Beiträge von AmSee13

    Susanne
    Natürlich MUSS man sich niemandem erklären, wenn man was will, aber u.U. macht man es sich leichter, wenn man versucht, seine Handlungen und Motive nachvollziehbar zu machen.
    Hier gilt, wie sonst auch, niemand MUSS, und das, was für mich gilt und bei mir funktioniert, muss nicht unbedingt auch für jemand anderen gelten oder bei jemand anderem funktionieren.

    Es mag sein, dass sich manche andere tot gesoffen haben, während sie sich bemühten, zu verstehen, warum sie saufen. Ich frage mich nur gerade, was ich mit dieser Information anfangen soll.
    An sich liegt es auf der Hand und ist offensichtlich, dass man die Finger vom Alkohol lassen soll, wenn man bemerkt, dass Alkohol trinken einem nicht gut tut und man die Kontrolle verliert, aber, wenn es so einfach wäre, erklärt das nicht, warum es so viele nicht hinkriegen.

    Für mich und deshalb habe ich danach gefragt, ist ein erster Anhaltspunkt, nach Gründen, Anlässen, Gedanken zu fragen, warum man sein Abstinenzvorhaben nicht einhalten kann.
    Wenn sich da erstmal nichts finden lässt, ok, dann ist das eben so. Dann geht man eben einen anderen Weg.
    Es geht hier auch gar nicht darum, sich anderen zu erklären.

    Viele Grüße

    Hallo Randy,
    willkommen im sichtbaren Teil des Forums.

    Nach deiner Selbstvorstellung will ich nicht kommentarlos an deinem Faden vorbei gehen.
    Wenn du hier schon so viel mitgelesen hast, bist du ja schon recht gut informiert. Ich bin gespannt, was du von uns erwartest. Im Moment wüsste ich nicht, was ich dir schreiben sollte, denn, wenn du hier ausführlich mitgelesen hast, weißt du gewiss, was ich dir auf deine Selbstvorstellung antworten könnte, und so belasse ich es erstmal nur bei einem Willkommen.
    Oder doch: Du schreibst, dass du es seit Januar wieder lassen willst mit der Trinkerei, es aber nicht dauerhaft hinbekommst. Kannst du Gründe benennen, woran das liegt?

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Orangina,
    auf das, was du geschrieben hast, fällt mir wieder etwas ein:


    Er sieht meine Probleme damit aber nicht wirklich als Problem, weil er immer sagt , dass ich ja nicht körperlich abhängig war vom Alkohol, und deswegen meint er ich hätte keine richtige Abhängigkeit.
    Da widerspreche ich aber...da ich sehr wohl eine Abhängigkeit habe, auch wenn es nach außen nicht so wirkt.

    Ich kann dir nur zustimmen und ich halte es für dich für sehr wichtig, dir von ihm da nicht dreinreden zu lassen. Ich weiß jetzt nicht, wie tief du schon in die Materie eingestiegen bist, aber diese Verharmlosung, die dein Freund da betreibt, hört man öfter mal und ich teile seine Einschätzung ganz und gar nicht. Eine psychische Erkrankung ist ebenso ernstzunehmen wie eine körperliche Erkrankung, auch wenn man sie nach außen nicht so sieht. Spielt das denn wirklich eine Rolle, dass du noch nicht körperlich abhängig warst?
    Selbstbestimmt und frei in deinen Entscheidungen und deinem Erleben warst du schon länger nicht mehr und die einzige Chance (aber immerhin eine Chance!) diese Erkrankung zu heilen, besteht eben darin, dauerhaft abstinent zu bleiben. Dass du nicht durch eine Entzugsstation, ein Delir und all diesen traurigen, körperlichen Mist hindurch musstest, macht die ganze Geschichte nicht wirklich harmloser.
    Punkt, Aus, Ende.
    Ich glaube dir, dass er dich grundsätzlich ernstnimmt, aber, was er da betreibt, tut dir nicht wirklich gut. Er verhandelt sozusagen noch, ob du nicht doch noch ab und zu.... Vom Prinzip ist er ja wohl selber schon an dem Punkt, an dem er über seinen eigenen Alkoholkonsum nachdenken müsste, aber, wie so viele von uns früher, lässt er das nicht an sich heran und dazu passt auch ganz gut, dass er dein Problem verharmlost.
    Das ist gewiss nicht leicht für dich mit ihm zur Zeit. Das kann ich mir gut vorstellen.

    Was du zur Beantwortung meiner Fragen geschrieben hast, ich meine, den inneren Druck, den du bei dir wahrgenommen hast: Hast du dich schon mal näher mit dem Belohnungszentrum, mit den verschiedenen Botenstoffen des Glücks beschäftigt und wie du das Ganze beeinflussen kannst? Ich selbst fand das, was ich dazu herausgefunden habe, ganz hilfreich für mich.
    Du schreibst, dass du viel VT gemacht hast, ich selbst kenne die Richtung zwar auch gut, aber ich bin vor vielen Jahren an einer Vertreter der Psychoanalyse geraten. Für mich ein Glücksfall und das erklärt auch, warum ich mich so viel mit meiner Vergangenheit beschäftige.
    Ich kenne diesen inneren Druck, von dem du geschrieben hast, auch. Heute ist mir auch klar, woher diese gewissen Muster rühren und ich bin davon überzeugt, dass ich das eine oder andere Muster entlarven und abstellen konnte, weil ich an den Ursprung herangekommen bin, an dem es entstanden ist, und mit wichtigen, weiterführenden Informationen konfrontiert, verstehen konnte, wie es entstanden ist.
    Seit ich klein war, stand ich unter Druck, musste ständig aufpassen, musste meine Bedürfnisse hintanstellen und und und. Typisch dysfunktionale Familie eben. Wie geht man mit Gefühlen um, wenn man sie eigentlich nicht haben durfte oder, wenn sie schon da sind (und sie kommen oft ausbruchsartig wie bei einem Vulkan), nicht gelernt hat, angemessen mit ihnen umzugehen? Wenn man die schöne, angenehme, schnelle Wirkung des Alkohols kennengelernt hat, verfällt man aus Unerfahrenheit und Ahnungslosigkeit dieser „Medizin“ nur allzu leicht.

    Übrigens, ob VT oder Psychoanalyse oder Gesprächstherapie oder Systemische Therapie, es spielt m.E. letztlich keine so große Rolle, welche Richtung man wählt. Wenn es ein guter Therapeut ist, die Chemie zwischen ihm und dir stimmt und die Therapie zu dir passt, kannst du überall weitergekommen und erfolgreich sein.

