Beiträge von AmSee13

    Hallo Hope Joy,
    mit Burnout und Depression habe ich leider auch meine Erfahrungen gemacht und Angst-/ Panikattacken sind mir sehr vertraut. Bist du zur Zeit wieder in Behandlung? Es klingt ja ganz danach, dass du noch weiter therapeutische Hilfe bräuchtest.
    Dass du den Alkohol in dein Leben gelassen hast, ist nun mal passiert, seine Wirkung kommt ja auch so verführerisch daher. Du hast erkannt, dass du damit nicht umgehen kannst, das ist schon mal gut und wichtig.
    Du hast viel gelesen, sagst du. Kennst du die folgenden Bücher:
    Simon Borowiak, „Alk“
    Daniel Schreiber, „Nüchtern“
    Catherine Gray, „Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein
    Frei und glücklich - ein Leben ohne Alkohol“
    Ich fand sie alle drei sehr hilfreich. Du findest diese und noch mehr in der Literaturliste:
    https://alkoholforum.de//index.php?topic=1715.0

    Das mit dem Nicht-mehr-Trinken hast du richtig erkrankt. Vielleicht hilft dir der Spruch „Das erste Glas stehen lassen!“

    Hast du schon Ideen für deinen Notfall-Plan?
    Steht bei dir zuhause noch Alkohol herum?
    Hast du allein getrunken oder in Gesellschaft?

    Hallo Hope Joy,
    herzlich Willkommen hier im Forum! :welcome:
    Die ersten Schritte hast du gemacht. Du hast erkannt, dass du die Reißleine ziehen musst und dich zum Entzug in die Klinik begeben. Und du gestehst Dir ein, Alkoholikerin zu sein.
    Dein Ziel ist klar: Du willst nie wieder Alkohol trinken. Hast du denn schon Ideen/Pläne, wie du in Zukunft alkoholfrei bleiben kannst?
    Du schreibst, dass du wegen Panikattacken getrunken hast. Bist du deswegen schon in Behandlung?
    Wie willst Du in Zukunft mit Alkohol umgehen? Hast du dir dazu schon Gedanken gemacht?
    Wie du schreibst, bist du schon zum dritten Mal in der Klinik auf Entzug. Du hast also schon gewisse Erfahrungen mit der Sucht. Was hast Du diesbezüglich für Gedanken?
    Hast du dich schon mal mit einer SHG vor Ort in Verbindung gesetzt?

    Viele Grüße
    AmSee

    Hast du schon mal in dich hineingehorcht, warum du bei deinen Versuchen nur „mäßigen“ Erfolg hattest?
    Warst du halbherzig dabei oder waren deine Erwartungen zu hoch oder ...?

    Die Aufschieberitis ist mir nicht unbekannt. Pauschal kann ich dazu sagen, nicht immer ist sie verkehrt und u.U. will dein Inneres dir etwas zu verstehen geben.

    Ich habe in einem anderen Zusammenhang mal die folgende Liste gefunden und mich davon einfach mal inspirieren lassen:

