Beiträge von AmSee13

    Hallo Risu,
    Danke, dass du dich geäußert hast!
    Auch mit deiner Rückmeldung kann ich etwas anfangen und ich kann deine Motivation, meist nicht zu schreiben, nachvollziehen. Ich hab bei meinen eigenen Beiträgen mitunter sogar den gleichen Eindruck wie du von deinen. Umso wichtiger finde ich, dass so etwas einmal angesprochen wird - und warum nicht in meinem Thread.

    Auch du zählst für mich übrigens nicht zu denen, von denen man nichts mehr liest, ebensowenig wie Orangina oder Britt.

    Viele Grüße AmSee

    Liebe Susanne,
    auch dir danke ich sehr für deine Rückmeldung.
    Du bestätigst (leider) meinen persönlichen Eindruck.


    Wenn die paar Vielschreiber hier verschwinden, dann werden die Leser bald nichts mehr zu lesen haben. So einfach ist das. Klar, man kann dann immer noch die alten Beiträge lesen und sich was rausziehen, aber man wird nicht mehr spürbar wahr genommen.

    Das befürchte ich auch.

    Wenn du hier nicht mehr schreibst, wird dem Forum etwas Wichtiges fehlen, aber natürlich kann ich für dich nur begrüßen, wenn du etwas findest, was dich persönlich weiterbringt. Viel Erfolg wünsche ich dir bei dem anderen Betätigungsfeld.

    Viele Grüße
    AmSee

    Liebe Orangina,
    ich danke dir sehr für deinen Beitrag. Verletzt hast du mich bestimmt nicht, denn du hast einwenig von dir erzählt und so kann ich das, was du mir mitteilen willst, besser einschätzen und deine Position nachvollziehen.

    Nebenbei bemerkt finde ich sehr gut, dass du nun für dich sorgst. Und ich freue mich für dich, dass es dir besser geht. Ich wünsche dir, dass du weiter gut vorankommst.

    Mit dem, was du geschrieben hast, kann ich tatsächlich etwas anfangen.

    Ich glaube nicht, dass ich das Forum als Bestätigung für mich (z.B. ich bin gut/ Befriedigung eines Helfersyndroms) brauche, werde aber über den Punkt, den du angesprochen hast, gewiss noch etwas länger nachdenken. Mir geht’s bei meinem Wunsch nach mehr Rückmeldung um etwas anderes und ich habe es für geeignet gefunden, das hier einmal anzusprechen, um das für mich zu klären.
    Jemand anderem Hilfestellung zu geben, ist für mich persönlich ab und zu eine Angelegenheit, die besonders viel Fingerspitzengefühl erfordert. Genau wie du schreibe ich mit Bedacht und mitunter kostet es mich nicht wenig Energie. Ich investiere diese Energie, weil ich der Ansicht bin, dass es wichtig und richtig ist. Ich versuche den Ratsuchenden dort abzuholen, wo er gerade ist. Dabei habe ich für mich festgestellt, dass es mich erleichtert, wenn andere ein Problem ähnlich auffassen wie ich. Ich fühle mich nicht selten unsicher, wenn ich in diesen großen leeren Raum hinschreibe. Liegt es da, wenn ich dieses Gefühl bei mir festgestellt habe, nicht nahe, den Wunsch bzw. die Einladung zu äußern, dass andere sich mehr beteiligen?
    Ich hab das hier ein Mal gemacht und lerne aus den Rückmeldungen für mich hinzu.

    Das mit den Kindheitstraumata ist offensichtlich nicht dein Thema und das, was du dazu geschrieben hast, kann ich nachvollziehen.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Lieber Gerchla,
    ich danke dir sehr, dass du mir so ausführlich geantwortet hast. Ich kann mit dem, was du mir geschrieben hast, gut etwas anfangen.

    Hier in diesem Forum läuft es ganz anders als in dem rauchfrei-Forum, in dem ich seit etwa dreieinhalb Jahren mal mit eigenen Fragen, mal mit Hilfestellung für andere unterwegs bin. Ich kenne das durchaus, dass sich einige Hilfesuchende, um die man sich nicht wenig bemüht hat, einfach nicht mehr melden. Ich kenne auch, dass sich einige, die lange dabei waren und rauchfrei geblieben sind, zurückziehen, weil ihnen das Thema nicht mehr so wichtig ist oder weil sich ihre Prioritäten im RL geändert haben. Dort schreiben die Nutzer wahrscheinlich aus ganz ähnlichen Gründen, wie du sie genannt hast, nicht mehr. Dort bin ich auch zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen wie du.

    Hier jedoch ist es anders als dort. Hier ist generell sehr viel weniger los. Hier äußern sich auch viel weniger zu den Themen der anderen. Gewiss, hier geht’s mitunter auch ganz anders zur Sache, sehr viel mehr ans Eingemachte.
    Ich bin auf die vielen Namen im Vorstellungsbereich gestoßen und ich wunderte mich, dass von soooooo vielen angemeldeten Nutzern nach einer Weile nichts mehr kommt. Dass sich immer wieder jemand nicht mehr meldet, kommt vor, aber soooo viele?
    Mit meinem Post wollte ich zum Antworten einladen, vielleicht fühlt sich ja der eine oder andere stille Mitleser angesprochen.
    Ich hätte gedacht, dass gerade jetzt, da wegen Corona so viele SHG nicht stattfinden können, hier mehr los ist, weil Bedarf besteht, sich auszutauschen.

    Wenn ich anderen schreibe, erwarte ich eigentlich auch nicht viel. Das würde mir auch nicht gut tun, mich von anderen in dieser Weise abhängig zu machen. Wünsche darf ich aber doch äußern und zumindest zu versuchen, etwas zu ändern oder zu verbessern, wenn die Möglichkeit besteht.

    Für deine anerkennenden Worte danke ich dir sehr. Natürlich tut mir das gut, das von dir zu hören.

    Viele Grüße
    AmSee

    Liebe Schotterblume,
    mit den Informationen, die du über dich preisgegeben hast, kann ich dich viel besser einschätzen.
    Und natürlich freue ich mich, wenn das, was ich dir schreibe, dir irgendwie weiterhilft.

    Ich habe mir übrigens ebenfalls selbst sehr häufig viel Druck gemacht, ich war Perfektionistin, gegenüber anderen freundlich, nachgiebig und hilfsbereit, mit mir selbst jedoch ziemlich hart. Mein innerer Kritiker fand immer etwas an mir zu mäkeln, für den war ich nie gut genug. Mich hat dieses Leisten-müssen-ohne-Ende schließlich sehr krank gemacht.
    Inzwischen habe ich gelernt, mich selbst anzunehmen und freundlich und sorgend mit mir selbst umzugehen und den Kritiker einzuschätzen als das, was er ist, und ihn auch mal zum Schweigen zu bringen. Das gelingt mir nicht immer, aber immer besser.
    Erst durch die Tätigkeit hier im Forum habe ich so richtig begriffen, dass und wie die Ursache meiner Probleme, meiner teils etwas unglücklichen Persönlichkeitsmerkmale in meiner Kindheit in eben dieser dysfunktionalen Familie liegt. Ich wusste zwar schon früher, dass da was schief gelaufen ist, aber so richtig begriffen habe ich das erst in den letzten Wochen hier beim Lesen und Antworten.

    Wie du schreibst, bist du als Kind sehr verletzt worden. Das kommt mir sehr bekannt vor und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie tief und prägend solche Verletzungen sein können.


