Lieber Hans, liebe Camina,
habt lieben Dank für eure Worte. ![]()
Herzliche Grüße
AmSee
Lieber Hans, liebe Camina,
habt lieben Dank für eure Worte. ![]()
Herzliche Grüße
AmSee
Hallo in die Runde!
Ich hab mich wieder angemeldet, um Euch ein positives Lebenszeichen von mir zukommen zu lassen.
In all dem Jammer, der hier naturgemäß immer wieder aufschlägt, mal etwas, das Hoffnung macht, dass es sich lohnt.
Ich bin heute ein halbes Jahr alkoholfrei und es geht mir sehr gut (!) damit. 44.
Körperlich und psychisch hat sich bei mir durch die Abstinenz spürbar etwas verbessert.
Darüber bin ich verständlicherweise überaus glücklich und auch überaus dankbar.
Ich hätte niemals erwartet, dass sich mein Alkoholkonsum derart schädlich auf Körper und Psyche auswirken könnte, bzw. dass vollständige Abstinenz zu einer derartigen Erholung führen könnte.
Natürlich sind meine Erkrankungen nicht verschwunden, aber es sind Verbesserungen eingetreten, die ich nicht mehr erwartet hätte. Ich kann zu Fuß wieder weitere Strecken bewältigen, statt unter 2 Kilometer inzwischen schon über 6 Kilometer. Meine körperliche Fitness hat sich verbessert, wie ich nicht nur während der Krankengymnastik-Sitzungen bemerken kann. Geistig bin ich konstant klarer, wacher.
Ein Bedürfnis nach Alkohol habe ich bislang nicht mehr verspürt, ich lasse aber auch gar nicht erst zu, dass eine Sehnsucht nach Alkohol aufkommt oder aber der Gedanke, ich müsste auf etwas verzichten.
Vor einem guten halben Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, dass so etwas bei mir möglich ist.
Auch in Bezug auf die Bewältigung des Themas „Erwachsenes Kind alkoholkranker Eltern“ bin ich ein gutes Stück vorangekommen.
Herzliche Grüße
AmSee
Hallo Hoffnung2021,
du findest ganz unten u.a. den Button „Antworten“. Nimm den und sprich uns einfach mit Namen an. Den hast du eben ja auch genommen.
Das mit dem Zitieren kriegst du auch noch irgendwann raus.
Wenn du Zitieren klickst, dann erscheint zunächst der gesamte Beitrag des oder derjenigen im Zitat. Du kannst dir dann mal die Befehle genauer ansehen und dort auch herauslöschen, was du nicht zitieren möchtest.
Zitieren hat unter anderem am Anfang den Befehl quote in eckigen Klammern und am Ende den Befehl /quote in eckigen Klammern.
Viele Grüße
AmSee
Nachtrag:
Ob deine Ängste, die Antriebslosigkeit, die Niedergeschlagenheit und die Schlafstörungen Symptome einer Depression oder „nur“ des Entzugs sind, kann ich dir, obwohl ich mich mit beidem ein wenig auskenne, nicht sagen, vor allem nicht aus der Distanz.
Diese Symptome treten durchaus bei einer Depression auf, sie können meiner Kenntnis nach aber durchaus auch als Entzugserscheinungen beim Alkoholentzug auftreten. Letzteres liegt wie gesagt an einer Veränderung der Biochemie deines Gehirns und pendelt sich nach einer Weile wieder ein.
Bei Depressionen verhält es sich anders. Dort liegt zwar auch eine Veränderung der Biochemie des Gehirns vor, aber da verhält es sich etwas anders. Zu deiner Beruhigung, falls du wegen möglicher Depressionen verunsichert bist: Depressionen sind eine Erkrankung, die sich heutzutage gut behandeln lässt.
Ich bezweifle aber, dass dein alkoholischer Exzess eine Depressionserkrankung ausgelöst hat. Entweder war da schon vorher eine da und du hast es nicht erkannt, sondern mit Alkohol behandelt oder es war keine da.
LG AmSee
Hallo Hoffnung2021,
willkommen in diesem Forum, schön, dass du zu uns gefunden hast. :welcome:
Kurz zu mir: Ich bin 48 Jahre alt, w, und seit bald vier Monaten abstinent, ich kenne solche Entzugserscheinungen, wie du sie beschreibst und vermutlich auch tatsächlich hast, nicht aus eigener Erfahrung, habe aber als Kind und Jugendliche die Alkoholkrankheit in extremer Ausprägung bei meinem Vater erlebt. Ich habe mich viel mit dem Thema Alkoholismus beschäftigt. Vor 11 Jahren wurden bei mir Depressionen diagnostiziert.
Deine Ängste kann ich durchaus nachvollziehen. Wenn ich das richtig verstehe, hast du ab dem 4. Februar einen kalten Entzug durchgezogen. War oder ist dir bekannt, dass das lebensgefährlich sein kann? Was du beschreibst, deutet auf starke Entzugserscheinungen hin, andere hier werden dir möglicherweise noch mehr dazu sagen können. Ich meine, ich habe hier im Forum auch schon Informationen zum kalten Entzug gesehen.