    Zitat


    du siehst, ein ewiges hin und her drehen, ein abwägen, ...lauter Lügen und lauter Selbstverarschungen…


    Das liest sich für mich, als wenn du sehr streng mit dir bist und dich verurteilst.
    Gehst du tatsächlich so hart mit dir ins Gericht?

    Ich hab das früher mit mir gemacht. Ich war mein strengster Richter. Heute gibt es in mir zwar immer noch den strengen Richter, aber er ist etwas in den Hintergrund gerückt und stattdessen ist mein freundlicher Anwalt präsenter und er wird mir auch am ehesten gerecht. Ich hab mich immer soooo sehr bemüht, aber nie war ich gut genug, immer hatte mein strenger Richter etwas an mir auszusetzen.
    Kannst du damit etwas anfangen?

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Orangina,
    das war auch für mich ein hochinteressanter Austausch, der sich bei dir gestern Abend entwickelt hat.
    Bei dem, was ich bei dir gelesen habe, dachte ich oft, „Das kenne ich auch.“ Danke, dass du so viel von dir preisgegeben hast. Ich denke, deine Analyse und Beschreibung hilft nicht nur dir, zu durchschauen, was für ein Weg hinter dir liegt, denn einigen von uns, mir zumindest, ist es ähnlich ergangen. Und zugleich wird durch deine Ausführungen auch deutlich, warum man diesen Kampf nicht mehr will. Ich kann mir jedenfalls gut vorstellen, Orangina, dass diese deine klare Reflexion dir hilft, nicht rückfällig zu werden. Wenn diese Gedanken von früher aufkommen, besser wär‘s natürlich, du lässt sie gar nicht erst groß aufkommen, müsstest du dir eigentlich nur nochmals das durchlesen, was du gestern Abend geschrieben hast. In dem, was du dort geschrieben hast, steckt so viel drin!
    Was Rekonvaleszent geantwortet hat, finde ich sehr hilfreich und das ist inzwischen auch das, was ich denke. Ich habe mich so intensiv damit auseinandergesetzt, warum ich Alkohol getrunken habe und warum ich nie wieder Alkohol trinken sollte und wie ich zufrieden abstinent sein könnte, dass ich voll und ganz zu meiner Abstinenz stehe.
    Was du über deine Gründe oder Anlässe zu trinken erzählt hast, so kommt mir auch das sehr, sehr bekannt vor. Ich war zwar vorsichtiger mit meinem Alkoholkonsum, aber es gab bei mir tatsächlich den einen oder anderen ähnlichen Moment. Öfter aber habe ich in diesen Momenten geraucht und geglaubt, dass mir das hilft. Was das Rauchen betrifft, so ist das bei mir deswegen so zum Thema geworden, weil ich vor etwas über fünf Jahren, als ich wegen Depressionen in der Klinik war, nach über zwanzig Jahren Abstinenz wieder mit dem Rauchen begonnen habe. Es begann nach einer Gruppensitzung, die ich (wieder einmal) vorzeitig verlassen musste, weil ich emotional so stark mitschwang, dass ich innerlich enorm unter Druck geriet. Nichts half, um runterzukommen, kein eiskaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen, kein Laufen auf dem klapprigen Crosstrainer, der dort im Flur stand. Was aber sofort und seeeeeeehr deutlich spürbar half, war eine Zigarette, die ich von einem Mitpatienten schnorrte. Und so begann meine erneute Raucherkarriere. Ich brauchte mehrere Anläufe und sehr viel Selbstbeobachtung und Selbstreflektion, um aus dieser Sucht auszusteigen. Die Beobachtungen und Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, helfen mir jetzt nicht wenig.
    Ich kann gut nachvollziehen, dass du schwer einen Vergleich ziehen kannst, wenn du vor 15 Jahren mit dem Rauchen aufgehört hast. Das würde mir gewiss auch so gehen. Natürlich hinkt der Vergleich auch etwas, denn Nikotin verändert dein Wesen nicht, anders als Alkohol. Alkohol ist für mich nochmal ne ganz andere Hausnummer. Nikotingeschichten sind auch schlimm, aber wenn man sich hier so durchs Forum liest, dann wird einem schon ganz anders....

    Du schreibst, „Von früher kenne ich den entschlossenen Drang aus dem Nichts („so, jetzt aber knall ich mir nen Wein rein!“)
    Und dann war das egal, ob ich von der Arbeit heimfuhr oder ob ich sonst wo war.“. Wenn ich ehrlich mit mir bin, dann kam das bei mir nicht wirklich aus dem Nichts, sondern hatte schon so seine Vorgeschichte bzw. seinen Vorlauf. Wie ist das bei dir? Kamen diese Gedanken wirklich aus dem Nichts oder hatten die bei dir auch so eine Art Vorlauf?
    Ich kenne das auch, dass die Gedanken dann immer fordernder wurden. Es wundert mich heute auch nicht mehr, denn ich hatte damals nichts wirklich Adäquates für mein Belohnungszentrum (Tröstezentrum etc.) anzubieten und war mehr oder unvorbereitet.

    Du hast einen langen Weg hinter dir und du bist - darf ich dir das so sagen? - soweit ich das bei dir beobachten konnte, zumindest in den letzten Monaten, die wir gemeinsam gehen, auf einem guten Weg. Du denkst viel nach, fragst nach, reflektierst dich selbst und du öffnest dich.
    Es mag sein, dass es bei dir in der Praxis noch hapert, wie du Britt geschrieben hast, aber ich würde das gar nicht so negativ sehen. Interessant ist doch, was sich bei dir inzwischen schon getan hat. Und... noch glaubst du verständlicherweise, dass du aus gewissen Mustern nicht herauskommst, vielleicht wird sich daran nichts ändern, vielleicht aber macht es doch irgendwann „Klick“ und du kannst aus diesen gewissen Mustern heraustreten.
    Ich arbeite auch schon sehr lange an mir, war zwischenzeitlich ziemlich verzweifelt, steckte irgendwie fest und dann gab’s solche „Klicks“ und danach war’s unerwartet positiv anders. Es ist inzwischen zwar nicht alles supi, aber es ist deutlich besser als früher.

    Viele Grüße
    AmSee

    P.S.: Rina danke ich ebenfalls für ihre Offenheit. Das hilft auch mir weiter.

