Beiträge von AmSee13

    Kann ich total nachvollziehen, was du schreibst.

    Kenne diese Aufs und Abs selbst ganz gut, auch wenn die sich bei mir etwas anders äußern als bei dir.
    Und ich weiß auch, dass Manches Jahre dauert....

    Brauchst also mir gegenüber kein „Sorry“, ich denke, ich weiß, was du meinst...

    Ist doch angenehm, dass es im Moment so ist, wie es grad ist. Genießen wir das einfach und gut iss...

    Ich meinte damit eigentlich, dass wir alle, die wir uns hier in diesem Faden derzeit miteinander austauschen, uns im Laufe der letzten Monate verändert haben.
    Wir sind nach meinem Eindruck entspannter, gelassener, offener (?)

    .....und vielleicht auch ein kleines Bisschen weiser geworden.

    Hallo Alleinerziehener Vater,
    ich hab mit diesem Medikament keine Erfahrungen, aber meine Erfahrungen mit Selbstmedikation meines alkoholabhängigen Vaters.
    Ich nenne das Medikament bewusst jetzt nicht, aber es ist eines, das selbst stark abhängig macht und in Kombi mit Alkohol fatal ist.

    Von Selbstmedikation würde ich dir grundsätzlich abraten.

    Ich empfehle dir, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Warst du schon beim Arzt und hast mit ihm über dieses Medikament gesprochen?

    Viele Grüße
    AmSee


    Auf der anderen Seite , hätten wir dann diesen Spaß heute?

    Vielleicht, vielleicht auch nicht.
    Hat ja auch ne Weile gebraucht, bis wir da hin gekommen sind.

    Zitat


    Na ja, das, was ich gerade mache, ist wohl auch so eine Art "In Liebe loslassen"

    Wenn’s dafür die Zeit ist, dann ist das so. Und ich meine, es ist dann auch ok so.
    Hauptsache, es fühlt sich irgendwie gut und stimmig an.

    Nein, entscheiden musst du heute gar nichts. Es wird sich gewiss etwas ergeben, so oder so, und das passt dann hoffentlich auch.
    Der Spruch „Alles hat seine Zeit.“ hat sich in meinem Leben immer wieder bewahrheitet und ich habe schon vor einer Weile angefangen, einfach darauf zu vertrauen.

    Grüße
    AmSee


    Ich mach mir doch solche Sorgen um dich -Text von meiner Mutter hat bewirkt, dass ich ihr nie etwas von mir erzählt habe. Also konnte sich nie etwas wie Vertrauen entwickeln. Ich schottete mich ab ,auch weil ihre Drama-Reaktionen mich zusätzlich belasteten,so dass ich mich weiter zurückzog und :
    Es drehte sich immer nur um ihre Befindlichkeiten, nie um meine.
    Sie war auch nicht in der Lage ,sich mir zuzuwenden.

    Es ist auch schlüssig ,warum ich so ein Problem mit Bedürfnis erkennen und umsetzen habe.

    Wow, echt starke Themen hier! Find ich gut, interessant und hilfreich, den Austausch darüber.

    Wenn deine Mutter und dein Bruder eine solche Todessehnsucht in sich tragen, ist es ja auch kaum möglich, sich denen auch noch mit den eigenen Sorgen und Problemen anzuvertrauen.

    Für einen außenstehenden Angehörigen, aber auch Freunde ist so etwas schwer zu ertragen. Natürlich schwingt dann im Umgang miteinander immer eine gewisse Angst mit. Und man gerät auch in die Rolle des ständigen Beobachtens, wie der andere heute gerade drauf sein mag. Und man fühlt sich zugleich so hilflos und in einer Art Ohnmacht gefangen. Ein ziemlich ungesunder Zustand.

    Wie soll man denn damit umgehen, wenn der andere so eine Todessehnsucht hat? - Ein schwieriges Thema und definitiv eine große Herausforderung!

    Wichtig ist, denke ich, dass man aus dem Gefühl der Verantwortung herauskommt, die Verantwortung abgibt und zugleich lernt, bei sich zu sein.
    Möglichkeiten und Perspektiven tun sich da, da weiß ich aus eigener Erfahrung, durchaus einige auf.

