Hallo Rina,
auch wenn du deine Frage hier bei Erkenntnis gestellt hast und er sie gewiss für sich selbst beantworten kann und auch sollte, möchte ich gerne etwas dazu antworten. Seit der Auseinandersetzung gestern hier im Forum kreisen meine Gedanken um den Umgang hier miteinander und um „Lösungsansätze“.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich meine Antwort hier schreiben sollte oder einen neuen Post aufmachen sollte, weil es ja MEINE Antwort auf deine Frage ist und eigentlich grundsätzlich eine Frage ist, die sich allgemein an das Forum richtet.
Ich maße mir gewiss nicht an zu wissen, welche Lösung funktioniert und welche nicht. Gewiss habe ich aufgrund meiner Lebenserfahrung ein Gespür dafür entwickelt, was gut gehen kann und was nicht gut gehen wird, aber das bedeutet nicht, dass das auch wirklich immer so eintritt.
Und dann ist auch die Frage, wie man seinem Gegenüber zu verstehen gibt, dass man das Gespür hat, dass seine Lösung aller Voraussicht nach nicht funktionieren wird.
Gewiss mag es Menschen geben, bei denen es aufgrund einer Provokation oder „Klartext-reden“ Klick macht bzw. die gerade dadurch zum Widerstand herausgefordert werden. Doch was ist mit all denen, die genau davon abgeschreckt werden?
Und dann habe ich für mich selbst die Beobachtung gemacht, dass Alles in meinem Leben seine Zeit hat und dass ich es für meinen eigenen Erkenntnisprozess brauche, gewisse Wege zu gehen.
Ich persönlich habe nicht den Eindruck, dass hier das „ich will es unbedingt alleine schaffen“ „von manchen auf so hohem Niveau celebriert wird“. Nach meiner Erfahrung ist das ein Weg unter vielen, den ausprobieren darf, wer das möchte.
Ich sehe das als in der eigenen Biographie begründet, das versuchen zu wollen. Dass meine eigene Erfahrung eine andere war, kann ich ja durchaus mitteilen - und tue es ja durchaus - aber ich darf jemand anderem doch zugestehen, seine eigenen Erfahrungen machen zu wollen und ggf. auch mehrfach. Vielleicht ist es für diesen anderen der Weg für sich herauszufinden, was er braucht. Vielleicht kommt er selbst irgendwann darauf, sich doch Hilfe dazu zu nehmen.
Wenn mir nicht gefällt, dass er jammert oder dass er ggf. mehrfach scheitert, liegt es meines Erachtens an mir, ob ich mich länger damit befasse oder nicht. - Apropos, wo wird denn deutlich, dass Erkenntnis bereits 1000 (erfolglose) Anläufe gemacht hat? Ich verstehe das so, dass er jetzt begriffen hat, dass er dauerhaft mit dem Trinken aufhören will. Und ich verstehe seine bisherigen Aufhörversuche so, dass er sich letztlich im kontrollierten Trinken ausprobiert hat. Vielleicht war ihm - ebenso wie mir bis letztes Jahr - nicht mal ernsthaft klar, dass er ein Alkoholproblem hat, denn er konnte ja jederzeit eine Pause einlegen? Ich mag mich da irren, hab auch nicht gezielt danach gefragt, meine eigene Entwicklung war jedenfalls in etwa so. So jedenfalls ist mir selbst schließlich auch erst klar geworden, dass ich ein ernstes Problem habe und dass kontrolliertes Trinken bei mir definitiv nicht funktioniert.
Ich selbst hab es ja übrigens auch allein geschafft, ohne klinischen Entzug und ohne Entzugstherapie. In Therapie und schließlich sogar in eine Klinik bin ich vor einigen Jahren gegangen, als offensichtlich wurde, dass ich depressiv bin. Da war mir noch lange nicht klar, dass ich nicht mit Alkohol umgehen kann. In der Klinik und in den eineinhalb Jahren danach hab ich überhaupt keinen Alkohol getrunken und hatte kein Problem damit. Erst später kam es bei mir so richtig dazu, dass ich meiner Erkrankung mit Hilfe von Alkohol eine Weile entkommen wollte, und es hat erst die intensive Beschäftigung hier im Forum gebraucht, bis mir das klar wurde.
Hallo Erkenntnis (und ggf. andere hier),
ich wollte deinen Faden gewiss nicht sprengen oder einfach übernehmen, ich hatte aber den Eindruck, hier antworten zu müssen.
Sofern das hier nicht passt, bitte ich den Admin (Greenfox) das Thema zu teilen bzw. einen neuen Faden zu eröffnen.
Herzliche Grüße
AmSee