    Hallo Nelson,
    willkommen im Forum.

    Ich bin w, 48 Jahre alt und habe erst vor drei Monaten richtig begriffen, dass ich ein ernsthaftes Alkoholproblem habe und gar keinen Alkohol mehr trinken sollte. Seither trinke ich nicht mehr, habe es auch nicht mehr vor und bin recht zufrieden damit. Ich vermisse es nicht mehr, etwas, was ich mir vor drei Monaten noch gar nicht vorstellen konnte.
    Ich habe nicht unbedingt solche Erfahrungen wie du, aber ich kann dir etwas zu deinem Alkoholkonsum schreiben. Wenn du du dich hier mal so durch die verschiedenen Fäden liest, wirst du feststellen, dass sich die Alkohol-Geschichten in gewisser Weise ähneln.
    Dein Alkoholkonsum ist durchaus schon problematisch. Wenn du noch nicht Alkoholiker bist, bist du auf dem besten Weg einer zu werden. Der Übergang vom problematischen, missbräuchlichen Konsum zur Sucht ist fließend. Du hast bemerkt, dass es nach und nach immer mehr geworden ist. Das ist leider ziemlich typisch. Typisch ist auch, zu einem bestimmten Zweck zu trinken. Du schreibst ja davon, dass du mit der Arbeitswelt nicht klar kommst. Trinkst du dich abends sozusagen runter? Möchtest du dich für einen Moment etwas besser fühlen? Allein getrunken haben viele von uns am Ende ebenfalls.

    Hier wird dir gewiss niemand dazu raten, weiter Alkohol zu trinken, denn wenn du dich mal durch die Geschichten der Alkoholiker hier und der Angehörigen von Alkoholikern liest, triffst du auf jede Menge Elend ausgelöst durch Alkoholkonsum.

    Ich rate dir, mal mit der Suchtberatung Kontakt aufzunehmen, auch der Besuch einer realen Selbsthilfegruppe könnte dir weiterhelfen.

    Ich kann dir nur wünschen, dass du noch die Kurve kriegst.

    Wenn du Fragen hast, nur heraus damit. Auf konkrete Fragen wirst du hier am ehesten eine Antwort bekommen.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo black-space,
    willkommen im Forum. Du machst dir Sorgen um deinen Konsum und hast dich deshalb an dieses Alkoholiker-Forum gewandt. Das kann ich nur begrüßen. Es ist wirklich gut, dass du dir Gedanken machst. Und dass du dir Gedanken machst, zeigt schon, dass die Sache bei dir nicht mehr so harmlos scheint, wie du vielleicht noch denkst.
    Hier wird dir gewiss niemand dazu raten, weiter Alkohol zu trinken, denn wenn du dich mal durch die Geschichten der Alkoholiker hier und der Angehörigen von Alkoholikern liest, triffst du auf jede Menge Elend ausgelöst durch Alkoholkonsum.


    Denkt ihr ich habe schon begonnen Leberschäden dadurch zu nehmen


    Deiner Leber hast du gewiss nichts Gutes getan, denn Alkohol ist ein Nervengift, das im Übrigen nicht nur in der Leber, sondern in deinem ganzen Körper, besonders in deinem Gehirn sehr viel Schaden anrichtet. Wie schlimm es um deine Leber steht, kann dir eigentlich nur ein Arztbesuch zeigen.
    Ich trinke inzwischen seit drei Monaten gar nicht mehr und habe mir eine App zugelegt, die meine alkoholfreien Tage zählt, aber auch wichtige und hilfreiche Informationen liefert, wie sich meine Organe und mein Gehirn wieder erholen. So eine App würde ich dir empfehlen, allein schon wegen der aufschlussreichen Informationen.

    Zitat


    und bin ich auf dem Weg Alkoholiker zu werden oder bewege ich mich noch in einem mehr oder weniger akzeptablen Bereich?


    Wenn du‘s noch nicht bist, bist du auf dem besten Weg einer zu werden. Dass du unter der Woche nicht trinkst und gesund lebst, sagt gar nichts darüber aus, ob du noch „safe“ bist. Der Übergang vom problematischen, missbräuchlichen Konsum zur Sucht ist fließend.
    Verzichte mal ein halbes oder ein viertel Jahr lang auf Alkohol. Wenn dir das nach einer gewissen Eingewöhnungszeit leicht fällt, bist du vermutlich nicht süchtig. Mancher hier hat übrigens erst nach einer solchen Abstinenzphase, als er wieder zu Alkohol gegriffen hat, erkannt, dass er ein ernsthaftes Problem hat.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Nadine,
    willkommen im Forum, schön, dass du zu uns gefunden hast.

    Darf ich fragen, wie alt du bist?

    Ich selbst bin w, 48 Jahre alt und habe die Alkoholkrankheit bei meinem Vater erlebt. Er starb, als ich 15 Jahre alt war. Selbst habe ich als Erwachsene ein Alkoholproblem entwickelt und erst vor drei Monaten erkannt, dass ich nie wieder Alkohol trinken sollte.
    Hast du die Informationen, die hier im Forum für Angehörige eingestellt worden sind, schon gelesen? Was möchtest du über das, was du dort an Informationen finden kannst, hinaus wissen?
    Helfen kannst du deiner Mutter leider nicht. Wenn jemand Alkohol trinken will, kann man ihn nicht davon abbringen.
    Die Frage ist daher, was du für dich und eventuell dein Geschwister tun kannst. Was tust du bislang für dich und euch?

