Beiträge von AmSee13

    Liebe CehDeh,
    das freut mich für dich, dass du auf deinem Weg so gut vorankommst. :)


    Trauma. Ja, liebe AmSee - das IST Knochenarbeit, aber Du musst nicht befürchten, dass DAS so hart wird, dass ich deshalb wieder trinken würde.

    Weißt du, es geht gar nicht darum, was ICH befürchte, denn es ist und bleibt dein Leben, für das nur du allein die Verantwortung trägst. So klar habe ich das mit der Verantwortung bis vor einigen Jahren übrigens nicht gesehen, aber das ist ein anderes Thema. ;)

    Wie ich hier im Forum schon öfter geschrieben habe: Es gibt - so zeigen es meine eigene Lebenserfahrungen und das, was ich hier und anderswo entdecken durfte - nicht den einen Weg, der auf jeden Fall bei jedem/ jeder und immer und überall funktioniert.

    Das einzige, was ich weitergeben kann, sind meine eigenen Erfahrungen und mein inzwischen erworbenes Wissen. Auf dieser Basis spreche ich ggf. die eine oder andere Schwierigkeit an, auf die ICH im Laufe meiner Abstinenz gestoßen bin. Ob das bei DIR auch eine Schwierigkeit darstellt, kannst du letztlich nur selbst beurteilen. Manchmal kann es sehr hilfreich sein, vorgewarnt zu sein.

    Ich selbst habe, als ich noch getrunken habe, ganz bewusst nicht zu Zeiten getrunken, wenn‘s mir psychisch richtig mies ging - zwei Ausnahmen hat’s gegeben, diese hingen mit dem bevorstehenden Tod und mit dem eigentlichen Tod meiner Mutter zusammen -. Ich hab das bewusst nicht getan, weil ich Sorge hatte, dass mich das in die Abhängigkeit, die ich zu gut durch meinem Vater kannte, treiben würde.
    Ich habe aber in genau solchen Zeiten Zigaretten als höchst hilfreich kennengelernt und angewendet. Und obwohl ich mir in den vergangenen Jahren, wenn ich den Ausstieg endlich mal wieder geschafft hatte und mir sicher war, dass ich NIE WIEDER rauchen wollte und würde, bin ich in Situationen, in denen ich unter höchster psychischer Anspannung war, rückfällig geworden.
    Mir selbst dient mein eigenes Beispiel als Warnung, unbedingt Rückfall-Prophylaxe zu betreiben.


    Ich danke Dir sehr für die Achtsamkeit darüber und finde das unheimlich schön.
    Das passiert nicht oft, das stille Verstehen und einander den Raum geben, den es braucht. Danke!

    Gerne. Ich kenne das, was du da ansprichst, ziemlich gut… ;)
    Wie du bemerkt hast, antworte ich dann, wenn‘s mir möglich ist. Das hat auch etwas mit Achtsamkeit und Selbstfürsorge zu tun.


    Austauschen ja... sofern es hier den Raum dafür gibt und ich mich da geborgen genug fühle.

    Im geschützten Bereich ist dafür im Prinzip Raum. Hier im öffentlichen Bereich, wo von außen jeder mitlesen kann, würde ich davon abraten.
    Ob du dich dafür geborgen genug fühlst, ob im geschützten Bereich dieses Forums überhaupt der Raum dafür ist, ob du etwas teilen möchtest und was du teilen möchtest, ist und bleibt deine eigene Entscheidung.


    Ich schicke dir liebe Grüße zurück.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Nana,
    schön, mal wieder ein Update von dir zu hören. 44.


    @ Am See: Ich habe ja nicht aufgehört zu trinken, um mich jetzt von einer Krankheit ummähen zu lassen ;)

    Das sehe ich genauso. ;)

    Fibromyalgie ist ganz gewiss keine angenehme Diagnose und gewiss eine Erkrankung, auf die man gut und gerne verzichten könnte, aber du scheinst das so wahrzunehmen, wie ich das bei meinen Erkrankungen auch getan habe.
    So schlimm das ist, aber endlich gibt’s eine Erklärung für Symptome, für die es vorher keine gab. Und Fibromyalgie gehört ja leider auch zu den Erkrankungen, die man von außen nicht sehen kann.

    Bei mir bestand auch mal der Verdacht auf Fibromyalgie, von daher habe ich eine gewisse Ahnung, worüber du da schreibst.



    Die Diagnose hat mich in der Nüchternheit noch mal sehr gefestigt, da auch hochsensible Nerven eine Rolle bei Fibromyalgie spielen. Es wäre für mich nun absolut und völlig absurd, auch noch ein Nervengift auf diese eh schon überforderten Neven zu schütten.

    Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Wie dermaßen negativ sich dieses Nervengift auf meinen Körper und auch meine Erkrankung (MS) ausgewirkt hat, wurde mir in den ersten Wochen und Monaten meiner Abstinenz eindeutig bewusst. Das hat natürlich auch mich in dem Entschluss gestärkt, mir das Zeug nie wieder einverleiben zu wollen.


    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg und in den nächsten Wochen einen angenehmen Frühling!
    :heartBalloon:

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Cehdeh,
    nun endlich komme ich dazu, dir ausführlich zu schreiben.

    Prima, wie du deinen Weg bislang meistern konntest und auch die Suchtdruck-Attacke gemeistert hast! 44.
    Du liest dich sehr reflektiert und ich wünsche dir weitere gute Erfahrungen, die dich auf deinem Weg bestärken.


    Darüber, wem und wie ich mitteile, dass ich nicht mehr trinke und aus welchen Gründen, habe ich mir am Anfang auch so einige Gedanken gemacht. Da ich mir über Ähnliches Gedanken gemacht habe, wie du und wie NieTho das gerade tut, habe ich jenen, gegenüber denen ich mich „geoutet“ habe, den Begriff „Alkoholiker“ vermieden und bin ähnlich vorgegangen, wie du das gemacht hast.

    Wie du das für dich richtig erkannt hast, kann es auch ein Schutz sein, sich mehr oder minder zu „outen“. Und es kann, so meine eigene Erfahrung, für das eigene Eingeständnis, tatsächlich ein Problem zu haben, hilfreich sein, es auch nach außen zu kommunizieren.
    Dass das ein weiterer Schritt ist, den man erstmal bewältigen muss, ist verständlich.

    Ich weiß noch gut, wie schwer es mir gefallen ist, mir das selbst einzugestehen. Mir ging’s, als ich hier aufgeschlagen bin, ähnlich wie dir, nur dass ich nicht in einer Traumatherapie steckte, sondern schon eine Weile lang eine leicht anders geartete Baustelle bearbeitete.

    Mit Traumatherapie bzw. mit Therapie von Entwicklungstraumata und Retraumatisierung habe ich mich erst später beschäftigt….


    Inzwischen mache ich mir darüber schon lange keine Gedanken mehr, was andere Leute denken könnten, wenn ich entweder Alkohol ablehne oder einfach nur Wasser oder Apfelschorle oder Bitter Lemon oder…. trinke.

    Warum sollte ich mich irgendjemand gegenüber dafür rechtfertigen müssen, dass ICH mir dieses Nervengift, nicht einverleiben möchte? Nur, weil alle meinen, dass Alkohol selbstverständlich zum Leben dazugehöre? - Sollen andere tun, was sie wollen, ich muss das nicht auch tun und ich muss mich auch nicht dafür rechtfertigen.


    Ich durfte inzwischen aber schon eine ganze Weile beobachten, dass mich eigentlich niemand danach fragt, warum ich keinen Alkohol trinke. Ich bin aber auch sehr selten in tatsächlich alkohol-seligen Gruppen, weil das nicht mehr meine Welt ist, ich fühle mich da nicht mehr wohl. In solchen Gruppen könnte es tatsächlich vorkommen, dass mich jemand fragt. Und je nachdem, wie ich gerade drauf bin und wie das Gegenüber so ist, würde ich dem dann auch antworten.


    Bis ich da hin gekommen ist, wo ich inzwischen bin, ist natürlich ein wenig Zeit vergangen.
    In dieser Zeit habe ich mich seeeeeehr viel mit dem Thema Alkoholismus beschäftigt und mich in Selbstfürsorge geübt. Anregungen für meinen Weg habe ich in diesem und zwischenzeitig auch in einem anderen Forum gefunden und für mich als hilfreich ausprobiert oder reflektiert.

    Für MICH wurde innerhalb meines ersten Jahres zum Beispiel auch noch wichtig, sämtliche Gläser, die mit Alkohol zu tun haben, aus meinem Haushalt zu entfernen (Flaschen habe ich sowieso entsorgt) und meinen Gästen keinen Alkohol mehr anbieten zu müssen.


    Mich erstmal gänzlich fern halten von Runden, in den Alkohol konsumiert wird, war mir nicht möglich, denn von meiner Familie, die ganz gerne das eine oder andere Glas Wein oder Bier oder Sekt oder Kurze konsumiert, hätte ich mich nicht fernhalten können. Und auf die Idee meinetwegen in meiner Gegenwart auf Alkohol zu verzichten, wären die - anders als zwei sehr gute Freunde von mir - nie gekommen. Und sie würden meinetwegen zweifellos auch nicht auf ihren Alkohol verzichten, weil der für sie einfach zum Leben dazu gehört.
    Ich hab von Anfang an meinen eigenen Umgang damit gesucht und auch erfolgreich gefunden.

