Beiträge von AmSee13

    Hallo Britt,
    du nennst Fälle, die relativ klar sind und die ich durchaus nachvollziehen kann.
    Der Begriff wird aber eben auch in anderen Zusammenhängen gebraucht. So wird zum Beispiel „nasses Denken“ unterstellt, wenn jemand auf Veranstaltungen, Festivitäten u.a. geht, bei denen Alkohol konsumiert wird, und sich vorher bewusst Strategien überlegt hat, wie er mit der Situation umgehen will, und eben gerade NICHT solche Veranstaltungen grundsätzlich nicht mehr aufsucht.

    Wenn ich manche Aussagen so lese, bekomme ich den Eindruck, dass „nasses Denken“ gerne dem vorgeworfen wird, der sich nicht an die konsequenten Ratschläge hält:

    Du entfernst nicht alle Gläser, Gegenstände, die irgendwie mit Alkohol zu tun haben, aus deinem Haushalt? - Nasses Denken!

    Du gehst noch zur Fußballgruppe in deinem Sportverein, bei der man sich anschließend noch zusammensetzt und Bier trinkt? - Nasses Denken!

    Du meidest nicht konsequent alle Freunde und Bekannte, die Alkohol konsumieren? - Nasses Denken!

    Du machst die Aussage „Es stört mich nicht, wenn andere in meiner Gegenwart Alkohol konsumieren.“ - Nasses Denken!

    Und so weiter.....

    Es wird ja sogar davon abgeraten, in ein Restaurant zu gehen, weil es triggern könnte, dass/wenn am Nachbartisch Alkohol konsumiert wird. Ein „Biergarten“ darf grundsätzlich nicht mehr aufgesucht werden, selbst wenn man da nur ne Apfelschorle trinken will, weil‘s ein „Biergarten“ ist.

    Grüße
    AmSee


    Ich hatte später oft das Gefühl, bei den Einschränkuhngen, die da manche predigen, hätte ich vermutlich Schwierigkeiten gehabt, mit meiner eigenen Trockenheit zufrieden zu werden. Bei manchem hätte ich möglicherweise sogar lieber weiter getrunken, statt mich solchen Regeln zu unterwerfen. Und ich glaube, es ist schon ein Faktor, dass man es so macht, wie es einen selbst auch befriedigt.

    Das Gefühl habe ich bei einigen Ratschlägen auch und, wäre ich gleich am Anfang damit so konfrontiert worden, hätt‘s mich gewiss überfordert und abgeschreckt.

    Andererseits denke ich dann auch daran, dass mein eigener Vater die Kurve nicht gekriegt hat, dass ich selbst in Bezug aufs Rauchen mehrere Rückfälle hatte und dass jemand, der selbst die Kurve gekriegt hat, schon viele Jahre „trocken“ ist und jahrelang in der Selbsthilfe aktiv war, über deutlich mehr Erfahrung verfügt als ich und daher an dem, was er/sie rät, was dran sein könnte.

    Ich hab zum Beispiel auch Schwierigkeiten mit dem Begriff „nasses Denken“. Damit wird ja ganz gerne mal hantiert. Wenn man aber mal nachfragt, was den nun genau „nasses Denken“ sei, wird’s schwammig, scheint eine genaue Definition nicht möglich zu sein.

    Ich selbst hab es so gemacht, wie ich es für richtig hielt, wie es zu mir passte. Ich hab aber auch die Erfahrung machen müssen, dass mich eine gesellschaftliche Runde mit meinen Alkohol konsumierenden Nachbarn plus ein Gespräch zwischen meinem Mann und einer Freundin, wie sie bei einer anstehenden Feier die Getränke-Flatrate nutzen wollten, in arge Not gebracht hat. DEN Saufdruck, der sich daraufhin bei mir an einem Sommerabend einstellte, werde ich wohl nie vergessen.

    Übrigens ist von jenem Suchtdruck-Erlebnis tatsächlich übrig geblieben, mit welchen Mitteln ich das tatsächlich überwinden konnte und die klare Erinnerung, wie der Druck nachließ. - Das nur kurz in Bezug auf deinen Rat bzgl Suchtdruck beim Rauchen, den du mir in meinem eigenen Faden gegeben hast. ;)

    Aufgrund meiner Erfahrungen und Beobachtungen im vergangenen Jahr kann ich manchen Ratschlag ganz gut nachvollziehen.
    Ich hab großen Respekt vor der Alkoholkrankheit und ich habe immer wieder gelesen, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Alkoholabhängigen es dauerhaft schafft. Ich frage mich daher, ob die Einhaltung der Ratschläge, die von manchen gepredigt werden, nicht doch den einen oder anderen Rückfall hätten verhindern können.

