Beiträge von AmSee13

    Hi NieTho,
    komme zur Zeit nicht dazu, dir zu antworten, deshalb dazu nur kurz:


    Auch wenn ich euch mit meinen Daten auf den Zünder gehe

    Also mir gehst du damit gewiss nicht auf den „Zünder“ und ich denke, dass du durchaus deine Begeisterung, die mit diesen Werten verbunden ist, hier teilen darfst.

    Ich find‘s jedenfalls schön, durch dein Teilen an der Euphorie deines Anfangs lesend teilhaben zu können. 44.

    Ich werd dir demnächst ausführlicher schreiben.

    Beste Grüße

    AmSee

    Moin,
    das freut mich richtig für dich, was für positive und interessante Entdeckungen du machst, und ich find‘s prima, dass du diese hier teilst. 44.

    Dass du gestern totalen Jeeper nach Süßigkeiten hattest, finde ich nach dem, was ich mir über die Neurobiologie des Gehirns und über das sogenannte „Belohnungszentrum“ angelesen habe, erklärbar.
    Das, was du üblicherweise Freitag für dich machst und worauf du dich freust, was bestimmte Botenstoffe ausschütten lässt, musste erkältungsbedingt ausfallen und ein tatsächlich adäquater „Ersatz“ war nicht zur Hand.
    In solchen Fällen greift ein bestimmter Teil deines Gehirns auf etwas zurück, was es als schnell und sicher kennt. Und Essen, und in unserer Gesellschaft insbesondere Süßigkeiten, kennt es von der Wiege an.

    - Gegen das Verlangen/ die Abkürzung zum Alk hast du in der letzten Zeit ja erfolgreich angearbeitet und mit der Umprogrammierung begonnen. -

    Da auch du dir alles an Infos reinpfeifst, was du finden kannst (Willkommen im Club wikende091), wirst du das wahrscheinlich schon wissen.
    Mir geht’s immer wieder so, dass ich‘s einerseits erleichternd finde, das zu wissen, es aber doch noch was anderes ist, am eigenen Leibe zu erfahren und entsprechend damit umgehen zu können…. Also, ich krieg‘s nicht immer hin :rotwerd:

    Adäquaten Ersatz für solche Ausfallsituationen wirst du bestimmt irgendwann finden. Tatsächlich hilfreich bei allem möglichen Schmachtattacken ist, möglichst viel Wasser o.ä. zu trinken. Probier’s mal aus und beobachte, was passiert.

    Wie sieht’s grundsätzlich mit Eigengewichtsübungen aus? Könnte das auch was für dich sein? Oder brauchst du einen Ersatz für das Ausdauertraining?

    Da ich selbst krankheitsbedingt (MS) nicht den Sport ausüben kann, den ich gerne ausüben möchte und mich mitunter fast gar nicht bewegen kann, bin ich mal an ein „Feldenkrais-Seminar“ geraten. Das war auf Dauer leider nix für mich, aber die Information, dass der Bewegungsapparat „arbeitet“, wenn ich mir die Bewegungsabläufe nur bewusst vor Augen führe, mich darauf konzentriere, fand ich hoch interessant. Insbesondere wenn ich an das Schicksal dachte, mich möglicherweise irgendwann gar nicht mehr bewegen zu können.
    Ich selbst komme aber besser mit Progressiver Muskelentspannung und mit Jin Shin Jyutsu zurecht.



    Oder bin ich aktuell einer Bubble aufgesessen?

    Mehr oder minder ja. ;)

    Obwohl ich im Laufe der Zeit ähnliche Beobachtungen gemacht habe… Ich hab inzwischen aber auch andere kennengelernt.

    Das, was du beobachtet hast, hat seine Gründe….

    Überleg mal, was für Leute in der Regel zu Selbsthilfegruppen gehen und sich da auch zu Wort melden.
    In solche Gruppen gehen eher selten Menschen, bei denen „alles schick“ ist.
    Im Grunde unternimmt man ja erst etwas, wenn der „Leidensdruck“ entsprechend hoch genug ist.