    Was deine Mutter betrifft, so hast du da, denke ich, instinktiv die richtige Entscheidung getroffen. Die Frage ist, wie du jetzt, da du es weißt, und da dir eigentlich etwas fehlt, für dich sorgen kannst.
    Sich mit Menschen auszutauschen, die dich verstehen können oder zumindest nachvollziehen können, was mit dir ist, halte ich da durchaus für hilfreich.

    Liebe Grüße
    AmSee


    Hallo Orangina :)

    an eine Familienaufstellung habe ich mich erst getraut, seit ich 2014 meine jetzige Thera (weltbeste) fand. Für mich war das sehr reinigend und befreiend, aber auch hartes Brot. Habe es dadurch geschafft, Teile meiner Familie endgültig hinter mir zu lassen. Und das Wichtigste für mich dabei: Ohne schlechtes Gewissen.

    Seitdem lebe ich nach der Maxime: Friends are gods apologize for family.

    Und das ist eine gute Überleitung zu deinem "in andere Hände geben". Seit meinem Alkoholentzug bin ich ja auch mit Jesus (bitte englisch lesen, lächel...) befreundet. Der hat mir in meinem Kopf ja schon mehrfach den Hintern gerettet. Und wenn ich manchmal (wird immer seltener) so im Grübel- und/oder Angstmodus stecke, bitte ich den, dass er das mal für den Moment regelt. Vor allem, wenn ich mir Sorgen um die Kinder mache. Sehr entlastend. Denn diese Ängste teile ich meinen Kindern auch nur spärlich mit. Meine Mutter hat das "Ich mache mir solche Sorgen um dich"-Instrument ewig als Kontroll-Instrument benutzt. Alter Falter, dass war richtig Mist!

    Gefällt mir.

    Nun hierzu auch noch meine Gedanken...


    Bei Neulingen sollte man glaube nicht so lange warten. Ich weiss noch, in der Suchtberatung hatte sie wohl aus Erfahrung die Sorge, das so ein Entschluss nicht lange hält, wenn man nicht sofort reagiert. "Halten Sie denn bis morgen durch?" - dann kanns oft schon vorbei sein.
    Ob dieses Forum hier überhaupt diesen Zweck erfüllen kann und sollte, stelle ich als Frage einfach mal so in den Raum, da ist das Andere vielleicht geeigneter, und ich sollte natürlich drüber schlafen können, klar. Das Problem ist, wenn man die Verantwortung völlig beim Andernen lässt, dann kann der ja auch in den Wald gehen, dazu sucht man sich im Normalfall ja keine Hilfe. Also das reine "Dein Problem" ist es nie. Man sagt ja den Leuten, dass sie Hilfe suchen sollen, und wenn sie schon wo fragen, so auf dem Zahnfleisch, dann wollen - und können - sie ja nicht erst ne Odysee machen.

    Ein Freund von mir sagt zu gewissen Dingen oder Angelegenheiten immer mal wieder, „Nice to have“, er meint damit, schön und gut, wenn es vorhanden ist, aber nicht unbedingt notwendig.
    Natürlich ist es gut und wünschenswert, dass ein Neuling hier zügig eine Antwort erhält, doch stellen sich dabei auch die Fragen, was machbar ist und welche Optionen ihm sonst noch offen stehen.

    Dieses Forum hier ist ein kleines, aber feines Forum. Es hat zwar viele Mitglieder, aber letztlich nur wenige sogenannte Aktivisten. Wenn du für dich das Gefühl hast, in eine Verantwortungsposition zu geraten, die du nicht füllen willst oder füllen kannst, dann läuft da etwas verkehrt.

    Dieses Forum ist eine Online-Selbsthilfegruppe und in dieser sollte es auch und gerade um dich gehen. Du solltest meines Erachtens hier finden, was DU für DICH brauchst, Selbsthilfe, und es sollte nicht dahin kommen, dass DU erfüllst und bedienst, was andere brauchen.

    Gewiss mag das Zeitfenster für einen Neuling ein kleines sein, aber grundsätzlich stehen ihm noch andere Möglichkeiten offen, wenn es ihm ernst ist. Das hier ist ein ziemlich niederschwelliges Angebot, weil es online und anonym ist, doch es gibt auch noch andere Online-Angebote und somit steht DU letztlich nicht wirklich in der Verantwortung in den anderen.

