Hallo Gerd,
warum nicht in einem bestimmten Bereich über „Stützstrümpfe“ reden?
Beiträge von AmSee13
-
-
Hallo Susanne,
ich habe gerade deine lange Antwort entdeckt und natürlich gelesen. Ich hab mich echt darüber gefreut und deine lange Nachricht gewiss nicht als Zumutung empfunden. Wir haben uns früher schon sehr lange Nachrichten geschrieben, Manches lässt sich eben nicht kurz erzählen oder wir können oder wollen es zumindest nicht. Und ich freue mich auch, dass mein „Danke“ an dich gut bei dir angekommen ist.Ich freue mich auch zu lesen, dass es dir soweit gut geht.
Ich lese aus deiner Nachricht heraus, dass du das Bedürfnis hast, dich mir mitzuteilen und dich mir auch irgendwie zu erklären. Find ich voll ok und ich fühle mich dadurch irgendwie geehrt. - Hoffe, das kommt jetzt richtig an.

Es sind so viele interessante Anknüpfungspunkte in deiner Nachricht, aber ich schaffe es jetzt nicht, auf alles etwas zu antworten, auch wenn ich das gerne möchte. Formulieren, was in meinem Kopf ist, fällt mir nicht immer leicht. Deshalb schreibe ich nur, wenn‘s bzw. solange es „fließt“.
Was du mir geantwortet hast, bestätigt übrigens meinen Eindruck von dir und das war durchaus kein negativer Eindruck, auch wenn ich mit deiner Bärbeißigkeit und Bissigkeit mitunter meine Schwierigkeiten hatte. Es hat nun einmal seine Gründe, warum du so bist, wie du bist. Vieles hast du diesbezüglich ja auch von dir erzählt.
Es hat schließlich auch seine Gründe, warum ich so bin, wie ich bin.
In all unserer Verschiedenheit glaube ich recht gut nachvollziehen zu können, was mit dir ist. Gewisse Ähnlichkeiten sind eben aufgrund unserer Vergangenheit in einer alkoholkranken Familie vorhanden und vielleicht noch aus anderen Gründen.Übrigens war es nicht deine „Härte“, die mich vor bald zehn Monaten zum Umdenken bewegt hat...
Sondern du hast dich auf meine Fragen und Gedanken eingelassen und mir mit deinen eigenen Erfahrungen geantwortet. Ich fühlte mich schließlich ernstgenommen und ich hab Teile von mir und meinem bisherigen Weg in dir und deinem Weg wiedererkannt und ich begriff an deinem Beispiel, wohin ich auf dem Weg war.
Nein, Härte hätte mich nicht erreicht, es war etwas anderes, das du ebenfalls an oder in dir hast....
Ich hab aber andere (wenige) Beispiele kennengelernt, bei denen eine klare Ansage, tatsächlich das ist, was sie bei all ihrer Empfindlichkeit brauchen. - Ist schon eine bunte Welt, diese Alkoholiker-Welt.
Du hattest mal geschrieben, welche Schwierigkeiten du mit Lob und Anerkennung von anderen hast. Ich hab das damals schon nachvollziehen können, nun hast du es noch deutlicher und noch besser nachvollziehbar erklärt. Danke.

Diese Sache mit dem Selbstwertgefühl, das aus einem selbst und dem eigenen Inneren kommt, und dem Gefühl, „nur“ etwas wert zu sein, wenn man für andere da ist, hat mich besonders in den vergangenen Monaten sehr beschäftigt.
Ein schwieriges Thema für eine EKA.Wann tue ich etwas, weil ich das einfach gerne möchte, gerne mache, usw. und wann tue ich etwas, um (unbewusst?) von außen Wertschätzung zu erhalten?
Mitunter ist es für mich äußerst schwierig, das auseinanderzuhalten, manchmal empfinde ich es als eine Gratwanderung.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es die ganze Angelegenheit nicht gerade leichter macht, wenn man von der Wertschätzung anderer so getriggert wird, wie du das von dir beschreibst. Du schriebst mal vom Esel und der Möhre vor seiner Nase.Ich hab bemerkt, dass du es nicht lassen konntest, hier viel zu antworten und dass und wie du damit irgendwie in eine Verantwortung geraten bist, die du eigentlich gar nicht wolltest. Es war auch nicht zu übersehen, was das mit dir gemacht hat.
Was spricht denn grundsätzlich dagegen, ab und an wegzugehen, um das Gefühl zu haben, das wirklich von „außen“ betrachten zu können?
Wie heilsam und förderlich das für die eigene Entwicklung sein kann, habe ich erfahren, als ich selbst „weg“ war.Dass du inzwischen weit weg vom Thema „Alkohol“ bist, kann ich, obwohl ich demnächst erst 10 Monate trocken bin, durchaus schon nachvollziehen.
Wenn du dich damit nicht mehr gut fühlst, von deiner Geschichte zu erzählen, weil es sich anfühlt, als wenn deine Platte einen Sprung hat, dann klingt es logisch, das nicht länger zu tun.
Vielleicht gibt es ja andere Möglichkeiten für dich, dem Forum trotzdem irgendwie erhalten zu bleiben, ohne in eine Rolle zu fallen, die du gar nicht willst? - Wenn du das denn überhaupt möchtest.Was du über die verschiedenen Inneren Anteile schreibst, die du irgendwie nicht zusammenbringen kannst, kann ich nachvollziehen.
