Beiträge von AmSee13

    Auch habe ich, wenn es sich nicht umgehen lies, ab und an einen Sixpack zum Grillen eingekauft. Für mich ist das eine Möglichkeit, mich mit meiner Sucht zu konfrontieren und ein "normaler" Umgang, der mich sogar selbstbewusst macht. Mir ist das so lieber, als das ich den Alkohol als einen Angreifer sehe, der auf mich lauert. Gerade durch die ständige Angst vor ihm gebe ich ihm meiner Ansicht nach mehr Macht, als er eigentlich hat. Und da er überall present ist, ist mir das so lieber.

    Dazu noch etwas:


    Ich selbst sehe den Alkohol nicht als Angreifer. Er triggert mich inzwischen ja auch schon lange nicht mehr und ich habe auch keine Angst vor ihm.

    Für mich fühlt es sich falsch an, für andere Nervengift - denn das ist Alkohol nun einmal, das habe ich am eigenen Leib ja nur zu deutlich im Laufe meiner Abstinenz zu spüren bekommen - zu kaufen und es ihnen von mir aus anzubieten.

    Und deshalb tue ich das nicht. Ich hab vor inzwischen einem halben Jahr eine Ausnahme gemacht, aber die hat sich für mich nicht gut angefühlt, ich hatte kein gutes Gewissen dabei, deshalb will ich nicht nochmals so eine Ausnahme machen.

    Wenn andere meinen, sie müssten Alkohol konsumieren, dann liegt das in ihrer Verantwortung, nicht in meiner. Deshalb dürfen die sich bei uns ihren eigenen Alkohol mitbringen, das juckt mich dann auch nicht, nur stelle ich eben keinen bereit.

    rent , ich kann das durchaus nachvollziehen, was du schreibst.

    Mancher, ich selbst ja auch, ringt am Anfang noch damit, sich selbst als Alkoholiker zu bezeichnen, weil dieser Begriff in unserer Gesellschaft negativ besetzt ist und in gewisser Weise für Versagen steht.

    Den ganzen Rattenschwanz erklären zu müssen, wenn bei einer Feier zuhause kein Alkohol mehr angeboten wird, fühlt sich da unter Umständen wie eine zusätzliche Hürde an. Dazu passt ja auch die Frage, die wir in unserem Artikel aufgeführt haben, nämlich, ob ich meinem Umfeld mitteile, dass ich Alkoholiker bin oder nicht. Es stellt sich da ja die Frage, ob das gut für mich ist oder möglicherweise eher hinderlich.

    Diese Erkenntnis hier

    Es geht meines Erachtens gar nicht darum, dem anderen mein „Joch“ aufzuerlegen und meine „Krankheit“ wie ein Schild vor mir zu tragen, sondern es geht vielmehr darum, ob ich auf eigene Kosten Rücksicht auf andere nehmen muss.

    Wenn es mir nicht gut tut, wenn mein Partner zuhause am besten noch in meiner Gegenwart Alkohol konsumiert, darf ich ihn denn dann nicht darum bitten, Rücksicht auf mich zu nehmen?

    Bin ich denn weniger wichtig als andere?

    hatte ich am Anfang auch noch nicht. Das musste auch ich mir erst erarbeiten.

    Es ist meines Erachtens aber eine wertvolle Erkenntnis, die ich hier gerne weitergeben möchte.


    Ich bin nicht weniger wichtig als andere.
    Ich muss nicht auf eigene Kosten Rücksicht auf andere nehmen.


    Nun hatte ich damals aufgrund der gesellschaftlichen Einschränkungen durch die Coronamaßnahmen auch Zeit, mich meiner Problematik erstmal selbst stellen zu können. Die Konfrontation mit anderen außer meinem Mann kam ja erst Monate später.

    Ich halte es aufgrund meiner eigenen Erfahrungen durchaus für sinnvoll, am Anfang der Abstinenz erstmal von solchen Konfrontationen Abstand zu nehmen, um erstmal Klarheit für sich selbst zu gewinnen.


