Beiträge von AmSee13

    Hallo Britt,
    wenn ich das richtig sehe, haben Orangina, Susanne und ich alle drei deine Äußerung


    Ich lese immer wieder, dass du nach wie vor ein „Problem“ mit der Begrifflichkeit hast und dir bis heute selbst nicht eingestehen kannst, dass du KRANK/Alkoholikerin bist.
    Für mich ist das ein typisches Verhaltensmuster eines Alkoholikers: sich selbst etwas vormachen.
    ...
    Aber ich finde es enorm wichtig, nur für sich selbst einzugestehen, Alkoholiker*in zu sein. Sich vor den Spiegel zu stellen und es laut aussprechen: "Ich bin Alkoholikerin!"

    ganz ähnlich verstanden...

    Dass du mit dem 4-Ohren-Modell kommst, klingt übrigens ziemlich oberlehrerhaft.
    Wenn ich angesprochen wäre, würde ich mich provoziert fühlen.

    Gruß
    AmSee


    Ich wollte nur darstellen, was mich allgemein stört.
    Und das bezieht sich auf genau die,die so sind,wie ich es beschrieben habe.

    Hallo Orangina,
    Menschen, die so auftreten, wie du‘s angesprochen hast, stören mich auch und zwar nicht nur dort.
    Du bist mit dieser Auffassung also nicht alleine. ;)

    Ich hab mich gefragt, warum du das Thema ansprechen musstest, denn dir persönlich kann‘s doch eigentlich egal sein, wie einige dort auftreten. Du bist schon ein ganzes Jahr abstinent, hast gewiss mögliche Triggersituationen kennengelernt und bewältigt... Kurz, du stehst doch gar nicht mehr am Anfang, bist kein Frischling mehr.
    Ich frag mich, warum dich das so aufregt, wie andere sind, wo‘s doch mit dir gar nix zu tun hat.

    Du musst das hier natürlich nicht beantworten, wenn du nicht magst.

    Vielleicht hat‘s dich einfach nur mal genervt und warum nicht einfach mal das Thema hier ansprechen.

    Grüße
    AmSee

    Uiuiuiui, nicht ohne, was du da so aus dem Nähkästchen plauderst, Susanne.
    Für mich als Hintergrundinformation, um den einen oder die andere besser verstehen bzw. einordnen zu können, sehr interessant.
    Nachprüfen, ob sich das alles genau so verhält, wie du geschrieben hast, werde ich nicht können, ist mir persönlich auch nicht so wichtig.


    NUR: Das alles bezieht sich auf die Vergangenheit. Ich selbst weiß nicht, wie das dort früher war, denn ich wollte nicht für eine Katze im Sack bezahlen.
    Das Forum ist aber Anfang des Jahres (?) von jemand anderem übernommen worden, überarbeitet und neu strukturiert worden und es ist nun kostenlos. Ich kenne also nur das Forum, wie es jetzt ist, und meine Aussage bezieht sich also auf das Forum, wie es jetzt ist.

    Und selbst wenn unter den Mods welche vom alten Kader sind und darunter auch jemand ist, der Therapien kritisch gegenüber steht, so hab ich bislang noch nicht gelesen, dass dort jemandem von einer Therapie abgeraten worden wäre.

    Das Forum lebt von seinem vielen aktiven Nutzern, die sich nach meiner eigenen Beobachtung mit ihren eigenen Erfahrungen echt hilfreich einbringen. Nutzern, die so auftreten, wie es Orangina stört - und an denen ich mich persönlich auch störe -, gehe ich aus dem Weg oder nehme deren Beiträge einfach nur zur Kenntnis und beschäftige mich nicht weiter damit.

    Grüße
    AmSee


    Zu den Triggersituation gibt es noch was.
    Es gibt Tests in Therapien, da werden Alkoholiker ganz bewusst solchen Triggersituationen ausgesetzt. Man stellt alkoholische Getränke direkt vor sie hin. Konfrontationstherapie.

    Interessanter Hinweis, nur scheint mir diese Herangehensweise für eine Online-Selbsthilfegruppe so erstmal nicht wirklich geeignet und du sagst ja selbst, dass sie nicht bei allen funktioniert.

    Es könnte also für den einen oder anderen knifflig werden, wenn er alleine bei sich zuhause den Selbstversuch wagt, weil er in einer Online-Selbsthilfegruppe, wo er niemanden persönlich kennt und von Angesicht zu Angesicht kennengelernt hat, davon gehört hat, dass ihn diese Konfrontationstherapie fit für mögliche zukünftige Krisensituationen machen könnte.....

