Beiträge von AmSee13

    Liebe Hanna,
    vielen Dank für dein Mitgefühl mit mir. Ich denke, ich bin da inzwischen auf einem ziemlich guten Weg und das Leben nimmt ja nun einmal nicht immer die gerade Bahn, nicht wahr?
    Entscheidend ist, was man für sich selbst daraus macht und dass man für sich selbst Verantwortung übernimmt. Ich selbst übernehme jedenfalls diese Verantwortung und interessiere mich für Lösungen, die zu MIR passen.

    Du schreibst, dass du heute wieder irre hohen Blutdruck und Panikattacken hattest. Gab es dafür direkte Auslöser oder sind das verspätete Nachwirkungen von etwas?
    Panikattacken sind mir vertraut, sie treten bei mir in der Regel auf, wenn ich eh schon recht angespannt bin und dann noch etwas oben drauf kommt.
    Es gibt allerdings auch Trigger, die bei einer generalisierten Angststörung auftreten können. Bei solchen Menschen reicht zum Beispiel schon das Splittern von Glas.
    Wie ist das bei dir?

    Warum auch immer deine Schwester wieder dem Trinken angefangen hat, du musst wissen, wer trinken will, findet immer einen Grund. Und gerne wird die Schuld dafür dann anderen gegeben.
    Das ist etwas, was sich in sehr vielen Erfahrungsberichten finden lässt.
    Üblich ist übrigens auch, die wahre Menge zu verheimlichen.

    Selbst wenn deine Schwester es in ihrem Leben schwerer hatte als du, kannst du das nicht dadurch wettmachen, dass du dich selbst „opferst“.
    Was du über dich erzählst, klingt aber danach, dass du mehr von dir verlangst, als gesund für dich ist.
    Du spürst, dass deine Depressionen wieder kommen und stellst sogar eine Verbindung zu der wieder auftretenden Alkohol-Erkrankung deiner Schwester her. Du fühlst dich gelähmt, schreibst du.
    Ich sehe darin ein Zeichen: Deine Psyche spürt, dass du an deine Grenzen stößt und sie wehrt sich gegen die Überforderung. Denn egal, was du auch tust, deine Schwester lässt sich nicht helfen, sie weist dich sogar schroff ab und sie entscheidet sich für das Trinken.
    Letztlich bist du ja auch gelähmt.

    Ich hab selbst auch immer wieder gegen solche Windmühlen gekämpft. Erst, als ich Gelegenheit hatte, das mal von Außen zu betrachten, wurde mir bewusst, wie aussichtslos mein Kampf ist und warum mein Körper und meine Psyche mich schließlich gebremst haben.
    Da erst konnte ich anfangen, mir das, was ich mir sozusagen auf die Schulter geladen hatte, von dieser herunter zu nehmen und ich konnte aufhören, gegen unüberwindliche Windmühlen anzukämpfen und anfangen, tatsächlich für mich zu sorgen.

    Sich aus einer Verstrickung wie deiner zu lösen, geht nicht von jetzt auf gleich. Es hat ja schließlich auch eine ganze Weile gedauert, bis du da hineingeraten bist. Sich diesbezüglich Hilfe zu holen, ist völlig in Ordnung und sogar sinnvoll.

    Dass du nun zu einer SHG vor Ort gehen willst, könnte tatsächlich so eine Hilfe sein. Vielleicht ergeben sich dadurch für dich auch noch weitere Möglichkeiten.

    Du rufst deine Schwester täglich an, um dich zu versichern, dass sie nicht gefallen ist und hilflos in ihrer Wohnung liegt. Die Anrufe aber tun dir nicht wirklich gut.
    Gibt’s keine anderen Möglichkeiten, wie gesichert werden könnte, dass deine Schwester Hilfe bekommen kann, falls sie fällt? - Meine Oma zum Beispiel, die trotz ihres Lungenkrebs bis zum Schluss in ihrer Wohnung leben konnte und auch ab und zu mal gefallen ist, hatte so einen Notfall-Knopf an einem Band um den Hals. Mit diesem konnte sie ggf. Hilfe rufen.
    Hat deine Schwester einen Pflegegrad und somit Anspruch auf Hilfe?
    Solche Dinge können angeleiert werden und ihr könnt euch diesbezüglich beraten lassen.
    Wenn deine Schwester aber tatsächlich gar keine Hilfe will und sie noch in der Lage ist, einen freien Willen zu bilden, kannst du darüber unendlich traurig sein, aber letztlich nichts weiter tun, als auf für dich gesunden Abstand zu gehen.

    In der Therapie habe ich den Unterschied gelernt zwischen Mitfühlen und Mitleiden. Mitfühlen ist in Ordnung, denn dann bleibe ich bei mir. Mitleiden gilt es zu vermeiden.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Liebe Hanna,
    auch ich möchte dich in unserer Online-Selbsthilfegruppe herzlich Willkommen heißen.

    Wie gut, dass Gerchla dir mit seiner einfühlsamen Art schon etwas Entlastung schaffen konnte.
    Auch ich möchte dir sagen, dass du nicht allein bist, und dass es sehr gut ist, dass du dir Hilfe gesucht hast. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie hilflos man sich als Angehörige fühlt, und wie leicht man sich in die Co-Abhängigkeit verstrickt aus Liebe und Verantwortungsgefühl.

