Beiträge von AmSee13

    Hallo und herzlich willkommen bei uns, Jane.

    Vielen Dank für deine ausführliche Vorstellung, ich schalte dich gleich für den Austausch im öffentlichen Bereich frei und verschiebe deinen Vorstellungsthread in das entsprechende Unterforum für Angehörige.

    Ich wünsche dir ein gutes Ankommen hier und einen hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Hallo Nekobasu/Ailin,

    du hattest zwar direkt Gerchla geantwortet, aber ich möchte ein paar Gedanken zu deiner Antwort teilen.

    Wäre es besser, das gar nicht zuzulassen? Ich kann es nicht beantworten. Ich weiß nur, dass meine Kinder einen kompletten Abbruch nicht wollen würden.

    Ich sehe das auch so, dass das eine beschxxx Situation ist, du und deine Mädchen stehen da vor einem ganz großen Dilemma und das nur, weil er von seiner Sucht nicht lassen kann.

    Aus deinen Worten geht für mich hervor, dass du sehr weit reflektierst, was du angesichts dieser fürchterlichen Lage tun kannst, dass du die Möglichkeiten, die dir zur Verfügung stehen, gründlich abwägst und bewusste Entscheidungen triffst.

    Und DU bist für deine Töchter da.

    Was könnte eine Tochter mehr von ihrer Mutter verlangen?
    Mehr kannst du meines Erachtens nicht tun.

    Aber ich kann den Gedanken nicht abschütteln dass er irgendwann von der Bildfläche verschwindet und meine Kinder mich zum einen fragen, ob ich nicht hätte mehr tun können bzw. von ihrem schlechten Gewissen erdrückt werden.

    Wenn deine Töchter dich irgendwann mal fragen sollten, ob du mehr hättest tun können, wirst du darauf zurückgreifen können. Und du wirst ihnen, weil du dich so damit beschäftigt hast, auch erklären können, warum mehr eben nicht möglich war.

    Was das schlechte Gewissen betrifft, brauchen deine Töchter Wissen und ggf. psychologische Begleitung. Auch das versuchst du ihnen zu geben.

    Du darfst gerne weiterhin hier schreiben, wenn du deine Sorgen teilen möchtest oder jemanden zum Zuhören brauchst.
    Was du teilst, hilft möglicherweise auch anderen, die sich in ähnlicher Lage befinden, weiter.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Ich habe dann Suchtdruck, wenn ich mental unter Druck stehe - das heißt, wenn ich gestresst werde - und das werde ich oft, da ich ein sehr sensibler Mensch bin, um nicht zu sagen extrem sensibel.

    Dazu noch ein paar Gedanken:

    Ich selbst war, so sehe ich das im Nachhinein, in den Jahren, in denen ich Alkohol konsumierte, noch sensibler als „normal“. - Hab ich selbst natürlich, als und weil ich trinken wollte, nicht so gesehen. - Da ich mich aus eigenem Interesse näher mit der Neurochemie und -biologie des Gehirns beschäftigt habe, habe ich inzwischen auch Erklärung gefunden, warum das so ist bzw. bei mir so war.

    Eine besondere Sensibilität haben, das beruht nicht nur auf meinen eigenen Erfahrungen, sondern auch auf Erfahrungen im Umgang mit Menschen, die in einer SHG wie dieser auftauchen, während des ersten und teilweise auch noch im zweiten Jahr Menschen, die aus ihrer Alkoholsucht aussteigen.

    Vielleicht macht dir das Mut, dass das mit der Sensibilität im Allgemeinen auf Dauer besser wird.

    Zweitens: Nun hast du bzw. hat dein gesamtes System gelernt, dass es sich mit Alkohol „verarzten“ kann. Diese Erfahrung ist für immer in deinem Suchtgedächtnis gespeichert und lässt sich nicht mehr löschen.
    Wenn du keine anderen überzeugenden, wirksamen Strategien/ Maßnahmen aufbaust, wird dir dein Suchtgedächtnis in Situationen des Stress/ der Not immer wieder das anbieten, was es als höchst effektiv kennengelernt hat.
    Was dort nicht gespeichert ist, ist das, was danach kommt, die ganzen negativen Nebenwirkungen, die diese „Selbstmedikation“ mit sich bringt.

    Was nicht hilft, ist, nach einem gleichwertigen Ersatz für Alkohol zu suchen, denn den gibt’s nicht. Das, was sozusagen gleichwertig wäre, hat wiederum system- und neurobiologisch bedingt Abhängigkeitspotential.

    Ansetzen muss man, um das „in den Griff“ zu bekommen, viel früher und sich auf Entdeckungsreise begeben, was einem wirklich und nachhaltig gut tut.

    Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass das zweifellos eine interessante, spannende und bereichernde Entdeckungsreise ist.

    Viele Grüße

    AmSee

    Guten Morgen, Margret,

    das kann ich gut nachvollziehen, was du über dich schreibst. Die Null-Toleranz-Politik deiner Reha ist völlig verständlich und hat durchaus auch ihre Gründe, aber manchmal ist das für einen Abhängigen eben nicht so leicht, dass er diesen Ansprüchen so genügen kann.