Was ich mich frage, ist, warum du nicht einen Arzt aufsuchst, dich durchchecken lässt und abklärst, was los ist. Nur ein Arzt wird sicher feststellen können, wie es um dich steht.
Ob du Depressionen hast oder das jetzt nur eine Folge des Entzuges ist, wird ebenfalls nur ein Arzt wirklich feststellen können. Ich kann dir allerdings sagen, dass biochemisch Einiges in deinem Gehirn abgeht, seit du ihm keinen Alkohol mehr zuführst. Das hat mit verschiedenen Botenstoffen, u.a. Dopamin, und ihren Rezeptoren zu tun. Die gute Nachricht ist, es normalisiert sich wieder. Die schlechte Nachricht ist, es wird dir niemand genau sagen können, wie lange das dauert.
Ich rate dir dringend, einen Arzt aufzusuchen und dich durchchecken zu lassen. Aus meiner Sicht könnte dich das enorm entlasten.
Wenn was schief gegangen sein sollte, wird sich eine Lösung finden.
Gibt es einen Grund, warum du bislang nicht zum Arzt gegangen bist?
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen.
Wenn du weitere Fragen hast, immer heraus damit.
Alles Gute
AmSee
Hallo Cora!
Er trinkt aber weiter, belügt mich, ist aggressiv. Heute kam er sogar vorbei und hatte die leere Flasche im Fussraum, als ich einsteigen wollte. Er meinte, es sei ein Fehler gewesen, sie NICHT RECHTZEITIG VERSTECKT zu haben. Ich bin garnicht erst eingestiegen und habe ihm gesagt, er solle verschwinden. Ich fühle mich getäuscht, weil er erst überall bekennt, er sei Alkoholiker und Besserung verspricht aber dann nichts dafür tut. Sehe ich das falsch? Ich glaube ihm nicht und sehe nur Lippenbekenntnisse...
Du liegst mit deinem Gefühl leider ziemlich richtig. Wenn du dich hier mal durch die Geschichten einiger Angehöriger liest und auch durch die Geschichten von Alkoholikern, findest du immer wieder, dass gelogen und betrogen wird, was das Zeug hält.
Alkoholismus ist eine ziemlich perfide und komplizierte Krankheit. Obwohl es doch vernünftig und gesund wäre, mit dem Trinken aufzuhören, trinken Alkoholiker weiter. Sie verlieren u.U. alles, Führerschein, Beruf, Beziehung und Gesundheit und ihr Leben und hören doch nicht auf. Sie lügen selbst dann noch, wenn man ihnen ihre Lügen nachweist. Es gibt einige, die den Absprung schaffen, aber ein sehr, sehr großer Teil schafft das nicht.
Für Angehörige ist diese Krankheit ebenfalls fürchterlich. Das, was du erlebst und erlebt hast, ist ja nun nicht gerade ohne. Nicht wenige Angehörige geraten in eine Co-Abhängigkeit.
Du wolltest Rat von uns. Was möchtest du von uns wissen?
Natürlich darfst du Fragen stellen. Je konkreter diese sind, desto eher können wir dir darauf antworten.
Übrigens, ich selbst kenne diese Erkrankung aus der Perspektive einer Angehörigen und ich habe selbst erst vor bald vier Monaten erkannt, dass ich ein Alkoholproblem habe und bin seither abstinent.
Viele Grüße
AmSee
Hallo MrEmp,
willkommen in diesem Forum.
Ich fühle mich angesprochen, dir zu antworten. Ob ich dir weiterhelfen kann, weiß ich nicht, aber vielleicht kann ich dir ein paar hilfreiche Denkanstöße geben.
Ich selbst kenne die Alkoholkrankkeit aus der Perspektive einer Angehörigen und leider auch aus der Perspektive einer selbst daran Erkrankten.
Wenn ich mir die ganzen Tipps durchlese, wie man mit der Situation umgehen soll, denke ich mir immer "das klingt in der Theorie ganz richtig und einleuchtend, aber setz das mal um!"... jemanden ggf. zu zerstören, den man eigentlich lieb hat entspricht nicht meinem Charakter.
Alkoholismus ist aus meiner Perspektive eine ziemlich perfide und komplizierte Erkrankung, sowohl für den daran Erkrankten bzw. die Erkrankte wie auch seine/ ihre Angehörigen.
Wer daran erkrankt ist, erkennt es oft lange nicht, belügt sich selbst und andere, und lässt sich überhaupt nicht gerne dreinreden. Und selbst, wenn man es weiß, dass man daran erkrankt ist, tut man Dinge, die einem selbst und anderen schaden, man leidet selbst sehr oft unter seiner Situation, hört aber nicht einfach mit dem Trinken auf, obwohl das doch das Vernünftigste wäre, was man tun könnte.
Deine Freundin gibt ein ziemlich gutes Beispiel dafür ab.
