische Krankheit und mancher Trinker trinkt sich sehenden Auges zu Tode, kann vom Alkohol einfach nicht lassen, obwohl er weiß, dass es ihn umbringt. Dein Angehöriger ist schon lange dabei, er ist, wie du schreibst, gut vernetzt (AA) und er hat auch schon Therapien hinter sich. Und er hat es in all den Jahren nicht geschafft, aufzuhören.

    Er ist ein erwachsener Mensch, der sich weigert, weiter mitzuarbeiten und da kannst du herzlich wenig dran ändern. Alkoholismus führt auch zu Depressionen und kann auch zu dem Wunsch zu sterben führen.

    Du hast mit deinem Angehörigen gewiss über dieses Thema gesprochen und das ist richtig so. Was kannst du jetzt noch tun? Was musst du tun? - Zum Therapeuten kannst und solltest du selbst nicht werden. Was du tun kannst, ist, ihn dazu zu bewegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das aber wiederum verweigert er.
    Das bedeutet, dass du nicht mehr für ihn tun kannst, als du bereits getan hast. Nur eine Sache hätte ich an deiner Stelle anders gemacht und ich verrate dir auch, warum: Du schriebst, dass sie ihn die letzten 3x wegen Eigengefärdung mitgenommen hätten, du ihn aber davon überzeugen konntest, freiwillig mitzugehen. - warum hast du das gemacht? - Ich hätte sie ihn wegen Eigengefährdung mitnehmen lassen, denn das bedeutet Zwangseinweisung über einen Arzt und psychologische Begutachtung. Für den Betroffenen ist das zwar grauenvoll und die Geschlossene ist echt heftig, aber, wer sich selbst gefährdet, ist u.U. nicht mehr Herr seiner Entscheidungen und ein Facharzt übernimmt dann sozusagen die Verantwortung. Das Gericht entscheidet dann, wann der Gefährdete wieder herauskommt. Das bedeutet für dich, dass du aus der Verantwortung, mit der du eh überfordert bist, heraus bist. Es macht einen großen Unterschied, ob du freiwillig in der Psychiatrie bist, oder zwangseingewiesen.
    Die Frage ist doch, kann er selbst noch entscheiden oder kann er es nicht. Kann er es nicht, kannst du nur darauf dringen, dass er professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.
    Was kannst du noch tun, was musst du tun?
    Rechtlich macht sich jeder der unterlassenen Hilfeleistung schuldig, der ab dem Augenblick, wo ein Todesbereiter bewusstlos ist, nichts unternimmt. - Bislang hast du das immer getan! Du kannst aber nicht die ganze Zeit neben ihm stehen. Das ist auch für dich eine untragbare Belastung. Auch deshalb hätte ich ihn an deiner Stelle zwangsweise mitnehmen lassen. Vielleicht ist ihm dort noch zu helfen. - Vielleicht aber auch nicht. Du aber kannst nichts mehr für ihn tun.

    Das Einzige, was du jetzt noch tun kannst und tun solltest, ist, für dich zu sorgen. Du spürst, wie du innerlich hin- und hergerissen bist. Das sollte dir Warnzeichen genug sein, jetzt etwas für dich zu unternehmen. Hilfreich könnte es für dich sein, bei dir vor Ort Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern aufzunehmen. Oder aber du nimmst nochmals, wie oben bereits gesagt, professionelle psychologische Hilfe in Anspruch.

    Folgendes ist klar: Du bist definitiv nicht Schuld daran, dass er jetzt wieder säuft. Ein nasser Alkoholiker findet immer einen Grund zum Trinken und solche Gründe werden ganz gerne genannt, sind aber Unsinn.
    Und seinen Stoff musst du ihm auch nicht besorgen.