    Du hast wirklich für deine Schwester getan, was du nur konntest. Es ist das fürchterlich Traurige an der Sucht, dass nichts fruchtet, wenn der Süchtige nicht wirklich aussteigen will. Diese Erfahrung machen leider sehr, sehr, sehr viele Angehörige und es tut furchtbar weh und es macht auch wütend, mitanzusehen, wie der Mensch, dem man sich verbunden fühlt, sich sichtlich zugrunde richtet.

    Ich selbst habe meinen Vater zugrunde gehen sehen, er wurde nur 43 Jahre alt. Die Zeit mit ihm hat meine Familie letztlich krank gemacht. Er hat immer wieder Versuche unternommen, der Sucht zu entkommen, aber aus irgendwelchen Gründen, die ich bis heute, 33 Jahre nach seinem Tod, nicht verstehen kann, ist er wieder und wieder und wieder abgestürzt.

    Ich selbst, inzwischen Ende 40, bin schließlich alkoholabhängig geworden, begriffen habe ich das erst vor über acht Monaten und ich arbeite seither an meiner Trockenheit. Dazu gehört für mich auch, mich intensiv mit dieser Erkrankung zu beschäftigen und für MICH zu sorgen.

    Deine Schwester zeigt keinerlei Anzeichen, dass sie mit dem Trinken aufhören will, und so, wie du sie schilderst, gibt es nichts, was du für sie tun kannst. Sie selbst lässt deine Hilfe auch gar nicht zu.
    Daraus folgt, dass du letztlich wirklich nur für DICH sorgen kannst. Und du bemerkst ja selbst, was ihre Erkrankung mit dir macht.
    Hilfreich ist da wirklich, sich mit anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder machen, auszutauschen. Das kann dir etwas Halt geben und es kann dir eine Hilfe sein, wenn du dich wieder in die Gedanken verstrickst, etwas tun zu müssen, und dabei Raubbau an dir selbst zu betreiben.

    Gerchla spricht von „in Liebe loslassen“. Und da ist eine ganze Menge dran, so schwer das auch ist.
    Ich selbst habe eine jüngere Schwester, ob sie bereits alkoholabhängig ist, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass sie und auch ihr Mann viel zu viel Alkohol trinken und ich weiß, dass sie ernsthafte Probleme hat. Gesund ist sie jedenfalls nicht. Besondere Sorgen mache ich mir in diesem Zusammenhang um ihre beiden Kinder. Ich liebe meine Schwester sehr und auch ihre beiden Kinder, aber sie stößt mich immer wieder von sich weg. Wie sie mit mir umgeht, tut mir furchtbar weh. Bislang hatte ich versucht, trotzdem für sie da zu sein, ich hab ihr auch gesagt, dass ich für sie da bin, wenn sie Hilfe braucht. Sie aber hat mir mehrfach deutlich gesagt, das sie meine Hilfe nicht will und nicht braucht.
    Ich leide unter diesem Zustand, aber ich kann nichts tun. Besonders auch nicht, weil ich selbst krank bin, ich habe schwere Depressionen und MS.

    Meine eigene Erkrankung hat mich aber auch gelehrt, dass ich für mich selbst sorgen muss und sogar darf. Ich habe eine Verantwortung für mich und ich habe inzwischen auch verinnerlicht, dass ich das wert bin. Ich bin durch das Leben in einer alkohohlkranken Familie innerlich sehr verletzt und geprägt worden. Auf mich selbst habe ich nie Rücksicht genommen, nicht Rücksicht nehmen können. Andere waren immer wichtiger als ich. Das hat schließlich dazu geführt, dass ich selbst schwer krank geworden bin.

    Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen rate ich dir daher, für dich zu sorgen. Dazu gehört auch, mit deiner Schwester nur dann zu telefonieren, wenn du dich dazu in der Lage fühlst. Ich hab das für mich auch erst lernen müssen.

    Wenn sie Hilfe braucht und annehmen möchte, wird sie sie gewiss von dir bekommen. Ob es dazu kommt? Wer weiß? Solange du ihr immer wieder abnimmst, was sie für sich tun sollte, wird sie nicht wirklich auf die Idee kommen, für sich selbst zu sorgen, aus verschiedenen Gründen.

    Ihre Reaktionen auf deine Angebote sind mir von vielen anderen Erfahrungsberichten vertraut.

    Was den Umgang mit Gefühlen betrifft, von dem Gerchla dir erzählt hat, kann ich auch noch etwas beitragen: Es hat seinen Grund, warum Gefühle auftreten. Nach meiner eigenen Erfahrung und Beobachtung wollen sie dir etwas mitteilen. Gefühle wegzudrängen oder als etwas Schlechtes abzutun, hilft nicht wirklich weiter. Unbeachtete, unbearbeitete Gefühle kommen irgendwo anders an die Oberfläche. Schlimmstenfalls kommt es zu Dissoziation und selbstverletzendem Verhalten.
    Wut äußert sich zum Beispiel in Magenbeschwerden und anderswo. Ich hatte sehr oft Migräne, Rückenschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden.
    Frag dich doch mal, was deine Wut dir mitteilen will und ob sie nicht vielleicht doch berechtigt ist.
    Sie hat mit dem Gefühl von Ohnmacht und Enttäuschung zu tun, nicht wahr?