    https://www.uni-muenster.de/imperia/md/con…t__tenliste.pdf

    Hallo Userin,
    herzlich Willkommen hier im Forum! :welcome:
    Die ersten entscheidenden Schritte hast du gemacht: Du hast für dich erkannt, dass du ein Alkoholproblem hast, du hast dein Problem hier öffentlich gemacht, du hast dich über Selbsthilfegruppen informiert und du hast dich schon vor einer Weile von einem Umfeld distanziert, bei dem es nur ums Trinken geht.
    Das andere kann sich nun nach und nach für dich ergeben.
    Ich selbst, 48 Jahre alt, w., bin ich noch gar nicht so lange dabei, habe hier aber durch Mitlesen, durch die Auseinandersetzung mit anderen, durch Lesen einiger Bücher, die hier in der Literaturliste empfohlen werden, und natürlich durch eine intensive Auseinandersetzung mit mir selbst sehr viel mitgenommen.
    Ich habe auch ein Problem mit dem Alkohol und, während ich bei meiner Anmeldung noch unsicher war und mir nicht vorstellen konnte, dauerhaft auf Alkohol zu verzichten, bin ich nun an dem Punkt, dass ich dauerhaft abstinent bleiben will und mir dieser Gedanke auch nicht mehr so viel ausmacht. Ich beobachte schon jetzt eine ganze Reihe an Vorteilen der Abstinenz und es gibt viel Neues zu entdecken.
    Ich denke, dass sich deine Hemmschwelle, eine Selbsthilfegruppe bei dir vor Ort aufzusuchen, mit der Zeit legen wird.
    Du schreibst, dass du nach Feierabend nichts mit dir anzufangen weißt und deshalb Alkohol konsumierst. Und du kennst auch die Gründe, warum du Alkohol konsumierst.
    Damit hast du schon mal einen guten Ansatzpunkt, um Neues kennenzulernen und auszuprobieren. Wo liegen denn so deine Interessen? Gibt es etwas, was du eigentlich schon immer mal machen wolltest?
    Du möchtest dich nach einem schlechten Tag trösten: Auch da gibt’s eine Menge, was du tun kannst. Es kann ziemlich spannend und entspannend sein, sich seinen Gefühlen zu stellen.

    Bin gespannt, Weiteres von dir zu hören.

    Viele Grüße
    AmSee


    @ Am See ,als ich mal vor paar Wochen zu meinem Mann gesagt habe ,du trinkst eben aber viel ...denke mal wie es damals deinem Bruder ging...willst du auch so enden ?!

    Ui da bekam ich einen Anpfiff ,und er trank sein Glas Sangria zügig aus...ich glaube wie ich es mache ist es verkehrt.
    Einmal war ich so entsetzt ,da sagte ich ...schau mal in den Spiegel wie du aussiehst .
    Du wolltest nie so werden wie dein Bruder...jetzt bin ich eher ruhiger ,damit er keinen Grund findet sich ein Glas Sangria ,Wein oder Cola Rum zu holen.

    Das ist auch nicht der Weg.....
    Nasse Alkoholiker ticken anders. Dein Mann wird immer einen Grund finden, trinken zu müssen. Zieh du dir nicht den Schuh an, dass du Schuld daran seist, wenn er was trinkt.
    Lies dich ruhig durch die diversen Threads hier, was andere Angehörige so erlebt haben und was ihnen geraten wurde.
    Informier dich mal über Co-Abhängigkeit. Vielleicht erkennst du dich darin schon wieder...

    Guten Morgen, Naturmädchen,
    natürlich kannst du hier mitlesen, dafür gibt es ja den öffentlichen Bereich.

    Du hast die Liste für Angehörige von Alkoholikern schon gefunden, das ist gut.
    Du scheinst mir sehr duldsam (zu duldsam?), was das Verhalten deines Mannes betrifft.
    Ich kann dich nur warnen, dich zu sehr zurückzunehmen, am Ende ist vielleicht nicht mehr viel von dir übrig.
    Das Leben an der Seite eines nassen Alkoholikers ist eine absolute Herausforderung. Nicht selten bleiben die Bedürfnisse des Angehörigen so richtig auf der Strecke. Daun hat dir deswegen etwas sehr, sehr, sehr Wichtiges geschrieben.
    „In guten, wie in schlechten Zeiten“ heißt es, das ist richtig, aber das bedeutet nicht, dass man sich von seinem uneinsichtigen Partner kaputt machen lassen muss. In einer guten Partnerschaft müssen beide geben und es ist eine Selbstverständlichkeit, dass man sich respektvoll und liebevoll einander gegenüber verhält. Was du über deinen Mann erzählt hast, klingt nicht danach. Vergiss nicht, er ist erwachsen und er nimmt für sich in Anspruch, zu wissen, was richtig ist.
    Niemand verlangt von dir, nicht zu deinem Mann zu halten. Überleg dir mal, worauf das hinausläuft, wenn du ihn so weitermachen lässt. Tust du dir und ihm damit wirklich einen Gefallen? Hältst du damit wirklich zu ihm und zu dir? Dein Mann ist krank. Glaubst du, dass das Heilmittel darin besteht, ihn so weitermachen zu lassen, wie er das jetzt „kuriert“?