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft!
    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Jbob,
    ich habe lange überlegt, ob ich dir schreiben soll. Ich hab mich dazu durchgerungen, weil‘s Dir vielleicht hilft, wenn nicht, so lass es einfach stehen.
    Nach meinem Eindruck befindest du dich in einem emotionalen Ausnahmezustand. Sich zu Verlieben kann unheimlich schön sein, aber es kann auch sehr qualvoll sein, wenn’s schief läuft. Wissenschaftlich hat man herausgefunden, dass dieser Zustand ähnlich ist, wie unter Drogen zu stehen. Ich hab dir dazu mal einen geeigneten Artikel herausgesucht:

    https://blog.neuronation.com/de/wieso-ein-v…verruckt-spielt

    Was deine Freundin da mit dir anstellt, zeugt weder von Reife, noch von geistig-psychischer Klarheit, und sie ist ja wohl auch gar nicht gewillt trocken zu bleiben. Für dich ist das katastrophal.
    Zum Teil klingst du recht reflektiert, zum Teil gehen mit dir ziemlich die Pferde durch und du fühlst dich sehr leicht angegriffen. Deine eigene Gesundheit ist durch diese Beziehung nach meinem Eindruck ziemlich gefährdet.

    Ich komme zu dem Kind: Ich nehme Dir ab, dass du von deiner Seite her die besten Absichten hegst und Verantwortung übernehmen willst, aber..... Ich glaube, du bist Dir des vollen Ausmaßes nicht bewusst. Zum Ersten: Wenn deine Freundin schwanger ist, hat sie schon jetzt den Fötus nachhaltig geschädigt. Selbst, wenn sie für den Rest der Schwangerschaft trocken bleibt, ist der Schaden nicht mehr rückgängig zu machen. Wenn es zur Geburt kommt - und es ist keineswegs sicher, dass es nicht vorher zum Abort kommt -, kann es lebensfähig sein. Wie dieses Leben für das Kind, für dich und für deine Freundin sein wird, kann niemand voraussehen, es ist aber ziemlich wahrscheinlich, dass es dich/ euch vor größere Herausforderungen stellen wird, als ein Kind, das sich gesund entwickelt hat. Das ist machbar, aber unterschätz nicht, dass das eine enorme Belastung sein kann, unter der du auch zusammenbrechen könntest.
    Zum Zweiten: Es gibt hier einige, die in dysfunktionalen Familien aufgewachsen sind, du zählst ja wohl auch dazu. Viele von uns haben schwere Schäden davongetragen. Meine Eltern hatten die besten Absichten, ich hatte eigentlich etwas bessere Voraussetzungen, als es dein Kind aller Voraussicht nach haben wird, aber meine Kindheit und Jugend war teilweise grauenvoll und ich leide noch heute sehr unter den Folgen. Ich rate dir, auch für dich selbst, dich mal über Persönlichkeitsmerkmale Erwachsener Kinder von Alkoholikern zu informieren.
    Was du über deine Freundin schreibst, klingt überhaupt nicht nach jemandem, der Verantwortung für ein Kind übernehmen kann und übernehmen sollte. Ich meine natürlich, so lange sie so bleibt.
    Zum Dritten und für dich Wesentlichen: Du machst dir, glaube ich, nicht klar, was da auf dich zukommt bzw. zukommen kann. Du hast mit deiner Alkoholkrankheit eigentlich für dich selbst schon genug zu tun. Du bist gerade trocken und dabei Dir ein neues Leben aufzubauen, stabil zu werden. Das braucht eigentlich deine ganze Kraft und Energie. Zu Zweit ein gesundes Kind aufzuziehen, ist eigentlich schon eine Herausforderung, aber das, was sich da bei dir andeutet, lässt auf eine Katastrophe schließen. Ganz
    im Ernst: Es kann gut sein, dass du bei dem, was du da vor hast, selber drauf gehst.

    Und wenn dann noch ein Kind da sein sollte, was ist dann mit dem?

    Verstehst du, das alles schwingt bei dir mit.
    Nicht nur Wolfsfrau hat Dir ein paar wirklich gute Gedanken dagelassen.

    Wie gesagt, wenn du was mit dem, was ich geschrieben habe, anfangen kannst, gut, wenn nicht, lass es stehen.