    Meine Therapeutin hat mir das so erklärt, dass das ei Überlebensmechanismus ist: wenn ich selbst die Schuld auf mich nehme bedeutet das, dass ich noch Kontrolle habe und nicht restlos ausgeliefert bin.


    Das ist interessant, was du schreibst.
    Ich habe von meinem Therapeuten gelernt, wie kleine Kinder das Prinzip von Ursache und Wirkung kennenlernen und lernen, dass sie für das Wohlbefinden ihrer Eltern verantwortlich sind. Bsp.: Wenn ich mein Bett selbst gemacht habe, dann sind Mama und Papa glücklich. Und umgekehrt sind sie unglücklich, wenn ich etwas falsch mache.
    Ich jedenfalls habe mich schon sehr früh verantwortlich für das Wohl meiner Eltern gefühlt.
    Und gewisse Gefühle waren bei uns verpönt. Ich weiß noch gut, wie oft ich symbolisch die kleine AmSee die Treppe vor der Wohnung meiner Großeltern runterschubsen sollte, weil ich mal wieder wütend gewesen war oder ein ähnliches unerwünschtes Verhalten gezeigt hatte. - Das war damals die Art meiner Großmutter, wie wir wieder zusammenkommen konnten und das böse Verhalten meinerseits vergessen konnten.
    Und ich weiß noch, wie ich mich geschämt habe, wenn ich meiner Großmutter unwissentlich etwas, was bei uns geschehen war, anvertraut hatte, und von meiner Mutter dafür getadelt wurde.
    Auch ich habe gelernt, irgendwie die Kontrolle zu bekommen angesichts der überaus unsicheren Situation, in der ich mitunter lebte.
    Du bist also - aber das weißt du sicher inzwischen - nicht allein und wirst Hilfe finden können.

    Zitat


    das sind dann so Gedanken wie: „es dürfte mich nicht geben“ „ich bin schuldig einfach nur weil es mich gibt“ „sobald ich mich zeige falle ich jemandem zur Last“...


    Solche Gedanken kenne ich auch ziemlich gut.....
    Was ich in den sechs Wochen Abstinenz bereits bei mir bemerkt habe, ist, dass die Tiefs weniger tief sind. Wenn’s mir schlecht geht, geht’s nicht mehr so weit runter, dass diese zerfleischenden Gedanken aufkommen. Das empfinde ich als enorme Erleichterung und es bestärkt mich auch darin, weiter abstinent zu bleiben.
    Ich habe auch eher das Gefühl, die Kontrolle zu haben, klarer im Kopf zu sein. Und ich schlage mich nicht mehr mit Scham- und Schuldgefühlen herum, weil ich etwas getrunken habe, denn ich trinke ja nicht mehr. ;D

    Zitat


    Bei der Achtsamkeit nach Innen glaube ich, hapert es daran, dass es schnell zuviel wird und ich dann fliehen möchte. Wenn ich zum Beispiel Meditationsübungen versuche, wo man sich darauf konzentrieren sollte, tief zu Atmen, kommt bei mir sofort Panik auf und ich habe das Gefühl keine Luft mehr zu kriegen.


    Das kann ich bei deiner Geschichte ziemlich gut nachvollziehen. Ich verstehe das so: Du bist dem noch nicht gewachsen, dich allein deinen Gefühlen zu stellen. Die Verletzungen sind so groß, dass du damit überfordert bist, dich ihnen allein zu stellen. Dein Körper schützt dich vor Überforderung.
    Für mich spricht das dafür, sich nochmals professionelle Unterstützung zu holen. Auch wenn du es schon mit verschiedenen Personen versucht hast, vielleicht war‘s noch nicht der richtige Zeitpunkt oder nicht der geeignete Therapeut. Wenn du an einen richtig guten Therapeuten gerätst, geht der mit dir z.B. erstmal Stellvertreter-Konflikte an und nicht gleich ans Ganze. Wenn er gut ist, wirst du dich dort zum rechten Zeitpunkt fallen lassen können. Voraussetzung dafür ist, wie Gerchla dir schon mal geschrieben hat, dass du abstinent bleibst. Wenn du hier ein bisschen mitgelesen hast, bist du vielleicht auch schon darauf gestoßen, dass es mitunter Monate dauert, bis du im Kopf richtig klar bist.

    Was Gefühle betrifft, bist du schon mit der Methode der Gefühlsregulation vertraut? Wenn nicht, suche ich da mal was raus, was ich dazu an die Hand bekommen habe.

    Was das Rauchen betrifft. Mach dir deswegen keinen Druck. Ich hab mehr als einmal versucht aufzuhören (und ich hab mich grundlos fertig gemacht, wenn ich rückfällig geworden war - da hat das o.g. Forum mir übrigens geholfen, mich nicht länger fertigzumachen), vor 111 Tagen war bei mir offenbar endlich der richtige Zeitpunkt. Ich hatte das Wissen, die Erfahrungen und irgendwie hat‘s alles gepasst.

    Liebe Grüße
    AmSee


    Ich habe aber in der ganzen Zeit, in der ich hier bin, nie das Gefühl gehabt, nicht wertgeschätzt zu werden.
    JEDER geschriebene Beitrag -auch deine- kann bei jemand anders etwas bewirken. Aber (wertschätzende) Rückmeldungen kann man nunmal nicht einfordern.

    Hallo Britt,
    möglicherweise hast du mich etwas missverstanden.
    Ich habe nicht das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden und ich habe auch nichts „gefordert“.
    Es geht mir nicht darum Recht o.ä. zu haben, darum geht es hier doch auch gar nicht. Ich habe lediglich mitgeteilt, was ich mir wünsche und damit insbesondere die Stillen dazu eingeladen, sich mehr zu beteiligen.
    Wenn man sich hier bei anderen beteiligt, tut es ganz gut, in dem, was man sich so denkt, bestärkt zu werden, eine Rückmeldung zu erhalten. Mir jedenfalls tut das gut. Ich profitiere aber auch davon, wenn jemand meinen Horizont erweitert, weil er etwas anders sieht.
    Auch wenn sich hier so Manches sehr ähnelt, ist jeder Fall doch wieder anders und sehr persönlich.

    Warum habe ich den Eindruck, dass du mich (schon wieder) missverstehst? Liegt das an mir oder liegt es an dir? Sind unsere Prägungen so stark, dass wir einander nicht verstehen?

    Zitat


    Ich habe aber auch gelernt, dass ich nicht jede Meinung teilen muss und dass ich manche "Sprache" auch nicht nachvollziehen oder verstehen kann. Dann scrolle ich eben rüber..


    Das sehe ich auch so.

    In den letzten Wochen ist in meinem Inneren seeeeehr viel passiert, Puzzleteile haben sich zusammengefunden, ich konnte erfolgreich damit weitermachen einiges, was in meiner Vergangenheit geschehen ist, aufzuarbeiten.
    Sechs Wochen bin ich inzwischen abstinent und es fühlt sich an, als ob der berühmte Schalter bei mir umgelegt sei. Ich bedaure nicht mehr, keinen Alkohol mehr trinken zu dürfen. Es ist jetzt ok so. Es fühlt sich so an, als ob ich satt sei. - Besser kann ich das nicht erklären. -
    Klar nervt es mich ab und zu, anders sein zu müssen als die „normale“ Welt. Letztens ging mir das tierisch auf den Zeiger. Doch anders war ich ja eigentlich schon mein ganzes Leben und, da ich schon recht lange daran arbeite, mich so zu akzeptieren und anzunehmen, wie ich bin, lerne ich, auch damit umzugehen, nun auch äußerlich in Bezug auf Alkoholkonsum anders zu sein.