    Was vielleicht hilfreich für dich sein könnte, ist, dich bei dir vor Ort nach weiteren, anderen Möglichkeiten zur Unterstützung umzuschauen. Vielleicht wissen die Berater in der Suchtberatung bei dir vor Ort mehr, vielleicht kannst du auch in Selbsthilfegruppen vor Ort das finden, was du brauchst. Das bedeutet nicht, dass du dich nicht auch hier austauschen kannst, sondern das könnte eine zusätzliche Unterstützung sein, insbesondere in Zeiten, in denen du persönliche Ansprechpartner vor Ort brauchen könntest.

    Sobald ich ein Glas trinke, schreit der Suchtdruck mich an: mehr mehr!!! Also geht es nur abstinent.

    Genau solche Erfahrungen haben bei MIR zu der Erkenntnis und dem Bewusstsein geführt, dass sogenanntes „Kontrolliertes Trinken“ für mich keine Option mehr ist. Ich hätte es noch weiter versuchen können, aber mir war aufgrund entsprechender mehrfacher Erfahrungen bewusst geworden, dass das ein Kraftakt ist, den ich auf Dauer nicht bewältigen kann, bei dem ich eigentlich auf verlorenem Posten stehe. Der Durst kam auch bei mir beim Trinken.

    Als ich mir durch den Austausch hier - ich geriet zu meinem Glück an die für mich passenden Ansprechpartner - begriff, wo ich bereits stand und wohin es erwartungsgemäß mit mir noch kommen würde, war mir klar, dass es leichter war, gänzlich auf Alkohol zu verzichten und keine Ausnahme mehr zuzulassen.

    Das lief bei mir im ersten und auch Anfang des zweiten Jahres coronabedingt ganz gut. Da befand ich mich aufgrund der Beschränkungen gewissermaßen in einem geschützten Bereich.

    Das änderte sich, als die Maßnahmen ausgesetzt wurden und es wieder zu sozialen Kontakten kam, anlässlich derer Alkohol konsumiert wurde. Zunächst war ich mir meiner Abstinenz sicher, sie dauerte ja schon eineinhalb Jahre zu meiner Zufriedenheit an, aber durch den Kontakt kam mit einem Mal der Gedanke oder das Gefühl eines Verlustes auf. Und zusammen damit kam so ein Bedauern und Selbstmitleid auf, denn ich war früher beim Feiern lustig dabei gewesen und kein Kind von Traurigkeit, wie man so sagt.

    Es war nicht nur ein Kontakt, sondern da kamen innerhalb von zwei Tagen mehrere Ereignisse zusammen, die mich bzw. mein Suchtgedächtnis mächtig getriggert haben. Ich hatte plötzlich Suchtdruck vom Feinsten und hatte nur noch den Gedanken, loszufahren, mir starken Schnaps (eigentlich überhaupt nicht mein Getränk) zu besorgen und mich so richtig volllaufen zu lassen.

    Ich wusste, dass ich das eigentlich nicht wollte, aber ich war so sehr in Not, dass ich das alleine nicht überstanden hätte. Ich bin nicht losgefahren, sondern hab erstmal zwei oder drei Freunde per Kurznachrichten kontaktiert, aber die konnten mir nicht helfen. Nun war ich zu dem Zeitpunkt aber noch in einem anderen Forum engagiert und hab mich in meiner Not an die gewandt. Und dort fand ich dann das, was ich brauchte: Ich hatte zum einen geeignete Ansprechpartner, die sich auch die Zeit für mich nahmen, und zweitens hielt ich mich an den Rat, den man mir gab: Ich trank Wasser so viel, wie nur in mich reinging.
    Es dauerte eine Weile, aber das Wunder geschah: Als wirklich gar kein Schluck Wasser mehr in mich rein ging, hörte der Suchtdruck komplett auf. Ich fühlte nur noch Erleichterung.

    Im Nachhinein, da mich das Erlebnis mächtig erschüttert hat, begann ich mit der Aufarbeitung dessen, was das ausgelöst hatte, das Empfinden eines Verlustes, und konnte es ganz ablegen.

    Schon lange verspüre keinen Verlust mehr, im Gegenteil empfinde ich eine Befreiung. Ich brauche keinen Alkohol, um….. Das geht viel besser und nebenwirkungsfreier ohne. 😉

    Was ich dir pauschal erstmal raten kann, ist Folgendes:

    Wenn du schon vorher weißt, dass eine Situation schwierig für dich wird, oder werden könnte, setz dich dieser entweder zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus oder überleg dir gut und plane eine sogenannte Exit-Strategie. Vermeidung/ Ablenkung/ Rausgehen aus der Situation usw…..

    Für sogenannte Notfälle haben sich einige einen sogenannten „Notfall-Koffer“ zusammengestellt, auf den sie, wenn sie unter Druck geraten, zurückgreifen können. Die Strategien, aus denen dein „Notfall-Koffer“ besteht, müssen trainiert sein und werden, damit sie ggf. auch greifen.

    Am besten ist, wenn es gar nicht erst zum Notfall kommt, sondern schon längst vorher daran gearbeitet wird, dass es gar nicht erst dazu kommt.

    Bis hierhin erstmal.

