Hallo Erkenntnis,
einen angenehmen Sonntag wünsche ich dir.
Aber ich spüre auch wieder diese Leere, diese Unruhe in mir.
So ein Gefühl als würde ich auf einen verspäteten Zug warten.
Wie begegnest du dieser Leere?
Viele Grüße
AmSee
Hallo Erkenntnis,
einen angenehmen Sonntag wünsche ich dir.
Aber ich spüre auch wieder diese Leere, diese Unruhe in mir.
So ein Gefühl als würde ich auf einen verspäteten Zug warten.
Wie begegnest du dieser Leere?
Viele Grüße
AmSee
Hallo Nina,
wenn du wüsstest, wie gut ich mich in dem wiederfinde, was du über dich erzählst.
Ich habe in dem Sinne keinen Rat für dich, ich kann nur ein paar Erfahrungen und Gedanken mit dir teilen. Vielleicht hilft dir das weiter...
Mir kommt vieles sehr bekannt vor, was du beschreibst, vor allem das Gefühl, sich nicht wirklich frei von Verantwortung fühlen zu können. Die Automatismen zu sehen und sich anders zu entscheiden ist finde ich wirklich sehr schwer.
Das empfand bzw. empfinde ich auch so. Doch für mich sah ich keine andere Alternative als mich immer wieder um mich zu bemühen. Ich konnte und wollte nicht anders.
Nach meinem Empfinden bist du einem riesengroßen Schritt weiter, wenn du die Muster und Automatismen überhaupt erst einmal bei dir und für dich selbst aufdeckst.
Ich hab das so empfunden, als wenn ich so über einem gewissen Umweg die Kontrolle zurückbekomme.
Solange ich nicht wusste, „wie der Hase läuft“, empfand ich mich der Situation hoffnungslos ausgeliefert. Für mich ein fürchterliches Gefühl, vor allem weil ich spürte, wie meine Kräfte zusehends schwanden, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte.
Zitat
Das andauernde Überlegen und Abwägen, ob man eingreift - das macht ja auch müde. Zumal man mit dysfunktionalen Menschen immer wieder in diese Situationen kommt.
Mich hat es auch müde gemacht, nur, was hatte ich denn für eine Wahl? Nüchtern betrachtet zwei: A) Völlige Loslösung. B) Weitermachen, weil‘s doch meine Familie ist, weil ich sie nun einmal liebe.
A) Kam für mich nicht nochmal in Frage. Den Weg war ich unmittelbar nach dem Tod meines Vaters gegangen. Damals für mich überlebensnotwenig, später aber, als wir uns einander wieder angenähert hatten und wiedergefunden hatten, keine Option mehr.
Also B). Doch B konnte ich nicht um jeden Preis weitermachen.
Wie ist das bei dir? - Wenn ich das richtig bei dir verstehe, hast du’s auch schon mal in Richtung A) versucht, aber eigentlich ist das auch für dich keine Option.
Vielleicht hilft dir schon mal, wenn du dir darüber klar wirst, warum A) keine Option ist und du an B) dran bist.
Bei jedenfalls hat das zur Klärung eines Teils meines inneren Konflikts geführt.
Zitat
Ich habe inzwischen teilweise auch oft körperliche und psychische Einbrüche (auch durch chronische Erkrankungen), also Anzeichen, dass ich nicht mehr kann. Das hilft schon teilweise, dann eine Grenze zu ziehen, ist natürlich an sich keine tolle Methode, weil man dann schon im Notmodus ist.
Oh, das kenne ich selbst ziemlich gut. Nein, natürlich ist das keine tolle Methode, aber ich habe versucht, das Positive dabei zu sehen. Eine ganze Weile habe ich meinen Körper als meinen Feind betrachtet. Mein Verstand/Geist wollte, aber mein verflxxxxxxx Körper hat mir einen Strich durch gemacht.
Dieses Denken änderte sich im Lauf der Therapie. Ich erkannte, dass mein Körper eigentlich mein Freund ist, dass er‘s gut mit mir meint. Da waren nämlich jede Menge Empfindungen, eine ganze Reihe Stimmen oder Rollen in mir (Stichwort: Inneres Team), die der Verstand bzw. eine gewisse lautstarke, anführende Rolle in mir beständig übersah oder missachtete.
Von meinem Körper bzw. meiner Psyche gebremst zu werden, war und ist keine tolle Lösung, mein Ziel war und ist natürlich, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.
Zitat
Mir hilft auch sehr der räumliche Abstand. Aber emotional geht trotzdem innerlich die Achterbahnfahrt los. Auch am Telefon - wie schnell grenze ich mich ab und lege auf? Meist spüre ich die Überforderung erst hinterher, wenn es schon zu spät ist.
Kenne ich, habe ich auch erlebt.
Was hast du diesbezüglich in deinen Therapien gelernt?
Hast du dich schon mal mit dem „Inneren Team“ beschäftigt?
Kennst du dich ein bisschen in Gefühlsregulation aus?
Wann nimmst du dir Zeit für deine Eltern? Wenn’s nach ihnen geht oder dann, wenn du gerade stark genug bist?
Zitat
Was mich so fertig macht, ist dass sie wirklich gar nicht sehen, was ihr Verhalten für mein Leben damals bedeutet hat, und was heute auch noch die Folgen davon sind. Sie sind da völlig gleichgültig bzw. weisen die Schuld von sich.
Ich möchte dir hierzu eine Frage stellen:
Was hast du davon, was versprichst du dir davon, dass sie es einsehen und dir sagen?
