Wovor ich aber gewaltig Angst hatte, dass muss ich wirklich so sagen, war die ganze Geschichte um das Trocken werden: "Eingeständnis, Klinik, Entzug, Therapie, für immer und ewig krank, immer Alkoholiker, Stigmata etc etc.".
Ich habe mich vorher tief mit dem Thema "Aufhören" beschäftigt. Und ich kanns nur wiederholen, so mies und fies ich behandelt worden bin, in einem anderem Forum, haben alle Klischees gestimmt. Und ich konnte mir das nicht vorstellen, mich in diese Welt einzufügen. Auch die Reportagen die es so gibt: Überall die schweren Geschichten, mit Kliniken die Angst machen, ganz miese Vorurteile. Und da, hatte ich einfach Angst vor. Es war für mich nicht vorstellbar, irgendwo anzuklopfen und diesen berühmten Satz zu sagen. Habe ich bis heute übrigens nicht.
Das kann ich ziemlich gut nachvollziehen, denn ich hatte in der Zeit, bevor ich hier aufschlug, ebenfalls Angst. Ich hatte da das Beispiel und die ganze Geschichte meines Vaters vor Augen. Ich glaubte, Alkoholiker zu sein, beinhaltete „Eingeständnis, Klinik, Entzug, Therapie, für immer und ewig krank, immer Alkoholiker, Stigmata etc etc.". Das hatte ich mit ihm ja auch genau so erlebt.
Da ich nicht so weit war wie er, Trinkpausen einlegen konnte, nicht auffällig wurde und so weiter, glaubte ich, diesen Weg, der für mich das alles beinhaltete, noch nicht gehen zu müssen. Um das zu verhindern, bemühte ich mich, die Kontrolle über meinen Konsum zu behalten. Und wiegte mich mit Online-Selbsttests in Sicherheit.
Als mir dann meine regelmäßigen Kontrollverluste (der Durst kam beim Trinken) mulmig wurde, beschloss ich, mich an Menschen zu wenden, die sich mit dem Thema doch auskennen müsste und meldete mich hier an. Und ich geriet zu meinem Glück an ganz andere Ansprechpartner, denn zu einem Bekenntnis/ Eingeständnisse wäre damals noch nicht bereit und auch nicht in der Lage gewesen. Auch ein Arztbesuch wäre zu dem Zeitpunkt für mich noch nicht infrage gekommen.
Was mich damals ansprach, war eine positive Perspektive nach vorne. Ich konnte Susanne68 und Gerchla vollkommen abnehmen, dass die „zufrieden abstinent“ waren. So etwas hatte ich mir vorher nicht vorstellen können.
Inzwischen habe ich mit diesem „Eingeständnis“ keine Probleme mehr, manchmal gebrauche ich den Begriff, wenn’s nützlich ist. Ansonsten ist der Begriff für mich nicht wichtig. Da ich das Interesse an Alkohol gänzlich verloren habe, er in meinem Leben überhaupt keine Rolle mehr spielt und ich mit Wasser und Brause tatsächlich vollauf zufrieden bin und gar nix anderes konsumieren will, besteht auch kein Anlass, mir selbst oder jemand anderem gegenüber regelmäßig einzugestehen, Alkoholikerin zu sein und nicht mehr trinken zu dürfen.