    Viele Grüße

    AmSee

    Ich weiß nicht warum ich das frage, aber was geht in einem Vater vor, der eigentlich weiß, welchen Schaden er anrichtet bei seinen Kindern, aber sich jeder Lösung oder Hilfestellung verschliesst? Natürlich weiß auch ich, dass man da nicht mit rational-logischen Ansätzen weiterkommt. Aber die Möglichkeit der Verdrängung ist schon unheimlich. Es geht mir dauernd im Kopf herum.


    Ich hatte gestern und auch vor deiner Antwort schon überlegt, ob ich aufgrund dessen, was du schon geteilt hattest, ein paar meiner Gedanken und Erfahrungen mit dir teilen sollte oder nicht.

    Nun kommt deine Frage und deshalb schreibe ich dir etwas dazu.

    Von außen, als jemand, der nicht in so einer Sucht dranhängt, und selbst als jemand, der zwar mal drin gehangen hat, aber den Absprung geschafft hat, ist es unheimlich schwer, eigentlich gar nicht nachzuvollziehen, warum ein erwachsener, mündiger, vernunftbegabter Mensch wie zum Beispiel dein Ex-Mann, der Vater deiner beiden Töchter, nicht das Vernünftige, das Richtige tut, obwohl es doch sooooo offensichtlich vor Augen liegt.

    Doch aus eigener Erfahrung als Selbstbetroffene kann ich dir nur sagen, dass es aus der Innenperspektive eines Süchtigen überhaupt nicht so klar und offensichtlich aussieht, wie für einen Außenstehenden.

    Das fängt ja schon bei der Frage an, ob sich ein Abhängiger überhaupt seines Problems, seiner Abhängigkeit bewusst ist. Ich zum Beispiel war mir, bis ich mir selbst einer gewissen Problematik bewusst wurde und hier aufschlug, um mich darüber auszutauschen und Hilfe zu finden, nicht bewusst, wie abhängig ich bereits war und wie sich mein Alkoholkonsum insgesamt auf meinen Körper, meine Psyche, meine Beziehung zu meinem Mann auswirkte.
    Das begriff ich tatsächlich erst später so nach und nach im Laufe meiner Abstinenz, zu der ich mich ganz bewusst und aus freiem Willen entschieden habe.

    Nun kenne ich deinen Mann nicht und auch nicht sein Reflektionsniveau.
    Es kann durchaus sein, dass er es tatsächlich gar nicht sieht, weil er entweder nicht das entsprechende Reflektionsniveau hat oder weil er ganz und gar mit sich selbst und seinen Verstrickungen beschäftigt ist, oder dass er es zumindest nicht in dem Ausmaß sieht wie du.
    Es kann sein, dass, gerade weil du der „Stachel in seinem Fleisch“ bist, ein Beziehungsgefälle zwischen euch herrscht und er, der er vermutlich sich als erwachsenen und mündig empfindet, das ablehnt, was du sagst. - Du schreibst selbst, dass er dich mitunter „dämonisiert“.
    Es kann sein, dass er verdrängt, weil er diese „Schuld“ nicht auch noch tragen kann.

    Mein Vater, so kann ich das im Nachhinein nur rekapitulieren, hat mit dem Trinken immer wieder dann angefangen, wenn ihm die Dinge über den Kopf wuchsen. Er hatte, wie ich das heute weiß, recht wenig sogenannte Frustrationstoleranz. Die hatte er leider aufgrund seiner eigenen Kindheits- und Jugenderlebnisse nicht erwerben können.
    Der hat in solchen Momenten, in denen er rückfällig wurde, vermutlich verdrängt, weil er das nicht tragen konnte.


    Was ich mit all dem zu Ausdruck bringen will: Es ist nicht so einfach, so logisch-rational, wie man als Ausstehender denkt.

    Das ist meines Erachtens das Schlimme an der Sucht. Man sagt, dass das eine Krankheit ist, aber im Grunde sagt man das nur, damit‘s mit der Krankenkasse abgerechnet werden kann. Bei jeder anderen Krankheit unternimmt man als Erkrankter alles Mögliche, um zu genesen.
    Das ist bei Alkoholismus und Suchterkrankungen im Allgemeinen aber nicht unbedingt der Fall. Wenn du drin steckst, suchst du dein Heil in genau dem, was dich krank macht, und du steigst erst aus, wenn du an eine Art persönlichen Tiefpunkt gerätst und aus deinem Inneren der unbedingte Wunsch dringt, diesen Weg nicht mehr weitergehen zu wollen. Es steigen, das zeigt sich leider immer wieder, nicht alle aus, aus welchen Gründen oder Hintergründen auch immer.

    Weißt du, ich weiß alles Mögliche über diese Erkrankung, aber ich habe alles getan und arbeite noch immer daran, dass es ja niemals zum Rückfall kommt. Und ich tue das, weil mir bewusst ist, dass mir all dieses Wissen egal sein könnte und ich nichts anderes als trinken will, wenn ich nochmals Alkohol konsumiere. DAS ist Sucht….. Total unvernünftig und unlogisch.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo Nekobasu,

    was du über deine Tochter schreibst, kommt mir seeeehr vertraut vor. Ich selbst war als Kind und Jugendliche auch schon „sehr weise“, viel weiter als meine Altersgenossen. Deshalb kam ich bei denen auch nicht so an, weil ich eben anders war. Mit Erwachsenen konnte ich gut reden, so gut, dass denen entgangen ist, was mir entwicklungsbedingt noch zum „Erwachsensein“ fehlte.