    P.S.: Was den Begriff „Alkoholiker“ betrifft, so steht er für mich inzwischen längst nicht mehr für Versagen. Ich habe nicht versagt, nur weil ich nicht so Alkohol konsumieren kann wie andere.
    Alkoholkonsum ist für mich keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern inzwischen eigentlich sogar ziemlich abwegig. Nichts, absolut gar nichts mehr reizt mich daran, im Gegenteil stößt es mich sogar eher ab. Mir doch egal, wenn andere meinen, nicht darauf verzichten zu können oder zu wollen. In meinem Leben spielt er jedenfalls keine Rolle mehr. - Wie gesagt, ich hab etwas Zeit gebraucht, um da hin zu kommen.

    Und Alk gibt es ja nun "leider" an jeder nächsten Straßenecke zu kaufen. Sollte er jetzt verboten werden, weil ICH ein Problem damit habe? Ich mag im übrigen auch keine Beschränkungen und Verbote, nur weil ein Teil der Leute mit gewissen Sachen nicht umgehen können und das dann immer für alle verallgemeinert werden muss.

    Dazu noch ein Gedanke:

    Nein, es geht mir zum Beispiel nicht darum, dass Alkohol verboten werden sollte, nur weil ICH ein Problem damit habe.

    Fakt ist aber, dass die Selbstverständlichkeit, wie Alkohol in unserer Gesellschaft angeblich zum Leben dazu gehört, ein ernsthaftes Problem darstellt, unter dem sehr viele Menschen ernsthaft leiden und sogar zugrunde gehen. Das sind ja nicht nur die, die zu Abhängigen werden, sondern auch deren Angehörige.

    Verbote und Beschränkungen werden diesbezüglich kaum eine Veränderung bewirken. Veränderung wäre aber denkbar durch Sensibilisierung für die Problematik.

    Bei uns zuhause gibt’s keinen Alkohol und das hat den einen oder anderen, der uns besucht, durchaus nachdenklich gemacht und seinen eigenen Konsum hinterfragen lassen.

    Was ich mir wünschen würde, ist, dass in unserer Gesellschaft bewusster mit Alkohol umgegangen würde, dass der Gedanke, dass Alkohol selbstverständlich überall hinzugehört, hinterfragt würde.

    Soll ich dem anderen mein "Joch" (was in dem Sinne für mich keins mehr ist) mit auferlegen und meine "Krankheit" wie ein Schild vor mir hertragen?

    Es geht meines Erachtens gar nicht darum, dem anderen mein „Joch“ aufzuerlegen und meine „Krankheit“ wie ein Schild vor mir zu tragen, sondern es geht vielmehr darum, ob ich auf eigene Kosten Rücksicht auf andere nehmen muss.

    Wenn es mir nicht gut tut, wenn mein Partner zuhause am besten noch in meiner Gegenwart Alkohol konsumiert, darf ich ihn denn dann nicht darum bitten, Rücksicht auf mich zu nehmen?

    Bin ich denn weniger wichtig als andere?

    Hallo Lala,

    mir ging’s zunächst auch darum, mögliche Trigger zu vermeiden. Und ich hab eben auch mit Alkohol gekocht und ihn dabei auch reichlich getrunken.

    Insgesamt aber ging’s mir dann darum, mich konsequent vom Alkohol lösen. Erst Recht, als mir im Laufe meiner Abstinenz so richtig bewusst geworden war, was er in meinem Körper und meiner Psyche angerichtet hatte.
    Ich wollte daraufhin ganz neue Wege gehen. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich dabei viel Neues und Interessantes entdeckt habe. Ich wollte den Alkohol nicht vermissen und das habe ich auch erreicht.

    Es spielt ja durchaus auch eine Rolle, ob ich den Alkohol noch in meinem Kopf, in meinen Gedanken habe. Davon wollte ich mich gänzlich lösen, um wirklich frei davon zu sein.

    In meinen Saucen fehlt mir der Alkohol überhaupt nicht, für die Säure nehme ich ggf. Traubensaft oder sogar Apfelsaft. Es geht mir sogar so, dass ich, wenn ich in einem Restaurant zufällig an eine Sauce gerate, die weinhaltig schmeckt, diese überhaupt nicht mag. Ich mag auch keine echten Mozartkugeln mehr, die Alkohol enthalten, die schmeckten total fuselig. Iiiiiiii bah. 🤢 - Eigentlich ganz normal, denke ich, denn Vergorenes, sozusagen Verdorbenes, würde ja normalerweise auch niemand mehr essen… 😅

    - Bötest du Kindern Alkohol an - und damit meine ich nicht so‘n versüßestes, verschleiertes Zeug wie Eierlikör - würden die das überhaupt nicht mögen.

