Beiträge von AmSee13

    Okay, ich spare mir meine Zeit: Da Du es besser weisst als Andere, die es schon seit Jahren geschafft haben, trocken zu werden (im Gegensatz zu Dir) - mach, was Du willst.
    Aber schließe nicht von Dir auf Andere!!

    Ab sofort werde ich mich weiterer Kommentare enthalten.

    Ich wünsche Dir alles Gute!

    Greenfox

    P.S.: Greenfox‘ Reaktion kann ich übrigens ziemlich gut nachvollziehen.

    Mach‘s, wie du willst, aber schließe nicht von dir auf andere.

    Es gibt Menschen, die so eine stationäre Entgiftung wirklich ernst nehmen und als echte Chance begreifen und ergreifen….

    Hallo Habssatt,
    schön, mal einen Zwischenstand von dir zu hören, schade für dich, dass du wieder auf Anfang bist.

    Lass dir von mir mal folgende Frage gefallen:
    Was lässt dich glauben, dass dein Weg, der bislang nicht wirklich funktioniert hat, DIESES MAL klappen wird?

    Um ein Bild zu benutzen: Dein stetes Versuchen erinnert mich an jemanden, der sich mit seinem Auto im Schnee fest gefahren hat, wieder und wieder aufs Gas tritt, die Reifen durchdrehen lässt und sich noch tiefer festfährt.

    Interessant übrigens, was du von der Zeit erzählst, die deiner längeren Abstinenzphase vorausging: Von außen betrachtet, lag dein Erfolg nämlich nicht nur daran, dass du bei einem verschreibungsfreudigen Suchtmediziner warst und entsprechende Medikamente bekommen hast….

    Ich sag‘s dir ganz ehrlich: Du glaubst, dass DU ALLEIN das vom Kopf her im Griff hast bzw. in den Griff bekommen kannst, aber ich denke, das du dich diesbezüglich täuschst.
    Du bist nun einmal süchtig und dein Suchtgedächtnis hat jede Menge Tricks auf Lager, um dich wieder „auf Spur zu bringen“.
    Da geht im Gehirn einfach sooooo viel ab, was sich deiner kognitiven Kontrolle nun einmal entzieht.


    Zuletzt, ist mir egal ob das wie eine Ausrede klingt, war es auch eine enorme innerliche Abwehr täglich die Tabletten (Levetiracetam, Diazepam) nehmen zu müssen. Das war ja Dämmerzustand den ganzen Tag fast, das war ich nach 2-3 Tagen definitiv leid. Dagegen wirkten 5-6 Biere ja geradezu belebend.

    Ich sehe das nicht als Ausrede, denn es schildert ziemlich genau, was da im Kopf während des Entzugs so abgehen kann. Du hast eben nicht die Kontrolle, von der du glaubst, dass du sie noch hast.
    Übrigens dürfte dein Suchtgedächtnis bei diesem Versuch mächtig hinzugelernt haben und wird es in Zukunft GEGEN dich verwenden.


    Schon seit Monaten bin ich nun schon in einem Hin und Her. Ich erlebe mich bis zu einem gewissen Grat unter Biereinfluss relativ funktionabel, während umgekehrt der medikamentöse Entzug radikal depressiv ist.

    Das gehört zum Beispiel dazu. Um das Bild von vorhin nochmals aufzugreifen: Du bist dabei, dich ordentlich festzufahren.

    Und zu den Entzugserscheinungen:
    Denk mal drüber nach: Wenn du keine hättest und leicht da raus kämest, würdest du dir leicht vormachen können, kein Alkoholproblem zu haben.
    Wenn du‘s aber geschafft hast und tatsächlich abstinent kannst, dürften es u.a. die Erinnerungen daran sein, die dich von erneutem Trinken abhalten können.

    Was die stationäre Entgiftung betrifft und den „Gang zum Kiosk“: Das läge dann ja in deiner Hand/ Verantwortung, ob du einen solchen Gang machst…
    Denk mal darüber nach, ob du dir deine Vorstellung über einen stationären Aufenthalt nicht einfach so zurechtbiegst, wie’s dir grad passt.
    Die Option, auf einer Station etwas mehr professionelle Aufsicht und ggf. Ansprechpartner zu haben, hast du nämlich völlig außer Acht gelassen.

    Das letzte Mal hattest du dir Sorgen wegen deines Jobs gemacht, aber du musstest du dir doch weitere Krankmeldungen holen, weil’s doch nicht so hingehauen hat, wie du dir vorgenommen hattest….

    Grüße
    AmSee


    Aus Gründen der Selbstfürsorge bleibe ich bei solchen (bzw. allen) Veranstaltungen nur solange, wie ich es für mich gut befinde.

    So handhabe ich das auch.


    Die Nachschubbeschaffung hätte ICH schon lange nicht mehr miterlebt.