Ich habe diesbezüglich mal bei meiner Mutter nachgetastet. Vorsichtig. Hab ihr zu erklären versucht, warum ich damals nach Papas Tod von zuhause weggehen musste. - Ich muss dazu sagen, dass sie es hätte verhindern können, aber mich hat ziehen lassen, weil sie spürte, dass das wichtig für mich ist, und aus tiefstem Herzen hoffte, dass ich irgendwann zurückkehre. -
Sie hat nie verstanden, warum ich gehen musste. Ich glaube, das konnte sie nicht, weil sie vor sich selbst noch mehr hätte eingestehen müssen, dass sie als Mutter versagt hatte. Es war so schon schwer genug für sie. Sie hat diese Zeit definitiv nicht unbeschadet überstanden und ist wahrscheinlich auch deswegen schwer depressiv geworden.
Ich hab, als mir klar wurde, dass sie das überfordert, nicht mehr weiter insistiert.
Auch meine Schwester hat nie verstanden und mir bis heute nicht verziehen, dass ich damals gegangen bin.
Und so weiß ich für mich, was damals geschehen ist und wie es mich für mein Leben geprägt hat. Und ich habe für mich für mein Leben die Verantwortung übernommen.
Du fragst, was mein Therapeut wegen des Telefonierens geantwortet hat. Ich weiß es nicht mehr so genau. Vom Prinzip lag die Lösung darin, nicht zu telefonieren, wenn’s mir grad nicht so gut geht. Und mir meiner eigenen Befindlichkeiten mehr bewusst zu werden. Er sagte auch noch etwas darüber, dass die Vorstellung von Familie, die wir jetzt haben, auf die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts unter Bismarck zurückgeht, aber was das alles jetzt im Detail bedeutet, kann ich dir so nicht wiedergeben. Es hat nur während des Therapiegesprächs etwas in meiner Einstellung verändert.
Dieses Jammern, dass ich/ wir so selten kommen, ist mir vertraut. Besonders allerdings von meinen Großeltern und meinen Schwiegereltern. Letztere sehe ich nach meinem eigenen Gefühl ziemlich oft. Die anderen sind inzwischen nicht mehr. Ich sage dazu nicht viel, was könnte ich auch sagen? Verstehen würden sie‘s eh nicht, es gäbe nur Stress, wenn ich wahrheitsgemäß antwortete, also schweige ich und denke mir meinen Teil.
Zitat
Wenn ich so von außen drauf schaue, könnte man fragen, warum tu ich mir das an? Aber es sind die Eltern. Es ist so schwer sich zu lösen von diesen Menschen.
Das ist die Frage, die du für dich selbst klären musst.
Gewiss ist das schwer, sich zu lösen. Es hat etwas mit den eigenen Wurzeln zu tun, mit der eigenen Geschichte, mit Gefühlen und Bedürfnissen und schließlich mit gesellschaftlichen Konventionen.
Ich kenne das von mir so: Vom Verstand her ist mir so manches klar, aber das, was es so knifflig macht, sind die Gefühle und die verschiedenen Rollen/Stimmen in mir. Mir selbst hilft zur Klärung gelegentlich das Modell vom „Inneren Team“.
Wenn du magst, darfst du gerne weiterhin teilen, was dich bei diesem Thema gedanklich und gefühlsmäßig beschäftigt.
Natürlich freut es mich, wenn ich dir mit meinen Gedanken ein wenig weiterhelfen konnte.
Herzliche Grüße
AmSee
Hallo Nina,
darauf kann ich dir schon eher eine Antwort geben, auf die anderen Fragen leider nicht.
Auch ich bin EKA, allerdings verstarb mein alkoholkranker Vater, als ich 15 Jahre alt war, infolge eines selbstverschuldeten Autounfalls. Meine Mutter, in den letzten dreißig Jahren schwer depressiv, starb vor einem guten halben Jahr. Sie war zuletzt infolge eines Schlaganfalls, der sie linksseitig gelähmt hatte, in einem Pflegeheim in der Nähe meiner Schwester. Ich habe sie dort nur besucht, die geschäftlichen Angelegenheiten hat meine Schwester erledigt.
Ich selbst bin Ende 40 und selbst chronisch krank (Depressionen und MS) und seit einem guten halben Jahr trinke ich keinen Alkohol mehr, auch davon war ich (psychisch) abhängig geworden.
Du schreibst von dir, dass du viele Therapien und viel Beratung in Anspruch angenommen hast und dir ein lebenswertes Leben für dich selbst aufgebaut hast.
Das kommt mir sehr bekannt vor, ebenso die Rollenumkehr, der Drang Verantwortung übernehmen und das Gefühl haben alles regeln zu müssen.
Ich hab das bis zuletzt, bis zum Tod meiner Mutter, nie wirklich ganz abstreifen können. Was mir aber geholfen hat, war, mich immer wieder auf mich zu besinnen und auf meine Bedürfnisse. Bei mir zu sein, wie man so sagt.
Ich habe immer wieder daran gearbeitet, mir bewusst zu werden, ob ich mich wieder wo hinein drängen lasse bzw. lies. Gegebenenfalls entschied ich mich dagegen, die Rolle zu übernehmen, oder aber bewusst dafür, wenn das denn vernünftig oder tatsächlich angebracht war.
Mein Therapeut hat mir dabei sehr geholfen und interessanterweise auch meine Erkrankungen.
Solange meine Mutter noch allein lebte und für sich selbst sorgen konnte, versuchte ich mich ggf. abzugrenzen, indem ich mir klar machte, dass sie sich selbst für dieses Leben entschieden hatte und dass sie für sich selbst verantwortlich ist. Sie war erwachsen und mündig. Ihre Wahl, ihr Leben.
Natürlich hat es mich nicht selten geärgert, wenn ich aufgrund ihrer Wahl etwas für sie tun (korrigieren) musste, was ich nicht hätte tun müssen, wenn sie sich „vernünftig“ verhalten hätte.
