Hallo Isa,
ich habe deine Beiträge gelesen und möchte auch ein paar Gedanken mit dir teilen.
Den ersten wichtigen Schritt hast du gemacht und dir selbst eingestanden, dass du ein großes Problem hast, und du hast dich hier anonym geoutet.
Wie groß dieses Problem tatsächlich ist, wird sich dir gewiss nach und nach immer mehr eröffnen, je mehr du dich mit dem Thema beschäftigst.
Vom Prinzip weißt du also, dass du nicht kontrolliert trinken kannst. Mit den Erfahrungen, die du diesbezüglich schilderst, bist du nicht allein. Das haben andere ebenso kennengelernt.
Vom Prinzip weißt du und siehst du, was der Alkohol mit dir macht.
Mir stellt sich die Frage, was du dir dann doch noch vom Alkohol versprichst, dass du nicht davon lassen möchtest.
Hast du Angst, dich ohne Alkohol nicht runterregulieren zu können?
Hast du Angst nicht mehr richtig feiern zu können?
Hast du Angst vor Entzugserscheinungen?
Hast du Angst, etwas zu vermissen?
Ich kenne das, immer die „Starke“ sein zu wollen und natürlich gibt einem das Helfen und das Alles-im-Griff haben etwas, doch es kostet dich auch etwas und zwar nicht wenig, wie du selbst durchaus bemerkst.
Es kann sich für dich durchaus mal ergeben, dem nachzugehen, was denn überhaupt dahinter steckt. Vielleicht ist das ja gar nicht immer so gesund für dich, „alles im Griff“ haben zu müssen und „Die Starke“ zu sein.
Sich anderen ausgewählten Menschen zu öffnen, dass man ein ernsthaftes Problem hat, wirkt auf dich u.U. zunächst vielleicht wie ein Bumerang, aber das ganz alleine durchzuziehen, ist unheimlich schwer und in der Regel wenig erfolgreich, gerade, weil Alkoholismus eine ziemlich vielschichtige Erkrankung ist.
Sich anderen ausgewählten Menschen zu öffnen und mit ihnen über sein Problem und seine Gedanken zu reden, kann tatsächlich auch zu einer enormen Stütze werden.
Ein guter Freund von mir, der Bescheid weiß, sagte mal sinngemäß: „Es ist ein Zeichen des Respekts, dass wir in deiner Gegenwart keinen Alkohol trinken. Wenn man weiß, dass jemand ein Problem mit Alkohol hat, und dann trotzdem in seiner Gegenwart trinkt, ist das ja, als halte man ihm noch extra vor die Nase, dass er ein Problem hat.“
Wenn du weißt, was dich alles triggern könnte, weißt du auch, wie du dich schützen kannst. Und dich zu schützen ist absolut notwendig, weil auch du es wert bist.
Liebe Grüße
AmSee