    Gut, dass deine Tochter in der Drogenberatungsstelle mit einer Psychologin genau zu diesem Thema sprechen konnte und das auch bei ihrer jetzigen Therapie kann. Im Unterschied zu „normalen“ Erwachsenen darf man davon ausgehen, dass Profis wie es Psychologen sein dürften, sich bewusst sind, wo Jugendliche entwicklungsbedingt stehen und was sie brauchen bzw. nicht brauchen.

    Ja, das Herz….. Mit dem Kopf war ich stets sehr schnell und bin es auch noch heute. Mein Neurologe und Psychiater, bei dem ich seit Jahren mit Unterbrechung von etwa 10 Monaten wegen Depressionen in Behandlung bin, sagte vor Jahren mal zu mir, dass mein Verstand messerscharf sei, wie ein Chirurgenskalpell. Dummerweise aber war mein Verstand ziemlich rücksichtslos im Umgang mit mir selbst bzw. meiner Psyche. - Na klar, wie sollte er auch anders können, er kann naturgemäß gar nicht anders. - Mir ist es in den ersten Jahren bei ihm so manches Mal so ergangen, dass wir im Gespräch etwas analysiert haben, die Psyche, die Emotionen sich aber erst drei Tage später äußerten und mich völlig fertig machten. Da kamen Gefühle und teilweise auch Bilder hoch, denen ich überhaupt nicht oder kaum gewachsen war. - Das passiert mir inzwischen schon lange nicht mehr, aber das hat bei mir durchaus eine ganze Weile gedauert, bis Kopf und Herz gewissermaßen eins wurde.

    Ja, es ist bitter, dass deine Tochter (eigentlich beide Töchter) sich in so jungen Jahren mit solchen Themen auseinandersetzen muss. Angesichts dessen, wie sorglos und selbstverständlich in unserer Gesellschaft mit Alkohol umgegangen wird und für wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass er zum Leben einfach dazu gehört, möchte man als jemand, der mit der Problematik vertraut ist und/oder persönlich damit zu tun oder darunter zu leiden hat, kotzen.

    Was ich damit zum Ausdruck bringen will: Du darfst deine Wut und dein Unverständnis darüber durchaus auch mal rauslassen. Das ändert zwar nichts an den Umständen und nichts an unserer Gesellschaft, die nun mal so ist, wie sie ist, und sich voraussichtlich auch nicht sobald ändert, aber es dient deiner eigenen Psychohygiene.

    So schlimm, wie das jetzt auch ist, so besteht die Chance für deine Tochter, dass sie daran wächst und den Umgang damit findet, den sie braucht.


    Auf den zweiten Teil deines Beitrags antworte ich gleich. Ich schicke das hier jetzt erstmal ab.

    Liebe Grüße

    Hallo Margret,

    nun bist du freigeschaltet und kannst im öffentlich sichtbaren Bereich Beiträge verfassen. Und dieser dein Vorstellungsfaden ist in das entsprechende Unterforum im öffentlich sichtbaren Bereich verschoben.

    Zunächst einmal kann ich dich nur beglückwünschen, dass du etwas gegen deine Alkoholsucht tun willst, erste Schritte hast du ja bereits unternommen.

    Was mir aus deiner Vorstellung noch nicht so ganz klar ist, ist, worin dein Ziel derzeit liegt. Möchtest du dein ursprüngliches Ziel 0,0 % erreichen und hast es nur deswegen nicht erreicht, weil du sowas wie Suchtdruck hattest und dem nachgegeben hast?
    Oder willst du’s mit dem sogenannten „Kontrollierten Trinken“ zu sehr seltenen Gelegenheiten versuchen?

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo und herzlich Willkommen, MargretDD,

    ich selbst bin gerade unterwegs, deshalb kann ich dich im Moment nicht freischalten und deinen Vorstellungsfaden in den entscheiden Bereich verschieben. Das schaffe ich erst später.

    Ich wollte dich aber wenigstens schon mal kurz begrüßen.

    Weitere Antworten, wenn sie nicht schon von anderen kommen, folgen von meiner Seite auch später.

    Viele Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Hast du dich mal nach entsprechender Literatur für Teenager erkundigt?

    In unserer Literaturecke findet sich u.a. eine Literaturempfehlung für Kinder. Ich hab das Buch selbst noch nicht in der Hand gehabt und es ist wohl auch für jüngere Kinder verfasst (ob noch für Teenager? 🤷‍♀️), aber vielleicht ist das ja geeignet oder bietet hilfreiche Anhaltspunkte.

    Vielleicht findest du dort aber noch etwas, was für dich in deiner Situation geeignet wäre.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hi Tom,
    gerne, dafür ist eine solche SHG ja da, sich auch über solche Themen und entsprechende Erfahrungen auszutauschen. :)

    Meine eigene Erfahrung - und sie wird durch Erfahrungen anderer, die auf ihrem Weg zur sogenannten „zufriedenen Abstinz“ aktiv Selbstfürsorge/ Trockenarbeit oder, was für einen Begriff auch immer man dafür verwenden will, betreiben, bestätigt - ist, dass man sich völlig neu entdeckt und ggf. überhaupt erst findet.

