Beiträge von AmSee13

    Hallo Rina,
    auch wenn du deine Frage hier bei Erkenntnis gestellt hast und er sie gewiss für sich selbst beantworten kann und auch sollte, möchte ich gerne etwas dazu antworten. Seit der Auseinandersetzung gestern hier im Forum kreisen meine Gedanken um den Umgang hier miteinander und um „Lösungsansätze“.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich meine Antwort hier schreiben sollte oder einen neuen Post aufmachen sollte, weil es ja MEINE Antwort auf deine Frage ist und eigentlich grundsätzlich eine Frage ist, die sich allgemein an das Forum richtet.

    Ich maße mir gewiss nicht an zu wissen, welche Lösung funktioniert und welche nicht. Gewiss habe ich aufgrund meiner Lebenserfahrung ein Gespür dafür entwickelt, was gut gehen kann und was nicht gut gehen wird, aber das bedeutet nicht, dass das auch wirklich immer so eintritt.
    Und dann ist auch die Frage, wie man seinem Gegenüber zu verstehen gibt, dass man das Gespür hat, dass seine Lösung aller Voraussicht nach nicht funktionieren wird.
    Gewiss mag es Menschen geben, bei denen es aufgrund einer Provokation oder „Klartext-reden“ Klick macht bzw. die gerade dadurch zum Widerstand herausgefordert werden. Doch was ist mit all denen, die genau davon abgeschreckt werden?

    Und dann habe ich für mich selbst die Beobachtung gemacht, dass Alles in meinem Leben seine Zeit hat und dass ich es für meinen eigenen Erkenntnisprozess brauche, gewisse Wege zu gehen.

    Ich persönlich habe nicht den Eindruck, dass hier das „ich will es unbedingt alleine schaffen“ „von manchen auf so hohem Niveau celebriert wird“. Nach meiner Erfahrung ist das ein Weg unter vielen, den ausprobieren darf, wer das möchte.
    Ich sehe das als in der eigenen Biographie begründet, das versuchen zu wollen. Dass meine eigene Erfahrung eine andere war, kann ich ja durchaus mitteilen - und tue es ja durchaus - aber ich darf jemand anderem doch zugestehen, seine eigenen Erfahrungen machen zu wollen und ggf. auch mehrfach. Vielleicht ist es für diesen anderen der Weg für sich herauszufinden, was er braucht. Vielleicht kommt er selbst irgendwann darauf, sich doch Hilfe dazu zu nehmen.

    Wenn mir nicht gefällt, dass er jammert oder dass er ggf. mehrfach scheitert, liegt es meines Erachtens an mir, ob ich mich länger damit befasse oder nicht. - Apropos, wo wird denn deutlich, dass Erkenntnis bereits 1000 (erfolglose) Anläufe gemacht hat? Ich verstehe das so, dass er jetzt begriffen hat, dass er dauerhaft mit dem Trinken aufhören will. Und ich verstehe seine bisherigen Aufhörversuche so, dass er sich letztlich im kontrollierten Trinken ausprobiert hat. Vielleicht war ihm - ebenso wie mir bis letztes Jahr - nicht mal ernsthaft klar, dass er ein Alkoholproblem hat, denn er konnte ja jederzeit eine Pause einlegen? Ich mag mich da irren, hab auch nicht gezielt danach gefragt, meine eigene Entwicklung war jedenfalls in etwa so. So jedenfalls ist mir selbst schließlich auch erst klar geworden, dass ich ein ernstes Problem habe und dass kontrolliertes Trinken bei mir definitiv nicht funktioniert.

    Ich selbst hab es ja übrigens auch allein geschafft, ohne klinischen Entzug und ohne Entzugstherapie. In Therapie und schließlich sogar in eine Klinik bin ich vor einigen Jahren gegangen, als offensichtlich wurde, dass ich depressiv bin. Da war mir noch lange nicht klar, dass ich nicht mit Alkohol umgehen kann. In der Klinik und in den eineinhalb Jahren danach hab ich überhaupt keinen Alkohol getrunken und hatte kein Problem damit. Erst später kam es bei mir so richtig dazu, dass ich meiner Erkrankung mit Hilfe von Alkohol eine Weile entkommen wollte, und es hat erst die intensive Beschäftigung hier im Forum gebraucht, bis mir das klar wurde.

    Hallo Erkenntnis (und ggf. andere hier),
    ich wollte deinen Faden gewiss nicht sprengen oder einfach übernehmen, ich hatte aber den Eindruck, hier antworten zu müssen.
    Sofern das hier nicht passt, bitte ich den Admin (Greenfox) das Thema zu teilen bzw. einen neuen Faden zu eröffnen.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo in die Runde,
    dann melde ich mich nun doch einmal zu Wort.