    Alles Gute dir!
    Viele Grüße
    AmSee

    Kein Film, sondern eine sehr interessante Dokumentation zum Thema „Die heilsame Kraft der Meditation“ (2017), von ARTE präsentiert.

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    Lief bis vor Kurzem noch in der ARTE-Mediathek. Dargestellt werden auch einige wissenschaftliche Forschungsergebnisse, u.a. auch über den Einsatz von Meditationsübungen bei Depression.

    Ich danke euch, Gerchla, Greenfox und Daun2020 für eure Beiträge.
    Ihr habt alles dazu gesagt, ich habe dem nichts hinzuzufügen.

    Mir geht’s im Moment nicht gut. Gefahr, dass ich zu Alkohol greife, besteht nicht, ich bezweifle, dass ich je wieder einen Tropfen anrühren möchte. Dafür ist zu viel passiert.
    Die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema, auch und besonders mit den Problemen der Angehörigen hat alte Wunden aufgerissen. Ich wollte das so, habe mich dem gestellt und ich denke, es war jetzt, nach dem Tod meiner Mutter, auch an der Zeit dafür, aber es bringt eben auch die alten Gefühle wieder hoch: Hilflosigkeit, Ohnmacht, Enttäuschung, Wut, Verzweiflung, Scham.
    Mein Vater starb, als ich 15 Jahre alt war, aber was war bis dahin alles Schlimmes passiert: Als ich sechs war, bekam ich seinen ersten Selbstmordversuch mit, meine Tante brachte sich mit dieser Methode zwei Jahre später erfolgreich um. Meine Mutter wurde von meinem Vater unter Alkoholeinfluss mehrfach bedroht, körperlich attackiert. Wir verloren unser Zuhause. Wir zogen oft um. Wir hatten oft Existenznöte. Ich fand keine Freunde mehr, seit ich sieben war. Außenseiter/ Mobbingopfer während meiner Schulzeit. Verantwortung für Vater und Mutter. Vater sucht Hilfe bei mir. Mutter sucht Hilfe bei mir. Wechselnde Koalitionen. Manipulation. Und so weiter.

    Ich bin dem Ganzen entkommen, habe Abitur gemacht, studiert, mir ein gutes Leben aufgebaut. Doch die Vergangenheit hat mich eingeholt, schon vor Jahren. Ich bin zuletzt auf die Verführung des Alkohols - kann man das so schreiben? (Kopf kratz) - hereingefallen. Seine wundersame Wirkung kommt ja auch so leicht und harmlos daher, wenn man in einer Umgebung lebt, in der Alkohol trinken kein Problem ist, sondern „nur“ der Feierlaune, Entspannung, dem Wochenendfeeling und und und dient. Ich habe die Gefahr nicht sehen wollen. Darin bin ich so vielen Alkoholikern ähnlich. Zu meinem Glück ist in meinem Leben nicht alles schief gelaufen und ich habe zur rechten Zeit die richtigen Leute getroffen oder die richtigen Entscheidungen gefällt und ich habe hilfreiches Handwerkszeug auf den Weg mitbekommen.

    Wenn ich anderen hier geschrieben habe, diente das zum einen dazu, ihnen bei der Findung ihrer eigenen Lösung behilflich zu sein, zum anderen aber half es aber auch mir selbst. Durch die Auseinandersetzung mit den Problemen anderer wurden mir zugleich meine eigenen Sorgen, Gedanken, Probleme bewusster und die praktische Anwendung meines Wissens und meiner Erfahrung half mir, diese ggf. zu strukturieren und zu priorisieren.