    Wenn’s gut bei einem läuft, besteht eher wenig Neigung oder Interesse eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen.


    Und interessant ist dann noch, aus welchen Motiven Menschen, die sich da ehrenamtlich engagieren, regelmäßig und langjährig dabei sind…..


    Naja, und wenn du länger dabei bist und regelmäßig mitliest (hier ist allerdings nicht so viel los wie in dem anderen Forum, das du kennengelernt hast) triffst du immer wieder auf üble Schicksale, und auch das prägt natürlich deine Wahrnehmung und deine Wahrnehmung der schlimmsten Seiten dieser Sucht.

    Und so weiter….



    Ich war kurz in einer FB Gruppe, dort haben sich alle Mitglieder, egal ob kurz oder lang dabei mit "erfolgreiche, trockene 24h" zum Abschied gewünscht.

    Also ganz ehrlich, wenn man mir erzählen würde, dass mein künftiges Mindset ist, dass sich jeden kommenden Tag darum drehen soll, trocken zu sein....dann kauf ich mir sofort ne Kiste Bier, damit ist lustiger. Gerade als "Graualkoholiker" ist das definitiv keine Motivation.

    laugh2 Das ginge mir sehr wahrscheinlich ganz ähnlich….

    Mein Mindset ist tatsächlich anders…..


    Du wirst nicht umhin kommen, dir das suchen zu müssen, was zu DIR passt.

    (Ich würde z.B. nicht in diese FB-Gruppe passen.)


    Grüße
    AmSee

    P.S..: Zu Therapie: Ich hatte schließlich tatsächlich „Leidensdruck“, bin dummerweise zunächst an eine Therapeutin geraten, die, wie sich dann herausstellte, gar nicht für mich geeignet war und was für mich noch schlimmer gemacht hat. Da war dann der „Leidensdruck“ noch höher und zugleich hatte ich Angst, mich nochmals jemandem auszuliefern. Ich hab insgesamt 14 Therapeuten angerufen und wäre auch wöchentlich 50 Kilometer für eine Sitzung gefahren, ich hatte 13 Absagen. Als ich schon völlig entmutigt aufgeben wollte, durfte ich Therapeut Nummer 14 für ein erstes Gespräch aufsuchen und da passte von Anfang an alles.
    Wie du schreibst, es muss entsprechend „Leidensdruck“ dafür da sein. Susanne hat aber auch auf etwas Wichtiges hingewiesen, was ich nur bestätigen kann.

    Also der Gang in die Garage hatte was vertrautes an sich. Und zwar aus dem Grund, dass ich dort häufig getrunken habe. Mehr oder weniger heimlich. Und da dort noch die Bierkästen stehen war der Gedanke natürlich sofort da. Und auch die Erinnerung an das Gefühl, das ist schon ziemlich präsent.
    Ich bin einfach dran vorbei gegangen und hab mich dann wieder auf mein Fahrrad konzentriert. Eine gute Ablenkung mit AHA Effekten ist der Podcast "Ohne Alkohol mit Natalie", den ich parallel gehört habe. Da sind viele Dinge und Erzählungen drinnen, in denen ich mich wiederfinde.

    Das ist auf jeden Fall eine Situation, die sich für dich bewusst zu reflektieren lohnt.
    Mit der Konzentration auf das Fahrrad (in Verbindung mit Vorfreude auf die nächste Tour?) hast du deinem Belohnungszentrum auf jeden Fall etwas Gutes angeboten und mit der Ablenkung durch den Podcast mit AHA-Effekten deinem Gehirn Lernstoff.
    Wie sich diese Herangehensweise auf Dauer bei dir auswirkt, ob die Erinnerungen an das Gefühl beim nächsten Mal / bei den nächsten Malen schwächer oder auch mal stärker auftreten, dürfte interessant für dich werden.

