Beiträge von AmSee13


    Meine Erfahrungen mit Schlagworten wie "Niedrigschwelliges Angebot" oder "Kontrolliertes Trinken" und weiteren, haben mir immer wieder gezeigt das es in dem Gesellschaftsmodell in dem wir leben dieses Vokabular in vielen Fälle benutzt wird um den "ewigen Klienten" zu binden und nicht um einen Weg der Heilung zu beschreiten.

    Den Eindruck habe ich nicht nur in diesem Bereich….


    Hierzu nimmt Nathalie Stüben ziemlich ausführlich auf ihrer Website Stellung.

    Das, was sich dort an Informationen finden lässt, bestätigt meinen Eindruck. Das, was ICH unter einer professionellen, fundierten Ausbildung im Bereich Alkoholismus verstehe, hat sie offenbar nicht vorzuweisen.
    Dass die Herstellung des Produkts, das sie verkauft, zeitaufwändig gewesen ist und noch immer ist, und dass es auch finanziert werden muss, ist mir schon klar, aber das war nicht das, worauf sich meine Frage bezog.

    Ich will nicht in Zweifel ziehen, dass Frau Stübens Produkt Menschen hilft. Das liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass genau dieses Produkt Menschen anspricht und ihnen eine wertvolle Hilfe ist. Die Erfolge, die offenbar erzielt werden, sprechen schließlich auch für sich. Und, wie immer wieder u.a. von mir betont, gibt es DEN EINEN WEG nicht, der tatsächlich für ALLE funktioniert. Warum also sollte dieser (angeblich unkonventionelle) Weg nicht auch auch helfen können. nixweiss0

    Warum ICH diesem Produkt skeptisch gegenüber stehe, warum für MICH ein „Geschmäckle“ bleibt, muss ich nicht näher erläutern, oder?


    Grüße
    AmSee


    Ich seh das genauso. Vllt aber ohne oder nur sehr wenig Beigeschmack. Durch meine Vergangenheit
    ist das Interesse einfach wach was sich da so auf dem "Markt" tut. Ich kenne da noch weitere Videos
    und da tauchen einige Leutchen aus den verschiedensten Branchen auf und ich habe da den Eindruck
    die machen sich eifrig Gedanken wie sie von diesen "Geschäftsmodell profitieren können.
    Neu sind solche Aktivitäten nicht.

    Auch wenn mir das mit Wilson bislang nicht bekannt war - Danke übrigens für den Hinweis - , so wundert es mich nicht, dass solche Aktivitäten nicht neu sind. Geld lässt sich mindestens schon seit dem römischen Kaiser Vespasian, der zum Füllen der leeren Staatskassen eine spezielle Latrinensteuer auf öffentlichen Toiletten erhob, mit allem verdienen (pecunia non olet - Geld stinkt nicht). ;)

    Bei Wilson erkenne ich wenigstens noch, dass das Geld für auf Alkoholismus spezialisierte Krankenhäuser und damit auch für Fachpersonal verwendet werden sollte. So etwas ist nun einmal sehr teuer und ohne Finanzierung nicht zu realisieren. Interessant finde ich, wie Rockefeller reagiert hat und warum er Wilson nur eine bescheidene Summe zur Verfügung gestellt hat.

    Wen finanziert Frau Stüben denn mit ihren Online-Kursen? Fachpersonal? Eine eigene professionelle, überaus fundierte Ausbildung im Bereich Alkoholismus? nixweiss0

    Und das sorgt bei mir für diesen Beigeschmack.

    Wobei hinter der Gebühr durchaus auch eine gewisse Psychologie stecken könnte. Man bedenke die Einstellung „Was nix kostet, ist auch nix.“ und dass Menschen eher bei der Stange bleiben, wenn sie ihr sauer verdientes Geld investiert haben….

    Wie gesagt, wenn’s tatsächlich jemandem hilft….

    Grüße
    AmSee

    Die Welt verändert sich, in der Tat und, wie es scheint, in den letzten Jahrzehnten rasanter als jemals zuvor.

    Diese Nathalie Stüben scheint den einen oder anderen anzusprechen, vielleicht auch zu erreichen. Wenn’s tatsächlich jemandem hilft, kann man diesen doch nur beglückwünschen.