    Alles Gute dir!
    AmSee

    Die Alkoholkrankheit meines Vaters war gewiss abschreckend für mich, als ich aber nach seinem Tod im Alter von 15 unsere Familie verließ, um nicht selbst zugrunde zu gehen, lernte ich einen anderen Umgang mit Alkohol kennen. Bei diesen Menschen war Alkohol trinken harmlos, da eskalierte nix, die tranken mal und auch nicht heimlich und nix weiter. Und so trank ich mein erstes Bier und nix Schlimmes passierte, es war sogar ganz nett. Später war ich mit anderen meines Alters zusammen und es gehörte dazu, dass wir tranken, wenn wir ausgingen. Da war‘s lustig, einen Rausch zu bekommen, alle probierten ihre Grenzen mal aus. Das war irgendwie ganz normal.
    So lernte ich den Alkohol und den Rauschzustand am eigenen Leib als etwas Harmloses kennen.
    Und schau dich mal um: Überall wird getrunken. Mir fällt das jetzt erst so richtig auf. In Film- und Fernsehen schenken die sich ständig ein Glas ein, in Romanen und natürlich überall in unserer Umgebung (Familie, Freunde, Nachbarn, Feste, Restaurants, Biergärten usw.). Wer trinkt, gehört dazu. Trinken ist total normal. - So lebt es uns unsere Gesellschaft jedenfalls vor.

    Nach allem, was ich zu diesem Thema in Erfahrung gebracht habe, stellt sich mir das so dar: Kinder aus dysfunktionalen Familien tragen tiefe seelische Verletzungen davon. Weil ihnen etwas Wesentliches in ihrer Entwicklung versagt geblieben ist, neigen sie mehr als andere dazu, irgendeine Sucht zu entwickeln. - Möglicherweise spielt dabei auch noch genetische Vererbung eine Rolle. - Sie stillen eine tief vorhandene Sehnsucht, stopfen ein tiefes emotionales Loch etc.
    Alkohol gehört ja zu den Drogen, die binnen Sekunden zur Ausschüttung von Glückshormonen führen, das Belohnungszentrum wird stimuliert.

    Wie tückisch Alkoholkonsum in meinem Fall war, habe ich jedenfalls nicht kommen sehen und wegen der angenehmen Seiten des Alkoholkonsums irgendwie auch verdrängt. Ich war (und bin) doch so ganz anders als mein Vater..... Alkohol half mir ja über lange Zeit, mich besser zu fühlen, besser zu entspannen, länger arbeiten zu können, nahm mir Ängste, zeichnete alles weich etc. Ich habe aufgrund meiner Familienvergangenheit Persönlichkeitsmerkmale, die mich u.a. sehr anfällig für Überforderung machen. Alkohol half mir, länger zu funktionieren.

    Hallo Schotterblume,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. :welcome:

    Nach dem, was du über dich erzählst, bist du schon entscheidende Schritte gegangen, du hast für dich erkannt, dass du ein ernsthaftes Problem hast, hast diesbezüglich auch schon sinnvolle Vorbereitungen getroffen und du hast dich hier geöffnet.

    Was die Heimlichkeit betrifft, schließt du dir gerade deine Hintertürchen, das ist schon mal gut. Wie Gerchla schon geschrieben hat, muss es sicher nicht jeder wissen, besonders dann, wenn es dir eher schaden könnte, aber gewiss entwickelst du ein Gespür dafür, wen du informieren solltest, weil dich das stützt. Ich habe auch nicht jeden informiert und werde es auch nicht tun, aber die, die mir wichtig sind und mich auf ihre Weise stützen, die wissen inzwischen Bescheid und das hat mir gut getan.
    Du hast dir auch Listen bereit gelegt, für den Fall, dass dich der Suchtgedanke überfällt. Auch das ist eine sehr sinnvolle Maßnahme.
    Hast du für dich schon analysiert, zu welchen Anlässen du getrunken hast? Kennst du schon mögliche Trigger? Das können positive und negative Situationen sein.
    Wenn du diese kennst, kannst du schon - und solltest du - möglichst rechtzeitig handeln, damit du möglichst nicht unter Druck gerätst.
    Wenn du schon solche ausführlichen Therapie-Erfahrungen hast, bist du gewiss vertraut mit der Vorstellung von Achtsamkeit. Sehe ich das richtig?
    Betrachte das, was vor dir liegt, als Chance.
    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es viel zu entdecken gibt.