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Thomas,
    warum hast du eigentlich einen neuen Faden aufgemacht, hat dir der alte Faden nicht mehr gefallen?
    Wenn du dich mal in meinem Faden einliest, dann bekommst du eine Ahnung, wie es mir erging, als ich beschloss, gänzlich abstinent zu werden.
    Meine Biographie ist etwas anders als deine, aber ich erinnere mich, wie ich anfangs mit dem Gedanken gehadert habe, nie wieder Alkohol zu dürfen. Als mir klar wurde, dass mir mein Alkoholkonsum zu entgleiten drohte und ich missbräuchlich mit Alkohol umging, verhandelte ich zunächst mit mir darüber, zu bestimmten Gelegenheiten trinken zu dürfen. Nach und nach aber begriff ich durch die Auseinandersetzung mit meinen Fragen und Gedanken hier im Forum, durch das Lesen anderer Beiträge hier im Forum, durch das Lesen einiger Bücher, die hier im Forum in der Literaturliste aufgeführt werden, dass es für mich eigentlich keine Alternative mehr zur dauerhaften Abstinenz gibt. Gerchlas Anregung hat mich sehr nachdenklich gemacht, von dem halben Jahr, das er mir vorschlug, hab ich inzwischen die Hälfte rum. Da mir der Gedanke „für immer“ anfangs zu groß war, sagte ich mir stattdessen täglich „Heute trinke ich nicht.“. Inzwischen schreckt mich der Gedanke, nie mehr Alkohol zu trinken, überhaupt nicht mehr. Ich betrachte das, was ich begriffen habe, als ein Geschenk und ich lasse den Gedanken, ich würde Alkohol vermissen oder ich müsste leider verzichten, in meinem Kopf nicht zu. Ich brauche keinen Alkohol, um zufrieden zu sein.
    Was dich betrifft: Gewiss kann ich dein Unbehagen bei dem Gedanken nie mehr zu trinken nachvollziehen und natürlich ist es begrüßenswert, dass du dir vorgenommen hast, die nächsten vier Wochen nicht zu trinken, ABER
    ich sehe die Gefahr, dass du dir ein zu großes Hintertürchen offen lässt. Vier Wochen kommen mir reichlich kurz vor für das, was du erreichen möchtest. Warum nimmst du dir nicht ein Viertel- oder ein halbes Jahr vor?
    Du hast uns geschildert, dass es dir mit dem Trinken psychisch sehr schlecht geht, es dich eigentlich fertig macht. Du hast so schlimme Zeiten mit dem Alkohol erlebt. Du hast deinem Körper nachhaltig geschadet. Du traust dich nicht, deiner Frau deinen Alkoholkonsum zu beichten.
    Ich frage mich, was dir das Trinken gibt, dass du‘s nicht ganz sein lassen kannst, sondern doch noch verhandelst.

    Viele Grüße
    AmSee

    Was du schreibst, Susanne, unterstützt größtenteils meine Vermutungen, die ich vor dem Zitat geschrieben habe. Die, die sich dann doch wieder täuschen, d.h. glauben kontrolliert trinken zu können, hatte ich da gerade nicht so im Blick.
    Soweit ich das bislang beobachten konnte, gibt es so viele Gründe, warum ein Trinker rückfällig werden kann, Krisensituation, Fahrlässigkeit, Nicht-Aufhören-Wollen oder aber, weil er glaubt, er könne kontrolliert trinken, oder, oder oder.
    Gewiss ist es Teil der Alkohol-Krankheit.
    Was mich und wahrscheinlich auch Orangina interessiert, denn so verstehe ich ihre Frage, ist, wie wir uns vor einem Rückfall schützen können bzw. wie jemand, der rückfällig geworden ist, obwohl er/sie wusste, dass er/sie Alkoholiker bzw. Alkoholikerin ist, die Kurve wieder gekriegt hat.

    Hallo Orangina,
    prima, dass es dir nach und nach immer besser geht! Mir geht’s ganz ähnlich und es kommt immer wieder eine neue Erkenntnis hinzu.

    Du hast Rina eine Frage gestellt, aber vielleicht magst du ja auch von mir ein paar Gedanken dazu hören?
    In Bezug auf Alkohol ist mir das zwar zuvor noch nicht so aufgefallen, weil ich mir zuvor niemals eingestanden hätte, meinen Alkoholkonsum nicht mehr wirklich im Griff zu haben und die Finger ganz davon lassen zu müssen, aber beim Zigarettenrauchen hab ich’s bei mir mehrmals genau beobachtet:
    Ich fing mit dem Rauchen jeweils in Krisensituationen wieder an. In diesen Situationen stand ich innerlich so stark unter Druck, dass ich’s kaum aushalten konnte, und da kam jedes Mal der Gedanke an das Mittel auf, das ich als höchst effizient und schnell wirksam kennengelernt hatte: Eine Zigarette. Ich wusste, dass mir eine Zigarette etwas Erleichterung verschaffen würde und saß leider immer wieder dem Irrtum auf, ich könnte und müsste mir eine Ausnahme erlauben, ich könnte ja gleich sofort wieder aufhören. Ich wusste, dass Nikotin abhängig macht und ich schon früher davon abhängig gewesen war und da war gewiss auch eine gewisse Sorglosigkeit oder Fahrlässigkeit bei mir, aber ich empfand es in diesen Situationen als Güterabwägung (mir fällt grad kein besserer Begriff dafür ein). In diesen Momenten wollte ich nur noch, dass der Druck aufhört oder wenigstens geringer und damit erträglicher wird und ich gleichzeitig noch funktioniere. Funktionieren war gleichzeitig auch noch sehr wichtig in diesen Situationen und so unter Druck konnte ich nicht funktionieren. Das Aufhören war jedoch nie einfach, denn die Entzugserscheinungen und die Erfahrung, dass mir die Zigaretten „geholfen“ hatten, drängten mich, mir wieder eine Schachtel zu kaufen. Nach dieser, sagte ich mir dann. Und so weiter. Und dann stellte sich irgendwann diese jetzt- ist’s-auch-egal-Stimmung ein. Die Kurve kriegte ich erst wieder, wenn mir dann die Raucherei endlich wieder zum Hals heraushing und eigentlich nur noch störte und ärgerte.

    Nun ist wahrscheinlich Rauchen nicht ganz mit Alkohol trinken vergleichbar, weil Alkohol nach meinen Informationen noch tiefer im Gehirn wirkt als Nikotin, aber diese Erfahrung, in bzw. aufgrund einer Krisensituation rückfällig zu werden, hilft mir für mich, die Suchtmechanismen zu verstehen und nicht wieder darauf hereinzufallen.

    Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass man in einer angenehmen Situation ein Glas Alkohol trinkt, weil man die Gefahr unterschätzt. Und dann ist’s die Wirkung, die erneut in deinem Gehirn drinhängt und dich weitertrinken lässt. Für mich könnte ich mir das jedenfalls vorstellen. Die Kurve würde ich dann wahrscheinlich erst wieder kriegen, wenn bei mir wieder so richtig angekommen ist, was ich mir und meinem Partner da antue und es wirklich angehen will. Wenn ich die Gedanken, die mir den Konsum schönreden, wieder entlarven kann.