    Viele Grüße
    AmSee


    Nicht den Druck lang analysieren, sondern wahrnehmen, dass er vorbei gegangen ist.

    Danke dir für den Gedankenanstoß. Das erinnert mich an eine sehr gute und außerordentlich hilfreiche Erfahrung, die ich letztens in einer Therapie-Sitzung gemacht habe.

    Bislang hab ich nie wirklich wahrgenommen oder wahrnehmen können, dass bzw. wie der Druck vorbei geht. Es kam mir immer so vor, als ob der ewig anhält und immer drängender wird.
    Ich weiß im Prinzip, dass es mir helfen würde, jede Menge Wasser zu trinken, aber wenn’s mir psychisch gerade wieder so besch...eiden geht, hab ich herzlich wenig Lust, mir den Bauch literweise mit Wasser vollzuschlagen.

    Auch den Hinweis mit dem Stress und was das Gehirn in solchen Fällen macht, empfinde ich als sehr hilfreich.

    Heute hab ich zwischendurch zwar mal gedacht, ich könnte doch eine rauchen, und, was in Bezug auf Alkohol für einen, der gerade damit aufgehört hat, ein No-Go wäre, zwei in ihrer Wohnung rauchende Freunde besucht, aber wirklichen Druck so wie gestern hatte ich nicht wirklich.

    Grüße
    AmSee


    Ich hatte das Glück, jemanden kennenzulernen, der auch ein wissenschaftliches Werk darüber geschrieben hatte und der über seinen eigenen Tellerand gucken konnte. Dem war es wichtig, nicht nur irgendwelche Glaubenssätze zu verbreiten, die aus seinem alleingültigen Weg resultierten (so kommt mir das bei manchen vor), sondern der bemühte sich auch, wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzutragen.

    Kann ich gut nachvollziehen, dass du das als Glück empfunden hast. Wäre mir gewiss ähnlich ergangen. Ich hatte schon immer Schwierigkeiten damit, überkommene Glaubenssätze einfach so zu akzeptieren oder zu „glauben“. Und ich hatte schon immer meine Schwierigkeiten mit Pauschalisierungen und Verallgemeinerungen.

    Was du über die Dynamik in Gruppen schreibst, ist mir hier und da schon aufgefallen. ;)

    Es gibt Menschen, die kommen offenbar mit Schema F gut zurecht, und dann gibt es andere Menschen, zu denen passt dieses Schema F aus welchen Gründen auch immer nicht. Beobachtet habe ich das im Laufe meines Lebens in mehreren Bereichen.

    Schwierig wird’s immer dann, wenn Schema F für allein seligmachend gehalten wird und kein weiterer Weg mehr mehr toleriert wird.

    Grüße
    AmSee

    Hallo Orangina,
    Danke dir für deine Rückmeldung. :)


    Ich habe mal gelesen ,dass die Sucht und das Verlangen nach einer Zigarette noch schlimmer werden ,wenn man dem Rauchdruck nachgibt.
    Das Gehirn speichert dann ab,dass die Zigarette besonders wertvoll ist und das erhöht bei jedem Rückfall das Verlangen.
    Ich kann dir leider nicht sagen ,wo ich das gelesen habe.

    Ist auch nicht wichtig, dass du nicht weißt, wo du‘s gelesen hast, denn genau das war auch meine Erfahrung, wann immer ich im letzten Jahr nach geraumen Zeit der Abstinenz zur Zigarette gegriffen habe.
    Ich hab‘s ja seit 2017 immer wieder mal geschafft, mehrere Monate bis zu einem ganzen Jahr rauchfrei zu bleiben. Immer wieder war‘s dann so ein Moment, in dem ich psychisch in höchster Anspannung war, dass ich doch wieder zur Zigarette gegriffen habe und es nicht bei einer Ausnahme blieb.

    Total peinlich, wider besseres Wissen immer wieder auf den selben Mist reinzufallen... :wall:

    Viele Grüße
    AmSee

    Gestern war‘s übrigens haarscharf, dass ich wieder zur Zigarette gegriffen hätte.
    Den ganzen Tag ging‘s mir stimmungsmäßig, antriebsmäßig usw. nicht so gut und ich war nach einer kurzen Auseinandersetzung mit meinem Mann, bei der ich mich schon wieder unberechtigt abgewertet fühlte, kurz davor loszugehen und mir eine Schachtel zu kaufen. Hatte die Schuhe schon angezogen.
    Ich hab sie wieder ausgezogen, bin nicht losgezogen, hab die Stimmung ausgesessen. Heute hab ich wieder kein Verlangen mehr....