Oft strengten mich Telefonate mit ihr fürchterlich an und ich fühlte mich anschließend ausgelaugt. Am liebsten hätte ich nicht telefoniert. Mein Therapeut fragte mich: „Warum telefonieren Sie mit Ihrer Mutter?“ Ich antwortete: „Weil sie meine Mutter ist, weil man das eben so macht.“
Ich lernte, weniger zu telefonieren. Und ich lernte, mehr auf mich zu achten und meine Bedürfnisse zu kommunizieren.
Meine chronischen Erkrankungen „unterstützten“ mich bei diesem Erkenntnisprozess, denn mein Körper ließ Überforderung immer weniger zu, gewisse Dinge konnte ich irgendwann nicht mehr. Um nicht in diesem Zustand bleiben zu müssen, bemühte ich mich, mehr auf meinen Körper zu hören und meine Grenzen wahrzunehmen. Die Grenzen wurden wieder weiter, je mehr ich Rücksicht auf mich selbst nahm.
Die letzten vier Jahre, die sie im Heim verbrachte, war ich von manchen Sorgen entlastet, weil sie unter Aufsicht des Personals war.
Die Besuche bei ihr waren für mich trotzdem immer wieder ein Kraftakt, weil mindestens zwei Gefühle in mir miteinander kämpften, deren Handlungsimpuls ich nicht gleichzeitig nachgehen konnte. So übte ich mich immer wieder in Gefühlsregulation. Ich habe da Arbeitsblätter aus dem DBT-Programm der Borderliner, nach deren Empfehlungen ich vorgehe.
Ich weiß nicht, ob dir mein Erfahrungsbericht eine Hilfe ist, aber ich lass dir das mal hier, weil du nach so etwas gefragt hast.
Ich wünsche dir viel Kraft und gutes Gelingen.
Viele Grüße
AmSee
Hallo Bassmann,
ich glaube, wir „kennen“ uns noch nicht. Ich selbst hab schon einige deiner Beiträge gelesen, du aber vielleicht noch nicht viel von mir.
Ich bin erst seit etwas mehr als einem halben Jahr auf dem Weg, auf dem du schon länger gehst, war ab Ende Oktober eine kleine Weile hier aktiv, dann weg und nun wieder hier.
Ich erkenne mich in dem wieder, was du über dich erzählst, und ich freue mich.
Es erinnert mich an das, was hinter mir liegt, an das, was ich geschafft habe, und es zeigt mir einen Spiegel vor, wie es mir jetzt geht.
Interessant ist, was du bezüglich der „Bewegung zurück“ schreibst. Ich befinde mich wahrscheinlich in einer anderen Lebenssituation als du und doch empfinde ich zur Zeit ähnlich.
Bei mir hat es in gewisser Weise auch mit dem Rauchstopp begonnen, allerdings ist mir die Abhängigkeit vom Alkohol erst später klar geworden.
Danke.
Alles Gute dir weiterhin.
Viele Grüße
AmSee
Hallo Yanis,
Gratulation zum ersten abstinenten Monat, mögen noch viele, viele weitere folgen! 44.
Ich sehe das auch so, wie du es bei Erkenntnis geschrieben hast.
Wir lesen uns.
Beste Grüße
AmSee
Hallo Erkenntnis,
natürlich begrüße ich, dass du bleibst!
Was du heute Abend über dich preisgibst, hört sich für mich nach einer sinnvollen Richtung an.
Ich empfehle dir, die verschiedenen Gedanken, die du dir auf deinem weiteren Weg machst, zu teilen.
Ich persönlich glaube, dass man selbst und auch andere davon nur profitieren können.
Es hilft meines Erachtens sehr darin, sich im anderen wiederzufinden, Parallelen zu finden und Schwachstellen aufzudecken. Ganz so wie Wolfsfrau das angesprochen hat.
Einen guten Ansatz sehe ich darin, dass du dir deiner Stolperstellen bewusst wirst. So wirst du in die Lage kommen, prophylaktisch tätig werden zu können.
Ich nehme mal ein Beispiel:
Letztes Jahr Silvester war ich noch nicht so lange dabei, also noch recht frisch abstinent.
Ich bekam den guten Tipp mir Silvester, wenn ich um Mitternacht an die Straße gehe, etwas in die Hände zu nehmen, den Haustürschlüssel zum Beispiel, um so der Gefahr zu entgehen, mir von den Nachbarn ein Glas Sekt in die Hand drücken zu lassen.
Andere Stolperstellen können zum Beispiel am Wochenende kommen, wenn man bislang ein bestimmtes Ritual hatte, das mit Alkohol zusammenhing.
Für solche Gelegenheiten sorgt man am besten vor, weil man sonst Schwierigkeiten mit seinem Belohnungszentrum bekommen könnte.
Unterschätz die Macht und den Einfluss deines Belohnungszentrums nicht!
Beste Grüße
AmSee
Hallo Erkenntnis,
habe gerade deinen Post bei Samira gelesen.
Schade, wenn du diese Konsequenz daraus ziehen willst....
Mir wär’s lieber, du bleibst, und wir diskutieren, was DICH weiterbringt.
Unterschiedliche Ansichten und Positionen wird es immer geben. Ich denke, für das Forum ist es eine Bereicherung, wenn unterschiedliche Ansätze gegangen werden.
Für dich und möglicherweise auch andere, die dir ähnlich sind, wäre es vielleicht hilfreich, zu schauen, wie dein Weg verläuft.
Viele Grüße
AmSee
Hallo Samira,
sehe gerade, dass du dich abgemeldet hast.
Nachvollziehen kann ich‘s....
Schade finde ich‘s, weil du das Forum gewiss hättest bereichern können.