Ich lerne meine verschiedenen Inneren Anteile in den letzten Monaten erst kennen bzw. identifiziere sie überhaupt erst. Spannend und mitunter gar nicht so leicht. Da sind definitiv mehr als nur ein „Inneres Kind“. Wie verletzt einige Anteile sind, erspüre ich so nach und nach. Manchmal macht mir das Angst, was ich finden könnte. Aufschlussreich war letztens eine Erfahrung, als ein deutlich jüngerer, äußerst verletzter Innerer Anteil von mir die „Führung“ übernommen hat, und ich das tatsächlich erkannt habe und den erwachsenen Inneren Anteil wieder die „Führung“ übernehmen lassen konnte.Ich hab für mich inzwischen die Notwendigkeit erkannt und den Wunsch entwickelt, nochmals professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Deshalb lerne ich gerade eine Therapeutin kennen, die auch in Trauma-Therapie ausgebildet ist und beantrage die Genehmigung einer Psychotherapie.
Damit schließe ich erstmal.
Grüße
AmSeeP.S.: Das mit dem Wandern hört sich gut an. Ich war letztens im Urlaub auch ein paar Mal wandern. Schaffe inzwischen 6 mal so viel wie Anfang des Jahres, ohne gleich völlig hinüber zu sein. Hat mir Mut gemacht.
-
Hallo Orangina13 und Camina1969
Danke für eure Beiträge zu diesem Thema! Auch ich gehöre zu den Menschen mit Hochsensibilität und beschäftige mich schon eine Weile damit, wie ich damit besser umgehen kann.
Finde mich in euren Beiträgen wieder.
Hallo @ichso,
Hochsensibilität ist nach meiner Erfahrung sowohl Segen als auch Fluch. Lange Zeit, als ich noch nicht wusste, dass ich zu den Menschen mit Hochsensibilität gehöre, habe ich es als Fluch empfunden, so anders zu sein als andere. Mir ging das ziemlich ähnlich wie Camina.Das bedeutet nicht, dass ich nicht auch „megastark“ gewesen wäre. Ich frage mich, was du unter „megastark“ verstehst. Eine gute Freundin von mir, die ebenfalls hochsensibel ist, versteckt das unter einer besonderen Bissigkeit oder Bärbeißigkeit. Die lässt sich die Butter gewiss nicht vom Brot nehmen.
Hochsensibel zu sein, bedeutet letztlich, mehr wahrzunehmen als andere „normale“ Menschen, Geräusche, Farben, Licht, Emotionen usw. Das ist ungeheuer anstrengend. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass man ständig nur nachdenkt und immer an sich und der Welt zweifelt.
Ich hab mir das gewiss nicht ausgesucht, so zu sein. Solange ich nicht wusste, dass ich zu den hochsensiblen Menschen gehöre, habe ich darunter gelitten anders zu sein und verstand nicht, warum ich nicht wie die anderen sein konnte.
Seit ich es weiß, geht’s mir besser und ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich akzeptiere, dass Menschen unterschiedlich wahrnehmen.Viele Grüße
AmSee -
Hallo Orangina13
das freut mich sehr, dass du mit meinem Beitrag etwas anfangen konntest.
Interessant finde ich deine Beobachtung mit der Distanz. Da werde ich bei mir selbst mal etwas mehr draufschauen.
Das „Ich denke“-Spiel gefällt mir. Das werde ich öfter mal ausprobieren.Viele Grüße
AmSee -
Hallo Orangina,
ok, dann hab ich eine Ahnung, was du meinst, und lege los.
In einem Gespräch mit meinem Neurologen, der mich seit Jahren auch therapeutisch begleitet, ging es mal um dieses große schwarze Loch, das ich in meinem Inneren spüre. Man könnte es auch Innere Leere nennen.
Nur zur näheren Erklärung MEINES schwarzen Lochs:
Bei mir hat es, so weiß ich inzwischen, mit gewissen traumatischen Erfahrungen in meiner Vergangenheit zu tun bzw. mit etwas, was in meiner kindlichen Entwicklung einfach gefehlt hat.Ich hab - lange Zeit unbewusst, dass da ein Loch ist, das ich zu füllen versuche - versucht, dieses schwarze Loch zu füllen. - Wer würde das nicht versuchen? - Doch egal, was ich auch versuchte - Liebe, Arbeit, Nahrung, Sport, Perfektion , usw. - es war mit NICHTS zu füllen, es blieb immer da. Diese Leere blieb immer da.
Heutzutage noch spüre ich dieses Loch zum Beispiel besonders stark und traurig schmerzhaft, wenn ich mit einer meiner beiden Hündinnen kuschele. Das Kuscheln an sich ist wirklich einfach nur schön und ich genieße es auch, aber - vielleicht weil es so schön ist? - ich spüre zugleich in diesen Momenten eine ungeheure Traurigkeit, die aus eben diesem Loch in meinem Inneren zu kommen scheint. -
In Zeiten, in denen ich noch Alkohol getrunken habe, war das Loch nicht so spürbar. WENN ich den richtigen Pegel hatte. Dann nämlich fühlte ich mich beschwingt und heiter.
Nebenbei bemerkt: Überschritt ich den Pegel - und das geschah schließlich regelmäßig - dann kippte meine Stimmung und ALLES wurde traurig und sinnlos.In dem genannten therapeutischen Gespräch ging es um jenes schwarze Loch.