    Ganz ehrlich, ich kapier das nicht wirklich, wieso ich in Bezug auf das Rauchen immer wieder so nah an einem Rückfall bin. Ich muss immer wieder auch an all die denken, die in Bezug auf Alkohol rückfällig werden. Wieso kann ich verhältnismäßig problemlos vom Alkohol wegkommen, von dieser elenden Raucherei aber nicht? Wieso drängt sich mir, obwohl ich doch über sooooooo viele gegenteilige Erfahrungswerte verfüge, immer wieder der Gedanke, eine Zigarette würde mir in dieser oder jener Situation Erleichterung verschaffen und gut tun, so überzeugend und überwältigend auf?
    Bin ich einfach nur zu schwach oder was auch immer, um dauerhaft rauchfrei zu bleiben?

    Ich erwarte übrigens keine Antwort darauf, schließlich ist Rauchen nicht das Thema dieses Forums. ;)


    Ganz abgesehen davon bin ich von der positiven Psychologie geprägt. Mein Therapeut später kam aus der Ecke.
    Da guckt man sich bewusst eben nicht an, was krank ist. Sondern man betrachtet nur das, was noch funktioniert und was man ausbauen kann.
    Eine berühmte Aussage (Kabat-Zinn): so lange Du noch atmen kannst, ist an Dir mehr gesund als krank.
    Das lag mir immer sehr viel mehr als der Krankheitsgedanke. So gehe ich ja auch mit meinen Behinderungen um, ich probiere konsequent, was noch geht. Mir liegt das überhaupt nicht, da in Schonhaltung zu gehen. Das heisst ja nicht, dass mir die Probleme nicht bewusst sind, es ist die Art des Umgangs damit.

    In die Richtung bin ich übrigens auch geprägt worden und ich bin in dieser Richtung unterwegs.

    Mich nervt total, wenn mein Mann wieder mal nur das Negative im Blick hat. Er meint das nicht böse, ist halt nur durch seine Familie so geprägt. Ich empfinde diese negative Blickweise eher als lebensfeindlich und abwertend.

    Wie befreiend es sein kann, sich auf das zu konzentrieren, was geht, was möglich ist, was gut läuft, habe ich erst letztens wieder besonders intensiv erfahren dürfen, als ich in einem handfesten Tief drinsteckte.


    ich hab anders aufgehört als Du.
    Zuerst fiel der Entschluss ganz alleine nachts im Bett.
    Und für mich war es von Anfang an klar, wenn ich aufhöre, dann fange ich, zumindest so weit es reicht, nicht mehr damit an. Dafür hatte ich überhaupt niemanden gefragt. Klar, natürlich auch keine Entgiftung, sondern einfach nichts mehr getrunken, basta. Und hinterher drüber mosern bringt sowieso nichts.
    So Themen wie Kontrollverlust und die ganze Theorie waren bei mir dafür gar nicht wichtig. Ich könnte mich bis heute fragen, ob ich jemals Kontrollverlust hatte, denn ich wollte mich ja bewusst besaufen, wenn ich das eben wollte. Hab ich in meinem Leben überhaupt jemals mehr getrunken, als insgeheim geplant? ich weiss es gar nicht mehr wirklich. Ich wusste nur, jetzt reichts mir.

    Ist das denn letztlich so wichtig, dass es Unterschiede gibt, wie wir aufgehört haben?

    Ich war längst noch nicht an den Punkt gelangt, an dem du warst. Als wir uns vor einem Jahr geschrieben haben, habe ich eine ganze Reihe von Ähnlichkeiten entdeckt und das hat mir geholfen, mich nicht länger selbst zu täuschen.

    Sensibilisiert worden für die Problematik, Alkoholikerin zu sein, war ich ein paar Jahr vorher, als mir ein Mitpatient aus der Klinik, mit dem ich mich angefreundet hatte und selbst Alkoholiker war. Da hab ich das weit von mir gewiesen. Wie bitte? Ich Alkoholikerin? Nee, ich muss nicht trinken und, wenn ich trinke, dann nicht sooo viel.

    Doch er hatte mich nachdenklich gemacht.
    Ich hab über das Thema sogar mit meinem Arzt gesprochen, sah meinen Konsum aber lediglich als möglicherweise riskant.

    Du sprichst den „Kontrollverlust“ an. - Was ist denn genau damit gemeint? - Bei mir verhielt es sich ähnlich, wie du das von dir beschreibst. Ich hab so viel getrunken, wie ich insgeheim wirklich wollte. Nur ein Glas zu trinken, hab ich mir lediglich aus Vernunftgründen vorgenommen, weil‘s ja immer hieß, dass mehr als ein Glas für eine Frau ungesund sei. Ehrlich, hab ich bei mir so nicht wahrgenommen. Ich hab ne Flasche Rotwein am Abend weggehauen und am nächsten Tag nix gemerkt, fühlte mich gesund.
    Ich MUSSTE nicht trinken, ich konnte Pausen einlegen, ich konnte mir ein bestimmte Menge vornehmen und dann aufhören. Wenn’s mir reichte, hab ich aufgehört.