    Ich bin nicht in allem von vornherein auf Abstand gegangen, aber ich habe mich den jeweiligen Situationen bewusst, achtsam und mit einem möglichen Notfallplan gestellt.

    Mein eigenes Suchtdruck-Erlebnis, das ich nach einem guten halben Jahr in vermeintlich zufriedener Abstinenz verbracht hatte und das ich tatsächlich nur mit Online-Unterstützung bewältigt habe, hat bei mir zu wichtigen Erkenntnissen geführt, die für mich dann so richtig zu zufriedener Abstinenz geführt haben.

    Falls es bei dir nochmals zu Suchtdruck kommen sollte, darfst du dich übrigens gerne wieder hier melden. Auch wenn hier schon eine ganze Weile wenig los ist, findet sich immer wieder jemand, der dir antworten kann. Manchmal dauert das etwas länger, manchmal klappt’s recht schnell. Zum Glück war Britt letztens für dich da.


    Zum Thema Traumatherapie und Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit:

    Ich selbst habe Traumatherapie nicht in vollem Umfang erlebt, aber das bisschen, was ich kennengelernt habe, machte MIR schon deutlich, dass das „Knochenarbeit“ ist.
    Manches haben wir bei mir auch bewusst nicht so gemacht, weil der Stress, den diese Therapiearbeit verursacht, möglicherweise einen MS-Schub bei mir auslösen könnte. Das nur von meiner Seite als Beispiel, wie Therapiearbeit an die Substanz gehen kann.

    Ich kann durchaus nachvollziehen, dass du mit der Traumatherapie möglichst schnell weiterkommen willst, aber unterschätz deinen Ausstieg aus deinem Alkoholproblem nicht!
    Mehr zu diesem Thema nur, wenn du dich darüber austauschen möchtest.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo NieTho,
    ich kann deine Neugierde und deinen derzeitigen Elan durchaus nachvollziehen, ich hab mich in meiner Anfangszeit auch sehr für solche Themen interessiert.

    Inzwischen nehme ich so manches anders wahr als in jener Anfangszeit und ich kann dir auf dein Thema hier eigentlich nicht mehr antworten.

    Ich hatte, als ich hier aufschlug, auch schon längst mit dem Rauchen aufgehört. Das war mir mithilfe eines entsprechenden Forums gelungen. Ich habe natürlich auch meine Vergleiche gezogen. Wie und warum auch nicht? DAS war ja etwas, was ich schon kannte.

    Aufgrund all dessen, was ich inzwischen über mich in Erfahrung gebracht habe, aufgrund all dessen, was ich an Erfahrungen von anderen gehört habe, dürfte der „Einstieg“ in die Sucht nicht so relevant sein, wie du vielleicht glaubst. Interessant ist nach meiner Beobachtung eher der sogenannte „Alltag mit Alkohol“.

    Suchtdruck scheint ebenfalls unterschiedlich aufzutreten. Der eine scheint so etwas immer wieder einmal zu erleben, die andere kennt das so gut wie gar nicht. Beim Rauchen - da bin ich wider Erwarten leider mehrfach rückfällig geworden, als ich hier aufschlug, war ich schon eine gute Weile rauchfrei und hätte nie erwartet rückfällig zu werden - habe ich selbst bezüglich Suchtdruck fast jedes Mal völlig unterschiedliche Erfahrungen gemacht.


    Ich bin an viele Themen analytisch herangegangen. Manchmal war das hilfreich, manchmal nicht. Aus meiner eigenen Wahrnehmung kann ich dir nur bestätigen, was andere dir auch schon geschrieben haben: Während des ersten Jahres wirst du die meisten deiner „Trigger“ kennengelernt haben und diese haben nicht unbedingt mit deinem „Suchteinstieg“ zu tun, sondern eher mit deinem „Alltag mit Alkohol“.

    Es gibt nicht den einen Weg. Was für den einen funktioniert, funktioniert nicht unbedingt auch für den anderen. Der Weg, der in dem anderen Forum so sehr propagiert und vertreten wird, ist nicht meiner, das dürfte schon deutlich geworden sein. Ich kann aber akzeptieren, dass er einigen (wie vielen? nixweiss0) tatsächlich hilft.

    Beste Grüße
    AmSee

    Hallo Britt!

    Nein, in Worte fassen, lässt sich das nicht.