    Frag dich, welchen Handlungsimpuls dein Gefühl Dir vorschlägt und ob dieser Handlungsimpuls angemessen ist. Wenn ja, gib ihm nach. Das kann Schreien im Wald sein oder mit einem geknoteten Handtuch aufs Bett einschlagen (da geht nix kaputt).
    Sind es zwei Gefühle, die nicht gleichzeitig ausgelebt werden können, horch in dich hinein, welches das primäre Gefühl ist und gib dessen Handlungsimpuls nach, wenn er denn angemessen ist.

    Gerne kannst du berichten, was funktioniert und was nicht. Davon können du und andere profitieren.

    Wenn keine Zeit für ein Gefühl ist, verpacke ich das gedanklich in eine Schachtel oder eine Schublade und verspreche mir, meinem Inneren, dass ich mich damit beschäftige, wenn Zeit dafür ist. Das funktioniert bei mir inzwischen recht gut.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Matt,
    auch von mir ein herzliches Willkommen in dieser Online-Selbsthilfegruppe.

    Das hört sich gut an, was du von dir schreibst!
    Gut, dass du nun an einen guten Arzt geraten bist!

    Ich kann nachvollziehen, wie frustrierend deine ersten Erfahrungen diesbezüglich gewesen bist.
    Ich habe leider mit meiner Hausärztin auch keinen guten Erfahrungen gemacht. Sie mag ja auf anderen Gebieten kompetent sein, aber was Sucht bzw. Alkoholabhängigkeit betrifft, scheint sie sich im Tal der Ahnungslosen zu befinden.

    Gut, dass du dranbleibst! Ich selbst bin inzwischen über acht Monate abstinent und kann nur sagen, dass es sich wirklich lohnt.

    Warst du schon mal einer einer Suchtberatung? Ich hab gelesen, dass es hilfreich sein kann, sich auf die Therapie schon mal gedanklich vorzubereiten.
    Mancher tut sich mit den Regeln in einer Klinik schwer. Wenn du weißt, was auf dich zukommt, könnte dir der Einstieg dort leichter fallen.

    Hast du dich schon etwas mehr in die Thematik eingelesen? Mir hat das jedenfalls sehr geholfen.

    Viele Grüße
    AmSee


    Ich muss aber auch sagen, dass ich die "andere Seite" interessant finde. Vielleicht kann ich das Verhalten meines Vaters dann ein bisschen besser verstehen. Ich bin häufig wütend darüber gewesen wie er meine Mutter behandelt hat. Man möchte einfach ein paar Antworten finden. Irgendeinen Weg muss man ja finden. Ändern kann ich Menschen ja nicht

    Das ist auch ok, dass du die „andere Seite“ interessant findest. Ich kenne die von mir selbst ja inzwischen auch. Ich verstehe auch, warum du ihn besser verstehen möchtest.

    Ich versuche noch heute, zu verstehen, was mit meinem Vater gewesen ist, der immer und immer und immer wieder fürchterliche Abstürze hatte und uns in furchtbare Existenznöte brachte und dann wieder trocken wurde, Langzeittherapien machte, mühevoll wieder aufbaute, was er zuvor kaputt gemacht hatte, und wieder tief in die Sauferei abstürzte, obwohl der schon 33 Jahre tot ist.

    Ich bedaure meinen Vater sehr und ich traure, weil er seine Erkrankung nicht in den Griff bekommen konnte und weil seine Krankheit unsere Familie kaputt gemacht hat. Er hat das nicht gewollt, da bin ich mir ganz sicher, aber er kam da nicht raus und meine Mutter kam da auch nicht raus.

    Die Sache ist nur die. Alkoholismus ist eine vielschichtige Krankheit. Es kann so viele Gründe geben, warum dein Vater trinkt. Trinkende Alkoholiker können eine ganze Reihe von Gründen anführen, aber diese Gründe sind in der Regel nur vorgeschoben.
    Vielleicht liegt der Grund bei deinem Vater viel tiefer und er könnte selbst nicht mal benennen, was des ist.

    Wenn du mit ihm darüber sprechen möchtest, kannst du das natürlich tun. Das könnte für dich vielleicht sogar wichtig sein, dass du’s zumindest versucht hast. Warte dafür aber einen Moment ab, in dem er wirklich nüchtern ist. Ich hab es so oft bei mir selbst beobachten können und ich beobachte es bei anderen, die trinken, noch heute, sie verändern sich unter Alkoholeinfluss. Sie denken irgendwie anders. Ich war da, wie gesagt keine Ausnahme. Geistig wirklich klar bin ich erst, seit ich dauerhaft abstinent bin.

    Liebe Grüße
    AmSee


    Ich finde es nur so verdammt schmerzhaft mich damit abzufinden, dass ich nichts anderes kann als abwarten bis sie sich komplett selbstzerstört haben. Ein trauriger Gedanke über die Menschen, die ich liebe.