    Dann aber kam es 2020 bei Vorbereitungen für Geburtstagsfeste u.ä. bei uns mehrfach vor, dass ich den Pegel, bei dem ich meine Tätigkeiten gut und leicht verrichten konnte, überschritt und statt Leichtigkeit nur noch Erschöpfung und Müdigkeit verspürte.
    Inzwischen weiß ich, dass sogar wissenschaftlich untersucht worden ist und festgestellt worden ist, dass der Pegel, der als angenehm empfunden wird, nicht gehalten werden kann, selbst wenn die entsprechende Alkoholkonzentration im Blut genau eingehalten wird.
    Ich wollte diese Leichtigkeit, ich brauchte diese Leichtigkeit, aber sie war immer sooooo flüchtig....

    Vom Prinzip hab ich also die Kontrolle wohl nie wirklich verloren und dennoch: Was ich da in jenem Jahr und eigentlich schon im Jahr davor so nach und nach an mir beobachtete, beunruhigte mich zunehmend. Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Online-Test zur Einschätzung meines Alkoholkonsums durchgeführt habe.

    Ich hab das schon ein paar Jahre mit mir auszumachen versucht. Zwischendurch hatte ich das Thema sogar mal mit meinem Mann besprochen und das anschließend bitter bereut, weil der mich danach jedes Mal, wenn ich was trank, dafür - unberechtigt wie ich fand - kritisierte.

    Tja, was genau ist an dem Punkt, an dem ich war, schon „Kontrollverlust“? - Als ich vor einem Jahr aufhören konnte, mich selbst zu täuschen, wurde mir klar, dass ich dabei war, die Kontrolle wirklich zu verlieren.
    Ja, ich hatte noch die Wahl, im Gegensatz zu denen, die diese nicht mehr haben und trinken MÜSSEN.
    Doch spielt das für mich und das Verständnis meiner eigenen Alkoholabhängigkeit keine Rolle.
    Mir ist bewusst geworden, dass ich mich davon abhängig gemacht hab und dass es für mich nur noch einen Weg gibt: Keinen Alkohol mehr konsumieren.

    Auf die Idee zur „Suchtberatung“ zu gehen, bin ich nicht gekommen. Da hin zu gehen, wäre ja ein Eingeständnis meinerseits gewesen.

    Meine „Suchtberatung“ war tatsächlich dieses Forum hier.

    Grüße
    AmSee


    ich beobachte,dass "trockene Alkoholiker" ,die lanjährig abstinent sind eine Tendenz zur Sucht entwickeln, anderen unbedingt helfen zu wollen ,dass jemand vom Alkohol los kommt.
    Das bezieht sich auf dieses Forum ,von dem AmSee gesprochen hat.

    Schwieriges Thema.... Woran erkennt man denn, ob jemand Co-abhängig ist bzw. ob die Menschen, die hier oder anderswo in Selbsthilfegruppen ihre Erfahrungen mit anderen teilen, eine neue Art von Sucht entwickelt haben?

    Mit Begriffen wie Co-Abhängigkeit wird mir persönlich zu leicht hantiert oder argumentiert. Muss das Engagement, sich in einer Selbsthilfegruppe zu engagieren, so kritisch betrachtet werden?
    Gewiss, wenn man jemand anderem etwas aufzwingt, was dieser gar nicht haben will bzw. worum er gar nicht gebeten hat, dann ist das kritisch zu betrachten. Dieser Umstand ist, soweit ich weiß, einer der Aspekte, durch den das sogenannte Helfersyndrom kritisch zu betrachten ist.

    Andererseits, was diese fürchterliche und überaus vielschichtige Alkoholkrankheit betrifft, so nimmt man selbst, besonders wenn man noch am Anfang steht, gewisse Problematiken gar nicht wahr.
    Was spricht denn dagegen, gewisse Stolpersteine anzusprechen?

    Zitat


    Wie soll ein Neuankömmling schon sagen können :"ich will niemehr trinken?" ,wenn er erst noch lernen muss und begreifen muss ,dass er wirklich ein Suchtproblem hat.

    Nun, nicht alle kommen so früh vom Alkohol weg wie du und ich. Ich hab inzwischen den Eindruck, dass wir zwei eher die Ausnahme sind.
    Wie oft kommt es vor, dass jemand, der noch nicht begriffen hat, dass er oder sie ein Problem hat, durch den Austausch mit anderen begreift, dass er/ sie tatsächlich ein Problem hat und dann tatsächlich mit dem Alkoholkonsum aufhört?