    Wie unschwer zu bemerken ist, äußere ich mich derzeit häufiger bei anderen im Forum. Natürlich mache ich mir Gedanken darüber, aus welchen Motiven ich das mache und auch, wie das bei anderen, insbesondere denen, die schon lange dabei sind und viel länger trocken sind als ich, ankommt. Ich habe mir auch die Frage gestellt, ob ich damit ein Helfersyndrom befriedige und ob ich, weil ich doch gerade erst dabei bin, besser erstmal schweigen sollte. Es kommt ja häufig vor, das erwachsene Kinder aus dysfunktionalen Familien ein Helfersyndrom entwickeln.
    Achtsamkeit nenne ich es, mir dessen bewusst zu sein, warum ich das hier tue und was es mit mir macht:
    Gewiss geht es, wenn ich anderen hier antworte, auch darum, ihnen weiterzuhelfen. Ich bin schon mehr als ein Jahrzehnt in psychotherapeutischer Behandlung, kenne manche Problematik recht gut aus eigener Erfahrung. Warum sollten andere nicht von dem, was ich in all den Jahren dazu gelernt habe, profitieren? Muss man das Rad immer selbst erfinden? Wenn das, was ich ihnen zu sagen vermag, weiterhilft, gut, wenn nicht, können sie’s ja stehen lassen. Und vielleicht hilft es dann ja jemand anders, der still mitliest.
    Doch mir geht’s nicht nur darum, anderen zu helfen, sondern ich profitiere auch selbst davon, dass ich anderen hier schreibe. Es hilft mir, mich zu sortieren, mein Wissen oder meine Erfahrung zu strukturieren und es hilft mir bei der Aufarbeitung meiner eigenen Vergangenheit. Ich bin dadurch, dass Manches, was andere schildern, meinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen so ähnelt, an meine eigenen Erinnerungen und damit auch an verschüttete oder unbewusste Gefühle gekommen. Das war zum Teil sehr schmerzhaft, aber dadurch, dass ich drangekommen bin, sehe ich nun eine echte Chance auf Heilung. Es wird niemals ungeschehen gemacht werden können, was ich erlebt habe, aber ich habe den Eindruck, an die Wurzel meiner Probleme gekommen zu sein. Es wird noch eine ganze Weile dauern, aber ich sehe die Chance vor mir, es als abgeschlossen betrachten, richtig betrauern und heilen zu können - soweit das eben möglich ist.

    Hier im Forum würde ich mir mehr Rückmeldung wünschen. Wertschätzende Rückmeldung. Wenn ich anderen auf ihre Posts antworte, so schreibe ich aufgrund meiner Erfahrungen und meines Wissens. Dabei erhebe ich ganz gewiss nicht den Anspruch auf Allwissenheit. Manchmal bin ich, obwohl ich recht reflektiert und umsichtig bin, unsicher, ob ich mit dem, was ich schreibe, richtig liege. Mir wäre es jedenfalls ganz recht, wenn andere mich durch ihre eigenen Erfahrungen oder Beobachtungen bestätigen oder aber meinem begrenzten Horizont erweitern würden.
    Ich frage mich auch, warum es eigentlich nur immer dieselben paar Menschen sind, die anderen antworten. Nicht, dass ich deren Beiträge nicht schätze, ganz im Gegenteil, aber ich frage mich, wo all die vielen anderen sind, die sich hier mal angemeldet haben. Warum schreiben die nicht? Hilfreich finde ich es, wenn sich dann jemand so wie letztens meldet, schreibt, dass er viel still mitliest, sich aber nicht dazu in der Lage fühlt, anderen einen Rat zu erteilen. Das finde ich völlig ok.
    Ich meine aber auch, dass man nicht immer Rat haben oder geben muss. Manchmal hilft es einfach nur, dass man liest, dass es jemand anderem ähnlich geht. Natürlich sollte der einen nicht noch zusätzlich runterziehen, wenn’s einem eh schon schlecht geht, das ist klar.

    Wie lange ich hier noch richtig aktiv sein werde, vermag ich nicht zu sagen. Ich bewundere die hier langjährig Aktiven wie Greenfox, Gerchla und Susanne (mehr sind mir in den letzten sechs Wochen nicht so aufgefallen) sehr und nehme von ihnen immer wieder etwas mit. Ich bezweifle, dass ich deren Ausdauer habe. Warten wir‘s ab.

    Ich bin ich froh, dass es dieses Forum gibt und dass es mir persönlich nicht wenig weitergeholfen hat.


    Wo ich ein bisschen Bedenken habe: ich habe vor 3 Tagen auch das Rauchen aufgegeben. Ich weiss nicht ob die Gefahr ist, dass ich mich überfordere, wenn ich das beides gleichzeitig angehe. Aber ich dachte eben, wenn ich schon meine Gewohnheiten und Denkweisen ändere und auf mich und meine Gesundheit achte, dann gehört das Nichtrauchen doch auch irgendwie dazu. Habt ihr diesbezüglich auch Erfahrungen gemacht?

    Hab deinen neuen Beitrag gerade erst gelesen.
    Also, tatsächlich mutest du dir recht viel auf einmal zu. Vom Kopf her ist das, was du tust, gewiss konsequent, aber es ist auch sehr anspruchsvoll. Angst solltest du keine haben, das wäre kontraproduktiv. Entscheidend ist beim Aufhören auch, recht entspannt zu sein und sich darüber im Klaren zu werden bzw. zu sein, aus welchen Gründen man aufhört. Wenn du diesbezüglich Fragen hast, könnte ich dir das Forum, in dem ich bzgl Nicht-mehr-Rauchen seit dreieinhalb Jahren unterwegs bin und auf das auf jeder Zigarettenpackung hingewiesen wird (rauchfrei-...) empfehlen.
    Unterschätz dein Belohnungszentrum nicht! Ohne Nikotin wirst du vermutlich zunächst mal weniger Glückshormone im Körper haben. Das legt sich nach einer Weile wieder, deine Biochemie verändert sich wieder zum Positiven.
    Einige haben mit dem Rauchausstieg gar keine Probleme, andere tun sich ziemlich schwer.
    Ich rate dir, gut auf dich zu achten und, wenn der Druck zu groß wird, dir keine Vorwürfe zu machen, wenn der Rauchausstieg diesmal noch nicht klappt. Das Alkoholproblem finde ich persönlich vordringlicher als das Rauchproblem, auch wenn Rauchen auch ziemlich schädlich ist.

    Hallo Schotterblume,
    kann es sein, dass du dich selbst sehr viel unter Druck setzt und sehr häufig Verantwortung und Rücksicht übernimmst, selbst, wenn es eigentlich über deine Kräfte geht?

    Dass du dich nach dem Gespräch mit deiner Schwester erschöpft fühltest, ist eigentlich nicht verwunderlich und ganz normal. Auch, wenn du das Gespräch als gar nicht so belastend empfunden hast, hat dein Gehirn eine Hochleistung vollbracht. Es kann durchaus sein, dass du dich zur Zeit öfter müde fühlst, wenn du gedanklich viel durcharbeitest. Mir ergeht das jedenfalls auch so und mein Therapeut bestätigt mir, dass das an meiner Kopfarbeit liegt. Bei mir geschieht durch die Beschäftigung mit diesem Thema innerlich zur Zeit sehr, sehr viel.