Angehörige aber leiden ebenfalls sehr unter dieser Krankheit und es kommt durchaus nicht selten vor, dass der eine oder andere schließlich psychisch erkrankt. Man hängt u.a. auch fest, weil man glaubt, dass der Erkrankte bzw. die Erkrankte unter- oder draufgeht, wenn man für sich selbst sorgt und ihm/ ihr sozusagen die Pistole auf die Brust setzt und/ oder die Koffer packt und geht.
Und damit komme ich zu dir.
Du sprichst an, dass es schwer ist, die Tipps umzusetzen. Ich stimme dir zu, dass das nicht leicht ist, doch spitzen wir das Ganze mal zu:
Wenn es um die Frage geht, ob der Angehörige sich für den Alkoholkranken aufopfert - und dabei ist völlig ungewiss, ob das dem Alkoholkranken überhaupt hilft -, oder aber (zunächst mal) für sich selbst sorgt, um selbst gesund zu bleiben, wie sollte die Entscheidung dann vernünftigerweise ausfallen?
Betrachte mal, was die Krankheit deiner Freundin bislang schon mit dir gemacht hat. (Was dein Freund letztens zu dir gesagt hat, ist nicht ganz ohne.)
Ich habe das letztens schon jemandem geschrieben. Niemand kann allgemeingültig sagen, was einem Alkoholiker letztlich hilft, zur Besinnung zu kommen. Aus der Distanz ist es sowieso nicht möglich zu sagen, was deiner Freundin wirklich helfen könnte.
Zu bedenken geben möchte ich dir aber, dass sie immer wieder eine Wahl trifft.
Und sie nimmt bei ihrer Wahl herzlich wenig Rücksicht auf dich.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie etwas ändert, wenn du dir das weiter gefallen lässt?
Wie lange kannst, möchtest, darfst du dir diese Situation noch zumuten? Wie viel Energie hast du noch? Wie lange reicht die noch? Und was ist, wenn du selbst keine Energie mehr hast? (Welche Botschaften signalisiert dir dein Inneres zu diesen Fragen?)
Deine Freundin kann sich letztlich nur selbst helfen, wenn sie denn endlich einsieht, dass sie etwas ändern muss.
Ich rate dir, zu einer Suchtberatungsstelle zu gehen. Du steckst - verständlicherweise - gefühlsmäßig fest. Bei dem Gedanken, dass deine Partnerin zerstört wird, wenn du für sich selbst sorgst, kann dir ein professioneller Berater möglicherweise weiterhelfen.
Viele Grüße
AmSee
Hallo Nobody,
ich kann dir nur nochmals raten, dich gründlich über die Alkoholkrankkeit zu informieren. Hier im Forum findest du eine Fülle an Informationen, die Berichte anderer Alkoholiker sowie der Angehörigen von Alkoholikern sind sehr aufschlussreich. Auch die in der Literaturliste genannte Literatur kann ich dir empfehlen.
Dieses Wissen ist wichtig, um die Erkrankung deines Freundes besser einschätzen zu können. Dieses Einarbeiten in die Thematik kann dir auch helfen, innerlich mehr Klarheit zu gewinnen. Auch der Besuch einer Suchtberatungsstelle könnte dazu hilfreich sein.
In einer zweiten Schiene solltest du dir klar und bewusst machen,
A) was du willst,
B) was du nicht willst.
Damit kannst du dir überlegen und ggf. auch vorformulieren, was du ihm sagen kannst, wenn er sich denn das nächste Mal meldet. Es ist wichtig, dass du dir darüber klar wirst, was DU willst und zu welcher Entscheidung du wirklich stehen kannst.
Du änderst für dich somit deine Situation von einem passiven Warten, dass er sich endlich meldet,
in ein aktives Vorbereiten auf ein sachliches Gespräch.
Viele Grüße
AmSee
Hallo Nobody,
so schlimm das jetzt für dich ist, ich hoffe für dich und deine Kinder, dass es dir hilft, dich von ihm abzugrenzen.
Natürlich ist es sehr, sehr traurig, so etwas zu erleben, aber leider ist es nicht möglich, jemand anderen zu retten, vor allem nicht jemand, der nicht mitspielt.
Das sagt dir jemand, der es mehr als einmal versucht hat und weiß, wovon er spricht.
Es ist deutlich zu erkennen, wie du darum ringst, Verantwortung für ihn zu übernehmen, aber sieh dir an, was es mit DIR macht. Wie fühlst du dich jetzt? Und dann stell dir mal vor, das geht jetzt noch Jahre so weiter. Denk daran, was es mit deinen Kindern macht oder machen wird.
Nach dem, was du über deinen Freund und die Situation geschildert hast, spricht kaum etwas dafür, dass sich etwas ändert, selbst wenn dein Freund zu dir ziehen sollte. Dein Freund hat massive Probleme, an denen letztlich nur er selbst etwas ändern kann. So jemand ist nicht ernsthaft dauerhaft in der Lage Verantwortung zu übernehmen, besonders nicht für deine Kinder. Das geht sehr, sehr wahrscheinlich über kurz oder lang mächtig schief.