    Als Kind hab ich mal etwas Bier getrunken, weil ich das in dem Glaskrug, der normalerweise mit Apfelsaft gefüllt wurde und den mein Vater genutzt hatte, um seinen Bierkonsum und Rückfall (er war Alkoholiker und hatte immer wieder Rückfalle) vor uns zu verheimlichen, für Apfelsaft gehalten hatte. Ich hab mich ziemlich erschrocken und fand den Geschmack sehr unangenehm.


    Ich hab mich in den letzten Jahren schon öfter gefragt, ob ich mir da bei meinem Alkoholkonsum nicht antrainiert habe, etwas als guten Geschmack zu empfinden, was mir von Natur aus gar nicht schmecken würde. Ich bin schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass das wohl so gewesen sein muss.

    Für unsere Gäste kaufen wir keinen Alkohol ein - das würde sich für uns nicht richtig anfühlen, weil uns so richtig bewusst geworden ist, wie Alkohol Schaden anrichtet. Kein Gastgeber würde schließlich auch Zigaretten oder sonstige Drogen bereit halten, wenn seine Gäste das sonst konsumieren.

    Unsere Gäste dürfen sich inzwischen bei uns aber Alkohol mitbringen, wenn sie meinen, das sie Alkohol konsumieren wollen. Kommt ab und zu, aber eher selten vor. Ihre Gläser müssen sie sich dann auch mitbringen.

    Ein sehr guter Freund von mir meinte mal zu mir, er halte es für eine Sache des Respekts, in meiner Gegenwart keinen Alkohol zu konsumieren. Er halte es nicht für in Ordnung jemandem, der ein echtes Problem mit Alkohol hat, durch das Konsumieren von Alkohol in dessen Gegenwart auch noch vor Augen zu halten, dass er ein Problem hat. - Ich hab vor Rührung geweint, als er das sagte.

    Mittlerweile juckt mich überhaupt nicht mehr, wenn andere in meiner Gegenwart Alkohol konsumieren - meine Familie zum Beispiel hat darauf nie Rücksicht genommen. - Ich habe mich aber auch ganz und gar von der Vorstellung lösen können, da irgendetwas zu entbehren. Es hat aber seine Zeit gebraucht, bis ich dort war, wo ich jetzt bin.

    LG AmSee

    Lala , das klingt danach, dass du den Weg der Konfrontation gehst. Ich hab schon von anderen gehört, die das auch so gemacht haben.

    Ich selbst bin diesen Weg nicht gegangen, weil ich mich bewusst nicht überfordern wollte.

    Hallo Neko,

    Danke dir für dein Update.

    Ich kann mir kein wirkliches Aufatmen erlauben.

    Nein, das kannst du leider nicht. Du kannst leider nur abwarten, ob er‘s jetzt wirklich ernst meint und konsequent angeht. Du hast getan, was in deiner Macht stand. Für deine Töchter hoffe ich, dass er sie nicht wieder enttäuscht.

    Ich drücke euch die Daumen.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Lala , dann wünsche ich dir heute beim Angeln viel Erfolg und einen angenehmen Tag. 🍀

    Ich fühle mich immer noch motiviert, aber merke wie ich mich innerlich gestresst Gefühle und sehr angespannt bin. Es fällt alles etwas schwerer.

    Lass dich von mir etwas beruhigen: Das ist ganz normal und gehört auch zu den Entzugserscheinungen.

    Was unheimlich helfen kann, ist, informiert zu sein, was da eigentlich bei einem abgeht. Das nimmt etwas von der gefühlten Bedrohlichkeit.
    So kannst du dich in gewisser Weise auf von außen beobachten, kannst dir dann sagen: Aah, jetzt passiert dies, jetzt passiert das. Auf diese Weise, mit diesem gedanklichen Abstand kannst du wieder Kontrolle gewinnen über etwas, was dir eigentlich das Gefühl gibt, die Kontrolle verloren zu haben.

    Das kannst du auch mit den Gefühlen machen. Nimm sie einfach nur wahr und frag dich, was das gerade für ein Gefühl ist. Bewerte es dabei aber nicht, sondern beobachte es nur.