    Du schreibst, dass du Scham empfindest. Wofür schämst du dich? Dass du auch Alkoholikerin geworden bist, wie ein Elternteil von dir? Dass du‘s nicht allein alles hingekriegt hast? Dass du nicht perfekt bist?
    Wenn du deswegen Scham empfindest, bist du hier in bester Gesellschaft. Ich jedenfalls kenne dieses Gefühl auch sehr gut. Da es nun mal da ist, nimm es einfach nur wahr und nimm die Gedanken, die damit verbunden sind, einfach nur wahr.
    Grundsätzlich musst du dich eigentlich nicht schämen, denn niemand ist perfekt, niemand sollte perfekt sein und Alkoholiker sind häufig Menschen mit einer ganz besonderen Sensibilität, die an den Normen der „Normalen“ verzweifeln. Ich habe in diesem Zusammenhang mal ein ganz amüsant geschriebenes Buch des Psychiaters und Psychotherapeuten Manfred Lütz, „Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde“ gelesen, dessen Lektüre ich dir nur empfehlen kann. Darin geht es nicht nur um Alkoholiker, sondern auch um andere psychisch Erkrankte und meine Sicht auf meine Erkrankungen hat es etwas verändert. Ich bin nun gar nicht mehr so unglücklich darüber, nicht zu den „Normalen“ zu zählen.
    Doch, wenn das Gefühl von Scham nun mal da ist, lässt es sich mit dem Verstand nicht wegdiskutieren. Es ist da und will wahrgenommen werden. Es reicht aber, wenn du es einfach nur wahrnimmst. Vielleicht magst du uns ja schreiben, welche Gedanken mit diesem Gefühl verbunden sind. Wenn du das nicht möchtest, ist das natürlich auch ok.

    Du schreibst, dass du viel von Achtsamkeit gehört hast, dich aber schwer damit tust. Magst du erzählen, was dir schwer daran fällt?
    Ich selbst hatte vor ein paar Jahren davon gehört, hatte gegoogelt, um zu wissen, was das eigentlich ist, konnte aber mit dem, was ich las, irgendwie nichts anfangen. Erst als ich vor fünf Jahren wegen Depressionen in der Klinik war, lernte ich das richtig kennen und konnte es ausprobieren. Ich war ziemlich verblüfft, welche Wirkung es auf mich hatte, beim Spaziergang einfach mal den Autopiloten auszuschalten und ganz bewusst einfach nur darauf zu achten, was ich wahrnehme (ohne es in Kategorien einzuordnen oder es zu bewerten). Die nächste Ebene, die Gefühlswelt, probierte ich erst später aus, der war ich damals noch nicht gewachsen.
    Heute meditiere ich häufig, ich habe da eine ziemlich gute App, die mit einer „7“ anfängt und mit dem englischen Wort „mind“ endet. Die geführten Meditationen tun mir gut und helfen mir bei der Wahrnehmung dessen, was in mir ist.

    Viele Grüße
    AmSee


    Manchmal denke Ich, er will es so. Das hat er auch heute am Telefon gesagt. Ich brauche also kein schlechtes Gewissen haben. Aber diese Gedanken kommen so oft.
    Dann widerrum denke ich, SO kann er es doch nicht wollen. Keiner kann soetwas wollen. Ich muss also doch irgendwie etwas machen. Aber was?

    Wenn ich Mel richtig verstanden habe, so geht es ihr darum, für sich zu klären, ob sie ihren Angehörigen einfach weitermachen lassen kann/ darf oder ob sie etwas tun muss.


    Vielleicht ist ja wirklich die Lösung für MEIN Problem, im Zusammenhang mit dem meines Angehörigen, die reine AKZEPTANZ und LOSLASSEN können.

    Inzwischen scheint sie an dem Punkt zu sein, dass sie für sich sieht, dass sie ihn möglicherweise machen lassen muss, dass sie „loslassen“ muss.


    Also kann man eigentlich nur auf sich selbst Rücksicht nehmen, denn was den Anderen angeht, ist man grundsätzlich machtlos...

    Genau darauf läuft es letztlich hinaus. Das muss man nur erstmal für sich erkennen. Co-Abhängige neigen ja so schön dazu sich aufzuopfern.

    Zitat


    Das Problem ist ja ein bisschen, weil der Angehörige sich selbst und seinem Umgang damit nicht ändern kann, versucht er den Süchtigen zu ändern. Und nicht nur aus altruistischen Gründen, sondern auch um sein eigenes Leiden an der Situation zu kurieren.

    Zitat


    Und wie beim Süchtigen muss man auch beim Angehörigen gucken, was er (eventuell gar nicht bewusst) davon hat, dass er in der für den angehörigen ebenfalls unerträglichen Situaition bleibt und nicht einfach geht.

    Da ist auf jeden Fall was dran.
    Nur, wenn man als Angehöriger oder Freund vor der Frage steht, ob man Verantwortung übernehmen muss, weil der Alkoholiker (wegen schwerer Depression) nicht mehr in der Lage ist, einen freien Willen zu bilden, dann ist man eben gefordert, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, die diese Unterscheidung treffen kann. Diese Hilfe holt sie sich nun „von einer zuständigen Person aus öffentlicher Stelle“.

    Ist der Alkoholiker in der Lage, einen freien Willen zu bilden, dann kann und sollte man sich als Angehöriger die Frage stellen, warum man in dieser unerträglichen Situation bleibt und nicht einfach geht. Das sehe ich auch so wie Susanne.
    Die Hilfe kann dann nur darin bestehen, den Kranken dahingehend zu beraten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn er das nicht will, ist man raus und man muss sich das ganze Theater auch nicht mehr antun.


    Es ist für mich auch ein grundsätzliches Gegensatzpaar, ob Hilfe wirklich Hilfe ist oder ob es eher darum geht, den anderen so zu verändern, dass er besser in mein Weltbild passt.

    Und dann stellt sich in der Tat diese Frage.

    Der erste Link enthält die rechtlichen Informationen, die mir noch gefehlt haben.
    Dass einer sich grundsätzlich zu Tode saufen darf, war mir bekannt, aber da mir die Zusammenhänge im Zusammenhang mit Depressionen ganz gut bekannt sind, konnte ich bislang die rechtliche Situation nicht zusammenbringen, denn, wenn Depression im Spiel ist, wird das, wie ja auch deutlich geworden ist, mit der Entscheidungsfähigkeit schwierig. Kann er noch einen freien Willen bilden oder kann er das nicht mehr.

    Verstehen - oder besser nachvollziehen - kann ich beide Seiten. Dass jemand, der der Sucht in Jahren bzw. Jahrzehnten trotz Therapie usw. nicht entkommen konnte, lebensmüde ist, habe ich bei meinem eigenen Vater erlebt und akzeptieren lernen müssen. Und ich kenne auch die Innensicht einer jahrzehntelangen Depression, die lebensmüde macht.

    Ich kenne aber eben auch die andere Seite, die Seite, die gezwungenermaßen zusehen muss und, weil sie der Situation so hilflos ausgeliefert ist, psychisch selbst schwer damit zu kämpfen hat.

    Die Frage ist dabei doch, auf wen man selbst in einer solchen Situation mehr Rücksicht nehmen muss.

    Ich hoffe für Mel, dass sie etwas klarer sieht, welche Möglichkeiten ihr zur Verfügung stehen, und dass sie aufgrund dieses Wissens für sich eine akzeptable Lösung ihres Problems finden kann.

    Danke für die Links, Susanne. Gewiss ist das allgemein sehr interessant.

    Der Artikel unter dem zweiten Link bestätigt das, was ich meine. Es muss geprüft werden, ob jemand „noch einen freien Willen bilden“ kann. Ein Angehöriger kann das nicht, nur, wie oben zusammengefasst, ein Richter nach fachärztlicher Begutachtung.

