Hallo Susanne,
ich habe gerade deine lange Antwort entdeckt und natürlich gelesen. Ich hab mich echt darüber gefreut und deine lange Nachricht gewiss nicht als Zumutung empfunden. Wir haben uns früher schon sehr lange Nachrichten geschrieben, Manches lässt sich eben nicht kurz erzählen oder wir können oder wollen es zumindest nicht. Und ich freue mich auch, dass mein „Danke“ an dich gut bei dir angekommen ist.
Ich freue mich auch zu lesen, dass es dir soweit gut geht.
Ich lese aus deiner Nachricht heraus, dass du das Bedürfnis hast, dich mir mitzuteilen und dich mir auch irgendwie zu erklären. Find ich voll ok und ich fühle mich dadurch irgendwie geehrt. - Hoffe, das kommt jetzt richtig an. 
Es sind so viele interessante Anknüpfungspunkte in deiner Nachricht, aber ich schaffe es jetzt nicht, auf alles etwas zu antworten, auch wenn ich das gerne möchte. Formulieren, was in meinem Kopf ist, fällt mir nicht immer leicht. Deshalb schreibe ich nur, wenn‘s bzw. solange es „fließt“.
Was du mir geantwortet hast, bestätigt übrigens meinen Eindruck von dir und das war durchaus kein negativer Eindruck, auch wenn ich mit deiner Bärbeißigkeit und Bissigkeit mitunter meine Schwierigkeiten hatte. Es hat nun einmal seine Gründe, warum du so bist, wie du bist. Vieles hast du diesbezüglich ja auch von dir erzählt.
Es hat schließlich auch seine Gründe, warum ich so bin, wie ich bin.
In all unserer Verschiedenheit glaube ich recht gut nachvollziehen zu können, was mit dir ist. Gewisse Ähnlichkeiten sind eben aufgrund unserer Vergangenheit in einer alkoholkranken Familie vorhanden und vielleicht noch aus anderen Gründen.
Übrigens war es nicht deine „Härte“, die mich vor bald zehn Monaten zum Umdenken bewegt hat...
Sondern du hast dich auf meine Fragen und Gedanken eingelassen und mir mit deinen eigenen Erfahrungen geantwortet. Ich fühlte mich schließlich ernstgenommen und ich hab Teile von mir und meinem bisherigen Weg in dir und deinem Weg wiedererkannt und ich begriff an deinem Beispiel, wohin ich auf dem Weg war.
Nein, Härte hätte mich nicht erreicht, es war etwas anderes, das du ebenfalls an oder in dir hast....
Ich hab aber andere (wenige) Beispiele kennengelernt, bei denen eine klare Ansage, tatsächlich das ist, was sie bei all ihrer Empfindlichkeit brauchen. - Ist schon eine bunte Welt, diese Alkoholiker-Welt. 
Du hattest mal geschrieben, welche Schwierigkeiten du mit Lob und Anerkennung von anderen hast. Ich hab das damals schon nachvollziehen können, nun hast du es noch deutlicher und noch besser nachvollziehbar erklärt. Danke. 
Diese Sache mit dem Selbstwertgefühl, das aus einem selbst und dem eigenen Inneren kommt, und dem Gefühl, „nur“ etwas wert zu sein, wenn man für andere da ist, hat mich besonders in den vergangenen Monaten sehr beschäftigt.
Ein schwieriges Thema für eine EKA.
Wann tue ich etwas, weil ich das einfach gerne möchte, gerne mache, usw. und wann tue ich etwas, um (unbewusst?) von außen Wertschätzung zu erhalten?
Mitunter ist es für mich äußerst schwierig, das auseinanderzuhalten, manchmal empfinde ich es als eine Gratwanderung.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es die ganze Angelegenheit nicht gerade leichter macht, wenn man von der Wertschätzung anderer so getriggert wird, wie du das von dir beschreibst. Du schriebst mal vom Esel und der Möhre vor seiner Nase.
Ich hab bemerkt, dass du es nicht lassen konntest, hier viel zu antworten und dass und wie du damit irgendwie in eine Verantwortung geraten bist, die du eigentlich gar nicht wolltest. Es war auch nicht zu übersehen, was das mit dir gemacht hat.
Was spricht denn grundsätzlich dagegen, ab und an wegzugehen, um das Gefühl zu haben, das wirklich von „außen“ betrachten zu können?
Wie heilsam und förderlich das für die eigene Entwicklung sein kann, habe ich erfahren, als ich selbst „weg“ war.
Dass du inzwischen weit weg vom Thema „Alkohol“ bist, kann ich, obwohl ich demnächst erst 10 Monate trocken bin, durchaus schon nachvollziehen.
Wenn du dich damit nicht mehr gut fühlst, von deiner Geschichte zu erzählen, weil es sich anfühlt, als wenn deine Platte einen Sprung hat, dann klingt es logisch, das nicht länger zu tun.
Vielleicht gibt es ja andere Möglichkeiten für dich, dem Forum trotzdem irgendwie erhalten zu bleiben, ohne in eine Rolle zu fallen, die du gar nicht willst? - Wenn du das denn überhaupt möchtest.
Was du über die verschiedenen Inneren Anteile schreibst, die du irgendwie nicht zusammenbringen kannst, kann ich nachvollziehen.
Ich lerne meine verschiedenen Inneren Anteile in den letzten Monaten erst kennen bzw. identifiziere sie überhaupt erst. Spannend und mitunter gar nicht so leicht. Da sind definitiv mehr als nur ein „Inneres Kind“. Wie verletzt einige Anteile sind, erspüre ich so nach und nach. Manchmal macht mir das Angst, was ich finden könnte. Aufschlussreich war letztens eine Erfahrung, als ein deutlich jüngerer, äußerst verletzter Innerer Anteil von mir die „Führung“ übernommen hat, und ich das tatsächlich erkannt habe und den erwachsenen Inneren Anteil wieder die „Führung“ übernehmen lassen konnte.
Ich hab für mich inzwischen die Notwendigkeit erkannt und den Wunsch entwickelt, nochmals professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Deshalb lerne ich gerade eine Therapeutin kennen, die auch in Trauma-Therapie ausgebildet ist und beantrage die Genehmigung einer Psychotherapie.
Damit schließe ich erstmal.
Grüße
AmSee
P.S.: Das mit dem Wandern hört sich gut an. Ich war letztens im Urlaub auch ein paar Mal wandern. Schaffe inzwischen 6 mal so viel wie Anfang des Jahres, ohne gleich völlig hinüber zu sein. Hat mir Mut gemacht.