Viele Grüße
AmSee
Hallo Rina,
Viel Konjunktiv und wer-weiss-erraten in deinem Beitrag. nixweiss0
Schade, inhaltlich scheinst du dich nicht mit meiner Antwort auseinandersetzen zu wollen, obwohl du selbst recht provokant formuliert hast und sich damit auch die angesprochen fühlen mussten, von denen dieser bestimmte Weg „auf so hohem Niveau celebriert wird.“
Nun führt dieses Thema aber definitiv aus diesem Faden heraus. Ich überlege, ob ich diesbezüglich einen neuen Faden eröffne.
Ich bin natürlich auch gespannt auf Erkenntnis‘ Antwort!
Viele Grüße
AmSee
Hallo Rina,
auch wenn du deine Frage hier bei Erkenntnis gestellt hast und er sie gewiss für sich selbst beantworten kann und auch sollte, möchte ich gerne etwas dazu antworten. Seit der Auseinandersetzung gestern hier im Forum kreisen meine Gedanken um den Umgang hier miteinander und um „Lösungsansätze“.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich meine Antwort hier schreiben sollte oder einen neuen Post aufmachen sollte, weil es ja MEINE Antwort auf deine Frage ist und eigentlich grundsätzlich eine Frage ist, die sich allgemein an das Forum richtet.
Ich maße mir gewiss nicht an zu wissen, welche Lösung funktioniert und welche nicht. Gewiss habe ich aufgrund meiner Lebenserfahrung ein Gespür dafür entwickelt, was gut gehen kann und was nicht gut gehen wird, aber das bedeutet nicht, dass das auch wirklich immer so eintritt.
Und dann ist auch die Frage, wie man seinem Gegenüber zu verstehen gibt, dass man das Gespür hat, dass seine Lösung aller Voraussicht nach nicht funktionieren wird.
Gewiss mag es Menschen geben, bei denen es aufgrund einer Provokation oder „Klartext-reden“ Klick macht bzw. die gerade dadurch zum Widerstand herausgefordert werden. Doch was ist mit all denen, die genau davon abgeschreckt werden?
Und dann habe ich für mich selbst die Beobachtung gemacht, dass Alles in meinem Leben seine Zeit hat und dass ich es für meinen eigenen Erkenntnisprozess brauche, gewisse Wege zu gehen.
Ich persönlich habe nicht den Eindruck, dass hier das „ich will es unbedingt alleine schaffen“ „von manchen auf so hohem Niveau celebriert wird“. Nach meiner Erfahrung ist das ein Weg unter vielen, den ausprobieren darf, wer das möchte.
Ich sehe das als in der eigenen Biographie begründet, das versuchen zu wollen. Dass meine eigene Erfahrung eine andere war, kann ich ja durchaus mitteilen - und tue es ja durchaus - aber ich darf jemand anderem doch zugestehen, seine eigenen Erfahrungen machen zu wollen und ggf. auch mehrfach. Vielleicht ist es für diesen anderen der Weg für sich herauszufinden, was er braucht. Vielleicht kommt er selbst irgendwann darauf, sich doch Hilfe dazu zu nehmen.
Wenn mir nicht gefällt, dass er jammert oder dass er ggf. mehrfach scheitert, liegt es meines Erachtens an mir, ob ich mich länger damit befasse oder nicht. - Apropos, wo wird denn deutlich, dass Erkenntnis bereits 1000 (erfolglose) Anläufe gemacht hat? Ich verstehe das so, dass er jetzt begriffen hat, dass er dauerhaft mit dem Trinken aufhören will. Und ich verstehe seine bisherigen Aufhörversuche so, dass er sich letztlich im kontrollierten Trinken ausprobiert hat. Vielleicht war ihm - ebenso wie mir bis letztes Jahr - nicht mal ernsthaft klar, dass er ein Alkoholproblem hat, denn er konnte ja jederzeit eine Pause einlegen? Ich mag mich da irren, hab auch nicht gezielt danach gefragt, meine eigene Entwicklung war jedenfalls in etwa so. So jedenfalls ist mir selbst schließlich auch erst klar geworden, dass ich ein ernstes Problem habe und dass kontrolliertes Trinken bei mir definitiv nicht funktioniert.
Ich selbst hab es ja übrigens auch allein geschafft, ohne klinischen Entzug und ohne Entzugstherapie. In Therapie und schließlich sogar in eine Klinik bin ich vor einigen Jahren gegangen, als offensichtlich wurde, dass ich depressiv bin. Da war mir noch lange nicht klar, dass ich nicht mit Alkohol umgehen kann. In der Klinik und in den eineinhalb Jahren danach hab ich überhaupt keinen Alkohol getrunken und hatte kein Problem damit. Erst später kam es bei mir so richtig dazu, dass ich meiner Erkrankung mit Hilfe von Alkohol eine Weile entkommen wollte, und es hat erst die intensive Beschäftigung hier im Forum gebraucht, bis mir das klar wurde.
Hallo Erkenntnis (und ggf. andere hier),
ich wollte deinen Faden gewiss nicht sprengen oder einfach übernehmen, ich hatte aber den Eindruck, hier antworten zu müssen.
Sofern das hier nicht passt, bitte ich den Admin (Greenfox) das Thema zu teilen bzw. einen neuen Faden zu eröffnen.
Herzliche Grüße
AmSee
Hallo in die Runde,
dann melde ich mich nun doch einmal zu Wort.
Mir gefiel der Ton und auch ein gewisser Umgang hier im Forum nicht und, da ich erkannte, dass mich das unnötig Kraft kostet, bin ich gegangen.
Ich hab mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber ich bin gegangen, weil ich mir von einem internen Disput keinerlei Besserung erwartet habe.