    Doch, was diskutieren wir hier eigentlich über jenes Forum? Es ist nicht deins und Punkt. ;)


    Nicht hier ,aber woanders lese ich ,dass das Bekenntnis zum Alkoholiker die Voraussetzung ist für eine Berechtigung in einem Forum zu existieren.

    Ich kenne jenes Forum....
    Ich kann nachvollziehen, dass dich diese Regelung dort abschreckt, aber da ich jenes Forum etwas besser kenne, sehe ich die Sache mit der Begrifflichkeit dort bzw. mit dem Bekenntnis zum Alkoholiker etwas anders als du.
    Tatsächlich herrschen dort strengere Regeln als hier, aber sowohl unser Forum hier als auch jenes Forum dort haben ihre eigenen Reize. Der eine passt hier besser hin, der andere dort, der dritte passt zu beiden, der vierte passt gar nicht. Mit Selbsthilfegruppen im RL verhält es sich ja nicht anders.

    Für mich ist es übrigens etwas anderes, mich vor Alkoholikern mit meinem Problem zu outen als vor „normalem“ Publikum. Bei Alkoholikern gehe ich zunächst erstmal davon aus, dass sie die Problematik aus eigener Erfahrung kennen, daher kann ich den Begriff „Alkoholiker“ dort leichter verwenden, um mein Problem zu beschreiben.

    Hier bei uns ist es etwas anders als dort, aber das Ziel dort ist eben ganz klar, dass sich im offenen Alkoholikerbereich eben nur die austauschen sollen, die für sich erkannt haben, ein Problem zu haben, und die davon wegkommen wollen, indem mit der Absicht leben, nie wieder Alkohol trinken zu wollen.
    Ich finde diesen Ansatz durchaus legitim und er dient letztlich auch dem Schutz derer, die frisch dabei sind.
    Wer das nicht will, für den gibt’s andere Gruppen, unter anderem zum Beispiel diese unsere.

    Hier zum Beispiel dürfte über „Kontrolliertes Trinken“ diskutiert werden, obwohl mir auch hier bislang noch niemand untergekommen ist, der damit nicht gescheitert ist. ;)

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Susanne,
    ich denke über das Thema im Grunde ganz ähnlich wie du und doch bereitet mir selbst die Vorstellung tatsächlich ebenfalls Alkoholikerin zu sein nicht mehr so viel Kopfzerbrechen.

    Für mich selbst steckt in diesem Begriff drin, dass ICH mit Alkohol nicht gesund umgehen kann, dass ich nicht kontrolliert trinken kann. Und somit kann ich diesen Begriff mir selbst gegenüber verwenden.
    Das bedeutet für mich selbst übrigens auch nicht, dass ich ein armes, bedauernswertes Opfer bin, das nun mit einer lebenslangen Krankheit geschlagen ist.

    Ich hab auch sehr an meiner Einstellung gearbeitet, dass es nicht darum geht, dass ich nichts trinken „darf“, dass ich auf etwas Tolles verzichten müsste. Natürlich „darf“ ich Alkohol trinken - wer könnte mir das verbieten? - aber ich trinke nicht, weil‘s mir ohne deutlich besser geht. Und ich trinke auch deswegen nicht, weil Alkoholkonsum von außen betrachtet, gar nicht so toll ist, wie man (auch ich bis letztes Jahr) glaubt.
    Tatsächlich habe ich in diesem Jahr entdeckt, dass mir die sogenannte „Abstinenz“ eigentlich richtig gut gefällt und mir überhaupt nichts fehlt, sondern ich im Gegenteil frei von etwas bin.

    Du hast sehr vieles von dem genannt, was auch für mich an diesem Begriff „Alkoholiker“ problematisch ist. Ich hab mich in einer ganzen Reihe deiner Gedanken wiedergefunden, eigentlich in fast allem.

    Gestern Abend ergab sich mal wieder eine kleine Diskussion mit meinem Mann über das Thema, bei dem deutlich wurde, dass er eine Vorstellung von Alkoholikern hat, in die mein eigenes Beispiel nicht so recht passt. Ich sehe mich selbst als jemand, der ein Alkoholproblem hat, nicht kontrolliert trinken kann und demnach als Alkoholiker ist und doch bin ich meilenweit von dem entfernt, was mein Vater war bzw. getan hat. Mit Grauen kommt mir auch in letzter Zeit immer wieder in Erinnerung, wie sich seine Erkrankung geäußert hat.
    Gleichsetzen möchte ich mich mit dem, was er war, was er getan hat, nicht, das würde mir nicht gerecht.