    Hallo in die Runde,
    ich denke, wir kommen in unserer Diskussion tatsächlich ein bisschen weiter.

    Den Hinweis mit den „Hausregeln“ finde ich ganz hilfreich. In jenem Forum gibt es für Alkoholiker, die für den Austausch freigeschaltet werden wollen, bestimmte „Hausregeln“.
    Rekonvaleszent hat sie genannt.
    Und dagegen, dass dort bestimmte Regeln aufgestellt werden und eingefordert werden, ist ja grundsätzlich auch nichts zu sagen. Wem die Regeln nicht passen, für den stehen andere Möglichkeiten offen.


    Aber ich habe etwas dagegen ,wenn die Regelaufsteller meinen, dass ihre Regeln die einzig wahren sind und wenn z.B . dieses besagte Forum erwartet, sich diesen unterzuordnen und davon ausgeht,wenn diese Regeln nicht akzeptiert werden ,dass derjenige,der nicht akzeptiert etwas nicht verstanden hat.
    Nämlich ,dass er ohne die aufgestellten Regeln scheitern wird.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass die Regeln dort für „die einzig wahren“ gehalten werden, andere Wege hält man dort grundsätzlich auch für möglich, nur hat offenbar dem Teil, der schon lange zu jener Gruppe dazugehört, die Erfahrung gezeigt, dass gewisse Regeln für sie selbst und für einen größeren Teil von Alkoholikern erfolgversprechender sind als gewisse individuellere Wege.

    Und es ist auch nicht das Forum an sich, das dir unterstellt, nicht verstanden zu haben oder zu scheitern, wenn du den Ratschlägen nicht folgst, sondern lediglich einzelne Nutzer dieses Forums, die eben auch sehr viel schreiben bzw. häufig antworten und eine ganz bestimmte Auffassung teilen. Es gibt dort durchaus auch andere Nutzer und andere Auffassungen.

    Ich jedenfalls nehme aus jenem Forum und aus diesem unserem Forum hier das mit, was zu mir passt und mich auf meinem Weg irgendwie weiterbringt.

    Grüße
    AmSee


    Noch was zu den Triggersituationen.

    Ich kenne z.B. einen trockenen Bierbrauer.
    Und einen, der ist genau so lange trocken wie ich, der ist Wirt einer Hardrock-Kneipe. Bei dem liefen zu Vor-Corona-Zeiten jeden Samstag bis nachts um drei die Partys. Die Metler natürlich teilweise strunzbesoffen. Und wir haben uns an der Theke stocknüchtern darüber amüsiert. Ich will ja auch mal abends weggehen, und ich gehe nicht in den Kirchenchor.
    Ich selbst habe in meiner trockenen Zeit schon mit Wein gehandelt und zu Weinproben eingeladen..zu dem Fressverein, dessen Vorständin ich mal war, gehörte das dazu. 5 Jahre lang ein Weinlager im Keller...dss war sogar besonders gut, denn bei mir kam zuverlässig nichts weg. Und natürlich nur beste Tropfen.

    Oh je, Susanne!
    DAS geht ja gaaaaaaar nicht! :grins:


    Mein Sohn sagte mal zu mir: Wenn eine/r was sagt, kannst du das vernachlässigen. Wenn zwei oder mehr das Gleiche sagen, ist es klug, drüber nachzudenken.

    Soll nicht heißen, einer Herde nachzublöken.

    Moin ichso,
    ich sehe das grundsätzlich erstmal ganz ähnlich wie dein Sohn, gleichzeitig hab ich aber auch den Spruch, den mein Vater gerne im Munde führte, gut im Gedächtnis: „Tausende Fliegen können sich nicht irren. Scheiße ist gut.“

    Alkoholhaltige Aufenthalte habe ich in den ersten Monaten auch möglichst gemieden. Dank der Beschränkung wegen Corona war das auch nicht so schwer.
    Schwierigkeiten hätte ich nach dieser Devise aber mit den Besuchen bei oder von meiner Familie gehabt. Mich vor denen mit dem Satz „Ich bin Alkoholikerin.“ zu outen, soweit war ich nicht. Und das wäre bei denen auch nicht so einfach gewesen, weil die mit diesem Begriff ganz bestimmte Vorstellungen verbinden, was mir das Zusammenleben mit denen nicht gerade leichter gemacht hätte. Ganz wegbleiben hätte ich auch nicht dürfen, können, weil ich da auch in Schwierigkeiten gekommen wäre.
    So habe ich sie eben nicht meiden können.