    In jenem anderen Forum zum Beispiel wird von den Alkoholikern für den offenen Bereich nur jemand freigeschaltet, der einen (möglichst ärztlich begleiteten) Entzug hinter sich hat, nüchtern ist und den Vorsatz hat, den Rest seines Lebens abstinent zu bleiben. Über kalten Entzug und kontrolliertes Trinken wird dort nicht diskutiert. Das hat dort gute Gründe und ich kann das Prinzip, das dahinter steht, gut nachvollziehen und auch mittragen. Es geht dort um Fordern und Fördern.

    Vom Prinzip kann jeder „in den Wald gehen“, das ist richtig, bis er das aber tatsächlich tut, geschieht eine ganze Menge und am Ende ist es eine Entscheidung, die er allein für sich trifft und die er sich dann auch nicht nehmen lassen will. - Ich habe mich mit diesem Thema, weil es mich selbst eine Weile beschäftigt hat - sehr viel auseinandergesetzt.

    Was Selbsthilfe bei Alkoholikern betrifft, hast du gewiss und definitiv mehr Erfahrung als ich, aber ich sehe das Ganze aus einer etwas anderen Perspektive und da spielen meine berufliche Ausbildung und Erfahrung, meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen im Umgang mit meinen eigenen Krankheiten und denen in meiner Familie und schließlich meine Erfahrungen und Beobachtungen in diesem und dem anderen Forum eine Rolle.

    Wem‘s wirklich ernst ist, der ist grundsätzlich in der Lage, sich hier UND anderswo Hilfe zu holen und es geschieht ja auch. Natürlich tut das gut, wenn man hier zügig eine Antwort erhält, aber das hier ist keine solche Suchtberatung, wie sie ja durchaus vor Ort aufgesucht werden kann und wo tatsächlich jemand mit entsprechender Ausbildung stundenweise vor Ort ist. Ich sehe die Verantwortung daher nicht bei mir und erfülle sie deshalb auch nicht, sondern ich antworte, wenn ich dazu gerade Zeit habe, mich angesprochen fühle, mir etwas dazu einfällt und ich mich grundsätzlich dazu in der Lage fühle.


    Zitat


    Kennst Du eigentlich das Sponsorentum bei AA? Das ist so eine Art Beelterung, wenn ich mir überlege, wie sich das Bild bei mir anfühlt. Ab nem gewissen Alter ist die Verantwortung ja auch als Entwicklungsstufe völlig normal. Vielleicht auch ab ner gewissen Trockenzeit oder Reifegrad, das war ja auch noch mal eine Art Emanzipation, ein Ablösungsprozess, eine Art zweites Erwachsenwerden.

    Ich habe davon gehört, ja, aber keine eigenen Erfahrungen damit gemacht. Das Prinzip scheint grundsätzlich interessant und hilfreich zu sein, ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass das mitunter auch überfordert. Nächtliche Anrufe meines Schützlings und so weiter wären für mich jedenfalls definitiv nichts.

    Was dir die Begleitung anderer auf ihrem Weg bedeutet und die positiven Spuren, die du hinterlassen hast, kann ich ganz gut nachvollziehen.

    Soweit erstmal meine Gedanken.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Guten Morgen, @Orangina13 ,
    freue mich, dass du in den Dialog hier einsteigst. Schön, von dir zu lesen. :)

    Kann mit dem, was du schreibst, auch gut etwas für mich anfangen.
    In die rationale Distanz zu kommen, wenn ich emotional mal wieder in etwas drin stecke, tut auch mir gut. Nicht, dass dann der Verstand wieder so übernimmt wie früher, der Verstand, der keinen Zugang zu meinen Gefühlen hat, sondern ich meine die Perspektive, das mal nach Außen treten und von Außen betrachten. DAS empfinde ich mitunter als sehr hilfreich.
    Nicht, „Ich bin klein, traurig und mit Allem überfordert.“, sondern „Ich bzw. ein Teil von mir empfindet, dass er traurig, klein und mit Allem überfordert ist.“ Allein diese Formulierung lässt mich mitunter den notwendigen Abstand gewinnen, um mich nicht in meinen Emotionen zu verlieren.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Guten Morgen, Susanne,
    ich bin sehr gerührt von deiner Antwort und ich danke dir, dass du dir darüber Gedanken gemacht hast und sie mir mitteilst. Und wieder bietet sich ein interessantes Gespräch an. Lächel.


