Beiträge von AmSee13

    Hallo Orangina!


    Ich wollte dir noch sagen,dass ich mit den Klassifikationen nichts anfangen kann..siehe Alpha Beta Trinker etc.
    Es reicht mir zu wissen,was mein Problem ist.

    Das kann ich gut nachvollziehen. Mir fällt es auch schwer, mich ganz einer dieser Kategorien zuzuordnen. Ich fand ganz lustig und passend, was Simon Borowiak in seinem Buch „Alk“ dazu geschrieben hat: "Ich persönlich mag Jellinek nicht. Er nervt mich. Während meines ersten Besuches bei einer Suchtberaterin wurde mir der Jellinek vorgelegt und die obligatorische Frage gestellt: »Wo würden Sie sich einordnen?« Meine Antwort lautete: »Ja, nirgends! Bzw. überall ein bisschen! Diese Unschärfe! Z. B. der Quartalssäufer (meine Wenigkeit): Nach Jellinek bin ich Epsilon-Trinker. Episodischer Trinker. Okay. Aber ich bin auch Problemtrinker. Und manchmal süchtiger Trinker. Und bisweilen auch Gelegenheitstrinker ohne Kontrollverlust und/ oder Entzugserscheinungen. Ja, was denn nun, Herr Jellinek? Alpha, beta, pi mal Daumen? Bin ich überhaupt Alkoholiker? Oder nicht vielleicht doch eher Missbraucher bzw. schädlich Gebraucher?« Diese differenzierten Überlegungen kamen nicht gut an. Die Suchtberaterin verzog wissend das Beamtengesicht und bescheinigte mir kurz und bündig »mangelnde Krankheitseinsicht«."

    – ALK: Fast ein medizinisches Sachbuch - jetzt aktualisiert! von Simon Borowiak

    Andererseits wiederum hat mir diese Einteilung geholfen, mir darüber klar zu werden, dass ich ein Problem habe bzw. dabei bin, ein ernsthaftes Problem zu entwickeln.

    Zitat

    Ich habe immer gern wegen der Wirkung getrunken und vor allem zur Entspannung, zum Bewältigen von Schwierigkeiten, zum Musikhören...und die Liste könnte ich ewig weiterführen.

    Das kommt mir, wie du gewiss weißt, weil du‘s bei mir gelesen hast, sehr bekannt vor.
    Und darin liegt ja schon das Problem. Mein Arzt hat mich schon früher mal deswegen gewarnt, aber ich hab das verdrängt bzw. nicht an mich herangelassen. Inzwischen sehe ich ein, welche enorme Gefahr dieses Alkohol-wegen-seiner-Wirkung-trinken für mich hat.

    Zitat


    Über eines aber stolpere ich immer wieder und das ist die Bezeichnung " ich bin Alkoholiker"...
    Alkoholiker ist jemand,der aktuell trinkt,aber nicht jemand, der seit Jahren nicht mehr trinkt.
    Durch diese Bezeichnung reduziert man sich auf ein Problem.
    Der Mensch an sich wird dadurch weiterhin krank gehalten.

    Ich kann deine Schwierigkeit nachvollziehen, aber Alkoholismus ist nun einmal eine Krankheit, die man, wenn sie einen einmal erwischt hat, nie wieder ungeschehen machen kann. Wie du bei nicht wenigen hier nachlesen kannst, können sie auch nach Jahren der Abstinenz von sich nicht sicher sagen, dass sie ungefährdet ein Glas Alkohol trinken könnten. Wer sich von sich sagt „Ich bin Alkoholiker.“ gesteht sich ein, dass er die Alkoholkrankheit hat. Meiner Ansicht nach gehört angesichts dessen, was in unserer Gesellschaft doch so normal ist, viel Mut dazu, sich als Alkoholiker zu outen. Mut gegenüber den anderen, aber auch Mut gegenüber sich selbst.
    Du sprichst das Rauchen an. Nach meiner Beobachtung passt der Vergleich nicht so recht und zwar aus verschiedenen Gründen, die ich jetzt aber nicht alle aufzählen möchte.
    Achte mal darauf, wie oft in Fernsehsendungen, im Film, bei gesellschaftlichen Ereignissen Alkohol konsumiert wird. Es scheint die Norm zu sein, bei allen möglichen Gelegenheiten Alkohol zu konsumieren. Ein Alkoholiker darf das nicht mehr, weil das für ihn (und seine Lieben) üble Konsequenzen hätte. Er gehört somit nicht mehr dazu und das für immer. Sich das selbst und anderen mit der Bezeichnung „Ich bin Alkoholiker.“ klarzumachen, ist in dem Zusammenhang ein mutiges Bekenntnis.
    Man muss es ja nicht unbedingt jedem auf die Nase bin, wenn man nicht will. Es haftet dieser Bezeichnung hier in Deutschland ja leider noch ein gewisses Stigma an. Ich für meinen Teil werde in Zukunft nur sagen, „Danke, ich trinke nicht.“ und vielleicht dazu noch „Ich muss Medikamente nehmen, die sich überhaupt nicht mit Alkohol vertragen.“, was bei mir im Übrigen auch tatsächlich der Fall ist. So dürfte ich schnell Ruhe haben.