    Diese intensive Auseinandersetzung hat mich aber auch empfindlich gemacht und ich habe zur Zeit nicht die innere Balance, um mit Kritik umgehen zu können. Deshalb lege ich nun eine Pause ein, um mich wieder zu erholen.

    Vor sechs Wochen ist meine Mutter gestorben und es gehört für mich zu meinem Trauerprozess und meiner Trauerarbeit, mich meiner Vergangenheit zu stellen. Manches, was ich hier im Forum lese, erinnert mich sehr an meine Kindheit und Jugend.
    Mein Vater starb, als ich 15 Jahre alt war, unter Alkohol- und Tabletteneinfluss bei einem selbstverschuldeten Autounfall.
    Seine Alkoholkrankheit hat das Leben meiner Mutter, meiner jüngeren Schwester und meines nachhaltig geprägt.

    Wenn ich hier schreibe, hoffe ich, dass andere von meinen Erfahrungen und meinem Wissen profitieren können.
    Ich kann nicht mehr arbeiten, aber ich kann noch weitergeben, was ich weiß.

    So, nun für alle, die meine Vorstellung mitverfolgen, und um weiteren Missverständnissen vorzubeugen:
    Inzwischen ist mir durch intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema klar geworden, dass ich ein Alkoholproblem habe, das ich nur in den Griff kriegen kann, indem ich den Rest meines Lebens abstinent bleibe. Dabei spielt es keine Rolle, dass ich noch nicht körperlich abhängig geworden bin. Abhängig bin ich, das ist mir nun glasklar.

    Ich habe die Alkoholkrankheit in vollem Ausmaß als Kind und Jugendliche bei meinem Vater erlebt, das hat mich für mein Leben dauerhaft geprägt.
    Vor zehn Jahren wurden bei mir mittelschwere Depressionen diagnostiziert. An dieser Krankheit arbeite ich nun schon genau so lange. Ich glaubte sie überwunden, aber dadurch, dass bei mir vor zweieinhalb Jahren MS diagnostiziert worden ist, ist die Erkrankung wieder richtig ausgebrochen. Seit 2018 bin ich berufs- und arbeitsunfähig.