    Man entdeckt auf diesem Weg u.U. ein völlig neues Selbstbewusstsein und auch Selbstwertgefühl. Das führt durchaus auch dazu, dass man sich klarer darüber wird, was man eigentlich will und was man gar nicht mehr will. Und von dem, was man nicht mehr will, löst man sich dann in der Regel auch.

    So eine Entwicklung dauert natürlich und da gibt’s durchaus auch mal Höhen und Tiefen. Es ist zweifelsohne auch ein Kraftakt, denn Veränderung kostet immer Energie und sorgt im Gehirn durch das Ordnen und neu Einordnen durchaus für nicht wenig Stress.

    Für mich kann ich sagen, dass sich dieser Kraftakt, dieser Stress wirklich gelohnt hat. Und dem dem, was andere hier so teilen, ist zu entnehmen, dass es ihnen ebenso geht, je länger sie dabei sind.

    Dir ebenfalls einen schönen Tag und liebe Grüße. AmSee

    Ja, Nekobasu, das ist in der Tat ein Drahtseilakt für deine Töchter und für dich letztlich auch.

    Gut, dass du für dich sorgst. 👍 Meine Mutter hat das leider nicht getan, sie wusste nicht wie und meinte wahrscheinlich auch, sich das nicht leisten zu können. Dass sie’s nicht getan hat, hat sowohl mir als auch meiner jüngeren Schwester und schließlich auch meiner Mutter selbst alles andere als gut getan.

    Sie will ihren "Papa zurück" wie sie ihn von früher kannte.

    Wer könnte deiner jüngeren Tochter das verdenken?

    Trotzdem hat sie immer wieder Schuldgefühle wenn sie ihn eine Weile nicht besucht hat.

    Das sagt eine Menge aus, vor welche Problematik sie sich gestellt sieht. Wie sollte sie aus der Nummer auch rauskommen? Die Alternative, nicht zu ihm zu gehen, dürfte undenkbar für sie sein.

    Versuche ihnen immer wieder behutsam zu sagen, dass es nicht ihre Schuld/Verantwortung ist, was ihr Papa macht. Das sie ihn nicht ändern können, und das nur er selbst das tun kann.

    Das ist schon für Erwachsene, die in einer Co-Abhängigkeit drinstecken, so schwer zu verstehen… …. Hast du den Eindruck, dass deine Worte bei deinen Töchtern ankommen, dass sie begreifen, was du ihnen zu sagen versuchst?

    Interessant dürfte für dich sein, inwieweit das Thema bei der professionellen Behandlung deiner jüngeren Tochter thematisiert wird.

    Hast du dich mal nach entsprechender Literatur für Teenager erkundigt?

    Aber trotzdem fehlt ihnen ihr Papa und das Gefühl, dass sie ihm nicht wichtig genug sind, dass er etwas ändert für sie ist sicherlich unterschwellig immer da.

    Dieses Gefühl hatte ich auch. Der Gedanke, dass er mich nicht genug liebte, um das sein zu lassen, hat mich schier zerrissen und mein Selbstwertgefühl unterminiert.


    AmSee

    Nun haben Bighara und Honk dir schon geantwortet, daher muss ich auf den Teil jetzt nicht näher eingehen.

    Meine Gefühlswelt entdecke ich auch wieder neu. Einersets viiiel weniger Drama, was toll ist! :) Zudem kann ich meine Emotionen viel besser einordnen und verstehen. Bin aber auch sensibler geworden, was mich, grad bei der Arbeit verunsichert.

    Das, was du da beschreibst, entspricht durchaus meinen eigenen Erfahrungen und den Erfahrungen vieler anderer, von denen ich im Laufe der Zeit gelesen habe. Einerseits bemerkenswert weniger Drama, andererseits eine größere Sensibilität.

    Dass das so ist, ist eigentlich, wenn man bedenkt, was man mit Alkohol wegzudrängen versucht hat und welche paar Empfindungen man mit Alkohol verstärken wollte, nicht weiter verwunderlich. Nu ist der Alkohol weg und man steht mit einem Mal ungefiltert einem u.U. ganzen Blumenstrauß an Emotionen gegenüber. Und da verändert sich in den ersten Wochen und Monaten der Abstinenz ja auch wieder etwas in der Neurobiologie des Gehirns.

    Ich war, das wurde mir aber erst später so richtig bewusst, in meinem ersten und noch Anfang des zweiten Jahres recht empfindlich. Hättest du mich direkt drauf angesprochen, hätte ich das verneint und mich angegriffen gefühlt.

    Mein Tipp, wenn ich dir einen geben darf: Ärgere dich nicht über dich. Diese neue Sensibilität ist ganz normal und gehört dazu. Im Laufe der Abstinenz und je besser du dich kennenlernest normalisiert sich das.

    Mir wird aber mehr und mehr klar, dass ich mich austauschen möcht über meine (unsere) Sucht. Weil ganz alleine gehts halt doch nicht. Drum bin ich nun auch in diesem Forum und suche mir eine passende Gruppe. Ob dann beides Bestand haben wird, kann ich ehrlicherweise heute nicht sagen. Das wird sich zeigen.

    Austauschen wirst du dich hier zweifellos können. Auch wenn wir derzeit nicht soooo viele Aktive sind, wird sich gewiss immer wieder jemand finden, der dir antwortet. Manchmal dauert‘s halt ein bisschen länger.