    Dass das eine knifflige Angelegenheit ist, steht außer Frage. Und der zweite Artikel unterstreicht letztlich, wie knifflig.
    In diesem speziellen Fall geht es darum, dass Mel eine Lösung findet, mit der sie besser leben kann. Sie hat ja deutlich gemacht, wie sehr sie diese Situation „psychisch-mental in die Knie zwingt“.


    Bleibt noch zu ergänzen, dass es bei uns erlaubt ist, sich tot zu saufen. Und dass z.B. Verwahrlosung kein Grund ist, jemanden zwangszubeglücken. Dazu gibts Urteile.
    Wenn einer noch halbwegs glaubhaft machen kann, dass er noch weiss, was er sagt, ist da das Ende der Fahnenstange erreicht.

    Gut, dass du das einbringst!
    Diese rechtliche Seite ist mir nicht so bekannt. Hast du da eine Seite oder Infos, die du mir ggf. als PN zukommen lassen könntest?

    das entscheidet sowieso nur ein Richter nach ärztlicher Begutachtung, niemals ein Angehöriger. Ein Angehöriger oder sonst Nahestehnder ist viel zu sehr mitbetroffen, um vernünftig und objektiv zu entscheiden.


    So ist es. Das habe ich weiter oben gemeint.

    Zitat


    Und die Zwangseinweisung ist natürlich auch zwiespältig. Viele kommen danach nie wieder auf die Beine (kenne selbst solche Leute), da kannst Du Dich dann auch fragen, was derjenige unterm Strich dann davon hatte.


    So kann es sein. Kenne ich auch.

    Zitat


    Das Einzige ist, dass man sich selbst von der Verantwortung für die Situation entlastet.


    DAS ist der entscheidende Punkt für den Angehörigen.

    Wenn ich dir in diese schweren Zeit ein paar Denkanstöße geben konnte, die dir weiterhelfen, freut mich das natürlich.
    Gut, wenn du für dich eine Lösung gefunden hast, die zu dir passt.


    Bei meiner wichtigsten Frage darüber, wie ich ihm am besten helfen und unterstützen kann, ohne dass Er sein 'letztes Hemd' lässt, ist mir am wichtigsten dass ich seinen Willen nicht 'breche'.

    Das mit dem „Trick“, der Zwangseinweisung, ist ein sehr schwieriger Balanceakt. „Bricht“ man damit den Willen des anderen? Ich denke, ich weiß, was du damit meinst, und ich finde es auch richtig, wenn du dir darüber Gedanken machst, was für ihn nun wichtig und richtig ist, Stichwort „Akzeptanz“ und „Loslassen“.
    Ich habe diese Möglichkeit besonders im Zusammenhang mit schwerer Depression und Suizidalität kennengelernt. Wer unter in einer Phase schwerer Depressionen leidet, trägt sich oft mit Selbstmordgedanken. Hört diese Phase wieder auf, sind diese Gedanken wieder weg. Daraus folgt, dass so jemand nicht ganz Herr seiner Entscheidungen ist, der Hilfe braucht. Nun fühlen sich diese Phasen sehr real an und so, als ob sie schon immer da waren und niemals mehr aufhören und man hat den sehnlichsten Wunsch, dass das dieses unerträgliche Leiden endlich aufhört. Der Tod scheint eine Erlösung zu sein und der letzte Rest von Selbstbestimmung, wo man doch sonst jegliche Kontrolle über sein Leben verloren hat. Wie gesagt, hört diese Phase auf, so sind diese Selbstmordgedanken wieder weg. Daraus folgt, dass so jemand professionelle Hilfe braucht, u.U. gegen seinen Willen.
    Und dann kommst du oder ein anderer Angehöriger oder ein Freund oder sonst jemand ins Spiel. Ich hab das am eigenen Leib erlebt. Da sagt dir ein Freund, deine Mutter, dein Vater oder einfach nur ein Bekannter, dass er sterben will. Was macht das jetzt mit DIR? Kannst du das einfach so zulassen, dass er oder sie sich umbringt? Kannst du das vor dir selbst verantworten oder wirst du dir womöglich ein Leben lang schwere Selbstvorwürfe machen? - Das ist das, was ich meine, wenn ich sage, dass du dich selbst schützen musst. Wenn du dann die Polizei rufst oder den Arzt, mit dem Ziel, dass dein Angehöriger erstmal aus dem Verkehr gezogen wird, schützt du dich selbst und womöglich deinen Angehörigen.
    „Brichst“ du damit seinen Willen? - Meine Mutter war sehr wütend auf meine Schwester und mich, dass wir sie auf die Geschlossene haben einweisen lassen. Auch für uns war das sehr, sehr schwer. In ihrem Fall war das aber gut und richtig, denn sie fing sich wieder.
    Bei einem Bekannten hat jemand anderes, der sich mit diesen Dingen auskennt, mir diese Entscheidung abgenommen. Wenn der Bekannte sich umgebracht hatte - und er hatte sich nur mir anvertraut und ich glaubte, sein Vertrauen nicht brechen zu dürfen - , hätte ich gewiss sehr darunter leiden müssen.

    Wie eingangs gesagt, der „Trick“ ist ein schwieriger Balanceakt. Wenn du angesichts der Situation deines Angehörigen „akzeptieren“ und „loslassen“ kannst und dabei mit dir selbst im Reinen bist, ist das in Ordnung. Wenn du aber für dich selbst Gefahr läufst, die Verantwortung nicht tragen zu können - denn es ist auch eine Verantwortung, die du da trägst -, dann musst du diese Verantwortung abgeben.

    Ansonsten kann ich dir nur raten, dich da so weit wie möglich rauszuziehen. Und wenn du wieder den Notarzt rufst, weil du ihn rechtzeitig gefunden hast, und sie ihn wegen Eigengefährdung mitnehmen wollen, nicht mehr dazwischen zu gehen. Er hat seine Wahl getroffen, soll er damit leben...

    Die Sinne eines „nassen“ Alkoholikers sind total vernebelt. Alkoholiker ticken irgendwie anders als „normale“ Menschen oder „trockene“ Alkoholiker. Wenn du hier im Forum etwas mitliest, stößt du öfter auf dieses Phänomen. Was auch immer da genau im Gehirn geschieht, es führt dazu, dass Alkoholiker die Wirklichkeit anders wahrnehmen und sich auch gänzlich anders verhalten, als sie dies in trockenem Zustand tun würden. Wenn ein Alkoholiker dann tatsächlich trocken wird, dauert es lange, teils mehrere Monate, bis er geistig wieder richtig klar wird. (Es sei denn, er hat sich das Gehirn tatsächlich kaputt gesoffen. Was aber bei deinem Angehörigen noch nicht der Fall zu sein scheint. Ob er tatsächlich schon durch Demenz wesensverändert ist, kann nur ein Fachmann klären.)
    Alkoholismus ist eine schlimme Sucht, warum ihr manchereiner nicht entkommt oder sogar nach Jahren, in denen er völlig abstinent gelebt hat, plötzlich wieder anfängt und sich dann zu Tode säuft, lässt sich nicht erklären, es passiert leider.
    Ich kann nachvollziehen, warum dein Angehöriger lebensmüde ist, denn er ist in all den Jahren seiner Sucht nicht entkommen. Die Sucht macht innerlich total kaputt. Mein Vater war 43 Jahre alt, als er durch einen selbstverschuldeten Unfall starb, aber er fühlte sich in den Monaten davor wie über 80. Er hatte es immer wieder versucht, der Sucht zu entkommen, hatte mehrere Entzüge und Langzeittherapien, aber rutschte immer wieder in die Sucht und war selbst todunglücklich darüber.
    Das Ganze als Angehöriger auszuhalten ist die Hölle und ich kann sehr gut nachvollziehen, dass dich das jetzt „psychisch-mental in die Knie zwingt“. Wir taten damals, was wir nur konnten. Meine Mutter hat dieses Leben an der Seite ihres alkoholkranken Mannes letztlich psychisch zerbrochen. Ich selbst habe psychische Schäden davongetragen, unter denen ich noch heute leide.