    Ich war im Sommer in einem Biergarten. Ganz ehrlich, hat mir keine unangenehmen Gefühle bereitet. Ich hatte zwei große Apfelschorlen und leckeres Essen, mein Mann alkoholfreies Hefeweizen und ebenfalls leckeres Essen. Dass an den Nachbartischen Alkohol getrunken wurde, hat mich nicht sonderlich interessiert oder irgendwie länger gedanklich beschäftigt. Und gewiss hat‘s mich nicht getriggert.
    Das mag ja so sein, dass andere damit echt ihre Schwierigkeiten haben, ich hab mich diesbezüglich im letzten Jahr genau beobachtet, Biergärten, Restaurants sind für mich keine ernsthaft kritischen Orte.

    Grüße
    AmSee


    Es ist ja auch was dran, wenn man die Ratschläge den richtigen Leuten gibt.
    Wenn jemand hundertzwanzig Rückfälle hat, dann muss er irgendwas ändern, denn offensichtlich macht er ja was falsch. Zumindest wenn er kommt und behauptet, er will das eigentlich nicht. Es gibt auch Leute, die finden sich mit ihrer Sauferei einfach ab.
    Und wenn jemand hundertmal Hilfe will, dann sind da auf der anderen Seite ja auch noch die Hilfestellenden, deren Zeit und Energie er in Anspruch nimmt, und die dürfen dann natürlich schon auch mal fragen, was er eigentlich selbst dafür tun will.

    Das sehe ich ganz ähnlich. Schwierigkeiten hab ich nur damit gehabt, dass/wenn grundsätzlich alle Neulinge mit mehr oder minder harten Ratschlägen konfrontiert werden.

    Im Gegensatz zu dir, zumindest wie du dir den Anschein gibst, bin ich ein Sensibelchen. :engel:

    Grüße
    AmSee

    Hallo Britt,
    du nennst Fälle, die relativ klar sind und die ich durchaus nachvollziehen kann.
    Der Begriff wird aber eben auch in anderen Zusammenhängen gebraucht. So wird zum Beispiel „nasses Denken“ unterstellt, wenn jemand auf Veranstaltungen, Festivitäten u.a. geht, bei denen Alkohol konsumiert wird, und sich vorher bewusst Strategien überlegt hat, wie er mit der Situation umgehen will, und eben gerade NICHT solche Veranstaltungen grundsätzlich nicht mehr aufsucht.

    Wenn ich manche Aussagen so lese, bekomme ich den Eindruck, dass „nasses Denken“ gerne dem vorgeworfen wird, der sich nicht an die konsequenten Ratschläge hält:

    Du entfernst nicht alle Gläser, Gegenstände, die irgendwie mit Alkohol zu tun haben, aus deinem Haushalt? - Nasses Denken!

    Du gehst noch zur Fußballgruppe in deinem Sportverein, bei der man sich anschließend noch zusammensetzt und Bier trinkt? - Nasses Denken!

    Du meidest nicht konsequent alle Freunde und Bekannte, die Alkohol konsumieren? - Nasses Denken!

    Du machst die Aussage „Es stört mich nicht, wenn andere in meiner Gegenwart Alkohol konsumieren.“ - Nasses Denken!

    Und so weiter.....

    Es wird ja sogar davon abgeraten, in ein Restaurant zu gehen, weil es triggern könnte, dass/wenn am Nachbartisch Alkohol konsumiert wird. Ein „Biergarten“ darf grundsätzlich nicht mehr aufgesucht werden, selbst wenn man da nur ne Apfelschorle trinken will, weil‘s ein „Biergarten“ ist.

    Grüße
    AmSee


    Ich hatte später oft das Gefühl, bei den Einschränkuhngen, die da manche predigen, hätte ich vermutlich Schwierigkeiten gehabt, mit meiner eigenen Trockenheit zufrieden zu werden. Bei manchem hätte ich möglicherweise sogar lieber weiter getrunken, statt mich solchen Regeln zu unterwerfen. Und ich glaube, es ist schon ein Faktor, dass man es so macht, wie es einen selbst auch befriedigt.

    Das Gefühl habe ich bei einigen Ratschlägen auch und, wäre ich gleich am Anfang damit so konfrontiert worden, hätt‘s mich gewiss überfordert und abgeschreckt.