    Und unter anderem aus solchen Gründen verwende ich den Begriff „Alkoholiker“ nicht gerne öffentlich. Mitunter verkompliziert dieser Begriff eben auch etwas, weil damit ganz bestimmte Vorstellungen verbunden sind.


    Und noch zu der Vorstellung „lebenslange Krankheit“. Diese Vorstellung verbinde ich selbst irgendwie auch nicht mit meiner eigenen Alkoholkrankheit. Klar ist mir bewusst, dass ich nie wieder in den Zustand zurückkommen werde, in dem ich war, als ich noch nicht abhängig war, aber lebenslange Krankheit verbinde ich tatsächlich eher mit den Handicaps, die meine Depression und meine MS-Erkrankung mit sich bringen. Die spüre ich nämlich tatsächlich tagtäglich als belastend und suche meinen Weg damit zufriedenstellend umzugehen.
    Dass Alkoholkonsum für mich lebenslänglich problematisch ist, nehme ich selbst gar nicht als solches Handicap wahr. Ich spüre das in meinem Alltag eigentlich gar nicht. Mitunter tun mir sogar die, die Alkoholkonsum für selbstverständlich halten leid.

    Und denke auch nicht daran, dass ich durch meine einmal erworbene Nikotinabhängigkeit eine lebenslängliche Krankheit habe. Ich nehme schließlich auch nicht als Handicap wahr, nicht rauchen zu dürfen.

    Für die Begrifflichkeit „Alkoholiker“ spricht für mich nur eines, nämlich das Selbstgeständnis an mich selbst, dass ich niemals wieder Alkohol konsumieren kann und will, weil mir das nicht gut tut.

    In Sack und Asche muss ich deswegen nicht laufen. Wozu? Ich hab mich des Problems doch angenommen. Ich lebe eine gesunde, zufrieden stellende Lösung.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Orangina13,
    auch ich gratuliere dir herzlich zur Vollendung deines ersten Jahres ohne Alkohol! :blumen2:
    Mögen noch viele, viele weitere Jahre in zufriedener Abstinenz dazu kommen!

    Diese Diskussion um Begrifflichkeiten:
    Der knifflige Punkt ist doch letztlich der, ob sich der Abhängige selbst doch noch ein Hintertürchen offen lässt oder nicht. Und so habe ich bislang diese Diskussionen um den Begriff „Alkoholiker“ aufgefasst.

    Ich kann das nachvollziehen, dass du mit diesem Begriff deine Schwierigkeiten hast. Mir geht’s ähnlich.

    Ich muss dabei zum Beispiel immer an meinen Vater denken. So, wie er war, so stelle ich mir einen Alkoholiker vor.

    Ich selbst aber war nicht so wie er, außerdem lebe ich in einem Umfeld, in dem Alkoholkonsum bei Festivitäten und gesellschaftlichen Zusammenkünften selbstverständlich ist. In unserer Gesellschaft ist Alkoholkonsum überhaupt selbstverständlich, wie mir im Restaurant, in der Fußgängerzone, im Fußballstadion, in allen möglichen Filmen und Serien vorgelebt wird. Und der Begriff „Alkoholiker“ ist nun einmal stigmatisiert.

    Meinem Alkohol konsumierenden Umfeld gegenüber habe ich die Formulierung „Ich bin Alkoholikerin“ und „Ich bin seit .... trocken.“ nicht verwendet. Wer sich aber ein bisschen auskennt bzw. sensibel für das Thema „Alkoholismus“ ist, dürfte bei meiner Erklärung, warum ich keinen Alkohol mehr trinke, trotzdem begriffen haben, was mit mir ist, ohne dass ich den Begriff „Alkoholikerin“ explizit genannt habe.

    Gegenüber meinen Ärzten und meinem Therapeuten habe ich den Begriff verwendet, weil‘s da irgendwie hingehörte bzw. passte.

    Ob ich mit dem Begriff irgendwann auch so umgehen kann, wie Susanne das kann, weiß ich nicht. Der Erfahrungswert vieler, viele alkoholfreier Jahre fehlt mir noch. 😉

    Meine Mutter, die nach ihrem klinischen Entzug mit Langzeit-Therapie im Alter von 25 Jahren nie wieder Alkohol konsumiert hat, hat den Begriff manchmal genutzt, manchmal aber auch nicht. Für sie war „Ich trinke nicht.“ selbstverständlich geworden.
    Mein Vater hat den Begriff gebraucht, aber er hat ihn nicht vom Saufen abgehalten.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo ichso, Rekonvaleszent, Susanne, Daun und Greenfox,
    ich danke euch sehr für eure Glückwünsche. Ich hab mich wirklich gefreut, dass ihr mir geschrieben habt.

    In den letzten Tagen war ich ziemlich beschäftigt und so fehlte mir einfach die Ruhe und Muße, um hier zu schreiben und mich unmittelbar zu bedanken.

