Beiträge von AmSee13

    Hallo Luuna,
    ich nenne dich auch mal bei dem Nickname, den du gewählt hast.

    Auch von mir ein herzliches Willkommen in dieser Online-Selbsthilfegruppe. :welcome:

    Kurz zu mir: Ich bin (noch) 48 Jahre alt, EKA (Erwachsenes Kind aus einer Alkoholikerfamilie), Alkoholikerin und lebe seit bald einem Jahr abstinent.

    Zunächst kann ich dich nur dazu beglückwünschen, dass du mit dem Alkohol aufhören willst. Und dass du einen Termin beim Hausarzt gemacht hast, ist ein guter Anfang. Einfach so mit dem Alkohol aufzuhören ist nicht ganz ungefährlich, auch wenn du bislang keinerlei Symptome bemerkt hast, wenn du Trinkpausen eingelegt hast, Stichwort „Kalter Entzug“. Ich will dir deswegen keine Angst machen, aber das ist etwas, was du unbedingt im Blick haben solltest.

    Einfach nicht mehr Trinken klingt so einfach, aber das alleine und nur der Wille allein reicht dabei in der Regel nicht aus. Es hat seine Gründe, warum wir zum Alkohol gegriffen haben, und die sind nicht einfach so weg. Das bedeutet, dass du auch in dem Bereich etwas ändern musst.

    Ich selbst habe hier im Forum vor einem Jahr viel Hilfe und Anregungen gefunden. Habe sehr viel gelesen, sehr viel geschrieben, sehr viel reflektiert.

    Schon seit einer Weile darf ich sagen, dass ich zufrieden abstinent lebe. Etwas, was ich mir vor einem Jahr noch überhaupt nicht vorstellen konnte. Für mich kommt überhaupt nicht in Frage jemals wieder Alkohol konsumieren zu wollen, denn durch die Abstinenz hat sich mir erst so richtig gezeigt, wie sehr Alkohol meiner Psyche und meinem Körper geschadet hat. Das hätte ich in dem Maße so niemals erwartet.

    Dir wünsche ich ebenfalls gutes Ankommen hier und viele gute Anregungen.

    Viele Grüße
    AmSee

    Guten Morgen, Susanne,
    um genau diese Lebenseinstellung, die in deiner Antwort an mich steckt, bemühe ich mich auch stets.
    „Nützt ja nix.“ sagt man bei uns in der Gegend. Und so sehe ich das für mich auch.
    Mein Leben ist nun einmal, wie es ist, und ich kann für mich ja nur das Beste daraus machen.

    Jammern sollte man zwischendurch auch mal dürfen, damit wird man sich selbst und seinem Kummer ja durchaus auch mal gerecht. Dauerjammern bringt nix und gar nicht jammern bringt auch nix. So jedenfalls meine Erfahrung.

    Prima, dass du trotz all dem Krempel am Wochenende eine Wanderung machen konntest, die manche Dreißigjährige nicht schaffen! Das macht irgendwie auch Mut und gibt Anlass zur Hoffnung, nicht wahr?

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo ichso,
    noch so ein Gedanke für deine heutige Fahrt:

    Höre gerade das Lied und es klingt für mich auch sehr powerful und weckt bei mir positive Emotionen.

    Wie wäre es, wenn du dir für dich passende Musik für die Fahrt zusammenstellst? Etwas, was dich stark macht und zugleich zu deinen derzeitigen Emotionen passt....

    Hallo ichso,
    ich mag dir mal schnell antworten.

    Interessant, welchen Hintergrund das Lied hat und den Text mal genauer zu lesen!
    Finde mich darin irgendwie wieder, da kommt mir was bekannt vor, obwohl ich nicht bipolar bin.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass dir die Realität heute gerade Angst bereitet und du am liebsten davor fliehen möchtest. Ist ja gerade auch alles n bisschen too much!

    Siehst du dich in der Lage, dich deinem Angstgefühl und deiner Traurigkeit zu stellen? Sie wahrzunehmen, anzuschauen, als das zu sehen, was sie sind und sie anzunehmen?