    Mir gefiel der Ton und auch ein gewisser Umgang hier im Forum nicht und, da ich erkannte, dass mich das unnötig Kraft kostet, bin ich gegangen.
    Ich hab mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber ich bin gegangen, weil ich mir von einem internen Disput keinerlei Besserung erwartet habe.
    Mir war ziemlich klar, was passiert, wenn ich mich äußere, deshalb bin ich schließlich wortlos gegangen.

    Susanne , deine Beiträge sind mitunter ziemlich verletzend.
    Auch wenn du mit deinen Provokationen den einen oder anderen erreicht haben magst, mich zumindest hat dein Umgangston häufig gestört und ich fühlte mich abgeschreckt. Mir war auch immer weniger danach, mich zu öffnen. Ich habe nicht wenig deiner bisweilen herablassenden Kommentare gelesen.

    Ich hab das bislang nicht angesprochen, weil mir ziemlich klar war, was passiert, wenn ich es tue.
    Ich hatte an diesem Kraftakt keinerlei Interesse, denn ich sah keinerlei Aussicht auf eine Verbesserung.

    Warum tue ich es jetzt? - Ich bin zurückgekommen, weil ich etwas Gutes, Hoffnungsvolles berichten wollte. Ich bin zurückgekommen, weil es mir in letzter Zeit besser geht. Ich antworte Hilfesuchenden, weil ich etwas von meinem Wissen abgeben kann.
    Und was muss ich erleben? - Es geht mal wieder so richtig ab und an wem entzündet sich das?

    Nach meiner Beobachtung schadet diese Auseinandersetzung hier dem Forum und damit auch einigen Hilfesuchenden sehr. Vielleicht entscheidet sich nun, wie’s hier im Forum weitergeht.

    Es ist ein besonderes Forum. Ich bin noch in einem anderen, aber dies hier hat eine besondere Qualität, die mich sehr anspricht.

    Du Susanne hast dieses Forum zweifellos mit deinem Fachwissen bereichert, deine Provokationen aber tun diesem Forum meiner Beobachtung nach überhaupt nicht gut.

    Mit freundlichen Grüßen
    AmSee

    Hallo Erkenntnis,
    wie läuft‘s heute bei dir? Bist du wieder auf den Entzug-Zug aufgesprungen? ;)

    Ich persönlich hatte nicht den Eindruck, dass es dir hier ums Plaudern ging, sondern dass dein Interesse, mit dem Trinken aufzuhören, durchaus ernsthaft ist.

    Ich setze deshalb dort an.... - sonst würde ich dir nämlich nicht schreiben... -


    ...man kann... Ja, hier habe ich in der dritten Person geschrieben. Das tue ich öfter, wenn ich um eine Antwort herumlaufe.


    Ich mag Ehrlichkeit.

    Übrigens, wenn du die eine oder andere Frage nicht beantworten magst oder kannst, hab ich gewiss kein Problem damit.
    Ich gehe mit dem passenden Gegenüber ganz gern ernsthaft an Themen heran. Ich finde das spannend und es interessiert mich einfach.

    Zu dem „Man kann“ muss ich sicherlich nichts sagen, oder? ;)

    Zitat


    Einsamkeit.
    Ich taste mich da mal vorsichtig heran.

    Völlig in Ordnung.... Musst du auch nicht unbedingt mir beantworten oder hier beantworten.
    Wenn du mir aber antwortest, kann’s spannend werden...
    - Mir wär’s dann allerdings lieber, wenn du dabei nüchtern wärst... Nimm mir das nicht übel... -

    Zitat


    Kontakte mit anderen Menschen lenken ab. Mit Arbeit eindecken betäubt vorübergehend.
    Ja, ich bemerke das du beides nicht so hilfreich findest, wird es wohl auch nicht sein. Aber es unterstützt.

    Gewiss. Und gewiss kann es unterstützend wirken. Doch du selbst sprichst es ja schon an: „lenken ab“ und „betäubt“.
    Wovon müssen sie denn ablenken und was muss betäubt werden? ;)

    Du darfst dich glücklich schätzen, wenn da kein tiefes Loch in dir ist!
    Ich hab da eins... Hat ein wenig gedauert, bis ich es als solches identifiziert habe... Man neigt dazu, auch ich, zu versuchen, es zu füllen, aber sowas lässt sich nicht füllen.
    Im Endeffekt musste ich lernen, dass es da ist und dass es ein Teil von mir ist.
    Ich hab aber auch gelernt, dass es nur ein Teil ist und dass es da noch andere Teile gibt...