Mein Arzt erklärte mir, dass ich dieses Loch nicht füllen könne. Er riet mir stattdessen ein „Museum“ darum herum zu errichten. Zunächst verstand ich nicht, was er damit meinte. Sein Vorschlag schien mir sogar ziemlich widersinnig zu sein. Da erzähle ich von diesem schwarzen Loch, das so weh tut, und frage, wie ich das füllen könnte, und er antwortet mir, dass ich damit leben muss und ein „Museum“ drumherum errichten soll. Was soll das?Inzwischen verstehe ich, was er meinte. Das Loch ist bei mir aufgrund gewisser traumatischer Erfahrungen in meiner Kindheit und Jugend entstanden. Diese Erfahrungen und das Fehlen von etwas, was für die kindliche Entwicklung wichtig ist, lassen sich nicht rückgängig oder wieder gut machen. Da ist so ein Schmerz, eine Traurigkeit, ein Leere, die eben einfach da sind.
Das Museum aber kann ALLES enthalten, was ich im Zusammenhang mit eben diesem schwarzen Loch weiß oder/ und dazu gelernt habe. Letzteres ist inzwischen schon ziemlich viel geworden.
Man kann zum Beispiel lernen, mit Trauer zu leben. Trauer ist nun einmal ein Teil menschlichen Lebens, es gibt immer wieder Momente, in denen wir trauern müssen. Sie lässt sich einfach nicht vermeiden. In meinem „Museum“ kann ich also für mich sammeln, was ich für den Umgang mit Trauer brauche.
In meinem „Museum“ können traurige und schöne Erinnerungen gesammelt werden.
In meinem „Museum“ bin ich nicht allein, sondern dort kann ich meine anderen Inneren Anteile und auch meine Inneren Helfer versammeln oder zumindest den einen oder anderen treffen.Ich weiß jetzt nicht, ob das zu abgefahren klingt und ob es überhaupt zu dir passt, aber an dies hier habe ich gedacht, als du von dieser Leere schriebst.
Vielleicht kannst du etwas mit dem, was ich geschrieben habe, anfangen, wenn nicht lass es einfach liegen.Liebe Grüße
AmSee -
Hallo Orangina,
ich fühle mich angesprochen, auf das Thema „Leere“ zu antworten.
Du schriebst:Trotzdem fühlt sich „etwas“ leer an. Wie gesagt, ich muss lernen , meine Bedürfnisse und Ziele wahrnehmen lernen.
Mein erster Gedanke war: Sie kennt es auch, dieses schwarze Loch im Inneren.
Mein zweiter Gedanke, als ich deinen Text nochmals gelesen habe, war: Oder meint sie, dass sich in ihrem Leben durch das Fehlen des Alkohols eine Lücke aufgetan hat, die sie bislang noch nicht füllen konnte?Mit beiden Gedanken beschäftige ich mich schon eine Weile. Möchtest du an meinen Gedanken teilhaben? Und wenn ja, an welchem?
Viele Grüße
AmSee -
Hallo Orangina,
wie schön, dass du wieder hier vorbeischaust und erzählst, wie es dir weiter ergangen ist. :welcome:Ich gratuliere dir zu bald 10 Monaten Abstinenz! Wir beide sind ja fast gleich auf, ich bin dir ja nur sehr wenige Tage voraus. ☺️
Dem, was Gerd geschrieben hat, kann ich nur zustimmen, mir geht’s da inzwischen ähnlich.
Alles Liebe und Gute dir!
AmSee -
Hallo Susanne,
da du offenbar doch noch regelmäßig mitliest, möchte ich die Gelegenheit nutzen, dir „Danke“ zu sagen für das, was du für MICH getan hast.
Ich bin inzwischen 9 1/2 Monate trocken und ich bin sogar zufrieden abstinent. Dass es soweit gekommen ist, habe ich unter anderem DIR zu verdanken, weil du dich am Anfang mit mir und meinen Fragen abgegeben hast. Du hast mir von deiner Geschichte erzählt und ich konnte mich darin irgendwie wiedererkennen. Deine Geschichte machte mir so richtig deutlich, worauf ICH zusteuerte, und dass man nicht erst Alkoholiker war, wenn man so war wie mein Vater.
Inzwischen habe ich nicht wenige andere Alkoholiker kennengelernt (trocken und nass), kenne viele Geschichten, viele Herangehensweisen an das Thema. So, wie du mir damals geantwortet hast, hast du mir eine Brücke gebaut, anderswo wäre ich vielleicht nicht so gut aufgehoben gewesen, da ich damals noch nicht soweit war, mich als Alkoholikerin zu sehen und den Rest meines Lebens abstinent sein zu wollen. Deshalb: DANKEViele Grüße, ich hoffe, dass es dir gut geht.
AmSee -
Hallo Martin,
herzlich Willkommen im öffentlichen Bereich dieses Forums.
Das hört sich nach einer sehr erfreulichen Entwicklung an, die du in den letzten Wochen genommen hast, und natürlich freut mich das für dich, dass sich bei dir ein Schalter umgelegt hat und du so positive Erfahrungen mit der Abstinenz machst.
Schönes Gefühl, nicht wahr?Siehst du dich denn als Alkoholiker oder beabsichtigst du nur, eine Pause einzulegen?
Die Entzugserscheinungen, die du hattest, klingen recht harmlos, aber an dieser Stelle möchte ich alle, die (stumm) mitlesen, nochmals vor dem sogenannten „Kalten Entzug“ warnen, dieser kann ernsthaft gefährlich werden, auch wenn’s sonst immer gut gelaufen ist. Die Gefahr sollte keinesfalls unterschätzt werden.
Darf ich dich fragen, was du sonst noch für Schritte unternommen hast, Martin?