    Du gibst mit Deinen Fragen dem Gegenüber Gelegenheit zum reden, ohne Druck, wie ich das sinngemäss verstanden habe, dann weisst Du, wie das hier gemeint ist.

    So habe ich das gemeint, ja. Und ich denke zu wissen, wie deine Antwort gemeint ist, und nehme den Dialog gerne auf.

    Zitat


    Könnte man an dem Tag mit Dir Witze reissen?

    Ja, klar, auch wenn ich traurig bin, geht das Leben doch irgendwie weiter, warum also nicht auch über einer guten Witz lachen?

    Bei mir war das mit der Familie anders, als du das bei dir erlebt hast. Ich erzähle mal ein bisschen von mir. Ich hatte ja nach dem Tod meines Vaters meine Familie verlassen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich dort nicht überleben würde. So wohnte ich erst bei einer anderen Frau und bin schließlich in ein Heim für Jugendliche umgezogen, die nicht mehr in ihrer Familie wohnen konnten. In der Zeit hatte ich so gut wie keinen Kontakt nach Hause.
    Zum Abitur hin und erst recht zu Beginn meines Studiums näherten wir uns wieder einander an und es wurde ein recht gutes Verhältnis. Etwas schwieriger wurde es wieder, als meine Mutter an Depressionen erkrankte. Ich übernahm da teilweise auch wieder die Rolle der Verantwortung, sorgte dafür, dass sie in eine Klinik ging, informierte mich über mögliche Medikamente und so weiter. Lernte aber irgendwann, meine Mutter einfach machen zu lassen. Wir haben viele, viele gute Gespräche geführt und sie war, wann immer ich sie brauchte, für mich da.
    Als ich dann selbst an Depressionen erkrankte und damit diese Krankheit von Innen kennenlernte, verstand ich mit einem Mal, was mit meiner Mutter war. Das hat unser Verhältnis zueinander noch weiter verändert. Mit einem Mal verstanden wir einander, da musste nichts mehr erklärt werden.
    Sie war schließlich ganz in die Nähe meiner Schwester gezogen, um ihren Enkeln nahe zu sein. Wenn’s wieder schlimm wurde mit ihrer Depression, kümmerte sich meine Schwester auf ihre Weise.
    Und dann kam nach einer Bypass-Operation in der Reha der Schlaganfall, der sie linksseitig völlig lähmte und zum Pflegefall machte. Weder meine Schwester noch ich hätten sie bei sich zuhause aufnehmen und pflegen können, so blieb meiner Mutter und auch uns nichts anderes übrig, als sie im Heim unterzubringen. Meine Schwester und meine Mutter entschieden, dass es ein Heim ganz in der Nähe meiner Schwester sein sollte.
    Der Zustand meiner Mutter war nicht gut, sie war voll bei Verstand und litt ganz fürchterlich unter ihrem neuen Zustand. Oft hat sie mich angefleht, ich solle sie doch mit zu mir nach Hause mitnehmen. Doch das ging nicht und ich hätte meiner Schwester, auch wenn die oft genug klagte, meine Mutter nicht wegnehmen können und dürfen.
    Lange Zeit litt ich darunter, weil ich glaubte, mehr für meine Mutter tun zu können und zu müssen. Eine Weile habe ich versucht, auch aus meinen 220 Kilometer Entfernung irgendwie für sie da zu sein, doch das ließ sich nicht aufrechterhalten und überforderte mich auch. Irgendwann akzeptierte ich, dass meine Mutter und meine Schwester so entschieden hatten, wie es war, und ich damit aus der Verantwortung tatsächlich raus war.
    Die Besuche bei meiner Mutter im Altenheim waren trotzdem sehr schwer für mich. Ich kämpfte trotz allem immer innerlich mit den Gefühlen von Scham, Hilflosigkeit und Ohnmacht und mit einer Form von Wut. Es hätte mehr für meine Mutter getan werden können.
    Ich habe sie sehr geliebt und ich hab sie in den letzten Jahren endlich verstehen können.
    Als ihre Zeit gekommen war, war ich darauf vorbereitet und ich bin zu ihr gefahren, um bei ihr zu sein und ihr den endgültigen Abschied zu erleichtern. Sie sollte in Frieden gehen können. Ich versicherte ihr, dass alles in Ordnung, alles geklärt ist und versicherte sie meiner Liebe. Sie schlief ein und entschlief im Laufe des nächsten Morgens.