    Und Gedanken sind nur wie Wolken. Auch die kannst du zunächst einfach nur beobachten und vorüber ziehen lassen wie Wolken.

    Dem Alltag einen neuen Sinn zu geben, fällt gar nicht so leicht 😉

    Wenn man etwas Neues beginnt, ist das in der Regel nie leicht. Erinnere dich daran, wie das war, als du laufen gelernt hast. Das konntest gewiss auch du nicht von jetzt auf gleich. 😉

    Heute aber dürfte dir das Gehen, Stehen, Laufen kaum mehr schwerfallen, oder? 😄

    Nimm dir kleine Schritte vor. Wenn du erstmal angefangen hast und offen bist, ergeben sich die nächsten Schritte mitunter ganz von selbst.

    Versuch‘s mal positiv zu betrachten: Vor dir steht eine spannende Reise, ein großes Abenteuer, mit ganz vielen Entdeckungen. 😊

    LG AmSee

    Stilles Wasser spricht da meines Erachtens etwas sehr Wichtiges an.

    Weil ich nicht wusste wie am Ball bleiben mit dieser depremiert - verkaterten "Nie wieder Alkohol" Erkenntnis. Aus heutiger Sicht würde ich sagen ich war nicht bereit ein echtes Zeichen, ein Fundament zu setzen um aus meinem Kreislauf herauszukommen.

    Die Aussicht, „Nie wieder Alkohol“ hat mir, als ich hier aufschlug, Angst gemacht, obwohl ich längst bemerkt hatte, dass ich meinen Konsum nicht wirklich kontrollieren kann, sobald ich das erste Glas trank.

    Erst hier - durch den Austausch mit anderen - konnte ich meine Gedanken sortieren und bekam von meinen Gesprächspartnern echt hilfreiche Antworten. - Und ich hab echt viel geschrieben…🙈

    Ich war dann auch endlich bereit, aus meinen Teufelskreis herauszukommen. Und ich war unendlich froh, hier Gesprächspartner zu haben, die mich dabei begleiten wollten.

    Lala , du kannst hier durchaus schreiben, wenn’s schwierig für dich wird und du Begleitung brauchst. Auch das kann durch schwierige Tage hindurch helfen.

    LG AmSee

    Hallo Lala,

    was gibt denn für Dinge/ Tätigkeiten, die dir gut tun oder die du gerne machst? - Musst du hier nicht beantworten. -

    Ich hab mir diese Frage vor ein paar Jahren selbst gestellt. Zunächst wusste ich darauf keine Antwort, aber nach und nach kamen aus meinem Inneren Antworten hoch. Und darauf, das zu tun, habe ich mich dann auch konzentriert.

    Hallo und herzlich Willkommen bei uns, Lala,

    Danke dir für deine kurze Vorstellung, ich werde dich gleich für den Austausch im öffentlichen Bereich freischalten und deinen Thread in das entsprechende Unterforum verschieben.

    Zu deiner Frage: Du hast bemerkt, dass du die Kontrolle verlierst, sobald du trinkst.
    Das ist etwas, was mir, als ich hier Ende Oktober ˋ20 aufschlug, auch aufgefallen war. Deshalb hatte auch ich mich hier angemeldet und Hilfe gesucht. Durch den Austausch mit anderen und durch das Lesen der Erfahrungsberichte anderer wurde mir immer klarer, wo ich bereits stand und wohin es mit mir kommen würde, wenn ich nicht die Reißleine zog. Ich hab daraufhin die Reißleine gezogen.

    Wie beginnt man diesen Berg zu bezwingen?


    Den ersten Schritt hast du schon gemacht. Dir ist bewusst geworden, dass du ein Problem hast, du hast begonnen, dich damit zu beschäftigen. Und du hast, indem du dich hier angemeldet und vorgestellt hast, begonnen, dir Gesprächspartner, mit denen du darüber reden kannst, zu suchen.
    Das ist ein Anfang.

    Herzlich Willkommen.

    Viele Grüße

    AmSee

    Gegen Ich-Botschaften ist gar nichts einzuwenden. Aber da ich als Egoistin wirklich viel um mich kreise, versuche ich mich bewusst auf Andere zu lenken und mehr hin zu ‚Was willst du‘ und nicht ‚Was will ich’. So ist das gemeint.