    Dass ich gerade dabei bin, ein massives Problem mit Alkohol zu entwickeln, ahnte ich so nach und nach in den letzten Monaten und schließlich mehr und mehr in den letzten Wochen. Als ich mich hier angemeldet habe, war das für mich der Startschuss, mich dem Thema nun wirklich zu stellen.
    Was mich selbst sehr überrascht hat, war, dass sich im Laufe dieser ersten Woche nach meiner Anmeldung in meinem Denken und Fühlen so viel verändern hat. Was ich theoretisch vom Kopf her wusste, aber irgendwie nicht an mein Inneres herangelassen hatte, erreichte mein ganzes Denken und Fühlen. Mehr oder minder plötzlich wurde mir klar, dass ich Alkohol eigentlich nur noch wegen seiner Wirkung trank, dass es mehr wurde und mir mehr und mehr zu entgleiten begann. Und durch die Geschichten anderer wurde mir so richtig bewusst, worauf ich da so zusteuere.
    Ich habe überaus leidvoll erleben müssen, was der Alkohol bei meinem Vater angerichtet hat. Ich war also gewarnt, aber ich war doch so ganz anders als er und, solange ich jederzeit ein Glas stehen lassen konnte, war ich doch safe. Oder? Mit etwas Abstand sehe ich, wie fahrlässig dieses Denken war. Sich immer wieder einer Gefahr auszusetzen und, wenn’s dann gut gegangen ist, sagen, „Siehst du, ist ja gut gegangen.“ ist sowas von fahrlässig.
    Ich bin jetzt erst zweieinhalb Wochen abstinent, aber in mir fühlt es sich an, als ob ein Schalter umgelegt wäre. Mir ist sowas von klar, was in mir passiert, wenn ich Alkohol trinke. Ich kenne die Wirkung ziemlich gut und weiß zu gut, wie verführerisch das für mich ist. Ich könnte danach gewiss wieder aufhören zu trinken, soweit war ich noch nicht gekommen, dass ich das nicht könnte, aber warum mit dem Feuer spielen? Warum das, was mir zur Zeit sowas von glasklar ist, torpedieren?
    Ich habe im letzten Jahr Alkohol konsumiert, um meine Krankheiten eine kleine Weile vergessen zu können. Für eine kleine Weile fühlte ich mich wieder leicht und beschwingt, das Leben machte wieder Spaß, die Schmerzen waren weniger bis weg, der zuweilen unerträgliche innere Druck und die Panikanfälle wurden erträglich. Alles richtig, aber das war nicht die ganze Wahrheit. Oft trank ich zu viel und dann kippte die Stimmung. Oft war ich am Folgetag müde und erschöpft und ich habe auch den starken Verdacht, dass die Schmerzen sich verschlimmert hatten. Oft war mir peinlich, wie viel ich schon wieder getrunken hatte. Oft nahm ich mir vor, „Heute trinkst du nicht.“, und am Abend öffnete ich wieder eine Flasche Wein oder Sekt.
    Es sind erst zwei Wochen Abstinenz und doch bemerke ich schon spürbar Veränderungen, was ich auf die Abstinenz, aber auch die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema hier im Forum, mit mir selbst und die Lektüre hier empfohlener Literatur zurückführe: Ich schlafe besser und fühle mich morgens in der Regel erholt. Meine Stimmung hat sich ingesamt verbessert, ich fühle mich etwas stabiler und stärker. Ich bin konzentrierter und kann Dinge angehen, die ich sonst für unmöglich hielt oder nur mit vielen Pausen erledigen konnte.
    Ich bin überwältigt und außerordentlich dankbar für diese Erfahrung. Das macht mir Mut und spornt mich an, für immer auf Alkohol zu verzichten.
    Vorerst gilt für mich allerdings weiterhin: Heute trinke ich nicht.
    Diese Einstellung hat mir beim Rauchausstieg geholfen, sie wird mir gewiss auch in diesem Fall helfen.
    Wir lesen uns.
    AmSee

    Ok. Ich werde mal schauen, was ich hier im öffentlichen Bereich preisgeben kann.
    Hätte nicht daran gedacht, dass das so notwendig sein könnte.
    Oder wäre es besser, meine Erstvorstellung zu löschen, damit keine Missverständnisse aufkommen?
    Grüße
    AmSee

    Hallo Britt,
    natürlich kannst du mir deine Gedanken schreiben, denn du regst mich und andere damit ja zur Selbstreflexion an.
    Ich weiß nicht, ob du meine Vorstellung im internen Bereich schon gelesen hast, so, wie du mir hier schreibst, wirkt das nicht so auf mich. Oder missverstehe ich vielleicht etwas?
    Tatsächlich hat bei mir seit meiner Selbstvorstellung am 28. Oktober eine innere Wandlung stattgefunden und ich habe das, was ich theoretisch eigentlich schon wusste, endlich auch innerlich begriffen. Natürlich hat dieser Denkprozess nicht erst vor zwei Wochen begonnen.
    Mir ist inzwischen ziemlich klar, dass ich ein Alkoholproblem habe und das Ganze nur in den Griff bekommen kann, wenn ich für den Rest meines Lebens abstinent bleibe. Damit und mit noch einigem anderen setze ich mich zur Zeit so richtig auseinander und es geht dabei ziemlich ans Eingemachte.
    Dass man, wenn man (noch) trinkt, anders tickt, anders denkt, ist mir inzwischen sehr deutlich geworden.

    Du magst meine „Suggestivfragen“ nicht, ok. Danke für deine Rückmeldung. Ich habe diese Fragen gar nicht als Suggestivfragen aufgefasst, sondern dachte, ich stärke mein Gegenüber damit. Ich will ja gerade nicht besserwisserisch rüberkommen, sondern dachte, ich bescheide meinem Gegenüber damit, wie kompetent er schon ist. Wenn meine Fragen aber so rüber kommen, lasse ich die in Zukunft bleiben.