    Andererseits denke ich dann auch daran, dass mein eigener Vater die Kurve nicht gekriegt hat, dass ich selbst in Bezug aufs Rauchen mehrere Rückfälle hatte und dass jemand, der selbst die Kurve gekriegt hat, schon viele Jahre „trocken“ ist und jahrelang in der Selbsthilfe aktiv war, über deutlich mehr Erfahrung verfügt als ich und daher an dem, was er/sie rät, was dran sein könnte.

    Ich hab zum Beispiel auch Schwierigkeiten mit dem Begriff „nasses Denken“. Damit wird ja ganz gerne mal hantiert. Wenn man aber mal nachfragt, was den nun genau „nasses Denken“ sei, wird’s schwammig, scheint eine genaue Definition nicht möglich zu sein.

    Ich selbst hab es so gemacht, wie ich es für richtig hielt, wie es zu mir passte. Ich hab aber auch die Erfahrung machen müssen, dass mich eine gesellschaftliche Runde mit meinen Alkohol konsumierenden Nachbarn plus ein Gespräch zwischen meinem Mann und einer Freundin, wie sie bei einer anstehenden Feier die Getränke-Flatrate nutzen wollten, in arge Not gebracht hat. DEN Saufdruck, der sich daraufhin bei mir an einem Sommerabend einstellte, werde ich wohl nie vergessen.

    Übrigens ist von jenem Suchtdruck-Erlebnis tatsächlich übrig geblieben, mit welchen Mitteln ich das tatsächlich überwinden konnte und die klare Erinnerung, wie der Druck nachließ. - Das nur kurz in Bezug auf deinen Rat bzgl Suchtdruck beim Rauchen, den du mir in meinem eigenen Faden gegeben hast. ;)

    Aufgrund meiner Erfahrungen und Beobachtungen im vergangenen Jahr kann ich manchen Ratschlag ganz gut nachvollziehen.
    Ich hab großen Respekt vor der Alkoholkrankheit und ich habe immer wieder gelesen, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Alkoholabhängigen es dauerhaft schafft. Ich frage mich daher, ob die Einhaltung der Ratschläge, die von manchen gepredigt werden, nicht doch den einen oder anderen Rückfall hätten verhindern können.

    Viele Grüße
    AmSee


    Nicht den Druck lang analysieren, sondern wahrnehmen, dass er vorbei gegangen ist.

    Danke dir für den Gedankenanstoß. Das erinnert mich an eine sehr gute und außerordentlich hilfreiche Erfahrung, die ich letztens in einer Therapie-Sitzung gemacht habe.

    Bislang hab ich nie wirklich wahrgenommen oder wahrnehmen können, dass bzw. wie der Druck vorbei geht. Es kam mir immer so vor, als ob der ewig anhält und immer drängender wird.
    Ich weiß im Prinzip, dass es mir helfen würde, jede Menge Wasser zu trinken, aber wenn’s mir psychisch gerade wieder so besch...eiden geht, hab ich herzlich wenig Lust, mir den Bauch literweise mit Wasser vollzuschlagen.

    Auch den Hinweis mit dem Stress und was das Gehirn in solchen Fällen macht, empfinde ich als sehr hilfreich.

    Heute hab ich zwischendurch zwar mal gedacht, ich könnte doch eine rauchen, und, was in Bezug auf Alkohol für einen, der gerade damit aufgehört hat, ein No-Go wäre, zwei in ihrer Wohnung rauchende Freunde besucht, aber wirklichen Druck so wie gestern hatte ich nicht wirklich.

    Grüße
    AmSee


    Ich hatte das Glück, jemanden kennenzulernen, der auch ein wissenschaftliches Werk darüber geschrieben hatte und der über seinen eigenen Tellerand gucken konnte. Dem war es wichtig, nicht nur irgendwelche Glaubenssätze zu verbreiten, die aus seinem alleingültigen Weg resultierten (so kommt mir das bei manchen vor), sondern der bemühte sich auch, wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzutragen.

    Kann ich gut nachvollziehen, dass du das als Glück empfunden hast. Wäre mir gewiss ähnlich ergangen. Ich hatte schon immer Schwierigkeiten damit, überkommene Glaubenssätze einfach so zu akzeptieren oder zu „glauben“. Und ich hatte schon immer meine Schwierigkeiten mit Pauschalisierungen und Verallgemeinerungen.

    Was du über die Dynamik in Gruppen schreibst, ist mir hier und da schon aufgefallen. ;)

    Es gibt Menschen, die kommen offenbar mit Schema F gut zurecht, und dann gibt es andere Menschen, zu denen passt dieses Schema F aus welchen Gründen auch immer nicht. Beobachtet habe ich das im Laufe meines Lebens in mehreren Bereichen.