    Zitat


    Aber schlimm finde ich ,wenn man sich ein Leben lang als Alkoholiker bezeichnen muss und sich damit seine Krankheit dauernd vor Augen hält, obwohl man seit Jahren abstinent ist.
    Da vermittelt man sich selbst doch ein ganz falsches Bild.

    Ich sehe das anders, denn selbst wenn ein Alkoholiker jahrzehntelang abstinent war, kann es sein, dass er total abstürzt, wenn er wieder Alkohol trinkt.
    Wie gesagt, man gesteht sich selbst ein, dass man eine Krankheit hat.
    Ich weiß aber auch aus eigener Erfahrung, dass, wer jahrelang erfolgreich abstinent ist, nicht mehr oft betont, dass er Alkoholiker ist, außer in SHG oder hier im Forum, weil für ihn oder sie Alkohol nicht mehr wichtig ist.
    Und außerdem: Niemand zwingt dich, dich als Alkoholikerin zu bezeichnen.


    Zitat


    Und ich bin jetzt wieder seit 1 Woche Nichttrinkerin und mir geht es sehr gut damit und ich will es bleiben.


    Und das ist doch prima!

    Ich bin an dem Punkt, dass ich mich sehr mit dem Gedanken anfreunde, nie wieder Alkohol zu trinken, und dieser Gedanke schreckt mich immer weniger, je mehr ich mich mit der Materie und mir selbst beschäftige.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg, bis....


    Ich frage mich echt was mich dazu treibt mich ins Jenseits schiessen zu wollen! Ich weiss nicht wieso ich das so sehr möchte...abgesehen von der Sucht die mich dazu treibt? Es war bei mir halt sofort so, ich liebte es auf Anhieb mich aus der Realität hissen zu können, ich war nie in der Illusion des Genusstrinkens. Was zum Teufel stimmt nicht mit mir? Es gibt sowas wie einen Überlebensinstinkt, gibt es etwas wie den Selbstzerstörungswunsch?

    Ich war bezüglich Alkohol noch nicht an der Stelle, an die du gekommen bist, aber ich kenne diese Sehnsucht, von der du sprichst, ziemlich gut.
    Ich rate dir, sehr vorsichtig, mit dieser Selbstzerfleischungskritik - „Was stimmt nicht mit mir?“ zu sein. Solche Kritik zieht dich nur weiter runter.
    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der innere Druck unerträglich sein kann. Besonders, wenn er etwas länger anhält, wünscht man sich alles, damit das endlich aufhört. Ich hab mir so oft gewünscht, dass endlich alles vorbei ist. Nicht selten befand ich mich auf dem, was wir unter den Depressiven, die ich kenne, „die Autobahn“ nennen. Wenn du merkst, dass du dort bist, solltest du so schnell wie möglich die nächste Ausfahrt nehmen. Ich habe in solchen Fällen mein Netzwerk kontaktiert. Es ist ja so, dass du völlig anders darüber denkst, wenn’s dir wieder gut geht.
    Mit deiner Kritik an Dir selbst, ziehst du dich runter und die Spirale geht immer weiter abwärts. Da kommt auch Wut auf dich selbst hoch und der Wunsch, dich selbst zu bestrafen.
    Wie gesagt, man sieht das alles anders, wenn’s einem wieder gut geht. Und ich bin sicher, du weißt das auch.

    Fragst du dich, ob du keinen Überlebensinstinkt hast? - Doch, hast du, denn du hast dich hier geöffnet. Du schreibst hier und suchst dir Hilfe. DAS ist Überlebensinstinkt.

    Versuche mal, dich dir gegenüber so zu verhalten, wie du dich deiner besten Freundin oder deinem besten Freund gegenüber verhalten würdest, wenn’s ihm so schlecht ginge, wie dir. Was würdest du ihm sagen, was raten?

