Beiträge von AmSee13

    Ich hab mal wieder Lust auf ein Lebenszeichen in meinem Faden hier. :)

    Das Leben ohne Alkohol gefällt mir ausnehmend gut. Ab und zu denke ich noch an die Situationen, in denen mir das Trinken von Sekt, Wein oder Glühwein so selbstverständlich und angemessen schien, und kann es mitunter kaum fassen, wie sehr sich mein Denken diesbezüglich geändert hat.

    Ich erinnere mich, wie müde und erschöpft mich das Trinken immer gemacht hat und wie es mich frustriert hat, dass ich nicht einfach rechtzeitig aufhören konnte, bevor es zu viel wurde.

    Ich erinnere mich, wie ich immer wieder diese Tests gemacht habe, um mich zu versichern, dass ich noch im grünen Bereich lag und weiter Alkohol konsumieren durfte. Angst hatte ich, auch dort zu landen, wo mein Vater gelandet war.

    Was hab ich mir doch von dem „Genuss“ versprochen!
    Ich erinnere mich, wie Susanne mir antwortete: „So wie Du das trinken hier anpreist, werde ich sicher keine Anstrengungen unternehmen, Dich vom Gegenteil zu überzeugen.“

    Heute, nachdem ich so viele andere Erfahrungsberichte gelesen habe, mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und beschäftigt habe, kann ich sehr gut nachvollziehen, was sie damals gemeint hat.

    Ich bin froh und dankbar, dass es bei mir Klick gemacht hat und dass sich das Leben ohne Alkohol als so zufriedenstellend herausgestellt hat.
    Er fehlt mir kein bisschen, der Alkohol.

    Was für eine merkwürdige Geschichte!

    Heute frage ich mich, warum das Trinken in unserer Gesellschaft soooo selbstverständlich ist. Klar weiß ich, wo das ursprünglich herkommt, aber ich frage mich, warum es genau so geworden ist, wie es bei uns nun ist.

    Keine Feiergesellschaft, kein gesellschaftliches Event denkbar ohne Alkohol. Filme, in denen kein Alkohol konsumiert wird, lassen sich fast an einer Hand abzählen. Gehe ich im Sommer durch die Fußgängerzonen, sehe ich Alkohol auf den Tischen im Außenbereich. Gehe ich ins Restaurant sehe ich Wein oder Bier auf den Tischen der anderen Gäste stehen. Und und und.

    Diese Regel, dass für eine Frau ein Glas am Tag, für Männer zwei Gläser unbedenklich und sogar gesundheitsförderlich sei, ist mir noch im Kopf. „Was für ein Unsinn!“, denke ich heute, da mir bewusst ist, dass Alkohol eigentlich ein Nervengift ist.

    Und wer dann die vielen Schattenseiten des Alkoholkonsums kennenlernt und da gibt es soooo viele traurige Erfahrungsberichte, fragt sich, warum da nicht gesamtgesellschaftlich ein Umdenken stattfinden kann. Mit Zigaretten hat‘s doch auch geklappt.....

    Nun, es ist, wie es ist. Ich bin froh und dankbar, die Kurve gekriegt zu haben und ich arbeite weiterhin daran, dass es auch so bleibt.

    Mit großer Freude darf ich erleben, dass auch bei meinem Mann ein Umdenken stattgefunden hat. Trank er anfangs nur solidarisch mit mir keinen Alkohol, wenn ich dabei war, verzichtet er heute weitestgehend sogar dann auf Alkohol, wenn er in entsprechender Gesellschaft ist. Vor einer Weile hat er sich noch Gedanken gemacht, sich auszuschließen, wenn er in bestimmten Gesellschaften ist, und deshalb nicht auf Alkohol verzichten zu wollen.

    Inzwischen fragt er sich, warum er sich den Alkohol denn überhaupt antun solle und bemerkt an sich, wie gut es ihm tut, nicht getrunken zu haben, obwohl‘s bei ihm sonst wirklich nur ein bis zwei Bier waren.