    Aah, ok, ja, das kann ich nachvollziehen.
    Ich hab da tatsächlich nur an den sogenannten gesunden Egoismus gedacht, den ich überhaupt erst lernen musste.
    Ich hab mich früher viel zu sehr nach dem, was andere wollten, gerichtet. Jetzt bemühe ich mich da um einen angemessenen Mittelweg.

    Liebe Bighara,

    Liebe AmSee, also, wenn ich eins in diesem Forum gelernt habe, dann dass ich NUR für mich sprechen kann. 🤣

    ich muss interessehalber nachfragen:

    Hast das hier wirklich gelernt oder hast du den Eindruck, dass es dir aufgezwungen wurde?

    Da steht viel ‚Ich, Ich, Ich‘. Fühle mich da manchmal schon sehr egozentrisch, weil ich das im Alltag als geübte Egoistin versuche ein wenig abzustellen.

    🤔 Was spricht denn im Alltag gegen Ich-Botschaften?

    Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige und mit zunehmender Dauer der Abstinenz ist es so, als würde sich immer mehr die Essenz der Sucht für mich herauskristallisieren. Manchmal denke ich mir dann: Hach, eigentlich ist es so einfach und naheliegend, weißt du?!

    Ich hab durchaus eine Ahnung. 😉

    Lass dich aber von mir warnen, von dir allgemein auf andere zu schließen.

    Mich beschäftigt das Thema Sucht ja nun auch schon eine Weile und dabei durchaus Themen, die für mich damit einhergehen.

    Und wie dir gewiss nicht entgangen ist, beschäftige ich mich auch mit neurologischen und psychologischen Erkenntnissen. 😉

    Was sich für mich im Laufe der Auseinandersetzung mit diesem Thema und im Austausch mit anderen Selbstbetroffenen immer mehr herauskristallisiert, ist, dass ich das Thema Sucht für mich zwar klären kann, die Klärung aber nicht unbedingt für andere gilt. Mitunter gibt es Ähnlichkeiten, doch es gibt eben auch Unterschiede.

    Ich teile hier ja so manches, was für mich hilfreich ist, aber nicht immer kann mein Gegenüber etwas anfangen. 🤷‍♀️

    Hi Bighara,

    Paul Was mich darin bestärken würde, dass es sich bei Sucht - stark runtergebrochen - um eine Störung der Emotionsregulation handelt…um sowas wie eine Impulskontrollstörung. Eben, weil man nicht gelernt hat, anderweitige Wege zur Regulation zu finden, die keine/r Betäubung bedürfen/verlangen. 😁

    ich stell dir in deinem eigenen Thread mal ne Frage dazu.

    Warum dir das so wichtig, Sucht allgemein zu erklären? Denn so wirkt dein Post bei Paul auf mich.

    Grüße

    AmSee

    Mit dir ist alles in Ordnung, auch wenn du den Drang hast Alkohol zu trinken, obwohl es dir ohne Alkohol so viel besser geht. Ich finde, dass diese Suchtgedanken sogar wichtig sind, weil sie für dich auch als eine Art Hinweisgeber dienen können…vielleicht bist du in der Überforderung unterwegs, wenn die Suchtgedanken kommen? Ist dir in dem Moment alles zu viel? Ist ok, dann fahr einen Gang runter und kümmere dich um dich selbst.

    Das kann ich nur unterstreichen.


    Und wer sagt denn, dass diese Emotionen wie Wut, Traurigkeit, Frust nicht sein dürfen?
    Hab ich früher auch geglaubt, dass insbesondere Wut nicht sein darf. Das hat mir meine Familie so beigebracht…. Naja, die wussten‘s wohl selbst nicht besser…

    Was passiert aber mit unterdrückter Wut, mit unterdrückter Traurigkeit, mit unterdrücktem Frust? Weg gehen die ja nicht von selbst.
    Bei mir ging das mitunter nach hinten los, sei es durch Schmerzen, Verspannungen usw. nach Innen in bestimmte Körperregionen oder Organe, sogar in Autoaggression (der Drang, sich selbst zu verletzen), sei es in manchen Situationen völlig unkontrolliert nach außen.
    Kein Wunder, dass ich solche Emotionen erst recht nicht spüren wollte….