    Das kann ich gut nachvollziehen.
    Normalerweise wäre ich auch gar nicht mehr dabei gewesen, weil’s bei mir interessanterweise nicht mehr so spät wird wie früher. Keine Ahnung, warum, bin eigentlich immer ein Nachtmensch und gewiss kein Morgenmensch gewesen und habe oft einen großen Teil meiner Arbeit am Abend und in der Nacht erledigt. Vielleicht kennst du den berühmten „Flow“. In den vergangenen Monaten aber bin ich für meine Verhältnisse ziemlich früh müde gewesen und zu Bett gegangen.

    Diesmal wurd‘s länger und es passte irgendwie, wobei ich definitiv VOR den anderen gegangen bin, die wohl noch bis in die frühen Morgenstunden zusammengesessen und gebechert haben.


    Ich habe zu Beginn meiner Abstinenz gemerkt, dass es für mich nicht mal das Schwerste war, auf der Veranstaltung nicht zu trinken. Das Verlangen kam meist erst hinterher.
    Zum Einen als Belohnung, es "geschafft" zu haben. Und zum Anderen habe ich es früher sowieso immer so gehandhabt, auf dem Event nur sehr mäßig bis garnicht zu trinken - aber danach den Pegel durch Druckbetankung aufzufüllen ...

    Das kann ich auch gut nachvollziehen, wobei es bei mir schon im Laufe des ersten Jahres und erst recht in diesem meinem zweiten Jahr anders damit ging und geht. Nach diesem einen Suchtdruck-Erlebnis im vergangenen Sommer, als ich mich so richtig mit Alkohol abschießen wollte, habe ich an meiner Einstellung zu meiner Abstinenz gearbeitet.

    Ausgelöst wurde dieses Suchtdruck-Erlebnis offenbar durch das Empfinden, mich dafür zu bedauern, nicht mehr Alkohol trinken zu DÜRFEN.
    Das ist inzwischen völlig anders. Ich bedaure mich definitiv nicht mehr dafür, abstinent sein zu müssen, sondern empfinde es im Gegenteil als wahre Wohltat, abstinent sein zu DÜRFEN. Es ist, wie wenn ein Schalter gänzlich umgelegt worden wäre, und ich hege keinerlei Bedürfnis, daran jemals wieder etwas ändern zu wollen.


    Das Verhalten jener Kollegen habe ich eher mit einer Mischung aus Belustigung, Unverständnis und Bedauern zur Kenntnis genommen, ohne mich dabei erhaben oder überheblich zu fühlen. Warum sollte ich mich auch erhaben fühlen, ich war ja eine ganze Weile ähnlich wie die, hab fleißig mitgebechert und hielt das für lustig und „normal“.
    Heute sehe ich das von außen völlig anders und es hat jeglichen Reiz für mich verloren. Und ich bin außerordentlich froh und erleichtert, dass das so ist. Wie schon öfter beschrieben, kommt’s mir vor, als sei ich einer Gehirnwäsche entronnen.

    Da ich zu diesen Kollegen bzw. in solche Runden nicht mehr passe, hänge ich aber auch nicht mehr mit denen ab. Wenn’s nur diese auf der Feier gegeben hätte, wäre ich gewiss früher gegangen, denn das besoffene Gelaber und Gehabe hätte ich mir gewiss nicht geben wollen. Sollen sie’s so machen, ihre Sache, sind ja erwachsene Leute und gehen ihren eigenen Weg.


    Ich habe nur keinen Bock darauf, dass es mir so schlecht gehen sollte, dass ich vielleicht doch zur Flasche/zum Glas greifen könnte.

    --> Selbstfürsorge

    Ich hab da auch keinen Bock drauf und bin mir selbst inzwischen so wichtig geworden, dass ich gut Acht auf mich gebe. Anders als früher merke ich inzwischen ziemlich schnell, was mir gut und was mir eben nicht gut tut, und ich zwinge mich nicht mehr, länger irgendwo zu verweilen, wo‘s mir nicht gut geht.


    Da du aber das Stichwort „Belohnung“ ansprichst: Ganz, ganz leise hat sich letztens mal wieder diese Vorstellung von „Belohnung“ nach so einem Tag, an dem ich an einem meiner derzeitigen Handwerker-Projekte so richtig geschufftet habe, eingestellt. Hab dieser Vorstellung entgegnet, sie könne mich mal, und mir ein großes Glas Bitter Lemon mit Wasser (halb und halb) gegönnt. DAS ist im Moment mein Lieblingsgetränk. laugh2

    Grüße
    AmSee

    Hallo Kasimir,
    dann geht’s dir ähnlich wie mir, wobei ich nicht sagen würde, dass ich nicht an Alkohol denke. Natürlich denke ich dran, wenn ich hier im Forum lese oder schreibe oder wenn ich in meinem Umfeld mit Alkohol konsumierenden Menschen konfrontiert werde. Ich denke nur nicht daran, selbst (wieder) Alkohol konsumieren zu wollen, reizt mich so ganz und gar nicht.