    Dass du deinen Therapeuten nicht treffen kannst, ist nicht gut, aber vielleicht fallen dir ja Möglichkeiten ein, wie du für dich sorgen könntest.
    Gewiss wirst du, wenn du das jetzt hinkriegst, gestärkt daraus hervorgehen.

    Schreib weiter, wenn dir etwas einfällt.

    Ich wünsche dir Kraft und gute Einfälle!
    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Jana,
    herzlich Willkommen hier im Forum!
    Ich bin w, Ende 40, selbst zwar nicht mit einem Alkoholiker zusammen und auch nie gewesen, aber mein Vater war Alkoholiker, ich kenne die Folgen für die eigene Psyche und ich habe sehr deutlich miterlebt, was der Alkoholismus meines Vaters und alles, was damit zusammenhing, mit meiner Mutter gemacht hat.
    Deine Situation ist alles andere als leicht, und das noch zusätzlich, weil ihr auch noch zwei kleine Kinder habt.
    Du hast dir viel gefallen lassen und sehr viel Verständnis und Geduld aufgebracht. Inzwischen fühlst du aber, dass das Ganze über deine Kräfte geht.
    Du fragst, was du tun kannst.
    Vielleicht kann ich dir helfen, die Frage schon mal ein wenig für dich selbst zu beantworten:
    Stell dir vor, das Ganze geht noch jahrelang so weiter. Was wird das mit dir, was wird es mit deinen Kindern machen?
    Was müsstest du tun, um das Problem zu verschlimmern?

    Warum ich dir diese Fragen stelle, kann ich dir später erklären, wenn das dann noch notwendig ist. Vielleicht spürst du aber auch, was diese Fragen in dir auslösen, und dass in ihnen deine Lösung versteckt liegt.

    Mach dir klar, dass du in erster Linie die Verantwortung für dich und für deine Kinder trägst.
    Übernimmt er Verantwortung für dich und die Kinder? Er ist ebenfalls erwachsen und steht in der Verantwortung.

    Aktive Alkoholiker denken und ticken irgendwie anders, sie kommen erst so richtig zur Besinnung, wenn sie ihre Krankheit angegangen und eine Weile nüchtern geblieben sind. Das erklärt auch, warum er ausflippt, wenn du ihn, sei es auch noch so lieb und freundlich, auf sein Problem ansprichst, wenn er gerade wieder drauf ist.
    Ich sage dir das nicht gern, weil‘s dir sehr weh tun wird, aber solange auf seiner Seite kein Verständnis da ist, dass er ein Problem hat und dass etwas ändern muss und von sich aus ändern will, beißt du bei einem aktiven Alkoholiker auf Granit. Und er hat deutlich gemacht, dass er keine Therapie will. Was sagt das über ihn und seine Erkrankung aus?

    Ahnst du, was das für dich bedeutet?
    Es könnte definitiv hilfreich für dich sein, Kontakt mit einer Suchtberatung aufzunehmen und bei dir vor Ort Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern aufzunehmen.
    Hast du ein soziales Netz, das dich auffangen kann? Hast du jemanden zum Reden?
    Und schließlich: Lies dich hier im Forum durch die Themen anderer Angehöriger. Du wirst dort ähnliche Fälle wie deinen finden und möglicherweise Gedanken und Impulse, die dir weiterhelfen können.

    Ich wünsche dir Kraft für die schwere Zeit, durch die du und deine Kinder gehen müsst.
    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Micha,
    herzlich Willkommen hier im Forum.
    Gut ist, dass du für dich erkannt hast, eine Krankheit zu haben und, wie du sagst, offen damit umgehst.
    Mir ist allerdings (noch) nicht ganz klar, was du hier eigentlich suchst.
    Du erzählst zwar sehr in einem sehr groben Überblick, dass du schon einiges hinter dir hast. Doch liest sich das nicht so, als ob da ein Umdenken stattgefunden hätte, denn du trinkst weiterhin. Du scheinst es mit kontrolliertem Trinken nach 17 Uhr zu versuchen, aber ohne rechten Erfolg.
    Wie wäre es, wenn du dich mal etwas näher vorstellst und deine Fragen und Gedanken zu diesem Thema nennst.
    So jedenfalls wird sich hier kaum jemand eingeladen fühlen, sich mit dir auszutauschen.
    Empfehlen kann ich dir sonst nur, dich hier ein wenig einzulesen. Vielleicht beantwortet dir das so schon ein paar Fragen oder gibt dir Denkanstöße.