Hast du dich schon mal von deinem Arzt durchchecken lassen und zwar mit Blick auf deinen Alkoholkonsum?Viele Grüße
AmSee -
Liebe Schotterblume,
@AmSee: ja, ich kenne und liebe Frederik, danke dass du mich an ihn erinnert hast


Ich kann gut nachvollziehen, dass dir die Gedanken heute Angst machen. Dein neuer Versuch, damit umzugehen, hört sich für mich gut an.
Ich habe selbst erst kürzlich gelernt, damit umzugehen, dass es nur ein Gedanke ist und dass der Suchtdruck wieder vorbei geht. Ich selbst habe, als ich so Druck hatte, ganz viel Mineralwasser getrunken, so viel, wie nur reinging. Und als mein Magen so richtig voll mit Wasser war, war der Druck weg.
Ich war mir klar geworden, was bei mir zu diesem Druck geführt hatte: Irgendwie war trotz meiner Bemühungen der Gedanke in mir aufgekommen, ich müsste auf etwas verzichten. Und ich tat mir fürchterlich leid dabei.
Als ich das schließlich überstanden hatte, war ich ziemlich erleichtert. Ich konnte das erst nicht annehmen, als andere versicherten, dass ich stolz auf mich sein dürfte, aber so nach und nach sickerte es doch bei mir durch.Die Angst, von der du erzählst, kenne ich auch, aber du siehst meiner eigenen Erfahrung nach ganz richtig, dass sie dich näher an einen Rückfall führt.
Für mich selbst entscheidend ist auch der Gedanke, dass ich nie wieder Alkohol trinken will, weil mir ziemlich bewusst ist, wohin mich das führen wird. Deshalb beschäftige ich mich recht viel mit meiner „Trockenarbeit“.
Gestern erst bin ich wieder auf das Thema „Resilienz“ gestoßen.
Die Resilienz-Forschung, die noch relativ jung ist, versucht herauszufinden, was manche Menschen resistenter oder widerstandsfähiger gegen Stress macht. Viele Menschen in unserer Gesellschaft werden aufgrund von Stress krank, einige aber nicht, obwohl sie ebenfalls unter starkem Stress stehen. Was ist bei denen anders?
Das Geheimnis scheint u.a. darin zu liegen, dass sich diese Menschen eher auf Positives zu fokussieren, dass sie eine Krise als Chance betrachten, dass sie sich ihrer Stärken bewusst sind und lösungsorientiert denken.
Und noch einiges mehr.Und da habe ich mich gefragt, was MICH stärken könnte.
Und welche Lösungen mir vielleicht doch noch einfallen.Und gestern und auch heute habe ich mehrere Sätze formuliert, die ich gestern in einem Resilienz-Training kennengelernt habe. Sie sollen der Selbststärkung dienen und bestehen aus zwei Teilen:
Erster Teil: Persönliches Stress-/ Angst-Thema benennen. (z.B. „Auch wenn ich gerade Angst habe..“)
Zweiter Teil: Selbststärkungssatz (z.B. „... liebe und schätze ich mich so, wie ich bin.“)
Das „liebe“ soll das Gefühl ansprechen, das „schätze“ den Verstand.
Wenn man das so (noch) nicht aussprechen kann, kann man das auch abschwächen in „...versuche ich mich (zu einem klitzekleinen Teil) so zu lieben und zu schätzen, wie ich bin“ oder „...bin ich dennoch immerhin ein Mensch.“
Andere Selbststärkungssätze sind denkbar, wie „...gehe ich meinen ganz eigenen Weg.“, „...nehme ich mir den Raum, den ich brauche.“ usw.Vielleicht ist das ja auch für dich interessant, deshalb teile ich das hier.
Liebe Grüße
AmSee -
Ja, was fällt mir bei meiner Abstinenz schwer? Es ist verschiedenes, aber meist kann ich zusammengefasst sagen, dass ich mich schwertue im Aushalten: von Gefühlen, Gedanken, Anspannungen.Liebe Schotterblume,
das kann ich gut nachvollziehen, weil ich das von mir selbst kenne.
Manchmal waren oder sind auch bei mir Gefühle und Anspannung gewaltig und ich fühle mich dann davon regelrecht überfordert.
Von mir selbst weiß ich, dass ich nicht gelernt hatte, damit umzugehen. Teilweise wusste ich nicht mal, was das für Gefühle sind, nur dass ich mich gerade überfordert fühlte.
Mit jedem Mal aber, in dem ich weiß, was gerade das Gefühl ist, und ich seinem Handlungsimpuls nachgehen kann, ist es bei mir besser geworden.Diese Formulierung „Ich suche mein Gleichgewicht.“ könnte auch so von mir kommen.
Was du über deinen Weg schreibst, hört sich gut an. Mir geht es da auch ähnlich wie dir, manchmal läuft‘s und manchmal hakt‘s, manchmal brauche ich Unterstützung von anderen.
Was mir Mut macht, ist, dass die Tendenz grundsätzlich aufwärts geht - sogar meiner Schwiegermutter ist das letztens aufgefallen - und so versuche ich, die positiven Veränderungen immer wieder gebührend wahrzunehmen.
Kennst du die Geschichte von der Maus Frederik? Ich hab das Buch als Kind oder Jugendliche kennengelernt. Ich versuche wie Frederik, Farben usw. für den Winter (= meine schlechten Phasen) zu sammeln.
In einem Seminar habe ich mal an einem konkreten Beispiel gelernt, wie viel Energie es kostet, sich eine neue Verhaltensweise anzugewöhnen. Seit dieser Erfahrung hab ich etwas mehr Geduld mit mir.