    In den vergangenen Jahren durfte ich endlich lernen, dass auch diese Emotionen ihre Gründe und durchaus ihre Berechtigung haben. Sie dienen unter Umständen meinem Schutz, Schutz zum Beispiel vor Überforderung. Wenn ich wütend bin, habe ich im Vorfeld etwas erlebt oder erfahren, eine Ungerechtigkeit vielleicht, was mir so gar nicht passt. Die Wut ist insofern nur ein Hinweisgeber.
    Auch wenn ich traurig bin, gibt es einen berechtigten Grund, der das auslöst, ebenso Frust.

    Als hilfreich habe ich an mir selbst kennengelernt, dem Gefühl erstmal nachzuspüren. Wo spüre ich es, welche Gedanken denke ich. Dann atme ich nicht selten erstmal durch. Das hilft mir dabei, etwas Abstand zu gewinnen und das Ganze ein bisschen von Außen zu betrachten, um dann zu einer angemessenen Lösung zu finden.

    Das konnte ich gewiss nicht von jetzt auf gleich, aber Schritt für Schritt wurde es leichter und ich selbst gewann damit allmählich an Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und einer gewissen Gelassenheit.

    Den „Durst“ ganz bewusst mit Wasser oder etwas anderem Vergleichbaren zu stillen, hat sich auch bei mir bewährt. Ist der Bauch mit Wasser o.ä. gefüllt, ist der „Durst“ wundersamer Weise weg.

    LG AmSee

    Ich erfreue mich auch über viele schöne Dinge die ich sehe, aber im Gegensatz zu früher, muss ich sie heute nicht mehr besitzen.

    Das kommt mir bekannt vor, weil’s mir ganz ähnlich geht.
    Besitzen möchte ich eigentlich nur noch, was ich wirklich brauchen kann. Und das ist, wenn ich ehrlich bin, ziemlich wenig.

    Ich hab die Haushalte meiner Großeltern (mütterlicher-, väterlicher-, schwiegerelterlicherseits) und den meiner Mutter auflösen müssen… Das war alles andere als leicht für mich, deshalb würde ich, wenn meine Zeit irgendwann gekommen sein wird und ich rechtzeitig vorher Bescheid weiß (wer weiß das schon….), meine Wohnung gerne besenrein übergeben. 😉

    Bis dahin sortiere ich erstmal weiterhin fleißig aus und bringe das, was andere vielleicht noch brauchen könnten, über Kleinanzeigen, Secondhandhandel oder Verschenkkartons unter die Leute.

    Ich hatte Jahre lang Einzelhandel. Oft kamen alte Menschen zu mir rein und das erste was sie sagten war: "wir gucken nur, wir brauchen nix. Wissen Sie in unserem Alter haben wir uns schon von allem getrennt."

    Für mich als Unternehmer ist das natürlich Kassengift. Irgendwann hab ich die Kundengruppen in Sehleute und Kaufleute eingeteilt.

    Das kann ich ziemlich gut nachvollziehen.

    LG AmSee

    Hallo Mops,

    Gerade weil so viele Dinge mit Erinnerungen verbunden sind kann das auch blockieren und eventuell neue Sichtweisen oder neues Verhalten beeinflussen. Oder mann rollt ne riesen Mistkugel voller Erinnerungen vor sich her. Die schönen Erinnerungen hat mann doch eh abgespeichert.

    das sehe ich ganz ähnlich wie du.
    Ich hab in den vergangenen Jahren gelernt oder vielmehr nach und nach immer mehr begriffen, was für eine Bedeutung das für mich hat, im „Hier und Jetzt“ zu leben.
    Als ich vor über acht Jahren wegen schwerer Depression in der Klinik war, war das „Seien Sie im Hier und Jetzt“ für mich oft nur eine leere Formel.
    Inzwischen, da ich u.a. auch durch meine Abstinenz und meine Selbstfürsorge zunehmend zu mir gefunden habe, fällt mir mitunter auf, dass mich so mancher Gegenstand, der mit Erinnerungen behaftet ist, von meinem Hier und Jetzt ablenkt. Und ich spüre, das mir das nicht unbedingt gut tut. Deshalb habe ich ja auch schon vor einer Weile mit dem Aussortieren begonnen, so schwer mir das auch trotzdem gefallen ist.
    Doch da ist noch immer zu viel da, weil ich keine „Radikalkur“ machen kann bzw. machen will. Ich hab viel zu lange in meinem Leben gegen mich und meine eigenen Bedürfnisse arbeiten müssen, in mir wehrt sich alles dagegen, das nochmals zu tun.