    Mit den Gläsern hatte es angefangen. Das war fast wie ein Dammbruch.
    Seither waren eine ganze Reihe von anderen Stellen dran: Beispielsweise hatte ich von meiner Mutter einen ganzen Berg an Besteck und Haushaltshelfern (von Apfelkernausstecher über Dosenöffner, Gefrierdosen, Messer, Muskatreibe, Salatbesteck, Schöpfkellen bis Zitruspresse) geerbt. Ich hatte ja ihre gesamte Küche mitnehmen müssen, als wir ihre Wohnung räumen mussten. Das lag auf dem Dachboden alles noch in den Schubladen und Schränken herum. Auch Bettwäsche und Handtücher haben neue Besitzer gefunden. Zwischendurch war mein Kleiderschrank dran und das Bücherregal. Gestern hab ich mich an die diversen Stickpackungen gemacht, die teilweise angefangen, teilweise noch originalverpackt waren.
    Einiges davon hab ich an den zwei besonders sonnigen Tagen an die Straße zum Mitnehmen gestellt, einiges unter „Zu Verschenken“ in den Kleinanzeigen eingestellt, einiges hat mein Mann zur Versteigerung bei EBay eingestellt.

    Das war einerseits sehr befreiend, andererseits aber auch sehr anstrengend und fordernd für mich.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo in die Runde!
    Zufrieden und glücklich darf ich euch verkünden, dass ich seit gestern genau ein Jahr alkoholfrei bin.
    Ich vermisse den Alkohol kein bisschen, seinen Reiz hat er für mich tatsächlich verloren.
    Wenn ich daran denke, wie ich vor einem Jahr noch gedacht habe... :rotwerd:
    Susanne war mir damals eine große Hilfe. :blumen2:

    Rauchfrei bin ich nun schon seit 12 Tagen. Ich hoffe, dass ich von dieser Abhängigkeit auch dauerhaft wegkomme. Die Chancen stehen zur Zeit gut, da hat sich in meinem Kopf in der letzten Zeit irgendwie etwas verändert.

    Das EKA-Thema beschäftigt mich weiterhin und wird es gewiss noch eine Weile, aber das ist ok. Ich hätte das Thema liebend gerne endlich mal abgeschlossen, aber wie sich gezeigt hat, muss ich da noch mal etwas tiefer ran, um tatsächlich so etwas wie echte Genesung zu erfahren.

    Mein Umfeld ist mittlerweile im Bilde, dass ich keinen Alkohol mehr trinke. Probleme hatte ich von der Seite keine.
    Allerdings ergab sich gestern zum ersten Mal, dass es anlässlich einer Feier bei mir gar keinen Alkohol gab. Da hat meine Schwiegerfamilie doch erstmal n bisschen komisch geguckt, DAS hatten sie wohl doch irgendwie nicht erwartet.... laugh2

    Heute sortiere ich endlich tatsächlich nahezu sämtliche Gläser für Alkohol aus. Bislang konnte ich mich nicht dazu durchringen, weil darunter auch einige hochwertige Bleikristall-Gläser sind, die ich von meiner Familie geerbt habe und dieser damals etwas bedeuteten. Nun bin ich so weit, mich davon zu trennen.

    Einige wenige Biergläser behält mein Mann noch für sich, falls er doch mal mit Freunden ein Bier trinken möchte. Er trinkt zwar inzwischen auch so gut wie gar nicht mehr, aber die Möglichkeit möchte er sich noch offen lassen.

    Abgemacht ist für solche Fälle, dass ich definitiv keinen Alkohol kaufe und auch nicht ausschenke.
    Mit dieser Situation kann ich gut leben. Hab im letzten Jahr gut darauf geachtet, ob mich etwas triggert oder nicht.

    Viele Grüße
    AmSee

    Ich ändere das „heute lobe ich mich“ in ein „heute freue ich mich über mich und für mich, weil …“
    …. ich heute meinen 10. rauchfreien Tag gelebt habe und es mir richtig gut damit geht. Es läuft. 44.
    Und mit dem alkoholfreien Leben läuft‘s auch zu meiner vollen Zufriedenheit, übermorgen hab ich mein erstes Alk-freies Jahr geschafft. ^^

    Viele Grüße
    Am See
    (Seit heute Abend aus dem Urlaub zurück.)

    das begleitet mich auch schon lange: Dieser "Berg" rauszugehen...