    Hallo Disi,
    ja, das ist auch fürchterlich schmerzhaft und es ist grauenvoll das mitanzusehen.
    Da du dich hier schon ein wenig eingelesen hast, ist dir der Rat der immer wieder gegeben wird, gegeben werden muss, bereits bekannt.
    Die Schwierigkeit besteht darin, das zulassen zu müssen und aushalten zu müssen. Und ich weiß gut, wovon ich da spreche.

    Deine Eltern sind erwachsene Menschen, die für IHR Leben IHRE Entscheidung getroffen haben. Dein Vater hat gewählt und deine Mutter hat gewählt.
    Es ist fürchterlich traurig, aber wahr, dass sich an der Situation deines Vaters und auch an der deiner Mutter nur etwas ändern lässt, wenn sie selbst das wirklich ernsthaft wollen.

    Wir Kinder aus solchen Familienkonstellationen rutschen ganz häufig in die Rolle, die unsere Eltern selbst übernehmen müssten. Wir übernehmen teilweise völlig unbewusst die Verantwortung für unsere Eltern. Das aber ist eine Rolle, die uns vollkommen überfordert.

    Sie überfordert nicht nur, weil wir uns noch in unserer eigenen Entwicklung befunden haben, als das losging, sondern wir überfordern uns auch, weil unsere Eltern mit dem, was sie tun oder eben nicht tun, gegen uns arbeiten.

    Wenn du ehrlich mit dir bist, bist du versucht, auch jetzt noch diese Verantwortung übernehmen zu wollen, vielleicht hast du‘s in der Vergangenheit schon ab und zu getan. Jedenfalls deute ich das bei dir so. Von mir weiß ich, dass ich‘s schon ziemlich früh getan habe.


    Wer bei all dem wirklich zu kurz kommt, das sind wir selbst. Und dabei sind wir selbst die einzigen, um die wir uns wirklich erfolgreich kümmern können.

    Liebe Grüße

    Hallo Disi,
    herzlich Willkommen in diesem Forum, schön, dass du zu uns gefunden hast.

    Ich selbst bin Ende 40 und ebenfalls Tochter eines alkoholabhängigen Vaters und einer Co-anhängigen Mutter und von dieser dysfunktionalen Familienkonstellation für mein Leben geprägt worden. Vor gut acht Monaten ist mir klar geworden, dass ich selbst alkoholabhängig geworden war und seither abstinent. Inzwischen darf ich sogar sagen, zufrieden abstinent.

    Mein Vater starb, als ich 15 Jahre alt war, aber bis dahin hatte ich schon so viel erlebt, dass es tiefe Spuren in mir hinterlassen hat. Ich habe im Laufe meiner Kindheit und Jugend Denk- und Verhaltensweisen erlernt und verinnerlicht, die mir im Laufe meines weiteren Lebens sehr geschadet haben und letztlich auch dafür verantwortlich sind, dass ich psychisch krank geworden bin.

    Durch dieses Forum bin ich auf die sogenannten EKAs (Erwachsene Kinder aus alkoholkranker Familie) gestoßen. Als ich mich näher darüber informiert habe, stieß ich darauf, dass ich bestimmte Persönlichkeitsmerkmale habe, die typisch für erwachsene Kinder aus dysfunktionalen Familien sind. Das half mir erstmal, mich nicht mehr so alleine mit meinen Problemen zu fühlen. Das sich in anderen Wiederfinden tat mir irgendwie gut.

    Du hast für dich erstmal den ersten Schritt gemacht und dich hier angemeldet, um dich auszutauschen. Das ist nach meiner eigenen Erfahrung ein guter Schritt, um nun endlich für dich zu sorgen.

    Ja, tatsächlich ist durch die Alkoholkrankheit nicht nur der daran Erkrankte, sondern in der Regel die gesamte Familie betroffen und du erkennst ganz richtig, dass du eine Prägung erhalten hast, die nicht ganz gesund für dich ist. Hier im Forum gibt es Erfahrungsberichte des einen oder anderen erwachsenen Kindes aus alkoholkranker Familie. Lies dich in Ruhe ein bisschen ein, vielleicht erkennst du dich in dem einen oder anderen Erfahrungsbericht wieder. Vielleicht ergeben sich für dich daraus auch Fragen, die du hier teilen möchtest.

    Ich wünsche dir einen guten Austausch hier.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Liebe Schotterblume,


    Ich muss gestehen in den letzten Tagen hatte ich wieder weniger Mumm und bin öfters auch weggelaufen, habe mich abgelenkt und mich weniger den Dingen gestellt. Ich hatte irgendwie die Befürchtung, dass ich mich sonst wieder überfordere wie vor meinem ersten Rückfall.

    Betrachte ich meine eigenen Erfahrungen, kann ich dich nur darin bestärken, deinem Gefühl zu trauen. Ich habe - tue es gelegentlich noch immer - sehr oft dazu geneigt, mich zu überfordern. Mein Verstand erfasste die Dinge ziemlich schnell, aber das Gefühl hat er dabei meilenweit abgehängt. Hab ich dir mal geschrieben, dass die Emotionen nach einem Therapie-Gespräch mit meinem Therapeuten erst ca. drei Tage später dann aber mit voller Wucht hochkamen?