    Nicht ohne Grund weise nicht nur ich in diesem Forum immer wieder darauf hin, dass es DEN EINEN WEG nicht gibt und dass jeder für sich selbst herausfinden muss, was wirklich zu ihm passt und was nicht.


    Meins ist diese Nathalie Stüben nicht. Dieses Video hat für mich so „ein Geschmäckle“. Wenn‘s nur darum ginge, die eigene Geschichte zu erzählen, um zu inspirieren… Doch letztlich kommt es für mich nicht anders als ein Werbevideo zu ihren social media Plattformen daher, wo sie wiederum Werbung für ihre kostenpflichtigen Online-Kurse macht.

    Sie ist eine dieser „Influenzer“. Für MICH hat das ganze Marketing, das sie um sich aufgebaut hat, keinen besonders guten Beigeschmack.

    Doch, wie schon gesagt, wenn’s tatsächlich jemandem hilft….

    Grüße
    AmSee

    Zufällig bin ich auf den Beitrag eines ehemaligen Nutzers in seinem Faden “Was mir geholfen hat, nicht mehr zu trinken“
    gestoßen und musste dabei an den Austausch hier in deinem Faden denken.

    Vielleicht ist das die „Strategie“, die du meinst, vielleicht findest du dich in den Ausführungen dieses Nutzers wieder…..


    Meine „Strategie“ ist davon übrigens gar nicht sooooo weit weg. Diese Begrifflichkeiten sind für mich allerdings inzwischen nicht mehr wichtig. Ich bin gerne nüchtern.

    Liebe CehDeh,

    schön, mal wieder von dir zu lesen und dass du dich riesig über deine Abstinenz freuen kannst und deinen Weg entdeckst. ^^


    Ich hab, wie du in deiner ersten Zeit hier bemerkt haben dürftest, auch nicht immer Zeit oder mir fehlt einfach die Energie, hier zu schreiben. Und ich weiß, dass das anderen ähnlich geht.

    Meld dich einfach, wenn du wieder Zeit und Lust dazu hast.


    Lass dich nicht zu sehr stressen. ;)

    Viele liebe Grüße
    AmSee


    Und übrigens auch höchst gefährlich, wenn jemand gerade am kippen ist, würde so eine Aussage direkt dazu führen können, Suchtdruck auszulösen, und zwar nicht zu knapp.

    Hoppla, DAS ist eine typische Argumentation „nasser“ Alkoholiker. Man nennt das Schuldverlagerung.

    Verantwortlich für seinen Suchtdruck und für ein eventuelles Nachgeben ist der Alkoholiker selbst.

    Ihr habt es echt alle mit dem Wort. Aber wie man damit umgeht, wie man es für sich selber definiert und interpretiert, da scheint es nur eine Sichtweise zu geben, und die teile ich nicht. Werde ich auch künftig nicht.


    Wow. Ich hab nicht den Eindruck, dass du verstanden hast oder auch nur eine Ahnung, wie ICH das definiere…
    Wie „nett“ in eine Schublade gesteckt zu werden, in die ich gar nicht gehöre….
    Pauschalisierungen scheinen zumindest im Moment echt deins zu sein….

    Hallo NieTho,
    nur so als Hinweis: Es ist in den ersten Monaten nicht unüblich, dass man besonders empfindlich ist und leicht einen Angriff vermutet, wo gar keiner ist. Du magst dich gerade gelassen fühlen, aber deine Antwort deutet auf diese gewisse Empfindlichkeit hin.

    Ich habe Susannes Beitrag gestern Abend übrigens nicht als Angriff an dich aufgefasst. Sie spiegelt dir ihre Wahrnehmung. Das kannst du zum Anlass, nachzudenken, nachzufühlen, ob da was dran ist, nehmen oder es lassen.


    Nun noch dazu:

    Bei dieser Aussage geht mir nämlich direkt der Hut hoch. Und er ist auch fachlich einfach nur falsch, dass mal am Rande. Es sei denn, aber auch da ist die Aussage nicht richtig, wir unterscheiden zwischen Typ I und Typ II Diabetikern.