Mir war ziemlich klar, was passiert, wenn ich mich äußere, deshalb bin ich schließlich wortlos gegangen.
Susanne , deine Beiträge sind mitunter ziemlich verletzend.
Auch wenn du mit deinen Provokationen den einen oder anderen erreicht haben magst, mich zumindest hat dein Umgangston häufig gestört und ich fühlte mich abgeschreckt. Mir war auch immer weniger danach, mich zu öffnen. Ich habe nicht wenig deiner bisweilen herablassenden Kommentare gelesen.
Ich hab das bislang nicht angesprochen, weil mir ziemlich klar war, was passiert, wenn ich es tue.
Ich hatte an diesem Kraftakt keinerlei Interesse, denn ich sah keinerlei Aussicht auf eine Verbesserung.
Warum tue ich es jetzt? - Ich bin zurückgekommen, weil ich etwas Gutes, Hoffnungsvolles berichten wollte. Ich bin zurückgekommen, weil es mir in letzter Zeit besser geht. Ich antworte Hilfesuchenden, weil ich etwas von meinem Wissen abgeben kann.
Und was muss ich erleben? - Es geht mal wieder so richtig ab und an wem entzündet sich das?
Nach meiner Beobachtung schadet diese Auseinandersetzung hier dem Forum und damit auch einigen Hilfesuchenden sehr. Vielleicht entscheidet sich nun, wie’s hier im Forum weitergeht.
Es ist ein besonderes Forum. Ich bin noch in einem anderen, aber dies hier hat eine besondere Qualität, die mich sehr anspricht.
Du Susanne hast dieses Forum zweifellos mit deinem Fachwissen bereichert, deine Provokationen aber tun diesem Forum meiner Beobachtung nach überhaupt nicht gut.
Mit freundlichen Grüßen
AmSee
Hallo Erkenntnis,
wie läuft‘s heute bei dir? Bist du wieder auf den Entzug-Zug aufgesprungen? ![]()
Ich persönlich hatte nicht den Eindruck, dass es dir hier ums Plaudern ging, sondern dass dein Interesse, mit dem Trinken aufzuhören, durchaus ernsthaft ist.
Ich setze deshalb dort an.... - sonst würde ich dir nämlich nicht schreiben... -
...man kann... Ja, hier habe ich in der dritten Person geschrieben. Das tue ich öfter, wenn ich um eine Antwort herumlaufe.
Ich mag Ehrlichkeit.
Übrigens, wenn du die eine oder andere Frage nicht beantworten magst oder kannst, hab ich gewiss kein Problem damit.
Ich gehe mit dem passenden Gegenüber ganz gern ernsthaft an Themen heran. Ich finde das spannend und es interessiert mich einfach.
Zu dem „Man kann“ muss ich sicherlich nichts sagen, oder? ![]()
Zitat
Einsamkeit.
Ich taste mich da mal vorsichtig heran.
Völlig in Ordnung.... Musst du auch nicht unbedingt mir beantworten oder hier beantworten.
Wenn du mir aber antwortest, kann’s spannend werden...
- Mir wär’s dann allerdings lieber, wenn du dabei nüchtern wärst... Nimm mir das nicht übel... -
Zitat
Kontakte mit anderen Menschen lenken ab. Mit Arbeit eindecken betäubt vorübergehend.
Ja, ich bemerke das du beides nicht so hilfreich findest, wird es wohl auch nicht sein. Aber es unterstützt.
Gewiss. Und gewiss kann es unterstützend wirken. Doch du selbst sprichst es ja schon an: „lenken ab“ und „betäubt“.
Wovon müssen sie denn ablenken und was muss betäubt werden? ![]()
Du darfst dich glücklich schätzen, wenn da kein tiefes Loch in dir ist!
Ich hab da eins... Hat ein wenig gedauert, bis ich es als solches identifiziert habe... Man neigt dazu, auch ich, zu versuchen, es zu füllen, aber sowas lässt sich nicht füllen.
Im Endeffekt musste ich lernen, dass es da ist und dass es ein Teil von mir ist.
Ich hab aber auch gelernt, dass es nur ein Teil ist und dass es da noch andere Teile gibt...
Warum frage ich dich danach? - Nun, es könnte damit zu tun haben, warum du zum Alkohol gegriffen hast....
Zum Thema Achtsamkeit komme ich ein anderes Mal, wenn denn noch Interesse besteht...
Herzliche Grüße
AmSee
Nein, mir ist nicht wirklich klar, warum ich wieder zur Flasche gegriffen habe.
Vielleicht wäre es interessant und hilfreich, dem nachzugehen...
Denn, wenn du weißt oder zumindest eine Ahnung hast, was den Rückfall letztlich ausgelöst hat, könntest du prophylaktisch tätig werden.
Der Auslöser kann u.U. durchaus eine Verkettung mehrerer Umstände sein.
Ich hab dazu mal ein ganz aufschlussreiches Erklär-Video im Netz gefunden. Da wurde am Beispiel „Stau auf der A irgendwas“ erklärt bzw. nachvollzogen, wie es bei einem Mann zum Rückfall kam. Finde das Video leider nicht wieder.
Zum Thema „Rückfall“ lassen sich ansonsten ganz gute Infos finden. Vielleicht ist darunter etwas für dich dabei.
Ansonsten ist es, wie ich gelesen und am eigenen Leib erfahren habe, deutlich hilfreicher, nach vorne zu sehen und auf das, was einen überhaupt dazu bewegt, mit dem Trinken aufzuhören.
Diese Perspektive hast du ja:
Zitat
Mir ist nur klar, dass es gleich wieder genug ist.
Wenn ich morgen früh aufwache geht es wieder nach Plan A.