    Grüße
    AmSee


    Mein großer Wunsch ist ein selbstbestimmtes Leben zu führen!!!


    Das ist ein gutes Ziel!

    Zitat


    Also ich meine ich habe mich oft geschämt oder auch oft gefragt ob es jemand merkt das er trinkt.

    Das kenne ich....

    [quote]
    Selbsthilfe Gruppen habe ich tatsächlich schon kontaktiert und am Montag kann ich dahin.

    Hallo Ela,
    willkommen hier im Forum!
    Ich bin w, Ende 40, selbst zwar nicht mit einem Alkoholiker zusammen und auch nie gewesen, aber mein Vater war Alkoholiker, ich kenne Co-Abhängigkeit, Folgen für die eigene Psyche und ich habe nur zu deutlich miterlebt, was mit meiner Mutter geschehen ist.
    Du hast dir unendlich viel gefallen lassen und zu deinem Glück endlich die Reißleine ziehen können. Dazu kann ich dir nur gratulieren.

    Natürlich kann man deinen Partner sehr bedauern, dass er diese fürchterliche Krankheit hat, aber er ist erwachsen und für sich selbst verantwortlich. Du hast nach meinem Eindruck alles getan, was du konntest, und sehr viel mehr und fast bis zur Selbstaufgabe. Übrigens etwas, was leider häufig Angehörigen von aktiven Alkoholikern geschieht.
    Gut, dass du endlich für dich erkannt hast, dass es so für dich nicht weitergehen kann. Vergiss nicht, dass du, sofern du keine Kinder hast, für die du auch noch Verantwortung trägst, in erster Linie für dich Verantwortung trägst. Es geht hier schließlich um DEIN Leben.


    Du fragst, was du noch besser tun kannst, um aus dieser Co-Abhängigkeit herauszukommen. Den ersten Schritt hast du gemacht. Nun kannst du dich weiterhin fragen, was du für dich tun kannst. Was würde dir jetzt gut tun? - Ich meine natürlich gesunde Handlungen und Tätigkeiten.
    Du könntest dir kleine Projekte vornehmen, auf die du eigentlich schon immer Lust hattest.
    Du hast eine eigene neue Wohnung? - Mach sie so richtig zu deiner.
    Wenn es dir gut tut, zu reden, empfehle ich dir eine Selbsthilfegruppe für Angehörige aufzusuchen bzw. mit einer solchen Kontakt aufzunehmen. Es kann außerordentlich hilfreich sein, mit Menschen zusammenzukommen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, weil die einen manchmal schon verstehen, ohne, dass man etwas sagen muss.
    Ansonsten kann ich dir nur empfehlen, dich durch die Threads der „Angehörigen“ hier zu lesen. Dort wirst du eine Reihe von Gedanken finden, die dich weiterbringen können.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Orangina,
    das liest sich hoffnungsvoll für dich.
    Je mehr du über dich erzählst, umso mehr finde ich mich selbst in dem wieder, was du geschrieben hast.
    Ich hab für mich schon länger befürchtet, ein Problem mit dem Alkohol zu haben, aber irgendwie hab ich mich dann immer wieder beruhigt und das Ganze verdrängt. Ich hab online diese Selbsttests gemacht, recherchiert, woran man einen Alkoholiker erkennt, das für mich immer ausschließen können, zwischendurch verzichtet usw. Vor einer guten Woche setzte sich in meinem Kopf der Gedanke fest, dass ich nun doch ernsthaft ein Problem haben könnte. Da ich mit einem Forum für ehemalige Raucher bzw. solche, die es werden wollen, sehr gute Erfahrungen gemacht hatte, suchte ich nach einem entsprechenden Forum für Alkoholiker, fand dieses, meldete mich an und stellte mich vor. Vielleicht hast du mein Thema schon gelesen?
    Im Laufe einer Woche durch die Auseinandersetzung mit den Nachrichten derer, die mir antworteten, durch Anwenden dessen, was ich vom Rauchausstieg kannte, und durch die Lektüre zweier guter Bücher zu diesem Thema, veränderte sich endlich etwas in meinem Kopf.
    Meine Hintertürchen habe ich nach und nach zu gemacht. Ich bin nicht so weit gegangen, wie Gerchla, d.h. meiner angeheirateten Familie habe ich (noch?) nichts gesagt, aber mein Mann, mein Arzt und dieses Forum wissen Bescheid.
    Dieses „Heute trinke ich nicht.“ kenne ich aus dem Raucherforum und dort habe nicht nur ich es erfolgreich angewandt. Ich weiß auch, dass ich gleich das erste Glas stehen lassen bzw. ablehnen muss, denn ich weiß, was passiert, wenn ich dieses erste Glas trinke.
    Ein Hintertürchen habe ich mir noch offen gelassen, ich kann für mich noch nicht sagen, dass ich nie mehr trinken werde, aber ich bin gewarnt und mir ist u.a. auch durch das, was Gerchla über seine Erfahrung erzählt hat, sehr viel bewusster geworden, auf was ich mich einlasse, wenn ich ein Glas Wein o.ä. trinke. Beim Rauchen habe ich diese Erfahrung mehr als ein Mal gemacht und, bis ich dann wieder aussteigen konnte, hab ich ne Weile gebraucht. Rauchen werde ich gewiss nie wieder, der Schalter ist bei mir endlich endgültig umgelegt. Die Lust auf ein Glas Wein o.ä. ist mir zur Zeit gründlich vergangen und ich habe vor, mir das, was ich hier im Forum lese, immer wieder eine Warnung sein zu lassen.

