Hallo Jane,
Danke dir für deine Rückmeldung.
Oft schreibt man hier was, weiß aber aufgrund fehlender Rückmeldung gar nicht, ob das, was man zum Ausdruck bringen wollte, überhaupt richtig angekommen ist.
Du klingst, wenn ich dir das sagen darf, sehr reflektiert und tatsächlich in dem Sinne „erwachsen“, wie Brant das deinem Ex-Freund eher abgesprochen hat. - Sorry, die Formulierung ist schief, aber ich krieg das nicht besser hin, was ich sagen möchte…. -
Dieses Thema Verantwortung für sich selbst zu übernehmen bzw. dass erwachsene Menschen, insbesondere wenn auch noch Kinder mit im Spiel sind, ihrer Verantwortung für sich selbst und ggf. ihre Kinder eben nicht nachkommen, ist leider immer mal wieder Thema in so einer Selbsthilfegruppe wie dieser hier.
Zudem bin ich gerade selber in einem Heilungsprozess aufgrund eines Burnouts und habe gemerkt, dass diese Streitereien um sein Verhalten mit Alkohol mich immer wieder zurück werfen und ich mich jetzt um mich kümmern muss.
Das hast mein Mitgefühl, dass du in so jungen Jahren (ich selbst bin 51 und hab am eigenen Leib erfahren müssen, was „Burnout“ bedeutet) schon mit so etwas zu tun haben musstest.
Gut aber, dass du dadurch gelernt hast bzw. lernst, auf dich Acht zu geben, dich um DICH zu kümmern.
Das ist, das musste ich selbst leidvoll erfahren, soooooo wichtig.
.... aber schaue aus diesem Grund mit etwas Sorge darauf. Mein Freund hatte eine furchtbare Kindheit mit viel Gewalt gegen ihn und seine Geschwister. Seine Freunde waren seine Rettung und ich befürchte seitdem er 18 ist wurde auch der Alkohol zum Tröster. Da stecken viele Komplexe Strukturen dahinter, die er sich auch stellen müsste. Denn ich kann zwar verstehen warum er manchmal handelt wie er handelt, aber d.h. nicht, dass ich es akzeptieren muss. Und bei dem Punkt bin ich mit dem Thema Alkohol bei ihm angelangt.
Da schaust du meiner eigenen Erfahrungen und meines Wissens um solche Problematiken nach mit Recht und gutem Grund mit Sorge drauf.
Das klingt ganz danach, dass dein Ex-Freund eine noch größere Baustelle zu bewerkstelligen hat, als er selbst und du das vielleicht ahnt.
Ich sehe das ganz genau so wie du, dass man zwar verstehen (ich nenne das lieber „nachvollziehen“) kann, warum jemand so handelt, wie er handelt, das aber nicht zwangsläufig akzeptieren muss. So wie du ist er in seinem Alter ein erwachsener Mensch, der für sich selbst Verantwortung übernehmen muss. Das kann ihm niemand abnehmen, denn er ist eben kein kleines Kind mehr und er trifft ja durchaus auch seine eigenen Entscheidungen, selbst wenn er damit u.U. sich selbst und anderen schadet.
Ich schreibe dir das, weil ich weiß, wie leicht man sich als Angehöriger oder auch Freund in eine Verantwortungsrolle begibt, die man nicht einnehmen sollte und auf der man, wenn der andere nicht will, auf verlorenem Posten steht.
Hoffnungsvoll klingt, dass er dir offenbar zugehört hat und sich gleich heute um eine Beratung bemühen will. Ich kann ihm (und dir) nur wünschen, dass er das findet, was ihm den Stein zu einem echten Anstoß gibt.
Es steht und fällt damit, dass ER das wirklich von sich aus angehen will und sich selbst dafür einsetzt.
Liebe Grüße
AmSee