    Mit dem Belohnungszentrum/ Suchtgedächtnis ist das meiner eigenen Erfahrung nach ´ne knifflige Angelegenheit. Mal läuft‘s gut und ein anderes Mal grätscht es dir einfach so dazwischen.
    Das kann dann mit einer unglücklichen Verkettung von mehreren Triggern zu tun haben, die du als einzelne gar nicht besonders wahr oder ernstgenommen hast, plötzlich aber einfach so Gedanken ans Trinken oder sogar Suchtdruck aufkommen lassen, das kann mit einer momentanen oder schon länger andauernden unausgeglichenen Lebenssituation zusammenhängen.

    Es liegt auf jeden Fall eine interessante Zeit vor dir.

    Für Freitag rate ich dir, ggf. eine Exit-Strategie in petto zu haben, FALLS du merkst, dass es dir doch zu viel wird, und damit du rechtzeitig für dich aus der Situation rauskommen kannst.
    Das kann amüsant sein, die Leute zu beobachten, wie sie zunehmend die Kontrolle verlieren, das kann, gerade wenn du dich noch nicht gut genug kennst, auch nach hinten losgehen, dass sich dir anschließend z.B. ein ausgeprägtes Gefühl, dich belohnen zu müssen, aufdrängt. Und noch kennt dein Belohnungszentrum die „Abkürzung“ mit Alkohol ziemlich gut….

    Bezüglich deiner Gedanken/ Erfahrungen mit dem anderen Forum: Da du selbst einen Beitrag im Faden von Blackisbeatifull hinterlassen hast, dürftest du auch das gelesen haben, was Susanne, Greenfox oder ich dir in diesem Zusammenhang antworten könnten.

    Was dein Erlebnis mit jener Psychotherapeutin betrifft: Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie hart das sein kann, an jemanden zu geraten, der/die nicht für einen geeignet ist. Und ein solches Erlebnis muss auch erstmal verdaut werden. Doch es lohnt sich u.U., einen oder mehr weitere Versuche bei anderen Therapeuten zu starten und dabei den oder die zu finden, der/ die tatsächlich passt. Wie völlig ungeeignet die eine Therapeutin für MICH war, wurde mir erst so richtig bewusst, als ich an einen geraten war, der wirklich zu mir passte und sich als echte Hilfe herausgestellt hat.


    Was übrigens oft kommt, in genau diesen Kreisen von ehemaligen Trinkern, ist die Unterstellung
    "ach, du siehst Dich als geheilt an? Dann glaubst Du wohl, dass Du wieder trinken kannst"

    Wie überall gibt’s eben auch unter ehemaligen Trinkern so‘ne und solche.


    Ich selbst würd‘ mich nicht als „geheilt“ bezeichnen, weil nach meinen Begriffen dieser Ausdruck irgendwie nicht passt. Ich würde mich aber auch auf solche Diskussionen nicht (mehr) einlassen. Ich muss mich niemandem gegenüber rechtfertigen. Wozu auch?

    Da es mich aber überhaupt nicht mehr interessiert, Alkohol trinken zu dürfen, da für mich inzwischen überhaupt kein Grund mehr denkbar ist, warum ich mir Alkohol antun sollte (denn so empfinde ich Alkoholkonsum inzwischen), spielt es inzwischen keine Rolle mehr, dass ich nicht (mehr) kontrolliert trinken kann.

    Als „geheilt“ würde ICH mich in Bezug auf die „Gehirnwäsche“, dass Alkohol zum Leben nun einmal dazugehöre, bezeichnen. ;)


    ABER, was leicht fällt verführt schnell zu Unachtsamkeit. Frei nach dem Motto: Siehst, bist nicht süchtig, kannst immer aufhören. Gönn Dir....Ne Ne....

    Gut, dass du das im Blick hast.

    Was Trigger-Situationen betrifft, wirst du ja schon eine Ahnung haben. Gestern in der Garage hast du dich jedenfalls einer ausgesetzt.

    Im Umgang mit Triggern und Triggersituationen gibt es zwei unterschiedliche Ansätze: Vermeidung ist der eine, Konfrontation der andere.

    Beide Ansätze haben meines Erachtens etwas für sich. Womit du selbst letztlich besser fährst oder ob du’s nach eigenem Ermessen mal so, mal so handhabst, kannst nur du selbst entscheiden.