Liebe Grüße
AmSee -
Liebe Hanna,
vielen Dank für dein Mitgefühl mit mir. Ich denke, ich bin da inzwischen auf einem ziemlich guten Weg und das Leben nimmt ja nun einmal nicht immer die gerade Bahn, nicht wahr?
Entscheidend ist, was man für sich selbst daraus macht und dass man für sich selbst Verantwortung übernimmt. Ich selbst übernehme jedenfalls diese Verantwortung und interessiere mich für Lösungen, die zu MIR passen.Du schreibst, dass du heute wieder irre hohen Blutdruck und Panikattacken hattest. Gab es dafür direkte Auslöser oder sind das verspätete Nachwirkungen von etwas?
Panikattacken sind mir vertraut, sie treten bei mir in der Regel auf, wenn ich eh schon recht angespannt bin und dann noch etwas oben drauf kommt.
Es gibt allerdings auch Trigger, die bei einer generalisierten Angststörung auftreten können. Bei solchen Menschen reicht zum Beispiel schon das Splittern von Glas.
Wie ist das bei dir?Warum auch immer deine Schwester wieder dem Trinken angefangen hat, du musst wissen, wer trinken will, findet immer einen Grund. Und gerne wird die Schuld dafür dann anderen gegeben.
Das ist etwas, was sich in sehr vielen Erfahrungsberichten finden lässt.
Üblich ist übrigens auch, die wahre Menge zu verheimlichen.Selbst wenn deine Schwester es in ihrem Leben schwerer hatte als du, kannst du das nicht dadurch wettmachen, dass du dich selbst „opferst“.
Was du über dich erzählst, klingt aber danach, dass du mehr von dir verlangst, als gesund für dich ist.
Du spürst, dass deine Depressionen wieder kommen und stellst sogar eine Verbindung zu der wieder auftretenden Alkohol-Erkrankung deiner Schwester her. Du fühlst dich gelähmt, schreibst du.
Ich sehe darin ein Zeichen: Deine Psyche spürt, dass du an deine Grenzen stößt und sie wehrt sich gegen die Überforderung. Denn egal, was du auch tust, deine Schwester lässt sich nicht helfen, sie weist dich sogar schroff ab und sie entscheidet sich für das Trinken.
Letztlich bist du ja auch gelähmt.Ich hab selbst auch immer wieder gegen solche Windmühlen gekämpft. Erst, als ich Gelegenheit hatte, das mal von Außen zu betrachten, wurde mir bewusst, wie aussichtslos mein Kampf ist und warum mein Körper und meine Psyche mich schließlich gebremst haben.
Da erst konnte ich anfangen, mir das, was ich mir sozusagen auf die Schulter geladen hatte, von dieser herunter zu nehmen und ich konnte aufhören, gegen unüberwindliche Windmühlen anzukämpfen und anfangen, tatsächlich für mich zu sorgen.Sich aus einer Verstrickung wie deiner zu lösen, geht nicht von jetzt auf gleich. Es hat ja schließlich auch eine ganze Weile gedauert, bis du da hineingeraten bist. Sich diesbezüglich Hilfe zu holen, ist völlig in Ordnung und sogar sinnvoll.
Dass du nun zu einer SHG vor Ort gehen willst, könnte tatsächlich so eine Hilfe sein. Vielleicht ergeben sich dadurch für dich auch noch weitere Möglichkeiten.
Du rufst deine Schwester täglich an, um dich zu versichern, dass sie nicht gefallen ist und hilflos in ihrer Wohnung liegt. Die Anrufe aber tun dir nicht wirklich gut.
Gibt’s keine anderen Möglichkeiten, wie gesichert werden könnte, dass deine Schwester Hilfe bekommen kann, falls sie fällt? - Meine Oma zum Beispiel, die trotz ihres Lungenkrebs bis zum Schluss in ihrer Wohnung leben konnte und auch ab und zu mal gefallen ist, hatte so einen Notfall-Knopf an einem Band um den Hals. Mit diesem konnte sie ggf. Hilfe rufen.
Hat deine Schwester einen Pflegegrad und somit Anspruch auf Hilfe?
Solche Dinge können angeleiert werden und ihr könnt euch diesbezüglich beraten lassen.
Wenn deine Schwester aber tatsächlich gar keine Hilfe will und sie noch in der Lage ist, einen freien Willen zu bilden, kannst du darüber unendlich traurig sein, aber letztlich nichts weiter tun, als auf für dich gesunden Abstand zu gehen.In der Therapie habe ich den Unterschied gelernt zwischen Mitfühlen und Mitleiden. Mitfühlen ist in Ordnung, denn dann bleibe ich bei mir. Mitleiden gilt es zu vermeiden.
Herzliche Grüße
AmSee -
Liebe Schotterblume,
dann ist ja alles klar.
Ja, für die Smileys hier gibt’s bestimmte Codes.
Deine ist 44 offensichtlich so ein Code gewesen.
Magst du erzählen, was dir bei deiner Abstinenz schwer fällt?
Liebe Grüße
AmSee -
Hallo, liebe Schotterblume,
schön, von dir zu hören und dass du noch dabei bist.
Was meinst du mit „jetzt wieder bei Tag“?Herzliche Grüße
AmSee -
Liebe Hanna,
auch ich möchte dich in unserer Online-Selbsthilfegruppe herzlich Willkommen heißen.Wie gut, dass Gerchla dir mit seiner einfühlsamen Art schon etwas Entlastung schaffen konnte.