    Letztens hat er seiner Familie, die bei uns anlässlich meines Geburtstages zu Gast war, mitgeteilt, dass wir bei uns keinen Alkohol mehr ausschenken und dass wir auch keinen mehr im Haus haben. - Das stimmte nicht ganz, da wären noch ein oder zwei Flaschen gewesen. Geschenke, die er im vergangenen Jahr bekommen hat. - Könnt ihr nachvollziehen, wie mich das gefreut hat, als er seiner Familie das gesagt hat?

    Sie wissen zwar, dass und warum ich nicht trinke, aber bislang war für sie selbstverständlich, bei Zusammenkünften das eine oder andere Gläschen zu konsumieren.

    Echt, Leute, ich kann’s mitunter kaum fassen, was sich da bei mir und uns verändert hat, und ich bin sehr, sehr dankbar für diese Veränderung.

    Viele Grüße
    AmSee

    Liebe Britt,


    Ich kann mich diesen "Verirrten" nicht so einfach entziehen. Sie begegnen mir jeden Tag!

    du hast mein aufrichtiges Mitgefühl.
    Ich bedaure mitunter sehr, was Menschen in deinem Beruf leisten müssen, und ich habe Hochachtung für das, was Ihr da leistet.

    Pass auf dich auf und sorge für dich! Und damit meine ich durchaus, dass du alle dir zur Verfügung stehenden Register ziehst, das nicht zu nah an dich herankommen zu lassen.
    Warum ich das für wichtig halte, ist hoffentlich deutlich geworden.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Britt,
    findest du‘s nicht auch spannend und interessant, was dabei herauskommt, über den Ausdruck „es widert mich an“ zu reflektieren?


    „etwas/jemand widert mich an“ ist für mich nicht gleichzusetzen mit „Wut/wütend sein.“

    Vorsicht, ich setze diese Begriffe nicht gleich! Ich habe lediglich geäußert, dass die Formulierung „anwidern“ bei mir den Gedanken an Wut nahelegt.

    Wenn ich z.B. meinem Mann gegenüber (was ich nicht tue) die Formulierung „Du widerst mich an.“ verwenden würde, dann spräche bei mir daraus Wut und Abscheu.
    Ob ich selbst den Begriff „anwidern“ im Zusammenhang mit z.B. Alkohol verwenden würde? Mmmmh. Ich denke durchaus daran, was er in meinem Leben angerichtet hat und was er im Leben vieler anderer Menschen angerichtet hat, mittlerweile bezweifle ich auch, ob er überhaupt schmeckt, aber „anwidern“ tut er mich nicht.

    Zitat


    Wut ist ein natürliches Gefühl, das zum Leben dazu gehört.

    Dem stimme ich zu. Zu lange Zeit habe ich dieses Gefühl weggedrängt, unterdrückt, mir nicht zugestehen wollen, weil ich entsprechend erzogen worden war. Heute weiß ich, wozu sie da ist, dass sie mitunter durchaus ihre Berechtigung hat und somit zum Leben dazu gehört.

    Zitat


    „Wütend sein“ ist gesund.

    Dem stimme ich nicht so ohne Weiteres zu. Als ich mich näher mit den sogenannten „Inneren Anteilen“ beschäftigt habe, wurden mir die zwei Seiten der „Wut“ und damit des „Wütend seins“ bewusst. Wut kann dich schützen und somit ein Helfer sein. Sie kann dich und andere aber auch zerstören, wenn ihre eigentliche Aufgabe aus dem Blick gerät. Ihre Zerstörungskraft habe ich an mir selbst und an anderen persönlich erlebt. Insofern kann ich dir nicht ohne Weiteres zustimmen, dass es gesund sei, wütend zu sein.

    Zitat


    Unterdrückte (Wut-) Gefühle haben mich krank gemacht

    Mich auch...

    Versteh mich bitte richtig: Ich fordere nicht dazu auf, deinen Unmut bzgl. jener Demagogen zu unterdrücken. Ich frage dich (freundlich besorgt), was es mit dir macht, dass du deren „Bullshit“ und was er gesamtgesellschaftlich bewirkt, so nah an dich heranlässt.