    Schwierig wird’s immer dann, wenn Schema F für allein seligmachend gehalten wird und kein weiterer Weg mehr mehr toleriert wird.

    Grüße
    AmSee

    Hallo Orangina,
    Danke dir für deine Rückmeldung. :)


    Ich habe mal gelesen ,dass die Sucht und das Verlangen nach einer Zigarette noch schlimmer werden ,wenn man dem Rauchdruck nachgibt.
    Das Gehirn speichert dann ab,dass die Zigarette besonders wertvoll ist und das erhöht bei jedem Rückfall das Verlangen.
    Ich kann dir leider nicht sagen ,wo ich das gelesen habe.

    Ist auch nicht wichtig, dass du nicht weißt, wo du‘s gelesen hast, denn genau das war auch meine Erfahrung, wann immer ich im letzten Jahr nach geraumen Zeit der Abstinenz zur Zigarette gegriffen habe.
    Ich hab‘s ja seit 2017 immer wieder mal geschafft, mehrere Monate bis zu einem ganzen Jahr rauchfrei zu bleiben. Immer wieder war‘s dann so ein Moment, in dem ich psychisch in höchster Anspannung war, dass ich doch wieder zur Zigarette gegriffen habe und es nicht bei einer Ausnahme blieb.

    Total peinlich, wider besseres Wissen immer wieder auf den selben Mist reinzufallen... :wall:

    Viele Grüße
    AmSee

    Gestern war‘s übrigens haarscharf, dass ich wieder zur Zigarette gegriffen hätte.
    Den ganzen Tag ging‘s mir stimmungsmäßig, antriebsmäßig usw. nicht so gut und ich war nach einer kurzen Auseinandersetzung mit meinem Mann, bei der ich mich schon wieder unberechtigt abgewertet fühlte, kurz davor loszugehen und mir eine Schachtel zu kaufen. Hatte die Schuhe schon angezogen.
    Ich hab sie wieder ausgezogen, bin nicht losgezogen, hab die Stimmung ausgesessen. Heute hab ich wieder kein Verlangen mehr....

    Ganz ehrlich, ich kapier das nicht wirklich, wieso ich in Bezug auf das Rauchen immer wieder so nah an einem Rückfall bin. Ich muss immer wieder auch an all die denken, die in Bezug auf Alkohol rückfällig werden. Wieso kann ich verhältnismäßig problemlos vom Alkohol wegkommen, von dieser elenden Raucherei aber nicht? Wieso drängt sich mir, obwohl ich doch über sooooooo viele gegenteilige Erfahrungswerte verfüge, immer wieder der Gedanke, eine Zigarette würde mir in dieser oder jener Situation Erleichterung verschaffen und gut tun, so überzeugend und überwältigend auf?
    Bin ich einfach nur zu schwach oder was auch immer, um dauerhaft rauchfrei zu bleiben?

    Ich erwarte übrigens keine Antwort darauf, schließlich ist Rauchen nicht das Thema dieses Forums. ;)


    Ganz abgesehen davon bin ich von der positiven Psychologie geprägt. Mein Therapeut später kam aus der Ecke.
    Da guckt man sich bewusst eben nicht an, was krank ist. Sondern man betrachtet nur das, was noch funktioniert und was man ausbauen kann.
    Eine berühmte Aussage (Kabat-Zinn): so lange Du noch atmen kannst, ist an Dir mehr gesund als krank.
    Das lag mir immer sehr viel mehr als der Krankheitsgedanke. So gehe ich ja auch mit meinen Behinderungen um, ich probiere konsequent, was noch geht. Mir liegt das überhaupt nicht, da in Schonhaltung zu gehen. Das heisst ja nicht, dass mir die Probleme nicht bewusst sind, es ist die Art des Umgangs damit.

    In die Richtung bin ich übrigens auch geprägt worden und ich bin in dieser Richtung unterwegs.

    Mich nervt total, wenn mein Mann wieder mal nur das Negative im Blick hat. Er meint das nicht böse, ist halt nur durch seine Familie so geprägt. Ich empfinde diese negative Blickweise eher als lebensfeindlich und abwertend.