    Trinkende Gesellschaften kann ich bei mir auch manchmal schlecht meiden, aber ich hab in meinem ersten abstinenten Jahr auch aktiv an mir gearbeitet, dass ich damit gut umgehen kann.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Kasimir,
    schön, wieder von dir zu lesen und dass es so gut bei dir läuft. 44.

    Dass du dein Jubiläum vergessen hattest, sehe ich auch als gutes Zeichen. Dein Fokus dürfte sich verändert haben.
    Du schreibst, dass du gar nicht an Alkohol gedacht hast. Lebst du in einer komplett abstinenten Umgebung, meidest du Gesellschaften, bei denen Alkohol konsumiert wird? Oder bezieht sich das darauf, dass du keinerlei Bedürfnis nach Alkohol verspürt hast, während deine Umgebung wie selbstverständlich weiter Alkohol konsumiert?

    Auf die nächsten hoffentlich entspannten abstinenten Jahre!
    :heartBalloon:

    Grüße
    AmSee

    Heute dürften einige meiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen mit einem mächtigen Kater aufgewacht sein, denn gestern Abend wurde der Abschied einer Kollegin mächtig gefeiert.
    Lustig war’s, doch mit zunehmendem Pegel drehte der eine oder die andere mächtig unangenehm auf. Wenn er oder sie sich selbst nüchtern hätte betrachten können, wär‘s ihm oder ihr gewiss peinlich gewesen. - Vermutlich ist es für solche Runden deshalb so wichtig, dass möglichst keiner nüchtern bleibt. - Später wurde sogar extra noch hochprozentiger Nachschub geholt, um den Durst nach mehr zu stillen.

    Und ich? - Ich trinke mein Bitter Lemon, meine Cola usw., bin lustig, humorvoll, vergnügt und bin von Anfang an einfach nur froh und erleichtert, nicht wie selbstverständlich Alkohol in mich hineinzuschütten. Ich bin froh, nicht mehr dieses wattige Gefühl im Kopf zu bekommen, das sich nach den ersten Schlucken Alkohols einstellt, bin froh, nicht mehr diesen schleichenden Kontrollverlust zu spüren, bin froh, nicht mehr diesen Durst nach MEHR zu spüren. Es fühlt sich so angenehm an, jederzeit Herr meiner Gedanken, meiner Emotionen, meiner Sprache, meines Benehmens zu sein.
    Und am nächsten Morgen nach solchen Feierlichkeiten wird mir immer wieder mit einem großen Gefühl der Erleichterung bewusst, wie schön das eigentlich ist, ohne Kater, ohne Kopfschmerzen, ohne Übelkeit aufzuwachen und mich eben gerade NICHT erschlagen und erschöpft zu fühlen, sondern fit und in der Lage, das tun zu können, was ich mir für den Tag eigentlich vorgenommen hatte.

    Er fehlt mir ganz und gar nicht der Alkohol und ich bedaure mich auch nicht dafür, bei Feierlichkeiten dieser Art keinen Alkohol mehr zu konsumieren. Abstinent zu sein und zu bleiben ist mir selbstverständlich geworden und es geht mir gut damit.

    Bis ich dahin gekommen bin, wo ich heute stehe, war‘s ein ordentliches Stück Arbeit, denn die Veränderung kam definitiv nicht über Nacht. Ich hab viel gelesen, viel geschrieben, mich viel in Selbstfürsorge geübt.

    Nach über 20 Monaten Abstinenz und Selbstfürsorge, Tätigkeit in dieser Online-SHG und einer weiteren hat sich meine Sicht auf dieses Thema verändert und erweitert. Und ich gehe davon aus, dass dieser Lernprozess für mich auch noch nicht abgeschlossen ist. Es kommt immer mal wieder etwas Neues hinzu. Nicht sooooo viel wie am Anfang, aber ab und zu doch noch mal eine Kleinigkeit hier und da.


    Selbstfürsorge ist mir ein besonderes Anliegen geworden. Nicht immer war und ist mir klar, was ich gerade eigentlich wirklich brauche. Manchmal möchte ich zwar das eine, aber Körper und Psyche erfordern etwas anderes. Dann heißt es das, was gerade ist, anzunehmen, Geduld mit mir zu haben und eben das zu tun, was gerade wichtig und erforderlich ist. Ich darf zufrieden mit mir sein, es läuft. ;)


    Beste Grüße
    AmSee

    Akzeptieren - dann handeln. Was auch immer der gegenwärtige Moment beinhaltet, akzeptiere es, als hättest du es dir so ausgesucht. Arbeite immer mit ihm, nicht gegen ihn. Mache ihn zu deinem Freund und Verbündeten, nicht zu deinem Feind. Das wird dein ganzes Leben auf wundersame Weise verändern.