    Warum frage ich dich danach? - Nun, es könnte damit zu tun haben, warum du zum Alkohol gegriffen hast....

    Zum Thema Achtsamkeit komme ich ein anderes Mal, wenn denn noch Interesse besteht...

    Herzliche Grüße
    AmSee


    Nein, mir ist nicht wirklich klar, warum ich wieder zur Flasche gegriffen habe.

    Vielleicht wäre es interessant und hilfreich, dem nachzugehen...

    Denn, wenn du weißt oder zumindest eine Ahnung hast, was den Rückfall letztlich ausgelöst hat, könntest du prophylaktisch tätig werden.

    Der Auslöser kann u.U. durchaus eine Verkettung mehrerer Umstände sein.
    Ich hab dazu mal ein ganz aufschlussreiches Erklär-Video im Netz gefunden. Da wurde am Beispiel „Stau auf der A irgendwas“ erklärt bzw. nachvollzogen, wie es bei einem Mann zum Rückfall kam. Finde das Video leider nicht wieder.

    Zum Thema „Rückfall“ lassen sich ansonsten ganz gute Infos finden. Vielleicht ist darunter etwas für dich dabei.


    Ansonsten ist es, wie ich gelesen und am eigenen Leib erfahren habe, deutlich hilfreicher, nach vorne zu sehen und auf das, was einen überhaupt dazu bewegt, mit dem Trinken aufzuhören.
    Diese Perspektive hast du ja:

    Zitat


    Mir ist nur klar, dass es gleich wieder genug ist.
    Wenn ich morgen früh aufwache geht es wieder nach Plan A.
    A wie aufhören.

    Schönen Abend dir
    AmSee

    Hallo Traumwandlerin,

    Zitat


    aber gleichzeitig freue ich mich auf ein anderes Leben danach

    DAS ist eine Perspektive, die trägt, meinst du nicht?

    Ich wünsche dir gutes Gelingen und viel Erfolg!

    Lass von dir hören!

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Erkenntnis,
    es erleichtert mich natürlich, dass das, was ich dir geschrieben habe, in etwa so angekommen ist, wie es von mir gemeint war.
    Die schriftliche Kommunikation ist hier manchmal etwas knifflig, weil sozusagen auf unterschiedlichen Ohren gehört wird.

    Bei dem Wort „sentimental“ hast du mich gewissermaßen erwischt. ;) Der Ausdruck trifft das, was ich meine, auch nicht so richtig. Was ich meine, ist so eine gewisse Art von Verletzlichkeit, Empfindlichkeit.

    Nicht-Trinkende bzw. Nicht-mehr-Trinkende wirken mitunter etwas überheblich. Ich denke, du verstehst, was ich meine....
    Ich selbst bin aber eigentlich nur froh und unendlich erleichtert, dass ich diesem Schxxeibenkleister entkommen bin. Und ich erinnere mich recht gut daran, wie „empfindlich“ ich unter Alkoholeinfluss war...

    Bezüglich deiner Antwort auf meine Fragen wird’s jetzt wirklich spannend.
    Interessant ist, dass du „Man kann“ geantwortet hast und nicht „Ich habe“. Bist du da etwa ausgewichen? ;)

    Die ersten beiden Antworten sind mir natürlich auch bekannt, aber - und jetzt wird‘s interessant - hilft das wirklich gegen die Einsamkeit?
    Was ist das denn für eine Einsamkeit, die du da spürst?
    Ist das auch so eine Art tiefes Loch in dir, das du gerne füllen möchtest?
    Und dann... was suchst du eigentlich?

    Wenn du auch so eine Art tiefes Loch in dir füllen möchtest, hast du schon mal die Erfahrung gemacht, dass Kontakte zu anderen Menschen oder dass sich mit Arbeit eindecken tatsächlich hilft?

    Die dritte Antwort geht in eine andere Richtung, dazu äußere ich mich ein anderes Mal.

    Du merkst vielleicht an der Art, wie ich schreibe, wie ich selbst inzwischen zu den ersten beiden Antworten stehe.....


    Was mich persönlich betrifft, so liegt die Antwort nicht in etwas, das von Außen kommt....

    Ich halte hier einmal inne, um deine Antwort dazu abzuwarten.


    Bezüglich deiner Gedichte: Ja klar hab ich die gelesen und ich weiß so etwas auch zu schätzen. Es fällt mir allerdings schwer, etwas Passendes darauf zu antworten. Auch meine ich, dass solche Gedichte einfach unkommentiert stehen bleiben dürfen, vielleicht sogar sollten.
    Ich hab die Beobachtung gemacht, dass Kommentare nicht selten etwas kaputt machen bzw. zu weiteren wenig hilfreichen Kommentaren herausfordern.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Erkenntnis,
    „Das von allen gejagte Tier“... Das kommt mir bekannt vor...
    Und was du unter „Poesie“ gepostet hast, spricht ja Bände von deiner Suche und deiner Einsamkeit.
    Und dieses „funktionieren müssen“....