    Hallo Greenfox,
    ich muss dir an dieser Stelle mal sagen, dass ich dein Engagement hier im Forum aufrichtig bewundere und ich in der Regel - es gibt nur ganz wenige Ausnahmen und du weißt ja selbst, wie die zustande kommen (Pass gut auf dich auf, das ist nämlich gaaaaanz schön viel, was du da leistest... mehr muss ich dazu nicht sagen, du wirst wissen, was ich meine....) - richtig gut finde. Ich mag auch deine z.T. kernige Art. - So, dass musste ich einfach mal loswerden und es musste hier im öffentlichen Bereich sein!

    Danke für deine Nachricht! Ich sehe das auch so wie du. Ich kenne das, dass man sich angesichts der Erfolgsgeschichten anderer so klein fühlt und dass man sich irgendwie nicht zugehörig fühlt, weil man nicht solche Stories erzählen kann wie andere. Zum Beispiel solche, dass man kein richtiger Alkoholiker ist, wenn man nicht so richtig abgestürzt ist.
    Gerade durch meine Depressionserkrankung habe ich sehr, sehr viel dazugelernt und mir geht’s mit dem Genannten heute anders. Ich brauche für mich selbst nicht mehr den Vergleich mit anderen, um mich dann klein oder groß zu fühlen. Ich denke mir oft: „Bei mir ist das so und bei dir eben so. Na und? Es spielt keine Rolle, denn ich muss mein eigenes Leben auf die Reihe kriegen, so, wie es eben gerade ist, und ich hab damit schon genug zu tun.“

    Ja, der Zusammenhang zwischen Depression und Alkohol. Ein bisschen kenne ich mich mit dem Thema aus. Das hat die Bewältigung meiner Erkrankung so mit sich gebracht. Merkwürdig - inzwischen ist mir auch klar, warum - ist, dass ich dieses Wissen theoretisch zwar im Kopf hatte, aber ich das einfach nicht an mich rangelassen hab. Ich hab das einfach verdrängt.

    So, wie ich die Zusammenhänge kenne, ist durch die Abstinenz eine Besserung meiner Depression zu erwarten. Das wird etwas dauern, aber es wird passieren, weil sich die Biochemie in meinem Gehirn verändert.
    Bei mir ist die Depression nicht Alkohol bedingt. Die war schon vorher da. Ich hab aber in den letzten Monaten vermehrt zum Alkohol gegriffen, damit ich sie eine kleine Weile vergessen kann. Das ist mir übrigens erst letzte Woche so richtig klar geworden. Bis vor zweieinhalb Jahren hoffte ich noch, dass ich von der Depression vollständig genesen könnte, aber dann schlug die MS zu und beim darauffolgenden Schub so richtig, was monatelang zu Schmerzen im ganzen Körper führte und die Depression kehrte so richtig und mit voller Macht zurück. Nun ist sie chronisch und wird mir den Rest meines Lebens erhalten bleiben. Nützt nix, iss so, weiter geht’s.

    Ich bin froh, dass ich mich hier angemeldet und meine Gedanken und Sorgen hier geteilt habe. Für mich war diese Auseinandersetzung mit diesem Gegenüber absolut notwendig und gut.
    Und ich habe mich auch deswegen öffentlich so geöffnet, weil es für dem einen oder anderen, der an einem ähnlichen Punkt seines Alkoholmissbrauchs ist, wie ich es war, möglicherweise weiterhelfen kann. Es wäre schön, wenn‘s nicht immer bis zum völligen Zusammenbruch führen muss, bis man erkennt, dass man etwas ändern muss.