    Erschwerend kommt dabei auch hinzu, dass mein Mann sich ebenfalls nicht von Sachen trennen kann, genauso wie seine noch lebenden Eltern… So haben wir mitunter auch die Diskussionen, weil er Dinge nicht hergeben kann oder will.

    Doch wir sind insgesamt auf dem Weg, denn im Prinzip geht’s uns beiden ähnlich, was den sogenannten Ballast betrifft.

    Letztens war ich bei uns auf der Mülldeponie weil ich 2 Fenster und Metall-Schrott weg bringen musste. Was ich da gesehen hab ist eigentlich echt traurig. Es wandert wirklich alles auf den Müll, auch völlig intaktes Zeugs. Eine Frau hab ich beobachtet wie sie ein ganzes Service in den Kontainer schmiss. Drauf angesprochen hat sie mir gesagt "das ist von Oma, das will keiner mehr". Und es stimmt. Wenn es nicht Grade Meissen oder ähnliches ist, will das keiner mehr.

    Sowas beobachte ich auch immer wieder, wobei ich inzwischen möglichst ganz bewusst nicht mehr richtig in die Container des Wertstoffhofs schaue, weil mich die Wegwerf-Mentalität unserer Gesellschaft abstößt und auch traurig macht.

    In meiner Wohnung gibt es nur sehr weniges neu Gekauftes. Nicht, weil ich mir nichts Neues leisten könnte, sondern weil mir Nachhaltigkeit eine Herzensangelegenheit ist.

    Hi, mops und Stilles Wasser ,

    ich hab auch in eine Leseprobe des Buchs hineingesehen, weil mich das Thema ja auch immer mal wieder beschäftigt.
    Da war auch für mich durchaus Inspiration drin und motiviert gehe ich zur Zeit täglich daran, meine Küche mit überschaubarem Aufwand immer wieder ordentlich zu halten. Und das gefällt mir tatsächlich so.

    Was mich aber noch mehr anspricht, ist die Idee, die Methode von Marie Kondo. Ich hab ja nun auch Schwierigkeiten darin, mich von Sachen zu trennen, u.a. weil’s die Sachen meiner verstorbenen Eltern und Großeltern sind, die früher erlebten Notzeiten noch in mir drin sind und weil ich immer wieder selbst die Erfahrung gemacht habe, dass ich dies oder jenes zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich noch gut brauchen kann. Doch zugleich empfinde ich viel zu vieles, was mich umgibt, als Ballast, den ich nur zu gerne von jetzt auf gleich loswerden würde.


    Die Idee von Frau Kondo, sich nur mit dem zu umgeben, was einen glücklich macht, hat irgendwie was für sich, und ebenso, dass dann jedes Ding seinen Platz hat und wertschätzend damit umgegangen wird.


    Jedenfalls spricht mich sowohl bei Brants Buchtipp als auch bei dem Konzept von Frau Kondo etwas an, was ich als hilfreich empfinde.

    LG AmSee

    Aber was echt nervt, wenn ein neuer (es ist ja offenes Meeting) die Gruppe betritt, wird schlagartig der Neue eingeführt und jeder erzählt ihm seine positiven Erfahrungen mit AA. Das sind immer die gleichen Geschichten.

    Nun ja, ist das nicht verständlich?
    Ich könnte mir gut vorstellen, dass dahinter der Gedanke steht, dem Neuling, der ja nicht ohne Grund dort aufschlägt, Mut zu machen.
    Und wer keine positiven Erfahrungen mit den AA gemacht hat, bleibt den Sitzungen naturgemäß fern.
    Und dass sich die Geschichten gleichen: Nun, wer erzählt denn in den Sitzungen von sich? In der Regel die, die etwas sagen wollen, unter Umständen sind das immer dieselben.

    Letztes Mal war es so heftig das ich dachte gleich fallen im Gemeindehaus die Kreuze von den Wänden ( ev. Gemeindehaus ist unser Gruppenraum). Das war schon fast Exorzismus. Also ich empfand das als Verstörend.

    🤣Sorry, aber ich seh das mit nem gewissen Humor.