    Einige Nutzer hier nutzen beides, SHG vor Ort und dieses Forum, andere, ich zum Beispiel, nutze nur dieses Forum, weil mir das ausreicht bzw. ich nicht das Bedürfnis nach mehr verspüre. Das hängt von jedem selbst ab, was er braucht bzw. was ihm gut tut. Um das herauszufinden, braucht es durchaus auch seine Zeit. Du musst also jetzt gar nicht sagen und auch nicht wissen, was Bestand haben wird, denn was du tatsächlich brauchst, wird sich im Laufe der Zeit ergeben.

    Viele Grüße

    AmSee

    Ich lebe in der Schweiz, deine Tipps betr. Gruppen/Meetings wären somit mehr als nur ein paas km entfernt ;)

    Hi Tom,
    sollte es in der Schweiz denn tatsächlich soooooo viel anders sein als in Deutschland?
    Grundsätzlich bieten ja nicht nur die AA Selbsthilfegruppen an, da gibt’s noch eine Reihe andere Anbieter bis hin zu unabhängigen SHGs, die jemand gegründet hat, der mit den übrigen Angeboten nicht zufrieden war.

    Grüße

    AmSee

    Nun dazu ein paar Gedanken:

    Ich sitze mit dem Dilemma, dass ich ihr ermöglichen möchte so viel wie möglich schöne Momente mit ihrem Vater zu erleben. Ich lade ihn dazu regelmäßig zu uns ein damit die Mädchen in einem geschützten Raum mit ihm Zeit verbringen können (seine Wohnung zieht sie eher runter, viele schlechte Erinnerungen, sie gehen nur wenn es sich nicht anders machen lässt) Beide versuchen Grenzen zu setzen, sich von ihm abzugrenzen, was auch wichtig ist. Wenn er zu uns kommt klappt es manchmal, dass sie entspannt was mit ihm machen können. Allerdings will er das eigentlich nicht. Ich glaube zum einen, dass es ihm wehtut zu sehen, was er quasi "verpasst". Außerdem beschämt es ihn wahrscheinlich mit mir dort zu sein. Wenn er einsichtig ist gibt er zu dass ich wirklich für ihn da bin wenn er es braucht und im ehrlich Hilfe anbiete. Aber es gibt auch Tage wie heute, in denen er mich quasi dämonisiert. Wahrscheinlich macht er das um seine Ruhe zu haben, und sein Leben so weiter führen zu können wie es gerade ist.

    Das ist auch eine ganz knifflige Sache für alle Beteiligten.
    Ich nehme mal diese Aussage dazu: „Das Gefühl haben sie heute schon: sie müssten sich doch öfter mit dem Papa treffen, ihn besuchen, auch wenn sie danach immer fix und fertig sind.“

    Da muss ich erst nochmals nachfragen: Möchten deine Töchter ihren Papa öfters treffen? Haben sie in irgendeiner Weise geäußert, dass sie das Bedürfnis spüren, mehr für ihn tun zu können und eine offensichtlich negative Entwicklung aufhalten zu können?

    Wenn das so sein sollte, brauchen deine Töchter unbedingt Hilfe, denn sie befinden sich dadurch in einer Verantwortungsrolle, die sie auf keinen Fall übernehmen sollten. Wenn ihr Vater offensichtlich nicht seiner Verantwortung, die er selbst für sein Leben (und damit auch für das Leben seiner Töchter) nachkommen will oder kann - ich hab deinen alten Faden hier noch nicht gelesen, aber ich gehe davon aus, dass dir vertraut ist, dass man einem Alkoholiker von außen nicht helfen kann, wenn er das nicht will - dann werden die Dinge ihren Gang nehmen.

    Hallo Nekobasu/ Ailin.

    Ich weiß, dass ich stark sein muss für sie, denn sie hat starke Tendenzen dazu sich für andere verantwortlich zu fühlen, vor allem für ihren Vater (was wahrscheinlich der Grund für ihre Erkrankung war und was ich leider auch nicht verhindern konnte, trotz vieler Gespräche).

    Diesbezüglich teile ich gerne, was ich aufgrund meines eigenen Genesungsinteresses an Wissen und Kenntnissen in Erfahrung gebracht habe.

    Ja, natürlich solltest du als Mutter und Erziehungsberechtigte stark sein, aber diese Stärke und Sicherheit wirst du tatsächlich nur vermitteln können, bzw. deine Töchter werden dir abnehmen, dass du sie wirklich hast und sie darauf vertrauen können, wenn du in genügender Form für dich selbst sorgst, wenn du ihnen vorlebst, wie du achtsam mit dir bist und die nötigen Schritte unternimmst, die du für dich brauchst.

    Sorgst du nicht genug für dich, werden deine Töchter das spüren.

    Ob das bei dir der Fall ist, kann ich aus der Distanz gar nicht beurteilen. Dein „ich muss stark sein“ wirkt auf mich aufgrund meines eigenen Hintergrundes, dass du unter großem Druck stehst, dem du selbst kaum gewachsen bist.

