Ich hab mal wieder Lust auf ein Lebenszeichen in meinem Faden hier. ![]()
Das Leben ohne Alkohol gefällt mir ausnehmend gut. Ab und zu denke ich noch an die Situationen, in denen mir das Trinken von Sekt, Wein oder Glühwein so selbstverständlich und angemessen schien, und kann es mitunter kaum fassen, wie sehr sich mein Denken diesbezüglich geändert hat.
Ich erinnere mich, wie müde und erschöpft mich das Trinken immer gemacht hat und wie es mich frustriert hat, dass ich nicht einfach rechtzeitig aufhören konnte, bevor es zu viel wurde.
Ich erinnere mich, wie ich immer wieder diese Tests gemacht habe, um mich zu versichern, dass ich noch im grünen Bereich lag und weiter Alkohol konsumieren durfte. Angst hatte ich, auch dort zu landen, wo mein Vater gelandet war.
Was hab ich mir doch von dem „Genuss“ versprochen!
Ich erinnere mich, wie Susanne mir antwortete: „So wie Du das trinken hier anpreist, werde ich sicher keine Anstrengungen unternehmen, Dich vom Gegenteil zu überzeugen.“
Heute, nachdem ich so viele andere Erfahrungsberichte gelesen habe, mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und beschäftigt habe, kann ich sehr gut nachvollziehen, was sie damals gemeint hat.
Ich bin froh und dankbar, dass es bei mir Klick gemacht hat und dass sich das Leben ohne Alkohol als so zufriedenstellend herausgestellt hat.
Er fehlt mir kein bisschen, der Alkohol.
Was für eine merkwürdige Geschichte!
Heute frage ich mich, warum das Trinken in unserer Gesellschaft soooo selbstverständlich ist. Klar weiß ich, wo das ursprünglich herkommt, aber ich frage mich, warum es genau so geworden ist, wie es bei uns nun ist.
Keine Feiergesellschaft, kein gesellschaftliches Event denkbar ohne Alkohol. Filme, in denen kein Alkohol konsumiert wird, lassen sich fast an einer Hand abzählen. Gehe ich im Sommer durch die Fußgängerzonen, sehe ich Alkohol auf den Tischen im Außenbereich. Gehe ich ins Restaurant sehe ich Wein oder Bier auf den Tischen der anderen Gäste stehen. Und und und.
Diese Regel, dass für eine Frau ein Glas am Tag, für Männer zwei Gläser unbedenklich und sogar gesundheitsförderlich sei, ist mir noch im Kopf. „Was für ein Unsinn!“, denke ich heute, da mir bewusst ist, dass Alkohol eigentlich ein Nervengift ist.
Und wer dann die vielen Schattenseiten des Alkoholkonsums kennenlernt und da gibt es soooo viele traurige Erfahrungsberichte, fragt sich, warum da nicht gesamtgesellschaftlich ein Umdenken stattfinden kann. Mit Zigaretten hat‘s doch auch geklappt.....
Nun, es ist, wie es ist. Ich bin froh und dankbar, die Kurve gekriegt zu haben und ich arbeite weiterhin daran, dass es auch so bleibt.
Mit großer Freude darf ich erleben, dass auch bei meinem Mann ein Umdenken stattgefunden hat. Trank er anfangs nur solidarisch mit mir keinen Alkohol, wenn ich dabei war, verzichtet er heute weitestgehend sogar dann auf Alkohol, wenn er in entsprechender Gesellschaft ist. Vor einer Weile hat er sich noch Gedanken gemacht, sich auszuschließen, wenn er in bestimmten Gesellschaften ist, und deshalb nicht auf Alkohol verzichten zu wollen.
Inzwischen fragt er sich, warum er sich den Alkohol denn überhaupt antun solle und bemerkt an sich, wie gut es ihm tut, nicht getrunken zu haben, obwohl‘s bei ihm sonst wirklich nur ein bis zwei Bier waren.
Letztens hat er seiner Familie, die bei uns anlässlich meines Geburtstages zu Gast war, mitgeteilt, dass wir bei uns keinen Alkohol mehr ausschenken und dass wir auch keinen mehr im Haus haben. - Das stimmte nicht ganz, da wären noch ein oder zwei Flaschen gewesen. Geschenke, die er im vergangenen Jahr bekommen hat. - Könnt ihr nachvollziehen, wie mich das gefreut hat, als er seiner Familie das gesagt hat?
Sie wissen zwar, dass und warum ich nicht trinke, aber bislang war für sie selbstverständlich, bei Zusammenkünften das eine oder andere Gläschen zu konsumieren.
Echt, Leute, ich kann’s mitunter kaum fassen, was sich da bei mir und uns verändert hat, und ich bin sehr, sehr dankbar für diese Veränderung.
Viele Grüße
AmSee