    Eckhart Tolle

    Nun aber bringt doch den allergrößten Verlust an Lebenszeit das Hinausschieben mit sich. Man lässt gerade den bestehenden Tag verstreichen und bestiehlt die Gegenwart, weil man sich auf das Späterkommende vertröstet. Das größte Hindernis des Lebens ist die Erwartung, die sich auf den nächsten Tag richtet und das Heute verliert.

    Seneca d.J. „De Brevitate Vitae“ (Über die Kürze des Lebens)


    Dum differtur vita transcurrit. - Während (es) aufgeschoben wird, läuft das Leben vorüber.


    Seneca d.J., „Epistulae morales ad Lucilium“ (Ethische Briefe an Lucilius)


    Alle Stunden umfasse mit beiden Armen. So wirst du weniger vom Morgen abhängen, wenn auf das Heute du die Hand legst.

    Seneca d.J., „Epistulae morales ad Lucilium“ (Ethische Briefe an Lucilius)

    Hallo habssatt,
    ich hoffe für dich, dass es derzeit bei dir „läuft“.

    Ich hab mich nun mal kurz ein bisschen mit deinem AD beschäftigt.
    Wenn du dich inzwischen schon mal näher mit der Neurobiologie und -chemie beschäftigt hast, ist dir vielleicht schon der ungünstige Zusammenhang zu deinem Alkoholkonsum aufgefallen.

    Dein Alkoholmissbrauch dürfte dafür gesorgt haben, dass dein Körper zur Zeit noch weniger Dopamin selbst produziert, gleichzeitig sind im Gehirn sehr viel mehr Dopamin-Rezeptoren gebildet worden und die vorhandenen Rezeptoren reagieren weniger sensibel.

    Im Grunde hast du mit deinem Alkoholkonsum gegen das, wobei dir das Medikament eigentlich helfen soll, gearbeitet.


    In der ersten Zeit ohne Alkohol dürftest du deshalb Symptome eines Dopaminmangels zu spüren bekommen. Das kann sich ziemlich unangenehm auswirken/ anfühlen und natürlich auch Angst machen.
    Die Symptome, die du letztens geschildert hast, gehören dazu.

    Die gute Nachricht ist: Das geht vorüber, wenn du‘s durchziehst!

    Beste Grüße
    AmSee

    Der Philosoph sagte zu dem Straßenfeger: „Ich bedauere dich. Hart und schmutzig ist dein Tagewerk.“ Worauf der Straßenfeger antwortete: „Vielen Dank, Herr. Aber sage mir, was für eine Arbeit hast du?“ Der Philosoph antwortete: „Ich studiere des Menschen Geist, seine Taten und sein Verlangen.“ Da fuhr der Straßenfeger fort zu fegen, und sagte mit einem Lächeln: „Ich bedauere dich auch.“


    Khalil Gibran

    Dort wartete er in einem Hof zusammen mit seinen Kollegen, bis man ihm einen Besen und einen Karren gab und ihm eine bestimmte Straße zuwies, die er kehren sollte.

    Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit.
    Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter: Schritt – Atemzug – Besenstrich.
    Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat.
    Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte. “Siehst du, Momo”, sagte er dann zum Beispiel, “es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.”
    Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: “Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.”
    Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: “Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.” Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: “Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.”
    Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: “Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.”
Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: “Das ist wichtig.”

    Michael Ende, „Momo“ (Roman)


    Wenn ich an diese Stelle denke, habe ich dabei immer die Stimme des Sprechers im Ohr, der den Beppo vor vielen Jahren in einem Hörspiel synchronisiert hat. Hier ab der 5. Minute (5:20 - 6:45) zu hören:

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    Ob ich Alkohol etwas "Schönes" abgewinnen kann? Natürlich. Ich erlebe es zwar nicht mehr so, aber die Erinnerung an "schöne" Momente nicht nur mit Alkohol, sondern auch mit diversen Drogen, die ich mal nahm, sind noch da.

    Ich gehöre nicht zu den Abstinenzlern, die ihre Suchtvergangenheit verteufeln, auch wenn ich heute über Alkohol und Suchtmittel anders denke als früher und mich fühle, als sei ich einer Gehirnwäsche entronnen.
    Es war eben so, dass ich an den Alkohol geraten bin und ich habe damit auch recht lustige Zeiten erlebt. Fertig aus.

    Das Problem aber, wenn man süchtig geworden ist und aussteigen will, ist, dass das Belohnungszentrum/ Suchtgedächtnis mit diesen positiven Erinnerungen argumentiert und arbeitet. Das Negative wird dabei völlig ausgeblendet.

    Alkohol und Drogen sind nun einmal eine sehr bequeme „Abkürzung“ für etwas, was auf natürlichem und gesundem Weg nur mit (echter) Anstrengung zu erreichen ist.
    Einmal erlernt, merkt sich das Belohnungszentrum diese tolle „Abkürzung“ und wird sie immer wieder vorschlagen bzw. einfordern.