    Für dich besteht nun die Schwierigkeit u.a. darin, zu unterscheiden, ob er noch entscheidungsfähig ist oder nicht mehr. Und DAS ist gar nicht so einfach. Zwar sind einem Alkoholiker die Sinne benebelt, aber, solange dein Angehöriger einfach nur so trinkt, wird ihn die Polizei oder der Notarzt nicht mitnehmen. Wenn er aber krampft, bewusstlos wird oder deutlich ist, dass er sich umzubringen versucht, dann erst kannst du gewissermaßen handeln, dann ist er klar nicht mehr entscheidungsfähig. Wenn er „nur“ krampft o.ä. kommt er ins Krankenhaus und wird dort lediglich medizinisch überwacht. - Das klingt jetzt so harmlos, aber tatsächlich kann das lebensgefährlich sein. - Der „Trick“ ist tatsächlich, wenn sie ihn wegen Eigengefährdung zwangsweise mitnehmen.
    Er wird dir das mit Sicherheit sehr, sehr übelnehmen und Dinge sagen, wie „Du bist ab sofort für mich gestorben.“. Das muss dir klar sein und du wirst es aushalten müssen.
    Ich rate dir aber dazu, weil du dich selbst schützen musst. Du sprachst ja selbst die Schuldgefühle an und wie es dir derzeit geht. Die Frage ist, was schlimmer für dich ist: Seinen Zustand weiter auszuhalten und das, was das mit dir macht, oder zu versuchen, einer Situation, die für dich nicht mehr auszuhalten ist, zu entkommen und das Letzte zu tun, was du noch tun kannst, nachdem du alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hast.
    Bei dem Hin- und Her, das du mit ihm erlebst, Stichwort „Patientenverfügung“, siehst du, wie hin- und hergerissen er selbst ist. Vielleicht ist ihm noch zu helfen.
    Es kann aber auch sein, dass du ihm nicht helfen kannst, dass alles nichts hilft.
    Stoff solltest du ihm definitiv nicht besorgen, auch wenn die Gefahr, dass er krampft usw. und an den Folgen eines kalten Entzuges stirbt, besteht. Du wirst das mit dir selbst auch nicht vereinbaren können und es wird ihm auch nicht helfen, der Sucht zu entkommen. Wenn er Stoff braucht, muss er sich selber kümmern, so grausam das auch ist.
    Wenn er dich täglich anruft, könntest du ihm immer wieder raten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ansonsten ist es wichtig für dich, dich abzugrenzen. Hast du dich schon mal über Co-Abhängigkeit informiert?

    Es ist sehr, sehr wichtig, dass du dich um dich kümmerst. Wenn du in Therapie warst, hast du möglicherweise die Idee der „Achtsamkeit“ kennengelernt. Übe dich darin, immer und immer wieder. Ich habe zum Beispiel das Meditieren und - erst vor Kurzem - Yoga für mich entdeckt. Es hilft mir, im Hier und Jetzt und bei mir zu bleiben. Und es hilft mir beim Wahrnehmen und Annehmen meiner Gefühle. Nicht immer, aber immer wieder.
    Gut, dass du das mit der Selbsthilfegruppe in Angriff nehmen willst!

    Schreibe hier weiter, was du denkst. Vielleicht tut dir das gut und es klärt sich auch beim Schreiben einiges für dich.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Mel,
    ich habe deinen Post zwar gestern schon gelesen, aber ich habe etwas Zeit zum Nachdenken gebraucht, um Dir angemessen antworten zu können.

    Ich selbst bin w, 48 Jahre alt und ich habe manches von dem, was du geschrieben hast, vor mehr als dreißig Jahren mit meinem Vater erlebt. Manches kenne ich aus eigener Erfahrung, manches habe ich mir im Laufe der Zeit angelesen.
    Alkoholismus ist eine ziemlich tückische Krankheit, die nicht nur den Trinker, sondern auch seine Angehörigen sehr trifft.
    Du durchlebst zur Zeit eine enorme psychische Belastung. Vor eine Weile hast du dir schon einmal psychologische Hilfe geholt, weil du erkannt hast, dass du Unterstützung bei der Verarbeitung brauchst. Wäre das für dich jetzt nicht wieder eine Option? Bei den Fragen und Gedanken, die dich bewegen, könnte dir eine professionelle Begleitung sicherlich gut weiterhelfen. Es geht ja nicht nur um Wissen bei diesem Thema, um etwas, dass du mit deinem Verstand fassen kannst, sondern um die Gefühlsebene, die seelisch-psychische Ebene.

    Du bist offensichtlich auch schon bei öffentlichen Beratungsstellen gewesen und hast dir dort Rat und Hilfe geholt und du hast auch schon mit nahen Bekannten gesprochen. Den Rat, den sie dir gegeben haben, gebe ich dir ebenfalls.

    Du schreibst, dass du dir so häufig selbst ein schlechtes Gewissen machst, weil du denkst, du lässt einen wichtigen Menschen im Stich. Und du hast Angst davor, dass du dir evtl. Vorwürfe machst.
    Wenn ich das richtig sehe, hast du bereits sehr Vieles gemacht. Du hast viel mit deinem Angehörigen gesprochen, du hast mit nahen Bekannten gesprochen und bist bei einer öffentlichen Beratungsstelle gewesen. Du hast mehrfach den Rettungsdienst gerufen.
    Was könntest du tatsächlich jetzt noch tun?
    Alkoholismus ist eine sehr tückische Krankheit und mancher Trinker trinkt sich sehenden Auges zu Tode, kann vom Alkohol einfach nicht lassen, obwohl er weiß, dass es ihn umbringt. Dein Angehöriger ist schon lange dabei, er ist, wie du schreibst, gut vernetzt (AA) und er hat auch schon Therapien hinter sich. Und er hat es in all den Jahren nicht geschafft, aufzuhören.

    Er ist ein erwachsener Mensch, der sich weigert, weiter mitzuarbeiten und da kannst du herzlich wenig dran ändern. Alkoholismus führt auch zu Depressionen und kann auch zu dem Wunsch zu sterben führen.