    Da dir bei meiner Aussage offenbar der Hut hoch geht, dürfte dir entgangen sein, was ich mit diesem Beispiel eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, wie eng ich am Wortlaut der ursprünglichen Fragestellungen geblieben bin, um etwas zu veranschaulichen. Und dir scheint - weil dich der Begriff „krank“ triggert? - wohl auch entgangen zu sein, wie ich mit den Begriffen „gesund“ und „krank“ gerungen habe.


    Akzeptiere ich meine Krankheit und lebe ich damit, oder nicht.

    Genau darum geht‘s! Und hier gebrauchst du übrigens selbst gerade den Begriff „Krankheit“, in dem das Wörtchen „krank“ drinsteckt.

    Bist du vertraut mit dem sogenannten „Vier-Ohren-Modell“ nach Schulz vonThun?
    Klopf das, was du gelesen hast, mal nach den anderen Ohren bzw. Seiten einer Nachricht ab.

    Gruß
    AmSee

    Wow, ist das heute spannend und interessant hier! 44.

    Dissoziation…. Jo, bin ich vertraut mit. Kenne ich in verschiedensten Ausprägungen… Auch den Selbsthass, den - so viel weiß ich inzwischen - eher ein verinnerlichtes Introjekt schürt oder hervorruft. Es ist das, was meinen sogenannten „Inneren Kritiker“/ „Inneren Antreiber“ ausmacht. Es ist ein (bis vor nicht allzu langer Zeit überaus dominanter) Teil meines Selbst.



    Ich weiss gar nicht, ob Du so brutal zu Dir überhaupt sein willst.

    Man kann auf verschiedene Weisen äußerst brutal sein…. Und ich (oder vielmehr mein Introjekt) war äußerst brutal mit mir, immer wieder….


    Du erinnerst mich da aber an eine Situation, in der ich mich erfolgreich gegenüber diesem Introjekt zur Wehr setzen konnte und diesen Teil von mir für eine Weile zum Schweigen bringen und insgesamt auf ein angemesseneres Maß degradieren konnte…

    Und jetzt, da ich daran denke, wird mir einmal mehr bewusst, was für eine Stärkung dieses „Ich“ im Laufe der Therapie erhalten hat…


    Die ganze Diskussion heute macht MIR aber auch einmal mehr bewusst, dass es richtig und wichtig für MICH ist, die ganze Angelegenheit auch in Bezug auf den Alkohol nicht zu leicht zu nehmen.



    Vielleicht fällt Dir das aufhören zu leicht?

    Nicht wirklich. Wann immer ich rückfällig geworden war, habe ich lange gebraucht, um wieder aufhören zu können. Auch der Gedanke an das erneute Versagen hat mir oft die Energie genommen.
    Das Aufhören an sich war jedes Mal anders, da war von „Ich dreh total durch“, Schlafstörungen, rasenden Kopfschmerzen, bis „mehr oder minder easy“ alles dabei.


    Suchtdruck "kann" das Unterbewusste, das Denken musst Du einschalten, um dagegen zu halten. Das ist zumindest der Punkt, wo es zum Rückfall aus heiterem Himmel kommen kann.

    Da fällt mir wieder der Punkt an, von dem du gestern geschrieben hast, und der mich an etwas erinnert hat, was mir diesbezüglich schon öfter aufgefallen ist.


    Und insgesamt ist der größte Teil der Hirnaktivität für unser Bewusstssein nicht erreichbar, und zwar prinzipiell, wir kriegen ja nur das mit, was dann über die Bewusstseinschwelle kommt.

    Wer kennt das nicht, das ihm ein bestimmter Name, Begriff oder Sachverhalt gerade nicht präsent ist, Stunden oder auch ein, zwei Tage später aber ist er da, taucht wie aus dem nichts auf.

    Ich finde das immer wieder spannend zu beobachten, denn nichts deutet vorher darauf hin, dass der Name, Begriff oder Sachverhalt gleich da, also in deinem Bewusstsein, ist.

    Dem Ganzen geht lediglich voraus, dass du einen Gedanken hattest, dem du nachgehen wolltest. Und dein Gehirn spuckt es nach einer Weile einfach von wo auch immer in dein Bewusstsein aus.