    Nach und nach begreife ich erst, was der Spruch „Gut Ding will Weile haben.“ bedeutet. Gerade bei emotionalen Wunden braucht es sehr viel Zeit und Geduld, um diese zu heilen.

    Zitat


    Es kommt mir oft vor wie eine Gratwanderung: sich stellen und nicht überfordern, aufarbeiten aber nicht mit Bedauern in der Vergangenheit hängenbleiben, mal Pause machen aber nicht leugnen...

    So empfinde ich es auch. Und gelegentlich wird meine Geduld auf eine harte Probe gestellt, besonders dann wenn nach einer guten Phase doch mal wieder eine schlechte kommt, ich aber geglaubt hatte, nun sei endlich alles soweit gut.

    Zitat


    Ich versuche immer mal wieder innezuhalten und mir bewusst zu werden, was ich schon gewonnen habe und was ich noch gewinnen kann: immer mehr Freiheit und Selbstachtung.

    Das hört sich gut an und ich kann dir nur raten, dich immer wieder darauf zu besinnen und darin zu üben.

    Auch dir einen schönen Sommerabend!
    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Stefan,
    gut, wenn ich dir ein wenig weiterhelfen konnte.
    Ich weiß nicht alles aus eigener Erfahrung, zu meinem Glück nicht, aber ich habe mich sehr, sehr viel mit diesem Thema beschäftigt und lese sehr viel dazu.



    Ja, ich bin schon in die Analyse gegangen und ja, es gab Auslöser, die ich gekonnt und gewollt ignoriert hatte. All das Gelernte war über Bord geworfen. Daher bin ich so schockiert. Es ist eben ein Unterschied zwischen gelernt, verinnerlicht und gefestigt.

    Wenn du das für dich schon so weit klären konntest, bist du erfahrungsgemäß auf einem guten Weg.
    Möglicherweise hast du in all dem Unglück sogar Glück gehabt, dass du gleich so abgestürzt bist. Ich hab jedenfalls mal von anderen eine ähnliche Erfahrung gelesen und wie heilsam diese für sie war.

    Ich weiß ja selbst, wie verlockend Alkohol des Weges kommt. Eine solche Schock-Erfahrung wie deine setzt deinem Suchtgedächtnis, das so gerne vergisst und weich zeichnet, möglicherweise einen wirksamen Kontrapunkt entgegen.

    Zitat


    Mir ist jetzt bewusst, dass der Weg noch lang wird.

    Vielleicht ist der nun auch kürzer als du denkst. Wer weiß?
    Vielleicht kannst du nun besser nachvollziehen, was du in der Reha gelernt hast. Hast du eine richtige Entzugstherapie gemacht?

    Ich selbst habe zwar keine LZT für Alkoholiker gemacht, aber ich lese sehr viel und beschäftigte mich nicht nur in diesem Forum mit dem Thema. Ich habe in den vergangenen Monaten sehr, sehr viel hinzugelernt, auch über mich. Mit dem, was dir geschehen ist, bist du nicht alleine.

    Wenn du das jetzt als Chance sehen kannst, etwas dauerhaft zu ändern und das, was du an Hilfreichem gelernt hast, verinnerlichen kannst, ist der Weg meiner Erfahrung nach leichter.

    Zitat


    Was den Entzug betrifft, so habe ich das Schlimmste schon hinter mir. Ich war nur sehr geschockt über meine körperliche Reaktion. Die Nachwehen tuen immer noch weh. Ende der Woche bin ich bei meinem Hausarzt zur Blutkontrolle.

    Mit „Kaltem Entzug“ ist wirklich nicht zu spaßen, nicht ohne Grund wird hier und anderswo davor gewarnt und der dringende Rat gegeben, sich ärztliche Begleitung zu holen. Du kannst nicht wissen, ob du das Schlimmste hinter dir hast. - Du nicht und andere, die von dir lesen und das nachahmen, ebensowenig. -

    Ja, die körperliche Reaktion ist schon erstaunlich, aber ich habe davon gelesen, dass das vorkommen kann. Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto weniger harmlos finde ich Alkohol.

    Alles Gute dir!
    AmSee

    Hallo Stefan,
    herzlich Willkommen hier Forum, gut, dass du zu uns gefunden hast.

    Ich selbst, Ende 40, Alkoholikerin und Erwachsenes Kind aus alkoholkranker Familie, kann deine Fragen nicht aus eigener Erfahrung beantworten, aber ein paar Antworten kann ich dir vielleicht doch geben.

    Ja, solche Dimensionen des Trinkens in einem Rückfall können auftreten. Ich kann dir allerdings nicht beantworten, warum das so ist.
    Die Antwort wird vielleicht auch in dir selbst begründet liegen, denn es wird seine Ursache haben, warum du zum Alkohol gegriffen und dich abgeschossen hast.
    Da würden jedenfalls meine Fragen ansetzen: Was ging dem Rückfall voraus? Hat sich nach und nach innerer Druck aufgebaut, dass du auf die „Lösung“, mit Alkohol Druck vom Kessel zu nehmen, gekommen bist? Gab es einen oder mehrere Trigger?