    Die Angst warnt dich letztlich vor möglicher oder tatsächlich vorhandener Überforderung. Eigentlich möchte sie dich davor beschützen... Und auch die Trauer ist derzeit berechtigt....

    Herzliche Grüße, ich schick dir mal eine virtuelle Umarmung!

    AmSee

    Hallo Thomas,
    nach meiner eigenen Erfahrung und dem, was ich über diese Erkrankung erfahren habe, spielt es letztlich keine Rolle, ob du schon körperlich abhängig bist oder „nur“ psychisch abhängig.
    Abhängig ist abhängig und die Gefahr, dass du, wenn du doch wieder mal zum Alkohol greifen solltest, so richtig ordentlich abstürzt, ist ziemlich groß.
    Das ist nämlich ziemlich vielen nach einer Trinkpause so ergangen - Beispiele findest du hier im Forum und auch anderswo - und das flößt mir einen Heidenrespekt vor dieser Erkrankung ein.

    Den entscheidenden Unterschied sehe ich darin, wie du über Alkohol denkst. Wenn du glaubst, dass dir der Alkohol fehlt, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass du doch irgendwann wieder zum Alkohol greifst, vor allem, wenn du dir selbst bescheinigst, nicht körperlich abhängig zu sein.

    Und genau da sehe ich einen sehr wichtigen Ansatz für deine „Trockenarbeit“.

    Ich hab vor über einem Jahr noch ähnlich gedacht wie du und dann hat sich bei mir nach und nach etwas verändert und zwar je länger ich mich mit der Krankheit beschäftigt habe und damit, wie ich für mich sorgen kann/ muss, um zufrieden trocken zu sein und zu bleiben.

    Mein erstes Jahr habe ich nun bald geschafft und natürlich gab‘s da einige Triggermomente. Ich hab mich damit ernsthaft auseinandergesetzt und sie erfolgreich bewältigt.

    Es wird oft geraten, sich im ersten Jahr gewissen Triggersituationen gar nicht erst auszusetzen, um die eigene Abstinenz erstmal zu stabilisieren. Also zum Beispiel keine gesellschaftlichen Runden aufzusuchen, in denen Alkohol konsumiert wird. Denn solche Situationen triggern nicht nur in dem Moment, sondern häufig erst so richtig im Anschluss. - Hab ich selbst erfahren müssen....

    Alternativen finden und ausprobieren: Wasser mag ja langweilig sein, aber warum nicht alle möglichen anderen alkoholfreien Getränke ausprobieren und herausfinden, welches dir einfach gut schmeckt?

    Für eventuelle Notfälle gerüstet zu sein und sich einen sogenannten „Notfallkoffer“ zusammenzustellen.

    So langweilig das vielleicht klingt, ich hab eine große Apfelsaftschorle und Bitter Lemon für mich entdeckt und bin bestzufrieden.

    Auf gewisse Situationen habe ich mich vorbereitet oder ich gehe gar nicht erst hin.

    Und ich habe mir einen solchen „Notfallkoffer“ zusammengestellt, weil der Suchtdruck, den ich unerwartet in diesem Jahr einmal zu spüren bekommen habe, ziemlich heftig war.

    Viele Grüße
    AmSee

    Guten Morgen, Susanne,


    Mein Grips wird trotzdem noch gefördert. Ich bin noch in einer Arbeitsgruppe an der Uni und ich hab immer noch woanders einen Expertenstatus und schreibe Artikel. Wenn ich mich beschäftigen will, gibts genügend ehenamtliche Tätigkeiten, aber selbst das habe ich ja bereits etwas zurück gefahren, schon bevor dieser Schub jetzt war.

    Das hört sich gut an. Möglichkeiten bleiben dir somit weiterhin offen.

    Zitat


    Ansonsten spielt wahrscheinlich auch das Alter eine Rolle. Mit 60 plus denken viele über Vorruhestand nach.

    Und ich bin ja auch nicht rauskatapultiert worden, niemand würde mich dran hindern, weiter zu machen...wenn ich unbedingt wollte, ich will nur nicht.