    Dass du keinen Alkohol mehr im Haus haben solltest, ist dir bekannt? Grundsätzlich solltest du dich erstmal nicht in die Nähe von Alkohol begeben oder dich Situationen aussetzen, in denen Alkohol getrunken wird. Wenn du aufmerksam mit dir bist, wirst du bemerken, wann du wieder einigermaßen gefestigt und stabil bist.
    Ich selbst musste und muss noch immer lernen, dass ich das Recht habe, eine Situation zu verlassen, wenn sie mir nicht gut. Du wirst das auch bei anderen lesen können, wie wichtig das für sie war.

    Zu deinem Traum, der dich sehr beunruhigt hat: Solche Träume sind bei vielen von uns schon vorgekommen, ich selbst bin da keine Ausnahme. Lass dich deswegen nicht beunruhigen. Das Gehirn verarbeitet nachts im Schlaf und manches von dieser Verarbeitungsarbeit bemerken wir in unseren Träumen. Für dich ist das Thema Alkohol im Moment sehr präsent, deshalb ist es kein Wunder, dass du einen solchen Traum hattest. Durch den Verzicht auf Alkohol ändert sich auch einiges in der Biochemie deines Gehirns, es könnte gut sein, dass sich dein Belohnungszentrum meldet. Auch das muss dich nicht beunruhigen. Wenn ich so einen Traum gehabt habe und wach werde, dann bin ich natürlich im ersten Moment erschrocken, im zweiten Moment aber erleichtert, denn der Schock bestärkt mich darin, weiterzumachen, weil ich erleichtert bin, nicht mehr zu trinken.

    Auch ich selbst, w, 48 Jahre alt, blicke auf viele Jahre in Therapie zurück. Du musst hier nicht ins Detail gehen, wenn du das nicht willst. Wenn du mit 19 Jahren mit Therapie angefangen hast und seit 20 Jahren dabei bist, müssen sehr tiefe Verletzungen in dir vorhanden sein. Das Trinken, das anfangs so verführerisch daher kommt, wird dir bei der Aufarbeitung oder Bewältigung deiner Probleme keine Hilfe sein. Das hast du zu deinem Glück richtig erkannt. Weißt du eigentlich, das nasse Alkoholiker anders ticken? Dass sie eine andere Wahrheit empfinden und leben als „normale“ Menschen? Mir war das früher nicht ganz so klar, aber seit ich mich intensiv mit diesem Thema und auch meiner eigenen Vergangenheit beschäftige, sehe ich es ziemlich deutlich.
    Ich bin erst 37 Tage lang abstinent, bemerke aber zunehmend eine Veränderung und zwar körperlich als auch psychisch. Das bestätigt für mich das, was ich darüber gelesen habe. Je länger du abstinent bist, desto klarer wirst du im Kopf werden. Und das ist eine nicht unwesentliche Voraussetzung dafür, erfolgreich an seinen Problemen arbeiten zu können. Ich habe mir eine App zugelegt, die meine abstinenten Tage zählt und auch ein paar hilfreiche Infos enthält.
    Warum auch immer du mit den verschiedenen Therapeuten nicht weitergekommen bist, vielleicht klärt sich in Zukunft einiges für dich.

    Ich schrieb ja, dass ich selbst auf jahrelange Therapie-Erfahrung zurückblicke. Ich bin da ziemlich weit gekommen, aber irgendetwas war da bislang, weshalb ich nicht weiter kam. Erst durch die Auseinandersetzung mit dem Thema „Alkohol“ und, für mich von großer Bedeutung, mit dem Thema „Erwachsene Kinder von Alkoholikern“ wurde mir sehr vieles klar und ich sehe für mich inzwischen die Chance, weiter vorankommen zu können.

    „Ich denke das greift auch so ein wenig ineinander, ich kann in der Therapie nicht wirklich etwas aufarbeiten solange ich trinke und ich kann auch nicht langfristig trocken sein wenn ich mich nicht an die Aufarbeitung mache. Oder was denkst du?“
    - Ich denke, das siehst du ganz richtig.