    Dummerweise ist diese „Abkürzung“ alles andere als harmlos, wie du selbst inzwischen bemerkt hast. In der Neurobiologie und -chemie des Gehirns ändert sich etwas. Da das Gehirn mit der Überflutung von Dopamin und Co sozusagen überfordert ist, ergreift es Gegenmaßnahmen. In der Folge muss die ursprüngliche Dosis immer weiter erhöht werden, um das Empfinden zu erreichen, das man als positiv kennen- und schätzen gelernt hat. Irgendwann aber kippt das Ganze und es wird nicht einmal mehr ein positives Empfinden erreicht, sondern man muss konsumieren, weil’s einem ohne den Stoff nur noch dreckig geht. Wie weit du bereits körperlich abhängig bist, kann ich nicht beurteilen, aber einen negativen Zustand, der beim Alkoholmissbrauch aufkommt, beschreibst du hier


    Daher ja: Mir erscheint Bier wie ein Medikament, ein relativ hartes Medikament. Aber es hat eine Langzeitwirkung die die totale geistige, körperliche und psychische Abschlaffung bedeutet. So erlebe ich das seit unzähligen Monaten.
    […]
    Ich habe, bis auf Einkaufen, während der Zeit meiner Krankschreibung, und das waren Wochen (!), 99% meiner Zeit alleine in meiner Wohnung verbracht. Und davor war auch noch Corona. Das Bier kettet mich in diese Situation.

    ziemlich deutlich.

    Vor diesem Hintergrund ist meine Frage an dich, ob du Alkohol etwas „Schönes“ abgewinnen kannst, zu verstehen.

    Ich denke, ein entscheidender Punkt ist, ob du dich dafür bedauerst, nicht mehr Alkohol trinken zu dürfen, oder ob du dich von etwas, das du als Negativ kennengelernt hast und worunter du ernsthaft leidest, befreien willst.

    Deshalb kann es für dich entscheidend sein, wenn du der Stimme, die von Selbstgeißelung spricht, entgegenzuhalten, wovon du dich da gerade befreist und was du gewinnst. Dein Belohnungszentrum/ Suchtgedächtnis wird dir immer mal wieder dazwischengrätschen, das liegt in der Natur der Sucht. Für diese Fälle brauchst du einen Notfallplan:
    Umgang mit Suchtdruck
    Notfallkoffer


    Passender Sinnspruch dazu:

    Wie beim Reiten: Nicht auf das Hindernis, sondern darüber schauen.

    Hugo von Hofmannsthal (1874 - 1929)


    Ansonsten kann ich dir nur empfehlen, dich hier durch die diversen Informationen und Threads zu lesen. Du wirst eine wahre Fülle an hilfreichen Informationen vorfinden.

    Beste Grüße
    AmSee

    Hallo habssatt.


    @AmSee: Ich weiss nicht woher der "innere Kritiker" kommt. Ganz psychoanalytisch könnte ich meine ambivalente Kindheit auspacken, also widersprüchliche Erziehung quasi durch Vater und Mutter. Aber das führt zu weit oder wäre eher etwas für Therapie, die ich hoffentlich machen kann.

    Die Fragen, die ich dir diesbezüglich gestellt habe, musst du hier auch gar nicht beantworten, sondern sie waren eher als Gedankenanregung gedacht.
    Ich bin kein Therapeut, sondern nur selbst Betroffene und abgesehen davon ist hier auch nicht der Ort für Beratung oder Therapie. Dafür solltest du dich an entsprechende Fachleute wenden, wenn das ein Thema für dich ist.

    Das mit dem sogenannten „Inneren Kritiker“ ist ein Thema, mit dem ich mich selbst schon eine Weile beschäftige und mir bereits einige Klärung und sogar Erleichterung gebracht hat. Ich bin bei mir selbst dabei, solche entwertenden, sabotierenden Inneren Stimmen, d.h. meinen negativen Umgang mit mir selbst, zu identifizieren, zu benennen und mich damit auseinanderzusetzen.
    Da ich alleine diesbezüglich nicht weitergekommen bin, habe ich mir schließlich einen Therapeuten gesucht. Ich erlebe dessen Hilfe derzeit als sehr, sehr wertvoll.

    Ob dieses Thema „Auseinandersetzung mit dem sogenannten „Inneren Kritiker“ auch ein Thema für dich ist, kannst nur du selbst entscheiden, der Gedanke daran drängte sich mir nur auf, als ich von diesen Stimmen bzw. Sätzen las, die dich während der ersten Tage deines Entzugs behindern bzw. sabotieren.

    Und da du von der Ruhe schriebst, die bei dir eine Grundvoraussetzung für einen Entzug ist, drängte sich mir eine Vorstellung deiner Strategie auf und mit welchen zusätzlichen Hindernissen und innerlichen Saboteuren du zu tun haben könntest. Insofern kämpft du in diesen ersten Tagen nicht nur gegen die körperliche Sucht, sondern auch noch gegen dich selbst und das macht die Sache für dich zu einem besonderen Kraftakt.