    Gewiss ist das alles ein entscheidender Unterschied.
    Die Hauptsache ist jedenfalls, wie es dir damit geht, und wenn du tatsächlich nicht mehr willst und auch nicht mehr musst, dann passt es ja offenbar für dich, obwohl du gewiss auf diesen Krankheits-Mist auch gerne verzichtet hättest.

    Zitat


    Medis...so ein Parkinsonmedikament ist bei mir auch dabei, ging allerdings schon mal nach hinten los. Ich hatte dann Augmentation (da machts das Medi selbst noch schlimmer) deswegen bin ich auch da vorsichtig. Ausserem noch drei Andere.

    Darf ich einen bösen Scherz machen? - Offenbar hast du, als der ganze Krankheits-Mist vergeben worden ist, noch lauter geschrieen als ich.... ;)

    Musste erstmal googeln, was „Augmentation“ bedeutet, kannte dieses Phänomen bislang noch nicht.
    Verständlich, dass du bei den Medis noch vorsichtiger bist als ich.

    Wünsche dir jedenfalls, dass sich bei dir Besserung einstellt.

    Viele Grüße
    AmSee


    Jetzt muss ich gerade lächeln...

    Das freut mich. :)

    Zitat


    aber evtl. findest du das ja Sonntags jetzt selbst raus. Wird mich freuen, von dir im Tatortblog zu lesen <3

    Sorry, das ist eher unwahrscheinlich, denn Krimis sind wirklich überhaupt nicht mein Fall. Sowas zieht mich eher runter, deshalb vermeide ich das und lasse meinen Mann alleine seine Krimis gucken. nixweiss0
    Dieser hier war interessant, weil das eben kein typischer Krimi war.

    Zitat


    Was bedeutet "zusätzlich H-Dieter"?

    Uups... hat die Autokorrektur reingepackt, ohne dass ich’s bemerkt hab. laugh2
    Da hätte eigentlich stehen sollen: .. und du morgen die gewünschte Unterstützung bei deiner Thera.
    Weiß echt nicht, wo dieses „H-Dieter“ herkommt, kenne keinen solchen und hab noch niemand so angeschrieben.... nixweiss0

    Liebe Grüße

    Hallo ichso,
    nee, ich hab da nicht an eine Entzugsstation gedacht, sondern eher an so eine Art Auffangbecken...Susanne hatte nur erzählt, wie viele da mit Alkoholproblem rumliefen...


    Aber ich kann da ziemlich leicht einfach zuhören und ich sag dann vielleicht auch mal was, aber es nimmt mich nicht mit. Die wollen ja auch nichts von mir.

    Gut, dass du das kannst! Hattest ja mal erzählt, dass du diese „Gabe“ hast.
    Ich erinnere mich mit Grausen, wie‘s mir ging, als ich drei Monate auf der Depressions-Station war, denn ich hatte deine „Gabe“ nicht. Heute wäre das vielleicht anders, weil ich gelernt habe, mich zu schützen und rauszuziehen.

    Grüße
    AmSee

    Moin Susanne,
    dann tickst du vom Prinzip eigentlich wie ich. Ich schlucke auch nur, wenn’s unbedingt nötig ist. Medis haben ja immer irgendwelche Nebenwirkungen und deshalb wäge ich da gut ab, ob‘s so noch geht oder eben doch nicht mehr.

    Was Schlafmittel betrifft, bin ich äußerst vorsichtig. Da macht mir einfach das, was meiner Mutter als jungem Menschen geschehen ist, weshalb davon abhängig geworden ist und später nach ihrem Klinikaufenthalt stets alles in die Richtung abgelehnt hat, zu schaffen. Und nun, da ich auch noch alkoholabhängig geworden bin, erst recht.

    In der Klinik damals war ich schließlich bereit, eine Vierteltablette Mirtazapin zu nehmen. Das Bisschen hat bei mir damals tatsächlich gereicht, dass ich endlich wieder schlafen konnte. Monate später wurd‘s wegen Verdacht auf Restless Legs wieder abgesetzt.

    Schlafmittel hab ich nur drei Tage lang akzeptiert, als ich nach der zweiten heftigen Kortison-Stoß-Therapie wegen eines MS-Schubs überhaupt nicht mehr schlafen konnte.

