Hallo Nana!
Mir ging das mit meinem Mann ganz ähnlich. Ich hab ihm gegenüber meinen Konsum in der Regel nicht verheimlicht. Ich schreibe „in der Regel“, weil ich die wahren Mengen zuletzt doch etwas verschleiert habe, um eben nicht von ihm darauf angesprochen zu werden. Ich mochte es nämlich ganz und gar nicht, wenn er mich auf meinen Konsum ansprach. Ich glaubte tatsächlich, er übertreibe mit seiner Sorge, weil er wusste, dass mein Vater Alkoholiker war.
Und dann kam bei mir irgendwann dann doch der Punkt, an dem mir mein Konsum richtig unheimlich wurde, weshalb ich mich dann hier im Forum angemeldet und mich vorgestellt hatte.
Nachdem ich mich dem Thema endlich gestellt hatte, habe ich ziemlich bald meinen Mann eingeweiht und ihm von dem erzählt, was ich so nach und nach erfahren habe. Das hat zum einen mir selbst noch mehr Klärung gebracht, es hat zum anderen aber auch ihn sehr nachdenklich werden lassen, was seinen eigenen (übrigens wirklich harmlosen) Konsum und den Konsum unserer Umgebung (Freunde, Familie, Kollegen, Nachbarn usw.) betrifft. Inzwischen trinkt mein Mann von sich aus ebenfalls überhaupt keinen Alkohol mehr, und das schon seit über einem Jahr, obwohl er zweifellos kein Alkoholproblem hatte, sondern zu den Menschen zählte, die tatsächlich „ganz normal“ Alkohol konsumieren können.
Ich verstehe was du mit dem Weg meinst. Ich empfinde es für mich so, dass ich einen Mentor / Mentoren brauche.
Ich hatte das nach deiner Vorstellung übrigens auch so verstanden, dass du deinen Weg allein gehst, d.h. mehr oder minder ohne Unterstützung von anderen.
So, wie du das hier schilderst, klingt das anders und es trifft meines Erachtens das, was Greenfox in jener Wahrheit angedeutet hat. Du wirst den Weg nicht gänzlich allein gehen, wenn du dir einen Mentor/ Mentoren suchst. Ob das jemand in einer realen SHG vor Ort ist oder jemand in einem Forum wie diesem, hängt meines Erachtens von den jeweiligen persönlichen Bedürfnissen ab. Meine „Mentoren“ hab ich in diesem und in einem anderen Forum „gefunden“.
Ob du dich allgemein outen solltest oder nur gegenüber ausgewählten Personen, wirst du selbst am ehesten einschätzen können. Ich hab von einigen Alkoholikern gehört bzw. gelesen, dass ihnen das geholfen hat, sich mehr oder minder allgemein zu outen. Reaktionen sollen bei denen oft auch ganz anders, d.h. viel besser verlaufen sein, als erwartet. Sich zu outen kann ein Selbstschutz sein, zum einen weil dir dann nicht immer wieder Alkohol angeboten wird, den du ablehnen musst, zum anderen weil ggf. Rücksicht auf dich genommen wird und möglicherweise aus Respekt vor dir eben kein Alkohol in deiner Gegenwart konsumiert wird. Und drittens schließt du dir damit eine mögliche Hintertür.
Ich selbst aber habe mich ebenfalls nicht öffentlich geoutet, sondern nur gegenüber ausgewählten Personen. Das hat bei mir mit fehlendem Vertrauen zu meinem Umfeld zu tun. Ich erwarte da eher weniger Verständnis, sondern eher Hindernisse. Auf die möchte ich aus Selbstschutz dann doch lieber verzichten.
Zweifellos war dein Urlaub war für dich Konfrontation und mir fallen auf Anhieb ein paar trockene Alkoholiker ein, die dir von einer Konfrontation dieser Art abgeraten hätten, aber ich hätte in deiner Situation bestimmt ebenfalls nicht auf den Urlaub verzichtet oder meinen Ausstieg verschoben. Ich kann ziemlich gut nachvollziehen, wie erleichternd sich das angefühlt hat, nicht über das Trinken und die zum Scheitern verurteilten Kontrollversuche nachdenken zu müssen. - Glückwunsch übrigens zu den schönen (krassen) Aha-Erlebnissen! Mögen noch viele weitere solcher Aha-Erlebnisse folgen!
Ich hatte dich allerdings so verstanden, dass du generell den Weg der Konfrontation gehen willst. Und ich habe diesbezüglich eher noch weiter gedacht, wie z.B. gesellschaftliche Runden, in denen Alkohol konsumiert wird, oder daran, dass sich noch Alkohol in deiner Wohnung/ deinem Haus befindet, usw.
Gewiss gibt es etwas wie „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ und besteht umgekehrt definitiv die Möglichkeit, sein Verhalten durch Mentales Training zu verändern, nicht ohne Grund habe ich geschrieben, dass es zwei Wege gibt, sich den Situationen zu stellen.
Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit diesem Thema und dem, was ich mir inzwischen darüber an Wissen angeeignet habe, ist mir nur bewusst geworden, warum viele der mir bekannten erfolgreich abstinenten Alkoholiker zumindest anfangs eher den Weg der Vermeidung gehen. Deshalb habe ich dich darauf angesprochen. Und es interessiert mich durchaus, welche Erfahrungen du auf deinem Weg machst. Mir selbst bekannt ist bislang nur eine Person, die von Anfang an den Weg der Konfrontation gegangen ist und damit Erfolg hatte.
Ich selbst hab diesen Suchtdruck in Bezug auf Alkohol ein Mal erlebt und es war reichlich knapp, dass ich das ohne Rückfall überstanden habe. Ohne Hilfe hätte ICH das in dem Moment nicht überstanden, weil’s mich völlig überrascht hat. Ob ich im Falle eines Rückfalls den Absprung gleich wieder geschafft hätte, weiß ich nicht, ich bezweifle es.
Auf mich wirkst du übrigens nicht überheblich und ich hoffe, dass meine Beträge ebenfalls nicht überheblich rüberkommen.
Beste Grüße
AmSee