    Empfehlen kann ich dir übrigens folgende Bücher, die ich selbst als sehr hilfreich empfunden habe:
    Simon Borowiak, „Alk“
    Daniel Schreiber, „Nüchtern“
    Catherine Gray, „Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein
    Frei und glücklich - ein Leben ohne Alkohol“
    Du findest sie in der Literaturliste:
    https://alkoholforum.de//index.php?topic=1715.0


    Wenn du irgendwelche Fragen hast, nur heraus damit. Es findet sich immer wieder jemand hier, der dir darauf antworten kann und wird.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Hope Joy,
    mit Burnout und Depression habe ich leider auch meine Erfahrungen gemacht und Angst-/ Panikattacken sind mir sehr vertraut. Bist du zur Zeit wieder in Behandlung? Es klingt ja ganz danach, dass du noch weiter therapeutische Hilfe bräuchtest.
    Dass du den Alkohol in dein Leben gelassen hast, ist nun mal passiert, seine Wirkung kommt ja auch so verführerisch daher. Du hast erkannt, dass du damit nicht umgehen kannst, das ist schon mal gut und wichtig.
    Du hast viel gelesen, sagst du. Kennst du die folgenden Bücher:
    Simon Borowiak, „Alk“
    Daniel Schreiber, „Nüchtern“
    Catherine Gray, „Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein
    Frei und glücklich - ein Leben ohne Alkohol“
    Ich fand sie alle drei sehr hilfreich. Du findest diese und noch mehr in der Literaturliste:
    https://alkoholforum.de//index.php?topic=1715.0

    Das mit dem Nicht-mehr-Trinken hast du richtig erkrankt. Vielleicht hilft dir der Spruch „Das erste Glas stehen lassen!“

    Hast du schon Ideen für deinen Notfall-Plan?
    Steht bei dir zuhause noch Alkohol herum?
    Hast du allein getrunken oder in Gesellschaft?

    Hallo Hope Joy,
    herzlich Willkommen hier im Forum! :welcome:
    Die ersten Schritte hast du gemacht. Du hast erkannt, dass du die Reißleine ziehen musst und dich zum Entzug in die Klinik begeben. Und du gestehst Dir ein, Alkoholikerin zu sein.
    Dein Ziel ist klar: Du willst nie wieder Alkohol trinken. Hast du denn schon Ideen/Pläne, wie du in Zukunft alkoholfrei bleiben kannst?
    Du schreibst, dass du wegen Panikattacken getrunken hast. Bist du deswegen schon in Behandlung?
    Wie willst Du in Zukunft mit Alkohol umgehen? Hast du dir dazu schon Gedanken gemacht?
    Wie du schreibst, bist du schon zum dritten Mal in der Klinik auf Entzug. Du hast also schon gewisse Erfahrungen mit der Sucht. Was hast Du diesbezüglich für Gedanken?
    Hast du dich schon mal mit einer SHG vor Ort in Verbindung gesetzt?

    Viele Grüße
    AmSee

    Hast du schon mal in dich hineingehorcht, warum du bei deinen Versuchen nur „mäßigen“ Erfolg hattest?
    Warst du halbherzig dabei oder waren deine Erwartungen zu hoch oder ...?

    Die Aufschieberitis ist mir nicht unbekannt. Pauschal kann ich dazu sagen, nicht immer ist sie verkehrt und u.U. will dein Inneres dir etwas zu verstehen geben.

    Ich habe in einem anderen Zusammenhang mal die folgende Liste gefunden und mich davon einfach mal inspirieren lassen:

    https://www.uni-muenster.de/imperia/md/con…t__tenliste.pdf

    Hallo Userin,
    herzlich Willkommen hier im Forum! :welcome:
    Die ersten entscheidenden Schritte hast du gemacht: Du hast für dich erkannt, dass du ein Alkoholproblem hast, du hast dein Problem hier öffentlich gemacht, du hast dich über Selbsthilfegruppen informiert und du hast dich schon vor einer Weile von einem Umfeld distanziert, bei dem es nur ums Trinken geht.
    Das andere kann sich nun nach und nach für dich ergeben.
    Ich selbst, 48 Jahre alt, w., bin ich noch gar nicht so lange dabei, habe hier aber durch Mitlesen, durch die Auseinandersetzung mit anderen, durch Lesen einiger Bücher, die hier in der Literaturliste empfohlen werden, und natürlich durch eine intensive Auseinandersetzung mit mir selbst sehr viel mitgenommen.
    Ich habe auch ein Problem mit dem Alkohol und, während ich bei meiner Anmeldung noch unsicher war und mir nicht vorstellen konnte, dauerhaft auf Alkohol zu verzichten, bin ich nun an dem Punkt, dass ich dauerhaft abstinent bleiben will und mir dieser Gedanke auch nicht mehr so viel ausmacht. Ich beobachte schon jetzt eine ganze Reihe an Vorteilen der Abstinenz und es gibt viel Neues zu entdecken.
    Ich denke, dass sich deine Hemmschwelle, eine Selbsthilfegruppe bei dir vor Ort aufzusuchen, mit der Zeit legen wird.
    Du schreibst, dass du nach Feierabend nichts mit dir anzufangen weißt und deshalb Alkohol konsumierst. Und du kennst auch die Gründe, warum du Alkohol konsumierst.
    Damit hast du schon mal einen guten Ansatzpunkt, um Neues kennenzulernen und auszuprobieren. Wo liegen denn so deine Interessen? Gibt es etwas, was du eigentlich schon immer mal machen wolltest?
    Du möchtest dich nach einem schlechten Tag trösten: Auch da gibt’s eine Menge, was du tun kannst. Es kann ziemlich spannend und entspannend sein, sich seinen Gefühlen zu stellen.

    Bin gespannt, Weiteres von dir zu hören.

    Viele Grüße
    AmSee


    @ Am See ,als ich mal vor paar Wochen zu meinem Mann gesagt habe ,du trinkst eben aber viel ...denke mal wie es damals deinem Bruder ging...willst du auch so enden ?!

    Ui da bekam ich einen Anpfiff ,und er trank sein Glas Sangria zügig aus...ich glaube wie ich es mache ist es verkehrt.
    Einmal war ich so entsetzt ,da sagte ich ...schau mal in den Spiegel wie du aussiehst .
    Du wolltest nie so werden wie dein Bruder...jetzt bin ich eher ruhiger ,damit er keinen Grund findet sich ein Glas Sangria ,Wein oder Cola Rum zu holen.

    Das ist auch nicht der Weg.....
    Nasse Alkoholiker ticken anders. Dein Mann wird immer einen Grund finden, trinken zu müssen. Zieh du dir nicht den Schuh an, dass du Schuld daran seist, wenn er was trinkt.
    Lies dich ruhig durch die diversen Threads hier, was andere Angehörige so erlebt haben und was ihnen geraten wurde.
    Informier dich mal über Co-Abhängigkeit. Vielleicht erkennst du dich darin schon wieder...

    Guten Morgen, Naturmädchen,
    natürlich kannst du hier mitlesen, dafür gibt es ja den öffentlichen Bereich.

    Du hast die Liste für Angehörige von Alkoholikern schon gefunden, das ist gut.
    Du scheinst mir sehr duldsam (zu duldsam?), was das Verhalten deines Mannes betrifft.
    Ich kann dich nur warnen, dich zu sehr zurückzunehmen, am Ende ist vielleicht nicht mehr viel von dir übrig.
    Das Leben an der Seite eines nassen Alkoholikers ist eine absolute Herausforderung. Nicht selten bleiben die Bedürfnisse des Angehörigen so richtig auf der Strecke. Daun hat dir deswegen etwas sehr, sehr, sehr Wichtiges geschrieben.
    „In guten, wie in schlechten Zeiten“ heißt es, das ist richtig, aber das bedeutet nicht, dass man sich von seinem uneinsichtigen Partner kaputt machen lassen muss. In einer guten Partnerschaft müssen beide geben und es ist eine Selbstverständlichkeit, dass man sich respektvoll und liebevoll einander gegenüber verhält. Was du über deinen Mann erzählt hast, klingt nicht danach. Vergiss nicht, er ist erwachsen und er nimmt für sich in Anspruch, zu wissen, was richtig ist.
    Niemand verlangt von dir, nicht zu deinem Mann zu halten. Überleg dir mal, worauf das hinausläuft, wenn du ihn so weitermachen lässt. Tust du dir und ihm damit wirklich einen Gefallen? Hältst du damit wirklich zu ihm und zu dir? Dein Mann ist krank. Glaubst du, dass das Heilmittel darin besteht, ihn so weitermachen zu lassen, wie er das jetzt „kuriert“?