    Ich weiß, wie das ist, ich hab‘s zuletzt vor 5 1/2 Jahren erlebt.

    Wer nicht mit ihnen lebt, kann nicht ermessen, was das Zusammenleben mit ihnen bedeutet und was ihr Verlust bedeutet.

    Ich kann dir nur mein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo und ein verspätetes herzliches :welcome: auch von mir.

    Prima, dass du das mit dem Nickname selbst in deinem Profil ändern konntest. Ich hätte da als Moderatorin übrigens nichts verändern können. nixweiss0

    Ich komme im Moment leider nicht dazu, hier im Forum zu schreiben, aber wie ich sehe, hast du von anderen schon sehr hilfreiche Antworten bekommen, und bist in unseren Informationen fündig geworden.

    Weiterhin gutes Ankommen hier!

    Viele Grüße
    AmSee

    Nur kurz von mir zwischendurch, weil ich im Moment nicht zum Schreiben komme:

    Wünsche euch, dass es harmloser ist als befürchtet. Und natürlich möglichst schnelle gute Besserung für deine Mutter.


    Was ich aber weiß, der Alkohol macht nichts besser, die Situation ändert sich nicht, im Gegenteil, sie wird schlimmer. Insofern, Kopf hoch, und mit klarem Verstand in die Situation.

    Genau so ist das, auch wenn eine Stimme in deinem Kopf dir möglicherweise etwas anderes aufdrängen will.

    Wünsche dir einen klaren Kopf sowie die Kraft und Energie, die du jetzt brauchen kannst.

    Denk ggf. an deinen „Werkzeugkoffer“ bzw. deine „Waffen“ und nutze sie rechtzeitig!

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hi NieTho,
    komme zur Zeit nicht dazu, dir zu antworten, deshalb dazu nur kurz:


    Auch wenn ich euch mit meinen Daten auf den Zünder gehe

    Also mir gehst du damit gewiss nicht auf den „Zünder“ und ich denke, dass du durchaus deine Begeisterung, die mit diesen Werten verbunden ist, hier teilen darfst.

    Ich find‘s jedenfalls schön, durch dein Teilen an der Euphorie deines Anfangs lesend teilhaben zu können. 44.

    Ich werd dir demnächst ausführlicher schreiben.

    Beste Grüße

    AmSee

    Moin,
    das freut mich richtig für dich, was für positive und interessante Entdeckungen du machst, und ich find‘s prima, dass du diese hier teilst. 44.

    Dass du gestern totalen Jeeper nach Süßigkeiten hattest, finde ich nach dem, was ich mir über die Neurobiologie des Gehirns und über das sogenannte „Belohnungszentrum“ angelesen habe, erklärbar.
    Das, was du üblicherweise Freitag für dich machst und worauf du dich freust, was bestimmte Botenstoffe ausschütten lässt, musste erkältungsbedingt ausfallen und ein tatsächlich adäquater „Ersatz“ war nicht zur Hand.
    In solchen Fällen greift ein bestimmter Teil deines Gehirns auf etwas zurück, was es als schnell und sicher kennt. Und Essen, und in unserer Gesellschaft insbesondere Süßigkeiten, kennt es von der Wiege an.

    - Gegen das Verlangen/ die Abkürzung zum Alk hast du in der letzten Zeit ja erfolgreich angearbeitet und mit der Umprogrammierung begonnen. -

    Da auch du dir alles an Infos reinpfeifst, was du finden kannst (Willkommen im Club wikende091), wirst du das wahrscheinlich schon wissen.
    Mir geht’s immer wieder so, dass ich‘s einerseits erleichternd finde, das zu wissen, es aber doch noch was anderes ist, am eigenen Leibe zu erfahren und entsprechend damit umgehen zu können…. Also, ich krieg‘s nicht immer hin :rotwerd:

    Adäquaten Ersatz für solche Ausfallsituationen wirst du bestimmt irgendwann finden. Tatsächlich hilfreich bei allem möglichen Schmachtattacken ist, möglichst viel Wasser o.ä. zu trinken. Probier’s mal aus und beobachte, was passiert.

    Wie sieht’s grundsätzlich mit Eigengewichtsübungen aus? Könnte das auch was für dich sein? Oder brauchst du einen Ersatz für das Ausdauertraining?

