Moin,
das freut mich richtig für dich, was für positive und interessante Entdeckungen du machst, und ich find‘s prima, dass du diese hier teilst. 44.
Dass du gestern totalen Jeeper nach Süßigkeiten hattest, finde ich nach dem, was ich mir über die Neurobiologie des Gehirns und über das sogenannte „Belohnungszentrum“ angelesen habe, erklärbar.
Das, was du üblicherweise Freitag für dich machst und worauf du dich freust, was bestimmte Botenstoffe ausschütten lässt, musste erkältungsbedingt ausfallen und ein tatsächlich adäquater „Ersatz“ war nicht zur Hand.
In solchen Fällen greift ein bestimmter Teil deines Gehirns auf etwas zurück, was es als schnell und sicher kennt. Und Essen, und in unserer Gesellschaft insbesondere Süßigkeiten, kennt es von der Wiege an.
- Gegen das Verlangen/ die Abkürzung zum Alk hast du in der letzten Zeit ja erfolgreich angearbeitet und mit der Umprogrammierung begonnen. -
Da auch du dir alles an Infos reinpfeifst, was du finden kannst (Willkommen im Club wikende091), wirst du das wahrscheinlich schon wissen.
Mir geht’s immer wieder so, dass ich‘s einerseits erleichternd finde, das zu wissen, es aber doch noch was anderes ist, am eigenen Leibe zu erfahren und entsprechend damit umgehen zu können…. Also, ich krieg‘s nicht immer hin :rotwerd:
Adäquaten Ersatz für solche Ausfallsituationen wirst du bestimmt irgendwann finden. Tatsächlich hilfreich bei allem möglichen Schmachtattacken ist, möglichst viel Wasser o.ä. zu trinken. Probier’s mal aus und beobachte, was passiert.
Wie sieht’s grundsätzlich mit Eigengewichtsübungen aus? Könnte das auch was für dich sein? Oder brauchst du einen Ersatz für das Ausdauertraining?
Da ich selbst krankheitsbedingt (MS) nicht den Sport ausüben kann, den ich gerne ausüben möchte und mich mitunter fast gar nicht bewegen kann, bin ich mal an ein „Feldenkrais-Seminar“ geraten. Das war auf Dauer leider nix für mich, aber die Information, dass der Bewegungsapparat „arbeitet“, wenn ich mir die Bewegungsabläufe nur bewusst vor Augen führe, mich darauf konzentriere, fand ich hoch interessant. Insbesondere wenn ich an das Schicksal dachte, mich möglicherweise irgendwann gar nicht mehr bewegen zu können.
Ich selbst komme aber besser mit Progressiver Muskelentspannung und mit Jin Shin Jyutsu zurecht.
Oder bin ich aktuell einer Bubble aufgesessen?
Mehr oder minder ja. 
Obwohl ich im Laufe der Zeit ähnliche Beobachtungen gemacht habe… Ich hab inzwischen aber auch andere kennengelernt.
Das, was du beobachtet hast, hat seine Gründe….
Überleg mal, was für Leute in der Regel zu Selbsthilfegruppen gehen und sich da auch zu Wort melden.
In solche Gruppen gehen eher selten Menschen, bei denen „alles schick“ ist.
Im Grunde unternimmt man ja erst etwas, wenn der „Leidensdruck“ entsprechend hoch genug ist.
Wenn’s gut bei einem läuft, besteht eher wenig Neigung oder Interesse eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen.
Und interessant ist dann noch, aus welchen Motiven Menschen, die sich da ehrenamtlich engagieren, regelmäßig und langjährig dabei sind…..
Naja, und wenn du länger dabei bist und regelmäßig mitliest (hier ist allerdings nicht so viel los wie in dem anderen Forum, das du kennengelernt hast) triffst du immer wieder auf üble Schicksale, und auch das prägt natürlich deine Wahrnehmung und deine Wahrnehmung der schlimmsten Seiten dieser Sucht.
Und so weiter….
Ich war kurz in einer FB Gruppe, dort haben sich alle Mitglieder, egal ob kurz oder lang dabei mit "erfolgreiche, trockene 24h" zum Abschied gewünscht.
Also ganz ehrlich, wenn man mir erzählen würde, dass mein künftiges Mindset ist, dass sich jeden kommenden Tag darum drehen soll, trocken zu sein....dann kauf ich mir sofort ne Kiste Bier, damit ist lustiger. Gerade als "Graualkoholiker" ist das definitiv keine Motivation.
laugh2 Das ginge mir sehr wahrscheinlich ganz ähnlich….
Mein Mindset ist tatsächlich anders…..
Du wirst nicht umhin kommen, dir das suchen zu müssen, was zu DIR passt.
(Ich würde z.B. nicht in diese FB-Gruppe passen.)
Grüße
AmSee
P.S..: Zu Therapie: Ich hatte schließlich tatsächlich „Leidensdruck“, bin dummerweise zunächst an eine Therapeutin geraten, die, wie sich dann herausstellte, gar nicht für mich geeignet war und was für mich noch schlimmer gemacht hat. Da war dann der „Leidensdruck“ noch höher und zugleich hatte ich Angst, mich nochmals jemandem auszuliefern. Ich hab insgesamt 14 Therapeuten angerufen und wäre auch wöchentlich 50 Kilometer für eine Sitzung gefahren, ich hatte 13 Absagen. Als ich schon völlig entmutigt aufgeben wollte, durfte ich Therapeut Nummer 14 für ein erstes Gespräch aufsuchen und da passte von Anfang an alles.
Wie du schreibst, es muss entsprechend „Leidensdruck“ dafür da sein. Susanne hat aber auch auf etwas Wichtiges hingewiesen, was ich nur bestätigen kann.