Es gibt unter Alkoholikern den Rat, wenn einer fallen will, dann leg im kein Kissen unter. Niemand kann allgemein gültig sagen, was einem Alkoholiker letztlich hilft, zur Besinnung zu kommen. Mancher wie zum Beispiel mein Vater schafft es nie und glaub mir, der hatte nicht wenige und wiederholt Hilfsangebote. Was in der Regel nicht hilft, ist, den Alkoholiker bei seinem Tun und seinen Lügen zu decken und es ihm leicht zu machen.
Natürlich steckt bei dir Liebe drin, aber grenz dich um deinet- und deiner Kinder Willen von ihm ab!
Mach dir klar, dass von ihm, der eigentlich alt genug und erfahren genug dafür sein sollte, nichts aber auch gar nichts getan wird, Hoffnung auf Besserung aufkommen zu lassen.
Wenn er ernsthaft zur Besinnung kommt, kannst du ihm eine Chance geben, aber nicht zum derzeitigen Zeitpunkt.
Herzliche Grüße
AmSee
Gestern Abend in der ARD-Mediathek gesehen, dort läuft er aber heute leider nicht mehr:
„Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ (2017)
Trailer bei YouTube:
Der Film hat irgendwie auch mit unseren Themen zu tun. Wer Filme mit Charly Hübner, Detlev Buck und Bjarne Mädel mag, dem könnte dieser Film auch so gefallen wie mir.
Mich sprach die Entwicklung, die Karl/ Charlie im Laufe des Films macht, an und die Gegenüberstellung Karl/ Charlie und die anderen fand ich (für mich) interessant und aufschlussreich.
Hallo Dialex,
vielen Dank, dass du geantwortet und so viel von dir preisgegeben hast. Ich jedenfalls habe nun eine recht gute Vorstellung von meinem Gegenüber, die mir hilft, dich besser einzuschätzen und ggf. auf dich und deine Gedanken einzugehen.
Ich fühle mich angesprochen, dir zu antworten, vielleicht können wir einander ja helfen.
Bei der kurzen Beschreibung deiner Beziehung zu deiner Frau, fühlte ich mich an meine eigene erinnert. Ich habe einen sehr guten Partner und es ergeht uns ähnlich. Wir hängen sehr aneinander, stützen einander und gestritten haben wir auch schon heftig und viel. Kurz, wir wissen, was wir aneinander haben und nehmen das als ein wunderbares, nicht selbstverständliches Geschenk wahr. Ich habe eine Heidenangst vor dem, was uns leider irgendwann blühen wird, nämlich, wenn einer von uns gehen muss.
Ich kann mir aufgrund meiner eigenen Beziehung und auch anderer Erfahrungen ungefähr vorstellen, in welches Loch du nach dem Tod deiner Frau gefallen bist. Auf die Details deiner Beziehung und letzten Jahre deiner Frau will ich jetzt gar nicht näher eingehen. An der Seite von jemandem mit Depressionen zu bleiben, verdient meinen Respekt, ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht ganz ohne ist, und diese Zeit der Erkrankungen zuletzt... - dazu muss ich gar nicht viel sagen, das war gewiss alles andere als leicht für euch beide. Was deine Alkoholkrankkeit betrifft, zeugt es jedenfalls von großer Stärke und Bewusstheit (bessere, treffendere Ausdrücke fallen mir gerade nicht ein), dass du während der 20 Jahre abstinent geblieben bist, und es beeindruckt mich, dass du es nach deinem letzten schlimmen Rückfall wieder geschafft hast, abstinent zu werden.
Mich interessiert - und für dich ist es möglicherweise hilfreich, dich darauf zu besinnen - wie du es geschafft hast, nach dem Rückfall nach dem Tod deiner Frau wieder auf die Beine zu kommen. Was hat dich bewogen? Welche Gedanken gingen dir dabei durch den Kopf?
Natürlich interessiert mich auch, warum und wie du während der Ehe mit deiner Frau abstinent geblieben bist. An der Seite von jemandem mit Depressionen ist es nicht immer schlimm, es gibt auch schöne Zeiten, aber es verlangt einem doch sehr viel ab, oft muss man seine eigenen Bedürfnisse zurückstellen, was ziemlich frustrierend sein kann. Und es bleibt einem nichts anderes übrig, als zurückzustecken, weil es gerade nicht hilft, dem Depressionskranken Druck oder Vorwürfe zu machen.
Mich interessiert, ob du durch deine Frau (sie war in Therapie?) Ansätze für sich selbst zu sorgen, Achtsamkeitsübungen etc. kennengelernt hast und praktiziert hast, die dir jetzt möglicherweise weiterhelfen könnten. - Mein Mann und ich reden viel miteinander und was ich für mich an Hilfreichem gelernt habe, gebe ich an ihn weiter. Nicht alles passt, er ist ein ganz anderer Typ als ich, aber sein Bewusstsein für sich selbst hat sich bereits verändert und er lernt zunehmend, auch für sich selbst zu sorgen.
Du schreibst, dass du seit dem Login trocken bist. Was hat dich bewogen, nicht mehr zu trinken? Welche Gedanken hast du dir gemacht?