A wie aufhören.
Schönen Abend dir
AmSee
Hallo Traumwandlerin,
Zitat
aber gleichzeitig freue ich mich auf ein anderes Leben danach
DAS ist eine Perspektive, die trägt, meinst du nicht?
Ich wünsche dir gutes Gelingen und viel Erfolg!
Lass von dir hören!
Herzliche Grüße
AmSee
Hallo Erkenntnis,
es erleichtert mich natürlich, dass das, was ich dir geschrieben habe, in etwa so angekommen ist, wie es von mir gemeint war.
Die schriftliche Kommunikation ist hier manchmal etwas knifflig, weil sozusagen auf unterschiedlichen Ohren gehört wird.
Bei dem Wort „sentimental“ hast du mich gewissermaßen erwischt.
Der Ausdruck trifft das, was ich meine, auch nicht so richtig. Was ich meine, ist so eine gewisse Art von Verletzlichkeit, Empfindlichkeit.
Nicht-Trinkende bzw. Nicht-mehr-Trinkende wirken mitunter etwas überheblich. Ich denke, du verstehst, was ich meine....
Ich selbst bin aber eigentlich nur froh und unendlich erleichtert, dass ich diesem Schxxeibenkleister entkommen bin. Und ich erinnere mich recht gut daran, wie „empfindlich“ ich unter Alkoholeinfluss war...
Bezüglich deiner Antwort auf meine Fragen wird’s jetzt wirklich spannend.
Interessant ist, dass du „Man kann“ geantwortet hast und nicht „Ich habe“. Bist du da etwa ausgewichen? ![]()
Die ersten beiden Antworten sind mir natürlich auch bekannt, aber - und jetzt wird‘s interessant - hilft das wirklich gegen die Einsamkeit?
Was ist das denn für eine Einsamkeit, die du da spürst?
Ist das auch so eine Art tiefes Loch in dir, das du gerne füllen möchtest?
Und dann... was suchst du eigentlich?
Wenn du auch so eine Art tiefes Loch in dir füllen möchtest, hast du schon mal die Erfahrung gemacht, dass Kontakte zu anderen Menschen oder dass sich mit Arbeit eindecken tatsächlich hilft?
Die dritte Antwort geht in eine andere Richtung, dazu äußere ich mich ein anderes Mal.
Du merkst vielleicht an der Art, wie ich schreibe, wie ich selbst inzwischen zu den ersten beiden Antworten stehe.....
Was mich persönlich betrifft, so liegt die Antwort nicht in etwas, das von Außen kommt....
Ich halte hier einmal inne, um deine Antwort dazu abzuwarten.
Bezüglich deiner Gedichte: Ja klar hab ich die gelesen und ich weiß so etwas auch zu schätzen. Es fällt mir allerdings schwer, etwas Passendes darauf zu antworten. Auch meine ich, dass solche Gedichte einfach unkommentiert stehen bleiben dürfen, vielleicht sogar sollten.
Ich hab die Beobachtung gemacht, dass Kommentare nicht selten etwas kaputt machen bzw. zu weiteren wenig hilfreichen Kommentaren herausfordern.
Herzliche Grüße
AmSee
Hallo Erkenntnis,
„Das von allen gejagte Tier“... Das kommt mir bekannt vor...
Und was du unter „Poesie“ gepostet hast, spricht ja Bände von deiner Suche und deiner Einsamkeit.
Und dieses „funktionieren müssen“....
Dass du unter Alkoholeinfluss noch sentimentaler bist, ist dir bekannt? - Nimm‘s mir nicht übel, aber mir selbst ist noch gut in Erinnerung, wie sentimental und empfindlich ich unter Alkoholeinfluss war. Ich will keineswegs überheblich rüberkommen, aber ich ticke anders, seit ich gänzlich abstinent bin und, da du gerade vermutlich unter Alkoholeinfluss stehst, steht das wahrscheinlich zwischen uns.
Die Zeit - Ja, das ist in der Tat etwas Eigenartiges....
Ich selbst habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht, dass Alles irgendwie seine Zeit hat.
Hilfreich ist für dich gewiss die Einstellung, nach vorne zu blicken.
Ich bin auch so jemand, der nach vorne blickt.
Ich suche nach praktikablen, zu mir passenden Lösungen, nicht nach Problemen.
Wenn du meinst, dass du‘s alleine, ggf. mit Fachwissen aus dem Netz schaffst. Nur zu! Ist deine Lösung, dein Leben.
Ich hab das lange Zeit so gemacht und bin - jünger als du - schließlich dahin gekommen, wo‘s nicht mehr ging. Früher hätte ich darüber gedacht „Warst halt nicht stark genug..“ Aufgrund meiner eigenen Lebenserfahrungen denke ich heute anders darüber. - Alles hat seine Zeit. Bei mir war eben der Zeitpunkt gekommen, mir professionelle Hilfe zu holen. Ich war an einem Punkt, an dem es nur noch ums nackte Überleben ging....
Ich selbst empfinde das, was mein Arzt/ Therapeut da tut, nicht als „Experimentieren“. Ich hab Glück gehabt, bin durch Zufall genau an jemanden gekommen, der zu mir passt, bei dem die Chemie von Anfang an gestimmt hat. - Hab vorher und auch als ich schließlich wegen der Depressionen in der Klinik war andere kennengelernt.... - Ich hab mir viel Fachwissen aus dem Netz geholt, vorher und auch jetzt noch, und ich bin gewiss nicht auf den Kopf gefallen und ein sehr reflektierter Mensch, und doch mache ich stets von Neuem die Erfahrung, wie weit mich ein kurzes Gespräch mit meinem Arzt/ Therapeuten bringt.