    Hallo ichso,
    bei dieser Formulierung wurde ich besonders aufmerksam. Die kenne ich doch..... ;)
    Dass ich regelmäßig vor diesem Berg stehe, hat bei mir damit zu tun, dass mir für gewisse Herausforderungen einfach die Energie fehlt bzw. ich sie nicht aufbringen kann.
    Nun komme ich ja sozusagen aus der Überforderungs-Ecke, bin jahrzehntelang weit über meine Grenzen hinausgegangen, hab mich immer gezwungen, nun wehrt sich etwas in mir völlig dagegen, mich nochmals dermaßen zu überfordern. Inzwischen konnte ich meine Grenzen wieder etwas erweitern und ggf. auch mal wieder drüber, aber wehe ich übertreibe das....

    Dass ich nicht rausgehen kann, hat gewiss auch etwas mit „fein machen“ zu tun, aber auch damit, dass man draußen eine Art „Fassade“ aufrecht erhalten muss, dass man mit anderen Menschen freundlich-höflich interagieren muss. Mir ist das alles ab und zu einfach zu viel und es überfordert mich dann mitunter allein sogar der Gedanke daran, rausgehen zu müssen. Wenn ich wieder genug Energie habe, ist das rausgehen relativ problemlos.

    Liebe Grüße
    AmSee

    P.S.: Viel Vergnügen mit dem Stepper!

    Hallo Ihr Lieben!
    Danke für eure Antworten zu meinem Rauchausstieg! Bin echt gerührt davon!

    Ich bin bereit, das jetzt wieder durchzuziehen. Die anderen Baustellen sind gerade so weit gediehen, dass ich mich dieser Baustelle stellen kann.

    @Orangina , den Termin habe ich nicht langfristig gesetzt, sondern der ergab sich so gestern Abend bzw. heute Morgen. Nächstmöglich wieder aufhören wollte ich schon länger und ich spürte irgendwie, dass sich irgendwann in naher oder ferner Zukunft der Absprung ergeben wird. Die Zigaretten schmeckten schon eine ganze Weile nicht, teilweise hatte ich schon nach den ersten zwei Zügen genug davon und sie einfach ausgedrückt. Ich hab mich wieder ziemlich genau beobachtet und in mich hineingehorcht, was mich überhaupt antreibt zu rauchen, und was sich in mir gegen das Rauchen wehrt.

    Im Weg standen mir zuletzt nur noch meine Angst, ein wichtiges Hilfsmittel zur Selbstregulation zu verlieren, meine Angst, mir eine „Belohnung“ wegzunehmen, und meine Angst vor dem Entzug.

    Mit Punkt 1 und 2 auf meiner Angst-Liste habe ich mich in letzter Zeit beschäftigt und gewissermaßen entlarvt. Auch ergab es sich letztens, dass ich gedanklich und emotional in dem Moment war, in dem ich damals als Teenager mit dem Rauchen angefangen hab. Irgendwie hat sich dadurch, dass ich dort war, etwas im Heute verändert.

    Nun war die Schachtel wieder leer und ich spürte, dass sich nun der Zeitpunkt ergeben hatte, mit dem Rauchen endlich wieder aufzuhören. Nach dem letzten Zug sagte ich „Leb Wohl.“ und hab die leere Schachtel, das Feuerzeug und den Aschenbecher umgehend entsorgt. Meine Klamotten kamen sofort in die Wäsche.

    Meine gereizten Bronchien und Lungen danken es mir bereits. Der Hustenreiz ist wieder weg.
    Ich hab leichte Kopfschmerzen, bin gereizt und ziemlich müde. Ich bin mir sicher, ich pack das jetzt!

    Viele Grüße
    AmSee

    Viele Grüße

    Hallo ichso :blumen2:
    mit Rauchausstieg kenne ich mich eigentlich schon ganz gut aus.... schwitz.

    Ich habe schon ein paar solcher Ausstiege hinter mir. Jeder war irgendwie anders. Vom fürchterlichen Leiden, Kopfschmerzen, Schlafstörungen bis ziemlich easy.
    Wann immer ich rauchfrei war, war ich sehr glücklich darüber und auch zufrieden.
    Rückfällig wurde ich in den letzten Jahren immer in solchen Momenten, wenn innerer Druck aufgrund gewisser Gefühle in mir so übermächtig und unerträglich war, dass keines meiner üblichen Werkzeuge mehr funktionierte. Und die eine Zigarette wirkt dann tatsächlich.
    Und die Erfahrung war bislang immer: Es bleibt nie bei der einen Zigarette. Nach und nach werden es mehr und ich bin wieder dabei.

    Das ist so blöd und ich weiß doch eigentlich Bescheid und doch ist es mir bislang mehrfach passiert.
    Heute also soll wieder Schluss damit sein und diesmal will ich das dauerhaft hinkriegen. Vom Prinzip weiß ich ja, wie‘s geht und was für ein Gewinn das ist.

    Liebe Grüße
    AmSee