    Dieser Umstand deutet darauf hin, dass plötzlicher Suchtdruck ebenfalls durch einen längst vorher angestoßenen, inzwischen nicht einmal mehr bewussten Gedanken hervorgerufen worden sein könnte. Und wenn man dann noch an die Automatismen denkt, von denen du in ebenfalls geschrieben hattest….
    Insofern spricht sehr viel dafür: „Suchtdruck "kann" das Unterbewusste“


    Suchtdruck "kann" das Unterbewusste, das Denken musst Du einschalten, um dagegen zu halten. Das ist zumindest der Punkt, wo es zum Rückfall aus heiterem Himmel kommen kann. Aber genau dabei hilft eben Übung und grade nicht zwanghafte Risikovermeidung.

    Bin ich ganz bei dir.

    Nur würde ich jemandem, der gerade noch am Anfang und somit vor vielen Baustellen steht, dem eine gewisse Erfahrung und damit ein gewisses Einschätzungsvermögen, worauf er sich da eigentlich einlässt, fehlt, nicht raten, gleich in die volle Konfrontation zu gehen.

    Vermeidung KANN u.U. hilfreich sein.

    Immer bei Vermeidung zu bleiben, KANN allerdings dazu führen, dass ein gewisses Problem noch größer wird. Ich denke da an das Phänomen oder Symptom der „Generalisierung von Angst“.



    Ja, eben, was würde passieren, wenn es da weit und breit keine Kippen gäbe? Sterben würdest Du da dran wohl nicht.

    Es gibt aber nun einmal einen Kiosk und mehrere Tankstellen in meiner unmittelbaren Umgebung. :devilsmile:

    Ja, ich weiß durchaus, worauf du hinaus willst… Ich hab’s bei besten Willen bislang nicht besser hingekriegt. nixweiss0

    Um so wichtiger ist mir dann Aufarbeitung dessen, was dazu geführt hat, und Prävention.



    Wie schnell muss man laufen, um dem Löwen zu entkommen? Schneller als der Nebenmann...

    Was für eine Frage, wenn der Löwe gleichzeitig du selbst bist…. :grins:

    ICH hab da dummerweise noch ein weiteres Handicap:
    Wegrennen bzw. mich körperlich richtig verausgaben, was ich früher tatsächlich gemacht habe, geht bei MIR leider nicht mehr. Die dafür nötigen Kräfte in den Beinen und, selbst wenn ich einen Rollstuhl hätte und nicht auf die Beine zurückgreifen müsste, in den Armen, hat mir dummerweise die MS genommen. Uups. :grins:

    Im Ernst, ich nehm das mit Humor.
    MEIN Problem müssen wir hier nicht lösen. Ich hab da definitiv nicht Leidensdruck und inzwischen einen Weg gefunden, der für MICH ok ist.

    Falls du aber ne zündende, praktikable Idee haben solltest, was ich im Fall einer erneuten Extremsituation tun könnte, nur heraus damit. Ich bin ganz Ohr. :welcome:


    Ja, abhauen, totstellen, kämpfen. Und totstellen ist eben...warten, bis es von selbst vorbeigeht. Manchmal die einzige Möglichkeit. Wenn der Löwe größer und schneller ist und man beim Kampf nur verliert und Abhauen seinen Jagdinstinkt weckt.

    Genau. Dummerweise verkraftet das Gehirn das Totstellen, also das Runterfahren aller Systeme wohl nicht so gut… Hast du dich auch mal näher mit der Entstehung von Traumata beschäftigt und Traumabewältigung?

    Spannende Lektüre!

    ich bin weit davon entfernt, zu glauben, dass Rückfälle nur deswegen passieren, weil es Leuten an er inneren Einstellung mangelt. Oder am Willen. Oder weil sie zu blöd sind, es zu lassen.

    Ich hab mir das bei dir schon so gedacht, dennoch dürfte es nicht schaden, dass das hier explizit geklärt wird, um gerade bei denen, die mehr oder minder noch am Anfang stehen, keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.



    Was mir mal eine zeitlang geholfen hat, war, mich geistig in Leute zu versetzen, die sich in einer Zwanglage befinden, in der sie selbst nichts mehr machen können. Im Krieg. Nach Naturkatastrofen. Nach Unfällen. Z.B.

    Immer wieder interessant für mich zu beobachten, wie sich unsere Interessen mitunter ähneln. Mit solchen Menschen/ Themen habe ich mich auch beschäftigt und tue es noch.