Auch ich möchte dir sagen, dass du nicht allein bist, und dass es sehr gut ist, dass du dir Hilfe gesucht hast. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie hilflos man sich als Angehörige fühlt, und wie leicht man sich in die Co-Abhängigkeit verstrickt aus Liebe und Verantwortungsgefühl.Du hast wirklich für deine Schwester getan, was du nur konntest. Es ist das fürchterlich Traurige an der Sucht, dass nichts fruchtet, wenn der Süchtige nicht wirklich aussteigen will. Diese Erfahrung machen leider sehr, sehr, sehr viele Angehörige und es tut furchtbar weh und es macht auch wütend, mitanzusehen, wie der Mensch, dem man sich verbunden fühlt, sich sichtlich zugrunde richtet.
Ich selbst habe meinen Vater zugrunde gehen sehen, er wurde nur 43 Jahre alt. Die Zeit mit ihm hat meine Familie letztlich krank gemacht. Er hat immer wieder Versuche unternommen, der Sucht zu entkommen, aber aus irgendwelchen Gründen, die ich bis heute, 33 Jahre nach seinem Tod, nicht verstehen kann, ist er wieder und wieder und wieder abgestürzt.
Ich selbst, inzwischen Ende 40, bin schließlich alkoholabhängig geworden, begriffen habe ich das erst vor über acht Monaten und ich arbeite seither an meiner Trockenheit. Dazu gehört für mich auch, mich intensiv mit dieser Erkrankung zu beschäftigen und für MICH zu sorgen.
Deine Schwester zeigt keinerlei Anzeichen, dass sie mit dem Trinken aufhören will, und so, wie du sie schilderst, gibt es nichts, was du für sie tun kannst. Sie selbst lässt deine Hilfe auch gar nicht zu.
Daraus folgt, dass du letztlich wirklich nur für DICH sorgen kannst. Und du bemerkst ja selbst, was ihre Erkrankung mit dir macht.
Hilfreich ist da wirklich, sich mit anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder machen, auszutauschen. Das kann dir etwas Halt geben und es kann dir eine Hilfe sein, wenn du dich wieder in die Gedanken verstrickst, etwas tun zu müssen, und dabei Raubbau an dir selbst zu betreiben.Gerchla spricht von „in Liebe loslassen“. Und da ist eine ganze Menge dran, so schwer das auch ist.
Ich selbst habe eine jüngere Schwester, ob sie bereits alkoholabhängig ist, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass sie und auch ihr Mann viel zu viel Alkohol trinken und ich weiß, dass sie ernsthafte Probleme hat. Gesund ist sie jedenfalls nicht. Besondere Sorgen mache ich mir in diesem Zusammenhang um ihre beiden Kinder. Ich liebe meine Schwester sehr und auch ihre beiden Kinder, aber sie stößt mich immer wieder von sich weg. Wie sie mit mir umgeht, tut mir furchtbar weh. Bislang hatte ich versucht, trotzdem für sie da zu sein, ich hab ihr auch gesagt, dass ich für sie da bin, wenn sie Hilfe braucht. Sie aber hat mir mehrfach deutlich gesagt, das sie meine Hilfe nicht will und nicht braucht.
Ich leide unter diesem Zustand, aber ich kann nichts tun. Besonders auch nicht, weil ich selbst krank bin, ich habe schwere Depressionen und MS.Meine eigene Erkrankung hat mich aber auch gelehrt, dass ich für mich selbst sorgen muss und sogar darf. Ich habe eine Verantwortung für mich und ich habe inzwischen auch verinnerlicht, dass ich das wert bin. Ich bin durch das Leben in einer alkohohlkranken Familie innerlich sehr verletzt und geprägt worden. Auf mich selbst habe ich nie Rücksicht genommen, nicht Rücksicht nehmen können. Andere waren immer wichtiger als ich. Das hat schließlich dazu geführt, dass ich selbst schwer krank geworden bin.
Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen rate ich dir daher, für dich zu sorgen. Dazu gehört auch, mit deiner Schwester nur dann zu telefonieren, wenn du dich dazu in der Lage fühlst. Ich hab das für mich auch erst lernen müssen.
Wenn sie Hilfe braucht und annehmen möchte, wird sie sie gewiss von dir bekommen. Ob es dazu kommt? Wer weiß? Solange du ihr immer wieder abnimmst, was sie für sich tun sollte, wird sie nicht wirklich auf die Idee kommen, für sich selbst zu sorgen, aus verschiedenen Gründen.
Ihre Reaktionen auf deine Angebote sind mir von vielen anderen Erfahrungsberichten vertraut.
Was den Umgang mit Gefühlen betrifft, von dem Gerchla dir erzählt hat, kann ich auch noch etwas beitragen: Es hat seinen Grund, warum Gefühle auftreten. Nach meiner eigenen Erfahrung und Beobachtung wollen sie dir etwas mitteilen. Gefühle wegzudrängen oder als etwas Schlechtes abzutun, hilft nicht wirklich weiter. Unbeachtete, unbearbeitete Gefühle kommen irgendwo anders an die Oberfläche. Schlimmstenfalls kommt es zu Dissoziation und selbstverletzendem Verhalten.
Wut äußert sich zum Beispiel in Magenbeschwerden und anderswo. Ich hatte sehr oft Migräne, Rückenschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden.
Frag dich doch mal, was deine Wut dir mitteilen will und ob sie nicht vielleicht doch berechtigt ist.