    Lass deine Selbstfürsorge deshalb auf gar keinen Fall außer Acht. Man muss nicht alles wissen, man muss nicht alles können, aber ein Erwachsener muss wissen, dass, wo und wie er sich ggf. Hilfe und Unterstützung holt und dies dann auch tun.
    Du musst ihnen auch nicht alles erzählen, was du tust, Kinder und Jugendliche müssen nicht alles wissen, besonders nicht das, wozu ihnen entwicklungsbedingt die innere Reife fehlt.


    Was diese Verantwortungsrolle betrifft, in die deine Tochter geraten ist, so ist das (leider) etwas, in das Kinder aus sogenannten dysfunktionalen Familien - und dazu zählen Familien mit einem an Alkoholismus erkranktem Elternteil - schon in sehr jungen Jahren unbewusst hineinwachsen.

    Das ergibt sich fast zwangsläufig dadurch, dass Kinder, die von Natur aus ein Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit haben, es spüren, wenn etwas dem entgehensteht.
    In dem Alter, in dem sie anfangen, den Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu begreifen, lernen sie, dass sie durch ihr Tun oder Nicht-Tun die Stimmung ihrer Eltern und Angehörigen beeinflussen können.
    Ein Beispiel: Das Kind hat sein Bett selbst gemacht, sein Zimmer selbst aufgeräumt und seine Eltern freuen sich. Was lernt es dabei? Es lernt: Ich kann beeinflussen, dass es meiner Mutter/ meinem Vater …. gut geht.
    Und schon hat es eine gewisse Form von Verantwortung erlernt.

    In einer Familie, in der es in Sicherheit und Geborgenheit aufwächst - bei meinen Nichten darf ich so etwas miterleben und, welche positiven Auswirkungen das auf ihre Entwicklung, ihr Selbstvertrauen und ihr Selbstbewusstsein hat, beobachten - ist das nicht weiter relevant, denn das Kind gerät gar nicht erst in die Lage eine Rolle übernehmen zu müssen, die eigentlich Rolle der Eltern ist. Die Sache mit der Verantwortung spielt aber eine große Rolle in Familien, in denen das Kind nicht in der Sicherheit und Geborgenheit aufwächst, die es braucht.

    Kinder in unsicherer Umgebung versuchen das, was ihnen fehlt, mit ihren Mitteln und Möglichkeiten zu kompensieren. Dazu gehört auch, eine Verantwortung zu übernehmen, die eigentlich Sache der Eltern wäre, aber von den Eltern nicht oder zu wenig übernommen wird. Das alles geschieht unbewusst und nahezu von selbst.

    Die Eltern bekommen das gar nicht so sehr mit und sind sich dessen in der Regel auch nicht bewusst. Was völlig verständlich und natürlich ist, da sie ja mit der Dysfunktionaliät der Familie selbst zu tun haben und ihr ganzer Fokus unter Umstände darauf liegt, die Dinge irgendwie hinzubekommen.

    Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass es sich als Kind ganz toll anfühlt, solche Verantwortung für die Eltern bzw. die Familie zu übernehmen. Da fühlt man sich sooooo groß.

    Fakt ist aber, das habe ich allerdings erst als Erwachsene gelernt, dass Kinder mit dieser Rolle, ohne dass ihnen selbst das bewusst ist, völlig überfordert sind.

    Dass deine Tochter an Depression erkrankt ist, könnte durchaus damit zu tun haben. Für mich war das damals ganz grauenvoll, dass, egal, was ich für meinen Vater (und auch für meine Mutter) tat, es nichts fruchtete. Ich hab da all meine Energie rein gesteckt, die Alternative war für mich undenkbar, aber es änderte sich nichts.
    Und ich hatte so sehr das Bedürfnis dem zu entkommen, aber es gab kein Entkommen.

    Suizidgedanken sind ein Forum der Flucht. Man will eigentlich nur weg von etwas, was als unerträglich empfindet.

    In der professionellen Behandlung, die deine Tochter erfährt, darfst du grundsätzlich erstmal davon ausgehen, dass deine Tochter stabilisiert wird und neue Perspektiven kennenlernt, auf die sie selbst niemals gekommen wäre.

    Bis hierhin erstmal. Später voraussichtlich mehr.


    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Nekobasu,

    nun bist du im öffentlich sichtbaren Bereich und kannst in dem Bereich auch Beiträge verfassen.

    Da wir vermutlich noch nicht miteinander zu tun hatten, ich bin erst seit Ende Oktober 20 aktiv hier, stelle ich mich dir kurz vor:

    Ich, inzwischen 51, kenne die Alkoholproblematik sowohl als Selbstbetroffene als auch als Tochter aus alkoholkranker Familie.

    Aufgrund dessen, was mir als Tochter eines Alkoholikers von klein auf bis zum Tod meines Vaters, als ich 15 Jahre alt war, widerfahren ist, kann ich die Problematik deiner Töchter und auch deine ungefähr erahnen. Aufgrund dessen, was ich selbst über Alkoholismus in Erfahrung gebracht habe, dürfte ich dir auch etwas über deine Hoffnungsaussichten bzgl. des Vaters deiner Kinder sagen können.

    Meine Jüngste ist seit einem Jahr in Therapie wegen Depressionen. Sie ist noch keine 14 Jahre alt. Sie war in der Klinik wegen aktuer Suizidgedanken. Und natürlich hat sein Verhalten die letzten Jahre einen großen Anteil daran. Er weiß das natürlich, ist sicherlich auch betroffen, aber ändern tut er nichts. Es tut mir so unglaublich weh zu sehen, wie er seine Tochter immer wieder mit runterzieht. Der Alkohol offensichtlich stärker ist als seine Liebe zu den Kindern.