    Du hast mit deinem Angehörigen gewiss über dieses Thema gesprochen und das ist richtig so. Was kannst du jetzt noch tun? Was musst du tun? - Zum Therapeuten kannst und solltest du selbst nicht werden. Was du tun kannst, ist, ihn dazu zu bewegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das aber wiederum verweigert er.
    Das bedeutet, dass du nicht mehr für ihn tun kannst, als du bereits getan hast. Nur eine Sache hätte ich an deiner Stelle anders gemacht und ich verrate dir auch, warum: Du schriebst, dass sie ihn die letzten 3x wegen Eigengefärdung mitgenommen hätten, du ihn aber davon überzeugen konntest, freiwillig mitzugehen. - warum hast du das gemacht? - Ich hätte sie ihn wegen Eigengefährdung mitnehmen lassen, denn das bedeutet Zwangseinweisung über einen Arzt und psychologische Begutachtung. Für den Betroffenen ist das zwar grauenvoll und die Geschlossene ist echt heftig, aber, wer sich selbst gefährdet, ist u.U. nicht mehr Herr seiner Entscheidungen und ein Facharzt übernimmt dann sozusagen die Verantwortung. Das Gericht entscheidet dann, wann der Gefährdete wieder herauskommt. Das bedeutet für dich, dass du aus der Verantwortung, mit der du eh überfordert bist, heraus bist. Es macht einen großen Unterschied, ob du freiwillig in der Psychiatrie bist, oder zwangseingewiesen.
    Die Frage ist doch, kann er selbst noch entscheiden oder kann er es nicht. Kann er es nicht, kannst du nur darauf dringen, dass er professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.
    Was kannst du noch tun, was musst du tun?
    Rechtlich macht sich jeder der unterlassenen Hilfeleistung schuldig, der ab dem Augenblick, wo ein Todesbereiter bewusstlos ist, nichts unternimmt. - Bislang hast du das immer getan! Du kannst aber nicht die ganze Zeit neben ihm stehen. Das ist auch für dich eine untragbare Belastung. Auch deshalb hätte ich ihn an deiner Stelle zwangsweise mitnehmen lassen. Vielleicht ist ihm dort noch zu helfen. - Vielleicht aber auch nicht. Du aber kannst nichts mehr für ihn tun.

    Das Einzige, was du jetzt noch tun kannst und tun solltest, ist, für dich zu sorgen. Du spürst, wie du innerlich hin- und hergerissen bist. Das sollte dir Warnzeichen genug sein, jetzt etwas für dich zu unternehmen. Hilfreich könnte es für dich sein, bei dir vor Ort Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern aufzunehmen. Oder aber du nimmst nochmals, wie oben bereits gesagt, professionelle psychologische Hilfe in Anspruch.

    Folgendes ist klar: Du bist definitiv nicht Schuld daran, dass er jetzt wieder säuft. Ein nasser Alkoholiker findet immer einen Grund zum Trinken und solche Gründe werden ganz gerne genannt, sind aber Unsinn.
    Und seinen Stoff musst du ihm auch nicht besorgen.

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft!
    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Jbob,
    ich habe lange überlegt, ob ich dir schreiben soll. Ich hab mich dazu durchgerungen, weil‘s Dir vielleicht hilft, wenn nicht, so lass es einfach stehen.
    Nach meinem Eindruck befindest du dich in einem emotionalen Ausnahmezustand. Sich zu Verlieben kann unheimlich schön sein, aber es kann auch sehr qualvoll sein, wenn’s schief läuft. Wissenschaftlich hat man herausgefunden, dass dieser Zustand ähnlich ist, wie unter Drogen zu stehen. Ich hab dir dazu mal einen geeigneten Artikel herausgesucht:

    https://blog.neuronation.com/de/wieso-ein-v…verruckt-spielt

    Was deine Freundin da mit dir anstellt, zeugt weder von Reife, noch von geistig-psychischer Klarheit, und sie ist ja wohl auch gar nicht gewillt trocken zu bleiben. Für dich ist das katastrophal.
    Zum Teil klingst du recht reflektiert, zum Teil gehen mit dir ziemlich die Pferde durch und du fühlst dich sehr leicht angegriffen. Deine eigene Gesundheit ist durch diese Beziehung nach meinem Eindruck ziemlich gefährdet.

    Ich komme zu dem Kind: Ich nehme Dir ab, dass du von deiner Seite her die besten Absichten hegst und Verantwortung übernehmen willst, aber..... Ich glaube, du bist Dir des vollen Ausmaßes nicht bewusst. Zum Ersten: Wenn deine Freundin schwanger ist, hat sie schon jetzt den Fötus nachhaltig geschädigt. Selbst, wenn sie für den Rest der Schwangerschaft trocken bleibt, ist der Schaden nicht mehr rückgängig zu machen. Wenn es zur Geburt kommt - und es ist keineswegs sicher, dass es nicht vorher zum Abort kommt -, kann es lebensfähig sein. Wie dieses Leben für das Kind, für dich und für deine Freundin sein wird, kann niemand voraussehen, es ist aber ziemlich wahrscheinlich, dass es dich/ euch vor größere Herausforderungen stellen wird, als ein Kind, das sich gesund entwickelt hat. Das ist machbar, aber unterschätz nicht, dass das eine enorme Belastung sein kann, unter der du auch zusammenbrechen könntest.
    Zum Zweiten: Es gibt hier einige, die in dysfunktionalen Familien aufgewachsen sind, du zählst ja wohl auch dazu. Viele von uns haben schwere Schäden davongetragen. Meine Eltern hatten die besten Absichten, ich hatte eigentlich etwas bessere Voraussetzungen, als es dein Kind aller Voraussicht nach haben wird, aber meine Kindheit und Jugend war teilweise grauenvoll und ich leide noch heute sehr unter den Folgen. Ich rate dir, auch für dich selbst, dich mal über Persönlichkeitsmerkmale Erwachsener Kinder von Alkoholikern zu informieren.
    Was du über deine Freundin schreibst, klingt überhaupt nicht nach jemandem, der Verantwortung für ein Kind übernehmen kann und übernehmen sollte. Ich meine natürlich, so lange sie so bleibt.
    Zum Dritten und für dich Wesentlichen: Du machst dir, glaube ich, nicht klar, was da auf dich zukommt bzw. zukommen kann. Du hast mit deiner Alkoholkrankheit eigentlich für dich selbst schon genug zu tun. Du bist gerade trocken und dabei Dir ein neues Leben aufzubauen, stabil zu werden. Das braucht eigentlich deine ganze Kraft und Energie. Zu Zweit ein gesundes Kind aufzuziehen, ist eigentlich schon eine Herausforderung, aber das, was sich da bei dir andeutet, lässt auf eine Katastrophe schließen. Ganz
    im Ernst: Es kann gut sein, dass du bei dem, was du da vor hast, selber drauf gehst.

    Und wenn dann noch ein Kind da sein sollte, was ist dann mit dem?

    Verstehst du, das alles schwingt bei dir mit.
    Nicht nur Wolfsfrau hat Dir ein paar wirklich gute Gedanken dagelassen.

    Wie gesagt, wenn du was mit dem, was ich geschrieben habe, anfangen kannst, gut, wenn nicht, lass es stehen.

    Alles Gute dir!
    AmSee

    Die Alkoholkrankheit meines Vaters war gewiss abschreckend für mich, als ich aber nach seinem Tod im Alter von 15 unsere Familie verließ, um nicht selbst zugrunde zu gehen, lernte ich einen anderen Umgang mit Alkohol kennen. Bei diesen Menschen war Alkohol trinken harmlos, da eskalierte nix, die tranken mal und auch nicht heimlich und nix weiter. Und so trank ich mein erstes Bier und nix Schlimmes passierte, es war sogar ganz nett. Später war ich mit anderen meines Alters zusammen und es gehörte dazu, dass wir tranken, wenn wir ausgingen. Da war‘s lustig, einen Rausch zu bekommen, alle probierten ihre Grenzen mal aus. Das war irgendwie ganz normal.
    So lernte ich den Alkohol und den Rauschzustand am eigenen Leib als etwas Harmloses kennen.
    Und schau dich mal um: Überall wird getrunken. Mir fällt das jetzt erst so richtig auf. In Film- und Fernsehen schenken die sich ständig ein Glas ein, in Romanen und natürlich überall in unserer Umgebung (Familie, Freunde, Nachbarn, Feste, Restaurants, Biergärten usw.). Wer trinkt, gehört dazu. Trinken ist total normal. - So lebt es uns unsere Gesellschaft jedenfalls vor.