Und schließlich: Du sprichst von einem Verstorbenen. Davon hast du zuvor nicht gesprochen. Oder ist das ein Tippfehler und du meintest deine Frau? Hast du vor Kurzem wieder jemanden beerdigen müssen und das hat bei dir den Drang ausgelöst, den inneren Druck durch Alkohol zu lösen?
Jede Menge Fragen, jede Menge Fäden, an die wir, wenn du magst, anknüpfen können oder die du selbst nur für dich beantwortest.
Ich bin jedenfalls gespannt auf deine nächste Antwort und ob du den Dialog mit mir und anderen Teilnehmern aufnehmen möchtest.
Viele Grüße
AmSee
Hallo Dialex,
du batest um klärende Gespräche.
Ich habe wirklich überlegt, ob ich dir noch schreiben soll, aber ich tu’s einfach mal. Wer weiß, wozu‘s gut ist?
Hast du dich schon mal näher mit einem solchen Forum wie diesem beschäftigt? Weißt du, wer da so aufschlägt und mit welchen Problemen?
Du hast dich von mir offensichtlich provoziert gefühlt. Etwas provokant war meine Antwort gewiss formuliert, aber das, was ich schrieb, war auf der Sachebene geschrieben, nicht auf der Beziehungsebene. Interessant und vielleicht sogar aufschlussreich ist, wie du meine Antwort verstanden hast.
Übrigens, woher hätte ich wissen sollen, was dein wirkliches Anliegen ist? In deiner Erstvorstellung habe ich davon nichts gefunden.
Damit du mich und meine Antwort etwas näher einschätzen kannst:
Ich bin w, 48 Jahre alt und habe die Alkoholkrankkeit etwa ab dem Alter von 5 Jahren recht intensiv bei meinem Vater, der immer und immer wieder rückfällig wurde (Krankhausaufenthalte, mehrere LZT) und schließlich, als ich 15 Jahre alt war, bei einem selbstverschuldeten Autounfall unter Alkohol- und Tabletteneinfluss im Alter von 43 Jahren starb. Das Leben in einer dysfunktionalen Familie hat mich nachhaltig geprägt. Ich habe zwar Abitur gemacht, studiert und erfolgreich einen guten Beruf ausgeübt, aber meine Vergangenheit hat mich schließlich eingeholt. Vor über zehn Jahren wurden bei mir mittelschwere Depressionen diagnostiziert. Die glaubte ich nach fünf Jahren ambulanter Therapie erfolgreich überwunden, aber ein halbes Jahr später brach alles über mir zusammen und ich musste stationär aufgenommen werden auf einer Station für Menschen mit Burnout und Depressionen. Dort blieb ich drei Monate, nach drei weiteren Monaten konnte ich meinen Beruf wiederaufnehmen. Zwei Jahre ging‘s mir gut, dachte ich, dann wurde im Sommer ´18 MS diagnostiziert und ein weiterer Schub führte zu monatelangen Schmerzen im ganzen Körper und zum erneuten massiven Ausbruch der Depression.
Zum Alkoholkonsum bin ich selbst im Jugendalter im Kontakt mit gleichaltrigen Jugendlichen gekommen. Bis vor einer Weile hielt ich meinen Konsum für normal. Bei Ausbruch meiner Depressionen und in der Zeit des Klinikaufenthalts und in den Monaten danach habe ich keinen Alkohol getrunken, es gab immer mal wieder Phasen der völligen Abstinenz. Doch irgendwie kam ich zum Alkohol zurück und schließlich begann mir mein Konsum allmählich zu entgleiten. Wie ich damit gerungen habe, weiterhin Alkohol trinken zu dürfen, kannst du meinem eigenen Faden entnehmen.
Durch die Auseinandersetzung mit den Antworten anderer hier, durch die Berichte anderer, Alkoholiker wie auch Angehöriger, begriff ich, was ich schon befürchtet hatte, aber nicht wahrhaben wollte: Ich bin psychisch vom Alkohol abhängig und muss daraus die Konsequenzen ziehen.
Ich finde es faszinierend, wie sich aus der Rückschau dann plötzlich eins zum anderen fügt und wie anders ich die Welt wahrnehme, seit ich für mich selbst begriffen habe, ein Alkoholproblem zu haben.
Du hattest den Eindruck, ich zitiere aus Fachliteratur und unterstelltest mir „über-therapiert“ zu sein. Natürlich habe ich darüber nachgedacht, genauso wie ich vorher darüber nachgedacht habe, was ich antworte. Bin ich „über-therapiert“? - Keine Ahnung. Was bedeutet das überhaupt? Ich habe in meinem Leben sehr viel gesehen, schlimme Dinge, traurige Dinge, aber auch gute und schöne Dinge, habe viele verschiedene Bereiche menschlichen Lebens selbst durchlebt, viel auch durch andere gelernt und ja, ich bin seit über zehn Jahren wegen mittelschwerer bis schwerer Depression in psychotherapeutischer Behandlung. Ich werde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nie wieder in meinem Beruf oder irgendeinem anderen arbeiten können, ich werde wahrscheinlich niemals einer regelmäßigen ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen können, weil ich nie weiß, wie es mir am nächsten Tag geht, weil ich nur so für mein kleines Leben schauen kann, wie ich über die Runden komme. Ich habe ab und zu ganz miese Tage und Panikattacken. Doch ich jammere nicht, ich suche nach Lösungen und ich habe den Eindruck, dass die Therapie mich Stück für Stück weitergebracht hat. Ich lerne beständig hinzu. Bin ich jetzt „über-therapiert“? - Keine Ahnung? Zitiere ich aus Fachliteratur? - In meiner Antwort an dich jedenfalls nicht.