    Ungelöste Probleme oder offene Rechnungen gibt es zwischen uns nicht mehr. Was wir klären konnten, haben wir geklärt.
    Ich rede tatsächlich manchmal mit ihr, aber es sind keine Streitgespräche, sondern ich erzähle ihr, was mir so durch den Kopf geht. Gestern habe ich mich mit dem letzten Bild von ihr, auf dem sie mich anstrahlt, es ist an ihrem letzten Geburtstag entstanden, vor eine Kerze gesetzt und mit ihr geredet. Hab ihr erzählt, wie es mir geht und so weiter. Das hat mir tatsächlich gut getan und es war irgendwie feierlich und würdig.

    Virtuelle Umarmungen empfinde ich nicht als übergriffig. Ich fühle, was dahinter steht, und nehme es dankbar an.

    Im September, genau einen Monat vor meinem Geburtstag, jährt sich ihr erster Todestag.
    Ich traure mit allem Drum und Dran, mit körperlichen Empfindungen, mit Tränen. Ich vermisse sie sehr und weiß zugleich, dass ihre Zeit einfach gekommen war und ich gehen lassen musste und auch konnte.
    Ich hoffe tatsächlich, dass wir uns eines Tages nach meinem Tod wiederbegegnen.

    Wenn solche Anlässe wie Tod und Beerdigung geschehen, sind wir in meiner kleinen Familie tatsächlich mal wirklich füreinander da. Emotional stocknüchtern geht’s da nicht ab, sondern ziemlich offen, ehrlich und auch emphatisch. Ansonsten ist das Verhältnis zwischen meiner Schwester und mir kein besonders gutes. Sie hat mich irgendwie aus ihrem Leben ausgeschlossen, erwartet unausgesprochen aber, dass ich mich ab und zu, nach ihr und ihrer Familie erkundige. Nach mir fragt sie nie und will da, so mein Eindruck, auch gar nichts von mir hören. Statusmeldungen bei WA guckt sie sich an, schreibt aber nie etwas dazu.

    Emotional war das für mich also gestern kein normaler Tag. Ich wusste vorher nicht, wie es mir gehen würde, war aber darauf vorbereitet, dass es mir nicht so gut gehen könnte. Ich wollte ihren Geburtstag irgendwie feierlich begehen, hatte zunächst aber keine zündende Idee. Meine Schwester hätte ich besucht, aber die hatte keine Zeit. Mein Mann ist gerade mit Motorrad und Zelt in Deutschland unterwegs - hab ihn selbst dazu ermutigt, weil ihm das richtig gut tut. Was also tun?
    Gestern stellte sich dann heraus, dass ich meine Gedanken und Gefühle mit jemandem teilen möchte, der sie kannte und mich versteht. Glücklicherweise hatte mein bester Freund, der mich vor einem Jahr auch zu meiner Mutter begleitet hat, weil ich die Fahrt dorthin alleine nicht mehr bewältigen konnte, Zeit für mich. Wir haben über alles Mögliche geredet u.a. auch über meine Mutter und meine Gefühle für sie. Es war gut für mich, dass er Zeit für mich hatte und ich nicht allein war. Die Zeit verging wie im Fluge und mir war leicht ums Herz, als ich wieder abfuhr.

    Das war jetzt ziemlich viel, aber vielleicht lernst du mich dadurch tatsächlich, wie gewünscht, etwas besser kennen.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Oder hört sich das arg schräg an?