    Ich rate lediglich dazu, bewusst damit umzugehen, um sich eben nicht leichtfertig einer Situation auszusetzen, die gerade am Anfang zu Überforderung und sogar zum Rückfall führen könnte.

    Und für den Fall, dass es doch mal knifflig werden sollte, rate ich dir möglichst einen Ausstiegsplan oder - um deine Wortwahl zu gebrauchen - eine oder mehrere „Waffen“ zur Hand zu haben, die im Ernstfall wirklich funktionieren bzw. „scharf“ sind.

    Wenn ich fragen darf: Wie war das denn gestern für dich und wie bist du konkret über den Druck hinweggekommen?
    Als positives Erlebnis wäre das sicherlich etwas, was sich für dich festzuhalten lohnt.

    Grüße


    Und wenn eines wirklich auffällt und greifbar ist, ich habe es oben ja schon gesagt, ist die weiterhin signifikante Verbesserung meiner Vitalwerte. Blutdruck und Ruhepuls. Der Ruhepuls ist sowohl nachts als auch tagüber deutlich niedriger geworden, als auch mein Schlaf deutlich erholsamer.

    Beim Blutdruck bin ich ebenfalls deutlich gesunken, ich war Anfang November beim CheckUp und dort wurde leichter-mittlerer Bluthochdruck diagnostiziert, Anfang Februar waren die Werte bei der Nachkontrolle leider deutlich höher und heute morgen war ich zum ersten Mal fast auf normalen Werten. Abends sowieso, nach Trinkstopp.

    Schon beeindruckend, so etwas am eigenen Leibe zu erfahren, nicht?

    Lässt im Umkehrschluss auch darauf schließen, was Alkoholkonsum so alles im Körper anrichtet bzw. anrichten kann.

    Ich hab mich anfangs noch durch so eine App begleiten lassen. Die zusätzlichen Infos zur Verbesserung meiner Gesundheitswerte fand ich interessant und ermutigend.

    Ich selbst hatte, als ich noch trank, zwar gelesen, dass Alkohol ein Nervengift ist und Schaden im Körper anrichtet, aber die Information hat mich nicht wirklich erreicht, ich wollte trotzdem trinken. Als ich durch die Verbesserungen im Laufe meiner Abstinenz am eigenen Leib erfuhr, welches Ausmaß mein Alkoholkonsum tatsächlich auf meinen Körper hatte, war‘s als fielen mir Schuppen von den Augen.

    Hallo NieTho,
    erstmal zu dem Begriff „Alkoholiker“.
    Rekonvaleszent hat dir diesbezüglich schon eine gute Antwort gegeben, in der auch ich mich wiederfinde.

    Wie du das, was mit dir ist, letztlich selbst bezeichnen möchtest, spielt eigentlich keine Rolle.

    Ich hatte mit diesem Begriff zunächst auch meine Schwierigkeiten, insbesondere weil ich durch meinen Vater, der ein nicht funktionierender Alkoholiker war, immer wieder rückfällig geworden ist und daran zugrunde gegangen ist, eine bestimmte Vorstellung vor Augen hatte.

    Inzwischen habe ich keine Schwierigkeiten mehr, ihn für mich zu verwenden, ich gebrauche ihn aber eigentlich nur hier im Forum, weil er kurz und knapp beschreibt, wie „bewandert“ ich in dem Thema bin.

    Ansonsten gebrauche ich diesen Begriff selten bis gar nicht. Ist für mich bislang als Schutz (denn das kann dieser Begriff auch sein) nicht notwendig gewesen.

    Für mich selbst ist das inzwischen tatsächlich nur ein Begriff, der kurz und knapp bezeichnet, dass
    - auch ich die Kontrolle über meinen Alkoholkonsum verloren hatte,
    - dass ich, als ich diese Erkenntnis endlich an mich ran gelassen hatte, die Reißleine gezogen habe und abgesprungen bin.
    - Und dass mir bewusst ist, dass ich wieder die Kontrolle verlieren würde, wenn ich wieder Alkohol trinken sollte.