    Viele Grüße

    Guten Morgen, Rina,
    zumindest ist es schon mal gut, dass du gestern nicht getrunken hast. Du hast es gestern geschafft, du kannst es auch heute wieder schaffen.
    Ja, manchmal muss der Druck raus und es hilft sich anderen mitzuteilen.
    Ich weiß nicht, wie das bei deinem Therapeuten ist, ich vermute, dass die Sitzungen bei so einem ziemlich intensiv sind und besser vor Ort durchgeführt werden. Mit meinem Therapeuten, der aber auch in einer Klinik arbeitet, hat die letzte Sitzung am Telefon stattgefunden, wenn es aber notwendig wäre, könnte ich auch zu ihm kommen und wir führen unser Gespräch Aug in Auge. Mit den entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen werden deine Sitzungen gewiss stattfinden können, zum Arzt kann man ja auch gehen. Du wirst es sicher wissen, wenn du Kontakt mit ihm aufgenommen hat.
    Was du über gestern erzählst: Für mich hört sich das so an, dass sich da richtig Gefühle angestaut haben und weil du sie nicht ausleben konntest, sich so richtig Druck aufgebaut hat. Ist ja bei deiner Situation eigentlich auch kein Wunder.
    Ich kenne das so, wenn der Druck unerträglich stark ist, dann ist mir fast jedes Mittel recht, damit er aufhört. Früher habe ich in solchen Situationen stark geraucht. Das half kurzfristig ein kleines Bisschen und deshalb bin ich vom Rauchen lange stark abhängig gewesen. Alkohol habe ich in solchen Situationen eher vermieden. Letztens war eine Situation, in der der Druck so unerträglich war, schlimmer konnt‘s nicht mehr werden, da habe ich natürlich ganz stark ans Rauchen gedacht. Wäre ich allein gewesen, hätte ich’s wahrscheinlich auch gemacht. Stattdessen habe ich aber in mich hineingehorcht und analysiert, was da in mir für Gefühle toben und den Druck auslösen. Als mir klar wurde, dass es zwei gewissermaßen gegensätzliche Gefühle waren und ich das primäre Gefühl herausfand und gemäß dem, was es erforderte, handelte, lies der Druck nach. Dass ich das so hingekriegt habe, hat auch später noch positive Auswirkungen gehabt.
    Warum der Suchtdruck gestern so stark geworden ist, ist dir klar, oder?

    Was gäbe es denn, was du heute, jetzt für dich tun könntest?

    Viele Grüße

    Hallo Orangina,
    herzlich Willkommen hier im Forum. :welcome:
    Ich bin selbst erst seit Kurzem dabei und manches von dem, was du über dich schreibst, kommt mir sehr bekannt vor, deshalb antworte ich dir auf deine Vorstellung.
    Den ersten wichtigen Schritt hast du gemacht. Du hast dir selbst eingestanden, dass du einen problematischen Umgang mit Alkohol hast.
    Wie du schreibst, hast du‘s schon mal mit kontrolliertem Trinken versucht, aber gemerkt, dass das irgendwie nicht funktioniert. Auch das kommt mir bekannt vor.
    Einen problematischen Umgang mit Alkohol sieht man vielen nicht an. Auch mir würdest du das nicht ansehen. Es spielt eigentlich auch keine Rolle, dass man es dir (noch) nicht ansieht. Dir selbst ist aufgefallen, dass da etwas nicht richtig ist, und dazu kann ich dich nur beglückwünschen.
    Bist du vertraut mit den verschiedenen Trinker-Typen? Typ Alpha, Beta, Gamma usw.? Wo würdest du dich einsortieren?
    Du schreibst, du willst es ohne Klinik schaffen. Bedeutet das, dass du noch rechtzeitig die Kurve kriegen willst?
    Dein Konsum hört sich so an, wie meiner bis vor einer Woche war, und du schreibst, dass du verzichten kannst. Für mich hört sich das nicht so an, dass du schon so weit bist, einen Entzug in der Klinik machen zu müssen. Noch also kannst du, ohne große körperliche Entzugserscheinungen durchmachen zu müssen, aufhören. Oder habe ich da etwas missverstanden? Ab einem gewissen Grad an körperlicher Abhängigkeit kann es nämlich lebensgefährlich werden, so einen Entzug allein durchzuführen.
    Ich selbst hab mich hier viel eingelesen und ich lese zur Zeit auch zwei der hier auf der Literaturliste empfohlenen Bücher. Vielleicht ist das ja auch etwas für dich. Die Auseinandersetzung mit den anderen hier hat mir sehr geholfen, mir über mich selbst und über meinen Alkoholmissbrauch klar zu werden. Mein Bedürfnis nach einem Glas Wein ist erstmal verschwunden. Ich gehe übrigens kleine Schritte, in dem ich mir sage täglich sage: „Heute trinke ich nicht.“
    Viele Grüße