    Was meinst du? Welche Situationen könnten dir gefährlich werden, wieder Alkohol zu trinken? Krisensituationen oder schöne Situationen, wie etwa Sommer am See und eine Bar direkt am Badesteg?
    In der schönen Situation könnte ich mir vorstellen, dass das Gefühl aufkommen könnte, man würde etwas vermissen, etwas entbehren müssen, was den Moment doch soooo viel schön machen würde und vor sich selbst verharmlosen, dass man eigentlich ein Alkoholproblem hat.

    Die Situationen, auf die Susanne und Rekonvaleszent sich beziehen, müssten meines Erachtens die sein, wenn man sich noch nicht darüber im Klaren ist, Alkoholiker zu sein und sich folglich noch selbst täuscht. Wenn man es einmal begriffen hat, glaube ich nicht, dass man sich noch derart belügen oder sich etwas vormachen kann. Dann kann es doch eigentlich nur daran liegen, dass man nicht verzichten will.

    Was hat dich diesmal bewogen, die Kurve zu kriegen? Könntest du dir vorstellen, dass dir das nochmals - hoffentlich kommt es nie dazu! - gelingen könnte?

    Ich selbst bin so froh, dass bei mir der Schalter umgelegt zu sein scheint und ich hab so großen Respekt vor meiner Sucht, dass ich keine Risiken mehr eingehen will. Zu meinem Glück habe ich in Krisensituationen eigentlich nie Alkohol getrunken. Mir ist völlig klar, womit sonst jetzt auch noch zu kämpfen hätte.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Daun,
    das hört sich doch ganz gut an. Natürlich wünsche ich dir, dass es mit dem Schlaf noch etwas besser wird, aber wenn’s dich nicht mehr so belastet, dann ist das doch immerhin etwas.
    Viele Grüße
    AmSee

    Das klingt schon nicht mehr ganz so übel wie vorhin, finde ich. Geht’s dir etwas besser?

    Ob du Depressionen hast oder nicht, kann letztlich nur ein Arzt diagnostizieren. Wenn du Glück hast, ist es nur ne „traurige“ oder leicht depressive Phase. Jemand, der diese Krankheit nicht selbst am eigenen Leib erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, wie sehr sich das von einem „normalen“ Tief, wie’s jeder mal erlebt, unterscheidet. Meine Mutter hatte diese Krankheit schon, aber mit was die zu kämpfen hatte, hab ich erst begriffen, als es mich selbst erwischt hat.
    Du sprichst von dem Wunsch, sich wegzuballern. Ich denke, ich kenne diesen Zustand, von dem du sprichst. Ich selbst hab zu meinem Glück bzw. weil ich wusste, wie gefährlich das ist, nie während so eines Zustandes zu Alkohol gegriffen. Dein Gehirn hat diese Möglichkeit leider kennengelernt und wird sie immer wieder aufrufen, weil sie so schnell und bequem ist. Was der Alkohol allerdings mit dir macht, wenn du diese Möglichkeit wählst, weißt du allzu gut.
    In der Therapie hast du sicher gelernt, dass du‘s gar nicht so weit kommen lassen sollst, dass du letztlich vorausdenken, vorausplanen musst. Und genau das ist jetzt gefragt. Was kannst du zu deiner Entlastung tun?
    Gut ist, dass du Sport machst und das, was du dazu brauchst, zuhause hast. Über die Vorteile von Sport brauche ich dir gewiss nichts zu erzählen. Dass du durch deinen Beruf nun öfter geschafft bist, ist kein Wunder. Bräuchtest du denn mehr Motivation, um Sport zu treiben, oder treibst du deiner nach Ansicht trotzdem noch genug Sport? Wenn du mehr Sport bräuchtest, es dir aber an Motivation fehlt, könntest du dir eine Gewohnheit antrainieren. Sowas hilft bei Motivationstiefs. Beispiel: Wenn du jeden Tag mit dem Hund rausgehst, weil du‘s musst, wird’s zur Gewohnheit und du wirst auch gehen, wenn du eigentlich keine Lust oder Energie hast. Sich eine Gewohnheit anzutrainieren kostet Energie und braucht mindestens sechs Wochen Zeit, aber es kann sich u.U. lohnen.

    Der Lockdown setzt uns allen mehr oder weniger zu. Ich für mich versuche mich immer wieder auf das zu konzentrieren, was eben gerade möglich ist. Bei uns in der Gegend wird sehr oft der Spruch „Nützt ja nix.“ verwendet und für mich passt die Einstellung, die dahinter steht. Die Situation ist jetzt eben so und nicht zu ändern, also finde ich eine Möglichkeit, wie ich trotzdem Spaß am Leben habe. - Finde gerade keinen treffenderen Ausdruck. - Beispiel: Wenn ich unterwegs bin, dann kehre ich gerne irgendwo ein, um Kaffee oder so zu trinken und vielleicht ein Stück Kuchen oder was auch immer. Geht im Moment nicht. Also hab ich letztens mal wieder die Thermoskanne rausgekramt, mit heißem Kaffee gefüllt, Kuchen und Melone und ne Kerze eingepackt und unterwegs im Auto Picknick gemacht. - Kannst du mir folgen, was ich meine? Klar hoffe auch ich, dass diese Corona-Geschichte bald endlich vorbei geht, aber da wir nicht wissen, wie lange sich das noch hinzieht, mache ich mich nicht davon abhängig, darauf zu hoffen, sondern suche jetzt nach Möglichkeiten.

    Übrigens ist es überhaupt nicht feige, sich nicht wegzumachen. Eher ist es umgekehrt. Ich habe diese Kämpfe oft in meinem Innern geführt und ich kenne diese Gedanken ziemlich gut. Da ist aber auch ein anderer Teil und der ist, das wird aus deinen letzten Worten ziemlich deutlich, auch bei dir vorhanden.
    Natürlich ist es schön, jemanden an seiner Seite zu haben, der einen liebt, aber - nimm mir das nicht übel - so richtig funktioniert das erst, wenn man sich selbst lieben kann. Wenn man sich selbst lieben und voll und ganz akzeptieren kann, ist man nicht mehr von der Liebe anderer abhängig.

    Das mag jetzt belehrend klingen, aber belehren will ich dich gewiss nicht. Was ich dir hier geschrieben habe, sind Gedanken und Erfahrungen, die ich besonders in den letzten Jahren gemacht habe und die mich weitergebracht haben.

    Viele Grüße

    Hallo Jbob,
    hab deinen Post gelesen und fühle mich angesprochen, dir zu antworten.