    Viele Grüße
    AmSee


    Aber wo darf sie denn hin? Die Wut. Die, wie ich gerade zur Zeit relativ stark empfinde, ein durchaus berechtigtes Gefühl ist. Aus welchen Gründen auch immer.

    "Weichspülen" ist in meinem Kopf gerade keine gute Option. "Werkzeuge" greifen nicht gut zur Zeit. Weder privat noch (in meiner Wahrnehmung) in der Gesellschaft.

    Wohin also damit? Besser mal rauslassen (OHNE Andere zu schädigen!) oder immer weiter runterschlucken/verdrängen, bis man/frau entgleist?

    Wenn es hilft, dass sie weniger wird, wenn’s hier einfach mal formuliert wird, meiner Ansicht nach völlig ok.

    Die Frage ist: Wird sie weniger? Hilft es, das hier zu formulieren? - Wenn ja, völlig ok.

    Ich habe in meiner Antwort aber etwas anderes im Blick gehabt.....

    Und noch so ein Gedanke: Wie ist das zu einzuschätzen, wenn mein nicht ganz unberechtigter Unmut, hier geäußert, dazu führt, dass die allgemeine Stimmung noch aufgeladener wird? Spielt das den Demagogen womöglich noch weiter in die Hände?

    Liebe Grüße
    AmSee


    Populisten-Bullshit zersetzt Demokratie.

    Ich nehme durchaus die Gefahr wahr, die davon ausgeht.

    Missversteh mich bitte nicht, egal ist es mir nicht.
    Doch ich lasse das nicht so nah an mich heran, dass ich selbst, ich persönlich, ich in meinem ganz eigenen Hier und Jetzt, von etwas, das ICH nicht ändern kann, über Gebühr belastet oder sogar wütend gemacht werde.

    Wenn ICH mich wütend werde - deine Wortwahl „anwidern“ legt bei mir selbst den Gedanken an Wut nahe - bessert sich nichts und zu einer sachlichen, ruhigen Auseinandersetzung bin ich dann auch nicht mehr fähig. Wenn ICH wütend bin, dann wirkt sich das bei mir auch auf andere Bereiche aus.

    Wenn wir wütend werden, dann haben diese gewissen Demagogen letztlich das erreicht, was sie wollen. Sie schüren Wut und wütende Menschen lassen sich leichter lenken als gelassene, ruhige, besonnene Menschen.

    Ich bin davon überzeugt, dass es diesen gewissen Demagogen um nichts anderes geht.

    Den Gefallen will ich ihnen aber nicht tun.


    Es geht doch nicht darum, was „man“ darf, sondern darum, was sinnvoll ist…

    Sehe das ganz ähnlich wie du, aber warum regt dich das so sehr auf, was diese Populisten machen, dass es dich „anwidert“? Was macht es mit dir, dass du das so nah an dich ranlässt?

    Ich finde diese Spaltung, die offenbar durch unser Land geht, ganz fürchterlich, aber ich lasse das nicht zu nah an mich heran. Ich kann nichts daran ändern, nur mich selbst weiterhin in Gelassenheit zu üben und mir wünschen, dass der eine oder andere doch noch zu mehr Einsicht, um nicht zu sagen Weisheit, gelangt.

    In dem Zusammenhang bin ich übrigens gegen die Anschnallpflicht. :devilsmile:

    Ich werde jetzt bei meinem Auto die Anschnallgurte abmontieren:

    - Es gibt so eine gute Unfallchirurgie heute, an einem Unfall muss niemand mehr sterben.

    - Gurte schützen gar nicht wirklich. Beweis: Es gibt immer noch Verkehrstote, auch Angeschnallte. Der ursächliche Zusammenhang zwischen Anschnallen und Überleben konnte nicht belegt werden.

    - Gurte sind gefährlich, denn man kann sich darin verheddern, und bei einem Unfall macht er blaue Flecken.

    - Es soll Leute geben, die von ihren Anschnallgurten erdrosselt wurden.

    - Auch Leute, die an einer Demenz oder Krebs erkranken, waren vorher alle angeschnallt gewesen. Spätfolgen?