    @ AmSee
    Danke, Muss ich mir auch mal überlegen. Gefühle benennen, zulassen und deuten. Ich kann das nur sehr schlecht, aber ich verstehe die Idee dahinter.

    Das ist gut.
    Ja, Gefühle benennen konnte ich früher auch nicht. Hab damals sogar gegoogelt, was es so für Gefühle gibt.
    Übrigens möglicherweise für dich interessant: Wenn zwei Gefühle in Dir wüten, die eine gegensätzliche
    Handlung erfordern, wie z.B. Wut und Scham, dann kann die Spannung in Dir so richtig abgehen, weil‘s auf den ersten Blick keine Lösung gibt. Wenn du wütend bist, möchtest du ganz groß machen, auf Angriff gehen, wenn du dich zugleich schämst, möchtest du dich ganz klein machen und möglicherweise um „Hab mich doch lieb.“ betteln. Du siehst, beides zugleich geht nicht. In dem Fall musst du für dic/ herausfinden, was das primäre Gefühl ist, und diesem nachgehen.

    Susanne hat dir schon ein paar gute Tipps gegeben bzw. Fragen, die du dir stellen könntest.
    Ergänzen möchte ich noch: Versuch mal das oder die Gefühle, das bzw. die dich gerade bewegen zu benennen. Und dann: Wo genau nimmst du diese wahr? Zu welcher Handlung fordert dich dieses Gefühl gerade heraus. Ist diese Handlung sinnvoll? Kurz und langfristig? Wenn du zum Beispiel Angst fühlst, möchtest du fliehen oder möchtest du angreifen?
    Gibt es etwa, mit dem du starken Druck abbauen kannst, z.B. einen Igelball zum Kneten für die Hand oder was zum Schmecken, wie Chillies oder Sternanis?
    Triff eine bewusste Entscheidung, was dir jetzt auf gesundem Weg - also kein Alk o.ä. - helfen könnte.

    Hallo Cedric,
    auf seine Psyche, d.h. sein Vorhaben, sich Hilfe zu suchen, würde ich ihn an deiner Stelle zunächst einmal nicht ansprechen. Darüber hat er ja offenbar nicht mit dir gesprochen und möglicherweise empfände er es als Vertrauensbruch seiner Freundin, von der du die Infos hast, ihm gegenüber. Das wäre eher etwas, was seine Freundin ihm gegenüber ansprechen könnte. Vielleicht kannst du sie ja ins Boot holen und etwas coachen, wie sie in Ich-Botschaften mit ihrem Freund sprechen konnte.

    Du weißt also grundsätzlich aus dem Unterricht über Ich-Botschaften Bescheid. Formuliere doch mal in Ich-Botschaften deine Beobachtungen und deine Befürchtungen. Du könntest diese hier vorstellen und Rückmeldung erhalten, ob die Formulierung geeignet ist. Du hast in deiner Vorstellung doch schon einige deiner Beobachtungen geschildert.

    Es könnte sein, dass er dir, wenn du ihn ansprichst und bei ihm ankommt, dass du dir ernsthaft Sorgen um dich macht, von sich aus davon erzählt, dass er sich Hilfe suchen wollte. Dann ergibt sich möglicherweise ein gutes Gespräch darüber, was ihn bislang davon abgehalten hat. In dem Fall könntest du ihm deine Hilfe anbieten.


    Viele Grüße

    Liebe Susanne,
    du hast sooo viel geschrieben, auf das ich sooo viel antworten könnte und eigentlich auch möchte. Ob ich das heute noch hinkriege? Schau‘n mer mal.