    Bei den Mengen, die du zu dir genommen hast, hast du deinem System mächtig eins auf die Rübe gegeben. Ja, da kann es vorkommen, dass du solche Entzugssymptome entwickelst.

    Körperliche Entzugserscheinungen können meiner Kenntnis nach zwei Wochen lang auftreten.

    Was du durchmachst, ist ein „Kalter Entzug“ und ich rate dir dringend deswegen deinen Hausarzt aufzusuchen. Ein „Kalter Entzug“ kann lebensgefährlich werden.
    Bedauerlich, dass die dir in der Klinik das nicht geraten haben, aber aufgrund der Fälle, die bei denen aufschlagen, vielleicht nicht so sehr verwunderlich. Dein Hausarzt wird dich ambulant beim weiteren Entzug begleiten können.

    Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Andere werden sich zu deinem Fragen sicherlich noch äußern.

    Alles Gute dir weiterhin.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo, liebe Schotterblume!

    Für mich liest sich das so, dass du nun auf einen guten Weg bist.
    Natürlich ist das nicht schön, einen Rückfall zu erleiden, aber wenn der dazu dient, sich über Manches klarer zu werden und etwas an sich zu ändern, dann könnte man ihn auch als Chance betrachten.

    Ich habe für mich festgestellt, dass ich durch „Fehler“ noch am meisten gelernt habe.

    Gnadenlos mit sich zu sein, kenne ich von mir, war ich jahrzehntelang mit mir. Und ich erkenne deutlich, wohin mich das gebracht hat: Es hat mich schwer chronisch krank gemacht.

    Heute gehe ich sehr viel freundlicher und verständnisvoller mit mir um, denn ich hatte etwas ändern müssen, um nicht zugrunde zu gehen.

    Und es liegt wirklich ein langer Lernprozess hinter mir, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin. Abgesehen von ein paar Einschränkungen und gelegentlichen Tiefs und dass ich den Rest meines Lebens berufs- und arbeitsunfähig sein werde, geht’s mir heute psychisch eigentlich besser als früher.
    Der innere Kritiker, der nie mit mir zufrieden war, egal wie sehr ich mich auch anstrengte, meldet sich noch ab und zu, aber wir haben unser Auskommen gefunden.


    Ich denke im Nachhinein, es gab zwei Dinge, die den ersten Rückfall begünstigt haben (und damit irgendwie auch die anderen zwei). Ich glaube, ich hatte mich ziemlich überfordert. Ich wollte unbedingt in der Therapie weiter kommen, meine Traumata aufarbeiten, was mir ja so lange nicht gelungen war trotz langjähriger Therapie und ich dachte, jetzt wo ich aufgehört habe zu trinken, sollte es endlich gelingen. Ich habe mich sehr unter Druck gesetzt und es gar nicht wirklich bemerkt.

    Da ist sehr viel dran!
    Mir ist wohl vertraut, wie sich das anfühlt, wenn ich mich überfordert habe. Gemerkt habe ich das in der Regel auch nicht, sondern erst, wenn’s schon zu spät war.

    Zitat


    Und zu wenig Rücksicht darauf genommen, dass ich ja noch am Anfang meiner Abstinenz bin.

    Nach meiner Beobachtung erkennen sehr viele „Anfänger“ nicht, wo die Gefahren liegen und wie instabil sie eigentlich anfangs noch sind. Ich beobachte mich selbst ja nun sehr viel und ich habe inzwischen schon sehr, sehr viele Erfahrungsberichte von Alkoholikern und Cos gelesen. Da ist am Anfang häufig so eine Euphorie, aber nicht wenige überschätzen sich. Es ist ja letztlich nicht nur damit getan, keinen Alkohol mehr zu trinken....

    Zitat


    Ich glaube immer noch, dass es für mich wesentlich ist, diese Traumata aufzuarbeiten um letztendlich Leben zu können und nicht nur zu überleben, und damit auch langfristig abstinent zu bleiben, aber ich muss das vorsichtiger angehen. Und mir Zeit lassen.

    Für mich hört sich das nach einem guten Weg an. Meinem eigenen Weg ist er jedenfalls sehr ähnlich.

    Zitat


    Das zweite ist, dass ich in mir einen Teil habe der sehr selbstzerstörerisch ist und den ich sehr schwer unter Kontrolle halten kann. Auch in den ersten vier abstinenten Monaten habe ich gemerkt dass ich sehr aufpassen muss, nicht nur nicht zu trinken, sondern nicht auch stattdessen in andere destruktive Verhaltensweisen abzugleiten. Ich arbeite daran auch in der Therapie, aber ich merke dass es mir schwerfällt, das überhaupt zu merken, es ist eher so eine Art "Reflex".

    Warum auch immer das so ist. Wer ein Trauma oder mehrere Traumata erlebt hat, scheint dazu zu neigen. Ich selbst bin da keine Ausnahme.
    In jungen Jahren bilden sich Verhaltensmuster heraus und die ausgetreten Pfade dann in späteren Jahren zu verlassen erfordert viel Energie, viel Zeit und viel Geduld.