    Da ich selbst krankheitsbedingt (MS) nicht den Sport ausüben kann, den ich gerne ausüben möchte und mich mitunter fast gar nicht bewegen kann, bin ich mal an ein „Feldenkrais-Seminar“ geraten. Das war auf Dauer leider nix für mich, aber die Information, dass der Bewegungsapparat „arbeitet“, wenn ich mir die Bewegungsabläufe nur bewusst vor Augen führe, mich darauf konzentriere, fand ich hoch interessant. Insbesondere wenn ich an das Schicksal dachte, mich möglicherweise irgendwann gar nicht mehr bewegen zu können.
    Ich selbst komme aber besser mit Progressiver Muskelentspannung und mit Jin Shin Jyutsu zurecht.



    Oder bin ich aktuell einer Bubble aufgesessen?

    Mehr oder minder ja. ;)

    Obwohl ich im Laufe der Zeit ähnliche Beobachtungen gemacht habe… Ich hab inzwischen aber auch andere kennengelernt.

    Das, was du beobachtet hast, hat seine Gründe….

    Überleg mal, was für Leute in der Regel zu Selbsthilfegruppen gehen und sich da auch zu Wort melden.
    In solche Gruppen gehen eher selten Menschen, bei denen „alles schick“ ist.
    Im Grunde unternimmt man ja erst etwas, wenn der „Leidensdruck“ entsprechend hoch genug ist.

    Wenn’s gut bei einem läuft, besteht eher wenig Neigung oder Interesse eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen.


    Und interessant ist dann noch, aus welchen Motiven Menschen, die sich da ehrenamtlich engagieren, regelmäßig und langjährig dabei sind…..


    Naja, und wenn du länger dabei bist und regelmäßig mitliest (hier ist allerdings nicht so viel los wie in dem anderen Forum, das du kennengelernt hast) triffst du immer wieder auf üble Schicksale, und auch das prägt natürlich deine Wahrnehmung und deine Wahrnehmung der schlimmsten Seiten dieser Sucht.

    Und so weiter….



    Ich war kurz in einer FB Gruppe, dort haben sich alle Mitglieder, egal ob kurz oder lang dabei mit "erfolgreiche, trockene 24h" zum Abschied gewünscht.

    Also ganz ehrlich, wenn man mir erzählen würde, dass mein künftiges Mindset ist, dass sich jeden kommenden Tag darum drehen soll, trocken zu sein....dann kauf ich mir sofort ne Kiste Bier, damit ist lustiger. Gerade als "Graualkoholiker" ist das definitiv keine Motivation.

    laugh2 Das ginge mir sehr wahrscheinlich ganz ähnlich….

    Mein Mindset ist tatsächlich anders…..


    Du wirst nicht umhin kommen, dir das suchen zu müssen, was zu DIR passt.

    (Ich würde z.B. nicht in diese FB-Gruppe passen.)


    Grüße
    AmSee

    P.S..: Zu Therapie: Ich hatte schließlich tatsächlich „Leidensdruck“, bin dummerweise zunächst an eine Therapeutin geraten, die, wie sich dann herausstellte, gar nicht für mich geeignet war und was für mich noch schlimmer gemacht hat. Da war dann der „Leidensdruck“ noch höher und zugleich hatte ich Angst, mich nochmals jemandem auszuliefern. Ich hab insgesamt 14 Therapeuten angerufen und wäre auch wöchentlich 50 Kilometer für eine Sitzung gefahren, ich hatte 13 Absagen. Als ich schon völlig entmutigt aufgeben wollte, durfte ich Therapeut Nummer 14 für ein erstes Gespräch aufsuchen und da passte von Anfang an alles.
    Wie du schreibst, es muss entsprechend „Leidensdruck“ dafür da sein. Susanne hat aber auch auf etwas Wichtiges hingewiesen, was ich nur bestätigen kann.

    Also der Gang in die Garage hatte was vertrautes an sich. Und zwar aus dem Grund, dass ich dort häufig getrunken habe. Mehr oder weniger heimlich. Und da dort noch die Bierkästen stehen war der Gedanke natürlich sofort da. Und auch die Erinnerung an das Gefühl, das ist schon ziemlich präsent.
    Ich bin einfach dran vorbei gegangen und hab mich dann wieder auf mein Fahrrad konzentriert. Eine gute Ablenkung mit AHA Effekten ist der Podcast "Ohne Alkohol mit Natalie", den ich parallel gehört habe. Da sind viele Dinge und Erzählungen drinnen, in denen ich mich wiederfinde.

    Das ist auf jeden Fall eine Situation, die sich für dich bewusst zu reflektieren lohnt.
    Mit der Konzentration auf das Fahrrad (in Verbindung mit Vorfreude auf die nächste Tour?) hast du deinem Belohnungszentrum auf jeden Fall etwas Gutes angeboten und mit der Ablenkung durch den Podcast mit AHA-Effekten deinem Gehirn Lernstoff.
    Wie sich diese Herangehensweise auf Dauer bei dir auswirkt, ob die Erinnerungen an das Gefühl beim nächsten Mal / bei den nächsten Malen schwächer oder auch mal stärker auftreten, dürfte interessant für dich werden.