    Nee, ich nehme andere Medikamente, bei denen eben kein Abhängigkeitspotential besteht und ich die Nebenwirkungen in Kauf nehmen kann. Lange Zeit wollte ich überhaupt keine Medikamente zu mir nehmen außer Aspirin und was bei Magen und Darm.

    Ich nehme morgens und abends ein AD, morgens einen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, abends einen Melatonin-Agonisten. Die Abend-Tablette halbiere ich sogar, weil mir der „Überhang“ am nächsten Tag zu viel war. Und wegen Restless legs nehme ich ein Medikament, das ursprünglich für Parkinson Patienten erfunden worden ist. Und noch ein Eisenpräparat, da bei Menschen, die Restless Legs haben, der Eisenspeicher voller als normal sein sollte.

    Find ich gut, dass du noch ein paar Jahre mehr haben möchtest. ;) Kommt mir irgendwie bekannt vor, was du diesbezüglich schreibst. Es hat bei mir nicht wenig Zeiten gegeben, das hab ich gehofft, nicht mehr wieder aufzuwachen, nun dürfen‘s gerne noch ein paar Jahre mehr sein....

    Bezüglich Schlafentzug hab ich dich wohl missverstanden. Das klang zunächst so, als ob du diese Methode absichtlich bei dir angewandt hättest.

    Wegen Arbeit und Beruf: Ja, so etwas hast du öfter mal geschrieben. Andererseits ist solche Arbeit aber doch auch das, was deinen Grips fordert und keine Langeweile aufkommen lässt. Deswegen hab ich gefragt, wie‘s dir damit geht.

    Natürlich bin ich ziemlich erleichtert, nicht mehr in meinem Beruf oder einem anderen arbeiten zu müssen und ich kann meine Zeit gut füllen, aber andererseits fehlt mir mein Beruf irgendwie auch.
    Ich selbst bin viel zu schnell und überraschend rauskatapultiert worden, als ich gerade mit viel Mühe versucht hatte, wieder reinzukommen. Nicht mehr zu können, fühlt sich nicht so dolle an...


    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo ichso,


    Für uns (meine Tochter und mich) ist es immer die letzte (und beste) Option, wenn alle unsere therapeutisch erlernten "Werkzeuge" nicht mehr greifen.

    geht mir ganz ähnlich, auch wenn mein Aufenthalt dort mich damals therapeutisch herzlich wenig weitergebracht hat. Wenigstens wurde mein freier Fall dort aufgehalten und ich konnte mich etwas stabilisieren. War damals auch ständig draußen in der Natur unterwegs, ähnlich wie Susanne, nur war im Winter nix mit schwimmen.

    Wünsche dir für dich und deine Tochter, dass sie dort Hilfe erfährt und du morgen zusätzlich H.-Dieter gewünschte Unterstützung bei deiner Thera.

    Viele Grüße
    AmSee

    P.S.: Hab übrigens aus Solidarität mit dir Sonntag Tatort geschaut. Mag eigentlich keine Krimis, aber dieser hatte schon Spielfilm-Qualität. Ich war echt beeindruckt.

    Moin Susanne,
    schon ne ziemlich heftige Geschichte, die du da zu erzählen hast... Klingt aber, als wenn du da halbwegs gut rausgekommen bist....

    Mit restless legs habe ich auch so meine Erfahrungen machen dürfen, allerdings nicht in diesem Ausmaß. Seit ich ein bestimmtes Medikament nehme, geht’s ganz gut.

    Manische Phasen habe ich zu meinem Glück nur eine bestimmte Zeit lang erlebt. Hab sie fürchten gelernt ....

    Schlafentzug als Methode kenne ich auch, allerdings hab ich die nur bei meinen heftigsten depressiven Phasen ausprobiert. Hat teilweise geholfen, teilweise hat der Schlafentzug dazu geführt, dass ich innerlich noch mehr unter Strom stand und Medikamente nehmen musste, um endlich schlafen zu können.

    Drei Wochen auf Station mit mehr oder minder nassen Alkoholikern stelle ich mir auch gerade einfach vor...Gut, dass du diesbezüglich gefestigt bist...