Meine Perspektive hat sich verändert. Ich fühle mich nicht mehr gejagt, muss nicht mehr ständig kämpfen. Und noch Vieles mehr.
Das ist eben meine Erfahrung.
Ich hatte von „Achtsamkeit“ gehört, hab im Netz gesucht, was das ist, hab nach Anleitungen gesucht. Hab‘s nicht hingekriegt.
Erst in der Klinik lernte ich das allmählich, begriff, was das wirklich bedeutet.
Du sprichst von dieser Einsamkeit, von der Suche.
Was hast du bislang für Lösungen dafür gehabt?
Ist dir letztlich wirklich klar, warum du doch wieder zum Alkohol gegriffen hast, obwohl du doch so entschlossen warst? Lag es wirklich nur daran, dass das Zeug überall herumstand?
Bin gespannt, was du darauf antwortest....
Herzliche Grüße
AmSee
Hallo Tine,
deine Frage ist sehr schwer zu beantworten.
Kurz zu mir: Ich bin Ende 40, w, mein Vater war Alkoholiker mit regelmäßigen schweren Abstürzen und Klinikaufenthalten, bin selbst, wie ich mir selbst erst vor etwa einem halben Jahr eingestanden habe, alkoholabhängig geworden und lebe seit über einem halben Jahr zufrieden abstinent.
Was gehen Kinder mit dem Thema „Papa trinkt“ um? - Du selbst hast erlebt, wie das mit alkoholkranken Eltern ist. Und du hast Angst, dass deine Kinder auch mit Ängsten aufwachsen müssen.
Da sich deine eigene Vergangenheit offenbar etwas von der Situation unterscheidet, die deine Kinder derzeit erleben, merkst du gewiss, dass es keine pauschale Antwort gibt.
Wie weit kennst du selbst dich mit dem Thema „Alkoholkrankheit“ aus? Was du über deinen Mann erzählst, klingt für mich durchaus schon besorgniserregend, es klingt nach einer Abwärtsspirale.
Dein Mann wird das gewiss anders sehen, wird es abtun, wird nicht wenig ungehalten werden, wenn du ihn darauf ansprichst. - Ich selbst mochte von meinem Mann überhaupt nicht gern auf meinen Konsum angesprochen werden. Darüber gab es öfter Stress zwischen uns. Inzwischen, da sich in meinem Denken etwas Entscheidendes geändert hat, sehe ich das natürlich anders. -
Wie gehen Kinder damit um? - Erinnerst du dich, wie fein dein Gespür für deine Eltern war? Das ging schon eher los als mit 8 Jahren, oder?
Die Sache ist die: Kinder brauchen Sicherheit. Und für die gesunde Entwicklung eines Kindes wäre es wichtig, dass das Kind und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Und eben nicht, dass die Alkoholkrankheit des Vaters im Mittelpunkt steht und sich die gesamte Aufmerksamkeit und Sorge immer wieder nur um ihn dreht.
Wie ist das aber nun bei dir?
Und wenn es wirklich heftig wird oder schon ist, was wären dann die Konsequenzen?
Ich wünschte, ich könnte dir eine schöne, gute, hoffnungsvolle Auskunft geben, aber das Thema ist leider ein ziemlich ernstes.
Herzliche Grüße
AmSee
Hallo Erkenntnis,
hab mich gerade mal ein bisschen bei dir eingelesen.
Kurz zu mir: Ende 40, w, chronisch krank (schwere Depression und MS), frühverrentet, seit einem halben Jahr ohne Alkohol lebend, auf der Suche nach einem irgendwie zufrieden stellenden Leben, nach MEINEM Leben, inzwischen häufig recht zufrieden.
Alles anzeigen
Man fällt hin und steht halt wieder auf.
Ich habe mal eine ältere Frau zu einem Kind sagen hören:
Wenn du stolperst, hinfällst - und wieder aufgestanden bist - gehe nicht sofort weiter.
Laufe zurück und gehe an der Stelle vorbei, an der du gefallen bist.
Mein erster Gedanke war; was für'n Quatsch.
Aber irgendwie hat das etwas.
Und irgendwie muss ich ja auch zurückkehren, zu meinem Projekt "Aufhören".
Um dann weiterzugehen ...
Ich frage mich, was du für neue Erkenntnisse gewonnen hast.
Du bist gestolpert, weil dich alleine im Hotel die Einsamkeit überflutet hat. Jetzt gerade wartet etwas Kühles im Bad....
Was hast du Neues herausgefunden?
Wie sieht dein neuer Plan aus?
Der Gedanke, es alleine zu schaffen, Einzelgänger zu sein, ist mir durchaus vertraut, die Sache ist nur die, letztlich köchelt man doch nur im eigenen Saft.
Man kann alleine durchaus ein gutes Stück weit gehen, aber aus eigener Erfahrung weiß ich inzwischen, wie weit es einen bringen kann, wenn jemand von Außen mal richtig gute Fragen stellt und die eigene Sichtweise mit gutem Fachwissen erweitert oder ggf. mal in Frage stellt.
Herzliche Grüße
AmSee
Hallo Lilly,
vielen Dank, dass du so viel von dir preisgegeben hast, nun habe ich eine sehr viel genauere Vorstellung, wie es dir geht.
Was das Leben in dieser religiösen Gemeinschaft betrifft, kann ich sehr gut nachvollziehen, wie dich das für dein Leben geprägt und gewissermaßen gezeichnet hat. Hut ab, dass du es geschafft hast, dich davon zu lösen. So etwas ist wahrlich (!) nicht einfach, besonders noch weil du in dieser Gemeinschaft groß geworden bist. Die Familie und das gesamte Umfeld, was man kennt, zu verlieren, und und und
ist bei solchen religiösen Gemeinschaften leider üblich und hinterlässt sehr, sehr, sehr tiefe Wunden.