    - Ich kenne einen, der einen Unfall auch ohne Gurt überlebt hat. Das ist sowieso viel natürlicher und stärkt die Gesundheit.

    - Einige Kinder weinen immer, wenn sie angeschnallt werden. Das ist kaum zu ertragen und überhaupt unmenschlich.

    - Es ist die Autoindustrie, die Gurte verkaufen will.

    - Wer einen Unfall unangeschnallt überlebt, fährt nachher viel sicherer als jemand, der sich anschnallt.

    - Anschnallen ist eine vorbeugende Maßnahme bei Leuten, die überhaupt keine Unfälle haben. Und es ist damit eine Einschränkung gesunder Leute. Das ist Freiheitsberaubung und Körperverletzung.

    - Ich habe ja an sich gar nichts gegen das Anschnallen, aber eine Anschnallpflicht ist Bevormundung. Ich bin für individuelle Anschnallentscheidung.

    Anmerkung: Inhalt war ursprünglich ein Netzfund ohne Quellenangabe, hab mir erlaubt, ein paar Veränderungen vorzunehmen.

    Na weil so manche Autokorrektur kein Auge trocken lässt….
    → → .... dass deine „hochzeitliche Aufgabe“ auch hier im Forum eine Rolle spielt.....

    :blumen2:

    Uups... das hab ich gar nicht gesehen... Oh diese fürchterliche Autokorrektur! laugh2

    Da will man ernst und sachlich sein und dann kommt sowas dabei heraus....

    Prima aber, wenn’s zur Entspannung der Atmosphäre beiträgt. Auch ich muss darüber... :lach:

    Liebe Grüße
    AmSee

    Liebe Britt,
    nochmals: Provozieren will und wollte ich dich nicht.

    Ich hab lediglich einen Versuch gestartet zu vermitteln, als ich darauf hinwies, dass dein unkommentierter Hinweis auf das „Vier-Ohren-Modell“ auf mich provozierend gewirkt hätte, wenn er an mich gerichtet gewesen wäre.

    Und da du selbst von dir geschrieben hast, dass du Schwierigkeiten mit dem Umswitschen hast, kam ich auf die Frage, die ich dir gestellt hatte.

    Warum ich dir jetzt „deinen Tag gemacht habe“ und dich zum Lachen gebracht habe, verstehe ich übrigens gerade nicht. Was ist denn daran so lustig? nixweiss0

    Freue mich natürlich, wenn meine Gedanken doch bei dir erwünscht sind. :blumen2:

    Viele Grüße
    AmSee

    Moin Britt,
    das stimmt, in meiner Nachricht ist „Du“ zu finden.

    Natürlich kannst du in deinem Faden so viel reflektieren, wie du willst. Ich habe deinen Post aber als Einladung verstanden, dir meine Gedanken zum Thema mitzuteilen und das habe ich getan.

    Du hast darauf hingewiesen, dass „Belehrung“ beruflich deine „hoheitliche Pflicht“ sei und du deshalb Schwierigkeiten habest, zwischen


    der sachlich-rationalen (Beruf) zur emotionalen (privat) Kommunikationsebene umzuswitschen.

    Darüber habe ich reflektiert und dir meine Gedanken dazu mitgeteilt.

    Um es ganz deutlich zu sagen: Ich habe dich so verstanden, dass deine „hochzeitliche Aufgabe“ auch hier im Forum eine Rolle spielt.

    Darf ich, da du deinen Beruf in den Austausch miteingebracht hast, nicht dazu antworten bzw. fragen, was ICH dazu denke?

    Ist meine Formulierung


    Nun bist du hier im Forum jedoch nicht in deinem Beruf unterwegs, daher ist deine beruflich „hoheitliche Pflicht“ die „Belehrung“ hier nicht angebracht, sondern hier geht’s eigentlich doch um den Erfahrungsaustausch von Betroffenen. Und dieser Austausch sollte eigentlich auf Augenhöhe stattfinden.


    ungeschickt formuliert, um zum Ausdruck zu bringen, dass ich das hier für einen Ort des Erfahrungsaustausches von Betroffenen auf Augenhöhe halte und dich selbstverständlich dazu zähle?