    In der Theorie steht der sogenannte „Innere Kritiker“ für gewisse Glaubenssätze, die wir im Laufe unser kindlichen Entwicklung gehört und verinnerlicht haben. Ursprünglich gehören solche Glaubenssätze nicht zu uns, aber irgendwann werden sie ein Teil von uns und wir sagen sie zu uns selbst. So ein Satz wie „Du schaffst das eh nicht.“ dürfte einer solcher Glaubenssätze sein, weitere sind denkbar.

    Auch die andere Stimme „Jetzt reicht es mal mit der Selbstgeißelung.“ ist eine Stimme, mit der du dich näher beschäftigen und auseinandersetzen könntest. Überleg dir mal, was du der entgegen könntest bzw. welche Perspektive du der aufzeigen könntest. Was gewinnst du, wenn du’s diesmal durchziehst, was verlierst du oder geschieht, wenn du rückfällig wirst.
    Auch diese Fragen musst du nicht hier und auch nicht mir beantworten.

    Kurz gesagt: Ich vermute aufgrund dessen, was du von dir erzählst, dass du dir selbst während der ersten Tage des Entzugs mächtig psychischen Druck machst. Den mit Medikamenten zu regulieren ist meiner Erfahrung nach schwierig bis kaum möglich, da wären andere Ansätze möglicherweise sinnvoller. Hilfe diesbezüglich weiß möglicherweise eine Suchtberatungsstelle, vielleicht auch deine Psychiaterin.

    Ob ich damit richtig liege, kannst nur du selbst entscheiden.

    Hilfreich ist es meines Erachtens auch, sich gerade nicht auf das Negative, sondern auf das Positive zu konzentrieren.
    Hilfreich können ebenfalls kleine „Belohnungsinseln“ und positive Sätze sein.

    Auf das andere werde ich so nach und nach in Ruhe antworten.

    Grüße
    AmSee

    Hallo habssatt.

    Ich fange mal von hinten an:


    Ich habe jetzt viel schreiben können/müssen, für Eure geschulten Ohren mit Sicherheit alles nix Neues, womöglich geradezu klassischer Verlauf.

    Ob das ein geradezu klassischer Verlauf ist oder für einige von uns hier „nix Neues“, spielt eigentlich keine Rolle, denn hier an dieser Stelle geht es gerade um DICH und wir können dich eigentlich nur kennenlernen, wenn du von dir erzählst.

    Mir hat übrigens am Anfang das Schreiben sehr geholfen, mich zu sortieren, und ich hab wahrlich VIEL geschrieben. Und glücklicherweise habe ich hier echt gute Gesprächspartner gefunden, die das ausgehalten haben und sich mit mir abgegeben haben.

    Beides kommt vor. Wobei die "beruhigende" Wirkung des Alkohols erst einsetzt, wenn ich wenigstens einen neuen Plan habe wie es weitergehen könnte und zwar mit dem Aufhören, z.B. am Mittwoch eben.

    Die Frage ist, ob du wirklich nicht mehr willst oder ob du dem Alkohol doch noch etwas „Schönes“ abgewinnen kannst.
    Mit Alkohol kann man negative Gefühle für eine Weile betäuben. Deshalb drängt sich dieses Mittel, einmal gelernt, ja immer wieder so gerne auf.
    Dummerweise gehen die Probleme davon nicht wirklich weg und das ist dir auch bewusst.


    Am schwierigsten finde ich den Entzug am 2. Tag, da schreit das Craving die ganze Zeit rum, und die Rückfallgefahr ist nach meiner Erfahrung direkt am Anfang sehr groß, z.B. an Tag 3 oder 4, wenn mir eine Stimme im Kopf sagt dass es jetzt auch mal reiche mit der Selbstgeißelung und ich es doch eh nicht schaffen würde.

    Hast du schon mal von sowas wie „Innerer Kritiker“ gehört?
    Diese Stimmen im Kopf könntest du mal näher zu identifizieren versuchen. Kennst du diesen Satz „Du schaffst das eh nicht.“ aus deiner Kindheit oder Jugend? Es dürfte nämlich ein Satz sein, der die in Kindheit oder Jugend implementiert worden ist und den du dann für dich in Form eines sogenannten „Inneren Kritikers“ verinnerlicht hast.
    Erinnere dich, wer einen solchen Satz zu dir gesagt haben könnte und was seine Motive hinter diesem Satz waren. Das erleichtert dir die Konfrontation mit dieser Stimme.

    Dass dieser Satz total entwertend und hinderlich ist, muss ich dir kaum sagen, und dass er nicht zutreffend ist, zeigt ein Blick deine Biografie.