    Ich leide seit Jahren an Depressionen, u.a. auch deswegen bin ich inzwischen arbeitsunfähig. Wenn du also von Depressionen sprichst, kann ich mir ungefähr vorstellen, wie’s dir geht.
    Dass es dir derzeit recht bescheiden geht, ist eigentlich nicht verwunderlich. Das, was du privat erlebt hast, war sehr, sehr belastend und wird dich womöglich noch eine Weile beschäftigen. Hast du dich mal mit Trauerphasen beschäftigt? Mir hat es z.B. geholfen, mich darüber zu informieren und einzuordnen, wo in etwa ich gerade bin. Es half mir auch, weil ich durch dieses Wissen ein wenig wieder die Kontrolle zurückbekam. So in etwa, wie eine Panikattacke zwar nicht zu kontrollieren ist, aber wenn man weiß, was da jeweils in einem abgeht und sich beobachtet, wieder etwas Kontrolle gewinnt.
    Auch, dass du wieder im Beruf bist, ist eine zusätzliche Belastung. Du nimmst sie vielleicht nicht ganz so wahr, aber wieder zu arbeiten ist mit verschiedenen Reizen verbunden, die man irgendwie verarbeiten muss.

    Bist du wegen der anhaltenden Depressionen schon mal beim Arzt gewesen? Wenn nicht, würde ich dir dazu raten, denn du musst dich ja nicht noch in Gefahr bringen, doch noch zum Alkohol zu greifen.

    Prima, dass du bislang dem Suchtdruck widerstehen konntest, vielleicht findest du ja ein paar Anregungen, wie du etwas finden könntest, das wieder etwas mehr Freude bringt.

    Was für ein Typ bist du? Interessierst du dich für Krafttraining oder Sport oder bist du in irgendeiner Weise kreativ tätig?
    Falls dich Krafttraining interessiert: Die Fitnesstudios sind zwar zu, aber du kannst auch in deinem eigenen vier Wänden etwas tun und zwar mit Übungen, bei denen du das Gewicht deines Körpers nutzt. Bei YouTube wirst du gewiss fündig, wenn du entsprechende Übungen suchst. Du kannst auch Wasserflaschen als Gewichte nutzen oder siehst dich mal bei Ebaykleinanzeigen um, ob was interessantes dabei ist. Auch ein Minitrampolin ist nicht übel für Kraft- und Konditionstraining. Lässt sich auch günstig in den Kleinanzeigen finden.
    Falls du kreativ bist: Erinnerst du dich an die Ergotherapie in der Klinik? Gab’s da was, was dich interessiert hat? Ich gucke z.B. gerne im Verschenkteil von Ebaykleinanzeigen, ob da was ist, das sich aufmöbeln oder upcyclen lässt. Ich hab in der Ergotherapie mit Holz gearbeitet. Besonders das stundenlange Schleifen hatte etwas enorm beruhigendes. Ein Freund von mir hat einen Türgriff für seinen Kühlschrank gemacht, weil der alte kaputt war. Ist n Hammer-Handschmeichler-Griff geworden. Mehrfach geschliffen und lackiert.
    Das sollen nur so ein paar Ideen sein, die zur Anregung gedacht sind, mal in dich hineinzuhorchen, was dich überhaupt interessiert.
    Ansonsten gilt, bleib nicht in der Wohnung, wenn dir die Decke auf den Kopf fällt. Geh ohne Geld raus, spazieren oder joggen oder was-auch-immer.
    Was auch hilft, ist viel, viel, viel Wasser trinken.

    Alles Gute dir
    AmSee


    Hallo
    Orangina
    Ja dann Unterhalten sich diese Leute dann über Tatort und Gänseblümchen und was weis ich noch.
    LG

    Sorry, Daun, aber dieser Kommentar führt hier echt nicht weiter. Ich finde ihn im Übrigen auch unangebracht.

    Ichso hat ihren Unmut kundgetan und das hat hier meines Erachtens auch eine gewisse Berechtigung und seinen ganz eigenen Kontext.

    Grüße
    AmSee

    Guten Morgen,
    es ist doch immer wieder interessant zu lesen, wie unterschiedlich hier eine Sache wahrgenommen und wie auf sie reagiert wird, wie tiefschichtig Alkoholismus - sei er von innen selbst erlebt und überwunden oder nicht überwunden, sei er von außen als Angehöriger etc. erlebt - uns Menschen prägt.
    Ich selbst sehe das anders als ichso. Gewiss ist der Aspekt, wie lange Thomas Alkohol ge- und missbraucht hat, einer, der beachtet werden sollte, aber kommt es letztlich wirklich darauf an, wenn einer erkennt, dass er ein ernsthaftes Problem hat und darüber verzweifelt ist?
    Es ärgert mich auch nicht, wenn jemand mit entsprechender Lebenserfahrung wieder dem Alkohol verfällt. So jemanden bedaure ich sehr und ich versuche zu verstehen.
    Ich betrachte diese unsere Alkoholkrankheit mit sehr großem Respekt. Ich hab‘s bei meinem Vater erlebt, dass er immer und immer wieder rückfällig geworden ist, und dass obwohl er durchaus ein intelligenter Mann war, der gewiss auch ganz klar wissen musste, was er bei sich selbst und seiner Familie anrichtet, und der, das weiß ich, ganz fürchterlich darunter gelitten hat. Er war gewiss nicht dumm und schwach, dass er wieder und wieder und wieder dem Alkohol verfiel. Warum es wieder und wieder und wieder geschah, wird mir ewig ein Rätsel bleiben, aber ich bedaure ihn und meine Familie sehr dafür, dass er den Absprung nicht geschafft hat, sondern letztlich mit nur 43 Jahren an seiner Sucht zugrunde ging.
    Hier im Forum wird teilweise von Menschen berichtet, die jahrzehntelang trocken - oder eher abstinent -waren, teils sogar Mentoren für andere waren und dann rückfällig wurden und daran zugrunde gingen. Warum geschieht so etwas? Die hätten es doch besser wissen müssen. Warum schaffen‘s einige und andere nicht?
    Ich weiß nicht, warum das so ist, aber die, die es nicht schaffen, tun mir leid und, dass es eben viele nicht schaffen, das lässt mich diese Krankheit mit großem Respekt betrachten.