    Wie befreiend es sein kann, sich auf das zu konzentrieren, was geht, was möglich ist, was gut läuft, habe ich erst letztens wieder besonders intensiv erfahren dürfen, als ich in einem handfesten Tief drinsteckte.


    ich hab anders aufgehört als Du.
    Zuerst fiel der Entschluss ganz alleine nachts im Bett.
    Und für mich war es von Anfang an klar, wenn ich aufhöre, dann fange ich, zumindest so weit es reicht, nicht mehr damit an. Dafür hatte ich überhaupt niemanden gefragt. Klar, natürlich auch keine Entgiftung, sondern einfach nichts mehr getrunken, basta. Und hinterher drüber mosern bringt sowieso nichts.
    So Themen wie Kontrollverlust und die ganze Theorie waren bei mir dafür gar nicht wichtig. Ich könnte mich bis heute fragen, ob ich jemals Kontrollverlust hatte, denn ich wollte mich ja bewusst besaufen, wenn ich das eben wollte. Hab ich in meinem Leben überhaupt jemals mehr getrunken, als insgeheim geplant? ich weiss es gar nicht mehr wirklich. Ich wusste nur, jetzt reichts mir.

    Ist das denn letztlich so wichtig, dass es Unterschiede gibt, wie wir aufgehört haben?

    Ich war längst noch nicht an den Punkt gelangt, an dem du warst. Als wir uns vor einem Jahr geschrieben haben, habe ich eine ganze Reihe von Ähnlichkeiten entdeckt und das hat mir geholfen, mich nicht länger selbst zu täuschen.

    Sensibilisiert worden für die Problematik, Alkoholikerin zu sein, war ich ein paar Jahr vorher, als mir ein Mitpatient aus der Klinik, mit dem ich mich angefreundet hatte und selbst Alkoholiker war. Da hab ich das weit von mir gewiesen. Wie bitte? Ich Alkoholikerin? Nee, ich muss nicht trinken und, wenn ich trinke, dann nicht sooo viel.

    Doch er hatte mich nachdenklich gemacht.
    Ich hab über das Thema sogar mit meinem Arzt gesprochen, sah meinen Konsum aber lediglich als möglicherweise riskant.

    Du sprichst den „Kontrollverlust“ an. - Was ist denn genau damit gemeint? - Bei mir verhielt es sich ähnlich, wie du das von dir beschreibst. Ich hab so viel getrunken, wie ich insgeheim wirklich wollte. Nur ein Glas zu trinken, hab ich mir lediglich aus Vernunftgründen vorgenommen, weil‘s ja immer hieß, dass mehr als ein Glas für eine Frau ungesund sei. Ehrlich, hab ich bei mir so nicht wahrgenommen. Ich hab ne Flasche Rotwein am Abend weggehauen und am nächsten Tag nix gemerkt, fühlte mich gesund.
    Ich MUSSTE nicht trinken, ich konnte Pausen einlegen, ich konnte mir ein bestimmte Menge vornehmen und dann aufhören. Wenn’s mir reichte, hab ich aufgehört.

    Dann aber kam es 2020 bei Vorbereitungen für Geburtstagsfeste u.ä. bei uns mehrfach vor, dass ich den Pegel, bei dem ich meine Tätigkeiten gut und leicht verrichten konnte, überschritt und statt Leichtigkeit nur noch Erschöpfung und Müdigkeit verspürte.
    Inzwischen weiß ich, dass sogar wissenschaftlich untersucht worden ist und festgestellt worden ist, dass der Pegel, der als angenehm empfunden wird, nicht gehalten werden kann, selbst wenn die entsprechende Alkoholkonzentration im Blut genau eingehalten wird.
    Ich wollte diese Leichtigkeit, ich brauchte diese Leichtigkeit, aber sie war immer sooooo flüchtig....

    Vom Prinzip hab ich also die Kontrolle wohl nie wirklich verloren und dennoch: Was ich da in jenem Jahr und eigentlich schon im Jahr davor so nach und nach an mir beobachtete, beunruhigte mich zunehmend. Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Online-Test zur Einschätzung meines Alkoholkonsums durchgeführt habe.

    Ich hab das schon ein paar Jahre mit mir auszumachen versucht. Zwischendurch hatte ich das Thema sogar mal mit meinem Mann besprochen und das anschließend bitter bereut, weil der mich danach jedes Mal, wenn ich was trank, dafür - unberechtigt wie ich fand - kritisierte.

    Tja, was genau ist an dem Punkt, an dem ich war, schon „Kontrollverlust“? - Als ich vor einem Jahr aufhören konnte, mich selbst zu täuschen, wurde mir klar, dass ich dabei war, die Kontrolle wirklich zu verlieren.
    Ja, ich hatte noch die Wahl, im Gegensatz zu denen, die diese nicht mehr haben und trinken MÜSSEN.
    Doch spielt das für mich und das Verständnis meiner eigenen Alkoholabhängigkeit keine Rolle.
    Mir ist bewusst geworden, dass ich mich davon abhängig gemacht hab und dass es für mich nur noch einen Weg gibt: Keinen Alkohol mehr konsumieren.