    Übrigens habe ich nicht geschrieben, dass DU oberlehrerhaft seist, sondern ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass ein Hinweis von dir (der umkommentierte Hinweis auf das „vier-Ohren-Modell“) für mich oberlehrerhaft klingt und ich mich davon provoziert gefühlt hätte. Das ist ein nicht unwesentlicher Unterschied.

    Viele Grüße
    AmSee

    P.S.: Wenn meine Gedanken dazu von dir nicht erwünscht sind und du dich möglicherweise sogar von mir provoziert fühlst, halte ich mich in Zukunft aus deinem Faden raus.

    Moin Britt,
    ich bin‘s nochmal....

    Beim nochmaligen Durchlesen meines Posts von heute Mittag kam mir der Gedanke, dass meine Frage provokant verstanden werden könnte.
    So ist sie tatsächlich aber nicht gemeint.

    Du hattest in dieser deiner Antwort


    Tatsächlich werde ich oft so von „Bürgern“ bezeichnet: als arrogant und belehrend. Eine Belehrung ist in meinem Beruf eine hoheitliche Pflicht. Leider empfinden die „Bürger“ diese Belehrungen oftmals bedrohlich, herablassend und oberlehrerhaft.

    deinen Beruf miteingebracht. Nun bist du hier im Forum jedoch nicht in deinem Beruf unterwegs, daher ist deine beruflich „hoheitliche Pflicht“ die „Belehrung“ hier nicht angebracht, sondern hier geht’s eigentlich doch um den Erfahrungsaustausch von Betroffenen. Und dieser Austausch sollte eigentlich auf Augenhöhe stattfinden.

    Vor diesem Hintergrund ist meine Frage an dich zu sehen. Nicht provokant gemeint, sondern offen und ehrlich.

    Dass wir alle durchaus durch unseren beruflichen Hintergrund geprägt sein können und wahrscheinlich auch sind, hatte ich zuvor durchaus schon eingeräumt.

    Viele Grüße
    AmSee


    Ein Bürger ist für den Polizisten wie der Patient für den Arzt oder der Mandant für den Anwalt.
    [...]
    Auch Polizisten sind Bürger…nur in Uniform.

    Moin Britt,
    das hab ich mir im Kontext schon gedacht...

    Lass dir von mir aber mal folgende Frage gefallen:

    Hast du schon mal versucht, deinen Beruf zusammen mit deiner Uniform an der Garderobe zu lassen, wenn du Feierabend hast?


    Ich hab das irgendwo in einem der Bücher des Psychiaters, Kabarettisten und Autors Manfred Lütz mal gelesen, dass und wie sinnvoll und wichtig es ist, den Beruf mitsamt der Berufskleidung an der Garderobe hängen zu lassen, wenn man Feierabend hat und sich nach Hause begibt.

    Viele Grüße
    AmSee

    Übrigens gerade hatte ich mal wieder eine Kommunikationssituation mit einem Polizisten, die mir deutlich gemacht hat, dass mir ein gewisses Denken einfach nicht geläufig ist.

    An meiner Haustür hatte ein Bettler geklingelt. Ich hab die Tür geöffnet. Er sprach kein Wort deutsch und hielt mir einen einlaminierten Zettel hin, dem zu entnehmen war, dass er aus Siebenbürgen stammt, kein Geld hat und eine Geldspende von mir haben will.
    Ich wimmelte ihn mit Gesten ab und schloss die Tür.
    Er aber blieb vor der Tür stehen und ging nicht weg.
    Mir wurde das ziemlich unheimlich und ich fürchtete auch, dass er nun ums Haus herumschleicht.

    Und weil mir das unheimlich vorkam und nicht ganz koscher, hab ich die Polizei angerufen. Ich wollte, dass die einfach mal einen Streifenwagen durch die Straße schicken und ein Auge drauf haben.