    Dass du unter Alkoholeinfluss noch sentimentaler bist, ist dir bekannt? - Nimm‘s mir nicht übel, aber mir selbst ist noch gut in Erinnerung, wie sentimental und empfindlich ich unter Alkoholeinfluss war. Ich will keineswegs überheblich rüberkommen, aber ich ticke anders, seit ich gänzlich abstinent bin und, da du gerade vermutlich unter Alkoholeinfluss stehst, steht das wahrscheinlich zwischen uns.

    Die Zeit - Ja, das ist in der Tat etwas Eigenartiges....
    Ich selbst habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht, dass Alles irgendwie seine Zeit hat.

    Hilfreich ist für dich gewiss die Einstellung, nach vorne zu blicken.
    Ich bin auch so jemand, der nach vorne blickt.
    Ich suche nach praktikablen, zu mir passenden Lösungen, nicht nach Problemen.

    Wenn du meinst, dass du‘s alleine, ggf. mit Fachwissen aus dem Netz schaffst. Nur zu! Ist deine Lösung, dein Leben.

    Ich hab das lange Zeit so gemacht und bin - jünger als du - schließlich dahin gekommen, wo‘s nicht mehr ging. Früher hätte ich darüber gedacht „Warst halt nicht stark genug..“ Aufgrund meiner eigenen Lebenserfahrungen denke ich heute anders darüber. - Alles hat seine Zeit. Bei mir war eben der Zeitpunkt gekommen, mir professionelle Hilfe zu holen. Ich war an einem Punkt, an dem es nur noch ums nackte Überleben ging....

    Ich selbst empfinde das, was mein Arzt/ Therapeut da tut, nicht als „Experimentieren“. Ich hab Glück gehabt, bin durch Zufall genau an jemanden gekommen, der zu mir passt, bei dem die Chemie von Anfang an gestimmt hat. - Hab vorher und auch als ich schließlich wegen der Depressionen in der Klinik war andere kennengelernt.... - Ich hab mir viel Fachwissen aus dem Netz geholt, vorher und auch jetzt noch, und ich bin gewiss nicht auf den Kopf gefallen und ein sehr reflektierter Mensch, und doch mache ich stets von Neuem die Erfahrung, wie weit mich ein kurzes Gespräch mit meinem Arzt/ Therapeuten bringt.
    Meine Perspektive hat sich verändert. Ich fühle mich nicht mehr gejagt, muss nicht mehr ständig kämpfen. Und noch Vieles mehr.
    Das ist eben meine Erfahrung.

    Ich hatte von „Achtsamkeit“ gehört, hab im Netz gesucht, was das ist, hab nach Anleitungen gesucht. Hab‘s nicht hingekriegt.
    Erst in der Klinik lernte ich das allmählich, begriff, was das wirklich bedeutet.

    Du sprichst von dieser Einsamkeit, von der Suche.
    Was hast du bislang für Lösungen dafür gehabt?
    Ist dir letztlich wirklich klar, warum du doch wieder zum Alkohol gegriffen hast, obwohl du doch so entschlossen warst? Lag es wirklich nur daran, dass das Zeug überall herumstand?

    Bin gespannt, was du darauf antwortest....

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Tine,
    deine Frage ist sehr schwer zu beantworten.

    Kurz zu mir: Ich bin Ende 40, w, mein Vater war Alkoholiker mit regelmäßigen schweren Abstürzen und Klinikaufenthalten, bin selbst, wie ich mir selbst erst vor etwa einem halben Jahr eingestanden habe, alkoholabhängig geworden und lebe seit über einem halben Jahr zufrieden abstinent.

    Was gehen Kinder mit dem Thema „Papa trinkt“ um? - Du selbst hast erlebt, wie das mit alkoholkranken Eltern ist. Und du hast Angst, dass deine Kinder auch mit Ängsten aufwachsen müssen.
    Da sich deine eigene Vergangenheit offenbar etwas von der Situation unterscheidet, die deine Kinder derzeit erleben, merkst du gewiss, dass es keine pauschale Antwort gibt.
    Wie weit kennst du selbst dich mit dem Thema „Alkoholkrankheit“ aus? Was du über deinen Mann erzählst, klingt für mich durchaus schon besorgniserregend, es klingt nach einer Abwärtsspirale.
    Dein Mann wird das gewiss anders sehen, wird es abtun, wird nicht wenig ungehalten werden, wenn du ihn darauf ansprichst. - Ich selbst mochte von meinem Mann überhaupt nicht gern auf meinen Konsum angesprochen werden. Darüber gab es öfter Stress zwischen uns. Inzwischen, da sich in meinem Denken etwas Entscheidendes geändert hat, sehe ich das natürlich anders. -

    Wie gehen Kinder damit um? - Erinnerst du dich, wie fein dein Gespür für deine Eltern war? Das ging schon eher los als mit 8 Jahren, oder?