    Auf die Idee zur „Suchtberatung“ zu gehen, bin ich nicht gekommen. Da hin zu gehen, wäre ja ein Eingeständnis meinerseits gewesen.

    Meine „Suchtberatung“ war tatsächlich dieses Forum hier.

    Grüße
    AmSee


    ich beobachte,dass "trockene Alkoholiker" ,die lanjährig abstinent sind eine Tendenz zur Sucht entwickeln, anderen unbedingt helfen zu wollen ,dass jemand vom Alkohol los kommt.
    Das bezieht sich auf dieses Forum ,von dem AmSee gesprochen hat.

    Schwieriges Thema.... Woran erkennt man denn, ob jemand Co-abhängig ist bzw. ob die Menschen, die hier oder anderswo in Selbsthilfegruppen ihre Erfahrungen mit anderen teilen, eine neue Art von Sucht entwickelt haben?

    Mit Begriffen wie Co-Abhängigkeit wird mir persönlich zu leicht hantiert oder argumentiert. Muss das Engagement, sich in einer Selbsthilfegruppe zu engagieren, so kritisch betrachtet werden?
    Gewiss, wenn man jemand anderem etwas aufzwingt, was dieser gar nicht haben will bzw. worum er gar nicht gebeten hat, dann ist das kritisch zu betrachten. Dieser Umstand ist, soweit ich weiß, einer der Aspekte, durch den das sogenannte Helfersyndrom kritisch zu betrachten ist.

    Andererseits, was diese fürchterliche und überaus vielschichtige Alkoholkrankheit betrifft, so nimmt man selbst, besonders wenn man noch am Anfang steht, gewisse Problematiken gar nicht wahr.
    Was spricht denn dagegen, gewisse Stolpersteine anzusprechen?

    Zitat


    Wie soll ein Neuankömmling schon sagen können :"ich will niemehr trinken?" ,wenn er erst noch lernen muss und begreifen muss ,dass er wirklich ein Suchtproblem hat.

    Nun, nicht alle kommen so früh vom Alkohol weg wie du und ich. Ich hab inzwischen den Eindruck, dass wir zwei eher die Ausnahme sind.
    Wie oft kommt es vor, dass jemand, der noch nicht begriffen hat, dass er oder sie ein Problem hat, durch den Austausch mit anderen begreift, dass er/ sie tatsächlich ein Problem hat und dann tatsächlich mit dem Alkoholkonsum aufhört?

    Doch, was diskutieren wir hier eigentlich über jenes Forum? Es ist nicht deins und Punkt. ;)


    Nicht hier ,aber woanders lese ich ,dass das Bekenntnis zum Alkoholiker die Voraussetzung ist für eine Berechtigung in einem Forum zu existieren.

    Ich kenne jenes Forum....
    Ich kann nachvollziehen, dass dich diese Regelung dort abschreckt, aber da ich jenes Forum etwas besser kenne, sehe ich die Sache mit der Begrifflichkeit dort bzw. mit dem Bekenntnis zum Alkoholiker etwas anders als du.
    Tatsächlich herrschen dort strengere Regeln als hier, aber sowohl unser Forum hier als auch jenes Forum dort haben ihre eigenen Reize. Der eine passt hier besser hin, der andere dort, der dritte passt zu beiden, der vierte passt gar nicht. Mit Selbsthilfegruppen im RL verhält es sich ja nicht anders.

    Für mich ist es übrigens etwas anderes, mich vor Alkoholikern mit meinem Problem zu outen als vor „normalem“ Publikum. Bei Alkoholikern gehe ich zunächst erstmal davon aus, dass sie die Problematik aus eigener Erfahrung kennen, daher kann ich den Begriff „Alkoholiker“ dort leichter verwenden, um mein Problem zu beschreiben.

    Hier bei uns ist es etwas anders als dort, aber das Ziel dort ist eben ganz klar, dass sich im offenen Alkoholikerbereich eben nur die austauschen sollen, die für sich erkannt haben, ein Problem zu haben, und die davon wegkommen wollen, indem mit der Absicht leben, nie wieder Alkohol trinken zu wollen.
    Ich finde diesen Ansatz durchaus legitim und er dient letztlich auch dem Schutz derer, die frisch dabei sind.
    Wer das nicht will, für den gibt’s andere Gruppen, unter anderem zum Beispiel diese unsere.