    Solche Auseinandersetzungen mit kritischen, entwertenden Inneren Stimmen kosten unheimlich viel Kraft, deshalb lohnt es sich, diesem Thema mal näher nachzugehen. In unserer Bücherecke kannst du eine Buchempfehlung zu diesem Thema finden.


    Warum ich am liebsten gerne wieder arbeiten würde liegt auch an meiner Erfahrung dass ich oft an Tag 7 oder so auf einmal ohne ersichtlichen Grund wieder in eine Art Depression verfalle. Nicht unerklärliche Traurigkeit, sondern ein Gefühl von Leere. Und auch Sinnlosigkeit.

    Das hat mit der Neurobiologie der Sucht, genauer biochemischen Veränderungen in deinem Gehirn zu tun. Vielleicht wäre es für dich interessant und hilfreich, dich auch damit etwas näher zu beschäftigen. Du findest in unserer Linksammlung einen recht informativen Artikel zu diesem Thema.

    Mir selbst hat das Wissen über diese biochemischen Prozesse weitergeholfen, weil es für das, was mit mir passierte, eine für mich nachvollziehbare rationale Erklärung gab und ich mein Empfinden darin einordnen konnte.

    Kurz gesagt hast du durch deinen Alkoholmissbrauch dafür gesorgt, dass in deinem Gehirn sehr viel mehr Dopamin-Rezeptoren gebildet werden als es normalerweise sind. Dadurch, dass dein Gehirn wegen deiner Abstinenz nun nicht mehr mit Dopamin überflutet wird, werden diese Rezeptoren nicht mehr bedient, was dich eine Unterversorgung spüren lässt und zu diesem Gefühl von Leere und Sinnlosigkeit spüren lässt.
    Die gute Nachricht ist, dass sich im Laufe der Abstinenz im Gehirn wieder alles einpendelt. Es dauert nur eine Weile.

    Bis hierhin erstmal ein paar Anregungen von meiner Seite.

    Beste Grüße
    AmSee

    Hallo habssatt,
    Danke dir, dass du etwas mehr über dich schreibst, so kann zumindest ich mir eine genauere Vorstellung von dir machen und von dem, was dich so umtreibt.

    Dass du das Projekt nun wegen verschiedener Stressfaktoren, die gerade anstehen, abgeblasen hast, klingt für mich danach, dass du dich zwar mit den Entzugsmedikamenten näher beschäftigt hast, weniger aber mit dem restlichen Drumherum.

    Wie sehr solche „Kleinigkeiten“, wie du sie aufzählst, jemanden mit Depressionen überfordern können, weiß ich selbst krankheitsbedingt leider nur zu gut. Umso mehr aber frage ich mich, warum du dich mit deinem „ambulanten“ Entzug derart überforderst.

    Nun war ich selbst nicht wegen eines Entzugs in der Klinik, sondern wegen Depressionen, die bei mir VOR dem Alkohol kamen, aber ich erinnere mich gut an den Schutz der sogenannten „Käseglocke“, den ich damals als ungeheuer hilfreich kennenlernte. Die Klinik selbst war nicht so besonders dolle und ich würde, falls das nochmals notwendig werden sollte, gewiss eine andere wählen, aber sie hat mir zu jenem bestimmten Zeitpunkt das Leben gerettet.


    Ich empfinde es so dass eine Entgiftung nur möglich ist wenn alle Grundvoraussetzung wenigstens halbwegs in Ordnung sind.

    Das ist ja der Vorteil der „Käseglocke“ eines Klinikaufenthalts, er sorgt für die notwendigen Grundvoraussetzungen.

    Zum Entzug: Der körperliche Entzug ist das eine, viel interessanter, weil schwieriger, ist aber der psychische Entzug und genau dafür scheinen dir derzeit noch tragfähige Bewältigungsstrategien zu fehlen. Das würde jedenfalls erklären, weshalb dein Vorhaben zum zweiten Mal gescheitert ist. Und wenn du daran nicht wirklich etwas änderst, dürfte dein nächstes Vorhaben ab Mittwoch wieder auf ziemlich wackligen Beinen stehen.

    Als ich vor über 20 Monaten meine Alkoholabhängigkeit erkannte und mit dem Trinken aufhörte, habe ich so Manches, was ich in all der Zeit, seit ich diese Depressionserkrankung habe, gelernt habe, zur Bewältigung nutzen können.

    Du hast zwar den „Honeymoon“ des ersten Abstinenztages erlebt und überstanden, aber der allein hat noch nicht gereicht, um die auftretenden teilweise voraussehbaren „Kleinigkeiten“ zu überstehen.
    Darf ich dich fragen, wie sich das für dich anfühlt, dass du dein Vorhaben auch dieses Mal nicht umsetzen konntest? Setzt dir das zu oder bist du erleichtert, dich heute nochmals mit Alkohol „beruhigen“ zu dürfen?

    Beides dürfte nicht sonderlich gut für dich sein, weil es dich behindert.