    Die Sache ist die: Kinder brauchen Sicherheit. Und für die gesunde Entwicklung eines Kindes wäre es wichtig, dass das Kind und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Und eben nicht, dass die Alkoholkrankheit des Vaters im Mittelpunkt steht und sich die gesamte Aufmerksamkeit und Sorge immer wieder nur um ihn dreht.

    Wie ist das aber nun bei dir?
    Und wenn es wirklich heftig wird oder schon ist, was wären dann die Konsequenzen?

    Ich wünschte, ich könnte dir eine schöne, gute, hoffnungsvolle Auskunft geben, aber das Thema ist leider ein ziemlich ernstes.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Erkenntnis,
    hab mich gerade mal ein bisschen bei dir eingelesen.

    Kurz zu mir: Ende 40, w, chronisch krank (schwere Depression und MS), frühverrentet, seit einem halben Jahr ohne Alkohol lebend, auf der Suche nach einem irgendwie zufrieden stellenden Leben, nach MEINEM Leben, inzwischen häufig recht zufrieden.

    Ich frage mich, was du für neue Erkenntnisse gewonnen hast.
    Du bist gestolpert, weil dich alleine im Hotel die Einsamkeit überflutet hat. Jetzt gerade wartet etwas Kühles im Bad....
    Was hast du Neues herausgefunden?
    Wie sieht dein neuer Plan aus?

    Der Gedanke, es alleine zu schaffen, Einzelgänger zu sein, ist mir durchaus vertraut, die Sache ist nur die, letztlich köchelt man doch nur im eigenen Saft.
    Man kann alleine durchaus ein gutes Stück weit gehen, aber aus eigener Erfahrung weiß ich inzwischen, wie weit es einen bringen kann, wenn jemand von Außen mal richtig gute Fragen stellt und die eigene Sichtweise mit gutem Fachwissen erweitert oder ggf. mal in Frage stellt.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Lilly,
    vielen Dank, dass du so viel von dir preisgegeben hast, nun habe ich eine sehr viel genauere Vorstellung, wie es dir geht.
    Was das Leben in dieser religiösen Gemeinschaft betrifft, kann ich sehr gut nachvollziehen, wie dich das für dein Leben geprägt und gewissermaßen gezeichnet hat. Hut ab, dass du es geschafft hast, dich davon zu lösen. So etwas ist wahrlich (!) nicht einfach, besonders noch weil du in dieser Gemeinschaft groß geworden bist. Die Familie und das gesamte Umfeld, was man kennt, zu verlieren, und und und
    ist bei solchen religiösen Gemeinschaften leider üblich und hinterlässt sehr, sehr, sehr tiefe Wunden.
    Was dir danach geschehen ist, ist für mich völlig nachvollziehbar.

    Und nun bist du an dem Punkt, dass du die „heilsame“ Seite des Alkohols kennengelernt hast und gewissermaßen keine gute brauchbare Alternative kennst. Du kennst allerdings auch schon die Schattenseiten des Alkohols.

    Ich hab sie auch sehr geschätzt, diese „heilsame“ Seite des Alkohols. Für eine Weile war er meine „Medizin“. - Was du darüber erzählst, warum du Alkohol konsumiert hast, kommt mir sehr bekannt vor...

    Doch... inzwischen denke ich ganz anders über den Alkohol und ich erinnere mich auch immer wieder und immer mehr daran, was für ein falscher Freund er gewissermaßen für mich war.

    Ich hatte nicht mehr richtig die Kontrolle darüber, wie viel ich trank. Ein Glas war schnell herunter gestürzt, Genuss war das nicht mehr. Und ich überschritt schließlich eigentlich jedes Mal den Punkt, an dem die Wirkung noch angenehm war und hilfreich. Mir entglitt mehr und mehr die Kontrolle und der Gedanke, ab wann ich am Tag wieder eine Flasche aufmachen dürfte, kam immer öfter. Und und und

    Ich wurde allmählich jedenfalls ziemlich nachdenklich. Mein Ringen, weiter Alkohol trinken zu dürfen und wie es schließlich bei mir kippte, kannst du in meiner Selbstvorstellung nachlesen.