Ich bringe mich seit drei Monaten regelmäßig mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen in dieses Forum ein. Vielleicht kann ja der eine oder andere etwas damit anfangen. Wenn ja, gut, wenn nicht, auch gut.
Du und ich können uns über deine Ängste, über Rückfallgefährdung und Rückfälle austauschen, Erfahrungen habe ich wahrscheinlich genug. Für mich kommt es gewiss nicht mehr infrage, kontrolliert Alkohol zu trinken, dafür kenne ich mich gut genug. Möglich mag es gewiss sein, aber bislang habe ich hier im Forum von niemandem gelesen, dem es wirklich gelungen wäre, und auch sonst von niemandem gehört.
Hilft dir das weiter?
Vielleicht bin ICH ja auch die falsche Adresse für dich.
Viele Grüße
AmSee
Oh ja, Orangina, du sagst es! So habe ich das auch empfunden bzw. wahrgenommen.
LG
Hallo Orangina,
als ich mich angemeldet habe, war mir eigentlich schon klar, dass ich ein Problem habe, aber ich verhandelte noch sozusagen.
Das Thema war mir ja eigentlich nicht neu und ich hatte eine riesengroße Angst, ich könnte diese Krankheit, die ich bei meinem Vater erlebt habe und unter der nicht nur ich furchtbar gelitten habe, auch haben. Mehr als einmal habe ich einen dieser Selbsttests im Internet gemacht. Ich dachte und hoffte immer wieder, ich wäre ja noch safe, weil ich ja nicht so wie mein Vater trank, nicht so abstürzte.
Mit meinem Therapeuten war dieses Thema öfter mal auf dem Tisch und wir sprachen ganz offen darüber. Doch ich glaubte, ich sei nicht alkoholkrank und dürfe weitertrinken.
Nun, vom Prinzip dürfte ich das ja auch, ich könnte es auch, körperlich bin ich gewiss nicht abhängig vom Alkohol, aber durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema gerade hier im Forum, das, was man mir geantwortet hat, das was ich bei vielen anderen gelesen habe, meine Erfahrungen mit meinem Vater, meine Erfahrungen mit mir selbst usw. wurde mir so richtig klar, begriff ich, dass ICH nicht mit Alkohol umgehen kann, dass kontrolliertes Trinken mich so sehr, sehr viel Kraft kosten würde und dass kontrolliertes Trinken den Preis, den ich dafür zahlen muss, einfach nicht wert ist. Ich begriff, dass ich psychisch abhängig bin und sich daran nichts mehr ändern wird.
Gewiss denke ich ab und zu, wie schön es war, ein gutes Glas Wein zu trinken. Das war wirklich ein absoluter Genuss für mich. Ich habe mich früher oft mit einem guten Freund in einem Lokal getroffen und wir haben an so einem Abend mit guten Gesprächen zwei Flaschen Wein geleert und noch Absacker dazu usw. Und es gab noch eine Reihe anderer schöner Gelegenheiten, auch mit meinem Mann oder, wenn ich alleine war. Ein Bild malen, dazu einen Barolo und sich wie einer dieser großen Maler fühlen, irre... Lach! ![]()
Doch ich schaue nicht sehnsuchtsvoll zurück. Es war ok so, es war schön und JETZT ist es eben vorbei. Alles hat seine Zeit. Die Wahrheit, die hinter diesem Spruch aus Prediger 3 steht, habe ich in meinem Leben wieder und wieder wahrgenommen bzw. sie hat sich mir bestätigt.
Durch die Geschichten anderer hier wurde mir klar, worauf ich zusteuere, wenn ich so weitermache wie bisher. Ich kenne mich selbst inzwischen so gut, ich bin ein sehr viel über sich und andere nachdenkender Mensch, habe, obwohl ich erst 48 Jahre alt bin, schon so viel gesehen, so viel Lebenserfahrung gesammelt, habe vom Prinzip in alle möglichen Bereiche menschlichen Lebens (von fürchterlicher Armut, vom Jugendheim mit Jugendlichen, die ihren Eltern weggenommen wurden, vom Junkie über den normalen Handwerksbetrieb, über den Mittelstand, Ärzteschaft bis hin zu einem gewissen Wohlstand, Leben und Arbeiten im Altersheim hineinschnuppern dürfen - das soll gewiss nicht überheblich klingen, ich habe vor allen Bereichen großen Respekt, und je mehr ich dazulerne, desto mehr weiß ich, dass ich nichts weiß - also, ich habe so viel Lebenserfahrung, dass mir mit einem Mal glasklar wurde und ich begriff, dass es für mich keine Alternative mehr gibt als die vollständige Abstinenz.