    Da dürftest du auch auf die biologischen Stressreaktionen „fight“, „flight“, „freeze“ gestoßen sein.

    wenn das wieder auftritt, einfach nur warten und weiteratmen. Bis es vorbei geht. Es geht vorbei.

    Wenn’s nur so einfach wäre…
    Doch, nach dem, was du über dich so erzählst, weißt du, dass das alles andere als einfach ist… ;)

    Ich kenne deine Methode und noch ein paar andere und habe die durchaus auch probiert und mich darin geübt, um es ggf.. als Werkzeug zur Verfügung zu haben. Ja, auch Fluchen und Schreien war darunter, Eiswasser, extrem scharfe Bonbons, stachelige Massagebälle, Steine im Schuh, sportliche Übungen wie Wadenpresse. Und so weiter. Halt Skills für die Zugangsbereiche, die in einer Anspannungssituation noch offen sind (kognitiv, visuell, haptisch und noch ein vierter Bereich, der mir grad nicht einfallen will).
    Mein Therapeut hat mich mit der sogenannten „Vier-Elemente-Übung“ vertraut gemacht und ich bin auch darin geübt…

    Doch das waren bislang dann immer wieder solche Momente, in denen ich mehr oder minder von jetzt auf gleich ohne, dass ich das erwartet hätte, in den Hochspannungsbereich (sozusagen von 0 auf 100) geriet. In diesem Bereich tritt bei bei mir in der Regel ausgeprägte Autoaggression auf.


    Ich hab ernstlich drüber nachgedacht, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, damit ich bewusstlos werde und das somit aufhört.

    So ähnlich ist das bei mir auch immer wieder abgelaufen, nur dass in mir das ausgeprägte Verlangen auftritt, mich extrem zu verletzen (wie genau, lasse ich hier bewusst weg, will ja keinen auf Ideen bringen…..) Und es kommen auch Suizidgedanken auf. Ich tu‘s nicht, wehre mich gegen den Drang, mich verletzen zu müssen und wähle, weil’s nicht auszuhalten ist, das Mittel, das in dem Moment den geringsten Schaden anrichtet, aber den Druck spürbar verringert: Zigaretten.

    Wenn ich mal wieder eins meiner depressiven Tiefs hab, kann ich die inzwischen tatsächlich mehr oder minder einfach aussitzen. In diesen Zeiten ist zwar alles schwarz und hoffnungslos und zwar immer schon gewesen und wird es immer sein, aber aufgrund meiner Erfahrungen, die ich mir deutlich und bewusst eingeprägt habe, und meiner Achtsamkeit WEISs ich, dass es tatsächlich vorbei geht.
    Diese Momente im Hochspannungsbereich sind anders….


    Natürlich hab ich versucht, dem auf den Grund zu kommen und präventiv tätig zu werden. Ich konnte ausmachen, dass das etwas mit seelischen Verletzungen und daraus resultierenden „Fehlentwicklungen“ zu tun hat. Da sind offenbar so ein paar Triggerpunkte in mir vorhanden, die verborgenen Tretminen ähnlich sind….

    Mit meinem Therapeuten, der auch auf den Bereich der Trauma-Therapie spezialisiert ist, habe ich die eine oder andere Verletzung und das, was damit zusammenhängt, aufarbeiten können.
    Die eine oder andere „Tretmine“ ist entschärft und weggeräumt, was auch Konsequenzen für andere im Prinzip noch verborgene „Tretminen“ hatte.

    Von daher stehen meine Chancen inzwischen recht gut, dass auch mit der Qualmerei endlich dauerhaft Schluss ist.


    Aufgrund dieser Erfahrungen und dem, was ich bei meinem Vater beobachten musste, bin ich überaus vorsichtig, hauptsächlich auf die sogenannte „Innere Einstellung“ als Erklärung für mehr oder minder auftretenden Suchtdruck zu setzen. Auch wenn ich in Bezug auf Alkohol ähnliche Erfahrungen mit Suchtdruck gemacht habe wie du und diese Erklärung sehr viel für sich hat.


    Ich glaube, auch aufgrund dieer Erfahrungen, dass es steilenweise mit der inneren Einstellung zusammenhängt. Wenn ich eigentlich trinken will und es mir verbiete, dann kann der Druck leicht aufkommen.