    Verstehe ich das richtig: Du wirst mit sofortiger Wirkung in deinem Unternehmen aufhören?
    Wie geht’s dir damit?

    Wünsche dir, dass du weiterhin gesund bleibst und dich nicht mehr überanstrengst/ überanstrengen musst.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Stephan,
    auch von mir ein Herzliches Willkommen hier in dieser Online-Selbsthilfegruppe.

    Auch ich mag mich dir kurz vorstellen:
    Ich bin (noch) 48 Jahre alt, EKA (Erwachsenes Kind aus einer Alkoholikerfamilie), Alkoholikerin und seit über 11 Monaten trocken.

    Dieses Forum hier hat mir sehr dabei geholfen zu erkennen, dass ich ein ernsthaftes Problem habe und was ich für mich tun kann. Hilfreich waren hier für mich zum einen die direkten Antworten, die ich hier auf meine Fragen bekommen habe, zum anderen aber auch die Erfahrungsberichte anderer, durch die ich mich hier kreuz und quer gelesen habe.

    Hättest du denn schon ein paar Fragen, die du hier stellen möchtest?

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Isa,
    Greenfox hat vieles geschrieben, was ich auch so hätte schreiben können und wollen. Daher schreibe ich dazu nichts weiter.

    Es mag sein, dass dein Mann sich zunächst etwas besorgter verhält, wenn er es weiß. Andererseits wirst du, je länger du dich mit dem Thema beschäftigst und an Stabilität gewinnst, an Stärke und Gewissheit gewinnen, was gut für dich ist und was eben nicht. Und er wird das auch bemerken. Und wenn du mit ihm redest und übersetzt, was mit dir ist, was du denkst, was du herausgefunden hast, wo du Schwierigkeit siehst, was dich möglicherweise stört, umso mehr kann auch er dazu lernen und eure Beziehung kann wachsen.

    Es ist für beide ein Lernprozess. So habe ich das jedenfalls in meiner Beziehung kennengelernt.

    Als ich mir vor ein paar Jahren mal Sorgen um meinen Konsum machte, aber noch weit davon entfernt war, mit dem Alkohol aufhören zu wollen, habe ich meinem Mann von meinen Sorgen erzählt. Und natürlich flog mir das, wann immer ich Alkohol konsumierte, um die Ohren und ich ärgerte mich, ihm überhaupt davon erzählt zu haben.
    Rückblickend lag das eben daran, dass ich mich nicht vom Alkohol lösen wollte. Und da ich ihn auf mein Problem aufmerksam gemacht hatte, machte er sich natürlich Sorgen, wenn ich Alkohol konsumierte. Die Mengen hielt ich selbst für harmlos, tatsächlich waren sie im Nachhinein betrachtet doch schon ziemlich auffällig.

    Diesmal war es bei mir anders, weil ich mir kein Hintertürchen mehr offen lassen wollte. Und so ergab sich dann im Laufe der vergangenen Monate die eine oder andere Situation, in der mein Mann nicht verstand, warum ich zu der oder jener gesellschaftlichen Runde nicht mit hinwollte. Oder, warum es mich so getriggert hat, als er und Kollegen von ihm zu einer Feier gegangen sind und die ganze Zeit darüber geredet haben, wie sie die Flat für alkoholische Getränke dort nutzen wollen. Oder warum ich mich in einer Grill-Runde mit unseren Nachbarn so unwohl gefühlt habe und vorzeitig plötzlich gegangen bin.
    Oder warum ich zum Anstoßen bei einem feierlichen Anlass meine Apfelsaftschorle eben nicht aus einem Sektglas trinken möchte.
    Und so weiter.


    Also muss man dem Partner sagen, dass man ihn nicht plötzlich für unfähig hält, sondern wie man selbst fühlt, warum man es selbst machen will: Weil man wieder dazu in der Lage und fähig ist!

    Nur, wenn man nicht miteinander redet, kann man auch keinen Konsens finden.

    Genau so sehe ich das auch.