    Tja und nu kommt die Kommunikationssituation: Ich sollte den Mann beschreiben.
    Hoppla, daran hab ich ja überhaupt nicht dran gedacht, dass ich den Mann beschreiben können müsste, damit die Polizisten im Streifenwagen überhaupt wissen, auf wen sie in unserer Straße denn achten sollen.
    Und dann hab ich versucht zu beschreiben. Mir fällt sowas immer fürchterlich schwer.
    „Was für eine Farbe hatte die Hose?“ - Ich wusstest es nicht mehr, riet. - „Sie sollen nicht raten.“ - Uups, hoppla, stimmt, warum hab ich nicht daran gedacht.

    Das kurze Telefonat machte mir deutlich, dass mir ein gewisses Denken nicht geläufig ist, dass aber mein Gegenüber, die Polizei, ohne dieses Denken ihrer Arbeit gar nicht nachkommen kann.
    Wie schwammig war doch meine Vorstellung, als ich angerufen habe: In unserer Straße (die ist nicht gerade klein und befindet sich nicht gerade in einem Dorf und es gibt auch ein paar Nachbarstraßen) - eben noch im Bereich meiner Hausnummer xy - läuft ein älterer Mann von Haus zu Haus, der kein Deutsch spricht und einem einem Zettel hinhält. Achten Sie doch bitte mal auf den.

    Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, frage ich mich, wie ich das nicht im Blick haben konnte, dass die Polizei ohne eine etwas differenziertere Beschreibung den Mann, der mir selbst so unheimlich war, so gut wie gar nicht wahrnehmen kann. :rotwerd:


    Was ich sagen will: Ich habe oftmals Schwierigkeiten, von der sachlich-rationalen (Beruf) zur emotionalen (privat) Kommunikationsebene umzuswitschen. Das 4-Ohren Modell ziehe ich dann durchaus auch mal zur Analyse von Gesprächsführung heran.

    Moin Britt,
    diese deine Rückmeldung spricht mich an. Ich kann das gut nachvollziehen, dass dein Beruf bzw. die Kommunikation und das im beruflichen Alltag ab und zu auftretende Kommunikationsgefälle abfärbt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Beruf auch auf mich abgefärbt hat.

    Interessant finde ich deine Wortwahl „Bürger“ und diesen dann noch in Anführungszeichen. Wenn ich’s nicht im Zusammenhang deiner gesamten Ausführungen und im Kontext deines Berufes gelesen hätte, hätte ich meine Schwierigkeiten damit gehabt, weil dieser Begriff so und dann noch in Anführungszeichen in meiner Alltagskommunikation nicht verwendet wird, um mich und die Menschen, mit denen ich kommuniziere, zu bezeichnen. Ich musste mich noch nie so von meinen Kommunikationspartnern abzugrenzen, wie du das offenbar durch deinen Beruf gewohnt bist.
    Ich hätte mich gefragt: „Wieso verwendet die diese Bezeichnung „Bürger“ für mich und dann noch in Anführungszeichen? Ist das etwa ne vornehme Form der Abwertung?“

    Ich hab großen Respekt für alle die, die diesen Beruf ausüben, ingesamt drei Freunde von mir und einer meiner Cousins sind Polizisten.

    Zu der Kommunikation in dieser bestimmten Nachricht:
    Ich hab das so wahrgenommen:
    In deiner Formulierung verwendest du eine Du-Botschaft und unterstellst Orangina, dass sie dich falsch interpretiert hat.
    Dann nennst du das vier-Ohren-Modell lediglich.

    Für mich klingt das nach einer Aufforderung, dass dein Gegenüber Orangina jetzt ihr Verständnis deiner Nachricht reflektieren soll.

    Ich lese da ganz viel „Du“ heraus.


    Kommunikation ist, wie ich immer feststellen muss, mitunter eine überaus knifflige Sache und läuft eben nicht immer reibungslos. Ich weiß, dass ich selbst auch nicht immer ideal formuliere. Nicht aus Absicht, sondern im Eifer des Gefechts oder aus einer gewissen Laxheit heraus oder oder oder.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Das mit dem Anzünden einer Kerze finde ich gut. Mir hat vor einer kleinen Weile auch jemand diesen Vorschlag gemacht bzw. mich an diese Möglichkeit erinnert, als ich (wieder) einen mich besonders belastenden Trauermoment hatte.