    Zitat


    Ich versuche jetzt, bewusst einfach gut zu mir zu sein, für mich zu sorgen. Ganz banale Dinge, schauen dass ich genug esse aber nicht fresse, dass ich genug Bewegung habe... und das auch ganz stur, egal ob ich es will, ob ich denke ich habe es nicht verdient oder was auch immer. Ich machs "einfach".

    Hört sich für mich gut an, solange du dich nicht auch da zu sehr unter Druck setzt.

    Ich wünsche dir Erfolg bei deinem Weg.

    Lass zwischendurch gerne mal was von dir hören.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Liebe Schotterblume,
    ich finde es gut, dass du mal wieder von dir hören lässt, auch wenn deine Nachrichten nicht die besten sind.

    Ich glaube dir, dass es dich Mut gekostet hat, vor anderen und hier deinen Rückfall einzugestehen.
    Doch ich sehe das so: Du hast dir selbst damit eine Hintertür verschlossen und du nutzt eine neue Chance.

    Du schreibst von einer Krise und dass du während dieser auch therapeutische Hilfe in Anspruch genommen hast. Weißt du inzwischen denn etwas besser über dich selbst Bescheid? Hast du aus dieser Krise möglicherweise lernen können, dich im Vorfeld besser zu schützen?

    Suchtdruck baut sich ja oft im Vorfeld auf, daher wäre es für dich gut zu wissen, was dich dermaßen unter Druck gesetzt hat und ob und wie du das in Zukunft vermeiden kannst.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sehr sich eine gewisse ungesunde, aber für den Moment wirksame Lösung unter Druck aufdrängt. - Ich hab das zu meinem Glück nie bei Alkohol, aber mit Zigaretten, deshalb erlaube ich mir, hier ein Biss mitzureden. Alkohol ist, soweit ich das weiß, noch eine Nummer größer als Zigaretten. - Und ich kenne, wie sich das Suchtgedächtnis danach wieder öfter und drängender äußert. Für mich suche ich daher nach Möglichkeiten, solchen Druck gar nicht erst aufkommen zu lassen.
    Gewisse Trigger arbeite ich nach und nach mit meinem Therapeuten auf.

    Doch irgendwas hat sich durch den Rückfall geändert. Aus dem "ich will nicht mehr trinken" wurde irgendwie ein "ich darf nicht mehr trinken".


    Das klingt so, als hätte etwas in deinem Inneren den Eindruck gehabt, dass du ihm eine wirksame Medizin wegnehmen wolltest.
    Nun, verwunderlich ist das erstmal nicht, denn kurzfristig „hilft“ Alkohol ja in einer Krisensituation.
    Wer der Krankheit entkommt, erkennt, dass Alkohol nicht wirklich „hilft“. Er hilft für den Moment, etwas weich zu zeichnen, aber lösen tut er gar nichts und er befreit auch nicht.
    Warum du diese letztlich wenig hilfreiche „Medizin“ nehmen musstest, solltest du am besten mit deinem Therapeuten aufarbeiten. Da war wahrscheinlich irgendetwas, dass dich über einen längeren Zeitraum mächtig unter Druck gesetzt hat. Dass dein System, da es noch nicht stabil genug ist, dir dann diese bekannte Lösung aufdrängt, ist nicht meines Erachtens nicht verwunderlich.
    - Ich selbst gerate beispielsweise enorm unter Druck, wenn überaus starke Emotionen, deren Handlungsimpuls nicht gleichzeitig ausgelebt werden kann, in mir wüten. Bei mir ist das eine Gefühl fast immer Ohnmacht oder Scham, das andere häufig Wut. Bestimmte Situationen lösen das bei mir aus. Zu wissen, was das ist, hilft mir, solche Situationen in Zukunft zu vermeiden oder mich rechtzeitig darauf vorzubereiten. Dass ich diese Gefühle fühle, hat bei mir mit den Handlungsmustern zu tun, die ich in meiner alkoholkranken Familie erlernt und verinnerlicht habe. -

    Zitat


    Ich musste immer mehr kämpfen und strampeln, hatte sehr oft Suchtdruck und fühlte mich überhaupt nicht stabil. Ich habe gekämpft, mich abgelenkt, in der Therapie darüber gesprochen, versucht jeweils zu analysieren, warum ich jetzt trinken will und wie ich stattdessen meine Bedürfnisse erfüllen kann... und trotzdem habe ich verloren und jeweils nach ungefähr einem Monat noch zwei weitere Rückfälle gehabt.

    Klingt nach einer heftigen Zeit und einer Zeit, in der du noch nicht stabil genug warst.
    Vielleicht kannst du die Erfahrungen aus dieser Zeit für die Zukunft nutzen.

    Zitat


    Ich wüsste wirklich sehr gerne, wie ich das bewusst und willentlich beeinflussen kann, aber das habe ich leider noch nicht herausgefunden. Als ich "nicht durfte", wollte ich "nicht wollen", aber ich konnte es einfach nicht. Ich habe auch versucht, es mir einfach vorzusagen, aber es blieben leere Worte.