    Nur kurz (kann heute Abend nicht mehr. Heute wäre meine Mutter 75 Jahre alt geworden, es ging mir nicht gut heute, hab meinen besten Freund besucht, das hat mir gut getan, aber ich bin nun auch geschafft für heute.):

    Nein, hört sich für mich überhaupt nicht schräg an.
    Freut mich, dass das „Museum“ auch bei dir gut angekommen ist.

    LG AmSee


    ... ich bin das überhaupt nicht gewöhnt, dass man in der Kommunikation auch mal was liegen lassen kann. Und über nichts wird so gemosert, wie wenn nicht gleich die Antwort kommt.

    Das sollte hier aber anders sein.
    Auch, wenn ich zum Beispiel ziemlich schnell antworte, erwarte ich überhaupt nicht, dass mein Gegenüber gleich antwortet. Es sei denn, ich kenne das so von ihm oder ihr, dann kommt es vor, dass ich mal nachfrage, weil ich verstehen möchte.

    Mach also ganz so, wie es dir grad passt. Hier läuft nix weg...


    Moin Britt, ich hab immer sofort dahintergeguckt (doch instinktiv), wenn es um Machtverhältnisse ging und wenn mir nicht wegen mir selbst geholfen werden sollte, sondern darum mich an irgendwas anzupassen, was den Interessen Anderer diente. Oder wenn mir jemand was verkaufen wolte, was ich nicht wollte etc. Lehrer, die einfach nur wegen der Durchsetzung ihrer Autorität was wollten, aber mich nicht überzeugen konnten, keine Chance bei mir. Und diese ganzen Manipulationsdiskussionen habe ich eben da in den Verhören meiner Mutter und auch dann in diesem Jugendverein bereits geführt, und da war immer ich die, die vorn dran war.

    Auch da kommt mir was bekannt vor....
    Wenn ich von etwas nicht überzeugt war oder überzeugt werden konnte, hatte das auch bei mir keine Chance.

    Na, hier ist ja wieder was los. Grins.
    @ichso , Danke für deine Einschätzung. Ja, so fühlt es sich bei mir auch an. Tatsächlich „ich“ zu sein, bei mir zu sein, authentisch ist zu sein, ist mir sehr, sehr wichtig. Anders würde ich‘s nicht haben wollen und auch nicht aushalten. Wenn ich nicht hinter dem stehen würde, was ich schreibe, könnte ich nicht schreiben. Ich muss etwas erst rational und emotional begriffen haben, bevor ich mich äußere.

    Susanne
    Und wieder ist’s interessant, dich zu lesen. Hab bei nicht wenig, was du geschrieben hast, zustimmend genickt, nach dem Motto, kenne ich oder sehe ich auch so.
    Im Gegensatz zu dir habe ich viel Zeit, die ich füllen darf, wie’s mir gerade beliebt.
    Interessante Gespräche reizen mich eigentlich immer, es sei denn... naja, muss ich nicht näher ausführen.

    Eine solche Intelligenz-Bestie wie du war ich als Schülerin nicht oder zumindest trat ich nicht als solche in Erscheinung. Intelligent zweifellos, vielfältig begabt, viel zu „erwachsen“ für mein Alter, aber in der Schule eher still und bemüht darum, nicht aufzufallen.

    Ein Lehrer meinte mal sinngemäß zu mir, „Aus dir wird mal was ganz Großes.“ Hat mich lange Zeit beschäftigt, was ich denn werden sollte, um solchen Ansprüchen zu genügen. Hab sogar mal mit einer Klassenkameradin darüber diskutiert, was ich denn tun könnte, um einem solchen Anspruch zu genügen.
    Hat mich letztlich belastet, diese Anerkennung meines Lehrers, und auch überfordert. Hätte ich Botschafterin für die Bundesrepublik Deutschland werden sollen?

    Leichter gemacht hat es mir gewiss keiner meiner Lehrer. Obwohl sie teilweise wussten, was bei mir zuhause abging - dass z.B. mein Vater gestorben ist und ich danach nicht mehr zuhause wohnte und noch ein paar Mal umzog, haben sie gewiss mitgekriegt, es waren ja sogar Mitschüler und ein Lehrer von mir bei der Beerdigung - hat mich bis auf meinen alten Lateinlehrer niemals irgendjemand angesprochen, niemand mir Hilfe oder Unterstützung angeboten. Und ich wiederum bin auch nicht auf die Idee gekommen, mal jemand in meiner Schule anzusprechen.