    Wenn jemand ernsthaft Hilfe sucht und das kann man oder ich unter Umständen erst nach mehreren Posts erkennen - Ich selbst habe mich ja, wie unschwer nachzulesen ist, über meinen Konsum getäuscht, und getrunken, obwohl ich rein äußerlich betrachtet, schon allein wegen meiner Erkrankungen gar nicht hätte trinken sollen, aber ich suchte Hilfe und ich wurde durch die Auseinandersetzung mit den Antworten der anderen „schlauer“ - versuche ich ihm oder ihr mit meinen Erfahrungen und meinem Wissen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

    Nochmals zurück zum Anfang: In der kurzen Zeit, die ich in diesem Forum tätig bin, habe ich ganz unterschiedliche Typen und Denkweisen kennengelernt und ich habe nach und nach gelernt, dass alle irgendwie ihre Berechtigung haben und gewissermaßen Facetten dieses Alkoholproblems sind.
    Für dich, Thomas, ist es vielleicht gut, dass du hier auch Menschen begegnest, die sich darüber ärgern, dass du trotz deiner Lebenserfahrung rückfällig geworden bist. Vielleicht triffst du damit außen auf eine Stimme, die schon in deinem Kopf ist, und kannst dich ihr besser stellen.

    Verblüffend finde ich bei mir selbst immer wieder, wie anders man, also ich denke und fühle, seit ich keinen Alkohol mehr trinke. Was mir heute so völlig klar ist, habe ich ganz anders wahrgenommen und gesehen, als ich noch getrunken habe.
    Weil ich das aber inzwischen weiß, versuche ich es mir bewusst zu machen, wenn ich mit jemandem, der noch trinkt, aber ernsthaft aufhören möchte, kommuniziere.

    Viele Grüße
    AmSee

    Guten Morgen, ichso!
    Vier Stunden warst du unterwegs? Chapeau! Davon kann ich im Moment noch nur träumen, also nicht von dem Draußen sein, sondern davon vier Stunden spazieren zu gehen, aber ich bin am Ball, eine Strecke von 8 Kilometern schaffe ich schon. 44.

    Ich habe mal die Theorie des „Inneren Teams“ kennengelernt und nach allem, was ich so in Erfahrung gebracht habe, spricht sehr viel für diese Theorie. Wie das im Kopf so abgehen kann, wird im Film „Alles steht Kopf“ ziemlich anschaulich dargestellt. Interessant sind bei mir neben den von dir genannten auch noch die sogenannten Hinterbänkler. Das sind die Stimmen, die sich später melden, wenn eine Entscheidung bereits getroffen ist oder du nichts mehr ändern kannst. Die sind fies, weil die sozusagen nachtreten. Eigentlich aber sind die gar nicht so verkehrt, sie haben nämlich eigentlich auch was zu sagen und manchmal ist das sogar ganz gut, was sie zu sagen haben, sie trauen sich aber zunächst nicht, weil gewisse andere bekannte Stimmen so laut und so dominant sind.
    So richtig zum Schweigen bringe ich gewisse Stimmen in mir nicht, das muss ich aber auch nicht, aber ich kann sie inzwischen besser einschätzen. Manchmal ist es auch nötig, sie an einen Tisch zu bringen und miteinander debattieren und abstimmen zu lassen.

    Das klingt jetzt vielleicht großtuerisch, aber so meine ich das gewiss nicht und ich erzähle es auch gewiss nicht, weil ich mich hervortun möchte. Es war ein langer, langer Weg bis dahin, wo ich jetzt bin. Ein sehr entscheidender Schritt ist mir ja auch erst vor Kurzem durch das Forum als Katalysator gelungen.

    Hochs habe ich, auch wenn ich glücklicherweise „nur“ depressiv bin, auch kennen- und fürchten gelernt. Es fühlt sich hammermäßig an, wenn du grad ein Hoch hast, aber .... - Wem sag ich das, nicht wahr?
    Klasse, dass du ohne ADs auskommst, da hoffe ich auch irgendwann hinzukommen.

    Deine Abschlussbeschreibung heute find ich herrlich sympathisch. Grau bin ich zwar fast nicht (erstaunlich, eigentlich bin ich in dem Alter und färbe auch nicht), die Haare sind nicht ganz kurz und mit fast 1,80 Metern auch nicht gerade klein, aber der Rest könnte von mir stammen. ;D
    :blumen2:

    Guten Morgen, Rina,
    was du über dich schreibst, kommt mir sehr, sehr, sehr bekannt vor. Mir ging’s lange, lange Zeit sehr ähnlich. Ich musste erst sehr, sehr krank werden, bis so werden konnte, wie ich heute bin.
    Dir wünsche ich, dass du sehr viel leichter zu dir findest und dahin, deine Bedürfnisse gerade nicht immer hintanzustellen.
    Natürlich freue ich über deine Anerkennung.
    :blumen2:

    Viele Grüße
    AmSee


    Ein buntes Schaf? Das fände ich klasse! Bunt statt braun, aber das ist wieder ein anderes Thema ;)


    Definitiv bunt. ;)

    Zitat


    Habe auch noch Gedanken gerollt seit gestern. Fand, mein Schlusssatz roch so nach "eingebildet".

    Wer dich schon eine Weile gelesen hat, weiß, wie du das meinst. ;)

    Zwanghaftes Verhalten hatte ich auch mal ....
    Gewiss mag ich Ordnung und wenn alles so schön sortiert ist. Und für mein teils chaotisches Innenleben ist äußere Ordnung auch wichtig, aber ich musste lernen, die verschiedenen Reize auszuhalten. Heute ist es bei mir weniger aufgeräumt als früher.

    In mir wohnen übrigens auch ein paar mehr. :blumen3:
    Das ist ok so. Wir haben unser Auskommen gefunden. ;) Den inneren Kritiker, der mein ganzes Leben lang sehr, sehr, sehr dominant war, mochte ich eigentlich nie, der ließ ja auch kein gutes Haar an mir, inzwischen aber habe ich erkannt, dass auch er eine wichtige Rolle in meinem Leben und meinem Vorankommen spielt.

    Hallo Thomas,
    vielen Dank, dass du uns so viel über dich preisgibst. Was deine „Karriere“ betrifft, so klingt sie ganz typisch. Wenn du dich hier ein wenig einliest, wirst du eine ganze Reihe ähnlicher Geschichten finden. Da du in SHGen warst, wirst du das wissen.
    Damit dass ein Glas Alkohol dich letztlich zu Fall gebracht hat, stehst du auch nicht alleine da.
    Und dass du heimlich trinkst, ist leider auch ziemlich typisch.
    Das macht es nicht besser, aber immerhin macht es deutlich, dass du (leider) nicht allein bist.
    Ich selbst habe, wie schon gesagt, sehr von den Erfahrungen und Gedanken der anderen profitiert.