    Als „selbstbestimmt“ erlebe ich mein neues Leben in Freiheit vom Alkohol definitiv und ich fühle mich, wenn ich diesen Begriff „Alkoholiker“ denn doch mal für mich verwende, nicht „krank“, weil Alkohol Dank meiner intensiven Selbstfürsorge in meinem Leben keine Rolle mehr spielt und ich nicht das geringste Bedürfnis verspüre, jemals wieder etwas daran ändern zu wollen. - „Krank“ ist für mich inzwischen eher der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol im Allgemeinen, aber das ist ein anderes Thema.


    Mein Herausarbeiten besteht im führen eines täglichen Tagebuches mit einem kurzen Abriss über den Tag und der eigenen Aufarbeitung von damaligen Erlebnissen, Begebenheiten etc die dazu führten das man in die Sucht purzelte.

    Das klingt gut, was du da vorhast, und es passt auch zu dem, was wir an Informationen unter Bewahrung der eigenen Abstinenz durch „Selbstfürsorge“ zusammengetragen haben.

    Die Blickrichtung auf das Positive und sei es auch nur eine Kleinigkeit, die am Tag wahrgenommen worden ist, verändert in der Wahrnehmung des eigenen Lebens enorm. Ich weiß das selbst ziemlich gut, weil ich noch von zwei recht schweren chronischen Erkrankungen betroffen bin, die in meinem Leben das eine oder andere Handicaps mit sich bringen, von denen ich mir das Leben an sich aber nicht vermiesen lassen will und nach Möglichkeit nicht vermiesen lasse. ;)

    Psychologie ist ein Thema, das auch mich sehr interessiert. Wenn dich das interessiert, interessiert dich dann vielleicht auch das Thema „Neurobiologie der Sucht“? In unserer Linksammlung haben wir einen Artikel zum diesem Thema verlinkt und in diesem Artikel wird unter "Empfohlene Artikel" auf weitere hochinteressante Artikel verwiesen/verlinkt. Sehr empfehlenswert zu lesen.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo und herzlich Willkommen, NieTho! :welcome:

    Dann beglückwünsche ich dich erstmal zu deiner ersten Woche in Freiheit und wünsche dir natürlich, dass noch viele, viele Tage, Wochen, Monate dazukommen.

    Kurz zu mir: Ich bin 50, w, Alkoholikerin und seit bald zweieinhalb Jahren u.a. mit Hilfe dieses Forums hier abstinent.

    Schau dich gern ein wenig hier um und, wenn du Fragen hast, nur heraus damit.



    Ja und dieses Gefühl im Brustbereich fühle ich wieder, es fühlt sich so seltsam vertraut an. Aber vielleicht deswegen habe ich eine Chance, weil ich dieses Mal nicht unbewaffnet bin.

    Wichtig ist - das weißt du wahrscheinlich schon - deine „Waffen“ zu üben und regelmäßig anzuwenden, damit sie im Zweifelsfall auch funktionieren.



    Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass ich für mich meine Abstinenz und meine Entscheidung positiv besetzen möchte. Ich möchte für mich jeden Tag herausarbeiten was mir Gutes widerfahren ist. Und was ich für neue Chancen und Möglichkeiten habe dadurch, das ich nüchtern bin.

    Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass das ein sehr hilfreicher Ansatz ist und du, wenn du das durchziehst, eine ungemein das Leben an sich bereichernde Erfahrung machen dürftest.
    Hast du schon eine Idee, wie du dieses „Herausarbeiten“ machen möchtest? Möglichkeiten gibt es dafür ja viele, nur, wenn die zu aufwändig sind, kommt der Vorsatz in der Regel zum Erliegen.


    Viele Grüße
    AmSee


    Ich weiß einfach nicht mehr weiter und verzweifle.

    Und genau darum geht es doch jetzt gerade für DICH.
    Du machst dir größte Sorgen um sie, nicht?