Was dir danach geschehen ist, ist für mich völlig nachvollziehbar.
Und nun bist du an dem Punkt, dass du die „heilsame“ Seite des Alkohols kennengelernt hast und gewissermaßen keine gute brauchbare Alternative kennst. Du kennst allerdings auch schon die Schattenseiten des Alkohols.
Ich hab sie auch sehr geschätzt, diese „heilsame“ Seite des Alkohols. Für eine Weile war er meine „Medizin“. - Was du darüber erzählst, warum du Alkohol konsumiert hast, kommt mir sehr bekannt vor...
Doch... inzwischen denke ich ganz anders über den Alkohol und ich erinnere mich auch immer wieder und immer mehr daran, was für ein falscher Freund er gewissermaßen für mich war.
Ich hatte nicht mehr richtig die Kontrolle darüber, wie viel ich trank. Ein Glas war schnell herunter gestürzt, Genuss war das nicht mehr. Und ich überschritt schließlich eigentlich jedes Mal den Punkt, an dem die Wirkung noch angenehm war und hilfreich. Mir entglitt mehr und mehr die Kontrolle und der Gedanke, ab wann ich am Tag wieder eine Flasche aufmachen dürfte, kam immer öfter. Und und und
Ich wurde allmählich jedenfalls ziemlich nachdenklich. Mein Ringen, weiter Alkohol trinken zu dürfen und wie es schließlich bei mir kippte, kannst du in meiner Selbstvorstellung nachlesen.
Heute nach mehr als einem halben Jahr Abstinenz sehe ich, wie viel mehr der Alkohol meiner Psyche und meinem Körper noch geschadet hat. Das hätte ich so nicht erwartet und hab es, als ich noch regelmäßig getrunken habe, überhaupt nicht bemerkt.
Ich komme zu dir zurück: Du hast sehr, sehr tiefe Verletzungen erlitten, ein Trauma davon getragen. Du bist nicht die erste, die das mit Alkohol zu behandeln versucht hat. Leider ist Alkohol überhaupt kein gutes Hilfsmittel, im Gegenteil schafft er neue, ziemlich gravierende Probleme.
Ich selbst habe in meinem Leben Schlimmes erlebt, war zwischenzeitlich auch mal kurz in einer religiösen Gruppierung, die mir letztlich NICHT gut getan hat und mich in gewissen Bereichen verbrannt hat.
Das wirkliche Heilmittel für mich lag schließlich in einer Therapie bei einem richtig guten und zu mir passenden Arzt/ Therapeuten. Es hat Jahre gedauert und ich bin auch immer noch dabei, was aber auch damit zu tun hat, dass ich chronisch krank geworden bin. Vieles ist besser geworden, Vieles konnte verarbeitet werden und meine Perspektive hat sich entscheidend verändert.
Die große Welt mag sein, wie sie will, ich nutze den Gestaltungsspielraum meiner eigenen kleinen Welt voll aus und meine eigene kleine Welt gefällt mir inzwischen ziemlich gut.
Ich schreibe dir das, weil dir mein Beispiel vielleicht weiterhilft, eine neue Perspektive zu entwickeln.
Herzliche Grüße
AmSee
Hallo Lilly,
ich hab mich von deinem Posting angesprochen gefühlt, bin mir aber nicht sicher, ob ich dir wirklich weiterhelfen kann, da du äußert wenig von dir preisgegeben hast.
Du sprichst an, dass es dir schwer fällt, etwas NICHT zu tun. Du meinst damit NICHT Alkohol zu trinken, was dir heute offenbar besonders schwer gefallen ist.
Ich sehe das Problem genau in dieser inneren Einstellung, etwas NICHT tun zu dürfen, was man eigentlich möchte.
Ich gehe an meine Abstinenz bewusst nicht so heran, denn die Wahrscheinlichkeit, dass meine Gedanken genau um dieses „Ich darf das nicht....obwohl das doch soooo schön wäre“ kreisen würden, wäre ziemlich hoch. Mein Belohnungszentrum würde mir die Hölle heiß machen, weil es nicht seine Belohnung kriegt. Alkohol wirkt ja nun mal ziemlich schnell dort und es reicht ja schon die Aussicht auf Belohnung, die zu einer Ausschüttung gewisser Botenstoffe führt. Versagst du dir dann die Belohnung, wird’s ziemlich frustig.
Ich gehe anders an meine Abstinenz heran. Ich habe gar nicht das Gefühl, etwas nicht zu dürfen.
Ganz im Gegenteil fühle ich mich frei davon, etwas nicht mehr tun zu MÜSSEN. Ich fühle mich frei von einer Art Zwang und ich fühle mich frei zu etwas Neuem.
Ich lasse es in meinem Kopf möglichst gar nicht mehr zu dem Gedanken kommen, ich müsse auf etwas „Gutes“ verzichten.
Und wie sich für mich auch auf überraschend und sehr überzeugend Weise gezeigt hat, hat mir mein Alkoholkonsum sogar mehr körperlich und psychisch zugesetzt, als ich das geahnt hätte. Ich bin nun seit mehr als einem halben Jahr abstinent und das hat bei mir zu einer Verbesserung geführt, die ich so nicht erwartet hätte. Und das bestärkt mich natürlich darin, dass ich nichts mehr trinken mag.
Ich kenne dieses Aufhören aus reiner Willenskraft aus dem Zusammenhang mit dem Nicht-mehr-Rauchen. Auf dem Weg hab ich‘s nicht geschafft, sondern erst auf einem anderen....
Magst du ein wenig mehr über dich erzählen?
Herzliche Grüße
AmSee