    Übrigens, falls du doch mal Saufdruck verspüren solltest, versuch so viel wie möglich Wasser zu trinken, wie du reinkriegst. Ich hab die positive Erfahrung gemacht, dass der Druck weg war, als mein Bauch mit Wasser gefüllt war.
    Danach konnte ich mich an die Aufarbeitung machen, was überhaupt zu diesem Saufdruck geführt hat, und wie ich daran etwas ändern könnte.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Thomas,
    auch von mir ein Herzliches Willkommen in diesem Forum.

    Schön, dass du zu uns gefunden hast und Gratulation zu deiner Entscheidung, keinen Alkohol mehr konsumieren zu wollen.

    Kurz zu mir: Ich bin (noch) 48, w, EKA (Erwachsenes Kind aus Alkoholikerfamilie) und Alkoholikern und seit über 11 Monaten trocken.

    Solche Sprüche, wie du sie genannt hast, kenne ich auch.
    Ich hab mir vor einem Jahr noch gar nicht vorstellen können und wollen, dass ein Leben ohne Alkohol überhaupt noch schön sein könnte. Und dann hat sich in meinem Denken und während meiner Erfahrung mit meiner Abstinenz etwas grundlegend geändert. Ich darf schon seit einer Weile sagen, dass ich zufrieden abstinent bin. Ich hab nicht das Gefühl auf etwas, was ich sonst immer als schön empfunden habe, zu verzichten, ganz im Gegenteil fühle ich mich frei von etwas, was nicht nur in meinem Leben großes Unheil angerichtet hat.

    Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum andere Menschen, sich ein Leben ohne Alkohol nicht vorstellen können. Alkohol ist in unserer Gesellschaft fest etabliert, im Gegensatz zum Rauchen. Wobei letzteres übrigens auch mal anders war, du wirst dich wahrscheinlich noch daran erinnern.
    Keine Feier, kein gesellschaftliches Event ohne Alkohol und so weiter. In Film und Fernsehen schenkt man sich ständig einen ein und so einen richtig großen Drink nimmt man in den Filmen, wenn man sich nach einer großen Aufregung beruhigen muss.

    Natürlich macht das alles etwas in unseren Köpfen.

    Und wer will da schon gerne ausscheren, besonders, wenn die Wirkung des Alkohols doch so angenehm daher kommt.

    Seh ich inzwischen völlig anders und ich hab nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Körperlich und psychisch geht’s mir besser, als ich das jemals erwartet hätte. Alkohol hat mir, das hat sich so nach und nach gezeigt, viel mehr genommen, als ich erwartet hätte.

    Also, nur Mut! Es lohnt sich.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo ichso,
    manchmal, so wie heute zum Beispiel, empfinde ich deine Beiträge auch für mich selbst irgendwie wohltuend.
    Was du über deine Erfahrungen mit deiner realen Selbsthilfegruppe schreibst, finde ich immer wieder interessant.

    Ich freu mich für dich, dass dein Jesus und du euch wieder annähert.

    Was die junge Komapatientin betrifft und deine Trauer, hast du natürlich mein Mitgefühl.
    Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass man sich an Schreckliches gewöhnt. Ich bezweifle das eher.
    Du trauerst und diese Trauer hat bei dir, so wie ich das wahrnehme, auch ihren Raum. Du besinnst dich, aber eben auch noch auf andere Dinge in deinem Leben. Dinge, die auch wichtig sind und auch ihren Raum brauchen und haben dürfen.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo ichso,
    Orangina13 hat Worte für etwas gefunden, was auch ich so empfunden und gedacht habe, für das ich selbst aber keine Worte fand.
    Auch ich hatte deinen Beitrag gelesen und hab seither immer wieder daran gesagt, dass ich dir etwas antworten möchte, aber ...

    Übrigens glaube ich nicht, dass es an Jesus oder Gott gelegen hat, es zuzulassen. Angeklopft worden ist bestimmt mehr als ein Mal.

    Gut, dass du selbst Erleichterung finden kannst. Für deine Tochter und alle andere Beteiligten kann ich nur hoffen...

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Isa,
    ich kenne ziemlich gut, was du schilderst.
    Das, was du von dir beschreibst, macht die Angelegenheit für dich auch so schwierig und gefährlich.