    Mit dem Belohnungszentrum/ Suchtgedächtnis ist das meiner eigenen Erfahrung nach ´ne knifflige Angelegenheit. Mal läuft‘s gut und ein anderes Mal grätscht es dir einfach so dazwischen.
    Das kann dann mit einer unglücklichen Verkettung von mehreren Triggern zu tun haben, die du als einzelne gar nicht besonders wahr oder ernstgenommen hast, plötzlich aber einfach so Gedanken ans Trinken oder sogar Suchtdruck aufkommen lassen, das kann mit einer momentanen oder schon länger andauernden unausgeglichenen Lebenssituation zusammenhängen.

    Es liegt auf jeden Fall eine interessante Zeit vor dir.

    Für Freitag rate ich dir, ggf. eine Exit-Strategie in petto zu haben, FALLS du merkst, dass es dir doch zu viel wird, und damit du rechtzeitig für dich aus der Situation rauskommen kannst.
    Das kann amüsant sein, die Leute zu beobachten, wie sie zunehmend die Kontrolle verlieren, das kann, gerade wenn du dich noch nicht gut genug kennst, auch nach hinten losgehen, dass sich dir anschließend z.B. ein ausgeprägtes Gefühl, dich belohnen zu müssen, aufdrängt. Und noch kennt dein Belohnungszentrum die „Abkürzung“ mit Alkohol ziemlich gut….

    Bezüglich deiner Gedanken/ Erfahrungen mit dem anderen Forum: Da du selbst einen Beitrag im Faden von Blackisbeatifull hinterlassen hast, dürftest du auch das gelesen haben, was Susanne, Greenfox oder ich dir in diesem Zusammenhang antworten könnten.

    Was dein Erlebnis mit jener Psychotherapeutin betrifft: Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie hart das sein kann, an jemanden zu geraten, der/die nicht für einen geeignet ist. Und ein solches Erlebnis muss auch erstmal verdaut werden. Doch es lohnt sich u.U., einen oder mehr weitere Versuche bei anderen Therapeuten zu starten und dabei den oder die zu finden, der/ die tatsächlich passt. Wie völlig ungeeignet die eine Therapeutin für MICH war, wurde mir erst so richtig bewusst, als ich an einen geraten war, der wirklich zu mir passte und sich als echte Hilfe herausgestellt hat.


    Was übrigens oft kommt, in genau diesen Kreisen von ehemaligen Trinkern, ist die Unterstellung
    "ach, du siehst Dich als geheilt an? Dann glaubst Du wohl, dass Du wieder trinken kannst"

    Wie überall gibt’s eben auch unter ehemaligen Trinkern so‘ne und solche.


    Ich selbst würd‘ mich nicht als „geheilt“ bezeichnen, weil nach meinen Begriffen dieser Ausdruck irgendwie nicht passt. Ich würde mich aber auch auf solche Diskussionen nicht (mehr) einlassen. Ich muss mich niemandem gegenüber rechtfertigen. Wozu auch?

    Da es mich aber überhaupt nicht mehr interessiert, Alkohol trinken zu dürfen, da für mich inzwischen überhaupt kein Grund mehr denkbar ist, warum ich mir Alkohol antun sollte (denn so empfinde ich Alkoholkonsum inzwischen), spielt es inzwischen keine Rolle mehr, dass ich nicht (mehr) kontrolliert trinken kann.

    Als „geheilt“ würde ICH mich in Bezug auf die „Gehirnwäsche“, dass Alkohol zum Leben nun einmal dazugehöre, bezeichnen. ;)


    ABER, was leicht fällt verführt schnell zu Unachtsamkeit. Frei nach dem Motto: Siehst, bist nicht süchtig, kannst immer aufhören. Gönn Dir....Ne Ne....

    Gut, dass du das im Blick hast.

    Was Trigger-Situationen betrifft, wirst du ja schon eine Ahnung haben. Gestern in der Garage hast du dich jedenfalls einer ausgesetzt.

    Im Umgang mit Triggern und Triggersituationen gibt es zwei unterschiedliche Ansätze: Vermeidung ist der eine, Konfrontation der andere.

    Beide Ansätze haben meines Erachtens etwas für sich. Womit du selbst letztlich besser fährst oder ob du’s nach eigenem Ermessen mal so, mal so handhabst, kannst nur du selbst entscheiden.