    Heute nach mehr als einem halben Jahr Abstinenz sehe ich, wie viel mehr der Alkohol meiner Psyche und meinem Körper noch geschadet hat. Das hätte ich so nicht erwartet und hab es, als ich noch regelmäßig getrunken habe, überhaupt nicht bemerkt.

    Ich komme zu dir zurück: Du hast sehr, sehr tiefe Verletzungen erlitten, ein Trauma davon getragen. Du bist nicht die erste, die das mit Alkohol zu behandeln versucht hat. Leider ist Alkohol überhaupt kein gutes Hilfsmittel, im Gegenteil schafft er neue, ziemlich gravierende Probleme.

    Ich selbst habe in meinem Leben Schlimmes erlebt, war zwischenzeitlich auch mal kurz in einer religiösen Gruppierung, die mir letztlich NICHT gut getan hat und mich in gewissen Bereichen verbrannt hat.
    Das wirkliche Heilmittel für mich lag schließlich in einer Therapie bei einem richtig guten und zu mir passenden Arzt/ Therapeuten. Es hat Jahre gedauert und ich bin auch immer noch dabei, was aber auch damit zu tun hat, dass ich chronisch krank geworden bin. Vieles ist besser geworden, Vieles konnte verarbeitet werden und meine Perspektive hat sich entscheidend verändert.
    Die große Welt mag sein, wie sie will, ich nutze den Gestaltungsspielraum meiner eigenen kleinen Welt voll aus und meine eigene kleine Welt gefällt mir inzwischen ziemlich gut.

    Ich schreibe dir das, weil dir mein Beispiel vielleicht weiterhilft, eine neue Perspektive zu entwickeln.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Lilly,
    ich hab mich von deinem Posting angesprochen gefühlt, bin mir aber nicht sicher, ob ich dir wirklich weiterhelfen kann, da du äußert wenig von dir preisgegeben hast.
    Du sprichst an, dass es dir schwer fällt, etwas NICHT zu tun. Du meinst damit NICHT Alkohol zu trinken, was dir heute offenbar besonders schwer gefallen ist.

    Ich sehe das Problem genau in dieser inneren Einstellung, etwas NICHT tun zu dürfen, was man eigentlich möchte.

    Ich gehe an meine Abstinenz bewusst nicht so heran, denn die Wahrscheinlichkeit, dass meine Gedanken genau um dieses „Ich darf das nicht....obwohl das doch soooo schön wäre“ kreisen würden, wäre ziemlich hoch. Mein Belohnungszentrum würde mir die Hölle heiß machen, weil es nicht seine Belohnung kriegt. Alkohol wirkt ja nun mal ziemlich schnell dort und es reicht ja schon die Aussicht auf Belohnung, die zu einer Ausschüttung gewisser Botenstoffe führt. Versagst du dir dann die Belohnung, wird’s ziemlich frustig.

    Ich gehe anders an meine Abstinenz heran. Ich habe gar nicht das Gefühl, etwas nicht zu dürfen.
    Ganz im Gegenteil fühle ich mich frei davon, etwas nicht mehr tun zu MÜSSEN. Ich fühle mich frei von einer Art Zwang und ich fühle mich frei zu etwas Neuem.

    Ich lasse es in meinem Kopf möglichst gar nicht mehr zu dem Gedanken kommen, ich müsse auf etwas „Gutes“ verzichten.

    Und wie sich für mich auch auf überraschend und sehr überzeugend Weise gezeigt hat, hat mir mein Alkoholkonsum sogar mehr körperlich und psychisch zugesetzt, als ich das geahnt hätte. Ich bin nun seit mehr als einem halben Jahr abstinent und das hat bei mir zu einer Verbesserung geführt, die ich so nicht erwartet hätte. Und das bestärkt mich natürlich darin, dass ich nichts mehr trinken mag.

    Ich kenne dieses Aufhören aus reiner Willenskraft aus dem Zusammenhang mit dem Nicht-mehr-Rauchen. Auf dem Weg hab ich‘s nicht geschafft, sondern erst auf einem anderen....

    Magst du ein wenig mehr über dich erzählen?

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Mich interessieren seit einer Weile Bücher von Menschen, die unterwegs sind, die neue oder andere Wege gehen.

    Jon Krakauer, „In die Wildnis“
    Lois Pryce, „Mit 80 Schutzengeln durch Afrika“
    Swantje Kuball, „Die endlose Zeit des Augenblicks - Zu Fuß von Köln bis ans Ende der Welt“


    Mich interessieren Menschen, die aus schweren Schicksalsschlägen aufbrechen und ihre eigene Lösung finden.