    Du trinkst Alkohol, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.
    Und bislang glaubst du noch, dass du das ohne Alkohol nicht hinbekommst.

    Ich stelle dir deinen Aussagen einfach mal ein paar Fragen gegenüber.

    Du sprichst davon, dass du durch Alkohol nach einem langen Tag nochmals kommunikativ wirst. - Wäre richtige Erholung da nicht angebrachter?
    Alkohol schafft einen unsichtbaren Schutz um dich. - Was ist das für eine Umgebung, in der du einen solchen Schutz brauchst?
    Du machst du dir leicht Sorgen und fühlst dich verantwortlich. - Sind die Sorgen nicht mehr da und trägst du weniger Verantwortung, wenn du Alkohol trinkst, oder benebelst du dich einfach nur?


    Wenn du ganz ehrlich mit dir bist, wie weit bist du denn schon mit deinem Alkoholproblem?
    Und wie weit willst du es noch kommen lassen?

    Ich selbst bin jetzt fast 11 Monate trocken und es geht mir körperlich und psychisch so viel besser. Nie hätte ich das so erwartet und natürlich bestärkt es mich darin, nie wieder in meinem Leben Alkohol in meinen Körper lassen zu wollen.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Isa,
    ich habe deine Beiträge gelesen und möchte auch ein paar Gedanken mit dir teilen.

    Den ersten wichtigen Schritt hast du gemacht und dir selbst eingestanden, dass du ein großes Problem hast, und du hast dich hier anonym geoutet.

    Wie groß dieses Problem tatsächlich ist, wird sich dir gewiss nach und nach immer mehr eröffnen, je mehr du dich mit dem Thema beschäftigst.

    Vom Prinzip weißt du also, dass du nicht kontrolliert trinken kannst. Mit den Erfahrungen, die du diesbezüglich schilderst, bist du nicht allein. Das haben andere ebenso kennengelernt.

    Vom Prinzip weißt du und siehst du, was der Alkohol mit dir macht.

    Mir stellt sich die Frage, was du dir dann doch noch vom Alkohol versprichst, dass du nicht davon lassen möchtest.
    Hast du Angst, dich ohne Alkohol nicht runterregulieren zu können?
    Hast du Angst nicht mehr richtig feiern zu können?
    Hast du Angst vor Entzugserscheinungen?
    Hast du Angst, etwas zu vermissen?


    Ich kenne das, immer die „Starke“ sein zu wollen und natürlich gibt einem das Helfen und das Alles-im-Griff haben etwas, doch es kostet dich auch etwas und zwar nicht wenig, wie du selbst durchaus bemerkst.

    Es kann sich für dich durchaus mal ergeben, dem nachzugehen, was denn überhaupt dahinter steckt. Vielleicht ist das ja gar nicht immer so gesund für dich, „alles im Griff“ haben zu müssen und „Die Starke“ zu sein.


    Sich anderen ausgewählten Menschen zu öffnen, dass man ein ernsthaftes Problem hat, wirkt auf dich u.U. zunächst vielleicht wie ein Bumerang, aber das ganz alleine durchzuziehen, ist unheimlich schwer und in der Regel wenig erfolgreich, gerade, weil Alkoholismus eine ziemlich vielschichtige Erkrankung ist.

    Sich anderen ausgewählten Menschen zu öffnen und mit ihnen über sein Problem und seine Gedanken zu reden, kann tatsächlich auch zu einer enormen Stütze werden.

    Ein guter Freund von mir, der Bescheid weiß, sagte mal sinngemäß: „Es ist ein Zeichen des Respekts, dass wir in deiner Gegenwart keinen Alkohol trinken. Wenn man weiß, dass jemand ein Problem mit Alkohol hat, und dann trotzdem in seiner Gegenwart trinkt, ist das ja, als halte man ihm noch extra vor die Nase, dass er ein Problem hat.“

    Wenn du weißt, was dich alles triggern könnte, weißt du auch, wie du dich schützen kannst. Und dich zu schützen ist absolut notwendig, weil auch du es wert bist.

    Liebe Grüße
    AmSee