    Fangen wir mit dem „besoffenen Geschwätz“ an. Oh ja, das kenne ich auch, und es liegt mir überhaupt nicht, hat mir noch nie gelegen. Zu meinem Glück hat sich schon vor einer Weile mein Freundeskreis verändert und es dürfte kein Problem sein, bei meinen Freunden nüchtern zu bleiben und trotzdem einen lustigen Abend o.ä. zu verleben. So betrachtet, bräuchte ich eine Selbsthilfegruppe nicht, um Menschen kennenzulernen, die nüchtern sind und bleiben.
    Was du über deine Gedanken und Erfahrungen mit Selbsthilfegruppen schreibst, so könnte mir das ziemlich genau so ergehen. Wie ich schon schrieb, hab ich mit Selbsthilfegruppen für Alkoholiker noch keine Erfahrungen, aber ich kenne das, was du beschreibst, von anderen Selbsthilfegruppen und aus anderen Zusammenhängen ziemlich gut. Ich gehörte regelmäßig zu den Vorturnern, zwar wäre ich auch am liebsten still geblieben, aber dieses Sch.....öne Verantwortungsgefühl für andere, das bei mir enorm ausgeprägt ist, sorgte regelmäßig dafür. Selbstfürsorge habe ich erst in den letzten Jahren kennen- und schätzen gelernt.
    Ich werde mich aber womöglich trotzdem mal zu einer oder mehreren SHG vor Ort begeben, um diese Möglichkeit und damit verbundene Chance nicht unversucht zu lassen, wenn ich denn Bedarf danach verspüren sollte bzw. mein Leidensdruck so groß werden sollte, dass ich mich schließlich gezwungen sehe, über meinen Schatten zu springen.
    Was meine sozialen Ängste betrifft, meine Freunde wissen Bescheid, wenn’s mal nicht geht, dann geht’s eben nicht. Ansonsten arbeite ich stetig daran, damit umzugehen.
    Ich kann recht häufig das Haus nicht verlassen und telefonieren kann ich meist auch nicht, aber Schreiben kann ich in der Regel recht gut und deshalb ist dieses Forum ganz gut für mich. Zwar gibt’s auch Zeiten, in denen ich auch nicht schreiben kann, aber das Gute ist ja, dass ich mir jederzeit eine Auszeit nehmen kann, wenn’s nicht geht. Durch den virtuellen Kontakt im Forum für Nicht-mehr-Raucher habe ich Menschen kennengelernt, die ich unheimlich gern mal persönlich treffen möchte. Wenn sich irgendwann mal die Möglichkeit dazu ergibt und es gibt - zur Zeit natürlich leider nicht - ab und zu Treffen in irgendeinem Teil Deutschlands, werde ich sie wahrnehmen.
    Was ich über mich bzw. meine Krankheit schreibe, mag für einen Ausstehenden fürchterlich klingen, aber so empfinde ich das von Innen nicht. Ich bin eh ein introvertierter Mensch und konnte mich schon immer gut allein beschäftigen. Und an meinen Problemen arbeite ich in der Regel recht konstruktiv und erfolgreich. Meine Erkrankungen sind chronisch, daran wird sich nichts mehr ändern, trotzdem lasse ich den Kopf nicht hängen. In Ostfriesland sagt man so schön, „Nützt ja nix.“ und genau so ist es.

    Susanne, ich bewundere, was du mit deinem Eigen-Sein, deiner Sturrheit und deiner Energie geschafft hast. Ich mag solche Erfolgsgeschichten, denn sie inspirieren mich, machen mir Mut. Ich habe übrigens nicht das Gefühl, dass du mein Thema kaperst. Gewiss aber wäre das, was du zu erzählen hast und was ich zu erzählen habe, eher ein Thema nur zwischen uns beiden. Meinst du nicht auch?
    Gegen den Strom schwimmen - Lächel! - oh, auch das kommt mir irgendwie sehr, sehr bekannt vor.....
    Du fragst, was für mich eine Erfolgsgeschichte wäre. Mmmmh, das ist schwierig zu beantworten. So Vieles geht bei mir inzwischen nicht mehr, weshalb ich mir eigentlich keine großen Ziele mehr vornehme. Ich guck so von Tag zu Tag, was gerade möglich ist, nehme mir kleine Ziele vor. Und stets von Neuem versuche ich meine Grenzen zu erweitern.
    Mmmmh...
    Ein Ziel ist zum Beispiel, ohne Kochwein Spaß am Kochen zu haben. Heute hab ich dieses Ziel erreicht.
    Traumhaft wäre für mich, wenn meine Erkrankungen sich wieder etwas bessern.
    Meinst du sowas mit Erfolgsgeschichten?

    Liebe Grüße, bis....