Suchtdruck habe ich nicht. Wenn überhaupt, dann fehlt mir ab und zu eher eine Zigarette, obwohl die bei weitem nicht so gut schmeckt wie Wein und co. ![]()
Ich lasse aber auch nicht zu, dass bei mir so etwas wie eine Sehnsucht aufkommt, sondern halte frühzeitig dagegen. Ich kenne mich ja und all die Gelegenheiten, zu denen ich getrunken habe. Ehrlich gesagt bin ich heilfroh, dass ich Alkohol in der Regel nicht bei Kummer oder innerem Druck konsumiert habe, mir ist sowas von klar, dass mein Suchtgedächtnis mir sonst häufiger auf die Pelle rücken würde.
Kurz und gut, es war schön eine Weile und jetzt ist eben Schluss damit. Wer krank geworden ist, z.B. in den Rollstuhl gekommen ist, was mir u.U. bei meiner MS noch blühen könnte, der kann auch gewisse Dinge nicht mehr. Für mich gilt: Herumjammern nützt mir nix, das einzige, was mir hilft, ist, nach vorne zu sehen und nach einer Lösung zu suchen, trotzdem ein zufriedenes Leben zu führen.
So, die Antwort ist etwas länger ausgefallen und klingt vielleicht auch etwas pathetisch. Das sind meine Erfahrungen und Empfindungen, vielleicht kannst du etwas damit anfangen, vielleicht auch nicht.
Ich schicke das jetzt mal so ab.
Liebe Grüße
AmSee
Habe jetzt nicht damit gerechnet auf "über therapierte" zu Stoßen. Sollte ich mich irren und/oder überzogen reagiert haben, bitte ich um Entschuldigung und klärende Gespräche.
Ja, hast dich geirrt.
Die Krankheit selbst kenne ich, seit ich denken kann. Ich hab ihre ganzen Schattenseiten erlebt und fürchterlich darunter gelitten. Und ich habe mich selbst viele Jahre belogen. Was hier im Forum von vielen berichtet wird, Alkoholiker und Angehörigen, habe ich von beiden Seiten gut kennengelernt
Ich habe dich gefragt, was du von uns hören willst. Aufgrund deiner Vorstellung musstest du mit so einer Antwort wie meiner rechnen, erfahren genug solltest du dafür sein.
Und das sage ich, wie vorhin auch, rein sachlich.
Du hättest gleich deutlich machen können, was du möchtest.
Hallo Dialex,
willkommen hier im Forum.
Ich frage mich, was du von uns hören willst.
Du bist schon ziemlich erfahren und kennst eigentlich das ganze Desaster. Nun trinkst du seit Silvester doch wieder und hast die gefährlich schöne Wirkung von geringen Mengen Alkohol vor dem Schlafengehen und am Feierabend kennengelernt. Was willst du von uns hören?
Sollen wir dir Absolution erteilen? - Die wirst du hier gewiss nicht kriegen, du kennst die Krankheit doch, oder nicht?
Sollen wir dich schelten? - Würde dich das vom Trinken abhalten? Sehr wahrscheinlich nicht.
So viele haben die Erfahrung gemacht, dass kontrollierter Konsum nicht funktioniert, und du probierst es jetzt trotzdem aus.....
Du weißt selbst, wie gefährlich das ist, was du tust.....
Viele Grüße
AmSee
Hallo Orangina,
mir ist, als hättest du von mir geschrieben..... ![]()
Ja, in der Tat, krass und krass auch, wie anders man, also wir hier, darüber denkt, wenn man wirklich begriffen hat, dass man alkoholkrank ist.
Wenn man mir das vor ein paar Monaten prophezeit hätte, ich hätt‘s nicht geglaubt....
Danke dir. Ich bin Gott dankbar für diesen Mann.
Hallo Nobody,
mir ist noch etwas eingefallen:
Erstens, es ist ganz wichtig für dich, dass du dich über die Alkoholkrankkeit informierst, denn so wirst du wesentlich besser einschätzen können, woran du mit ihm bist.
Was ich dir vorhin geschrieben habe, meine ich sehr ernst, aber es erreicht dich womöglich nicht, weil da deine Gefühle im Raum stehen, weil du ihm helfen möchtest.
Es mag sein, dass er sich einsam fühlt, aber da wären so viele Fragen zu klären:
Wie viel trinkt er wirklich, d.h. ist ein kalter Entzug (kann lebensgefährlich werden!), wenn er überhaupt mit dem Trinken aufhören will, möglich oder muss er in eine Entzugsklinik?
Der Bruder hat schon einige Erfahrungen mit ihm, das spricht leider Bände. Wie viele Entzüge hat dein Freund schon gemacht? Wie viele Therapien?
Es ist mit Sicherheit nicht so einfach, wie du dir das vorstellst. Sprich, dass er einfach zu Dir zieht, nicht mehr trinkt und sich eine neue Arbeit sucht.