    Ich rate lediglich dazu, bewusst damit umzugehen, um sich eben nicht leichtfertig einer Situation auszusetzen, die gerade am Anfang zu Überforderung und sogar zum Rückfall führen könnte.

    Und für den Fall, dass es doch mal knifflig werden sollte, rate ich dir möglichst einen Ausstiegsplan oder - um deine Wortwahl zu gebrauchen - eine oder mehrere „Waffen“ zur Hand zu haben, die im Ernstfall wirklich funktionieren bzw. „scharf“ sind.

    Wenn ich fragen darf: Wie war das denn gestern für dich und wie bist du konkret über den Druck hinweggekommen?
    Als positives Erlebnis wäre das sicherlich etwas, was sich für dich festzuhalten lohnt.

    Grüße


    Und wenn eines wirklich auffällt und greifbar ist, ich habe es oben ja schon gesagt, ist die weiterhin signifikante Verbesserung meiner Vitalwerte. Blutdruck und Ruhepuls. Der Ruhepuls ist sowohl nachts als auch tagüber deutlich niedriger geworden, als auch mein Schlaf deutlich erholsamer.

    Beim Blutdruck bin ich ebenfalls deutlich gesunken, ich war Anfang November beim CheckUp und dort wurde leichter-mittlerer Bluthochdruck diagnostiziert, Anfang Februar waren die Werte bei der Nachkontrolle leider deutlich höher und heute morgen war ich zum ersten Mal fast auf normalen Werten. Abends sowieso, nach Trinkstopp.

    Schon beeindruckend, so etwas am eigenen Leibe zu erfahren, nicht?

    Lässt im Umkehrschluss auch darauf schließen, was Alkoholkonsum so alles im Körper anrichtet bzw. anrichten kann.

    Ich hab mich anfangs noch durch so eine App begleiten lassen. Die zusätzlichen Infos zur Verbesserung meiner Gesundheitswerte fand ich interessant und ermutigend.

    Ich selbst hatte, als ich noch trank, zwar gelesen, dass Alkohol ein Nervengift ist und Schaden im Körper anrichtet, aber die Information hat mich nicht wirklich erreicht, ich wollte trotzdem trinken. Als ich durch die Verbesserungen im Laufe meiner Abstinenz am eigenen Leib erfuhr, welches Ausmaß mein Alkoholkonsum tatsächlich auf meinen Körper hatte, war‘s als fielen mir Schuppen von den Augen.

    Hallo NieTho,
    erstmal zu dem Begriff „Alkoholiker“.
    Rekonvaleszent hat dir diesbezüglich schon eine gute Antwort gegeben, in der auch ich mich wiederfinde.

    Wie du das, was mit dir ist, letztlich selbst bezeichnen möchtest, spielt eigentlich keine Rolle.

    Ich hatte mit diesem Begriff zunächst auch meine Schwierigkeiten, insbesondere weil ich durch meinen Vater, der ein nicht funktionierender Alkoholiker war, immer wieder rückfällig geworden ist und daran zugrunde gegangen ist, eine bestimmte Vorstellung vor Augen hatte.

    Inzwischen habe ich keine Schwierigkeiten mehr, ihn für mich zu verwenden, ich gebrauche ihn aber eigentlich nur hier im Forum, weil er kurz und knapp beschreibt, wie „bewandert“ ich in dem Thema bin.

    Ansonsten gebrauche ich diesen Begriff selten bis gar nicht. Ist für mich bislang als Schutz (denn das kann dieser Begriff auch sein) nicht notwendig gewesen.

    Für mich selbst ist das inzwischen tatsächlich nur ein Begriff, der kurz und knapp bezeichnet, dass
    - auch ich die Kontrolle über meinen Alkoholkonsum verloren hatte,
    - dass ich, als ich diese Erkenntnis endlich an mich ran gelassen hatte, die Reißleine gezogen habe und abgesprungen bin.
    - Und dass mir bewusst ist, dass ich wieder die Kontrolle verlieren würde, wenn ich wieder Alkohol trinken sollte.

    Als „selbstbestimmt“ erlebe ich mein neues Leben in Freiheit vom Alkohol definitiv und ich fühle mich, wenn ich diesen Begriff „Alkoholiker“ denn doch mal für mich verwende, nicht „krank“, weil Alkohol Dank meiner intensiven Selbstfürsorge in meinem Leben keine Rolle mehr spielt und ich nicht das geringste Bedürfnis verspüre, jemals wieder etwas daran ändern zu wollen. - „Krank“ ist für mich inzwischen eher der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol im Allgemeinen, aber das ist ein anderes Thema.