    Caroline Bernard, „Frida Kahlo - Und die Farben des Lebens“

    Hallo Traumwandlerin,
    ich bin diesbezüglich zwar nicht Expertin und auch keine Ärztin, aber ich denke, dass du dir nicht zu große Sorgen machen musst, wie der Entzug in der Klinik abläuft. Soweit mir bekannt ist, wird der Entzug medikamentös begleitet, was bedeutet, dass es nicht zu heftig wird.
    Außerdem wirst du dort auch jederzeit kompetente Ansprechpartner haben.

    Ob du tatsächlich schon dauerhafte Gehirnschäden davon getragen hast, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber die Erfahrung vieler zeigt, dass es besser wird, wenn du durch den Entzug durch bist und eine Weile abstinent lebst.

    Lass weiter von dir hören. Vielleicht tut es dir gut, dich hier mitzuteilen.

    Viele Grüße
    AmSee

    Und noch etwas:
    Wenn du’s gar nicht mehr aushältst, nur noch Panik hast, gibt’s eigentlich immer die Möglichkeit, sich stationär einweisen zu lassen.
    Ich bin darin kein Experte, da kennen sich andere hier besser aus.

    Mir zeigt mein Arzt und Therapeut, bei dem ich wegen meiner Depressionen in Behandlung bin, immer wieder diese mögliche Perspektive für Notzeiten auf.

    Hallo Traumwandlerin,
    ich kann gut nachvollziehen, dass du sehr beunruhigt bist. Das sind ja nun auch Symptome, die Angst machen.
    Ich hab mit diesen Symptomen meines Wissens nach nicht alkoholbedingt zu tun gehabt, kenne sowas aber von meiner Depressionserkrankung, meiner MS und als Nebenwirkung eines bestimmten Medikaments. Klar, beunruhigt das.

    Ich will aber versuchen, dir ein wenig die Angst zu nehmen.

    Richtig ist: Alkohol greift leider ziemlich tief in das Gehirn ein und bringt auch dessen Biochemie nicht wenig durcheinander.

    Ob deine Symptome aber alkohol- bzw. entzugsbedingt sind oder ob es noch andere Ursachen dafür gibt, wird sich medizinisch abklären lassen.

    Die gute Nachricht ist: Die Neuronen im Gehirn erholen sich nach einer Weile der Abstinenz wieder und ebenso der Körper. - Ich beziehe mich dabei nicht auf die, die sich durch jahrzehntelangen, harten Konsum kaputt gemacht haben. Zu denen wirst du aber kaum zählen.

    Ich weiß nicht, wie das, was ich dir letztens geschrieben habe, bei dir angekommen ist. Letztlich wollte ich dir Mut machen, nach vorne zu blicken.

    Die Perspektive, dass du Montag zum stationären Entzug gehst, macht Dir Angst? - Was fürchtest du denn genau? Magst du davon erzählen?

    In dem Buch „Sucht“ von Simon Borowiak wird davon erzählt, wie‘s auf einer Entzugsstation abgeht. Ich war zwar nicht auf einer Entzugsstation, aber auf einer Station für Menschen mit Depressionen und Borowiaks Schilderung erinnerte mich an meine Zeit dort.
    Mein Vater war mehrfach wegen Alkoholentzug im Krankenhaus, was ganz gut war, weil er stets ins Delirium gefallen ist. Er wurde dort aber gut überwacht und ggf. medikamentös eingestellt.

    Schreib einfach, wie‘s dir geht. Vielleicht hilft dir das.

    Viele Grüße
    AmSee

    Moin Britt,
    Danke dir für die liebe Begrüßung. :D

    Deine Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten, weil das, was ich „dazugelernt“ habe, eher ein innerer Erkenntnisprozess ist, eine innere Wandlung sozusagen.
    Ich will‘s aber zumindest ansatzweise versuchen zu beschreiben.

    Mir ist zunehmend klarer geworden, wie sehr mein Wesen, mein Denken, wie sehr dieses innere Gefühl, Verantwortung übernehmen zu müssen, selbst wenn es weit über meine eigenen Kräfte geht, von meiner Vergangenheit an der Seite meines alkoholkranken Vaters und meiner co-abhängigen Mutter geprägt worden ist. Ich hab immer mehr Zusammenhänge begriffen.
    Ich hab begriffen, wie sehr es Teil von mir geworden ist und auch wie es letztlich dazu geführt hat, dass ich mich jahrzehntelang völlig überfordert habe. Was ja schließlich irgendwie dazu geführt hat, dass mein Körper mich mit zwei schweren, chronischen Erkrankungen völlig ausgebremst hat.
    Ich war früher nie in der Lage, mich einer Verantwortung, wenn ich sie sah und besonders, wenn ich sah, dass niemand anderes sie übernahm, zu entziehen. Ich war stets gezwungen, mich selbst und meine Bedürfnisse hintanzustellen, nicht selten fielen die völlig hinten runter.