    Wie du schon mal deutlich gemacht hast, hast du viele Baustellen. Deshalb kann ich dich nur auffordern, geduldig mit dir zu sein und dir eine Baustelle nach der anderen vorzunehmen.

    Ich kann dir von mir erzählen, wie ich das bewusst und willentlich mache.
    Das dauert aber etwas länger und ich möchte mir dafür Zeit nehmen, deshalb jetzt nur ein Teil:

    Ich mache mir immer wieder bewusst, wie das bei mir zuletzt mit dem Trinken war. Dass es mir eben gerade NICHT gut getan hat. Ich rufe mir dazu die Momente in Erinnerung, in denen ich das Trinken als unangenehm empfunden habe. Setze damit dem Suchtgedächtnis, das ja bezüglich des Negativen so fürchterlich vergesslich ist, etwas entgehen.
    Aktiv arbeite ich daran, nicht den Gedanken aufkommen zu lassen, auf etwas verzichten zu müssen, sondern im Gegenteil zu etwas Besserem frei zu werden.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Nina,
    ich lese sehr deutlich deine Not heraus, daher versuche ich dir ein paar Anregungen zu geben.

    Es entlastet dich vielleicht, zu wissen, dass du nicht „verpflichtet“ bist, dich persönlich um deine Eltern kümmern zu müssen. Ein moralische Verpflichtung besteht womöglich, jedoch keine rechtliche Verpflichtung.

    Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, für sich selbst zu entscheiden, können eine gesetzliche Betreuung beantragen. Sie können das selbst tun oder aber jemand anderes für sie. Siehe:

    https://www.familienratgeber.de/rechte-leistun…e-betreuung.php

    Nun ist es aber so, dass, nur weil deine Eltern ein Alkoholproblem haben, dies nicht automatisch rechtfertigt, sie unter gesetzliche Betreuung stellen zu lassen. Wenn sie noch dazu in der Lage sind, einen eigenen freien Willen zu bilden, haben sie gewissermaßen auch das Recht auf ihren eigenen Untergang.

    Rechtliche Grundlage für Hilfe bzw. Nichthilfe bei Alkoholikern, siehe hier:

    https://www.reguvis.de/betreuung/wiki…Folgeerkrankung

    https://www.aerztezeitung.de/Politik/Einwei…ung-308033.html


    Die Sache ist die: Wollen deine Eltern deine Hilfe oder wollen Sie sie nicht?

    Wenn sie deine Hilfe nicht wollen, stellt sich die Frage, ob sie noch in der Lage sind, einen freien Willen zu bilden. Das kann nur ein entsprechender Gutachter feststellen und bei den Rechtsentscheidungen diesbezüglich erkennst du, wie uneins sich Gutachter sein können.

    Die Unfähigkeit deiner Eltern an sich bedeutet nicht, dass ihnen die Fähigkeit abhanden gekommen ist, einen eigenen freien Willen zu bilden. Siehe oben.

    Wenn sie deine Hilfe wollen, musst du selbst nicht unbedingt ihre rechtliche Betreuung übernehmen, sondern das kann ein gesetzlicher Betreuer, der beim Betreuungsgericht beantragt wird, übernehmen.

    Du musst auch nicht per se für die Kosten aufkommen. Infos findest du z.B. hier:

    https://www.pflege.de/pflegegesetz-p…lternunterhalt/

    https://www.pflege-durch-angehoerige.de/kinder-muessen…nn_mich_beraten

    Ich hoffe, diese Informationen helfen dir ein wenig weiter und entlasten dich etwas.

    Ich wünsche dir viel Kraft.

    Herzliche Grüße
    AmSee

    Hallo Nina,
    Danke für deine Rückmeldung.
    Was die Betreuungsdokumente betrifft, kennt sich jemand anderes wahrscheinlich noch genauer damit aus als ich, aber meiner Kenntnis und Beobachtung nach - meine Schwester hat sich um diese Dinge gekümmert - wirst du nicht noch mehr involviert. Es geht tatsächlich nur darum, das du, wenn du diese Vollmachten hast, handlungsfähig bist im Fall der Fälle. Sonst passiert erstmal gar nichts.
    Ja, Bankvollmacht wäre auch sehr wichtig.
    Ich denke, deine Eltern würden sich, solange sie es noch können, eine Einmischung deinerseits verbitten, daher geht es wirklich nur darum - und so kannst du ihnen das auch am ehesten vermitteln -, dass du im Fall der Fälle handlungsfähig bist.
    Die Sache mit der rechtlichen Betreuung, sprich Vormundschaft, ist sowieso noch mal ne ganz andere Sache. Sowas muss beantragt werden, dann kommt jemand zur Begutachtung und und und.
    Ich weiß zu wenig über eure Situation, aber da seid ihr, denke ich, noch nicht angekommen.

    Dass du Angst vor dem Besuch hast, ist verständlich. Hätte ich auch...

    Zieh dich, sofern du kannst, zwischendurch immer wieder mal raus und sorge für dich.

    Alles Gute
    AmSee

    P.S.: Das hab ich ganz vergessen:
    Mein Beileid zum Tod deiner Großmutter. Die Trauer um sie macht die Sache für dich wahrscheinlich kaum leichter.