    Wenn du dir von ihr aufzwingen lässt, den Notarzt nicht zu rufen, obwohl es ihr wirklich schlecht geht und du um ihr Leben fürchtest (davon gehe ich aufgrund dessen, was du schreibst, aus), lässt du dir eine Verantwortung aufbürden, die du nicht tragen kannst.

    Hallo Snowflake,
    ich konnte dir nicht eher antworten, da ich anderweitig beschäftigt war. Ist die Situation für dich/ deine Freundin inzwischen etwas klarer/ besser geworden?

    Wenn deine Freundin nicht mitgehen will, kann man sie nicht dazu zwingen, das ist richtig.
    Richtig und wichtig ist für dich aber auch DEIN Selbstschutz, deshalb mein Hinweis, ggf. den Notarzt zu rufen.

    Deine Freundin mag mit Krankenhäusern schlechte Erfahrungen gemacht haben, aber ob ihre Pauschalisierung in diesem Fall angebracht ist? nixweiss0
    Wenn sie nicht mitgeht oder aber von dort, wo sie ggf. unter medizinischer Aufsicht wäre, falls es ernst ist/wird, abhaut, dann ist ihre Sache. Lass dich von ihr nicht in eine Verantwortung drängen, die du eigentlich nicht tragen kannst und auch nicht tragen solltest.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Snowflake,
    ich kann dir leider keine ärztliche Diagnose geben, ob sie Entzug hat, ins Dilirium fällt oder Flüssigkeitsmangel oder andere körperliche Ursachen hinter den Symptomen liegen, kann nur ein Arzt klären.
    Wenn du dir ernsthaft Sorgen um den Gesundheitszustand deiner Freundin machst, rate ich dir, ggf. den Notarzt zu rufen.
    Deine Freundin mag vielleicht nicht ins Krankenhaus gehen wollen, aber du musst dabei auch an dich denken und ggf. Selbstschutz betreiben, indem du die Verantwortung für sie an Menschen abgibst, die ausgebildet sind, zu beurteilen, ob ihr Leben gefährdet ist.
    Wenn ihr nämlich etwas geschieht, könntest du dir das nie verzeihen.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo und nochmals herzlich Willkommen, Linda. :welcome:

    Danke für deine Vorstellung, so kann ich etwas mehr abschätzen, was dich hierher geführt hat. Mir ist allerdings noch nicht ganz klar, wo du gerade stehst, deshalb möchte ich dir noch ein paar Fragen stellen.

    Kurz aber erstmal zu mir: Ich bin 50, w, Alkoholikerin und ich lebe seit bald zwei Jahren abstinent, was mir sehr gut bekommen ist. Mit deinem Krankheitsbild bin ich etwas vertraut, auch wenn ich selbst nicht darunter leide, sondern an einer anderen psychischen Erkrankung. Eine sehr gute Freundin von mir hat aber BPS.

    Nun zu meinen Fragen: Bist du wegen deiner psychischen Erkrankungen in ärztlicher Behandlung und, wenn ja, hast du das Thema Alkohol dort schon mal angesprochen?

    Trinkst du zur Zeit noch regelmäßig und entdeckst gerade, dass du nicht mehr ohne Alkohol zurecht kommst?


    Dass du den Alkohol zur Selbsttherapie missbraucht hast, kann ich recht gut nachvollziehen, ich hab das selbst auch gemacht und kenne daher das, was du als „Urlaub“ beschreibst.

    Das Problem dieses Alkoholmissbrauchs hast du allerdings inzwischen auch schon kennengelernt. Er macht es nicht wirklich besser, sondern man kommt sozusagen vom Regen in die Traufe.

    Diese unerträglichen Gedanken, wider besseren Wissens doch zum Alkohol zu greifen, haben etwas damit zu tun, dass dein Gehirn, genauer dein Belohnungszentrum gelernt hat, dass es mit Alkohol zumindest für eine Weile besser geht. Die negativen Seiten sind dort nicht gespeichert. Dass dein Gehirn das einmal gelernt hat, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Das einzige, was du tun kannst, ist, neue Wege kennenzulernen, zu gehen und einzuüben, bis sie sozusagen selbstverständlich werden.