    Wie wäre es, wenn du dieses Mal einen anderen Weg gehst?

    Da du dich eh von deiner Psychiaterin wegen „Depressionen“ hast krankschreiben lassen, könntest du mit ihr auch über einen Weg sprechen, ohne ein „Coming out“ einen Klinikaufenthalt auf dich nehmen zu können.

    Und wegen „Coming out“: Denk mal darüber nach, dass du, wenn du bei deiner Arbeit wegen „Depressionen“ ausfällst, für deinen Arbeitgeber u.U. weitaus unberechenbarer bist, als wenn du das eigentliche Problem offenlegst.
    Das heißt nicht, dass ich dir unbedingt zum „Coming out“ rate, das kannst letztlich nur du selbst ermessen, ob dir das Probleme einbringt oder deine Situation möglicherweise erleichtert.
    Ich weiß nur, dass es reichlich Probleme einbringen kann, wenn man sein Alkoholproblem nicht in den Griff bekommt und der Arbeitgeber zufällig Wind davon bekommt.

    Du kannst hier von Menschen lesen, die auf ein „Coming out“ überraschend positive Rückmeldungen bekommen haben.

    Vielleicht prüfst du für dich diese Option einfach mal?



    Die Beunruhigung wegen Diazepam kann ich wirklich verstehen, aber ich nehme das Zeug nur deswegen weil ich nicht Tiaprid sonstwie hochdosieren möchte. Denn in den Nebenwirkungen des Beipackzettels steht dass es den Herzrhythmus verändern kann und ich habe wirklich eine Phobie gegenüber speziell diesem Effekt, der natürlich auch während einer Entgiftung auftreten kann.

    Wenn ich das richtig verstehe, hast du über genau diese Ängste nicht mit deiner Psychiaterin geredet. Genau das wäre aber wichtig für dich gewesen. In den sieben Jahren seit ich Medikamente nehmen muss, habe ich erlebt, wie mein Psychiater insbesondere dann, wenn ein Wechsel oder ein zusätzliches Medikament infrage kam, immer wieder die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Medikamenten abklärt und mit mir bespricht. Nun magst du dich etwas näher eingelesen haben, aber ich frage mich, warum du dich diesbezüglich nicht mit ihr, die schließlich eine Fachfrau für diese Dinge ist, besprichst und ihrer Kompetenz vertraust.

    Gerade weil du alkoholabhängig bist, würde ich das Abhängigkeitspotential von Diazepam nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn das in einer Klinik so gemacht wird, ist das dennoch etwas anderes, als wenn du das zuhause auf Eigeninitiative machst und dann auch noch auf Zeugs vom Schwarzmarkt zurückgreifst. Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, warum du ein derartiges Risiko eingehst, insbesondere da du sonst so reflektiert zu sein scheinst.



    Wenn ich abstinent bin und auch wieder arbeite würde ich gerne hier wieder schreiben und berichten dürfen. Dass der Alltag überhaupt nicht einfach sein wird ist mir vollkommen klar. Die ganzen Assoziationen Arbeit > Feierabendbier sind wie eingefräste Automatismen. Und wie ist es mit im Sommer Freunde treffen? Wenn die dann alle eine Flaschenbier trinken? Natürlich wird das überhaupt nicht einfach.
    Hauptproblem für mich ist der Umgang mit seelisch/psychisch stressigen Situationen. Auf die Arbeit beschränkt ist das noch halbwegs erträglich (obwohl ich mir da einen sehr krassen Job mit sozialen Interaktionen ausgesucht habe), aber selbst Besuche bei den mittlerweise greisen Eltern sind im Moment kaum vorstellbar ohne abends ein paar Glas Wein zu trinken.

    Wie gut ein Leben ohne Alkohol laufen kann, hast du ja schon einmal erlebt, daher hast du schon eine Ahnung, worauf du dich freuen kannst. Du kannst hier gerne wieder schreiben. Auf deine Fragen können wir dir gewiss ein paar weiterhelfende Antworten geben.

    Ich selbst bin inzwischen 20 Monate abstinent und bin mit meinem Alltag meistens (krankheitsbedingt manchmal nicht) ziemlich zufrieden. Alkohol spielt in meinem Leben überhaupt keine Rolle mehr und er fehlt mir auch ganz und gar nicht.

    Wenn bei dir Depressionen die sekundäre Diagnose ist, dann dürfte für dich möglicherweise sogar die Aussicht bestehen, dass die im Laufe deiner Abstinenz weniger werden oder sogar ganz verschwinden. Ich würd‘s dir wünschen.

    Zum Besuch einer SHG: Natürlich solltest du da nicht angetrunken aufschlagen, aber ich denke schon, dass du dich da hintrauen darfst. Überleg dir mal, was für eine überaus wertvolle Ressource du dir entgegen lässt, wenn du nicht hingehst.

    Beste Grüße und gute Besserung
    AmSee