    Hier zum Beispiel dürfte über „Kontrolliertes Trinken“ diskutiert werden, obwohl mir auch hier bislang noch niemand untergekommen ist, der damit nicht gescheitert ist. ;)

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Susanne,
    ich denke über das Thema im Grunde ganz ähnlich wie du und doch bereitet mir selbst die Vorstellung tatsächlich ebenfalls Alkoholikerin zu sein nicht mehr so viel Kopfzerbrechen.

    Für mich selbst steckt in diesem Begriff drin, dass ICH mit Alkohol nicht gesund umgehen kann, dass ich nicht kontrolliert trinken kann. Und somit kann ich diesen Begriff mir selbst gegenüber verwenden.
    Das bedeutet für mich selbst übrigens auch nicht, dass ich ein armes, bedauernswertes Opfer bin, das nun mit einer lebenslangen Krankheit geschlagen ist.

    Ich hab auch sehr an meiner Einstellung gearbeitet, dass es nicht darum geht, dass ich nichts trinken „darf“, dass ich auf etwas Tolles verzichten müsste. Natürlich „darf“ ich Alkohol trinken - wer könnte mir das verbieten? - aber ich trinke nicht, weil‘s mir ohne deutlich besser geht. Und ich trinke auch deswegen nicht, weil Alkoholkonsum von außen betrachtet, gar nicht so toll ist, wie man (auch ich bis letztes Jahr) glaubt.
    Tatsächlich habe ich in diesem Jahr entdeckt, dass mir die sogenannte „Abstinenz“ eigentlich richtig gut gefällt und mir überhaupt nichts fehlt, sondern ich im Gegenteil frei von etwas bin.

    Du hast sehr vieles von dem genannt, was auch für mich an diesem Begriff „Alkoholiker“ problematisch ist. Ich hab mich in einer ganzen Reihe deiner Gedanken wiedergefunden, eigentlich in fast allem.

    Gestern Abend ergab sich mal wieder eine kleine Diskussion mit meinem Mann über das Thema, bei dem deutlich wurde, dass er eine Vorstellung von Alkoholikern hat, in die mein eigenes Beispiel nicht so recht passt. Ich sehe mich selbst als jemand, der ein Alkoholproblem hat, nicht kontrolliert trinken kann und demnach als Alkoholiker ist und doch bin ich meilenweit von dem entfernt, was mein Vater war bzw. getan hat. Mit Grauen kommt mir auch in letzter Zeit immer wieder in Erinnerung, wie sich seine Erkrankung geäußert hat.
    Gleichsetzen möchte ich mich mit dem, was er war, was er getan hat, nicht, das würde mir nicht gerecht.

    Und unter anderem aus solchen Gründen verwende ich den Begriff „Alkoholiker“ nicht gerne öffentlich. Mitunter verkompliziert dieser Begriff eben auch etwas, weil damit ganz bestimmte Vorstellungen verbunden sind.


    Und noch zu der Vorstellung „lebenslange Krankheit“. Diese Vorstellung verbinde ich selbst irgendwie auch nicht mit meiner eigenen Alkoholkrankheit. Klar ist mir bewusst, dass ich nie wieder in den Zustand zurückkommen werde, in dem ich war, als ich noch nicht abhängig war, aber lebenslange Krankheit verbinde ich tatsächlich eher mit den Handicaps, die meine Depression und meine MS-Erkrankung mit sich bringen. Die spüre ich nämlich tatsächlich tagtäglich als belastend und suche meinen Weg damit zufriedenstellend umzugehen.
    Dass Alkoholkonsum für mich lebenslänglich problematisch ist, nehme ich selbst gar nicht als solches Handicap wahr. Ich spüre das in meinem Alltag eigentlich gar nicht. Mitunter tun mir sogar die, die Alkoholkonsum für selbstverständlich halten leid.

    Und denke auch nicht daran, dass ich durch meine einmal erworbene Nikotinabhängigkeit eine lebenslängliche Krankheit habe. Ich nehme schließlich auch nicht als Handicap wahr, nicht rauchen zu dürfen.

    Für die Begrifflichkeit „Alkoholiker“ spricht für mich nur eines, nämlich das Selbstgeständnis an mich selbst, dass ich niemals wieder Alkohol konsumieren kann und will, weil mir das nicht gut tut.

    In Sack und Asche muss ich deswegen nicht laufen. Wozu? Ich hab mich des Problems doch angenommen. Ich lebe eine gesunde, zufrieden stellende Lösung.

    Viele Grüße
    AmSee