    Ich hab mit Interesse verfolgt, was du in dem anderen Faden zum Thema geschrieben hast. An den einen oder anderen Punkt habe ich auch gedacht, ohne das im Moment schon so zusammenfassen zu können, dass ich darüber schreiben könnte.

    Aufgrund meiner Erfahrungen beim Rauchen bin ich jedenfalls einfach nur heilfroh, dass ich meiner Sorge gefolgt bin und in diesen gewissen Situationen nicht zum Alkohol gegriffen hatte.


    Nasses Denken beinhaltet für mich z.B., wenn ich die Verantwortung für mein Trinken nicht in mir selbst suche, sondern immer noch irgendwie die Umwelt dafür verantwortlich mache. Und da kommt "Gesellschaft" und "Werbung" oder auch der pöse Ehepartner halt ziemlich schnell bei mir.

    Ein interessanter Aspekt, den du da in die Diskussion einbringst.

    Da für mich selbst schon mein ganzes Leben lang selbstverständlich gewesen ist, die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen, völlig unabhängig davon, ob tatsächlich jemand anderes für meine Misere verantwortlich war, ist mir diese Perspektive mehr oder minder fremd. Ich bin dem, was du da beschreibst, aber tatsächlich schon bei anderen - übrigens nicht unbedingt nur Alkoholikern (nass oder trocken) - begegnet. Daher kann ich nachvollziehen, was du im Blick hast. Von tatsächlich „nassen Alkoholikern“ kennt man solche Argumentationen wie „Ich geh jetzt trinken, weil du (Ehefrau/ Ehemann) mich so aufgeregt hast.“

    Dass die Allgegenwärtigkeit und Selbstverständlichkeit von Alkohol, die unklaren „Regeln“ in unserer Gesellschaft -hier beziehe ich mich auf Informationen des Vortrags von Prof. Lindenmeyer zum Anhören Der Untergang der Titanic - Alkoholismus in Deutschland begünstigen, steht wohl außer Frage.

    Insofern wäre es durchaus wünschenswert, wenn Nüchternheit zum „Lifestyle“ werden würde.


    Doch ich gebe dir vollkommen Recht, dass, wenn die Argumentation allein nach dem Schema „Ich trinke, weil die Gesellschaft mich dazu verführt hat.“ aufgebaut ist, verdächtig nach sogenanntem „nassen Denken“ klingt.

    Die Tatsache, dass es in unserer Gesellschaft so ist, wie es nun einmal ist, entbindet nicht von der Verantwortung, die jeder für sich selbst hat.


    ….Von daher ist der Thread hier ja fast schon "nasses Denken".

    Diese Begrifflichkeit von dir, Susanne?
    Ich bin irritiert. ;)
    Die kenne ich eigentlich aus einer anderen Ecke….



    Ich meine, nüchtern bin ich gesund.

    Im Prinzip fühlt sich mein Leben inzwischen so an und es ist mir aufgrund der vielen positiven Erfahrungen und Erkenntnisse meiner Nüchternheit fast schon unverständlich geworden, warum ich mir jemals soooo viel davon versprochen habe, Alkohol trinken zu dürfen. - Natürlich weiß ich, warum ich’s getan hab, muß es auch nicht bereuen, weiß, warum Alkohol schon seit Ewigkeit bei Feierlichkeiten konsumiert wird. ;) - Nüchtern zu leben empfinde ich tatsächlich als äußerst gesund, mitunter staune ich, was für ein wahres Spektrum mir entgangen ist, als ich noch geglaubt habe, Alkohol würde den Moment schöner machen. ;D

    Und dennoch finde ich es nicht passend, zu sagen, ich sei „gesund“, weil mich das im Prinzip eben auch zu dem Gedanken/ der Denkweise verleiten KÖNNTE, vielleicht doch das eine oder andere Mal ein Ausnahme machen zu dürfen. Und genau davor schütze ich mich eben auch durch die Wahl meiner Formulierungen.

    Ich muss aber auch gestehen, dass ich mir über so etwas nur in diesem Rahmen hier Gedanken mache (was meiner Selbstfürsorge grundsätzlich nicht undienlich sein dürfte) in meinem Alltag spielt das alles eigentlich keine Rolle mehr. Ich trinke nicht, will nicht trinken und gut iss. ;)

    Grüße
    AmSee