    Die Kerze zu betrachten, ihre Wärme für mich wirken und sprechen zu lassen, hat mir gut getan.


    die heute nicht in ihrer realen Gruppe war. Habs nich geschafft. Am Sonntag ist die Verabschiedung von der jungen Frau. Wenn sie dann noch "lebt". Die Flüssigkeitszufuhr wurde heute Nachmittag auf der Palliativstation eingestellt.

    Kann ich nachvollziehen, dass du heute nicht unter Menschen gehen konntest, auch wenn du letztens mal schriebst, dass deine Gruppe auch und gerade für Zeiten, in denen es dir nicht so gut geht, geeignet ist....
    Sonntag ist also der Abschied....
    Heute Flüssigkeitszufuhr eingestellt ....
    Sehr, sehr traurig....
    Passt du auch auf dich gut auf!


    Ok. Also in solchen Foren entstehen eine Menge Freundschaften, Ehen und Kinder. Wenn man dort länger ist, ergibt sich das.

    (Kopf kratz) Wie bist denn jetzt auf DAS Thema gekommen?
    Also, das war es jetzt nicht, was ich meinte, als ich schrieb, dass Selbsthilfe für mich durch die Erfahrungen dort mehr ist als in erster Linie nur Wissensvermittlung.

    Inzwischen nehme ich wahr, dass so ein Forum durchaus auch eine Begleitung auf dem neuen abstinenten Weg sein kann. Man teilt seine eigenen positiven und auch negativen Erfahrungen auf seinem neuen Weg und andere antworten darauf mit ihren eigenen Erfahrungen. Ein solcher Austausch kann ermutigend und festigend sein.

    Zitat


    Aber das ist für mich anfänglich kein Grund, in so ein Forum zu gehen.

    Für mich gewiss auch nicht.

    Zitat


    Der anfängliche Grund ist, das ich ein Problem habe, für das ich eine Lösung suche.

    Und genau so war‘s ja auch bei mir. Mein Problem war einerseits meine eigene Abhängigkeit und andererseits meine EKA-Problematik. Zu letzterer war hier bei uns nicht soooo viel zu finden. Von jenem Forum dort erhoffte ich mir, andere EKAs zu finden und von denen für mich selbst dazuzulernen.

    Zitat


    Und ich gehe davon aus, anfänglich, bevor man da irgendwo reingewachsen ist, guckt man sich ja um. Im Netz ein Klick.

    Ja, irgendwie schon, aber jemand, der erstmal ganz viel still mitliest, bevor er überhaupt was sagt, bin ich nie gewesen....

    Zitat


    Man hat ja schon eine Auswahl getroffen, bevor man anfängt. Also geht man in ein Forum mit strengen Regeln oder in ein offeneres.

    Kommt drauf an.... In manchen Foren kannst du erst lesen, wenn du dich angemeldet und vorgestellt hast und freigeschaltet worden bist. Dort jedenfalls gab‘s im Vorstellungsbereich, als ich mich letztes Jahr angemeldet hatte, nicht sonderlich viel zu lesen. Für irgendwas freigeschaltet wurde ich aber nie, hab mich aber nicht wieder abgemeldet, sondern das so gelassen.

    Und dann hat sich der neue Betreiber des Forums bei mir gemeldet und da war ich dann für den offenen Bereich freigeschaltet und konnte lesen. Und was ich las, interessierte mich.

    Wie streng die Regeln sind, hab ich erst nach und nach gemerkt.... nixweiss0... Hab dann über deren Sinn nachgedacht und konnte damit leben, weil ich mir eh längst eingestanden hatte, Alkoholikerin zu sein, schon ein paar Monate abstinent war und für den Rest meines Lebens abstinent sein wollte.

    Und klar hab ich dann auch darüber nachgedacht, wie‘s bei uns hier so läuft und ich stellte für mich fest, dass beide Foren ihren ganz eigenen Charme haben und ich aus beiden etwas für mich mitnehmen kann.