    Ich bringe mich hier mit meinem Wissen und Erfahrungen schon jetzt ein, obwohl ich erst seit zwei Wochen dabei bin, weil ich andere auf ihrem Weg unterstützen möchte und weil mir die Auseinandersetzung mit den Fragen anderer auch für mich selbst weiterhilft. Dass ich anderen nicht wirklich helfen kann, wenn ich mich selbst nicht an das halte, was ich rate, weiß ich ziemlich gut. Das wäre echt scheinheilig. Scheinheilig bin ich wirklich nicht. Ich bin ein grundehrlicher, grundernster Mensch, der sein eigenes Reden, Handeln und Denken ständig kritisch hinterfragt. Wenn ich etwas sage oder rate, so stehe ich dazu.

    Mit deinen Fragen habe ich kein Problem, wundere mich aber schon, wie meine Beiträge hier so bei dir ankommen konnten. Deine Fragen klingen für mich jedenfalls ziemlich aggressiv.
    Ich werde meine Beträge in Zukunft auf solche Zwischentöne mehr abklopfen und wenn dir da noch etwas auffällt, was du schief findest, nur zu, schreib mir.

    Auf deine Fragen:
    Ja, ich habe mit meinem Doc darüber gesprochen und werde es ggf. wieder tun.
    Ja, ich arbeite aktiv an meiner „Trockenarbeit“. Sehr sogar übrigens.
    Ja, klar, weiß ich, wie‘s um mein Fundament steht.
    Ja, ich möchte zu den Langzeitabstinenten gehören.

    Lass von dir hören, Britt!

    Viele Grüße und alles Gute auch für dich!

    AmSee

    Hallo Larry,
    natürlich ist das alles andere als schön, dass du heute wieder eine Panikattacke hattest.
    Dass und wie du aber diese Panikattacke durchgestanden hast, verdient wirklich Respekt.
    Mensch, so weit bist du schon, dass du das geschafft hast! Du hast deine geschäftlichen Termine bewältigt und das ohne Hilfe! Chapeau!!
    Dass du jetzt müde bist und dich solche Attacken brutal schlauchen, ist überhaupt nicht verwunderlich. Das weißt du gewiss, oder? Bei einer Panikattacke steht der ganze Körper unter enormer Anspannung, das kostet so richtig Energie. Hast du am Folgetag auch Muskelkater?
    Dass dein System in dieser Situation an das Mittel denkt, das es leider als hochwirksam und schnell wirkend kennengelernt hat, ist ebenfalls nicht verwunderlich. Das weißt du gewiss auch, oder?
    Fakt ist aber: DU hast dich durch diese Gedanken nicht verleiten lassen. Du hast die Kontrolle behalten. Glaub mir, eine deiner inneren Stimmen ist mächtig stolz auf dich und das darf sie auch sein.
    Du hast heute eine hilfreiche Coping-Strategie gehabt. Vielleicht findest du ja noch weitere gute Strategien, möglicherweise auch auf weiteren Zugangskanälen.

    Gut, dass du gleich Freitag mit deinem Therapeuten darüber sprechen kannst. Möglicherweise findet ihr zusammen auch einen Grund, warum es heute passiert ist, und du lernst, was du tun oder vermeiden musst, damit es nicht mehr soweit kommt. Haben dir vielleicht die anstehenden Termine zugesetzt? Wollte etwas in dir diese Termine nicht? - Das musst du hier übrigens nicht beantworten.

    Ich wünsche dir natürlich, dass du solche Attacken nicht mehr so häufig eintragen musst.

    Erhol dich gut!

    Ich kenne diese Zustände, die du beschreibst, selbst sehr gut. Nach allem, was ich bislang darüber weiß, und ich arbeite schon eine ganze Weile an dem Thema, bist du schon auf einem ziemlich guten Weg und auch schon recht weit gekommen.