    Ich musste dann nach der Schule einen anderen Weg gehen und habe ein Studium gewählt, um meine eigenen Fragen zu beantworten und um einer „Lehre“, die man mir in den Kopf gepflanzt hatte, von der ich aber das Gefühl hatte, dass daran etwas wesentlich und existentiell falsch ist, etwas entgegenzusetzen. Aus diesem Studium ergab sich dann ein Beruf, der gewiss nicht verkehrt war und den ich auch richtig gut gemacht habe, der mir aber erstens nicht die Berühmtheit verschaffte, die dem entsprach, was mein Lehrer mal über mich gesagt hatte, und der letztlich so gestaltet war, dass ich mit meinen Ansprüchen an mich selbst und meinen Prägungen, ausbrennen und kaputt gehen musste.


    Ich gehöre auch zu den sogenannten hochsensiblen Menschen, war mir dessen aber, bis ich schließlich richtig krank wurde, nicht bewusst, und ich bin auch so ein „zu viel“. Ich bin bunt, ziemlich bunt. Das ist mitunter eine ziemliche Herausforderung, doch inzwischen akzeptiere ich das und lerne beständig hinzu, damit besser umzugehen. Es zu wissen, hilft mir, wenn ich nicht so bunten oder aber ebenso bunten Menschen begegne. Es zu wissen, hilft mir, besser auf mich und meine Bedürfnisse und Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Ich verzweifle nicht mehr, wenn das „Fass“ mal wieder zu voll geworden ist, zwinge mich nicht mehr zu irgendetwas, wenn das „Fass“ gerade voll ist, bemühe mich grundsätzlich darum, das dass „Fass“ nicht mehr so voll wird und überläuft.


    Tja, und in den Wirrren des Erwachsenwerdens war ich auch überfordert und hilflos. Grade so Beziehungsanbahnung, vor mir hatten ja gleich alle Angst. Als da in mir so Gefühle aufstiegen, da wusste ich überhaupt nicht, wie ich damit umgehen sollte. Da hilft nämlich die Genialität nix, da bräuchte man Instinkte. Aber jeder dachte ja, ich bin so intelligent, das muss ich doch wissen. Wie ja überhaupt immer ich alles wissen musste. Dabei wusste aber niemand so genau wie ich, das ich eben doch nicht alles weiss.

    Oh ja, kommt mir ziiiieeemlich bekannt vor. Eine Frau, bei der ich kurze Zeit wohnte, verlangte da von mir mal eine Antwort, als ich zum ersten Mal in meinem Leben verliebt war. Mann, was war ich da überfordert! Was und wie hätte ich darauf antworten sollen? Dummerweise hatte ich mich auch noch in jemand verliebt, der 17 Jahre älter war als ich und er sich merkwürdigerweise auch. Ich war 15 Jahre alt damals....
    Ich konnte doch grundsätzlich nicht mit Gefühlen umgehen, Gefühle waren gefährlich, Gefühle wurden verdrängt, allein im Verstand suchte ich meinen Halt. Und dann verliebe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben und dann auch nicht in einen Gleichaltrigen, sondern einen erwachsenen Mann. Ich wusste doch gar nicht, wie mir geschah, geschweige denn, wie ich damit umgehen sollte.
    Ich blieb damals allein mit meinem Problem. Da war niemand, mit dem ich darüber reden konnte. Der Jugend-Therapeut, zu dem man mich damals zwang, hinzugehen, sagte nur: „Dieser Mann ist zu alt für dich, such dir gleichaltrige Freunde.“ - Na toll, Danke für diesen Hinweis. Wusste ich damals schon, dass ein Mann, der 17 Jahre älter ist als ich, eigentlich zu alt für mich ist und in seiner Entwicklung und Lebenserfahrung mir weit voraus. Händchen halten war für mich das höchste, zu dem ich in der Lage war, und er träumte schon von Sex.... Hilfe! - Es ist auch nie dazu gekommen. Als ich ins Heim umzog, lernte ich endlich wirklich Gleichaltrige kennen und die nahmen mich unter ihre Fittiche. Von ihnen habe ich unendlich viel gelernt, für das ich ihnen noch heute dankbar bin, allerdings auch den ungesunden Umgang mit Alkohol.