    Alles Gute dir!
    Viele Grüße
    AmSee

    Kein Film, sondern eine sehr interessante Dokumentation zum Thema „Die heilsame Kraft der Meditation“ (2017), von ARTE präsentiert.

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    Lief bis vor Kurzem noch in der ARTE-Mediathek. Dargestellt werden auch einige wissenschaftliche Forschungsergebnisse, u.a. auch über den Einsatz von Meditationsübungen bei Depression.

    Ich danke euch, Gerchla, Greenfox und Daun2020 für eure Beiträge.
    Ihr habt alles dazu gesagt, ich habe dem nichts hinzuzufügen.

    Mir geht’s im Moment nicht gut. Gefahr, dass ich zu Alkohol greife, besteht nicht, ich bezweifle, dass ich je wieder einen Tropfen anrühren möchte. Dafür ist zu viel passiert.
    Die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema, auch und besonders mit den Problemen der Angehörigen hat alte Wunden aufgerissen. Ich wollte das so, habe mich dem gestellt und ich denke, es war jetzt, nach dem Tod meiner Mutter, auch an der Zeit dafür, aber es bringt eben auch die alten Gefühle wieder hoch: Hilflosigkeit, Ohnmacht, Enttäuschung, Wut, Verzweiflung, Scham.
    Mein Vater starb, als ich 15 Jahre alt war, aber was war bis dahin alles Schlimmes passiert: Als ich sechs war, bekam ich seinen ersten Selbstmordversuch mit, meine Tante brachte sich mit dieser Methode zwei Jahre später erfolgreich um. Meine Mutter wurde von meinem Vater unter Alkoholeinfluss mehrfach bedroht, körperlich attackiert. Wir verloren unser Zuhause. Wir zogen oft um. Wir hatten oft Existenznöte. Ich fand keine Freunde mehr, seit ich sieben war. Außenseiter/ Mobbingopfer während meiner Schulzeit. Verantwortung für Vater und Mutter. Vater sucht Hilfe bei mir. Mutter sucht Hilfe bei mir. Wechselnde Koalitionen. Manipulation. Und so weiter.

    Ich bin dem Ganzen entkommen, habe Abitur gemacht, studiert, mir ein gutes Leben aufgebaut. Doch die Vergangenheit hat mich eingeholt, schon vor Jahren. Ich bin zuletzt auf die Verführung des Alkohols - kann man das so schreiben? (Kopf kratz) - hereingefallen. Seine wundersame Wirkung kommt ja auch so leicht und harmlos daher, wenn man in einer Umgebung lebt, in der Alkohol trinken kein Problem ist, sondern „nur“ der Feierlaune, Entspannung, dem Wochenendfeeling und und und dient. Ich habe die Gefahr nicht sehen wollen. Darin bin ich so vielen Alkoholikern ähnlich. Zu meinem Glück ist in meinem Leben nicht alles schief gelaufen und ich habe zur rechten Zeit die richtigen Leute getroffen oder die richtigen Entscheidungen gefällt und ich habe hilfreiches Handwerkszeug auf den Weg mitbekommen.

    Wenn ich anderen hier geschrieben habe, diente das zum einen dazu, ihnen bei der Findung ihrer eigenen Lösung behilflich zu sein, zum anderen aber half es aber auch mir selbst. Durch die Auseinandersetzung mit den Problemen anderer wurden mir zugleich meine eigenen Sorgen, Gedanken, Probleme bewusster und die praktische Anwendung meines Wissens und meiner Erfahrung half mir, diese ggf. zu strukturieren und zu priorisieren.

    Diese intensive Auseinandersetzung hat mich aber auch empfindlich gemacht und ich habe zur Zeit nicht die innere Balance, um mit Kritik umgehen zu können. Deshalb lege ich nun eine Pause ein, um mich wieder zu erholen.