Na, hier ist ja wieder was los. Grins.
@ichso , Danke für deine Einschätzung. Ja, so fühlt es sich bei mir auch an. Tatsächlich „ich“ zu sein, bei mir zu sein, authentisch ist zu sein, ist mir sehr, sehr wichtig. Anders würde ich‘s nicht haben wollen und auch nicht aushalten. Wenn ich nicht hinter dem stehen würde, was ich schreibe, könnte ich nicht schreiben. Ich muss etwas erst rational und emotional begriffen haben, bevor ich mich äußere.
Susanne
Und wieder ist’s interessant, dich zu lesen. Hab bei nicht wenig, was du geschrieben hast, zustimmend genickt, nach dem Motto, kenne ich oder sehe ich auch so.
Im Gegensatz zu dir habe ich viel Zeit, die ich füllen darf, wie’s mir gerade beliebt.
Interessante Gespräche reizen mich eigentlich immer, es sei denn... naja, muss ich nicht näher ausführen.
Eine solche Intelligenz-Bestie wie du war ich als Schülerin nicht oder zumindest trat ich nicht als solche in Erscheinung. Intelligent zweifellos, vielfältig begabt, viel zu „erwachsen“ für mein Alter, aber in der Schule eher still und bemüht darum, nicht aufzufallen.
Ein Lehrer meinte mal sinngemäß zu mir, „Aus dir wird mal was ganz Großes.“ Hat mich lange Zeit beschäftigt, was ich denn werden sollte, um solchen Ansprüchen zu genügen. Hab sogar mal mit einer Klassenkameradin darüber diskutiert, was ich denn tun könnte, um einem solchen Anspruch zu genügen.
Hat mich letztlich belastet, diese Anerkennung meines Lehrers, und auch überfordert. Hätte ich Botschafterin für die Bundesrepublik Deutschland werden sollen?
Leichter gemacht hat es mir gewiss keiner meiner Lehrer. Obwohl sie teilweise wussten, was bei mir zuhause abging - dass z.B. mein Vater gestorben ist und ich danach nicht mehr zuhause wohnte und noch ein paar Mal umzog, haben sie gewiss mitgekriegt, es waren ja sogar Mitschüler und ein Lehrer von mir bei der Beerdigung - hat mich bis auf meinen alten Lateinlehrer niemals irgendjemand angesprochen, niemand mir Hilfe oder Unterstützung angeboten. Und ich wiederum bin auch nicht auf die Idee gekommen, mal jemand in meiner Schule anzusprechen.
Ich musste dann nach der Schule einen anderen Weg gehen und habe ein Studium gewählt, um meine eigenen Fragen zu beantworten und um einer „Lehre“, die man mir in den Kopf gepflanzt hatte, von der ich aber das Gefühl hatte, dass daran etwas wesentlich und existentiell falsch ist, etwas entgegenzusetzen. Aus diesem Studium ergab sich dann ein Beruf, der gewiss nicht verkehrt war und den ich auch richtig gut gemacht habe, der mir aber erstens nicht die Berühmtheit verschaffte, die dem entsprach, was mein Lehrer mal über mich gesagt hatte, und der letztlich so gestaltet war, dass ich mit meinen Ansprüchen an mich selbst und meinen Prägungen, ausbrennen und kaputt gehen musste.
Ich gehöre auch zu den sogenannten hochsensiblen Menschen, war mir dessen aber, bis ich schließlich richtig krank wurde, nicht bewusst, und ich bin auch so ein „zu viel“. Ich bin bunt, ziemlich bunt. Das ist mitunter eine ziemliche Herausforderung, doch inzwischen akzeptiere ich das und lerne beständig hinzu, damit besser umzugehen. Es zu wissen, hilft mir, wenn ich nicht so bunten oder aber ebenso bunten Menschen begegne. Es zu wissen, hilft mir, besser auf mich und meine Bedürfnisse und Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Ich verzweifle nicht mehr, wenn das „Fass“ mal wieder zu voll geworden ist, zwinge mich nicht mehr zu irgendetwas, wenn das „Fass“ gerade voll ist, bemühe mich grundsätzlich darum, das dass „Fass“ nicht mehr so voll wird und überläuft.
Tja, und in den Wirrren des Erwachsenwerdens war ich auch überfordert und hilflos. Grade so Beziehungsanbahnung, vor mir hatten ja gleich alle Angst. Als da in mir so Gefühle aufstiegen, da wusste ich überhaupt nicht, wie ich damit umgehen sollte. Da hilft nämlich die Genialität nix, da bräuchte man Instinkte. Aber jeder dachte ja, ich bin so intelligent, das muss ich doch wissen. Wie ja überhaupt immer ich alles wissen musste. Dabei wusste aber niemand so genau wie ich, das ich eben doch nicht alles weiss.
Oh ja, kommt mir ziiiieeemlich bekannt vor. Eine Frau, bei der ich kurze Zeit wohnte, verlangte da von mir mal eine Antwort, als ich zum ersten Mal in meinem Leben verliebt war. Mann, was war ich da überfordert! Was und wie hätte ich darauf antworten sollen? Dummerweise hatte ich mich auch noch in jemand verliebt, der 17 Jahre älter war als ich und er sich merkwürdigerweise auch. Ich war 15 Jahre alt damals....
Ich konnte doch grundsätzlich nicht mit Gefühlen umgehen, Gefühle waren gefährlich, Gefühle wurden verdrängt, allein im Verstand suchte ich meinen Halt. Und dann verliebe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben und dann auch nicht in einen Gleichaltrigen, sondern einen erwachsenen Mann. Ich wusste doch gar nicht, wie mir geschah, geschweige denn, wie ich damit umgehen sollte.
Ich blieb damals allein mit meinem Problem. Da war niemand, mit dem ich darüber reden konnte. Der Jugend-Therapeut, zu dem man mich damals zwang, hinzugehen, sagte nur: „Dieser Mann ist zu alt für dich, such dir gleichaltrige Freunde.“ - Na toll, Danke für diesen Hinweis. Wusste ich damals schon, dass ein Mann, der 17 Jahre älter ist als ich, eigentlich zu alt für mich ist und in seiner Entwicklung und Lebenserfahrung mir weit voraus. Händchen halten war für mich das höchste, zu dem ich in der Lage war, und er träumte schon von Sex.... Hilfe! - Es ist auch nie dazu gekommen. Als ich ins Heim umzog, lernte ich endlich wirklich Gleichaltrige kennen und die nahmen mich unter ihre Fittiche. Von ihnen habe ich unendlich viel gelernt, für das ich ihnen noch heute dankbar bin, allerdings auch den ungesunden Umgang mit Alkohol.
Mir war eigentlich immer bewusst, dass ich nicht alles weiß. Sokrates‘ Spruch „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ begleitet mich schon mein ganzes Leben.
Viele Grüße
AmSee