    Nach allem, was ich zu diesem Thema in Erfahrung gebracht habe, stellt sich mir das so dar: Kinder aus dysfunktionalen Familien tragen tiefe seelische Verletzungen davon. Weil ihnen etwas Wesentliches in ihrer Entwicklung versagt geblieben ist, neigen sie mehr als andere dazu, irgendeine Sucht zu entwickeln. - Möglicherweise spielt dabei auch noch genetische Vererbung eine Rolle. - Sie stillen eine tief vorhandene Sehnsucht, stopfen ein tiefes emotionales Loch etc.
    Alkohol gehört ja zu den Drogen, die binnen Sekunden zur Ausschüttung von Glückshormonen führen, das Belohnungszentrum wird stimuliert.

    Wie tückisch Alkoholkonsum in meinem Fall war, habe ich jedenfalls nicht kommen sehen und wegen der angenehmen Seiten des Alkoholkonsums irgendwie auch verdrängt. Ich war (und bin) doch so ganz anders als mein Vater..... Alkohol half mir ja über lange Zeit, mich besser zu fühlen, besser zu entspannen, länger arbeiten zu können, nahm mir Ängste, zeichnete alles weich etc. Ich habe aufgrund meiner Familienvergangenheit Persönlichkeitsmerkmale, die mich u.a. sehr anfällig für Überforderung machen. Alkohol half mir, länger zu funktionieren.

    Hallo Schotterblume,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. :welcome:

    Nach dem, was du über dich erzählst, bist du schon entscheidende Schritte gegangen, du hast für dich erkannt, dass du ein ernsthaftes Problem hast, hast diesbezüglich auch schon sinnvolle Vorbereitungen getroffen und du hast dich hier geöffnet.

    Was die Heimlichkeit betrifft, schließt du dir gerade deine Hintertürchen, das ist schon mal gut. Wie Gerchla schon geschrieben hat, muss es sicher nicht jeder wissen, besonders dann, wenn es dir eher schaden könnte, aber gewiss entwickelst du ein Gespür dafür, wen du informieren solltest, weil dich das stützt. Ich habe auch nicht jeden informiert und werde es auch nicht tun, aber die, die mir wichtig sind und mich auf ihre Weise stützen, die wissen inzwischen Bescheid und das hat mir gut getan.
    Du hast dir auch Listen bereit gelegt, für den Fall, dass dich der Suchtgedanke überfällt. Auch das ist eine sehr sinnvolle Maßnahme.
    Hast du für dich schon analysiert, zu welchen Anlässen du getrunken hast? Kennst du schon mögliche Trigger? Das können positive und negative Situationen sein.
    Wenn du diese kennst, kannst du schon - und solltest du - möglichst rechtzeitig handeln, damit du möglichst nicht unter Druck gerätst.
    Wenn du schon solche ausführlichen Therapie-Erfahrungen hast, bist du gewiss vertraut mit der Vorstellung von Achtsamkeit. Sehe ich das richtig?
    Betrachte das, was vor dir liegt, als Chance.
    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es viel zu entdecken gibt.

    Dass du keinen Alkohol mehr im Haus haben solltest, ist dir bekannt? Grundsätzlich solltest du dich erstmal nicht in die Nähe von Alkohol begeben oder dich Situationen aussetzen, in denen Alkohol getrunken wird. Wenn du aufmerksam mit dir bist, wirst du bemerken, wann du wieder einigermaßen gefestigt und stabil bist.
    Ich selbst musste und muss noch immer lernen, dass ich das Recht habe, eine Situation zu verlassen, wenn sie mir nicht gut. Du wirst das auch bei anderen lesen können, wie wichtig das für sie war.

    Zu deinem Traum, der dich sehr beunruhigt hat: Solche Träume sind bei vielen von uns schon vorgekommen, ich selbst bin da keine Ausnahme. Lass dich deswegen nicht beunruhigen. Das Gehirn verarbeitet nachts im Schlaf und manches von dieser Verarbeitungsarbeit bemerken wir in unseren Träumen. Für dich ist das Thema Alkohol im Moment sehr präsent, deshalb ist es kein Wunder, dass du einen solchen Traum hattest. Durch den Verzicht auf Alkohol ändert sich auch einiges in der Biochemie deines Gehirns, es könnte gut sein, dass sich dein Belohnungszentrum meldet. Auch das muss dich nicht beunruhigen. Wenn ich so einen Traum gehabt habe und wach werde, dann bin ich natürlich im ersten Moment erschrocken, im zweiten Moment aber erleichtert, denn der Schock bestärkt mich darin, weiterzumachen, weil ich erleichtert bin, nicht mehr zu trinken.

    Auch ich selbst, w, 48 Jahre alt, blicke auf viele Jahre in Therapie zurück. Du musst hier nicht ins Detail gehen, wenn du das nicht willst. Wenn du mit 19 Jahren mit Therapie angefangen hast und seit 20 Jahren dabei bist, müssen sehr tiefe Verletzungen in dir vorhanden sein. Das Trinken, das anfangs so verführerisch daher kommt, wird dir bei der Aufarbeitung oder Bewältigung deiner Probleme keine Hilfe sein. Das hast du zu deinem Glück richtig erkannt. Weißt du eigentlich, das nasse Alkoholiker anders ticken? Dass sie eine andere Wahrheit empfinden und leben als „normale“ Menschen? Mir war das früher nicht ganz so klar, aber seit ich mich intensiv mit diesem Thema und auch meiner eigenen Vergangenheit beschäftige, sehe ich es ziemlich deutlich.
    Ich bin erst 37 Tage lang abstinent, bemerke aber zunehmend eine Veränderung und zwar körperlich als auch psychisch. Das bestätigt für mich das, was ich darüber gelesen habe. Je länger du abstinent bist, desto klarer wirst du im Kopf werden. Und das ist eine nicht unwesentliche Voraussetzung dafür, erfolgreich an seinen Problemen arbeiten zu können. Ich habe mir eine App zugelegt, die meine abstinenten Tage zählt und auch ein paar hilfreiche Infos enthält.
    Warum auch immer du mit den verschiedenen Therapeuten nicht weitergekommen bist, vielleicht klärt sich in Zukunft einiges für dich.

    Ich schrieb ja, dass ich selbst auf jahrelange Therapie-Erfahrung zurückblicke. Ich bin da ziemlich weit gekommen, aber irgendetwas war da bislang, weshalb ich nicht weiter kam. Erst durch die Auseinandersetzung mit dem Thema „Alkohol“ und, für mich von großer Bedeutung, mit dem Thema „Erwachsene Kinder von Alkoholikern“ wurde mir sehr vieles klar und ich sehe für mich inzwischen die Chance, weiter vorankommen zu können.

    „Ich denke das greift auch so ein wenig ineinander, ich kann in der Therapie nicht wirklich etwas aufarbeiten solange ich trinke und ich kann auch nicht langfristig trocken sein wenn ich mich nicht an die Aufarbeitung mache. Oder was denkst du?“
    - Ich denke, das siehst du ganz richtig.

    Empfehlen kann ich dir übrigens folgende Bücher, die ich selbst als sehr hilfreich empfunden habe:
    Simon Borowiak, „Alk“
    Daniel Schreiber, „Nüchtern“
    Catherine Gray, „Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein
    Frei und glücklich - ein Leben ohne Alkohol“
    Du findest sie in der Literaturliste:
    https://alkoholforum.de//index.php?topic=1715.0


    Wenn du irgendwelche Fragen hast, nur heraus damit. Es findet sich immer wieder jemand hier, der dir darauf antworten kann und wird.

    Viele Grüße
    AmSee