    Insofern habe ich im Vorfeld nicht die Wahl „strenge oder nicht strenge Regeln?“ getroffen. Ich weiß noch nicht mal mehr genau, wie ich hier gelandet bin. Ich hab gewiss nach bestimmten Stichworten gesucht, dieses Forum hier gefunden und mich einfach angemeldet und vorgestellt. Ich hab das so gemacht, weil ich mit dem Rauchfreiforum, an das ich durch den Aufdruck auf den Zigarettenschachteln gekommen war, die Erfahrung gemacht hatte, dass man das so macht.

    Grüße
    AmSee


    Ich finde es sinnlos, in einem Forum jemanden vor irgendwas schützen zu wollen. Letztlich sammelt doch jeder alle Informationen, die er für seine Zwecke haben will. Wer aus einem Forum ist dabei, wenn Du zum Einkaufen gehst und vor dem Schnapsregal stehst? Wer ausser Dir selbst kann Dich da schützen?

    Ich finde den Austausch mit dir über diese Themen sehr interessant und denke auch gerne laut über Möglichkeiten und Grenzen solcher Foren nach.
    Ein schlechtes Gewissen habe ich, weil dieser Austausch eigentlich schon längst Oranginas Faden sprengt.
    In Ermangelung einer anderen Möglichkeit antworte ich dir trotzdem weiterhin hier.

    Mit Selbsthilfegruppen für Alkoholiker habe ich ja nun nicht sonderlich viel Erfahrung. Ich kenne nur dieses Forum hier und jenes andere Forum.
    Nachdem ich dieses Forum hier kennengelernt hatte, ergab sich, dass ich auch in jenes andere mal hineinschaute. Und so nach und nach ergab es sich, dass ich mich dort aktiver einbrachte. Es interessierte mich und es war (und ist) dort auch deutlich mehr los als hier. Dort lief‘s allerdings anders als hier und ich versuchte zu verstehen, aus welchen Gründen es dort so läuft, wie es dort eben läuft. Und in dem Zusammenhang machte ich mir natürlich auch Gedanken um deren Regeln.

    Nimm als Beispiel, dass das Thema „Kontrolliertes Trinken“ dort gar nicht erst diskutiert wird.
    Ich hab darüber nachgedacht, warum die das da so handhaben, und kam für mich zu der Erklärung, dass dem Schutz der Neuankömmlinge dienen müsse.

    Ich hab mich auch gefragt, warum du erst einen (kontrollierten) Entzug hinter dir haben musst und die feste Absicht haben musst, den Rest deines Lebens abstinent sein zu wollen, bevor du überhaupt für den offenen Austausch freigeschaltet wirst.
    - Ich erinnere mich gut: ICH hätte dort vor einem Jahr, als ich am Anfang stand, keine Chance gehabt. - Diskutiert hab ich das Thema übrigens mal mit einem der Mods...

    Tja, wo liegen Möglichkeiten, wo die Grenzen eines Forums. Ich kann das nicht beantworten. Hinter Regeln kann ich dann stehen, wenn ich selbst sie für sinnvoll erachte.

    Dort nehme ich es jedenfalls so wahr, dass du erstmal einen Leitfaden an die Hand bekommst, der auf den guten Erfahrungen der sogenannten Alten Hasen beruht. Ich finde das im Grunde gar nicht so schlecht, selbst wenn ich selbst mit gewissen Nutzern dort und gewissen Äußerungen und Ratschlägen so meine Schwierigkeiten hatte und habe.

    Ich hab auch dort sehr viel für mich selbst hinzugelernt und wahrgenommen, dass die Reflexion über diesen oder jenen Rat oder Hinweis letztlich meinem Selbstschutz bzw. dem Aufbau eines solchen Schutzes gedient hat.

    Meine Auffassung von Selbsthilfe hat sich durch die Erfahrungen mit und in jenem Forum verändert. Inzwischen ist das für mich nicht mehr in erster Linie nur Wissensvermittlung.

    Grüße
    AmSee