    Dass du die Stimmen bereits identifizieren kannst und sogar immer mehr weißt, wann die jeweilige Stimme mit welcher Forderung kommt, ist schon ein Riesenfortschritt.

    Was diese Phasen betrifft, an denen es dir dann auch körperlich schlecht geht, die kenne ich auch. Positiv darfst du schon mal betrachten, dass diese „nur“ drei Tage andauern. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass das eine Besserung bei dir ist. Ich kenne ebenfalls solche Phasen. Mir hilft dann Rückzug und möglichst das zu tun, was ich gerade brauche. Meine beiden Hunde sind mir da eine ganz besondere Hilfe.
    Du schreibst von diesen Panikmomenten. Definitiv hast du da ein paar sehr gute Coping-Strategien. Dass sich der Gedanke an Alkohol aufdrängt, ist bei deiner Geschichte nicht verwunderlich. Du kennst dich schon mit biochemischen Prozessen im Gehirn aus? Dein Therapeut wird dir gewiss versichert haben, dass es auf Dauer leichter wird, wenn du stur dabei bleibst, nicht Alkohol zu trinken. Du bemerkst ja auch schon, dass die Abstände größer werden.
    Hast du dich schon mal mit Zugangskanälen und Anspannung beschäftigt? Je höher die Anspannung, desto mehr Zugangskanäle schließen sich. Ich habe für solche Fälle sogenannte Skills kennengelernt und eine Skillskette erstellt. Laub in die Hand zu nehmen und dergleichen sind solche Skills.
    Dass du in solchen Phasen das Gefühl hast, am Anfang zu stehen, kenne ich auch. Das scheint sozusagen normal zu sein. Ich rufe mir in solchen Fällen in Erinnerung, dass ich nicht am Anfang stehe und dass diese Phase immer wieder vorbei geht. Das tut sie nämlich immer und umso leichter, je weniger ich mich unter Druck setze.
    Dass du PMR nutzt, ist prima. Wenn’s jetzt noch unter Anleitung besser geht, gut, es gibt auch Anleitungen im Netz. Mit Übung wirst du es immer besser hinbekommen und irgendwann auch gut allein.

    Empfehlen kann ich dir sonst noch, dich in Dankbarkeit zu üben. Gemäß Gehirnforschung reicht es sogar schon, sich nur darum zu bemühen, etwas zu finden. Überlege dir am Ende eines Tages oder zwischendurch immer wieder, wofür du dankbar sein könntest. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass das echt gut funktioniert und auch durch dunklere Phasen hindurch trägt.

    Viele Grüße

    Hallo Larry,
    du schreibst,


    Ich kann sehr streng mit mir sein

    Das kenne ich selbst nur zu gut. Inzwischen nenne ich die Stimme in mir „der innere Kritiker“.
    Hast du dich schon mal mit der psychologischen Theorie, die dahinter steht, beschäftigt? Mein „Innerer Kritiker“ war riiiiieeesig, ziemlich laut, immer vor mir da und nie mit dem zufrieden, was ich leistete. Und ich HABE geleistet und wie. Ich war stets bemüht, alles hundertprozentig zu machen. Ich war Perfektionist. Es hat meinem Kritiker nie gereicht, der fand immer was zu meckern. Und irgendwann war ich dann am Ende.
    Ich bin dann in eine Klinik gegangen, in eine offene Station für an Depressionen Erkrankte.
    Ein Suchtproblem hatte ich damals zum Glück noch nicht.
    Dort hat man uns übrigens stets dazu angehalten, das Wort „müssen“ aus unserem Vokabular zu streichen und durch „dürfen“ zu ersetzen. Das klang am Anfang reichlich merkwürdig und mehr als einmal haben wir uns darüber lustig gemacht, aber nach und nach habe ich begriffen, was dahinter steht. Heute benutze ich das Wort „müssen“ sehr viel seltener und bewusst und das entlastet mich spürbar.
    Das „gut zu sich sein“ habe ich auch erst lernen und lange üben müssen. Ich kann dir aber Mut machen, dass es leichter wird, je länger du das übst. Und ich versichere dir, dass das gut und richtig ist und du das „darfst“. ;)

    Zitat


    In der Klinik sagte meine Therapeutin immer: und dann fühlen Sie mal in sich hinein - und ich dachte: Was soll der Quatsch? Was soll ich denn da fühlen... Jetzt mit der Zeit fühle ich tatsächlich Dinge und zwar ganz bewusst. Darüber bin ich glücklich.