    Nur mit Vernunft wirst du gegen diese unerträglichen Gedanken nicht ankommen, das hat mit bestimmten Botenstoffen zu tun, die ausgeschüttet werden, wenn dich etwas triggert.


    Aufgrund deiner Erkrankungen hast du noch mehr mit den unterschiedlichen Reizen zu tun als „normale“ Menschen. Daher bist du bzw. ist dein Gehirn noch mehr gefordert und du zum Teil überfordert. Umso mehr wirst du, wenn du keine andere Wege zum Umgang mit den verschiedensten Reizen und deine Erkrankung findest, mit den Gedanken, dir wenigstens zeitweise mit Alkohol etwas Linderung zu verschaffen, zu tun haben. Wohin dich das aber wiederum führt, merkst du gerade.

    Ich rate dir auf jeden Fall, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hast du das DBT-Training schon kennengelernt? Im Umgang mit deiner Erkrankung dürfte dir das eine sehr große Hilfe sein.

    Was sich allgemein bei Suchtdruck bewährt hat, ist, viel Wasser zu trinken, denn ist der Bauch erst voll, verringert sich der Druck. Als Sofortmaßnahme ist das jedenfalls hilfreich, langfristig müssen aber weitere Strategien her, möglichst auch, damit es gar nicht erst zu Suchtdruck kommt. Solche zu dir passenden Strategien wirst du dir nach und nach erarbeiten, je länger du dich mit dem Thema beschäftigst.

    Hast du dich in unserem Info-Bereich schon ein bisschen umgesehen? Unter dem Thema Bewahrung der eigenen Abstinenz durch „Selbstfürsorge“ haben wir zum Beispiel ein paar hilfreiche Informationen zusammengestellt.


    Ich hoffe, das hilft dir erstmal weiter. Bis…. ?

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo und herzlich Willkommen, Linda,
    magst du dich unter der Rubrik „Vorstellung“ etwas näher vorstellen, damit wir uns ein Bild von dir machen können und was dich hierher geführt hat?

    Hast du jetzt gerade Suchtdruck und suchst deswegen Hilfe?

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo IMR,
    aus deiner Vorstellung geht für mich nicht genau hervor, wie vertraut du mit der Problematik bist, dass/ wenn deine Partnerin ihre (psychischen) Probleme mithilfe von Alkohol therapiert.

    Alkohol ist in seiner Wirkung für jemanden mit psychischen Problemen sehr verlockend, er scheint so viel besser und schneller zu wirken/ zu helfen, als Medikamente, die z.B. bei psychischen Erkrankungen verschrieben werden. (Das die, die nicht abhängig machen, langsam und anders wirken, hat seine Gründe.) - Ich weiß natürlich nicht, ob deine Partnerin infolge der Behandlung ihrer psychisch stark belasteten Situation vor ein paar Jahren mit solchen Medikamenten vertraut ist.

    Ich selbst war eine Weile auf diesem Tripp. Ich wusste durchaus, dass das nicht unproblematisch ist, was ich da tue, aber erstens glaubte ich, das im Griff behalten zu können, und zweitens war mir da sozusagen „das Hemd näher als die Hose“.

    Wie problematisch das aber eigentlich war, was ich da gemacht habe, wurde mir erst wirklich klar, als ich mit dem Trinken aufgehört habe. Vorher hab ich das nicht wirklich an mich herangelassen, wollte (konnte?) das nicht wirklich sehen.

    Mein Mann hat mich immer mal wieder auf meinen problematischen Konsum angesprochen, aber das mochte ich gar nicht hören und es kam deswegen öfter zu Auseinandersetzungen. Ich war fest davon überzeugt, dass er keine Ahnung hat und ein Problem wahrnimmt, wo gar keines ist. Dass er letztlich doch richtig lag, bestätigte sich für mich erst, als sich bei mir selbst sozusagen der Schalter umgelegt hatte.