Bislang ist er mit dir überhaupt nicht ehrlich gewesen, denn du hast nur daran, dass er „komisch“ wurde, erkannt, dass etwas nicht stimmt.
Es steht völlig im Raum, ob er sich zur Zeit überhaupt Arbeit suchen kann, denn er trinkt regelmäßig und schießt sich offenbar auch öfter ab.
Er reagiert nicht auf deine Nachrichten, geht nicht ans Telefon. Er lässt dich überhaupt nicht rein in sein Leben.
Es kann durchaus sein, dass er komplett abstürzt, aber sehr, sehr wahrscheinlich wirst du das nicht verhindern können, auch nicht, wenn er bei dir wohnen sollte.
Es ist leider so, dass nur der Alkoholiker selbst etwas tun kann. Du kannst ihn nicht zu etwas zwingen, was er selbst nicht will. Er muss es selbst wollen.
„Was kann ich tun um ihn daraus zu holen?“
Nur mit ihm reden, wenn er nüchtern ist.
Ihn dann dazu bewegen, sich Hilfe zu holen.
Deine Fragen werden, denke ich, größtenteils unter „Wie kann ich dem ‚nassen‘ Alkoholkranken helfen?“ beantwortet.
Gerne darfst du hier natürlich weitere Fragen stellen und dir emotionale Unterstützung holen.
Viele Grüße
AmSee
Nachtrag:
Wie wenig er sich um dich und deine Bedürfnisse schert, zeigt sich deutlich in deiner Schilderung.
Gewiss, das ist Zeichen der Alkoholkrankkeit, aber DU musst dir das nicht gefallen lassen und du solltest es auch nicht. Du wirst fürchterlich leiden, wenn du das weiterhin zulässt. Das sage ich dir aus eigener Erfahrung und nach der Lektüre der Erfahrungen vieler, vieler anderer hier, Angehöriger sowie Alkoholiker.
Er hat den Alkohol gewählt, mehrfach und sogar seinen Job dafür riskiert und verloren. Er hat nicht dich gewählt, auch wenn’s zwischendurch gewiss schön mit ihm war.
Hallo Nobody,
herzlich Willkommen im Forum, gut, dass du zu uns gefunden hast. :welcome:
Vielen Dank für deine ausführliche Vorstellung, so kann ich mir ein recht gutes Bild von deiner Situation machen und dir besser antworten.
Damit du eine Vorstellung hast, wer dir hier antwortet: Ich bin w, 48 Jahre alt, habe die Alkoholkrankkeit bei meinem Vater erlebt, der unter Alkohol- und Tabletteneinfluss starb, als ich 15 Jahre alt war, und ich bin als Erwachsene selbst alkoholkrank geworden und habe erst vor gut drei Monaten begriffen, dass ich nie wieder Alkohol trinken sollte, und lebe seither abstinent.
Was du über deinen Freund schreibst, kommt mir sehr bekannt vor. So ähnlich sensibel und gefühlvoll habe ich meinen Vater erlebt. Alkoholiker sind häufig sehr sensible Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen zum Alkohol gekommen sind.
Gleich vorweg eine schlimme Botschaft für dich: DU kannst ihm nicht helfen! Niemand außer ihm selbst kann ihm helfen!
Alkoholiker sind nicht nur sensible Menschen, sie sind in der Regel auch die größten Lügner. Unter Alkoholeinfluss ist es besonders schlimm, Alkohol verändert das Wesen eines Menschen total. Alkoholiker, die drauf sind, tun alles, um an ihren Stoff zu kommen oder zu verheimlichen, dass oder wie viel sie trinken. Sie glauben sich das sogar selber, was sie reden.
Ich weiß das, weil‘s bei mir selbst beobachtet habe und es auch bei einigen anderen hier gelesen habe.
Alkoholiker ticken irgendwie anders als „normale“ Menschen. Es dauert Monate bis ein bis zwei Jahre in Abstinenz, bis sie wieder so klar im Kopf sind, dass sie sich nicht mehr nur um sich selber drehen, sondern auch das sehen, was sie angerichtet haben, und Verantwortung übernehmen können.
Lies dich bitte mal durch die Informationen im Angehörigen-Teil und informiere dich bitte mal über Co-Abhängigkeit. Du rutschst da gerade hinein. Hilfreich sind auch die Selbstvorstellungen anderer Angehöriger und was ihnen jeweils geantwortet worden ist.
So hart das klingt, aber mit Verständnis wirst du bei deinem Freund kaum weiterkommen. Er wird es nur auszunutzen, sich aber sehr, sehr, sehr wahrscheinlich nicht ändern. Dass das Problem schon sehr lange bekannt ist, zeigt die Reaktion und Antwort des Bruders.
Wenn dein Freund nicht wirklich selbst vom Alkohol loskommen will und es sieht nach deinen Schilderungen alles danach aus, kannst du nichts anderes tun als dich nur um dich zu kümmern.
Tut mir leid für dich, dass ich dir nichts Trostvolles sagen kann.
Sehr empfehlen kann ich dir auch die Bücher in der Literaturliste.
Viele Grüße
AmSee