    Das kommt mir seeehr bekannt vor!

    Ich bin auch ein viel grübelnder Mensch, bin es fast schon immer gewesen. Hast du schon Tricks oder Übungen gelernt, wie du das durchbrechen kannst?
    Du weißt, dass man sich durch dieses Grübeln in eine Abwärtsspirale bewegen kann? Hast du Achtsamkeits-Training gemacht?

    Mir hat der Austausch mit anderen hier sehr geholfen. Es ist manchmal überaus hilfreich, die Dinge eben nicht mit sich selber auszumachen.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Larry,
    ich habe gerade deinen Beitrag gelesen und möchte nicht ohne eine Antwort vorbeigehen.
    Herzlich Willkommen hier im öffentlichen Bereich! :welcome:
    Ich bin beeindruckt von deiner Vorstellung. Du wirkst sehr reflektiert und das, was du über deinen jetzigen Zustand schreibst, klingt hoffnungsvoll.
    In Manchem, sowohl Negativem als auch Positivem, erkenne ich mich gut wieder.
    Nur ganz kurz zu mir: Ich bin w, 48 Jahre alt, glücklich verheiratet, kenne aber leider Depressionen ziemlich gut und arbeite seit vielen Jahren daran, diese Krankheit zu bewältigen.

    Ich bin gespannt, mehr von dir zu lesen, und wünsche dir viel Erfolg auf deinem weiteren Weg.
    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Jana,
    ich sehe das wie Rina und Gerchla. Meine eigenen (leidvollen) Erfahrungen bestätigen das, was sie dir geschrieben haben.

    Ich kann dir nur noch dringend raten, dich mit jemandem, dem du vertraust, über das Thema auszutauschen und alle möglichen Seiten zu durchdenken.
    Nimm in diesen Austausch auch alles mit hinein, was du hier erfahren hast.
    Was vor dir liegt, ist ein Entscheidungsprozess. Es ist völlig verständlich, dass dir dieser schwer fällt, aber es ist wichtig, dass du dich dem stellst.

    Für meine Mutter, meine kleine Schwester und mich wäre es damals besser gewesen, wenn meine Mutter solche Ratgeber wie hier gehabt hätte, sie mehr an ihre eigene und die Zukunft ihrer Kinder gedacht und entsprechenden Mut und Entschlossenheit gezeigt hätte.

    Wenn’s gut für euch läuft, kriegt dein Mann die Kurve. Die Chancen dafür steigen, wenn du deine Konsequenzen ziehst. Diese solltest du aber unbedingt nicht halbherzig angehen.

    LG
    AmSee

    Hallo Jana,
    du hättest kein neues Thema aufmachen müssen. Was du wissen möchtest, passt auch unter das alte Thema und gehört m.E. dorthin.

    Natürlich musst du deine Ehe „nicht sofort wegschmeißen“. Gerchla, meine ich, hat dir schon was dazu geschrieben. Auch etwas dazu, was funktioniert bzw. nicht funktioniert.

    Überlege dir mal, was deinen Mann wirklich unter Druck setzen könnte.

    Die Sache ist die, das funktioniert nur, wenn du bereit bist, das wirklich durchzuziehen.
    Wenn du tatsächlich an dem Punkt bist, kannst du anfangen den Druck zu erhöhen, indem du mit ihm sprichst, wenn er denn mal nüchtern ist. Gespräche, wenn er alkoholisiert ist, gehen mit Sicherheit schief. Und wenn du dann mit ihm sprichst, formuliere Ich-Botschaften.

    Viele Grüße
    AmSee