    Nun, du merkst, dass es dir absolut nicht gut damit geht, und damit hast du eigentlich einen guten Anfang. Wenn es nicht so wäre, würdest du nicht aufhören wollen.

    Es liegt ziemlich nahe, dass sich bei dir die Spirale immer weiter dreht. Die Frage ist also nun, wie du das abstellen könntest.

    Lass dir dazu ein paar Fragen, die mir selbst mal weitergeholfen haben, stellen:

    Geh doch mal in dich und frag dich, was dir der abendliche Alkohol eigentlich gibt. Aus welchen Gründen trinkst du?
    Und dann stell dem gegenüber, was er dir nimmt oder aber nicht gibt, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind.

    Kannst du das erste Glas stehen lassen bzw. dir gar nicht erst Alkohol bunkern?

    Gibt es bestimmte Rituale, die mit dem Trinken verbunden sind?

    Was oder wer könnte dich stützen?

    Was hast du zu gewinnen? (positiver Blick nach vorne)

    Ich habe, so schwer es mir fiel, meinen Mann informiert. Er hatte mich früher schon mal auf meinen Konsum angesprochen und ich hasste es sonst, wenn er mich beobachtete. Ich fühlte mich entmündigt, wenn er mich ansprach. Als ich aber ernsthaft begriff, worauf ich zusteuerte, und beschloss, dass ich nicht mehr trinken will, wurde mir klar, dass ich mit ihm reden muss, weil er mir eine Stütze ist. Nun tut es mir gut, mit ihm über dieses Thema zu sprechen. Ich habe auch andere eingeweiht, die mir eine Stütze sein können.
    Wenn du bestimmte Rituale hast, die du mit dem Trinken verbindest, solltest du von diesen eine Weile Abstand nehmen und etwas ganz anders machen. Dein Gehirn muss umlernen. Bei den üblichen Ritualen zu bleiben, bringt dich enorm unter Druck und die Gefahr, doch zu trinken, ist nicht zu unterschätzen.

    Hilft dir davon etwas weiter?
    Alles Gute dir
    AmSee

    Ich hab darüber nachdenken müssen, ob der Begriff „schwarzes Schaf“ auch auf mich zutreffen könnte, und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich zwar kein schwarzes, aber auch kein weißes Schaf bin. Ich bin eher ein irgendwie andersfarbiges Schaf. 8)

    Ich habe Jahrzehnte gebraucht, mein Anderssein zu akzeptieren. Ich habe immer wieder versucht, mich anzupassen oder unsichtbar zu sein. Inzwischen akzeptiere ich mich so, wie ich bin, und seit mein Ruf krankheitsbedingt ruiniert ist, lebe ich in der Regel so, wie es mir passt, und, wenn ich etwas sagen will, dann sage ich das. Ich bin dabei nicht aufmüpfig oder provokativ, das ist nicht meine Art, aber ich lasse mir auch nicht mehr alles gefallen und ich passe mich auch nicht mehr über Gebühr an. Meine eigene Familie gibt es fast nicht mehr, entweder sind sie tot oder sie haben kein Interesse mehr an mir oder unserer restlichen Familie überhaupt. Meine Schwiegerfamilie .... nun, die sind ne andere Welt ....

    Hallo Thomas,
    auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. Ich wünsche dir einen guten Austausch und gute Anregungen.

    Kurz zu mir, ich bin 48 Jahre alt, w, und habe mich vor drei Monaten für die Abstinenz entschieden, als ich begriff, worauf ich mit meinem Alkoholkonsum zusteuerte. Ich konnte zwar immer wieder auf Alkohol verzichten und hatte auch keinen Kontrollverlust, wie man sich das so vorstellt, aber bei mir war es so, dass, wenn ich ein Glas trank, dieses sehr schnell geleert war und dann mindestens eins, in der Regel zwei bis drei weitere Gläser folgen mussten. Ich trank Alkohol, um in bessere Stimmung zu kommen, z.B. Feierabend-, Wochenend-, Ferienfeeling und natürlich bei Familienfesten. Aus gesundheitlichen Gründen hätte ich gar nicht trinken dürfen, aber ich tat‘s, weil ich nicht glaubte, dass mir mein Alkoholkonsum schadete. Alkoholismus als richtige Krankheit habe ich als Kind und Jugendliche bei meinem Vater erlebt, glaubte für mich aber noch „safe“ zu sein. Inzwischen denke ich ganz anders darüber, ich habe durch den Austausch hier im Forum sehr viel für mich hinzugelernt und für mich selbst gibt es keine Alternative mehr zur Abstinenz. Ich kann für mich sogar jetzt schon sagen, dass ich zufrieden abstinent bin, etwas, was ich mir, als ich mich vor drei Monaten hier angemeldet habe, nicht vorstellen konnte. Ich arbeite allerdings auch daran, in meinem Kopf kein Bedauern und keine Sehnsucht aufkommen zu lassen, und ich habe Menschen, die mir sehr wichtig sind und mich stützen, informiert. Gesundheitlich profitiere ich übrigens bei meinen Erkrankungen enorm von der Abstinenz, das hätte ich mir so nicht vorstellen können.

    Nun zu dir: So, wie du es beschreibst, scheinst du einer der sehr wenigen zu sein, denen kontrollierter Alkoholkonsum gelingt. Mit sehr viel Selbstkontrolle würde mir das vielleicht gelingen, aber es würde mich enorm viel Energie kosten und ein Gläschen hier und da wäre gewiss kein Vergnügen mehr für mich. Die Gefahr des Kontrollverlustes und der damit verbundenen Selbstvorwürfe wäre bei mir, dessen bin ich mir bewusst, immer wieder gegeben. Wie ist das aber bei dir? Warum möchtest du dauerhaft abstinent sein? Kostet dich das gelegentliche, kontrollierte Trinken Energie, die du nun nicht mehr investieren möchtest? Beginnt dein Konsum dir doch zu entgleiten?
    Du schreibst, dass du nicht schaffst, abstinent zu bleiben. Magst du noch etwas mehr darüber erzählen, warum du es nicht schaffst bzw. was dich hindert? Antworten auf die Fragen, die Rina dir gestellt hat, könnten uns hier Anhaltspunkte geben, wo wir dich ggf. abholen können.
    Viele Grüße
    AmSee