    Warum ich dir das erzähle: Bei deiner Partnerin selbst muss sich sozusagen der Schalter umlegen. Mitunter geschieht das, wenn sozusagen der Tiefpunkt erreicht ist. Von außen ist das nicht zu erzwingen bzw. von außen Erzwungenes ist selten bis nie von längerer Dauer. Deiner Frau muss von sich aus völlig klar sein, dass Alkohol eben kein Trost, kein Problemlöser ist. Ist sie denn überhaupt soweit?
    Wenn sie soweit ist, dann kannst du ihr letztlich nur Hilfe zur Selbsthilfe geben, die Verantwortung für ihr Leben muss sie selbst übernehmen.

    Ein Weg in die richtige Richtung ist auf jeden Fall, dass sie zum Arzt gegangen ist und über eine Langzeit-Reha nachdenkt. Wichtig ist, dass sie das von sich aus will und von sich aus angeht.

    Und ihren Ängsten könnte SIE auch begegnen, indem sie sich selbst informiert oder sich Hilfe sucht. Das kann sie bspw. in einem Forum wie diesem hier (hier bist allerdings jetzt du, das ist zu bedenken) oder bei einer Suchtberatung oder in einer SHG bei euch vor Ort tun. Möglicherweise ist auch ihr Arzt eine hilfreiche Anlaufstelle.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo und herzlich Willkommen auch von mir. :welcome:

    Kurz zu mir: Ich bin 50, w, Alkoholikerin und inzwischen seit fast zweieinhalb Jahren trocken. Mit Alkoholmissbrauch aufgrund psychischer Probleme bin ich, sagen wir’s mal so, nicht unvertraut.


    Ich habe Angst, nicht davor selbst wieder zu trinken sondern vor den Konsequenzen dieser ganzen unglücklichen Entwicklung. Auch davor hier jetzt das falsche zu tun. Im Moment reden wir viel aber es ist auch schwer ihr ihre Angst zu nehmen und sie auf ihrem Weg zu unterstützen..

    Es ist völlig verständlich und nachvollziehbar, dass du deiner Partnerin helfen möchtest, aber Greenfox hat absolut nicht Unrecht, wenn er dich mahnt, auf DICH aufzupassen und die gehörige Portion „Gesunden Egoismus“ nicht aus dem Blick zu verlieren.

    Gerade, weil du Angst hast, möglicherweise das Falsche zu tun, möchte ich dich daran erinnern, dass deine Partnerin als erwachsener, mündiger Mensch für sich selbst verantwortlich ist und ihre eigene Wahl und ihre eigenen Entscheidungen trifft.

    Natürlich kannst du sie dabei begleiten, wenn sie das zulässt und wünscht, aber sei dir dabei bewusst, dass nicht DU die Verantwortung für sie und ihr Leben trägst, sondern SIE ALLEIN und dass SIE selbst ins Handeln kommen muss.


    Du hast bislang für sie getan, was du tun konntest, d.h. offen über ihre Krankheit geredet. Wie du bemerkt hat, hat das bei ihr bislang leider nichts gefruchtet. Was du schilderst, ist ja leider typisch für Alkoholiker, die gar nicht mit dem Trinken aufhören wollen.
    Zu wünschen ist ihr und damit auch dir, dass SIE „den Schuss jetzt endlich gehört hat“ und für sich die entsprechenden Konsequenzen daraus zieht.

    Wenn sie das nicht tut, bist eigentlich nicht du derjenige, der etwas „falsch“ gemacht hat.

    Mit entsprechenden Konsequenzen dieser unglücklichen Entwicklung zu leben ist gewiss nicht leicht, umso bedeutender ist für dich deine eigene Selbstfürsorge.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo Schlaflos,
    das freut mich, dein Update zu lesen. 44.

    Auch von mir Glückwunsch zum Nachwuchs. Prima, dass du deine neue Freiheit schon mehr als vier Jahre aufrecht erhalten konntest. Das ist für dich und für deine Familie sooooooooo viel wert! :)

    Weiterhin alles Gute und viel Glück für dich und deine Familie.

    LG AmSee