Sie hat mit dem Gefühl von Ohnmacht und Enttäuschung zu tun, nicht wahr?Frag dich, welchen Handlungsimpuls dein Gefühl Dir vorschlägt und ob dieser Handlungsimpuls angemessen ist. Wenn ja, gib ihm nach. Das kann Schreien im Wald sein oder mit einem geknoteten Handtuch aufs Bett einschlagen (da geht nix kaputt).
Sind es zwei Gefühle, die nicht gleichzeitig ausgelebt werden können, horch in dich hinein, welches das primäre Gefühl ist und gib dessen Handlungsimpuls nach, wenn er denn angemessen ist.Gerne kannst du berichten, was funktioniert und was nicht. Davon können du und andere profitieren.
Wenn keine Zeit für ein Gefühl ist, verpacke ich das gedanklich in eine Schachtel oder eine Schublade und verspreche mir, meinem Inneren, dass ich mich damit beschäftige, wenn Zeit dafür ist. Das funktioniert bei mir inzwischen recht gut.
Herzliche Grüße
AmSee -
Hallo Matt,
auch von mir ein herzliches Willkommen in dieser Online-Selbsthilfegruppe.Das hört sich gut an, was du von dir schreibst!
Gut, dass du nun an einen guten Arzt geraten bist!Ich kann nachvollziehen, wie frustrierend deine ersten Erfahrungen diesbezüglich gewesen bist.
Ich habe leider mit meiner Hausärztin auch keinen guten Erfahrungen gemacht. Sie mag ja auf anderen Gebieten kompetent sein, aber was Sucht bzw. Alkoholabhängigkeit betrifft, scheint sie sich im Tal der Ahnungslosen zu befinden.Gut, dass du dranbleibst! Ich selbst bin inzwischen über acht Monate abstinent und kann nur sagen, dass es sich wirklich lohnt.
Warst du schon mal einer einer Suchtberatung? Ich hab gelesen, dass es hilfreich sein kann, sich auf die Therapie schon mal gedanklich vorzubereiten.
Mancher tut sich mit den Regeln in einer Klinik schwer. Wenn du weißt, was auf dich zukommt, könnte dir der Einstieg dort leichter fallen.Hast du dich schon etwas mehr in die Thematik eingelesen? Mir hat das jedenfalls sehr geholfen.
Viele Grüße
AmSee -
Ich muss aber auch sagen, dass ich die "andere Seite" interessant finde. Vielleicht kann ich das Verhalten meines Vaters dann ein bisschen besser verstehen. Ich bin häufig wütend darüber gewesen wie er meine Mutter behandelt hat. Man möchte einfach ein paar Antworten finden. Irgendeinen Weg muss man ja finden. Ändern kann ich Menschen ja nichtDas ist auch ok, dass du die „andere Seite“ interessant findest. Ich kenne die von mir selbst ja inzwischen auch. Ich verstehe auch, warum du ihn besser verstehen möchtest.
Ich versuche noch heute, zu verstehen, was mit meinem Vater gewesen ist, der immer und immer und immer wieder fürchterliche Abstürze hatte und uns in furchtbare Existenznöte brachte und dann wieder trocken wurde, Langzeittherapien machte, mühevoll wieder aufbaute, was er zuvor kaputt gemacht hatte, und wieder tief in die Sauferei abstürzte, obwohl der schon 33 Jahre tot ist.
Ich bedaure meinen Vater sehr und ich traure, weil er seine Erkrankung nicht in den Griff bekommen konnte und weil seine Krankheit unsere Familie kaputt gemacht hat. Er hat das nicht gewollt, da bin ich mir ganz sicher, aber er kam da nicht raus und meine Mutter kam da auch nicht raus.
Die Sache ist nur die. Alkoholismus ist eine vielschichtige Krankheit. Es kann so viele Gründe geben, warum dein Vater trinkt. Trinkende Alkoholiker können eine ganze Reihe von Gründen anführen, aber diese Gründe sind in der Regel nur vorgeschoben.
Vielleicht liegt der Grund bei deinem Vater viel tiefer und er könnte selbst nicht mal benennen, was des ist.Wenn du mit ihm darüber sprechen möchtest, kannst du das natürlich tun. Das könnte für dich vielleicht sogar wichtig sein, dass du’s zumindest versucht hast. Warte dafür aber einen Moment ab, in dem er wirklich nüchtern ist. Ich hab es so oft bei mir selbst beobachten können und ich beobachte es bei anderen, die trinken, noch heute, sie verändern sich unter Alkoholeinfluss. Sie denken irgendwie anders. Ich war da, wie gesagt keine Ausnahme. Geistig wirklich klar bin ich erst, seit ich dauerhaft abstinent bin.
Liebe Grüße
AmSee -
Ich finde es nur so verdammt schmerzhaft mich damit abzufinden, dass ich nichts anderes kann als abwarten bis sie sich komplett selbstzerstört haben. Ein trauriger Gedanke über die Menschen, die ich liebe.Hallo Disi,
ja, das ist auch fürchterlich schmerzhaft und es ist grauenvoll das mitanzusehen.
Da du dich hier schon ein wenig eingelesen hast, ist dir der Rat der immer wieder gegeben wird, gegeben werden muss, bereits bekannt.
Die Schwierigkeit besteht darin, das zulassen zu müssen und aushalten zu müssen. Und ich weiß gut, wovon ich da spreche.Deine Eltern sind erwachsene Menschen, die für IHR Leben IHRE Entscheidung getroffen haben. Dein Vater hat gewählt und deine Mutter hat gewählt.