    Mein Herausarbeiten besteht im führen eines täglichen Tagebuches mit einem kurzen Abriss über den Tag und der eigenen Aufarbeitung von damaligen Erlebnissen, Begebenheiten etc die dazu führten das man in die Sucht purzelte.

    Das klingt gut, was du da vorhast, und es passt auch zu dem, was wir an Informationen unter Bewahrung der eigenen Abstinenz durch „Selbstfürsorge“ zusammengetragen haben.

    Die Blickrichtung auf das Positive und sei es auch nur eine Kleinigkeit, die am Tag wahrgenommen worden ist, verändert in der Wahrnehmung des eigenen Lebens enorm. Ich weiß das selbst ziemlich gut, weil ich noch von zwei recht schweren chronischen Erkrankungen betroffen bin, die in meinem Leben das eine oder andere Handicaps mit sich bringen, von denen ich mir das Leben an sich aber nicht vermiesen lassen will und nach Möglichkeit nicht vermiesen lasse. ;)

    Psychologie ist ein Thema, das auch mich sehr interessiert. Wenn dich das interessiert, interessiert dich dann vielleicht auch das Thema „Neurobiologie der Sucht“? In unserer Linksammlung haben wir einen Artikel zum diesem Thema verlinkt und in diesem Artikel wird unter "Empfohlene Artikel" auf weitere hochinteressante Artikel verwiesen/verlinkt. Sehr empfehlenswert zu lesen.

    Viele Grüße
    AmSee

    Hallo und herzlich Willkommen, NieTho! :welcome:

    Dann beglückwünsche ich dich erstmal zu deiner ersten Woche in Freiheit und wünsche dir natürlich, dass noch viele, viele Tage, Wochen, Monate dazukommen.

    Kurz zu mir: Ich bin 50, w, Alkoholikerin und seit bald zweieinhalb Jahren u.a. mit Hilfe dieses Forums hier abstinent.

    Schau dich gern ein wenig hier um und, wenn du Fragen hast, nur heraus damit.



    Ja und dieses Gefühl im Brustbereich fühle ich wieder, es fühlt sich so seltsam vertraut an. Aber vielleicht deswegen habe ich eine Chance, weil ich dieses Mal nicht unbewaffnet bin.

    Wichtig ist - das weißt du wahrscheinlich schon - deine „Waffen“ zu üben und regelmäßig anzuwenden, damit sie im Zweifelsfall auch funktionieren.



    Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass ich für mich meine Abstinenz und meine Entscheidung positiv besetzen möchte. Ich möchte für mich jeden Tag herausarbeiten was mir Gutes widerfahren ist. Und was ich für neue Chancen und Möglichkeiten habe dadurch, das ich nüchtern bin.

    Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass das ein sehr hilfreicher Ansatz ist und du, wenn du das durchziehst, eine ungemein das Leben an sich bereichernde Erfahrung machen dürftest.
    Hast du schon eine Idee, wie du dieses „Herausarbeiten“ machen möchtest? Möglichkeiten gibt es dafür ja viele, nur, wenn die zu aufwändig sind, kommt der Vorsatz in der Regel zum Erliegen.


    Viele Grüße
    AmSee


    Ich weiß einfach nicht mehr weiter und verzweifle.

    Und genau darum geht es doch jetzt gerade für DICH.
    Du machst dir größte Sorgen um sie, nicht?

    Wenn du dir von ihr aufzwingen lässt, den Notarzt nicht zu rufen, obwohl es ihr wirklich schlecht geht und du um ihr Leben fürchtest (davon gehe ich aufgrund dessen, was du schreibst, aus), lässt du dir eine Verantwortung aufbürden, die du nicht tragen kannst.

    Hallo Snowflake,
    ich konnte dir nicht eher antworten, da ich anderweitig beschäftigt war. Ist die Situation für dich/ deine Freundin inzwischen etwas klarer/ besser geworden?

    Wenn deine Freundin nicht mitgehen will, kann man sie nicht dazu zwingen, das ist richtig.
    Richtig und wichtig ist für dich aber auch DEIN Selbstschutz, deshalb mein Hinweis, ggf. den Notarzt zu rufen.

    Deine Freundin mag mit Krankenhäusern schlechte Erfahrungen gemacht haben, aber ob ihre Pauschalisierung in diesem Fall angebracht ist? nixweiss0
    Wenn sie nicht mitgeht oder aber von dort, wo sie ggf. unter medizinischer Aufsicht wäre, falls es ernst ist/wird, abhaut, dann ist ihre Sache. Lass dich von ihr nicht in eine Verantwortung drängen, die du eigentlich nicht tragen kannst und auch nicht tragen solltest.

    Viele Grüße
    AmSee