    Es ist schlimm, wenn Kinder in so jungen Jahren bereits einer Depressionserkrankung verfallen. Bei mir selbst wurde das damals nicht diagnostiziert, aber damals hatte man vielleicht auch nicht das Bewusstsein dafür und meine Eltern selbst waren so mit sich selbst beschäftigt, dass sie meinen Zustand gar nicht mitbekommen haben.

    Triggerwarnung! Das Folgende könnte dich als Mutter triggern!

    Suizidgedanken hatte ich damals auch oft und so um den Zeitraum, als sich aufgrund der Dramatik der Ereignisse ein katastrophales Ende meines Vaters anbahnte - ich spürte das damals irgendwie bzw. war mir dessen sehr bewusst - war ich selbst mir gewiss, dass ich ihm ins Grab folgen würde.

    Doch zu meinem Glück fand ich zu jenem Zeitpunkt jemanden, der mir den Halt bot, den ich damals brauchte und zuhause nicht fand. Das hielt sich zwar nicht lange, weil die Person, die ich kennenlernte, aus verschiedenen Gründen, u.a. auch dass mein Vater sie mehr reingerissen hatte, als sie ahnte, mit mir als Teenager völlig überfordert war.

    Mein Vater starb dann kurz darauf infolge eines selbstverschuldeten Autounfalls unter Alkohol- und Entzugsmedikations-Missbrauch. Da war ich gerade 15 Jahre alt.

    So sehr mich sein Tod geschockt und gewiss auch traumatisiert hat, das, was ich für mich selbst erwartet hatte, traf nicht ein. Ich lebe immer noch, auch wenn mein Leben auch danach zweifellos nicht immer einfach war.

    Deine Tochter lebt in gewisser Weise unter günstigsteren Umständen als ich damals. Ihre Depressionserkrankung ist diagnostiziert und sie befindet sich deswegen in professioneller Behandlung. Das ist unglaublich viel wert und es besteht unter anderem auch deswegen durchaus Anlass zur Hoffnung, dass, was auch immer kommt, es nicht schwarz für sie ausfällt.

    Mein Vater hat seine Familie, seine Töchter daran besteht für mich keinerlei Zweifel unendlich geliebt, aber er selbst steckte so sehr in seiner eigenen Verstrickung fest, dass er seiner Alkoholsucht trotz unzähliger Versuche nicht entkommen ist.

    Gesehen dürfte er durchaus haben, was er anrichtet, blind war mein Vater dafür mit Sicherheit nicht, aber den berühmten Schalter hat er, obwohl er‘s durchaus versucht hat, nicht gefunden.

    Deine Tochter ist in professioneller Behandlung, daher ist davon auszugehen, dass das, was sie beschäftigt, die Fragen, Gedanken und Probleme, die sie mit ihrem Vater hat, angesprochen und vielleicht sogar geklärt werden. Was du meines Erachtens als Mutter tun kannst, ist, ihr zuzuhören und ihr ggf. die Sicherheit und Stabilität zu geben, die sie braucht.

    Meine eigene Mutter konnte mir das damals nicht geben, aufgrund der Ereignisse in meiner Familie und der Verantwortung, die ich mich als Kind und Jugendliche immer wieder gezwungen sah übernehmen zu müssen (wie oft hat sie sich bei mir ausgeweint, wie oft hab ich sie vor ihm beschützt, wie oft hab ich mich in der Verantwortung gesehen, für die Familie sorgen zu müssen und Geld verdienen zu müssen?), hatte ich diesbezüglich keinerlei Vertrauen zu ihr.

    Du aber lebst schon sechs Jahre getrennt von ihm und dürftest in dieser Zeit etwas aufgebaut haben, das ihr grundsätzlich das nötige Vertrauen und die Sicherheit geben kann.

    Viele Grüße

    AmSee


    P.S.: Verrätst du uns deinen alten Nickname, damit wir, die wir noch nicht mit dir in Kontakt standen, in deinem alten Faden nachlesen können, was du schon von dir geteilt hast?

    Hallo und herzlich Willkommen zurück, Nekobasu!

    Ich schalte dich gleich erstmal für den Austausch im öffentlichen Bereich frei und verschiebe deinen Vorstellungsfaden in das entsprechende Unterforum im öffentlichen Bereich.

    Auf deine Vorstellung antworten werde ich dir dann anschließend.

    Viele Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Die Leute sind durchwegs nett, aber der Dogmatismus entspricht mir nicht.

    Falls dir das noch nicht bewusst sein sollte: Ich weiß nicht, in welcher Gegend du wohnst, aber in meiner Gegend gäbe es zum Beispiel durchaus noch andere Angebote. Vielleicht ist das bei dir ja auch so.

    Unter Umständen lohnt es sich auch, ein paar Kilometer Fahrt auf dich zu nehmen, wenn du dort eine Gruppe finden kannst, die eher zu dir passt.


    Und natürlich kannst du auch hier schreiben, wenn dich etwas beschäftigt und du das hier teilen magst.


    Grüße

    AmSee