    Mir war eigentlich immer bewusst, dass ich nicht alles weiß. Sokrates‘ Spruch „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ begleitet mich schon mein ganzes Leben.


    Viele Grüße
    AmSee


    Und das bringt mich zum letzten Teil deines Postings: Ich habe meinen jüngeren Anteilen am Anfang der Erkenntnis auch oft sachlich die Jahreszahl hingehalten. Schnell habe ich es wieder gelassen. Angemessen ist ja nicht so mein Ding. Und ich fühle mich auch viel lebendiger, wenn ich z.B. mit den Hausaufgabenkindern (mal kurz) laut quitsche: OMG! Wie süss ist das denn?? ;)

    Das mit den Jahreszahlen ist bei mir ganz neu, ich mache seit wenigen Wochen erst meine Erfahrungen damit und es sind bislang recht positive Erfahrungen. Überhaupt ist mir ja erst neu, mit meinen Inneren Anteilen in Dialog zu treten, ja, sie überhaupt erst zu identifizieren und kennenzulernen.

    Die „Kleine“, der ich letztens begegnet bin, hatte das ganze Drama erst noch vor sich, fühlte aber aufgrund entsprechender Erfahrungen schon ziemliche Angst und Überforderung. In der geführten Meditation hieß es, ich solle sie mit nach oben nehmen. Zunächst war ich skeptisch, ob das überhaupt richtig ist. Ich hab mich dann darauf eingelassen, wissend, dass ich jederzeit die Kontrolle habe. Und es war eine gute Erfahrung. Die „Kleine“ erfuhr so zwar, dass ihre Ängste berechtigt waren und es sogar noch schlimmer kam, als sie befürchtet hatte, aber das Wissen und der Trost, den sie von meinem „Erwachsenen Ich“ bekam, half ihr und tat ihr irgendwie gut. Sie ist jetzt bei mir und tatsächlich hilft ihr das und damit auch mir.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo ichso,
    mit dem sogenannten „Helfersyndrom“ beschäftige ich mich auch schon eine Weile. Früher hatte ich das tatsächlich mal, heute treibt mich das eigentlich nicht mehr an.

    Was ist eigentlich ein „Helfersyndrom“ und aus welchem Bedürfnis handelt jemand, der ein solches befriedigen muss? - Früher nahm ich Menschen in Not wahr und MUSSTE ihnen einfach „helfen“. Ich fühlte mich für alles und jedes verantwortlich.

    Das ist inzwischen vorbei. Ich wende mich Menschen inzwischen nicht mehr zu, weil ich es MUSS, sondern weil‘s mich gerade interessiert, weil ich gerade Zeit habe, weil mir gerade eine Antwort einfällt.
    Wenn’s ihnen hilft, gut, dann freue ich mich natürlich für sie, wenn sie nichts mit dem anfangen können, was ich ihnen antworte, auch gut. Das berührt mich nicht mehr besonders, es sei denn ich werde irgendwie angegriffen. Keine Antwort kümmert mich auch nicht mehr so.

    Meine Perspektive hat sich geändert. Ich bin tatsächlich endlich auf dem Weg, Selbstwert und Selbstliebe ganz aus mir allein zu schöpfen und nicht mehr aus der Bestätigung und Wertschätzung von Außen. Bis dahin war es ein langer Weg und ich bin da auch längst nicht am Ende. Doch es fühlt sich schon jetzt ziemlich gut an.

    Auf dem anderen Weg habe ich versucht, ein Loch zu füllen, was sich nicht füllen lässt. Inzwischen - das habe ich auch Orangina13 so geantwortet, versuche ich nicht mehr, dieses Loch zu füllen. Es ist da, es ist ein Teil von mir und ich bemühe mich, diesen Teil als Teil von mir anzunehmen und entsprechend damit umzugehen.


    Liebe Grüße
    AmSee