Es ist fürchterlich traurig, aber wahr, dass sich an der Situation deines Vaters und auch an der deiner Mutter nur etwas ändern lässt, wenn sie selbst das wirklich ernsthaft wollen.Wir Kinder aus solchen Familienkonstellationen rutschen ganz häufig in die Rolle, die unsere Eltern selbst übernehmen müssten. Wir übernehmen teilweise völlig unbewusst die Verantwortung für unsere Eltern. Das aber ist eine Rolle, die uns vollkommen überfordert.
Sie überfordert nicht nur, weil wir uns noch in unserer eigenen Entwicklung befunden haben, als das losging, sondern wir überfordern uns auch, weil unsere Eltern mit dem, was sie tun oder eben nicht tun, gegen uns arbeiten.
Wenn du ehrlich mit dir bist, bist du versucht, auch jetzt noch diese Verantwortung übernehmen zu wollen, vielleicht hast du‘s in der Vergangenheit schon ab und zu getan. Jedenfalls deute ich das bei dir so. Von mir weiß ich, dass ich‘s schon ziemlich früh getan habe.
Wer bei all dem wirklich zu kurz kommt, das sind wir selbst. Und dabei sind wir selbst die einzigen, um die wir uns wirklich erfolgreich kümmern können.
Liebe Grüße
-
Hallo Disi,
herzlich Willkommen in diesem Forum, schön, dass du zu uns gefunden hast.Ich selbst bin Ende 40 und ebenfalls Tochter eines alkoholabhängigen Vaters und einer Co-anhängigen Mutter und von dieser dysfunktionalen Familienkonstellation für mein Leben geprägt worden. Vor gut acht Monaten ist mir klar geworden, dass ich selbst alkoholabhängig geworden war und seither abstinent. Inzwischen darf ich sogar sagen, zufrieden abstinent.
Mein Vater starb, als ich 15 Jahre alt war, aber bis dahin hatte ich schon so viel erlebt, dass es tiefe Spuren in mir hinterlassen hat. Ich habe im Laufe meiner Kindheit und Jugend Denk- und Verhaltensweisen erlernt und verinnerlicht, die mir im Laufe meines weiteren Lebens sehr geschadet haben und letztlich auch dafür verantwortlich sind, dass ich psychisch krank geworden bin.
Durch dieses Forum bin ich auf die sogenannten EKAs (Erwachsene Kinder aus alkoholkranker Familie) gestoßen. Als ich mich näher darüber informiert habe, stieß ich darauf, dass ich bestimmte Persönlichkeitsmerkmale habe, die typisch für erwachsene Kinder aus dysfunktionalen Familien sind. Das half mir erstmal, mich nicht mehr so alleine mit meinen Problemen zu fühlen. Das sich in anderen Wiederfinden tat mir irgendwie gut.
Du hast für dich erstmal den ersten Schritt gemacht und dich hier angemeldet, um dich auszutauschen. Das ist nach meiner eigenen Erfahrung ein guter Schritt, um nun endlich für dich zu sorgen.
Ja, tatsächlich ist durch die Alkoholkrankheit nicht nur der daran Erkrankte, sondern in der Regel die gesamte Familie betroffen und du erkennst ganz richtig, dass du eine Prägung erhalten hast, die nicht ganz gesund für dich ist. Hier im Forum gibt es Erfahrungsberichte des einen oder anderen erwachsenen Kindes aus alkoholkranker Familie. Lies dich in Ruhe ein bisschen ein, vielleicht erkennst du dich in dem einen oder anderen Erfahrungsbericht wieder. Vielleicht ergeben sich für dich daraus auch Fragen, die du hier teilen möchtest.
Ich wünsche dir einen guten Austausch hier.
Herzliche Grüße
AmSee -
Liebe Schotterblume,
Ich muss gestehen in den letzten Tagen hatte ich wieder weniger Mumm und bin öfters auch weggelaufen, habe mich abgelenkt und mich weniger den Dingen gestellt. Ich hatte irgendwie die Befürchtung, dass ich mich sonst wieder überfordere wie vor meinem ersten Rückfall.Betrachte ich meine eigenen Erfahrungen, kann ich dich nur darin bestärken, deinem Gefühl zu trauen. Ich habe - tue es gelegentlich noch immer - sehr oft dazu geneigt, mich zu überfordern. Mein Verstand erfasste die Dinge ziemlich schnell, aber das Gefühl hat er dabei meilenweit abgehängt. Hab ich dir mal geschrieben, dass die Emotionen nach einem Therapie-Gespräch mit meinem Therapeuten erst ca. drei Tage später dann aber mit voller Wucht hochkamen?
Nach und nach begreife ich erst, was der Spruch „Gut Ding will Weile haben.“ bedeutet. Gerade bei emotionalen Wunden braucht es sehr viel Zeit und Geduld, um diese zu heilen.
Zitat
Es kommt mir oft vor wie eine Gratwanderung: sich stellen und nicht überfordern, aufarbeiten aber nicht mit Bedauern in der Vergangenheit hängenbleiben, mal Pause machen aber nicht leugnen...So empfinde ich es auch. Und gelegentlich wird meine Geduld auf eine harte Probe gestellt, besonders dann wenn nach einer guten Phase doch mal wieder eine schlechte kommt, ich aber geglaubt hatte, nun sei endlich alles soweit gut.
Zitat
Ich versuche immer mal wieder innezuhalten und mir bewusst zu werden, was ich schon gewonnen habe und was ich noch gewinnen kann: immer mehr Freiheit und Selbstachtung.Das hört sich gut an und ich kann dir nur raten, dich immer wieder darauf zu besinnen und darin zu üben.
Auch dir einen schönen Sommerabend!
Viele Grüße
AmSee