    Zugleich habe ich inzwischen dazugelernt, mich diesem Inneren Druck, unbedingt Verantwortung übernehmen ZU MÜSSEN entziehen zu können. Das klappt nicht immer, aber in den Fällen bremst mich mein Körper aus und die Depression schlägt wieder mehr zu.

    Ich habe darüber hinaus auch ein tieferes Verständnis für meine Eltern (und sogar Großeltern) gewonnen. Wie sehr sie selbst in ihre Geschichte verstrickt waren, aber auch wie sehr sie sich bemüht haben. Viele, viele kleinere und größere Erinnerungen sind hochgekommen und manche konnte ich nun, da ich sie mit den Augen einer Erwachsenen betrachten konnte, anders einordnen, anders bewerten. Ich fühle mit meinen Eltern, ich bedauere sie. - Nun waren meine Eltern glücklicherweise nicht so, wie ich‘s schon von anderen alkoholkranken Eltern gehört habe. Sie haben sich wirklich sehr bemüht, das wird mir immer klarer, sie konnten dem Ganzen nur aus welchen Gründen auch immer nicht entkommen. -

    Ich bin deutlich mehr bei mir. - Oh, wie oft hab ich diesen Spruch vor fünf Jahren in der Klinik gehört und doch nicht wirklich gänzlich begriffen, was das bedeutet. -

    Das bedeutet nicht, dass nun Alles gut ist, das wird es leider nie wieder, die schwere Depression und die MS werden bleiben, aber ich sehe mich selbst besser und kann mich selbst besser wertschätzen.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Traumwandlerin,
    da du mir unter meiner Vorstellung geschrieben hast, will ich dir unter deiner antworten.
    Ich hab ein kleines Bisschen gelesen, was du hier im Forum so von dir preisgegeben hast.

    Warum auch immer du da reingerutscht bist, spielt das wirklich eine Rolle? Klar kann man das bedauern, aber es nützt ja letztlich nichts. So sehe ich das jedenfalls für mich und hab das auch gegenüber über meinem Ehemann so vertreten, als der bedauernd zu mir meinte, „Ach wenn du doch früher auf mich gehört hättest...“ - Tja, hab ich nicht, konnte ich irgendwie nicht. Und es ist jetzt auch kaum angebracht, darüber zu klagen, denn es ist, wie es nun einmal ist. Jammern bringt dich meiner Erfahrung nach nicht weg vom Alkohol, wenn du einmal abhängig davon geworden bist und seine „tröstende“, in Watte packende Wirkung einmal zu gut kennengelernt hast.
    Nach meiner eigenen Erfahrung und Beobachtung hilft tatsächlich nur der Blick nach vorne.

    Ich bin irgendwann in die psychische Abhängigkeit reingerutscht, ich könnte noch nicht mal genau sagen, wann das passiert ist. Vielleicht schon, als ich damals als 17-Jährige die entspannende, locker machende Wirkung von Alkohol kennengelernt habe? Ich weiß es nicht und es ist auch nicht wirklich wichtig.

    Wichtig ist, was JETZT ist und was du mit dem Rest deines Lebens anfangen willst. Ich bin übrigens nicht die Einzige, die sehr gute Erfahrungen mit der Abstinenz gemacht hat. Das gibt dir hoffentlich Mut und Zuversicht für das, was vor dir liegt.

    Schon vor mehr als einem halben Jahr war mir klar geworden, dass mit meinem Konsum etwas nicht stimmt, ich hatte sogar mal Pause eingelegt. Doch ich wollt’s mir in eingestehen, dass es für mich keine Alternative zur Abstinenz gibt. Die Konfrontation hier im Forum und meine eigenen Gedanken dazu verschafften mir schließlich Klarheit, auch die Lektüre der Bücher, die ich hier irgendwo schon mal genannt habe und die hier auch unter „Fach- u.a. Literatur“ zu finden sind, waren unheimlich hilfreich für mich.

    Ich bin gespannt von dir und deinen Erfahrungen zu lesen, wenn du den Entzug hinter dir hast.
    Die Warnungen, nicht allein zuhause kalt zu entziehen, würde ich ernstnehmen.
    Ich hab zwar selbst kalt entzogen, hab mir aber auch nichts dabei gedacht und hatte zum Glück auch keine Probleme. Doch offensichtlich darf man sowas nicht unterschätzen.

    Herzliche Grüße
    AmSee