Hallo Schotterblume,
auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. :welcome:
Nach dem, was du über dich erzählst, bist du schon entscheidende Schritte gegangen, du hast für dich erkannt, dass du ein ernsthaftes Problem hast, hast diesbezüglich auch schon sinnvolle Vorbereitungen getroffen und du hast dich hier geöffnet.
Was die Heimlichkeit betrifft, schließt du dir gerade deine Hintertürchen, das ist schon mal gut. Wie Gerchla schon geschrieben hat, muss es sicher nicht jeder wissen, besonders dann, wenn es dir eher schaden könnte, aber gewiss entwickelst du ein Gespür dafür, wen du informieren solltest, weil dich das stützt. Ich habe auch nicht jeden informiert und werde es auch nicht tun, aber die, die mir wichtig sind und mich auf ihre Weise stützen, die wissen inzwischen Bescheid und das hat mir gut getan.
Du hast dir auch Listen bereit gelegt, für den Fall, dass dich der Suchtgedanke überfällt. Auch das ist eine sehr sinnvolle Maßnahme.
Hast du für dich schon analysiert, zu welchen Anlässen du getrunken hast? Kennst du schon mögliche Trigger? Das können positive und negative Situationen sein.
Wenn du diese kennst, kannst du schon - und solltest du - möglichst rechtzeitig handeln, damit du möglichst nicht unter Druck gerätst.
Wenn du schon solche ausführlichen Therapie-Erfahrungen hast, bist du gewiss vertraut mit der Vorstellung von Achtsamkeit. Sehe ich das richtig?
Betrachte das, was vor dir liegt, als Chance.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es viel zu entdecken gibt.
Dass du keinen Alkohol mehr im Haus haben solltest, ist dir bekannt? Grundsätzlich solltest du dich erstmal nicht in die Nähe von Alkohol begeben oder dich Situationen aussetzen, in denen Alkohol getrunken wird. Wenn du aufmerksam mit dir bist, wirst du bemerken, wann du wieder einigermaßen gefestigt und stabil bist.
Ich selbst musste und muss noch immer lernen, dass ich das Recht habe, eine Situation zu verlassen, wenn sie mir nicht gut. Du wirst das auch bei anderen lesen können, wie wichtig das für sie war.
Zu deinem Traum, der dich sehr beunruhigt hat: Solche Träume sind bei vielen von uns schon vorgekommen, ich selbst bin da keine Ausnahme. Lass dich deswegen nicht beunruhigen. Das Gehirn verarbeitet nachts im Schlaf und manches von dieser Verarbeitungsarbeit bemerken wir in unseren Träumen. Für dich ist das Thema Alkohol im Moment sehr präsent, deshalb ist es kein Wunder, dass du einen solchen Traum hattest. Durch den Verzicht auf Alkohol ändert sich auch einiges in der Biochemie deines Gehirns, es könnte gut sein, dass sich dein Belohnungszentrum meldet. Auch das muss dich nicht beunruhigen. Wenn ich so einen Traum gehabt habe und wach werde, dann bin ich natürlich im ersten Moment erschrocken, im zweiten Moment aber erleichtert, denn der Schock bestärkt mich darin, weiterzumachen, weil ich erleichtert bin, nicht mehr zu trinken.
Auch ich selbst, w, 48 Jahre alt, blicke auf viele Jahre in Therapie zurück. Du musst hier nicht ins Detail gehen, wenn du das nicht willst. Wenn du mit 19 Jahren mit Therapie angefangen hast und seit 20 Jahren dabei bist, müssen sehr tiefe Verletzungen in dir vorhanden sein. Das Trinken, das anfangs so verführerisch daher kommt, wird dir bei der Aufarbeitung oder Bewältigung deiner Probleme keine Hilfe sein. Das hast du zu deinem Glück richtig erkannt. Weißt du eigentlich, das nasse Alkoholiker anders ticken? Dass sie eine andere Wahrheit empfinden und leben als „normale“ Menschen? Mir war das früher nicht ganz so klar, aber seit ich mich intensiv mit diesem Thema und auch meiner eigenen Vergangenheit beschäftige, sehe ich es ziemlich deutlich.
Ich bin erst 37 Tage lang abstinent, bemerke aber zunehmend eine Veränderung und zwar körperlich als auch psychisch. Das bestätigt für mich das, was ich darüber gelesen habe. Je länger du abstinent bist, desto klarer wirst du im Kopf werden. Und das ist eine nicht unwesentliche Voraussetzung dafür, erfolgreich an seinen Problemen arbeiten zu können. Ich habe mir eine App zugelegt, die meine abstinenten Tage zählt und auch ein paar hilfreiche Infos enthält.
Warum auch immer du mit den verschiedenen Therapeuten nicht weitergekommen bist, vielleicht klärt sich in Zukunft einiges für dich.
Ich schrieb ja, dass ich selbst auf jahrelange Therapie-Erfahrung zurückblicke. Ich bin da ziemlich weit gekommen, aber irgendetwas war da bislang, weshalb ich nicht weiter kam. Erst durch die Auseinandersetzung mit dem Thema „Alkohol“ und, für mich von großer Bedeutung, mit dem Thema „Erwachsene Kinder von Alkoholikern“ wurde mir sehr vieles klar und ich sehe für mich inzwischen die Chance, weiter vorankommen zu können.
„Ich denke das greift auch so ein wenig ineinander, ich kann in der Therapie nicht wirklich etwas aufarbeiten solange ich trinke und ich kann auch nicht langfristig trocken sein wenn ich mich nicht an die Aufarbeitung mache. Oder was denkst du?“
- Ich denke, das siehst du ganz richtig.
Empfehlen kann ich dir übrigens folgende Bücher, die ich selbst als sehr hilfreich empfunden habe:
Simon Borowiak, „Alk“
Daniel Schreiber, „Nüchtern“
Catherine Gray, „Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein
Frei und glücklich - ein Leben ohne Alkohol“
Du findest sie in der Literaturliste:
https://alkoholforum.de//index.php?topic=1715.0
Wenn du irgendwelche Fragen hast, nur heraus damit. Es findet sich immer wieder jemand hier, der dir darauf antworten kann und wird.
Viele Grüße
AmSee